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Nomen non est omen

Mittwoch, 29. Mai 2013

Heute: Babypause

Ein Gastbeitrag von Markus Vollack. 
"Bundesgesundheitsminister Bahr entdeckt die Familie. Nach Geburt seines ersten Kindes will er pausieren. Genau drei Wochen. Das Handy bleibe aber an, versichert der Mann."
- manager-magazin.de vom 17. Mai 2013 -
Der Begriff "Babypause" ist in den Massenmedien ein oft verwendetes Wort. Es ist ein Synonym für die Elternzeit, in der die Eltern sich intensiv um ihr neues Leben kümmern. Während "Elternzeit" jedoch wertneutraler ist, suggeriert die "Babypause" als würde Frau einen, vom Unternehmen bezahlten, Urlaub wahrnehmen. Babybilder, emotionale Reaktionen und Glückwünsche sollten nicht darüber hinweg täuschen, dass der Begriff eher negativ besetzt ist, da die "Babypause" oft als "Karriereknick" gewertet wird.

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Nomen non est omen

Donnerstag, 28. Februar 2013

Heute: professionell

Ein Gastbeitrag von Markus Vollack.
"Ein Dutzend anderer Zeugen, die anonym bleiben wollten, berichteten ebenfalls über professionell organisiertes Doping im Team zwischen 1996 bis 2012."
- Spiegel Online vom 19. Januar 2013 -
Das Adjektiv "professionell" ist positiv aufgeladen und leitet sich vom Nomen "Profi" ab. Als professionell bzw. Profi bezeichnet man "jemand, der im Gegensatz zum Amateur oder Dilettanten eine Tätigkeit beruflich oder zum Erwerb des eigenen Lebensunterhalts als Erwerbstätigkeit ausübt." (wikipedia)

Ähnlich wie das Schlagwort "Experte" werden mit "Profi" Menschen gekürt, die vermeintlich herausragende Leistungen und/oder Qualitäten aufweisen. Während der Experte mit vermeintlichem Fachwissen glänzt, sei ein Profi jemand, der sein Handwerk verstehe — ein Fachmann, der anpacke, statt nur zu reden. Beide Begriffe haben eine Disziplinierungsfunktion. Sie inszenieren, konstruieren und stabilisieren real existierende soziale und berufliche Hierarchieverhältnisse.

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Nomen non est omen

Donnerstag, 31. Januar 2013

Heute: Druck

Ein Gastbeitrag von Markus Vollack.
"Innenminister Friedrich macht Druck auf Asylbewerber aus sicheren Ländern."
- Spiegel Online vom 25. Oktober 2012 -
Als Druck bezeichnet man eine physikalische Größe, die Kraft auf ein Objekt verrichtet. Synonyme für Druck sind Stress, Zwang, Gewalt, Wucht, Spannung und Härte. "Unter Druck stehen" meint, unter dem Zustand einer großen inneren Anspannung zu leiden. In der Politik wird oft und gerne Druck, das heisst Gewalt, auf bestimmte Gruppen ausgeübt.

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Nomen non est omen

Donnerstag, 10. Januar 2013

Heute: Anpassung

Ein Gastbeitrag von Markus Vollack.
"Zum 1. Juli eines jeden Jahres werden die Renten angepasst, indem der bisherige aktuelle Rentenwert durch den neuen aktuellen Rentenwert ersetzt wird."
- SGB VI, § 65 Anpassung der Renten -
Das Nomen "Anpassung" kommt ursprünglich aus dem Bereich der Biologie und bezeichnet die evolutionsbedingte Veränderung von Lebewesen, die von ihrer jeweils spezifischen Lebensumgebung beeinflusst wurde. Säugetiere, Insekten und Bakterien haben sich im Laufe der Jahrhunderte an die verschiedensten, auch vermeintlich lebensfeindlichen, Lebensräume angepasst. Politik, Medien und Wirtschaft verwenden häufig dieses Schlagwort. Sei es die Miet-, Strom-, Renten– oder Lohnanpassung. Nicht selten ist hier die Anpassung ein Euphemismus für eine Preiserhöhung oder eine Leistungskürzung.

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Nomen non est omen

Donnerstag, 29. November 2012

Heute: Authentisches Marketing

Ein Gastbeitrag von Markus Vollack.
"Ich liebe meinen Job, denn er ist meine Berufung. Doch das, was meine Berufung ist, steckt noch in den Kinderschuhen – authentisches Marketing. Es ist das neue Marketing, das die Menschen und seine Bedürfnisse in den Vordergrund stellt und nicht die Gewinne des Unternehmens."
- Ekaterina Arlt, Marketing-Expertin auf experto.de -
In der PR- und Marketing-Branche ist das der neue Trend: das sog. "authentische Marketing". Der Begriff setzt sich aus den Nomen Authentizität und Marketing zusammen. Das Schlagwort suggeriert, als gäbe es eine Form von anständiger und aufrichtiger Transparenz beim Verkaufen von Produkten, Dienstleistungen und Ideen (PLI).

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Nomen non est omen

Mittwoch, 7. November 2012

Heute: Kreativität

Ein Gastbeitrag von Markus Vollack.
"Doch um viele verwertbare Ideen zu generieren, ist Kreativität mit System gefragt. Mit geeigneten Kreativitäts-Techniken lassen sich in kürzester Zeit Ideen-Pools erzeugen, die Kampagnen mit den besten Ideen unterfüttern."
- Vollblutwerber.de -
Als "Kreativität" bezeichnet man eine schöpferische Tätigkeit. Sie setzt sich zusammen aus eigenen Ideen und der spezifischen Umwelt.  Der Ursprung der Kreativität ist umstritten: ob sie angeboren, erlernbar, eine Fähig- oder Fertigkeit sei, wird unterschiedlich definiert. Die positive Konnotation des Begriffes wird häufig ökonomisch ausgebeutet.

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Omen non est omen

Donnerstag, 30. August 2012

Heute: Marketing

Ein Gastbeitrag von Markus Vollack.
"Unternehmen wollen schließlich kein passiver Spielball des Zufalls sein. Sie wollen aktiv Einfluss auf das Marktgeschehen nehmen und durch einen gezielten, wirkungsvollen Einsatz der Marketing-Instrumente die Erfolgswahrscheinlichkeit erhöhen."
- Uwe Engler, Ellen Hautmann, "Grundwissen Marketing", Cornelsen 2010, S. 9 -
Marketing bezeichnet die pseudowissenschaftliche Kunst und Möchtegern-Philosophie des Verkaufens. Demnach ist die ganze Welt ein Produkt und alle Menschen haben unendlich viele Bedürfnisse, die durch den Gott-Markt-Leviathan befriedigt werden sollen. Die Fähigkeit menschliche Bedürfnisse erst gezielt zu konstruieren, um dann genau diesen Bedarf mit einem Produkt zu befriedigen, das ist Marketing.

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Nomen non est omen

Freitag, 22. Juni 2012

Heute: Sozialromatik

Ein Gastbeitrag von Markus Vollack.
"Hollande ist beileibe nicht der ausgabenfreudige Sozialstaatsromantiker, als den ihn die Strippenzieher des Kanzleramts im französischen Wahlkampf dargestellt hatten."
- Zeit Online vom 30. Mai 2012-
In der öffentlichen Begriffsverwendung gibt es die Bezeichnungen des Sozialromantikers, der Sozialromantik, des Sozialstaatsromantikers, und der sozialromantischen Vorstellungen. Die Begriffe sind negativ besetzt. Damit werden vor allem Vorschläge, des Sozialstaates betreffend, als realpolitisch und pragmatisch nicht umsetzbar deklariert.

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Nomen non est omen

Montag, 28. Mai 2012

Heute: Regierungsfähigkeit

Ein Gastbeitrag von Markus Vollack.
"Berlins Bürgermeister Wowereit zufolge ist Die Linke nicht regierungsfähig. Dafür sind seiner Ansicht nach die mangelnde Realisierungschancen ihrer Politik und auch der Druck der Parteispitze auf die individuelle Politik der Partei in den Bundesländern verantwortlich."
- focus.de vom 21. Mai 2008-
Die Regierungsfähigkeit bezeichnet das Talent bzw. den Willen Regierungsverantwortung übernehmen zu können. Wie bei der sogenannten Ausbildungsfähigkeit wird diese Charaktereigenschaft nicht selbst definiert, sondern von Wirtschaftsvertretern, Politikern, Interessenverbänden, den Massenmedien und von Unternehmern "verliehen". Weder Jugendliche, noch Politiker oder Parteien sagen von sich aus, dass sie nicht ausbildungs– oder regierungsfähig seien. Das Fähigkeits-Attribut ist somit politisch instrumentalisiert, um eigene Positionen und Interessen zu verdeutlichen.

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Nomen non est omen

Freitag, 20. April 2012

Heute: frisch

Ein Gastbeitrag von Markus Vollack.
"Die Definition des Adjektivs ´frisch´: noch nicht alt, verdorben oder welk, nicht in irgendeiner Form haltbar gemacht, sauber, neu und nicht benutzt, so, dass es erst kürzlich erfolgt ist, kraftvoll; nicht matt, kühl, gerade erst geerntet, erzeugt, nicht gelagert."
- freecidtionary.com -
"Frisch" ist der zentrale Verkaufs– und Marketingbegriff. Restaurants, Einzel- und Großhandel sowie Fast Food-Ketten kommen ohne diesen Begriff nicht aus. Bei den Werbe– und Marketingstrategen gehört der Terminus zu den zentralen Verkaufsargumenten.

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Nomen non est omen

Dienstag, 28. Februar 2012

Heute: Migrationshintergrund

Ein Gastbeitrag von Markus Vollack.
"Zwar stammen Kinder, die erfolgreich das Gymnasium besuchen, bis heute eher aus sozial besser gestellten Schichten, Kinder mit Migrationshintergrund sind deutlich in der Minderheit."
- Zeit Online, 18. Juni 2009 -
Anfang des Jahres 2012 verschickten die Jobcenter in Berlin einen Fragebogen zum Migrationshintergrund. Dieser soll rein statistische Zwecke haben. (Ich könnte mir vorstellen, dass damit herausgefunden werden soll, wie viele Menschen mit Migrationshintergrund ALG 2 erhalten.) Auch vermeintlich Deutsche haben ihn zugesendet bekommen. Freilich nur Empfänger von ALG 2. In diesem ist ein Anhang mit der Bezeichnung Migrationshintergrund-Erhebungverordnung (MighEV) enthalten. Die MighEV kennzeichnet Menschen mit einem Migrationshintergrund, wenn:
  1. die Person nicht die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt
  2. der Geburtsort der Person außerhalb der heutigen Grenzen der BRD ist und eine Zuwanderung nach 1949 in das heutige Gebiet der BRD stattfand
  3. der Geburtsort mindestens ein Elternteils außerhalb der heutigen Grenzen der BRD ist und eine Zuwanderung nach 1949 in das heutige Gebiet der BRD stattfand
Um laut MighEV als Mensch mit Migrationshintergrund zu gelten, genügt es, wenn die eigene Oma nicht in Deutschland geboren wurde. Auch wenn die gesamte Familie die deutsche Staatsangehörigkeit hat und das Kind "zufällig" (z.B. im Urlaub) im Ausland geboren wurde, ist nun ein Migrationshintergrund vorhanden. Als Mensch mit Migrationshintergrund ist man also schneller und länger ein "Ausländer", als wenn man nur "Nicht-Deutscher" wäre.

Die Formulierung "Menschen mit Migrationshintergrund" indessen, ist ein Beispiel dafür, wie aus einem eher negativ besetzten Begriff wie "Ausländer", eine politisch korrekte Formulierung ("Migrationshintergrund") werden sollte, ohne die Situation für ausländische Mitbürger tatsächlich zu verändern, wie die MighEv verdeutlicht. Diesen Umstand bezeichnet man als die sog. "Euphemismus-Tretmühle". Durchgesetzt hat sich das Schlagwort vor allem im Beamten- und Bürokratendeutsch.

Die erste Assoziation, die sich mir auftat, war die NS-Regelung von einem halben, einem Viertel– oder einem Achtel-Ausländer, je nachdem ob man selbst, beide Eltern oder eben nur ein Elternteil in Deutschland geboren wurde oder nicht. Die Wortkonstruktion zeigt auch, dass sich deutsche Behörden schwer damit tun, ausländische Mitbürger als integriert und damit als "deutsch" anzuerkennen, wenn akribisch nach einem vermeintlichen "Migrationshintergrund" gesucht wird, der die entsprechende Person dann als nicht-deutsch kennzeichnen soll.

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Nomen non est omen

Donnerstag, 12. Januar 2012

Heute: Weltverbesserer

Ein Gastbeitrag von Markus Vollack.
"Linke Weltverbesserer aller Schattierungen vereint das Lebensgefühl, zum Kreis der besseren Menschen zu gehören. Viele von ihnen haben dazu jede Berechtigung. Die Linke aber ist aus der SED hervorgegangen."
- Tissy Bruns, Zeit Online -

"Weltverbesserer sind mir lieber, von den Weltverschlechteren gibt es eh viel zu viele."
- Peter Zudeick (Radiojournalist), in seiner Laudatio auf Noam Chomsky, anlässlich der Verleihung des Erich-Fromm-Preises im Jahr 2010 -
Eine oft abwertende Bezeichnung für alternative oder linksorientierte Menschen, die nicht am Status Quo festhalten wollen, sondern eine Veränderung, im Sinne einer vermeintlichen Verbesserung von Mensch und Gesellschaft, anstreben.

Der Begriff bringt die "Welt" und das Individuum als vermeintlicher "Verbesserer" in einem Wort zusammen. Damit können Assoziationen geweckt werden, die da beispielsweise lauten könnte, dass die Dimension "Welt" für jedes Individuum viel zu groß und es damit unmöglich sei, überhaupt irgendetwas zu verändern. Wer es sich nun dennoch anmaße, als Einzelner die Welt verändern zu wollen, der verdiene nun eine ironisch herablassende Bezeichnung: "Du Weltverbesserer!".

Wer gegen Ungerechtigkeit ankämpft, weltweite Armut, Hunger und Elend vermindern möchte oder sich Gedanken über Frieden, Recht, Gerechtigkeit und Freiheit macht, wird verächtlich als "Gutmensch" oder "Weltverbesserer" bezeichnet. In dem fatalistischen Glauben, dass man "ja eh nichts ändern könne", werden alle, die noch Träume, Prinzipien, Ideen oder eine Vorstellung von einer besseren Welt haben, als Spinner, Träumer, Ewiggestrige und Idealisten diffamiert.

Gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Verhältnisse und Strukturen werden meist als ein gottgegebener Naturzustand begriffen, gegen den man nichts ausrichten könne. Man habe sich der Realpolitik zu bedienen, pragmatisch-sachlich zu sein, statt abstrusen Ideen hinterherzulaufen, so das gängige Credo. Themen wie weltweite Gerechtigkeit und die Frage nach einem besseren menschlichen Miteinander werden als moralisierend, unsachlich und träumerisch diffamiert. Fatalismus, Resignation, Linken-Bashing und/oder Bequemlichkeit ist eine häufige Mentalität derjenigen, die von "Weltverbesseren" sprechen, um nachdenkliche Menschen abzuwerten.

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Nomen non est omen

Donnerstag, 3. November 2011

Heute: Rettungsschirm
"Die Mehrheit ist deutlich: 503 Bundestagsabgeordnete haben für die Stärkung des Euro-Rettungsschirms votiert."
- SpiegelOnline vom 26. Oktober 2011 -
Der Begriff "Rettungsschirm" besteht aus zwei Wörtern: Rettung und Schirm. Einen Schirm trägt man meist über seinen Kopf und er soll den Betreffenden vor einer Naturgewalt schützen: vor Wind, Regen oder Sonne. Nicht zu verwechseln mit Bild- oder Lampenschirm. Das Wort "Rettung" impliziert, dass jemand oder etwas vor einer Gefahr gerettet werden müsse und der vermeintliche Retter eine menschenfreundliche Tat vollbringt. Insofern ist der Terminus "Rettungsschirm" doppelt positiv aufgeladen.

Im Zuge der Weltwirtschaftskrise, die auch selten so genannt, sondern in Einzelkrisen (Finanz-, Banken-, Wirtschafts– und Eurokrise) aufgesplittet wird, ist der Begriff "Rettungsschirm" fast täglich in den Medien zu hören und zu lesen:
"Die Bundesregierung erwägt nach einem "Spiegel"-Bericht eine Erweiterung des Rettungsschirms für die Banken."
- welt.de vom 6. Dezember 2008 -

"In der NDR 1 Welle Nord Sendung "Zur Sache" forderte Hans-Dieter Petersen, Vorsitzender des Bundeswehrverbandes Nord, einen Rettungsschirm für betroffene Soldaten und Zivilbeschäftigte."
- ndr.de vom 24. Oktober 2011 -

"Die Schlagkraft des Euro-Rettungsschirms EFSF wollen die Regierungen auf rund eine Billionen Euro erhöhen."
- taz.de vom 27. Oktober 2011 -
Bei der Verwendung des Wortes werden Verantwortlichkeiten, Interessen und Verursacher verschleiert und verborgen. Die Wirtschaftskrise ist keine Naturgewalt, wie Wind, Regen oder Sonne, die einfach so über uns hereinbricht. Sondern in der Weltwirtschaftskrise sind diejenigen, die gerettet werden sollen (vornehmlich die Banken), auch diejenigen, welche die Krise erst verursacht haben. Die Politik schützt also die Verursacher der Krise (Banken, Spekulanten) und bestraft die Opfer der Krise (Volk).

Insofern ist der "Rettungsschirm" auch ein Euphemismus, denn die zu Rettenden sind weder Opfer einer fremden Macht, noch sind die Retter altruistisch und selbstlos, denn sie sind abhängig von der Finanzindustrie. Indem die Politik die Krisenverursacher mit Milliarden Euro unterstützt und gleichzeitig das Volk die Milliarden durch Einsparungen, Steuererhöhungen, Inflation, Sozialabbau usw. abzahlen lässt, zeigt die Begrifflichkeit seine ganze Absurdität. Die Medien sollten fortan "Täterschirm" statt "Rettungsschirm" schreiben.

Dies ist ein Gastbeitrag von Markus Vollack aka Epikur.

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Nomen non est omen

Donnerstag, 25. August 2011

Heute: "Zumutbarkeit"
"Es gibt tatsächlich keine Untergrenze bei der Zumutbarkeit."
- DGB-Sprecherin Falk in der taz vom 18. Dezember 2004 -
Das SGB II ist die Bibel von ALG II-Sachbearbeitern. In ihr wird z.B. auch festgehalten, welche Lohnarbeit dem Erwerbslosen als zumutbar gilt und welche nicht. Die Zumutbarkeit unterliegt demnach nicht mehr der eigenen Einschätzung und Beurteilung, sondern dem Sachbearbeiter bzw. dem Gesetzgeber. In Kapitel 2 "Anspruchsvorraussetzungen", § 10, wird die Zumutbarkeit definiert.

Artikel 12 "Berufsfreiheit, Verbot der Zwangsarbeit" des Grundgesetzes besagt:
"(1) Alle Deutschen haben das Recht, Beruf, Arbeitsplatz und Ausbildungsstätte frei zu wählen. Die Berufsausübung kann durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes geregelt werden.
(2) Niemand darf zu einer bestimmten Arbeit gezwungen werden, außer im Rahmen einer herkömmlichen allgemeinen, für alle gleichen öffentlichen Dienstleistungspflicht.
(3) Zwangsarbeit ist nur bei einer gerichtlich angeordneten Freiheitsentziehung zulässig."
Die Zumutbarkeitskriterien des SGB II widersprechen dem Grundgesetz, auch wenn sich Befürworter auf Absatz 1 des Artikel 12 beziehen würden: Die Berufsausübung kann durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes geregelt werden. Damit lässt sich der Gesetzgeber quasi immer ein Hintertürchen, wie im Falle des SGB II, offen. Absatz 2 und 3 hingegen laufen konträr zu den Zumutbarkeitskriterien im SGB II:
"(2) Eine Arbeit ist nicht allein deshalb unzumutbar, weil
1. sie nicht einer früheren beruflichen Tätigkeit entspricht, für die die erwerbsfähige leistungsberechtigte Person ausgebildet ist oder die früher ausgeübt wurde,
2. sie im Hinblick auf die Ausbildung der erwerbsfähigen leistungsberechtigten Person als geringerwertig anzusehen ist,
3. der Beschäftigungsort vom Wohnort der erwerbsfähigen leistungsberechtigten Person weiter entfernt ist als ein früherer Beschäftigungs– oder Ausbildungsort,
4. die Arbeitsbedingungen ungünstiger sind als bei den bisherigen Beschäftigungen der erwerbsfähigen leistungsberechtigten Person,
5. sie mit der Beendigung einer Erwerbstätigkeit verbunden ist, es sei denn, es liegen begründete Anhaltspunkte vor, dass durch die bisherige Tätigkeit künftig die Hilfebedürftigkeit beendet werden kann."
Die freie Berufswahl wird durch die Zumutbarkeitskriterien stark eingeschränkt. Ebenso bedeuten Ein-Euro-Jobs für die Betroffenen faktisch eine Zwangsarbeit, denn wer sie ablehnt, muss mit Sanktionen und Geldkürzungen rechnen. Der Begriff Zumutbarkeit ist hier ein Euphemismus für Zwang, Druck und Erpressung. Der Erwerbslose wird zu einer stets verfügbaren, entmündigten, umherschiebenden Masse erklärt. Das SGB II ist in vielerlei Hinsicht verfassungswidrig. Die Zumutbarkeitskriterien des SGB II sind aus dem Geiste geboren, den Niedriglohnsektor und das Lohndumping in Deutschland zu etablieren.

Dies ist ein Gastbeitrag von Markus Vollack aka Epikur.

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Mittwoch, 10. August 2011

Heute: "Realpolitik"
"Deutschland braucht Realpolitiker statt Moralapostel"
- Schlagzeile von Welt-Online vom 17. April 2011 -
Die Realpolitik bezeichnet eine Form der Politik, die sich nach pragmatischen, umsetzbaren und nach vorhandenen real existierenden Gegebenheiten richtet. Sie grenzt sich damit von einer Politik und Sichtweise ab, die normativ und werteorientiert entscheidet. Politische Entscheidungen im Sinne der Realpolitik werden zu einer verhandelbaren Masse erklärt. Alle Gesetze, Entscheidungen, Vorhaben und Ideen sollen sich nach pragmatischen Rahmenbedingungen richten. Alles was sich in diesem Spielraum bewegt, ist verhandelbar, der Spielraum selbst jedoch nicht. Der politische und wirtschaftliche Rahmen wird als gottgegeben und naturwüchsig erachtet und ist somit der Überbau des TINA-Prinzips.

Es ist schon bezeichnend, dass der Machtpolitiker Niccolo Machiavelli als einer der bedeutendsten Verfechter der Realpolitik gilt. Ethische, normative oder religiöse Überlegungen sind nur insofern in politische Entscheidungen einzubeziehen, sofern sie dem Machterhalt dienlich sind. Die Aufrechterhaltung der Macht ist, nach Machiavelli, die oberste Prämisse der Regierung. Wenn sich nun in einer parlamentarischen Demokratie Volksvertreter auf die Fahnen schreiben, sie würden in erster Linie realpolitisch agieren, dann wird die parlamentarische Verantwortung im Sinne der Bevölkerung und des Gemeinwohls zu handeln, vernachlässigt.

Realpolitik ist somit immer eine Politik der Mächtigen und Herrschenden, eine Politik die den status quo aufrecht erhalten will. Denn wenn Banken und Konzerne die Welt regieren, geben sie auch den Spielraum vor, in der sich eine pragmatisch orientierte Politik bewegen darf. Wer aus diesem eindimensionalen Kreis der Macht ausbrechen will, der wird von Realpolitikern als Spinner, Träumer oder Ewiggestriger diffamiert. Auch wenn sich Realpolitiker gerne als ideologiefrei sehen, so sind sie doch an die herrschende Ideologie gebunden.
"Welche Nöte der Realpolitik auch immer ins Spiel gebracht werden - gegen die Lesereise-Liturgin Margot Käßmann ist kein Stich zu machen."
- Meldung auf Spiegel Online vom 20. Juni 2011 -
Eine Politik, die ein klares gesellschaftliches Bild und eine Vorstellung vom gesellschaftlichen Zusammenleben formuliert, wäre dringend geboten, wenn man die Politik(er)verdrossenheit ernsthaft bekämpfen will. Zudem sind politische Entscheidungen immer menschliche Entscheidungen, denen bestimmte Wertvorstellungen und Interessen stets zugrunde liegen. Eine rein pragmatisch orientierte Politik kann es insofern nur in der Theorie geben, meist ist sie wohl eher ein Euphemismus für Machtpolitik im Sinne des Machterhalts der Herrschenden.

Realpolitik bedeutet: there is no alternative (TINA). Realpolitik bedeutet, Macht- und Eigentumsverhältnisse nicht anzutasten. Realpolitik bedeutet, im Sinne der Mächtigen und Herrschenden zu handeln. Realpolitik bedeutet, keine Vision, keine Idee und keine Vorstellung von einer besseren Welt zu haben.

Dies ist ein Gastbeitrag von Markus Vollack aka Epikur.

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Nomen non est omen

Mittwoch, 22. Juni 2011

Heute: "Plagiatsjäger"

Nachdem von und zu Guttenberg durch das Internetportal Guttenplag bzw. Vroniplag des Plagiats überführt wurde, und die Stoiber Tochter Veronica Saß ihren Doktortitel abgeben musste, wurde nun der Europaabgeordneten der FDP-Fraktion, Silvana Koch-Mehrin, der Doktortitel aberkannt. Auffällig dabei ist, die Sprache unserer bürgerlichen Medien, wenn es um das Thema der Doktortitel-Erschleichung geht. So wird Vroniplag nicht als Aufklärungsplattform verstanden, die im Dienste der Wissenschaft agiert, sondern als Hort von "Plagiatejägern", die unsere vermeintliche "Elite" bloßstellen und stürzen will.

In einem Artikel vom 15. Juni 2011 auf SpiegelOnline wird mehrfach von "Plagiatejägern" gesprochen. In einer Dialektik, welche die vermeintlichen Abschreiber zu Opfern stilisiert. Anonyme Jäger verfolgen Koch-Mehrin, nehmen sie ins Visier und erlegen ihre Beute:
"Koch-Mehrins Doktorarbeit war vor gut zwei Monaten ins Visier der Plagiatejäger der Plattform VroniPlag Wiki geraten [...] kamen die anonymen Plagiatsjäger dann zu einem eindeutigen Ergebnis."
Die TAZ berichtet in einem Artikel vom 21. Mai 2011 vom Alltag eines "Plagiatsjägers" und lässt ihn in keinem guten Licht erscheinen. Das Adjektiv "anonym" soll die Feigheit der Aufklärer unterstreichen. Während sich also Politiker zu den Vorwürfen in der Öffentlichkeit rechtfertigen müssen und ggf. zurücktreten, verstecken sich die hinterhältigen Jäger im anonymen Web, so der Tenor:
"... vom Jagdfieber gepackt [...] Eine Elite am Pranger [...] seine anonyme Jagd [...] Lässt anonyme Online-User einer Elite auf die Füße treten."
Zeit-Online beweist, dass die Gleichschaltung der Medien nicht nur an den gleichen Themen, des Agenda Settings und der einseitigen Propaganda zu erkennen ist, sondern auch an der gleichen Sprache:
"Am Wochenende haben die üblichen Plagiat-Jäger im Internet wieder zugeschlagen [...] gegenwärtig erneut im Visier der Plagiatjäger."
In einem Blogbeitrag von Vroniplag hat sich ein Autor klar von der Begrifflichlichkeit des verunglimpfenden "Plagiatsjägers" distanziert:
"Liebe Presse,

Ich habe mich noch nie als »Plagiatjäger« bezeichnet. Ich lese Dissertationen und schreibe mir Plagiatsstellen raus. Ich will hier mal klarstellen, wer mich und die anderen Beitragenden hier zu »Plagiatjägern« ernannt hat: Das seid Ihr! Also hört bitte auf, so scheinheilig von »selbsternannten Plagiatjägern« zu sprechen."
Eine Doktorarbeit ist eine wissenschaftliche Arbeit, die neue Erkenntnisse bringen soll und in die Öffentlichkeit getragen wird. Sowohl Arbeit, als auch Titel sind öffentlich zugänglich. Insofern ist es durchaus legitim, wenn Doktorarbeiten von anderen diskutiert und besprochen werden. Würden im übrigen die Vroniplag-Macher ihre Anonymität aufgeben, würde in der Presse wohl zunehmend über die Überbringer als über die Botschaft berichtet werden (Stichwort: Medien-Personalisierung). Zudem würden sicher nicht wenige Aktivisten dann Probleme mit ihren Arbeitgebern bekommen. Die Begrifflichkeiten und die Sprache in der Presse stilisieren die Abschreiber und Titel-Käufer zu Opfern und die Vroniplag-Aktivisten zu Tätern. Einen ernsthaften Diskurs darüber, dass einige Politiker ihren Doktortitel unrechtmäßig erworben haben, findet man in den bürgerlichen Medien hingegen kaum.

Dies ist ein Gastbeitrag von Markus Vollack aka Epikur.

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Nomen non est omen

Freitag, 20. Mai 2011

Heute: "Verschwörungstheorie"
"Verschwörungstheorien sind abstrus, sie vermischen Fakten mit erfundenen Behauptungen, und was allen gemeinsam ist: sie bauen auf stereotypen Feindbildern auf."
- planet-wissen.de -
Der Begriff Verschwörungstheorie ist meist negativ konnotiert und soll Ansätze und Erklärungsversuche zu bestimmten Sachverhalten diskreditieren oder sogar lächerlich machen. Die Behauptung ist, dass jemand mit seiner Erklärung, eine "Verschwörung" zu sehen scheint und damit nicht ernst genommen werden müsse. Ob der Erklärungsansatz der Wahrheit entspricht oder nicht, spielt hierbei primär keine Rolle, es geht um die Verunglimpfung eines Erklärungsversuchs. Außerdem soll dem vermeintlichen "Verschwörungstheoretiker" einen mangelnden Realitätsbezug, Paranoia und Unsachlichkeit vorgeworfen werden. Dabei funktioniert das Schlagwort auf mehreren Ebenen.

Zunächst bin ich der Überzeugung, dass Wissen und Glauben eben nicht konträr zueinander stehen. Auch Fakten, Beweise und Tatsachen werden erst dann als solche anerkannt, wenn an sie geglaubt wird. Endgültige objektive Fakten kann es in einer arbeitsteiligen Gesellschaft gar nicht geben. Insofern ist das oft reproduzierte Denken, dass Wissen objektiv sei und den Tatsachen entspreche und das Glaube nur subjektive Spinnerei sei, naiv und leichtgläubig. Wissen und Glauben sind zwei Seiten einer Medaille, prägen, bestimmen und beeinflussen sich gegenseitig. Wir glauben das, was uns in den bürgerlichen Medien, in der Schule, in Büchern usw. erzählt wird und halten es für Tatsachen. Letztlich ist alles Glaube und kein Wissen. Wir selbst entscheiden nur, was wir bereit sind zu glauben und was nicht. Insofern ist der Vorwurf der "Verschwörungstheorie" ein Zeichen dafür, dass wir an einen bestimmten Erklärungsansatz nicht bereit sind zu glauben. Was aber wenig damit zu tun hat, ob es nun wahr ist oder nicht.

Darüber hinaus würden kritische Zeitgenossen zustimmen, dass die Welt selten so ist, wie sie scheint. Selten so ist, wie sie uns in Medien, Büchern, Schulen usw. erklärt wird. Geschichte wird von den Siegern geschrieben, Medien lügen, verzerren und ignorieren gezielt Sachverhalte, Eltern erzählen uns – meist aus Rücksicht – oft nur die halbe Wahrheit, Unternehmen verdrehen Sachverhalte wie es ihnen am meisten Profit bringt usw. Es sei mal dahingestellt, ob es eine objektive letztgültige Wahrheit hinter den Dingen überhaupt gibt und geben kann, sicher ist aber, dass wir tagtäglich belogen und betrogen werden.

Das kritische Hinterfragen von vermeintlichen Offensichtlichkeiten gehört demnach zum aufgeklärten und kritischen Geist. Das nun viele das Diktat der Wahrheit für sich in Anspruch nehmen möchten, ist dabei wenig verwunderlich. Wer jedoch anderen eine Verschwörungstheorie vorwirft, unterstellt zugleich, dass es keine Verschwörungen gibt. Im Zeitalter des Internets kommt aber so einiges ans Tageslicht, was bis vor einigen Jahren, viele als Spinnerei und Verschwörungstheorie abgetan hätten. Ich denke hierbei an Wikileaks, aber auch an Vroniplag. Nicht zu vergessen sind auch die weltweiten jahrzehntelangen CIA-Machenschaften rund um den Globus.

Das vermeintliche Gegenteil einer Verschwörungstheorie wären demnach Fakten, Tatsachen und Beweise. Nun liegt es aber in der Natur der Sache, dass es nicht für jeden Sachverhalt stichhaltige Beweise oder Fakten geben kann und meist auch nicht geben soll. Geheimnisse sollen geheim bleiben. Verschwörungstheorien funktionieren aber auch als Ablenkung, Verwirrung und Desinformation. Um die vermeintliche Wahrheit hinter den Dingen zu verschleiern und zu verbergen, werden gezielt Erklärungsversuche gestreut, die als schwer nachvollziehbar gelten. Manchmal wird auch der Wahrheit nicht getraut — und so wird die Wahrheit selbst zur besten Tarnung.

Dies ist ein Gastbeitrag von Markus Vollack aka Epikur.

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Donnerstag, 10. März 2011

Heute: "Islamismus"
"Es bestehe der Verdacht, dass es sich um eine islamistisch motivierte Tat handele, erklärte die Behörde am Donnerstag in Karlsruhe."
- Meldung bei FAZ.net am 3. März 2011 -
Wann immer es in Deutschland um den Islam geht, sind zwei Methoden erkennbar. Erstens gibt es eine große (gewollte) Unschärfe und Schwammigkeit bei der Verwendung der Begriffe "Islam", "Islamismus", "Islamisten", "Islamisierung" usw. Der "Islamismus" bezeichnet einen Sammelbegriff für alle möglichen religiösen und politischen Strömungen innerhalb des Islam. Es gibt also nicht den Islamisten, genauso wenig wie es den Christen gibt. Es gibt Sunniten, Wahabiten, Salafisten, Schiiten, Fundamentalisten usw. Hinzu kommen etliche Strömungen, die sich nur schwer einordnen lassen oder nur an andere Ideologien angelehnt sind, wie z.B. die Baath-Partei des damaligen irakischen Ex-Diktators Saddam Husseins. Zweitens fällt der Begriff "Islamismus" häufig in Verbindung mit dem Schlagwort "Terrorismus", so wird suggeriert, als sei jeder Muslim zugleich auch ein fanatischer Fundamentalist.

So schreibt z.B. eine Publikation der Bundeszentrale für politische Bildung zum Thema Islamismus:
"Der Islamismus ist zur Bedrohung der Bundesrepublik geworden. Wo liegen seine Wurzeln, was fordern seine Vordenker?"
Was würden Christen in Deutschland sagen, wenn es stattdessen heißen würde: "Das Christentum ist zur Bedrohung der Bundesrepublik geworden. Wo liegen seine Wurzeln, was fordern seine Vordenker?"

Und auch wenn die FAZ, im oben genannten Artikel, den Begriff "Islamisten" in Anführungszeichen setzt, und damit zu erkennen gibt, welche Unschärfe der Begriff aufweist, so gibt sie sich dennoch keine Mühe, genauer zu definieren. Das scheint gesellschaftspolitisch und medial symptomatisch zu sein, wann immer es um das Thema "Islam" in Deutschland geht. Dadurch wird eine diffuse Angst vor dem großen Unbekannten geschaffen. Wie groß wäre der Aufschrei, wenn deutsche Medien fortan Evangelen, Katholiken, Zeugen Jehovas und Orthodoxe stets nur als "Christen" bezeichnen würden?

Viele der circa weltweit 1,5 Milliarden gläubigen Muslime, haben völlig unterschiedliche Auffassungen und Interpretationen des Islam. Viele untereinander sind die erbittersten Gegner. Die beiden großen Hauptgruppen des Islam sind: 90% Sunniten, 10% Schiiten. Innerhalb der beiden Hauptgruppen gibt es wiederum viele Abspaltungen. Innerhalb der Schiiten gibt es, unter anderem, die Imamiten, die Ismailiten, die Saiditen und die Nusairier. Die Drusen und der Bahaiismus sind aus dem schiitischen Islam hervorgegangen. Hanbaliten, Hanefiten, Malikiten und Wahabiten sind Strömungen aus dem sunnitischen Islam. Die Ausprägungen, Varianten und Strömungen des Islam sind zahlreich.
"Gestern noch zogen Türken nach Deutschland, Pakistanis nach England und Algerier nach Frankreich — heute gelten sie allesamt nur noch als Muslime, und der Islam ist ein für allemal das "Fremde, das »Andere" geworden."
- Tariq Ramadan, "Europa und die Herausforderung der muslimischen Präsenz, Blätter für deutsche und internationale Politik", März 2011, Seite 61 -
Dies ist ein Gastbeitrag von Markus Vollack aka Epikur.

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Nomen non est omen

Donnerstag, 17. Februar 2011

Heute: "Gehaltsvorstellung"
"Unter Angabe Ihrer Gehaltsvorstellung."
- eine häufige Formulierung in Stellenanzeigen -
Die Formulierung im Zitat stellt die Frage nach der eigenen finanziellen Wertigkeit. Die Phrase unterstützt die Vorstellung nach einer vermeintlich leistungsgerechten Bezahlung. Dazu müsste man aber Leistung seriös messen können. Leistet ein Manager mehr, als eine Putzfrau? Eine Krankenschwester weniger, als ein Banker? Wie misst man Leistung? An der Bezahlung? Dann dreht man sich im Kreis: Leistung ist gleich Bezahlung und Bezahlung ist gleich Leistung.

Gibt man eine zu hohe Summe als Gehaltsvorstellung an, wird man im Bewerbungsverfahren vermutlich gleich ausgesiebt. Will sich die Mensch-Ware vermeintlich günstig "anbieten", um an den Job zu kommen, sieht das beim Unternehmen und beim Personaler nach einem verzweifelten, sprich eher ungeeigneten Bewerber aus. Dennoch ist es offensichtlich, dass Unternehmen, die Verantwortung für die Lohndrückerei, von Anfang an gleich auf den Lohnarbeiter abwälzen.

Transparenz und Offenlegung von Gehältern hat in Deutschland keine Tradition. Viele Branchen, Unternehmen und Organisationen wehren sich erbittert dagegen. Als im Jahre 2006 die Offenlegungspflicht Politiker zwang, ihre Gehälter und Nebeneinkünfte der Öffentlichkeit mitzuteilen, klagten erstmal neun Abgeordnete beim Bundesverfassungsgericht dagegen. Heute werden Politiker-Einkünfte in drei Einkommensstufen öffentlich gemacht. Stufe eins erfasst monatliche Einkünfte von 1.000 bis 3.500 Euro, Stufe zwei Einkünfte bis 7.000 Euro und Stufe drei Einkünfte über 7.000 Euro. Hinzu kommt, dass viele Abgeordnete ihre Nebenjobs verschweigen. Von wirklicher Transparenz kann hier also keine Rede sein.

In Deutschland wird um das Gehalt ein großes Geheimnis gemacht. Bei sehr wenigen Stellenanzeigen wird der zukünftige Lohn erwähnt. Ja, man wird auch oft im Arbeitsvertrag dazu verpflichtet, mit den Kollegen und Mitarbeitern nicht über das eigene Gehalt zu sprechen:
"Über alle Geschäfts– und Betriebsgeheimnisse einschließlich des Inhalts der Gehaltsregelung ist Stillschweigen zu bewahren."
- eine häufige Formulierung in Arbeitsverträgen -
Viele Menschen reden auch nicht privat über ihr Gehalt: "Über Geld spricht man nicht", sagt der Volksmund. So als würde es der breiten Masse gar nicht um die blanken Scheinchen gehen. Die Geheimnistuerei um das liebe Geld offenbart den materialistisch verlogenen Zeitgeist in Deutschland. Aus Angst vor einem sozialen Unfrieden, vor Neid und Missgunst werden Gehälter weitestgehend geheim gehalten. Die "Gehaltsvorstellung" wird somit zum Synonym für den Sozialstatus.

Es würde offen gelegt werden, wie ungerecht und unfair die Menschen eigentlich bezahlt werden. Und dass es Verteilungs- und Lohngerechtigkeit in Deutschland nicht gibt. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit? Mindestlohn? Bezahlung, von der man leben und seine Familie ernähren kann? In vielen Branchen und Berufen Fehlanzeige. Stattdessen wird das Gehalt "ausgehandelt" oder folgt gänzlich anderen Kriterien. Vertragskultur nennt man das. Nur wie so oft, sind die Vertragspartner selten auf Augenhöhe. Der Lohngeber kann sich bei der derzeitigen Massenarbeitslosigkeit mehr erlauben und rausnehmen als der Lohnarbeiter, der nur seine Arbeitskraft, also sich selbst verkaufen kann.

Dies ist ein Gastbeitrag von Markus Vollack aka Epikur.

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Nomen non est omen

Donnerstag, 20. Januar 2011

Heute: "Ausbildungsfähigkeit"
"Die Bundesregierung setzt sich dafür ein, dass jeder junge Mensch, der ausbildungswillig und ausbildungsfähig ist, ein Qualifizierungsangebot erhält, das zu einem Berufsabschluss führt."
- Berufsbildungsbericht 2010, herausgegeben vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, Seite 3 -
Seit Jahren beklagen Unternehmen, dass viele Jugendliche nicht mehr ausbildungsfähig seien. Gemeint sind damit mangelnde schulische Leistungen, vor allem in den Fächern Deutsch, Englisch und Mathematik. Angeblich seien jedes Jahr 25 bis 50 Prozent aller Schulabgänger nicht ausbildungsreif. Die Zahlen schwanken, je nachdem ob die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK), der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) oder sich die Bundesregierung zu diesem Thema äußern.

Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) hat im September 2005 eine Definition aufgestellt, nach der Jugendliche ausbildungsfähig seien. Zu diesen Eigenschaften und Anforderungen an Jugendliche gehören:
"Zuverlässigkeit, die Bereitschaft zu lernen, die Bereitschaft, Leistung zu zeigen, Verantwortungsbewusstsein, Konzentrationsfähigkeit, Durchhaltevermögen, Beherrschung der Grundrechenarten, einfaches Kopfrechnen, Sorgfalt, Rücksichtnahme, Höflichkeit, Toleranz, die Fähigkeit zur Selbstkritik, Konfliktfähigkeit, Anpassungsfähigkeit und zu guter Letzt die Bereitschaft, sich in die betriebliche Hierarchie einzuordnen."
Nach diesen Kriterien zu urteilen, wäre so gut wie kein Jugendlicher ausbildungsfähig. Zur Jugend gehört ein ungestümes, pubertäres und wildes und eben kein marktkonformes Verhalten, wie es sich Unternehmen gerne wünschen. Was Unternehmen mit ihrem Anspruch fordern, ist nichts anderes als die Abschaffung der Jugend. Abgesehen davon, dürfte es so gut wie unmöglich sein, all diese Kriterien bei Jugendlichen zu messen.

Insofern sind die Begriffe Ausbildungsreife und Ausbildungsunfähigkeit nicht eindeutig definiert. Es drängt sich vielmehr der Verdacht auf, dass sie politisch und ökonomisch instrumentalisiert werden. Das Schlagwort fällt z.B. häufig dann, wenn Unternehmen kritisiert werden, weil sie nicht genug Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen. Nach der DGB-Jugend haben rund 1,5 Millionen Menschen im Alter von 20 bis 29 Jahren keine abgeschlossene Ausbildung. Das sind 15 Prozent dieser Altersgruppe. Im September 2010 haben ca. 130.000 Lehrstellen gefehlt, ohne Schönrechnerei dürfte die Quote deutlich höher liegen.

Hinzu kommt, dass viele Unternehmen ihre Anforderungen an zukünftige Azubis zu hoch ansetzen. Viele Jugendliche sollen am besten schon alles können, damit das Unternehmen ihnen nicht mehr viel beibringen muss und damit Zeit und Mühen sparen kann. Unternehmen benutzen also gern die Phrase der Ausbildungsunfähigkeit der Jugendlichen, um so von ihrer eigenen Ausbildungsunwilligkeit abzulenken.

Interessant ist auch, dass Jugendliche die von der Arbeitsagentur als nicht ausbildungsfähig deklariert werden, nicht mehr in der Statistik der Lehrstellen-Suchenden aufgelistet werden. Zudem werden fast eine halbe Million Jugendliche jährlich in Warteschleifen geparkt, die auch in der offiziellen Statistik der Lehrstellen-Suchenden nicht auftauchen.

Politik und Wirtschaft haben also beide ein Interesse an der Inflation des Unwortes: "Ausbildungsunfähigkeit". In der Öffentlichkeit findet indessen nur eine Debatte um die Erziehung und Bildung der Jugendlichen statt. So als liege das Problem einzig und allein an der Dummheit der Jugendlichen: Prinzip Eigenverantwortung.

Dies ist ein Gastbeitrag von Markus Vollack aka Epikur.

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