De dicto

Donnerstag, 28. Mai 2009

"Mögen die Schwachstellen der Stopp-Schilder gegen Kinderpornographie noch so groß sein, mögen die Selbstheilungskräfte des Internets noch so ausgeprägt sein – es ist nicht zu bestreiten, dass immer häufiger im Internet zu sehen ist, wie Säuglinge und Kinder vergewaltigt werden. [...] Deren Netzideologie hält viel von Freizügigkeit, aber wenig von Verantwortung."
- Frankfurter Allgemeine, Jasper von Altenbockum am 27. Mai 2009 -
Zum Gesagten sei angemerkt: Wie übel es um den Journalismus hierzulande bestellt ist, läßt sich an dem Haufen Sätze ablesen, den von Altenbockum zum Thema Internetsperren hingeworfen hat. In der Kommentar-Rubrik, in der sein Elaborat erschienenen ist, müßte er nicht unbedingt stichhaltig berichten, aber stichhaltig argumentieren dürfte er schon, zum unkritischen Organ der Familienministerin jedenfalls müßte er sich nicht selbst erniedrigen. Doch er, wie das deutsche Feuilleton in fast allen Fällen, ist nurmehr eine Bastion der Unterstreichung vordiktierter Maßnahmen und Vorschläge - erlassen von den Zentralen der Machtausübung, verkündet durch die freien und unabhängigen Medien!

Mit welchen Mittel ein solches Verlautbarungsorgan arbeitet, läßt sich anhand des zitierten Textes erkennen. Kritiker werden ihres Status als zweifelnde Bürger enthoben, man nimmt ihnen ihre berechtigte kritische Kultur, die jede demokratische Landschaft nur bereichern kann, und degradiert sie dafür zu Ideologen, zu verantwortungslosen Gesellen, die gierig auf den eigenen Vorteilen sitzen bleiben wollen, obwohl die einzig vernünftige Handlung wäre, heftig bejahend mit dem Kopf zu nicken, wenn ein neuer freiheitsberaubender Erlass aus den Druckern diverser Ministerien herausrattert. Zudem ersinnt man Argumentationskonstrukte, die man den Kritikern in die Schuhe schiebt. Diese würden demnach vermehrt von den "Selbstheilungskräften des Internets" sprechen und damit jegliche staatliche Intervention im Keime ersticken wollen. Doch jede bodenständige Kritik am Plan von der Leyens hat nie auch nur im Ansatz einen solchen Terminus verwendet, jeder ernsthafte Kritiker würde niemals annehmen wollen, dass sich dortige Mißstände, die ja durchaus vorhanden sind - auch das leugnet das Heer der Kritiker nicht -, von alleine regeln. Damit das ganze Meer von Mundtotmachung noch unterstrichen wird, erfindet sich von Altenbockum ein anarchistisches Internet, in dem angeblich keinerlei Rechte gelten, in dem die Wildheit und das Recht des Hinterhältigen herrscht. Letztere Beschreibung trifft eher auf den vielgelobten freien Markt zu, nicht jedoch auf die Internetkultur, wie sie sich uns wirklich zeigt.

Damit soll ausgedrückt werden, dass der gemeine Kritiker ein antidemokratischer, verantwortungsloser, eigennütziger Kollege ist, mit dem es sich gar nicht zu diskutieren lohnt. Er ist demnach Handlanger der Kinderpornographen, von denen von Altenbockum behauptet, sie würden stetig mehr, ohne aber diese Behauptung zu untermauern. Der Kritiker ist daher nicht mehr Bestandteil eines demokratischen Diskurses, er ist ebenso Feind, wie der Pädophilie, nein, er ist schlimmer als der Pädophilie, weil letzterer seine Handlungen auf eine genetische Willkür schieben kann, oder auf eine fehlentwickelte Konditionierung in der Kindheit - je nach Wissenschaftler, die sich immer und überall darum streiten, ob etwas genetisch bedingt ist oder angelernt. Aber der Kritiker ist einfach nur uneinsichtig, unvernünftig, nimmt mit Gleichgültigkeit den zu bekämpfenden Mißstand hin, damit seine eigenen Interessen gewahrt bleiben. Dass der Verbreiter von Kinderpornographie kriminell handelt, liegt auf der Hand, dass aber der Kritiker am rigiden Abbau von Freiheitsrechten kriminell sein soll, dass muß erstmal herbeigeschrieben werden. Dazu bedarf es solch dümmlicher Kurzkommentare, wie den oben genannten.

Natürlich handelt es sich nur um einen Kommentar, nicht um ein journalistisches Stück, welches den Bürger objektiv aufklären soll. Dennoch muß man sich fragen, warum jemand, der im Namen der FAZ kommentieren darf, annimmt, er könne mit drei kurzen Absätzen, mit Verleumdungen und Verdrehungen Stimmung machen. Wenn er schon Verlautbarungsorgan der Familienministerin sein will, würde es zumindest eines gewieften journalistischen Sophismus bedürfen, der wenigstens vorgaukelt, man meine es objektiv. Von Altenbockums Murks zeigt deutlich auf, dass man Verdummung nicht mal mehr aufwendig betreiben will, dass dieses Geschäft des platten Duktus, ein schnelles Geschäft sein soll - wie beim schnell dazwischengeschobenen Urinieren, soll dem Leser schnell Dummheit ans Bein gepinkelt werden. Und noch etwas kann man erkennen: Man kann für große deutsche Tageszeitungen arbeiten, muß aber deshalb noch lange kein großer Journalist sein oder überhaupt Journalist sein - Zeiten der Volksverdummung sind auch immer Zeiten des sozialen Aufstiegs vom Mitläufern und von Mittelmäßigen und Unterdurchschnittlichen. In diesem Kontext muß man Einwürfe, wie jenen des Herrn von Altenbockum, begreifen lernen.

23 Kommentare:

Geheimrätin 28. Mai 2009 um 09:44  

Oh Roberto, jetzt ist mir gleich am morgen wieder übel geworden. Wer verschwört sich hier eigentlich mit wem? Das ist doch die Frage.

Mein Gott es ist nicht mehr auszuhalten. Man sollte diese ganzen Stoppschildausteller und internetsperrenbeführworter verklagen! Denn Kinderpornoseiten gehören vom Netz genommen und die Betreiber strafrechtlich verfolgt, ebenso wie jene die sich gegen dieses Vorgehen stellen indem sie Schutzschilder vor die Verbrecher stellen.

lupo cattivo 28. Mai 2009 um 10:07  

Hallo Roberto,
ich denke, es ist nicht wirklich verwunderlich, wenn Journalisten in kontrollieretn Medien das schreiben, was sie schreiben.
Sie wollen ihren Job behalten und vielleicht noch befördert werden, das geht nur durch MITMACHEN.
Bezeichnend ist eher das PROGRAMM, das hinter solchen Kampagnen steht.
Nicht nur, dass wir andauernd vom Antisemitismus bedroht sind, dass der islamische Terror uns in Angst und Schrecken versetzen soll, wir fürchten müssen, dass uns die Schweinegrippe doch noch tötet, dass Feinstaub unsere Lungen zerstört, während man nichts über chemtrails erfährt....
....es muss auch wahnsinnig viele "Kinderschänder" unter uns geben, eine weitere Gefahr, der sich die Regierungen annehmen müssen.
Das Ziel aller Kampagnen und dieses Ziel ist, wenn man unsere Gesellschaft betrachtet, bereits weit fortgeschritten:
MISSTRAUEN. Jeder, Dein Nachbar, Dein Freund könnte ein solcher Pädophiler sein; Frauen aufgepasst, viele Männer sind in Wirklichkeit Kinderschänder/Verbrecher .
Das ist die "Message": die Zerstörung und zertrümmerung einer Gesellschaft, die Vereinzelung der Menschen durch gegenseitiges Misstrauen.
Übrigens: der "Feminismus" war eine der ersten Waffen auf diesem Gebiet, der die Gesellschaft in zwei feindliche Lager, Männer und Frauen getrennt hat.

lupo cattivo 28. Mai 2009 um 10:13  

schönes Stichwort, Frau Geheimrätin,

Vor den grössten Weltverbrechern der letzten 100 Jahre steht ein riesiges Stoppschild mit der Aufschrift:

Halt, hier nicht weiter, Sie verlassen den Bereich der FDGO, wenn sie weitergehen, landen Sie im ANTISEMITISMUS !

Die FDGO, die "Demokratie nach westlichem Muster", der "Kapitalismus", der Antisemitismus , lauter Schilder, die den Zugang zur Wahrheit versperren sollen.

Geheimrätin 28. Mai 2009 um 10:17  

Her lupo cattivo

sie leiden wohl an einer Antiantisemitismus-Fixierung?

Bitte diesmal am Thema bleiben. Der Sache Wegen. Danke.

Roberto J. De Lapuente 28. Mai 2009 um 10:28  

Ich teile ja Deine Ansicht, Lupo Cattivo, dass der Antisemtitismus gerne als Waffe gegen Kritiker benutzt wird. Schließlich hat man auch mich schon desöfteren in dieselbe Ecke gestellt. Aber man muß ja nicht jeden Kommentar zwanghaft mit einer Warnung vor der Antisemitismus-Keule beschließen. Da muß ich der Geheimrätin schon recht geben...

otti 28. Mai 2009 um 10:38  

Wenn wir nicht genug Terror haben, helfen auch unrechtsstaatliche Stoppschilder zur unbegründeten Überwachung der Bürger.

Warum werden entsprechende Internetseiten von der Regierung in einem rechtsstaatlichen Verfahren nicht konsequent verboten? Das ist die Frage!

Die hier herrschende Kinderarmut wird von der fein lächelnden Dame und ihrer medialen Gefolgschaft dagegen nicht problematisiert. Sowas würde ja Geld kosten.

Was für eine verlogene Gesellschaft.

Margitta 28. Mai 2009 um 11:06  

Was mich ganz besonders wütend und sprachlos macht ist, dass es keinen der Befürworter interessiert, was die Missbrauchs-Opfer von er ganzen Sache halten. Christian Bahls hat es auf den Punkt gebracht. Er fühlt sich wieder missbraucht.

Den Gedanken, der mir in diesem Zusammenhang immer wieder kommt, behalte ich aber lieber für mich.

nachdenkliche Grüße
Margitta Lamers

klaus baum 28. Mai 2009 um 11:44  

>>Damit das ganze Meer von Mundtotmachung noch unterstrichen wird, erfindet sich von Altenbockum ein anarchistisches Internet, in dem angeblich keinerlei Rechte gelten, in dem die Wildheit und das Recht des Hinterhältigen herrscht. Letztere Beschreibung trifft eher auf den vielgelobten freien Markt zu, nicht jedoch auf die Internetkultur, wie sie sich uns wirklich zeigt.<<
Wenn die neoliberale Wirtschafts- und Finanzanarchie (wer besser und gerissener ausbeuten und bescheissen kann) sich austobt, sagt man, diese Freiheit benötigen wir, damit alles sich zum Guten wende, wenn das Internet die Falschheit dieses Denkens aufzeigt, nennt man es Anarchie und diese will man dann abschaffen.
Dieser Herr von und zu arbeitet hier mit einer typischen Projektion.

lupo cattivo 28. Mai 2009 um 12:40  

@ Roberto & Geheimrätin
zugegeben, als ich das entdeckt habe, bin ich auch erst mal erschrocken. 50 Jahre lang habe ich mich nur gefragt, warum jeden Tag, den Gott werden lässt, irgendwo und sei es noch so an den Haaren herbeigezogen, die Antisemitismus-Sau durchs Dorf getrieben werden musste.
Und es ist ganz dicht beim Thema:
Die ganzen Infos über wahre Zusammenhänge stehen in keinem Lehrbuch, qualifizierteste Gegner der Rothschild-Verbrecher aller wissenschaftlichen Richtungen haben oft nur noch die Möglichkeit, ihre Erkenntnisse über das Internet zu verbreiten und es geht doch ganz klar darum, diese Informationsmöglichkeit zu kastrieren und nicht um KIPO.

Nein, Frau Geheimrätin, das ist keine Fixierung, sondern Konzentration aufs Wesentliche. Auf diesem Fundament steht das ganze Weltbeherrschungssystem und (siehe WTC) nur wenn man das Fundament wegsprengt, stürzt alles in Fallgeschwindigkeit zusammen.
Deshalb, ob uns das nun passt oder nicht: Tatsächlich hängt die Unangreifbarkeit des ganze Systems
am Antisemitismus und solange das nicht möglichst vielen klar wird, können wir nur über Symptome wehklagen..
Niemand muss sich deswegen in eine Ecke stellen lassen, weil es sich nicht um "Theorien" handelt, sondern um nackte und erschreckende Fakten.

Geheimrätin 28. Mai 2009 um 13:40  

...uch auf die Gefahr hin mich zu wiederholen, möchte ich auch hier dazu aufrufen, nochmals gemeinsam in Aktion gegen die verbrecherischen Pläne unserer Zensurursula anzutreten. Nur bitte diesmal mit dem Fokus auf den Kinderschutz....

Verklagt die Kinderpornomafia!(update)

Frank F. 28. Mai 2009 um 14:59  

Was mich in diesen Tagen und Wochen am meisten verwundert, ist die allgemeine Stille in diesem Land. Angesichts dessen was hier seit Jahren forciert betrieben wird, (namentlich das permanente Amputieren und Reduzieren alles Demokratischen und Solidarischen) ist mir diese Stille so unheimlich, wie sie mir unheimlicher nicht sein könnte. Fast als befänden wir uns bereits im Auge eines gewaltigen gesellschaftlichen Hurrikans.

Es ist weiterhin höchst erstaunlich, wie wir uns Tag für Tag eine widerwärtige Scheinwirklichkeit um die Ohren hauen lassen ... entworfen, geformt und schließlich wie Müll in die Welt verkippt von einem wahnsinnig gewordenen System, welches einzig auf Macht und Geld fixiert ist. Haben wir denn nichts besseres verdient? Sind wir nicht viel mehr als Geld?

Zeichnen sich Demokratien nicht dadurch aus, dass sich deren Informationsmedien durch die Pflicht zur Objektivität leiten lassen? Geht es in einem demokratischen Land nicht darum, dass die Standpunkte aller beteiligten demokratischen Strömungen Verbreitung finden sollten? Wo bleibt der echte demokratische Diskurs in all den deutschen Medien des Mainstreams? Ohne die Hilfe der Lupe wird man dort nur schwerlich den einen oder anderen verirrten, ernsthaft systemkritischen Beitrag finden. Angesichts der Tatsachen erzeugen selbige Medien in mir nichts als Ekel und Abscheu, weil sie längst zu einer riesigen Plattform für den verlogenen Monolog der Mächtigen verkommen sind. Das ist eine beängstigende, weil im höchsten Maße undemokratische Entwicklung.

Jedoch - nicht die Macht der Mächtigen selbst macht mir Angst, sondern die scheinbare oder wahrscheinliche Unbekümmertheit der Millionen und Abermillionen von Konsumenten des Monologs der Mächtigen, aber auch die Ohnmacht der Sehenden.

Eines ist sicher: diese allgemeine Stille gibt den Architekten dieses unheilvollen Systems praktisch unbegrenzte Handlungsfreiheit. Jeder Tag der allgemeinen Stille ist ein Gewinn für die Gesellschaftszerstörer.

Lesefuchs 28. Mai 2009 um 16:15  

@lupo cattivo
Das ist vollkommen richtig! Habe ähnliches bereits mal geschrieben.
Es wird in den Medien ständig gegen irgendeine/welche Gruppe/n gehetzt:
U.a. die Schwulen, die Ausländer (sorry die Bürger mit Migrationshintergrund), die Finanzhaie, die Politiker und und und.
Und ganz wichtig: die Arbeitslosen, die HARTZ IV Empfänger und die Sozialschmarotzer!
Eine Sache muss dringlichst vermieden werden: EINIGKEIT!
Gutes Beispiel ist der Kündigungsgrund beim Gehaltshöhenaustasuch mit den Kollegen!
Jetzt gerade aktuell:
1 - die gierigen Banker
2 - die Internetsperrengegner
3 - die Linken
Der Informierte weiß:
1 - Sie könnten es nicht sein (gierig), wenn ihnen die Politik nicht seit Jahren Tür und Tor geöffnet hätte
2 - Sie bräuchte man nicht fürchten, wenn die Politik sich bei ECHTEN Experten informieren würde
3 - Sie haben noch keinen Tag Bundespolitik gemacht, können für das heutige "Elend" nicht verantwortlich sein.

Leider informiert sich die Masse des Volkes eben dort, wo die Hetze stattfindet ohne die Schlagzeilen zu hinterfragen! Das wird im September gut zu sehen sein!

romano 28. Mai 2009 um 17:17  

es ist wie mit einer blauen Brille: blaue Wörter sehe ich dann nicht. In dieser und in anderen Bereichen hapert es ja unter anderem am differenzierten Blick. Dieser würde die blauen Wörter auch sehen, der undifferenzierte Blick sieht nur die andersfarbigen. Da solche Blicke aber auch dazu neigen, zu planen, zu kombinieren und zu kalkulieren, entwerfen sie Strategien aus einer reduzierten Informationsmenge. Sie sind auch Gefühlswesen und kennen Ekel, Ehre, Hoffnung, Angst, Freude usw., sie haben auch Charaktereigenheiten wie Arroganz, Selbstsicherheit, Zurückhaltung, Freundlichkeit usw.
Der Mensch sieht nicht immer alles und was er sieht, kann er sich oft nicht aussuchen. Er kann sein vielschichtiges "Seh"-Sensorium aber schärfen und will er das, bedarf es in der Regel einiger, auch schmerzhafter Korrekturen und Entwöhnungen sowie Einübungen. Es geht dabei freilich nicht nur um Wissen. Das meinten viele europäische Philosophen und sie sahen darin eben nicht richtig. Jedenfalls, diese so strebende Haltung führt im Glücksfall zu Weisheit, womit die Lebensvollzüge eines solchen Menschen präzise und differenziert werden (was freilich nur ein spezifischen Fällen etwas mit Schnelligkeit und Kraft und Perfektion und dergleichen zu tun hat.)
Der Kommentator ging diesen Weg bisher noch nicht genug. Sein Blick kann die Gefahren der Internetsperren nicht sehen. Ob er sich belehren läßt, weiß man nicht. Vermutlich belehrt er lieber selbst. Und er scheint sich in guter Gesellschaft und nicht in Isolation zu wissen, wenn er diese Meinung publiziert. Der Dreischritt: es gibt Übles-Übles muss verboten werden-Kollateralschäden sind irrelevant ist eingängig. Nicht zuletzt weil Informationsfreiheitsrechte ganz blöd abstrakt sind und man ihre Güte nicht sofort sieht, dagegen schnellt so ein Pornofoto in die Gehirnwindungen und die rote Ampel bekommt sofort Applaus. Das gibt der Existenz regelrecht Sinn. Da weiß sogar Max Mustermann wo der Radiergummi in dieser schwarz-weißen Welt anzusetzen ist. Im Grunde ist es aber auch eine Partizipationschance: eine Partizipation, die auf bestimmten kognitiv-emotionalen Niveaus lanciert und vorgefärbt wird. Technokraten wie Steinmeier schauen dagegen blass aus. Der agiert nur im partizipationsfreien Raum der Finanzökonomie. Hier wird der Pöbel zur Meinungsbildung stimuliert. Und siehe da, die Politiker machen mal was Verständliches und deswegen Gescheites. So gesehen, ist der Weg der Emanzipation noch weit. Man war nicht umsichtig genug. Man hat auf die Speerspitzen gestarrt. Man hat viele Menschen zurück gelassen und sie haben dazu geschwiegen. Nun stellt sich heraus, dass vieles nur lautes Geschrei war.

Anonym 28. Mai 2009 um 17:22  

@Frank F.

"[...]Was mich in diesen Tagen und Wochen am meisten verwundert, ist die allgemeine Stille in diesem Land.[...]"

Schließe mich an, obwohl es nicht das einzige ist, dass mich schon seit Jahren "in diesem Land" verwundert.

Wir leben z.B. in einer durch und durch korrupten Republik, aber die PolitikerInnen in Berlin, in ihrer Feierlaune bei den Juliläen, verschweigen die Tatsache, dass auch die alte Bundesrepublik Deutschland, vor der dt. Einheit, eine ganz andere war als die heutige Maggy-Merkel-Marktkriminellen-Republik namens Deutschland.

Ich denk es fing wohl alles mit dem CDU-Spendenskandal an, nachdem die durch und durch korrupten "Eliten" hiermit durchgekommen sind regt sich seither kein Widerstand mehr sonder eher eine lähmende Resignation über's Land, und zwar generationenübergreifend.

Wenn ich so meinen 15-jährigen Neffen höre dann höre ich nur noch "raus aus Deutschland".

Mit 15 Jahren schon, auch andere in meiner Familie bzw. Verwandtschaft sprechen hinter vorgehaltener Hand von obiger Tatsache, die alte BRD war um einiges gerechter, auch, und gerade wohlfahrtsstaatlicher, als die Maggy-Merkel-Republik - Ironie der Geschichte: Viele stimmen mit Füßen ab, und drehen Deutschland für immer den Rücken.

Diesmal meine ich aber nicht die "Eliten" sondern auch viele aus der Mittel- und Unterschicht, die lieber andere Ufer aufsuchen als den Niedergang unserers Landes weiterzuerleben.

Erinnert fatal an die, die die DDR verließen, und mit Füßen über das sozialistische System abgestimmt haben - Nur diesmal ist es ein kapitalistisches Land dem viele den Rücken zukehren.

Würde mich mal interessieren wohin die abwandern? Ich tippe mal auf Obama-USA. Ob die Motivation wirklich die obige ist? Und vor allen Dingen, wieviel abwandern - ins nähere und weitere Ausland und für wie lage. Für immer? Oder nur vorübergehend?

Wo kann man hier was drüber erfahren im Netz? Gibt es Statistiken über die Auswanderung aus Deutschland?

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 28. Mai 2009 um 17:27  

@Frank F.

Bin hier mal beim Recherchieren fündig geworden:

http://www.welt.de/welt_print/article2976484/Raphaels-Werk-Neue-Datenbank-zu-Auswanderung.html

Fazit:

"[...]Statistik verließen rund 165 000 Deutsche im Jahr 2007 ihr Land, so viele wie nie seit dem Zweiten Weltkrieg. Und auch 2009 dürfte angesichts sinkender Konjunkturdaten ähnliche Zahlen bringen. [...]"

Quelle und kompletter Text:

http://www.welt.de/welt_print/article2976484/Raphaels-Werk-Neue-Datenbank-zu-Auswanderung.html

Ergo:

Wer es sich, sprachlich oder sonstirgendwie, leisten kann haut ab.

Wenn es so weiter geht, dann leben hier wirklich nur noch wenige Menschen, denn die Zuwandererzahl nach Deutschland nimmt immer mehr ab....

So meine These....

Gute Nacht Deutschland, der letzte macht das Licht aus....

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 28. Mai 2009 um 17:43  

Hallo Roberto,

der breite Raum, den Medien für die Volksverdummung zulassen oder sich aktiv daran beteiligen ist enorm. Den Menschen wird weisgemacht, man stolpert im Internet andauernd über KiPo-Seiten oder jeder Terrorist bereitet seine Anschläge Online vor.
Es sind die Stopp-Schilder, es sind die Online-Durchsuchungen... Jeden Tag wird eine neue Terrorbedrohungssau durchs Dorf getrieben, Online-Durchsuchung durch das BKA reicht nicht, der Verfassungsschutz soll jetzt auch durchsuchen dürfen. Zensursula will sperren lassen. Man kann sich heute eigentlich die Frage stellen: Wer sind denn diejeinigen, vor denen das Grundgesetz der BRD geschützt werden muß? Mit welcher Kaltblütigkeit BM Schäuble und BM vdL ihre Interessen gegen das Volk durchdrücken wollen ist schon DENKWÜRDIG!!
Und letztendlich ist es nur die Machtgeilheit von Politiker, die gerade am Beispiel von U.vdL auch noch Opfer für ihre miesen Wahlkampfmethoden missbrauchen.

Gruss: Robert Reich

CThurner 28. Mai 2009 um 19:23  

DANKE für diese Stellungnahme, die es auf den Punkt trifft!

Tim 29. Mai 2009 um 01:41  

Sag mal, lupo, du hast ja nun wirklich die volle Bandbreite sämtlicher gängiger Verschwörungstheorien inhaliert, wa?

Michel 29. Mai 2009 um 02:35  

Selber erlebt:

"Im Internet, da gibt es ja nur Porno und Abzocke!"

frage: "Schonmal im Internet gesurft?"

Antwort: "Nee!"

Wieviele Menschen haben wohl Internet, wieviele haben noch keine Erfahrung oder benutzen es nur für ebay, spiegelOnline und Welt.de??

Es ist halt schon ein Unterschied, ob man das Internet für Recherchen benutzt oder nur zum Daddeln und Infotainment.

Die mangelnde Qualität des deutschen Journalismus ist schon erschreckend. Ich erinnere mich, dass früher gesagt wurde, Journalisten sollten ausgewogen berichten, Hintergründe recherchieren, Zusammenhänge aufzeigen und Verallgemeinerungen vermeiden.
Was ist daraus geworden?

Ein anderes Phänomen ist übrigens noch interessanter:
Deutschunterricht.
Der Deutschunterricht geht immer mehr von vielfältiger Text- und Lesekenntnis hin zum Erstellen, Lesen und Bearbeiten von Gebrauchstexten. Wenn Gedichtbesprechungen und "hohe Literatur" aber nicht mehr durchgenommen werden, auf Erzählperspektive, Wortwahl, geschichtlichen/sozialen/philosophischen/logisch-kontextuellen Zusammenhang NICHT MEHR abgeklopft werden, an welchen Problemen und Fragestellungen sollen Schüler dann ihren Verstand und ihre Fähigkeiten, mit Texten umzugehen, schärfen?

Auch die Curricula anderer Fächer werden systematisch auf praktisch anwendbares, also kommerziell verwertbares Wissen zusammengeschrumpft, nicht nur an Haupt- und Realschulen, sondern auch am Gymnasium!
Nicht, dass eine Reduzierung des Curriculums nicht notwendig wäre, aber doch nicht mit so einer Zielsetzung und vor allem nicht in diesem Ausmaß!

lupo cattivo 29. Mai 2009 um 09:19  

@ Tim
inhaliert habe ich gar nichts, sondern nur zigtausend Stunden investiert....
und dabei tausende von Geschichtspuzzleteilen entdeckt, die merkwürdigerweise "verloren" gegangen sind. Uns seltsam fand ich erst mal, dass all diese "verlorenen" Stücke alle in die gleiche Richtung wiesen, dass durch den "Verlust" immer nur eine Gruppe begünstigt war.
Ist aber sicher für Leute wie Tim nur Zufall. Ich glaube, dass Zufall etwas sehr seltenes ist.

Wodurch wird etwas zu einer "gängigen Verschwörungstheorie" ?
Können wir beide etwas zu einer solchen erklären ?
Am besten machen das die Leute, die wissen, welche Fakten es zu verbergen gilt, weil sie das selbst veranlasst haben, sie können dann selbst ein paar Idiotentheorien um diese Fakten legen und all das anschliessen qua von ihnen kontrollierte Medien zu einer "gängigen VT" erklären.

Aber dafür muss man sich auch noch etwas mit Information/Desinformation und mind-control beschäftigt haben...
Viel leichter ist es, einfach sich der Mehrheitsmeinung anzuschliessen und die Minderheit zu beschimpfen, dass sie die schöne heile Welt zerstören.

Peinhard 29. Mai 2009 um 11:11  

"...dass sie die schöne heile Welt zerstören."

Namentlich die Vorstellung, der Kapitalismus könne 'einwandfrei funktionieren' - wenn da nur die FED und Rothschilds nicht wären. Dumm nur, das er das auch vorher schon nicht tat, und selbst 'in guten Zeiten' eben nur eine Minderheit profitiert. Zu der man vielleicht sogar mal gehörte, oder meinte zu gehören. Ein 'funktionierender Nord-Westen' ist global eben auch nur eine Minderheit.

Jetzt aber zurück zum eigentlichen Thema hier...

lupo cattivo 30. Mai 2009 um 00:56  

@ Peinhard

Wo hat er "vorher" nicht funktioniert ? Die Schweiz war ein blühendes , reiches, beneidetes und kapialistisches Land, stinksolide solange bis sie 1992 mit einem üblen Trick der Zionisten (was später sogar eingetanden wurde) in den IWF gepresst wurden und damit den Goldstandard aufgeben mussten, der bis dahin für den sfr existierte !!!!

Das alles funktioniert nur, wenn man die öffentliche Meinung beherrscht und das genau ist die Zensur.

Tim 30. Mai 2009 um 03:30  

Sorry, einer noch:

Nichts für Ungut, Sätze wie diese hier:
"Ist aber sicher für Leute wie Tim nur Zufall." und: "Viel leichter ist es, einfach sich der Mehrheitsmeinung anzuschliessen und die Minderheit zu beschimpfen, dass sie die schöne heile Welt zerstören."
...habe ich inzwischen schon häufiger gehört als "Guten Tag". Tangiert mich immer noch nicht. Vielleicht liegt es daran, dass ich ebenfalls einige Stunden investiert habe - z.B. um herauszufinden, was sich hinter - den meisten - gängigen VTs tatsächlich verbirgt...
Hintergründe recherchieren ist löblich, aber auf jeden dahergelaufen Käse hereinzufallen ist was anderes.

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