Der gute Mensch

Dienstag, 12. Mai 2009

Das Ehrenamt ist in aller Munde, strömt aus allen tippenden Fingern. Die Medienwelt hat ein neues, sicherlich temporär befristetes, Themengebiet gefunden. Ehrenamt sei bürgerschaftliches Engagement, Ausdruck einer Gesellschaft, die demokratisch gesinnt ist, erklärte Ursula von der Leyen in der sonntäglichen Quatschbude, und der Chor der Anwesenden stritt sich darüber, ob es überhaupt Bedürftige in Deutschland gäbe. Einig war man sich nur darüber, dass ehrenamtliche Einrichtungen wie die Tafeln lobenswert seien. Dass diese aber womöglich nicht demokratischer Ausdruck sind, sondern ganz konträr, Ausgeburt voranschreitender Entdemokratisierung, auf diesen Gedanken kam man nicht. Man hätte schon mal fragen können, warum Tafeln überhaupt notwendig geworden sind, warum der Sozialstaat nicht umsetzen kann, dass Tafeln eine Rarität werden, die wirklich nur in äußersten Notfällen bemüht werden müssen.

Was aber in der Diskussion um das Ehrenamt auffällt: der Gutmensch ist wieder ein Begriff öffentlicher Debatte. Während in der Nachschau der Will-Sendung über die Schlechtigkeit guter Menschen schwadroniert wird, schiebt die ARD eine Dokumentation mit dem bezeichnenden Titel "Gut sein auf Probe" nach. Und damit das Bild des Gutmenschen abgerundet wird, legt auch Springers Hausphilosoph Wagner nach, fragt danach, warum er kein Gutmensch sei, obwohl er doch immer Steuern bezahlt hätte und damit sicherlich zwei Panzer finanziert habe.

Er ist wieder in die Debatte geworfen, der Gutmensch, der naiv und idealistisch die Welt verbessern will, kleine Schritte tut, um dieses hehre Ziel zu erreichen. Das Ehrenamt scheidet zwischen Gut und Böse, zumindest zwischen Gutsein und Neutralität. Man kann sich nicht helfen, aber diese öffentliche Berichterstattung, die das Gute dieser Menschen so hervorhebt, kommt ein wenig arrogant und überheblich daher. Wie oft mußte man sich als jemand, der linksgerichtete Politik für notwendig hielt, anhören, dass man ein unverbesserlicher Gutmensch sei? Der Gutmensch ist ein konservatives Schmähwort, ein Begriff, der den Andersdenkenden und -handelnden zum Träumer degradieren soll, denn letztlich ist ja der Mensch schlecht und wer sich als guten Menschen betrachtet, der macht sich nur selbst etwas vor. Es wirkt schon ziemlich zynisch, wenn die Medien nun das Gutmenschentum als Formel ihrer Berichterstattung benutzen; als Auszeichnung wertvoller Arbeit am Nächsten, sollte man es nicht verstehen wollen. Ziemlich unverblümt unterstellt man den Ehrenamtlichen damit ja auch, sie täten nur ihren Dienst, weil sie gut sein wollten - aus egoistischen Motiven letztlich. Die Geltungssucht als Antrieb der Hilfe, die Sucht danach, gut sein zu wollen, als spöttisch abzuwertendes Verhalten. Als sorge es denjenigen, der mehrmals wöchentlich seinen unentgeltlichen Dienst tut, nur darum, ja möglichst als guter Mensch betrachtet zu werden - da schwingt schon ein ordentliches Stück Verächtlichmachung mit.

Ehrlicher ist da letztlich der Titel der letzten Will-Sendung, der ganz ungeniert danach fragte, ob denn Suppenküchen nicht nur satt, sondern eben auch bequem machten. Dahin geht die Diskussion letztlich, wenn man heute den belächelnswerten Gutmenschen - der die Schwachen nicht ihres Niedergangs überläßt, sondern dem natürliche Fortlauf des Verfalls dazwischenpfuscht - als Exot der Ellenbogengesellschaft vorführt. Den Ehrenamtlichen, der sich um Sterbende kümmert, kranke Senioren begleitet, den empfindet man als Stütze der Gesellschaft, aber jemand, der Suppenküchen mit seiner Arbeitskraft unterstützt, weil die Entdemokratisierung und der Sozialabbau eine solche Küche notwendig machte, der macht Arme nur bequem, der füttert solche durch, die eigentlich dem natürlichen Untergang ihrer Existenz überlassen sind. Alt werden ja alle, sterben müssen alle, da kann man der Natur kein Schnippchen schlagen, aber arm wird man nur, wenn man selbst in eine solche Misere schlittert - und wer sich selbst ins Abseits manövriert, der sollte auch keine Hilfe erwarten dürfen. Wer solchen aber doch hilft, der ist ein Gutmensch, jemand der nicht kapiert hat, dass das Schwache dem Verfall überlassen werden muß, damit die Gesellschaft daran genesen kann.

Was die zynischen Zündeleien um den Gutmenschen abgeht, ist eine bodenständige Ehrlichkeit. Sie ist verlogen, muß sie sein, wenn sie nicht auf offene Ablehnung stoßen will. Ehrlicher sind schon solche Formulierungen, wie sie Anne Will gebrauchte. Da wird offen damit umgegangen, dass das Ehrenamt in vielen Bereichen der Gesellschaft, nicht bei Alten und Sterbenden, mit Abstrichen auch nicht bei Kranken, aber doch bei Armen, eine seltsame und dem Gesellschaftswesen entfremdete Form der Hilfe ist. Man belohnt nämlich solche, die sich selbst nicht mehr helfen können und mit einschleichender Bequemlichkeit, auch nicht mehr selbst helfen wollen. Und wer dies fördert, der ist nicht ganz bei Trost, der will einfach nur ein guter Mensch sein, damit er abends besser schlafen, damit er sich seinen Platz im jeweiligen Himmelreich seiner Religionsgemeinschaft sichern kann. Solche muß man geradewegs belächeln, weil sie Gutes tun wollen, aber der Gesellschaft damit nur Schlechtes sichern, nämlich die Erhaltung derer, die eigentlich dem Untergang überstellt sind.

Es ist nur eine Frage der Zeit, wann man den Gutmenschen nicht mehr belächelt, sondern als Gefahr für diese Gesellschaft sieht. Zersetzte Demokratie, aufgelöster Rechtsstaat, schwindender Sozialstaat sind nicht das Problem, wird man dann geflissentlich verschweigen, problematisch sind solche, die die Zeichen der Zeit immer noch nicht begriffen haben, problematisch sind die Ewiggestrigen.

54 Kommentare:

Peinhard 12. Mai 2009 um 10:00  

Ich finde noch einen anderen Aspekt am 'Ehrenamt' interessant - offenbar arbeiten Menschen dann, wenn sie Befriedigung aus der Arbeit selbst erfahren, auch ohne Bezahlung bzw einen knallhart auf dem 'Wert' beruhenden Tausch. Das ist mE ein Moment in dieser Diskussion, das sich festzuhalten lohnt - 'bedroht' es doch recht eindrucksvoll die ganze 'Geschäftsgrundlage' eines Systems, das solche Arbeit eben nur als Ausnahme, als 'Ehrenamt' oder auch als 'Hobby' kennen will und darf.

Verallgemeinern wir das doch ruhig mal - und kommen so der verdienten Abschaffung des Sozialstaats vielleicht ein (argumentatives) Stück näher...

Alexander Tetzlaf 12. Mai 2009 um 10:19  

Auch ich sehe die Gutmenschen als Problem. Der Altruist macht dem Egoisten letztlich nur seine Unart möglich. Der Altruist stabilisiert und zementiert die unsäglichen Zustände, unterstützt letztendlich das Ausbeuten. Gäbe es ihn nicht, hätten wir die Revolution schon hinter uns.

Ich möchte hier meinen Freund und Genossen Torsten Reichelt zitieren, der sich unter anderem auch zu den verschiedenen Menschenschlägen äußert.

Die mehrheitliche Meinung ist, “der Mensch” sei egoistisch. Bei der Straßenagitation in Dresden mache ich immer wieder die Erfahrung, daß sich Menschen zu ihrem Egoismus bekennen. Die meisten dieser Menschen sind aber gleichzeitig Altruisten. Sie opfern sich für Andere auf, ohne das zu wissen. Sie bringen Anderen Leistungen, für die sie nicht oder unangemessen niedrig entlohnt werden.

Nehmen wir das Beispiel eines beliebigen Lohnarbeiters in der BRD. Er ist Egoist gegenüber denen, welche eine ähnliche oder “niedrigere” soziale Stellung einnehmen. Das sind nicht nur Kollegen, Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger innerhalb der BRD, sondern auch Menschen im Hinterhof seines Lebens: indische Kinder, die seine T-Shirts nähen, kolumbianische Kaffeebauern, deren Produkte er genießt, während sie an der Grenze ihrer Existenz arbeiten, Naturvölker, denen im Dienste seines Konsums die Lebensgrundlage entzogen wird (Regenwaldrodung).

Gleichzeitig ist er Altruist. Er opfert sich selbst für größere Egoisten auf, wie gesagt, ohne das zu wollen und meist ohne das zu wissen. Er schafft durch seine Arbeit Werte, wird aber nicht für seine volle Wertschöpfung entlohnt. Der Überschuß (Mehrwert) wird von den Schmarotzern einbehalten, für die er arbeitet, also von den Kapitalisten. Einen Teil des Einbehaltenen wandeln diese Schmarotzer in weiteres Privateigentum um (Akkumulation von Kapital) und führen davon ein Luxusleben, ohne selbst zu arbeiten. Von einem weiteren Teil bezahlen diese Schmarotzer ihre Lakaien in Management, Politik und Medien. Die sorgen dafür, daß der Lohnarbeiter gesetzlich gezwungen wird, sich ausbeuten zu lassen, und daß er darüber hinaus glaubt, das müsse so sein. Ein weiterer Teil wird in Form von Sozialleistungen dazu verwendet, diejenigen zu beruhigen, welche aus verschiedenen Gründen (Arbeitslosigkeit, Krankheit, Alter) keine Lohnarbeit mehr leisten können.

Altruismus ist keine Alternative. Das kann man schon daran erkennen, daß die größten Egoisten, die Kapitalisten, in ihren Medien immer wieder solchen dummen Gutmenschen lobhudeln, wie z.B. Mutter Teresa und Albert Schweitzer. Kein Wunder: Deren Altruismus gefährdet nicht ihren Egoismus, ihr schmarotzerisches Leben. Er bringt zudem Nachahmer hervor. Diese opfern sich dann wieder für Alle auf, also auch die Egoisten, und kommen - trotz ihrer richtigen Kritik des Bestehenden - nicht auf “gefährliche” kommunistische Ideen.

Der Altruismus hat seit Jahrtausenden seine dauerhafte Untauglichkeit bewiesen: seit knapp 2000 Jahren fallen beispielsweise (ur-)christliche Gemeinden immer wieder in den Egoismus zurück bzw. sind nicht in der Lage, die gesamte Gesellschaft zu bestimmen. Das gilt sinngemäß für alle anderen Gemeinschaften dummer Gutmenschen. Sie bleiben entweder Bestandteil von Klassengesellschaften, gehen in ihnen auf oder in sie über.

Aufgrund des Gemeinnutzprinzips ist und bleibt der Kommunismus die einzige dauerhaft mögliche Alternative zur egoistischen Klassengesellschaft. Das Verhaltensmuster Gemeinnutz gewährleistet, daß es sich selbst bei Abweichungen immer wieder selbst korrigiert (was natürlich heißt: von den Mitgliedern der Gemeinschaft korrigiert wird).
http://weltformel.gmxhome.de/weltformel/texte/EAK.HTMLEwiggestrig übrigens müssen jene sein, die glauben Autos würden Autos kaufen, oder niedrige Löhne sicherten Arbeitsplätze, oder überhaupt, dass das niemals langzeitstabil funktionierende Schmarotzersystem das Ende der Geschichte wäre.

http://wahrheiten.dreipage.de/

Roberto J. De Lapuente 12. Mai 2009 um 10:23  

Beiden, Peinhard und Alexander Tetzlaf, möchte ich mich uneingeschränkt anschließen. Der Ehrenamtler tut ohne finanziellen Druck, zumindest ohne Druck innerhalb der jeweiligen Tätigkeit. Er ist engagiert und mit Herzblut dabei, obwohl sein Konto sich nicht füllt. Das steht dem System gegenüber, das uns erklärt, der Mensch arbeite nur damit es sich für ihn lohne.

Und auch Tetzlaf trifft den Nagel auf den Kopf, wie ich schon unlängst die Tafeln als das bezeichnete, was sie letztlich sind: sie zementieren die Mißstände. Auch da ist also ein wahrer Kern zu finden.

Manfred 12. Mai 2009 um 10:29  

Zu dieser Entfremdung habe ich auch gerade einen Blog-Beitrag verfasst, und zwar als Reaktion auf den Film "Das Streben nach Glück" mit Will Smith. Ganz kurz: Ein Mann arbeitet auf eigene Rechnung als Vertreter für Knochendichtemessgeräte und kann damit (Wen wundert's?) nicht den erhofften wirtschaftlichen Erfolg erzielen, um davon leben zu können. Seine Frau verlässt ihn und er muss sich allein mit Kind durchschlagen, schließlich sogar im Obdachlosenasyl übernachten, während er ein 6-monatiges unbezahltes aussichtsloses Praktikum als (Börsen-)Makler absolviert, bei dem von 20 Bewerbern nur einer in eine Festanstellung übernommen wird. Dieser Wahnsinn - die unzureichende Erwerbsarbeit, die Vereinzelung, die soziale Not - wird gut dargestellt - aber dann total konterkariert durch den als Happy End gefeierten "Erfolg" der Übernahme in eben diesen einen Festanstellungsjob, was später sogar zu einer eigenen Investmentfirma und Millioneneinnahmen führt. Das Ganze wird nämlich "nach einer wahren Begebenheit" erzählt... Also ob dieses Einzelschicksal von Bedeutung wäre und die harte Arbeit, die Hoffnung, die Duldung der sinnlosen, weil menschengemachten Entbehrungen zum Erfolg geführt hätten - und nicht etwa pures - und obendrein Menschen differenzierendes - Glück! Denn auf den einen Glücklichen kommen Dutzende oder Hunderte von Unglücklichen!

Geheimrätin 12. Mai 2009 um 10:36  

Diese Debatten kennt man seit Jahrzehnten aus der Entwicklungshilfe.Soll man den Armen Brot geben oder verfestigt man damit nicht das Ausbeutersystem? Gutmenschen sind die "heiligen" die dieses Brot geben und damit nichts an der Ursache des Hungers ändern, während die wirklich Guten diejenigen sind, an die Ursache gehen,indem sie die Hungernden verrecken lassen und ihnen noch dabei zusehen. Willommen in der 3. deutschen Welt, in der die Armen aber eigentlich doch nur arm im Geiste sind... Hilft man ihnen also, wenn man ihnen Suppe und Geselligkeit gibt, oder wäre ein Kochkurs nicht sinnvoller? Hilfe zur Selbsthilfe..
Ja es gibt gute Häuser und schlechte Häuser, junge Häuser und Alte, dumme und kluge, schlechte und Bessere..

Roberto J. De Lapuente 12. Mai 2009 um 10:38  

Vielen Dank, Manfred, ich spielte mit dem Gedanken, selbst etwas über diesen Film zu schreiben. Es war beinahe widerlich dargestellt, wie sich Gardner (Will Smith) den Geldigen an den Hals schmiss, wie er sich dienend gab. Ein Praktikum ohne Aufwandsentschädigung, in dem man Kunden fangen soll, wovon die Firma profitiert - und am Ende kann nur einer der zwanzig Praktikanten eingestellt werden. Und diese Idioten bereichern die Firma, engagieren sich, reißen sich den Arsch auf in ihren Anzügen von der Stange, mit ihren wehenden Krawatten und schlecht sitzenden Hemden. Das hatte schon was Widerliches und man fragte sich, wann die Sklaverei, wann dieses devote Gehabe gegenüber dem Massa aufgehört haben soll - Smith kam in der Rolle ein wenig wie ein südstaatlicher Sklave herrüber, immer den Arsch seiner Herrn abwischend...

Manfred 12. Mai 2009 um 10:39  

Alexander hat zwar Recht, doch 1. muss man differenzieren (und zwar zwischen dem echten Ehrenamt wie Jugendsportübungsgruppenleitern und Computer-für-Anfänger-Dozenten und dem systemstützenden wie das Lebensmittelherumkutschieren bei den Tafeln) und 2. ist es eine Frage der Dimension. Bis zu einem gewissen Grad stützen Altruisten natürlich die kapitalistischen Schmarotzer. Wenn aber viel, viel mehr Menschen ehrenamtliches Engagement (besonders das aus ureigenstem Antrieb ohne Verein o.Ä. im Rücken) an den Tag legen würden, dann würden sie irgendwann das System kippen. Ich selbst gebe gerade (Mo und Mi) einen Word-Kurs für Anfänger und verzichte expressis verbis auf die angebotene Aufwandsentschädigung, um diese Balance in Richtung EHRENamt zu verschieben. Das Tolle am Ehrenamt ist nämlich, dass es bereits - andres als die Talenttauschbörsen - vom Do ut des-Prinzip abgelöst ist. Man macht es nicht als Mittel zum Zweck, sondern als Selbstzweck! Und so stelle ich mir das Wirtschaften überhaupt vor! Ohne perverse Vermittlungsmittel wie das Geld und ohne jeden anderen Antrieb außer dem Ausgleich von Nachfrage durch ein entsprechendes Angebot!

Roberto J. De Lapuente 12. Mai 2009 um 10:43  

Weil die Tafeln Mißstände zementieren, bedeutet das nicht, dass sie von jetzt auf gleich verschwinden sollen. Sie sind im Moment ja nötig, leider. Was uns interessieren soll: Was muß geschehen, damit Tafeln unnötig werden und langsam aber sicher wieder verschwinden bzw. reduziert werden können? Der erste Schritt ist die Reaktivierung des Sozialstaates, der ausreichend und menschenwürdig sichert, dann erst folgt das Beseitigen derer, die die Mißstände zementieren - und es wird dann kein Beseitigen sein, sondern ein Reduzieren aus freien Stücken. Wer postuliert, dass Tafeln verschwinden müssen, damit es besser würde, der fordert ja das Verhungern von Menschen, aber erst muß man dafür sorgen, dass solche nicht hungern müssen.

Peinhard 12. Mai 2009 um 10:44  

Manfred, Roberto, jetzt ist aber mal gut - im 'Westen' gibt's doch keine Propaganda! Da könnte man ja gleich noch den letzten Oscar-Gewinner... empörend sowas!

epikur 12. Mai 2009 um 10:46  

Hey, Roberto! Ich wollte selbst noch etwas zu beidem schreibem: den Begriff "Gutmensch" und diese verlogene ARD-Themenwoche über das Ehrenamt: "Ehrensache". Du warst schneller ;)

Logisch, dass es bei diesem Ehrenamt, es freilich NICHT um politisches Engagement geht, sondern nur um verwertbare Tätigkeiten, wo man am besten noch Arbeitskräfte sparen kann.(Krankenhäuser, Schulen etc)

Ich werde das diffuse Gefühl nicht los, da wollen welche vorzeitig eine Kampagne starten, um die zukünftigen weiteren Millionen Arbeitslosen - im Zuge der Wirtschaftskrise - eine neue Ideologie der Verwurstbarkeit aufzudrücken. Nach dem Motto: Wir haben Dich zwar auf die Strasse gesetzt, wollen Dich nicht weiter bezahlen, aber wenn Du umsonst weiter arbeitest, kannst Du uns noch nützlich sein! Widerlich!

Peinhard 12. Mai 2009 um 10:52  

@Geheimrätin

Sinngemäß - wenn ich den Hungernden zu essen gebe, bin ich ein Heiliger, wenn ich frage, woher der Hunger rührt, ein ('böser') Kommunist. Der nächste Schritt, da gebe ich Roberto recht, wird aber wohl daraus bestehen, auch ersteren nicht mehr als Heiligen zu begreifen. Sondern als einen 'Feind des Leistungsgedankens'.

@Roberto

So ist natürlich auch meine 'verdiente Abschaffung des Sozialstaats' gemeint.

klaus baum 12. Mai 2009 um 11:03  

Man sollte erwähnen, daß die Nazis den Begriff der Humanitätsduselei verwendeten. Sie waren stolz auf ihre eigene Dehumanisierung. Und nicht wenige von ihnen haben auch Kinder erschossen.
Das ganze Geschwätz vom Gutmenschentum lenkt nur davon ab, dass die Bereicherungsucht der Reichen die Inhumnaität und die Zerstörung ethischer Werte benötigt, um lohnabhängige Menschen noch besser ausbeuten zu können. Und alles, was sie von dieser Ausbeutung unabhängiger macht, wird als Gutzmenschentum denunziert.

Margitta 12. Mai 2009 um 11:03  

Tja, lieber Roberto,

ich wusste ja, dass ich mich auf Dich verlassen kann und Du als "Gutmensch" meine Bequemlichkeit unterstützt und mir die mühsame Arbeit abnimmst, selbst Worte dafür zu finden.

Es ist jedoch eine meiner Gewohnheiten, mich der Menschen, die mir begegnen zu "bedienen" in dem Sinne, die Hilfe, welche sie mir anbieten auch anzunehmen.

Also:
Du hast die Begabung meine Gedanken in Worte zufassen, ich sehe keinen Grund dies nicht mit Dankbarkeit anzunehemen, - meine Gabe dafür an Dich ist, Deine Seite Menschen ans Herz zu legen, die Dich noch nicht kennen. Sollte es noch etwas geben, was ich in dieser Sache tun kann, lass es mich wissen.

Dein Aufsatz trifft genau das was ich auch darüber denke und dem kann ich nichts mehr hinzufügen.

Liebe Grüße
Margitta Lamers

Morla 12. Mai 2009 um 11:34  

Altruistischer Egoismus ist das, was die Menschen da als "Ehrenamtler" tun.

Sie tun es ja nicht nur "zum Selbstzweck". Nein, darin steckt ja auch ein gerüttelt Maß an "Selbstbefriedigung". Es wird das Alter-Ego bedient.

Was ja nicht unbedingt negativ zu bewerten ist.

Meine These: Solange das bestehende System anerkannt bleibt, muss diese Art des "Ehrenamtlertums" aktiv sein - und sogar noch anwachsen!

Nehmen wir zum Beispiel die Lokalpolitik: Kommunale Selbstverwaltung in einer Gemeinde.

In diesem zugegeben relativ kleinen Spektrum setzen ehrenamtliche "Politiker" das Wohl und Wehe viele Bürgerinnen und Bürger auf's Spiel. Indem sie teilweise aus Unkenntnis oder aber, was viel Schlimmer ist, schlichtweg aus Berechnung des eigenen Vorteils, Dinge beschließen, die gravierende Folgen für die anderen haben.

Hier ist meiner Meinung nach, ein riesiges Feld, dass es zu beackern gilt. Demokratie klappt nur, wenn man von "unten" beginnt.

Anonym 12. Mai 2009 um 11:40  

Wenn die Lebensrealität wieder auf dem Niveau eines zerstörten Denkens ankommt, wenn dieselben Worthülsen die gesellschaftlichen Diskussionen prägen, dieselben Sachzwänge wie sie einst z.B. im dritten Reich Hochkonkunktur hatten, dann sollte selbst der Dümmste merken, das wir auf einem Weg in eine chaotische Zukunft sind.
Sucht schon mal die Löcher für Massengräber, denn der laufende Holocaust des Kapitalismus dürfte ein laues Lüftchen sein, zu dem, was sich hinter dem Horizont bereits abzeichnet.

Der Terror wird derselbe sein wie eins, nur ein neues Gesicht bekommen. Die, welche Jahrzehntelang skandierten "Wehret den Anfängen!" klatschen heute munter Beifall.
Damit sind nicht, solche fremde anonyme Internetstimmen gemeint, die sich irgendwo lauthals brüllend ihren verordneten Frust runterschreiben, nein es ist das persönliche Umfeld, das in den letzten Jahren eine Wandlungsfähigkeit gezeigt hat, wie zuletzt nur die politische Spitzenkaste der zusammenbrechenden DDR zustande brachte. Nur ist es weniger schockierend einen Wendehals aus der Politikspitze zu sehen als vom eigenen Freundeskreis angewiedert sich abwenden zu müssen.

romano 12. Mai 2009 um 12:58  

Bei Augustinus kann man lesen, dass das Tun des Guten in Form der Hilfe nicht ohne eine Spur des Leidens von statten gehen kann. Das Helfen aus Spaß sollte von da her einer Reflexion zugeführt werden und seiner eigenen Motivationen ansichtig gemacht werden, das Helfen aus Mit-leiden bzw. Anerkenntnis der prekären Situation eines anderen und der daraus folgenden gemeinsamen Handlungsinitiative des Geholfenen und des Helfenden finde ich dagegen als eine fundamentale menschliche Fähigkeit. Darin kommt seine Freiheit sehr klar zum Vollzug.
Ehrenämter gibt es in dieser Hinsicht in unterschiedlicher Motivation.
Eine bekannte sagte mir einmal, dass sie auf einer Veranstaltung eines ehrenamtlichen Vereins war. Dort wurde der Vorsitzenden gedankt und sie4 gelobt für ihr Engagement. Meine Bekannte sagte dann: naja, wenn ich soviel Zeit hätte wie die Frau, würde ich so etwas auch machen. Sie selbst hatte keine Zeit, weil sie neben ihrer Arbeit noch ihre Mutter pflegt. Die andere Frau war eine Baronin.

Anonym 12. Mai 2009 um 12:58  

"[...]Der Gutmensch ist ein konservatives Schmähwort, ein Begriff, der den Andersdenkenden und -handelnden zum Träumer degradieren soll, denn letztlich ist ja der Mensch schlecht und wer sich als guten Menschen betrachtet, der macht sich nur selbst etwas vor.[...]"

Sicher? Ich las die Begriffe, wie weiter unten erwähnt bei bekennenden Rechtsextremisten, d.h. der "Gutmensch" stammt aus der Unwörterecke der neuen Faschisten, nicht der "Konservativen". Obwohl? Gibt es da noch einen Unterschied?

Ich hab mal kurz am 01. Mai erwähnt, beim Stand der Linken, dass Arbeitszwang schon einmal im Wahlprogramm der rechtsextremen REPs steckte, d.h. damals bei der Wahl VOR Schröder gab es bei REP/DVU/NPD den Konsens, dass Arbeitslose zur Arbeit gezwungen und Asylanten uneingeschränkt abgeschoben werden sollen, d.h. seit Schröder ist unser Land soweit nach Rechtsaußen gerückt, dass sogar der alte Begriff der "Sozialfaschisten" auf die NLEP in Berlin 1:1 umsetzbar ist.

Wollte ich nur mal erwähnt haben.

Übrigens, was die Diskussion um die Tafeln e.V. angeht, da stimme ich Roberto J. de Lapuente uneingeschränkt zu, die Bedingungen gehören so gestaltet, dass die Tafeln e.V. abgeschafft werden können, und was das Ehrenamt angeht, dass ist für mich Ausbeutung pur - Die hiesige Tafel e.V. hat sogar in Zeitungsanzeigen "ehrenamtliche Helfer" gesucht, d.h. bezahlen kann - oder will - man nicht, aber helfen sollen die Helfer der Tafel e.V. Wie im Bericht erwähnt wurde werden sogar Ein-Euro-Jobber für die Tafeln e.V. "eingestellt" - Ein-Euro-Jobs sind aber, so Kritiker nicht nur aus der Erwerbslosenszene, nichts anderes als Zwangsarbeit, die grundgesetzlich verboten sein sollte. Die Diskussion wäre um diese Aspekte - zus. Abschaffung von Arbeitszwang und HartzIV-Sanktionen - erweitert ehrlicher gewesen, aber was erwartet man schon näheres von Anne Will? Was übrigens auch ganz totgeschwiegen wurde - in der Diskussion bei Anne Will - war das immer mehr Tafeln e.V. die Lebensmittel ausgehen, weil die Discounter nicht mehr spenden. Die hiesige Tafel e.V. hat sogar in der Zeitung geschrieben, dass man sich eben "auf anderem Wege" die Nahrungsmittel besorgen werde, z.B. indem man VOR Discountern um Lebensmittelspenden der Einkaufenden bittet.....ich würde dies einfach betteln nennen....

Aber von der Diskussion bei Anne Will erwartete ich eh nicht viel nachdem Frau Von der Leyen Günter Wallraff des Polemisierens eines Parteikameraden - heißt doch bei Konservativen so - verbot, der Arbeitslose als AlkoholikerInnen und Kettenraucher diffamiert hat - in aller Öffentlichkeit sowie Rentnern nicht einmal ein "künstliches Hüftgelenk" mehr genehmigen will. Ein gewisser Herr Mißfelder.

Nach dieser Tatsachenverdrehung, d.h. aus einem Polemisierer gegen Arbeitslose (=Mißfelder) ein Opfer zu machen schaltete ich innerlich ab....

Von einer solchen Gesellschaft darf man nicht viel erwarten, aber den Mund darf man Anne Will & Co. auch nicht verbieten - will ich auch nicht - Der Grund? Die verraten ihre menschenfeindliche Einstellung von alleine.

Übrigens wer Caritas als angeblich christliche Hilfsorganisation ansieht, der sollte einmal kritisch im Internet nach Caritas und Diakonie fahnden, beide Organisationen beuten Leiharbeitnehmer, Ein-Euro-Jobber und sonstige kirchliche Angestellte brutaler aus als jeder normale Arbeitgeber dies könnte. Die können nämlich keinen Graubereich nutzen, der besagt, dass kirchliche Arbeitnehmer für das normale Arbeitsrecht nicht gelten sondern nach Kirchenrecht - für einen sprichwörtlichen Gotteslohn - beschäftigt sind. Soll aber AWO & Co. nicht unter Schutz nehmen sondern nur darauf hinweisen, dass die Kirchen sich an Paulus halten, der Jesus in den Mund gelegt haben soll, dass "man dem Kaiser geben soll was des Kaisers ist" und auch dem Sklaven statt einen Kampf für die Freiheit die Demut in seinen Ketten predigte.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 12. Mai 2009 um 13:02  

"'Feind des Leistungsgedankens'."

Irgendwo im Netz las ich mal einen gute Zusammenfassung was man im neoliberalen Deutschland unter Leistung versteht:

1. Der der viel, oder zuviel, verdient ist ein "Leistungsträger".

2. Der der wenig, oder zuwenig, verdient ist einfach ein "Leistungsverweigerer", d.h. zu faul etwas zu leisten, und zwar unerheblich davon ob er Minijobber ist oder in einem der schwindenden Normalarbeitsverhältnisse feststeckt.

Fazit:

Die neoliberal-marktradikale Logik entlarvt sich auch hier als eines: Unmenschlichkeit.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 12. Mai 2009 um 13:05  

@Manfred, Roberto J. De Lapuente

Wißt ihr, dass Will Smith in der selben "Kirche" wie Tom Cruise Mitglied ist, die eine Religion des Kapitalismus propagiert? Nein? Schaut mal bei Ursula Caberta (oder so?) vorbei "Schwarzbuch Scientology".

Ich war übrigens mal ein Fan von Will Smith, aber seitdem mir die Verstrickung von Will Smith in Scientology bekannt ist - einer Sekte, die ihre Ideologie auch in Filmen plaziert - wundert mich die Tendenz des Filmes den ihr beschreibt eigentlich gar nicht mehr....

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Systemfrager 12. Mai 2009 um 13:18  

Man erinnert sich an einen sog. Herbert Spencer. Seine Logik war einfach: Wenn schon der Gutmensch zivilisatorisch immer versagte (ist klar: die Tugend befreit von der lästigen Angelegenheit, die man als „Denken“ bezeichnet), sollten die richtig Guten die Unmenschen sein. So einfach ist es leider nicht. Aber manches hat er richtig gesehen.

Der Altruist ist ein raffinierter Egoist - so Spencer. Ich schmeiße dem Bettler eine kleine Münze und dafür nehme ich ihm die Würde. Und er soll sich dafür noch bedanken? Wie abscheuliche Zivilisation ist diese unsere!!! Im Osten bedankt sich der Schenkende, der einem Bettler Reiß gibt. Der Bettler hat seine Würde geopfert, dass der Altruist eine gute Tat auf der Istseite bei Gott buchen kann.

Roberto J. De Lapuente 12. Mai 2009 um 13:35  

Lieber Systemfrager, das ist ein wertvoller Gedanke, und wir bewegen uns in dieser Diskussion, ich behaupte dies mal ganz bescheiden, auf hohem Niveau, wenn wir das Bedankthabenwollen aufgreifen. Nietzsche, "Also sprach Zarathustra", Von den Mitleidigen: "Ich aber bin ein Schenkender: gerne schenke ich, als Freund den Freunden. Fremde aber und Arme mögen sich die Frucht selber von meinem Baume pflücken: so beschämt es weniger."

Zu Will Smith: Er ist nicht nur Hauptdarsteller, sondern auch Produzent des Filmes. Fraglich ist, ob Chris Gardner, den Smith darstellt, irgendwelche Ambitionen im Bezug auf Scientology hat.

Anonym 12. Mai 2009 um 14:02  

"[...]Zu Will Smith: Er ist nicht nur Hauptdarsteller, sondern auch Produzent des Filmes. Fraglich ist, ob Chris Gardner, den Smith darstellt, irgendwelche Ambitionen im Bezug auf Scientology hat.[...]"

Lieber Roberto J. De Lapuente,

die Sache wäre es aber einmal wert verfolgt zu werden, da Ursula Caberta - eine Aussteigerin aus der Scientology-Sekte - eben auch behauptet, dass Tom Cruise nicht davor scheut seine Scientology-Ideologie in Filme einzuscannen.

Er macht ja keinen Hehl daraus, nicht einmal bei seiner Ehepartnerin, dass er Mitglied dieser totalitären Sekte - namens Scientology - ist, der gute Tom Cruise:

http://www02.zkm.de/mediumreligion/index.php?option=com_content&view=article&id=109%3Ainterne-scientology-videos-&catid=39%3Adokumentarisches-material&Itemid=66&lang=de

...ob Will Smith ähnlich agiert - auch in, oder mit Mitteln aus, seinen Filmen gehört noch untersucht....

Das er Mitglied bei Scientology ist verheißt in dieser Hinsicht nichts Gutes.

http://www.stern.de/unterhaltung/film/:Sieben-Leben-Will-Smith-Hollywood-Falle/650905.html

...übrigens auch der Zombie-Film "I am Legend" mit Will Smith soll die christlich-amerikanisch-evangelikalische Ideologie rüber bringen:

http://hpd.de/node/3946

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

globalmarshall 12. Mai 2009 um 14:56  

"...erklärte Ursula von der Leyen in der sonntäglichen Quatschbude..."

Frau von der Leyen hat mit dem Internet-Zensur Gesetz sämtliche Glaubwürdigkeit verspielt.
Punkt.

Geheimrätin 12. Mai 2009 um 15:09  

Peinhard 12. Mai 2009 10:52

@Geheimrätin

Sinngemäß - wenn ich den Hungernden zu essen gebe, bin ich ein Heiliger, wenn ich frage, woher der Hunger rührt, ein ('böser') Kommunist. Der nächste Schritt, da gebe ich Roberto recht, wird aber wohl daraus bestehen, auch ersteren nicht mehr als Heiligen zu begreifen. Sondern als einen 'Feind des Leistungsgedankens'.


@ Peinhard: So ist es eben nicht von mir gemeint. Hier werden 2 Handlungsweisen gegeneinander gespielt die zusammen gehören. Mich ärgert dass nie mit den Menschen wirklich gesprochen wird. Die Leute werden eingeladen um ihr Klischee zu erfüllen und damit hats sichs. Es geht weder darum Lösungene zu finden, noch Heilige zu küren. Es geht einzig und allein darum, die einen gegen die anderen auszuspielen und so das Spiel am Laufen halten zu können. Hätte der Soziologe sich mal gemeinsam mit der Theologin (bei Anne Will) fernab der Kameras an einen Tisch gesetzt, wären da möglichweise gar keine Gräben mehr gewesen. Aber das wäre ja langweilig...
Ach,ich leg mich wieder hin. Mich ht die Grippe am Wickel. Ob die aus dem schweinestall oder die aus Berlin.Letzlich auch wurscht.

Anonym 12. Mai 2009 um 16:34  

@Geheimrätin

Volle Zustimmung - man redet nur ÜBER die Betroffenen, aber nie MIT den Betroffenen.

Ist mir auch schon aufgefallen ;-)

Höchstens im Filmbeitrag wird mal - kurz und evtl. gestellt - mit Tafel-"Kunden" geredet....

Was derartige Filme bei Anne Will & Co. angeht, da bin ich oberskeptisch geworden, und zwar nicht erst seit Bildblog herausfand, dass die selbe Familie immer wieder andere Rollen .... nicht nur als HartzIV-EmpfängerInnen....spielt....

Mehr dazu hier:

http://www.bildblog.de/7725/wie-man-das-meiste-aus-hartz-iv-rausholt

Absolute Volksv..... sind die Filme bei Anne Will noch nicht so wie im RTL, aber ich bleib dran.....

Lieber Gruß
Nachdenkseiten-Leser

PS: Auch in ganz anderen Bereichen wird manipuliert, dass sich die Balken biegen:

http://www.bildblog.de/7778/ein-stern-der-keinen-namen-traegt

Ich glaub der verstorbene Medienkritiker Marshall McLuhan sah diese Zeit voraus als er einmal gemeint haben soll "Ein Bild lügt mehr als tausend Worte" - oder so ähnlich.

Anonym 12. Mai 2009 um 17:12  

"[...]Das Ehrenamt ist in aller Munde, strömt aus allen tippenden Fingern. Die Medienwelt hat ein neues, sicherlich temporär befristetes, Themengebiet gefunden.[..]"

Sicher? Ist das Thema wirklich so neu? Ich meine einmal etwas darüber in der Hochzeit der Agenda2010, und zwar schon Jahre vor der Finanzkrise als der Neoliberalismus noch in voller Blüte stand gehört zu haben.....

antiferengi 12. Mai 2009 um 17:29  

Mein Gott Leute.
Ihr seid wirklich kompliziert drauf.
Es gibt Böse Leute welche sich als Gut verkaufen, also sind sie immer noch böse.
Es gibt gute Leute welche dann gut sind wenn es sich bezahlbar macht. Diese Sorte Leute enstehen nunmal in kapitalistischen Wirtschaftssystemen.
Und dann gibt es ein paar richtig Gute welche vollkommen ohne Eigennutz einfach nur helfen wollen.
Der Grad des Gutseins misst sich bei denen mit dem Grad der Selbstlosigkeit.
Ach was, - jetzt fang ich auch schon an zu rechnen :-)
Aber ich sag euch was. Die richtig Bösen sind die, welche es fertigbringen jemanden zu verhungern lassen, nur weil das technische Konzept gegen die Hilfe spricht.

Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft findet nicht nur im Kopf statt.

Die Abneigung mancher gegen Kommunisten kommt oft von der technokratischen Konzeptlastigkeit derselbigen.

@Geheimrätin
Gute Besserung :-)

Franktireur 12. Mai 2009 um 18:42  

Vorweg: die Tafeln gehören abgeschafft, weil sie nur dazu dienen, dem Staat zu helfen, sich aus der Verantwortung zu stehlen.
1-Euro-Jobs sind Zwangsarbeit und gehören verboten.

Eines ärgert mich hier jedoch: das pauschale Abqualifizieren von Ehrenamtlern (klingt hier bei vielen Kommentaren an). Ich selbst biete ehrenamtlich Hartz IV Beratung an. Warum? Weil es in unserer Stadt keine unabhängigen Beratungsstellen gibt. Und wenn man AWO, Caritas und Co das Feld überlassen würde, wäre das schlimm für die Betroffenen, da sie nur systemkonform beraten würden.
Ich würde diese ehrenamtliche Tätigkeit auch wieder einstellen, wenn es eine unabhängige Beratung gäbe, z.B. durch Fachleute, die vernünftig bezahlt würden.
Kurzum: diese ehrenamtliche Tätigkeit ist wie so viele andere aus der Not geboren. Ich mache dies nicht zur Selbstbefriedigung, auch nicht zur Selbstbestätigung, als Altruist würde ich mich aber auch nicht bezeichnen, da ich das ja tue, weil ich Position beziehe gegen die verbrecherische Gesetzgebung und das Gebahren der Jobcenter. Ehrenamtliche Tätigkeit kann also auch eine Art Kriegsführung sein. Es ist traurig, daß das so ist, aber so ist es nun mal. Zudem kenne ich eine Menge Menschen, die ehrenamtlich tätig sind, weil es ihnen 1. ein Bedürfnis ist (aus ihrem ethischen Selbstverständnis heraus, weil sie wissen, wie oft Glück und Zufall im Spiel sind, daß man selbst nicht mittellos oder krank oder abgestürzt ist), 2. weil viele sagen: da muß man doch was tun, es aber leider beim Schwafeln belassen, und irgendwer eben mal einfach anpacken muß, damit sich etwas ändert, und 3. weil Taten allemal wichtiger sind als Worte (und das sage ich, obwohl ich auch eher ein Mann des Wortes bin).
Also, bitte etwas weniger grob pauschalisieren.

Anonym 13. Mai 2009 um 00:22  

@Franktireur

Was verstehst Du unter pauschalieren?

Ich finde dein Engagement auf freiwilliger Basis, der wahre Hintergedanke beim Ehrenamt, löblich, aber du weißt sicher auch, dass manche Betroffene eben unfreiwillig in Ehrenämter GEZWUNGEN werden.

Hier hört für mich der Spaß auf, den ich bin erklärter FEIND von Zwangsarbeit und Ausbeutung sowie sklavenähnlichen Ein-Euro-Jobs, und die Sache erinnert stark an das Arbeitsprogramm der Nationalfaschisten 1933 unter Adolf Nazi.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 13. Mai 2009 um 00:26  

@Franktireur

Habe mir so eben eine Sendung im ARD angetan wo so ein BILD-Nazi im Beisein von Frau Wagenknecht, und der Bonzentussy Uschi Glas - mit deren Unterstützung - bei bald 6 Millionen Arbeitslosen IMMER NOCH davon schwadroniert, dass alle zu faul zum Arbeiten wären.

Wäre Frau Wagenknecht nicht gewesen, die immer wieder auf die Neue Weltwirtschaftskrise zurückkam wäre der Erinnerungseffekt ein geringer gewesen, aber schon 1929 - als Geld soviel wert war wie eine verschissene Klopapierrolle, nämlich gar nichts - predigten Profiteure davon, dass die Hungernden zu faul zum Arbeiten wären.

Da frage ich mich denn doch: Wann gibt es endlich einmal eine soziale Unruhe im Land, die Uschi Glas und Herrn Wagner (so hieß der Typ glaube ich) zum Auswandern treibt!

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Margitta 13. Mai 2009 um 06:04  

Also ich finde, das Ehrenamt ist gut und wichtig. Es verdient unser aller Anerkennung.

Nach meinem Denken, wird hier ein Begriff missbraucht. Er muss dafür herhalten, diese Art von Suppenküchen, die seit der Etablierung von HartzIV entstanden sind, um die Bevölkerung zu beruhigen. Es sollte ein Begriff gefunden werden, der unmissverständlich klar macht, was diese "Suppenküchen" wirklich bedeuten. Er müsste aussagen, dass selbige die "Ausgeburt einer asozialen Gesellschaft" ist. Diese neu entstanden Suppenküchen ist der Aufschrei der empfindsamen Menschen unserer Gesellschaft, die diese Zustände nicht hinnehmen wollen.

Normalerweise sehe ich mir Sendungen von Anne Will und ihresgleichen schon lange nicht mehr an. Dank Internet konnte ich dies gestern nachholen.

Frau Barbara Niehaus, Mitbegründerin einer Suppenküche, hat mir sehr gut gefallen. Sie hatte den Mut ihre Ansicht klar und deutlich zu sagen und lies sich nicht "die Butter vom Brot" nehmen. Alle anderen schienen mir wenig bis gar nicht "diskussionsfähig". Jeder wollte nur seine Sicht der Sachlage darstellen. Keiner hörte was der andere sagte und jeder wollte sich nur selber profilieren.

Was ich aus dieser Sendung mitnahm:
Es ist von Vorteil, seine Emotionen auszuschalten und nur hinzuhören und aufzunehmen WAS gesagt wird und sich dabei auf die nonverbale Sprache konzentrieren. Gelegentlich Notizen machen und ganz in Ruhe - nach der Sendung - analysieren.

Liebe Grüße
Margitta Lamers

landbewohner 13. Mai 2009 um 08:25  

also ich finde - ehrenamt ist nicht gleich ehrenamt und auch die helfer sind von der motivation her nicht homogen.es gibt einfach bereiche, wie zb die feuerwehren oder sportvereine in kleinstädten und dörfern, wo es ohne ehrenamtliche tätigkeit nicht geht.
dann gibt es aber auch noch die tätigkeiten, die nötig sind, weil der staat seine aufgaben nicht wahrnimmt bzw wahrnehmen will, wie zb beratung von migranten, arbeislosen, schuldnern etc.
hier müssen helfer immer im auge behalten, dass eine sinnvolle arbeit die abschaffung ihres "amtes" zum fernziel haben muss, sonst machen sich in diesen sektoren die typischen "sozialarbeiter" breit, die nur die hilfe für sich im auge haben und an einer änderung der misstände nicht interessiert sind.
und die tafeln sind meiner meinungnach so mit das übelste, was sich da so einige ausgedacht haben. ehrenamtliche hilfe mit zwangsarbeitern (1€ jobs) ist schon abstrus genug, noch schlimmer wirds allerdings, wenn man "gute" menschen, die auch ihrem gehbehindertem nachbarn die einkäufe abnehmen oder ähnliches tun, dazu benutzt, soziale standards abzubauen und durch "mildtätigkeit", die natürlich nur bei wohlverhalten gewährt wird und nicht eingeklagt werden kann zu ersetzen. es ist zu beobachten, daß institutionen wie tafeln, möbellager und kleiderkammern immer grössere investitionen tätigen - in fahrzeuge, immobilien - und irgendwann auch in hauptamtliches personal- und sich so unentbehrlich machen - durch diskriminierung und drangsalierung von sozial benachteiligten. für jemanden der hunger hat ist es wohl weniger entwürdigend sich sein essen morgens um 5 aus dem container seines supermarktes zu fischen als sich auf der strasse unter einem tafelschild anzustellen und sich von ehrenamtlichen schikanieren zu lassen. fakten: in meinem nachbarort hat die tafel mit spenden von 300 000 € ein gebäude gekauft und modernisiert und belegte sprüche wie diese in o.g. einrichtungen; stell dich mal ordentlich an - mit kopftuch gibts hier gar nix, hier geht keiner einfach so rein.

Systemfrager 13. Mai 2009 um 08:41  

@antiferengi
Es gibt Böse Leute welche sich als Gut verkaufen, also sind sie immer noch böse.
Es gibt gute Leute welche dann gut sind wenn es sich bezahlbar macht. Diese Sorte Leute enstehen nunmal in kapitalistischen Wirtschaftssystemen.
Und dann gibt es ein paar richtig Gute welche vollkommen ohne Eigennutz einfach nur helfen wollen.
@Franktireur
Kurzum: diese ehrenamtliche Tätigkeit ist wie so viele andere aus der Not geboren. Ich mache dies nicht zur Selbstbefriedigung, auch nicht zur Selbstbestätigung, als Altruist würde ich mich aber auch nicht bezeichnen, da ich das ja tue, weil ich Position beziehe gegen die verbrecherische Gesetzgebung und das Gebahren der Jobcenter.
Beides ist so trefflich - ein bisschen sogar genial!
Ein Inbegriff der Naivität ist die Geheimrätin.
Worum geht es eigentlich:

Würden sich die HarzIV-s nur die kleinste Mühe geben, die Partei zu wählen, die ihnen direkt helfen will, hätten die Linken schon die verkommene und dekadente SPD eingeholt/überholt. Aber das sind sie nicht imstande, weil sie das Produkt eines Systems sind. Nebenbei: Marx hat genüsslich über das „Lumpenproletariat“ gelästert. Er hatte recht: Die versklavten und erniedrigten werden nicht die Welt ändern. Das haben sie auch nie getan - nicht ein einziges Mal. Ein neues System muss her. Und dieses entsteht zuerst im Kopf.
Auch der Kapitalismus entstand zuerst in den Köpfen des Genies und Humansten wie Hume, Rousseau, Locke, Smith, ... Es war ein Paradigmenwechsel in den Geisteswissenschaften. (Marx hatte dies auch vor, nur er ist im Kopf immer ein deutscher Mystiker d.h. Metaphysiker geblieben - alles nur eine Idiotie.) Was wir brauchen ist ein neuer totaler Krieg der Ideen. Gelingt uns ("uns" im weiten Sinne des Wortes) was „auszubrüten“, dann gibt es Hoffnung. Sonst: Vergiss alle Mildtätigkeiten und Revolutionen!

NICHT DIE ARME HOCH - DEN KOPF HOCH. DENK MIT!

antiferengi 13. Mai 2009 um 09:25  

@Systemfrager
Eigentlich hatte ich vor nach 15 Jahren konsequentem Nichtwählen dieses Jahr die Linke zu wählen.
Aber Leute wie du lassen mich immer mehr wieder Abstand davon nehmen.

Ein Systemwechsel bei gleicher, oder sogar noch schlechterer menschlicher Wertigkeit bringt keinem etwas.
Die Diktatur der Weisen ist immer und überall.

Systemfrager 13. Mai 2009 um 10:06  

@antiferengi
Ich habe bisher gewählt, und zwar die SPD - war ich sogar ca. 12 Jahre Mitglied. Voraussichtlich werde ich nicht mehr wählen gehen, weil es kein „kleineres Übel“ gibt.
D.h.: Keine der Parteien hat eine Persönlichkeit, die ein notwendiges Minimum bietet - was ich als „kleineres Übel“ bezeichnen würde.
Unser Blogger-Krieg im Wasserglas ist mir - ehrlich gesagt - nicht nur viel lieber, sondern ich erhoffe mir viel mehr davon. J. K. Galbraith - ein damals sehr berühmter Ökonom - hat über Keynes gesagt: Er wartete bis sich der Zug der Enttäuschten und Betrogenen seinem Haus näherte und dann stellte er sich an ihre Spitze.
Nebenbei: Bei uns stellte sich an die Spitze ein Adolf. Die Engländer wollten immer das System ändern, wir den Menschen und die Welt („Nach unserem Wesen, soll ...“) Das Ergebnis ist bekannt. Lässt sich dies ändern? Bevor wir wieder etwas ganz Dummes anrichten? Warum sollten wir nicht über ein neues System nachdenken?

Etwas über unsere Mentalität:
http://www.forum-systemfrage.de/Aufbau/ba/41r/ba41r.php?df_name=baDF40&tbch=ba&schp=neolib&ordner=41r

Peinhard 13. Mai 2009 um 10:11  

Abgesehen davon, dass ich die 'Gefahr' eines Systemwechsels bei der 'Linken' für ziemlich gering halte - was meinst du mit deinem vorletzten Satz? Das sogenannte 'Menschenbild'? Und was mit der 'Diktatur der Weisen'?

Geheimrätin 13. Mai 2009 um 10:40  

Moin Moin

Also schlimm wirds wirklich, wenn
@Nachdenkseitenleser

eine sozial engagierte Uschi Glas (bei Maischberger) sich nun brüstet mit ihrem Engagement und dabei lautstark verkündet, man könne nicht immer gleich nach dem Staat rufen, der alles richten soll, eine sozial engagierte Uschi Glas, die Millionärssteuer für Neidhammelei hält und Ganztagsschulen und Mittagessen einfordert,damit die Kinder versorgt sind und ihre faulen, armen Eltern dann dann endlich wieder für einen Hungerlohn ihr Hartz IV aufzustocken gehen können.. Ja dann blüht ein neuer Industriezweig: Tafeln, Sperrmüllkaufhäuser etc...billiges Personal, ein-euro Sklaven (ja ja, es ist ja so schwer heute noch gutes Personal zu finden...)Was mit ausgegrenzten, stigmatisierten Menchen wirklich passiert und warum sie resiginieren und degenerieren, interessiert weiter niemanden, man muss sie nur in Arbeit bringen, zu Leistungsträgern machen, denn wer nicht arbeitet soll auch nicht essen und am besten auch gar nicht denken.

Ich muss aber auch sagen
@Frank
als ich nach meiner Firmenpleite,erst schwanger dann mit Baby und 2 weiteren Kindern die Miete nicht mehr zahlen konnte, selbstverständlich eine günstiger Wohnung gesucht habe aber eben keine finden konnte,(hab nochmal nachgerechnet, es dauerte sogar 1,5 Jahre bis wir eine gefunden haben!) hat das in der Tat niemanden interessiert. Nur bei der Caritas fand ich eine sehr engagierten Italiener, einen richtigen Don Pepone der mir wirklich zur Seite stand und uns vor der Obdachlosigkeit bewahrt hat!

Aber ich habe auch selbst erlebet, wie mir auf einer Beratungsstelle für Frauen und Berufsrückkehreinnen explizit zu einem Ein-Euro-job geraten wurde, sogar dazu, eine Praktium (als ehemalige Ladeninhaberin und Direktimporteurin!) in einem "Sperrmüllkaufhaus" zu machen..

antiferengi 13. Mai 2009 um 11:03  

@Systemfrager
Unser Blogger-Krieg im WasserglasGefällt mir auch sehr gut :-)

@Peinhart @Systemfrager
Warum sollten wir nicht über ein neues System nachdenken?Und was mit der 'Diktatur der Weisen'?Seht es mal so. Die Diskussion über Wert und Unwert von Altruismus habe ich bereits vor 30 Jahren mit Leuten aus der DKP geführt. Wie ich sehe hat sich nicht viel geändert. Sie machen immer noch aus dem gleichen Grund keinen Sinn. Einfach deshalb weil sie sich ausserhalb des normalen Empfindungsspektrums der Normalbevölkerung stellen. Sie sind schlicht und einfach technokratischer, kaltherziger, und absolut kopflastiger Natur, mit welchen man die Menschen selber nicht mehr erreichen kann. Und neue Ideen und Systeme eben auch. Genauso technokratisch wie unser momentanes neoliberales Konzept der Weltwirtschaft. Wenn selbst ein Marx nur noch Gehässigkeit für das "Lumpenproletariat" übrig hat, - welchen Wert haben dann Systemüberlegungen zugunsten der Menschen?
Was ich allgemein vermisse ist ein Gefühl der Zugehörigkeit zur grossen Masse der Bevölkerung. Die Diktatur der Weisen beschreibt immer aufs neue die Entfremdung der Ideenmacher von denen für welche die Ideen gemacht sind.
Am Ende stehen immer nur aufs neue Lenker (Diktatoren) welche die involvierten Menschen als Werkzeuge zum Erhalt ihrer Ideen ansehen. Diese involvierten Menschen sind nicht kopflastig, sondern Wesen die in der Jetztzeit mitten im Leben stehen, und darin überleben müssen, und langsam die Nase voll haben von Visonären und Systemmachern, sondern einfach mal wieder als Menschen verstanden werden wollen.
Ich weiss nicht ob's weiterhilft:
Mit dem Hirn fühlen, und mit dem Herzen denken. (Wolfgang Neuss)

Systemfrager 13. Mai 2009 um 12:25  

@antigerengi
Ich befürchte, jetzt fällst du weit unter dein Niveau:
* Also wenn SOGAR Marx (total) gescheitert ist, dann gibt es keine Hoffnung mehr. Unglaublich!
** „Mit dem Hirn fühlen, und mit dem Herzen denken.“ Wolfgang Neuss musste wirklich ein Weiser sein. Also die letzte Wahrheit ist - Gott sei dankt - verkündet. Ab sofort:
... gehe ich auf den Händen und schreibe mit den Füßen.
... schneide ich mir die Wurst mit dem Löffel und esse meine Suppe mit dem Messer.
Ach! Es war doch nicht so gedacht. Das Problem ist, dass dort gar nicht gedacht wurde. Und da sind wir wieder bei dem Gutmenschen. Er will und kann nicht denken, so dass die Gutmenschen im Endergebnis nie besser waren als die bösen Menschen.

Geheimrätin 13. Mai 2009 um 12:50  

@ antiferengi, systemfrager und peinhard:

also ich bin schon dafür die Systemfrage zu stellen, und das mit Herz, Verstand und Hand. Soll heissen, mit Einfühlungsvermögen und Weitblick denken und im Kleinen (hier und jetzt) mit der Praxis beginnen ..

Systemfrager 13. Mai 2009 um 13:57  

„Also ich bin schon dafür die Systemfrage zu stellen, und das mit Herz, Verstand und Hand. Soll heißen, mit Einfühlungsvermögen und Weitblick denken und im Kleinen (hier und jetzt) mit der Praxis beginnen ...“Wer hat das gesagt! Ach so - ich war es nicht!? Wirklich nicht? Wie schade.

Aber im Ernst: Ich bin mir ganz sicher, dass etwas Neues und qualitativ Besseres nur mit einem neuen Modell oder Paradigma möglich ist. (So war es in den Naturwissenschaften immer der Fall.) Aber wann sind wir so weit? Das weiß keiner! Also: Kurz und mittelfristig müssen wir unbedingt (auch) mit Herz arbeiten. Keine Frage! Ich war nur ein bisschen (oder ein bisschen mehr etwa?) apodiktisch. Dahinten stehen lediglich taktische Gründe.

Geheimrätin 13. Mai 2009 um 13:58  

@Systemfrager
wieso machst du das, wieso teilst du die Menschen ein in Gutmenschen die schlechtes tun und in Denker die denken ohne zu fühlen und in Fühler die nur fühlen nicht aber denken ..seltsames Lebenskonzept...

antiferengi 13. Mai 2009 um 15:11  

@Systemfrager
Versuch fair zu bleiben. Keiner hat behauptet das Marx gescheitert ist. Kommunismus und Kapitalismus sind nur Beispiele dafür das ein System welches ausschliesslich technokratisch gehandhabt wird, irgendwann scheitert. Das macht die Idee dahinter nicht schlecht.
Ausserdem hat mir dein Kommentar im anderen Blog gezeigt, das du gar nicht so der kalte Denker bist, als den ich dich bisher gesehen habe.
Aber die Intensionen sind nunmal auch genauso vielfältig wie die Menschen dahinter.
Ich will mehr Herz, (und orientiere mein Niveau auch daran), und du willst mehr Verstand,- und die Geheimrätin will dazu noch jemand mit der Schaufel in der Hand.
Macht doch Sinn.
Wenn die Linke diesen Dreiklang bringt, - wähl ich sie.

Geheimrätin 13. Mai 2009 um 16:17  

@Systemfrager...

ah...da Kommunikation nicht ganz in Echtzeit geführt werden kann,ist es nicht immer leicht zu folgen...jetzt schlag ich mal eben ein Wort nach, um noch besser folgen zu können:

apodiktisch:

"Eine apodiktische Aussage ist eine Aussage, deren Gegenteil unmöglich wahr sein kann, da der Beweisgrund eine allgemein anerkannte unumstößliche Wahrheit ist. Es wird zwischen mathematischen, logischen und philosophischen apodiktischen Aussagen unterschieden. Im heutigen Sprachgebrauch ist oft die Bedeutung "keinen Widerspruch duldend" gemeint.

Untersuchungen über Aussagen dieser Art fallen in den Bereich der Modallogik."
verstehe, sie wollen damit so gefühlsduselige Menschen wie mich aus der Reserve locken und zum Denken anregen, Stimmts? Hilfe zur Selbsthilfe, auch ein Konzept einiger gutmenschlichen Entwicklungshelfer. Ich danke ihnen sehr! Und das aufrichtig. Mit meinem aufrichtigen Herzen, Herr Systemfrager. Wissen sie, ich habe eine Herz für Denker, wirklich! :-)

Peinhard 13. Mai 2009 um 16:54  

"Kommunismus und Kapitalismus sind nur Beispiele dafür das ein System welches ausschliesslich technokratisch gehandhabt wird, irgendwann scheitert."

Oder Beispiele dafür, wie ein auf Warenproduktion, Lohnarbeit und 'Wert' gegründetes System irgendwann scheitert. Denn neben der (vermeintlichen?) technokratischen Handhabung sind das ebenfalls Gemeinsamkeiten von Kapitalismus und 'RealSoz'. Man kann dabei sogar relativ gut begründen, warum der 'RealSoz' früher als der Kapitalismus an eben dieselben Grenzen geriet.

Kommunismus indessen hatten wir noch nicht. ;)

Anonym 13. Mai 2009 um 17:02  

@antiferengi

Interessante Diskussion - Wie wäre es damit etwas zu finden, dass weder mit Kapitalismus noch mit Kommunismus zu tun hat - einen "Dritten Weg", und diesmal nicht im Sinne eines Gerhard Schröder(SPD) und Tony Blair (Labour)?

Attac Österreich hat m.E. ein gutes Buch vorgelegt mit dem ein neuer "Dritter Weg" ausprobiert werden soll.

Schon länger her, dass ich es gelesen habe, aber Du findest es bestimmt noch auf der Homepage von Attac Österreich.

Was die Linkspartei angeht, die ist mir wirklich tausendmal lieber als CDU/CSU/FDP/SPD/GRÜNEN zusammen.

Warum? Lies mal das neueste Werk von Katja Kipping.

Die gute Frau hat einige interessante Vorschläge, und bezeichnet - lange vor der antikommunistischen Diskussion dieser Tage - die DDR als Unrechtsstaat, und war auch schon einige Zeit in den USA.

Eine solche Linke ist doch eher wählbar als jede abgetakelte CDU/CSU/FDP/SPD/GRÜNEN-Regierung, die immer noch so tut als hätten einst Konservative nie Hitler zur Macht verholfen (soviel zur Mär des "nationalen Sozialismus), die SPD die Arbeiter 1918/19 zur Revolution aufgerufen (wurde von der SPD-Noske im Verbung mit rechtsextremen Freischärlern niedergeschlagen) und die Grünen vor 10 Jahren Kriegspartei gegen Jugoslawien.....

Nix für ungut, aber meine Alternative ist entweder gar nicht zur Wahl zu gehen - oder die Linke zu wählen....

Systemfrager 13. Mai 2009 um 18:13  

Lieber Antiferengi

Ja, eine hartnäckige Diskussion bringt vernünftige Menschen näher. ;-)
(Heraklit von Ephesos sagte schon vor sehr sehr langer Zeit: Die Wachenden haben eine einzige und gemeinsame Welt, doch von den Schlafenden ist jeder in seine eigene Welt abgewandt.)

Hättest du aber jetzt nicht den Marx erwähnt. Ich bin es, der ausdrücklich behauptet, dass Marx total gescheitert ist. (Ich habe ihn im kleinen Finger; als Junge war ich mehrere Jahre ein „Taliban-Marxist“.)

Ich sollte „kein kalter Denker“ sein?! Eine seltsame These - selbst würde ich nie darauf kommen. Ich werde darüber noch nachdenken - aber auf die Schnelle geht es nicht. Was ich zweifellos bin, und ich weiß es auch ganz genau (ist so gewollt): ich bin ein „Ökonom mit Hammer“. Aus deinem Kommentar würde man fast schließen, dass dir meine Webseite nicht bekannt ist:

www.systemfrage21.de - darfst du irgendwann reinschauen.

Rudi Blitzableiter 13. Mai 2009 um 19:26  

jedenfalls... Danke dass Du ehrenamtlich so gute Artikel schreibst.

Systemfrager 14. Mai 2009 um 08:31  

Liebe Rätin

„aus der Reserve locken und zum Denken anregen“

Es klingt abgehoben/überheblich, das wäre nie meine Art. Es geht um was anderes.

1) (Uns) Den Humanisten (ich sage absichtlich nicht: den Linken) wurde mit Recht schon immer vorgeworfen: unsere Anthropologie ist bescheuert. Ist sie auch 100%. Es gibt Menschen, die leisten was sie können - ohne GEGEWNLEISTUNG! Aber eine Ordnung auf diesem Prinzip führt zur Hölle. Eine schon sehr kleine Zahl der Bösen wird sie nämlich im Handumdrehen unterminieren können. Deshalb sage ich: Wir sollen uns in aller Deutlichkeit vom Gutmenschen distanzieren. Bringt uns nichts außer Spott / wir liefern uns selber dem ideologischen Gegner aufs Messer. (Der Gegner weiß, dass die Geschichte mit einer Lüge (Adam) und einem Mord (Kain) begonnen hat.)

2) Marx ist ein gutes Beispiel dafür, dass man mit der Prämisse Gutmensch gar nichts anfangen kann. Marx hat NICHTS, KEIN WORT über die zukünftige Ordnung gesagt. Wenn jeder leistet was er kann und dem Schwächeren „einfach so“ hilft, braucht man in der Tat keine Theorie der Ordnung mehr (keine Institutionen, Gesetze, den Staat - NICHTS!) Einige Jahrzehnte lang konnte der Marxist sagen, er habe zwar keine Theorie, die Tatsachen schon (der real existierende Sozialismus). Jetzt hat er gar NICHTS. Deshalb: Der Linke muss endlich lernen theoretisch zu denken. In diesem Sinne, liebe Rätin, würde ich (vielleicht) sagen: Ich versuche jemanden „aus der Reserve zu locken“ oder noch besser „wachzurütteln“.

P.S. Die heutige Linke ist keine Partei die denken kann. Sie hat keinen, der dies kann. (Auch wenn mir Oscar doch soooooo sympathisch ist.) Sie ist ein Haufen von Blind-Wütigen und perfiden Karrieristen. Die werden die Welt nicht ändern - weil sie dafür dumm sind. Das Verfallsdatum der Linken ist der Augenblick, als die SPD in die Opposition geht. Was die Linke kann, kann die SPD schon längst. (Leider auch nichts mehr.)

Peinhard 14. Mai 2009 um 09:35  

Hm, Systemfrager, wenn Marx nix über eine zukünftige Ordnung gesagt hat - wie ist er dann gescheitert...?

Ich habe allerdings ein wenig auf deiner Seite geschmökert, zB den Artikel über Mill, Marx und die Freiheit. Darin heisst es ua, dass Marx die Kapitalisten abschaffen wollte, da laut seiner Theorie Krisen dadurch entstünden, dass diese sich fehl verhielten (Spekulation etc). Dann freilich könnte man behaupten, dass der 'RealSoz' in seinem Sinne gewesen und dessen Scheitern also auch seins sei.

Nur lese ich das bei Marx eher nicht. Ich lese, dass es die kapitalistische Produktionsweise selbst ist, die immer wieder zu Krisen führen muss. Und es also gelte, das Kapital abzuschaffen, mithin das ganze auf Lohnarbeit und 'Wert' basierende System der Warenproduktion. Das freilich traf auf den 'RealSoz' aber nicht zu, der nur den 'ideellen' Gesamtkapitalisten Staat sozusagen auch zum 'reellen' machte.

Eine Produktion 'ohne Gegenleistung' wiederum scheint mir in einer arbeitsteiligen Gesellschaft überhaupt nicht möglich - irgendwie müssen Produkte ausgetauscht werden, sonst wird das natürlich nichts. Die Frage wäre dann natürlich, auf welcher Basis 'getauscht' wird...

Systemfrager 14. Mai 2009 um 10:03  

@Peinhard
Du wolltest unsere mühselige Diskussion ein bisschen sophistisch erheitern. (Warum nicht.)
„Wenn XY nichts gesagt hat, wie konnte XY scheitern/unrecht haben?“
Ja, Marx hat über die Zukunft nichts Konkretes gesagt, er hat aber sakrosankt behauptet, dass uns nach der (letzen) Revolution eine ideale Ordnung 100% erwarten würde. Aber keine der (fast) unzähligen Revolution in einem Namen hat sie hervorgebracht. Nicht eine Spur davon. Hat er doch scheitern können. ;-)
Ja, „die Frage wäre dann natürlich, auf welcher Basis in der Zukunft 'getauscht' werden soll“ - so ist es in der Tat! Konkreter gesagt: Was für Institutionen (und Regelungen) brauchen wir in der Zukunft. Das ist die Systemfrage, und zwar deshalb, weil eine handwerkliche Reparatur der bestehenden Institutionen (Regelungen) nie reichen würde.

antiferengi 14. Mai 2009 um 11:43  

Mein Gott ihr seid ja immer noch dran :-)

@Anonym 13. Mai 2009 17:02
Nix für ungut, aber meine Alternative ist entweder gar nicht zur Wahl zu gehen - oder die Linke zu wählen....Das ist auch meine Einstellung, mit Schwerpunkt diesmal wählen zu gehen.
CDU/CSU/FDP/SPD/GRÜNEN Ich schlage vor das jetzt endlich mal sinnvoll abzukürzen. Wie wäre es mit CCFSG. Vorschläge bösartigerer Natur sind durchaus erwünscht :-)

@Systemfrager
Nein, habe tatsächlich nicht gewusst das du einen eigenen Blog machst. Sorry, - werde mich durchlesen.
ich bin ein „Ökonom mit Hammer“.Darum geht's mir doch die ganze Zeit. Ich stelle die Ökonomie generell als zu übergewichtigt behandelt in den Raum. In jedem System führt sie bei Überkonzentrierung darauf immer dazu die eigene Bevölkerung als kalkulierbare Ressource anzusehen, - was immer am Ende dazu führt das die involvierten Menschen für das System zuständig sind, und nicht umgekehrt.
Seht euch die anderen Blogs an. Selbst die, - welche ein System für die Menschen wollen sind am rechnen und kalkulieren wie das gehen soll, und merken nicht dass sie die Systematik dadurch selber leben. Weshalb eier ich immer so gerne auf blogs wie ad-sinistram, feynsinn, zeit-geist, paulinchen, geheimrätin rum? Weil es Menschlichkeit vermittelt, - ohne Ökonomie. Ohne Systematik. Sie bieten zwar keine Lösungen, aber manchmal ist der Weg die Lösung. Wenn wir uns irgendwann wirklich weiterentwickeln wollen müssen wir den Gedanken des dritten Weges von @Anonym unbedingt ansehen, - aber ohne echtes, wenigstens teilweise Verlassens des momentan vorgegebenen Lebensgefühls wird dies nicht möglich sein. Das Grundempfinden ist im Moment "Kalkulieren", und "Verkaufen", von alles und jedem, und auch von allen und jedem. Wir haben die Systematik in den letzten 20 Jahren richtiggehend verinnerlicht. Jeder von uns, und jetzt kommen wir nicht mehr los davon.
(Darum heiße ich antiferengi :-)

antiferengi 14. Mai 2009 um 14:43  

@Systemfrager
Nachtrag:
Habe gerade die Zeit gefunden mich durch deinen Blog zu lesen. (Du wirst zugeben das man dafür eine Menge Zeit braucht ;-)
Mein Friedensangebot. Wenn alle Ökonomen sich dieselbe Arbeit gemacht hätten wie du, hätte ich nichts gegen Ökonomie.
Ich glaube zwar nicht das es jemanden interressiert, aber ich betrachte meinen Kommentarkrieg gegen Systemfrager als beendet und wenn es sein muss kapitulier ich sogar :-)
Es ist ein Lehrstück wie unterschiedlich Menschen das gleiche denken können.

Systemfrager 14. Mai 2009 um 18:05  

Lieber Antiferengi

Ich kann sehr gut auch die heftigsten und peinlichsten Angriffe ertragen (ich mag sie sogar: bin ich kein Sportler - vielleicht sind sie das Surrogat für mich), aber so etwas wie das Wort „Kapitulation“ - auch wenn das nicht ernst gemeint ist - von einem Diskutanten, mit dem ich mich auf der gleichen Augenhöhe fühle, ist mir entschieden zu viel ...

So etwas würdest du mir nicht antun wollen! Ich bitte dich!Ja, ich freue mich, wenn ich jemanden auf einen Aspekt aufmerksam gemacht hatte, in unserem Fall auf die Notwendigkeit eines systematischen und konsequenten Denkens auch in den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften . Meine Mühe hat sich also gelohnt. Weil ich mit einem Fuß auch in den Naturwissenschaften stehe, ist es für mich jedoch selbstverständlich, das ein Phänomen viele Aspekte hat, und auch ein paar grundlegend verschiedene, die aber untereinander kompatibel sind. Deshalb ist dein letzter Satz ein Vergnügen für mich:

Es ist ein Lehrstück wie unterschiedlich Menschen das gleiche denken können.

  © Free Blogger Templates Columnus by Ourblogtemplates.com 2008

Back to TOP