Posts mit dem Label Auf den ersten Blick werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Auf den ersten Blick werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Auf den ersten Blick

Dienstag, 19. Mai 2015

Heute: Der ewige Gewinner, der auch mal verlor, Josep Guardiola.

Der Mann hatte alles, was man für einen deutschen Sportreporter haben musste. Er wirkte agil, wie eine Gazelle der Coaching-Zone und hatte nebenbei Erfolg. Wobei Erfolg meint: Der Kerl hat einfach alles gewonnen, was es so zu gewinnen gab. Meisterschaften, Champions Leagues und hin und wieder als Trostpflaster und zur Aufwertung der persönlichen Bilanz ein nationales Pokalchen. Und weil dem so war (und eigentlich noch so ist), hat man Guardiola stets als jemanden bildlich dargestellt, der wie der geborene Sieger aussah. Selbstbewusst und stark. So ging es über Jahre. Jetzt stiert er in den Boden, weil die Saison nicht ganz so erfolgreich abgeschlossen wurde. Es gab Niederlagen, wie es sie in jedem Sport mal gibt und der Siegertyp wird abgebildet wie einer, der noch nie eine Ahnung vom Siegen hatte.


Vorher war er die Lichtgestalt des deutschen Vereinsfußballs. Und so sah er aus neben den Artikeln, die seiner Person gewidmet waren. Nun ist sein kahler Kopf nicht mehr die Ablage für einen Heiligenschein, sondern in Schatten getunkt. Er sitzt im Halbdunkel und nur sein von Sorgen geplagtes Gesicht blinzelt hervor. Was war der Himmel blau, als er von Sieg zu Sieg eilte und jeder Titel denkbar schien. Der Himmel lachte im Hintergrund azur und er stand strotzend neben dem Spielfeld, ein Hüne von einem Erfolgsmenschen. Unantastbar. Das war natürlich übertrieben, denn wer den Fußball kennt, der weiß, dass man immer verlieren und scheitern kann. Da kann man den Trainer noch so verherrlichend an die Seite eines Textes pappen. In ihm ruht immer auch der Verlierer. Und eines Tages ist es so weit. Und dann hagelt es Niederlagen und miese Pressefotos.

Dann sitzt der arme Mann, der sonst nie alleine war, der immer Freunde um sich hatte, jetzt ganz alleine auf seinem Stuhl. Verlierer mag keiner. Auch wenn sie gar keine richtigen Verlierer, auch wenn sie eigentlich eher sowas wie Gewinner mit beschränkter Erfolgsgarantie sind. Der nicht absolute Erfolg macht einsam. Heute mehr denn je. Man ist so unzufrieden geworden. Und Lichtgestalten sind so schnell die letzten Deppen. Auch auf Fotos. Gerade dort. Klar doch, nach einer Niederlage wird man schwerlich Bilder von einem lachenden Trainer machen. Aber warum überhaupt welche? Man weiß doch wie er aussieht. Es gab doch über zwei Jahre nur diesen einen Trainer im Lande. Alle anderen waren Lehrlinge. Er der Meister. Das war er vielleicht doch nicht. Auch nicht auf den Pressefotos, auf denen er als Lichtgestalt in Szene gerückt wurde. Er kochte auch nur mit Wasser. Man hätte das erwähnen sollen früher. Dann sähe der Mann jetzt nicht ganz so traurig aus.

Hier weiterlesen...

Auf den ersten Blick

Dienstag, 18. November 2014

Heute: Der diktatorische Fiesling, Claus Weselsky

Quelle: manager-magazin.de
Der GDL-Vorsitzende war mit Sicherheit trotzdem nicht der meist gehasste Mann im Land. Der Zuspruch vieler Menschen war enorm. In den sozialen Netzwerken konnte die Gewerkschaft Lob ernten. Viele zeigten sich solidarisch und nannten Weselsky einen aufrechten Gewerkschafter, einen fähigen Funktionär. Aber es sollte für eine einflussreiche Interessensgruppe und ihre Lohnschreiber und -berichterstatter so aussehen, als würde der Mann gehasst, wie keiner sonst. Neben veröffentlichen Telefonnummern und Bildern seines Hauses, musste man den Chef der GDL daher so in Szene rücken, dass er wie ein überheblicher, snobistischer Fiesling wirkte. Wie einer, der barfuß über Leichen steigt und es einen Verdauungsspaziergang nennt. Und aus diesem Grund lachen er und seine Mitstreiter fies im Gerichtssaal, weil sie »durchgekommen« sind. »Deutschland darf Einheit feiern - Weselsky gestattet es«, steht drüber.

Quelle: n-tv.de
Das Ebenbild eines feixenden Diktators, der großherzig einen kleinen Gnadenakt erlässt, hat viele Bilder gehabt in der vorletzten Woche. Mit der Arroganz einer Person auf Diskreditierungstour zu gehen, ist nicht besonders schwer. Wenn man den vermeintlichen Großkotz aber als jemanden vorstellt, der heiter in die Welt blickt, der schmunzelt oder gar lächelt, dann ist es fast ein Selbstläufer. Denn dann sieht die Person selbstgefällig, triumphierend aus, als ob sie sich ins Fäustchen lacht, um es sprichtwörtlich zu nehmen. Ein arroganter Typ widert einen an. Ein Snob, der fröhlich kokettiert, weckt das Gefühl, dass er einen verarschen will. Dass also bestimmte Medien Weselsky als lachenden Gewerkschafter abdruckten, das war kein Zufall. Sie wollten vermitteln, dass er ein gemeiner Mensch ist, der Freude an seiner Gemeinheit hat und auch noch damit durchkommt.

Quelle: Tagesspiegel
Und wenn er seine Gemeinheit nicht gerade genießt und das Land mit seiner fiesen Mimik verspottet, dann zeigt er stolz auf sein Werk. Auf die Anzeigetafel, die das Resultat seiner Abscheulichkeit notiert. »Schaut mal da, das war ich«, scheint er zu sagen, während unter dem Bild steht, »kein Erbarmen«. Das Bild und der dazugehörige Artikel ist schon drei Jahre alt. Schon damals las man: »GDL-Chef Weselsky nimmt eiskalt in Kauf, dass Millionen Fahrgäste nicht zur Arbeit kommen oder Fabriken der Nachschub ausgeht.« Schon damals wusste man, wie man das Bild eines gnadenlosen und eiskalten Gewerkschafters zeichnet. Schon damals kein offizielles Pressefoto, sondern ein Bild, das provokativ die niedersten Instinkte von Leser und Betrachter ansprechen soll.

Man muss Weselsky gar keine Hörner auf den Kopf setzen, so wie es »Der Postillon« tat, um ihn zu verteufeln und als Person zu charakterisieren, die man hassen sollte. Die, die ihn hassen, hassen vermutlich nur das Abbild, das man in den Medien sah. Das Konterfei, das fröhlich Zähne zeigt. Sie hassen wieder mal eine Kunstfigur, wieder mal einen Mann, den es so gar nicht gibt.

Hier weiterlesen...

Auf den ersten Blick

Dienstag, 24. Juni 2014

Heute: Das Medienopfer als Herausforderer, Christian Wulff

Nun hat er sich erstmals in Schriftform zu den Ereignissen der letzten Jahre geäußert. Der Anfangsverdacht des total korrumpierten Bundespräsidenten bestätigte sich nicht. Die groß angelegte mediale Kampagne gegen seine Person führte nicht zur Aufklärung von Verdachtsfällen, sondern zwang nur zum Rücktritt. Die Medien betätigten das Glöckchen und die Justiz gab den Pawlowschen Hund. Wulff ist kein objektiver Berichterstatter. Aber ganz falsch liegt er mit seiner Anschuldigung nicht. Die Medienlandschaft ist natürlich nicht sehr angetan davon, dass Wulff ihr die Schuld gibt. Ihr einstiges »Opfer« bleibt für sie weiterhin eine lächerliche Figur. Das kann man dieser Tage auf allerlei Fotos sehen.


Irgendwie guckt er immer entgeistert oder vor sich hin, als schwankte er in autistischen Phasen. Die Bildränder liegen weit von seiner Erscheinung entfernt. Alle Welt soll sehen, dass er isoliert ist, dass er niemanden direkt an seiner Seite hat. Das diskreditiert ihn nicht nur fotografisch gesehen, sondern auch inhaltlich. Der Mann steht alleine da, soll das heißen. Seine Ansichten sind Einzelmeinung. Die Thesen eines Mannes, der über sich selbst gestolpert ist und jetzt auch noch behauptet, er wäre der bessere Bundespräsident gewesen. Wenn man hört, was sein Nachfolger jetzt von Kriegseinsätzen sagt, dann kann man nur sagen: Ob er besser wäre, weiß man nicht - aber schlechter ganz sicher nicht. Ja, dieser Wulff innerhalb weit entfernter Bildränder wird zum politischen Eremiten drapiert. Zum dümmlich dreinblickenden Scheitern an seiner selbst. Die Schatten, die er wirft, sagen: Das ist sein Horizont. So leugnen die Medien ihre Sensationsgier von damals, als sie meinten, sie hätten da einen ganz dicken Fisch an der Angel.

Fast ein wenig wie Opa Hoppenstedt gestikulierend sieht er aus. Unbeholfen halt. Wahrscheinlich muss so einer aussehen, der die »Bildzeitung« und ihre Nachahmer herausfordert. Die Körpersprache, die man einem andichtet, kann nicht mehr die Erhabenheit des höchsten Amtes verliehen bekommen, sondern muss ins Lachhafte karikiert werden. Ein Tolpatsch, der erzählt, dass er einer Kampagne zum Opfer fiel, der wirkt eben wie ein Tolpatsch nicht nur körperlich. Ein solcher Mensch überträgt körperliche Attribute auch auf seine Geisteshaltung. Seine vermeintliche Grobmotorigkeit verleiht auch seiner Denke einen Zug von Tapsigkeit. Die Bilder, die man von Wulff jetzt anbietet, da er sich zu seiner Geschichte äußerte, zeigen nur, dass den Medien die Argumente schon lange ausgegangen sind. Jetzt machen sie ihn auf optische Art lächerlich. Um sich selbst nicht lächerlich zu machen. Aber genau das haben sie getan. Sie haben einen bemühten Bundespräsidenten für einige Verdachtsmomente aus dem Amt bugsiert und diesen feldherrischen Pastor dort erst ermöglicht.



Hier weiterlesen...

Auf den ersten Blick

Dienstag, 25. März 2014

Heute: Der verluderte Typ mit dem Goldkettchen, Vladimir Putin

Es war ja nie so, dass man den russischen Präsidenten stets ausschließlich als »seriösen Politiker« bebilderte. Er war aber auch selbst schuld daran. Schließlich posierte er ja nicht widerwillig mit all den Kameras, die auf ihn gerichtet waren. Sicherlich hätte sich auch mancher Ausritt ohne Journalisten einrichten lassen. Nun gut, die Bilder sind halt in der Welt. Und nicht nur das Internet verzeiht nichts - auch die Hände, die in Schubladen greifen, in denen Redaktionen solche Fotos parken, sind nicht sehr vergesslich. Bislang hat man meist eher polemische Texte mit diesen Fotos geschmückt. Oder Artikel, die vielleicht des Herrn Probleme mit Schwulen aufgriffen. Dass man jetzt aber Texte, die vor Kriegsbereitschaft und Entschlossenheit nur so geifern, mit solchen Bildern ausstattet, ist nicht einfach nur geschmacklos, sondern will eine Botschaft sein.


Fleischhauer nannte Putin den »obersten Goldkettchenträger«. Und diese Bezeichnung zeigt ganz gut, was die Bilder suggerieren sollen. Es ist das Klischee des Russen, wie ihn die Menschen sich in Deutschland denken. Als Macker und Proleten, mit Gold behangen, ein Ost-Cowboy, der aus einem Land kommt, in dem es Kultur und Sitte nicht gibt. Der водка säuft und нет sagt und dabei vor Aufschneiderei nur so strotzt. Man will darstellen, dass diese Gestalt weniger Präsident als Türsteher ist, weniger Staatsmann als Zuhälterverschnitt. Die ernsten Texte zur Krim-Krise, die Putin so zeigen, wollen das Zwielichtige und Rotlichtige dieser Person betonen. Wir sollen es nicht mit einem Staatschef zu tun haben, will man bildlich aufmixen, sondern mit einem Kuppler, der erpresst und das Messer im Hosenbund trägt und bei dem man unwillkürlich an Mike Hansen denkt, jener Figur Olli Dittrichs, die er bei »RTL Samstag Nacht« erfand und die so sehr Gosse schwatzte, dass es schon wieder komisch war.

Der in Bild gesetzte Lude soll zeigen, dass die pure Grobschlächtigkeit am Werk ist. Kein Politiker unter Politikern, sondern ein Schurke, wie er in jedem Puff oder an jedem Straßenstrich zu finden ist. Der verluderte Putin ist dabei natürlich nicht erst jetzt aufgetreten. Das Russland-Bild ist hierzulande schon viel länger von solchen Klischees behaftet. Früher glaubte man den Untermenschen im Russen zu erkennen, später verachtete man ihn, weil er neureiche Millionäre hervorbrachte, die aber irgendwie dumm, dreist und größenwahnsinnig sein sollen. Dass russische Zuhälterfiguren nun auch in Kitzbühl shoppen, berichteten Boulevardmagazine schon in den Neunzigerjahren und wirkten so mit am neuen Bild, das man »vom Russen« hatte. Putin ist jetzt der Herr dieser Gestalten. Und genau jetzt, da die Krim zur internationalen Frage wird, passt diese Wahrnehmung natürlich blendend ins Konzept. Gegen einen Zuhälter ist man vielleicht nicht gleich gewillt in einen Krieg zu ziehen, aber man kann sich so auf die eigene moralische Überlegenheit zurückziehen und die Kritik am Kurs westlicher Politik eindämmen.


Hier weiterlesen...

Auf den ersten Blick

Mittwoch, 16. Oktober 2013

Heute: Die an Deutschlands Zukunft bastelnde, die sondierende Kanzlerin

Die strahlende Option an den Wahlurnen ist dieser Tage als emsige und nachdenkliche Frau zu sehen. Die Stilistik solcher Bilder sagt aus, dass es nicht um wenig geht. Immerhin um Deutschland. Um die Zukunft dieses Landes viel mehr sogar. Es scheint eine bedrückende Verantwortung zu sein, die die Fotojournalisten hier einfangen. Sondierung muss ein schwerwiegendes Unterfangen sein. Sie grübelt stets, sie telefoniert und schreitet kraftvoll, ja schier pathetisch voran. Rumsitzen und quatschen, dumm rumstehen ist da nicht.


Jeder Schnappschuss zeigt sie ununterbrochen an der Zukunft feilend, für das Land telefonierend, sich abhetzend. Dass es auch um ihren eigenen Machterhalt geht, klammert derlei bildhafte Unterlegung der Sondierungsphase völlig aus. Es sind Fotos der Selbstlosigkeit, der erschöpften Überarbeitung und der Verantwortung, die den Kurs der Kanzlerin stützen. Wir erleben auf Fotos gebannte Momentaufnahmen der Patrona Germaniae, einer engagierten und besorgten Gestalt, die das Allgemeinwohl im Blick hat, die fürsorglich von Termin zu Termin hastet. Die Fotos der Sondierungsphase sind nicht beschaulich, bilden nicht ruhige Diskussionsphasen ab, nicht das vertraute Gespräch, sondern sind einer engagiert wirkenden Politikerkaste verschrieben, die zwischen Aktionismus und Passion taumelt.

Natürlich darf das Pathos dieser Helden der Arbeit nicht zu kurz kommen. Wie die Weltenretter im Blockbuster Armageddon, ziehen sie auf breiter Front ins Scharmützel. Im Zentrum die Richtlinienkompetenz, die unermüdlich sondiert und ausspäht, mit wem das Allgemeinwohl am sichersten vorangetrieben werden könnte. Sondierung ist für den Fotojournalismus ganz offensichtlich eine Gratwanderung zwischen Maloche und Pathos, zwischen Schuften und Kür. Beides verbindet sich zu einer journalistischen Gesamtästhetik, zu einer Bildsprache der Agilität. Der voller Enthusiasmus und in Ekstase wallende Politikertyp, den es nicht um die üblichen Kleinkariertheiten geht, nicht um eigene Vorteile und Klüngelei, sondern um das Großeganze. Dass die Sondierung zwischen politischen Parteien einfach nur das dreckige Geschäft des Verrats an den eigenen Versprechungen und Idealen ist, dass es dort ganz profan wie auf einem Basar zugeht, klammern solche bildlichen Mittel aus. Sie adeln etwas, was an sich schmutzig ist.


Hier weiterlesen...

  © Free Blogger Templates Columnus by Ourblogtemplates.com 2008

Back to TOP