Im Sumpf

Dienstag, 20. Oktober 2009

Sloterdijk, Sie sehen eine "Epidemie des Opportunismus" entbrannt, glauben auch Axel Weber, Präsident der Deutschen Bundesbank, sei infiziert, weil er dem schnauzbärtigen Seneschall der Misanthropie, nicht händchenhaltend zur Seite stand, sondern sich der "abgekarteten Gruppendynamik" unterwarf. Stellen wir eines gleich von vorneherein klar, Sloterdijk, womöglich liegen Sie sogar richtig, man muß Weber kein empörtes Gewissen attestieren, empört war er bestenfalls deshalb, weil seinem Fiskalklub schlechte Presse ins Haus zu stehen drohte - was nicht mal eintraf, ganz im Gegenteil. Ob es ihn entrüstet hat, mit welchen herabblickenden Herrenmenschenallüren diese Karikatur von einer Karikatur sich über Menschen hermachte, die nicht die Gnade der deutschen Geburt besitzen, darf stark bezweifelt werden.

Aber Sloterdijk, wir widmen uns nicht Weber, wir widmen uns Ihrer Person. Mit Genuss haben ich seinerzeit Ihre Kritik der zynischen Vernunft gelesen, verschlungen geradezu. Und es hat befruchtet, Ihre Schreibe, der dargelegte Inhalt, es war spannend und lehrhaft, nie langweilig und dennoch ausführlich. Die "Epidemie des Zynismus" haben Sie darin beschrieben, unterstrichen, sichtbar gemacht. Nun sind Sie selbst erkrankt, Sloterdijk. "Unleugbar vorhandene Integrationsscheu" ließen Sie zu Protokoll geben. Wieviel wissen Sie wirklich davon? Sloterdijk, Sie wissen nicht, wie schwer es Menschen in diesem Lande gemacht wird. Man muß gar nicht arabische Wurzeln haben, das heißt, aus fernem kulturellen Einfluss entfliehen, um hier keinen Fuß zu fassen. Es reicht schon, wenn man Spanier, Italiener oder Grieche ist, um nie richtig akzeptiert, immer als der Andere, Andersartige, manchmal Abartige begutachtet zu werden. Der selektive Blick ist in diesem Land gemütlich zuhause, vom Sofa aus, bei Kaffee und Kuchen, wird er ausgewertet und zur Perfektion getrieben. Sloterdijk, ich befürchte, Sie sind seit geraumer Zeit zwischen den Polstern irgendeines Sofas versunken, sitzen womöglich direkt auf einer jener steinharten Stahlfedern, die normalerweise unter den Polstern verschwinden, Gesäße abfedern sollen. Wenn man erstmal eingesunken ist, gibt es nichts mehr, was einem den Hintern vor spitzigen Federn schützt.

Apropos Versinken: was ist Ihre erste Konnotation, wenn ich Versinken sage, das Wort Versinken erwähne? Wollen Sie wissen, was meine ist? Nicht? Einerlei, ich teile es Ihnen trotzdem mit. Ich denke an einen Sumpf. Und da trifft es sich doch hervorragend, dass Sie bereits vorhin vom Sumpf sprachen. Sie nannten es nur Opportunismus, klingt feiner, einem Philosophen standesgemäßer. Ihr Sofa, Sloterdijk, ist nicht aus Gewebe, Schaumstoff, Federn und Holz, es gleicht eher einem ziemlich matschigen Feuchtgebiet. Beinahe erzeugen Sie Mitleid, wie Sie da in Ihrer Brühe hocken und auf Opportunisten schimpfen, die dem gepflegten Wahnsinn des schielenden Trommlers entgegentreten, und dabei merken Sie nicht einmal, wie nahe Ihnen die Scheiße schon ans Kinn steht. Mann, wenn Sie nur einmal die Augen aus den Tiefen Ihres Knautschgesichts puhlen würden, dann würden Sie merken, dass Sie nicht ins gemütliche Sofa eingesunken sind, Sie würden die versumpfte Brühe erkennen; Sie würden dann auch bemerken, dass es keine wohligen Decken sind, die Sie wärmen, sondern laues Brackwasser, das Sie umspült.

Es ist zum Heulen, dass man einem Philosophen empfehlen muß, er möge bitte die Augen bemühen. Die Augen, als Eingangsbereich des Denkens, als Pforte zum Gehirn. Wir können heute ja nicht mehr trennen zwischen Körper und Seele, dazu haben die Naturwissenschaften zuviel Verbandelung angestellt, zu eindeutig geklärt, dass wir aus der Materie Seele machen, nur um nachher aus der Seele wieder aufs Materielle zu schließen. Aber wem erzähle ich das? Sloterdijk, Sie wissen verdammt gut, wozu Augen da sind, Sie haben sie ja auch mal gebraucht. Philosophie hatte lange Zeit auch etwas mit humanistischem Denken zu tun, sie war kein blutloses Fach, in dem man ein wenig lustlos Sümpfe durchpflügte oder für Honorar offensichtliche Lügen niederschrieb, sie hatte sich einen Auftrag erteilt, einen edlen Auftrag. Sie verstand sich als Mittler, wollte Wissen vermitteln und sprach sich zumeist für Frieden, Miteinander und Solidarität aus. Natürlich gab es von jeher Ausnahmen. Heidegger ist einer jener Sündenfälle der Philosophie. Genau besehen, war er aber ein harmloser Sündenfall, denn er ruinierte nur wenige Leben, und das in Zeiten, wo der durchschnittliche Bürger fleißig am Ruinieren anderer Lebensentwürfe war. Aber er hat den Sumpf mit Stechschritt durchquert, hat den Sumpf philosophiert, könnte man sagen, hat das Jahrhundert vorbereitet auf eine Ära, in der Philosophie zum Arschkriecher der Realpolitik mutieren sollte. Sloterdijk, er hat den Sumpf vorbereitet, damit einst Leute philosophischer Schule darin sitzen können, ohne schief angesehen werden.

Seien wir doch mal ehrlich, Sloterdijk, Sie sitzen tief in der Bredouille. Sie sollten qua Ihrer Stellung der Wahrheit verpflichtet sein, sollten bedächtig und angemessen reagieren, eine Mittlerrolle zwischen groben Lebensrealitäten und politisch-wirtschaftlicher Höllenfahrt einnehmen, kurzum, philosophisches Denken in den Diskurs werfen. Aber das tun Sie schon seit Jahren nicht mehr. Nein, Sie sind zum intellektuellen Sturmtrupp des Zynismus geworden, Sie scheinen den eigenen Buchdeckeln entstiegen, sind Diener Ihrer Herrn, vornehm tuender Kläffer Ihrer Herrchen. Philosophie sei tot, heißt es gemeinhin. Das stimmt nicht, sie ist nicht tot. Die Philosophen sind tot, es gibt kaum noch welche. Sloterdijk, Sie sind das Aushängeschild der deutschen Totenliturgie, wenn man hierzulande von zeitgenössischen Denkern spricht, fällt Ihr Name ganz unwillkürlich. Letztlich sind Sie der Herr einer toten Kultur, weil Kultur immer von Menschen betrieben wird, weil tote Kultur als Produkt toter Menschen erscheint. Mann, Sie sind der Vorsteher der Toten, so tot in Ihrer Kunst, wie es nur geht. Toter geht es kaum noch. Natürlich, Sie leben, Sie essen, Sie lehren, Sie verdienen an dem Stuß, den Sie verbreiten. Aber der Philosoph Sloterdijk, der ist begraben - lange schon. Der Herold Sloterdijk, der Verkünder der frohen Botschaft des Zynismus, der weilt noch unter uns, der macht uns das Leben schwerer, als es sowieso schon ist.

Von Opportunismus reden, selbst sein Fach aber durch selbigen ausgetauscht haben. Wissen Sie, Sloterdijk, wenn Ihr Anblick mich nicht so wahnsinnig sentimental stimmen würde, weil ich an die herrlichen Stunden mit Ihrer Kritik der zynischen Vernunft zurückdenken muß, ich würde laut herauslachen. Objektiv besehen ist es einfach köstlich, wie die Karikatur eines Philosophen, die Karikatur einer Witzfigur in Schutz nimmt, wie sich diese beiden hohen Tiere deutscher Öffentlichkeit gegenseitig den Schnäuzer kämmen, sich in den Arm nehmen als Brüder im Geiste. Fehlt nur noch, dass Sie den feinen Herrn in den Stand eines Philosophen honoris causa hineinadeln. Wie gesagt, wäre ich nicht so furchtbar sentimental, Sloterdijk, ich würde Ihre Rolle als Stützstrumpf des Rassismus zur Grundlage nehmen, um Ihnen zu erklären, dass Sie für mich gestorben sind - endgültig gestorben sind. Aber das wäre schön blöd von mir, ich würde alle tugendhaften Pfade der Logik verlassen, mich ganz unphilosophisch verhalten, denn wie erklärt man einem Toten logisch und schlüssig, dass er verstorben ist?

"Wie tief bei uns der Sprachkarren im Dreck steckt", würde sich daran zeigen, wie entrüstet Sie reagierten, würden Sie diese Zeilen lesen. Was Sie nicht tun, denn Sie schweben derzeit über Wolkenkuckucksheim, die Außenmauern des Elfenbeinturms polierend, in dem Sie hinter dicken Schinken und Schmonzetten daran feilen, wie man offensichtlichen Rassisten metaphorisch den halbsteifen Pimmel hält, damit der Pißstrahl auch dorthin trifft, wo er hintreffen soll, nämlich ins dösende und latrinäre Gemüt der Stammtisch-Massen, in diese ruhenden Sturmtruppen des Wahnsinns. Würden Sie dies aber lesen, ich bin mir sicher, Sie würden sich entrüsten, fänden sich verunglimpft, beleidigt, in Ihrem akademischen Stolz verletzt. Aber Sloterdijk, nur ruhig, ich arbeite schwer daran, den "Sprachkarren aus den Dreck zu ziehen". So wollten Sie es doch, oder nicht? Was dem Türken und Arabern zumutbar ist, sollte für Sie gerade gut genug sein, Sloterdijk.

16 Kommentare:

Uli Stielau 20. Oktober 2009 um 13:11  

Nein, vermutlich wird Herr Sloterdijk diesen Artikel nicht lesen. Aber ich habe ihn gelesen. Nicht mit Begeisterung, nicht mit stammtischartigem Beifallgeklatsche, sondern mit zunehmender Hochachtung vor Ihrer Feder, Herr De Lapuente.
Es ist wirklich erfreulich, dass es noch einige "Denker" gibt, die sich den zunehmend gleichgeschalteten Medien widersetzen und ihre Gedanken so wortgewandt auf den Punkt bringen.

Vielen Dank dafür.

Anonym 20. Oktober 2009 um 13:36  

Wie sagte weiland Lichtenberg, der große Aphoritiker:

"Ich stecke jetzt meine ganze Tätigkeit aufs Profitchen. Kohlen sind noch da, aber keine Flamme."

Womöglich hat Herr S. dieselbe Erkenntnis für sich entdeckt?

antiferengi 20. Oktober 2009 um 13:43  

Auch von mir, - Danke.
Und ganz besonders für diesen Satz;

Philosophie sei tot, heißt es gemeinhin. Das stimmt nicht, sie ist nicht tot. Die Philosophen sind tot, es gibt kaum noch welche.

Schön das mal jemand den Mut findet es auf den Punkt zu bringen.

carlo 20. Oktober 2009 um 14:44  

Sloterdijk hat wohl für sich das Ziel der Philosophie neu bestimmt. Will er uns jetzt in den Tunnel am Ende des Lichts führen oder gleich in den Sumpf?

Anonym 20. Oktober 2009 um 15:24  

Sozialpolitik nach Kassenlage.

Haben wir nicht eine absurde Situation.

Schröder später Steinbrück haben die Steuereinnahmen des Staates den Besserverdienenden gesenkt.

Die FDP macht das Gleiche.

Unser Bundesverfassungsgericht , dass über das Existenzminimum für Kinder befindet, soll nach Kassenlage des Staates urteilen.

Da kann man das Grundgesetz ja gleich der Kassenlage anpassen.

bmrcologne 20. Oktober 2009 um 15:49  

Das Grundgesetz wurde immer schon nach Kassenlage angepasst, interpretiert. Insofern sollte unsere ganze Energie darauf gerichtet sein, die Grund- bzw. Menschenrechte gegen jegliche Disposition in Schutz zu nehmen!

pillo 20. Oktober 2009 um 16:43  

Sloterdijk ist das Paradebeispiel für den Niedergang der "Intelektülle" in Deutschland. Man denke nur an den Verfall eines einstmals kritischen Geistes wie Günther Grass, die dümmlich-naiven Statements einer ehemals kritischen und verdienten Feministin wie Alice Schwarzer oder die Wandlung von einstiger Qualitätspresse wie dem 'Spiegel' oder der 'Zeit' zu neoliberalen Kampfblättern. Von den dummdreisten Kommentaren eines Wolfgang Herles, immerhin Moderator des ZDF KULTURmagazins aspekte, ganz zu schweigen.

Denk ich an Deutschland in der Nacht... :o(

fletcher2 20. Oktober 2009 um 17:40  

Lieber Roberto,

ich maße mir an, Sie etwas vertraulicher anzusprechen. Mit meinen fast 56 Jahren wünsche ich mir Ihre, von mir aus gesehen, jugendliche Gelassenheit und Ihre doch schon uralte geistige Reife. In vielerlei Hinsicht beneide ich Sie um ihre immer treffende Wortwahl und Ihre Gabe, den Menschen die Wahrheit zu sagen, die schon seit Jahrzehnten geleugnet wird. Ihre Artikel sind aufbauend und deprimierend zugleich, jedenfalls für mich.

Ich wünschte, ich könnte Ihre Kraft und ihre - hoffentliche - Zuversicht mein Eigen nennen. Vielleicht wäre ich dann innerlich nicht so oft so zerrissen und voller Wut auf dieses Pack. Anders kann ich es nicht nennen.

Doch muß ich Sie auch ein Stück weit bedauern. Wer so klar denkt wie Sie, dem muß wahrscheinlich diese ganze Ungerechtigkeit und diese Dreistigkeit der "Eliten" auch doppelt schwer zu schaffen machen. Trotz dieser Gegensätze wünsche ich Ihnen, daß Sie auch weiterhin in Ihrem Bemühen nicht nachlassen und das Kind auch in Zukunft beim Namen nennen. Meinen Dank und meinen Respekt haben Sie.

Robert Reich 20. Oktober 2009 um 18:16  

Wirklich erbärmlich ist auch, wenn ein ARD-Magazin "Fakt" (19.10.2009) auch noch Sarazzins "Aussagen" überprüft!, feststellt, daß Diese stimmen! und meint, wie Demokratie funktionieren soll, wenn solche Wahrheiten, wie die eines Sarazzins, nicht mehr ausgesprochen werden dürften, dann würde man auch an den Zuständen! nichts ändern können.

philgeland 20. Oktober 2009 um 19:29  

Vielleicht sollte sich Sloterdijk noch mal Sartre reinziehen.

Anonym 20. Oktober 2009 um 20:43  

Traurig anzusehen, wie jemand, der das Potential zur Aufklärung hat sich so zu einem mehr und mehr nur noch Nonsense blubbernden Clown der Eliten und ihrer Handlanger aus der Politik macht.
Aber in dieser illustren Gesellschaft ist er nicht allein, teilt diese mit unzähligen anderen Leuten, welche einst so viel verändern, so vieles besser machen wollten, heute aber nur noch satte rüpsende Zyniker und Ignoranten sind.
Sie alle haben i h r e n "Marsch durch die Institutionen" hinter sich, sind angekommen.
Und da diese Gesellschaft ohnehin nur noch unter sich bleibt, merkt wahrscheinlich keiner von denen den unsäglichen Mief, den sie als geistig Abgestorbene nur noch verbreiten.
Man kann sie alle abhaken, vergessen, sie sind in der Tat nur noch Geschichte.

Frank 20. Oktober 2009 um 23:12  

Sloterdijk. Was erwartet ihr eigentlich von einem, der im Frankfurter Zukunftsrat mit INSM und Konsorten wie Clement seit Jahren zusammenarbeitet?

Tim 21. Oktober 2009 um 02:27  

@ Roberto Reich:

"Wirklich erbärmlich ist auch, wenn ein ARD-Magazin "Fakt" (19.10.2009) auch noch Sarazzins "Aussagen" überprüft!, feststellt, daß Diese stimmen!"

Ich hatte heute beim Arzt im Wartezimmer das zweifelhafte Vergnügen im 'Focus' zu blättern (die Alternativen - 'Schöner Wohnen' und 'Bild der Frau' - fand ich auch nicht besser) und siehe da: Gleich auf S. 20: "Warum Sarrazin recht hat" Was auch sonst? Schon im Vorwort Helmut Markwort, der sich schwere Sorgen um die Demokratie wegen der Hetze gegen Sarrazin macht... Noch blöder geht's immer. Den 'Fakt'-Beitrag hatte ich übrigens auch gesehen. Und bei beiden ist mir das gleiche aufgefallen: Es werden einfach ein paar kriminelle, türkische Jugendliche vor die Kamera gezerrt, aber die wirklich dicken Hunde unter den "Thesen" des Sarrazin, die werden gar nicht beachtet, geschweige denn rezitiert; z.B. die Behauptung von der genetisch bedingten Dummheit der Araber, oder ältere Sachen wie der Schrei nach Geburten-Beschränkung in der Unterschicht... Sowas wird dann einfach totgeschwiegen, damit man behaupten kann, der Mann wolle ja nur "eine Debatte anstoßen". *würg*

flavo 21. Oktober 2009 um 11:19  

"Philosophie sei tot, heißt es gemeinhin. Das stimmt nicht, sie ist nicht tot. Die Philosophen sind tot, es gibt kaum noch welche."

Übrigens, der Text hat mir sehr gut gefallen.
Das Zitat ist für mich besonders treffend. Es gibt sie schon noch, die Philosophen, nur findet man sie nicht. Der akademische Philosoph ist heutzutage ein Literatursurfer. Von was er redet ist eigentlich egal, es gilt die aktuellen Debatten zu besurfen, Gedankensplitter zu extrahieren und die eigene Meinung damit am rechten Ort zu bekleben, damit sie sich brüsten kann, nunmehr dem aktuellen Stand zu entsprechen. Damit hat es sich in der Regel dann. Der Rest ist Verbleib im jeweils aktuellen Stand, im besten Fall inklusive Konsolidierung in eine lohnende Gehaltsdisposition. Ich lob mir Sloterdjik. Der krächzt wenigstens herum.
Ad Heidegger. Der Philosoph meint ja, die Geschichte des Seyns ergieße sich in philosophischen Werken und komme darin in ihr prägnantestes Licht. Nun wurde schon bald darauf hingewiesen, dass es sich hierbei um ein Missverständnis handelt. Es ist der Spatenstich in die feuchte Erde nicht weniger pures Leben, als der hochtrabende Geistgedanke. Und daraus könnte man lernen. Tut man aber nicht. Denn an der Gegenwart kann am besten erkennen, dass man die Gegenwart gänzlich verfehlen würde, wenn man sie von der Philosophie her erschließen wollte. Das ist der traurige Stand der Philosophie heute. Sie faßt nur mehr ihre eigenen Gedanken in Gedanken. Sloterdjik scheint wenigstens ein Auge auf die Zeit zu haben, hat sich aber verloren und scheint der Orientierungslosigkeit den Halt der Ideologie vorzuziehen. Letztlich springt im metaphysischen Wirrwarr wenigstens ein Stück Physis dabei heraus in Form eines Geldes für die Zeichen/Zeit, die er am rechten Ort abliefert. Wenn ich mir aber die Replik von Honneth in der Zeit durchlese, dann wird mir nicht weniger schaurig. Da kommt der Anspruch der breiten Massen auf Nichtausbeutung wie eine Fürbitte daher, natürlich ist nur das sloterdjiksche Einsprengsel in die philosophische Debatte Anlass zur Replik, nicht etwa reale Verhältnisse. Danke Sloterdjik! Von den realen Verhältnissen scheint man keine Notiz genommen zu haben. Man verspürt keinen Bedarf. Theoretisch ist alles geklärt. Das Leben ist ruhig.

Anonym 21. Oktober 2009 um 15:53  

Si tacuiesses, philosophus mansises. Nie war dieser Satz wahrer als in diesem Fall.

Frank 22. Oktober 2009 um 21:27  

Mhm, wenn schon denn schon: si tacuisses, philosophus mansisses, lat. „Wenn du geschwiegen hättest, wärest du ein Philosoph geblieben“.

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