Unterhaltungspogrom

Samstag, 6. September 2008

Kein Fluchtweg, kein Entkommen. Gleichgültig worin man auch liest, ganz egal wohin man seine Ohren spitzt, einerlei welchen Fernsehsender man auswählt: das Reformeswerk eines Vorbestraften dominiert das Tagesgeschehen. An jeder Front wird über Regelsätze, vorallem über deren üppige Auszahlung diskutiert; werden die Betrügereien und ausgeklügelten Listigkeiten der Bedürftigen ausgeschlachtet, um dann moralisch vermetzgert zu werden; rückt man die angebliche Machtlosigkeit der Behörden ins Rampenlicht. Hartz beim Frühstücksfernsehen, Hartz zum Mittagessen, Hartz zur besten Sendezeit - zur Unterhaltung gewordene Sozial- und Arbeitslosenhilfe! Was wäre die vorabendliche Unterhaltung ohne dieses Spektakel? Tageszeitungen, Talkshows, nicht nur politische Talkshows, Boulevardsendungen sind sich doch stillschweigend darüber einig: Gäbe es Hartz IV nicht, müßte man es geradewegs erfinden.

Wäre dies im Grunde schon genug, ist das Dauerbombardement bereits dergestalt kaum mehr zu ertragen, so legt die BILD-Zeitung freilich noch nach. Als wäre die aktuelle Wochenserie nicht schon des Verbal-Pogroms genug, garniert sie das spannende Spiel mit dem Feuer - es brennen sowieso nur die Gemüter von Millionen mundtot gemachter Arbeitsloser - mit einem Sammelsurium von Lesermeinungen, freilich beide Positionen abdeckend - man ist ja tolerant -, aber doch mit Hang zur Provokation, weil man besonders unflätige und diskreditierende Aufwiegelungen gegen das "faule Pack" ins rechte Licht rückt. Wahrlich ins "rechte" Licht, denn eine Stimme spricht gar von Sammelunterkünften für junge Arbeitslose - die BILD schreckt also nicht einmal davor zurück, Konzentrationslager in die Diskussion zu werfen! Und besonders dreist, arglistig und manipulativ ist der Umstand, in diverse Interviews, die auf den ersten Blick keinerlei Ambitionen zu einer politischen Diskussion haben, Sätze einzustreuen, die den allgemeinen Schmarotzertum verurteilend begegnen. Da wird aus einem Rapper, mit dem man über vielerlei reden mag, nur nicht über Sozialpolitik, ein moralisierender Büttel, der an der Pogromstimmung mitzündelt. Die typische Einheitsfront der BILD, die ressortübergreifend manipuliert, selbst im Sportteil noch Kampagnen zu einem sozialpolitischen Thema betreibt, wenn es nur dazu dient, Gehirne ordentlich durchzuwaschen.

Überhaupt hat man das Gefühl, dass die Stimmung ruppiger wird. Die Hemmschwelle scheint rapide zu sinken, wenn man in diesem Lande sogar schon neue Varianten von Zwangslagern einfordern darf, ohne dass die betreffende Zeitung darüber hinweggeht, um einen solchen Hirngespinst erst gar keine Nahrung zu geben. Der Pogrom scheint nurmehr eine Frage der Zeit - freilich, wir haben gelernt, uns weiterentwickelt, werden im 21. Jahrhundert keine rassisch motivierten Pogrome aus dem 20. Jahrhundert reanimieren, sondern eine neue, auf sozialen Status basierende Variante ersinnen und freilich - gemäß den Leitmotiven des modernen Tatmenschen - auch umsetzen. Unmöglich scheint eine solche Aussicht nicht mehr, wenn auch der Pogrom gesitteter, mit weniger Feuer und Eisen vollzogen würde. Vielleicht, spinnen wir den Gedanken fort, müssen wir uns den Pogrom in einer Unterhaltungs- und Massengesellschaft amüsierender, durch ausgefeiltes Aufputsch-Entertainment vorstellen. Es bedarf in einer solchen Gesellschaft keiner eingeworfenen Glasscheiben, keiner verbrannten Utensilien oder gebrochener Nasenbeine - von Toten wollen wir erst gar nicht reden; ausreichend scheint es, wenn Zeitungen diffamieren, Fernsehsendungen aufpeitschen, scheinbar politisch unbedarfte Zeitgenossen Ressentiments schüren, wenn Passanten auf der Straße zu menschenverachtenden Kommentaren getrieben werden, Radiosendungen aufwiegeln, politische Talkshows Fakten verdrehen.

Der neue Pogrom entsteht teils im Studio, teils auf der heimischen Couch. Dort bekommt der Bürger, der aufgestachelt und irre gemacht werden soll, seine Grundlagen eingepflanzt. Er trifft auf eine gleichgeschaltete Medienlandschaft, sieht abends im Fernsehen, was er vormittags bereits in den Zeitungen gelesen hat. Die Wiederholung des Ewiggleichen verfestigt sich in seinem Wesen, formt seinen Charakter, konditioniert seine späteren Handlungen. Diese sind nicht gewalttätig, zumindest nicht direkt. Die Gewalttätigkeit zeichnet sich dann im Verbalen aus, zeigt sich an der Verachtung der Geächteten. Er wirft keine Fensterscheiben ein, sondern knallt einem Betroffenen Wortbrocken der Ehrabschneidung an den Schädel; er verbrennt keine Gegenstände, brennt nur die Würde des Gegenübers bis zur Unkenntlichkeit ab; läßt keine Knochen splittern, sondern treibt einen Splitter ins Fleisch des menschlichen Miteinanders. Der Pogrom heutiger Prägung äußert sich weniger im aktiven Drauflosschlagen, als im passiven Wegsehen - es ist ein leise mobilisierter Volkszorn, der gleichfalls still arbeitet. War früher die offene Straße oder ein Marktplatz Ort des aufgedrehten Pöbels, so ist der Pogrom heute in allen Straßen zuhause, in allen Häusern, in allen TV-Geräten zu erlernen. Der Gejagte kann dem Ort des Grauens, die Stelle der Unterdrückung nicht verlassen. Er ist überall der Hatz ausgesetzt, muß sich überall vor Übergriffen schützen, weiß nie, ob er in den nächsten fünf Minuten - sollte sein sozialer Status offengelegt werden - noch Mensch sein darf. Aus Hartz wird Hatz!

Es bedarf heute keiner Propagandaminister mehr, die den Pogrom entfesseln, keiner starken Hand, die eine Gleichschaltung gewährleistet. Demokratisch, weil ohne offensichtlichen Druck, entscheiden sich Programmdirektoren und Redakteure für die Einheitsfront, die Eindimensionalität. An willigen Helfern, wie schon vor langer Zeit, mangelt es zudem auch heute nicht. Da finden sich immer prominente Zeitgenossen, die dem Pöbel Anregungen geben: innerhalb der Politik, in der Wirtschaft sowieso, von der Realität enthobene Wissenschaftler, Straßenintellektuelle wie jener Rapper Sido und freilich die Fernsehgestalten, die mit ihren politischen Plauderveranstaltungen vorgefertigte Meinungen fundamentieren. Ausgeschlossen scheint es indes nicht mehr, dass man auch bald Moderatoren diverser Unterhaltungssendungen einspannt, man beispielsweise bei "Wer wird Millionär?" den Kandidaten danach fragt, was die Gemeinsamkeit von Kuckuck und Arbeitslosen sei. (Antwort: Beide sind Parasiten.) Oder dass man Prominente eine Woche, anstatt in den Dschungel, einfach mal in die satten Urwälder von Hartz IV verfrachtet - natürlich nur, um am Ende festzuhalten, dass man von den Regelsätzen fürstlich leben kann, sogar noch Geld für Alkohol und Nikotin übrigblieb. In einem derartigen Amüsierbetrieb, der den Pogrom ins Schattendasein der Gesellschaft bugsiert, ihn zum Überlebenskampf außerhalb der Öffentlichkeit macht - dort, in der Öffentlichkeit, wird er nur geformt, um dann kultiviert in Verachtung und Hass ausgelebt zu werden -, kann die problematische These gewagt werden, wonach das Leid der heutigen Opfer grauenvoller, weil aussichtsloser und verkannt ist. Einst wußte man, wer das Opfer war - die Opfer von heute werden nicht erkannt, im Gegenteil, fühlen sich doch die Aufwiegler, die steuerzahlenden, sich deswegen ausgebeutet fühlenden Aufgestachelten als Opfer. Außenstehende konnten in vergangenen Tagen sehen, wie man den Verfolgten Unrecht tat; heute schwelt der Brand nur unter Tage, kaum sichtbar, manchmal nur erahnbar.

Denen, die unter den Kampagnen zu leiden haben, muß diese Verächtlichmachung schwer zu schaffen machen, muß ihnen schlaflose Nächte bereiten und jene unerträgliche Angst nähren, am Folgetag als Ballastexistenz eingestuft, beschimpft und belästigt zu werden. Die Antreiber und Aufwiegler, die kopfschüttelnd über die Vergangenheit staunen, die meinen, dass sich ein solcher Wahnsinn nicht mehr wiederholen kann, weil der Mensch des 21. Jahrhunderts sozialisierter, gesitteter, vernünftiger geworden ist, sind an diesem optimistischen Menschenbild erblindet. Denn gerade sie betreiben das gleiche Geschäft wie einst, vielleicht in besserer Gleichschaltung, daher oberflächlich geordneter, aber gleichermaßen menschenverachtend und mörderisch wie ihre Ahnen im Geiste. Worüber sie bei der historischen Betrachtung den Kopf schütteln, hat in Wirklichkeit seinen Anfang schon genommen - sie sind dabei ihre Kinder zu Jüngern von Vorurteilen und Eiseskälte zu machen. Sie ziehen sich einen Nachwuchs heran, der die Menschenverachtung schon mit der Muttermilch gereicht bekam - sie sind das widerliche Vorbild für hoffentlich eine nicht so widerliche Nachfolgergeneration.

28 Kommentare:

Rainer 6. September 2008 um 09:59  

Ich sehe die heuchlerischen und verlogenen Gesichter der Hetzer (gleichwohl ein nicht zu verbergendes selbszufriedenes Leuchten in ihren Augen) wenn es die ersten Verletzten oder gar Toten geben wird.

Klaus Baum 6. September 2008 um 10:50  

was du hier beschreibst, bestätigt eine bild-text-collage von mir aus dem jahre 2003, als die inhalte der agenda 2010 bekannt wurden. das foto zeigte die dächer von kz-baracken, und der blick ging über diese dächer und die stacheldrahtumzäunung hinweg in die ferne.
der in den himmel geschriebene text lautete: agenda 2010 öffnet horizonte.
diese agenda setzt den latenten faschismus im lande frei.

Anonym 6. September 2008 um 12:11  

Danke, sehr treffend formuliert, lieber Roberto J. De Lapuente.

Der Focus, und mit ihm im Verein die RTL-Sender der Liz Mohn sind auch noch daran beteiligt, nicht nur die Springer-Presse, und die Diffamierung von HartzIV-Empfängern wird dort besonders dreist betrieben:

http://www.focus.de/politik/deutschland/focus-terrorgruppe-plante-mit-hartz-iv-bezuegen_aid_331473.html

Ich will ja keine Terroristen in Schutz nehmen, aber was hat die HartzIV-Gewährung mit Terror zu tun. Sitzen die echten (Staats-)Terroristen nicht oft bei den ARGEN selbst, und im neoliberalen Einheitsbrei der diese Tatsache, wie andere verdrehen will?

Kopfschüttel...die Sache wird immer abstruser...

Gruß
Anonym

Michael Koren 6. September 2008 um 13:44  

Vielleicht sollten wir alle Hartz-IV-Empfänger (Rentner, Arbeitslose, Selbständige, Ein-Euro-Jobber, Zeitarbeiter, usw.) zum Abschuß freigeben, um der deutschen Jagdkultur ein neues Geschäftsfeld zu eröffnen. Oder wir veranstalten blutige Schaukämpfe mit Gladiatoren, die vor den Augen der grölenden Menge die Sozialschmarotzer zu Brei schlagen. Das schafft Wachstum und neue Arbeitsplätze!

Anonym 6. September 2008 um 14:11  

Ich stimme bis auf einen Punkt zu: Auch in den (physisch) gewalttätigen Pogromen der Vergangenheit hat man es stets erreicht, dass sich die Täter als Opfer fühlten (die Hexe hatte zuerst das Vieh "verhext"; die Juden wurden als Ethnie zu Parasiten der Menschheit erklärt, mit Ratten verglichen). Auch in der Vergangenheit gab es wenig oder manchmal gar kein Unrechtsbewusstsein!

Ich bezweifle auch, dass es bei psychisch gewalttätigen Pogromen gegen die "sozial Aussätzigen" auf alle Zeit bleiben wird (womit ich die die psychische Gewalt in keiner Weise verharmlosen will!), wenn wir nicht (durchaus jeder für sich in seinem Umfeld) eine Gegenstimmung aufbauen.

Omnibus56

Anonym 6. September 2008 um 16:50  

Noch was: Ich bin derzeit - wegen unsicherer Beschäftigung - am Bewerben und mir schlug schon offene Feindschaft entgegen als ich schilderte, dass ich, trotz mehrmaligem Bewerben, schon öfter arbeitslos - und einmal sogar langzeitarbeitslos - war. Soll heißen: Die Kampagnen-Antreiber erschweren Menschen wie mir das Bewerben, da hier sofort die Ablehnungsfront auf- statt abgebaut wird. Frage: Wem nützt diese Strategie?

Mir, und anderen mit ähnlichen Lebensläufen, schadet die nur....

Anonym 6. September 2008 um 17:57  

Ogottnein - noch nie was von verfolgender Unschuld gehört?

Anonym 6. September 2008 um 18:51  

Hallo Anonym,

was meinst Du damit?

Ich fühle mich nicht schuldig, wenn du mich meinst, ich will nur eine neue Chance auf einen sozialversicherungspflichtigen Job.

Wenn das meine Schuld ist, dann bekenne ich mich gerne dazu.

Solltest Du mich nicht gemeint haben, dann vergiß das geschriebene lieber zweiter Anonymer....

PS: Es wird zwar allenthalben von "Reformen" geredet, aber ein Bereich wird wohl nie reformiert - das Bewerbungsverfahren. Die gehen nämlich immer noch vom völlig lückenfreien Lebenslauf aus - wenn du in deiner Jugend nicht wußtest was du willst, oder auch sonst ein abenteuerlicher Mensch bist. Pecht gehabt! Hier in Deutschland gilt nur der Angepaßte als Mensch. War schon unter Bismarck so, unter Wilhelm I + II sowie unter Adolf Hitler. Tja, manche Dinge ändern sich nie - dazu gibt es übrigens eine hochaktuelle Umfrage der spd-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung, die unsere Mitbürger als rassistisch, rechtsextrem, autoritär, sozialdarwinistisch und überhaupt menschenfeindlich attestiert. Deutschland im 21. Jahrhundert der HartzIV-Ära eben! :-(

Anonym 6. September 2008 um 18:56  

Hallo anonym,

"[..]die Juden wurden als Ethnie zu Parasiten der Menschheit erklärt, mit Ratten verglichen).[...]"

Insofern müßten wir die Pogrom-Betreiber gegen HartzIV-Empfänger und Arbeitslose (z.B. Clement, Münte, der vorbestrafte Dr. Peter Hartz etc.) als Antisemiten beschreiben, da ihre Vorurteile sich gegen Juden richten. Unter den Arbeitslosen gibt es nämlich auch Menschen jüdischen Glaubens - Ergo ist die CDU/CSU/FDP/SPD/GRÜNEN mitsamt ihren neoliberal-faschistoiden Stichwortgebern judenfeindlich (= antisemitisch = !!!: auch ein Ergebnis der Friedrich-Ebert-Stiftung auf die Mehrheitsbevölkerung Deutschlands bezogen). Darüber sollte man einmal nachdenken....

Erstmals seit 1933 - 1945 haben wir also wieder Antisemiten in unseren selbst ernannten "Eliten" aus Medien, Wirtschaft und Politik...

Frage:

Wo bleibt hier der Aufschrei der Betroffenen?

Anonym 6. September 2008 um 18:58  

Hallo Michael Koren,

du meinst es sicher ironisch, denn ich durfte - vor Jahren schon - voller Entsetzen die Eröffung von Vernichtungslagern für Arbeitslose in einem Forum des Arbeitsamtes lesen. Der Beitrag wurde umgehend, nach vielfältigem Protest, entfernt, aber er zeigt wohl wohin die Reise geht, wenn es keine Gegenöffentlichkeit (z.B. in Form der Linkspartei) gibt:

Auschwitzähnliche Lager für Arbeitslose.

Ich wäre ja froh gewesen, wenn ich die Forderung damals überlesen hätte, aber ich denke so denken viele Noch-Arbeitsplatzbesitzer über ihre arbeitslosen "Kollegen".

Roberto J. De Lapuente 6. September 2008 um 22:25  

"Unter den Arbeitslosen gibt es nämlich auch Menschen jüdischen Glaubens..."

Es gibt wohl mehr erwerbslose Antisemiten und Anhänger der NPD, als erwerbslose Juden. Ich gehe davon aus, dass der Kommentar, welcher deshalb Antisemtismus unterstellen möchte, ironisch zu begreifen ist. Ansonsten wäre es interessant zu erfahren, warum Antisemiten Antisemiten antisemitisch behandeln.

Anonym 6. September 2008 um 22:54  

Roberto J. De Lapuente schreibt:

"[...]Es gibt wohl mehr erwerbslose Antisemiten und Anhänger der NPD, als erwerbslose Juden.[...]"

Du sitzt hier einem Vorurteil auf, dass genauso schlimm ist wie Arbeitslose pauschal als "Terroristen" zu brandmarken.

Es steht nirgends geschrieben - ausser vielleicht im neoliberalen Einheitsmbrei - dass Arbeitslose = Nazis sind.

Im Gegenteil, für Neoliberale (= die echten Faschisten in Deutschland) genauso schlimm: Die Mehrheit der Erwerbslosen würde die Linkspartei wählen - oder einfach der Wahlurne fernbleiben.

Wenn das einem gleich zum Nazi stempelt, dann weiß ich auch nicht...

Natürlich ist der Kommentar ironisch gemeint, aber die Aussage von dir, dass viele Arbeitslose = Antisemiten sind stimmt so nicht - Im Gegenteil, die so genannte "Neue Mitte" wird immer antisemitischer, wenn es nach der spd-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung geht:

http://jungle-world.com/artikel/2008/26/22079.html

D.h. die Antisemiten sind nicht die Opfer des neoliberalen Wirtschaftssystems, sondern die Förderer, und vermeintlichen Profiteure, dieses Faschismus des 21. Jahrhunderts (Pinoquet war immerhin bekennender Faschist = Nazi, und Hayek und Friedman keine Freunde der sozialen Demokratie..)

PS: Hier noch ein Hinweis zum hochaktuellen Deutungsstreit - was den Antisemitismus genau sei - von Henry M. Broder:

http://www.heise.de/tp/r4/artikel/28/28657/1.html

Anonym 7. September 2008 um 12:21  

Guter Artikel. Die Hetze ist überall, sogar im SPON-Forum, und da sind ja eher die Gebildeten unterwegs. Für den gescheiterten Kapitalismus macht man jetzt die Arbeitslosen verantwortlich.

Anonym 7. September 2008 um 12:24  

Hallo anonym,

ich verweise auf Naomi Klein, die Schocktherapie, die den neoliberalen Marktradikalismus als DEN FASCHISMUS unserer Zeit beschreibt.

Tja, eigentlich sollte man ja "den Anfängen wehren", aber wer ist hier bereit dazu?

Gruß
Anonym

Anonym 7. September 2008 um 13:20  

Übrigens, da die NPD neuerdings die uralte Strasser-Strategie fährt wundert mich nur eines: Die heutigen Arbeitslosen müßten doch eigentlich - als Jugendliche, junge Erwachsene - im Geschichtsunterricht mitbekommen haben, dass die - als neu verkaufte Strategie der NPD - in Wahrheit uralt ist. Die Abschlachtung der SA erfolgte ja genau aus dem Grund: Die waren Hitler nicht geheuer, da die zu "sozial" waren.

Ich denke ein zweites Mal sollte man sich von den Nazis (das "Neo" kannste getrost streichen) nicht täuschen lassen, denn - Gott oder Allah; wer auch immer verhüte - sollten die einmal an die Macht kommen, dann gibt es sicher KZs für Andersdenkende, Arbeitslose, "Ausländer", etc. etc.

Mein Fazit: Die sind nicht sozial, die TUN nur so als wären sie es, die NPDler - Strasser-Strategie eben...Arbeitslose und HartzIV-Empfänger sollten sich von diesen R... nicht täuschen lassen...

Anonym 7. September 2008 um 13:22  

"[...]Für den gescheiterten Kapitalismus macht man jetzt die Arbeitslosen verantwortlich.[...]"

Dem Kapitalismus sitzt die Menschenfeindlichkeit, der Faschismus ja bereits inne - früher die jüdischen Mitbürger, die Unangepassten bzw. Kommunisten/Sozialisten heute die Arbeitslosen...

Leider geht die Strategie immer wieder auf mit Feindbildern Politik zu machen....

Michael Koren 7. September 2008 um 16:01  

@10:

Ironie ist ein Spiegel der Wahrheit. Die moderne Unterhaltungsindustrie hat sich im Vergleich zur Antike nicht sonderlich verändert. Der einzige Unterschied besteht darin, das der gemeine Bürger nicht mehr ins Colosseum lustwandeln muß. Der ihm zugewiesene Sitzplatz befindet sich in vertrauter Umgebung. Zuhause. Kannst Du Dir einen bequemeren Ort vorstellen, um seinen Vorurteilen zu frönen? Vorurteile machen bekanntermaßen das Leben leichter und lenken von den nackten Tatsachen ab. Ideale Voraussetzungen für hohe Einschaltquoten und voll besetzte Stammtische. ;-)

Anonym 7. September 2008 um 18:35  

Tja, Du sagst es Michael Koren - Ich finde es eigentlich nur noch traurig, dass in Deutschland - im eigentlich fortschrittlichen 21. Jahrhundert - Politik aufgrund von Vorurteilen, Feindbildern, Stammtischparolen und Einschaltquoten (Kinofilm Free Rainer läßt grüßen) betrieben wird.

Lernen wir hier den nie dazu? Reichen 2 verlorene Weltkriege den nicht, um uns diese saudummen Strategien in der Politik bzw. unseren selbst ernannten "Eliten" auszutreiben?

Michael Koren 7. September 2008 um 21:53  

@18:

Geschichte hat die Angewohnheit, sich zu wiederholen. Die menschliche Natur ist primitiv und unterentwickelt, egal welchem technischen Fortschritt sie sich auch zu unterwerfen vermag.

Mit vernünftigen Argumenten kann man den inneren Schweinehund nicht bezähmen. Man muß ihm einen Schlag auf seine empfindliche Schnauze verpassen, damit er heulend und wimmernd in sein dunkles Loch zurückkriecht, aus dem er einst hervorgelockt wurde.

Anonym 7. September 2008 um 23:44  

Na ja, was die Geschichte angeht, da bin ich anderer Ansicht - ich denke nicht, dass die sich wiederholt, aber es kann zu ähnlichen Begebenheiten kommen, wodurch vielleicht der Eindruck der Wiederholung entsteht. Was du über die menschliche Natur schreibst dem stimme ich zu, da las ich mal ein interessantes Beispiel zu: Die Zivilisation ist wie ein rostiges Schwert, wenn man dran kratzt kommt die Barbarei zum Vorschein - hat sich leider immer wieder bewahrheitet, egal wie hoch die Zivilisation meinte zu stehen. Ich hoffe ja, dass du mit dem "Schlag auf die empfindliche Schnauze" recht behälst, aber den Widerstandsgeist hat man in Deutschland mit 2 gleichartigen Institutionen ausgetrieben, die in Frankreich deswegen - bis vor kurzem dank Franz. Revolution - immer strikt getrennt waren:

Staat und Kirche.

Deswegen plädiere ich auch in Deutschland für eine Trennung von Staat und Kirche - ich weiß ein Traum....

Anonym 8. September 2008 um 09:48  

Zum SPON Forum sag ich nur, dass dort nicht die gebildeteren unterwegs sind. Bloß weil man viel verdient Manager oder Ingenieur ist, heißt das noch lange nicht das man gebildet ist. Zur Bildung gehört eben auch, dass man über den Tellerrand schauen kann, dass man Querdenken kann. Es ist halt einfach immer auf die Menschen zu prügeln die unten stehen. Ich verstehe einfach nicht wieso, so viele Menschen einfach so blind sein können. Ein Auto kauft auch keiner, bloß weil jemand sagt das ist toll. Der Hetze schenken die meisten volles vertrauen.

Anonym 8. September 2008 um 11:49  

1. Ich glaube kaum, das es wirklich zu Progromen kommen wird. Dafür gibts einfach viel zu wenige Menschen, die diese Lügen immer noch nicht durchschauen. In Umfragen gibts doch riesige Zustimmungsraten zu allem, was die Linkspartei fordert. Das liegt einfach daran, das diese Forderungen auf der Hand liegen. Der einzige Grund, warum die Leute nicht auch die Linkspartei wählen, liegt daran, das sie der Linkspartei nicht trauen. Nicht daran, was die Linkspartei fordert. Die Linkspartei fordert den gesellschaftlichen Konsens.

2. Hartz IV Empfänger verhungern doch sowieso schon. Bisher nur aus Armutsdepression heraus, aus dem Gefühl, absolut nicht gebraucht zu werden und nur noch als Sündenbock behandelt zu werden. Ändern kann sich nur noch die Brutalität und die Quantität dieser Tode, nicht aber die Tatsache, das Hartz IV tödlich ist.

Anonym 8. September 2008 um 13:24  

Tja, und was lernen wir aus der offenbar legalisierten Volksverhetzung?

Man kann wohl nur konstatieren, daß der Mensch in der Masse auch im 21. Jahrhundert noch dumm wie Brot ist! Ich frage mich inzwischen jedenfalls nicht mehr, ob es hier mal kräftig scheppert im Karton, sondern wann. Man kann nur hoffen, es trifft dann auch die asozialen Verursacher des Ganzen samt ihrer Helfershelfer...

Klaus-Dieter 8. September 2008 um 17:09  

Roberto J. De Lapuente schreibt:

"[...]Es gibt wohl mehr erwerbslose Antisemiten und Anhänger der NPD, als erwerbslose Juden.[...]"

Anonym antwortet:
"... Du sitzt hier einem Vorurteil auf, dass genauso schlimm ist wie Arbeitslose pauschal als "Terroristen" zu brandmarken.

Es steht nirgends geschrieben - ausser vielleicht im neoliberalen Einheitsmbrei - dass Arbeitslose = Nazis sind...."

Es hat auch niemand einen Automatismus behauptet. Fakt aber ist, dass Menschen in prekären Verhältnissen empfänglicher für Ausgrenzungsstrategien sind. Der Auffassung etwa Hartz IV-Betroffene seien (häufig) Sozialabzocker wird überproportional von Betroffenen zugestimmt (Vergl. Heitmeyer, Deutsche Zustände, Bd. 6)

Klaus Baum 8. September 2008 um 18:59  

@klaus-dieter:
"Fakt aber ist, dass Menschen in prekären Verhältnissen empfänglicher für Ausgrenzungsstrategien sind."
Eine der Ursachen für die Empfänglichkeit liegt darin, daß der Arbeitslose mit der Zeit so zermürbt wird, daß er glaubt, er sei arbeitslos, weil alle anderen, die noch Arbeit haben, besser sind.
Die erste Ausgrenzung macht einen anfällig für weitere Zurückweisungen.

Anonym 8. September 2008 um 19:57  

Hallo Klaus-Dieter,

tja leider sagst du es, die die immer schon auf anderen rumgekackt haben waren meist aus der selben Schicht: Teile und herrsche eben.

Was Heitmeyer angeht, Deutsche Zustände, da redet Band 6 auch davon, dass es eine neue Art des Rassismus der Mittelschicht in Deutschland gibt: Die Arbeitslosenfeindlichkeit.

Auf Band 7 warte ich schon gespannt, da dort sicher noch einmal forciert wird was die furchtbaren Kindstötungen in Deutschland mit HartzIV und dem staatlich geförderten Rassismus gegen Arbeitslose zu tun haben.

Gruß
Anonym

PS: Ich hoffe aber immer noch auf die Geschichtsbildung der Mehrheitsbevölkerung in Deutschland - ich sage es noch einmal, die Strategie der NPD ist nichts anderes als die uralte Nazi-Strategie sich VOR der Wahl für "sozial" zu verkaufen. NACH der Wahl kommt dann die Abrechnung - wie damals bei den SA-Morden durch die SS, damit Hitler - damals schon so - mit den Bonzen paktieren konnte. Wäre übrigens einmal interessant nach den "Eliten" bzw. "Besserverdienenden" eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung zu finanzieren: Ich bin mir sicher, da würde so macher mit den Zähnen klappern, den unsere "Eliten" sind nichts anderes als die Enkel der damaligen "Eliten" die Hitler groß gemacht haben. Davon wollen Götz Aly, Guido Knopp & Co. ablenken, denn ansonsten müßte die Parole heißen: "Keinen Fußbreit den Faschisten(= in Deutschland den Nazis von NPD, DVU & Co.)!".

Anonym 11. September 2008 um 21:48  

"Ich darf nichts von Ausländern annehmen!"
Dieser Satz stammt von einem fünfjährigen, dem eine ausländische Mutter ein Stück selbst gemachten Kuchen angeboten hatte. Es war der Geburtstag ihrer Tochter, weswegen sie den im Hof spielenden Kindern eine Freude machen wollte.
Der Satz war nicht beleidigend gemeint, denn Kindern beleidigen nicht von sich aus.

"Es" kommt also nicht erst, "es" flammte bereits auf.

Dem Begriff des geistigen Pogroms - und seiner Beschreibung - kann ich nicht widersprechen, so sehr ich es gerne würde. In meinen Betrachtungen war "nur" bei "Gehirnwäsche" angelangt, was ich schon für unverständlich hielt...
Aber in letzter Zeit scheint etwas im Gange gekommen zu sein, was mich unliebsam und gänsehautverursachend an der Büchse der Pandora erinnert.

Anonym 11. September 2008 um 23:13  

Hallo Anonym,

das ist ja das Problem, die Arbeitslosenfeindlichkeit ist eine neue Art der Ausgrenzung, die die Ausländerfeindlichkeit eben auch auf die Gruppe der Arbeitslosen ausgedehnt hat. Davon redet die Langzeitstudie "Deutsche Zustände - Folge 6" des Prof. Dr. Wilhelm Heitmeyer. Übrigens, ich will das Thema nicht ausweiten aber eine spezielle Form der Ausländerfeindlichkeit hat in Deutschland seit den 11. September 2001 eine neue Wiederbelebung erlebt, der Hass gegen Türken und Moslems insbesondere (auch Islamophobie oder Islamfeindlichkeit genannt) - Wiederbelebung deswegen weil die rechtsextremistische Partei der REPS schon immer gegen Moslems gehetzt hat - Jahre vor dem 11. September 2001 schon. Nur soviel noch: Die Attentäter damals haben ihrer Religion keinen Gefallen getan als die dieses wahnsinnige Attentat gegen das WTC verübt haben - im Gegenteil, der weltweite Islamhaß ist (trotz gegenteiliger Behauptungen der Medien) gestiegen....Ich schweife ab, weil ich darauf hinweisen wollte, dass die Langzeitstudie des Prof. Dr. eben auch andere Aspekte der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit in Deutschland untersucht hat. Die "Büchse der Pandora" ist übrigens schon seit Jahren eröffnet - nur richtet sich der Haß heute gegen alte (z.B. Arbeitslose - von 1933 - 1945 "Asoziale" genannt, schwarze Deutsche seit der Kolonialzeit etc.) und neue Gruppierungen (z.B. Haß gegen alles Islamische) in Deutschland.

Gruß
Anonym

PS: Man sollte die Studie "Deutsche Zustände" einmal gelesen haben - ist eine echt aufschlußreiche Lektüre - siehe meine Bemerkungen oben...

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