Unseren täglichen Hitler gib uns heute

Mittwoch, 24. September 2008

Vor kurzem verkündete Bundeskanzler a. D. Helmut Schmidt, dass das rhetorische Talent Lafontaines mit jenem unsäglichem Talent des Trommlers und späteren Messias deutschtümelnder Kreise gleichzusetzen sei. Zwar ist diese These zu bezweifeln; hätte ein Hitler mit seiner rhetorischen Ausuferung, mit seinem orgiastischen Ausrufen und dem Höchstmaß an Beleidigungen, kaum mehr Zulauf - wiewohl ein sachlicher Redner wie Lafontaine damals keinen Fuß auf den politischen Boden gebracht hätte -, aber wollen wir dem Alter seine Torheit lassen und es als geltend betrachten. Lafontaine und Hitler: Beide hielten Reden, beide - so sagt Schmidt - sind sich ähnlich.

Nehmen wir den Altkanzler also beim Wort, lassen seine provokative Aussage einfach so stehen. Freilich überlegt man sich, was jemanden dazu bewegt, solche Worte hinauszuposaunen. Ist es etwa der Neid? Ist Schmidt neidisch, weil er kein begnadeter Redner war, so wie er es Lafontaine zugesteht? Vielleicht liegt dieser rhetorische Mangel, der durchaus feststellbar war, in seinem Wesen begründet. Schmidt zeichnete sich (und zeichnet sich noch immer) durch Ausgewogenheit und Bedachtheit aus, ist durch und durch Stoiker. Impulsive Reden waren von ihm nie zu erwarten. Stattdessen wägt er jedes Wort genau ab, konkretisiert in Interviews seine Worte manchmal sogar nachträglich - das ist kein Mangel, soviel muß nachgeschoben werden, denn wer konkretisiert, der zeigt auf, dass er sich Gedanken macht, dass er nicht einfach lostrompeten will, sondern mit Bedacht Aussagen trifft. Auch diese Ruhe, die er verströmte, machten ihn zu einer charismatischen Figur der politischen Landschaft. Und als der junge Schmidt, schlank, voller Elan und immer, trotz seines Kosmopolitismus, heimatverbunden war, da war faßbar, welches charismatische Potenzial in diesem Manne schlummerte. Charisma? Sagte man das nicht auch Adolf Nazi nach?

Helmut Schmidt hob sich also ab, war anders als seine Parteigenossen, war charismatisch und stach aus der Menge heraus. Seine kalkulierende und zurückhaltende Art, stand dem nicht im Wege - ganz im Gegenteil. Vielleicht läßt sich so auch erklären, warum es ausgerechnet dieser ehemalige Wehrmachtsoffizier - das soll kein Vorwurf sein, nur eine Feststellung! - war, der als einer von zwei sozialdemokratischen Bundestagsabgeordneten vier Wochen lang an den ersten Reserveübungen der Bundeswehr (1957) teilgenommen hatte. Seinerzeit kostete ihm diese Teilnahme viel Reputation, zumal die Mehrheit der Deutschen sich gegen die Wiederbewaffnung aussprach. Dass für viele Oppositionelle dortmals schon begreifbar wurde, dass die SPD ins System integriert ist, "ins verrostete Geschäft der CDU einsteigt" (Dutschke), tut hier nichts zur Sache. Aber wahr ist, dass Schmidt militaristisch gesinnt war, dass er der Armee durchaus ein Existenzrecht zusprach, auch wenn das damalige Grundgesetz von einer neuen Wehrmacht nichts mehr wissen wollte. Hang zum Militärischen? Frönte nicht ebenso Adolf Nazi diesem stiefelquietschend-marschierenden Uniformen- und Hierarchienfetisch?

Aber wir dürfen nicht vergessen, mit wem wir es hier zu tun haben. Schmidt war kein Irgendwer, der trotz Unbeliebtheit zu Amt und Ehren kam, er war in seiner Generation, wenn schon nicht geliebt, so doch geachtet. Seine militaristische Befürwortung war vergessen, als 1962 die Sturmflut über Hamburg einbrach und er - in seiner Funktion als Senator der Behörde für Inneres - die Organisation- und Rettungsaufgaben übernahm. Hierbei kam der Bundeswehr die Hauptaufgabe zu - vielleicht der Grundstein des Mythos, dass die Bundeswehr schon alleine aus humanitären Gründen im Inland unersatzbar wäre. Später gestand der Senator ein, dass er nicht nach Verfassungsmäßigkeit gefragt habe und er nicht wisse, ob er überhaupt die Kompetenzen hatte, die Bundeswehr im Inland einzusetzen. Darüber soll hier auch nicht gestritten werden. Festzuhalten ist nur: Schmidt hat Courage bewiesen, hat nicht lange gefragt, sondern getan und damit Leben gerettet. Er war die starke Hand im Februar 1962, hat sich nicht um Verfassung und Recht geschert, sich damit einem womöglichen Karriereende ausgesetzt. Starke Hand? Anpacken und nicht reden? Waren dies nicht auch jene Eigenschaften, die die Wähler des Adolf Nazi ihrem Kandidaten des Vertrauens nachgesagt haben?

Man sieht, in uns allen könnte ein Adolf Nazi schlummern. Und gerade Helmut Schmidt ist dabei ans Herz zu legen, nicht allzu neidisch auf das rednerische Talent eines Lafontaine zu sein, denn wie man sah, kommt auch im Leben Schmidts einiges zusammen, was an diese gern herangezogene Gestalt aus der deutschen Geschichte erinnert. Wir essen mit Gabeln - wie einst Hitler; tragen Hemden - wie Hitler; manche essen gerne Kuchen - wie der Vegetarier und Süßspeisenfreund Hitler; lieben Hunde - wie Hitler; hören gerne Musik der Popgruppe Blondie - so hieß Hitlers Hund; man munkelt zudem, dass Hitler ebenso seinen Darm entleerte; und von Gott sprach er auch - das tun heute immer noch sehr viele Menschen! Und was erlauben wir uns nur, wenn wir Reiseführer, Städteführer, Restaurantführer verkaufen?

"Zwei mal zwei bleibt vier, obwohl auch Hitler zweifellos zugestimmt hätte." (Haffner) - Wir können die Welt nicht neu erfinden, müßten die Zivilisation neu erschaffen, wenn wir den totalen Bruch wollten. Denn Hitler, so unzivilisiert sein Regime war, entstand aus einer Zivilisation - gerade deswegen war sein Handeln ja so unzivilisiert, so fremd jeglicher Zivilisation. Wenn man also nun beginnt, jeden politischen Gegner mit Hitler in Verbindung zu bringen, nur weil er vielleicht ein begnadeter Redner ist, wie seinerzeit der NSDAP-Trommler - zu Zeiten seiner Führerschaft, so wird berichtet, soll er kein herausragender Redner mehr gewesen sein -, dann begibt man sich auf sumpfiges Terrain. Und wieso erntet man Kopfschütteln, wenn man erklärt, dass dieser Staat nicht nur auf den Ruinen des Dritten Reiches, sondern schlimmer: mit Hilfe der Eliten des Dritten Reiches aufgebaut wurde? Warum darf man dann, wenn doch das Vergleichen mit Hitler und den Seinen so schamlos praktiziert wird, nicht klar formulieren, dass eine Republik, die in ihren Anfangszeiten NS-Faschisten in einflußreichen Positionen hatte, eine zweifelhafte Existenzberechtigung besitzt? Sind denn nicht viele Institutionen und Organisationen nationalsozialistisch angehaucht, weil in der Gründungszeit der BRD eben viele solcher brauner Gestalten an den Schalthebeln der Macht saßen?

Es ist nicht fadenscheinig, heutige Geschehnisse mit den Zuständen von 1918 bis 1945 zu vergleichen. Und es ist auch nicht fadenscheinig, einige Protagonisten mit Hitler in Relation zu setzen. Als beispielsweise Franz-Josef Strauss damals forderte, man müsse in Haft befindliche RAF-Mitläufer erschießen, um damit Schleyer freizupressen, da liegt das "Heranziehen von Hitler" geradezu auf der Hand und hat gewisse Berechtigung - die Journalistin Ulrike Meinhof meinte ja schon Jahre vorher, dass man ihre Generation nach Strauss fragen wird, so wie man die Vorgängergeneration nach Hitler gefragt habe. Wenn das aber legitim ist, dann in aller Konsequenz! Dann muß man Lafontaine als Hitler durchgehen lassen, aber auch die Bereitschaft an den Tag legen, die CDU mit der NSDAP zu bewerten. Einseitigkeit ist dann nicht mehr erlaubt. Vielleicht würde dieses radikale "Heranziehen von Hitler" auch dazu führen, endlich eine Aufarbeitung der damaligen Zeit zu bewirken, die diesen Namen auch verdient - keine knoppsche Betroffenheitshistorie, sondern ein klares Herausarbeiten des nationalsozialistischen Erbes, das dieser Republik immer wieder immanent ist.

13 Kommentare:

kowalsky 24. September 2008 um 10:17  

Voll ins Schwarze getroffen. Kompliment für diesen Beitrag!

Anonym 24. September 2008 um 10:22  

"[...]Dann muß man Lafontaine als Hitler durchgehen lassen, aber auch die Bereitschaft an den Tag legen, die CDU mit der NSDAP zu bewerten. Einseitigkeit ist dann nicht mehr erlaubt. Vielleicht würde dieses radikale "Heranziehen von Hitler" auch dazu führen, endlich eine Aufarbeitung der damaligen Zeit zu bewirken, die diesen Namen auch verdient - keine knoppsche Betroffenheitshistorie, sondern ein klares Herausarbeiten des nationalsozialistischen Erbes, das dieser Republik immer wieder immanent ist.[...]"

Tja, bei der CDU/CSU/FDP hatte ich schon immer den Verdacht, dass die Hitler - oder der NPD, siehe z.B. was die CDU angeht Sachsen heute - näher stehen als jede andere Partei im deutschen Parteienspektrum, deswegen wählte ich die auch nie.

Das nationalsozialistische Erbe der Bundesrepublik zu bewerten ist noch nicht in.

Man tritt lieber auf einem toten, längst vergessenen, gescheiterten autoritären Staatssozialismus/-kommunismus rum, in antikommunistischer Tradition der NS-Menschen bzw. Hitlers, oder schlimmer noch greift diesen Todfeind des Faschismus/Nationalsozialismus als selbst faschismusverdächtig an.

Übrigens, sogar international!

Demnächst erscheint ein neues Buch des konservativen Historikers Robert Gellately mit dem Vergleich zwischen, man lese und staune, Lenin, Stalin und Hitler.

Soll heißen, der Kommunismus/Sozialismus war nach Götz Aly, Robert Gellately & Co. nichts anderes als Faschismus/NS, der Spanische Bürgerkrieg gegen Franco, und der Große Vaterländische Krieg in Rußland gegen Hitler-Deutschland nur eine Einbildung bzw. blutige Ausrutscher, und die RAF war nicht links- sondern extrem rechtslastig, wie der Ex-RAF Anwalt Horst Mahler (NPD) eindrucksvoll belegt.

Geschichtsrevisionismus ist in....auch, und gerade wieder beim Scheitern der Religion namens "marktradikaler Neoliberalismus", die selbst Faschismus pur ist, was natürlich kein Geschichtsrevisionist gerne zugibt, auch wenn Pinoquet & alle Tatsachen gegen seinen Revisionismus sprechen....

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

PS: Vor kurzem las ich eine nette Abhandlung über Hitler-Vergleiche bei der TAZ: https://www.taz.de/index.php?id=bildergalerie&tx_gooffotoboek_pi1%5Bfid%5D=1&tx_gooffotoboek_pi1%5Bsrcdir%5D=Best-of-Hitlervergleiche&tx_gooffotoboek_pi1%5Bfunc%5D=combine&no_cache=1

Übrigens was Helmut Schmidt angeht, der Mann hat auch das Blut Herrn Schleyers an den Händen wie ich gestern auf einer DVD mit dem treffenden Titel "Das Todesspiel des Regisseurs Dr. Heinrich Breloer" nachvollziehen konnte, wo Schmidt interviewt wurde, und für mich ebenso unglaubwürdig klang, wie beim hochaktuellen Vergleich Lafontaines mit Hitler.

Schmidt könnte selbst ein Hitler sein, so egal wie im das Leben Herrn Schleyers & der Landshut-Insassen war, aber das ist RAF-Geschichte....und wurde von dir, in anderen Zusammenhängen, gut beschrieben...

Klaus Baum 24. September 2008 um 14:38  

Historische Vergleiche bedürfen einer begrifflichen Analyse der Elemente, Charakteristika, Eigenschaften des Früheren, an dem man das Gegenwärtige misst.
Maßstab für diese "Kunst" des Vergleichens könnte die "Querelle des Anciens et des Modernes" sein, der der Germanist Peter Szondi in den sechziger Jahren und auch noch zu Beginn der siebziger Jahre umfangreiche Studien gewidmet hat. Die Philosophie der Romantik und des deutschen Idealismus hat eine Analyse ihrer Zeit betrieben, in dem man sich an der griechischen Antike orientierte und vor allem die Unterschiede zwischen Antike und der damaligen Moderne herausarbeitete. Exemplarische Texte dafür sind Friedrich Schlegels "Über das Studium der griechischen Poesie" und Schillers "Über naive und sentimentalische Dichtung". In dieser Tradition stehen dann nach 1945 Horkheimer und Adornos "Dialektik der Aufklärung" und Klaus Heinrichs "tertium datur".
In beiden Büchern geht es darum, aufzuzeigen, daß die vorherrschende neuzeitliche Rationalität, die für sich beansprucht, aufgeklärt zu sein, Elemente reproduziert, Elemente des Mythos, von dem sie sich abgrenzt, dem sie sich antithetisch gegenüberstellt.
Die These der "Dialektik der Aufklärung" lautet: Aufklärung schlägt in Mythos um, Aufklärung ist die Wiederholung mythischer Strukturen. Klaus Heinrich erarbeitet dann in "tertium datur" detailliert, worin die Übereinstimmungen der Logik mit dem Mythos liegen (Logik als Repräsentant neuzeitlicher Rationalität).
Dies nur als allgemeiner Hinweis. Eine ausführlichere Darstellung würde, merke ich gerade, doch einige Tage Zeit in Anspruch nehmen.

Anonym 25. September 2008 um 16:37  

Großartiger Beitrag, du sprichst mir aus der Seele. Vergleiche, auch dumme und an den Haaren herbeigezogene, müssen erlaubt sein, aber dann muss man auch so konsequent sein, das Umgekehrte zuzulassen.

Wenn man mit der Meinungsfreiheit erst dort anfängt, wo die "Ehre" (was auch immer das sein soll) des Angegriffenen nicht angerührt wird, dann ist das - vorsicht hahnebücherner, aber erlaubter Vergleich - zahnlos wie die SPD von Anbeginn bis heute.

Strauss war ein Faschist, Dutschke ein Populist, Marx ein Egomane und Hindenburg ein verkalktes, böses Schwein. Man muss doch nicht immer gleich die Ehrenkeule rausholen, bloß weil man was nicht hören mag.

Was ich sagen wollte: guter Beitrag - und gut, dass du schreibst und nicht ich, versteht man auch was... ;)

Anonym 25. September 2008 um 22:57  

Es wird immer besser, die vom Nachdenkseiten-Leser erwähnte Strategie ist scheint's von der EU europaweit abgesegnet worden.

Die KP Griechenland protestiert nämlich auch gegen die unsägliche Gleichsetzung von Faschismus/NS und Kommunismus.

Hier mehr darüber:

http://www.jungewelt.de/2008/09-26/036.php

D.h. Hitler und Stalin waren beide Faschisten = So sieht die Geschichtsfälschungslinie der EU aus....

Roberto J. De Lapuente 26. September 2008 um 08:07  

In diesem Falle, EU hin oder her, erscheint mir die Linie der griechischen KP eher revisionistisch. Stalin von Hitler zu selektieren, hebt ihn in eine ethische Kategorie, die man als freiheitlich denkender Mensch nicht zulassen kann. In seiner Art, zweifellos, glich der Kommunismus Sowjetrußland, von Keime auf, also seit Zeiten Lenins, einem faschistischen Staatswesen. Haffner schreibt in "Anmerkungen zu Hitler", dass ausgerechnet der deutsche Staat, der sich vom Nationalsozialismus stärker distanziert, die DDR nämlich, in ihrer Erscheinungsform eher dem NS gleicht, als die BRD - damit meint er die Gleichschaltung der Verbände und Organisationen, Paraden, Aufhebung des Klassenkampfes etc.

Man sollte dem neoliberalen Kurs innerhalb der herrschenden Interessen nicht zuviel Können nachsagen. Sie haben weniger Freude am Geschichtsfälschen - von einigen Historikern abgesehen - als man das annehmen möchte. Sinngemäß nach Marcuse: Die herrschenden Interessen der heutigen Industrienationen sind ahistorisch, haben keine historischen Bezüge und scheren sich daher auch wenig darum - was sich auch im Jargon niederschlägt.

Anonym 26. September 2008 um 11:33  

Lieber Roberto D. Lapuente,

"[...]Man sollte dem neoliberalen Kurs innerhalb der herrschenden Interessen nicht zuviel Können nachsagen. Sie haben weniger Freude am Geschichtsfälschen - von einigen Historikern abgesehen - als man das annehmen möchte. [...]"

Mag schon sein, aber ein Stalin ist ein Stalin und ein Hitler ist ein Hitler, d.h. die mörderischen Diktaturen, der Stalinismus und der Nationalsozialismus sind grundverschieden:

Die eine ist autoritärer Staatskommunismus/-sozialismus, die andere ist Faschismus/NS und, im Gegensatz zu Stalin, auf den Rassebegriff festgelegt.

Oder zeig mir ansonsten einen historischen Beweis, dass Stalin Menschen als "Parasiten" beschimpft hat (Zitat: Der Nazi-Hetzfilm "Jud Süß" über die jüdische "Rasse") und mit Gas industriell vergast hat.

Stalin mag auch ein Diktator sein, wie z.B. heute in Nordkorea die stalinistischen Diktatoren, aber er ist kein Faschist gewesen - insofern hat die griechische KP recht.

Übrigens was den Neoliberalismus angeht, der stammt ursprüglich selbst - im Praxistext - aus faschististen Ländern, nicht aus dem Ostblock (Man kann es nicht oft genug wiederholen, bis es ankommt!) - Oder hat Gorbatschow statt der Perestroika den Neoliberalismus ausgerufen?

Jelzin ist ein anderes Thema, da gab es bereits die Schockstrategie für Rußlands Einwohner (siehe gleichnamiges Buch der kanadischen Globalisierungskritikerin Naomi Klein).

Ich sehe es etwas anders als Du, da ich weder den neoliberalen Marktradikalismus noch die Angela Merkel unterschätze die uns regiert, und selbst ernannter Fan des neoliberalen Kurses ist.

Die EU ist übrigens weitgehend neoliberal ausgerichtet, daher ja auch der europaweite Protest gegen die marktradikale, grundgesetzwidrige EU-Verfassung oder wie die nun neudeutsch orwellisch heißt, über Partei-Grenzen hinweg im linken Spektrum...

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 26. September 2008 um 11:56  

"[...]Die herrschenden Interessen der heutigen Industrienationen sind ahistorisch, haben keine historischen Bezüge und scheren sich daher auch wenig darum - was sich auch im Jargon niederschlägt.[...]"

Lieber Roberto j. de lapuente,

fällst Du da nicht auf die Aussage Marcuses rein, die mich fatal an Fukuyama, und sein mittlerweile als neoliberalideologisch angeblich unideologisches Postulat vom "Ende der Geschichte" erinnert?

Ich denke schon lange, dass man den Raubtierkapitalismus - auch Neoliberalismus genannt - nicht so auf die leichte Schulter nehmen kann, wie einige es gerne tun wollen, die Finanzmarktkrise beweist mir, und evtl. anderen, dass wir richtig lagen.

Was übrigens Vergleiche angeht, dass der Sozialismus keine Parallelen zum Faschismus hat beweist mir persönlich noch ein anderer Punkt: Hitler war erklärter Antikommunist/-sozialist.

Die Mordrate während des II. Weltkrieges an russischen Soldaten (immerhin die zweitgrößte nach der Judenvernichtung - auch mit den selben Massenvernichtungsmitteln wie in der Shoah, da Hitler Kommunisten und Juden gleichsetzte - was historisch bewiesen ist), und der Vernichtungskrieg gegen die "Slawen", beweist mir, dass ich richtig liege.

In diesem Sinne stehen, die CDU/CSU/FDP, und andere Antikommunisten, in unseliger Tradition als Enkel Adolf Hitlers.

Auch davon will die neoliberale Ideologie gerne ablenken, was ihr leider, dank dessen, dass das "Ende der Geschichte" ein Märchen ist, nicht gelingen. Die Taten sprechen nämlich auch hier, wie so oft bei den neoliberalen Konservativen, gegen ihre eigenen Worte.

Du kannst mir gerne widersprechen, aber ich sehe es so.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Roberto J. De Lapuente 26. September 2008 um 12:44  

Wer die Schriften Marcuses kennt, der weiß, dass mit den Ansichten Fukuyamas keine Gemeinsamkeiten bestehen. Marcuse sieht nicht das Ende der Geschichte gekommen, sondern weißt darauf hin, dass die Sprache der herrschenden Interessen der historischen Komponenten enthoben ist.

"Sprachlosigkeiten" vom 8. April 2008:
"Herbert Marcuse wird Jahre nach Klemperers Tagebuch schreiben, dass der Sprache der modernen Gesellschaft, der historische Bezug fehlt, womit sie zu einem eindimensionalen, operationellen Instrument der herrschenden Klassen wurde. Indem die Sprache jegliche geschichtliche Komponente ausklammert, wird sie ein Werkzeug, um das vorgegebene, aufgezwungene und abverlangte Tun ethisch schadlos zu halten und, quasi nebenbei, die historisch entwickelte Konstellation von Ausbeuter und Ausgebeuteten zu verschleiern."

Marcuse sah nicht das Ende der Geschichte gekommen, wenngleuch er auch nicht der Ansicht war, dass sich der repressive Charakter des Herrschaftssystems aus demselbigen milden könne. Veränderung ist demnach nicht in den darin installierten demokratischen Scheininstitutionen zu vollziehen - sondern von Außen.

Anonym 26. September 2008 um 13:38  

Lieber Roberto J. De Lapuente,

ok, da habe ich mich vielleicht geirrt, und nehme den Vergleich zurück, aber was die neoliberalen Taliban angeht, da bleibe ich bei meiner Ansicht - die sind nicht zu unterschätzen, auch was Geschichtsfälschung angeht - Ganz Lateinamerika, mit Ausnahme Venezuelas und Boliviens, kann davon ein Lied singen. Die Geschichte wird in den Ländern, außer eben dem von Chavez und Morales, von konservativ-faschistischen Neoliberalen geschrieben, was wieder genau der Grund ist warum immer mehr Länder in Südamerika einen Kurs auf der Linie von Chavez, Morales & Co. fahren. Die Lügen sind durchschaubar, und eigentlich von der neoliberalen Ideologie 1:1 auf ihre Gegner übertragen worden, d.h. der Neoliberalismus selbst ist moderner Faschismus. Nichts weiter....

Irgendwo las ich mal einen Spruch, denn ich mal aus dem Gedächtnis wiedergebe - nicht 100%, aber er trifft den Nagel genau auf den Kopf was den versuchten neoliberalen Geschichtsrevisionismus angeht:

"Es gibt Löwen und Antilopen. Klar ist, dass die Geschichtsschreibung der Löwen eine andere wäre, wenn es die gäbe, als die der Antilopen.."

In diesem Sinne will ich den Disput beenden...

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 27. September 2008 um 11:48  

Man braucht übrigens nicht immer die Vergangenheit strapazieren.

Hier kann man nachlesen, dass die Junge Union, ergo der CDU-Nachwuchs, auch heute keine Berührungsängste mit Rechtsextremen (besser ausgedrückt Nazis) hat - unter Punkt 9:

http://www.nachdenkseiten.de/?p=3476#more-3476

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 28. Dezember 2008 um 18:14  

Eine sehr gewagte und einseitige Beobachtung des Problems möchte die CDU uns im vergleich zur Linken nicht in eine Diktatur führen.
Denn eine Sache dürfen sie nie vergessen. Die Kommunisten haben mehr Menschen getötet als die Nazis ;) Wobei das daran liegt das sie mehr Zeit hatten. Beide Regierungsformen sind Diktaturen und verachtenswert.
Ich bin Politisch gesehen Links. Allerdings frage ich mich wenn ich treffen der Linken besuche oftmals ob diese Menschen so dumm sind oder ob sie einfach nur Schweine sind.
Und das haben Hitler und Lafontaine gemeinsam. Beide schafften es durch Lügen und lehren Versprechungen das Dumme Volk hinter sich zu bringen.
Die Menschen die mir heute sagen man soll die Nazivergangenheit aufarbeiten würde ich gerne persönlich fragen wo sie leben. Sollten sie in den 60er Jahren leben können wir gerne auf die Straße ziehen. Ansonsten würde ich sie gerne bitten Google zu benutzen oder sich Geschichtsbücher zu kaufen ;) „Zu Risiken und Nebenwirklungen lesen Sie ein Geschichtsbuch oder fragen Sie Ihre Großeltern“
Ich liebe meine Freiheit und habe nicht vor sie in einem Totalitären Staat zu verlieren.
Und damit meine ich sowohl eine linke Unterdrückung wie die Gefahr von Rechts.
Warum haben wohl die Kamunisten die KZ weiterhin betrieben? Warum wurde das meiste Personal(Soldaten, Beamte und vor allem Geheimdienst) einfach übernommen?
Denkt ihr nicht das die Fassade einer Diktatur scheiß egal ist?
Denken Sie nicht das es keinen Unterschied macht ob die Fahne Hammer und Sichel oder nen Hackenkreuz trägt?
Welches Geistige alter kann ein Mensch haben der schreibt das die Welt voller Lügner ist die sagen das Extremismus kein Kreis ist…. Links unten ist Linksextremismus und rechts unten Rechtsextremismus… und beide Treffen aufeinander weil es ein Kreis ist… und beides ist in Wirklichkeit die selbe Scheiße!
Ich gehe davon aus das dieser Artikel nicht bei ihnen erscheinen darf xD
Allerdings würde ich mich über eine Diskussion freuen.
Im übrigen würde ich ihnen vorschlagen mehr Bücher zu lesen. Und wenn sie alle normalen Autoren für Nazis halten lesen sie Ulrike Meinhof Dokumente einer Rebellion 10 Jahre „konkret Kolumnen.
Und vergleichen sie z.b. DDR mit dem wovor sie Warnt.

Anonym 29. Dezember 2008 um 17:16  

"[...]Eine sehr gewagte und einseitige Beobachtung des Problems möchte die CDU uns im vergleich zur Linken nicht in eine Diktatur führen.[...]"

Lieber Anonym,

danke für Ihren Text, der mir doch zeigt die antikommunistische Phobie ist scheint's weit fortgeschritten. Wenn ich von Nazis schreibe, dann meine ich Deutschland, und ich bleib dabei - ich habe mich sehr gut ins Thema reingelesen - die Nazis sind die Vorfahren der CDU/CSU/FDP. Die Linkspartei führt uns in eine Diktatur? Wo leben Sie eigentlich? Leben wir im selben Land? Ich seh es ganz genau anders herum, da ich antisozialistische Wendehälse, wie Angela Merkel, schon immer als das schlimmste Übel nach Stalin, Hitler und Honecker bezeichnete - wie unmenschlich die Kanzlerin denkt hat die ja gerade heute wieder im hochaktuellen Konflikt Israel-Palästina bewiesen. Statt die zivilen Opfer auf - beiden Seiten - zu betrauern gießt die noch Öl ins Feuer indem die einseitig Schuldzuweisungen verteilt. Damit Sie mir aber nicht gleich mit "antisemitisch" kommen - ich anerkenne Israels Recht auf einen eigenen Staat, aber ich kritisiere auch, dass die - wie die USA - nicht gegen antiisraelische Terroristen sondern gleich gegen alle Palästineser vorgeht. Zurück zum Thema, was die CDU/CSU/FDP und ihre - immer noch selbst unaufgearbeitete Vergangenheit/Gegenwart der Nazi-Ähnlichkeit angeht - die waren noch nie eine Alternative für mich, aber was den Faschismus angeht, da lassen Sie sich gesagt sein, der ist lt. der US-Autorin Naomi-Klein nicht tot, sondern lebt dank neoliberaler Ideologie weiter. Der Faschismus übrigens ist der Überbau für verschiedene Systeme, von denen der Nationalsozialismus der schlimmste war - Geschichtsfälschung ist wie Götz Aly, ein Konservativer, wenn wundert es, aus den schlimmsten Feinden der Sozialisten/Kommunisten eben rasch solche machen will. Es darf nicht vergessen werden, die zweitgrößte Opfergruppe der Nazis waren eben Kommunisten/Sozialisten gleich nach den Juden. Da rate ich Ihnen mal weiter zu lesen. Vielleicht gehen Ihnen da die Augen auf? Was den Kommunismus/Sozialismus angeht, der ist seit 1992 mausetot, und wer etwas anderes behauptet, der weiß es entweder nicht oder - schlimmer noch - leugnet es rundweg. Die heutigen Staaten, die als "sozialistisch" gescholten werden haben m.E. mit dem toten autoritären Sozialismus genausoviel zu tun wie ein Zebra mit einer Fliege - gar nichts. Der Faschismus/Nationalsozialismus hingegen ist quicklebendig, dank Neokonservativen in den USA George W. Bushs, die nun - dank Obama - von den Demokraten abgelöst werden, und konnten seit 1992 ungehindert weitermorden - weltweit (auch in Rußland, dass keine kommunistische sondern eine quasi nazistische Dikatur ist, wenn Sie mich so fragen).

Ich bin übrigens froh, dass Jörg Haider tot ist, denn wenn die schlimmste Krise seit 1929 wirklich kommmen sollte, dann sind mir echte Linke immer noch lieber als rechtskonservative Faschisten/Nazi-Verdächtige aus CDU/CSU/FDP und leider auch Teilen der SPD und der GRÜNEN.

Das mit der NPD ist nur ein Ablenkungsmanöver, da bin ich mir sicher, die echten Nazis sitzen in den oben erwähnten Parteien, und hatten früher bzw. haben heute keine Berührungsängste zu echten rechtsextremen Parteien.

Die tun nur so "konservativ".....reines Ablenkungsmanöver....siehe Naomi Klein "Die Schockstrategie" - ein Kapitel für Deutschland fehlt noch, aber ich bin sicher, gerade wegen der Ähnlichkeit zu den USA, die holt es noch nach...die gute Naomi Klein...

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

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