NPD - nie war sie so wertvoll

Samstag, 20. Dezember 2008

In seinem Essay "Hitler als Vorläufer - Auschwitz, der Beginn des 21. Jahrhunderts?" warnt Carl Amery davor, in den falschen Propheten der parolenschwingenden Hohlköpfigkeit die Wiederbelebung des Nationalsozialismus sehen zu wollen. Nicht die Springerstiefel und Glatzen seien jene, die eine nationalsozialistische Renaissance in die Wege leiten werden, sondern die stillen Jünger des neuen Hitlerismus, der neuen Hitlerformel müssen als die Erben des Postkartenmalers und als Wegbereiter eines neuen, vielleicht sogar globalen Darwinismus angesehen werden. Es werden nicht die blassen Glatzen sein, die die drei Kriterien einer neuen Hitlerformel (Geschichte als Naturgeschichte, Feststellung der Ressourcenknappheit und Verantwortung über die Verteilung der Ressourcen) umzusetzen versuchen, sondern andere, unscheinbarere Kreise, die sich heute völlig ideologielos geben und so tun, als leite sie bei ihren Entscheidungen der reine Pragmatismus, und keine vorgefertigten Patentrezepte aus dem ideologischen Taschenbuch.

Es handelt sich dabei um jene politischen Kreise, die voller Besorgnis und Entrüstung um den Polizeidirektor Mannichl herumgeistern und von der Gefahr der NPD reden; um jene Kreise, die den Rassismus und Antisemitismus der Deutschnationalen anmahnen, aber gleichzeitig einen (meist unterschwelligen) Hang zur Naturgeschichtlichkeit der Gesellschaft haben; die die Gewalt der Deutschnationalen verurteilen, aber zeitgleich die Fratze des Rassendarwinismus mit Waffengewalt in die Welt tragen.

Um eines gleich vorab klarzustellen: Die Verurteilung eines solchen Messerattentats, die Bekämpfung solcher kriminellen Handlungen, kann man nur begrüßen - wenn sie nicht derart geheuchelt und auf die falsche Spur führend wäre, wenn nicht mit einer solchen programmkonformen Bereitschaft, den öffentlichen Erwartungen nach dem Munde geredet würde. Ein solcher Anschlag ist zweifellos skandalös, jedoch nicht skandalöser als diverse Gewaltakte gegen Türken, Schwarze, Behinderte oder Linke, die schon seit Jahren und Jahrzehnten von Verbrechern aus dem rechtsextremen Lager begangen wurden. Es ist eben keine neue Dimension der Gewaltbereitschaft, nur weil das Opfer täglich uniformiert war, im Staatsdienst sein Leben fristet - ganz andere Dimensionen erreichte die Gewaltbereitschaft bereits Anfang der Neunzigerjahre in Rostock, Mölln oder Solingen. Was aber ebenso zu verurteilen ist, ist die Tatsache, dass diejenigen, die nun die NPD zum Sturmtrupp eines neuen Hitlerismus erklären, Bestandteil einer politisch-wirtschaftlichen Bewegung sind, die dem Hitlerismus nähersteht, als das polierte Glatzentum der Neubraunen. Denn es sind sie, die ihr globales Geschäft mit einem neuen deutschen Nationalismus betreiben, der für seine Interessen am anderen Ende der Welt Militäreinsätze rechtfertigt; sie betreiben einen bemäntelten Rassen- und einen nackten Sozialdarwinismus, der Menschen der Dritten Welt ausbeutet und Arbeitslose und Arme im Inland ausgrenzt; sie ringen mit aller Macht um die Knappheit der Energieressourcen, überfallen dafür Länder und stilisieren zur Rechtfertigung Szenarien, in denen die überfallenen Weltteile wie potenzielle Weltdiktatoren mit Atomwaffenarsenalen aussehen; sie sprechen davon, die Verantwortung für die Verteilung der Ressourcen zu übernehmen und erfanden sich Weltorganisationen, die diese Verteilung seit Jahrzehnten in weißer Herrenmenschlichkeit umsetzen.

Was also zu verurteilen ist, genauso wie der Anschlag auf den Polizeidirektor, ist die kaschierende und in die Irre führende Art und Weise, mit der man die Deutschnationalen - diese Bande von ungebildeten Rauf- und deutsches Liedgut herumrülpsenden Singkumpanen - in die Rolle der Speerspitze einer neuen nationalsozialistischen, faschistischen, totalitären Bewegung hineindrängt und sie damit wichtiger macht als sie sind, sie geradezu adelt. Von den schweißglänzenden Kahlschädeln, die innerlich kahler sind als außen, ist aber die kleinste Gefahr zu befürchten, wenngleich natürlich Gewalttaten an Einzelpersonen immer eine Gefahr für selbige bleiben. Aber die wahren Kinder Hitlers, die Nachbeter der Hitlerformel, die sitzen nicht in der NPD, die sitzen in den Parlamenten der westlichen Welt, die sitzen auch in unserem Parlament, sitzen in den bequemen Sesseln des Establishments. Die NPD ist für diese Herrschaften so wertvoll, dass man sie erfinden müßte, wenn es sie nicht schon gäbe. Da kann sie noch so grundgesetzwidrig sein, man wird sie nicht verbieten. Wer übernähme sonst die Rolle der rechtsextremen Jünger Hitlers?

18 Kommentare:

Manul 20. Dezember 2008 um 03:35  

Recht hast Du und nicht umsonst sind einige Rechten in Europa den Wirtschaftskreisen verdammt nah, oder gehören selbst dazu. Es ist noch nicht mal ein neuer Hitlerismus, der hier entstanden ist, sondern es ist der gleiche alte Mief, den es schon vor 70 Jahren gegeben hat, denn es sind die gleichen Leute, die sich Vorteile aus einer faschistisch geprägten Gesellschaft versprechen. Der Unterschied zu damals und heute ist allerdings, dass heute die Menschen mit einem kollektiven Gedächnis vom Holocaust leben, das Faschismus und Antisemitismus als Solches sie ablehnen lässt, also macht man es quasi durch die Hintertür.

Es ist also nicht weiter verwunderlich, dass nun nach dieser Messerattacke zwar mal wieder lautstark nach dem Verbot der NPD gerufen wird, wo es aber eher darum geht davon abzulenken, dass man seit der Wende gegen die Umtriebe der Neonazis überhaupt nichts getan hat, im Gegenteil, die Polizei schaut auch heute mancherorts eher weg als hin und die Einrichtungen, die dagegen versuchen anzukämpfen, werden einfach kaputt gespart. Gleichzeitig wird ständig von Linksextremismus palavert, als ob wir mitten im Deutschen Herbst wären, was bei vielen auch zu einer falschen Wahrnehmung führt und auch zu einer gewissen Verharmlosung führt. Von den Hetztiraden mancher 'bürgerlicher' Politiker ganz zu schweigen, die aber als Ziel haben bestimmte Gruppen durch den Dreck zu ziehen, die durchaus auch ankommen und in die Wahrnehmung übergehen.

Das alles stumpft die Allgemeinheit ab und die rechte Ideologie kann sich verbreiten, selbst unter denen, die sie konkret eigentlich ablehnen. Genau das ist aber die Tragik dabei, dass vieles als Gegeben betrachtet wird, was aber ausschliesslich nur ein Produkt der heutigen faschistischen Ideologie ist. Ergo, wenn man einen wirklichen Kampf gegen faschistische Elemente in der Gesellschaft führen will, dann müssten eigentlich die meisten Politiker, hier und anderswo, von allen Ämtern zurücktreten, denn sie sind die willigen Werkzeuge der heutigen Faschisten (oder sie sind es selbst). Alles andere ist reiner ergebnisloser Aktionismus, wie aber so vieles....

Geheimrätin 20. Dezember 2008 um 10:35  

Ja so sehe ich das auch..und nicht nur die NPD ist so wertvoll wie nie. So sind es bspw. auch Orgs wie Scientology... Und diejenigen Etablierten die hinter diesen Abschreck-und Ablenkvereinen ihren eigenen menschenverachtenden Geschäften nachgehen sorgen dafür, dass ihnen der "Widerstand" aus der Bevölkerung noch in die Tasche spielt, indem dieser sich zunehmend den dafür vorgesehen "Vereinen" anschliesst, oft genug ohne es zu merken...

persiana 20. Dezember 2008 um 11:29  

Die NPD ist eine Erfindung - sie wurde unter Mitwirkung des britischen Geheimdienstes MI 6 gegründet .

Gesetzte wie diese weisen eine beklemmende Nähe zu Theorie eines Herrn Galton und zur Eugenik auf.

Total verlogen einfach, dieses Getue um die angebliche Befreiung vom Nazi -Regime: Die Nazis sitzen wieder (oder immer noch?) an den entscheidenden Schaltstellen der Macht - sie gehen nur subtiler vor als früher.

Ich habe auch schon einen Artikel darüber geschrieben, der auch nur die Spitze des Eisbergs streift...

Anonym 20. Dezember 2008 um 11:38  

Klasse Artikel. Rassisten warnen vor Rassisten, zumindest war das mein Gedanke, als von einer "neuen Qualität" der Gewalt die Rede war. Wie so oft ist die Sprache hier ungewollt verräterisch.

Anonym 20. Dezember 2008 um 12:07  

"[...]Aber die wahren Kinder Hitlers, die Nachbeter der Hitlerformel, die sitzen nicht in der NPD, die sitzen in den Parlamenten der westlichen Welt, die sitzen auch in unserem Parlament, sitzen in den bequemen Sesseln des Establishments. Die NPD ist für diese Herrschaften so wertvoll, dass man sie erfinden müßte, wenn es sie nicht schon gäbe. Da kann sie noch so grundgesetzwidrig sein, man wird sie nicht verbieten. Wer übernähme sonst die Rolle der rechtsextremen Jünger Hitlers?[...]"

Recht hast du, die sitzen von CDU/CSU/FDP bis SPD/GRÜNE im Parlament - einzige Ausnahme, nicht nur dem Namen nach, die Linkspartei. Das "Fremdarbeiter-Zitat" wurde gestern bei "Ottis Schlachthof" wieder genüßlich auf Oskar Lafonaine zitiert, dabei hat ein anderer bekannter SPD-Politiker dies schon lange vorher geäußert, aber es ist eben nicht das selbe wenn zwei das gleiche äußern.

Mehr zum alten Zitat-Streit hier:

http://www.nachdenkseiten.de/?p=625#more-625

...bei "Ottis Schlachthof", der Satire-Show mit Ottfried Fischer wurde es wieder aufgewärmt.

Übrigens, nicht nur Carl Amery hat diese Entwicklung so vorausgesehen, sondern auch andere Autoren haben die "Neue Rechte" in allen Parteien entdeckt, gegen die die Skinheads Relikte längst vergangener Tage sind.

Bedenklich ist übrigens auch, dass die spd-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung ausgemacht haben will, dass die "Neue Mitte", die alle Parteien - Ausnahme: Die Linke - hofieren immer weiter nach rechtsaußen rückt.

Das geht soweit, dass sogar die NPD ihre Strategie auf diese Wählerschicht ausdehnt.

Mehr dazu im - immer noch - lesenswerten Buch:

http://www.nachdenkseiten.de/?p=2936#more-2936

...was neuerdings verharmlost wird ist übrigens auch die Tatsache, dass Pinoquet nicht nur ein "Diktator" war, wie so oft erwähnt ohne den Zusatz: Der Mann war erklärter Faschist, d.h. der Praxistest des Neoliberalismus fand unter einem südamerikanischen Nazi namens Pinoquet statt, und seither tritt diese wirtschaftsfaschistische Diktatur den vermeintlichen Siegeszug um die Welt an.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

PS: Das Buch über die neue NPD-Strategie ist dies "Neonazis in Nadelstreifen. Die NPD auf dem Weg in die Mitte der Gesellschaft von Andrea Röpke und Andreas Speit. Die von mir zitierte Studie wird im Buch - so erinnere ich mich - glaube ich auch zitiert, d.h. die NPD beobachtet die regelmäßigen Studien der spd-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung genau und passt ihre "neue" Strategie genau an.

Anonym 20. Dezember 2008 um 12:12  

@persiana

Nicht einmal die Justiz ist in Deutschland unabhängig, aber dazu sollte man einmal einen Extra-Artikel schreiben. Heute sind die Enkel der NS-Blutrichter dran, die nach dem Krieg wieder Juristen wurden, mit gleicher linientreue - diesmal eben zum neoliberal-faschistischen System und nicht mehr zum faschistischen System der Nazis.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

PS: Im schönen Baden-Württemberg zu Hause, dass von so Gestalten wie Günter Öttinger regiert wird, die ihre kackbraune Gesinnung mit CDU-Parteibuch auch schon mal bei einer Beerdigung in eine naziverharmlosende Rede einfließen lassen - ich meine den Fall: Filbinger. Ein NS-Blutrichter aus dem Günter Öttinger, wie die braunen Geschichtsfälscher aller Coleur neuerdings auch, einen Nazi-Verfolgten kreiren wollten. Der Schuss ging nach hinten los....diesmal....

Anonym 20. Dezember 2008 um 12:16  

Lieber Roberto J. de Lapuente,

was mir auffällt ist übrigens auch folgendes - der Polizist, auf den das Attentat des Rechtsextremisten verübt wurde soll ein Linker sein.

Frage:

Gilt der Radikalenerlaß eigentlich nicht insbesondere für die deutsche Polizei?
Ich meine den Erlaß, der dafür sorgen soll, dass wirklich nichts linksverdächtiges bei der Polizei, oder sonstwo, im Öffentlichen Dienst landet.

Geht in Bayern sogar soweit, dass man beispielsweise als Mitglied der angeblich linksextremistischen "Die Linke" keine Anstellung im Öffentlichen Dienst erhält....

Wird hier bewußt aus einem - diesmal "anständigen" - Polizisten ein "Linker" geschaffen.

Frage:

Soll es davon ablenken, dass die Polizei immer wieder auf Linke und Linksextreme mit brutaler Gewalt, so zuletzt der G8-Gipfel in Heiligendamm, vorgeht, während dieselbe Polizei zu anderen Gelegenheiten - NPD-Aufmärsche - auf dem rechten Auge mehr als betriebsblind zu sein scheint?

Anonym 20. Dezember 2008 um 12:39  

Der Wahnsinn hat Methode! Im Zusammenhang mit den Ereignissen in Rostock-Lichtenhagen erinnere ich mich an ein "Spektakel" in einer mecklenburgischen Kleinstadt.
Wie perfide die Methoden waren, deren man sich sich bedient, zeigt folgende Geschichte:

Anfang der 1990er Jahre wollte die Landesregierung M-V (und sicher auch im auftrag bundesdeutscher Kreise) mit Hilfe des damaligen Innenministers Kupfer unter allen Umständen vermeiden, dass sich die BRD zu einem Einwanderungsland mausert.

Damals schwappte eine riesige Welle von potenziellen Immigranten ins Land. Man eröffnete Zentrale-Auffang-Stellen, besser bekannt unter dem Namen "ZAST".

In besagter Kleinstadt war dafür ein inzwischen stillgelegtes Armeegelände vorgesehen.

40 Sinti und Roma sollten dort vorübergehend untergebracht werden, so die offizielle Lesart.

Am Tag ihrer Ankunft mit einem Bus, vermochte es sicher nicht nur die Verwaltung der Stadt die Bevölkerung zu aktivieren.

Binnen weniger Stunden wurden mit Sonderbusen mindestens 500 Gegner herangekart, viele Einwohner der Kleinstadt waren ebenfalls tätig dabei. Sogar eine Bürgerwehr gründete sich, um den "Angriff auf ihre Stadt durch dieses Pack (Originalton damals) zu verhindern.

Kurz vor dem Eintreffen des "Sintibuses" hatten sich so mehrere Hundert Menschen zu einer Bürgerversammlung zusammengefunden.

Auftakt der Veranstaltung war die Übergabe des "Stadtschlüssels" an Innenminister Kupfer. Alle (!) im Stadtparlament vertretenen Parteien erklärten sich solidarisch mit dem Anliegen des Bürgermeisters: "Sinti und Roma haben bei uns nichts zu suchen.Wir werden uns mit allen Mitteln dagegen zur Wehr setzen."

Dies erklärte er unter Anweisenheit der internationalen Presse (franz., japanische und auch Spiegelredakteure waren zugegegen)und unter dem tosenden Beifall der Massen.

Es entstand eine regelrechte Pogromstimmung, die sich auch in den Folgetagen fortsetzte. Bei dieser "Bürgerversammlung" traten dann "honorige" Bürgerinnen der Stadt auf. Sie sprachen sich (immer unter tosendem Beifall der Massen) gegen die Nutzung der Liegenschaft weder für eine Nutzung durch ein Einrichtung der Diakonie (Behindertenbetreuung) noch für die Beherbergung von Ausländern aus. "Unsere Stadt muss (sauber!) bleiben", so der Tenor.

Die Geschichte ging in den Folgetagen weiter und eskalierte mehrmals (damals berichteten auch internationale Medien darüber), allerdings, der Erfolg war vorprogrammiert:

Die Sinti verschwanden, die Zahl der Asylanten geht rapide zurück - und die BürgerInnen in der kleinen "sauberen" Stadt beobachten still den weiteren Verfall ihres Marktfleckens.

Mein Fazit: Es wird denen so leicht gemacht, diesen faschistoiden Sozialdarvinismus immer und immer wieder durchzusetzen. Das Problem, derartig niedere Verhaltensweisen sind halt flächendeckend abrufbar.

Anonym 20. Dezember 2008 um 13:51  

"[...]Mein Fazit: Es wird denen so leicht gemacht, diesen faschistoiden Sozialdarvinismus immer und immer wieder durchzusetzen. Das Problem, derartig niedere Verhaltensweisen sind halt flächendeckend abrufbar.[...]"

Eigentlich müßte es Sozialrassismus heißen, denn die Hautfarbe - was schlimm genug ist - gilt heute nicht mehr als Ausgrenzungskriterium, sondern der soziale Status, d.h. bist du einmal "auf der Straße" gelandet bist du für Merkel/Münte/Steinmeier/Westerwelle/Özdemir & Co. kein menschliches Wesen mehr, sondern etwas darunter....

Übrigens, dass wir uns vom alten Rassismus (eben dem der Hautfarbe) immer weiter dem neuen Rassismus (dem des sozialen Ausgrenzens) annähern konnte man in "Deutsche Zustände - Folge 6", einer Langzeitstudie über gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit in Deutschland, so wortwörtlich nachlesen. Die Studie von W. Heitmeyer sollte daher weite Verbreitung finden, und auch die Aufklärung darüber, dass man zwischen Worten und Taten der neoliberalen PolitikerInnen differenzieren sollte - die Linkspartei hat die ja diesen Freitag, kurz vor dem christlichen Fest der Nächstenliebe "Weihnachten", toll vorgeführt - die Parteien von CDU/CSU/FPD/SPD/GRÜNEN sind nicht einmal sozial vor dem "Fest der Nächstenliebe" zu den Ärmsten in der Gesellschaft - den Hartz IV-EmpfängerInnen und Niedriglöhnern.

Hoffenlich wird diese Tatsache nicht so schnell vergessen, denn spätestens am Wahltag ist Zahltag, d.h. man sollte nicht allein dem "dummen" Steinmeier sondern auch "Madame No" auch bekannt als "dumme" Kanzlerin Merkel (so immerhin ein Wirtschaftsnobelpreisträger namens Paul Krugman) die Quittung für ihr Versagen in der Wirtschaftspolitik - mal aus der Sicht der "Unterschichten" gesehen - ausstellen.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

PS: Der "Mittelstand" sollte es auch tun, aber der setzt bestimmt wieder auf "Hirn aus, und durch", d.h. der wählt wieder seine Schlächter....

Anonym 20. Dezember 2008 um 15:12  

Einen Unterschied zur echten Dikatur gibt es - der Autor Colin Crouch hat es in seinem hochaktuellen Buch über die neoliberalen Wirtschafts- und Politik"eliten" beschrieben....

Der Kreis zur Diktatur wird nicht geschlossen - es gleicht eher einer Parabel mit offenem Ausgang, was heute gegen die Demokratie in Stellung gebracht wird, d.h. die können immer noch davon reden, dass wir eine Demokratie haben, weil es eben doch noch Elemente gibt die freiheitlich sind....für das Kapital....

Mfg
Junger

Anonym 20. Dezember 2008 um 16:07  

Nachdem ich diesen Blog nun seit langer Zeit lese, schreibe ich nun meinen ersten Kommentar, denn ich denke, das Lob ist zeitlich längst überfällig.

Selten - besser gesagt: fast nie - findet man Artikel, die auf einem derart hohen Niveau verfasst sind.

Und es ist mir bereits mehr als einmal widerfahren, dass ich Gedanken, die ich mir zu Sachverhalten selber machte und vorher anderswo noch nie gehört habe, hier wiederfinde. Das ist ein unglaublicher Balsam für die Seele.

Darüberhinaus gibt es viele Artikel (wie z.B. diesen), mithilfe derer ich neue Denkanstöße sammeln kann.

Vielen Dank für diese erstklassige Arbeit.

Anonym 20. Dezember 2008 um 16:22  

Eliten-Antisemitismus?

Mehr dazu hier:

http://www.graswurzel.net/284/hohmann.shtml

Hohmann war übrigens Mitglied der CDU, bis er auf öffentlichen Druck ausgeschlossen wurde....

epikur 20. Dezember 2008 um 22:16  

Man darf z.B. auch nicht vergessen, dass es in bestimmten "elitären Kreisen" bis heute zum guten Ton gehört, in einer Burschenschaft gewesen zu sein. Nicht selten sind diese Burschenschaften rassistisch, zumindest nationalistisch sind sie fast immer.

Unser guter Bundespräsident Horst Köhler war z.B. in der Burschenschaft Normannia Tübingen

Anonym 20. Dezember 2008 um 22:36  

Sehr geehrter Herr De Lapuente,

ein luzider Beitrag, und Sie haben - so fürchte ich - mehr recht als einem lieb sein kann.

Es ist eben nicht nur der Nationalismus, der die braune Gedankenwelt charakterisiert, sondern ein viel elementareres biologisches Ressentiment, das auf der gedanklichen Ebene, wie Sie korrekt schreiben, als Sozialdarwinismus auftritt. Nur würde man gewissermaßen die Juden heute eben nicht mehr einfach umbringen, mit mehr oder weniger Aufwand, um sich dann die Wertsachen, Goldzähne usw. anzueignen, sondern sie dazu bringen, dies alles meistbietend zu versteigern, um sie an ihrer Beseitigung aktiv zu beteiligen; sie könnten ja dabei eventuell noch etwas für die vierteljüdischen Verwandten herausschlagen, also einen Rest von Anstand zeigen ..... Eigeninitiative zeigt sich eben nicht nur darin, dass die Kälber selbst mit dafür sorgen, ordentlich gemästet zu sein, sondern dass sie sich auch den Metzger aussuchen und ihm nach Kräften die schwere Arbeit erleichtern.

Wenn man vor einiger Zeit etwa den Vorschlag eines (emeritierten und mit Ehrendoktor versehenen) Bayreuther Ökonomen vernahm, den Organhandel zu legalisieren und vor allem Hartz IV-Empfängern als Organspendern auf diese Weise zu ermöglichen, sich und ihrer Familie einmal etwas Gutes zu tun, indem ihre Organe im Internet versteigert werden, so weist dieses Denken auf prototypische Weise in die Richtung dessen, was Sie wohl meinen. Sehen wir von den praktischen Aspekten einmal ab (dass die Behörde dann mit Erlösen wohl nach Gusto verfahren wird; dass die Konkurrenz beim Steigern die Kosten für die Kassen explodieren lassen wird; dass dann, wenn etwa in späterem Lebensalter bei Anwesenheit nur noch einer Niere eine Niereninsuffizienz auftritt, diese dann als egoistisch verursacht deklariert werden kann, usw.), so scheint mir dieses "Denken" die geistig-moralische Verkommenheit eines gewissen Bürgertums in besonderer Weise widerzuspiegeln. Es ist klar, dass die logische Folge unter Effizienzgesichtspunkten beispielsweise Camps sind, in denen potentielle Spender in ihrem eigenen Interesse dazu angehalten werden, nicht ihre Gesundheit vorzeitig zu ruinieren, usw. .....

Die neoliberale Ideologie birgt offenbar das volle praktische Potential eines sozusagen rational-humanen, individualisierten Nazismus in sich. Früher griff man gerne auf eine eher krude, marxistisch inspirierte Genealogie zurück, die den Nationalsozialismus als notwendige Frucht des Kapitalismus dastehen ließ. Die Verwandtschaft dürfte aber viel tiefer liegen.

Weiter alles Gute für Ihren Blog!

Anonym 21. Dezember 2008 um 13:29  

Guten Tag Herr Roberto,
und lichte Grüße an alle !

Auch dieses Ansinnen aus Ihrer Feder, Roberto, ist in Grunde eine gute Idee gewesen, also dieser Aufsatz. Indes ist die Thematik, wie meist, kompliziert und verflochten. Grad die deutsche Geschichte, die Mentalität dieses Volkes, sowohl die langjährige Duldung und Hinnahmen von Verschlechterungen und das Klappe-halten gegenüber Ausbeutung des Planeten und Völkern aller Art, Ausbeutung von hiesigen Arbeitskräften und auch von billig-preisigen Zuwanderern -, all das hat eine Tradition, ist ein Beispiel für vielfältigen Export von Penibelland (dt.) - in alle Welt. Doch ganz so einfach sollte es sich ein aufgescheuchter Denker nicht machen, denn faschistische, nationalistische und ausbeuterische Gedanken sowie Handlungen ziehen sich durch die gesamte Menschheitsgeschichte. Und zudem seit dem 2. Weltkrieg durch die Globalisierung der Wirtschaft, durch die Kapitalisierung aller Waren, durch alle Märkte und Markenartikel ja selbst noch durch zweite oder dritte Wahlartikel - so lange denn Profite winken! Durch Steuerung und Wunscherweckung und all die schlau ausgedachten Methoden werden Völker und Gesellschaften zu willfährigen einzelnen Handlangern und Konsumenten. Dorthin haben sich die seit der Hitlerzeit bekannt gewordenen Ideologien verlagert, wie bekanntlich bezüglich Kriegstreiberei und Waffenproduktion etc. Die Nachbeter, die in Ihrem Artikel angesprochen sind, sind sich über ein Nachbeten oftmals gar nicht mal im Klaren, aber sie sind die Kinder oder Kindeskinder von Menschen, die völlig versaubeutelt worden sind, durch perfide Gedankengüter und Existenznöte.
Zurück zum Heute: So leicht, wie durch Aufsätze und aufklärerische Internetseiten ist "verkomplextes" Gedankengut, unausgegorenes Selbstverständnis oder - am anderen Ende der Waagschale - messianischer Drang jeglicher Coleur - nicht zu wandeln, denn Erkenntnis ist die schwierigste geistige Arbeit im eigenen "Dachgarten" der Nahrungspflege.

Sie (Roberto) schrieben: "Was also zu verurteilen ist, genauso wie der Anschlag auf den Polizeidirektor, ist die kaschierende und in die Irre führende Art und Weise, mit der man die Deutschnationalen - diese Bande von ungebildeten Rauf- und deutsches Liedgut herumrülpsenden Singkumpanen - in die Rolle der Speerspitze einer neuen nationalsozialistischen, faschistischen, totalitären Bewegung hineindrängt und sie damit wichtiger macht als sie sind, sie geradezu adelt."

Bis auf das vierte Wort obigen Satzes bin ich damit einverstanden. Doch warum sollen wir "verurteilen"? Das ist doch die Aufgabe von Richtern. Worte sind auch Waffen. Wir vergessen das zu oft. Worte könnten auch hohe Gedanken sein. Je nach dem. Ja, Sprache ist vielfältig. Nur ... das Verständnis und der Verstand sind leider selten den ganzen Tag über auf-merk-sam bzw. wach.
Ich möchte nicht vorschnell urteilen (leider verfalle auch ich zuweilen in ausgemusterte Fallstricke); ich möchte aber erst recht nicht ver-urteilen! Da suche ich doch besser ein anderes Wort und überlasse einem weisen Richter (selten gesät) ein Urteil.
Dies soll nicht Ihren Aufsatz oder Ihr Tun in Frage stellen, aber ein Hinweis sein, die eigene Sprache zu prüfen. Grad mit der Sprache haben die "Hitleristen" wie Sie sie nennen, die Propagandisten auch in unserer momentanen Zeit Ziele erreicht, vor denen der brave Mann und seine Frau (oder umgekehrt) nun wieder mal - und in einem neuen Jahrhundert - nichts ahnend stehen.

@Manul:
Die Menschen "stumpft" nichts ab außer dem Fernsehen, anderes ist bereits stumpf in besagten Menschen. Nur wer schon stumpf ist, kann noch mehr abgestumpft werden, bis der Stumpf dem Erdboden gleich gemacht ist...
Da fällt mir wieder Tucholsky ein, der ganz richtig schrieb:
"Es ist ein großer Irrtum zu glauben, daß
Menschheitsprobleme gelöst werden.
Sie werden von einer gelangweilten
Menschheit liegengelassen."

Fein, wir treffen uns auf Seiten im Net und plaudern über unser Selbst- und/oder Einverständnis - genauer gesagt, darüber - was andere verstehen bzw. "begreifen" sollten. Das aber werden sie nicht ohne Weiteres, auch nicht wenn auf gewissen Webseiten (nein, nicht hier) gewettert wird, was die Wolken hergeben.

Um den Kommentar kurz zu halten, hier noch ein viel-seitiges Gedicht von Walter Mehring, der geflüchtet, und zurückgekehrt nach dem Kriege, arm und hungernd in der Schweiz verstorben ist -, vergessen. Ein Gedicht von ihm, das u.U. mit der Kurzsichtigkeit bricht:

Vernunft: K.O.
------------------

VERNUNFT: K. o.
Wenn ihr die Feder in die Tinte tunktet,
Was schreibt ihr bloß? Ihr seid längst ausgepunktet!
Als wir noch selig unsre Windeln näßten,
Bedrückte uns nicht Gott noch Vaterland,
Was Teufel! mußte man mit Geist uns mästen!
Wenn es dann aufstößt: nennt ihr das Verstand?
Braucht die Hyäne etwa goldne Worte,
wenn sie am Luderplatze dejeuniert?
Daß ihr die Knochen schmückt mit Heilgenborte!
Daß ihr beim Killen noch philosophiert!
Eins in die Fresse! ist ein Argument,
das ein Jahrtausend Weisheit überrennt.

Ach je... Ihr werten Geisteshelden!
Was habt ihr denn der Welt zu melden?
Eh ihr noch ausgeheckt die Heilsidee,
Da liegt ihr längst schon in der Charité!

Vom Kongruenzsatz zu den Menschenrechten:
Wofür hat sich die Menschheit denn erhitzt?
Nach dem Rezept von euren Denkernächten
Streng theoretisch hat man Blut verspritzt!
Ja, glaubt ihr denn, daß man ein Leben schone,
Weil einer ein Atom zerspalten hat?
Man nützt es auch! Doch glaubt: es geht auch ohne,
Und ohne Denken war die Rechnung glatt.
Es wird, was das genialste Hirn gebiert,
Von einem Gummiknüppel ausradiert.

Ihr Geisteshelden, ach herrje...!
Schafft für die Zukunft und seid längst passé!
Eh die Vernunft den ersten Sieg erstritten,
Liegt sie begraben und hat ausgelitten!

(Walter Mehring, 1930)


Oder, wie wär's mit Erich Kästner -, Notabene 45 ?

"Das Gewissen ist drehbar. Wer wäre gern ein schlechter Mensch? Noch dazu auf Schritt und Tritt? Und in jeder Richtung? So schließt der Untertan mit der herrschenden Moral, wie unmoralisch sie auch sein mag, einen Seelenfriedensvertrag. Die innere Stimme gehorcht dem jeweiligen Kodex, und der Untertan gehorcht immer der inneren Stimme. Der Kompaß pendelt sich ein. Genauso wie man aus frommen Menschenfressern fromme Christen machen kann, kann man aus frommen Christen fromme Menschenfresser machen. Das eine ist nicht schwieriger als das andere. Aber beides geht nicht von heute auf morgen. Das Gewissen verbrennt, was es heute anbetet, erst in einer Woche. Es ist fähig, Unrecht für Recht zu halten, Inquisition für Gott wohlgefällig und Mord für staatspolitisch wertvoll. Das Gewissen ist um 180 Grad drehbar. Doch man muß ihm etwas Zeit lassen. Und auch dann ist man vor Rückfällen nicht sicher. Auch im Dritten Reich hat es Helden und Märtyrer gegeben, also Untertanen, die nicht mit der Zeit, sondern lieber zugrunde gehen." (Erich Kästner)


Nichts für ungut, wie es heißt; Undank ist der Welten Lohn? Aufrecht war offenbar (laut Presse) der verletzte Polizeidirektor. Aufrecht sollte ein jeder sein. Dem aber ist nicht so. Auufmerksam sollte man auch immer sein. Denn die blumige Zeit der Nachkriegsblüte ist vorbei. Heute haben wir jede Menge verseuchter, gefälschter und profitgerechter Blüten, die ihre Stempel zum verpesteten Himmel strecken. Scheinbares eben.
Ach, liebe Landsleute. Ich empfehle aufgeweckte Dichter und Schriftsteller zur Nachtlektüre und auch am Tage, wenn es schneit - äh, scheint. Beispielsweise Erwin Chargaff.

Machen Sie's gut !

(Verszeih, alias Freyherr von Verse und Sehen)

Anonym 21. Dezember 2008 um 15:28  

[Verszeih, alias Freyherr von Verse und Sehen):

Genau getroffen.

@all - Brainstorming:

Ein Gedanke von mir zum Überdenken:

Liegt es vielleicht daran, dass die dt. gute "Untertanen" sind, weil wir erst so eine junge Nation sind? Ich meine das heutige Deutschland gibt es erst - vereinigt - seit 1871 und der Wiedervereinigung mit der Ex-DDR 1990.

Irgendwo las ich einmal, dass gerade so junge Nationen gefährlich nah dran sind "Untertanen" ohne Hirn zu produzieren....

Ich kann mich ja auch irren, aber ist es nicht so?

Lassen wir die Zeit von 1933 - 1945einfach mal außen vor. Mir geht es jetzt nicht um die Politik sondern um die "Einheit" Deutschlands....

Ich denke mal die vorherige Kleinstaaterei - bis 1871 - hatte auch so ihre Tücken, aber es war immer noch besser, da selbst denkende Menschen (wie z.B. Kant) produzierend als alles Jahre hinterher....

Übrigens, die heutige Kanzlerin stammt aus Brandenburg. Brandenburg? Ist das nicht Preußen? Wiederholt sich die Geschichte? Geht Deutschland wieder einen "preußischen Alleingang" gegen alle anderen Nationen der EU? Nur diesmal eben nicht militärisch, sondern wirtschaftlich-neoliberal.....

Verurteilt mich, wenn ich hier einen Schwachsinn schreibe, aber ich dachte heute mal kurz so....

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

PS: Ich denke bei Brandenburg an die Schattenseiten Preußens, und dies obwohl ich weiß, dass es auch gute Seiten hatte - der "Untertanengeist" war eine Schattenseite Preußens die heute wieder fröhliche Auferstehung feiert - dank Merkel/Steinmeier.....Wie gesagt, vielleicht irre ich auch....ich hoffe es so....als Bewohner des südlichen Baden-Württembergs, dass von einem Schwaben regiert wird, den ich nicht mag....als Baden(s)er....

Anonym 21. Dezember 2008 um 21:17  

Auf diese Art und Weise haben die wirklich gefährlichen Leute gut von sich abgelenkt. Oder anders ausgedrückt: "Streiten sich zwei, freut sich der dritte."

Ich möchte auf den Bericht Antisemitismus aus kritisch-theoretischer Sicht,
Konformistisch Rebellierende sowie Der Typ des Manipulativen-Autoritären hinweisen. Dort sind viele interessante Gedanken zu finden.
Wichtig ist mir anzumerken, dass das was den Juden widerfahren ist, auch Kommunisten, Sinti, Roma, Geisteskranken, ... angetan wurde.

Ich muß auch an den Bericht Sturm der Entrüstung gegen Ströbeles Flaggenfrust denken. Mir ging es während der Fußball-WM ähnlich wie Herrn Ströbele, nur viel schlechter. Nur weil es ihm zu viele Flaggen sind, löst er damit einen "Sturm der Entrüstung" aus?!

Ich glaube, dass das "Dritte Reich", die "NPD", .... als Totschlagargument in beide Richtungen benutzt wird. Das sie wie eine Art Bannwort oder Tabu verwendet werden. Besser kann ich es im Augenblick nicht ausdrücken.
Ich glaube auch, dass das Starren auf Hitler, die NPD, ... den Blick auf das Wesentliche verhüllen soll.

Das "Dritte Reich" bzw. die Nazis waren ja keine Chaoten. Nein. Überhaupt nicht. Sie hatten einen sehr gut organisierten Staatsapparat. Es gab eine "Rechtssprechung" und "Gerichte". Ebenso hatten sie eine "wissenschaftlich" begründete Rassenlehre. Diese Aspekte werden leider gar nicht beachtet. Gerade das sind aber die Gefahrenquellen. Unsere derzeitige Gesellschaft tut so, als ob Wunderworte wie "Wissenschaft", "Gesetz", "Schulmedizin", "TÜV", ... Garanten für Wahrheit und Menschlichkeit wären.

Ebenfalls wird der Punkt "Die Nazis und die Religion" ignoriert. Was drückt man sich vor diesem Thema. Würde man über dieses Thema nachdenken, dann müßte man sehr vieles in Frage stellen. Aber nur gut, das es Adolf Hitler gab. Auf den kann man alles abschieben. Er ist der Täter und alle anderen sind unschuldige Opfer.

Seltsame Gefühle beschleichen mich, wenn ich den Sieben Punkte Plan zur Judenverfolgung von Martin Luther lese. Warum nur? Irgendjemand hatte vor ein paar Jahrzehnten so ein ähnliches Programm in die Tat umgesetzt. Wie hieß der Herr nur? Ob er sich zuvor die Ideen von Luther zu eigen gemacht hatte? Wer weiß?

Eine Ausstellung die viele Fragen aufwirft: Jesus als Arier.

Weiter gehts mit mit dem Führerprinzip. Ich rezitiere von dort:
Der Grundgedanke des Führerprinzips war: “Verantwortung nach oben, Autorität nach unten.” In diesem Sinne finden sich neben der militärischen Wurzel dieses Prinzips auch solche im religiösen Bereich. Der Papst als oberster Katholik ernennt die Kardinäle und Bischöfe. Eine Unfehlbarkeit im Urteil des obersten Rangträgers findet sich dort ebenfalls.

Zum Abschluss will ich noch auf die SS Zukunftspläne verweisen.

Wer denkt noch an den "Deutschen Ritterorden"? Eine geistliche Ordensgemeinschaft, gegründet im 12. Jahrhundert. Ursprünglich karitative Gemeinschaft. Später starke Beteiligung an der deutschen Ostkolonisation (9 Jh. - 14. Jh). Suchte nicht später wieder jemand "Lebensraum im Osten"? Da war doch etwas?!

Jetzt wird es wirklich interessant! Himmler wurde der "Schwarze Jesuit" bzw. als "Ignatius von Loyola" bezeichnet. Die Gesellschaft Jesu war für ihn das Vorbild für die SS. Haste da noch Töne?!

Doch nun genug des Ganzen.



Ich glaube nicht, dass die "Normalen" es wirklich viel leichter haben. Sie sind nur feiger und weniger aufrichtig. Sie schweigen von ihren Nöten und Unzulänglichkeiten und spielen die Unanfechtbaren, aber jeden Augenblick sehen wir einen von ihnen sich aufhängen oder einen Zusammenbruch erleiden. Nein, sie sind nicht zu beneiden.

Hermann Hesse

Anonym 22. Dezember 2008 um 03:11  

Der Autor Colin Crouch mit seiner "Postdemokratie" - einer hochaktuellen Analyse der neoliberalen Antidemokraten - ist wohl aktueller als Carl Amery.

Er meint, dass sich der Kreis zur Diktatur eben nicht schließt, da es kein Kreis sondern eine "Parabel mit offenem Ausgang" (Hintertürchen?) ist....

Die Strategie soll in Chile schon aufgegangen sein, was die Nach-Pinoquet-Ära, und die dortige Fortführung der neoliberalen "Reformen" nach dem Sturz des Diktators beweisen - d.h. Neoliberalismus und Pseudo-Demokratie läßt sich ebenso vereinbaren wie Neoliberalismus und brutale Diktatur - egal welcher Ausrichtung - (z.B. hochaktuell China wo sogar kapital. Neoliberalismus und autoritärer Staatskommunismus Hand in Hand gehen sollen - ergo Systeme die früher als unvereinbar galten, da sich bis auf's Blut im Kalten Krieg bekämpfend...)....

Die Analyse von Colin Crouch halte ich daher auch für Deutschland für zutreffender als die von Carl Amery, und was den Sozial"darwinismus" angeht, da müßte man in Deutschland wohl eher von einem ausgemachten Sozialrassismus seit 1933 sprechen, da der soziale Status eines Menschen nicht biologisch-genetisch vererbar sein dürfte...liegt wohl eher an der Kultur in die man reingeboren wird, und nicht am genetischen Erbe....Oder?

Oder?

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

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