Wer behindert, wird verbehindert

Montag, 17. August 2009

Es mag ja noch nicht der Regelfall sein, doch zeigt jener (Einzel-)Fall, in dem man eine Erwerbslose nach Aktenlage für geistig behindert erklärte, das ganze Menschenbild derer auf, die sich je für jene Reformen der Menschenverachtung einsetzten. Es ist genauer besehen auch gar kein Menschenbild, dem hier hörig und pflichtversessen gefolgt wird, es ist ein Gegenstandsbild, denn der Mensch wurde getilgt, ausgemerzt, weil er unkalkulierbar ist, weil er fehlerhaft sein kann. Er wird zum nummerierten Gegenstand, ein Objekt behördlicher Begierde. Die Person erhält eine behördliche Kundennummer, ist dabei soviel Kunde wie Wellensittich - wobei letzterer ein Lebewesen wäre und keine nummerierte Karteileiche, die zufällig auch in einem menschlichen Körper schlummert -, wird nurmehr als Anreihung von Zahlen wahrgenommen, wird schlicht zu Papier, zu Karton, zur Karteikarte. Der Mensch wird zur Aktenlage, wird nach Aktenlage bewertet, nach Aktenlage kategorisiert, nach Aktenlage fallengelassen. Er ist zur Nummer heruntergesetzt, ist zum Objekt verschiedenster Verwaltungsakte verwandelt, zur toten Materie aus Druckerschwärze und Papier.

Das für sich wäre schon tragisch, aber was nebenher aus dieser toten Materie gemacht wird, nämlich eine genetische Fehlkonstellation, ist um Längen schlimmer, auch gefährlicher. Soziale Hemmnisse, gesellschaftliche Barrieren, wenn beispielsweise fehlende Arbeitsplätze uminterpretiert werden, folglich aus äußeren Einflüssen innere werden, wenn die Tatsache, seit Jahren keinen Arbeitsplatz zu finden, zu einer genetischen Ursache umgedeutet wird, dann bewegt man sich in den höchsten Sphären des Sozialrassismus. Unfähigkeit, Pech, falsche soziale Herkunft, lange Arbeitslosigkeit: all das sind sozio-ökonomische Wurzeln, die bestimmte Umstände beeinflussen und manifestieren. Diktaturen neigten häufig dazu, jemanden der zu viele solcher schlechten Einflüsse auf sich vereinte, zu pathologisieren. Dann war er kein Pechvogel, sondern ein Geistesgestörter. Die Herren dieser Gesellschaft sind stolz darauf, einem Staat vorzustehen, der keine Diktatur ist: Deswegen ist bei uns auch niemand geistesgestört, deswegen sind unpassende Charaktere geistig behindert - an den Worten werden sie gemessen.

Der genetische Makel unterbindet es, konkrete Maßnahmen zu ergreifen. Wenn jemand aus geistiger Behinderung heraus nicht arbeiten soll, dann muß auch keine Sorge dafür getragen werden, Arbeitsplätze zu schaffen, keine Politik betrieben werden, die auch Normalarbeitsverhältnisse ermöglicht. Es lohnt sich ja nicht, denn der Behinderte könnte die Stelle eh kaum antreten. So wird herrschaftliche Wahrheit gemacht: Gegenden in denen Arbeitslosigkeit floriert, leiden nicht an Arbeitsplatzmangel, sondern an einem Gemisch aus Faulen und Behinderten. Und wer durchgehend faul ist, das heißt, wer seit Jahren keine Arbeit findet, der muß doch geradewegs behindert sein. Denn irgendwas hindert ihn ja an der Ergreifung einer Arbeit. Arbeitsplatzmangel? Mitnichten! Denn wer arbeiten will, der findet auch Arbeit. Wer nicht will, bleibt ewig arbeitslos, ist also ein fauler Socken. Da wir in humanen Zeiten leben und hinter jeden Eigenartigkeit einen Mangel wittern, der womöglich auch noch in die DNS gegossen ist, ist der Rückgriff auf einen genetischen Defekt nicht ungewöhnlich. Dies sind die Segnungen wissenschaftlicher Zeitalter, in denen Wissenschaft nicht mehr Wissen schafft, dafür aber Machtstrukturen begünstigen soll.

Was jener Frau widerfuhr, ist sicherlich nicht das Ende der Fahnenstange. Was innerhalb der Sozialgesetze an großen und kleinen Sozialrassismen praktiziert wird, in Zeiten, in denen schöne Statistiken wie lauter kleine Eldorados aus der Ferne winken sowieso, kann nur als Einstieg einer bürgerlichen Auffassung von Genetik begriffen werden. Jemand ist mit seinem Arbeitsplatz und dem damit verbundenen niedrigen Gehalt zufrieden? Zufriedenheit ist ein Gendefekt! Jemand verfällt nicht in Depressionen, obwohl er schon ewig und drei Tage arbeitslos ist? Unbeschwertheit ist ein genetischer Mangel! Jemand lebt selbstversorgend, versucht sich wenigstens teilweise als Aussteiger? Wer sich von der Gesellschaft abwendet, muß an asozialen Genverunreinigungen leiden! Jemand läßt Propaganda nicht über sich ergehen, gibt Widerworte, weiß es immer besser, pocht auf sein Recht? Soviel Querulanz ist doch krankhaft! Jemand bezweifelt, ob ein Wirtschaftssystem aus Wachstum und Expansion einen Segen für die ganze Menschheit darstellt? Wer hier zweifelt ist boshaft, muß geradezu geistig behindert sein!

Wenn jemand seit langer Zeit ohne Arbeit ist, so wie jene Frau, die aus Sicht der Behörde nur ein Objekt ist, das man ebensogut aus der Ferne begutachten und bewerten kann, wenn man also folglich Ewigkeiten dem Steuerzahler auf der Tasche liegt, damit der Gesellschaft Kosten aufbürdet, nicht mehr gesellschaftsfähig ist, asozial wird, dann kann man scheinbar geistige Behinderung attestieren. Noch begrenzt sich dies auf das Sozialgesetz. Aber immer rigidere Eingriffe in Freiheitsrechte, in Fragen der Meinungs- und Versammlungsfreiheit beispielsweise, werden in Zukunft auch erlauben, besonders freiheitsliebende Menschen zu pathologisieren. Schon heute nennt man außerparlamentarische Oppositionskräfte Verschwörungstheoretiker, wenn sie auf das Zusammenspiel von Wirtschaft und Politik verweisen. Vom Verschwörungstheoretiker zum Irren ist es dann nur noch ein kleiner Schritt. Denn man muß es so sehen: Jemand der immer wieder querschlägt, ständig die Gesellschaft mit seinem Defätismus nervt, den reibungslosen Ablauf der gesellschaftlichen Gleichschaltung stört, also ständig ganz asozial Behinderungen in den Weg legt, die offensichtlich niemand aus der Gesellschaft haben möchte, der muß doch an inneren Barrieren leiden, der muß doch irgendwie gehemmt sein, weil er es nicht vermag, sich in die Reihen einzuordnen und mitzumarschieren. So einer leidet doch an inneren Behinderungen, der muß behindert, geistig behindert sein. Sein Wesen behindert ihn dann beim Dabeisein, beim Mitmachen, beim Mitziehen am gleichen Strang. Es kann nur sein Wesen sein, in ihm muß die Behinderung gefunden werden, denn außerhalb, im sozialen Umfeld, in der Gesellschaft, steht alles zum Besten, dort hatten und haben alle die gleichen Chancen. Wer diese nicht nutzte, kann nur selbst schuld sein, stand sich mal wieder selbst im Wege, behinderte sich selbst und die Gesellschaft der Steuerzahler: einer solchen genetisch erkrankten Figur drückt man dann den Stempel auf die Stirn, den Stempel der Behinderung.

Die bürgerliche Gesellschaft im Stile der heutigen Liberalen macht es ganz deutlich: Wer uns behindert in unserem Tun, den verhindern wir, indem wir ihn verbehindern...

55 Kommentare:

Geheimrätin 17. August 2009 um 12:41  

Roberto man könnte die nackte Panik kriegen und bald durchdrehen! Erst Steuerfahnder, dann Arbeitslose, als nächstes Eltern (in London gab es einen Fall, wo ein angeblich geistig unzulängliches Paar mit Kameras überwacht wurde, weil man sehen wollte ob die auch NAchts aufstehen und ihr Kind versorgen, wenn es schreit)

"Experten" schreiben Gutachten, Gutachten werden werden begutachtet, Menschen verachtet. Es ist zum schreien!

Wo sind die Ärzte, die Humanisten, die Anwälte, die sich für die Menschen einsetzen? Wo sind sie? Wo die Nachbarn, Freunde und Verwandten, die sich einsetzen Wo?

klaus baum 17. August 2009 um 14:19  

Irre, einfach nur irre. Wenn man den Neoliberalismus sich selbst überlässt, steuert er geradewegs auf schlimmere Zustände zu als die, die wir schon einmal hatten.

Frank F. 17. August 2009 um 14:26  

Klasse Text! (Immer wieder ... und notwendiger denn je!)

(In dieses Zusammenspiel von Wirtschaft und Politik würde ich unbedingt noch den Faktor Medien einbeziehen. Denn erst die Medien machen durch ihr Tun & Lassen dieses Zusammenspiel dauerhaft möglich und sich damit zu Mittätern in vorderster Linie!)

Eine Gesellschaft, in der eine hochkorrupte Politik in fröhlicher Straflosigkeit die Rahmenbedingungen ganz bewusst dahin gedreht hat und weiterhin dreht, dass ein Heer von zig Millionen Arbeitslosen entstehen musste und nun (unter Androhung von Sanktionen)gezwungen ist, sich um einige wenige hundertausend offene Stellen zu prügeln, ist abartig krank. Für so eine Gesellschaft kann man einfach nur noch rabenschwarz sehen.

Anonym 17. August 2009 um 15:15  

Ausgezeichnete Darstellung, Roberto!

@Geheimrätin
Ihr Ruf nach der Einmischung der Intellektuellen ist absolut berechtigt. Da findet in Deutschland so gut wie nichts statt.


Eurohasenbär, SZ-Leserforum

otti 17. August 2009 um 15:19  

Terror gegen Menschen

Monitor – Arbeitsagentur lässt Frau für geistig behindert erklären
http://www.youtube.com/watch?v=YD6WNl_DEaE

http://www.wdr.de/tv/monitor/sendungen/2009/0813/behindert.php5

Blaubeeren-Kanzlerin
http://www.bild.de/BILD/politik/2009/08/16/besuch-bei-angela-merkel/mit-der-kanzlerin-in-die-uckermark.html

Täuschland – Wir haben die Kraft für jede menschliche Erbärmlichkeit!

Übermächtig ist unser Zorn.

Der Mensch als "Kunde".
Als Kostenfaktor.
Eingebucht.
Ausgebucht.

Gewinn verbucht.
Auftrag erfüllt.

Kostenfaktor weg.
Kunde entsorgt.
Mensch vernichtet.

Was ihr dem Geringsten unter euch angetan, das habt ihr mir angetan (Jesus Christus).

Wolfgang 17. August 2009 um 15:19  

Es gab eine furchtbare Zeit in der Menschen ihre Freiheit genommen wurde und sie sich zu Tode schuften mussten. Alles unter dem Titel "Arbeit macht frei!".

Heute werden Menschen ihrer gesellschaftlichen Integretät beraubt um für nen Euro arbeiten zu müssen. Alles unter dem Titel "Sozial ist, was Arbeit schafft!".

Der Faschismus ist zurück, er hat nur gelernt mit Messer und Gabel zu essen. Aber langsam zeigt er wieder sein wahres Gesicht. Wer trotz der segensbringenden HARTZ-Gesetze seinen Platz in der Maschinerie nicht findet ist entweder ein Parasit (Clement) oder eben gesitig behindert. Wieviele Jahre wird es noch dauern bis wir derartige "Subjekte" wieder wahlweise in Arbeitslager oder Irrenanstalten stecken?

Rainer 17. August 2009 um 15:29  

«Wenn die Kraft zum Kampf um die eigene Gesundheit nicht mehr vorhanden ist, endet das Recht zum Leben in dieser Welt des Kampfes.»

Adolf Hitler
"Mein Kampf"

Anonym 17. August 2009 um 16:26  

ekelhaft.

wirklich ekelhaft.

ein kleiner schritt noch, nur noch ein kleiner schritt, bereitet schon mal eure kleidung vor, bald sind wieder aufnäher pflicht.

„Der Faschismus ist zurück, er hat nur gelernt mit Messer und Gabel zu essen.“

stimmt, vergesst die aufnäher, wir werden barcodes kriegen, RFID-chips werden sie uns einpflanzen.

herrlich!

Mike 17. August 2009 um 16:36  

@ Anonym

Die „Intellektuellen“ sind so sehr mit dem Habitus beschäftigt, das sie derartige Auswüchse gar nicht mehr registrieren. Und falls doch, ist Selbstverliebtheit in den Wohlklang des eigenen Gesülzes die absolute Prämisse.

Fehlt nur noch die Wiedereinführung der Zwangssterilisation.

Peter Hallonen 17. August 2009 um 16:40  

Die Hartz IV-Reform ist für den den genannten Missstand in den Arbeitsagenturen nicht verantwortlich. Vielmehr werden offensichtlich die vorhandenen Gesetze schlicht nicht beachtet und gebrochen. Anweisungen, die es gibt, wonach eine bestimmte Sanktionierungsquote zu erreichen ist, sind illegal und verfassungswidrig. Ob man nach dem "Vierten Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt", das hier wahrlich niemand verteidigen will, bestimmte "Klienten" ohne Vorwarnung und nach einem später nicht einsehbaren Testergebnis als behindert brandmarken darf, wage ich zu bezweifeln.

Verantwortung tragen in diesem Fall ganz klar Frank-Jürgen Weise, Vorsitzender der BA und der für die BA zuständige Bundesminister Scholz. Was von dem zu halten ist, wissen wir spätestens seit der Meldung vom letzten September (http://ad-sinistram.blogspot.com/2008/09/papageien-aufgeschreckte-hennen.html), die ohnehin schon scharfen Zumutungen für Arbeitslose nochmal zu verschärfen. Und seit im Mai Observationen von Arbeitslosen mit Genehmigung von Scholz' Ministerium zur Regel gemacht werden sollten.

Einziges Mittel zur Gegenwehr: bei der Bundestagswahl wählen gehen und alle Parteinamen durchstreichen. Wenn nur ein Viertel der Stimmen als ungültig registriert würden, könnte sich die korrupte Regierung nicht mehr im Amt halten.

landbewohner 17. August 2009 um 17:00  

das ist faschismus - allerdings ist dieses verhaltensmuster altbewährt und erprobt. schon zu zeiten der bundesanstalt wurden "störenfriede" zum medizinischen dienst eingeladen um zum querulanten oder ähnlichem abgestempelt zu werden. und es war die regel, daß sozialarbeiter und fachanleiter (meister, ings) beurteilungen über kursteilnehmer anfertigten, in denen sie sich trotz fehlender fachlicher qualifikation über charaktere und gesundheitsmängel ausliessen. der faschismus war in der brd immer präsent, nur zeigte er sich lange nicht so ungeniert wie jetzt wieder.mir graust, wenn ich daran denke, daß das "passende" personal in ämtern und behörden schon jetzt installiert ist.

Anonym 17. August 2009 um 17:06  

"[...]Jemand läßt Propaganda nicht über sich ergehen, gibt Widerworte, weiß es immer besser, pocht auf sein Recht? Soviel Querulanz ist doch krankhaft! Jemand bezweifelt, ob ein Wirtschaftssystem aus Wachstum und Expansion einen Segen für die ganze Menschheit darstellt? Wer hier zweifelt ist boshaft, muß geradezu geistig behindert sein![...]"

Diese Erfahrung machte die Autorin des Blogs http://mutig-mutig.org schon - in Ihrem Buch schreibt die davon, dass die in der Jugendpsychiatrie - auf Veranlassung ihrer Eltern war. Der Grund? Anpassungsschwierigkeiten.

Toll, biste nicht angepasst, dann ab in die Psychiatrie.

Sie hat sich aber nicht unterkriegen lassen und ein Buch über ihre Protestgeneration - die von Heiligendamm etc. - geschrieben.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 17. August 2009 um 17:13  

Noch was, die Bloggerin von "Mutig Mutig!" schreibt in ihrem Buch von ihren Erfahrungen als Außenseiterin (Punkerin), der neuen Protestebewegung der heutigen Jugend (sie ist Jahrgang 1983) - einziger Wermutstropfen, Sie hat was gegen Ein-Euro-Jobber in ihrer Zeit eines Freiwilligen Sozialen Jahres - ist aber gegen Hartz IV.

Irgendwie seltsam, aber dennoch lesenswert, da es mir - als altem Hasen - gezeigt hat, dass es eben doch wieder eine neue Generation gibt, die Protest übt, wenn auch m.E. zu zaghaft.

Franz. Zustände, wie anno 1789 sind längst überfällig in .de.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Mike 17. August 2009 um 17:26  

@ Peter Hallonen

Sie belieben zu scherzen. Hartz IV ist nicht die Lösung, sondern Teil des Problems. Dieses Machwerk tritt das deutsche Grundgesetz mit Füßen und gehört daher eingestampft. Mitsamt seinen Anhängern.

Anonym 17. August 2009 um 18:13  

@Mike

Seh ich ganz genauso!

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 17. August 2009 um 18:19  

Ergänzung:

Eigentlich sind doch die behindert, die andere Menschen als Behinderte abstempeln wollen? Oder?

Vera Stein, ein Psychiatrie-Opfer, dass bis zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ging, um ihr Recht auf Normalität durchzusetzen schrieb einmal:

"Behindert ist man nicht, behindert wird man."

Neu sind Skandale, wie der Geschilderte nicht - siehe mein Hinweis auf Vera Stein - Neu daran ist lediglich, dass der Gesetzgeber diese wieder legalisiert, und da gehört ein Riegel vorgeschoben, den mit der Legalisierung vom Abstempeln von Menschen sind wir wieder bei der Euthanasie gelandet!

Der Arzt, der die Arbeitslose als "geistig behindert" aussortiert hat, nach psychologischem Test - ohne die Getestete überhaupt persönlich zu kennen - diesem Arzt gehört seine Zulassung entzogen.

Er erinnert mich fatal an Mengele & Konsorten - Der Typ Mengele ist wohl wieder überproportional vertreten bei der dt. Ärzteschaft, oder wie sonst soll man sich erklären, dass heute in Arztpraxen für die neoliberale Partei der Besserverdiener - der FDP - geworden werden soll, im Bundestagswahlkampf:

Hier mehr - unter Punkt 12 - dazu:

http://www.nachdenkseiten.de/?p=4132#h12

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 17. August 2009 um 18:38  

danke für den artikel roberto.

Ich lebe in österreich und habe keine arbeit. Vom AMS wurde mir nun ein "Projekt" empfohlen. Dieses hat einen sozialen hintergrund und es wird mir dabei geholfen am 1. arbeitsmarkt einen platz zu finden.
Der platz dort, wird mir allerdings nur finanziert, wenn ich als behindert gelte. Es wurde eine ängstlich-/vermeidende persönlichkeitsstörung befunden.

Von diesem Projekt erhoffe ich mir die chance, mich zu entwickeln und auf unterstützende integration in den arbeitsmarkt. Als behindert zu gelten ist für mein selbstvertrauen aber negativ und auch eine schublade in die man gesteckt, und leichter kontrollierbar, wird. Aber wie gesagt, ich weiß nicht wie ich unabhängig, den weg schaffen könnte...
(mein arzt hat mir gesagt, dass der behindertenstatus nachher wieder abgelegt werden kann. Das ist mein ziel)

Margitta Lamers 17. August 2009 um 19:22  

Und irgendwann kommt dann wieder die Beteuerung: "Das haben wir nicht gewusst"

Ja sicher, wer Augen und Ohren fest verschließt, bekommt auch nichts mit. Wer seine Zeit mit Kochsendungen, DSDS und dergleichen verbringt, braucht sich auch keine Gedanken zu machen.

Zur Zeit finde ich diese Ignoranten einfach nur zum Kotzen

Gruß Margitta

Peter Hallonen 17. August 2009 um 20:07  

@Mike: Hartz IV war neben den anderen Hartz-Reformen das schlimmste Gesetz der letzten Jahre. Wie Sie darauf kommen, dass ich Hartz IV befürworten würde, verstehe ich nicht. Mein Anliegen war es lediglich, auf die politischen Verantwortlichkeiten hinzuweisen. Auch abseits des Gesetzestexts wird massives Unrecht betrieben.

Hartz IV ist nur Ausdruck des politischen Willens, die staatliche Kontrolle über das Leben jedes einzelnen auszuweiten und dem Volk unrecht anzutun. Um Marktradikalismus geht es nicht, der ist nur der Deckmantel für Unrecht. Es würde schon reichen, wenn wir einen Bundeskanzler hätten mit einem guten Willen, dann würde so einiges Unrecht aufhören.

Anonym 17. August 2009 um 20:27  

"[...](mein arzt hat mir gesagt, dass der behindertenstatus nachher wieder abgelegt werden kann. Das ist mein ziel)
[...]"

So einfach geht das in Österreich? Also ich kenne manche die kämpfen ihr Leben lang dafür wieder als "geistig normal" zu kämpfen.
Ähnlich wie Vera Stein oben.

Geheimrätin 17. August 2009 um 21:37  

anonym 18:38
hat dein Artzt dir auch gesagt, wie du den Behindertenstatus wieder loswerden kannst?!

Sprachlosigkeit, Fassungslosigkeit

Anonym 17. August 2009 um 22:55  

"[...]Hartz IV ist nur Ausdruck des politischen Willens, die staatliche Kontrolle über das Leben jedes einzelnen auszuweiten und dem Volk unrecht anzutun. Um Marktradikalismus geht es nicht, der ist nur der Deckmantel für Unrecht. Es würde schon reichen, wenn wir einen Bundeskanzler hätten mit einem guten Willen, dann würde so einiges Unrecht aufhören.
[...]"

Du hast aber schon etwas von den Machern von Hartz IV gehört, die alle deiner angeblich so unschuldigen marktradikalen Idee frönten bevor die die Agenda 2010 beschlossen haben? Oder?

Mike 17. August 2009 um 23:32  

@ Peter Hallonen

Bitte? Woher dieser plötzliche Sinneswandel? Zuerst behaupten Sie, Hartz IV wäre nicht die Ursache, sondern nur dessen falsche Anwendung. Danach schieben Sie die Verantwortung auf die Politiker. Wat denn nu? Sagen Sie doch ganz offen und ehrlich, wessen Geistes Kind Sie sind. Danach kann ich immer noch entscheiden, ob ich mich auf einen Disput mit Ihnen einlasse, oder nicht. ;-)

Tim 18. August 2009 um 04:24  

@Mike:

"Fehlt nur noch die Wiedereinführung der Zwangssterilisation."

Kommt alles, nur Geduld. Denk mal an den liebenswerten Bundesbänker, der zuvor Finanzsenator von Berlin war.

Anonym 18. August 2009 um 04:30  

ich bin erschüttet und fassungslos- dieser Beitrag ist auch sehr lesenswert und geht in die selbe Richtung einen schritt weiter Richtung totaler totalitärer Verwertungslogik; hier der link

http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/579402/

Anonym 18. August 2009 um 06:36  

Stattdessen muss sich eine transnationale soziale Gegenbewegung konstituieren, die dem Kapitalverhältnis gegenüber bewusst „verantwortungslos“ ist. Das bedeutet, gerade in der Krise immanente Forderungen zu erheben (etwa ausreichend hohe gesetzliche Mindestlöhne, Erhöhung der Transfereinkommen, Ausbau statt Abbau der öffentlichen Daseinsvorsorge), deren Durchsetzung nicht mehr dem politischen Dienstweg folgt, sondern eine eigene polizeiwidrige Eingriffsmacht entwickelt. Wenn sowieso die Inflation kommt und die Lebensbedürfnisse nach herrschenden Kriterien „unfinanzierbar“ werden, braucht sich eine soziale Gegenbewegung nicht mehr auf die Milchmädchenrechnungen des Finanzierbarkeitsterrors einzulassen. Das setzt allerdings den transitorischen Charakter einer solchen Bewegung voraus, der auf die Übernahme der „ganzen Bäckerei“ zielt und erstmals ein sozialistisches Ziel gesellschaftlicher Planung jenseits der Logik von abstrakter Arbeit und Verwertung auf die historische Tagesordnung setzt.

uggelmuggel 18. August 2009 um 10:57  

passend dazu

http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/Gier-Geld-Hirnforschung;art1117,2825948

auch am anderen ende des gesellschaftlichen spektrums leidet man unter den genen. wie schrecklich!
nur gut, das wir jetzt alle bescheid wissen...

He-Ka-Te 18. August 2009 um 11:02  

Das geht doch bereits in den Grundschulen schon los und setzt sich dann im Laufe des Lebens fort. Wenn in der Grundschule schon Kinder ausgemustert werden, weil sie langsamer als andere sind, wenn sie auf Förder(vormals Sonder-)schulen überwiesen werden, weil sie auf Grund Scheidungsprobleme oder familiären Todesfällen kurzfristig den Sinn des Lernens nicht mehr wahrnehmen und entsprechend blocken. Wenn Kinder Ritalin verschrieben bekommen, weil die LehrerInnen sich durch ihr Verhalten gestört oder beeinträchtigt fühlen, dann, ja dann läuft hier im Staat etwas ganz und gar verkehrt. Noch schlimmer ist und wird es, wenn das dann auch niemand sehen will und den Kindern eine "verdrehte Wahrnehmung" unterstellt. So läuft der Hase hier in unserem Land. Genauso - und die wenigsten lehnen sich dagegen auf. Stattdessen schweigen sie, weil sie Angst haben das ihr Kind durch Reden nur noch mehr benachteiligt wird. Sie haben ja recht, überwiegend ist dem so. Die Kinder werden für die Eltern bestraft. Da hilft nur eines: Eltern müssen sich zusammentun. Je mehr sie sind, desto größer die Chance Veränderungen zu bewirken. Wenn von 900 Schülern in einem Jahr plötzlich 50 auf eine Förderschule sollen, oder 35 plötzlich Ritalin-Fälle werden, da kann keine Schulaufsicht die Augen schließen. Noch jedenfalls nicht. setzt sich der Zusammenhalt fort und überträgt sich auf sämtliche Schulen landesweit, dann kommen die da oben mächtig ins Trudeln.

Die Kinder werden bereits indirket so hingebogen, daß sie im späteren Leben durchaus geneigter dazu sind andere die schlechter sind als sie selbst, zu brandmarken, zu diskriminieren. Bei den Kindern müssen wir ansetzen, dann haben wir später weniger die den Umtrieben von oben hörig sind. Wen haben die Kinder denn, wenn nicht uns? Wen hat die Zukunft denn, wenn nicht unsere Kinder?

Anonym 18. August 2009 um 11:23  

@Geheimrätin
Nein hat der arzt nicht. Aber ich werde mich sowieso noch genauer erkundigen bevor ich die unterlagen wegschicke...
Wenn die ganze sache mehr nachteile anstatt vorteile für mich hat, verfolge ich die sowieso nicht weiter.

Wollte nur kurz schildern, dass es in Ö von seite der arbeitsargentur gängig ist, menschen mit psychischen problemen verschiedener art, nur auf ausstellung eines behindertenausweises; in solche projekte zu stecken. Auch wenn das nicht 100% mit dem fall dieser frau vergleichbar ist, ist es letztlich die selbe praxis menschen so abzustempeln zu wollen. Deswegen auch mein unbehagen.
Aber menschen die in einer schlechten situation und gewissermaßen verzweifelt sind und sonst keine partner oder familie haben, für die ist so ein gang eine möglichkeit doch den sprung hinein in ein vernünftige erwerbstätigkeit zu schaffen. Wenn auch leider ein zweifelhafter...

Frank W. 18. August 2009 um 12:06  

Hi.
Ich befasse mich erst seit ein paar Jahren mit diesen Blogs, leider. Ich bin Ihnen dankbar für diesen Beitrag.
Vor gut 23 Jahren, also im Alter von 8 oder 9 Jahren war ich ein besonders ruhiges Kind, beide Eltern Alkoholprobleme, daher stellte ich die Konversation größtenteils ein, auch weil mein Vater zur Gewalt neigte wenn er von der Arbeit kam... Eines Tages also wurde ich von der Mutter zu einem Arzt gefahren. Ich fühlte mich ja recht gesund, daher war ich gespannt wo es hinging. Angekommen dämmerte es mir langsam, mir wurden komische Dinge (aus der Sicht von damals) am Körper angeklebt, an Maschinen angeschlossen. Ganz offensichtlich wollten meine Eltern wissen ob ich vielleicht zurückgeblieben bin, meine Mutter verlor während der Fahrt kein Wort. Ich dachte mir "warum fragen sie mich nicht einfach, statt immer nur zu brüllen Mach Dies!, Sei ruhig!...?". Der Arzt verblüffte meine Muter als er ihr mitteilte daß ich sogar überintelligent sei und man mir viele Bücher zu lesen geben solle. Die Bücher musste ich mir immer selbst beschaffen und mein Verhältnis zu Alkohol und Gewalt wurde auch nicht besser. Ich war einfach nie in der Lage mich anzupassen, wurde während meiner Vorbereitung zum Abitur mit Zeitungsausschnitten versorgt über diverse Jobangebote im Niedriglohnsektor. Durch meine Verweigerung mich wirklich anzupassen wurde ich in der Familie stets als Aussenseiter behandelt, die Ablehung in der Luft schwirrend, allgegenwärtig.
Durch das Studieren von Seiten wie dieser hier und z.B. den Nachdenkseiten bekomme ich zum ersten mal im Leben wirklich Angst. Ich kam bisher immer zurecht, hab mich allerdings auch immer versucht für die einzusetzen denen es nicht so gut geht. Ohne großen Erfolge :(
Erst letztens saß ich mit alten Jugendfreunden zusammen, einer wird dieses Jahr noch Arzt, einer ist Physiker, eine ist Psychologin, einer angehender Ingenieur. Allesamt intelligente Menschen die etwas bewegen können, das weiß ich. Ein gemütlicher Cocktailabend mit Knabberkram, Gespräche über Arztserien und Malcolm Mittendrin. Popstar-castings wurden auch angeschnitten.
Jegliche Versuche größere Themen anzuschneiden blieben erfolglos. Erst wenn es uns schlecht geht interessieren wir uns für das was uns über all die Jahre zermürbt hat fürchte ich.
Ich muss auch widersprechen. Der Faschismus ist nicht im kommen, er ist längst eingetroffen und hat es sich gemütlich gemacht. Klar versuchen sie heutzutage nicht mit Paraden und Marschmusik die Massen zum "Wegsehen" zu bringen. Das ist doch heute viel einfacher... Deshalb wird auch der ärmste HartzIV Empfänger immer genug bekommen um sich eine Flatrate leisten zu können oder einen Fernseher.
"Unsere Würde und unseren Stolz könnt ihr uns nehmen, aber niemals das Internet und das TV!"
Naja so oder so ähnlich hab ich das in Erinnerung.

Ich habe wirklich ein wenig Angst.

Anonym 18. August 2009 um 15:24  

"[...]Wenn auch leider ein zweifelhafter...
[...]"

Yep, werter Baron von Münchhausen! *grins*

Anonym 18. August 2009 um 15:32  

@Frank W., all

Stellt euch doch mal folgende Frage:

Was ist, wenn nicht der/die Betroffene geistig krank ist sondern das kapitalistische System?
Irgendwie, nicht erst seit der Lektüre des "Schwarzbuches Kapitalismus" kommt mir der Gedanke immer mehr auf - Der Kapitalismus/die Marktwirtschaft ist der wahre Geisteskranke, der die eigene Geisteskrankheit eben auf Menschen überträgt.

Übrigens, noch ein interessanter Satz: "Früher rannte alles in die Kirche - zum Beichtvater - heute rennt alles zum Psychologen, d.h. mit der Psychologie hat Siegmund Freud uns eine weltliche Ersatzreligion geschaffen, und dies werde ich bei jedem psychologischen Test so belegen.

Sogar hier bin und bleibe ich Ketzer.

Frei nach Marx:

"Religion ist Opium für das Volk!".

....und zwar egal in welcher Form...

als Ergänzung zu Karl Marx....

Der Kommunismus/Sozialismus hat sich selbst erledigt, nun ist der neoliberale Kapitalismus dran, und schlägt - Ironie der Geschichte - mit den selben Mitteln um sich wie totalitäre Staaten.

Soviel ich weiß landeten z.B. in der Sowjetunion prominente Regimekritiker, wie z.B. Sacharow, auch in der Psychiatrie: Diagnose? Wahrscheinlich "Anpassungsschwierigkeiten" oder "regimekritisches Verhalten".

Nein, dank Roberto J. de Lapuente ist mir klar, der neoliberale Irrsinn liegt in den letzten Zügen und überlebt nur dank "Zombie Capitalism" bzw. der Übertragung der eigenen Geisteskrankheit auf Individuen, wie hier geschildert.

Mehr Menschen sollte dies bewußt sein, die wahren Geisteskranken sind überzeugte Neoliberale in Politik, Wirtschaft und Medien bzw. deren verrückte Ideologie.

Ein Ketzer

Anonym 18. August 2009 um 15:40  

Das Weiterreichen von Angst gehört zum System.
Dies geschieht in Völkern, in Betrieben usw. (un)bewusst immer dann, wenn Menschen oder FunktionsträgerInnen bzw. Parteien + Regierungen ABSOLUT nicht mehr weiterwissen, keine Lösungen mehr haben, sich im Kreis drehen, die Leiter nicht mehr finden, um aus ihren Schubladen herauszukrabbeln und nur noch ein 'Entweder-Oder' für möglich halten.
Ihre Rat- und Hilflosigkeit halten sie nicht in sich, um daraus dann mal kreative Wege erwachsen zu lassen … (dauert denen zu lange).
Deshalb ist es auch kein Wunder, dass nun z. B. Beschäftigte der Ministerien der Langeweile frönen und die Konzept- bzw. Gutachtenerstellung noch häufiger an idealisierte Kanzleien/ Wirtschaftsmenschen usw. vergeben werden – nachdem die Rhetorikschiene bei politikerns nicht mehr ganz so gut funktioniert wie in den letzten Jahren gedacht. Die Leute sind ja nicht (ewig) blöd und merken (scheinbar erst im Falle eigener Betroffenheit), dass sie rhetorisch ver…äppelt wurden.

Im Grunde halten sich die Angstmacher selber nicht mehr aus, nur wissen sie das nicht und suchen sich dann Sündenböcke … zum Ableiten der ANGST.
Und inzwischen scheinbar nun auch in immer mehr institutionalisierter Form (wie der Monitor-Bericht zeigte) anstatt für mehr anständige und menschengerecht bezahlte Vollzeit-Erwerbsarbeitsplätze zu sorgen und die Ursachen der sog. Finanzkrise endlich mal und zudem eben auch global umspannend anzugehen. Aber das würde sie ja aus ihrer Bequemlichkeit ziehen, die sie ebenfalls lieber anderen zuschreiben.
Wenn ich sehe, wie ähnlich sich die Parteiprogramme inzwischen sind (viele favorisieren z. B. immer mehr das ebenfalls Lohndumping-fördernde Ehrenamt (das in Zeiten der Vollbeschäftigung sicher ein löbliche Sache war) – daran wird besonders deutlich, dass die meisten Parteien und Funktionsträger in Behörden/ Unternehmen echt nicht mehr weiterwissen und mal wieder einem (un)bewussten Herdendenken folgen … eben aus besagter, selbst nicht wahrgenommenr ANGST.
Die eigene Unwissenheit und fehlende Bildung wird anderen (Schwachen?) unterstellt und nun als ‚geistige Behinderung‘ deklariert, um sich so wieder ein paar Stufen höher zu wähnen. In der Psychologie nennt man so etwas ‚Projektion‘ bzw. ‚Projektive Identifizierung‘. Es ist die Angst vor der Abwärtsspirale.
Das Schärfste dabei ist noch, dass Einrichtungen wie ZUM BEISPIEL Behinderteneinrichtungen (oder aber viele der Träger von Tafeln, Krankenhäusern, ) davon einen finanziellen Nutzen haben werden, mindestens über Subventionen, Mittelzuweisung, usw.. So bleiben deren Finanzierung und Erwerbsarbeitsplätze gesichert.
Da parasitiert einer vom anderen auf Kosten von Menschen und der Menschlichkeit … UND UNTER DEM DECKMANTEL DER MENSCHLICHKEIT – als könnten Menschlichkeit, betriebswirtschaftliches und volkswirtschaftliches Denken und Handeln nicht gemeinsam verwirklicht werden. Pfui.

Kassandra 18. August 2009 um 16:14  

Ich hätte da mal zum Wahlsystem 3 Fragen:

1: Wenn einE WählerIn eine ungültige Stimme abgibt, errechnet sich dann das prozentuale Wahlergebnis nach den abgegebenen gültigen Stimmen oder ausgehend von allen abgegebenen Stimmen?

1a: Zählen bei der Sitzverteilung auch die ungültigen Stimmen?

2: Parteien erhalten bei einer Wahl für jede abgegebene Stimme einen Betrag zur Subventionierung der Parteien, wohl nach einem best. Schlüssel, wie z. B. prozentuales Ergebnis bei der Wahl.
Erhalten sie diesen Betrag auch für die ungültig abgegebenen Stimmen?

3: Ist die Wahlbenachrichtigung nicht Eigentum des Wählers? Kann er sie nach der Wahl wieder mitnehmen? oder wird die Wahlbenachrichtigung nach der Wahl für die Abrechnung besagten Parteienzuschusses verwendet?

Ich habe u.a. im Wahlrecht recherchiert, bin dazu aber nicht ausreichend fündig geworden. In Blogs usw. heißt es mal hüh, mal hott. Eine Quellenangabe hierzu wäre schön. Dank im voraus.

Anonym 18. August 2009 um 16:43  

"[...]Da parasitiert einer vom anderen auf Kosten von Menschen und der Menschlichkeit … UND UNTER DEM DECKMANTEL DER MENSCHLICHKEIT – als könnten Menschlichkeit, betriebswirtschaftliches und volkswirtschaftliches Denken und Handeln nicht gemeinsam verwirklicht werden. Pfui.
[...]"

Hatten wir alles schon einmal: Nur damals hieß der Kanzler Hitler statt Merkel - Wer die Vorgeschichte der Euthanasie kennt, dem kommt einiges bekannt vor - Die "Behinderten" damals wurden nämlich oft zu Behinderten gemacht, weil die die Nazis von Anfang an abgelehnt haben - Gunter Haug, wo anders erwähne ich den Autor, hat dazu ein sehr treffendes Buch geschrieben "Aufrecht durch dunkle Zeiten...."

Als ich das Buch zum ersten Mal las dachte ich so etwas darf es nie wieder in Deutschland geben, aber leider hat mich die marktradikal-faschistische Merkel eines Besseren belehrt.

Familienpartei 18. August 2009 um 16:53  

DAS SCHWEIGEN DER INTELLEKTUELLEN ?

In der Presse, in den Medien und generell in der Öffentlichkeit sind die Stimmen kritischer Intellektueller nicht vertreten und wenn sie doch mal zu Wort kommen, werden sie vorgeführt.
Ich erinnere da mal an Oskar Lafontaines "Arbeiter-an-Kapitalgewinnen-beteiligen"-Statement, das ihm so ausgelegt wurde, dass er (fast) als Kommunist/Sozialist gebrandmarkt wurde.

Ich halte das "Schweigen der Intellektuellen" eher für eine mediale Täuschung des öffentlichen Bewusstseins. Die Medien gewähren den Intellektuellen schlicht KEINE Sendezeit.
Denn es gibt kritische intellektuelle Stimmen. Man findet sie durchaus noch an den Universitäten und sogar in Behörden, in Arztpraxen, in Internetforen und auch in Form von gedruckten, gebundenen Publikationen.

Diese Stimmen werden aber nicht über die Hauptmedienkanäle ausgestrahlt, daher scheinen sie nicht zu existieren.
Das ist eine bewusste, inszenierte Täuschung der Öffentlichkeit.
Medienmanipulation.
Interessengruppen ziehen im Hintergrund die Fäden und spiegeln uns eine bestimmte Welt vor.


Ich empfehle nochmals:
"Postdemokratie", colin crouch, suhrkamp
Schöne Zusammenfassung und gut zu lesen.

Anonym 18. August 2009 um 18:27  

Guten Tag,

das ist schon das Maximum an geistiger Brutalität und Abnormität, was hier an Stumpf- und Schwachsinn geboten wird!

Es ist jedenfalls nicht zu übersehen, dass der Leiter dieses Instituts selber einen an der Waffel hat. Er schämt sich nicht einmal, einer Frau "geistige Behinderung" formularisch auszustellen, obwohl er sie noch nie gesehen hat.

Dieses formularische Armutszeugnis scheint wohl jeden zu treffen, der für Mister Institut das Obst- und Gemüse konserviert, welches er dann bequem kaufen kann.

Es würde diesem gottlosen Speichellecker nicht schaden, seine Schmeis-Fliegen selber zu fangen. Dann würde er die Bedeutung einer Obst- und Gemüsekonserviererin wenigstens erkennen.

Ich kann es einfach nicht glauben, was ich hier gerade in diesem Video gesehen habe! Einfach unfassbar!

mfg, Natascha K.

Anonym 18. August 2009 um 19:33  

@Familienpartei

Völlige Zustimmung, aber einen Punkt möchte ich noch ergänzen, die Intellektuellen kommen doch zu Wort, nur leider die Neoliberalen, die sich für intellektuell halten.

Ist aber, wie auch du schon richtig schreibst, ein Problem der Medien, die weitgehend - siehe das auch hier beschriebene unsägliche Interview mit Frey/Lafontaine - "Neokonservativ", d.h. neudeutsch für marktradikal ausgerichtet sind.

Eine Gegenöffentlichkeit tut also auch hier - im TV-Bereich - not.

Tja, vielleicht tut sich ja mal was im Internet und es gibt bald ein GEZ-unabhängiges TV, dass nix mit Bertelsmann/Springer & neoliberal co. zu tun hat?

Ich weiß es nicht, aber es wäre wohl wirklich wünschenswert, denn wie heißt es so schaurig-schön in einem mir bekannten Spruch: "Wer die Medien beherrscht, der beherrscht auch die Meinung" :-( ;-)

Bei Intellektuellen bin ich in Deutschland schon vor den Neoliberalen, die sich selbst als intellektuell bezeichnen, auch wenn wir die nicht so sehen, vorsichtig geworden - in einer Stadt in meiner Nähe gab es auch einmal einen weltweit bekannten Intellektuellen, der sich von 1933 - 1945, trotz aller Intellektuellität nicht zu schade war Adolf H. nachzurennen. Nach dem Krieg war natürlich alles vergessen, und der Philosoph konnte weitermachen als wäre nix gewesen - im Gegensatz z.B. zu Adorno, der aus Deutschland fliehen mußte, um weiterzudenken.

Hier gibt es auch für Historiker, aus dem nicht-neoliberalen Millieu, einiges herauszufinden, denn ich denke mal, dass der mir bekannte Intellektuelle, nicht der einzige war, der den Nazis hinterherrannte, und nach dem Krieg das Gegenteil erzählt hat.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

PS: Der mir bekannte hieß übrigens Martin Heidegger.

Beim Surfen fand ich z.B. dies über ihn:

http://www.trend.infopartisan.net/trd0902/t420902.html

Ich bin sicher heute müßte man schreiben "Philosoph und Marktradikaler" statt "Philosoph und Nazi", wenn M. Heidegger noch leben würde.

klaus baum 18. August 2009 um 19:55  

DAS SCHWEIGEN DER INTELLEKTUELLEN?

Wenn man Intellektualität definiert als die Fähigkeit, Gegenwart kritisch zu reflektieren, gibt es eine Menge Intellektuelle, die sich allerdings vorwiegend in Blogs zu Wort melden.

Roberto ist einer von ihnen.

Anonym 18. August 2009 um 20:40  

Leider ist es so, daß sich die Praxis, mißliebige Personen für verrückt erklären zu wollen, nicht auf dieses Hartz-Zeug beschränkt. Ich lebe in Saarbrücken und dort hat die Gastronomie absolute Priorität, das Kneipenviertel wird praktisch vom DeHoGa regiert. Die Einhaltung der gesetzlichen Ruhezeiten wird weder geachtet noch kontrolliert. Anzeigen bei Polizei oder Ordnungsamt verschwinden unbearbeitet in den Aktenschränken. Gegen Beschwerdeführer geht man dann massiv vor, indem diese plötzlich und ohne jede Vorankündigung eine Vorladung der geschlossenen Psychatrie per Brief einer psychatrischen Klinik, veranlasst vom Ordnungsamt, wie erst mühsam herausgefunden werden muß, vorfinden. Es sind Leonid-Breschnew-Methoden, praktiziert unter einer SPD-Oberbürgermeisterin. Ich will damit nicht diese widerlichen Hartz-Praktiken relativieren, sondern verdeutlichen, daß das Problem weit umfassender ist.

Anonym 18. August 2009 um 20:45  

"Der Faschismus ist zurück, er hat nur gelernt mit Messer und Gabel zu essen."

nun,
das ist in gewisser weise nichts neues, leider haben die meisten menschen es einfach nicht bemerkt, das neo-liberalismus so etwas fördert ...

oder,
manche haben es gefördert aus dem kalkül heraus, das sie am ende zu den nutznießern gehören mögen ...

also "fördern und fordern" passt doch wie die faust auf's auge ...

wollen wir mal abwarten, wie die nächsten wahlen ausgehen, und ebenfalls staunend aus der röhre schauen, was dann auf die normale bevölkerung losgelassen wird ...
höhere besteuerung unterer einkommen,
zwangsarbeit für erwerbslose ( damit meine ich nicht ein-euro-jobs),
senkung des höchststeuersatzes,
absenkung der normalen löhne und der renten,
militär im inland zur unterstützung der polizei (da sie in den letzten jahren massiv vernachlässigt wurde)
usw.

wird bestimmt toll, und spätestens dann werde ich auch zum von mir verachteten DSDS glotzer, oder wander aus ...

nein, nein, und nochmals nein,
ich verstehe einfach nicht das wir menschen es einfach nicht hinbekommen zusammen zu leben, ohne uns immer wieder herabwürdigen zu lassen, nur weil es ein paar leute gibt die gieriger und rücksichtsloser als der durchschnitt sind ...

es ist zum jammern ...

lg,
e

klaus baum 18. August 2009 um 21:05  

Ein Nachtrag: Der Irrsinn der ARGEN-Verhätlnisse ist eine Konsequenz der Tatsache, dass Hartz IV den Köpfen von Leuten entsprungen ist, die "mentally disturbed" sind.

freethinker 18. August 2009 um 21:58  

Neoliberalismus strebt direkt zum Faschismus.

Diese ganzen grundgesetzwidrigen Aktionen der Verbrecherpolitiker dieses Regimes müssen von den Menschen dieses Volkes endlich zur Rechenschaft gezogen werden.

Die Verantwortlichen in den Ämtern verstecken sich hinter den imaginären Institutionen wie vor 70 Jahren.

Anonym 19. August 2009 um 00:01  

"[...]Es sind Leonid-Breschnew-Methoden, praktiziert unter einer SPD-Oberbürgermeisterin. Ich will damit nicht diese widerlichen Hartz-Praktiken relativieren, sondern verdeutlichen, daß das Problem weit umfassender ist.
[...]"

Stimmt, die böse SPD, und die CDU/CSU führt dies ja eh nicht so, und der Hinweis auf einen Kommunisten paßt ja auch - Marktradikale, auch Neoliberale genannt, sind ja auch bekennende Antikommunisten....

Du willst die Hartz-Praktiken wirklich nicht relativieren? Wieso schlägst du dann nur auf Menschen ein, die teilweise Hartz IV mitzuverantworten haben (SPD-Rechte) und auf solche, die aus der Linkspartei-Ecke (Leonid-Breschnew-Methoden) dagegen sind?

Würde mich echt einmal interessieren?

Die neoliberalen Berater von Merkel/Schröder sind natürlich nur mißverstandene Kreaturen, die nur das beste wollen, sogar mit Mitteln der Zwangseinweisung in die Psychiatrie. Nein, für mich gibt es keine Rechtfertigung für so einen Zynismus, der hier verbreitet wird, und endlich verstehe ich.....

Seldon 19. August 2009 um 08:35  

Anonym 18. August 2009 15:32
Was ist, wenn nicht der/die Betroffene geistig krank ist sondern das kapitalistische System?
Irgendwie, nicht erst seit der Lektüre des "Schwarzbuches Kapitalismus" kommt mir der Gedanke immer mehr auf - Der Kapitalismus/die Marktwirtschaft ist der wahre Geisteskranke, der die eigene Geisteskrankheit eben auf Menschen überträgt.


Naja, nun ist Kapitalismus als Wirtschaftsform/Gesellschaftssystem ein gesellschaftliches Verhältnis zwischen Menschen, und kann als solches natürlich nur im übertragenen Sinne "krank" sein. Aber er (der Kapitalismus) macht natürlich krank, geistig und körperlich, weil der Mensch eben nur als Mittel zum Zweck der Kapitalverwertung angesehen wird. Zum Thema kann man sich aktuell auch im Spiegelforum betun (http://forum.spiegel.de/showthread.php?t=8306)
Ich empfehle Erich Fromm, der hat's recht eingängig analysiert: Erich Fromm ("Der moderne Kapitalismus braucht Menschen, die in großer Zahl reibungslos funktionieren, die immer mehr konsumieren wollen, deren Geschmack standardisiert ist und leicht vorausgesehen und beeinflußt werden kann. Er braucht Menschen, die sich frei und unabhängig vorkommen und meinen, für sie gebe es keine Autorität, keine Prinzipien und kein Gewissen – und die trotzdem bereit sind, sich kommandieren zu lassen, zu tun, was man von ihnen erwartet, und sich reibungslos in die Gesellschaftsmaschinerie einzufügen; Menschen, die sich führen lassen, ohne daß man Gewalt anwenden müßte, die sich ohne Führer führen lassen und die kein eigentliches Ziel haben außer dem, den Erwartungen zu entsprechen, in Bewegung zu bleiben, zu funktionieren und voranzukommen. […] Jeder glaubt sich dann in Sicherheit, wenn er möglichst dicht bei der Herde bleibt und sich in seinem Denken, Fühlen und Handeln nicht von den anderen unterscheidet" (Die Kunst des Liebens) "Der Konsumideologie liegt der Wunsch zugrunde, die ganze Welt zu verschlingen, der Konsument ist der ewige Säugling, der nach der Flasche schreit. (Haben oder Sein. ))
Man muß "bedenken, von welchem
Geist unsere heutige Industriegesellschaft erfüllt ist. Der Mensch hat sich in ei-
nen homo consumens verwandelt. Er ist unersättlich und passiv und versucht
seine innere Leere mit einem ständigen, stets wachsenden Konsum zu kompen-
sieren. Es gibt viele klinische Beispiele für diesen Mechanismus, bei dem über-
mäßiges Essen, Kaufen und Trinken eine Reaktion auf Depression und Angst ist.
Konsumiert werden Zigaretten, Schnaps, Sex, Filme, Reisen, Bildungsgüter wie
Bücher, Vorlesungen, Kunst. Der Mensch macht den Eindruck, als sei er aktiv
und höchst angeregt, in seinem tiefsten Innern ist er jedoch erfüllt von Angst, ist
er einsam, deprimiert und gelangweilt. (Langeweile kann als jene Art chronischer
Depression begriffen werden, die man erfolgreich mit Konsum kompensieren
kann.) Die Industriegesellschaft des zwanzigsten Jahrhunderts hat diesen neuen
psychologischen Typ, den homo consumens, in erster Linie aus wirtschaftlichen
Gründen geschaffen, d. h. um des notwendigen Massenkonsums willen, der
durch die Werbung stimuliert und manipuliert wird. Aber der einmal geschaffene
Charaktertyp beeinflusst seinerseits wieder die Wirtschaft und lässt das Prinzip
der ständig zunehmenden Befriedigung vernünftig und realistisch erscheinen....... Au-
ßerdem möchte er alles, was die andern haben, auch besitzen und sieht in ihnen seine Konkurrenten. Daher ist er im Grunde isoliert und voller Angst. Er kann
Kunst und andere kulturelle Anregungen nie wirklich genießen, weil er immer
mehr haben möchte."

romano 19. August 2009 um 08:48  

Es ist erschreckend, wie sich eine oberflächliche Meinungswelt etabliert, die funktionale Selektion nach einem schwarz-weiß Schema vollzieht, nach einem Schema tauglich-untauglich, die ihr Kriterium aus einem diffusen Erfolgs- und leistungsaktivismus generiert, abgekupfert und aufgenommen in die Verstehensvollzüge im Sog künstlicher Euphoriemärkte, völlig unreflektiert ihren eigen Standpunkt nicht mehr relationieren kann und immerzu Ziegel auf die Trennmauer der Selektionskritieren hieft, in der scheinbaren Hoffnung damit dem Guten und Sinnvollen in Form der funktionierenden Welt eine Unterstützung zuzuführen und nicht bemerkt, wie sie einen Schatten grotesker Machtpraktiken zusammenzimmert, die einen Teil der Menschen vergegenständlicht zu verständnisfernen Lebewesen mit opaken und dumpfen und mühsam wissenschaftlich zu erhebenden, denn dem gemeinen Hausverstand schon größtenteils unzugänglichen Rationalitäten mit tendenziellem Lebewesenstatus.

Welten müssen immer abgeschlossen sein, nur so können sie atmen, d.h. ihre Sinnvollzüge leben und ihr Seiendes in ihrem Licht erscheinen lassen. Diese Welt hat zu ihrem Vorteil, dass sie sich dauernd die Re-Flexion, das Zurückschlagen des eigenen Bestimmungsvollzuges (Flexion) auf gerade den eigenen (Re) Bestimmungsvollzug inhibiert, indem sie sich sicher meint durch ihre eigene Pluralitätsfähigkeit. Eine enge Welt, die sich durch die zahlenmäßige Gigantomanie der Produkte und Projekte nicht mehr ausdenken kann, wie eng sie ist.

@Nachdenkseitenleser und Heidegger:
es ist mir dieses Urteil über Heidegger wohlbekannt. Besonders in BRD und vor allem bei irgendwie links angehauchten Intellektuellen. Unter Marxisten hat man das Thema zum Reflex Naziphilosoph=Heidegger konsolidiert. Der Philosoph war Anfang der dreißiger Jahre ein Anhänger der Nazis, wenngleich man auch hier differenzieren kann, wenn man denn will. Bis 1945 war er das aber nicht. Wie auch immer, was seine Gesinnung war wird man heute nicht mehr eruieren können. Marcuse hat ihm auch mal mitgeteilt, dass er nicht verstehe, wieso er diese Geschichte so im Unklaren gelassen hat.
Es gibt freilich einige Untersuchungen, die immer wieder versucht haben, in seinen phil. Texten den Nazismus aufzuspüren: Adorno als erster. Dazu ist zu sagen, dass es kaum ein Buch gibt, das Heidegger so missverstanden hat. Dann Ott, recht ausgewogen, Farias, eher tendenziös und auch Bourdieu, der nicht bemerkt hat, wie affin sein Habituskonzept zu Heideggers Seinsdenken ist. Gegendarstellungen gibts freilich auch.
Am besten ist allerdings, man lese die Bücher des Philosophen, die er in den Jahren ab 1934 geschrieben hat. Teilweise wurden sie erst in den 90ern veröffentlicht. Dort findet man Gedanken, die schwerlich an Nazismus erinnern, sondern eine zwar subtile, aber jedenfalls tiefschürfende Kritik dieser Herrschaft, die der Philosoph darüberhinaus auf das technizistische Denken ausweitet. Dann sind wir dort, wo wir heute sind, in einem isomorphen Funktionsdenken. Man schaue sich z.B. folgende Rezension einer Publikation an: http://www.socialnet.de/rezensionen/6813.php und sehe, wie schwer sich die dortigen Wissenschafter tun, zur sozialen Exklusion normative Stellung zu beziehen und sich nicht in eine scheinobjektive sterile Wissenschaftsoptik zu flüchten, mitunter vom eigenen Phantasiekatheder fabulieren, Exklusion gewähre doch auch Möglichkeiten der Selbstverwirklichung. Typisch der jüngste Vertreter der sog. krit. Theorie, der es wieder einmal nicht weiter bringt, als zu einem vorsichtigen Hinweis, die Soziologie könne schon auch Position beziehen. Man lese im Anschluss einen Text von Marcuse oder auch Adorno. Das ist wie schwarz und weiß.

Anonym 19. August 2009 um 14:36  

Antwort auf
Anonym 19. August 2009 00:01

Anonym,
1. wieso stellst Du eigentlich die Linkspartei mit dem stalinistischen Breschnew-Regime in eine Ecke ?
2. Für die Hartz-Machwerke tragen nur zwei Parteien die Verantwortung. Das ist als Hauptverantwortlicher nun einmal die SPD, die das Kunststück durchgeboxt hat, Arbeitszwang und Zwangsarbeit mitten in der Demokratie zu verwirklichen. Aus dieser Verantwortung entlasse ich sie nicht.
3. "relativieren" hieß, ich will die Hartz-Praktiken nicht verharmlosen. Irgendwie scheinst Du den Ausdruck hier falsch verstehen zu wollen.
4. Es gibt keine "SPD-Rechte" !
Die SPD IST rechts !!
5. Staatsführer, die Menschen zu Tode schinden, sind Verbrecher. Es ist sekundär, ob diese Hitler, Stalin, Breschnew, Pol Pot, Nationalsozialisten oder vorgeblich Kommunisten sind und wenn ein Bundeskanzler des Jahres 2003 die Weichen zu deren Methoden stellt, dann muß er sich in deren Kategorie einreihen lassen.
5. nebenbei: Ich bin Mitglied der Linkspartei.

Archipel G.

Anonym 19. August 2009 um 17:20  

Die Politik wird nicht alleine in den Amtsstuben entschieden. Demgemäß ist Hartz4 alleine aus der Feder SPD / CDU / CSU ... bedenken Sie das der Namensgeber Hartz selbst aus der Wirtschaft stammt und Lobbyismus immer mehr Entscheidungen beeinflußt, bis hin zu kompletten Gesetzentwürfen vorlegt.

Die Politik bekommt die Prügel und die Täter im Hintergrund, die Förderer der Politik bleiben mit den Schuldzuweisungen an die Parteien unbehelligt.

Cui bono?

Anonym 19. August 2009 um 17:28  

Einen Menschen, der auf Grund seiner persönlichen Vermittlungshemmnisse nach langjähriger Jobsuche eine Behindertschreibung bekommt, könnte dies auch als einen Ausweg aus der Zwangssituation der Jobsuche sehen.

Was dieser Fall wieder deutlich aufzeigt, ist, das heute schon jeder minder Begabte die Botschaft von Arbeit um jeden Preis verinnerlicht hat.
Jeder Idiot nimmt jeden Scheißjob unter allen Bedingungen an, anstelle sich um Ausweichmöglichkeiten oder offenen Widerstandes zu bedienen, eine unzumutbare Anstellung auch entsprechend zu bekämpfen. Dabei will ich betonen, das ich Arbeiten sehr wohl schätze. Mir gehts um die Zumutung von Arbeitsgelegenheiten, die keine richtigen Berufe sind und völlig unzureichend bezahlt werden und subventioniert werden müssen. Das ist alles volkswirtschaftlicher Unsinn, der den Staat viel Kostet und die Kraft und Energie der Bürger verschwendet, die in mehr Wahl Freiheit besser investiert wäre.



Andererseits straft diese Haltung all jene Lügen, die den Menschen Faulheit unterstellt.

Roberto J. De Lapuente 19. August 2009 um 21:38  

"Einen Menschen, der auf Grund seiner persönlichen Vermittlungshemmnisse nach langjähriger Jobsuche eine Behindertschreibung bekommt, könnte dies auch als einen Ausweg aus der Zwangssituation der Jobsuche sehen.

Was dieser Fall wieder deutlich aufzeigt, ist, das heute schon jeder minder Begabte die Botschaft von Arbeit um jeden Preis verinnerlicht hat."

Keine Frage, es erleichtert sehr wohl und ist auch zu begrüßen, wenn man Menschen von der Verpflichtung entbindet. Aber nicht, indem man jemanden ein geistiges Defizit unterschiebt. Man könnte denjenigen entbinden, so dass er freiwillig suchen kann, wenn er denn möchte...

Aber mir ging es wie Sie, als ich sah, wie verinnerlicht die Losung "Arbeit um jeden Preis", die ja auch als "Arbeit macht frei" interpretiert werden kann, bereits ist. Wenn ein JobCenter meint, der "Kunde X" würde chancenlos sein, könnte man denjenigen ja von der Verpflichtung der steten Arbeitssuche entbinden. Ich sage es nochmal: Aber nicht dadurch, denjenigen an seiner Würde zu packen. Und schon gar nicht nach Aktenlage...

Anonym 19. August 2009 um 22:14  

Demgemäß ist Hartz4 alleine aus der Feder SPD / CDU / CSU ..

Demgemäß ist Hartz4 NICHT alleine aus der Feder SPD / CDU / CSU <- so sollte es natürlich lauten, geht aber aus dem Kontext hervor.
___

Die Entscheidung nach Aktenlage zeigt, wie genau der Nagel mit den Schreibtischtätern getroffen wurde vor ein paar Tagen. Denn denen ging es in diesem Fall offensichtlich nicht um die Folgen für die Arbeitssuchende sondern, wie der Bericht bei Monitor zeigte, um den Vorteil für die Gemeindekasse.

Nur ein klein wenig Mitgefühl und Bewußtsein für die Folgen einer solchen Einstufung für den Arbeitslosen, hätte zumindest um ein erklärendes und eine Rückversicherung gegeben.
Dies ist aber nicht erfolgt. Denn sie haben nur ihren Job gemacht. DAS ist das Schlüsselwort.

Wenn wir schauen mit welchen Methoden Arbeitnehmer heute arbeiten manches mal arbeiten sollen, oder welche sehr oft fragwürdige unreflektierte Methodenlehre hinter dem Erfolgsmarketing für Karrierebewußte steht, wird mir Angst und Bange. Da wird oft systematisch das Denken unterminiert und Verantwortung fürs eigene Handeln untergraben, indem sich hinter sozialdarwinistischen Thesen versteckt wird.
Wer sich verdrängen ließe, wer sich ausbeuten und ausrauben ließe, wer an seiner Schwäche scheitere, wer an der Härte des Lebens zerbreche, der ist halt des Lebens unwürdig.

Anonym 20. August 2009 um 01:47  

"...eine Behindertschreibung bekommt, könnte dies auch als einen Ausweg aus der Zwangssituation der Jobsuche sehen...."

Das könnte man ja durchaus verstehen. Wenn es so wäre, daß man die Leute sozusagen in eine Invaliden-Sozialrente schicken würde, wie in den Niederlanden und sie dann in Ruhe lassen würde. So ist es ja gerade NICHT. Die Betroffene sollte in einer Behindertenwerkstatt nutzlose Blödelesarbeiten verrichten - Arbeiten um der Arbeit willen oder, sehr richtig formuliert: ARBEIT MACHT FREI ! Das ist das widerliche. Es ist das braune Denken, das hier dahintersteht.

Archipel G.

Anonym 21. August 2009 um 16:41  

@romano

Sorry, vielleicht ist Heidegger nicht der richtige gewesen - als Beispiel.

Mir ging es einfach darum darauf hinzuweisen, dass eben auch Intellektuelle keine Heiligen sind, sondern für braunes Denken, ebenso wie für staatssozialistisches, höchst anfällig waren.

Gibt sicher auch heute noch Intellektuelle, die sich als bekennende Neoliberale outen - nicht allein in Deutschland?

Oder?

Was die NS-Forschung angeht, ich denke das Thema, dass auch Intellektuelle sich zu "Huren der Nazis" gemausert haben ist sicher noch nicht korrekt erforscht - da wartet sicher so manche Überraschung noch auf uns hier in Deutschland.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

PS: Ich differenziere auch bei modernen Intellektuellen ob die Teil des neoliberalen Systems geworden sind - Ist das falsch?

Anonym 24. August 2009 um 15:46  

"[...]Was die NS-Forschung angeht, ich denke das Thema, dass auch Intellektuelle sich zu "Huren der Nazis" gemausert haben ist sicher noch nicht korrekt erforscht - da wartet sicher so manche Überraschung noch auf uns hier in Deutschland.
[...]"

Der Antikommunismus in Westdeutschland, und dem heutigen Deutschland, macht es wohl nur möglich, dass man Intellektuelle verfolgt, die sich in der Hinsicht Kommunismus zu "Huren" gemausert haben.

Die andere Ideologie wird einfach verschwiegen, dabei wäre es wirklich einmal interessant herauszufinden, welcher Intellektuelle - außer Heidegger - noch so eine "Nazi-Hure" im Geiste geworden ist ;-)

Anonym 14. September 2009 um 13:21  

Unzulässige Sonderzahlungen führten beim Medizinischen Dienst der Krankenkassen zu Rücktritten.

http://www1.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/medizinischerdienst108.html

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