Ein falsches Leben im richtigen?

Freitag, 1. Mai 2009

Sie betreuen die Kinder Ihrer Nachbarin? - Hoffentlich entlohnt sie Ihr Bemühen ordentlich!
Eine pflegebedürftige Bekannte nimmt Ihre Zeit in Anspruch? - Wann bezahlt sie dafür, am ersten oder am fünfzehnten des Monats?
Bekannte leihen sich bei Ihnen desöfteren ein Ohr, damit Sie sie mit Lebensratschlägen bereichern? - Das wird denen doch sicherlich eine Honorar wert sein!
Sie schenken einem wohltätigen Zweck Ihre unbezahlbare Freizeit? - Man kann nur hoffen, dass sie der Unbezahlbarkeit zum Trotz dennoch vergütet wird!
Einigen Bekannten helfen Sie leihweise mit Geldsummen aus? - Seien Sie beim Zins nicht zu kameradschaftlich!
Einem Obdachlosen werfen Sie Bares in den Hut? - Hoffentlich erklingt zum Dank wenigstens ein Liedchen auf der Mundharmonika!

Wir vergeldlichen alles! Was nichts kostet, was nichts einbringt, hat keinen Wert. Geldwert ist Mehrwert ist einziger Wert der Wertschöpfungsgesellschaft. Eine gute Tat, ein nettes, mutmachendes Wort, eine Portion Selbstlosigkeit - nicht mit uns! Taten, Worte, Selbstlosigkeiten wollen bezahlt sein. Man will ja leben können und damit man leben kann, muß nutzlos vertändelte Zeit finanziell vergolten werden. Zeit ist Geld und Geld ist Zeit! Wer kann denn Gutes tun, wer kann selbstlos seine Freizeit opfern, wenn er dabei die Angst im Nacken spürt, für seine Aufwendungen doch leer auszugehen? Wer kann schon ohne schlechtem Gewissen geldlos helfen? Erdrückt einen solchen Zeitgenossen nicht seine Selbstlosigkeit, weil sein kostenloses Engagement auf Kosten seiner Familie, seines Vermieters, seiner Gläubiger geht, die mit weniger praktizierter Selbstlosigkeit ein wenig Kleingeld abbekommen würden? Würde man für Hilfe die Hand aufhalten, wäre dann nicht jedem geholfen?

Oh nein, demjenigen, der Hilfe bräuchte, der auf kostenfreie Hilfe angewiesen wäre, dem wäre dabei einmal mehr nicht geholfen. Aber die benötigte Hilfe würde dennoch überflüssig, weil der Hilfesuchende sich zurückzöge, sich isolierte, nicht mehr nach Hilfe schrie. Auch so kann der Hilfebedürftigkeit begegnet werden. Wenn man schon die Sorgen der Hilflosen nicht verschwinden lassen kann, dann laßt wenigstens die Hilflosen schwinden. Wer heute noch selbstlos einschreitet, wer einfach mal aus Mitmenschlichkeit für den Nächsten da ist, der macht sich verdächtig, der zersetzt dieses schöne Gefüge aus Dienstleistung und big business, der ist eine sozialistische Gefahr für unsere wohlfunktionierende Marktgesellschaft. Solche Ewiggestrigen halten die Menschlichkeit als Relikt vergangener Tage aufrecht und handeln dem Marktprinzip zuwider.

Hier taucht man tief ins Denken der Befürworter der herrschenden Zustände ab. Sie begreifen die Welt wie sie ist folgendermaßen: Solche - Mitmenschliche - sind nicht frei in ihrem Willen, denn von Natur aus gibt es keine Mitmenschlichkeit, keine Solidarität zwischen Wesen, auch wenn Wissenschaftler oder Denker wie Kropotkin dann und wann anderes behaupteten. Solche Behauptungen sind nichtig, müssen nichtig sein, damit das Gefüge unserer Zivilisation nicht wankt. Solidarität, Hilfe und Mitmenschlichkeit sind aus der Mode gekommen, weil der Mensch begriffen hat, dass er nur aus Handelsbeziehungen und Nachfragemotiven besteht. Er läßt sich nur zu Handlungen hinreißen, wenn er sich davon Profit verspricht, selbst wenn er sich in einen Mitmenschen verliebt, will er (vielleicht unterbewußt) nur profitabel von selbigen penetriert werden. Idealistische Motive sind ein Hohn, weil hinter jedem Idealismus der Profit steckt. Man idealisiert den Frieden, weil man selbst von friedlichen Strukturen profitieren will; man idealisiert die Mitmenschlichkeit, weil einem die Furcht quält, selbst einmal auf Mitmenschlichkeit angewiesen zu sein.

Seht doch her, seht Euch unsere Welt an! Sie ist eine Welt der Nachfrage und der Bedürfnisse. Kein Idealismus trübt unser globales Tun. Sich immer zu verbessern, Fortschritt zu befördern, das ist das wirkliche Menschsein. Wer Schwächlichen auf die Beine hilft, der wird von romantischen Frauen oder Männern begehrt, aber der Welt und seiner Spezies hat er damit nichts Gutes getan. Wenn schon, dann müssen Schwächliche eingebunden werden, damit sie nicht nurmehr Nachfragen erzeugen, sondern auch Bedürfnisse Dritter befrieden können. So werden diese trübseligen Gestalten menschheitsrelevant, dienen uns allen, beziehen einen Wert, können sich ihren Hilfsengel nun auch bezahlen, müssen nicht mehr warten, bis die Nachbarin ohne Geldansprüche die Kinder beaufsichtigt, können sich stattdessen ein Kindermädchen mit Stundenlohn engagieren. Damit begreift auch der beaufsichtigte Nachwuchs, dass jedes Handeln dringend finanziellen Hintergrund haben muß. Alles andere ist ein falsches Leben im richtigen.

Was herauskommt ist eine sterile Gesellschaft, in der Konten und Stundenlöhne Menschlichkeit und Füreinanderdasein ersetzen. Aber die Menschheit kannte viele Jahrhunderte nur die zweiteren Werte, während sie dabei verhungern mußte. Konten und Stundenlöhne gewähren, meistens jedenfalls, volle Bäuche. Die Sterilität ist in Wirklichkeit also Nächstenliebe. Der Mensch lebt nicht vom Brot alleine? Aber nur durch das Brot kann er sich bauchaufwärts Hirngespinste aufbauen, die dann eben Solidarität oder Gesellschaftlichkeit heißen - ohne Brot gäbe es nichts, was man romantisch verklären könnte. Angebot und Nachfrage macht uns erst zu wirklichen Menschen, die enthoben sind aller anormalen Idealisierung. Der moderne Mensch ist auf dem Weg zu neuen Zielen, zum neuen Menschentypus. Er wird der Mensch sein, der nur noch für Angebot und Nachfrage lebt. Wird nach Waffen gefragt, wird er welche anbieten; wird nach Gengemüse gefragt, so bietet er eben Gengemüse an; kritische Fragen, idealistisches Geplänkel zu Waffen und Genanbau werden verschwinden, werden keine Nachfrage mehr erfüllen und daher wird keiner ein Angebot dazu anbieten wollen.

Idealismus wirft einfach keinen Profit ab, er kostet meistens aber viel. Der Großteil dieser Gesellschaft, die Machthaber und Wirtschaftsfürsten, kleine Unternehmer, viele viele Arbeitnehmer, selbst Kirchenleute und Sozialverbände haben es kapiert: das materielle Leben hat uns zu beschäftigen. Profit und Wachstum - immer weiter! Grenzen gibt es nur im Kopf kritischer Menschen, in dem idealistische Träumereien Barrieren erstellen. Und sollten wirklich einmal Grenzen erreicht sein, Wachstum aufhören oder schrumpfen, so hat die Menschheit ihr Lebensrecht verwirkt. Man muß nur seinen Darwin richtig lesen und deuten. Wir gelten als gierig - wir sind es auch! Das ist unser Trieb, er hält uns am Leben und vielleicht tötet er uns auch irgendwann. Aber wir können nicht aus unserer Haut. Sich Gesellschaftsmodelle zu entwerfen, in denen alle Menschen glücklicher sein können, in denen der Zusammenbruch der Menschheit ausgeschlossen wird, widerspricht der Evolution. Weiter, immer weiter - das ist Menschlichkeit! Was uns vor anderen Spezies, die evolutionsbedingt verschwinden, unterscheidet, ist die Tatsache, dass wir unseren Niedergang erahnen können - die wahre Not der Menschheit ist, dass wir unserem Todestrieb ausleben müssen und dabei auch noch erkennen, dass es ein Ende mit uns nimmt.

19 Kommentare:

Frank F. 1. Mai 2009 um 15:21  

Einmal mehr ein beeindruckender Text gegen diesen üblen Zeitgeist, welcher sich mittlerweile in sämtliche denkbaren Lebensbereiche eingeschlichen hat und Schlimmes erahnen läßt. Ich halte dieses Deutschland für neoliberal völlig durchgiftet.

So ist es kein Wunder, dass ich eines Morgens (so geschehen vor einigen Wochen) schweißgebadet aus einem Albtraum aufgeschreckt war, an dem ich mich kaum an Einzelheiten erinnern kann, dessen Rahmenhandlung es aber in sich hatte: Es ist der 09. November (war es 2009 oder 2011?). Fast ein Tag wie jeder andere, wenn es nicht der Tag gewesen wäre, von dem an sich alle HartzV-Betroffene per Gesetz nur noch mit speziellem Ausweis und mit gut sichtbarem Zeichen auf der Kleidung in der Öffentlichkeit frei bewegen dürfen...

Frank F. 1. Mai 2009 um 15:31  

"Was uns vor anderen Spezies ... unterscheidet, ist die Tatsache, dass..."Die Blumeninsel

Geheimrätin 1. Mai 2009 um 16:31  

Der Dichter Roberto spricht mir mal wieder aus der Seele und ich bedanke ich mich heute für diesen Text mit einem Zitat des werten Herrn Geheimrats:

"was soll das Reale an sich?
Wir haben Freude daran,
wenn es mit Wahrheit dargestellt ist,
ja es kann uns auch von gewissen Dingen einde deutlichere Erkenntnis geben;
aber der eigentliche Gewinn für unsere höhere Natur liegt doch allein im Idealen,
das aus dem Herzen des Dichters hervorging."

Rainer Thomas 1. Mai 2009 um 16:48  

Wie immer: gelungener Epos im Stile.
Aber diese Synthese aus kafkaeskser Depression und Nietzschem Sarkasmus - wenn auch gut gelungen - führt doch nicht weiter.

antiferengi 1. Mai 2009 um 18:10  

Evolution ist für uns was wir daraus machen und damit ist es wieder Evolution.
Brillianter Wissenschaftler und menschliches Wrack. Auch Darwin war nur ein Mensch, und hat doch so viel bewegt.

Sorry, auch vom Sprücheklopfer ein hilfloses Riesendankeschön.

Anonym 1. Mai 2009 um 18:14  

Adorno Es gibt kein richtiges Leben im falschen

Rainer Thomas 1. Mai 2009 um 21:47  

...und eigentlich muss es doch heißen: ein richtiges Leben im Falschen, lieber Roberto. Oder nicht?

Roberto J. De Lapuente 1. Mai 2009 um 22:31  

Kommt drauf an, von welcher Seite es gesagt wird...

Geheimrätin 1. Mai 2009 um 23:21  

ja der Herr Adorno mit seinem kein richtiges Leben im falschen...hm...

Ich denke das richtige Leben ob im richtigen oder im Falschen ist das eigene, authentische. Dieses kann nicht falsch sein. Wie könnte das eigene authentische Leben falsch sein? Evolution... Weiss eine Raupe dass sie ein Schmetterling ist? In jedem Fall gibt sie sich in, verpuppt sich...entpuppt sich und voilà, here we go..

Mir scheint eher der Mensch stellt sich der eigenen Evolution entgegen. Er will nicht loslassen, sorgt sich um die eigene Identität. Mürrisch und starrsinnig hält er fest an etwas das nicht fest ist, verliert dadurch seine Authentizität und macht als Ersatzt etwas zu seiner Identität was falsch ist, falsch weil nicht authentisch..

Solidarität fördert nicht nur das Gemeinwohl sondern auch die eigene Authentizität. Solidarität fördert ohne zu fordern und fordert sich gerade dadurch selbst heraus... was folgt ist eine Resonanz die mitunter sogar in Harmonie ausarten kann..

Harmonie durch Konflikt. Etwas in mir treibt mich dazu, den Pinsel in die Hand zu nehmen, zu malen oder zu schreiben. Ein Konflikt sucht seine Erlösung und liebt sich doch selbst am meisten ...weil dieser Trieb zu schaffen das Lebendige ist ...was aber ist die Erlösung?

Wenn ich aber das Gespür für mein authentisches Leben verliere, dann beginnt das eigentliche Trauerspiel. Gefangener meine Selbst suche ich das richtige im Falschen und finde es nicht, weil das falsche im Richtigen mich daran hindert.

Seufz....Trotz alledem bin ich guter Hoffnung....weil: der Mensch ist eine Raupe!

In diesem Sinne
schönes Wochenende!

Michel aus Lönneberga 2. Mai 2009 um 05:49  

Mal wieder ein Dankeschön für diesen Anker, der einen vor dem Abdriften bewahrt.

Eine Lösung hat aber wohl nicht mal das linke politische Spektrum, daher geht es wohl zunächst so weiter wie gehabt.

Es kann aber trotzdem kein Fehler sein, sich zumindest damit auseinanderzusetzen, was abläuft.
Denn:
Nur die dümmsten Kälber
suchen ihre Schlachter selber.
Ein Wechsel hin zu einer echten linken Regierung wäre schon schön, bleibt aber wohl Illusion. Ich gucke auch immer rüber nach England und ich muss sagen, dort geht die Labour Party (etwa: Arbeiterpartei, also eigentlich links) sowas von baden, das glaubt man nicht, während die Tories (konservative) trotz vieler adeliger, reicher Abgeordneter plötzlich als volksnäher und kompetenter gelten, obwohl es gerade Thatchers Reformen waren, die für Englands Zustand verantwortlich sind.


Nützliche und recht lange Analyse des Ganzen auch hier:

http://www.jungewelt.de/2009/04-29/009.php

"Die große Wut
Vorabdruck. »Zeit des Zorns. Streitschrift für eine gerechte Gesellschaft«
Von Jutta Ditfurth

In ihrem am 2. Mai erscheinenden Buch »Zeit des Zorns« analysiert Jutta Ditfurth, wie sich das Kapital die globale Wirtschaftskrise zunutze macht, um sich der noch verbliebenen sozialen und demokratischen Errungenschaften ebenso wie ökologischen Erfordernissen zu entledigen. ­Ihre Prognose: Der weltweite ökonomische Abschwung wird nicht zum Zusammenbruch des Kapitalismus führen, vielmehr besteht die Gefahr, daß er gestärkt aus ihm hervorgeht. Ditfurth fragt nach den zentralen Schwachpunkten des Systems und diskutiert Strategien der Gegenwehr. Wir veröffentlichen im folgenden Auszüge – unter Weglassung von Literaturhinweisen – aus dem ersten Kapitel. Wir danken dem Droemer Verlag für die freundliche Genehmigung zum Vorabdruck. (jW)
[...]
Eine Ursache des großen Rollbacks, in dem wir uns heute befinden, ist die Auflösung der Sowjetunion und der anderen Staaten des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW). Ihr Niedergang ließ den Kapitalismus auf längere Sicht scheinbar konkurrenzlos zurück. Bei aller linken Kritik an der bürokratischen Kommandowirtschaft in der DDR und in der Sowjetunion hatte die Konkurrenz der Systeme nicht zu unterschätzende Vorteile. Reibungen und Freiräume waren entstanden, die die Befreiungsbewegungen in der sogenannten Dritten Welt für sich nutzen konnten. (…)
[...]"

Peinhard 2. Mai 2009 um 10:30  

"Solidarität fördert nicht nur das Gemeinwohl sondern auch die eigene Authentizität. Solidarität fördert ohne zu fordern und fordert sich gerade dadurch selbst heraus... was folgt ist eine Resonanz die mitunter sogar in Harmonie ausarten kann..."

Oder mal ganz nüchtern, wenn auch etwas gestelzt:

Solidarität ist der Egoismus des sich als gesellschaftliches Wesen verstehenden Menschen.

Potemkin 3. Mai 2009 um 11:07  

Unser System kennt aber auch ein ‚Gegenmodell’: z.B. das von unseren Politikern seit Jahren so hochgelobte Ehrenamt. Alles, was für den Staat zu teuer geworden ist und sich partout nicht privatisieren lässt, sollen diejenigen machen, die eine gewisse Qualifikation und ein wenig Zeit haben. Hier soll der Mensch edel, hilfreich und gut sein und auf eine Bezahlung großzügig verzichten. Leider wird uns dann in den Medien immer der Seniorchef eines Unternehmens vorgestellt, der eine gemeinnützige Einrichtung berät oder der rüstige Pensionär, welcher türkischen Kindern bei den Schularbeiten hilft. Alles Menschen, deren Existenz gut abgesichert ist. Aber es gibt inzwischen so viele, die trotz bester Qualifikation am Existenzminimum kleben. Ich kenne einen Bauleiter, der seine Arbeit so liebt, dass er seit Jahren umsonst arbeitet. Er hat das Glück, mit einer Beamtin verheiratet zu sein, die die familiäre Existenz sichert. Vielleicht arbeiten wir bald alle ‚ehrenmtlich’ – unter dem Motto „Hauptsache Arbeit“. Sowas kann es nicht geben? – Im Jelzin-Russland haben die Menschen jahrelang „ehrenamtlich’ gearbeitet bzw. wurden mit Naturalien bezahlt.
Mein Arbeitsplatz ist mir teuer!

Geheimrätin 3. Mai 2009 um 11:41  

Nachtrag zu meiner oben geäußerten Mensch-Raupen-Schmetterlings-Evolutions-Theorie

Fuzzy the Conciliation Caterpillar

Anonym 3. Mai 2009 um 14:59  

@Roberto J. de Laputente

Danke für den Hinweis.

Sehr treffend formuliert - Solltest du Geschwister haben, dann hätte ich - wie bereits erwähnt - noch einen Bereich wo diese Punkte, die du hier sehr klar benennst voll durchscheinen.

Ich sprach ja bereits weiter unten das "Konkurrenzdenken" an, dass die geschwisterlichen Beziehungen spätestens beim Erben schwer belastet.

Eigentlich schade, aber es ist so, und manch Einzelkind (kein konkretes hier gemeint) kann von Glück reden, dass es keine Geschwister hat.....

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Peinhard 3. Mai 2009 um 16:27  

@Potemkin

Unsere Arbeitsgesellschaft ist halt mehr und mehr nur noch so ein, äh, Dorf, der Ausdruck fällt mir jetzt grad nicht ein... ;)

http://www.krisis.org/1999/manifest-gegen-die-arbeit

@Geheimrätin

Sehr 'nett'... :)

Das Daniel 3. Mai 2009 um 21:38  

Füreinanderdasein? Für Jahrhunderte Wert?

Ich denke das ist Blödsinn, die Werte wurden nur anders definiert, waren im Grunde aber nicht verschieden zu den heutigen!

Früher waren die Menschen auch nicht für ein ander da, es gab ähnliche Machtgefüge, ziemlich ähnlich verteilt.


WELCHE JAHRUNDERTE sind überhaupt gemeint?

Anonym 4. Mai 2009 um 08:54  

Das Daniel mag da wohl richtig liegen tun ...

"So eng auch Freundschaft, Liebe und Ehe Menschen verbinden; ganz ehrlich meint jeder es am Ende doch nur mit sich selbst und höchstens noch mit seinem Kinde. - Je weniger einer, in Folge objektiver oder subjektiver Bedingungen, nötig hat, mit den Menschen in Berührung zu kommen, desto besser ist er daran." aus „Aphorismen zur Lebensweisheit“ von Arthur Schopenhauer (1788-1860)

romano 5. Mai 2009 um 10:17  

@Schopenhauer:
der blieb fast allen Hinsichten an der Oberfläche. Aber freilich, er trifft hier einen wunden Punkt des Menschseins, das nunmal im Verhältnis zu anderen frei zu sein hat und sich daher zu überlegen hat, wie es mit anderen verfahren will. Dem entkommt keineR. Die Wirksamkeit etwaiger Konsequenzen des Verhaltens wurden in Kultur und Geschichte unterschiedlich aufgelöst, z.B. Religionen wirken mit jenseitigen (einmaligen oder zyklischen) Gerichtshöfen. Das moderne Weltbild versuchte diese Gewissensmodi ja abzubauen und landete bei verallgemeinbaren Regeln, welche zuletzt moralisch ausgehöhlt und grenzwertig zu Regellosigkeit wurden, als man den sittlichen Rechtsstaat als Telos durch den effizienten Kennzahlenstandort ersetzte. Hohe Kennzahlen ergeben einen größeren Kuchen: die Armen sind dann weniger arm. Damit mußte der Beweis erbracht werden, dass Moral die Kennzahlen steigert. Wenn nicht, dann ist sie eine untaugliche Strategie. Die Linken werden ja heute immerzu rot im Gesicht, wenn sie mit Gerechtigkeit argumentieren müssen. Noch röter werden sie, wenn sie die 10 % der Bevölkerung, die aber 60 % besitzt, zur Kasse bitten müssen. In diese Richtung werden daher auch nur Minimalforderungen erstellt: Almosen für die sozial Schwachen, im Eingeweide der Moral der Reichen möchte man noch einen letzten Funken intersubjektiver Vernunft erreichen. Im modernen Zeitgeist müßte man sich denn auch schämen, sich als armer Looser zu deklarieren, der es nicht geschafft hat und nunmehr lästig bei denen, die es geschafft haben vortritt. Die linken Psychen schämen sich heute im Grunde ihrer Klientel. Linke politische Organisationen sind nur mehr tradierte Strukturen, die persönlichen Erfolg gewähren können. Der ursprüngliche Gedanke ist im Grunde unverständlich geworden. Indem man sozial Schwache Menschen ausmacht, folgt man der gängigen Ideologie und naturalisiert jene, die im Grunde Ausgebeutete und Unterdrückte sind. Man folgt hier dem Weltbild der Ausbeutenden: diese sagen von sich in der Regel nicht, dass sie ausbeuten, sondern einfach, dass alles halt so sei, wie es sei. Man ist unfähig, Ausbeutung und Unterdrückung beim Namen zu nennen. Es ist ja auch mit Scham besetzt, aus einer Konkurrenzsituation als Unterdrückter hervorzugehen. The Winner takes it all. Eine solche Situation wäre voller menschlicher Gefühle und Gedanken und ergäbe einen langen Austausch über das eigene Erleben, der freilich von der Auflösung in Spott-Scham gehemmt wird. Es gibt im Grunde also am besten gar keine Handlungen, sondern nur anonymes Geschehen. Da bleibt nur die Forderung nach dem Almosen und guten Taten derer, die halt reicher beschickt wurden. Kein Wort von den ausbeutenden Handlungen, zu denen selbst Hilfe werden kann, wenn sie nicht hilft, jene ausbeutenden Handlungen zu unterbinden.

klaus baum 14. Mai 2009 um 21:55  

richtig muss es heißen: es gibt kein richtiges leben in flaschen.

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