Vorboten eines neuen Dreißigsten Januars

Sonntag, 11. Oktober 2009

Ein Gastbeitrag von Lutz Hausstein.

Nun hat er es doch wieder getan. Thilo Sarrazin, der schon als Berliner Finanzsenator in regelmäßigen Abständen die Schwächeren in der Gesellschaft öffentlich abwatschte und unwidersprochen mit Vorurteilen überzog, holte nun als Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank zum großen Rundumschlag aus. Dabei zog über die Berliner, über Migranten sowie über von ihm so benannte „Unterschicht“ her.

In der Spitze verstieg Sarrazin sich gar dazu, die seiner Auffassung nach zu hohe Geburtenrate der „Unterschicht“ zu beklagen, welche keinerlei Wert für den normalen Wirtschaftskreislauf darstelle. Nüchtern betrachtet, ist dies nichts anderes als Dysgenik mit einer ökonomischen Komponente. Aufkommende Gedanken, Parallelen zur Politik der nationalsozialistischen Rassenhygiene zu ziehen, sind hierbei, trotz aller gebotenen Vorsicht, nicht von der Hand zu weisen. Denn die nationalsozialistische Propaganda formulierte gleichfalls auf Plakaten mit der Losung: „Qualitativer Bevölkerungsabstieg bei zu schwacher Fortpflanzung der Höherwertigen“.

Sarrazins menschenfeindlichen Äußerungen bilden jedoch nur die Spitze eines Eisberges, der sich bis tief in die gesellschaftliche Basis verwurzelt hat. Nicht allein aufgrund der Tatsache, dass Thilo Sarrazin seit Jahren seine diskriminierenden Äußerungen über verschiedene gesellschaftlichen Gruppen, vornehmlich schwache, regelmäßig ungestraft verkünden konnte, wurde damit eine gesamtgesellschaftliche Akzeptanz-Atmosphäre für solcherart Gedankengut geschaffen. Gleichsam predigen Politiker aller etablierten Parteien sowie Wirtschaftsverantwortliche und Vertreter verschiedener Verbände in seinem geistigen Fahrwasser seit Monaten fortwährend scheinbar berechtigte Begriffe wie „Leistungsgerechtigkeit“ und „Leistungsträger“. Hierdurch wurden jedoch Begrifflichkeiten geprägt und mit einem allgemeinen Konsens belegt, welche bei näherer Betrachtung starke eugenistische Züge tragen.

Mit dem Postulat von Leistungsträgern als denjenigen, welche Anteile zur gesellschaftlichen Wertschöpfung beitragen, sind auf der anderen Seite zwingend Nicht-Leistungsträger verbunden, die eben solches nicht tun (können). Dabei bleibt es bei der Verwendung dieser Begriffe völlig unbeachtet, aus welchen Gründen diese von der Wertschöpfung ausgeschlossen sind. Dass hierbei, wie häufig zu beobachten, eine mangelnde Bereitschaft zur Aufnahme einer Tätigkeit ins Feld geführt wird, entbehrt jeglicher sachlichen Grundlage und ist durch keinerlei empirisch belastbare Fakten gestützt. Allein die Anzahl von derzeit über 6 Millionen Arbeitslosen in Deutschland, welche ohne die statistischen Tricks des Bundesarbeitsministeriums zu verzeichnen wären, lassen die künstliche Konstruktion eines Nicht-Wollens in sich zusammenbrechen. Vielmehr ist die Bereitschaft, der menschenunwürdigen Hartz-IV-Falle zu entkommen, bei Arbeitslosen in sehr hohem Maße vorhanden. Wenn nun trotz allem ein Konsens bei Politikern und weiteren Meinungsführern zu finden ist, Leistungsträger stärken zu wollen (und damit im Gegenzug Nicht-Leistungsträger zu schwächen), so ist es nur noch ein kleiner Schritt bis hin zu den Sarrazin´schen Vorstellungen.

Die Bereitschaft, schon von der Gesellschaft Abgehängte noch weiter an den Rand oder gar in den Abgrund drängen zu wollen, ist offensichtlich ungebrochen. Dabei wird sich vielerlei heuchlerischer bis fragwürdiger Methoden bedient, um solchem Tun eine gesellschaftliche Akzeptanz zu verschaffen. Die Spanne reicht von „reality-tv“ a la „Sozialfahnder ermitteln“ mit teils nichtexistenten Personen bzw. Lebensumständen, Medienkampagnen via BILD wie „Der große Hartz-IV-Report“, wo mit nichtüberprüfbaren Einzelinformationen oder gar Falschinformationen eine mediale Hetzjagd auf Arbeitslose veranstaltet wurde, die zu langfristigen Vorurteilen führte, diffamierenden Äußerungen von Meinungsführern , u.a. Sarrazin oder Franz Müntefering („Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen!“) oder vermeintlich wissenschaftlichen Studien wie der „Studie über die Höhe des Regelsatzes“ zweier Wissenschaftler der TU Chemnitz, die einer sachlichen Überprüfung nicht einmal in ihren Ansätzen standhalten konnte.

In solch einem Klima von einseitigen Behauptungen, öffentlich geschürten Vorurteilen und gezielten Diffamierungen, welche von scheinbar seriösen Studien flankiert werden, gedeiht selbstverständlich auch die Saat von Begriffen wie „Leistungsträger“ und „Leistungsgerechtigkeit“ auf das Prächtigste. Den Gedanken und Interpretationen, welche damit in einigen Teilen der Bevölkerung geweckt werden, wird so eine Grundlage gegeben, auf die sich gegebenenfalls berufen wird. Der lautstarke Beifall, der Sarrazin, Merz, Müntefering oder anderen Protagonisten zu ihren Äußerungen durch Medien sowie den Kommentaren selbiger zuteil wird („Unbequem, aber wahr.“) ist hierfür beredter Ausdruck. Der Ausschluss einzelner Teile der Bevölkerung von einfachster gesellschaftlicher Teilhabe erfährt so seine vermeintliche Legitimität.

Der Verschiebung dieses gesamten Wertesystems wird durch die fortlaufend menschenverachtenden Äußerungen eines Thilo Sarrazin Vorschub geleistet, der, einem Bulldozer gleich, bestehende moralische Verankerungen vollständig planiert und den als zulässig erachteten Bereich auf bisher nicht „nutzbare“, weil inhumane, Denk- und Sprechweisen erweitert. In die dadurch freiwerdende Fläche werden anschließend die filigraneren Pflöcke eingeschlagen, welche umso wirkungsvoller ihren Dienst versehen. Dass hierbei (noch) keine Dimensionen nationalsozialistischer Rassenpolitik erreicht werden, dürfte zwar unbestritten sein. Ihre langfristigen Folgen, auch und besonders in der Bevölkerung, verfehlt diese Politik dennoch nicht. Immer unverhohlener werden menschenverachtende Äußerungen getätigt und anstatt dies mit einem allgemeinen, öffentlichen Sturm der Entrüstung zu beantworten und deren Protagonisten dauerhaft aus entscheidenden Positionen zu entfernen, steht ein Teil der Bevölkerung am Rand dieser Vorgänge und applaudiert. Auch dies erinnert fatal an nationalsozialistische Exzesse einer längst vergangen geglaubten Zeit. Dies sind jedoch die Vorboten eines neuen 30. Januar.

Dieser Text erschien erstmals am 7. Oktober 2009 bei scharf links.

32 Kommentare:

Anonym 11. Oktober 2009 um 13:39  

"alle etablierten Parteien"? Die Linkspartei wohl eher nicht, bei den anderen Parteien haste wohl recht.

Ich finde es eigentlich, wenn es nicht so ernst wäre, sogar noch belustigend, wie Neoliberale wie Sarrazin meine These immer mehr bestätigen, dass Neoliberalismus und Faschismus aus einem Miststall stammen - zumindest im 21. Jahrhundert.

Herr Zimmermann vom DIW forder gar ein neues Ministerium für Zuwanderung und Integration.

Ich wäre da eher, eben wegen Sarrazin, Westerwelle & Co. für ein neues Ministerium gegen Rechtsextremismus, Eugenik und "völkisches Denken" im 21. Jahrhundert.

Eine Art "Gedankenministerium" gegen Rechtsextremismus und Neo-Faschismus, dass aufklären statt verbieten soll.

Vielleicht hilft so etwas uns hier in Deutschland auf die Sprünge gegen Alltagsrassismus und Rechtsextremismus - eben nicht allein bei NPD, DVU, Unterschicht & Co. sondern eher bei unseren selbst ernannten "Eliten" aus Wirtschaft, Medien und Politik.

Das sind in meinen Augen die schlimmsten Neonazis, denn Zimmermann will ja "die Zuwanderung steuern" lassen, d.h. reiche und gutsituierte Einwanderer sind in Deutschland erwünscht - so in der BamS.

Und was ist mit den anderen? Wenn die verfolgt, diffamiert und ausgegrenzt werden in ihrer Heimat und zusätzlich noch arm sind?

Nach Zimmermann werden die "aussortiert".

Die Sprache ist dieselbe wie in Auschwitz an der Rampe "selektiert" "aussortiert" - Nein, ein solches Deutschland will ich - als hier geborener und aufgewachsener - nicht erleben.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

christophe 11. Oktober 2009 um 14:32  

Tilo Sarazzin oder auch Hendrick Broder werden in unserer Mediengesellschaft als derb-amüsante Poltergeister eingebaut und nach dem Motto 'Auch solche muß es geben' als mediale Grenzverletzer benutzt. Dass dabei die Grenze unmerklich immer weiter Richtung Abgrund verschoben wird, merken nur wenige. Als nächstes dürfen wir vielleicht über jemanden schmunzeln, der Türken und Arbeitslose in spezielle Stadtviertel konzentrieren möchte. Und dann wird es heißen, da geht er aber wirklich etwas zu weit, obwohl...
Welche sozialpolitischen Maßnahmen übermorgen salonfähig sein werden, wird man den Ausfällen von morgen abschätzen können.

willi 11. Oktober 2009 um 14:33  

Kann ich nur unterstreichen: http://www.erlkoenig-blog.de/?p=3842
Neulich erzählte mir jemand von einer Unterhaltung mit einem Lehrer, bei der man zu dem Schluss kam, dass es einfach ein Problem sei, dass sich leider die "Dumpfbacken" zu stark vermehren, während die Bessergestellten nur zwei oder weniger Kinder in die Welt setzten. Diese Gesellschaft verabschiedet sich gerade von den letzten Restbeständen an Humanität.

Anonym 11. Oktober 2009 um 15:17  

Die Medien springen ja auch immer gleich auf diesen Zug auf! Wenn ich mir gewisse Beiträge in sog. Magazinen bei RTL & Co so anschaue, kommt mir Sarrazin geradezu schon plegeleicht vor. Wenn ihr mal echte "Stürmer"-Qualität sehen wollt, dann schaut euch mal den Bericht über diese Hetze bei RTL ab 4:35 in Folge 35 bei Fernsehkritik.tv an (Stream und Download verfügbar):

http://www.fernsehkritik.tv/folge-35/

Solche Kosten-Nutzen-Rechnungen untermauert mit solch einer grafischen Darstellung hat nun bei aller Zurückhaltung eindeutig Nazi-Qualität. Zwar ganz ohne Sarrazin, aber durchaus in seinem Sinne.

Gruß

Tantalos

Michel 11. Oktober 2009 um 15:27  

@ Willi:

Das liegt auch daran, dass Fachdidaktik an den Unis ein Witz ist.

Anstatt dass angehenden Lehrern dezidiert beigebracht wird, dass Kinder, die zu Hause oder im Kindergarten nicht basteln, kleben, häkeln oder stricken weniger geometrisches Vorstellungsvermögen entwickeln, kommt allen ernstes auch in Fachdidaktik und Erziehungswiss. (sozial-)rassistischer Quatsch auf.
Leider.
Außerdem wurde im Zuge der Bachelor-Master-Umstellung zwar vielfach der fachwissenschaftlich Anteil der reinen Kernfächer erhöht, aber soziales "Gedöns" wurde dafür komplett gestrichen, wie z.B. mal "Sozialpädagogik" oder "Sozialarbeit" oder "soziale Gesprächskompetenz" für angehende Lehrer, die darin bestimmt nicht perfekt sein müssen, aber doch mal 1-2 Seminare und Vorlesungen darüber gehört haben sollten.

Liegt aber auch daran, dass Richtinien und Lehrpläne total überfrachtet sind, moderne Lehrmittel (auch genannt: neue Schulbücher) für viele neuere Themen der Lehrpläne aber nicht zur Verfügung stehen.
Die Fortbildungsangebote für Lehrer sind kurz gesagt beschissen, denn es steht auch zu wenig Geld zur Verfügung und da wird auf Masse (Origami, künstlerisches Gestalten u.ä.) statt Klasse gesetzt.

Übrigens gibt es Untersuchungen zu Lehrerbiografien, und dabei kommt raus:
Solange angehende Lehrer an der Universität studieren, sind sie eher tolerant, liberal und sozialdemokratisch eingestellt.
Sobald Junglehrer aber 3-4 Jahre im Beruf sind, sind sie schon total intolerant, konservativ und eher rechtslastig.

Und das wird noch schlimmer, sobald die Schulen stärker wie private Unternehmen geführt werden werden. Dann werden sich nämlich auch Eltern dafür einsetzen, dass an (vormals) öffentlichen Staatsschulen nicht mehr soviele "Asoziale" (sprich: Migrationshintergrund + Armut) mit ihren Kindern in dieselbe Klasse gehen. Das heißt dann: die halten ja nur die Klasse auf, die brauche "Extraförderung" usw.
Die Staatsschule muss (vom Ansatz her) allen Bürgern "dienen" und konnte sich teilweise auch gegen rabiate Eltern wehren.
Die privatisierte, ehemalige Staatsschule kann sich aber die Rosinen-Schüler herauspicken.
Ist in England bereits passiert.

Deutschland hat zu niedrige Geburtenraten, d.h. bald Arbeitskräftemangel.
Trotzdem schaffen wir es nicht mal, diejenigen Kinder gut auszubilden, die wir haben.
Sch**ße.

willi 11. Oktober 2009 um 16:39  

@Michel Was du schreibst entspricht auch meiner Wahrnehmung der meisten Lehrern, die ich persönlich kenne. Es sollte auch gar nicht um Lehrerschelte gehen -und du hast es ja auch wohl nicht so aufgefasst- sondern eigentlich nur ein Hinweis darauf sein, wie sich ein sozialdarwinistischer Einschlag nach und nach in die Gesellschaft einschleicht. Wir produzieren in zunehmenden Maße eine Schicht von Deklassierten und die Politik tut alles, dass sich dieses Schichten reproduzieren. Studiengebühren, "Akademikerinnenwurfprämien" und ähnliche Dinge begünstigen einseitig die finanziell Bessergestellten und die Statistken belegen mittlerweile ja auch, dass in Deutschland der schuliche Erfolg sehr stark mit der Schichtenzugehörigkeit der Eltern korreliert. Gruselig finde ich in erster Linie die eugenischen Anspielung, die in solchen Äußerungen enthalten ist, weil sie zeigen, wie wenig viele Leute von der Vergangenheit begriffen haben.

Anonym 11. Oktober 2009 um 17:51  

Bürger ist auch so ein Neusprech, dass du getrost in "..." setzen kannst.

"Bürger" sein, dass ist für unsere "Eliten" nichts selbstverständliches mehr - schon gar nicht mit der Geburt.

Ich bin mir sicher, dass nun auch bald schon sarrazinsche Vorschläge kommen sich das "Bürger"-sein auch zu verdienen.

Klang übrigens vor der Bundestagswahl schon durch als irgend so ein CDU-Heine verlangt hat das Wahlrecht nicht mehr für Arbeitslose und Niedrigverdiener (=keine Bürger mehr) gelten zu lassen, d.h. es ihnen hochoffiziell abzuerkennen.

Das Problem hat sich von selbst gelöst - Gestern berichtete der SPIEGEL, dass viele Nichtwähler eben aus der Schicht der Arbeitslosen und Niedrigverdiener stammen - nach einer hochaktuellen Umfrage.

Eben keine "Bürger" mehr für CDU/CSU/FPD/GRÜNE/SPD.

Einzig für die Linkspartei gilt das Bürgerrecht noch ab Geburt, ohne es verdienen zu müssen.

Wer weiß wie lange noch?

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 11. Oktober 2009 um 18:17  

@Willi

...und das tragische am Sozial"darwinismus" ist, dass der nicht einmal in der Natur mehr gilt.

Man kann es nicht oft genug sagen, die deutsche Allgemeinbildung ist so auf den Hund(t) gekommen, dass die nicht einmal die neuesten evolutionsbiologischen Erkenntnisse - oder auch nur die Tatsache, dass der Sozial"darwinismus" auf einem Übersetzungsfehler aus dem Englischen beruhen dürfte, mit fatalen Folgen übrigens - erkennen.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Roberto J. De Lapuente 11. Oktober 2009 um 18:24  

Übersetzungsfehler ist vielleicht zu hoch gegriffen. Heinrich Georg Bronn, der Darwins "Origin of Species" ins Deutsche übersetzt hat, hat das Wort struggle mit Kampf übersetzt. Struggle bedeutet aber nicht nur Kampf, man kann es auch mit Mühsal, Anstrengung oder "gegen etwas zur Wehr setzen" übersetzen. Bronn hat sich aber für Kampf entschieden, was terminologisch gesehen nicht falsch war, aber letztlich schlimme Folgen zeitigte. Wenn das Leben Mühsal ist, eine Aneinanderreihung von Mühen, an denen Individuen mal besser, mal schlechter, mal gar nicht fertig werden, damit die natürliche Auslese an den Mühen des Daseins entschieden wird, dann klingt das wesentlich weniger militaristisch und brutal, als eine Auslese im Kampfe.

Arbo Moosberg 11. Oktober 2009 um 19:00  

Naja, "struggle for survival" wird auch heute noch mit "Daseinskampf" und "Überlebenskampf" übersetzt.

Angeblich soll ja Darwin (1809-1882) ganz angetan von den Ideen eines Robert Malthus (1766-1834) gewesen sein und diverse Sachen - insb. die Idee der "natürlichen Auslese" - in sein theoretisches Werk übernommen haben (Tagesspiegel).

Allerdings scheint diese Auslese-Idee noch älter zu sein. Bei Polanyi habe ich mal den Hinweis auf die Sektion VIII der 1786 verfassten Schrift "A Dissertation on the Poor Laws" von Joseph Townsend gelesen. Dort wird anhand des "Ziegenbeispiels" (goats) bereits ein Überlebenskampf beschrieben, der zunächst von Tieren handelt, aber alsgleich auf die Menschen übertragen wird.

Arbo

Anonym 11. Oktober 2009 um 19:00  

@Roberto J. De Lapuente

Danke für den Hinweis, aber ich glaube kaum, dass das mit dem Übersetzungsfehler zu hoch gegriffen war - Ich hab meine Info aus folgendem Buch "Charles Darwin - Die Entstehung der Arten" von Janet Browne. Es geht hier nicht um Charles Darwin selbst sondern um die Wirkungen, die sein Buch weltweit gehabt hat - nur am Rande, Roberto, ist übrigens eine nette kleine dtv-Reihe, die auch andere Bücher beschreibt, nicht die Autoren, und was für Wirkungen die auf die Welt hatten.

Noch ein Hinweis, es gibt eine Seite zum Darwin-Jahr:

http://www.darwin-jahr.de

...die sich des Themas annimmt, dass ich eigentlich nicht weiter vertiefen will, auch dort ist von einem fatalen Übersetzungsfehler aus dem Englischen die Rede, und dessen Übernahme durch andere Naturforscher und die fatalen Folgen daraus.

Ist wirklich interessant, und sehr aufschlußreich die Seite - der Begriff Sozialrassismus trifft es wohl paßender als Sozial"darwinismus", da nicht einmal Charles Darwin - siehe der Hinweis auf obiges Buch - so dachte, wie viele seiner selbsternannten Nachfolger in der Wissenschaft.

...ist übrigens auch auf der oben erwähnten Homepage Klasse beschrieben.....

Hier mit dem Hinweis auf oben erwähntes Buch:

http://www.darwin-jahr.de/evo-wissen/was-ist-darwinismus


Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 11. Oktober 2009 um 19:03  

Sorry, übrigens noch, ich beschränke mich mal 'ne Zeit wieder auf's nur lesen deiner Texte, die ich überaus schätze, Roberto J. de Lapuente.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

G. G. 11. Oktober 2009 um 21:43  

Herr Sarrazin schaut nur, wie weit er gehen kann. Und solange er keinen Gegenwind bekommt, macht er weiter. Wo bleibt der Aufschrei und Protest der Richtern, Staatsanwälte, Kirchen, Gewerkschaften, Parteien, ...?

Ich habe den Eindruck, in diesem Land haben die meisten Menschen nichts hinzugelernt und bin darüber total resigniert.

Anonym 12. Oktober 2009 um 00:33  

Die Analyse trifft mitten ins Schwarze und entlarvt das engstirnige Kleinbürgertum als das was es ist: von Abstiegsangst zerfressener, obrigkeitshöriger Nährboden konservativer, autoritärer, faschistischer Herrschaft.

Deutscher Untertanengeist gedeiht, das hat die Bourgeoisie und das Kapital schon lange erkannt, immer dann am besten gedeiht, wenn man ihm Menschen gibt nach denen getreten werden kann.

Großdeutschland, verrecke!

antifo 12. Oktober 2009 um 01:34  

"Ich finde es eigentlich, wenn es nicht so ernst wäre, sogar noch belustigend, wie Neoliberale wie Sarrazin meine These immer mehr bestätigen, dass Neoliberalismus und Faschismus aus einem Miststall stammen - zumindest im 21. Jahrhundert."

@Anonym:

Sarrazin ist nicht "neoliberal", sondern einfach ein Politiker, der die fundamentalen Gesetze der Mathematik anerkennt. Und der Nationalsozialismus war - wie auch alle anderen Spielarten des Faschismus - eine genuine Weiterentwicklung des Sozialismus

Anonym 12. Oktober 2009 um 01:52  

Ich frage mich, ob jemand demnächst irgendeine Art von Auszeichnung einführen wird speziell für Akademikerinnen mit deutschen Genen, die mindestens drei Kinder in die Welt gesetzt haben (und in fester Partnerschaft mit einem männlichen Nicht-HartzIV-Empfänger leben). Würde mich auch nicht mehr allzusehr wundern.

Man bekommt ja als "deutschstämmige" Akademikerin schon seit einigen Jahren ständig das Gefühl vermittelt, man hätte die staatsbürgerliche Pflicht, Kinder in die Welt zu setzen, um den bundesrepublikanischen Genpool aufzuwerten. Bleibt man kinderlos, steht der Egoismus-Vorwurf sehr schnell und mit Wucht im Raum. Der arbeitslosen alleinerziehenden Türkin, die Kinder bekommt, wird allerdings im gleichen Atemzug auch Egoismus vorgeworfen...

Es ist zum K... .

Daisy

Charlie 12. Oktober 2009 um 04:25  

Die Diskussion um den Begriff "Sozialdarwinismus" ist ein Mumpitz. Jeder weiß, was gemeint ist, daher sollte es egal sein, ob das nun "im Sinne Darwins" ist oder nicht. Wichtig allein ist die Botschaft, die dahinter steht und von den Sarrazins dieses Landes verbreitet wird.

Haben wir nicht dringlichere Probleme, die wir thematisieren müssen? Ist es denn nicht Alarmzeichen genug, wenn ein Text wie dieser im Jahre 2009 offen vor der Rückkehr der faschistischen Gedanken (und deren abscheulichen Taten) warnen muss?

Konzentriert euch auf das Wesentliche! Wenn wir uns in solch einem albernen Kleinkram verlieren, haben diejenigen, denen es vollkommen egal ist, ob Darwin, Hitler, Herr Schmidt oder Frau Kunze die Begrifflichkeiten zur Verfügung gestellt haben, ein noch leichteres Spiel.

Es scheint, als hätten einige Zeitgenossen, die sich hier äußern, den Ernst der Lage noch nicht erkannt.

Tosch 12. Oktober 2009 um 05:10  

Ich möchte mal folgendes zitat einer südkoreanischen psychologin(bereich spielsucht)zum Nachdenken geben:
zdf mediathek- die Sucht nach dem cyberspace(Zeit5:40)"Die Reichen zwingen ihre Kinder, in der Schule sehr gut zu sein. Den Armen ist der Nachwuchs egal.Der Ausweg für beide sind die PC-Spiele."
Ich meine,Bildung und sozialer Status in Deutschland haben immer mehr mit dem Geldbeutel der Eltern,als mit ihrer kulturellen Herkunft zu tun.Oder meint jemand, daß Kinder wohlhabender,türkischer Unternehmer in Ghettoschulen lernen?Wenn man arm ist, überlegt man sich doppelt,wofür das Geld ausgegeben wird.Für Nachhilfe und besondere Betreuung reicht das dann eben nicht mehr.Ich bin Deutscher.Ich bin türkisches Migrantenkind.Ich bin mit 3 Jahren bei einer kath.Kita mit angeschlossenem Hort angemeldet worden, weil meine Eltern arbeiten mußten.Und ,Herr Sarrazin, es hat mir gutbekommen, daß nur deutsch gesprochen werden durfte,daß ich wie die anderen Kinder gefördert wurde, daß es Hausaufgabenbetreuung bis zur 4.Klasse gab usw. Und wenn ich mir jetzt die Diskussion über sog.bildungsferne Schichten(Araber, Türken, Hartz4-empfänger)anhören muß, dann habe ich den Eindruck, daß bestimmte politische Kreise wieder Sündenböcke brauchen,um von den selbstgemachten Fehlern abzulenken.

Robert Reich 12. Oktober 2009 um 10:38  

Vielleicht hat der "neue Dreißigste Januar" schon stattgefunden, noch heimlich, still, leise. Mehr als die Hälfte der Deutschen sollen nach einer Umfrage Sarrazins Aussagen zustimmen. Wer sind diese "Deutschen"? Nach dem erstendreißigsten Januar und seinen Folgen war das Erwachen plötzlich auch ganz groß: Keiner hatte DIE gewählt, keiner hatte DAS gewollt...

Anonym 12. Oktober 2009 um 10:46  

"[...]Sarrazin ist nicht "neoliberal", sondern einfach ein Politiker, der die fundamentalen Gesetze der Mathematik anerkennt.[...]"

Ja klar, und der Weihnachtsmann kommt an Ostern und hat lange Ohren!

"[...]Und der Nationalsozialismus war - wie auch alle anderen Spielarten des Faschismus - eine genuine Weiterentwicklung des Sozialismus
[...]"

Ein antikommunistisches/-sozialistisches Märchen, dass ein Buch eines us-amerikanischen Historikers als solches entlarvt Robert Gellately "Lenin, Stalin,Hitler".

Ist wirklich empfehlenswert, zumal die leider überwiegend neoliberal/neokonservative Historikerclique in Deutschland auf Guido-Knopp-Geschichtsfälscher-Linie steht. Ich beziehe mich auf ausländische Historiker, da ich von den dt. Lügenbolden enttäuscht bin, die immer wieder historisch gefälschte Vergleiche ziehen. War übrigens, wie man bei Sebastian Haffner, einem Exilanten und selbsterklären Erzkonservativen - zu dessen Lebzeiten - noch nachlesen konnte auch 1933 - 1945 nicht anders.

Der einzige Unterschied heute sind eben die Historiker-Enkel, der damaligen Geschichtsfälscher dran.

Grüße
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 12. Oktober 2009 um 10:48  

@Charlie

Eben doch, und gerade deswegen plädiere ich dafür nicht geschichtsvergessen zu agieren, oder die Schuld Menschen zuzuschieben, die Kinder ihrer Zeit waren, und deren Auswirkungen fatale Folgen für unsere Zeit haben - eben Charles Darwin und der Mißbrauch seiner Entdeckungen als Sozial"darwinismus".

Der Ernst der Lage ist schon erkannt, aber die Zusammenhänge lassen sich eben auch nicht wegdefinieren.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 12. Oktober 2009 um 10:52  

@Robert Reich

Ich befürchte, dass dem so ist, wie du schreibst.

Ich bin übrigens auch der festen Überzeugung, dass hier in Deutschland immer dazu neigen das Original in Zeiten einer Wirtschaftskrise zu wählen.

Kommt gleich wieder einer angerannt....aber es bleibt nicht weglügen....Hitler wurde gewählt....ebenso wie Westerwelle....

Zwischen Hitler/Westerwelle/Merkel sehe ich - als jemand der schon immer gegen Konservative war - keinen Unterschied - alles Faschisten.

Oder um es mit einem türischen Kabarettisten - Serdar Somuncu - zu sagen - CDU-CSU-FDP=NPD-DVU.

Eben das

O r i g i n a l

...wie anno 1933.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Robert Reich 12. Oktober 2009 um 17:07  

@Nachdenkseiten-Leser
Nur mal in der Kneipe oder bei Gesprächen mit Bekannten, Kollegen oder gar Verwandten aufgepasst: Schon die kleine Äußerung "...da muß wieder ein starker Mann her...,...ich kenne auch einen Faulen, der nicht arbeiten will...". Das alles sind doch Zeichen dafür, das die Saat, die ausgebracht wird, von den Clements und Sarrazins dieses Landes, auch tatsächlich aufgeht.

Anonym 12. Oktober 2009 um 23:14  

Wenn Sie auf alte Aussagen Bezug nehmen, dann bitte mit Quelle, nicht detailliert ich bin nicht faul suche selbst aber prinipiell wo!

Bitte, das ist wichtig wenns um geschichtliche Bezüge geht.

Anonym 13. Oktober 2009 um 07:13  

@Robert Reich

Stimmt, du beschreibst den Alltagsrassismus & Sozialrassismus vieler Deutscher, den ich auch kenne, auch aus dem Umkreis im Lebensumfeld.

Was ich noch bemerkt habe, wenn dann mal einer aufsteht und den Stammtischphilosophen die Meinung geigt, von wegen rechtsextrem und so, dann meinen alle du bist der Nestbeschmutzer und Adolf Hitler, der ist doch längst tot. Die heutigen Rechtsextrmeen werden einfach weggelogen, so mir passiert - als Nestbeschmutzer.

Außerdem wird man noch persönlich diffamiert, eben wie du es schreibst: "arbeite erst mal was, dann darfst du mitreden".

Toll, Demokratie hängt also davon ab wieviel, oder wie wenig einer angeblich leistet.

Kein Wunder, dass immer weniger zur Wahl gehen, und immer mehr resignieren.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Iris 13. Oktober 2009 um 14:28  

Ich möchte in diesem Zusammenhang einmal die Frage aufwerfen, warum es ausgerechnet in Deutschland wieder zu solchen gesellschaftlichen Tendenzen kommen konnte. Sicher, auch im Ausland gibt es das. Aber auch bei Wikipedia ist zu lesen, dass das "Kleinbürgertum" in Deutschland immer schon eine problematische Schicht innerhalb der Gesellschaft war. Hat jemand eine Antwort auf diese Frage?

Anonym 13. Oktober 2009 um 16:20  

@Iris

Ich habe mal vor vielen Jahren eine Dokumentation über die Entnazifizierung gesehen. Die Entschuldigung gerade von Belasteten, also KZ Mördern u.a. Gesocks,und Mitläufern: "Alles auf Befehl von oben" war mir da schon bekannt, die häufig in Verhören nachgereichte Begründung läßt mich aber bis heute erschaudern und verzweifeln. "Einer mußte es ja schließlich tun."

Fluch und Segen zugleich. Das der Neoliberalismus nur den halben Weg wie in GB oder USA in den letzten 20 Jahren zurücklegen konnte, liegt genau hierdrin begründet. Alleine die Rahmenbedingung als Lizenz für das Ausbeuten und Vernichten anderer Menschen reicht dem Michel nicht, er braucht die Anweisung von Oben. Bzw. er muß vermuten, so wird es von oben gewünscht. Dann aber finden sich locker 30 % Schlächter, 30 % Mitläufer, 35 % Weggucker und 5 % Neinsager.

Ein Nachdenkseitenleser

Anonym 14. Oktober 2009 um 11:16  

@Iris, Ein Nachdenkseiten-Leser

Ich denke auch, dass der Schuß mit der Entnazifizierung nach Hinten los ging. Heute meint doch jeder, auch im realen Leben, dass nur in rechtsextremen Kameradschaften und Parteien die sozialdarwinistischen und rassistischen bzw. antisemitischen Hirne schlummern. Ein fataler Trugschluß, wie man nun dank Merkel/Westerwelle hoffentlich merkt - auch Lateinamerika mußte erst die bittere Erfahrung machen - nein, nicht allein in Pinoquets Chile - dass Rechtsextremismus und Neoliberalismus eine Seite derselben Münze sind.

Aktuell wieder in Honduras und bei der Friedrich-Naumann-Stiftung der FDP, die diese rechtsextremen Putschisten gegen einen gewählten Präsidenten unterstützt, zu besichtigen.

Wir in Deutschland lernen wohl erst wieder, wenn es zu spät ist, dass dem so ist.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Arbo Moosberg 14. Oktober 2009 um 11:56  

@ Iris:

>>> Ich möchte in diesem Zusammenhang einmal die Frage aufwerfen, warum es ausgerechnet in Deutschland wieder zu solchen gesellschaftlichen Tendenzen kommen konnte. <<<

Du, ich glaube, dass diese Tendenz immer schon unterschwellig vorhanden war. "Neu" ist, wie wenig gesellschaftlicher Gegenwind gegen solche Menschenfeinde wie Clements und Sarrazin weht. "Neu" ist auch, wie ungeniert diese Leute ihre Parolen äußern.

Arbo

Anonym 21. Oktober 2009 um 14:51  

Leider musste ich diesen Kommentar unter "Anonym" veröffentlichen, da angeblich mein Passwort falsch sei. Wie kann dies angehen, denn mein Passwort hat sich seit meinem letzten Kommentar nicht geändert und ich habe auch das richtige eingegeben? Könnt Ihr dies bitte aufklären? Iris

Zunächst einmal: Vielen Dank für Eure Antworten.

Es kommt natürlich noch ein anderer Aspekt hinzu. Medien, die dies unterstützen und die in meinen Augen volksverhetzenden Aussagen Sarrazins auch noch verherrlichen. So geschehen in der FAZ vom 14.10.2009 unter der Überschrift "Zivilcourage bedeutet Risiko". Dort wird z. B. behauptet, Sarrazin wäre es mit seinen Aussagen darum gegangen, "auf Staatsversagen, Gewalt und rechtsfreie Räume hinzuweisen." Zugleich wird ihm Zivilcourage attestiert und ein Zusammenhang hergestellt zwischen Sarrazin und dem Fall Dominik Brunner, der, weil er Kindern half, von Jugendlichen totgeprügelt wurde. Perfide ist geradezu, wie die Kritiker an Sarrazin mit Hilfe einer wirren Argumentationskette für diesen Mord mitverantwortlich gemacht werden.

Hier der Link zum Artikel der FAZ.NET:

http://www.faz.net/s/RubFC06D389EE76479E9E76425072B196C3/Doc~E58C4452870BA4900B453CDB3DAE352A7~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Viele Grüße

Iris

Roberto J. De Lapuente 21. Oktober 2009 um 17:26  

Mit dem Paßwort habe ich nichts zu tun. Kann Dir daher leider nichts dazu sagen.

Peinhard 4. November 2009 um 10:14  

'Unterschichtförderung' - nach den Artikeln von Frau Siems legt die 'Welt' mit Gunnar Heinsohn noch einmal nach:

"Heinz Buschkowsky hat recht mit seiner Kritik an der Familienpolitik. Denn anders als geplant, schafft das Elterngeld vor allem Gebäranreize in der Unterschicht. Von 100 Elterngeldbabys, die eigentlich alle von Karrierefrauen hätten kommen sollen, steuerten diese im Jahre 2007 gerade mal neun bei. Eine folgenschwere Entwicklung."

In der Tat...

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