Ausländische Affären

Dienstag, 13. Oktober 2009

Erschreckend, wie sich das seriös Reckenhafte fast täglich einen Weg in die journalistische Öffentlichkeit freihetzt, wie Milizen aus du und ich, aus Arbeitslosen und Unternehmern, aus Armen und Reichen, als Querschnitt der völkischen Überheblichkeit, als Volkmiliz nationaler Einheit, die Aufrührer eskortieren, tätscheln, als Ausgeburten freigeistigen Brütens und Tüftelns hochleben lassen. Erschütternd, so erschütternd, dass es beinahe schon wieder komisch dünkt, ist die Tatsache, dass innerhalb dieser flankierenden Volksheere keine Bereitschaft amtiert, sich des eigenen Verstandes zu bedienen.

Da tritt doch allen Ernstes diese Witzfigur von einem Recken auf, jener boshafte Bosbach, pflanzt sich großflächig in die Öffentlichkeit, läßt seinem intellektuellen Dünnpfiff freien Lauf und erntet dafür auch noch regen Applaus der Lesermilizen. Vierzig Prozent irgendwelcher Ausländer, gegenständlich wird er dabei nicht, man kann sich daher frei auswählen, wen er wohl gemeint haben könnte - diese ominösen vierzig Prozent jedenfalls würden sich Deutschkursen verweigern. Wie weiland Wolfgang Clement, der sich nicht entblödete, mit Nachdruck zu behaupten, fünfundzwanzig Prozent aller Parasiten seien überdies arbeitsscheu, so jongliert nun der schwarze Dämlack mit irgendwelchen Zahlen, die zu beweisen er schuldig bleibt. Clement wurde seinerzeit entzaubert, was er bis heute nicht wahrhaben will. Ab einer gewissen gesellschaftlichen Stellung ist die Berauschtheit am eigenen Ego ohnehin chronisch.

Aber wen kümmert es schon, woher Bosbach seine Berechnungen bezieht. Wesentlich ist den Jubelmilizen nur, dass da jemand hetzt und aufstachelt, dass da jemand ihr Ressentiment füttert. Da trifft es sich gut, dass Bosbach so tut, als bezöge jeder Nicht-Deutsche Sozialleistungen - oder jeder Nicht-Europäer, je nachdem, wessen Vorurteil befriedigt werden soll. Wer nicht mit uns ist, der ist ohne Geld! Das freut die, die es ja schon immer wussten, die stets darauf hinwiesen, dass Ausländer faul seien, nicht arbeiten wollten, nur Kindergeld und Sozialleistungen bezögen. Der ulkige Recke aus christlichem Milieu weiß halt auch solchen Kündern Bestätigung zu erteilen.

Oh, was droht da am Horizont. Ein Ministerium einzig und alleine für die Integrationsunwilligen! Geführt von Bosbächern und Westerwellern, beide ausgewiesene Deutschmeister, zweiterer ein anerkannter Freund der deutschen Sprache - und nur der deutschen Sprache! Sicherlich wird innerhalb der heiligen Hallen dieses Ministeriums ein liebevoller Ton gepflegt, lieblich um Zusammenleben gebuhlt werden. Und wer nicht spurt, den machen wir das Leben trist! Ein deutsches Bureau of Indian Affairs, in dem die einzige Affäre darin bestehen wird, ständig mit den Ressentiments eines Gutteil der Milizen in die Federn zu springen. So wie einst die jungen USA dieses Bureau, damals noch dem Kriegsministerium unterstellt, eröffnete, so schenkt sich diese greise Republik mit ihren greisen Voreingenommenheiten und ihrem greisen Geltungsbedürfnis, ein Büro für ausländische Affären. Damals wurde im Namen indianischer Angelegenheiten weißer Landraub begangen, nun soll der Landraub der Kosovaren verhindert und rückgängig gemacht werden, wird den hiesigen Ausländermassen das Geld aus der Tasche gestohlen, nein besser noch, gar nicht erst mehr in die Taschen überwiesen. Wer sich nicht leitkultivieren läßt, den kultiviert der Hunger. Eigentlich schade, wird sich der kommenden Reichsintegrationsminister denken, dass Bosbachs Thesen nur halbgares Zeug war und nicht jeder Ausländer arbeitslos ist, Sozialleistungen bezieht. Wie ziehen wir dann den arbeitenden Mullahs das Geld aus dem Turban, wie bekommen wir deren Devisen aus dem Bart?

Überall würden Menschen gezwungen, die Sprache des Landes zu erlernen, nur der deutsche Gutmensch sähe das nicht ein, rufen die Milizen quer durch alle Gazetten. Gutmensch! Alles was sich an humanistischen Idealen orientiert, wird diesem spöttisch gemeinten Begriff unterworfen. Wider dem Humanismus war man hierzulande schon mal. Die Milizen würden einen Bezug zu den Feinden der Gutmenschelei von einst vehement verneinen, aber sie entkommen diesem Vergleich nicht, sie sind deren Enkel, in Fleisch und Blut und - unleugbar - auch im Geiste. Überall sei es so, nur im gutmenschlichen Deutschland nicht. Da würden so feine Demokraten wie Sarrazin, Clement, Bosbach ganz unfein tituliert. So weit sei es schon gekommen mit dem Reich! Die Deutschen sterben aus!

Dabei steht eines fest, scheint stündlich augenscheinlicher zu werden, die nützlichen Idioten, die auf den Tisch steigen, um der enthemmten Menge zu predigen, sind kein Zufall. Es wird dafür gesorgt, dass das Deutsche auch zukünftig leben kann, mit Ministerium und Sanktionen, mit Hetze und Treiberei, mit Aufpolieren des Deutschseins und Madigmachen des Andersseins. Die ausländischen Affären werden uns noch lange beschäftigen...

18 Kommentare:

Anonym 13. Oktober 2009 um 16:38  

Werter Hr. De Lapuente,
wenn man in Deutschland ungute Gefühle verspürt, vergewissert man sich immer der Tatsache, dass man als Deutscher nicht alleine damit ist, sondern man sorgt dafür, dass es mindestens eine untergeordnete Gruppe gibt (oder schafft), die man weitertreten kann. Das entlastet nämlich das Gemüt. Oder haben Sie gedacht, dass der Umstand, im zweiten Weltkrieg die Juden verfolgt zu haben, und heute einen neuen Sündenbock zu suchen und zu finden, wären zweierlei? Es ist ein Kernelement Deutscher Mentalität, sich nicht aufzulehnen wie es z.B. die Franzosen auf gesunde Weise tun, sondern "die Druckwelle" weiterzugeben. Man kann sich dessen erbosen, wie Sie es tun. Ich bin jedoch kraftlos genug, um dies nicht einmal mehr zu reflektieren, denn der Deutsche Mächtige sieht sich bereits am Ende seines Aufstiegs. Dazulernen würde ihn seinen "Rundumblick in der Höh'" doch kosten, seinen "Erfolg" in Zweifel ziehen. Das ist zwar bemitleidenswert, aber sie dafür zu bemitleiden ist zu viel verlangt. Jedem sein Horizont.

unterdosis 13. Oktober 2009 um 17:00  

...und nachdem man am heimischen, deutschen stammtisch die auslaenderfrage endlich geklaert hat, fliegt man nach malle in den urlaub.
malle, bekanntlich das 17. bundesland, weshalb man natuerlich auch keinerlei veranlassung sieht sich sein jaegerschnitzel mit pommes und bier dazu auf spanisch zu bestellen.
warum auch spanisch lernen? soll der faule auslaender doch gefaelligst deutsch lernen, unser geld nehmen sie doch auch!

HAL9002 13. Oktober 2009 um 18:09  

Schließe mich dem Kommentar 1 an. Es ist eine Art Mentalitätsproblem. Mentalität im Sinne einer Summe aus Erfahrungswerten in der Lebenswelt aller "Einheimischen".
"Der Untertan" steckt m.E.n. einfach noch zu sehr in der Lebenswelt drin, obwohl er eigentlich der Souverän sein sollte. Ein Untertan braucht aber einen weiteren Untertan, denn wer ist schon gerne der Letzte? Und was macht der Letzte: Er kapselt sich ab.
Das führt mich zu wieder zu meinem Lieblingsthema dem Volksentscheid.
Es wäre ein probates Mittel, langfristig Souveränität zu üben, die dringendst nötg ist.
Zugegebenermaßen ein gefährlicher Weg. Wer drückt schon gerne einem Depressiven eine Handgranate in die Hand und fordert ihn auf nicht an dem Ring zu ziehen, um so wieder Lebensfreunde zu erlangen.
Das Thema selbst (genau Sarrazin et. al.) ist nun mal da, und wird so schnell nicht wieder eingefangen; sie sind loose cannons on a rolling deck.
Der Ausgang noch ungewiss, wenngleich doch fühlbar.

Anonym 13. Oktober 2009 um 23:48  

Hurra, nach 6 Jahrzehnten des durch das Gutmenschentum auferlegten Maulkorbes, darf der deutsche Michel heute endlich wieder nach Herzenslust gegen Minderheiten hetzen und morgen...

Anonym 14. Oktober 2009 um 09:20  

Gestern Abend mal den Fehler gemacht Tagesthemen zu sehen. Der Kommentator dort verstieg sich sogar dem Zentralrat der Juden in Deutschland zu widersprechen - Sarrazin gar mit Hitler, Goebbels und Göring zu vergleichen, welch eine Frechheit meinte der Kommentator da an die Adresse der Juden in Deutschland. Er hätte doch in der Sache richtig gelegen, nur seine Ausdrucksweise wäre nicht genehm gewesen.

Ich schaltete ab.

Fazit:

Wir leben in einem Land wo nicht einmal der Protest des Zentralrats der Juden in Deutschland, die Sarrazins Äußerung zurecht als rechtsextrem brandmarkten, als solcher bewertet wird.

Für mich ist klar, seit Schwarz-Gelb, die Traumkoalition der Konservativen, regieren darf, lassen auch unsere Medien immer mehr das demokratische Gesicht fallen, und zeigen die neofaschistische Fratze :-(

Anonym 14. Oktober 2009 um 10:52  

Im Grunde zeigt sich hier nur der bei der Ablehnung der Minderheiten übliche Mechanismus: Die eigenen verdrängten Bedürfnisse werden bei den Angehörigen der Minderheit wiederentdeckt.

NDS-Lesefuchs 14. Oktober 2009 um 12:11  

Leider merkt der Michel nicht was geschieht.
>>Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte<<
Ab und zu mal ne kleine Boshaftigkeit in BILD & co. positionieren und die Ablenkung von den wirklichen Verbrechern ist perfekt.
Während alle über Sarrazin prusten und husten, wird die Steuersenkung für obere Einkommen beschlossen (Steuerstufenmodell FDP mit max. 35%). Die Einigekeit ist da, also der Weg geebnet. (http://www.ftd.de/politik/deutschland/:stufen-statt-progression-koalition-plant-radikale-steuerreform/50022733.html)
Dieses Gebahren konnte man schon als DDR-Berliner erleben. Der war der Böse für den Rest der Republik, denn dort hat man alles hingekarrt. WER das aber dahin gekarrt hat, wurde nicht hinterfragt.
Das Volk muss nur immer schön abgelenkt werden. Und das klappt recht gut.
Deshalb wird man solche Leute wie TS nicht feuern. Die werden gebraucht und den Pöbel untereinander aufzuhetzen.

Frank F. 14. Oktober 2009 um 12:56  

Neulich las ich, dass die italienische Sängerin Milva ernsthaft in Erwägung zieht, wegen der unerträglichen Machtkonstellation in ihrer Heimat schon bald nach Deutschland auszuwandern.

Angesichts ihrer nachvollziehbaren Begründung ein ziemlich sinnloser Ortswechsel, wie ich finde. Eine Reise vom Regen in die Traufe...

Bleibt die Frage, welchem Bild die überzeugte Sozialistin bei dem Gedanke an Deutschland wohl aufsitzen mag. Haben wir es hierzulande vielleicht nicht mit sehr viel subtileren italienischen Machtverhältnissen zu tun?

Italien ist (fast) überall. Und hier ganz bestimmt.

G. G. 14. Oktober 2009 um 14:01  

Ich kann mich dem Kommentar von Frank F. nur anschliessen. Im Heise-Forum wurde berichtet, das sich die Mitarbeiter einer französischen Firma selbst umbringen, weil sie mit dem Leistungsstreß nicht fertig werden und keinen anderen Ausweg mehr sehen. In Griechenland müssen die Verhältnisse auch verherrend sein. Anscheinend geht der Staat gegen Flüchtlinge, die in die EU wollen knallhart vor.

Wenn es anderswo besser wäre, dann wäre ich schon längst weg.

Anonym 14. Oktober 2009 um 14:54  

@G.G., Frank F.

Vielleicht sollten wir nach Südamerika auswandern? Nein, ich rede nicht vom altbekannten Kuba.

Die Staaten, die sich vom Neoliberalismus verabschiedet habe - endgültig, und zum Teil dort sogar in den Verfassungen verankert - findet man nämlich nur in Ecuador, Venezuela, Bolivien & Co.

Kein Wunder, dass die dt. Neoliberalisten, und auch ausländische im angelsächsischen Raum, Südamerika schlecht machen wollen - mit den üblichen Vorurteilen, die eher auf die neoliberalen Verhältnisse unter Pinoquets Chile gepaßt haben - Diktatur, Unterdrückung der Meinungsfreiheit etc.

D.h. aktuell werden offenbar diktatorische und rechtsextreme Putschisten in Honduras von der FDP im obigen Vorgehen gegen den gewählten Präsidenten Zelaya gedeckt.

Es ist eben nicht überall so, wie man hier nachlesen kann:

http://www.amerika21.de/amerika21/nachrichten

...ohne Internet wüßte ich dies nicht....

...die dt. schwarz-gelb-neoliberalen Mainstream-Medien verbreiten nämlich, wie oben mehrfacht erwähnt, Lügen über diese Vorgänge.

Wäre ich des Spanischen mächtig, und gäbe es keine Linkspartei in Deutschland, ich wüßte schon wo ich mich niederlassen würde - siehe oben.

Es ist nur im "alten Europa" überall so, wie man heute bei Nachdenkseiten lesen konnte:

http://www.nachdenkseiten.de/?p=4261#more-4261

Punkt 11 und dortigen Kommentar dazu.

Im außereuropäischen Bereich sieht die Sache schon anders aus, und da unsere JournalistInnen ja überwiegend Teil des neoliberalen Systems sind sind wir halt auf's Internet verwiesen, um diese Vorgänge zu beurteilen.

Sogar die USA Obamas, auch heute bei Nachdenkseiten nachzulesen, tickt hinsichtlich Neoliberalismus anders als das "alte Europa".

Bei Nachdenkseiten konnte man den entsprechenden hinweis lesen.

Kein Wunder, dass manche Obama als "Sozialisten" brandmarken, auch in Deutschland, den Obama will etwas was wir in Deutschland, mangels denkender "Eliten" nicht gerne haben - einen Wohlfahrtsstaat us-amerikanischer Prägung.

Westerwelle hingegen, die selbsternannte Freiheitsstatue outet sich, wie viele Neoliberalismus-Fans, als Ewiggestriger, entgegen der Meinung vieler Nobelpreisträger, auch für Wirtschaft, die den Neoliberalimus als gescheitert ansehen.

Egal, als Deutscher, und als Westerwelle, und mit typisch dt. Größenwahn stellt man sich halt gegen den Rest der Welt.

Gute Nacht
"altes Europa"
Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Maverick 14. Oktober 2009 um 15:20  

Frage: Was kann man tun?
Antwort: Man kann sich informieren und zur Entspannung etwas Billard spielen.

Manul 15. Oktober 2009 um 00:38  

Problem ist, dass je mehr man sich bestimmten Ausländergruppen verschliesst, umso mehr nährt man die Chancenlosigkeit ihrer Nachkommen und damit auch wachsende Kriminalität in diesem Millieu. Diese rund 50% der Migranten(-kinder), die ohne Berufsabschluss bleiben, machen ja schliesslich auch was und nicht alle von ihnen drehen Warteschleifen in irgendwelchen Bildungseinrichtungen oder arbeiten als Ungelernte und es gibt allelei Möglichkeiten, gerade in den Vierteln, wo nicht mehr viele Deutsche leben, auf eine andere Weise sich das Geld zu verschaffen. Diese Kriminalität hat es zwar schon immer mal gegeben, aber wenn man lange genug in einem solchen Viertel lebt, dann merkt man wirklich, wie die Jugend zunehmend verrohrt, was einfach nur an den mangelnden Perspektiven liegt. Dabei sind in einigen Grossstädten diese Jugendlichen in der Mehrheit... und das ist eine sehr besorgniserregende Entwicklung, die eigentlich nur auf eine Radikalisierung der Verhältnisse zwischen den Deutschen und Ausländern hinausläuft.

Noch etwas: diese Hetze ist langsam nur noch unerträglich und als hier lebender Ausländer bekommt man schon oft ein sehr beängstigendes Gefühl, auch wenn man selbst nicht unbedingt zu der Zielgruppe der Angriffe gehört. Aber man hat genug Freunde, Nachbarn und Bekannte, die es betrifft und wenn man auch sieht mit welcher Strebsamkeit manche dieser Ausländer ihr Leben gestalten, trotz Hungerlöhne und Ausbeutung, dann tut es genauso weh, als würde es einen selbst betreffen. Sicher, es gibt auch politisch unkorrekte Themen und dazu gehört auch sicherlich das Problem der schlechten Integrierbarkeit und der Kriminalität mancher Ausländer, aber da muss man das Problem ganz anders aufsatteln. Dass das nicht gewollt ist, bekommt man schon zu spüren an der Art wie es angesprochen wird.

Mike 15. Oktober 2009 um 14:28  

Die umstrittenen Äußerungen Sarrazins beziehen sich vordergründig auf einen prozentual geringen Anteil von Ausländern, die sich nicht den Gepflogenheiten des deutschen Spießbürgertums und einer überkommenen Laubenpiepermentalität unterordnen möchten. Dies wird sowohl von der Milliardärspresse als auch von der Blogosphäre bis zum Abwinken breitgetreten.

Das ist aber nichts anderes als ein geschickt gesteuertes Ablenkungsmanöver! In Wirklichkeit geht es um die Frage, wie sich die sogenannte Leistungselite künftig gegen das wachsende Heer der Unterschicht schützen soll und welche Maßnahmen eingeleitet werden sollen, um diesen Schutz zu gewährleisten. Wer das ganze Interview mit Sarrazin gelesen hat und nicht nur die Textpassagen, in denen er über eine angeblich gescheiterte Integrationspolitik erzählt, wird sehr schnell feststellen, worauf seine Aussagen definitiv abzielen.

Zitat:

„Daneben hat sie einen Teil von Menschen, etwa zwanzig Prozent der Bevölkerung, die nicht ökonomisch gebraucht werden, zwanzig Prozent leben von Hartz IV und Transfereinkommen; bundesweit sind es nur acht bis zehn Prozent. Dieser Teil muß sich auswachsen.“

„Es gibt auch das Problem, daß vierzig Prozent aller Geburten in der Unterschicht stattfinden. Hier werden Trends verstärkt sichtbar, die ganz Deutschland belasten. So daß das Niveau an den Schulen kontinuierlich sinkt, anstatt zu steigen. In Berlin gibt es stärker als anderswo das Problem einer am normalen Wirtschaftskreislauf nicht teilnehmenden Unterschicht.“

„Wir haben in Berlin vierzig Prozent Unterschichtgeburten, und die füllen die Schulen und die Klassen, darunter viele Kinder von Alleinerziehenden. Wir müssen in der Familienpolitik völlig umstellen: weg von Geldleistungen, vor allem bei der Unterschicht.“

„Von diesen Strukturen müssen wir uns verabschieden. Man muß davon ausgehen, daß menschliche Begabung zu einem Teil sozial bedingt ist, zu einem anderen Teil jedoch erblich.“


Allet klärchen?

Anonym 15. Oktober 2009 um 17:32  

Ja, Migrantenkinder der dritten Generation sollen nach Meinung mancher Personen in ihre angebliche "Heimat" zurückkehren, wohingegen Menschen, die ein Milliardenvermögen in dritter Generation geerbt haben, als "Leistungsträger" bezeichnet werden.

Was meiner Meinung nach auch völlig unter den Tisch gekehrt wird, ist, dass es nicht nur arbeitslose Migranten gibt, sondern auch weiterhin sehr viele, die gerade die besonders ungeliebten Arbeiten verrichten (Gebäudereinigung als klassisches Beispiel). Ich bin zwar nicht dafür, Menschen generell nach ihrer "wirtschaftlichen Verwertbarkeit" zu beurteilen. Aber einerseits angebliches "Schmarotzertum" anzuprangern und gleichzeitig diesen Aspekt zu verschweigen, das macht die Sache noch erschreckender. Oder sehe ich das falsch?

Daisy

Anonym 15. Oktober 2009 um 18:27  

@Mike

Tja, was da hochkocht in TS Rede ist ja, dass er glaubt, den Menschen irgendwelche Karriere-Bescheinigungen aufgrund ihrer Herkunft ausstellen zu können. Doch leider geht dieses ganze Gerede an der einen großen Tatsache vorbei, die ich stets sehe: Seit vielen Jahren sind die Regierungen dabei, das Maß an Chancen zu reduzieren, das jedem Menschen zur Verfügung steht, um daraus zu schöpfen (sei es im Sinne von Selbstverwirklichung, Beruf, Selbständigkeit o.a.). Man hört von fehlenden Perspektiven, doch die sind in der Regel stark an Chancen gekoppelt. Wenn der Staat sich darauf verlegt, den ärmeren, leistungswilligen (und auf der Arbeit auch leistenden) aber der Bildung nicht so zugetanen Menschen ihre Chancen zur Selbstverwirklichung in der Gesellschaft zu nehmen, dann nehmen sie ihnen ihre Würde. Es geschieht eine Beschneidung von Chancen, eigentlich für jedermann. Selbst die Reichen haben nichts davon, dass es den Ärmeren dreckig geht, denn sie müssen sich in Folge dessen um bessere Sicherheitsvorkehrungen gegen die nachfolgende Kriminalität kümmern. Dabei glauben die, dass das alles billiger ist, als ein funktionierendes soziales System zu pflegen. Das ist ja gerade das *seelisch Arme* an der Situation. Nur gemeinsam -- also vertikal und horizontal -- funktioniert eine Gesellschaft. Ellenbogen sind keine Option.
Die Politiker reden immer nur von Perspektiven, aber nie vom Chancen schaffen. Wenn sie allen Menschen gleich gute Chancen geben, dann werden die Cleveren unter ihnen diese auch nutzen. Sowohl bei den Reichen wie bei den Armen gilt ja auch das Motto: Wer seine Chancen nicht nutzt, ist selber schuld. Aber dafür muss es eine Landschaft voll ausreichend brauchbarer Chancen geben. Die ARGEn sind ja gerade an vorderster Front und könnten diese kostbaren Chancen aufbauen und vermitteln, doch von ihnen kommen nur verwaltende Minimalaktivitäten. Und da sind wir bei dem Punkt angelangt, warum der ganze Scheiß überhaupt so läuft: Die Reichen wollen sich "konservativ" dessen sicher sein, dass sie auch morgen weiterhin an der Spitze sind. Unser Bildungsstand ist mittlerweile so hoch, dass sie sich davor fürchten, dass die schnellebige Zeit Ihnen eine Schnippchen schlägt und clevere Leute aus *allen* Schichten mit guten Ideen am Markt bestehen und als Neureiche an Ihnen vorbeiziehen und die Fäden in Zukunft in ihren Händen halten. Spitzenleute haben von der konservativen Ecke zu kommen, sonst sind sie nicht "offen" für die Steuerungsmechanismen des Establishments. Beispiel: Ein Lottogewinner und Elektronik-Ingenieur kommt zu Geld und binnen drei Jahren ist er an der Spitze der HiFI-Branche, weil er sich getraut hat, ein (trotzdem) günstiges Supergerät zu entwickeln, das noch nicht am Markt ist. Mit dem durchschnittlichen Mist, den man heute kaufen kann, böte sich das Füllen dieser Nische geradezu an. Und dieser Neureiche sagt dann seinen "Marktkollegen": Ihr könnt mich mal, ich mache mein Ding, es gibt keine Marktregulierung, nur Preiskampf. Hier rollen Köpfe und zwar die von den Unternehmern, die den Arsch nicht hochkriegen und nur auf Ihren altbackenen Produkten sitzen. Das wäre dann eine Revolution von "oben". Solch einem Newcomer mit Biss böte sich zwar viel Widerstand, aber auch eine Riesenchance: frischen Wind in die Kutten der ökonomen Griesgrame zu blasen. Das würde dann auch einige Karten neu mischen und wiederum neue Chancen schaffen. Jeder sollte eine Chance haben.

Anonym 15. Oktober 2009 um 19:00  

Diese Hetze gegen Alleinerziehende verstört mich übrigens auch nicht zu knapp. Warum werden denn Frauen alleinerziehend? Weil wirklich alle von ihnen egoistisch, böse und "selbstverwirklichungsbesessen" sind? Was ist mit Vätern, die prügeln oder mit einer Jüngeren abhauen? Werden deren Ex-Frauen und Kinder dadurch automatisch zu ärgerlichen Parasiten?

Ich habe den Eindruck, dass manche dieser "Leistungsträger" ihre abgelegten Gattinen tatsächlich ganz gerne in den Dreck entsorgen würden. Dass passt auch gut zur ausländerfeindlichen Hetze.

Daisy

blechtrommler 15. Oktober 2009 um 19:28  

Fiel jemandem ein Stein vom Herzen, als Sarrazins Boss den (sanft, aber unmissverständlich(?)) rügte? Dem war wohl auch nur rechtzeitig aufgefallen: über nichtproduktive Gewerbe, nochdazu mit dem Hinterton, damit dem Verfall des Systems beizutragen, bleibt man besser schön ruhig...

milejo 7. November 2009 um 22:21  

Aus Telepolis:

Der Hass auf Muslims hat sich in Deutschland wie eine Epidemie breitgemacht

Eren Güvercin 02.11.2009
Kay Sokolowsky über das "Feindbild Moslem", die Medien und die Hassprediger


Gerade hat der Prozess um den Mord an der Ägypterin Marwa El-Sherbini begonnen. Was lehrt uns dieser Mord über gesellschaftliche Konflikte in Deutschland?

Kay Sokolowsky: Dass sie in gewissen Fällen gern verharmlost werden. Dass in gewissen Fällen das Entsetzen vor einem Mord nicht so schwer wiegt wie die Sorge, der alltägliche, allgegenwärtige Rassismus in Deutschland könnte zur Sprache kommen. Viele dieser gewissen Fälle betreffen in jüngster Zeit vor allem das Verhältnis der alteingesessenen Deutschen zu Mitbürgern aus dem islamischen Kulturkreis.

Der Mann, der Marwa El-Sherbini erstochen hat, wurde laut Staatsanwaltschaft von blankem Has auf Muslime geleitet. Mit diesem Hass ist der Täter leider nicht allein. Es gibt sehr viele Menschen in Deutschland, die verstehen und sogar rechtfertigen, warum Alex W. eine schwangere Frau getötet und beinahe auch ihren Mann ums Leben gebracht hat, die diesen Messerstecher geradezu für einen Helden halten. Marwa El-Sherbini sei selbst schuld, heißt es dann, sie hätte ja auf ihre Anzeige gegen den Rassisten verzichten können. Sie habe ihn durch diese Anzeige ja überhaupt erst gereizt. Und was bilde so eine Fremde sich eigentlich ein, solch eine Kopftuchträgerin zumal?! So und noch viel schlimmer tönen User-Kommentare auf den muslimfeindlichen Websites. Diese grauenhafte Tat ist Ausdruck eines Hasses, der sich in Deutschland breitgemacht hat wie eine Epidemie. Doch über diesen Hass und über seine Verbreitung möchte man lieber nicht reden.
...
...
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/31/31419/1.html

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