Sich selbst der Nächste

Samstag, 17. Oktober 2009

Ich will günstig einkaufen, billig Dienste geleistet bekommen, will jeden Tag neue Schnäppchen. Ich will, dass das, was heute billig ist, morgen noch ein klein wenig billiger wird. Und wenn man es unter dem Wert verkauft, wenn man davon keine ordentlichen Löhne mehr bezahlen kann, dann ist mir das einerlei. Ich will es billig, das ist es was mir zählt. Ich selbst habe ja einen ordentlichen Lohn, ich habe ein Anrecht darauf, ich leiste ja gute Arbeit, ich bin loyal und engagiert. Ich bin es wert, ich bin es mir wert, denn unterm Strich zähl’ ich.

Ich will freundlich umworben werden, begrüßt und empfangen, egal wohin ich auch komme. Was schert es mich, dass die Empfangsdame unterbezahlt ist, denn wenn ich meinen Auftritt habe, als Kunde oder Gast, dann zähle nurmehr ich. Ich habe ein Recht darauf, bevorzugt behandelt zu werden. Ich bin doch zu mir selbst auch nett. Ich will Freundlichkeit erleben, Aufmerksamkeit erfahren, ich will umgarnt und versorgt sein. Das ist mein Anspruch als Kunde. Letztlich zähle nur ich, denn ich bezahle die Rechnungen derer, die mein Geld wollen. Ich sorge dafür, dass sie essen, ich bin der Arbeitgeber. Da ist es recht und billig, dass man mich hegt und pflegt und liebevoll umsorgt.

Ich will versorgt, ich will im Alter abgesichert und behütet sein. Ich will nicht, dass mein schwer erarbeitetes Geld im Staatsrachen landet, ich möchte mein Geld behalten, ich möchte es privat anlegen, denn ich möchte hohe Renditen erwirtschaften. Solidarität ist ein tolles Wort, ich bin dafür - aber nicht auf meine Kosten. Ich sehe das gar nicht ein. Es steht mir zu, mich nicht von Umverteilern ausbeuten lassen zu müssen. Was habe ich denn davon, wenn man Fremde von meinem Geld durchfüttert? Es ist nur gerecht, wenn ich mein Geld für mich behalte, um es dann für Sozialprojekte auszugeben, die ich bevorzuge. Am sozialsten ist es immer noch, Arbeit zu schaffen, ist es immer noch, wenn ich mein Geld in Discounter trage, damit mein Geld dort Arbeitsplätze sichert.

Ich will Spaß, ich will Amüsement. Ich will laute Musik hören, trinken, speisen, tanzen. Ich will günstig in den Urlaub fliegen, günstig tanken, ein günstiges Auto. Ich will Freude am Leben, will erstklassig bedient werden, will herausragende Events für kleinen Preis. Auf Kosten meiner Mitmenschen? Was kümmert es mich denn? Ich bin mir selbst Mitmensch genug, ich habe es mir verdient, mich in die Spaßindustrie zu werfen, dort billig und tüchtig liebkost zu werden. Schade, dass dort Menschen ausgebeutet, Niedriglöhne ausbezahlt werden, aber ich kann darauf keine Rücksicht nehmen, wenn ich Zerstreuung und Erholung suche. Ich muß doch auch mal die Augen schließen, damit ich nicht ständig mit den Nöten der Welt in Blickkontakt gerate. Denn sonst werde ich nur krank und depressiv. Das will ich nicht, ich will nicht trauern, ich will feiern, ich will Spaß, ich geb’ Gas.

Ich will nicht warten, ich will mich nicht in einer Reihe anstellen, ich will nicht schweigen, wenn eine Kassiererin offensichtlich zu langsam tippt. Ich lebe doch im Jetzt, nicht im Später. Ich plärre dann, ich schreie durch den Laden. Dieses Recht habe ich, denn ich bin es dem Unternehmen wert, zufriedengestellt zu werden. Ich will keine Wartezimmer von Innen sehen müssen, ich will nicht erst der Vierte sein, der drankommt. Ich will auch nicht der Dritte oder Zweite, ich will Erster sein, immer Erster sein, egal wo. Das ist mein Anspruch, ich bin mir wichtig genug, immer ganz vorne landen zu dürfen. Notfälle hin oder her, Schmerzpatienten so oder so, der schlimmste Notfall bin immer ich, gleichgültig, was mir fehlt. Habe ich einen harmlosen Schnupfen, bin ich schlimmer dran, als ein fremder Krebskranker. Seine Krankheit ist nicht meine. Mein Leid ist mein Leid, meine Not geht mir ans Herz. Ich habe ein Recht darauf, sofort und kompetent behandelt zu werden - ich zuerst, ich vor allen anderen. Schließlich bin ich krankenversichert.

Ich will den besten Lebenspartner, schön muß er sein, intelligent, humorvoll, lasziv und immer bereit für Sex, wenn ich Befriedigung brauche. Ich habe mir ein Musterexemplar als Gegenstück verdient. Er muß zu mir passen. Solange er passt, passe ich gerne zu ihm. Aber ich muß die Freiheit haben dürfen, mich auch trennen zu dürfen, wenn es mir nicht mehr passt. Dann sondiere ich wieder den Markt. Ich gehe mit jeder zweibeinigen Möglichkeit ins Bett, wenn es mir danach ist. Ich will Spaß haben, ich will Orgasmen, ich will hemmungslos stöhnen und fauchen, ich will Befriedigung. Auch mit denen, die sich sichtbar mehr erhoffen, die mich lieben, die sich in mich verliebt haben. Was kümmert mich ihr Begehr? Ich spende ihnen stundenlanges Glück, danach bin ich mir jedoch zu schade, mich zu erklären. Zu erklären, warum aus dem Fick keine Liebe wird – ich bin doch dazu nicht verpflichtet! Es ist doch meine Entscheidung, ich kann doch ganz alleine entscheiden, mit wem ich es treibe. Wenn ich dann einen Rohdiamanten finde, dann schleife ich ihn, poliere ihn mir zurecht, damit er detailgenau zu mir passt. Ich erziehe mir meine Partner, ich trimme sie, schneidere sie mir zu, wie ich sie brauche. Schlechte Angewohnheiten und unnütze Hobbies gewöhne ich ihnen ab, ich entwerfe mir die Liebe so, wie sie mir gefällt.

Ich habe wenig Zeit für Freunde und Verwandte. Beruf und Freizeit vereinnahmen viel von meiner Zeit. Freizeit, Erholungszeit steht mir ausgiebig zu, ich trete nicht kürzer, ich brauche eher noch mehr Angebote, noch mehr Konsummöglichkeiten. Ich will mehr Erholung, mehr Zerstreuung, ich will rund um die Uhr beschäftigt werden. Ich kann nicht zu Mutters Geburtstag oder Bruders Hochzeit, ich habe doch keine Zeit. Ich muß mich auch nicht rechtfertigen, jeder kann doch machen was er will, ich kann machen was ich will! Wenn ich die Einladung ablehne, telefonisch, denn ich habe einen günstigen Tarif, so wie es mir zukommt, dann tröste ich freundlicherweise. Ich bin doch kein Unmensch. Ich sage, an meinem Geburtstag sehen wir uns doch, seid nicht traurig. Ich sage, ich freue mich darauf, ich kann es kaum erwarten. Und sie beschenken mich reichlich, denn ich bin ein braves Kind, ein liebes Geschwisterchen, ich habe es mir einfach verdient. Ich werde gefeiert, besungen, bekomme eine Torte, einen Gutschein, wieder eine Einladung, die ich später ablehnen muß, weil mein straffer Zeitplan keine Extratermine erlaubt. Ich bin untröstlich, sehe aber gar nicht ein, mich dafür zu entschuldigen.

Ich spreche gerne von mir, das gönne ich mir. Ich habe ein Recht darauf, von mir reden zu dürfen. Ich finde mein Leben spannend genug, ich will mich gar nicht mit den Leben anderer Menschen abgeben. Ich habe mit mir genug zu tun, genug zu erzählen, genug zu lieben und lachen. Ich bin nicht alleine, ich habe doch mich. Ich bin mein bester Freund, mein bester Liebhaber, mein liebster Nachbar. Ich verstehe nicht, wie sich Menschen mit ihren Mitmenschen aufhalten können. Mit sich selbst ist man doch ausreichend beschäftigt. Ich habe jedenfalls kaum Zeit, mich um andere zu sorgen. Ich sorge mich um mich schon genug. Wenn jeder auf sich selbst achten würde, anstatt bei Mitmenschen rumzustochern, mehr Eigenverantwortung zeigen würde, dann würde ich auch in einer besseren Welt leben. Selbstheilungskräfte wären das. Ich tue ja niemanden etwas Böses, wenn ich nur bei mir verharre. Ich hätte dazu gar keine Zeit, weil ich mir selbst keine Zeit dazu erteile. Wer sich um seinen Mitmenschen kümmert, tut manchmal Gutes, aber viel zu oft Böses. Ich nicht! Ich tue alles was ich tue für mich. Ich tue mir oft Gutes, manchmal versehentlich Böses. Nur so läßt sich das Böse ausmerzen, indem jeder auf sich sieht, sich selbst um sich kümmert. Ich mache es genau richtig, ich habe das erkannt. Es ist der einzige Weg, den die Menschheit in der Zukunft gehen kann. Jeder für sich, jeder friedlich für sich alleine. Nebenbei ist es ein schöner, angenehmer Weg, das kann ich bestätigen. Nie hatte ich einen so guten Draht zu mir, zu meinem Körper, nie vermochte ich es, so verständig in mich hineinzuhorchen, wie seit jener Zeit, in der ich ausschließlich von mir angetan bin.

Ich habe Zukunft, weil die Zukunft im Ich ruht. Wir müssen gemeinsam alleine in die Zukunft gehen, tolerant und ignorant, jeder auf sich selbst bedacht. Ich bin Fachmann, ich weiß es, ich tue mein Bestes dafür. Ich will eine Welt in der ich ich sein darf, ohne dumm angesehen zu werden.

28 Kommentare:

Anonym 17. Oktober 2009 um 11:13  

Beim lesen Ihres Textes viel mir ein "Spruch" meines Vaters ein, als wir uns (1968) mal über Gerechtigkeit stritten. Er sagte (damals habe ich das nicht spassig empfunden): "Wenn jeder an Sich denkt, wird doch an Alle gedacht und jeder ist seines Glückes Schmied".

Anonym 17. Oktober 2009 um 11:25  

Ich bin auch ereignis - und argumentresistent.
wenn ich nicht mehr weiter weiß, dann wechsele ich einfach das thema oder schüttele den kopf, das wird schon reichen, oder, meine beste masche, ich hole mir dann verstärkung von gleichgesinnten, die zwar auch nicht mehr wissen als ich, aber eine gemeinsame meinung ist mehrwert als eine einzelne. so beherrsche ich die anderen, die anders denken, weil ich weiß, das ich mit der strömung schwimme und das ist für mich das beste. sozialromantiker gehören auf zelluloid gebannt, mit einem netten lied unterstrichen und in die geschichte entsorgt.

lieber roberto.
vielen dank, das du das, was ich jeden tag vor meiner haustür beobachte in so schöne sätze setzt.

HAL9002 17. Oktober 2009 um 11:53  

Für Dich als Bayer hier der Kurt Eisner in den Sittenbildern des Kapitalismus; 1900 - 1904

http://www.mlwerke.de/ke/ke_002.htm

alman 17. Oktober 2009 um 11:55  

"Ich will den besten Lebenspartner, schön muß er sein, intelligent, humorvoll, lasziv und immer bereit für Sex, wenn ich Befriedigung brauche. Ich habe mir ein Musterexemplar als Gegenstück verdient. Er muß zu mir passen. Solange er passt, passe ich gerne zu ihm. Aber ich muß die Freiheit haben dürfen, mich auch trennen zu dürfen, wenn es mir nicht mehr passt. Dann sondiere ich wieder den Markt. Ich gehe mit jeder zweibeinigen Möglichkeit ins Bett, wenn es mir danach ist. Ich will Spaß haben, ich will Orgasmen, ich will hemmungslos stöhnen und fauchen, ich will Befriedigung. Auch mit denen, die sich sichtbar mehr erhoffen, die mich lieben, die sich in mich verliebt haben. Was kümmert mich ihr Begehr? Ich spende ihnen stundenlanges Glück, danach bin ich mir jedoch zu schade, mich zu erklären. Zu erklären, warum aus dem Fick keine Liebe wird – ich bin doch dazu nicht verpflichtet! Es ist doch meine Entscheidung, ich kann doch ganz alleine entscheiden, mit wem ich es treibe. Wenn ich dann einen Rohdiamanten finde, dann schleife ich ihn, poliere ihn mir zurecht, damit er detailgenau zu mir passt. Ich erziehe mir meine Partner, ich trimme sie, schneidere sie mir zu, wie ich sie brauche. Schlechte Angewohnheiten und unnütze Hobbies gewöhne ich ihm ab, ich entwerfe mir die Liebe so, wie sie mir gefällt."

@ Roberto
Super Text, diese Stelle hat mich an Internet Partnerbörsen erinnert. Da kann man sich seinen Partner auch zurecht schneiden, bis es passt.Will man ne Blondine, hohes Einkommen, Hobbies kann man sich auch aussuchen usw.

Selbst die Liebe wurde dem kapitalistischen Prinzip unterworfen,SEUFZ.

Heiko 17. Oktober 2009 um 13:02  

Alles läuft unter dem Motto: "Gemeinsam einsam".

Danke für die Ausweitung, auch wenn man das ja leider selbst alles im Familien- und Bekanntenkreis miterleben muß.

Anonym 17. Oktober 2009 um 14:45  

Kann das zwar nicht so schön ausdrücken wie Du, aber ja, schon beim ersten Absatz musste ich heftig nicken. Frage mich schon länger, warum ausgerechnet von Leuten, die die unangenehmsten und am schlechtesten bezahlen Jobs haben, das konstanteste Lächeln gefordert wird. Wer beschwert sich schon über einen Chefarzt oder einen Staranwalt, der mal einen schlechten Tag hat? Er wird schon seine Gründe haben für die schlechte Laune, trägt doch schließlich die Last der ganzen Welt auf seinen Schultern... Die Empfangsdame, die Mitarbeiterin am Check-In-Schalter, die Stewardess und die Verkäuferin - die müssen den Kunden dagegen immer in allerbester Stimmung begrüßen, denn dafür zahlt der Kunde ja.

Daisy

Anonym 17. Oktober 2009 um 16:22  

Mein Kind soll nur das Beste bekommen, die beste Schule und den besten Klavierlehrer. Kinder anderer Leute müssen notfalls zurückstehen. Dafür kann ich aber auch erwarten, dass mein Kind weder lärmt noch bockt, mir jederzeit mit makellosem Auftreten Ehre macht und Beruf und Partner so auswählt, dass mein Ansehen dadurch gemehrt wird. Das habe ich mir als Vater/Mutter ja wohl verdient.

Daisy

Anonym 17. Oktober 2009 um 16:29  

"Diese Kaufbereitschaft, diese religiöse Erwartung, daß es endlos viele Dinge gibt, die wir bekommen können, sowie die beinahe orgiastische Lust daran, den Reichtum von neuen Dingen, die man kaufen kann, ins Auge zu fassen, zeigt sich nicht nur gegenüber neuen Modellen, sondern auch in unserer Einstellung gegenüber anderen Dingen.
Wir sind zu Konsumenten von allem geworden.
Wir konsumieren Wissenschaft, Kunst, Vorträge, Liebe. Die Haltung hierbei ist immer die gleiche: Ich zahle und ich bekomme etwas dafür, ja, ich habe einen Anspruch darauf, es zu bekommen, und zwar ohne besondere Anstrengung, denn es ist immer das gleiche Problem des Tausches von Dingen, die ich kaufe, und Dingen, die ich bekomme.
Die gleiche Konsumentenhaltung findet man in gewissem Sinne in vielen ähnlichen Phänomenen: Wenn Menschen Kunst, Wissenschaft, Liebe erfahren, dann erleben sie das so, wie wenn sie das neueste Modell kaufen.
Dies ist auch die Art und Weise, wie man heiratet. Auch das Heiraten hat viel mit dem neuesten Modell zu tun, das unserer Meinung nach am erfolgreichsten ist. Es ist das, welches zu bekommen sehr reizvoll zu sein scheint und den eigenen Wert beweist.
"

Erich Fromm, Pathologie der Normalität S25, 1953

Alles bekannt, der Mensch ist nur unfähig aus seinen Fehlern langfristig zu lernen. Zu verlockend sind Macht, Kapital und funktionierende Gesellschaft, egal was es kostet... also die Anderen. Die, die eben nicht teilhaben können an der Gesellschaft des Überflusses, des Konsums der Ich-Gesellschaft. Das es auch den Menschen seine realen Wurzeln kostet, seinen Hang zum Leben, seine Lebendigkeit, seine Gefühlswelt. Das diese unsere Gesellschaftsform Taubheit gegenüber seinem Nächsten benötigt und produziert, ja sogar gegenüber des eigenen Ichs zu einer Vergleugnung der eigenen Sensibilität führt, das ist unerheblich. Es läuft wie es läuft und das wird sich nicht ändern. Der Mensch hat keinen Überblick.

Jeremia 10:23 Ich weiß, Herr, dass der Mensch seinen Weg nicht zu bestimmen vermag, / dass keiner beim Gehen seinen Schritt lenken kann.

http://scripturetext.com/jeremiah/10-23.htm

Sepp Aigner 17. Oktober 2009 um 16:35  

Bitter, aber sehr treffend.

Kempec 17. Oktober 2009 um 17:03  

Sehr schöner Text!
Das lass ich jetzt mal einfach so stehen, weil ich keine Zeit habe. Ich muss mich um mich kümmern, wer soll es denn sonst tun?

wilko0070 17. Oktober 2009 um 18:15  

Genau diese ICH-Bezogenheit der großen Masse ist die eigentliche Ursache für den langfristigen Zerfall aller auf dem Solidarprinzip beruhender Institutionen (z. B. Gewerkschaften, gesetzliche Krankenversicherung und der Sozialstaat schlechthin).

Anonym 17. Oktober 2009 um 20:36  

ich fühle mich von dem text angesprochen. Allerdings in der weise, dass ich mich von dieser welt, die beschrieben wird, abgesondert habe.
Mich zurückgezogen habe auf seiten wie diese.
Was bleibt mir auch übrig? Ohne arbeit oder viel geld aber mit ängsten, in einer gesellschaft zu leben, die nur der konsum eint?

philgeland 17. Oktober 2009 um 23:53  

Bleibt nur noch, dem obigen Text eine weitere "Ich-Passage" hinzuzufügen:

Ich bin nicht nur ein Idiot, weil ich nicht kapiere, dass meine hedonistische Lebensweise nicht nur den Interessen einiger weniger dient, sondern auch deshalb, weil ich viel Geld dafür ausgebe, um den Kopf in den Sand stecken zu können.

Anonym 18. Oktober 2009 um 00:10  

Lieber Herr da Fuente,

das ist jetzt kein Komméntar zum aktuellen Beitrag), ich danke Ihnen herzlich für Ihre Arbeit.
Wenn man glaubt, die Welt ist komplett aus den Fugen, dann scheint manchmal ein Licht der Vernunft und der Menschlichkeit. Ihr Blog, den ich vor einigen Wochen durch A. Müller gefunden habe, ist solch ein Licht.

Herzlichen Dank und
ad multos annos!

Frank Benedikt 18. Oktober 2009 um 05:17  

"Unter Wert"?
Lieber Roberto, da suche mal im Zweifelsfalle das Gespräch mit Roger (Kurt), denn der kann das gut aufdröseln ;-)

Gute Nacht
Frank

Wolfgang 18. Oktober 2009 um 10:11  

Zitat Westerwelle:
"Wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht."

Aus dem Utilitarismus ("Handle so, dass das größtmögliche Maß an Glück entsteht!"), der den westlichen Kulturen eigen war ist profane Egozentrik ("Befriedige dich!")geworden.

Die Westerwelles dieser Welt sind nicht die Schöpfer dieser Spassgesellschaft, sie sind die Frankensteine, geschaffen von uns selbst. Oder um die Thesen von Denkern wie Neil Postman und Slavoj Zizek auf den Punkt zu bringen:

Die modernen Medien machen uns auf amüsante und informative weise klar was wir zu Denken haben. Und die Politik setzt dann im Wechselspiel mit den Medien das um, was wir zu denken gelernt haben. Brave New World und Big Brother Hand in Hand.

Anonym 18. Oktober 2009 um 10:46  

Hui, Werbung für die Postbank... tstss.. das geht ja gar nicht!! ;-)

Roberto J. De Lapuente 18. Oktober 2009 um 10:52  

Das sollte auf Werbesprüche hinweisen, die immer mehr den Egoismus nähren. Aus RTL wurde ja auch MEIN RTL. Wie jene Möwen, die in einem animierten Hollywoodfilm auf alles zuflogen, was nach Nahrung aussah und "meins, meins, meins" ausstossen.

Maverick 18. Oktober 2009 um 11:01  

Werbung für die Sparkasse ... das geht schon mal gar nie nicht!!!

Maverick 18. Oktober 2009 um 11:16  

Aber Vorsicht! – Eine Anti-Meins-Einstellung kann einem in dieser Gesellschaft sehr schnell als „Sozialneid“ ausgelegt werden. Die sogenannte „Neidschwelle“ soll ja angeblich in Deutschland sehr niedrig sein.

landbewohner 18. Oktober 2009 um 15:37  

die ichbezogenheit also der egoismus manchmal egozentrismus macht nicht nur alle solidarischen einrichtungen kaputt sondern zerstört langfristig auch jede vernünftige art des zusammenlebens - egal in welcher gruppe oder gemeinschaft.
und da schon im kindergarten und in der grundschule auf entspechendes verhalten wert gelegt wird, kann man für die gesellschaft als gesamtheit nur schwarz sehen.

Anonym 18. Oktober 2009 um 19:04  

Mittlerweile ist es in feinen Kreisen ja wieder in Mode, Kinder zu bekommen, um zu verhindern, dass Deutschland entweder von Kopftuchkindern überrannt oder von der Rentenlücke verschluckt wird. Die Vorstellungen, die diese Leute mit der Elternschaft verbinden, machen mir Angst. Einerseits wird das Kind von der Wiege an in Designerklamotten gepackt, damit es auch ja schnell lernt, dass es was Besseres ist. Andererseits kommen Drill-Ideale a la Bueb wieder in Mode, das Kind soll strammstehen und funktionieren. Die gesamte Kindheit wird verplant, mit Chinesischkursen im Kindergarten, Klavier- und Ballettstunden (ob das Kind das nun mag oder nicht ist egal - es ist eben zu seinem Besten, basta), Ritalin gegen kindliche Unruhe, Leistungsdruck vom ersten Schuljahr an, Aufenthalten in britischen Nobelinternaten und, und, und. In die Zukunft des Nachwuchses wird investiert, aber ansonsten hat er angepasst zu sein und die egoistischen Wünsche der Eltern möglichst nicht zu stören. Vielleicht übertreibe ich an manchen Stellen, aber diese Einstellung erlebe ich durchaus, wenn ich Eltern aus diesen Kreisen reden höre. Mir wird dabei schon seit längerem regelmäßig übel, aber ich beginne erst jetzt zu ahnen, warum.

Ich glaube, Alice Miller hat mal die Theorie vertreten, dass das Dritte Reich auch deswegen möglich wurde, weil die preußische Erziehung schon den kleinsten Kindern abgewöhnt hat, Mitgefühl mit sich selbst zu haben - weshalb diese Kinder als Erwachsene auch kein Mitgefühl für andere empfinden konnten. Ob die Kinder der heutigen (Möchtegern-)Eliten Mitgefühl haben dürfen?

Daisy

Anonym 19. Oktober 2009 um 03:33  

http://video.google.de/videoplay?docid=-933374850146828170&ei=3sDbSsnXI6Os2wKe19W2Cw&q=psychoanalyse+des+Faschismus&hl=de&client=firefox-a

Erich Fromm, Psychoanalyse des Faschismus @ Daisy

Nicht nur das systematisch verweigerte ausgetriebene Mitgefühl, sondern auch andere heute wieder sehr alltägliche Verhaltensnormen gehören lt. Fromm dazu.

Anonym 21. Oktober 2009 um 11:12  

ÄNDERE ICH MICH ÄNDERE ICH DIE WELT

Antwort von ICH

flavo 21. Oktober 2009 um 11:33  

*lol*...ich will fauchen!
Lauter Bezüge zum Nichtselbst erbauen denn heutigen Menschen. Der Bezug zum Selbst schlummert in den Tiefen. Er färbt nicht einmal die Bezüge zum Nichtselbst ein, ihre Farbe kommt nur vom Quantum des Fehls oder der Habe des Nichtselbst bei anderen.

Anonym 22. Oktober 2009 um 13:49  

Kein Kommentar, nur ein IMO wirklich wunderbarer Link:http://www.gleichsatz.de/kago/ng/ego.html

Vince 22. Oktober 2009 um 22:58  

wirklich klasse, genau das lässt mich in letzter Zeit nicht los. Diese perversen "Werbe-Botschaften".
So raffiniert verpackt wie hier wird es sie wohl nie wieder geben. Danke dafür.

kucaf 31. Oktober 2010 um 20:14  

Ein Hoch dem Egozentriker!?
Individualismus, der Herdentrieb der Neuzeit, nur was sind die Ursachen, welche die Menschen in diese Herde treiben?
Wobei diese Ichbezogenheit aber nicht Ursache, sondern eine Folge der gesellschaftlichen Verhältnisse sind!

  © Free Blogger Templates Columnus by Ourblogtemplates.com 2008

Back to TOP