Das bezeichne ich nicht als Bürger!

Mittwoch, 30. September 2009

Nicht dass man niedergeschlagen sein müßte, falls man Hans Rudolf Wöhrls Definition, wann man als Bürger gelten dürfe und wann auf keinen Fall, nicht entspricht. Es ist kein nennenswertes Ziel, zu jenem bürgerlichen Kreis aufschließen zu wollen, in dem sich Wöhrl und seine Spießgesellen räkeln. Kein halbwegs belesener Mensch möchte innerhalb von Hinterfotzigkeit, Wichtigtuerei und Aufgeblähtheit ausharren, die in jenen Sphären Bürgertum stets bedeuten. Nein, es ist wahrlich kein Ziel, den bürgerlichen Entsprechungen des Wöhrls zu genügen.

Und dennoch heißt es Ohren spitzen, wenn uns Wöhrl die bürgerliche Welt erklärt: "... also, ich betrachte alle Leute nicht als Bürger, die nur - und zwar ausschließlich - den Staat diffamieren, die nur vom Staat Forderungen stellen und eigentlich nicht bereit sind, Gegenleistung zu bringen - das bezeichne ich nicht als Bürger." Wen er damit wohl meint? Es liegt nahe, die einfachsten Schlüsse zu ziehen, denn gemeinhin ist bei denen, die vorgeben, die Köpfe der Bürgerswelt zu sein, nicht mit Tiefgründigkeit zu rechnen. Keine Gegenleistung bringen Arbeitslose. Dafür stellen sie unentwegt Forderungen. Das ist in dieser Republik keine rauschige Stammtischparole mehr, das ist mittlerweile Standardrepertoire jedes ernstzunehmenden Demokraten. Man darf sich sicher sein, dass Wöhrl genau jene meinte. Gabor Steingart, Wöhrl in jener palavernden Runde schräg gegenüber sitzend, schritt ein. Selbstverständlich seien auch Arbeiter Bürger, diese historische Sichtweise sei heute passé. Natürlich, Steingart, der Sozialstaatsfeind, der seit Jahren nur neoliberalen Unsinn nachbetet, ergreift lediglich für jene das Wort, die auf Transferleistungen nicht angewiesen sind, die ihm nicht auf der Geldbörse liegen. Dem Arbeitslosen wollte er jedoch keine Bürgerrechte nachsagen, die verschwieg er einfach, obwohl offenbar war, dass Wöhrl nicht solche meinte, die auf dem freien Arbeitsmarkt Unterschlupf gefunden haben.

Später relativierte Wöhrl emsig, nachdem er bemerkt hatte, dass seine sonntägliche bürgerliche Bierlaune nicht alle Anwesenden ergriffen hatte. Kommunisten und solche Leute, die bei dieser ultralinken Partei mitmischen würden, seien für ihn keine Bürger. Weltanschauliche Freiheit findet bei Wöhrl also auch nicht statt, das heißt, die Weltanschauung darf natürlich frei gewählt werden - man ist ja liberal. Aber wer sich zu sehr von den gesellschaftlichen Vorgaben wegorientiert, der muß seine Freiheit eben damit bezahlen, für Wöhrl und Konsorten nicht mehr als Bürger durchzugehen

Wirklich, man muß sich nicht grämen, den bürgerlichen Vorgaben jenes Herrn nicht zu entsprechen. Hinterfragen muß man seine Definition aber schon. Denn hier wird offenbar, dass der Begriff des Bürgertums nicht historisch entschwunden ist, sondern immer latent im Weltbild seiner Kaste mitschwang. Es ist ja nicht so, dass er mit diesem Begriff lediglich separiert. Das wäre an sich schon bedenklich genug. Er sagt damit einerseits, "das sind wir, das seid ihr!", und andererseits bewertet er, "wir sind wer, ihr seid niemand!", was deutlich macht, wo für ihn Mensch beginnt, wo Ding anfängt. Die Verdinglichung wird sprachlich fassbar: "Das bezeichne ich nicht als Bürger", erklärte er. Das! Wen er nicht als Bürger begreife, hat er nicht aufgezeigt, aber was er nicht als Bürger versteht, das schon. Unterbewusst spielt das Sächliche die erste Geige, verdeutlicht seine arrogante Auffassung.

Hier wurden herablassend Menschen sortiert. Gutsherren wie Wöhrl reichen dazu einige Nebensätze, sie machen sich nicht einmal die Mühe, jemanden ausführlich und nachdrücklich ihre Menschenverachtung zu erklären. Aber was gibt es da auch zu erklären? Er ist exemplarisch für eine Gruppe, die sich als Herrenmenschen der Gesellschaft wahrnimmt, die Bürgerrechte willkürlich verteilen oder aberkennen würde, wenn sie nur die exekutive Macht dazu innehaben würde. Solche Musterstücke von Bürgersleut' setzen sich dann vor die Kamera, sprechen Menschen den Bürgerstatus ab, schimpfen kurz danach über die undemokratischen Kommunisten und wähnen sich in königlicher Unantastbarkeit. Nach dem letzten Sonntag brechen herrliche Zeiten für derlei Egomanen an. Nein, wahrlich, wer will schon der bürgerlichen Vorstellung dieses Kerls gerecht werden?

28 Kommentare:

Dominik Hennig 30. September 2009 um 14:21  

Ich bezeichne Wöhrl als Kleinbürger! ;-)

Ich will vom Staat eine Gegenleistung - nämlich in Ruhe gelassen zu werden. Und solange er davon nicht abläßt, mich zu regieren und mich zu gängeln, solange nenne ich ihn eine Verbrecherbande - das ist aber nicht "diffamieren", sondern sagen, was ist!

Maverick 30. September 2009 um 14:37  

Also, Jutta Ditfurth ist nun aber überhaupt nicht mein Fall.
Ich mag keine Hetze. – Egal ob sie nun von links oder rechts oder oben oder unten oder vorn oder hinten kommt. - Auch wenn sie als sogenannte „Aufklärung“ deklariert wird mag ich sie nicht.
Das läuft bei ihr alles so nach dem Motto: Ich bin im wahren Besitz der wahren Wahrheit und als intellektuelle Hohepriesterin dieser Wahrheit habe ich "nur" eine lehrende Aufgabe. Ich bin eurer Coach. Und wer mich nicht kapiert ist dann aber voll doof.
Zu versuchen andere Menschen ohne eigenen Schaden für seine eigene Denke zu instrumentalisieren find ich nüch gut. – Ja, ja, der kleine Mann.
Oder um es mit Ulrich Roski zu sagen:
„Seid nicht feige, Leute, laßt mich hintern Baum!“
Dabei hat sie soooo viele wunderschöne Gedanken, diese Frau. – Wäre sie doch nur nicht selbstverliebt und so egozentrisch...

Buck Walth 30. September 2009 um 14:42  

Wer im Lande ein Bürger ist und wer nicht wird uns doch schon seit Jahren eingehämmert. Dennoch schwillt mir noch jedes Mal der Kamm, wenn Figuren wie Profalla oder Westerwelle vom "bürgerlichen Lager" schwadronieren. Menschen die nicht CDU, CSU oder FDP wählen gehören nicht dem "bürgerlichen Lager" an. Sie haben ihre Zelte woanders aufgebaut. Im Sklavenlager des Spartakus oder bei den letzten Moikanern? Auf jeden Fall fällt es mir fast von Woche zu Woche schwerer als jemand der nicht "bürgerlich" wählt, mich noch als Büger dieses Landes zu verstehen.

erz 30. September 2009 um 15:13  

Interessant, wie sich hier eine ähnlich gelagerte Problematik offenbart, wie bei einer Diskussion um Gleichheit und Gleichmacherei bei Begleitschreiben in den Kommentaren.

Mir scheint, dass in der Weltanschauung Herrn Wöhrls eine perfide Fehldeutung des Grundrechts auf unangetastete Menschenwürde als Privileg zu verorten ist. Seine Weltanschauung sei ihm gegönnt, allerdings zweifle ich stark daran, dass sie konsensfähig (und womöglich legal) ist.

Sobald Eliten sich derart von der Gesellschaft abkuppeln, dass sie sich als menschlichere Menschen, also als mehr Mensch als andere Menschen ansehen, verlieren sie allerdings an Einfluss auf die selbstbestätigenden Rückkopplungseffekte gesellschaftlichen Zusammenhalts. Ihr Einfluss auf den Wertekanon der Gesellschaft schwindet. Selbst wenn sie frei nach Rand alle Produktionsmittel mitnähmen, bliebe ihnen nur ein güldenes Exil.

HAL9002 30. September 2009 um 15:20  

“There’s class warfare, all right,” Mr. Buffett said, “but it’s my class, the rich class, that’s making war, and we’re winning.” (Warren Buffett, New York Times vom 26.11.2006)


"Es gibt den Klassenkampf, stimmt", sagte Mr. Buffett," er wird von meiner Klasse geführt, der Klasse der Reichen, und Wir werden ihn gewinnen"
http://www.nytimes.com/2006/11/26/business/yourmoney/26every.html?_r=1&ex=1165554000&en=02ed48ae1473efe0&ei=5070
What fucking else do we want to know?

Anonym 30. September 2009 um 15:39  

"...wenn sie nur die exekutive Macht dazu innehaben würde."
Da eben erhebt sich die fürchter-
liche Fratze der Vergangenheit.

Separiert, mit großem "A" kenntlich gemacht und dann??

Wie weit können diese Volksverhetzer noch gehen, bis die Menschen aufwachen? Oder ist es (schon wieder) zu spät?

Alexander Tetzlaf 30. September 2009 um 16:35  

Fritz Schösser - DGB-Chef Bayern und ehem. SPD-Bundestagsabgeordneter parlierte ganz wunderbar, lediglich in einigen Nebensätzen, von wo nach wo hierzulande eigentlich umverteilt wird.

So schnell konnte SPIEGEL-Journalist Gabor Steingart gar nicht mit den Augen klappern, der das Thema Umverteilung ganz staatstragend ins Gespräch brachte.

Anonym 30. September 2009 um 16:36  

"...ich betrachte alle Leute nicht als Bürger, die nur - und zwar ausschließlich - den Staat diffamieren, die nur vom Staat Forderungen stellen und eigentlich nicht bereit sind, Gegenleistung zu bringen..."

hat er damit nicht - willentlich oder nicht - jene (Investment)Banker gemeint, die stets voller Verachtung gegenüber dem Staat waren und beim Platzen ihrer Spekulationsblasen anstandslos hunderte Milliarden an Rettungsgeldern vom Staat forderten?!

fletcher2 30. September 2009 um 16:47  

Heute habe ich einen ähnlichen Beitrag geschrieben. Darin geht es um Thilo Sarrazin und seine rechte Arroganz.
Nur wird hier die Unterschicht direkt diffamiert. Keine Schnörkel, kein Drumherumgerede. Offene und unwidersprochene Sätze eines kranken Hirns in einer kranken Elitegesellschaft.

http://fletcher2.wordpress.com/

Solche Typen vermehren sich schneller als die Schweineviren und sind zudem wirklich gefährlich.

landbewohner 30. September 2009 um 16:54  

leute, die den staat diffamieren und ständig forderungen stellen, sind das nicht jene, die immer alles privatisieren wollen, wenns geld bringt,weil der staat ja so schlecht wirtschaftet und die ständig nach irgendwelchen subventionen schreien, um irgendwelche arbeitsplätze zu retten - nicht um ihr mickriges habe zu mehren, sind das nicht banker und andere unternehmer und abstauber? wählen diese nichtbürger nicht mehr fdp und cdu?? herr wöhrl klären sie den fall!!

Robert Reich 30. September 2009 um 17:31  

Wöhrl gehört offenbar zu den "Leistungsträgern", zur "Elite" dieses Landes und hat dadurch natürlich das Recht zu selektieren!
Warum fällt mir in diesem Zusammenhang Bertolt Brechts 'Kriegsfibel' ein: "Der Schoß ist fruchtbar noch..."?

Watawah 30. September 2009 um 18:03  

Nein.

Wöhrl spricht die Wahrheit für dieses System, er spricht aus, was wirklich ist.

Es ist so vielen so lange was von nicht mehr vorhanden Klassen erzählt worden, der Bürger mit dem Einwohner in einen (gleichen) Topf geworfen worden, daß sich jetzt hier alles empört.

Warum eigentlich.
Betrachten wir es doch einmal bei Licht und Verstand.

Ich habe es gestern schon an anderer Stelle im Netz geschrieben - der Bürger ist im Kapitalismus der Besitzende, der Eigentümer, der Kapitalist. Wer also jenseits seines selbst und nur von ihm und seiner Familie bewohnten Hauses kein Eigentum hat - der ist eben nicht Bürger, nicht Bourgeoisie...
Sehr vereinfacht ausgedrückt, aber wenn man dieser Linie folgt, dann wissen wir, daß die meisten eben allenfalls 'Einwohner' sind.

Daraus ergibt sich dann auch was 'Bürgerliches Recht' ist, was 'Bürgerliche Freiheit' ist - und weil jetzt so viel im Wahlkampf davon gesprochen worden ist - was eben 'bürgerliche Mehrheit' bedeutet.

Es ist Neusprech - das Gefühl zu geben, wir könnten auch gemeint sein!

Ich weiß, ich bin kein Bürger - und ich hoffe, wenn ich einer würde - ich könnte dann diese, meine (neue) Klasse verraten und die Seite zum 'ganz normalen Menschen' wechseln, nicht wegen des Eigentums sondern wegen des Bewußtseins.

Btw. ein 'Bürger' (nicht nur nach Wöhrl) wird seinen Staat nicht diffamieren, denn der sichert ihm sein Eigentum, vor den anderen, den Eigentumslosen.

Anonym 30. September 2009 um 18:40  

Begonnen hat die Spaltung der Gesellschaft mit dem Unwort "Leistungsträger" contra "diejenigen, die in der Früh nicht aufstehen". Die Steigerung ist nun der Bürger/Nichtbürger. Da ist es nicht mehr weit zur Abgrenzung Mensch/Untermensch.

Dass sich Wöhrl überhaupt traut, sowas zu sagen, verdanken wir schwarzgelb. Das werden jetzt harte Zeiten. Warm anziehen!

OmO 30. September 2009 um 19:06  

Ach, Rudolf Wöhrl - er hat die Basis seines Reichtums nur geerbt!
Solche Typen wie der machen dann auch noch einen auf Elite - man fasst es kaum noch! Das ist ja fast schon so widerlich wie die dekadente und erzkonservative Aristokratie des 19. Jahrhunderts, die man da erlebt.

Christian Klotz 30. September 2009 um 20:10  

Das bürgerliche Lager
-falls es denn dieses derzeit vielberufene gibt - , wird wohl kaum von seiner Mentalität der Wagenburg lassen.

Da werden die Zeltbewohner der anderen Lager aber einiges an List und Kampfmoral aufbringen müssen, wenn sie den Wimpel dieses Lagers klauen wollen.

Spass am Auseinandernehmen von irreführenden Metaphern beiseite! Die Diskussion hier zerfällt in zwei Argumentationsstränge: den moralisch sortierenden und die Klassenanalyse.
Mir fällt dabei auf, daß die Moralisten unter sich ein Hick-Hack beim Zuordnen veranstalten. Das kann auch gar nicht anders sein, denn dem einen sein Plus ist dem andern sein Minus vor ein und dem selben Sachverhalt.
Da leuchtet mir der illusionslose Watawah und der gegen das menschliche Kuscheln anzitierende HAL9002 noch am ehesten ein.

Raphael 30. September 2009 um 20:43  

"...die nur vom Staat Forderungen stellen und eigentlich nicht bereit sind, Gegenleistung zu bringen..."

Ja, die kenne ich, die begegnen mir immer als Außenprüfer beim Finanzamt. Sie nennen sich Unternehmer, wollen keine Steuern zahlen, aber möglichst viele Subventionen kassieren, jammern über die schlechte Geschäftslage und die hohen Lohnkosten (denken dabei laut über Arbeitskräfte aus Polen nach, die den teuren Deutschen doch ersetzen könnten), machen aber sechsstellige Gewinne. Sie wollen sämtliche Kosten ihres Lebens als Betriebsausgaben geltend machen, weil sie ja kein Privatleben haben und alles für die Firma aufgeben. Sie haben kein Geld für das Werkzeug ihrer Angestellten, fahren aber durchaus mal Fahrzeuge mit sechsstelligem Anschaffungspreis (auch ein Porsche wird lediglich aus wirtschaftlichen Gründen angeschafft und NUR betrieblich genutzt!). Und die Frau wird als Alibi-Sekretärin angestellt und fürstlich entlohnt...

Klingt ziemlich klischeehaft, aber ich bin immer wieder erschüttert, wie viele von denen es auf dem Markt gibt. Und die wollen allen anderen erzählen, wer ein "guter deutscher Bürger" ist...

Simon Pschorr 30. September 2009 um 21:08  

Diese Worte eines Herrn Wöhrl sind nicht nur eine Anmaßung, sie sind gefährlich für unser geliebtes System der Demokratie. Sich auf die Gratwanderung zwischen Unterscheidung und Klassifizierung zu begeben ist nicht riskant, es ist Wahnsinn.

In Zeiten der Herrschaft einer Minderheit, die (offensichtlich) mit welchen Mitteln auch immer in der Lage war, Menschen zu verblenden und zu vergiften, ist es kein Wunder, dass sich Herrschaften wie Herr Wöhrl so etwas sagen trauen. Er brüllt nur mit der "Mehrheit"...

Wir leben in einer Zeit des Scheidens, wir haben eine bedrohliche Schwelle erreicht, so, wie es früher war, geht es nicht weiter. Wir müssen für uns selbst wählen, ob wir weiterentwickeln oder zurückgreifen auf die Vergangenheit. Hier ist der Venünftige gefragt. Menschen wie oben genannter Wöhrl gehören scheinbar nicht zu ihnen, zu den Sehenden die erkennen, nach welcher vergangenen Begebenheit er greift.

Es ist unsere Aufgabe als noch denkende [b]Bürger[/b] (und dieses Recht lasse ich mir nicht absprechen) für unsere Rechte einzustehen und solchen Verbrechen im Sinne des Sachzwangs Kapitalismus Einhalt zu gebieten.

Simon Pschorr

Watawah 30. September 2009 um 21:32  

@ Simon Pschorr

Wir müssen nicht für uns selbst 'wählen', sondern für uns selbst tun...

Die Unterscheidung/Klassifizierung ist doch nicht deshalb da, weil sie jemand ausspricht, sie ist auch so da, auch wenn 'wir' zu benebelt sind, das zu sehen, zu erkennen - wenigstens erahnen, erfühlen können es schon einige, hoffentlich bald mehr.

Btw. Ich möchte nun nicht Ihr gesamtes Weltbild sofort zum Einsturz bringen, das schaffen sie ganz alleine ;-)
Aber eine Anmerkung sei mir noch erlaubt: Ich sehne mich nach 'einem geliebten System Demokratie' - das hätte ich gern, wo gibt es das?
Gehe ich sofort hin, allein ich befürchte, das müssen wir uns erst machen.

Anonym 30. September 2009 um 23:14  

Wenn man so abstruses wie von Wöhrl hört, muss man es auch mal bei einem einfacheren Kommentar bewenden lassen können: der tickt nicht mehr ganz richtig. Demnächst heißt es, bestimmte Gruppen wie Arbeitslose oder Schwerverbrecher könne man nicht mehr als Mensch bezeichnen, da dazu ein gewisser Grad an Zivilisierung vonnöten sei und manche Personen eher dem Verhalten von Tieren glichen usw...

Tim 1. Oktober 2009 um 02:00  

Als diese FDP-Plakate - "Bildung ist ein Bürgerrecht" - auftauchten, da hab ich mich gewundert, was das soll (ausgerechnet von der FDP, die lieber heute als morgen das Bildungssystem privatisieren möchte). Ich hatte da schon so eine Ahnung, wie das zu verstehen sei. Jetzt habe ich Gewissheit.

Christian Klotz 1. Oktober 2009 um 07:36  

Ich verstehe alle bis auf Maverick. Da ich keinen Fernseher habe, erfahre ich über die Ditfurth, daß er sie nicht mag; daß sie Hetze als Aufklärung falschetikettiert; daß sie ein sehr langes Motto hat und fremde Gehirne beim Instumentalisieren beschädigt; daß sie selbstverliebt und egozentrisch ist.
Aber jetzt, wo ich all die tieferen Gründe für ihr Gerede weiß: was hat sie denn überhaupt gesagt?

Anonym 1. Oktober 2009 um 08:55  

Wilhelm Busch

Der volle Sack

Ein dicker Sack - den Bauer Bolte,
Der ihn zur Mühle tragen wollte,
Um auszuruhn mal hingestellt
Dicht an ein reifes Ährenfeld, -
Legt sich in würdevolle Falten
Und fängt 'ne Rede an zu halten.
Ich, sprach er, bin der volle Sack.
Ihr Ähren seid nur dünnes Pack.
Ich bin's, der Euch auf dieser Welt
In Einigkeit zusammenhält.
Ich bin's, der hoch vonnöten ist,
Daß Euch das Federvieh nicht frißt,
Ich, dessen hohe Fassungskraft
Euch schließlich in die Mühle schafft.
Verneigt Euch tief, denn ich bin Der!
Was wäret ihr, wenn ich nicht wär?
Sanft rauschen die Ähren:
Du wärst ein leerer Schlauch, wenn wir nicht wären.

(1784)

Anonym 1. Oktober 2009 um 09:46  

Es ist schon schlimm, wenn geistige und besonders soziale Tief- und Tiefstflieger wie dieser Wöhrl, völlig los gelöst von Grundbegriffen wie z.B. Anstand, ihr schier unglaubliches, an Menschenverachtung nicht zu überbietendes Gekotze in der Öffentlichkeit ausbreiten können. Noch erheblich schlimmer ist jedoch die Tatsache, dass die weiteren Kotzrundenteilnehmer, wenn überhaupt, nur erbärmlich schwach auf diese Kotze reagiert haben. Asoziales, braunes Pack. Übrigens, nicht die Proleten sondern das so genannte Bürgertum hat die Nazis an die Macht gebracht und am meisten getrauert, als das "Tausendjährige" nach zwölf Jahren in Trümmern lag. Typen wie Wöhrl und Co. trauern offenkundig noch heute. Sie wittern aber auch schon wieder braune Luft, denn sonst könnte so etwas nicht aus ihnen herauskotzen. Mehr fällt mir zu diesem Abschaum nicht ein.

Jutta Rydzewski

Berggeist1963 1. Oktober 2009 um 10:49  

Es wäre interessant zu wissen, welches gesellschaftliche Weltbild in den Träumen und Fantasien der Westerwelles, Wöhrls, Ackermanns, Sinns und Markworths diesen unseren Landes nächtens durch deren Hirnwindungen schwebt. es kann ja nur eine Welt sein, in der es eine ca. 10-prozentige "Superoberschicht" (Menschen) gibt, die von einer ca. 20-prozentigen Mittelschicht (Halbmenschen) geschützt, versorgt, bedient, chauffiert und hofiert wird (morgens, mittags und abends ist diesen samt ihren Familien dann natürlich von diesen ihren Bütteln demütigst zu huldigen). Die restlichen 70 Prozent (Untermenschen bzw. Tiere) vegetieren auf Gehwegen, unter Brücken oder in den Ruinen der immer rapider verfallenden und verelendenden Städte vor sich hin. Sie können dann auf diese mit Wonne herabblicken und sich selbst bestätigen und feiern ("I´m the Master Of The Universe" oder so ähnlich). Aller Wahrscheinlichkeit gibt ihnen das dann einen gewaltigen "Kick", wenn sie sich am Anblick des Massenelends weiden, durchaus wohl auch mit erotischen Hochgefühlen verbunden. Salopp gesagt: Da geht ihnen bestimmt einer bei ab! Ach ja, ihre Kinder werden dann in einer stärkstens gepanzerten Limousine gelegentlich mal durch die Massenelendsviertel chauffiert. Sie sollen schliesslich auch mal in den Zoo dürfen, damit sie ihrem Daddy anschliessend auf Knieen danken, dass er sie in "seine Welt" hineingezeugt hat. Ob das wirklich nur Hirngespinste meinerseits sind? Es wäre schön, wenn es so wäre und bliebe...
Und noch etwas: Im Gegensatz zur letzten DDR-Führung traue ich unserer politischen "Elite" durchaus zu, wenn ihnen die evtl. aufkeimenden Massenproteste zu "unheimlich" werden, ohne mit der Wimper zu zucken Schiessbefehle zu erteilen. Erste Anläufe hinsichtlich des Einsatzes der Bundeswehr im Inneren sind uns ja nicht unbekannt. Das Ganze dann unter dem Etikett "Wehrhafte Demokratie", denn es demonstrieren dann ja laut offizieller Verlautbarung ausschliesslich Kommunisten, Verfassungs- und Demokratiefeinde sowie asoziales und arbeitsscheues Gesocks. Und wetten, der deutsche Michel wird auch dieses unwidersprochen so hinnehmen und sogar gutheissen? Denn was ihm von "denen da oben" nebst deren Auftraggebern Springer, Burda, Bertelsmann etc. eingehämmert wird, das schluckt der arme Michel ja sowieso am allerliebsten...

otti 1. Oktober 2009 um 14:35  

"Das bezeichne ich nicht als Bürger"
Das?
Das Menschenmaterial!
Freigegeben zum Aussaugen und Abzocken.
Im Rahmen des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) und seiner neoliberalen Konkretisierung „Hartz-IV“.

Die oberen 20 Prozent haben Rechte, der Rest Pflichten.
Die da oben werden gefördert.
Von denen, die unten sind, wird gefordert. Nein, nicht von denen selbst, sondern von denen, die oben sind.
Die Geförderten fordern von den Gefordeten Förderung.
Pervers!

Erinnern wir uns, in einem kleinen Augenblick der Geschichte hat sich ein Teil unseres Volkes die Bezeichnung „Bürger“ verdient:
Wir sind das Volk!
Aber heute?

romano 1. Oktober 2009 um 15:45  

Dieser Topos ist ja uralt. Wer ist Bürger und wer nicht. Der Pseudoökonom Sinn redet ja neuerdings eine Kindersprache: wer mitmacht, soll belohtn werden. Sehr süß. Kommt alle zum guten Papa und macht mit. Dann ist alles ok.
Und nicht weniger alt sind die darum gelagerten Gedankenschritte der Rechtfertigung, die immer wieder mal auftauchen. Derzeit in Form einer Naturalisierung. Überall werden die Daseinsformen durchmessen von beißerischen Sachzwängen, die klare Verhältnisse schaffen. Das hat der Aristoteles schon gesagt, dass diejenigen ohne Grips Sklaven sein müssen und zwar von Natur aus, die anderen aber sind Freie, Bürger, die leitenden Angestellten, die das Gemeinwesen halten und ausmachen. Dazu brauchen sie den Sklaven. Jemand muss ja das Material des Überlebens der Natur abringen und sei es das Aufsammeln des von alleine Wachsenden. Und einige Wenige kommen in den Genuss, sich der Theorie zuzuwenden, gleichsam die Experten, die wissenschaftliche Exzellenz, immerzu mit Aktentasche zwischen Tür und Angel, allzeit bereit, Wissensschnipsel zum insgesamten Wohlstand zuzuliefern. Man sagt es ihnen nur nicht, sie sind eigentlich noch Mechaniker, bessere Kolbenwechsler, nur wenige schauen die Wahrheit, Sloterdjik ist so ein Erlauchter. Dieses Gebilde schaut heute überall durch die Zeilen. Der Bürger, durch seinen Besitz der körperlichen Arbeit entledigt, bestenfalls als PC-Junkie den ganzen Tag vor dem PC mit verstarrtem Blick auf die Aktienkurse, will es sich richten. Das Wissen ist da, d.h. genug hermetisiert, sodaß so schnell keine Bruchstellen zu erzeugen sind, Assimilierungsstrategien funktionieren noch wunderbar (am eigenen Ego kriegt man sie alle dran, diese Weltverbesserer: die Welt oder du. Jahh, Ich, hauchen sie dann alle aus.) Das Beste, was zu gewinnen da ist, ist der bezahlte Job (irgendein Job, mehr oder weniger sinnlos) und dann im besseren Fall die von der Natur gewollte Arbeit (eine halbwegs sinnvolle und Freude machende Arbeit). Das strengste aller Naturgesetze kommt am seltensten zum Zuge: die Auserwählung der Leistungsträgerschaft, reiche natürliche Bescherung der Besten, von Natur aus tüchtige Körper und Gehirne, einen großzügigen Kredit von Natur aus, in Form einer prallen Erbschaft, schöngeistige Seelenfunktionalität und robuste Willensstärke, die lieber selbstgewollt in den Abgrund rennt, als nachgibt. Diese letzteren eignen sich freilich in vorzüglichem Maße zum Regieren unter Gleichen.
Schließlich noch die Barbaren, die wie verkehrt gepolte Magnete die stolzen Gaben der politischen Bürger immerzu verschmähen und verspotten, die nackt herumrennen und vor den gläsernen Stahlpalästen onanieren und erbrechen. Die nicht mitmachen. Keine Liebe, kein Dank kommt von ihnen, keine ehrliche Anerkennung der Superiorität der Bürger, ihres basileischen Charakters, ihrer kognitiven Verwaltungsleistung der Natursachzwänge, die sie jedesmal mit aller Kraft in Richtung Wohlwollen und Liebe zu biegen trachten. Aber wieder fehlt der Dank, kein Mitmachen. Die Geduld gegenüber Schwachgeistigkeit, Faulheit, niederer Leistungsfähigkeit, Trödelei, diese verbesserungsresistente Banalität, dieser miefende Geruch, diese verpickelten Häute und fetten Haare, die Geduld dafür ist endlich. Die Gaben sind knapp, man kann auch anders, die Gaben und Mühe reduzieren, auf die eigene Sicherheit orientieren, Mauern hochziehen und richtige Sümpfe der Exklusion erzeugen.
Wiedermal so ein Sprechakt der einer Teilung zuarbeitet, Angst streut, Unsicherheit vergießt, Strenge, Disziplin und Selektion legitimiert, triefend unbefriedigten Narzissmus anpeitscht und das innere Lösung durch äußere Spannung verspricht.

DesEsseintes 2. Oktober 2009 um 16:37  

"Bürgerlichkeit" hat doch etwas mit Lebensstil zu tun, nicht? Das Leben mit materiellen Dingen, die man zum Leben nicht unbedingt braucht, die überflüssig sind oder für die meisten nicht erschwinglich: Zweitwohnsitz, Zweitwagen, teure Hobbies, teure Möbel, viel Wohnraum um zu repräsentieren, und und und. Sich geistig bei seinem Besitz aufhalten und nicht bei Ideen, nicht im Diskurs. Eher Bilder kaufen als Bücher lesen, denn Bücher sind nicht teuer und das kann jeder. Oder wenn schon, dann Bücher kaufen und nicht in der Bücherei ausleihen, sich mehr damit schmücken, als sich in den fremden Welten verlieren und das auch noch irgendwie ernstnehmen.
Bürgerlichkeit ist etwas Atmosphärisches. Man kann es förmlich einatmen, wenn man eine bürgerliche Wohnung betritt, einen "Salon".
Insofern sind nicht alle Menschen "bürgerlich" - ich zumindest bin es nicht.

Sarrazin-Watch 2. Oktober 2009 um 23:29  

„Die Türken erobern Deutschland genauso, wie die Kosovaren das Kosovo erobert haben: durch eine höhere Geburtenrate.“ Und: „Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert.“

Thilo Sarrazin

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