Facie prima

Mittwoch, 2. September 2009

Heute: Der Dämonische, Oskar Lafontaine

Das Teuflische fesselte von jeher. Um den Satan, der als Mensch auf Erden kam, auch für den Konsumenten moderner Teufelsgeschichten kenntlich zu machen, bedarf es der Fotographie. Das den modernen Journalismus begleitende Bild, diese gezielte optische Einflussnahme, unterstreicht propagandistische Textblöcke und entscheidet zwischen Heiligenschein und Klumpfuß. Oskar Lafontaine, stellvertretend für die gemäßigten, sozialdemokratisch gefärbten Positionen seiner Partei, haben luziferische Züge zu begleiten. Er muß genau dann geknipst werden, wenn er hasserfüllte, fanatische, wutentbrannte, fratzenhafte Momente hat, die gewöhnlich jedem Redner für den Hauch eines Momentes gefangennehmen. So wird Lafontaines kurzzeitiges Entgleisen der Gesichtszüge zur Maske, zum Synonym teuflischen Treibens, wird er zum advocatus diaboli. Würde er freundlich in das Objektiv blinzeln, dabei sozialdemokratische Forderungen stellen, die besitzenden Klassen - die die Teufelei ja benötigen, um ihre eigene Teufelei zu verstecken - würden von der Angst getrieben, bald ein Körnchen ihres Habens abtreten zu müssen.

Dem Betrachter des medialen Lafontaine soll geschwind einleuchten, dass mit Fanatikern der linken Art kein Geschäft, kein Staat zu machen ist. Journalistische Artikel, die die Furcht vor den Kommunisten schärfen sollen, reichen nicht aus. Der Leser will auch betrachten, er will sehen, wie so ein Enteigner aussieht, will seine Bösartigkeit erkennen, ihr nicht nur hinterherlesen müssen. Kommt der Teufel kommunistischer Umverteilungsschule doch zu politischen Ehren, weil nicht ausreichend Wahlvolk teuflische Bilder des Verführers getankt hat, dann gesellt sich dem Diabolischen Verschlagenheit hinzu. Kann man einem solchen Typen trauen? Er blickt von unten empor, wie aus einem Versteck lugend, den Gegenüber mit kalten Augen fixierend, während das Gesicht noch hinabgeneigt ist. Offensichtlich kann er seinem Partner nicht offen ins Gesicht blicken. Hat er etwas zu verbergen? Die Hinterhältigkeit wird zur Person, die Heimtücke wird greifbar. Einem solchen Mann darf man kein Forum bieten, ein solcher Geselle ist Verführer, Populist, ein neuer Hitler - diskreditiert, jemals Fuß zu fassen. Und hat Schröder Lafontaines hasenherzigen Rückzieher nicht als hinterhältig empfunden? Die Biographie verselbständigt sich und umgarnt die Fotolandschaft verschlagener Verführerblicke, macht das Foto wahr, weil die biographische Komponente angeblich wahr ist.

Hat er dann sein Ziel erreicht, haben seine Verführungskünste gefruchtet, dann lacht er verschmitzt, mehr noch, er lacht dann dreckig und boshaft, verspottet seine Feinde, reibt sich dabei auch noch zynisch die Hände. Es ist vollbracht, mag er sich dann denken, ich habe denen wieder ordentlich eingeschenkt und niemand kann was gegen mich und meine verbrecherischen Ziele machen. Wie der billig konstruierte Bösewicht billig erfundener Abenteuergeschichten, wiehert er aus tiefsten Bauch heraus, um seiner Boshaftigkeit äußerliche Gestalt zu geben. Er lacht voller Verachtung für die anderen, voller Huldigung seiner selbst; er lacht, weil er sein Meisterstück selbst nicht fassen kann. Will man von so einem selbstherrlichen Gockel regiert sein? Will man, dass so einer überhaupt mitregieren darf? Der Fanatiker, der Arglistige und der zynische Spötter, das sind die Masken des Lafontaine, die er in den Medien aufgesetzt bekommt. Selten findet er sich lächelnd und seriös abgelichtet, immer bewegt er sich in den drei Kategorien seiner vermeintlichen Niedertracht. Einen seriösen Lafontaine gibt es in BILD, Spiegel, Stern, FAZ und wie sie alle heißen, überhaupt nicht. Es kann und darf ihn dort nicht geben. Wenn er doch einmal im Habitus derer dargestellt wird, die ihn verachten, dann wird dies ausdrücklich als eine Art Seltenheitserscheinung stilisiert. Oder es wird als Masche des Teufels entlarvt. Denn wenn der Höllenfürst sich als Mann von Format verkauft, einen auf Steinmeier, Westerwelle oder Rüttgers macht, dann ist das ein Hinterhalt, dann will er uns mit Format in die Höllenfluten stürzen.

18 Kommentare:

Anonym 2. September 2009 um 12:55  

Fantastischer Artikel der mal wieder klar die billige Meinungsmache von Bild und Co. beleuchtet. Das Schlimmste aber ist: Die Leute fallen zu großer Mehrheit darauf rein.

Ergänzend zum Thema Lafontaine ein Link auf die Seite der Grünen in Homburg (Saarland) wo gleich zu Beginn der Seite sich ein Artikel über ihn befindet.

Wer die Grünen auch nur für ansatzweise links hält hat selbst schuld.

Grüne = FDP

http://www.gruene-homburg.de/

Geheimrätin 2. September 2009 um 13:24  

Mein Goodness. Hast ja echt dolle Bilder ausgekramt Roberto. Und bei dem verlinkten Artikel auf den Nachdenkseiten wird einem speiübel! Ich kann wirklich nur eins hoffen, nämlich dass alle Wähler einer sozialdemokratischen Politik endlich begreifen, wo sie ihr Kreuz zu machen haben. Ich denke, Thüringen und die Reaktionen der Ex-Genossen nach den Wahlen wird auch trozt dr tollen Bilder und Hasstiraden vielen die Augen geöffntet haben. Hoffen wir dass es genug sind!

klaus baum 2. September 2009 um 14:18  

sie sollen ja kleine kinder verspeisen. hab ich gehört.

Anonym 2. September 2009 um 14:27  

Bitte weiter denken! Auch ich würde nur zu gerne glauben, dass Lafontaine der Retter in der Not neoliberaler Vorherrschaft ist. Nur weil er vom Springer-Konzern und anderen Medien dämonisiert wird, ist er nicht die erste Anlaufstelle für oppositionell denkende Menschen. Glauben Sie ernsthaft, man könne Ministerpräsident eines deutschen Bundeslandes oder SPD-Parteivorsitzender und Bundesfinanzminister werden, ohne dergleichen Elite anzugehören wie Merkel, Schröder, Steinbrück und co. Dieser Glaube ist recht naiv.

Ich würde auch niemals Lafontaines persönliche Rücktrittsstory glauben, nach der er wegen den ihm feindlich gesinnten Medien und der Wirtschaft keine andere Wahl gehabt hätte, und weil seine Vorschläge zur Finanzmarktregulierung nicht unterstützt worden wären. Das erinnert mich stark an die sogenannte Dolchstoßlegende der Weimarer Republik. Lafontaine ist weder links noch neoliberal - aber er arbeitet für die großen Banken.

Die Eliten brauchen immer wieder scheinbar "unverbrauchte" Leute, die dem Establishment fernstehen wie Jimmy Carter in den 70ern und heute Obama.

Roberto J. De Lapuente 2. September 2009 um 14:49  

Bitte weiter denken! Auch ich würde nur zu gerne glauben, dass Lafontaine der Retter in der Not neoliberaler Vorherrschaft ist. Nur weil er vom Springer-Konzern und anderen Medien dämonisiert wird, ist er nicht die erste Anlaufstelle für oppositionell denkende Menschen. Glauben Sie ernsthaft,...

Blabla... was ich ernsthaft glaube, wurde an dieser Stelle nicht thematisiert, also regen Sie sich ab...

Rebecca Evan 2. September 2009 um 14:54  

Ich finde es absolut klasse, erste sahne, was so in diesen Medien gemacht wird. Mittlerweile ist der gewiefte Wähler schon soweit intelligentiert, daß er demokratisch von undemokratisch unterscheiden kann und somit diesen Medien durchaus überlegen ist, wenn es darum geht persönliche Entscheidungen zu treffen -ohne Einflußnahme von außen. Die Ergebnisse in den 2 Ländern beweisen dies eindeutig. Somit diskreditieren sich Medien wie BILD und der ganze Springer-Komplex selbst und dazu noch jene Parteien die sie versuchen als wahre Engel und Bürgerfreunde darzustellen.

Es gibt aber auch Medien, die beweisen momentan, das es auch anders geht (Bspw: http://www.n-tv.de/politik/politik_kommentare/Die-SPD-das-zickige-Kind-article486149.html). Wie lange dies anhält und ob es sich nicht nur um eine Eintagsfliege handelt oder darum der CDU zuzuspielen -was Aberglaube ist, bleibt abzuwarten. Allerdings merken die Medien allmählig auch, daß es ihnen ebenfalls an den Kragen geht. In sofern könnte man vermuten, sie handeln aus dem Selbstschutzprinzip heraus.

Wenn der Springer-Konzern anfangen sollte auf das Pferd "Bürgerinteressen" aufzuspringen, dann sollte man sich ernsthaft Gedanken machen. Korrekt handeln, nur um am Ende auf der Gewinnerseite zu stehn, ist nicht die Beste aller Lösungen -zumindest unfein, da unehrlich.

Ich freue mich über den Wahlerfolg der Linken in Thüringen, als auch im Saarland. An denen läßt sich auch feststellen, daß ein Wahlerfolg doch auch Personenabhängig ist. Eine Julia Bonk hätte durchaus mehr erreichen können als ein Andrè Hahn.

Nichts desto Trotz -ich bin mir sicher, daß Die.LINKE zur Bundestagswahl noch stärker ist als die Jahre zuvor. Und ebenso sicher bin ich mir, daß die Wähler und Wählerinnen schon ganz genau wissen wer sich tatsächlich eine 'bürgerliche Partei' nennen darf und welche nicht.

Anonym 2. September 2009 um 15:23  

@Roberto: Aber BILD hat recht: vor Lafontaine und Gysi muss man sich fürchten. Vor Merkel und Seehofer natürlich auch, aber das ist eine andere Geschichte. Besonders Lafontaine ist ein klarer Despot. Wer dagegen ist, kann eigentlich nur gegen Lafontaine sein. Also ist es durchaus zulässig, ihn in der Rolle des zornigen Herrschers oder Teufels zu zeigen.

Was mich an Lafo und Gysi stört, ist dass sie die "neoliberale" Doktrin quasi mit einer neuen, anti-neoliberalen überziehen. Das neoliberale Denkmodell und der Rückzug des Staates aus der Sozialpolitik wird für den Niedergang der Gesellschaft verantwortlich gemacht. Dass der Neoliberalismus indes nur eine Facette der Herrschaftsausübung unter vielen ist (dazu gehört auch der Sozialismus), bemerken viele garnicht mehr. Es gibt nichts unklugeres als eine Partei "Die Linke" zu nennen. Immer wieder diese vermeintlichen unterschiede: links und rechts, neolibaral und keynesianisch, konservativ und progressiv. Worum es wirklich geht, nämlich um die Diktatur der Bankenoligarchie zu brechen, darauf kommt niemand mehr.

Roberto J. De Lapuente 2. September 2009 um 16:52  

Es geht hier, unter facie prima, nicht darum, wer Lafontaine ist. Hier wird die bildliche Darstellung abgehandelt. Alles andere wurde und wird andernorts thematisiert, auch hier freilich, aber nicht dort, wo die Macht des Fotos Gegenstand ist.

Anonym 2. September 2009 um 17:10  

Ich nehme die bildliche Darstellung von Herrn Lafontaine in den Print-Medien genauso wahr, wie Sie sie darstellen. Interessant ist es allerdings, "Oskar Lafontaine" einmal bei Google images suchen zu lassen. Die Bilder, die man (zumindest in diesem Moment) angezeigt bekommt sind durchweg freundlich lächelnd, energetisch-kämpferisch oder zumindest neutral. Das Netz ist hier anscheinend weniger voreingnommen.

philgeland 2. September 2009 um 18:09  

Zur Schlagzeile der BILD: "Angst vor Lafo und Gysi" frage ich mich, wie das wohl in den Köpfen einiger Leute abläuft, die tatsächlich "linke Umtriebe" fürchten. Die eigentliche BILD-Message lautet: das sind unsichere Kantonisten. Eine Hetzkampagne á la Brandt, nur dezenter, Version Light.

antiferengi 2. September 2009 um 20:00  

@Anonym
Ich sehe da outet sich ein Pirat. Die momentane Hauptentschuldigung fürs Nicht-Entscheiden-Können dieser Art, bei gleichzeitiger Akzeptanz der Multimentalität von linker, rechter, neoliberaler, E-Commerce berücksichtigende Abneigung gegen Großkapitalinteressen, - ist doch die momentane Hauptdebatte dieser Partei.
Und damit man das nicht zugeben muss, dreht man einem Lafontaine Neoliberalität mit Unterstützung der Großbanken an. Die Piraten haben das gleiche Problem wie die SPD. Ständiges Denunzieren des eigenen schlechten Gewissens, und jedes Fehlen von Fairness, und Anstand. Bei den P. ganz besonders noch Akzeptanz von Uneindeutigkeit, weil man sonst Wähler, und auch Mitglieder, die man unbedingt braucht entlassen müsste.

Andreas 3. September 2009 um 00:57  

Was die können, können andere aber auch:

http://www.spiegelfechter.com/wordpress/754/merkels-betroffenheit

epikur 3. September 2009 um 14:13  

Auf Oskar Lafontaine bei facie prima hab ich schon lange gewartet. Denn das ist offensichtliche Propaganda, die da betrieben wird, um bestimmte Interessen vertreten zu können und jedem, der gegen diese ist, zu denunzieren. Lafontaine ist nur EIN Beispiel von vielen, aber eben das offensichtlichste.

Roberto, schick Lafontaines Büro doch mal Deinen Artikel? Die freuen sich bestimmt über deine gute Analyse :-)

philgeland 4. September 2009 um 01:03  

@epikur, der Vorschlag hat was.

Rebecca Evan 4. September 2009 um 13:40  

Hallo Roberto,

mir wurde zum Thema folgendes zugespielt: http://www.konservative.de/thv_NyUxUu_1.pdf

Der Macher der Konservativen e.V, Siegerist (vormals BILD Journalist), sagt:
„Wir müssen früher oder später die Geburtshelfer einer anständigen konservativen Partei sein – ähnlich wie in der Adenauerzeit die DP (DEUTSCHE PARTEI)."

Wer die DP war sollte hinlänglich bekannt sein.

Aber auch einen alten Bekannten finden wir auf deren Webseiten [http://www.konservative.de]: Heinrich Lummer
(Warum wird in der Birthler Behörde eigentlich das Thema Lummer so totgeschwiegen?)


http://de.wikipedia.org/wiki/Joachim_Siegerist
http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Deutschen_Konservativen

aber... vielleicht hat ja Wendlin von Boch auch ein solches Exemplar erhalten, dann wäre seine Reaktion zur Firmenverlegung selbstklärend.



Grüßle
Rebecca

Hans-H. Föllner 5. September 2009 um 08:24  

@Andreas, eine Persiflage auf CDU-Wahlplakate mit einer zugegeben nicht glücklich dreinschauenden Merkel, wie bei "spiegelfechter" zu sehen, ist außer in einer vordergründigen Sicht nicht mit der Verwendung solcher Bilder von Lafontaine et al. vergleichbar.

MCBuhl 5. September 2009 um 11:40  

Kennt ihr den schon? "Darth Lafontaine". Ist zwar schon 1,5 Jahre alt, aber nun ja:
http://iskra.blogsport.de/2008/03/14/heute-oskar-lafontaine/

Rainer 6. September 2009 um 23:01  

@Föllner
Natürlich nicht vergleichbar: Eine Frau Merkel hat nichts bewegt aber sich vom Kapital treiben lassen, ein Herr Lafontaine bewegt was und jagt dem Kapital Angst ein. Die Bilder spielen keine Rolle: die Menschen haben Angst vor Merkel, Westerwelle, Steinmeier und Müntefering und mittlerweile auch den Grünen: seit 82 treiben diese Konsorten ( ja, ich weiß, nicht die Grünen) Politik. Seit der Ganove Lambsdorff sein Schmuddelpapier im Deutschen Bundestag hat verlesen dürfen findet Spaltung im großen Stile statt, gehört arm zu Arm und reich zu Reich: Menschlichkeit ausgeschlossen.
Wer zahlt denn Ihr Gehalt, Herr Föllner?

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