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#Aufschrei der Dummheit

Dienstag, 24. November 2015

Es sind gute Tage des Anti-Merkelismus und der Kanzlerinnenabneigung. Oberflächlich betrachtet sieht es zumindest so aus. Wenn ich bei Facebook mal gucke, was man mir alles auf meiner Chronik hierzu anbietet und wie viele meiner »Freunde« was zu diesem Thema teilen, dann müsste ich mich eigentlich diebisch freuen. Schließlich kommt die scharfe Kritik, das »Treten Sie zurück, Frau Merkel!« und »Diese Frau ist alternativlos!« ja seit Jahren von links. Merkel war bislang der feuchte Traum von Damen und Herren, deren erogene Zonen eher politisch rechts lagen. Also klickt und gefälltmirt man als jemand, der sich links stimuliert, halt mal auf das Rücktrittsgerede und die Anti-Merkel-Polemik, die man dieser Tage so präsentiert bekommt. Aus Reflex vielleicht. Oder auch, weil man seine Abneigung unter jedes Statement setzen will, das auch nur in jene Richtung tendiert. Sieht man dann aber mal genauer hin, wundert man sich. Denn der jetzt überall aufkeimende Anti-Merkelismus stammt zu großen Teilen aus der rechten Ecke.

Man fällt ja jetzt nicht von Merkel ab, weil sie Großfrauspolitik in Europa betreibt, Sozialabbau begeht, NSU-Aufklärung lahmlegt oder NSA-Aufklärung bagatellisiert. Das ist alles Schnee von gestern. Schnee, mit denen die, die heute kritisieren und zum Rücktritt ermuntern, noch ganz zufrieden waren. Gerade das hat die Frau ja ausgezeichnet, sie entschleunigte überall dort, wo sich das Unrecht beschleunigte. Und dergleichen schätzt man rechts als gutes Brauchtum. Aber dass sie jetzt Flüchtlinge ins Land lässt, Willkommenskultur anrät – das füllt denen das Faß voll. Das war nicht nur der letzte Tropfen zum Überlaufen, es waren ganze Eimer hin zur Flutung. Gut, bei Tageslicht betrachtet, ist ihre Flüchtlingspolitik ein ziemlich oberflächliches Konzept, mehr so was für das deutsche Gemüt und zur europäischen Präsentation. Nach Griechenland im Austeritätskoma braucht das Deutsche wieder ein hübsches Gesicht für den Kontinent. Deutschland hat ja auch schöne Seiten. Wir schaffen das. Also Deutschland aufzuhübschen, den häßlichen Deutschen imagefördernd vergessen zu machen. Die Kommunen müssen dann aber weitestgehend selbst schauen, wie sie es schaffen. Finanzielle Mittel gibt es für sie nur in homöopathischen Dosen. Und genau aus dem Milieu, in dem man Flüchtlinge beleidigt, bespuckt, sie kriminalisiert und pathologisiert, stammen nun die Anti-Merkel-Buttons, die Anti-Merkel-Schautafeln, die Anti-Merkel-Klick-mich-Beiträge.

Neulich hat einer auf einen Artikel verwiesen. Bei Facebook gefiel er vielen. Auch Leuten, denen manchmal das gefällt was ich schreibe. Es ging darum, dass so ein »Experte« nun belegt sah, dass die Bundeskanzlerin durchgeknallt ist. Sie spreche nämlich von sich in der dritten Person. Ein eindeutiges Indiz dafür, dass sie verrückt sei, was er mit halbseidener Medinzinalsprache begründete. In einem Interview habe sie gesagt, dass »die Kanzlerin es im Griff [habe]«. Die Aussage mag eine Lüge sein. Inhaltlich betrachtet. Was hat sie denn im Griff? Der Inhalt ist in jedem Falle verrückter als die Aufmachung der Formulierung. Das müssen die »Linken« doch gut finden, so eine Analyse des geistigen Gesundheitszustandes, oder nicht? Schließlich sind es genau die Stimmen aus jenem politischen Milieu, die mehr oder weniger immer so gegen Merkel geschossen haben. In der dritten Person! Wie ulkig! Und wie irre! Ja definitiv, da muss man geisteskrank sein, wenn man von sich selbst so spricht. Roberto De Lapuente hat jedenfalls im ersten Moment auch sehr gelacht, dann hat er gesehen, um was es eigentlich ging und sich gedacht, dass er mit dieser »Opposition« nicht oppunieren kann. Denn man pathologisierte diese Frau nicht wegen der Form, sondern weil sie Ausländer ins Land lässt und keine Zäune befürwortet. Also suchte man nach Indizien, um sie zu diskreditieren, sie zum Zäuneziehen und Mauerbau zu bewegen. Sie ist für diese Leute bloß irre, weil sie ihr Vaterland verrät. Aber für mich sind Leute irre, die ihr Vaterland abschotten und sich den Weltsorgen verschließen wollen.

Solche Statements kann man natürlich dennoch machen. Jeder hat Senf, den er dazugeben möchte. Meist ist der Senf Käse. Falsch deklarierte Lebensmittel halt. Ein ganz üblicher Betrug in unserer Zeit. Und genau so (be-)trügerisch ist es, solchen Stimmen Likes zu verleihen. Aber letztere kommen tatsächlich häufig auch aus dem Lager derer, die wie die Leute aus meiner »Freundesliste« bevorzugt »Spiegelfechter«, »NachDenkSeiten« oder »ad sinistram« lesen; die »Die Anstalt« gucken und mit Rether, Pispers oder Schramm lachen; die »BILDblog« schätzen und vielleicht schon mal ein Buch von Naomi Klein oder Jean Ziegler gelesen haben. Das irritiert. Nicht alles was gut nach Opposition klingt, ist ja gute Opposition. Mag sein, dass es jetzt Schnittmengen zwischen Rechten und Linken gibt. In der Konsequenz der Sache quasi. Also, dass man die Kanzlerschaft jener Frau beendet sehen will. Aber auch wenn man so konsequent sein möchte, so sind das doch zwei verschiedene Ligen. Nicht jeder Aufschrei, der da draußen verhashtagt wird, ist ja eines Beifalles wert. Das wollte ich gesagt haben, denn nach Social Stalinism ist mir nicht. Ich will die mit mir »befreundeten« Klicker solcher Botschaften nicht entliken und einer großen Säuberung zuführen. Das tun andere dort in meisterschaftlicher Manier. Auch Linke. Unliebsame aus dem Sandkasten werfen: Das mache ich schon seit Jahrzehnten nicht mehr.

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#Aufschrei der Dummheit

Dienstag, 8. September 2015

Facebook war immer mehr oder weniger eine Bekenntnismaschine. Man ließ dort heraushängen, wofür oder wogegen man war. Das schuf imaginäre Identität. «Je suis Charlie« war ein berühmtes Beispiel dafür. Plötzlich waren sie alle dieses Karlchen und hatten Bilder und Avatare davon auf ihrer Seite. In den letzten Monaten häuft sich das Bekenntnis zu einem Deutschland, das schrecklich ausgetrickst wird und ins Hintertreffen gerät. Freiheitskampf und Patriotismus dominiert manches Profil bei Facebook. Es ist, als ob die Deutschen in einen Endkampf geraten seien. Und das, obgleich sie synchron die Rolle einer Hegemonialmacht in Europa eingenommen haben. Völlig paradox tun manche so, als müsse Deutschland eine Opferrolle erfüllen. Sie bauen auf, muntern sich auf und deklarieren das Deutsche, das die Welt angeblich aus der Welt züchten will.

Ich habe selbst Leute in meiner Freundesliste, die ich für relativ unverdächtig hielt. Sie kommen aus der Klasse, die man früher mal «Arbeiterklasse« nannte. Sie posten, dass sie sich von Merkel und der politischen Klasse verarscht fühlen. Die Politik der USA stinkt ihnen. TTIP halten sie für gefährlich. Sinkende Löhne und diesen Arbeitsmarkt, der immer mehr Zumutungen birgt, möchten sie so nicht aktzeptieren. Beste Voraussetzungen für Bedachtsamkeit eigentlich. Aber gleichzeitig kehren sie den Patrioten heraus, wettern gegen Flüchtlinge und Überfremdung und gerieren sich als die letzten deutschen Eichen, die sich dem Fällen zur Wehr setzen. Alles trägt dabei den Unterton des Opfers. Das deutsche Volk ist demnach Opfer von hoher Politik und von Fremden. Oder besser noch: Die Politik holt Flüchtlinge ins Land, um das Deutsche langsam auszurotten. Verschwörungstheorien fallen derzeit auf fruchtbaren Boden.

So spielt man dann auch die Armen gegeneinander aus. Für Flüchtlinge habe man Geld, zahle man allerlei. Aber Arme mit deutschem Pass müssten Flaschenpfand sammeln, auf der Straße leben und von Resten leben. Die Relationsetzung zwischen Zeltlager und Hartz IV ist grotesk und lächerlich, kommt aber gut an. Vor der Flüchtlingswelle waren Bezieher von Sozialleistungen noch Abschaum. Obdachlose ein Fall für Arbeitshäuser. Heute werden sie völkisch aufgewertet. Jetzt sind auch sie zugehörig. Zeltlager und Hartz IV kann man jedoch gar nicht miteinander vergleichen. Aber das stört die neue Bekenntnis-Tour dieser Patrioten nicht sonderlich. Es geht nur um so ein Bauchgefühl, nicht um durchdachte Ansätze. Um völkische Ansätze halt. Um die Auflösung der Erkenntnis, dass wir alle die Opfer von Eliten sind, die uns gegeneinander aufwiegeln.

Dieser neue deutsche Stolz, er generiert Bekenntnisse. Zum Glück noch bei Facebook. Ist in Heidenau das Internet ausgefallen? Repariert es! Schnell! Zurück dorthin, wo der Aufschrei der Dummen sich in Bildchen und Statements erschöpft. Baut DSL aus, macht es schneller, damit diese Leute dort bleiben und nicht dort, wo sie ihren Wahnsinn realiter werden lassen können. Wer Dingen die Relevanz nehmen will, stellt es ins Internet, schrieb Grabow mal. Schafft also Zugänge zum Net. Ohne Störungen. Denn solange sie dort rummachen, sind sie zu beschäftigt mit dem echten Leben. Hoffentlich. Denn wenn sie doch mal von ihrem Kasten hochsehen, dann wird es gefährlich. Denn Bekenntnisse, das sind die Vorboten.

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#Aufschrei der Dummheit

Dienstag, 4. November 2014

Natürlich blüht bei Facebook oft der Nonsens, die Nichtigkeit, widmet man sich Themen, die eigentlich niemand braucht. Wenn jemand wie Gysi die Patenschaft für ein Zirkuslöwenbaby übernimmt, dann ist das fein für den Zirkus und das Tier, aber eigentlich eine Marginalie, die man gleich wieder vergessen könnte. Wenn man eine solche Fußnote aber dem Stammtisch vorlegt, der sich »Facebook« nennt, dann sieht die Sache anders aus. Plötzlich seiert jeder seine Meinung dazu ab. Alle wollen gehört werden. Ohne Meinung geht heute nichts mehr. Wer was auf sich hält, hat zu allem eine. Und die ist dann auch noch die richtige. Nichtigkeit, die plötzlich Gegenstand einer Diskussion wird, das ist die Grundlage eines Shitstorms.

Bei Gysis Löwen kam es dann nicht ganz dazu. Man sah nur die Ansätze. Man konnte Vorwürfe lesen. Gerade als Linker müsste er wissen, dass er da die Tierquälerei unterstütze. Jetzt habe es endgültig verschissen. Er sei nur ein Machtmensch, der sich über nichts Gedanken mache. Wenn die Linke da nicht kritischer sei, dann wäre sie nichts anderes als eine Partei, die auch unwählbar geworden ist. Lauter so Quatsch las ich dazu.

Wie gesagt, es waren nur Ansätze. Aber man konnte ganz gut sehen, wie einige Nutzer Facebook interpretieren. Nämlich als Schafott, als Richtstätte für Cyber-Savonarolas, die jede Bagatelle zu einem Ereignis umdeuten, das unbedingt die Anhörung von Leuten notwendig macht, die im Besitz einer geistigen Umnachtung sind, die sie die »absolute Wahrheit« nennen. Und diese Gesinnung braucht natürlich unbedingt einen Facebook-Zugang. Sie will ja in die Welt hinaus. Alle erreichen. Zeigen, dass sie es besonders ernst meint. Wenn nötig mit Terror, mit dem Zuscheißen aller Kanäle, damit auch alle ganz genau begreifen, dass hier etwas völlig schief läuft. Die Gerechtigkeit arbeite schließlich so schlecht in diesem Land. Also nehmen sie sie selbst in die Hand. Übernehmen selbst Gerechtigkeit. Hilfe zur Selbsthilfe gewissermaßen.

Gut, bei Gysi klappte es nicht ganz so gut. Zu wenig spektakulär. Und die Leute finden junge Kätzchen einfach zu süß, als dass sie bei deren Anblick auch noch denken wollten. Was die gescheiterten Shitstormer auch so schrieben. Keiner folgte ihnen, weil bei Tieren jedem immer das Herz auf und das Gehirn zu gehe. Hinter jedem Shitstorm-Erfolg steht kein starker Mann oder eine starke Frau, sondern irgendeine frustrierte Lebenseinstellung mit Absolutheitsanspruch, die hinausgeplärrt werden will. Na gut, nicht hinter jedem. Aber hinter den meisten.

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#Aufschrei der Dummheit

Dienstag, 9. September 2014

Besonders während der vergangenen Weltmeisterschaft in Brasilien hatte das nebenstehende Banner bei Facebook Hochkonjunktur. Man wollte damit wohl all denen, die dem nationalistischen Fanatismus nicht folgen wollten und Bedenken anmeldeten, deutlich machen, dass man die Vergangenheit nicht nur abgelegt, sondern sich darum auch nicht zu scheren hat. Über 22.000 mal wurde es mittlerweile geteilt. Auch auf meiner Startseite bekam ich es mehrmals angezeigt. Einige meiner »Freunde« hatten es geteilt. Dass sie sich so auch vom Auftrag der Gestaltung eines künftigen Weltethos »emanzipiert« hatten, fiel ihnen vielleicht gar nicht auf.

Mitunter zieren das Banner entblößende Kommentare. Beispiel: »Rischdisch. Wir müssen jetzt endlich mal unser maul aufmachen. [...] Also schluss damit jeden retten zu wollen erst mal ans eigene volk denken. Also schluss mit Almosen für Schmarotzer und die wo ihr land in den Abgrund reiten.« Oder dieser, der ausdrücken möchte, dass man es entspannt sehen sollte: »was juckt heute die amis noch was sie mit den indianern oder den negern gemacht haben?« Ein anderer empfiehlt zum Beispiel solchen, die »Soldaten sind Mörder« sagen, als Staatsfeinde zu behandeln. Und einen jungen Kritiker machen sie auf der persönlichen Schiene fertig, verspotten die gymnasiale Bildung des »Jüngelchens«. Er könne ja nichts dafür. In den Schulen wiehere heute außerdem der linke Zeitgeist und man würde nur allerlei gutmenschlichen Unsinn gelehrt bekommen. Nettes Völkchen in diesem aufgeklärten Medium Facebook - das muss man schon sagen.

Die Mehrzahl dieser Leuchten rechtfertigt sich damit, dass sie nicht schuld sei. Stimmt. Das sind die Leute auch nicht. Hat aber auch niemand behauptet. Es sind ja nicht mal alle schuld, die vor 1945 geboren wurden. Selbst die nicht, die damals schon erwachsene Menschen waren. Was dieses polarisierende Banner aussagt, ist ja eigentlich viel perfider. Es distanziert sich nicht von den Beschuldigungen - es entschuldet. Es spielt gekonnt mit Schuld und Schulden. Letzteres soll für die Spätergeborenen nicht gelten. Anders gesagt: Wir schulden der Welt keine kollektive Verantwortung für das, was damals geschehen ist. Und demgemäß sind die Ereignisse jener Zeit kein Auftrag und keine Mahnung an die nachfolgenden Generationen. Man schuldet der Welt schließlich nichts, ist befreit von der Bürde, das politische und gesellschaftliche Handeln an den menschenverachtenden Affekten jener Jahre zu messen. Sarrazin schuldet mit seiner Eugenik der Welt schließlich auch einen Scheiß. Bürgerwehren gegen Roma auch nicht. Das Banner fordert die Loslösung von dieser ethischen Bezugnahme auf die unmoralische Geschichte Deutschlands im letzten Jahrhundert. Schwamm drüber.

Wir sollen also aufhören darüber nachzudenken, woher wir kommen und in die Zukunft blicken. So in etwa die Botschaft. Wer aber blind für die Vergangenheit ist, wird sich nicht in die Zukunft vorantasten, sondern blind vorpreschen. Dieses aufgemotzte Motto hat nicht mal entfernt etwas mit Party-Patriotismus zu tun. Es ist eine Absage an das Erbe dieser Republik, etwas, das ganz gut zum neuen Verantwortungsdiskurs einiger Politiker passt. Einige Facebookianer haben aber wohl ihre Freude über die Nationalelf mit Geschichtsrevisionismus gepolt und sind reichlich stolz drauf. Bewusst oder unbewusst. Die sozialen Netzwerke haben den Stammtisch, an dem solche Parolen früher bei einem ordentlichen Schluck formuliert wurden, ganz schön groß werden lassen. Facebook ist letztlich auch nur ein Wirtshaus.

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#Aufschrei der Dummheit

Mittwoch, 16. Juli 2014

Ungezählte Regionalzeitungen sind mit ihren Onlineausgaben natürlich auch an Facebook angebunden. So landen dann deren Berichte als »Mit-Teilenswertes« im Sozialen Netzwerk. Lokales zum Beispiel. Oder aber Veranstaltungshinweise. Neuerdings begegnen mir via Facebook aber gehäuft Suchfahndungen, die aus den Polizeimeldungen in die Irrealität hinausgeteilt werden. Plötzlich begegnen einem dann Phantombilder oder Fahndungsfotos, bekommt man Informationen über die Statur und ein etwaiges Verbrechen präsentiert, das sich die jeweilige Person zuschulden hat kommen lassen. Es ist schon bizarr, dass sich Nutzer von Sozialen Netzwerken jählings zu Mitfahndern auf Laienbasis machen lassen.

Diese Trivialisierung von Fahndungsarbeit erntet natürlich mit Ansage die passenden Kommentare und Statements. Kaum postet jemand ein Phantombild, kotzen sich Leute über Muslime (Generalverdacht) aus, die man »in ihr Heimatland überführen« sollte. Andere plädieren wie auf Befehl für die Todesstrafe oder wenigstens für eine lebenslange Haft, die wirklich lebenslang stattfindet. Wahlweise gibt es den Kerker als Option. Und natürlich hätte mancher »dem miesen Schwein schon längst die Eier abgeschnitten«. Jeder kann jetzt auf Klick ein Eduard Zimmermann sein, ein Fahnder in seiner eigenen kleinen Chronik. Die Frage ist, ob man damit Straftäter fasst oder nicht einfach nur den geistigen Pogrom gegen solche verbreitet, die unter Umständen als Tatverdächtige in Betracht kommen.

Die Niedertracht und das Potenzial zur Aufhetzung via Facebook und Konsorten ist mannigfaltig. An dieser Stelle wurde mehrfach darüber berichtet. Besonders beliebt sind Dummheiten, die im Deckmantel des kleinbürgerlichen Anstandes daherkommen. Also die Jagd auf »Kinderschänder« oder andere Straftäter. Die haben keinen Anspruch darauf, öffentlich so behandelt zu werden, dass man von einer unantastbaren Würde sprechen könnte. Sie sind Freiwild für die Massen von Dummbeuteln, die meinen, sie würden die Welt zu einem besseren Ort machen, weil sie ihrem Hass gegen Kriminelle freien Lauf lassen. Die popularisierte Fahndung nach Art der sozialen Netzwerke ist ein neues Level der »Öffentlichkeitsfahndung«. Der warf man zuzeiten (z.B. im Falle von »Aktenzeichen XY«) vor, dass sie das Denunziantentum fördere, Minderheiten diskriminiere, Ängste schüre und Verbrechen zur Unterhaltung instrumentalisiere. Die Fahndung per Like-Button radikalisiert diese Dynamiken nochmals gesondert.

Wahrscheinlich wird der unbedarfteste Charakter, der solche Fahndungsmeldungen teilt, die Gesellschaft nicht zu einem besseren Ort machen, sondern das Klima nur weiter vergiften. Der Pranger, der mit einem Klick auf dem Bildschirm zu sehen ist, erreicht ja nicht nur kühle Gemüter und abgeklärte Kriminalisten, sondern eben auch den anonymen oder fast-anonymen Lynchmob. Deren #Aufschrei kommt direkt aus dem Schoss, der noch immer fruchtbar ist.

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#Aufschrei der Dummheit

Mittwoch, 12. März 2014

Quelle: mimikama.at
Bis vor kurzem gab es bei Facebook eine Seite, die sich »Wir suchen dich« nannte. Angeblich eine »Facebookgemeinschaft, die Personen hilft« und die vorgibt »gemeinsam nach vermissten Personen« zu suchen. Von einer Suche nach Personen konnte aber keine Rede sein. Der oder die Betreiber posteten Fotos von Gewaltakten und stellten dazu provokative Fragen. Unter dem Foto eines toten Mannes, der mit Messerstichen übersät ist, kann man lesen: »Das ist mit einem Kinderschänder in Südamerika passiert und soll auch so üblich sein. Was sagt Ihr dazu? Richtig oder Falsch?« Die Reaktionen, die damit geerntet werden, sind leicht zu kalkulieren und wohl auch so gewollt. Wie Motten, die das Licht ansteuern, ebnen sich selbstlose Weltverbesserer und Kinderschützer ihren Weg in die Kommentarspalten und offenbaren, wie dünn und teilweise schon abgeblättert der Lack der rechtsstaatlichen Zivilisation schon ist.

Einerseits hat man es mit fadenscheinigen Betreibern zu tun, die ihr Menschenbild mit süffisanten Fragen in die Welt hinausposten. Und andererseits mit Lesern und Usern, die wie geile Rammler jedes Loch bespringen, aus dem so eine faschistoide Weltsicht hervorsuppt. In diesem Fall sind das auch Leute, die in meiner »Freundesliste« stehen, die mich mal geliked haben, weil ich einen für sie hübschen Text zur Arbeitsmarktsituation, zum Sozialabbau der Regierung oder vielleicht etwas Kapitalismuskritisches geschrieben habe. Dennoch sind dieselben Leute für diese rechtslastige Emotionalisierung juristischer Fragen zu haben und geben sich als Freunde nicht nur meiner Facebook-Präsenz, sondern eben auch als solche der Lynchjustiz zu erkennen.

Diese Seite scheint es mittlerweile nicht mehr zu geben. Hin und wieder reagiert Facebook dann doch und löscht solche menschenverachtenden Seiten. Aber das Problem ist trotzdem nicht aus der Welt. Manchmal hat man nämlich den Eindruck, dass es ausgerechnet solche Seiten der kalkulierten Misantrophie sind, die regeren Zulauf im Internet finden, als aufgeklärtere Projekte. Rechte Blogs und Foren boomen, das Social Media ist das Forum des dazugehörigen Mobs und noch nutzt die Politik das Internet nur für Wahlkampf- und Propagandazwecke. Hoffentlich kommt sie nie auf die Idee, das Social Media als eine Art Abbild des Wählerwillens anzuerkennen. Denn dort scheint die politische Rechte, von jeher nahe am Stammtisch und an billigen Affekten, die Deutungshoheit schon lange errungen zu haben. Die Idee der Freiheit, die man dem Internet und dem Social Media anheftete, kehrt sich täglich mehr ins Gegenteil. Nicht nur wegen der NSA.


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#Aufschrei der Dummheit

Dienstag, 14. Januar 2014


Das was sich Ende letzten Jahres im Online-Anhang der ZDF-Sendung Wetten, dass..? ereignete, als der Moderator nämlich eine Saalwette vorstellte, bei der er dazu aufforderte, dass möglichst wenige Menschen als Jim Knopf und Lukas auftreten sollten, hatte mit Protestkultur nichts mehr zu tun. Man kreidete Markus Lanz an, dass er sich rassistischer Tradition hingegeben habe, weil er Weiße dazu aufforderte, sich als Schwarze anzumalen. So wie in den Vereinigten Staaten, als die Rassentrennung noch viel strikter praktiziert wurde als heute. Als im ersten Tonfilm der Geschichte ein Weißer einen schwarzer Jazz Singer mimen musste, um das Sittengefühl jener Tage nicht zu verletzen. Um diesem "rassistischen Treiben" eines auszuwischen, formierte sich mal wieder ein #Aufschrei.

Diese Übertreibung von zwar seltsamen Vorkommnissen zum Zwecke der Unterhaltung eines Massenpublikums geriet aber zum Glück zum Rohrkrepierer. Eine zwecklose Debatte weniger, die langfristig geführt worden wäre, wurde durch Kritik von vielen Seiten vereitelt. Dennoch zeitigt eine solche Kultur des Klickprotests Folgen. Gerade dann, wenn man sie inflationär herauskramt, wenn man aus jeder Belanglosigkeit und jeder Geschmacklosigkeit ein Sujet macht, an dem man sich protestlerisch aufgeilt. Mit so einer Empörungs-Klick-mich-Welle vergällt man die richtige, die notwendige Kritik an Rassismus und seine Folgen. Man schafft so kein Bewusstsein, sondern sediert bis in die Bewusstlosigkeit hinein. Beim nächsten Aufruf, der beispielsweise klar rassistisch unterlegte Verwaltungsakte in Jobcentern anklagt, winkt dann mancher ab und sagt: Ach, schon wieder diese wichtigtuerischen Spinner, die Mücken für Elefanten halten. 

Und seien wir doch mal ehrlich, ein Publikum, das den Rassismus des sarrazinischen Genetik-Hokuspokus nicht für verurteilenswert gehalten hat, wird mit dem Anmalen von Gesichtern zwecks Afro-Look keinerlei Probleme haben. Es ist im Vergleich hierzu ja auch nur Kindergarten.

Dieser Aktionismus, der es gut meint, und der damit das Gegenteil von gut ist, wirkt kontraproduktiv. Er höhlt aus, relativiert und übertreibt, bis er unglaubwürdig wird und wirklich notwendige Aktionen ausbremst. Sascha Lobo schreibt dieser Tage, er habe sich getäuscht. Das Internet sei nicht das, wofür er es gehalten habe. Es sei nicht Wegbereiter für Demokratie und Befreiung, sondern zerstöre die Grundlagen einer freiheitlichen Gesellschaft. Er bezieht das vor allem auf die Geschehnisse um die Geheimdienste, die in den letzten Monaten bekannt wurden. Vielleicht muss man jedoch weitergehen, muss einsehen, dass das Internet die Summe aller Charakter und Typen ist, die vor ihm sitzen und "es bedienen". Das erklärt warum es nicht Befreiung ist, sondern einfach nur lauer Durchschnitt, ein Abziehbild der Offline-Verhältnisse. Ob es nun die dumpfen Parolen von Neonazis sind, die bei Facebook toleriert werden oder das Aufschreien bei Nichtigkeiten: Das Internet bereitet nicht den Weg für mehr Demokratie. Es pervertiert sie eher.


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#Aufschrei der Dummheit

Dienstag, 3. Dezember 2013

Kürzlich beklagte sich Jutta Ditfurth via Facebook, dass man ihr eine Gruppe gewidmet hat. "Ich würde Jutta Ditfurth gerne mal auf die Fresse hauen" heißt sie. Ein kleine Gruppe nur, die wenig Einfluss hat und zuletzt verwaist schien. Parallel zum Verfassen dieser Zeilen wurde die Gruppe gelöscht. Gleich dazu mehr. Der Inhalt hatte es in sich. Bestand aus Hassreden gegen Ditfurth, aus Androhungen und Despektierlichkeiten jeglicher Art. Über all dem stand der Titel, der wie ganz selbstverständlich zur Gewalt aufrief. Eine wie Ditfurth habe schließlich was auf die Fresse verdient.

Die O-Töne bei "Ich würde Jutta Ditfurth gerne auf die Fresse hauen" waren nicht ohne. Ein User meinte gar, er wohne gleich um die Ecke von Ditfurth. Er könne den Titel der Gruppe mal Wirklichkeit werden lassen. Sie wurde Staatsfeindin genannt und ein mutiges Gruppenmitglied meinte, bei dieser Frau sei seine "Selbstkontrolle komplett ausgeschaltet". Dass "diese Frau einfach geschlagen" gehört ist den Mitstreitern natürlich unisono klar gewesen.

Alles hat seine Schattenseiten. Bei Facebook sind es Typen, die sich das Recht herausnehmen, ihren Hass auf Einzelpersonen oder Gruppen in einer Facebook-Gruppe zu kanalisieren. Was las man nicht alles vor einigen Jahren, als im arabischen Raum die Menschen in Rebellion traten und sich über soziale Netzwerk im Internet formierten - und die mittels Smartphones organisatorisch auf einem Niveau standen, das vorher bestenfalls eine gut organisierte Polizeitruppe innehatte. Das dürfte die Sonnenseite des Phänomens sein. Man kann sich organisieren, leicht kommunizieren, kann sich relativ unkompliziert informieren. Das Instrument Facebook wird aber auch missbraucht. Man trägt den Hass und die Dummheit hinein, macht es zu einem Medium der Menschenverachtung und kann sich dann sogar noch gegenseitig auf die Schulter klopfen, sich wechselweise die gegenseitige Blödheit bestätigen und liken.

Dieses ordentliche Maß an Dummheit wurde von Facebook lange toleriert. Mehrfache Meldungen von Usern hatten lange Zeit keine Sperrung dieser Seite, die immerhin zur Gewalt gegen eine Person aufruft, bewirkt. Erst als Jutta Ditfurth Facebook mit anwaltlichen Schritten drohte, entschloss man sich dazu. Das ist erst einige Tage her.

Wer die Affekte aus Zeiten, da man aus dem Volksempfänger heraus aufwiegelte, für graue Vergangenheit abtut, sollte sich nur mal diverse Gruppen bei Facebook antun. So wie Facebook als Medium der Organisation gegen Unrecht und Machtmissbrauch positiv genutzt werden kann, so wird es auch als Plattform von Hetzern dienstbar gemacht. Es gibt jede Menge Dummköpfe, die ihren #Aufschrei in die Welt hinaustippen. Fortschritt kann da nur als Rückschritt begriffen werden.


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#Aufschrei der Dummheit

Dienstag, 10. September 2013

Aufklärung in Zeiten der Social Media
Quelle: Facebook
Nicht nur Occupy und Taksim sind Produkte so genannter Social Media. Auch die Befürworter der Todesstrafe zelebrieren dort Selbstbestätigung, moralisieren sich eine Argumentation herbei und stärken so ihre Weltanschauung. Die Todesstrafe mit so genannten Kinderschändern in Verbindung zu bringen, erfreut sich äußerster Beliebtheit. Man liket eindeutige Bilder, teilt Hinweise auf Justizskandale und lobt die Todesstrafe für Sexualdelikte in Ländern wie dem Iran. Die Sprache der Befürworter ist hierbei verroht. Der "Kinderschänder" wird entmenschlicht, man macht ihn zur Bestie und spricht ihm jegliches Anrecht ab, ein Mensch sein zu dürfen. Man spricht vom Schwein, das abgeschlachtet gehört und findet, dass selbst die Todesstrafe viel zu milde sei, weil sie nicht langsam tötete.

Beängstigend ist hierbei, dass es sich nicht um Neonazis handelt, die dieser Verrohung Vorschub leisten. Eine Facebook-Seite, die den phantasievollen Namen Todesstrafe für Kinderschänder trägt und das Banner in Schwarz-Rot-Gelb unterlegt, bemüht sich regelmäßig, ihre NPD-Ferne zu belegen. Daran muss man nicht unbedingt zweifeln. Diese Ansichten sind in der gesellschaftlichen Mitte in etwa so angekommen, wie der offene und ungenierte Rassismus. Man kann heute durchaus offiziös ein Bekenntnis zur Todesstrafe abgeben, ohne besonders scheel angesehen zu werden.

Auf den Pro-Todesstrafen-Seiten spricht man gerne von Gutmenschen, die Täterschutz betreiben würden, die Opfer alleine ließen. Das ist die viktimisierende Sprache von Menschen, die ihren persönlichen Drang zur Lynchjustiz mit rechtsstaatlichem Gefühl verwechseln. So fordert man nicht nur die Todesstrafe für etwaige Täter, sondern auch noch gleich einen Maulkorb für alle, die nicht für die Todesstrafe sind. Sie wollen nicht nur die moralischen Herren über Leben und Tod sein, sondern auch über das, was andere Mitmenschen für moralisch vertretbar halten dürfen und was nicht. Denn wer im Diensten einer guten Sache steht, der hat jedes Recht der Welt, der darf den physischen Tod einerseits und den intellektuellen Tod andererseits fordern.

Die #Aufschrei-Mentalität gebiert seltsame Blüten. Der #Aufschrei für die Todesstrafe macht das dramatisch deutlich. Facebook wird gerne als Medium der Freiheit gefeiert, weil sich darüber Demonstranten verabreden, Aktivisten austauschen und Aktionen wie Occupy organisieren. Leider trifft sich aber dort auch der Mob, der ungebildete Vollidiot (die Befürworter der Todesstrafe zitieren bei Facebook gerne aus der Bildzeitung) ist dort unter seinesgleichen. Man untermauert sich gegenseitig das hasserfüllte Weltbild, verargumentiert sich gegenseitig Standpunkte, die ja ohnehin vorher schon klar abgesteckt waren.


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#Aufschrei der Dummheit

Mittwoch, 24. Juli 2013

Am Jahrestag des Stauffenberg-Attentats wollte die Alternative für Deutschland bei Facebook ein Zeichen setzen. So zierte kurzzeitig ein Titelbild die Seite, auf dem an den 20. Juli 1944 erinnert wurde. Wahrscheinlich war das nicht nur als Gedenken gemeint, sondern barg eine politische Botschaft. Die AfD litt ja von Anfang an unter dem Vorwurf, ein rechter Verein zu sein. Wenn sie nun Stauffenberg gedenkt, dann lenkt sie vom Verdacht ab und stilisiert sich selbst als Erben dieses Widerstandes. Besonders deutlich schrieb ein Kommentator dann auch, dass "Stauffenberg [...] genau wie die AfD, Deutschland von einer Tyrannei befreien" wollte.

Die Alternative für Deutschland unterstreicht dieses Erbe, indem sie deutlich macht, dass Stauffenberg politisch rechts war, während es der Nationalsozialismus nicht war. Über letztere These kann man streiten, ganz falsch ist diese Position nicht. Stauffenberg jedoch in eine Opposition zur Diktatur bringen zu wollen, ist aber grundsätzlich falsch. Robert Gellately erzählt, wie viele junge Offiziere der Reichswehr am 30. Januar 1933 Freude zeigten: "Als sich die Menge zu einer Freudenbekundung formierte, um die neue Regierung Hitler zu feiern, setzte sich ein junger Leutnant in voller Uniform freudig an die Spitze. Später wurde er dafür von seinen Vorgesetzten milde getadelt [...] Der junge Leutnant war Claus Schenk Graf von Stauffenberg." Doch das nur nebenbei. Darum soll es an dieser Stelle gar nicht gehen.

Was die AfD da beschwört ist das rechtskonservative Erbe, in dem es zu stehen meint. Stauffenberg war durchaus kein Pazifist, wollte die Bewahrung des status quo als Hegemon Europas - nach Beendigung des Krieges. Er wollte die Kapitulation verhindern. In Analogie dazu wandelt heute die AfD. Sie will die Hegemonie Deutschlands erhalten, eine EU gleicher Partner hält sie für unvereinbar mit dem nationalen Interesse. Sie will die sofortige Beendigung des Finanzkrieges, nicht aus Gründen des (sozialen) Friedens, sondern weil sie deutsches Geld verbrennen sieht, wie weiland die Leute um Stauffenberg deutsche Männer verbraten sahen.

Tatsächlich erntete das Titelbild der AfD bei Facebook nicht nur viele Klicks und Teilungen, sondern auch Kommentare, die das Publikum dieser Partei skizziert. Einer parolierte, dass die Erfinder der Konzentrationslager (er meint die Briten) und die Ausrotter der Inkas und Indianer auch nicht ständig erinnert würden an ihre Geschichte. Deshalb: Macht endlich Schluss mit dem Erinnern! Selbstbewusstsein entwickeln. Andere sehen im 20. Juli einen letzten deutschen Ehrentag, den man völlig ohne Hintergedanken begehen könne - alle anderen sind leider versaut von den Stimmen der Erinnerer.

Die AfD vollzieht so ihren ganz persönlichen #Aufschrei, einen rechtskonservativen, der sich von faschistischen Modellen abgrenzt, indem es sich zum Widerstand dagegen stilisiert - das ist die Taktik vieler Rechtskonservativer seit 1945. Manchmal war das nicht mal gelogen. Ähnlichkeit zur Weltanschauung der Faschisten gab es aber deshalb trotzdem. Das sieht man alleine schon am Aufstand der Offiziere um Stauffenberg. Manchmal bekriegen sich Brüder schlimmer als solche, die nicht miteinander verwandt sind.


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#Aufschrei der Dummheit

Samstag, 22. Juni 2013

Zunächst eine Information in eigener und des Lesers Sache und dann gehts zur Sache.

Ich habe mich für zweierlei entschlossen. Erstens: Ich führe eine neue Kategorie ein. Und zweitens: Meine Latein-Phase ist vorbei.

Das ehemals kleine Latinum wird eingedeutscht, wie die Kategorien dann heißen, erfährt man dort. Wer hochtrabende Label-Namen erwartet, wird enttäuscht sein. Die alten Kategorien werde ich einfach unter neuem Namen weiterführen.

Vielleicht ist es einigen schon aufgefallen, dass ich auch in den Seitenleisten das Lateinische herausgefischt habe. Mir sind die lateinischen Namen auf Dauer einfach zu unhandlich, zu statisch geworden. Fast wie Fremdkörper. Das war ich mal, bin ich aber nicht mehr. Ich will es weniger hochgestochen, etwas lockerer.

Die neuen Kategorie soll #Aufschrei der Dummheit heißen und sich mit Grafiken und Bannern beschäftigen, die mir in sozialen Netzwerken, vor allem bei Facebook begegnen. Die werde ich kommentieren und erklären, weshalb sie für mich Ausdruck von Dummheit sind. Ich tue das, weil die Segnungen der sozialen Netzwerke nur eine Seite der Medaille sind. Täglich begegnet mir bei Facebook auch die Gegenseite aufklärerischen und emanzipatorischen Bestrebens, begegnet mir die Brutpflege der Ahnungslosigkeit und die Kultivierung schwarzer Dialektik, die sich per Gefällt mir-Button auch noch gegenseitig stützt, gratuliert und in Gruppen hortet.

Und nun also der erste #Aufschrei der Dummheit. Weitere folgen nach Lust und Laune und Bedarf. Und wer will, darf mir gerne Hinweise schicken.


Hilfsbereites Volk, dem keiner hilft?
Seitdem die Springer-Presse ihre Anti-Griechen-Kampagne zu einer Art von deutschen Allgemeingut hat werden lassen, scheint sich die Ansicht, bei den Deutschen handele es sich um ein hilfsbereites und edelmütiges Völkchen, tief eingeprägt zu haben. Bei Facebook finden sich einige Grafiken hierzu. Die Grafik rechts gehört zu den beliebteren dieser Sorte.

Sie baut natürlich auf der falschen Prämisse auf, Deutschland würde Geld an die Bürger Europas verteilen. Quasi vom Fiskus direkt in die Hände von Konstantinos, Jannis oder Georgia. Dass die Milliardenpakete der EU zur Stabilisierung der Staatswesen gedacht sind, um die Verbindlichkeiten der Krisenländer gegenüber den so genannten Geberländern zu erhalten, kommt nicht mal als Gedankensplitter vor. Deutschland ist hier einfach nur naiv hilfsbereit und selbstaufopfernd großherzig, erbarmt sich in Mitleid ohne auf das eigene Wohl zu blicken. Während dieses Land Geld an die Europäer verteilt, spenden aber die Europäer nicht für die Deutschen, die in den Fluten ihr Hab und Gut verloren haben. Die Nachbarn Deutschlands sind egoistisch und undankbar. Wir sind umzingelt von ignoranten Völkern.

Gelder, die nun in der Vorstellung dieser Ahnungslosen nicht mehr dem griechischen Ladenbesitzer oder der Putzfrau aus Thessaloniki zugesteckt, sondern für Deutsche zurückgehalten werden sollen, möchte man "irgendwo gebunkert" wissen. Irgendwo! Bunkern! Man hat in Deutschland wohl ein Faible dafür, sich vor den Zugriffen von Außen in einem Bunker zu verstecken. Bunkern für den Bedarfsfall am "eigenen Volk". Das ist völkische Sprache, die ganz offensichtlich viele Befürworter hat, wie man an den "Teilhabern" bei Facebook erkennen kann.

Volkswirtschaftlich ungebildete Menschen, die vom "Geld bunkern" quatschen, als könne man Katastrophenvorsorge auf Basis von Kapitaldeckung betreiben, "organisieren" sich gegen ein Deutschland der Gefühlsduselei. Und das natürlich auf völkische Weise. So baut man den immer knapper werdenden Handlungsspielraum der öffentlichen Kassen um, blendet das Reservoire der Milliardenvermögen aus, an dem Handlungsspielräume geknüpft werden könnten und personalisiert die Gelder der Rettungsfonds, um der eigenen desinformierten Einfältigkeit eine Angriffsfläche zu gewähren. Da sind einerseits die schaffenden Deutschen und andererseits die raffenden Ausländer und irgendwo dazwischen sind solche, die mit dem Teilen und Gefälltmiren solcher Grafiken in Intelligenzdumping üben, sich gegenseitig an Dummheit unterbieten.


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