Der gegäbene Anlass

Samstag, 25. April 2009

Immer dann, wenn außerordentliche Ereignisse geschehen, beehren uns spontan ins Fernsehprogramm eingeschobene Sondersendungen. Dann flimmert in großen Lettern "Aus gegebenem Anlass" über die Bildfläche. Dies trifft vorallem zu, wenn irgendwo ein Unglück das Leben vieler Menschen beeinflusste, wenn Erdbeben oder Überschwemmungen Existenzen zerstörten oder Amokläufe das Blut in den Adern erfrieren lassen. Aber auch offensichtliche Nichtigkeiten, wenn etwa ein gealterter Literaturkritiker einen Fernsehpreis ablehnt, kann einen solchen gegebenen Anlass motivieren. Gerade die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten zeigen sich hierbei flexibel, beweisen, dass das festgesetzte Fernsehprogramm kein stur umzusetzender Plan sein muß, sondern immer wieder Möglichkeiten der spontanen Informationsgebung sein können.

Kürzlich wurde der Genmais durchs Dorf einseitiger Berichterstattung gejagt. Viel war darüber zu lesen, am meisten von solchen, die sich darüber entrüsteten, dass der Genmaisanbau verboten ist. Ausführliche Information in der TV-Landschaft? Fehlanzeige. Ein existenziell wichtiges Thema wie die langsame, aber stetig fortschreitende Übernahme genmanipulierten Gemüses, ist den öffentlich-rechtlichen Sendern kein gegebener Anlass wert. Dabei müßte gar nicht wild recherchiert werden, um eine informative Sendung zu Monsantos Genprojekten ins Leben zu rufen. Ein Rückgriff auf Marie-Monique Robins Dokumentarfilm "Monsanto - Mit Gift und Genen" aus dem Jahr 2008 wäre als gegebener Anlass, als Informationsabend, mehr als ausreichend. Wenn man zur besten Sendezeit - Samstag- oder Sonntagabend um 20:15 Uhr, angekündigt durch einige kurze aber fesselnde Trailer, so wie man ansonsten "Wetten, dass..?" ankündigt - präsentieren würde, was Robin zusammengetragen hat, dann würden die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten ihrem Bildungs- und Informationsanspruch mehr als gerecht.

Was könnte es bewirken, wenn um 20:15 Uhr erklärt würde, dass der Saatguthersteller Monsanto 1901 als Chemikalienhersteller begann und irgendwie immer noch Chemikalienhersteller ist?
Würden den Zusehern nicht die Augen geöffnet für dieses hierzulande relativ unbekannte Unternehmen, welches für PBC- und Dioxin-Vergiftungen mit Todesfolgen verantwortlich war und ist?
Wie würde die Öffentlichkeit reagieren, wenn ihr schlagartig und kollektiv klar würde, dass das von Monsanto entwickelte Unkrautvernichtungsmittel Roundup gar kein Unkraut vernichtet, sondern jede Form von pflanzlichen Leben, es sei denn, es wurde vorher gentechnisch eine Roundup-Immunität in die Pflanze gezüchtet?
Wäre es nicht auch für die deutsche und europäische Öffentlichkeit wertvoll zu erfahren, wie Monsanto es in den USA geschafft hat, dass gentechnisch veränderte Organismen (GVO) gleichwertig behandelt werden, wie konventionelle, natürliche Pflanzen, d.h. welche Lobbyarbeit dahintersteckte? Wäre das nicht wertvoll im Hinblick auf Europa, in dem Monsanto die gleiche Masche anzuwenden versucht? Wichtig, um diese Masche zu durchschauen?
Könnte der Skandal um das Rinderwachstumshormon rBST, das unter dem Namen Posilac vertrieben wird, nicht ein objektiveres Bild auf das Unternehmen werfen? Wäre es nicht von beträchtlicher Bedeutung, wenn die Öffentlichkeit zur besten Sendezeit erführe, dass Monsanto über die schädliche Wirkung für Tier und Mensch, über die Häufung von Euterentzündungen und dadurch verstärktem Eitergehalt in der Milch, wußte, sich darüber aber nicht nur ausschwieg, sondern Studien kaufte, die das Gegenteil zu beweisen vorgaben? Wäre das nicht wichtig, obwohl rBST in Europa verboten ist, weil man damit die kriminelle Energie des Unternehmens nachzeichnen könnte?
Sollte nicht ein breites Publikum erfahren, wie Monsanto Patente auf Lebensformen erstellen läßt, zum Herrn über Lebensmittel wird, wie kritische Wissenschaftler mundtot gemacht und Regierungen unter Druck gesetzt werden?
Empfände man es nicht als außerordentlich informativ, über die selbstmörderische Baumwollsaat zu berichten, die in Indien Hunderte und Tausende von Landwirten in den Selbstmord treibt, weil teueres Gensaatgut zur Verschuldung, Existenzverlust und, was in Indien noch möglich ist, direkt in Schuldknechtschaft führt?
Wäre es nicht sinnvoll für den Informationsauftrag der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten, das Unternehmen Monsanto mit einem seiner Produkte in Verbindung zu bringen? Mit Agent Orange, welches Vietnamesen und US-Soldaten verseuchte? Und was ist mit der Monsanto-Strategie, sich eine Studie entwerfen zu lassen, die Agent Orange für vollkommen unschuldig an den Beschwerden der US-Soldaten erklärte?

Freilich, dann und wann widmet sich auch das "staatliche Fernsehen" solcher Dokumentationen, verschiebt sie aber ins späteste Abendprogramm, zeigt Sonntagnacht, irgendwann nach 23:00 Uhr vielleicht, wertvolle Berichterstattung. Oder man schiebt es in Spartenkanäle, läßt Arte ausstrahlen, was einem Millionenpublikum auf ARD oder ZDF präsentiert werden könnte. Wenn ein gealterter Kritiker auf den Putz haut, ist es dem Fernsehen eine Sondersendung wert; wenn Monsanto lügt und betrügt, weil behauptet wird, es gäbe keine ausreichenden Studien zur Schädlichkeit von Genmais, wenn Monsanto darüber hinaus auch noch droht, rechtliche Schritte einzuleiten, damit das mörderische Geschäft auch in Europa betrieben werden kann, dann gibt es keinen gegebenen Anlass.

Es gäbe viele gegäbene Anlässe für Deutschlands öffentlich-rechtliche Sendeanstalten, doch das Interesse am Bildungsauftrag ist gering. Man will unterhalten, nicht informieren. So sei es auf diesem Wege an wenigstens einige Menschen weitergegeben: "Monsanto - Mit Gift und Genen" ist unbedingt anzusehen!

28 Kommentare:

Ge(ge)nVO 25. April 2009 um 20:03  

Man gewinnt bei der Lektüre den Eindruck GVOs seien schlecht, weil die Industrie behauptet GVOs wären unbedänklich, obwohl sie schlecht sind (dabei wurden selbst in Bio-Gemüse schon Gene gefunden!)


zum Anlass des ersten Kommentars übrigens ein dickes Lob und vielen Dank für deinen tollen Blog !

Anonym 25. April 2009 um 20:22  

Hallo Roberto,

danke für den Link am Ende.

Leider ist der Beitrag von Marie-Monique nicht mehr offiziell im Web kostenlos zu beziehen. Stattdessen wurde eine Hürde aufgebaut, indem man den Beitrag auf der ARTE-Seite nur noch auf DVD erwerben kann. (Übrigens heute nicht, man bekommt nur eine 404.) Zwar nicht sonderlich teuer, aber warum ist ein solch wichtiger Beitrag nicht offiziell frei verfügbar?

Wer es sich leisten kann, sollte die DVD erwerben und gelegentlich Freunden im urheberrechtlich privaten Rahmen vorführen. Für alle anderen: s. den Link. ;-)

Gruß
Omnibus56

persiana-451 25. April 2009 um 20:38  

Ich lese gerade das gleichnamige Buch der genannten Journalisin Robin.

Immerhin haben mehrere öffentliche Bibliotheken in meiner Stadt das Buch in ihrem Sortiment.

Sehr zu empfehlen, ich bin ich mit der Hälfte durch, aber mir ist jetzt schon schlecht.

Denn Monsanto hat eine lange und kriminelle Geschichte hinter sich. Es lässt sich nachweisen, dass die Firma um die tödlichen Wirkungen ihrer chemischen Produkte wusste, da sie hierüber sogar selbst penibel Buch geführt hat, beispielsweise über die Auswirkungen bei den im Werk Beschäftigten Arbeitern, die sie selbstredend trotzdem ohne Schutzkleidung arbeiten ließ. Die Firma ließ auch Tier-Studien anfertigen, deren Ergebnisse sie dann aber unter Verschluss hielt, bzw. fälschte.
Um ihre Produkte auf den Markt zu bekommen hat sie überall ihre Lobbyisten eingeschleust, zumindest in den amerikanischen Regierungen, und den für die Nahrungsmittel-Überwachung zuständigen Behörden.

All die giftigen Nahrungsmittel und Pflanzenschutzmittel, die Monsante als völlig ungefährlich anpries, und die dennoch Tausende von Toten und Kranke bei Konsumenten in Beschäftigten gefordert haben, das ist schon schlimm genug.

Doch Genmanipulierte Nahrungsmittel wären die Krönung des ganzen. Denn niemand weiß wirklich genau, welche Wirkungen genmanipulierte Nahrung auf unseren ORganismus haben kann, da die Fremdgene in den Zellkern der Gastpflanze sozusagen mit Gewalt hineingeschossen werden, und die Forscher oft nicht einmal genau wissen, an welcher Stelle der DNA sich diese ansiedeln werden.

Das ist aber enorm wichtig, denn sowohl Art als auch Anordnung der Gene bestimmen die Proteinbildung in unserem Körper.

Und ich erinnere mich dunkel: Ist nicht auch die Alzheimer Krankheit auf sozusagen falsch gebildete Proteine zurückzuführen?

Die Ungefährlichkeit genmanipulierter Nahrung ist in keinster Weise bewiesen - im Gegenteil. Bei Studien mit Ratten stellte sich heraus, dass diese im Vergleich zur mit normaler Nahrung versorgten Kontrollgruppe sehr viel weniger Nachkommen erzeugte.
Außerdem erlitten die Tiere organische Schäden.

Die Studien wurden natürlich unterdrückt, die Wissenschaftler die die Resultate veröffentlichten aus den entsprechenden Behörden gekündigt, Journalisten, die die Machenschaften des Konzerns aufdeckten vor Gericht gezerrt.

Mit aller Gewalt versucht Monsanto seine für Mensch und Tier im Grunde nachweislich schädlichen Produkte auf den Markt zu bringen.

Anonym 25. April 2009 um 20:51  

Ist mir auch zu anderen Themenbereichen aufgefallen - lange vor der hochaktuellen Finanzkrise drehte jemand einen Doku-Film, der im Kino gezeigt wurde, "Let's make money" oder so, der die Finanzkrise, die Gier und auch die drohende "Neue Weltwirtschaftskrise" voraussah - Erwin Wagenhofer, der Regisseur von "We Feed the World - Essen global" - Beide Filme laufen sicher nie im öffentlich-rechtlichen, und im Privatfernsehen schon gar nicht, aber auf DVD sind beide sicher bald erhältlich.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Geheimrätin 25. April 2009 um 22:52  

Mit Gift und Genen"und hier auch sehr empfehlenswert, Die Monsanto Story

Jan Hanfeld 25. April 2009 um 23:29  

Ich möchte auf die aktuelle Campact-Aktion hinweisen:
Gen-Mais: Monsanto darf Verbot nicht kippenWer noch zögert sich an dieser Aktion zu beteiligen, der sollte sich wirklich den Dokumentarfilm über Monsanto ansehen.

Es existiert eine Zusammenfassung dieses Films als YouTube-VideoDen vollständigen Film als YouTube-Playlist:
hier oder hier

Geheimrätin 26. April 2009 um 00:10  

sorry, ich hatte den link unten nicht angeclickt und angenommen der Film "Mit Gift und Genen" wäre von den Lesern nicht gefunden worden. naja, doppelt hält besser!

Geheimrätin 26. April 2009 um 00:24  

noch ein link weil ich grad dabei bin:

Schadensbericht: Gentechnik kostet Milliardenhier wird deutlich dass Agrogentechnik nicht nur den Hunger fördert und nicht mildert und giftig ist, sondern dass sie zudem auch der deutschen Volkswirtschaft mehr als schadet!

Manul 26. April 2009 um 04:32  

(...)Erwin Wagenhofer, der Regisseur von "We Feed the World - Essen global" - Beide Filme laufen sicher nie im öffentlich-rechtlichen (...)So ganz stimmt das nicht. 'We feed the world lief letztes Jahr im Herbst bei ARD, zwar nicht am Wochenende, aber immerhin zur Prime Time unter der Woche.

Im Prinzip stimmt es aber schon, die Öffentlich-Rechtlichen gleichen sich immer mehr den Privaten an was die Anspruchlosigkeit des Programms angeht und wirkliche Perlen findet man nur noch selten.

Flechtenwelten 26. April 2009 um 08:34  

Filme zum Thema könnt Ihr über folgende Links online sehen:

"Arme Sau - Das Geschäft mit dem Erbgut"

http://video.google.de/videoplay?docid=7746737223581129999&ei=PWl_SfjZHaSQ2wKp_vyUCw&q=die+arme+sau



"Monsanto - mit Gift und Genen"

http://video.google.de/videoplay?docid=-7781121501979693623&ei=mWl_SaTcK5HG2gK9zeCQCw&q=monsanto



Die Gesprächsrunde nach dem Film "Monsanto - mit Gift und Genen"

http://video.google.de/videoplay?docid=3749841508997061961&ei=PwOCScekEoyA2wL8h-iaCw&q=arte+doku&hl=de&dur=3



"Tote Ernte - der Krieg ums Saatgut"

http://video.google.de/videoplay?docid=-7992855588272035000&ei=l3eFSb3CGon82gLSgfXmCg&q=verrat&hl=de&emb=1&dur=3


Liebe Grüße

Sabrina


P. S.:
Hier eine weitere empfehlenswerte Filmdatenbank:

http://veg-tv.info/Hauptseite

Roberto J. De Lapuente 26. April 2009 um 10:09  

Das hatte ich im Hinterkopf, liebe(r) Manul, als ich das hier schrieb. "We feed the world" wurde ausgestrahl, wochentags, irgendwann nach 22:00 Uhr, so dass natürlich möglichst wenige Menschen zusehen - damit ist man dem Bildungsauftrag ja nachgekommen, was kann ARD und ZDF dafür, wenn die Leute früh schlafen gehen, um früh wieder aufzuwachen?

Auch wenn ich mich bei der Aktion beteiligen werde, lieber Jan Hanfeld, so glaube ich, dass Monsanto nur ein müdes Lächeln dafür übrig hat. Dieser Konzern ist derart mächtig, dass ihn ein Paar aufgebrachte Menschen sicher nicht hindern werden, sein unmenschliches Geschäft zu forcieren. Sie haben, so wurde es in "Monsanto - Mit Gift und Genen" erklärt, nicht einen Dollar zu verlieren - dafür nahm man reihenweise PBC-Vergiftungen in Kauf...

Anonym 26. April 2009 um 10:36  

@Manul

Danke für den Hinweis, aber der Film lief - wie Roberto völlig richtig feststellt - ziemlich spät, und mitten in der Woche, wo eh keine S... mehr zusieht.

Übrigens, ob die so mutig sind das neueste Werk von Erwin Wagenhofer zu zeigen, da bin ich mal gespannt - denn in "Let's make money" wurde ja alles vorausgeahnt was wir ja nun alle - dank Finanzkrise - wissen sollten.

Insofern kam der Film gerade rechtzeitig, wenn nicht sogar zu früh....

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Jan Hanfeld 26. April 2009 um 11:02  

Lieber Roberto, man darf die Hoffnung nicht aufgeben. Monsanto ist ein mächtiger Konzern, aber alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Die Bürger müssen informiert werden, und zwar lückenlos und wahrheitsgetreu, dann hat Monsanto keine Chance.

Hier noch ein YouTube-Video über Monsanto in deutschen Behörden

Anonym 26. April 2009 um 17:55  

Wie ein paar mal erwähnt finden sich Beiträge wie der Monsantofilm nur begrenzte Zeit im Onlineangebot der Sender. Unserer großen privaten Medienkonzerne wollten das so.
Für alle, die Linux benutzen gibt's aber ein Möglichkeit, die Filme herunterzuladen und sich so ein wenig für die GEZ-Gebühren zu entschädigen. Eine Anleitung gibt's hier: http://mayon.selfhost.de/blog/?p=2135
Mit Windows soll es auch gehen (ungetestet) http://www.yigg.de/toolbar/computer-und-technik/mit-dem-opensource-tool-mediathek-ardslashzdf-mediathek-streams-speichern

Michel aus Lönneberga 26. April 2009 um 20:28  

Tja, solche kritischen Journalisten werden dann demnächst wohl auch von der Zensursula als Terrorischden abgestempelt.
Wann sich Zensursula denn wohl mit Google "anlegen" wird, weil auch google video eben solche Videos findet, steht nicht in den Sternen, denn bisher hat google eigentlich jedes mal nachgegeben, wenn ein (ausreichend mächtiger) Staat ankam und etwas verlangte (zuletzt China mit Zensur des Internets).

Nicht dass ich die reine Genforschung verbieten will, jedoch die verfrühte Anwendung sollte definitiv verboten werden. Wissenschaftliche Konzepte 1:1 in die Realität umzusetzen, sowas klappt halt selten.

Genetisch verändertes Saatgut halte ich auch für einen Indikator von zunehmend geschwächten demokratischen Nationalstaaten. Trotz massiver Bedenken erlauben viele Nationalstaaten die Aussaat und Ernte und Verarbeitung von Genfood, der Staat ist also nicht mehr Mittler, Vermittler und Ringrichter im Wettstreit verschiedener Interessen, der Staat setzt also keine, für einen größtmöglichen Bevölkerungsanteil vorteilhafte Regelungen mehr fest, sondern ist nur noch verlängerter Arm der Wirtschaft und Industrie.

Schade Schade.

Peinhard 27. April 2009 um 10:14  

"Leider ist der Beitrag von Marie-Monique nicht mehr offiziell im Web kostenlos zu beziehen. Stattdessen wurde eine Hürde aufgebaut, indem man den Beitrag auf der ARTE-Seite nur noch auf DVD erwerben kann. (Übrigens heute nicht, man bekommt nur eine 404.) Zwar nicht sonderlich teuer, aber warum ist ein solch wichtiger Beitrag nicht offiziell frei verfügbar?"

Ganz einfach - weil der aktuelle 'Rundfunkstaatsvertrag' die ö-r-Sender dazu zwingt, ihre Inhalte - für die wir bereits, und zwar nicht gerade wenig, bezahlt haben - nach kurzer Zeit (7 Tage, mit einigen wenigen Ausnahmen) aus dem Netz zu nehmen. Und wir sie dann via DVD nochmal bezahlen müssen. Inhalte privater Medien unterliegen diesen Beschränkungen ausdrücklich nicht. Nahezu gleichzeitig aber hat man internetfähige Computer gebührenpflichtig gemacht...

hausi 27. April 2009 um 10:48  

Irgenwie vermisse ich immer den Hinweis, dass die genmanipulierten Pflanzen mit ihren Pollen andere unfruchtbar machen und somit auf Dauer das passiert, was in den USA schon passiert ist: es gibt nur noch keimfähige Saat aus der Fabrik. Raten Sie mal, aus welcher...

Roberto J. De Lapuente 27. April 2009 um 11:19  

Auch das handelt Robin ab. Sie zeigt auf, wie in Mexiko, in Gebieten, in denen es von jeher Mais gab, in denen Genmais ein Fremdwort war und ist, Kreuzungen entstehen, die den natürlichen Mais langsam beseitigen.

Margitta 27. April 2009 um 12:02  

Also ich bin den Weg über "unbedingt ansehen" gegangen und hatte keinerlei Probleme mir den Film anzusehen. Darunter ist auch noch ein Video von der anschließenden Gesprächsrunde, welche ich sehr aufschlussreich fand.

Liebe Grüße
Margitta Lamers

romano 27. April 2009 um 15:02  

das ist zweifellos ein schmerzender Misstand. Das öffentliche TV ist in den letzten Jahren doch sehr mit dem Wind der Diffamierung alles öffentlich, kollektiv und gemeinschaftlich (z.B. die natürlichen Eigenarten des Mais) Organisierten und Gegebenen zugunsten der Gemächte beliebiger global agierender und privater Akteure mitgesegelt. Dieses Narrativ besudelte oft gar jene, die vormals noch irgendwie Sinn in einer guten journalistischen Arbeit sahen und plötzlich im Chor des gesteuerten Journalismus mitsangen und meinten, sie erfüllten ihren Beruf nun besser denn je. Journalismus wurde zu PR.
Die Zeit gäbe heute für investigativen Journalismus mehr her denn je. Und gerade fehlt er. Man muß auf Bücher ausweichen, im Internet auf privaten Internetseiten recherchieren. Man kann sich auf die heutigen Massenmedien nicht mehr verlassen. Die Lektüre einer großen traditionellen Tageszeitung oder Wochenzeitung oder das fern sehen würde einen zu einem informatorischen Trottel werden lassen. Derart viele Entscheidungen fallen auf dem Globus, die sehr viele Menschen betreffen, aber diese vielen Menschen müssen sich anstrengen überhaupt nur zu wissen, was da alles entschieden wird, gescheige denn, sich irgendwie sachlich zu interessieren. Stattdessen müssen sie ihre Seele fortdauernd mit leicht eingängigen Schlagsätzen und -meinungen unterfordern und ihre Interessen dadurch vernachlässigen.
Nahrung ist zudem eine basaler Ort menschlichen Handelns. Ohnehin verloren die Modernen viele Fähigkeiten im Umgang mit den rohen Stoffen der Natur und haben sich in die bequemen Welten industrieller Produktion unter den Vorzeichen emanzipativer geschichtlicher Heilslehren usw. eingefunden, ohne manchmal auch nur ein Minimum an Rohstoffähigkeiten zu bewahren. Der Produktivitätsfortschritt hätte es ja leicht erlaubt. Monsanto betreibt dies nunmehr in wissenschaftlicher Form: ihr Interesse liegt im Grunde in Pflanzenformen, die nur sie herstellen können, nur sie verkaufen können und die sie monopolförmig vertreiben. Solche Pflanzenformen wandern ja von selbst. Monsanto hat einen Weg gefunden, König Midas zu spielen. Überall wo ihr Mais anderen Mais berührt, wird dieser früher oder später zu "Gold". Dieses fällt in Rechtskategorien und gehört Monsanto. Der illegale Selbstanbau erforderte dann die wissenschaftliche Phalanx, die deren Maissorte entschlüsselte, crackte und temporäre opensource-Varianten zur Verfügung stellte. Diese Tätigkeiten sähen sich immerzu den Bemühungen solcher Konzerne gegenüber, deren Phalanx an Wissenschaftlern und Rechtsanwälten gegen das illegale kopieren gegen solche Aktionen arbeitete. Perfid ist das. Es geht hier ja nicht um Computerspiele, über deren Verwendung man Jahre lang herum streiten kann, ohne dass sich wer weh tut. Hier geht es ja um Nahrung: da gibts nicht viel Zeit zum Streiten.

Roberto J. De Lapuente 27. April 2009 um 15:10  

Heute wurde Jürgen Klinsmann entlassen. Die ARD geht um 20:15 Uhr auf Sondersendung - aus gegebenen Anlass eben. Man sieht, was einer Sondersendung wert ist und was nicht...

Anonym 27. April 2009 um 15:49  

@Roberto J. de Lapuente

Stimmt, eine Sondersendung zur angeblich weltweit bevorstehenden Schweinegrippe wäre interessanter gewesen, zumal die Nachrichten so panikhaft berichten als würde bereits wieder eine neue Form der Pest wüten.

Übrigens, laßt es Zynismus nennen, aber:

Treiben hier die Nachrichten-Mainstream-Medien - als Ablenkungsmanöver von wichtigeren Themen, z.B. der "Neuen Weltwirtschaftskrise" und der Zunahme der Arbeitslosenzahlen dadurch, nicht wieder die sprichwörtliche Sau durch's Dorf?

Ich bin mal gespannt, was für Ablenkungen denen noch einfallen werden, um die Normalbürger in Deutschland zu ver....? Angeblich haben ja die Mehrzahl der Deutschen noch eine ziemlich gute Kauflaune - nach Umfrage der neoliberalen GfK.

Fazit:

Neoliberalismus in den Medien eine Schau von Ablenkungsmanövern und Lügen, und dies nicht erst seit der Finanzkrise sondern von Anfang an.....

Wie lange geht das noch gut in .de?

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Pankefuchs 27. April 2009 um 21:46  

Aber jetzt mal ehrlich!
Auch wenn es das deutsche Volk wüßte, auch durch alle möglichen Sendungen, was würde sich ändern?
Hat keiner mehr NOKIA gekauft, als die Arbeiter im Werk verarscht wurden?
Ist keiner mehr zu LIDL gegangen, als die Beschattung bekannt wurde?
Was ist mit den zig Fleischskandalen? Ißt keiner mehr Fleisch?
Wer kauft denn den Kaffee der den Bauern, z.B. in Nicaragua, mehr Geld bringt, wenn der Kaffee im Nebenregal 50 Cent billiger ist?
Unserere "Top-Regierung" schaufelt milliardenfach unsere Steuergelder in die Hälse weniger, statt in die von uns allen. Waren da alle am 28.03. bei der Demo, oder lieber einkaufen?
Die Liste kann man lange fortsetzen.
Wir alle werden erst an Andere denken, wenn uns das Wasser bis zum Hals steht und wir alle im gleichen Boot sitzen.
Ach, sorry - natürlich denken wir auch mal kurz an Andere, wenn die Glöckchen klingeln und etliche Tränendrückersendungen im TV laufen! Aber nur bis zum 31. Dann brauchen wir das Geld wieder für Wichtigeres (Raketen, Knaller, Silberfontäne, Schampus, Bier usw)!

Anonym 27. April 2009 um 22:17  

Hallo,

ich habe den Film über Monsanto auch seinerzeit auf Arte gesehen und war geschockt. Als ich es im Bekanntenkreis weitererzählte, wurde ich allerdings nur mit einem skeptischen Blick bedacht: ist doch alles übertrieben und kann gar nicht sein.

Danach gab es eine Diskussionsrunde mit einer EU-Politikerin, die für die Zulassung von genveränderten Lebewesen zuständig war. Und glaubte, gut informiert zu sein. Nach dem Film war sie auch sehr erstaunt. Kann man nur hoffen, dass sie das, was sie an dem Abend gelernt hat, auch weitergegeben hat, in irgendeiner Form.

Ich frage mich, ob diese Monsanto-Manager und Wissenschaftler keine Kinder haben? Und Enkel? Für die sie seit Jahren die Welt unwiederruflich verseuchen? Kann man so blind sein zu glauben, alles würde gut gehen?!

Das Ende des Films lief darauf hinaus, dass Monsanto die Macht über alle Lebensmittel anstrebt. So, wie sie in Indien den gesamten Baumwollmarkt kontrollieren (der Staat lässt das wohl zu), soll nach und nach das Saatgut auf der ganzen Welt kontrolliert werden. Ob das ein völlig übertriebener Gedanke ist, weiss ich nicht. Die Macht dieses Konzerns ist jedenfalls sehr sehr beängstigend.

Gruß,
Andrea

Anonym 27. April 2009 um 22:38  

bester roberto,

ja,
bester roberto,
so wiederhole ich es schon wieder ...

dank dem herrn,
das du dir die arbeit machst,
dieses thema dir heute herauszusuchen und uns zu präsentieren, da es nicht nur wichtig, sondern für manch einen menschen sogar überlebenswichtig ist ...

ich persönlich möchte dir dafür, wie auch für viele andere nochmals danken, das du sie in worte, in bytes durch den äther schickst, auf das sie bei mir den bildschirm füllen, und ich das gefühl habe, hier gibt es einen gleichgesinnten, einen weiteren menschen wie die meisten kommentatoren hier auch, die sich um ihr persönliches und speziell das wohl anderer gedanken machen, es aber nicht nur dabei belassen, sondern sich öffentlich äussern ...

also,
dank an euch alle ...


dennoch brennt mir die frage auf der seele;
warum nur hier?
hier in diesem kleinen abseits gelegenen elektronischen stübchen ad sinistram genannt ...
eine frage die du selber am rande aufgeworfen hast, und ich nachdrücklich nochmals hervorheben möchte ...

natürlich kan man sich abseits der mainstreammedien, insofern internetanschluss vorhanden und das dazugehörige interesse und die muße, an vielen verschiedenen orten informationen abrufen, sie sammeln auswerten und vielleicht kompremiert wiedergeben ...
das ist arbeit, und manchmal harte noch dazu ...
manchmal sogar deprimierende, aber das lässt sich wohl kaum vermeiden ...

wer allerdings gez bezahlt, und im guten glauben hofft das diese gelder richtig eingesetzt werden, der irrt (leider meist) ...

ich würde mir wünschen, das die themen die hier auf dieser kleinen insel diskutiert werden ein grösseres publikum erreichen würden ...
ein medium welches die meisten erreicht, beiträge die von menschen zusammengestellt wurden die gewissenhaft arbeiten und gut vermitteln ...

ich finde sogar das grade die öffentlich rechtlichen die verpflichtung haben sich diese themen zu herzen zu nehmen und sie der allgemeinheit zu präsentieren ...



da dem so ist,
es aber nur notdürftig umgesetzt wird,
so sage mir,
was tun ?

lg,
e

Peinhard 28. April 2009 um 10:08  

"ich würde mir wünschen, das die themen die hier auf dieser kleinen insel diskutiert werden ein grösseres publikum erreichen würden ...
ein medium welches die meisten erreicht, beiträge die von menschen zusammengestellt wurden die gewissenhaft arbeiten und gut vermitteln ..."

Wohl nicht zuletzt deshalb findet zZt ein 'Großangriff' auf Internet und Meinungsfreiheit unter dem Deckmantel von abwechselnd Kinderpornographie- und Terrorbekämpfung statt... und natürlich macht sich auch jeder sofort verdächtig, der dagegen das Wort erhebt.

"ich finde sogar das grade die öffentlich rechtlichen die verpflichtung haben sich diese themen zu herzen zu nehmen und sie der allgemeinheit zu präsentieren ..."

Natürlich haben bzw 'hätten' sie. Dazu müssten sie aber erstmal werden, was sie im Grunde nie wirklich waren, aber auch noch nie so wenig wie heute - unabhängig. Und dazu müsste man ihnen vielleicht zuerst mal eine andere Abhängigkeit verdeutlichen als nur die von den 'gesellschaftlich relevanten Gruppierungen' - Parteien und Landesregierungen allen voran - nämlich die von ihren zahlenden Empfängern...

Pankefuchs 28. April 2009 um 22:11  

Es gibt ne einfache Möglichkeit den Pool zu erweitern!

Ich habe bereits etliche Mails an www.bundesregierung.de gesendet!!!
Natürlich keine Reaktion. Aber mit der rechne ich auch garnicht. Aber ich bin mir sicher: Würden da pro Tag 1000 Kritikmails ankommen (schön wärs) würde es auch Signale nach Oben geben. Warum sonst ist unser Herr Innenminister so rührig? Es will ja einfach bei uns kein Anschlag stattfinden (was ich auch den unschuldigen Menschen nicht wünsche). Darum müssen wir ja die deutsche Freiheit am Hindukusch verteidigen (der größte Müll der bisher gesagt wurde) !!!
Also Irgendetwas kommt schon an! Nur die Menge machts halt!

chriwi 29. April 2009 um 07:26  

Man merkt schon, dass eine Gen Firma verloren hat. Es werden heute erst einmal im Spiegel 2 pro Artikel geschrieben, ohne nur ein bisschen zu hinterfragen ob sie wahr sind. Es ist schon richtig, dass Gentechnik vielleicht einmal die Zukunft sein wird, welche die Menschheit rettet. Aber wenn Kast fordert es solle ein objektiverer Umgang mit Gentechnik geschehen, dann sollte sich die Industrie aus diesem BEreich zurückziehen. Die Pflanzen sind teuerer und können meist nur einmal angebaut werden. Wie soll das den Welthunger besiegen? Die Pestizide muss man mitkaufen, denn nur so sind diese Pflanzen sicher gegen Schädlinge. Für arme Länder absolut keine Option.


http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,621612,00.html

http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,621695,00.html

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