Meine Erfolgsgeschichte

Freitag, 13. Februar 2009

Die FAZ zeigt sich integrierend, möchte trotz der immer wieder auch auf ihren Seiten verbreiteten Mär von den nicht integrierbaren Türken, die sich auch selbst nicht um ihre Assimilierung scheren, gönnerhaft gegenüber ausländischen Mitbürgern gerieren, einen Aufruf für die braven Heerscharen aus dem Auslande starten. „Meine Erfolgsgeschichte“ nennt sich das FAZ-Projekt, bei dem man dazu ermutigt wird, seine persönliche Integrationsgeschichte niederzuschreiben. Dass es dabei nicht um Integration alleine geht, sondern um möglichst erbringliche Integration, um Einpassung solcher Mitbürger, die besonders stark integriert sind, weil ihr Geldbeutel voll, daher der Magen und die Bedürfnisse gesättigt werden können, liegt auch dann auf der Hand, wenn man sich das Projekt nur aus der Ferne betrachtet. Man kennt ja die konservative Presse und ihre Ideale. So lesen wir in der ersten Erfolgsgeschichte etwas über türkische Marketingleiter, eine Politologin, einen Rechtsanwalt und einen Ingenieur. Der Dönerverkäufer, der Obst- und Gemüsehändler, die vielen vielen türkischen Menschen, die hier in dreckigen und anstrengenden Arbeitsplätzen gefangen sind, damit ihren Lebensunterhalt bestreiten – wo werden die bei der FAZ erwähnt?

Es liegt auf der Hand, dass ein Türke hierzulande nur als integriert bewertet wird, wenn er ordentlich Geld verdient, wenn er damit rechtfertigt, qua seines elitären Standes, auch eine Art Aufenthaltsberechtigung erwirkt zu haben. Das ist freilich die streng konservativ-ökonomische Verwertbarkeitsposition, die ja nur ausländisches Fachpersonal und Experten in den Grenzen des eigenen Landes arbeitend wissen will, während minderwertige Arbeit ja von heimatlichen Arbeitskräften verrichtet werden könnte. Obst und Gemüse kann jeder verkaufen, aber Ingenieur wird nur ein intellektueller Geist, den man sich notfalls aus dem Ausland heranziehen muß. Konservatives Leitmotiv also, was für die Seiten der FAZ nicht überraschend ist; konservatives Leitbild, welches aber in alle Bereiche, in viele politische Lager abstrahlt.

Die FAZ möchte über Integration sprechen, möchte aufzeigen, dass man integriert ist, wenn erstmal das Säckel gefüllt, ein gewisser sozialer Status erreicht ist. Bittesehr, da kann man abhelfen, oder anders: der Autor dieser Zeilen kann abhelfen. Er fühlt sich berufen, weil er weiß wovon er spricht, weil er erleben mußte, manchmal noch immer erlebt, wie es sich anfühlt, als Ausländerkind in diesem Lande zu leben. Freilich, er kam nicht aus einem Kulturkreis, der sich qua Religion und Geschichte wesentlich von Deutschland unterschied; aber dennoch, er bemerkte schon als Kind, dass zwischen mediterranem Lebensgefühl und deutscher Monotonie ein tiefer Graben liegt. Ein Graben der durch allerlei Ressentiments noch tiefergelegt, der Zentimeter für Zentimeter unüberwindlicher wurde.

Des Autors Vater war Spanier, der 1962 nach Deutschland kam. Er war gewöhnlicher Arbeiter, fleißig und pflichtbewußt – sein Sohn hielt ihn für zu fleißig und auch oft für viel zu pflichtbewußt. Das mögen die üblichen Diskrepanzen zwischen Generationen gewesen sein. Er beherrschte die deutsche Sprache – natürlich mit Akzent, oder sagen wir: mit Akzenten, denn man spürte einerseits die romanische Betonung der Worte, aber gleichermaßen auch einen bayerischen Einschlag. Einst nannte man ihn in seiner Heimat „el moro“, den Mohren, weil er eine dunkelhäutige Erscheinung war, aber im Laufe seiner deutschen Jahre bleichte er aus – das mag mit seiner mediterranen Leichtigkeit ähnlich verlaufen sein. Freilich, er hatte weiterhin Humor; ein Humor übrigens, den nicht alle Menschen hierzulande verstanden, weil selbst innerhalb des Okzidentes verschiedene Auffassungen über das Lachenswerte vorherrschen; er hatte also weiterhin Humor, aber er nahm auch viele Facetten deutscher Gesellschaft an, verlor peu a peu sein sonniges Gemüt, machte sich Zukunftssorgen, bekam cholerische Anfälle beim Lesen der Zeitung, hätte aber niemals Obrigkeit und Traditionen hinterfragt. Seine francistische Vorprägung war unverkennbar; die Stellung der Frau war klar als Hausfrau und Mutter definiert, der Katholizismus als unkritisch zu betrachtende Institution gefestigt – man mußte es ihm nachsehen, er wurde in so einer faschistoiden Gesellschaft groß und kam nie ganz davon los, auch wenn er Franco für einen „hijo de puta“ hielt.

Der Autor wollte weniger über seinen Vater erzählen – seine Mutter war und ist Deutsche, das nur nebenbei erwähnt -, als über das Empfinden von Integration. Im Sinne der FAZ war dieser Mann aus Spanien womöglich nicht integriert, weil er nur eine Schweißerausbildung hatte, später allerlei Schlossertätigkeiten vollzog. In Wahrheit hatte er sich mit diesem Land arrangiert, auch wenn es zeit seines Lebens eine Hassliebe blieb, denn die unkritische Dummheit, das Bütteltum, welches er „Dackelmentalität“ nannte, weil er fand, dass seine deutschen Kollegen ihren Vorgesetzten, die Bürger ihren Volksvertretern immer irgendwie nachliefen wie ein Dackel seinem Herrn - richtig angekommen ist er nie. Obwohl er mit den Jahren selbst verbissen wurde, fühlte er sich nicht wohl mit der Verbissenheit der deutschen Gesellschaft, vielleicht auch, weil er wußte, dass das Verlieren seiner eigenen südlichen Leichtigkeit durch das deutsche Umfeld verschuldet war. Der Verfasser dieser Zeilen mußte trotz aller Integration miterleben, wie sein Vater immer irgendwie Fremdkörper blieb, wie er gelegentlich verachtenswert angesprochen, wie er immer wieder als der „dümmliche Ausländer“ angeschielt wurde. In einigen unverschämten Fällen, wenn fremde Menschen merkten, dass er kein akzentfreies Deutsch sprach, begann man abgehacktes, auf kurze Worte verknapptes „Ausländerdeutsch“ zu sprechen, wohl in der Hoffnung, der „Kanack“ würde dann besser verstehen. Geduzt wurde er in solchen Fällen dann sowieso, denn ein solcher „Scheißausländer“ – ja, auch das mußte man in einigen Fällen vernehmen – hat sich ein respektables Sie nicht verdient. Das fraternisierende Du ist überhaupt die ekelhafteste Masche, die man hierzulande seinem ausländischen Mitbürger eingedeihen läßt. Nicht weil es einem Frevel am Mitmenschen gleichkäme, ihn zu duzen, sondern weil die ausländerduzenden Deutschen ansonsten immer sehr viel Wert auf das Sie legen - aber eben nur, wenn man sie anspricht oder wenn sie mit Ihresgleichen zu tun haben.

Freilich, es war nie so, dass man soetwas täglich erleben mußte – aber es war nicht so selten, wie man das hoffen möchte. Traurig war es vorallem, wenn sich ein solcher Flegel öffentlich so oder ähnlich äußerte, womöglich im Supermarkt, und Menschen stürmten vorbei, hörten zu – und sahen weg. Dieses Schweigen, dieses Sichzurückhalten, es war ebenso ein Kritikpunkt an dieser deutschen Gesellschaft – wenn man am eigenen Leib erlebt hat, wie widerlich schmerzhaft es ist, wenn Mitmenschen wegsehen, sich nicht solidarisieren gegen die Dummheit und Frechheit, dann wird man sensibel, erkennt den Makel der deutschen Ignoranz, wird dünnhäutig. Aber wehe dem Ausländer, der so einen Makel offen ausspricht, der Kritiken anbringt, die nur er sehen kann, weil er den Vergleich hat, weil er sich zwischen zwei Gesellschaften oder Kulturen bewegt: er wird rücksichtslos angegriffen, wird zum Teufel verflucht und bekommt das obligatorische „Dann geh’ doch dahin zurück, wo du hergekommen bist!“ zu hören. Kritik bleibt nur dem Deutschen selbst, er darf kritisieren - aber tut es ja quasi nie.

Und der Autor selbst als Kind eines Spaniers? Ja, er spricht, so behauptet er an dieser Stelle frech, ein verständliches Deutsch – wahrscheinlich schreibt er verständlicher als er spricht, denn er hat eine Affinität zum Dialekt, spricht nicht gepflegtes, aber wohl ein umgangssprachliches Bayerisch. Er maßregelt sich in dieser Frage auch nicht, weil er glaubt, dass Sprache ein gelebtes Geisteswerkzeug des Menschen ist; Sprache wird nicht nur von Lebenden gesprochen, ist nichts Totes im Mund des Lebenden, sondern ist lebendes Werkzeug für lebende Menschen – und wenn etwas lebt, bekommt es Eigendynamik, paßt sich dem Umfeld an, wird zum verbindenden Zustand. Daher soll Sprache gesprochen werden, wie sie gerade aus dem Mund fällt. Aber das sei nur dazwischengeschoben, denn darum handelt es sich hier und heute nicht. Kritik am deutschen Lebensentwurf, die der Autor immer schon pflegte, weil er als Vergleich das Spanische heranziehen konnte (was übrigens auf viele Mängel aufzuweisen hat, angefangen bei ignoranten Liberalismus - oder liberaler Ignoranz - als Gegenentwurf zur Omnipräsenz des francistischen Regimes, bis hin zur immer wieder auftretenden Unzuverlässigkeit der Menschen), wurden auch ihm mit dem obligatorischen „Geh-nach-Hause“ beantwortet, obwohl er hier geboren ist. Man war, egal wie man seinen Mitschülern glich, immer ein Ausländerkind. In Phasen seiner Kindheit und Jugend, die ihm heute peinlich sind, hat er sich für das „Ausländerdeutsch“ seines Vaters geschämt – wenn der Vater vor Mitschülern oder Freunden sprach, dann wußte man sofort wieder, dass man es hier mit einem Ausländerkind zu tun hat, dass man zwar da ist, vielleicht auch gemocht wird, aber doch nie dazugehört. Wenn eine Gesellschaft bewirkt, dass sich der Sohn für seinen Vater schämen muß, dass seine jugendliche Unerfahrenheit dazu führt, seinen Vater gewissermaßen zu verleugnen, dann läuft etwas falsch, dann ist es zerrüttet innerhalb des Miteinanders aller Menschen einer Gesellschaft.

Heute passiert es noch, dass der Autor von Fremden kontaktiert wird, dabei der Vor- und Zuname derart interpretiert wird, daraus eine scheinbare Berechtigung abzuleiten, erstmal ein gebrochenes Stakkatodeutsch anzuwenden, weil sich hinter so einem Namen ja vermutlich ein "wildgewordener Zigeuner" versteckt. Natürlich wird das sofort zurückgenommen und eingestellt, wenn erstmal eine bayerische Antwort folgt, aber ersichtlich ist doch, dass man immer irgendwie anders, irgendwie nie ganz angekommen ist, obwohl man immer da war. Die „Erfolgsgeschichte“ des Autors? Er hat keine – sein Erfolg ist, dass er sich mit dem Nichtangekommensein arrangiert, über die Mißstände der Gesellschaft schreibt, sich jeden Tag aufs Neue den Kopf zerbricht, wie irrsinnig und stumpfsinnig diese bundesdeutsche Gesellschaft ist – vielleicht läßt es sich so sagen: Wäre der Autor jemals angekommen, wäre er womöglich ein Konformist ohne Format (womit er nicht aufschneiderisch feststellen will, dass er nun Format hätte), ein Karrierist möglicherweise, wie die vier FAZ-Türken, die Muster-Türken, die ihren pränatal fixierten Obst- und Gemüseverkaufszwang gebändigt haben, um der deutschen Gesellschaft zu gefallen. Er ist das was er ist, durch das, was er erlebt hat – es waren keine tragischen Erlebnisse, keine Erlebnisse, die ihn zum Psychiater trieben, aber es waren höchst prägsame Erlebnisse. Weil sein Vater trotz aller Integration immer ein Fremdobjekt blieb, blieb auch der Sohn irgendwie immer fremd, immer außerhalb stehend – heute ist er dankbar für dieses Abseitsstehen, heute ist die Stellung fern der Masse dasjenige, was er nicht mehr aufgeben möchte.

Nun könnte man einwenden, dass des Autors Vater nicht wirklich bereit war, sich zu integrieren. Immerhin hat er nie die deutsche Staatsbürgerschaft angestrebt, obwohl er 37 Jahre, bis 1999 als er starb, in diesem Land lebte. Und ein richtiger Deutscher wurde er nie, auch nicht im Denken, auch nicht, wenn er noch so viele Eigenarten annahm. Er wollte die deutsche Staatsbürgerschaft nicht, er war - nationaler Dünkel war ihm leider eigen - stolz auf sein Heimatland, war stolz Spanier zu sein. Seinem Sohn sind solche Stolzheiten fremd, weil er genausogut das Spermium eines Arabers hätte sein können. Nun könnte man also sagen, der Spanier blieb fremd, weil er fremd bleiben wollte. Sein Sohn sagt aber etwas anderes: Er blieb gerne fremd, weil er merkte, dass man ihn in der Fremde halten wollte; er blieb gerne fremd, weil er wußte, dass er niemals ankommen würde; er blieb gerne fremd, weil hierzulande Integration soviel wie Anpassung, Einpassung, Einfassung bedeutet, weil er seine Wurzeln hätte tilgen müssen, seine Herkunft, seine Muttersprache. Das bedenke man heute, wenn man vielen Türken vorwirft, sie würden gar nicht eingepasst sein wollen. Sie werden stolz auf ihre Herkunft, weil sie niemals stolz sein können auf ihr Dabeisein in einer neuen Gesellschaft - man läßt sie ja gar nicht Gleiche unter Gleichen sein, da wird der angebliche Makel des Andersseins zum Motiv des Stolzes.

Die Erfolgsgeschichte der türkischen Mitbürger, wie wir sie in der FAZ finden, ist nur eine ökonomische Geschichte, keine die sich mit wirklicher Integration befaßt, die bedeuten würde, dass beide Pole aufeinanderzugehen, dass das Türkische mitbewahrt bliebe, ohne dass man sich darüber aufregen müßte. Im Grunde ist diese Form von Erfolg die höchste Form des Misserfolges: diese Menschen sind Karrieristen und Konformisten, mit Integration hat das nichts zu tun. Vor 1933 war der Großteil der jüdischen Bürger in genau dieser Weise integriert, aber als die antisemitischen Grundtendenzen durch die Nationalsozialisten immer weiter angestachelt waren, da hat niemand von der Integration der Juden gesprochen, obwohl sie doch Beruf und sozialen Status hatten – wie kann man also behaupten, Beruf und Karriere seien Ausdruck von integriertem Dasein? Wer so verknappt, leidet wahrlich unter einer verknappten Wahrnehmung und betreibt ein Geschäft der Augenwischerei.

19 Kommentare:

persiana 13. Februar 2009 um 11:59  

Und wie steht es mit der Staatsangehörigkeit? Man sollte annehmen, dass man als im Inland geborener mit einem deutschen Elternteil automatisch die deutsche Staatsangehörigkeit hätte. Aber mitnichten. Wenn der inländische Elternteil die Mutter ist, muss die Staatsangehörigkeit erst von den Eltern beantragt werden.
Es gibt ja Eltern, die das versäumen, sei es aus Unkenntnis, oder aus Nachlässigkeit. Es gab tatsächlich Fälle (habe ich mal im von mir so verachteten Fernsehehn gesehen) da wurde ein Mann (er war zufällig genau in meinem Alter), ausgewiesen, oder sollte abgeschoben werden - und er hatte nur die fremdländische Staatsangehörigkeit. Sein Vater war nämlich nicht Europäer...

Das allerneueste ist ja jetzt, dass ich jedesmal, wenn ich einen Personalausweis oder Reisepass beantrage, gefragt werde, wie ich zu meiner deutschen Staatsangehörigkeit gekommen sei. Die Frage wirkt auf mich ungefähr so, als ob man mich fragen würde, warum ich überhaupt auf der Welt bin. Ich bin hier geboren, bin deutsch, spreche deutsch, denke deutsch...
Das ist so eine Marotte in letzter Zeit, ich glaube auch nicht, dass es eine Schikane der einzelnen Beamten ist, die waren sogar recht nett. Eine Anweisung von oben wohl. Ich bin von Haus aus misstrauisch und vermute ja immer das schlimmste.

Im Grundgesetz steht, die Staatsangehörigkeit darf nicht entzogen werden, wenn man dadurch staatenlos wird. Und was ist wenn man eine Staatsangehörigkeit hat, die man gar nicht loswerden kann? Es gibt nämlich Staatsangehörigkeiten, die kann man gar nicht loswerden, selbst wenn man will...

Manchmal denke ich mir, ich sollte mit meiner Kritik am deutschen Staat, die dem deutschen Bürger zunehmend entmündigt und ausraubt, nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, nicht dass die mich irgendwann mal einsam, mittellos und der Sprache nicht mächtig an der Grenze eines orientalischen Landes irgendwo aussetzen. Ein schreckliche Vorstellung, von meinem Heimatland so behandelt zu werden, sei es aus welchem Grund auch immer. Aber rein rechtlich wäre es wahrscheinlich möglich. So wird sich wohl manch jüdischer Mitbürger auch gefühlt haben, der sich für einen Deutschen hielt, und irgendwann plötzlich etwas ganz anderes erleben musste.

Es gibt außerdem Staatsangehörigkeiten zweiter Klasse. Ein Freund von mir wurde eingebürgert. Man sagte ihm, bei der Einbürgerung, der deutsche Staat werde für ihn nicht einstehen, für den Fall dass er in ein "arabisches Land" reist. Aha. Ob das für mich wohl auch gilt? Und was sind "arabische Staaten"? Staaten, in denen man arabisch spricht, oder Staaten, in denen vorwiegend Moslems leben?
Besagter Freund stammt aus Algerien. Dass das ein arabischer Staat ist, wusste ich gar nicht. Ich dachte immer, Algerien liegt in Nordafrika...

Anonym 13. Februar 2009 um 12:16  

Der Beitrag hat mich sehr an mein eigenes Leben und meine Gedanken erinnert. Mein Vater ist selbst jugoslawischer GASTarbeiter, war also bereits nach seiner Einreise 1969 eine unerwuenschte Person; Auslaender mussten die scheiss Arbeit leisten und wurden getrennt von den deutschen "Kollegen" gehalten. Meine Mutter kam im Gegensatz zu deiner auch aus der Heimat (nie kaeme mir der Gedanke, Deutschland als meine Heimat zu bezeichnen). Besonders als Kind hat man mit diesem Makel zu kaempfen; mir persoenlich ist eine Sache aus der Grundschulzeit besonders in Erinnerung geblieben, was mir selbst zeigte, dass ich nur ein minderwertiger, verachtenswerter Teil dieser Gesellschaft sei. Damals hatte ich eine kleine Freundin, wir hatten uns sehr gern und machten eben so das, was Grundschulkinder so trieben. Jedoch kam auf einem Elternabend die Mutter der ach so deutschen Tochter zu meiner und sagte ihr nur, dass ich Auslaender doch die Finger von ihr lassen sollte. Ich verstand damals nicht, was jemanden dazu antrieb, was ich ihr bloss antun koennen. Die Schuld suchte ich jedoch bei mir, doch verstand ich es selbst nach meinen jugendlichen Peinlichkeiten und Jahren der Reife, mich nie als Teil dieser Gesellschaft zu sehen oder gar danach zu streben, dieser anzugehoeren, wo schon selbst bestimmte Menschen und Gruppen einen niederen Status inne haben.

Anonym 13. Februar 2009 um 16:12  

...auch wenn ich geborener Deutscher bin und nie verstehen werde, was es heißt ein Ausländer in Dtl oder ein "Deutscher mit Migrationshintergrund" zu sein, so kann ich diesem Artikel sehr gut mitfühlen. Ich selbst war lange Zeit ein Außenseiter und mußte die Deutschen Sturrheiten erkennen. Der Deutsche ist ein Knecht und seinem Herrn treu ergeben. Dabei läßt er sich schlagen und treten. Es ist pure Kompensation, wenn er dann allen anderen vermeintlich Unterlegenen gegenüber den Herren spielt. Dieses "Du" gegenüber Ausländern ist ein Überlegenheitsgefühl, dass ihm sonst vergönnt bleibt. Das was ihm angetan wird, tut er allen anderen an. Das fängt in den Familien an, geht über die Arbeit bis zur Politik - Hierarchie in Perfektion.
Nein ich will den Deutschen nicht in Schutz nehmen. Es ist wohl eher Resignation, dass es sich wohl nie ändern wird...

Ein Pyrrhonist

Jan Perlak 13. Februar 2009 um 18:29  

Aber wie sieht denn dann eine "echte" Integration aus? Ich kenne keine Studien zum Grad der Integration von Juden in der Weimarer Zeit, doch dass viele Juden erst durch Hitler zu solchen gemacht worden sind, ist eine vielfach beschriebene Wahrheit. So die Religion damals einen Menschen geprägt hat, war dies eine Unterscheidung zwischen katholisch, evangelisch und jüdisch und keine fein säuberliche Trennung nach Rassen.

Es scheint, als sei vollkommene Integration nur in einer "nations- und herkunftslosen", also einer vollendeten Multikultigesellschaft möglich, in der entweder die relative Größe der einzelnen Nationalitäten in etwa gleich groß ist oder sich diese garnicht mehr zuordnen lassen. Auf internationalen Schulen kann man diesen Zustand schon jetzt finden.

Anonym 13. Februar 2009 um 20:03  

Wäre Integration tatsächlich an Beruf und Status gebunden, hätten wir in Deutschland aber ne ganze Reihe unintegrierter Blutsdeutscher.

klaus baum 14. Februar 2009 um 13:05  

Meine erste Frage ist: Wozu überhaupt Integration? Und Integration in was?
Was ist, wenn man nicht nach Nationalitäten unterscheidet, sondern nach Verhaltensweisen? Zum Beispiel der authentische und der verlogene Charakter. Ich selbst war mehrfach im europäischen Ausland: vor allem in England haben die Akademiker an den Universitäten auf mein gebrochenes Englisch arrogant und herablassend reagiert. Besonders negativ in Erinnerung geblieben, es war 1979 an der University of Reading, Herr und Frau Knowlson. James Knowlson, der spätere Verfasser einer Biografie über Samuel Beckett.
Und Beckett bringt mich auf einen anderen Aspekt dessen, was ich immer wieder bei Dir heraushöre: Deinen Hang zur Melancholie. Beckett ist in der modernen Literatur der radikalste Melancholiker, kein Deutscher, sondern Ire.
Cesare Pavese, Turin, also fast schon ein Südländer, hat Suizid begangen, ein "unheilbarer" Melancholiker. Und was ist mit Fernando Pessoa?
Mit Sicherheit ist die Herkunft prägend, aber in erster Linie halte ich das Verhalten eines Menschen, seinen Charakter, für wesentlich. Wenn man sich gegenseitig in seinem Anderssein achtet, respektiert, anerkennt, und bereit ist, gegenseitig vom anderen zu lernen, ist Integration sekundär. Zumal ohnehin unklar ist, was das heißen soll. Auf keinen Fall darf es in Unterwerfung und Anpassung ausarten.

Anonym 14. Februar 2009 um 17:39  

"[...]Vor 1933 war der Großteil der jüdischen Bürger in genau dieser Weise integriert, aber als die antisemitischen Grundtendenzen durch die Nationalsozialisten immer weiter angestachelt waren, da hat niemand von der Integration der Juden gesprochen, obwohl sie doch Beruf und sozialen Status hatten – wie kann man also behaupten, Beruf und Karriere seien Ausdruck von integriertem Dasein? Wer so verknappt, leidet wahrlich unter einer verknappten Wahrnehmung und betreibt ein Geschäft der Augenwischerei.[...]"

Ist mir aus der Seele gesprochen, und dies schreibe ich, obwohl ich an der deutsch-französischen Grenze geborener, und immer noch lebender, Allemanne bin. Ich machte mir, bevor ich deinen Text las so eben Gedanken über den tollen Widerstand gegen die Nazis in Dresden heute, und da kam mir der Gedanke: "Und was ist mit dem Nazitum in Nicht-Skinhead bzw. Nicht-NPD-REPS-DVU-Schädeln? Dem ganz alltäglichen Rassismus in Deutschland?" - Der wird wieder einmal nur auf die rechtsextremen Dumpfbacken heruntergespielt, und man frägt sich: Wie lange noch, bis die Mehrheit in Deutschland wieder "Ausländer", "Asylanten" sowie "Asylanten im eigenen Land (=Langzeitarbeitslose lt. Prof. Dr. Heitmeyer) hetzt?

Wie schon erwähnt - ich wohne nicht weit weg von Frankreich, und erlebe den deutsch-französischen Mix von Vorurteilen, der, trotz gegenteiliger Politiker-Äußerungen immer noch unterschwellig existiert, unregelmäßig im Alltag mit.

Wen hier Franzosen, weil es bei denen einfach zu teuer ist, im Discounter einkaufen gehen, dann schaut schon mancher Mitbürger neidisch auf die Einkaufswägen - frei nach dem Motto: "Der Franzose kann sich das leisten. Warum ich nicht?" - Umgekehrt gibt es aber auch in Frankreich selbst das Phänomen, dass nicht einmal Elsässer mit Badenern Mundart reden wollen, weil die deutsche Sprache (auch die wortähnliche Mundart allemannisch) so manchem Elsässer immer noch verhaßt sein dürfte, und zwar über alle Altersstufen hinweg. Dann gibt es noch die Tatsache, dass Deutsche ins Elsaß ziehen, dort wohnen, aber nie mit den Bewohnern des neuen Heimatdorfes Kontakt aufnehmen - auch umgekehrt wird ein Schuh draus. Beispiele gibt es einige, und dies in einer grenznahen Region, wo man eigentlich mehr Weltoffenheit erwartet - das Geschriebene bezieht sich übrigens nicht nur auf Franzosen, und Deutsche, sondern generell das Verhältnis von Deutschen und "Ausländern" im sogenannten Drei-Länder-Eck Deutschland-Frankreich-Schweiz.

Manchmal frage ich mich, ob es wirklich so etwas wie eine "typisch deutsche Psyche" gibt? Oder liegt es daran, dass wir "wieder wer" sind, was auch immer das heißen mag?

Ich selbst übrigens, dass gebe ich zu, war auch lange, zwar nicht fremdenfeindlich, aber fast schon in diese Richtung eingestellt, bis ich ein Saulus-Paulus-Erlebnis hatte, dass mich auf den berühmten Weg der Besserung brachte, den ich immer noch beschreite: Es war mein erstes "wohnen" als Student von zu Hause weg unter lauter "Ausländern", dass mir - in Alltagserlebnissen und Gesprächen - die Augen darüber geöffnet hat, dass ich in einer total fremdenfeindlichen Umgebung der deutsch-französischen Grenze groß geworden bin.

Wie schon gesagt, ganz geheilt bin ich noch nicht, aber ich bin auf dem Weg der Besserung, und schaue schon ganz genau hin, wenn jemand in meinem näheren Umfeld mal wieder Abschätziges über "Russlanddeutsche", "Juden" oder "Ausländer" generell sagt.

Was ich nicht korrigieren kann ist, dass ich nicht missioniere - ich hab da z.B. einen Onkel, der ist bei den rechtsextremen REPs, aber ich denke der ist in seinem Alter eh nicht mehr zu ändern.....

Ich schweife ab, eigentlich wollte ich nur den Text loben, und hoffen, dass dieser weite Verbreitung findet....

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

PS: Eben geschriebenes sollte noch erwähnen, dass ich auch türkisch-deutsche Schulkollegen hatte, aber zu denen nie Kontakt aufnahm, weil eben meine Eltern.....heute bin ich da weiter.....
Übrigens, mein Vater war noch ein Kleinkind als die Hitlerei herrschte - Jahrgang 1932 -, aber er kam zeitlebens nie davon weg, dass die Zeit, die er bei der HJ erlebte die schönste Zeit seines Lebens war - ein Beispiel dafür, was Propaganda bei Kleinkindern anrichten kann - Kein Wunder, dass die herrschende neoliberale Kaste heute bei den "Kleinsten" ansetzt, um die Ideologie an den Mann zu bringen. Lernen wir nie aus?

Anonym 16. Februar 2009 um 12:03  

Als Deutscher ohne ausländische Vorfahren - bitte nicht gleich wieder nationalistisch oder gar rassistisch verstehen, es ist nur eine Zustandsbeschreibung - frage ich mich, ob es sich der Autor nicht zu einfach macht. Wie wäre es denn, wenn ich heute als einfacher Arbeiter ohne große Sprachkenntnisse nach Spanien ziehen würde? Da würden mich also alle mit offenen Armen aufnehmen, sich nicht an meinem äußerst gebrochenen Spanisch stören und meine Kinder sofort als die Ihren betrachten? Und wenn ich in finanzielle Schwierigkeiten geriete und staatliche Hilfe in Anspruch nehmen würde, würden die Einheimischen das ganz toll finden? Wenn man sieht, welche Probleme es zur Zeit mit afrikanischen Wanderarbeitern in Südspanien gibt, kommen doch gewisse Zweifel.

Ich finde, dass es sich der Autor zu einfach macht. Hier die lockeren, entspannten Ausländer (oder zumindest Südländer), dort die verkniffenen, verklemmten Deutschen. Die Geschichte zeigt aber, dass Integration nie einfach ist und war, wo immer sie sich abspielte. Das müssen wir doch mal zur Kenntnis nehmen. Was der Autor mit seinem Vater miterlebt hat, ist für einen Migranten typisch, und ich frage mich, ob es umgekehrt anders wäre. Ich gebe ihm völlig recht, wenn man abschätzige Verhaltensweisen gegenüber Ausländern (das Duzen oder herablassende Verhaltensweisen, die den anderen als Menschen herabwürdigen) kritisiert. Ich gebe ihm völlig recht, wenn er die Überheblichkeit der FAZ kritisiert, die nur schöne und erfolgreiche Menschen als gelungene Integrations-Beispiele präsentiert. Das entspricht der allgemeinen Mentalität der letzten Jahre in den deutschen Medien: Wie Harald Schmidt zutreffend bemerkte, sagen im Fernsehen und in den Zeitungen Menschen mit einem Einkommen von 20.000 € im Monat denen, die 2.000 € im Monat verdienen, sie sollen den Gürtel enger schnallen – übrigens vor allem Deutsche den Deutschen. Unterschlagen hat der Autor auch, dass es sehr wohl stolze Spanier gibt, aber kaum stolze Deutsche. Als jemand, der ohne Nationalstolz und Patriotismus aufgewachsen ist, aber gerne in diesem Land lebt, befremdete mich das Fahnenmeer beider Weltmeisterschaft 2006 außerordentlich. Hat der Autor in seiner Schulzeit dieses Fehlen eines Nationalgefühls nie bemerkt?

Es ist falsch, Integration als etwas Einseitiges oder Einfaches zu begreifen. Integration braucht Zeit, die erste Generation hat es immer und überall schwer (zumindest dann, wenn sie nicht zur kosmopolitisch orientierten Oberschicht gehört, die dann aber auch in entsprechenden Gegenden lebt). Die Erfahrung mit deutschen Auswanderern in die Vereinigten Staaten, die sich dort gut einlebten und keine existenziellen Sorgen hatten, lehrt, dass das Gefühl der Fremdheit und des gelegentlichen Heimwehs, also die im Artikel beschriebene Hassliebe, in der Generation der Einwanderer nie ganz weicht. Wenn wir dieses Problem, das ja der Autor mit seinem Vater auch erlebt hat und das eine aufnehmende Gesellschaft nicht lösen kann, leugnen, verharmlosen wir die Situation eines Menschen, der sein Heimatland verlassen muss.

Die Verfolgung der Juden und anderer Gruppen in der Zeit des Nationalsozialimus war die humane Urkatastrophe schlechthin, für die Deutschland immer eine besondere historische Verantwortung tragen wird. Sie aber gleichzusetzen mit der schwierigen Integration von Ausländern, halte ich für falsch und unpassend. Wenn der Autor über die Probleme mit seinem Vater berichtet, dann muss er mindestens zur Kenntnis nehmen, dass der soziale Aufstieg eines Deutschen mit einem Arbeiter als Vater, der einen starken Dialekt spricht, mit ebensolchen Problemen behaftet sein kann. Sprechen Sie mal selbst als Deutscher starken Dialekt, da werden Sie auch entsprechende Erfahrungen machen! Im übrigen hat der Autor Glück, denn Bayerisch gilt ja doch noch als schicker als Schwäbisch oder Sächsisch...

Man müsste doch auch die gelungene Integration auf der ganz normalen Ebene erwähnen. Als ich in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts in die Schule ging, holte ich jeden Tag den Sohn eines Gastarbeiters ab. (Dabei konnte man nicht traditioneller deutsch leben als wir). Die Eltern waren einfache Fabrikarbeiter und sprachen italienisch, er selbst sprach beide Sprachen akzentfrei. Ich habe nicht wahrgenommen, dass er je diskriminiert worden wäre, denn wir lebten im Alltag nicht gehobener als seine Familie. Er ging aufs Gymnasium und promovierte als erster unserer Mitschüler (so weit ich weiß, als einer von zweien aus der Grundschulklasse).

Unser Sohn hat in der Schule einen Mitschüler aus Kroatien, dessen Vater ebenfalls Deutsch mit starkem Akzent spricht. Ich habe weder von unserem Sohn noch von dessen Mitschülern eine abschätzige Bemerkung über diesen Jungen gehört. Wir als deutsche Eltern würden das auch auf keinen Fall tolerieren. Er ist in der Klasse voll anerkannt.

Vergessen Sie bitte nicht, dass auch die Integration der Vertriebenen – von beiden Seiten her - bis in die 1970er Jahre hinein sehr, sehr schwierig war und erst die zweite Generation, die also in der Bundesrepublik geboren wurde, sich wirklich als gleichberechtigte Einheimische fühlen konnte. Ich habe den Eindruck, dass auch Gastarbeiterfamilien der ersten Generation aus Italien, Spanien, Portugal oder Griechenland erst in der zweiten oder dritten Generation heimisch werden konnten bzw. können.

Alle historischen Beispiele zeigen aber, wie problematisch integrative Prozesse sind, wenn eine Ghettoisierung stattfindet. Nicht zufällig habe ich Beispiele erzählt, in denen Ausländer mitten unter den Deutschen lebten und leben. Es ist ein Klischee, dass diese Menschen alle Sauerkraut essen und einen deutschen Schäferhund anschaffen sollen. Aber berichten Sie mal, was man von mir als Deutschem erwarten würde, wenn ich mich in Spanien niederließe. Manche Rentner sind wegen der mediterranen Leichtigkeit schon dorthin gezogen und haben eine soziale Bruchlandung erlitten. Zumindest die gebildeten Deutschen empfinden die fremde Kultur als Bereicherung. Jedoch ist die Zusammenballung ethnischer Gruppen überall schwierig, wo man hinschaut. Da ist die Integration kein typisch deutsches Problem. Wäre sie einfach, dann wären die Deutschen das dümmste Volk auf Erden.

Man kann über die Probleme jammern und den Deutschen alleine die Schuld zuschieben. Ich vermisse im Artikel jedoch überzeugende Ansätze, wie denn nun die Integration funktionieren könnte. Soll man eine Parallelgesellschaft dulden, in der manche Kinder nicht zum Sportunterricht dürfen, sich an keiner Klassenfahrt beteiligen, archaische Muster entgegen den im Grundgesetz festgelegten Grundrechten toleriert werden? Vor längerer Zeit sprach ich mit einem türkischen Mitbürger, einem sehr netten Menschen, der ein gutes Einkommen hatte, mitten unter Deutschen in einem neuen Haus lebte und äußerlich also sehr gut integriert war, also auch ganz „westlich“ lebte. Es sagte, dass er nie eine deutsche Frau genommen hätte, weil diese ihm generell zu selbstbewusst seien. Er heiratete eine türkische Frau, die aus einer ländlichen Gegend kam, kaum Deutsch sprach und völlig abhängig von ihm war. Nach seinen eigenen Äußerungen erwartete er blinden gehorsam und völlige Unterordnung von ihr. Soll ich das gut finden? Wenn er eine türkische Frau geheiratet hätte, weil ihm diese Mentalität vertrauter und sie so die bessere Partnerin wäre, könnte ich das nachvollziehen. Dass aber bei einem intelligenten, gebildeten Mann der äußerlich integrierten Mittelschicht nicht einmal so viel Selbstbewusstsein gewachsen ist, um eine gleichberechtigte Partnerin auszuhalten, hat mich schon konsterniert.

Auch Immigranten müssen meiner Ansicht nach Integrationsleistungen erbringen. Welche das sind, darüber muss man einen gesellschaftlichen Diskurs führen. Ein reines „Seid nett zueinander“ hilft wohl den am stärksten benachteiligten Gruppen am wenigsten. Ich weiß, es hört sich viel liberaler und toleranter an und entspricht mehr dem Mainstream. Aber es geht an der Problematik vorbei.

Hrvatska 16. Februar 2009 um 12:56  

das sagt jemand ohne ausländische wurzeln. merkt man. viel nationalistisches blaablaa. ist alles nich so schlimm. solche reden kenne ich seit 40 jahren. solche leute wie du würden ja ausländer ja mit der peitsche integrieren wollen. aber alles nich so schlimm.

Anonym 16. Februar 2009 um 18:24  

Ich habe keine andere Reaktion auf meine Meinungsäußerung als die von Hrvatska erwartet. Wer keine ausländischen Vorfahren hat, sondern Deutscher ist - Entschuldigung, dafür kann ich nichts! - ist Rassist und Nationalist und dazu selbstverständlich noch gewalttätig und ausländerfeindlich. Das bedeutet, dass Deutsche eigentlich überhaupt nicht über Integration diskutieren dürfen oder zumindest nur dann, wenn sie ein ausgeprägtes Schuldbewusstsein zeigen. Man darf keine differenzierte Diskussion anmahnen, sondern muss einstimmen in das einseitige Jammerlied von den bösen Deutschen und den guten Ausländern und sich dafür ordentlich schämen. Denn es gibt offenbar keine gelungene Integration. Man darf auch nicht sagen, dass Integration schwierig ist, sondern soll so tun, als ob alles so easy wäre, wenn nur die bösen Einheimischen nicht so ignorant wären...

Dazu kann ich nur sagen, dass ich vor einiger Zeit einer großen ausländischen Familie in einer persönlichen Notlage spontan, effektiv und langfristig geholfen habe. Dazu war ich nicht verpflichtet, ich kannte sie vorher nicht. Eine Gesamtlösung kann ich allerdings auch nicht anbieten. Nationalist? Rassist? Rechter? Ich glaube nicht, dass ich dann hier einen Kommentar abgegeben hätte.

Anonym 17. Februar 2009 um 11:06  

"[...]Dazu kann ich nur sagen, dass ich vor einiger Zeit einer großen ausländischen Familie in einer persönlichen Notlage spontan, effektiv und langfristig geholfen habe. Dazu war ich nicht verpflichtet, ich kannte sie vorher nicht. Eine Gesamtlösung kann ich allerdings auch nicht anbieten. Nationalist? Rassist? Rechter? Ich glaube nicht, dass ich dann hier einen Kommentar abgegeben hätte.[...]"

Es mag ja so sein, dass Sie sich selbst nicht als "Rassisten" oder "Nationalisten" sehen, aber gerade dieser Satz - man gräbt irgendwo eine angeblich "ausländische Familie" aus, der man "sehr geholfen hat" disqualifiziert ihre vorherigen Äußerungen von selbst, wo sie sich selbst davon distanzieren ein "Rassist" und "Nationalist" zu sein.

Ich hoffe ja so, dass ich mich bei Ihnen irre, aber ich machte auch einmal mit einem faschistoid-nazistischen REP in einem Internetforum einer Zeitung eine ähnlich Erfahrung, dass der ja gar nichts gegen Ausländer habe, und außerdem würde man ja auch "Ausländer" persönlich kennen....mit denen man befreundet wäre...schreibt dort ein bekennender Rechtsextremist einer lt. Verfassungsschutz verfassungsfeindlichen Partei....

Die eben beschriebene Strategie ist eine uralte rechtsextreme Strategie, um Diskussionsgegner mundtot zu machen...

Darüber sollten Sie mal nachdenken, und die nicht einfach als "Meinungsäußerung" abtun.

Außerdem:

Außerdem weis ich ja nicht in welchen Kreisen Sie verkehren, aber mir kommt es so vor als würden Sie nur fremdstämmige Mitbürger kennen, die auf's Gymnasium gehen, die anderen kann man ja eh getrost vergessen, die gehören zur sogenannten "Unterschicht", von der man ja eh nichts anderes erwarten kann.

In der großen Hoffnung Sie lediglich mißverstanden zu haben verbleibe ich....

Gruß
Nachdenkseiten-Leser
(auch jemand, der nicht zur selbst ernannten "Elite" gehören will)

Anonym 17. Februar 2009 um 11:17  

Als Zusatz nur noch:

Wieso betonen Sie eigentlich jeden einzelnen Fall, wo Sie mit "Ausländern" Kontakt hatten?

Ich kenne auch "Ausländer" und nichtdeutsche Mitbürger, aber betone dies nicht extra, um meine Meinung zu untermauern, wenn es um die "Ausländer-Thematik" geht.

Ist auch eine typisch rechtsextreme Strategie übrigens, dass Aufzählen und extra betonen von Fällen, die man angeblich persönlich kennt (Kenne ich vom Internet-REP und meinem REP-Onkel - mit dem ich geschlagen bin....)

Ich hoffe aber immer noch Sie lediglich mißverstanden zu haben....

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 17. Februar 2009 um 12:17  

@NDS

Es geht noch dümmer, wenn z.B. der angebliche ausländische bzw. fremdstämmige Freund hier auftaucht um seinen rechtsextremen "Freund" zu verteidigen.....

Alles auch schon erlebt.....

...im Netz ist alles möglich.....

Anonym 17. Februar 2009 um 14:47  

Das ist eine Antwort an den Nachdenkseiten-Leser

Also, jetzt glaube ich echt, ich spinne. Ich mache nichts anderes, als eine differenzierte Sichtweise bezüglich der schwierigen Frage der Integration anzumahnen und die Schwarz-Weiß-Malerei zu kritisieren, und gerate prompt in den Verdacht, ein Rechtsausleger zu sein oder gar mit den REPs zu sympathisieren. Das schlägt für mich dem Fass den Boden aus. Es ist schlicht unfassbar und fast schon eine persönliche Beleidigung. Unsere Familie hat im Dritten Reich privat sehr üble Erfahrungen gemacht, so dass uns derartige Gedanken völlig fremd sind.

Noch einmal: Integration hängt mit Migration zusammen, und Migration ist immer ein zweiseitiger Prozess: Ich verlasse meine Heimat, erleide also in aller Regel einen Verlust; zudem besteht die Tendenz der Idealisierung der alten Heimat, wenn man den Alltag nicht mehr miterlebt und in der neuen Heimat fremdelt. Ich komme in ein fremdes Land, in dem ich hin- und hergerissen bin zwischen der Integration und der Bewahrung meiner Identität, zumal ich vielfach auch auf Ressentiments stoße. Es ist also im Grund genommen eine schizophrene Situation, auf welche die aufnehmende Gesellschaft zunächst wenig Einfluss hat. Als Immigrant werde mich zweifelsohne schneller assimilieren, wenn ich zwischen Einheimischen wohne, als wenn ich in ein Viertel ziehe, in dem fast ausschließlich fremdstämmige Mitbürger wohnen. Die Schwierigkeiten eines (Ein-)lebens im fremden Land kommen doch im Artikel von Herrn De Lapuente sehr gut zum Ausdruck. Ich kritisiere jedoch die einseitige Interpretation des Migrationsprozesses, ohne die Mitverantwortung des aufnehmenden Landes (in diesem Fall Deutschland) in Abrede zu stellen.

Schon im Sprachgebrauch müsste man doch erkennen, dass man mich nicht entfernt in die Nähe rechtsextremer oder ausländerfeindlicher Gesinnungen rücken kann, wenn ich auch nicht so edel sein mag wie andere in diesem Blog. Denn dann würde ich sicher keine Wohnung an Ausländer vermieten (offenbar darf man das Wort auch nicht mehr verwenden, aber es sind keine deutschen Staatsbürger). Ich habe diese (Arbeiter-)Familie nicht „ausgegraben“ (mit diesem Ausdruck setzen Sie die fremdstämmigen Mitbürger herab, nicht ich), sondern durch Zufall von deren schwieriger Lage erfahren und ihnen die Wohnung zu sehr annehmbaren Bedingungen vermietet. Wie mir der Mieter selbst sagte, hat es ihnen eine neue Perspektive gegeben. Wenn das „rassistisch“ und „nationalistisch“ ist, kann ich ihnen ja wieder kündigen...

Ich selbst bin überhaupt nicht elitär, denn das Wort Elite war in meiner Jugend zu Recht genau so verpönt wie nationale Überheblichkeit. Außerdem komme ich selbst von „einfachen Leuten“ her, also aus vollkommen nicht-akademischen Kreisen, und kenne zumindest die im Artikel beschriebene Erfahrung eines „sozialen Aufstiegs“ zur gebildeten Mittelschicht selbst. Allerdings habe ich mich für meine Eltern nie geschämt, denn sie waren ja nicht dumm und hatten zu ihrer Zeit keine anderen Möglichkeiten. Dieses elitäre Denken ist eine der Ursachen der heutigen Krise, denn die Gesellschaft wird von allen getragen und nicht nur von einigen selbsternannten Wichtigtuern. Es ist eine der größten gesellschaftlichen Lügen, dass wir in der Wirtschaft und Gesellschaft nur die Besten brauchen. Eindrücklicher als zur Zeit kann man nicht erleben, wie verlogen solche Ideologien sind.

Wir haben Freunde und Bekannte aus allen Schichten, es ist mir wichtig, dass meine Kinder nicht nur „nach oben“ schauen, sondern mit vielen verschiedenen Leuten zusammen und zurecht kommen. Zu einem elitären Getue besteht für mich überhaupt kein Anlass, da müsste ich wesentlich vermögender sein. Das leben wir ihnen auch vor, denn ich persönlich vertrete die Ansicht, dass es in allen Schichten und in allen Völkern gebildete und intelligente Menschen gibt, das ist für mich nicht von einem formalen Bildungsabschluss abhängig. Und nichts ist langweiliger, als sich nur in einer wie auch immer gearteten „Oberschicht“ zu bewegen. Für uns war es übrigens schon immer völlig abwegig, ausländische Mitbürger zu duzen oder mit ihnen in einer Babysprache zu reden. Ich weiß aber, dass es in den Fabriken und auf den Baustellen anders zugeht.

Allerdings bin ich der Auffassung, dass die Bildung ein wichtiges Thema auch im Zusammenhang mit der Integration ist. Und da hat sich ja die linke politische Richtung einen ihrer bedeutendesten historischen Verdienste erworben, indem sie die Arbeiterbildung zu einem ihrer Ziele gemacht hat. Nachdem die weiterführenden Schulen seit den 1960er Jahren für Kinder aus den niedrigeren sozialen Schichten (auch für mich!) geöffnet wurden, glaubten wir allen Ernstes, dass die Arbeiterbildung nun zum Ziel gekommen sei. Seit dem „elitären“ Zeitalter verengen sich die Bildungschancen wieder, und siehe da: die Bildung der Mittel- und Unterschicht wird wieder zum brandaktuellen Thema. Aber da fehlen im Augenblick die sozialen Ideen.

Das mit der Unterschicht, die man verachtet, haben Sie gesagt, da muss man Sie hinterfragen. Ich fange mit solchen Denkmustern nichts an. Herr De Lapuente beschreibt ja, wie er durch eine solide Ausbildung (die stark nach Abitur/Studium aussieht, denn warum wäre sonst der Arbeiter-Vater ein Problem?) einen Aufstieg geschafft hat. So erfolglos war er selbst offenbar auch nicht, und ich muss gestehen, dass sich mir der tiefere Grund für seine Identitätsprobleme nicht wirklich erschlossen hat. Denn wer hindert ihn denn daran, seine deutschen und seine spanischen Wurzeln zu pflegen? Warum kann er nicht selbstbewusst zu seiner Herkunft stehen? Fühlt er selbst sich wirklich noch als „minderwertig“ angesehen?

Es war gar nicht mein Ziel, die Diskussionsgegner mundtot zu machen. Vielmehr muss jemand, der die gegenwärtigen Zustände als Betroffener kritisiert, doch sagen, wie es sein sollte. Eigentlich warte ich auf eine Entgegnung des Autors, wie er sich die Integration vorstellt. Wie sollte man mit ihm umgehen, der sich immer noch sehr stark als „Einwandererkind“ fühlt? Auf die Antwort bin ich gespannt.

Anonym 17. Februar 2009 um 14:52  

Auch von mir noch ein Zusatz: Durch die persönlichen Beispiele habe ich nur meine allgemeinen Aussagen illustriert. Man muss doch von persönlichen Erfahrungen reden, wenn man nicht immer nur im Abstrakt-Theoretischenbleiben will. Der Verfasser des Artikels hat auch nichts anderes gemacht.

Anonym 17. Februar 2009 um 18:35  

"[...]Also, jetzt glaube ich echt, ich spinne. Ich mache nichts anderes, als eine differenzierte Sichtweise bezüglich der schwierigen Frage der Integration anzumahnen und die Schwarz-Weiß-Malerei zu kritisieren, und gerate prompt in den Verdacht, ein Rechtsausleger zu sein oder gar mit den REPs zu sympathisieren. Das schlägt für mich dem Fass den Boden aus. Es ist schlicht unfassbar und fast schon eine persönliche Beleidigung. Unsere Familie hat im Dritten Reich privat sehr üble Erfahrungen gemacht, so dass uns derartige Gedanken völlig fremd sind.[...]"

Tja, dann bitte ich um gleichzeitig um Entschuldigung - weil ich ihren kompletten Text gelesen habe, nicht diesen Teil.

Ihre Unterstellungen an meine Adresse belassen Sie bitte bei sich - ebenso wie ich meine an Ihre Adresse an Sie.

Eigentlich könnte man jetzt nämlich wieder unterstellen, dass es eine typisch rechtsextreme Strategie ist, die Sie mit obigem Satz weiterführen, es läßt sich ja nicht beweisen, dass Ihre Familie im Dritten Reich üble Erfahrungen gemacht hat - dazu müßte ich Sie persönlich kennen, aber ich habe kein Bock auf eine Endlosdiskussion und will Ihnen - auch wegen dem anderen geschriebenen glauben, und mich noch einmal bei Ihnen für das Mißverständnis entschuldigen.

Der komplette Text entschuldigt Sie, vielleicht bin ich ja auch nur zu hellhörig bei diesem Thema -eben weil ich persönlich mit REPs verwandt bin - für seine Verwandtschaft kann man ja bekanntlich nix -, die eben solche Vorurteile führen.....

Und den Nachteil hatte eben im Netz mal eine Endlosdiskussion mit einem rechtsextremen Sp.... zu führen - war damals wirklich eine Endlosschleife.....sorry, aber dazu hab ich keine Lust mehr....ohne Sie gleich in die rechtsextreme Ecke stellen zu wollen....

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 18. Februar 2009 um 12:29  

Die üblen Erfahrungen kann ich gerne präzisieren. Mein Großvater war kein Widerstandskämpfer oder sonst ein Held, aber er hatte was gegen die örtlichen Nazis. Er konnte einige davon nicht leiden. Obwohl er im Ersten Weltkrieg Soldat gewesen war, bekam er 1939 als einer der Ersten im Ort den Stellungsbefehl und musste erneut an die Front. Nach dem Krieg erfuhr die Familie, dass ein örtlicher Parteiführer den stellungsbefehl manipuliert hatte, um seinen Sohn nicht in den Krieg schicken zu müssen. Mein Großvater hatte einen Parteieintritt abgelehnt, obwohl er dadurch zu einer Anstellung gekommen wäre, die er anstrebte. Mein Vater als idealer "Arier" - keine jüdischen Vorfahren, groß gewachsen, usw. - sollte auf eine Nationalpolitische Erziehungsanstalt kommen. Das hat mein Großvater verhindert, indem er ihm riet, sich sofort zur Marine zu melden.
Mit 18 musste mein Vater Soldat werden. Die Landwirtschaft wurde ausschließlich von den Frauen der Familie betrieben. Als meine Tante 1944 konfirmiert wurde, wusste man weder vom Vater noch vom Bruder irgend etwas. Beide kehrten dann zurück, aber mein Vater war derart abgemagert, dass ihn die eigene Mutter nicht wieder erkannte.
Er hat es nie verkraftet, dass sein jugendlicher Idealismus so ausgenutzt wurde. Deshalb verteidigte er Hitler immer - er hätte doch auch seine guten Seiten gehabt -, aber ich habe ihn nie für einen Nazi gehalten. Denn von Anfang an habe ich als Sohn gespürt, welche schweren seelischen Wunden der Krieg bei ihm verursacht hatte. Und ich habe ihm immer abgenommen, dass er weder den Holocaust noch die politische Verfolgung von Regimegegnern (die seinen Vater ja auch hätte treffen können) innerlich befürwortete.
Meine Mutter sagte zu ihm ganz entschieden: NIE WIEDER HITLER! NIE WIEDER NAZIS! Sie kam aus einer sehr kirchlichen Familie, der Blockleiter wohnte direkt gegenüber. Die ganze Familie hatte Angst vor Repressalien. Meine Tante hatte eine Bekannte, die die Tochter eines örtlichen Parteiführers war. Die beiden waren auch in den Jahrzehnten nach dem Krieg miteinander gut bekannt und sahen sich im Alltag ständig und gingen normal miteinander um. Es kam nie eine kritische Äußerung. Aber wenige Tage vor ihrem Tod sagte meine Tante über diese Bekannte: "Diese Nazi-Sau!". Da kann man erahnen, wie tief die Angst und die Demütigung saßen. Bei uns zuhause wurde immer offen über die Zeit des Dritten Reiches gesprochen und nichts verheimlicht oder tabuisiert, eben weil mein Vater davon anfing und meine Mutter ganz heftig ihren Standpunkt vertrat.

Diese Erfahrungen möchte ich nicht hochstilisieren. Es gab unzählige Familien, die weitaus Schlimmeres mitgemacht haben. Durch die Landwirtschaft musste niemand aus den beiden Familien hungern - außer den Soldaten am Kriegsende -, und ihre Häuser wurden im Krieg nicht zerstört. Individuell waren diese Erfahrungen aber sehr wohl schlimm. Hoffentlich glauben Sie mir jetzt, dass ich das alles nicht erfunden habe.

Als Rechtsradikaler müsste ich doch irgendwann einmal generelle repressive Maßnahmen gegen ausländische Mitbürger/innen ins Spiel bringen. Ich sehe es jedoch als eine der großen Errungenschaften in unserer Demokratie an, dass jede/r die Freiheit hat, seine nationale Identität in entsprechenden Gruppen und Vereinen zu pflegen. Deshalb greift der Vorwurf im Hauptartikel nicht, man hätte einem spanischen Gastarbeiter die Muttersprache genommen oder ihn zur Leugnung seiner Herkunft gedrängt. Was ist denn bitte die Alternative? In den klassischen Einwanderungsländern USA, Kanada oder Australien – die ja keine NS-Vergangenheit haben – gibt es einen erheblichen Anpassungsdruck, aber gleichzeitig die Freiheit, in einem Verein seiner ursprünglichen Nationalität seine Wurzeln zu pflegen (deutsche Gesangvereine, spanische Flamenco-Gruppen, um im Klischee zu bleiben). Weil ich nicht weiß, wie man es anders handhaben sollte, wüsste ich es gerne vom Autor. Im übrigen hat er mir gegenüber mir den Vorteil, dass er von Anfang an zwei Sprachen perfekt spricht. Das meine ich nicht ironisch, denn der größere Horizont hat tatsächlich auch Vorteile.

Aber ich sehe auch, dass es viele Probleme im Zusammenhang mit der Integration fremdstämmiger Menschen gibt. Das habe ich nun genug erklärt. Es ist ein langer Weg und eine schwierige Aufgabe – das wollte ich mit meinen Beiträgen deutlich machen.

Anonym 13. März 2009 um 16:54  

Zitat "Vor längerer Zeit sprach ich mit einem türkischen Mitbürger, einem sehr netten Menschen, der ein gutes Einkommen hatte, mitten unter Deutschen in einem neuen Haus lebte und äußerlich also sehr gut integriert war, also auch ganz „westlich“ lebte. Es sagte, dass er nie eine deutsche Frau genommen hätte, weil diese ihm generell zu selbstbewusst seien. Er heiratete eine türkische Frau, die aus einer ländlichen Gegend kam, kaum Deutsch sprach und völlig abhängig von ihm war. Nach seinen eigenen Äußerungen erwartete er blinden gehorsam und völlige Unterordnung von ihr. Soll ich das gut finden?"

Sie machen das, was viele machen wenn sie vom Verhalten einiger oder DER Ausländer sprechen. Sie nehmen eine individuelle Lebenseinstellung einer Person und stilisieren diese zu einem kulturellen Merkmal einer Immigrantengruppe. Dies ist eine manipulative Verwendung von Einzelfällen und Einzelansichten. Sie haben schon recht, das Kritik für einen Deutschen sehr schwer ist, ohne sich einem Verdacht der Hetze auszusetzen. Das kann auch einfach an ihrer verallgemeinernden Art liegen. Es sind Einzelfälle und Grundgesetzlich verbriefte Rechte, die angegriffen werden, wenn Menschen der Meinung sind, das ihre Nachkommen diese und nicht jene Prägung erfahren sollen. Individualistische Gesellschaften müssen diese Marotten einzelner hinnehmen!
Wer diese freiheitliche Entscheidung über bestimmte erzieherische Aspekte für negativ hält, kann sich ja dafür einsetzen, daß es getrennten Schwimmunterricht gibt, damit die Mädchen zu ihrem Unterricht gehen können.
Erwachsene Frauen dürfen selbst entscheiden wie und mit welcher Kleidung sie welche Veranstaltung besuchen möchten. Es gibt Fitnesscenter für Frauen, es gibt FKK Tage in Schwimmbädern und wenn sich zumeist einige Muslimas für einen Schwimmtag ohne Männer im Bad zusammenfinden, dann soll das plötzlich ein Problem darstellen?

Jeder nach seiner Fasson. So hieß es einmal. Heute alle nach einer westlichen Lebensart, die vom Konsumismus und nahezu völlig enttabuisiertem Sexismus durchzogen ist bis in die privatesten Sphären. Mache mit oder ?

Anonym 18. März 2009 um 12:32  

Es war das Ziel meiner Kommentare, einseitige Sichtweisen zu kritisieren. Wenn Sie von "Konsumismus und nahezu völlig enttabuisiertem Sexismus" sprechen, haben Sie damit sicher nicht unrecht, aber es steht jedem frei, damit umzugehen, wie er oder sie will. Auch wir Deutschen stehen vor der Aufgabe, mit diesen Auswüchsen umzugehen. Andererseits habe ich in unserem Bekanntenkreis nicht das Gefühl, dass er sexistisch oder konsumgeil wäre. Unsere Kinder wachsen glücklicherweise freier auf, als wir damals in den 1950er bis 1970er Jahren aufwuchsen. Sie können aber auch anders damit umgehen, nämlich in aller Regel unkompliziert und freundschaftlich mit den Jungen und Mädchen in ihrem Bekanntenkreis verkehren. Wenn unsere Kinder in den koedukativen Sport- oder Schwimmunterricht gehen, mache ich mir keine Gedanken, weil mir in unserem Alltagsleben das sexistische Motiv fremd ist.
Gerade die Linke wollte doch damals nach 1968 die Menschen von der Prüderie und der Verklemmtheit der 1950er Jahre befreien. Dass damit durchaus auch gute Werte den Bach runtergingen, ist klar. Wenn man aber die Aufklärung als wichtigen Entwicklungsschritt der westlichen Gesellschaften betrachtet, muss man sagen, dass mit einer größeren Freiheit – beispielsweise der Religionsfreiheit oder der Freiheit der Frau, sich an einen Partner ihrer Wahl zu binden oder ohne Zustimmung ihres Ehemannes zu arbeiten (bis etwa 1980 konnte nach der deutschen Rechtsprechung der Mann das verbieten!) – auch Nachteile verbunden sind. Das eine geht nicht ohne das andere. Und es ist klar, dass die dramatisch verbesserten Verhütungsmethoden die Sexualität seit den späten 1960er Jahren dramatisch verändert haben. Dem Islam steht die Diskussion über diese Veränderungen zweifelsohne noch bevor, denn sie gehen auch an den islamischen Ländern nicht spurlos vorüber.
Andererseits wäre z.B. die neue Rolle der Frau in unserer Gesellschaft ohne diese Veränderungen nicht möglich gewesen. Diese positive Kehrseite der "westlichen Lebensart" – die ja trotz allem sehr viele verschiedene Lebensentwürfe beinhaltet - darf man doch nicht verschweigen. Heute sind die Schülerinnen wesentlich erfolgreicher als die Schüler. Wann sich das in gleichen Verdienstmöglichkeiten und Karrierechancen niederschlägt, muss sich noch zeigen.
Mit dem Vorwurf der Verallgemeinerung fange ich nichts an. Denn womit soll ich meine Meinung begründen, außer mit eigenen Erfahrungen? Wenn Sie das Beispiel als Einzelfall sehen, könnten sie ja Ihre eigenen gegenteiligen Erfahrungen erzählen. Die Deutschen aber alle als „westlich verkommen“ in einen Topf zu werfen, halte ich für genauso problematisch, wie wenn ich alle fremdstämmigen Mitbürger über einen Kamm scheren würde.

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