... die sprechen alle Deutsch

Donnerstag, 4. August 2011

Urlaubszeit ist und Springers Primus wartet mit einer jahreszeitkompatiblen Serie auf. Urlaub für immer, nennt sich das recht langweilige, wenig informative Ding. Da kredenzt man dem Leser einen Rentner, der auf Mallorca sein Eiapopeia gefunden hat. Fester Wohnsitz Mallorca! Sein Gesundheitszustand besserte sich auf spanischem Boden ungemein (ein Argument, das bei Florida-Rolf nicht gegolten hat!) und mallorquinische Tomaten und Zitronen schmecken ihm gar köstlich - und überdies durfte er vor Spaniens Monarchin Choräle trällern! Ja, man möchte neidisch werden! Kurzum, es ist ein Berichten für die üblichen Springer-Spießer, die Fernweh befällt.

Und doch bleiben Seltsamkeiten offen, die man mit der üblichen BILD-Hetze in Relation setzen sollte. Ein fader Beigeschmack, denn integriert wirkt der Mann nicht gerade.

Nein, nicht wegen dem speckigen Unterhemd, das dortzulande nur wenige spanische Männer freiwillig anlegen würden. Nein, weil der Herr Rentner nämlich erzählt, dass es tolle Ärzte auf der Insel gibt - was ja nicht weiter stört. Aber nun kommts, ich zitiere: "... die sprechen alle Deutsch." Soso, die sprechen alle Deutsch! Wie denn, spricht der Mann, der nun in Spanien lebt, etwa kein Spanisch? Sind wir etwa schon so weit, dass Inländer Fremdsprachen erlernen müssen, um der Überfremdung Herr zu werden?

Dabei lehrt uns Friedes Flaggschiff seit Jahren, dass sprachliche Integration das A und O sei. Wer hier leben möchte, der muß Deutsch können - nein, der sollte nicht Deutsch können, das klänge ja nach Option, nach Vielleicht, der muß es können, ganz diktatorisch, der muß! Herr Rentner kann aber kein Spanisch, obwohl er in Spanien lebt. Wie soll er sich denn integrieren, wenn die Ärzte ihn auf Deutsch zuschwallen? Wie soll denn Ayşe Deutsch lernen, wenn hier angesiedelte Ärzte türkische Sprechstundenhilfen einstellen, die der Patientin alles übersetzen? So las man das jedenfalls schon oft, wenn man ausländischen Mitbürgern entgegenkam. So weit kommen wir noch, schimpften dann die besorgten Leser, dass wir alle Türkisch lernen müssen. Christian Ströbele empfahl vor Jahren, wir sollten auf die Zuwanderer zugehen und deren Sprache, wenigstens rudimentär, erlernen. Ui, was wütete Springer da! Ströbele, ein Phantast! Ströbele, ein Gutmensch! Eine ganz linke Kanaille! So weit kommts noch!

Aber der deutsche Rentner, Wohnsitz in Spanien, wackelt zum Arzt, der mit ihm Deutsch redet. Ich mache ihm ja keinen Vorwurf, man verstehe mich bloß nicht falsch. Ich mache ja auch dem hiesigen Türken keinen, wenn er mit dem türkischen Mädel im Weißkittel in der Sprache seiner Eltern parliert. Man will ja doch schließlich beim Arzt verstehen, woran man aktuell dem Tode näherrückt. Ich würde mich auch freuen, wenn man mir in einer Sprache, der ich mächtig bin, mitteilen würde, dass ich zu fett bin. Nicht, dass mir am Ende noch entgeht, dass ich es bin. Dem Ollen mache ich keinen Vorwurf, aber denen, die über ihn berichten und wie selbstverständlich abdrucken, dass mallorquinische Ärzte deutscheln, die muß man schon mal nach ihrer Doppelmoral fragen dürfen.

Denn es sind dieselben Knallköpfe, die im Ressort Politik über die Verweigerungshaltung der Muslime räsonieren. Die wollen kein Deutsch lernen, leben in Parallelgesellschaften... der übliche Sermon dürfte nur zu gut bekannt sein, lassen wir ihn deshalb ruhen, zitieren wir ihn nicht nochmals ausgiebig. Diesem doppelmoralischen Dilemma entkäme man jetzt nur, wenn man öffentlich dazu aufrufen würde, dass verrentnerte Deutsche, die ihr Domizil ins Ausland verlegt haben, gefälligst die Heimatsprache zu büffeln haben - das alles im Sinne der Integration und des Respekts gegenüber den Gastgebern. Oder sind, ganz im Gegensatz zu den Deutschen, die sich als Herren in ihrem Lande fühlen, Spanier nicht Herren und dortige Deutsche nicht Gäste? Müssen die Spanier froh, ja dankbar sein, dass da jemand seine Rente bei ihnen verjuxt?

Der Leser springerscher Zoten, die man hausintern Journalismus nennt, darf sich in dem wohligen Gefühl des Wir-dürfen-uns-alles-erlauben! suhlen, welches man ihm da täglich vermittelt. Wer zu uns kommt, soll uns respektieren - zu wem wir gehen, der hat uns Respekt zu zeigen. Schließlich sind wir Hausherren - schließlich sind wir Gäste. Hausrecht - Gastrecht - je nach Bedarf und Situation: stets unser Recht!


45 Kommentare:

klaus baum 4. August 2011 um 08:17  

Ich kenne da noch eine "Kolonie" auf Ithaka (Griechenland), da wohnen Deutsche - und die können auch kein Griechisch.
Was du uns zeigst, ist mal wieder die übliche Herren-Menschen-Doppelmoral: "Was wir von den Ausländern in Deutschland fordern, gilt noch lange nicht für uns, wenn wir im Ausland sind.,"
Ich habe allerdings das Gefühl, es geht gar nicht um Moral oder um das Sprechen der Sprache der jewreils "Einheimischen". Es geht um Hetze an sich, um das Schaffen eines vergifteten Klimas und darum, dem Spießer das Gefühl zu geben, auf der richtigen Seite zu stehen. BILD verkauft keine Texte, BILD verkauft Gefühle, Nahrung für die Selbstgerechtigkeit.

christophe 4. August 2011 um 08:52  

Wenn man sich solche immer häufiger gezeigten Filme zumutet, dann kommt es einem so vor, als ob am deutschen Wesen die deutsche Urlaubswelt genesen soll. Nicht nur die Ärzte sprechen da perfekt deutsch, nein, auch Polizisten, Anwälte, Hausmädchen und Taxifahrer beherrschen die Sprache Goethes. Bei den touristischen Berufe stimmt das sogar. Übrigens auch ein Grund, weshalb die Deutschen lieber nach Italien oder Spanien reisen als nach Frankreich. Die Franzosen bestehen arroganterweise oft darauf, französisch zu sprechen...

Roberto J. De Lapuente 4. August 2011 um 09:08  

Franzosen sind schlechte Deutsche. Leben am Rhein und können kein Deutsch. Unglaublich...

Anonym 4. August 2011 um 09:09  

Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich den Bericht nur kurz überflogen habe. Ein Vergleich mit Florida Rolf kam mir auch flüchtig in den Sinn.

Aber mit Deiner Kritik triffst Du auf ein ignorantes BILD-Publikum, für das Mallorca schon seit Jahren zwar nicht de jure jedoch gefühlt das 11 Bundesland Deutschlands ist, mit einem deutschen König aller Herzen (der Jürgen aus dem Kornfeld) an der Spitze. Da ist es doch nur konsequent, dass auch die Eingeborenen die Sprache der Kolonialisten sprechen.

Wieder mal eine sensible Betrachtungsweise von Dir.

Anonym 4. August 2011 um 09:35  

@ Christophe

"Nicht nur die Ärzte sprechen da perfekt deutsch, nein, auch Polizisten, Anwälte, Hausmädchen und Taxifahrer beherrschen die Sprache Goethes."

Ich habe mich erst verlesen: "... die Sprache Gottes". So ganz unpassend wäre das aus Sicht des Axel-Springer-Verlages aber auch nicht.

Anonym 4. August 2011 um 09:39  

DAS eben ist der Unterschied:
WIR sind teutsch!
Ich erinnere mich, als Birne vor Jahren die Sowjetunion besuchte und unter Tränen von den Deutschen dort sprach, die ihre Kultur und Sprache über jahrzehnte behalten hätten.
Wehe ein Türke besteht darauf, seine Kultur und Sprache zu behalten. Dem hetzen wir aber den Sarrazin auf den Hals.
Aus Chauvinismus wird Nationalismus:
Am deutschen Wesen... (Siehe Wirtschaftsdebatte)

Anonym 4. August 2011 um 09:50  

Spricht kein Spanisch:
Das gehört zum Selbstverständnis: Wir sind gleicher, die anderen müssen sich uns anpassen, deutsche Leitkultur etc.

Kleine Rechtschreibkorrektur, die ich Hermann L. Gremliza verdanke:
Es heißt "Friedes Flakschiff"!

Anonym 4. August 2011 um 09:51  

Die Franzosen sind garnicht so. Als wir da im Urlaub waren, konnten die alle ganz schnell Deutsch oder Englisch als ich mit meinem graesslichen Schulfranzoesisch angefangen hab. Die wollten sich das nicht antun.
Wo es schlimm war, war in Madrid. Die haben wirklich _nur_ spanisch gesprochen. Weder Deutsch noch Englisch noch Franzoesisch. Und ich meine jetzt Kellner, Museumsmitarbeiter, ... Leute, die berufsmaessig mit Touristen zu tun haben. Ich verlang von keinem, dass er Deutsch kann, aber Englisch ist doch eigentlich Standard heutzutage?

Anonym 4. August 2011 um 10:01  

Bekommen die Rentner denn dort im Ausland auch Sozialleistungen? Wenn ja wäre es völlig in Ordnung wenn die Einheimischen sich darüber empören. Es kann nicht sein das deutsche Rentner z.B. die spanischen Steuerzahler belasten.

Anonym 4. August 2011 um 10:13  

Anonym klaus baum hat gesagt...

. BILD verkauft keine Texte, BILD verkauft Gefühle, Nahrung für die Selbstgerechtigkeit."

Bon dit!

MfG Bakunin

Ali Schwarzer 4. August 2011 um 10:19  

@anonym: Bei dir scheint die Hetze ja zu funktionieren. Was hat das Erlernen der Sprache mit dem Bezug von Sozialleistungen zu tun? Eben. Nichts. Das passt nur zusammen, wenn als Gönner den Ausländern herablassend zeigen will, wie das hier bei uns funktioniert: "Ihr wollt was von uns? Dann passt euch bedingungslos an." *krächz*

Nico 4. August 2011 um 10:37  

Bekommen die Rentner denn dort im Ausland auch Sozialleistungen?
-
Kommt auf die Rechtslage des jeweiligen Landes (in dem Fall Spanien an). Wenn die Rente des deutschen Rentners sooo gering ist, dass er für spanische Verhältnisse unters Existenzminimum fällt, dann gibs vielleicht auch in Spanien Anspruch auf Sozialleistungen. Aber mal ehrlich, wer geht dann mausearm nach Spanien. Wer als Renter dorthin auswandert, gehört eher zu den etwas besser betuchten und braucht nicht noch Sozialhilfe. Als ob sich die da durchschlauchen. Und außerdem: Mit deutscher Rente kommt man in Spanien weiter als in Deutschland - vorrausgesetzt, man lebt nicht im Touristengebiet. Außerdem regen deutsche Rentner mit deutscher Rente die spanische Wirtschaft an, weil sie einfach das Geld nach Spanien bringen. Der Axel-Springer-Autor sollte wohl einfach nur über irgendwas "bipolares" schreiben.

Anonym 4. August 2011 um 11:01  

@ anonym 09:51

Sie haben es in Frankreich genau richtig gemacht. Es soll wohl so sein, dass sie gern mit einem Englisch oder Deutsch sprechen, wenn man es auf Französisch *versucht* hat - aber eben erst dann. Wenn man es direkt auf Englisch versucht, blocken sie ab.

Anonym 4. August 2011 um 12:24  

"Hetze an sich"? "das Schaffen eines vergifteten Klimas"?
Quatsch. Das wäre zu viel der "Ehre" und zuviel Arbeit. Die denken doch nicht über ihr Tun nach. Die Jungs bei BILD sind einfach nur blöd. Siehe zum Beipiel all die Blödheiten, die Bildblog tagtäglich bei ihnen findet ...
-kdm

Anonym 4. August 2011 um 12:37  

Anonym Nico hat gesagt...

"Bekommen die Rentner denn dort im Ausland auch Sozialleistungen?"

Diese angeblichen "Auswanderer", wenn denen die Kohle ausgeht oder sie erst mal inkontinent und/oder dement werden, sich unablässig in die Hosen scheißen,Pfannen, ambulante Behandlung brauchen, kommen die ALLE wieder ganz schnell nach Deutschland ZURÜCKGEKROCHEN!
Strand, Meer, Palmen haben dann ihre Schuldigkeit getan......

MfG Bakunin

Anonym 4. August 2011 um 12:56  

Ich musste gerade denken: Wie wäre es, wenn es in Deutschland ein Gebiet gäbe, von mir aus eine Insel oder ein Stadtteil - nennen wir ihn 'Kreuzberg' -, der zum größten Teil von Türken besucht wird. In dem mittlerweile auch viele Türken leben. Wo schon die Geschäfte und Restaurants türkisch sind, es türkische Ärzte für die vielen Urlauber und Einwanderer gibt und die Polizei selbstverständlich türkisch lernen müsste, weil es von denen so viele gibt. Es werden türkische Zeitungen angeboten und türkische Waren verkauft, die man so nicht in Deutschland kriegt.
Sowas dürfte es nicht geben.

Marcus Buck 4. August 2011 um 13:27  

Und wenn man noch etwas tiefer eindringt, dann erreicht man gleich das nächste Niveau der Ungleichbehandlung: Wieso eigentlich sollten deutsche Rentner auf Mallorca Spanisch sprechen? Mallorca gehört zu den Països Catalans, die einheimische Sprache ist Katalanisch.

Spanisch ist lediglich die Sprache des Zentralstaats, der seine Sprache den nicht-spanischsprachigen Gebieten aufoktroyiert.

landbewohner 4. August 2011 um 13:40  

für mich gilt und galt schon immer,daß menschen, die ihren wohnsitz für längere zeit oder dauernd in ein anderes land verlegen, sich nach besten vermögen darum bemühen sollten dessen sprache zu erlernen. einfach aus respekt und um auch am dortigen leben teilnehmen zu können. wenn sie nebenbei ihre muttersprache weiter pflegen, auch gut. und dies sollte für jedermann gelten und selbstverständlich sein.egal ob deutscher oder türke, oder .... sonstwas.

Anonym 4. August 2011 um 14:13  

ja sehr schoen! Noch besser finde ich aber die Forderung das alle Welt Englisch sprechen muss. Ich bin ja auch immer gluecklich wenn ich mit meinem Gegenueber eine gemeinsame Sprache finde. Und ja, mein Englisch ist auch besser als mein Franzoesisch, aber daraus nun abzuleiten das jeder Englisch sprechen muss, nur weil mir als Sprecher einer germanischen Sprache die andere germanische Sprache leichter faellt, geht doch etwas weit.

Banana Joe 4. August 2011 um 14:21  

@Anonym 4. August 2011 09:51:

"...Leute, die berufsmaessig mit Touristen zu tun haben. Ich verlang von keinem, dass er Deutsch kann, aber Englisch ist doch eigentlich Standard heutzutage?..."

Vergessen Sie dabei aber nie folgende Tatsache: in der Rolle des Touristen sind SIE der GAST...

...insofern artikulieren Ihre oben zitierten Sätze leider auch eine Portion Doppelmoral. Wer in ein anderes Land reist, muss sich halt vorbereiten. Nur von anderen "Gast"freundschaft zu erwarten ist schlicht zu wenig...

...denken Sie mal über Ihre Erwartungshaltung nach. Möglicherweise erwarten Sie einfach zuviel?!?

@Roberto: Ein sehr gut geschriebener Artikel zur Doppelmoral, die viele Menschen an den Tag legen (oft ohne es selbst zu merken). Fehlendes Einfühlungsvermögen in die Gedankenwelt, die Situation und Lebenswirklichkeit anderer Menschen scheint mir hierfür die Ursache zu sein.

Anonym 4. August 2011 um 14:44  

„Man will ja doch schließlich beim Arzt verstehen, woran man aktuell dem Tode näherrückt. Ich würde mich auch freuen, wenn man mir in einer Sprache, der ich mächtig bin, mitteilen würde, dass ich zu fett bin.“

Bitte um Zurückhaltung mit süffisanten Formulierungen zu dem Thema, zumal die eigentliche Problematik umgekehrt liegt: der/die ÄrztIn muss verstehen, was die Patienten mitzuteilen haben, andernfalls sind schlimme Fehldiagnosen garantiert. Autor und kommentierendes Publikum auf diesem Blog sind sprachgewandt und haben vielleicht von ÄrztInnen auch schon Komplimente bekommen, wie präzise wir unsere Symptome beschreiben können und wie angenehm das für sie sei.

Das Verständnis der Problematik für Fremdsprachige ist alles andere als selbstverständlich. Zur Illustration Folgendes: Zu der Zeit, als ich noch die Volksschule besuchte, hatte meine Mutter einen Mittagstisch eingerichtet. Es kamen Italiener-Kinder (da wegen damals schon miserabler Löhne meist beide Elternteile Vollzeit Lohnarbeit leisten mussten), die – oft in der Schweiz geboren – akzentfrei Schweizerdeutsch sprachen und in der Schule kaum Sprachprobleme hatten. Wir Eingeborenen waren zunächst völlig überrascht, dass diese Kinder enorme Schwierigkeiten hatten, schon die einfachsten Gegenstände in der Küche auf Deutsch zu benennen. Die Umgangssprache zu Hause war halt italienisch, und ihr jeweiliger Wortschatz war alles andere als deckungsgleich. Für meine Mutter war das zunächst überraschende Phänomen Ansporn, selbst italienisch zu lernen.

In hiesigen Spitälern gibt es durchaus ein Bewusstsein und eine entsprechende Praxis aufgrund dieses linguistischen Sachverhalts, und ich halte es nicht nur für eine Selbstverständlichkeit, für Diagnosegespräche eineN MuttersprachlerIn beizuziehen, sondern schlicht für menschenverachtend, darauf zu verzichten, wenn denn irgendwie die Möglichkeit dazu besteht. Konsequenterweise muss ich mir nun auch etwas widerwillig süffisante Formulierungen verkneifen über die unter Umständen tragische Illusion des Rentners im Eiapopeia, von einem bloss anbiedernd „deutschelnden“ Arzt tatsächlich verstanden zu werden.

Anonym 4. August 2011 um 14:45  

@anonym

So wie ich den Artikel verstehe kommt es doch nicht darauf an, ob der Rentner in Spanien nun dort Sozialtransfers bezieht.

Es geht vielmehr um die Doppelzüngigkeit gewisser Medien - nicht nur Bild - die ihrem Puplikum folgendes gleichzeitig verkaufen. 1.) Seht her man kann in Spanien als Deutscher leben und es gibt keine Notwendigkeit als Deutscher spanisch zu lernen bzw. zu sprechen. 2.) Wer als Nichtdeutscher in Deutschland lebt muss Deutsch können und zwar unabhängig von Geschlecht, Alter, Beruf und Einkommen.

Man müsste das glatt einmal ausprobieren im Bekanntenkreis oder an den diversen Stammtischen. 1.) Was haltet Ihr davon das man als Deutscher in Spanien hervorragend leben kann ohne spanisch sprechen zu müssen weil es Ärzte, Anwälte etc. gibt die deutsch können. 2.) Was haltet ihr davon, dass niemand diese Deutschen in Spanien zwingt spanisch zu sprechen oder zu lernen? Als 3.) könnte man dann mal die Toleranzsschwelle testen mit dem Hinweis auf Ausländer in Deutschland.

christophe 4. August 2011 um 14:56  

@ Roberto

Just jene Franzosen, welche am Rhein wohnen, sind die große Ausnahme. Das Alsace lebt von deutschen Touristen und Grenzgängern und die Älteren sprehen alle ihren allemanischen Dialekt. Wenn Du dort etwas auf französisch fragst, kommt bisweilen eine deutsche Antwort...

Alanya 4. August 2011 um 16:30  

In derselben Serie erscheint auch ein deutsches Rentner-Ehepaar, das seit einigen Monaten in Alanya an der Türkischen Riviera lebt. Nun sind mir die beiden persönlich bekannt und haben die erste Zeit bei jeder Kleinigkeit bei meinem Mann auf dem Schoß gesessen, wenn sie Hilfe brauchten. Ihre Transfere zum Flughafen(wir haben ein Reisebüro/Transferunternehmen) buchten sie dann allerdings woanders.

Die Deutschen hier - pardon, die deutschen Rentner hier - sind schon sehr anspruchsvoll. Bei den halbjährlichen Konsularsprechtagen beschwert sich immer mindestens einer, dass auf den Ämtern kein Mensch deutsch sprechen würde. Sowas aber auch!! (Die Ausländerpolizei am Ort hat einen englisch-, einen deutsch- und einen russisch sprechenden Beamten im Dienst....)

Es scheint also ein generelles Problem der deutschen Rentner im Ausland zu sein, dass sie Probleme damit haben, die Landessprache zu lernen, dass sie Probleme damit haben, die Gepflogenheiten des Landes zu akzeptieren und auch die Kultur nicht im geringsten verstehen.

Einerseits habe ich gewisses Verständnis dafür, denn türkisch ist aufgrund der völlig anderen Grammatik und Sprachphilosophie selbst für junge Deutsche schwer zu erlernen (Was ich bei spanisch so gar nicht verstehe, mir haben vor Jahren 2 Wochen Madrid gereicht, um mich leidlich verständigen zu können) - andererseits bewirken schon wenige Brocken Türkisch einen kompletten Stimmungsumschwung bei dem türkischen Gegenüber: es herrscht eitel Sonnenschein und man wird sofort akzeptiert.

Ich bin noch weit davon entfernt, die türkische Sprache zu beherrschen, aber nicht ein türkischer Polizist, Beamter, Verkäufer oder wer auch immer würde mich herablassend behandeln, weil ich die falsche Zeit angewendet habe (und das geht im türkischen ganz leicht, bei allein ca 9 Vergangenheitsformen...)

Und dann sitzen sie da in ihrer deutschen Kneipe beim Skat und deutschen Weißbier und der (im Koffer durch Kumpels eingeschmuggelten) Schweinewurst und seufzen tief und theatralisch: "Ach wat wär unser Alanya so schön, wenns nicht so ville Türken hätte!! Auf Willi, du gibst!"

willi 4. August 2011 um 17:23  

Natürlich wissen wir von Bild und EX-Banker TS aka Größter Genetiker aller Zeiten, das solche Parallelwelten gefährlich sind.
Allerdings entfällt ja bei den Rentnern die demographische Zeitbombe, weil die Rentner das mit dem Produzieren von kleinen Strohhütchen-Rentnern, die dann die Insel überfremden, längst hinter sich haben.
Vielleicht sehen das die Spanier das alles so entspannt.

Potemkin 4. August 2011 um 17:43  

Ich bin schon öfters Landsleuten begegnet, die wild entschlossen sind, sich in Italien oder Spanien niederzulassen. Auf meine Frage, wie es denn mit den Sprachkenntnissen stände, ist dann die Antwort fast durchweg, dass sich das schon ergeben würde bzw. garnicht notwendig wäre. Ist das nun Blauäugigkeit oder Arroganz?

Anonym 4. August 2011 um 17:53  

Witzig, dort wo ich wohne leben sehr viele Amerikaner und von denen kann auch kaum jemand ein Wort Deutsch und niemand findet es merkwürdig. So habe ich mit einem Pfarrer gesprochen, der seit 30! Jahren in Deutschland lebt und trotzdem kein Wort Deutsch kann. Da wir Englisch in der Schule hatten macht es uns natürlich nichts aus das Englisch auszupacken und uns damit zu verständigen, aber hinterfragen tun wir es nie, das machen wir lustigerweise nur bei den Türken. Die Amerikaner haben ihr eigenes Kino, ihre Kirchen, ihre Supermärkte, Schulen, etc. und keinen stört es. Klar, viele sind vom Militär und halten sich hier nicht für immer auf und bezahlt werden sie auch vom amerikanischen Militär, trotzdem sollte man mal darüber nachdenken, ob das nicht auch respektlos ist...
Ich verstehe aber irgendwie nicht, wie man NICHT die Sprache des jeweiligen Landes sprechen will, in dem man lebt (wenn auch nur zeitweise). Gerade der Austausch mit Einheimischen ist doch sehr spannend.

Amike 4. August 2011 um 18:19  

Ich weiß schon, selber schuld wenn man Artikel auf der Bildseite, die verlinkt wurden, dann auch noch tatsächlich liest - aber bemerkenswert fand ich dann doch dieses vollkommen unmotivierte Schießen gegen die Erbschaftssteuer "Übrigens: Mit der Erbschaft muss man hier aufpassen: Spanier zwacken einem bis zu 80 Prozent ab!"
Wenn die Botschaft untergebracht werden muss, pfeift man bei der ZEITUNG wohl auf den Kontext (andererseits... welchen Kontext?).

Anonym 4. August 2011 um 19:05  

@ Ali Schwarzer 4. August 2011 10:19

"Was hat das Erlernen der Sprache mit dem Bezug von Sozialleistungen zu tun?"

Dass wer so arm ist, auf Sozialleistungen angewiesen zu sein sich allerhand nicht leisten kann, was einem das Leben erleichtert, wenn man ein Sprache nicht lernen will oder kann, Dolmetscherleistungen z.B. oder rumwuselnde Verkäufer, die einem alles zur Ansicht vorlegen wenn man nicht klar sagen kann, was man will - damit man doch noch etwas kauft.

Den gnadenlosen Sarrzinenjuwelier, der das teuer gekleidete Türkenpaar aus seinem Geschäft komplimentiert, weil die nach dem Schmuckkauf vielleicht Kopftuchmädchen produzieren, will ich sehn.

Anonym 4. August 2011 um 20:28  

Es gibt solche "Kolonien" auch in der Türkei und überall in der Welt, allerdings muss ich widersprechen, was die These der "Doppelmoral" angeht; soetwas nennt sich schlicht "Herrenmenschenlogik".

Martin 4. August 2011 um 23:55  

Der Artikel geht doch etwas am kritisierten Sujet vorbei.
Die (häufig deutschen) Urlauber respektive Rentner halten Mallorca eben wirtschaftlich am Laufen. Wenn es Türken sind, die Deutschland wirtschaftlich am Laufen halten, dann wird es hier auch keine großen Forderungen nach Sprachkenntniserlangung geben, die für eine berufliche Laufbahn als notwendig angesehen werden.
So einfach ist das.

PS: Ich war gerade vorletzte Woche das erste Mal auf Mallorca und war sehr positiv überrascht von der Insel. Habe allerdings auch nichts vom Ballermann o.ä. gesehen.

Anonym 5. August 2011 um 10:23  

@ Martin (04.08.11, 23:55):

Jetzt haben Sie noch schnell dauerhaft auf Mallorca lebende Rentner und Urlauber in einen Topf geworfen, um die enorme wirtschaftliche Bedeutung der dort lebenden Rentner hervorzuheben...

Martin 5. August 2011 um 13:02  

An den Vorredner:
Ja, natürlich habe ich dauerhaft auf Mallorca lebende Rentner und Urlauber in einen Topf geworfen, weil die Rentner der Insel wirtschaftlich noch mehr bringen, da sie nicht nur 2 Wochen, sondern 12 Monate im Jahr dort leben und konsumieren.

Anonym 5. August 2011 um 13:33  

offtopic:

Ich möchte voller Stolz berichten, dass unsere Abteilung dank Ad Sinistram, Bildblog, Nachdenkseiten und ja, auch dank Schall und Rauch seit dem 01.08.2011 Bildfrei ist.

Einige Details zur Abteilung: 150 Mitarbeiter in einem Unternehmen mit weltweit über 100000 Mitarbeitern. Branche: Automobilproduktion.


Ich hoffe, das geht so weiter. Mit anderen Abteilungen arbeiten wir auf Arbeitnehmervertretungsebene zusammen daran, den Verzicht zu erhöhen.

Viele Grüße und herzlichen Dank für deine (eure) Arbeit.

Wolfgang

Roberto J. De Lapuente 5. August 2011 um 14:20  

Wenn die Bildfreiheit auf uns zurückzuführen ist, dann bin ich wirklich stolz darauf. Freut mich, davon erfahren zu haben.

Hannes22 5. August 2011 um 15:12  

@Martin

Ach was,und türkische Mitbürger konsumieren in Deutschland nicht?

Anonym 5. August 2011 um 15:50  

Zur Feier wäre da doch eine Bücherverbrennung ein symbolisch passender Akt gewesen.

Sigmund 5. August 2011 um 16:29  

Ein Detail wurde von euch übersehen:
Der Rentner beschwert sich über "sozialistische" 80% (!) Erbschaftssteuer.
Und man dachte, würden aus Hochsteuerländern weggehen....

good for nothing 6. August 2011 um 10:26  

Da staun ich nicht schlecht.
Spanien ist also nicht nur in Sachen Sprache und Integration ne andere Welt, sondern auch ökonomisch. Dort treiben Konsumenten die Wirtschaft an, während das hier durchs glatte Gegenteil (den Gürtel enger schnallen - und zwar "wir") zu passieren hat.

Anonym 6. August 2011 um 13:36  

Wie fast immer recht lesenswert.

Nerven tut nur der ewigwährende Lapuente-Zwang einen literarischen Erguss, eine sprachliche Granate einschlagen zu lassen.

Manches kann man so sagen, vieles wäre einfach und direkt schon völlig ausreichend.
Es wirkt schlicht zwanghaft, gestelzt.

Einfach mal bischen schreiben wie der normale Schnabel wächst? Geht davon das Blog oder die eigene Fähigkeit zu schreiben gleich unter?

Na ich hör sie schon, die Rufe: "Das ist Lapuentes Blog und er ist hier Hausherr! Niemand muss hier lesen, wenns ihm nicht passt. Genau!
Es muss ja auch niemnd in Deutschland wohnen bleiben, dems hier nicht gefällt!

Kenn ich irgendwoher :D

pillo 7. August 2011 um 14:44  

Fährt jemand in die USA, nach Großbritannien oder Australien, käme er nie auf die Idee, sich dort nur mit Deutsch durchwursteln zu können.
Fahren die gleichen Leute nach Süd- oder Osteuropa erscheint es ihnen als eine Selbstverständlichkeit, dass es da genügend Einheimische gibt, die Deutsch sprechen. Tja, der Deutsche weiß halt, wo er noch den Herrenmenschen raushängen lassen kann.

Ich mache in Spanien grundsätzlich einen großen Bogen um die "deutschen Kolonien". Die gibt es nicht nur auf den Balearen und den kanarischen Inseln sondern auch an den Küsten des Festlands, speziell in Andalusien. Wenn man diese Spießer sieht, lernt man, was Fremdschämen heißt.
Wenn Leute, die schon fast 10 Jahre in Spanien leben noch nicht einmal in der Lage sind, korrekt nach dem Weg zu fragen, ist das einfach nur peinlich. Besonders dummdreist sind auch jene, die nach Spanien ziehen und sich dann tagtäglich über die spanische Mentalität, die Sitten und Gebräuche aufregen.

Der von mir mittlerweile meistgehasste Satz lautet: "Aber in Deutschland machen wir das so und so!"

Anonym 7. August 2011 um 23:13  

@Banana Joe

Natuerlich hatte ich einen Sprachreisefuehrer dabei und mein Mann hatte einen Spanischkurs. Wenn die Leute nur noch in Laendern, deren Sprache sie problemlos beherrschen, Urlaub machen, waeren einige Touristenhochburgen bald pleite.

Ich war da nur zum Urlaub und nicht fuer immer. Und wenn sogar ich als Elektriker 3 Sprachen spreche, finde ich es irgendwie nicht zuviel verlangt, wenn einer, der im Prado Tickets an Touristen verkauft, wenigstens eine Fremdsprache spricht.

Und Franzoesisch ist keine germanische Sprache btw. und ich hab sie mir trotzdem unter erheblicher Muehe irgendwie draufgeschafft. Ich sprech es zwar nicht gut und es hoert sich sicher furchtbar fuer die Franzosen an, aber ich kann artikulieren, was ich will.

Banana Joe 8. August 2011 um 10:10  

@Anonym 7. August 2011 23:13;

"...finde ich es irgendwie nicht zuviel verlangt, wenn einer, der im Prado Tickets an Touristen verkauft, wenigstens eine Fremdsprache spricht..."

Und ich erwarte vom Ticketverkäufer, dass er Tickets an die Besucher verkauft. Mehr erwarte ich nicht - dafür wird er bezahlt. Wie schon geschrieben: Möglicherweise erwarten Sie einfach zuviel?!?

Wenn ein Ticketverkäufer oder ein Taxifahrer zusätzlich ein Hochschulstudium hat und eine Führung in 10 verschiedenen Landessprachen halten könnte, dann wäre das für den Touristen zwar angenehm (erwarten kann man es aber nicht)...

...ich würde mich allerdings fragen, warum dieser Mensch eigentlich Tickets verkauft und/oder Taxi fährt. So gut bezahlt sind diese Jobs i.d.R. nicht.

Anonym 9. August 2011 um 13:13  

schnipp
für das Mallorca schon seit Jahren zwar nicht de jure jedoch gefühlt das 11 Bundesland Deutschlands ist
schnapp

Zuerst musste ich mal auf das Datum der Beiträge schauen. OK, nach der Wiedervereinigung. Vielleicht bin ich auch nur zu pingelig aber wenn dann bitte das 17. Bundesland. Selbst vor der Wiedervereinigung wärs falsch gewesen. Aber vielleicht war das ja auch nur eine eingestreute, feine Spitze auf die ich bisher alleine reingefallen bin ;)

Deutsch-Pole 11. August 2011 um 09:50  

Wie oft habe ich dieses paternalistisch-arrogante: "In Deutschland machen wir das aber so" gehoert, besonders von Deutschen Touristen, die zwar keine Ahnung von dem Land haben, ueber das sie gerade herziehen noch dessen Sprache sprechen aber natuerlich absolut besser "wissen" was hier gemacht werden muesste. Ich stelle mir gerade vor wie wir in Polen reagieren wuerden wenn wir das "Dt-Rentner auf Mallorca"-Phaenomen in z.B Danzig an der Ostseekueste haetten....Also massenweise Deutsche, die selbstverstaendlich NICHT daran denken wuerden Polnisch zu lernen (obgleich sie als Rentner z.B Zeit und so dafuer haetten,aber warum sollte man die Sprache von einem Volk lernen dass man als Deutscher eh eher nicht respektiert?) sondern sich in ihrer Ostsiedlung 2.0 verschanzen, ueber das Land herziehen und erwarten wuerden, dass die Polen gefaellichst die Sprache der Neo-Kolonisten lernen sollten (als ob fuer uns Deutsch leichter waere als vice-versa).Wir waeren, gelinde gesagt, sehr wuetend und wuerden uns an z.B die Germanisierungspolitik des Kaiserreiches ect erinnert fuehlen. Zu Recht. In Dt. wuerden wir wahrscheinlich als undankbare (weil die Dt. ja Geld mitbringen!),ungastfreundliche Nationalisten dargestellt werden. Aber nat. sind alle gleich, nur die Dt. sind gleicher....

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