Entlastet Hitler!

Samstag, 22. August 2009

Jener geschichtsträchtige Schuss, hallend in den Niederungen der Reichskanzlei, als der Führer seinem Leben einen letzten Paukenschlag schenkte, sich vergiftete und erschoss, weil er sich gleich Rasputin für schwer tötbar hielt, dieser wohl bekannteste Selbstmord jüngerer Geschichte, ist der Vermächtnis des Herrn an sein dann führerloses Volk. Der Krieg war zuende und die Bestie Hitler geboren, eine Bestie, die zum Alleinverantwortlichen taugte. Auch die Mitverantwortlichen, über die man in Nürnberg zu Gericht saß, hatten erkannt, dass es möglicherweise lebensrettend wäre, die Schuld in die Schuhe des Toten zu kippen. Und das deutsche Volk der Nachkriegszeit wusste es sowieso: Die Bonzen des Regimes waren schuld, vorallem dieser Österreicher, vorallem Hitler war der teuflische Kopf dieser Bande. „Wenn das der Führer wüsste“, hieß es in der Hitler-Zeit; nach dem Krieg war man sich sicher, er hat nicht nur alles gewusst, sondern alles in die Wege geleitet, das Gas selbst eingekauft, angeschlossen, aufgedreht und nachbestellt.

Dies ist nicht der Ort um Adolf Hitler zum Unschuldslamm zu küren. Unschuldig ist er ja gerade nicht. Aber die Bestie, die dem gigantischen Heer von Mitläufern, Mitwissern, Stillschweigern, Gutheißern, Antreibern ein Alibi lieferte, die ist er eben auch nicht. Wäre er seinerzeit mit Eichmann rattenlineal nach Südamerika geflüchtet, um dort irgendwo untertauchen zu können mit diesem „banalen Hanswursten“, wäre er dann Jahre später vom israelischen Geheimdienst entführt und vor Gericht gestellt worden: man hätte der Welt gezeigt, wie eine Bestie aussieht. Mit großer Wahrscheinlichkeit wäre ein verstockter, unsicherer Tölpel hinter Glas gesessen, jemand den man seine Komplexe von der Nasenspitze hätte ablesen können, der unfähig für soziale Kontakte und emotionale Reaktionen gewesen wäre. Die Bestie wäre entzaubert gewesen, die Bösartigkeit des Teufels dahingeschwunden. Man hätte sich fragen müssen, wie ein Drittes Reich entstehen konnte, mit einem solchen seelisch verkrüppelten Trottel an der Spitze; man hätte sich fragen müssen, ob an Hitlers fiktionaler Verteidigungsrede in Jerusalem, wonach er nur tat, was das Volk von ihm verlangte (jedenfalls der größte Teil des Volkes), nicht ein Fünkchen Wahrheit zu finden sei.

Das geschundene Volk hätte den Angeklagten Hitler mehrfach gehängt - nein, nicht die geschundenen Israelis, sondern die gebeutelten Deutschen. Sie hätten ihren Messias hingerichtet, weil er ihnen die Schuld zurückgebracht, weil er seine Rolle als Packesel deutscher Schuld abgelegt hätte, um vor Gericht mit dem Leben davonzukommen - was wahrscheinlich sowieso ein hoffnungsloses Unterfangen gewesen wäre. So viele Galgen gibt es gar nicht, als dass jeder Mitschuldige an jenen Verbrechen, seinen ehemaligen Führer von eigener Hände Arbeit hätte hängen können. Es war das Vermächtnis Hitlers, ungewollt zwar, mit ganz anderer Absicht unterlegt zwar, zum Sündenbock zu werden. Als er erstmal tot war, als die meisten Parteibonzen ihren schlechten Atem aushauchten, da konnten all die kleinen Mitspieler - die Hetzer vom Stammtisch - der Denunziant, der versteckte Juden verriet und aufgeschnappte Kritik am Führer weiterleitete - der Lehrer, der kompetent und mit Schaubeispielen ausgestattet, Rassenkunde hielt - der Beamte, der Abstammungsurkunden ausstellte oder Bescheide zum Reichsarbeitsdienst verschickte - der Metzger, der an seiner Ladentüre ein „Juden bleiben draußen“-Schild anbrachte - die Mutter, die mit Nachdruck ihren Sohn in die Hitlerjugend drängte - der Arbeitgeber, der seine Belegschaft unter drastischen Strafen dazu aufforderte, mit Heil Hitler zu grüßen – der Priester, der auf das Konkordat deutete und daher vor seinen versammelten Schäflein vom Führer als gnädige Hand Gottes sprach – die selbsterklärten Intellektuellen, die das falsch ausgelegte Evolutionskonzept der Nationalsozialisten zur philosophischen Gewissheit renovierten – da konnten just all diese Mitschuldigen ihre Schuld mit ins unbekannte Grab ihres Führers schmeißen.

Das Vermächtnis des deutschen Nachkriegsvolkes an die Nachfolgegenerationen war und ist, dass die Schuld für die Verbrechen des Krieges, für das Unrecht auch schon vor dem Kriege, nicht bei denen zu suchen ist, die ja „nur ihre Arbeit gemacht haben“, sondern bei der Bonzokratie des Reiches, die aber leider – Gott sei es gedankt – nicht mehr unter uns weilte. Außer vielleicht Speer, aber der war ja ein feiner Kerl, hat sich gegen den Führer gestellt und Befehle nicht befolgt. Schweine sind nur diejenigen gewesen, die bereits tot waren, Schweine und willkommene Esel, denen man das Schuldgepäck aufladen konnte. Selbst als die Studenten etwas mehr als zwanzig Jahre nach Kriegsende auf die Straße gingen, konnten sie an der Sichtweise, dass vorallem auch der kleine Mann sündig war, kaum etwas ändern. Man habe nur überleben wollen, bekam die revoltierende Jugend zu hören, man mußte mitmachen, man war gezwungen, war aber selbstverständlich gegen das Regime. Man wollte doch nur ein ruhiges Leben und wenn es dazu nötig war, die aberkannten Bürgerrechte jüdischer Mitmenschen stillschweigend zu ertragen, dann mußte das eben so sein. Überhaupt solle man aufhören, ständig hinter jedem Zeitgenossen dieser dunklen Ära einen Mitläufer zu wittern. Schuld waren die von ganz oben! Aber die haben sich ja ihrer Verantwortung entzogen, sind in den Tod gegangen. Gott sei Dank! Ein Dank hinter vorgehaltener Hand, denn man war heilfroh, heilhitlerfroh, dass die Schuld mit ins Jenseits ging, dass der Führer nochmal so gut für seine Volksgenossen gesorgt hat.

Dies ist das Vermächtnis jener Generationen, die Hitler aktiv miterlebt haben; ein Vermächtnis an die Nachfolgegenerationen dieser Republik. Wenn Tageszeitungen, besonders natürlich ein Blatt, dessen Namen hier nicht schon wieder erwähnt werden soll, jede Woche neue Schuldzuweisungen an Hitler und seine Schergen ersinnen, wenn beinahe im Monatstakt neue Erkenntnisse ans Tageslicht kommen, wonach die Schuld nun eindeutig zuweisbar würde, dann ist das als Selbstreinigungsprozess des deutschen Bürgertums zu werten. Zudem wird ein deutscher Adliger und Offizier zur Legende, zum Widerstandskämpfer geschminkt, der deutlich machen soll, dass im Bürgertum, egal ob Klein- oder Großbürgertum, keine Schuld zu suchen sei. Die Zivilgesellschaft war damals reinen Gewissens. Und daher können besonders ausgewiesene Vertreter der heutigen Zivilgesellschaft Äußerungen tun, die mehr als bedenklich sind. Wie sonst könnte ein ehemaliger Senator und heutiger Bankangestellter laut in Richtung Sterilisation denken? Wie läßt es sich sonst erklären, dass ein Leiter einer Behörde einer Frau nachdrücklich klarmachen kann, sie sei geistig behindert, obwohl dies offensichtlich nicht der Fall ist? Wie können Ärztefunktionäre Prioritätslisten einfordern, die man als Selektionsrampe verstehen muß? Wie können um Himmels willen solche Dinge geschehen, ohne dass sich wirkliche Gegenwehr formiert? Wie? Ganz einfach: Als Vertreter der deutschen Zivilgesellschaft ist man unverdächtig, jemals mit dem Teufel im Bunde gewesen zu sein. Man kann solche Sachen fordern, weil man damals unschuldig blieb und daher heute als Gesellschaft immer noch unschuldig ist. Man steht in keiner Chronologie mit dem Nationalsozialismus, man war ja eher Opfer dieser Bande. Und wenn so unverdächtige Gesellschaftsgruppen sich so unverdächtig äußern, dann kann es auch keine öffentliche Gegenwehr geben. Man wird doch als unbescholtenes Bürgertum noch mal denken und sagen dürfen!

Es täte gerade in diesen Zeiten aber Not, gerade in diesen Zeiten, da die faschistische Streckbank beharrlich angezogen wird, Hitler und seine Schergen zu entlasten. Keine Diktatur lebt vom Bonzen alleine, es braucht Mitläufer, es braucht ganz normale Menschen aus der Zivilgesellschaft, die den Wahnsinn mittragen und im vorauseilendem Gehorsam umsetzen, was Machthaber empfehlen. Kein Machthaber kann sich je erträumen, dass die eigenen Untertanen so willfährig tun, was man von ihnen verlangt. Hitler, Stalin, Mao, Pol Pot: sie alle (und noch andere) müssen erstaunt gewesen sein, wie brav und strebsam ihre Völker folgten und mitwerkelten am Wahnsinn - damit sahen sie sich bestätigt, denn die Diktatur war demnach nicht Alleinherrschaft eines Mannes, sondern der Wille des Volkes, gebündelt im Körper einer Person; Diktator und Volk verschmolzen zur Einheit. Es ist also notwendig, auch wenn es makaber klingen mag, die Herren des Dritten Reiches zu entlasten, damit die Schuld gleichmäßiger verteilt wird, damit auch die Zivilgesellschaft aufarbeiten darf, was sie seinerzeit an Opportunismus und Karrierismus hat walten lassen. Dann wird denen, die heute im bürgerlichen Rock daherkommen, aber handfesten Faschismus predigen, das Leben nicht mehr leichtgemacht. Dann sind alle verdächtig, die heute in bester nationalsozialistischer Gesinnung stehen, dies aber natürlich sofort zurückweisen und womöglich sogar juristisch dagegen vorgehen würden. Und die Justiz wüsste einen solchen Vorwurf gewiss zu bestrafen, denn immerhin ist die deutsche Justiz auch blütenweiß geblieben, war auch unschuldig, wurde von den Herren gezwungen, hätte nie freiwillig unschuldige Menschen der Tötungsmaschinerie überstellt. Freisler war doch kein Jurist, er war NS-Bonze!

Solange die Herrenmenschen von damals als Alleinschuldige in den Geschichtsbüchern stehen, ist jederzeit ein neuer Rückfall möglich. Ein unschuldiges Volk kann schließlich immer wieder schuldlos in die Bredouille geraten. Man wird sich auch dann wieder herauszureden wissen und am Ende sind ein Müntefering oder ein Clement, die sich gegen eine christlich-liberale Faschisierung gestellt haben, die Stauffenbergs der Zukunft, Widerstandskämpfer und Heilige. Bist du Republikfeind, wird man in der Zukunft fragen, weil du Münteferings Geburtstag nicht gedenkst? Diesem Gründervater unseres neuen Deutschland! Das Andenken an Clement so beschmutzen, ihn einen neoliberalen Hetzer nennen, obwohl er so löwenhaft mit den Bestien gerungen hat! So eine Gesinnung gehört ja eingesperrt! Dann hat man vergessen, dass auch sie am feuchten Schoss herumlutschten, aus dem es dann danach kroch...

58 Kommentare:

Anonym 22. August 2009 um 12:02  

Sehr schön geschrieben. Getreu dem alten sozialdemokratischen motto: an unserer legalität werden sie scheitern, werden die sozialdemokraten dem nächsten ermächtigungsgesetz (bei "zensur durch die hintertür" bereits praktiziert) zustimmen um zu zeigen: wir können faschismus besser, nämlich ohne die ganzen "unnötigen exzesse". Das wird die organisation auch nicht mehr retten, denn dafür braucht man die spd nun wahrlich nicht. Angesichts einer freiwillig gleichgeschalteten vierten gewalt bedarf es ja auch keiner kampf - und prügeltruppen mehr - wir nähern uns dem wovor adorno sich fürchtete: der wiederkehr des faschismus im demokratischen gewand.Ich hätte nie gedacht, dass man neben klerikalfaschisten (cdu/csu), ökofaschisten (Grüne), salon- und bwlfaschisten (fdp) auch noch einmal den alten kampfbegriff sozialfaschisten (spd) aus der weimarer republik verwenden kann. Nie verstand ich die kpd der weimarer zeit besser als heute. Wut über und grenzenlose verachtung für die spd. Was bin ich froh, dass ich meine kurze mitgliedschaft in dieser partei als jugendsünde betrachten kann und diese kurze mitgliedschaft tut mir aufrichtig leid. Fatalerweise für die spd wird diese partei immer noch an dem gemessen wofür sie vorgibt einzutreten. Wer aber die objektiven interessen der "kleinen leute" - und auf die kleinen leute will ich wahrlich kein loblied singen - so beharrlich verrät und mit füßen tritt, wem grund- und bürgerrechte so egal sind, sollte von der bildfläche verschwinden. Geh sterben spd, ihr habt euren auftrag erfüllt.

Anonym 22. August 2009 um 12:38  

Um mal den von dir in letzter zeit häufiger Zitierten Traven sprechen zu lassen:

Aber der Mensch? Der Herr der Schöpfung? Er liebt es, Sklave zu sein, er ist stolz, Soldat sein zu dürfen und niederkartätscht zu werden. er liebt es, gepeitscht und gemartert zu werden. Warum? Weil er denken kann. Weil er sich Hoffnung erdenken kann. Weil er hofft, daß es auch wieder besser gehen wird. Das ist sein Fluch und nie sein Segen. Mitleid mit Sklaven? Mitleid mit Soldaten und Soldatenkrüppeln? Haß gegen Tyrannen? Nein! Zuerst sind die Sklaven da, dann erscheint der Diktator auf der Bildfläche.

Harald 22. August 2009 um 12:46  

Dieser Beitrag ist mir geradezu aus der Seele "abgeschrieben", s o sehe ich das "Dritte Reich" u n d das "wiedervereinigte Deutschland" seit 1990 immer klarer.
Damals wie heute: Das gleiche Mitmacher- bzw. Mitläufertum, die gleiche vorsätzliche Ignoranz auch so vieler "kleiner Leute"(!), dieses vorsätzliche Augen-Verschließen vor Unrecht, Verbrechen und Machtarroganz der Herrschenden.., die gleiche Karriergeilheit so vieler gesellschaftlicher Aufsteiger, ihr unbedingter Wille zur totalen Prostitution für die Deutschen "Eliten".
Gewerkschafter und Stammarbeiter, welche asozial-charakterlos immer und immer wieder diese SPD/CDU/CSU-Hartz 4 Verbrecher in ihre Ämter wählen, aber bei drohnder eigener Entlassung und drohenden Abgleiten in Hartz 4 vor Werkstoren herumheulen...
Charakterlosigkeit, Opportunismus und Mitläufertum e n m a s s e , das sind eben die besten Voraussetzungen für alle Unrechtssysteme, egal wie sie sich auch benennen.
Hitler könnte auch h e u t e auf das "gute"...( ach so "anständige"..., "Frühaufsteher".., "Anständige" )"Deutsche Volk" stolz sein, sich auch heute auf seine große M a s s e a b s o l u t verlassen!
Das Deutsche Volk hat seine "Tugenden" nach wie vor gut bewahrt!
Und wer immer das bezweifelt ist ein Nestbeschmutzer, gar "Irrer"...., "Fanatiker"..oder sogar "Deutschen-Hasser"... , was sogar manche "Linken" mit "Entrüstung" weit von sich weisen!

Anonym 22. August 2009 um 13:01  

Lesen!
http://web.archive.org/web/*/http://www.qwm-multi.dk/preussen.pdf
Stuff

Anonym 22. August 2009 um 13:09  

Lieber Roberto J. de Lapuente,

danke für den Text. Du schreibst mir auch aus der Seele.

Ich würde zwar nicht sagen, die NS-Bonzen zu entlasten, sondern die "guten Deutschen" zu belasten -auch die Enkel der "Eliten" von damals, sowie heutige CDU/CSU/FDP/SPD/GRÜNEN (ja, leider auch) "Eliten" zu belasten.

Es wird immer wieder so getan, als wäre die neoliberale Bewegung kein Faschismus, aber für mich, der ich weiß, dass es in Südamerika zuerst probiert wurde, und, dass in Honduras rechtsextreme Putschisten - auch heute wieder - von den dt.-neoliberalen Konservativen unterstützt werden ist mir sehr bewußt der Neoliberalismus heutiger Prägung ist nichts anderes als moderner Faschismus, und die Devise von damals gilt auch heute wieder:

"Nie wieder Faschismus...."

Danke für den Text....

Gruß
Nachdenkseiten-Leser
(neoliberale Faschisten-hasser)

PS: Man müßte eigentlich auch sagen entlastet NPD/DVU/REPS und Konsorten, den die sind nur die nützlichen Idioten für FDP/CDU/CSU/SPD/GRÜNE - Die schreien dann wieder "Nieder mit den Nazis und sind selber welche, die Neoliberalen in Deutschlands "Eliten".

Fazit:

Ein NPD-Verbot kommt nicht - siehe oben - die von der NPD werden noch als nützliche Idioten für Merkel/Westerwelle/Schäuble & Co. benötigt.....zum Teile und Herrsche gerade recht...

Anonym 22. August 2009 um 13:14  

Übrigens, ich bin selbst mit einem Verwandten geschlagen, dem ich ein solches Verbot - einer rechtsextremistischen Partei - wünsche, aber wie schon geschrieben, die echten Nazis in Deutschland benötigen Rechtsextremisten als nützliche Idioten.....daher werden NPD/DVU/REPS & Konsorten nie verboten werden....

Ich will hier übrigens weder den falschen Faschismus noch den Rechtsextremismus verteidigen sondern darauf hinweisen, dass die neoliberale Ideologie selbst ein rechtsextremistischer Gesinnungsverein ist....siehe vergangene Äußerungen von Clement z.B.

...seh ich so....

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

PS: Die Grünen sind übrigens ein Verein, der im Wahlkampf am liebsten alle Arbeitslosen umarmen würde - Fazit: Erinnert euch daran was unter Rot-Grün, bei der Einführung von Hartz IV und danach so mancher Grüne losgelassen hat - an die Adresse von Arbeitslosen....M. E. Neo-Faschismus pur....Hat nicht auch die grüne Raupe Nimmersatt (auch Joschka Fischer genannt) so manche Hetzparole gegen Arbeitslose unterstützt?

Anonym 22. August 2009 um 13:23  

Hi A., ja diese NPDler, Reps und DVUler als Vogelscheuchen, damit die neoliberalen Wirtschaftsfaschisten ungestört weitermachen können..., so sehe ich das auch schon lange.., wohl doch nur nützliche Idioten.

Ich selbst bin gegen diese Rechten, aber es ist schon seltsam, wo immer sich mal ein paar NPDler versammeln, kommen die angeblichen Guten und brüllen "Nazis raus", aber an Ständen und Plätzen, wo Menschen, oft auch Betroffene gegen Hartz 4 protestieren ist dann von diesen Leuten weit und breit nichts zu sehen, sonderbar, nicht wahr?
Gegen Nazis aber insgeheim für Hartz 4 sein, wie passt das eigentlich zusammen?

Fragende Grüße von Hansi

Roberto J. De Lapuente 22. August 2009 um 13:33  

NPD - Nie war sie so wertvoll!

Anonym 22. August 2009 um 13:49  

Genau so ist es, ein Herrscher allein könnte gar nichts ausrichten, er ist immer auf Brüder und Schwestern im Geiste angewiesen, die großen und die kleinen Helferlein.

Nehmen wir mal das Beispiel Franz-Josef Strauß, der mit dem Verbrecher Paul Schäfer befreundet war. Paul Schäfer hatte in Chile das Lager "Colonia Dignidad" gegründet.
Dort wurden von Paul Schäfer Kinder mißbraucht und es wurden Menschen ermordet. Das Lager war abgeriegelt, ein Entkommen kaum möglich.

Die csU bis hin zur Hans-Seidel-Stiftung unterhielt Kontakte dorthin. Strauß hatte seinen Freund Paul Schäfer im Lager besucht und dort übernachtet.

Eigentlich muß man sich die Frage stellen, was haben die csU-ler dort gesucht / gefunden?

Offenbar gab es für die csU gute (Colonia Dignidad) und schlechte Mauern (DDR).

Was geht in einem "Gehirn" vor sich, daß seinen Träger dazu bringt, solche Personen anzuhimmeln und zu vergöttern?

Eigentlich hat sich eine solche Jubeliermasse selbst bloßgestellt, aber es wird öffentlich nicht so gesehen. Wohl weil die Jubeliermasse zahlenmäßig überlegen ist.

Wer solchen Personen zujubelt, trägt seinen Mangel offen zur Schau. Er kann es sich leisten, dies sogar noch mit Stolz zu tun, denn es ist niemand da, der ihn dafür ächten würde.


Eurohasenbär, SZ-Leserforum

(Leser von ad sinistram und den Nachdenkseiten)

karuna 22. August 2009 um 14:30  

hallo Roberto,

VIELEN DANK für diesen text!

dazu fällt mir noch das lied von BAP ein: KRISTALLNAACH!

ein wenig zitiert in der "deutschen übersetzung":

wenn die volksseele - allzeit bereit
richtung siedepunkt wütet und schreit:
"heil - halali" und grenzenlos geil nach vergeltung brüllt, zitternd vor neid
in der kristallnacht.

doch die alles, was anders ist, stört,
die mit dem strom schwimmen, wie es sich gehört,
für die schwule verbrecher sind,
ausländer aussatz sind,
brauchen wer, der sie verführt.

und zum schluss:

da wo darwin für alles herhält,
ob man menschen vertreibt oder quält,
da, wo hinter macht geld ist,
wo stark sein die welt ist,
wo kuschen und strammstehen entstellt.
wo man hymnen auf dem kamm sogar bläst,
in barbarischer gier nach profit,
"hosianna" und "kreuzigt ihn!" ruft,
wenn man irgendeinen vorteil darin sieht,
ist TÄGLICH KRISTALLNACHT

karuna

Geheimrätin 22. August 2009 um 14:41  

Der Faschismus ist allgegenwärtig.In unterschiedlicher Aufmachung, als Wirtschaftsfaschismus, als "Widerstandsbewgung besorger Bürger", und als demokratisch, legitimierter Reformismus, möglich gemacht durch einer sich den "Sachzwängen" unterwerfenden Bürgerschaft.

Zudem wird die Heiligkeit der Deutschen nicht nur am Hindukusch verteidigt, sondern auch in Hollywood! Wofür Deutschland dann auch ja auch einen Bambi für Courage veregeben hatte, zum Dank!

Da hatte ich auch mal einen deiner Artikel aufgenommen und weiterverarbeitet: Heiliges Deutschland, Vater Courage!

Geheimrätin 22. August 2009 um 15:18  

bidde die vielen tipfehler zu entschuldigen! verspreche besserung!hoch und heilig!

Margitta Lamers 22. August 2009 um 15:26  

Anstelle eines Kommentars von mir eine Leseempfelung:
"Hitlers letzte Rede" von Heinz Ratz.

Liebe Grüße
Margitta

Anonym 22. August 2009 um 15:32  

"[...]Zudem wird die Heiligkeit der Deutschen nicht nur am Hindukusch verteidigt, sondern auch in Hollywood! Wofür Deutschland dann auch ja auch einen Bambi für Courage veregeben hatte, zum Dank![...]"

Da tut sich aber zum Glück, dank einem neuen Film eines Quentin Tarantino eine neue Gegenbewegung in der Filmbranche dazu auf.

Ich schreib jetzt nichts dazu, sondern las den entsprechenden Telepolis-Artikel für mich sprechen, Geheimrätin:

http://www.heise.de/tp/r4/artikel/30/30923/1.html

Das der Scientologe Tom Cruise natürlich einen Nazi, und angeblichen Widerstandskämpfer namens Stauffenberg, verherrlicht wundert mich irgendwie nicht mehr....

Jeder, der die krude Weltsicht der rechtsneoliberalen Scientology-Sekte kennt, die Tom Cruise vertritt, den wundert nix mehr ;-)

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 22. August 2009 um 15:38  

"[...]Gegen Nazis aber insgeheim für Hartz 4 sein, wie passt das eigentlich zusammen?[...]"

Es liegt wohl an der Strasser-Ideologie, die die verfassungsschutzgesteuerten NPDler/DVUler/REPs verbreiten, d.h. pro-Sozialstaat spielen und in Wahrheit davon ablenken, dass die Ideen für Hartz IV schon vor Jahren in diversen Wahlprogrammen rechtsextremer Parteien standen - so weiß ich aus zuverlässiger Quelle, dem REP-Wahlprogramm von 1998, dass damals noch "Zwangsarbeit für Arbeitslose" verlangt wurde - von den rechtsextremen REPs.

Ich schrieb ja weiter unten, dass ich mit einem Onkel geschlagen bin, der Teil der REPs war - Ob er es noch ist, weiß ich nicht, da er politisch nicht mehr so klar redet, wenn er mal auf Besuch da ist - ist "ruhiger" geworden.

Früher war er schon radikal, und nur wegen des lieben Familienfriedens habe ich meine Schnauze gehalten - der ich immer schon anti-nazi war.

Ich bin mir übrigens auch sicher, dass das REP-Wahlprogramm von 1998 nicht mehr zu finden ist, denn ansonsten würde es noch offensichtlicher wie nahe rechtsneoliberale an DVU/REPS/NPD & Konsorten liegen.

....nicht allein die Anti-Arbeitslosenpolitik, auch die Asylpolitik der CDU/CSU/FDP/SPD/GRÜNEN ist nahe an rechtsextremen Positionen dran - da bin ich mir fast sicher....

Sollte ich mich irren, dann kann man ja beim Verfassungsschutz nachfragen, der die NPD & Co. sehr wahrscheinlich fremdsteuert.....

...um einen allgemeinen Rechtsruck in Deutschland zu bewirken....

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 22. August 2009 um 15:44  

Noch was zum "allgegenwärtigen Faschismus" - ein neues LTI (Autor damals: Victor Klemperer) wäre längst überfällig, denn auch die dt. Sprache ist mit rechtsneoliberalen Wortvokabeln durchseucht.

Manchmal auch so, dass sogar Linke diese Begriffe abkupfern, ohne ihre Herkunft zu kennen.

Ich wies bereits darauf hin, der Begriff "Gutmensch" stammt ursprünglich aus dem rechtsextremen Spektrum. Heute benutzen den sogar Jugendliche, ohne dessen Herkunft zu kennen, ebenso wie man ab und an, wenn Jugendliche diskutieren, das Wort "Opfer" hört. Frei nach dem Motto: "Er ist halt ein Opfer".

Auch dieses Wort stammt aus der Wortschmiede der Rechtsextremen.

Fazit - siehe oben:

Ein "neues LTI" ist längst überfällig, denn ich bin sicher, hier, und auch außerhalb des Internets, gibt es sicher noch so manche Wortvokabel die aus dem Wortschatz der neuen Nazis von DVU/REPS/NPD & Konsorten stammt.

Man sollte die Herkunft von Wörtern öfter hinterfragen.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 22. August 2009 um 15:50  

@Margitta Lamers, all

Danke für den Hinweis, werd ich bei Gelegenheit mal besorgen ;-)

Übrigens, wieso ist Hitlers "Mein Kampf" in Deutschland immer noch verboten?

Liegt es daran, dass so manches aus dem Buch nahe an die neoliberale Bewegung herankommt?

Es wäre doch interessant mal "Mein Kampf" in dieser Hinsicht zu untersuchen, und zwar nicht rückwärtsgewandt und auf Hitler allein bezogen, sondern darauf was Neoliberale daraus umsetzen würden, wenn die könnten wie die wollten.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Geheimrätin 22. August 2009 um 15:56  

@ Nachdenkseitenleser

ja die Filmkritik auf telepolis hatte ich gelesen, hört sich wirklich interessant an! Wenn ich irgendwie dazu komme, werde ich mir den Film auf jeden Fall anschaun. Danke!

hier der Trailer

Anonym 22. August 2009 um 16:07  

Man könnte übrigens auch schreiben "Entlastet Bismarck!"

Sebastian Haffner sah ja die Anfänge der NS-Bewegung, als Exilant in GB, bereits damals unter Bismarck und dem ersten dt. Kaiser....

Manche sehen in den dt. Kolonialkriegen übrigens auch die Anfänge des typisch dt. Rassismus gegen Andersaussehende - Hat nicht ein Großvater von Göring den Herero-Genozid befördert?

D.h. lange vor der Geburt Adolf Hitlers gab es schon Rechtsextremismus in Deutschland - insofern wäre es einmal interessant auch bei unseren Urgroßvätern - nicht nur bei den Zeitgenossen Hitlers - nach dieser, von dir Roberto J. de Lapuente, beschriebenen Unmenschlichkeit zu forschen.

12 Jahre - von 1933 - 1945 - waren m.E. nicht der Anfang von den dt. Verbrechen - man müßte früher ansetzen - 1871, wenn nicht gar 1848/49 als die preußische Reaktion die dt. Revolutionäre in ihre Schranken verwies.

Man stelle sich nur vor, was das für ein Deutschland geworden wäre, wenn damals 1848/49 die Preußen verloren hätten und die erste dt. Revolution gesiegt hätte.

Ich weiß ein ketzerischer Gedanke, aber der kam mir gerade ;-)

Waren es damals nicht eben die heutigen "Eliten", die die Revolte niederschlagen halfen?

Anonym 22. August 2009 um 16:31  

Könnte man nicht - mit Fug und Recht - behaupten, dass seit der Zeit der Bauernkriege immer die Konterrevolution in Deutschland gesiegt hat? Früher der Adel und die Monarchie - beide extrem rechtslastig, und danach die NSDAP und heute die CDU/CSU/FDP?

Irgendwie kam mir der Gedanke gerade, da ich an Jutta (von) Ditfurths Buch dachte: "Das waren die Grünen - Abschied von einer Hoffnung".

Frau Ditfurth ist der Meinung, dass - deswegen hat die auf ihr "von" verzichtet - es eben so ist, wie oben geschrieben.

Es gibt übrigens auch Literatur darüber, dass Hitler & seine Schergen mit offenen Armen vom dt. Adel empfangen wurden, d.h. die "Eliten" - und Vorfahren von Von Guttenberg - waren alle bekennende Nazis.

Hitler hätte nie eine Chance gehabt, wenn die Adeligen ihm damals "eine Chance" gegeben hätten, d.h. eigentlich waren es nicht die Normalos sondern der Geld-; Aristokratie- und Bürgeradel die die angeblichen nationalen Sozialisten groß werden ließen. Gibt das nicht zu denken? Z.B. wenn heute die Mär aufgetischt wird, dass Hitler eigentlich Kommunist war.

Wäre Hitler Kommunist gewesen, dann hätte der in Deutschland keine Chance gehabt - wie die Verfolgungsgeschichte der Kommunisten/Sozialisten in Deutschland beweist - die 2. größte Opfergruppe gleich nach den jüdischen Mitbürgern waren Kommunisten/Sozialisten.

War man beides Jude/Kommunist dann hatte man gleich sein doppeltes Todesurteil unterschrieben - siehe hierzu Kurt Julius Goldstein "Der Judenkönig" - dieser Auschwitzüberlebende hatte mehr als doppeltes Glück, als Jude und als Kommunist zu überleben.

Jutta Rydzewski 22. August 2009 um 17:10  

"Wie können um Himmels willen solche Dinge geschehen, ohne dass sich wirkliche
Gegenwehr formiert?"

In der Tat, wie können um Himmels Willen solche Dinge passieren? Wie ist es z.B. möglich, dass noch am 08. April 2005 (also über 60 Jahre DANACH), ein überaus prominenter, sogar hoch angesehener und geradezu huldvoll verehrter Ex-Politiker, den Genozid an den Juden bestritten hat? "Ich habe davon nichts gewusst", sagte dieser Mann allen Ernstes noch im Jahre 2005. Auf das damalige ungläubige Nachfragen der beiden Interviewer (Stefan Aust und Frank Schirrmacher, die es mit dem Interviewten sicherlich nicht "schlecht" meinten), verbunden mit dem Hinweis, daß mit Neuengamme und Bergen-Belsen Konzentrationslager doch direkt vor der Hamburger Haustür des interviewten Herrn lagen, legte dieser noch nach, und bemühte dabei sogar den Plural: "WIR alle haben davon nichts gewußt." Aber auch diese schier unglaubliche, moralisch-intellektuell ungeheuerliche Behauptung, die nicht nur den damaligen Interviewern , sondern der gesamten "kritischen Öffentlichkeit die Sprache verschlug", und wegen der beispiellosen zeitgeschichtlichen Ignoranz, in jedem anderen Zusammenhang die gesellschaftliche Ächtung des Interviewten nach sich gezogen hätte, verschwand sang- klang- und folgenlos im "(un)barmherzigen" Orkus des Verdrängens. Ach, ja, bevor ich es vergesse, bei dem nach wie vor hoch verehrten Interviewten handelt es sich um den Alt-Kanzler Helmut Schmidt. Exakt um den Helmut Schmidt, der von 1941 bis 1942 als Offizier der Wehrmacht am größten Eroberungs-und Vernichtungsfeldzug der Geschichte (so der Historiker Klaus Hildebrand) gegen die Sowjetunion teilgenommen hat. Der Wehrmacht auf dem Fuße, nicht selten sogar von ihr unterstützt, folgten die Einsatzgruppen der SS, deren Mordkommandos während Schmidts Russlandeinsatz eine halbe Million Juden zum Opfer fielen. Doch dieser hoch geachtete Mensch, mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet, will von all dem nichts mitbekommen haben: "Ich war bei der vordersten kämpfenden Truppe, und da sieht man nicht, was in der Etappe passiert, darüber redet man auch nicht." Es handelt sich exakt um den Helmut Schmidt, der anlässlich seines 80. Geburtstages u.a. aus sich herausplumpsen ließ: "Ich habe unter dem 2.Weltkrieg erheblich mehr gelitten als unter dem Nazi-Regime." Es ist tatsächlich der Helmut Schmidt, dem für einen Frontsoldaten die ungewöhnliche Gunst zuteil wurde, sich 1943 ins Zentrum der Macht nach Berlin absetzen zu dürfen, obwohl es für die Wehrmacht in Russland nur noch rückwärts ging. Es ist der Helmut Schmidt, der im Range eines Oberleutnants Referent im Reichsluftfahrtministerium war, und bei seinen Vorgesetzten als derart zuverlässig galt, daß man ihn mit der Rolle eines "Beobachters" des Volksgerichtshofes gegen die 20. Juli-Attentäter betraute. Aber dennoch will der "Beobachter" Schmidt auch als Zeuge dieser in brutaler Offenheit inszenierten Verbrechensbilanz der braunen Diktatur von den singulären Menschheitsverbrechen an den Juden nichts gewusst haben, und sein Umfeld (WIR) natürlich auch nicht. Bei diesem "Vorbild" wundere ich mich nicht mehr über die deutschen "Eliten", bestehend aus Adeligen, Offizieren, Senatoren, Bankangestellten, Ärztefunktionären, Wissenschaftlern und sonstigem Gezumpele. Aber wenn es um die ehemalige DDR geht, und über den ausgeguckten Unrechtsstaat gesabbert werden kann, oder wenn es überhaupt gegen die "Anderen" geht, dann sind diese "Herrschaften" natürlich sofort alle an Bord, wie in den guten alten Zeiten.

mfg
Jutta Rydzewski

Anonym 22. August 2009 um 17:17  

Wofür alter Adel doch noch gut ist
Artikel aus der STUTTGARTER ZEITUNG vom 21.08.2009

Elite Für den Soziologen Michael Hartmann ist der Hype um Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ein weiterer Beleg, wie stark unsere Gesellschaft noch immer von traditionellen Führungskreisen beherrscht wird.

Und er sieht darin ein Problem. Von Tim Schleider

Quelle und kompletter Text:

http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/2170155_0_5670_-wofuer-alter-adel-doch-noch-gut-ist.html

Anonym 22. August 2009 um 17:23  

@Jutta Rydzewski

Dies ist wohl ein Problem, dass die SPD nie aufgearbeitet hat - Kein Wunder, dass Schmidt BK werden konnte, und Brandt abgesägt wurde (Brandt war Exilant).

Es wäre sicher mal eine Extra-Forschung wert wieviel Genossen ihre Parteikarriere in der SPD 1933für eine Parteikarriere in der NSDAP ausgetauscht haben - Ich rede jetzt mal von denen die nicht im KZ einsassen bzw. im Exil waren, sondern Wendehälse gespielt haben, um nach dem Krieg weiterzumachen als wäre nix gewesen. Ich bin sicher die Dunkelziffer ist riesig, und da die SPD schon immer als Abwiegler gebraucht wurde bestand wohl parteiseitig nie das Interesse daran diese kollaborierenden Genossen als solche zu outen - nach 1945 :-(

Die Forschung steht noch aus, denn ich denke unsere "Eliten" sind nicht daran interessiert die SPD zu beschädigen, die mit Agenda2010 dem neuen Faschismus Tür und Tor geöffnet haben....

Anonym 22. August 2009 um 17:25  

"[...]Wäre Hitler Kommunist gewesen, dann hätte der in Deutschland keine Chance gehabt[...]"

Man sollte vielleicht noch gewisse US-"Eliten" erwähnen, die Hitler groß werden ließen....

Wäre Hitler, wie manche heute behaupten wollen, Sozialist gewesen - egal welcher Coleur - die Wallstreet hätte schon dafür gesorgt, dass er nie an die Macht gekommen wäre ;-)

Peter Hallonen 22. August 2009 um 17:53  

Ich vertrete eine entgegengesetzte Meinung. Das Volk ist nicht Schuld an den Untaten des NS-Regimes. Das Volk kann manipuliert werden. Die Schuld trifft Hitler und dessen Kontrolleure, die ihn an die Macht gebracht haben: die amerikanischen und englischen Investmentbanken. Dass diese die deutsche Wirtschaftskrise bewusst herbeigeführt haben, damit Hitler davon profitieren konnte, ist mittlerweile historisch belegt.

Das Hitler-Regime war voll von der Wall Street und vom Finanzplatz London gedeckt. Montagu Norman als Chef der britischen (Privat)Notenbank wirkte entscheidend daraufhin, dass es für die deutschen Reperationen keinen tragfähigen Zahlungsaufschub geben konnte und dass der für das Funktionieren der detuschen Wirtschaft entscheidende britische Goldstandard aufgegeben wurde. Normans persönlicher Freund, Hjalmar Schacht war Vorsitzender der Reichsbank vor und unter Hitler und führte erst die drakonischen Austeritäts- und Sparmaßnahmen herbei und später unter Hitler die Vollbeschäftigung.

Von den Wall-Street-finanzierten Medien erhielt Hitler - heute kaum zu glauben - eine Art Obama-ähnliche Hofberichterstattung. Und später profitierte die Wall Street und die Bush-Familie (ja, die von George W. Bush) von Hitlers Konzentrationslagern. Die Bankfamilie Rockeller war entscheidend am Eugenik-Programm des Hitlerregimes beteiligt.

Nein, nicht das deutsche Volk ist schuld an Hitler und dem Krieg, sondern die amerikanisch-britischen Banken. Siehe mehr unter "Webster Tarpley: Surviving the Cataclysm". Unrecht geschieht m.E. meistens nur, wenn es von ganz oben gedeckt wird. Wenn die Spitze eines Staates korrupt ist, überträgt sich dies wie ein Virus auf alle unteren Bereiche des Staates.

Geheimrätin 22. August 2009 um 18:57  

Jaja, die Amis sind immer die Bösen,weiss doch jeder. War schon immer so und wird auf alle Tage so bleiben. Die Deutschen sind Opfer. Sie wurden manipuliert, böse hinters Licht geführt, sie mussten ihre Nachbarn ans Messer liefern. Sie mussten sie aus den Haaren aus den Häusern ziehen und der Gestapo übergeben. Es gibt gute Häuser und schlecht Häuser, gutes Kapital und schlechtes Kapital. Deutsches, nationalsouveränes Kapital kann niemals böse sein. Da es dem deutschen Volke dient. Und wer dem deutschen Volke dient, tut immer gutes. Wenn deutsche Rüstungskonzerne für Exportweltmeisterschaft sorgen, dann kann Deutschland wieder Sieger sein. Wenn es sich nur aus den Fängen der bösen amerikanischen Finanzhaie befreit und wieder für sich selbst einsteht.Dann ist auch scheissegal wenn außer Landes die Menschen krepieren. Nein böse sind immer nur die Amis. Und die Juden waren schließlich selbst schuld. Steckten sie doch schon immer mit den amerikanischen Finanzjongleuren unter einer Decke.

Stimmts Peter Hallonen? Oder habe ich da was mistverstanden?

Solange es noch böse Amis und gute Deutsche, böse Moslems und gute Juden, böses Kapital und gutes Kapital gibt, solange brauchen sich die Strippenziehr ja nicht zu fürchten, denn alles bleibt alles wie es ist. Alles ganz nach Plan...Little Wheel spinn and spin...

gut dass mein Brecheimer noch in der Ecke steht

Anonym 22. August 2009 um 19:06  

@Peter Hallonen

Hast du irgendwelche stichhaltige Beweise für deine Thesen?

Die Große Rezession als:

"[...]Dass diese die deutsche Wirtschaftskrise bewusst herbeigeführt haben, damit Hitler davon profitieren konnte, ist mittlerweile historisch belegt.
[...]"

Wo denn bitte?

Irgendwie glaube ich dir nicht, zumindest in dem Punkt, denn die Krise damals hieß nicht umsonst wie heute Weltwirtschaftskrise, d.h. es war kein lokales dt. Geschehen sondern ein globaler Zusammenbruch des damaligen Finanz-und Wirtschaftssystems.

Klingt irgendwie nach Steinbrück, deine These.

Nix für ungut, aber ich seh's so.

Die damalige Krise wurde ebensowenig aus den USA gelenkt wie die heutige neue Weltwirtschaftskrise ihren Anfang/Ursprung allein in den USA hat.

Was die Manipulation einer Bevölkerung angeht, dass mag stimmen, aber es gibt mir zu denken, dass die Mehrheit der hier lebenden Menschen eben nicht auf die neoliberalen Phrasen reinfällt, trotz INSM, Bertelsmann & Co., d.h. so einfach ist ein "Volk" wohl doch nicht zu manipulieren, siehe aktuellstes Beispiel, wie so mancher gerne hätte.

Ich denke einmal, dass die Entwicklung - siehe mein Hinweis auf Jutta Ditfurth - Jahrhunderte brauchte, um zu gelingen.

Jutta (von) Ditfurth, deren Thesen ich nicht alle Teile, insbesondere was ihr neuestes Buch angeht, hat mal geschrieben, dass seit dem Bauernkrieg die selbe "Elite" das Land manipuliert....

Ergo, es sind Jahrhunderte die nötig sind, und einige Massenmorde (z.B. Bauern, Juden etc. - nicht allein in der Shoa sondern viel früher), die Widerstand austreiben.

Dazu gehört noch eine Geschichtsschreibung, die das Geschichtsdenken der "Eliten" vorgibt, ergo von Oben statt von Unten, und die jahrhundertelange Beeinflussung ist perfekt.

Insofern lasse ich die hier lebende Bevölkerung aus der Verantwortung, denn die Deutschen wurden von Konterrevolutionären schon immer "regiert" und "manipuliert" - nicht erst von 1933 - 1945.

Kein Wunder, dass so ein Menschenschlag entstehen mußte, wie es leider - in der Mehrzahl - in Deutschland gibt, die anderen siehe oben.....ausgerottet....verdummt...manipuliert.....

Einzig Positives, die Manipulation verfängt immer weniger - Negativ: Die "Eliten" fabulieren schon wieder vom Einsatz von dt. Soldaten "im Innern"....

Wie bereits erwähnt, hatten wir alles schon - seit den Bauernkriegen gegen die eigene widerständige Bevölkerung, die immer wieder aufmuckte, und immer wieder......

Wohl nur eine Frage der Zeit bis es wieder.....

Anonym 22. August 2009 um 19:10  

Hitler hat nur besonders brutal umgesetzt was jahrhundertelang Usus in Deutschland war - nicht einmal der Antisemitismus ist neu gewesen.....die Kirchen haben den schon immer befördert.....

So etwas weiß man eben nicht aus dem staatstragend-systemstablisierenden Schulunterricht, sondern aus der dt. Sozialgeschichte von ganz unten, die im staatstragenden Schulunterricht immer noch totgeschwiegen wird.

..."und ihr werdet nie wieder frei"....Hieß es das nicht damals? Bezogen auf die Erziehung im NS-System?

Die rechtslastigen Vorgängerregierungen waren nicht anders, die haben es nur nicht mit derartig brutaler Konsequenz ausgesprochen.....die Nachfolgerregierungen brauche ich wohl nicht extra zu erwähnen? Da ist es von vorneherein klar, dass man - auch in Westdeutschland - nicht zum kritischen Denken, sondern zum Funktionieren erzogen wurde....

Geheimrätin 22. August 2009 um 19:20  

Nachtrag:

Nur um es klarzustellen: Ich bin weder Fürsprecherin irgendwelcher Wallstreethaie, noch Anwältin US-imperialistischer Interessen. Genausowenig bin ich Anwältin chinesischer, russicher oder arabischer Hegemonialbestrebungen.

Wer aber meint, die Verantwortung für sein eigenes Handeln einfach irgendwelchen höheren Mächten in die Schuhe schieben zu können und seine Hände in Unschuld zu waschen, der handelt just genauso wie es die ganzen Nazifunktionäre gemacht haben, die nach Kriegsende wieder die höchsten Ämter im Land besetzt haben.

Zur Geschichtsaufarbeitung gehört eben auch, seine eigene Geschichte aufzuarbeiten.Nur durch eine solche Aufarbeitung kann dieser Teufelskreis auch irgendwannmal verlassen werden.

Geheimrätin 22. August 2009 um 19:51  

sorry aber dieses Thema brennt mir unter den Nägeln. Ich poste hier mal eine kleine Rezension des Buchs "Unser Hotel ist Judenrein"

Viel ist über den Antisemitismus geschrieben worden, doch eher wenig ist über die alltäglichen Dimensionen von Judenfeindschaft in den Beziehungen von Juden und NichtJuden in Deutschland bekannt. Der Autor geht dieser Frage am Beispiel des so genannten Bäder-Antisemitismus nach: Nicht erst in der NS-Zeit, sondern bereits im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts deklarierte sich eine wachsende Zahl von Erholungsorten sowie Hotels und Pensionen öffentlich als »judenfrei«, um antisemitisch gesinnte Gäste anzusprechen. Im Gegensatz zu den etablierten, traditionsreichen Bädern mit internationalem Publikum (Baden-Baden, Norderney, Heringsdorf, Westerland) gerierten sich vor allem jüngere Bäder (Borkum, Zinnowitz) antisemitisch, weil sie als »Late-comer« eher ein kleinbürgerlich-mittelständisches Publikum ansprechen wollten. Damit breiteten sich lange vor dem Machtantritt der Nationalsozialisten öffentliche Zonen der »Apartheid« aus, die für das Selbstverständnis der deutschen Juden und ihre gesellschaftliche Stellung weit reichende Folgen hatten. Der Autor beschreibt diese Nachtseite der touristischen Entwicklung im Wandel der Jahrzehnte und im internationalen Vergleich. Nach 1933 gipfelte der Bäder-Antisemitismus in Deutschland in der vollständigen Ausgrenzung von Juden aus Seebädern und Kurorten. Er war jedoch auch ein beklemmendes internationales Phänomen, das u. a. in den USA weit verbreitet war, wo noch in den 1950er Jahren rund 30% der Ferienhotels keine jüdischen Gäste akzeptierten.

Die weltweite Stigmatisierung der Sinti und Roma dürfte auch ausreichend bekannt sein.

siehe auch folgenden Artikel im Freitag: Wir sind Zeugen einer Barbarisierung

Nein Hass, Ausgrenzung und Apardheid sind in der Tat keine Deutsche Phänome. In Deutschland wurde lediglich die Vernichtung "perfektioniert." Da sollten wir doch bitte, was die Aufarbeitung betrifft auch mal unsere Tugendhaftigkeit unter Beweis stellen!

Anonym 22. August 2009 um 21:08  

"[...]Zur Geschichtsaufarbeitung gehört eben auch, seine eigene Geschichte aufzuarbeiten.Nur durch eine solche Aufarbeitung kann dieser Teufelskreis auch irgendwannmal verlassen werden.[...]"

@Geheimrätin

Seh ich ganz genauso, daher auch mein Hinweis auf die uralte Sozialgeschichte Deutschlands, die nie im Schulunterricht gelernt wird.

Übrigens, auch den Text über den Antiamerikanismus von dir teile ich voll und ganz, daher auch mein Hinweis darauf, dass die 1929-Krise nicht allein von den USA ausging, ebensowenig wie Hitler eine Kreatur der Wallstreet war - Wenn schon, dann eine Kreatur des damaligen Wiener antisemitischen Umfeldes wo Hitler aufwuchs....

Ist dir übrigens auch aufgefallen, dass im Untersuchungsausschuß zur HRE immer wieder behauptet wird die Krise hat in den USA ihren Anfang genommen? Ist doch irgendwie seltsam, dass der Aufschrei unserer selbsternannten "Eliten" ausbleibt? Welcher? Unter George W. Bush galt nur schon die Kritik am Irak-USA-Krieg als antiamerikanisch.

Nun behmüht sich die SPD-Clique von Steinmeier von der Krise abzulenken, und die auf die USA abzuwälzen - die wären schuld an der neuen Weltwirtschaftskrise, aber die neuen Medien schweigen.

Wäre es noch wie früher, dann käme spätestens hier der Aufschrei SPD/CDU sind antiamerikanisch.....

Wo bleibt der? Sind unsere Medien derart auf Linie gebracht, dass nicht einmal antiamerikanische Vorurteile als solche benannt werden - nur weil der Präsident nun eben Obama statt George W. Bush heißt?

Anonym 22. August 2009 um 21:10  

@Geheimrätin

Hat mich übrigens, dich doch sicher auch, gewundert, dass noch keiner aus dem rechtsextremen Spektrum hier seine dumpfen Parolen verbreitet - bei einem derart anlockenden Text von Roberto J. de Lapuente....

War wohl nur eine Frage der Zeit bis.....

He-Ka-Te 22. August 2009 um 21:59  

Warum "Mein Kampf" verboten ist, stellte jemand die Frage. Zu beantworten lässt sie sich leichter als man vermutet. Vieles was darinnen geschrieben ist heute wieder aktueller denn je. Detail für Detail, Schritt für Schritt in nur abgewandelter, angepasster Form.

Gegenfrage:
Warum sollte man etwas erlauben was einen verrät und dem Gegner ermöglicht im Voraus dagegen zu steuern?

Meine Großmutter hatte ein Exemplar bevor sie das zeitliche segnete. Es las sich flüssig, war interessant diverse Parallelen schwarz auf weiß vor Augen zu sehen. Am Ende war mir nur noch schlecht. Seitdem beschäftige ich mich überwiegend nur noch mit Parallelen - ich kann sie förmlichst riechen, aber kaum einer will sie hören. Ganz nach dem Motto "So etwas kann heute doch nicht mehr passieren!". Ein fataler Irrtum. Die Namen und Vorgehensweisen haben sich geändert, der Sinn, das Prinzip und das Ziel sind identisch.

Es ist die Gruppendynamik "die aus einer Flagge viele werden lässt". Wenn man weiß wie Gruppen funktionieren - gepaart mit dem Wissen über Sinn und Ziel - weiß man wie man sie aufgelöst bekommt. Alleine ist das allerdings nicht zu schaffen.

Für meinen Teil kann ich solch eine, wenngleich auch absolut ekeleregende, Literatur nur empfehlen zu lesen. Dann erübrigt sich später auf jeden Fall der Spruch "Ich habe das doch gar nicht gewusst - ich habe nichts mitbekommen". Wer allerdings Ausreden brauch, weil man nachher bloß auf der sicheren Seite stehen will, der darf sich gern auch weiterhin den Spiegel oder die BILD kaufen.

Anonym 22. August 2009 um 22:44  

@He-Ka-Te

Danke für den Hinweis: Ich hab mal eine kommentierte Ausgabe mit Auszügen des Buches "Mein Kampf" gelesen - allein dies reichte mir, bis heute, die Parallelen zur neoliberalen Konterrevolution zu sehen.

Ich denke, dass genau die von dir sehr gut analysierten Beweggründe der Grund sind warum Bayern "Mein Kampf" immer noch als verbotenes Buch sehen will.

Soviel ich weiß ist der Staat Bayern der Rechteinhaber, wenn es um eine Wiederzulassung von Hitlers Buch "Mein Kampf" gehen würde. Sehe ich dies richtig? Ich erinnere mich noch so etwas aufgeschnappt zu haben ;-)

Bei Von Guttenbergs CSU wundert es mich daher gar nicht, wenn "Mein Kampf" weiter unter Verschluß gehalten wird - die Parallelen....die Parallelen....

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

He-Ka-Te 22. August 2009 um 23:22  

Der Freistaat ist der Rechteinhaber. Sie beinhalten Urheber- und Verlagsrechte. Die Rechte liegen konkret beim bayerischen Finanzministerium. Nach dem Zweiten Weltkrieg 1945 hat jenes das gesamte Vermögen des Parteiverlages der NSDAP zugewiesen bekommen.

agathos 22. August 2009 um 23:26  

"Mein Kampf" ist tatsächlich aus Gründen des Urheberrechts noch bis 2015 unter Verschluß. Mal schauen, was dann passiert.

Ausführlich darüber schreibt Giesbert Damaschke:

www.damaschke.de/notizen/index.php/zur-rechtslage-von-mein-kampf/

He-Ka-Te 22. August 2009 um 23:33  

So mal als Nachtrag zur Info. Das Verlagshaus war der Eher-Verlag. Dessen Produktionsstätten später vom Freistaat an den Axel-Springer-Verlag gingen. Heute werden sie als Wohnanlagen genutzt...

Frank F. 22. August 2009 um 23:53  

Eine Sequenz aus Konrad Wolfs stark autobiografisch angehauchten DEFA-Film "Ich War Neunzehn" (1968), den ich mir immer mal wieder anschaue...

April 1945 bei Berlin. Das Ende des Krieges schon vor Augen geraten ein deutscher Landschaftsarchitekt und ein russischer Offizier ins Philosophieren über Deutschland.

Der Landschaftsarchitekt kommt zu dem Schluß: "Vielleicht unterschätzen Sie die Unwiderstehlichkeit der Nazibewegung. Ich spreche von der Unwiderstehlichkeit vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte. Sie haben Kant zitiert. Versteh'n Sie, man hat ihn entstellt. Der kategorische Imperativ des Sichbeugens vor jedem Befehl ... vor jedem Wunsch der Obrigkeit - das war in diesem Volk angelegt lange vor Hitler. Die Idee, dass gerade darin die höchste Erfüllung der Pflicht läge. Was dann daraus wurde, war nur eine Steigerung ... ein künstlich gezüchteter Begeisterungsrausch des Gehorsams. Und der Gegenpol von soviel geduldig erlittener Erniedrigung war eine Explosion von Sadismus. Ein Phänomen. ... Unser Gesicht ist so zerstört, wie das keines anderen Volkes. Ich persönlich habe mich nicht politisch betätigt. Aber die Kultur steht vielleicht immer in einer beklagenswerten Weise am Rande solcher naturalen Prozesse. Jedenfalls in Deutschland."

Etwas später: "Wie gesagt, ich hatte nie einen Glauben. Ein Volk hat sein Schicksal. Es kann nicht vor den Richterstuhl der Vernunft gebracht werden, ebenso wenig wie die Natur des Menschen. Ob man davor erschrickt oder nicht - sie ist immer dieselbe. Man kann sie nicht verstehen, sondern nur interpretieren.
... ... ...
Ich bin sehr froh, nach langer Zeit endlich mit einem gebildeten Menschen über alle diese Dinge endlich reden zu können. Die Frage ist doch aber: Haben wir - auch Sie ganz persönlich - überhaupt Einfluß auf den Gang der Geschichte? Nehmen Sie den Krieg - vielleicht ist es ein anthropologisches Problem.
... ... ...
Auch Sie werden [glaube ich] mit diesem Land kein Glück haben. Es (Deutschland) lebt in seinem eigenen Bannkreis. Am Ende einer jeden Zeit herrschen die Cäsaren und die Geschichte kehrt zurück in den primitiven Takt der Urzeit."


Der Offizier fragt: "Aber wie konnten Sie hier leben?"

Der Landschaftsgestalter entgegnet: "Für den tieferen Menschen gibt es da überhaupt nur eine Möglichkeit, sein Dasein zu ertragen. Ein gewisses Maß an Oberflächlichkeit, dazu eine gewisse freischwebende Intelligenz die die Fähigkeit hat, sich in die dynamisch bekämpfenden Kräfte einzufügen."

Systemfrager 23. August 2009 um 10:25  

Roberto - GROßARTIG!
Warum müssen wir unbedingt den Faschismus und Hitler thematisieren? Aus zwei Gründen:

1) Das Verbrecherische an dieser Ideologie war der Sozialdarwinismus. Und dieser ist weder konservativ, noch religiös, noch kommunistisch, noch sozialistisch, ... sondern ein exzellentes Produkt des Neoliberalismus.

2) Weil es eine Machtergreifung nie gab. Hitler wurde die Macht von den damaligen „Eliten“ auf dem Tablett überreicht. Rechnerisch hätte Hitler nie Kanzler sein können. Höchstens einer von drei Deutschen hat ihn im 1932 gewählt, und seine Partei stand vor großen Schwierigkeiten. Die „Eliten“ haben also die letzte Möglichkeit genutzt und ihn - durch die Hintertür - zum Diktator gehievt.

Worum es den Reichen und den Wirtschaftskapitänen damals ging, hat schon Machiavelli (Der Fürst) geklärt:

Denn, wenn die Großen merken, dass sie dem Volke nicht Widerstand leisten können, häufen sie alle Ehren auf einen aus ihrer Mitte und machen ihn zum Fürsten, um, durch ihn gedeckt, ihre Gelüste befriedigen zu können.

Natürlich habe auch ich, aus der ökonomischen bzw. neoliberalen Perspektive, den Faschismus und Sozialdarwinismus thematisiert:
http://www.forum-systemfrage.de/Aufbau/ba/42d/ba42d.php?df_name=baDF40&tbch=ba&schp=neolib&ordner=42d

Geheimrätin 23. August 2009 um 11:38  

Vielen Dank Systemfrager, sehr interessant der Beitrag in deinem Forum!

Anonym 23. August 2009 um 17:27  

Hallo Jutta Ryd.., vielen Dank für deinen interessanten Beitrag zur Karierre dieses Altbundeskanzlers Helmut Schmidt im 3. Reich.
Logisch, dass so ein charakterloser Opportunist und Karrierist auch nach dem Krieg als "SPDler" willkommen war, auf solche Typen wie er konnten die deutschen Eliten ja schon immer bauen, wobei Parteibücher auch noch nie eine Rolle spielten, lediglich historischen Umständen geschuldet sind.
Adolf Hitler als Nichtraucher, Anti-Alkoholiker und Vegetarier wäre heute sicher ein ganz prominentes führendes Mitglied bei den GRÜNEN, könnte aber auch Sozialdemokrat, CDUler oder FDPler sein, persönlich tippe ich aber auf GRÜNER.

Systemfrager 23. August 2009 um 17:56  

@ Anonym, Jutta Ryd

ich möchte auch gern etwas über H. Schmidt lesen

G. G. 24. August 2009 um 20:21  

Wird es in ungefähr 20 Jahren eine dritte Kapitulation der Deutschen geben? Wird es dann wieder heißen: "Wir haben von nichts gewußt. Wir sind unschuldig. Das waren nicht wir."? Wie wird dann die Menschheit, UNO, ... mit den Deutschen verfahren? Werden die Deutschen nochmal ein Chance bekommen? Ich glaube nicht.

Anonym 24. August 2009 um 21:30  

zu aller erst;
was jetzt folgt hat mit dem artikel nur nboch begrenzt was zu tun, und man möge es mir verzeihen wenn ich so texte ...


Ja,
so höre ich sie wieder rufen: haltet den dieb ...
doch wo ist der alles aufnehmende sündenbock, habe ich ihn nicht grade noch hüpfen sehen, frei und frohen mutes, ohne das wissen was so über ihn kommen mag ?

Heute ein held mit dem wir durch dick und dünn gezogen sind, an dessen lippen wir hingen nur um eine rechtfertigung zu bekommen um anderen schreckliches anzutun, und das tun wir gerne, denn das liegt in des menschen blut, und morgen, ja morgen vergessen und verdrängen wir unsere eigenen taten und schieben es ab, wenn wir denn mal erwischt werden bei unserem tun …

berechtigt ist es daran kritik zu üben, und ich bin wahrlich der letzte der daran anstoss nimmt.



Was ist nur,
mit den nachfahren ?

So wie ich mich an die niederlanden erinnere,
so lässt es mich über viele der menschen die ich dort kennenlernen musste kein besseres zeugniss ausstellen als über die deutschen mitttäter …

so fühle ich mich seit meiner kindheit schon,
weder fleisch noch fisch,
zum stilisierten täter verurteilt und opfer zugleich,
aber wie kann das sein, da ich doch erst 30 bin …

das sind aber auch fragen …

nicht an dich, roberto, oder an die anderen kommentatoren, doch fühle ich mich nachwiefor schuldig für dinge die ich nicht getan habe, wurde dafür auf schlimmste weise bestraft, und muss damit weiterleben, in schmach …

das ist alles nur noch LOL …
und mein persönliches auskotz …

tut mir leid.

Lg,
e

Anonym 26. August 2009 um 10:53  

Man könnte auch statt des Wortes Hitler, das Wort Kapitalismus einsetzen!

Gruß

R@Z€

Anonym 26. August 2009 um 15:40  

Ergo: "Entlastet den Kapitalismus!"

Es scheint, dass der Kapitalismus ja unschuldig ist, schuldig sind die Umsetzer dieser Ideologie.

Insofern du es so meinst stimme ich dir zu, denn der Kapitalismus ist ein politisches System, und in diesem Sinne von Menschen gemacht, d.h. gerade deswegen gibt es soviele die für die Abschaffung des Kapitalismus (!: völlig richtig) plädieren.

Die Frage ist nur, da dank "Neuer Weltwirtschaftskrise" (Zitat: US-Nobelpreisträger Paul Krugman) der Kapitalismus "seinen Fall der Berliner Mauer" (Zitat: US-Nobelpreisträger Joseph Stiglitz) erlebt hat, und nur dank Milliardenspritzen von Steuergeldern weltweit weiterexistiert, was ihm im angelsächsischen Sprachraum den Namen "Zombie Capitalism" eingeracht hat, was für Alternativen gibt es zwischen Sozialismus/Kommunismus und Neoliberalismus/Kapitalismus?

Eigentlich wäre nämlich genau jetzt die Zeit nach Alternativen zu beiden gescheiterten Ideologien zu suchen, aber dank medialer Übermacht der "Eliten" geschieht dies nicht. Auf jeden Fall nicht in der Form, wie es sein sollte - statt dessen füttert man eine tote Ideologie namens Zombie-Kapitalismus weiter mit Steuermilliarden :-(

Übrigens, schreckten manche auch nicht vor Geschichtsfälschung zurück nun soll der Faschismus identisch mit dem Kommunismus/Sozialismus sein, und dies wo seit Jahren jeder weiß, dass Faschismus und Kapitalismus Brüder im Geiste sind.

Die Beispiele dafür findet man auch heute noch in postfaschistischen Gegenden dieser Welt, z.B. Honduras wo rechtsextreme Militärs mit Unterstützung einer dt. FDP-Stiftung, eine gewählte Regierung weggeputscht haben....

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Geberlaune 27. August 2009 um 16:38  

@Peter Hallonen 22. August 2009 17:53

"Ich vertrete eine entgegengesetzte Meinung. Das Volk ist nicht Schuld an den Untaten des NS-Regimes. Das Volk kann manipuliert werden. Die Schuld trifft Hitler und dessen Kontrolleure, die ihn an die Macht gebracht haben: die amerikanischen und englischen Investmentbanken. Dass diese die deutsche Wirtschaftskrise bewusst herbeigeführt haben, damit Hitler davon profitieren konnte, ist mittlerweile historisch belegt."

Exakt! Als Quelle für diese Tatsachen empfehle ich das Buch des amerikanisch-italienischen Professors Guido Giacomo Preparata: "Conjuring Hitler - How America and Britain made the third Reich". Das Buch stammt von 2005, ist aber bisher leider noch nicht in deutscher Sprache verfügbar (traut sich kein deutscher Verlag??). Dennoch sehr zu empfehlen, weil es zu 100% wahr ist und eine nicht zu unterschätzende Facette in bezug auf Faschismus bietet.

Das vermisse ich auch in deinem teilweise gelungenen Artikel, Roberto: die Macht der Propaganda, die Inszenierungen des Reichstagsbrandes und der Überfall auf Polen (ohne den Hitler nie die Zustimmung des Volkes für seine Gräueltaten bekommen hätte) usw., zum Beispiel. Du bist mir viel zu dicht an der nicht minder gefährlichen "Kollektivschuld"-These dran (in Relation zur Schuldminderung).

So unsympathisch ich Stauffenbergs Adels-Weltbild finde, aber ihn seiner Widerstands-Bemühungen (die schon Anfang der 40er reiften) zu berauben - er ging doch schließlich in den Tod, obwohl er wusste, was er tat - halte ich für schändlich, lieber Roberto! Klar, über den einfachen Arbeiter Elser redet man nicht so oft, aber das mindert doch nicht die Tat von Stauffenberg! Sowas absurdes.

Anonym 27. August 2009 um 20:04  

"[...]Klar, über den einfachen Arbeiter Elser redet man nicht so oft, aber das mindert doch nicht die Tat von Stauffenberg! Sowas absurdes.
[...]"

Die Riege um Stauffenberg gehörte mit zu den Kriegsverbrechern des II. Weltkrieges - was natürlich, da auch die Deutschen neuerdings wie die Juden Opfer sein wollen, weggelogen wird.

Die Quellen - auch im Internet - kann man nachvollziehen.

Ich finde es übrigens absurd "Widerstandskämpfer" zu neuen Kriegen zu mißbrauchen - Nichts anderes geschieht derzeit mit Stauffenberg.

Absurde Bananenrepublik Deutschland eben!

Anonym 27. August 2009 um 20:08  

"[...]Uns haben trotzdem die Grautöne interessiert und wir sind fündig geworden. Einige Offiziere des 20. Juli haben den Nationalsozialismus nicht nur begrüßt und bis zum Krieg gefördert. Sie haben sich sogar aktiv an Verbrechen der Wehrmacht im Osten beteiligt. [...]"

Quelle und kompletter Text:

http://www.wdr.de/tv/monitor/extra/rueckblick/stauffenberg.php5

Soviel zu den Widerstandskämpfern um Stauffenberg - Judenmörder und Kriegsverbrecher. Da ist mir Elser tausendmal lieber!

Geberlaune 28. August 2009 um 15:49  

Sicher doch, ich mag es auch nicht, dass bei Stauffenberg nicht gesagt wird, dass er wie auch die Geschwister Scholl zu anfangs noch überzeugte Nationalsozialisten waren, aber was kann Stauffenberg dafür, wenn die Nachfahren das unter den Teppich kehren und inwiefern schmälert das seinen Versuch, Hitler zu töten und den Krieg mit seinen vielen Opfern vorzeitig zu beenden? Stauffenberg hätte es wie viele andere auch einfacher haben können: Kriegsende abwarten, mit der Familie flüchten und noch ein paar schöne Lebensjahre mit seinen geliebten Familienmitgliedern verbringen. Hat er aber nicht. Warum hat er es nicht getan?

Stauffenberg war ja außerdem nicht der einzige Widerstand im Militär, er war entscheidend, aber ohne seine Mitstreiter wie z.B. von Tresckow hätte er nicht einmal den Versuch geschafft.

Anonym 28. August 2009 um 17:32  

@Geberlaune

Mir geht es eigentlich nicht darum einen Herrn Stauffenberg zu einem Heiligen zu erklären, der aus Propaganda-Instrument der Neokonservativen in Deutschland herhalten muss, um Kriegsverbrechen in Afghanistan, oder anderswo von dt. Soldaten heute verübt, vertuschen wollen, sondern darum den Widerstand gegen Hitler zu loben, der eben nicht aus dem gescheiterten alten dt. Adel herauskam sondern aus der Mitte der Bevölkerung damals heraus.

Die damaligen "Eliten" gehen mir persönlich ebenso am A... vorbei wie die heutigen, die uns ihren Neo-Faschismus als "Reform" verkaufen wollen....

Ende der Diskussion.

Geberlaune 31. August 2009 um 16:21  

"Mir geht es eigentlich nicht darum einen Herrn Stauffenberg zu einem Heiligen zu erklären"

Das verlangt auch niemand, das wäre blödsinnig.

"der aus Propaganda-Instrument der Neokonservativen in Deutschland herhalten muss, um Kriegsverbrechen in Afghanistan, oder anderswo von dt. Soldaten heute verübt, vertuschen wollen,"

Nochmal: dafür kann doch wohl Stauffenberg nichts!

"sondern darum den Widerstand gegen Hitler zu loben, der eben nicht aus dem gescheiterten alten dt. Adel herauskam sondern aus der Mitte der Bevölkerung damals heraus."

Man kann doch wohl gut finden, dass der Widerstand aus allen Schichten in Deutschlands kam.

Dass die Geschwister Scholl in den 30ern glühende Anhänger der NS-Politik waren (wie soviele Deutsche; sie versprachen sich etwas davon), ist übrigens der beste Beweis dafür, dass weder Roberto noch du die Hitlersche Gehirnwäsche und Propaganda einfach so unter den Tisch fallen lassen könnt, so als sei es "nichts"...

"Ende der Diskussion."

Vorsicht. So fing der Faschismus auch mal an. Vorzuschreiben, wann eine Diskussion beendet sein sollte und wann nicht. Ich übertreibe da ganz gewiss nicht.

Louisel 31. August 2009 um 17:30  

Die Geschwister Scholl sprachen auch nur davon, daß deutsche Soldaten sinnlos an der Front verbluten. Um Juden und Russen ging es denen nicht. Die waren erzkonservativ und waren Widerstandskämpfer aus den eigenen nationalsozialistischen Reihen.

Anonym 31. August 2009 um 20:54  

"[...]Vorsicht. So fing der Faschismus auch mal an. Vorzuschreiben, wann eine Diskussion beendet sein sollte und wann nicht. Ich übertreibe da ganz gewiss nicht.[...]"

??? Lachhaft: Jeder, der keine Lust mehr auf eine Diskussion mit Alt- und Neurechten hat ist also für Sie ein "Faschist".

Wie durchsichtig, liebe Geberlaune: Oder soll ich Sie "fünfte Kolonne" der NPD nennen?

Anonym 31. August 2009 um 20:57  

Apropop "Faschist":

Ich bin Mitglied der als, von rechtsextremen Marktradikalen wahlweise als "faschistisch" oder "linksextrem" eingestuften Linkspartei, und hab eigentlich wirklich keine Lust mehr das Thema mit Ihnen zu vertiefen, liebe Geberlaune.

Leben Sie weiter in Ihrer schönen neoliberalen Welt wo die Neoliberalen keine Nazis sind, und alle anderen schon.

Stimmt's?

Anonym 31. August 2009 um 21:10  

"[...]Ende der Diskussion"
Vorsicht. So fing der Faschismus auch mal an. Vorzuschreiben, wann eine Diskussion beendet sein sollte und wann nicht. Ich übertreibe da ganz gewiss nicht.[...]"

Ja, klar und der Osterhase kommt neuerdings an Weihnachten, und Lafontaine ist Bundeskanzler.

landbewohner 1. September 2009 um 05:34  

die mitschuld der "befehlsempfänger" hast du ja schon öfters thematisiert, wenn auch nicht so ausführlich, aber ohne diese bande von wunderbar funktionierenden und jeder obrigkeitsorder vorauseilenden gruppe, für die zivilcourage ein absolutes fremdwort ist, könnte sich keine diktatur -wie auch immer geartet, installieren bzw. zumindest nicht so leicht.und so schön und so richtig die meisten kommentare hier zu diesem artikel auch sind - viele lassen diesen überaus wichtigen aspekt einfach aussen vor. die wahren undemokraten sind eben die braven staatsbürger, die nie protestieren aber immer funktionieren und die sich immer nur um ihr kleines persönliches wohlergehen kümmern oder sorgen ohne zu bedenken, daß der gesamtzustand einer gesellschaft auch durch sie mitbestimmt bzw. gestaltet wird.

Bernmanu 7. September 2009 um 20:33  

In solch Präzisen Worten könnte ich meine Gedanken nicht formulieren- danke!
LG

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