An den, der sich mir anbiedert

Donnerstag, 17. September 2009

Sehr geehrter Herr Steinmeier,

Sie haben mich gestern angeschrieben. Eine ganze Seite nur für mich. Wie kommen Sie denn eigentlich dazu? Kennen wir uns? Ich kann Ihnen das Briefeschreiben nicht verbieten, ich kann ihnen nicht vorschreiben, mir Post in den Briefkasten werfen zu lassen. Was ich mir aber verbitte, ist dieser heimelige Ton, dieses widerliche Anbiedern an meine Person und an mein Kreuzchen. Dadurch fühle ich mich belästigt und genötigt. Freundlichkeit ist rar, deswegen hätte ich nichts dagegen, wenn Sie in Ihrem Brief freundlich wären. Aber Scheißfreundlichkeit, wie man hier in Bayern sagt, dieses aufgesetzte und gekünstelte Lächeln und Nett-sein-wollen, ist mittlerweile zum Standard der Gesellschaft geworden und schon aus diesem Grunde verachtenswert. Sie wirken, verzeihen Sie mir diese Direktheit, wie ein billiger Krämer, der mir fauliges Obst andrehen will und sich nicht mal die Mühe macht, die Schimmelflecken aus meinem Blickfeld verschwinden zu lassen.

Sie haben mich also angeschrieben und ich sehe mich genötigt, Ihnen zu antworten. Armer Mitarbeiter seines Herrn, der sich allerlei Blödsinnigkeiten vom Wahlvolk antun muß, der sortieren muß zwischen Briefen, die in den Abfall wandern und solchen, die auf dem Müll landen. Was bilden sich die Menschen, die Sie mit Briefen überfallen haben, auch ein? Antworten zuweilen, stellen Fragen, wollen nachhaken, ihren Senf dazugeben. Doch so haben Sie nicht gewettet! Sie wollten nur anschreiben und dann das große Schweigen ernten. In den meisten Fällen gelingt Ihnen dies natürlich auch, aber nicht in dem Maße, sich den Ghostreader, wahrscheinlich bezahlt aus dem Säckel der Parteikasse, einsparen zu können. Schon alleine deshalb will ich Ihnen antworten, damit derjenige, der in Ihrem Namen jene Post liest, die eigentlich Sie lesen sollten, beschäftigt ist, eine Arbeit hat. Und Sie sind doch der Kämpfer gegen Arbeitslosigkeit, las ich in Ihrem Machwerk.

Die Arbeitslosigkeit bekämpfen. Das war eine dieser gefetteten Passagen. Sie fanden es wahrscheinlich sinnvoll, wichtige Textstellen zu markieren, damit auch der letzte Idiot kapiert, was für ein nobler Charakter Sie sind. Ich würde mich jedenfalls nicht als Idioten bezeichnen. Wer stuft sich schon selbst als Idiot ein? Obwohl ich selbstüberzeugt genug bin, der Idiotie nicht anheimgefallen zu sein, verstehe ich Ihre Botschaft nicht, erscheinen mir die Fettungen wirr. Diese ganze Fetterei umsonst: unnötig verbrauchte Druckertinte. Wissen Sie, ich glaube, ich verstehe es nicht, eben weil ich kein Idiot bin. Ich weiß zuviel, ich kenne Ihre Vorgeschichte. Und in der steht eben nicht, dass Sie ein glorreicher Kämpfer für das Soziale sind, in der kommt vorallem Schröder vor, seine vielzitierte und unheilbringende Agenda. Sie waren der Mann hinter den Regelsätzen, das heißt, Sie waren der Mann, der auf den Regelsätzen saß, sie mit aller Kraft runterdrückte, uralte Berechnungszahlen nutzte, auch noch Abschläge tätigte und nachher wie das soziale Gewissen durch die Lande hüpfte. Arbeitslosigkeit bekämpfen! Sie haben die Arbeitslosen bekämpft, guter Mann! Von Arbeitslosigkeit als Feind war nie die Rede. Der Feind war der Mensch, nicht der entfesselte Markt.

Deshalb verstehe ich nicht, was Sie eigentlich von mir wollen. Wollten Sie sich Ihr Gewissen von der Seele schreiben? Wollten Sie mit Ihren Zeilen darlegen, dass Sie nun endlich zur Vernunft gelangt sind? Ich glaube es Ihnen nicht, denn Sie gebärden sich so, als seien Sie immer ein astreiner Menschenfreund gewesen. Sie behaupten ja auch lammfromm, dass die Wirtschaft für den Menschen da sei. Und das aus Ihrem Mund! Aus der Feder Ihres Reden- und Briefschreibers! Das hörte sich vor noch gar nicht so langer Zeit ganz anders an. Freilich ein Marktjünger voller Inbrunst waren Sie vielleicht nie, aber widersprochen haben Sie den Irrlehren der Nimmersatten auch nicht. Im Gegenteil, Sie haben an jener Armenverwaltung mitgearbeitet, haben ja auch im Namen derjenigen, die den Sozialstaat aus Gründen der Raffgier zerschlagen sehen wollten, an der Zersetzung desselbigen mitgearbeitet. Haben Sie das eingesehen? Wohl nicht, denn Sie geißeln Ihre Mitarbeit nicht, Sie zeigen keine Reue - nein, stattdessen loben Sie sich selbst, verkünden als soziales Gewissen des Landes, dass Hartz IV den Sozialstaat stabilisiert und gerettet hat. Daher verstehe ich nicht, was Sie von mir wollen, Herr Steinmeier. Sie biedern sich an und ich weiß nicht, was Sie jetzt von mir erwarten. Den Kopf tätscheln kann ich Ihnen jedenfalls nicht, denn so lobenswert, wie Sie sich geben, waren Sie nicht.

Dann sinnieren Sie von Arbeitnehmerrechten, Mitbestimmung, Kündigungsschutz und Mindestlöhnen. Als Sie in Ihrem stillen Kämmerlein brüteten, um die Regelsätze festzulegen, schwer darüber nachdenkend, wo noch Einsparpotenzial vergraben liegen könnte, da haben Sie wohl kaum gesehen, was diese sogenannte Reform bewirken würde. Wie denn auch? In Ihren Kreisen wird nie weit in die Zukunft geblickt. Es sei denn, man zieht Demographieprognosen für das Jahr 2050 heran. Dann ist der Weitblick Programm, muß er ja sein, damit man auch die staatliche Rente totreformieren kann. Allianz und Konsorten werden langsam ungeduldig. Aber zurück zu dem, was ich eigentlich zum Ausdruck bringen wollte. Jene Reform, an der Sie arbeitsam mitgewerkelt haben, hat Arbeitnehmerrechte de jure ausgeschaltet. In den Unternehmen traut sich kaum mehr ein Arbeitnehmer das Maul aufzumachen. Man schluckt jede Widerlichkeit des Brotgebers, man duldet Bespitzelung und unbezahlte Mehrarbeit, man kämpft sich mit niedrigen und gekürzten Löhnen durchs Leben, schleppt sich krank an den Arbeitsplatz, weint sich abends in den Schlaf, weil der Arbeitgeber mit Schikane seiner Fürsorgepflicht nachgeht. Gegenwehr ist ein Relikt vergangener Tage. Heute haben die Leute Angst um ihren Arbeitsplatz. Das hatten sie natürlich auch vorher schon. Aber seit Hartz IV in der deutschen Öffentlichkeit zu einer Abladestelle entrechteter und damit zweitklassiger Menschen gemacht wurde, einer Müllhalde für Faulpelze und Nichtskönner, will niemand das Risiko in Kauf nehmen, durch unliebsames Vorgehen gegen seinen Arbeitgeber auf eben jenem Müllhaufen zu landen. Diese Rettung des Sozialstaates, wie Sie Hartz IV bezeichnen, ist ein Druckmittel, das man an Arbeitnehmern hemmungslos ausleben darf. Was genau wollten Sie mir also mitteilen bezüglich Arbeitnehmerrechten?

Ich bin kein Idiot, der gefettete Passagen benötigen würde. Dennoch begreife ich nicht, warum Sie sich in so anbiedernder Weise an mich wenden. Sicher, meine Stimme wollen Sie. Die kriegen Sie sowieso nicht. Sie haben sicherlich das Format um Kanzler zu werden. Nach Merkel ist es in diesem Lande nämlich möglich, auch als formatloses Mauerblümchen in Amt und Würden gehievt zu werden. Aber deswegen wähle ich Sie dennoch nicht. Schon deswegen nicht, weil ich Sie nicht verstehe. Und ich verstehe Sie nicht, weil ich eben kein Idiot bin. Jeder, der nur den Hauch von Zuneigung an ihrer Person verspürt, nachdem er Ihren Brief gelesen hat, der war sicherlich ob der Fettstellen froh, der dürfte idiotisch genug sein, Sie auch wirklich ernstzunehmen. Aber wer Ihr Vorleben kennt, wer weiß, dass die Schröder-Junta immer noch ihr menschenverachtendes Spiel innerhalb der SPD spielt, kann Sie doch nur verspotten. Ja, richtig: Verspotten! Seien Sie nicht eingeschnappt. Sie haben doch zuerst versucht mich zu verarschen! Wer hat mich denn mit einem Brief belästigt? Wer hat sich in diesem belästigendem Brief angebiedert? Wer hat über Dinge räsoniert, von denen er offenbar wenig Ahnung hat? Wer wollte mich, Wähler und Stimmvieh, denn für blöd verkaufen? Und nun bekommen Sie eine Antwort, die zugegeben nicht besonders diplomatisch, nicht freundlich, nicht ganz so sachlich ist, wie man es an den Tischen der Macht gewohnt ist, und Sie fühlen sich veralbert?

Sollte das der Fall sein, sollten Sie sich veralbert fühlen, so stimmt es mich froh. Sie sind in etwa so ernstzunehmen wie Frau Merkel, Herr Westerwelle und die vielköpfige Hydra der Grünen ernstzunehmen sind. Auf jeden Fall sollten Sie Ihrem Briefeleser eine Gehaltserhöhung zusprechen. Wer Briefe dieser Art ertragen muß, der soll auch bezahlt sein. Was? Ich liege schon im Müll? Dann war es also erneut vergebliche Liebesmüh'!

Es grüßt,
Roberto J. De Lapuente

26 Kommentare:

Anonym 17. September 2009 um 09:56  

Hallo Herr De Lapuente,
genau in die gleiche Richtung dachte ich gestern, als ich diesen Wisch bekam. Sie haben ihre Gedanken und natürlich auch die von vielen anderen, wieder einmal perfekt zu "Papier" gebracht.

Geschreibsel 17. September 2009 um 11:20  

ROFL!!!!

Feine Antwort auf dieses unsäglich schwachsinnige Brieflein. Ich bin irgendwie echt froh, daß ich direkt mit diesem Pamphlet das einzig richtige getan habe: zum Altpapier damit. Allein die Grinsebacke als Briefmarke war schon derartig abschreckend ... und vielsagend.

Der will uns verarschen, so einfach ist das. Keine Ahnung wie das mit dem Rest von lustig Teutonia aussieht, aber verarschen ist bei mir nicht drin. Weg mit dem Müll, schade um die Ressourcen, die dafür verschwendet wurden.

Schönen Rest-Wahlk(r)ampf noch! *winkers*

Anonym 17. September 2009 um 11:37  

Wieder einmal fulminant formuliert.

Übrigens, ich las gestern, dass Steinmeier nun nicht allein in Briefen den "Lafontaine" gibt.

Er hat sich, so stand es gestern im TV-Bildschirmtext unseres Familienfernsehers, gegen Sozialabbau ausgesprochen, und CDU/CSU/FDP damit gemeint.

Ich dachte nur:

Wo war ich seit der Einführung der Agenda2010? War die kein Sozialabbau? Leidet Steinmeier nun an Gedächtnisverlust?

Übrigens, die FDP versucht sich ja auch wahlweise als "sozial" zu verkaufen, dass dürfte spätestens seit Westerwelles neuestem Angriff gegen Arbeitslose als Wahlkampfmanöver entlarvt sein - Die "Partei der Besserverdiener" (so einst Westerwelle) hat sich nie geändert, sie fährt nur die Strasser-Strategie die wir auch von der rechtsextrem-faschistischen NPD kennen, die genausowenig menschenfreundlich wie die FDP ist, wenn die an die Macht kommen würde.

Insfern hat der Autor des Blogs NPD-Watch-Blog in seinem Buch recht, die CDU/CSU/FDP hat schon immer von den Rechtsextremen abgekupfert, und meine Landsleute in Deutschland wählen wohl deshalb statt diesen rechtsextremen ewiggestrigen Banditen tatsächlich

das O r i g i n a l

CDU/CSU/FDP

(die eben auch rechtsextrem sind - zumindest in der Asyl-, Arbeitsmarkt- und Wirtschaftspolitik, und bei der Pressehetze gegen die Verfassungsschutz-Glatzköpfe der NPD/DVU & Konsorten nur davon ablenken wollen - nicht erst in der Bundestagswahl).

Mehr dazu auch in "Angriff von rechts: Die Strategien der Neonazis - und was man dagegen tun kann (Taschenbuch)" und auf der Homepage des Autors Patrick Gensing: http://npd-blog.info

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Alexander Tetzlaf 17. September 2009 um 12:18  

Du hast den Brief geöffnet?

Respekt!

Anonym 17. September 2009 um 12:37  

Den Steinmeier-Brief habe ich ungeöffnet ins Altpapier befördert, da gehört er ungelesen hin.

Anonym 17. September 2009 um 12:49  

Tja wie es aussieht bliebt ja kein wahlberechtigter Bürger von Herrn Steinmeiers verlogenem Wisch verschont denn auch ich habe gestern Post gehabt.

Zuersteinmal es klingt jetzt wirklich schleimig aber ich muss dir sagen Roberto dein Rückbrief ist wirklich allererste Klasse und spiegelt ganz gut auch meine Empfinungen wieder die ich hatte als ich den Wisch gelesen hatte.

Steinmeier warnt also vor einer Politik die er und Schröder die letzten 11 Jahre selber vertreten hat.

Ernst nehmen kann man es natürlich nicht was er da schreibt da die SPD bereits in den Wahlkämpfen, 98,02 und 05 bereits links blinkte um dann umso rechter abzubiegen.

Gruß
Nicht-SPD-Wähler

Margitta Lamers 17. September 2009 um 13:59  

Lieber Roberto,

spricht für Dich irgendetwas dagegen, diesen Brief ans "Schwarze Brett" z.B. bei Real zu hängen? Beim Lesen drängte sich mir diese Idee auf.

Roberto J. De Lapuente 17. September 2009 um 14:12  

Alles was hier veröffentlicht wird, kann gerne benutzt werden. Aus meiner Sicht spricht nichts dagegen. Steinmeier bekommt den Brief postalisch. Er wird sich sicherlich so freuen, wie ich mich über seinen Brief gefreut habe.

Andreas 17. September 2009 um 14:23  

Du Glücklicher! Post von Steinmeier. Ich hatte etwas Ähnliches von Merkel im Briefkasten.

Anonym 17. September 2009 um 14:34  

Ahh, Herr Steinmeier von der Spezial Partei Deutschlands verteilt jetzt persönliche Briefe?

Mir geht die Spezial Partei langsamm auf den Wecker!

Anonym 17. September 2009 um 15:21  

Die Früchte von Schröder und Steimeier gehen auf:

http://www.klaus-baum.info/2009/09/17/neues-von-der-hartz-iv-front-oder-doch-nichts-neues/

Anonym 17. September 2009 um 17:35  

Lieber Roberto,

endlich mal was zum Lachen in diesem Trauerspiel! Wie immer elegant und zielsicher formuliert - Deinen Brief sollte sich der Herr Schleim... - äh, der Herr Steinmeiner wirklich hinter den Spiegel stecken!
Aber was soll's. Diese Leute sind unbelehrbar, fürchte ich.

Mit solidarischen Grüßen
Saby

Frank Benedikt 17. September 2009 um 18:20  

;-)
Lieber Roberto,

wieder schön pointiert!

Frank

P.s.: Heute hatte ich Post von Herrn Seehofer ... :-D

Sephi 17. September 2009 um 18:28  

Als kleiner sachdienlicher Hinweis - jeder kann der Übermittlung seiner Daten aus dem Melderegister u.a. zum Zwecke der Wahlwerbung, widersprechen. Das entsprechende Formular findet sich jeweils auf der Website der örtlichen Meldestelle/Verwaltung bzw. sicherlich auch vor Ort. Zwar verhindert dies dann u.U. solch erfrischende Artikel wie oben, aber sorgt doch auch für Frieden vor zum Beispiel kommerzieller Werbung.

Gustav 17. September 2009 um 19:38  

Sehr geehrter Herr De Lapuente,
glücklicherweise erreichte uns Steinmeiers Brief nicht.
Aber auch wir kennen des Kandidaten Vorgeschichte ganz genau. Ihre Antwort ist perfekt, sie ist Balsam für unsere Seelen.
Andrea und Gustav

klaus baum 17. September 2009 um 23:55  

lieber roberto,

bewundernswert, dass du dir die zeit nimst, solche werbebriefe zu lesen und sie auch noch zu kommentieren, sie eine kritischen analyse zu unterziehen. mein respekt vor dieser arbeit. ich haben diesen brief erst gar nicht geöffnet.

Anonym 18. September 2009 um 10:57  

Ich habe diesen Brief nicht bekommen, dafür jedoch meine Oma. Zunächst ist mir nur das kleine Passbildchen auf dem Umschlag aufgefallen und ich dachte 'Warum bekommt meine Oma Post von Hans Meiser?'

Danke für diesen Beitrag.

otti 18. September 2009 um 16:47  

Bei Steinmeier denke ich an Herrn Kurnaz, das Folteropfer. Denke ich an Ersteren, frage ich mich, warum der keinen Hut hat.
Wohl damit er einen solchen nicht nehmen kann bzw. muss!

PS
Steinmeier-Brief zum Altpapier? Umweltverschmutzung!

Jutta Rydzewski 18. September 2009 um 20:49  

Zunächst einmal mögen Sie es mir nachsehen, Herr Steinmeier, dass ich auf die übliche "Sehr geehrte-Anrede" verzichte. Verlogenheit und Heuchelei sind für mich immer noch verabscheuungswürdige Eigenschaften, auch wenn sie für Politiker zur Standardausrüstung gehören. Und Sie sind für mich, Herr Steinmeier, alles mögliche, aber kein "Sehr geehrter". Ich möchte es auch kurz machen, zumal Ihnen Herr De Lapuente bereits umfassend und in erfrischend deutlicher Form auf Ihren Schleimspurbrief geantwortet hat. Sind Sie eigentlich selbst nicht schon darauf ausgerutscht? Es ist in der Tat unglaublich, mit welch einer bodenlosen Frechheit Sie sich erdreisten, willkürlich und ungebeten, wer weiß wie viele Menschen in diesem Lande anzuschreiben, nur weil Ihnen, kurz vor einer Wahl, danach ist. Apropos Wahl. Ich kann nur hoffen, Herr Steinmeier, dass Sie Ihr einziges Wahlziel, weiterhin den Außenminister in einer so genannten Großen Koalition mimen zu dürfen, mit Pauken und Trompeten verfehlen werden. Natürlich werden Sie sich, nach dem Wahldesaster, für die Opposition zu schade sein, was letztlich allerdings den hoch erfreulichen Umstand mit sich bringt, dass Sie völlig in der Versenkung verschwinden, einschließlich des Totengräbers der so genannten SPD, Franz Müntefering.

Ergänzend zu Herrn De Lapuente, dessen Ausführungen ich im Übrigen vollinhaltlich teile, möchte ich noch auf Ihre Rolle als Kanzleramtsminister unter Kanzler Schröder (mittlerweile einer der übelsten Lobbyisten), in der Angelegenheit, Murat Kurnaz, eingehen. Ich werde das so kurz wie möglich machen, zumal mir bei diesem Thema immer noch übel wird. Dass es Ihnen schlicht an Anstand fehlt, bezieht sich wahrlich nicht nur auf die Briefe, mit denen Sie in diesen Tagen die Menschen belästigen, sondern ist schon spätestens seit 2002 klar. Dass Murat Kurnaz durch Ihre Schuld (Stichwort Präsidentenrunde im Kanzleramt 2002 unter Ihrer Leitung), einige Jahre länger an diesem zivilisatorischen Schandfleck, Guantanamo, verbringen musste, obwohl er völlig unschuldig war, was sogar von den US-amerikanischen Folterknechten eingeräumt wurde, ist schon nahezu unfassbar. Kurnaz, Herr Steinmeier, ist Ihnen von den Folterknechten schon im Jahre 2002 "angeboten" worden. Sie lehnten jedoch nicht nur dieses "Angebot" ab, also die Freilassung Kurnaz, sondern leugnen bis zum heutigen Tage Ihre Verantwortung für dieses erbärmliche Verhalten. Ja, Herr Steinmeier, einen Menschen kaltblütig weitere Jahre in diesem menschenverachtenden Käfig zu belassen, ist in meinen Augen an Erbärmlichkeit nicht zu überbieten. Und das permanente Leugnen Ihrer politischen Verantwortung, Herr Steinmeier, halte ich fast für ebenso schlimm wie Ihre Weigerung, die Freilassung von Murat Kurnaz zuzulassen. Ihnen fehlt jeder Anstand, Herr Steinmeier, Sie gehören offensichtlich zu den wahren sozial Schwachen in diesem Lande. Ihre menschliche Armut ist so gewaltig, zumal es bei Ihnen, bis zum heutigen Tage, noch nicht einmal zu einer Entschuldigung gegenüber Herrn Kurnaz gereicht hat. Wenn Sie schon nicht das Rückgrat hatten und haben, politische Verantwortung für Ihr Handeln zu übernehmen, für eine Entschuldigung oder zumindest Bedauern, Herr Steinmeier, hätte es sogar bei Ihnen reichen müssen, obwohl Sie nur Politiker sind. Wenn Sie lediglich gesagt hätten, es tut mir leid was diesem jungen Mann, Murat Kurnaz, fast fünf Jahre angetan wurde, wäre Ihnen sicher kein Zacken aus der Krone gebrochen, eher ganz im Gegenteil. Aber auch dazu fehlte Ihnen der Anstand. Pfui Deivel, Herr Steinmeier, hoffentlich sind Sie bald verschwunden. Ich persönlich kann Sie einfach nicht mehr sehen, ganz egal ob auf Wahlplakaten oder im Fernsehen. Sicher wird Ihnen Freund Gerd, für alle Fälle, bereits einen einträglichen Job in Aussicht gestellt haben, denn schließlich wäscht eine dreckige Hand des anderen schmutzigen Füße.

Grußlos
Jutta Rydzewski

Anonym 19. September 2009 um 15:11  

ad sinistram

Was ist eigentlich aus der mutigen Grundschulleherin in Bayern geworden. Die Meisterpädogogin, die auch die langsamen Lerner motivierte so dass alle gute Noten hatten.
Wurde Sie bestraft oder hat der soziale Seehofer die besten Universitätslehrer Deutschland zusammengerufen, damit sie bei ihr lernten wie man Kinder besser unterrichtet?

Wieviele Universitätsprofessoren sind zum Protestieren auf die Srasse gegangen?

Anonym 19. September 2009 um 17:53  

@all

Wie glaubwürdig Steinmeier ist beweisen folgende zwiespältige Äußerungen von ihm - nicht im Brief, sondern bei realen Auftritten:

1. Er sieht in CDU/CSU/FDP die Gefahr des massiven Sozialabbaus in Deutschland - Bei Nachdenkseiten nachzulesen.

2. Heute in Focus spricht sich derselbe Mann auf einmal für eine Koalition der SPD mit der neoliberalen FDP aus, da er, zwar nicht in der Wirtschaftspolitik, aber sonst, durchaus Übereinstimmungen zwischen SPD und FDP sieht.

Mehr nicht dazu....

Da wähl ich doch lieber....

Übrigens, heute auf Nachdenkseiten, die CDU fährt die Strasser-Strategie der NPD, und verkauft sich VOR der Wahl als "sozial"demokratisch, danach kann man ja Sozialabbau betreiben wie man will....

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

PS: Die Strasser-Strategie wurde zuerst von der NSDAP angewendet, die nach neoliberalen Konservativen nun angeblich wirklich "sozial(istisch)" gewesen sein soll. Damals wie heute ein durchsichtiges Wahlkampfmanöver, dass die NPD ausprobiert, und von den neoliberalen Einheitsparteien aus CDU/CSU/FDP/SPD/GRÜNEN VOR der Wahl auch 2009 wieder, zur Volksverarsche, ausprobiert wird - Fallt nicht drauf rein, und wählt weder rechtsextreme noch neoliberale Parteien. Wenn schon, dann Wahlenthaltung, Ungültigwahl, oder eine linke Partei eurer Wahl. Alle um längen ehrlicher als SPD/GRÜNE/CDU/CSU/FDP/NPD/DVU & Konsorten, die sich wirtschaftspolitisch alle als "sozial" verkaufen - VOR DER WAHL. Danach kommt dann das Aufräumen, und der alte Adenauer-Satz: "Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern?!"

Anonym 19. September 2009 um 17:55  

Noch was:

Die "grüne Raupe Nimmersatt" Joschka Fischer ist nun angeblich berater bei BMW. Setzt er sich da für Umwelt ein?

Ich denke, die GRÜNEN sollten sich, ein- für allemal von der Fischer-Gang distanzieren, und die SPD von den Schröder-Neoliberalen, dann sind die um längen glaubwürdiger als heute - 1 Woche vor der angeblich richtungsentscheidenenden Bundestagswahl.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

anobo 20. September 2009 um 11:21  

@Jutta Rydzewski:
Natürlich werden Sie sich, nach dem Wahldesaster, für die Opposition zu schade sein, was letztlich allerdings den hoch erfreulichen Umstand mit sich bringt, dass Sie völlig in der Versenkung verschwinden, einschließlich des Totengräbers der so genannten SPD, Franz Müntefering.

Hm, dass sich Herr Steinmeier zu schade fuer die Opposition ist, mag sein. Dass er aber in der Versenkung verschwindet, wo er hingehoert und wo ihn auch keiner vermissen wuerde, halte ich fuer ausgeschlossen. Er bastelt sicher schon an seiner Drehtuer, wie Gerd "gib' mal noch 'ne Pulle" Schroeder. Wuerde ja nach dem erfolreichen Launch des "Projekt 18 plus X" der SPD darauf wetten, dass es bald Partei-Uebertritte in die CDU geben wird, um nicht in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden. Auch ein Zusammenschluss der SPD mit der CDU sollte bei der Gleichheit der Meinungen nur noch eine Frage der Zeit sein. Dann koennen sich beide auch der letzten Feigenblaetter entledigen: Sozial und Demokratisch:
SPD + CDU = CPU (Christliche Partei Union)


Ich hoffe instaendig, dass das deutsche Wahlvieh nicht fuer Schwarz-Rot und nicht fuer Schwarz-Gelb stimmt. Der Rest kann so schlimm gar nicht mehr werden.

klaus baum 20. September 2009 um 11:44  

nach über vierzig jahren teilnahme an den wahlen haben es für mich die politiker so weit gebracht, dass ich ihnen kein wort mehr glauben. die folgende zeile von benn ist für mich aktueller denn je: hör gar nicht, die lauten und die leisen beteuerungen haben ihre frist. lass sie reden, was sie wollen, ich nehme es nicht zu kenntnis. ich meine hier vor allem spd, cdu, fdp, grüne.

Anonym 20. September 2009 um 14:02  

@Klaus Baum

Den kleinen Bruder der CDU, die CSU haste noch vergessen, mit Von zu Guttenberg als neoliberalem Ziehpferd - Seit dem Kriminellen Strauß sind die für mich unglaubwürdig.

Übrigens, man könnte Steinmeier, wenn man an Gerhard Schröder als den "Kanzler der Beliebigkeit" zurückdenkt getrost als "Kanzlerkandidaten der Beliebigkeit" abtun - mal will er mit der FDP mal mit der CDU/CSU mal mit den Grünen.

Ich glaub der ist so in Panik, dass ihm jede Alternative zum reinen Machterhalt würdig erscheint.

Die CDU ist auch nicht besser mit Angela Merkel als INSM-Botschafterin, und "Kanzlerin der Beliebigkeit" und des "Aussitzens wie einst Helmut Kohl", und dennoch habe ich - bei meinem Pech - den Verdacht, dass es zu einer CDU/CSU/FDP-Bundesregierung mit Westerwelle, dem Freund der Honduras-Putschisten, als Außenminister kommt.

Fraglich ist nur wie lange die regieren? Ich hoffe nämlich, dass genau dann der soziale Protest aufflammt wie seit Kriegsende nicht mehr.

Wäre schon damals bei der Agenda2010 so gewesen, darum sollte die ja Rot-Grün umsetzen statt Schwarz-Gelb, weil bei CDU/CSU/FDP die nie damit durchgekommen wären - wegen massiver sozialer Proteste in Deutschland.

Ergo hat es vielleicht auch, und dies schreibe ich als Nicht-CDU/CSU/FDP-Wähler, wenn die an die Macht kommen, und eine starke Opposition im Verein mit Sozialverbänden, und Protesten, für massive Proteste sorgt.

Vielleicht merken die erst dann, dass ihre neoliberale Ideologie genauso mausetot ist wie einst der sowjetische Staatssozialismus? In Deutschland geht ja alles etwas länger....und wir folgen meist den USA....

Ergo, Obama verabschiedet sich mit leisten Schritten vom George W. Bush-Neoliberalismus, und Merkel folgt ihm mit leisen Schritten, aber wohl - wegen der dt. Borniertheit - erst langsam.....

Prinzip Hoffnung ;-)

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

PS: Oben geschriebenes gilt natürlich auch für die Putschisten-Freunde, und Anti-Demokraten, der FDP.

Roberto J. De Lapuente 24. September 2009 um 08:59  

Antwortschreiben des Steinmeier:

"Sehr geehrter Herr De Lapuente,

Frank-Walter Steinmeier hat sich über ihre freundliche Antwort auf sein Schreiben vom 14. September gefreut. Wegen der Kürze der Zeit... erst nach dem Wahlsonntag möglich sein."

Danach steht da noch:

"Blablabla... blabla bla... bla bla blablablablabla..." und so weiter.

Wie man sieht, man hat sich richtig Mühe gegeben. Gut, ich hatte unrecht, auf dem Müll ist mein Schreiben nicht gelandet. Eher in der Vorstufe, im Fegefeuer der Floskelierungen. Und zu freundlich war ich auch noch. Mensch, Steinmeier verträgt eine ganze Menge, scheint ein Masochist zu sein. Vielleicht muß man wirklich grob werden, damit er erkennt, dass es keine freundliche Antwort war, sondern nur noch eine semi-freundliche. Ein Beiheft bekam ich auch noch geliefert. Acht Ziele, für die die SPD kämpft... jedenfalls bis zum 27. September kämpft.

Wer mir so nett antwortet, hat eigentlich meine Stimme verdient. Ich werde Steinmeier wählen... ich werde ihn auswählen, wenn es darum geht, wen ich nicht wählen möchte... da ist er meine erste, naja zweite Wahl.

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