Wo bin ich erwacht?

Freitag, 26. Juni 2009

Ich erwache in einen neuen Tag hinein, Radionachrichten umgarnen mich in morgendlicher Roheit. Lassen mich blinzeln, rätseln, fürchten.

Eine sonore Stimme gesteht, dass ein Zensurgesetz mit beschönigendem Namen verabschiedet wurde, schützt die Kinder, schützt jenen Teil der Bevölkerung, der sich durch freie Meinung einer Gegenöffentlichkeit womöglich verhunzen ließe – doch im zensierenden Kuba scheine ich nicht erwacht.
Sie meldet des Kriegsministers Standfestigkeit, jetzt erst recht weiterkämpfen, verschärfte Einsätze, es lebe die Uniform, hoch die toten Helden des Vaterlandes – aber ich werde nicht von der frühen Sonne des militaristischen Nordkorea gekitzelt.
Jetzt berichtet sie vom ewigen Plan, dem Militär polizeiliche Aufgaben antragen zu wollen, für Sicherheit und Freiheit, zum Schutze des Volkes, das Militär als Friedenskorps im Inneren – ist es iranische Luft, die meine Lungen völlt?
Schwer verständlich wirft die klangvolle Stimme mit wirren Wortfetzen um sich, zu überwachten Rechnern, Ortung von Mobiltelefonen, Kameraüberwachung, überwachte Arbeitnehmer prominenter Unternehmen, machtloses Datenschutzgesetz, sei dessen gewahr Bürger, du bist sicher – hat es mich am Ende in die Zeit des NKWD zurückgeschleudert, ins stalinistische Rußland?
Durchs Kopfkissen gedämpft wehen Sätze herüber, das Asylrecht als Sujet, Wohlstand schützen, Terroristen aussperren, die Kultur porentief rein halten, wir sind ja human in Auffang- und Sammellager, in denen die Flüchtlinge konzentriert werden, und natürlich darf geschossen werden – wieso zum Teufel bin ich im rassistischen Südafrika der Apartheid erwacht?
Irgendwelche Gecken bekommen ein Forum, in Einblendungen dürfen sie von Prioritätenlisten für Krankheiten und Geburtenkontrolle für untere Gesellschaftsschichten schwelgen, für eine Ausgewogenheit im Gesundheitswesen, für die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstaates, laßt doch die ökonomische Vernunft walten – ob nun SS-Uniformen an mir vorbeidefilieren, wenn ich nachher die Wohnung verlasse?
Das harmonische Organ macht den Vertrag von Lissabon zur morgendlichen Bettansprache, für die Zukunft Europas, für den Wohlstand im globalen Wettbewerb, ein weiterer Schritt Richtung zentralisierter Demokratie, ohne Volksbefragung, entschieden haben des Volkes Vertreter – eine Verfassung ohne Ja des Volkes? Vielleicht bin ich in der Willkürherrschaft des sudanesischen Staates erwacht.
Eine warnende Botschaft zum Ende, beim kommenden Gipfel wichtiger Nationen wird rigider gegen irrgewordene Demonstranten vorgegangen, Bilder aus Heiligendamm, Göteborg, Genua kommen spontan in den Sinn, es sei nötig, man dürfe sich von Verrückten nicht drangsalieren lassen, dazu dürfen Knüppel sprechen – Syrien? Ist es Syrien? Oder Libyen? Das berlusconische Italien?

Eines steht für mich an jenem Morgen fest, ich bin in einem Schurkenstaat erwacht. Nur wo, wo bin ich? Ich beschließe mich noch einmal umzudrehen, nochmal dahinzudämmern, von der US-Armee zu träumen, die diesem unbekannten Land die Demokratie und die Freiheit nachdrücklich ins Gewissen sprengen wird.

25 Kommentare:

Anonym 26. Juni 2009 um 11:57  

Lieber Roberto J. de Lapuente,

ich konzentriere mich mehr auf wirtschaftspolitische Themen, die uns alle bevormunden, und frage mich neuerdings auch: "Wo bin ich erwacht?" - In einer Wirtschaftsdiktatur, die via Anweisung von Ganz Oben denen Unten nun auch noch eine Mehrwertsteuererhöhung von 25%, und eine ersatzlose Streichung des ermäßigten Steuersatzes für Lebensmittel (Wieso eigentlich die Betonung "nur" auf diesen Punkt, der ermäßigte Steuersatz gilt ja auch für "geistige Nahrung"?).

Soll heißen, die Unter- und Mittelschichten in Deutschland sollen gefälligst verdummen und verhungern bzw. sich in Imperialkriegen, wie derzeit in Afghanistan und der Somalischen See, verheizen lassen.

Ich frage mich:

"Wo bleibt eigentlich jetzt der Generalstreik?", und lese auf deinem Blog weiter vom Alltagsneoliberalismus, der die Schafe noch ihren Wolf lobpreisen läßt, während der diese (Wahl-)Schafe schon auf's Schlachtfest nach der Wahl vorbereitet.

Ich würde gerne weiterschlafen, aber mir ist die Ruhe genommen, und ich bin echt ernsthaft am Überlegen ob ich ins nahe Ausland auswandere - auch weil ich als Nachdenkseiten-Leser gestern und heute wieder lesen durfte wie korrupt unser Land 2009 wirklich geworden ist.

Ich denke es ist sogar in Bananenstaaten mittlerweile besser als im Land der Steinbrück-, Steinmeier- und Merkelsteuer.

Mfg
Bildleser- und Neoliberalisten (=Faschisten=Nazis)hasser

fletcher2 26. Juni 2009 um 12:28  

Da die Wahrheit zu grausam ist..............! - Glauben wir lieber den Lügen. Drehen wir uns noch einmal um, leben den uns peinigenden Alptraum und hoffen auf ein Erwachen im Jenseits - im Jenseits der Lügen, im Jenseits von Repressionen und im Jenseits von Menschenverachtung.

Roberto J. De Lapuente 26. Juni 2009 um 15:46  

Zwischenansage des guten Menschen De Lapuente: Ich zensiere hier (dies wurde hier bereits erläutert, ich gebe mich also kubanisch), des amigo de los cubanos Plattheiten, seine Reiseberichte vom Paradies auf Erden, habe ich soeben zensiert. So gut ist der gute Mensch La Puente (so nennt mich der Kerl) also gar nicht. Nebenher sei erwähnt, dass ich Kuba als Spiegelbild benutzte, weil es auf der Liste der Schurkenstaaten steht - diese Liste habe nicht ich erstellt, sondern ich machte mich insofern über die Zustände in diesem Lande lustig, indem ich auf Länder verwies, die hier, zurecht oder nicht, in der Kritik stehen.

Ob ich selbst es so sehe oder nicht, blieb unerwähnt. Worauf aber hinzuweisen ist, ist beispielsweise die Behandlung der Homosexuellen, die unterdrückt, inhaftiert und kleingehalten wurden. Reinaldo Arenas berichtete nachhaltig davon. Der kubanischer Geist sei nicht homosexuell. Jede Gesellschaft, die kleiner ist als die Menschheit, ist mir zuwider - eine nationale Gesellschaft, kubanische Gesittung usw. sind daher kein Fortschritt, sondern Ausgeburt ausgekochter Dummheit. Die Abkehr Kubas von Martí, um sich hernach als Sowjetsatellit zu gebärden, ist als Fehler zu sehen und tragisch für das Land. Alles für das Martí stand, wird im real existierenden Kuba mit Füßen getreten.

Egal wie, es geht mir nicht um die Freiheit der Bourgeoisie, wie mir der Kubaner Freund unterstellte, obwohl ich auch dieser Freiheiten zugestehe. Denn Diktat gegen Diktat auszutauschen ist kein Geschäft, das ich bereit bin einzugehen. Aber was fruchtet es denn, einen autoritären Jungkommunisten mit liebevoller Nähe zum Genossen Stählernen belehren zu wollen?

klaus baum 26. Juni 2009 um 15:56  

sollte django wieder aktuell sein?

http://www.youtube.com/watch?v=wlBzUMUgwDE&feature=related

Anonym 26. Juni 2009 um 17:34  

@Roberto J. de Lapuente

Über solche Menschen würde ich mich gar nicht aufregen.

Übrigens, ich finde es schon seltsam, dass Castro zwar immer wieder als Negativ-Beispiel für die Zustände im heutigen Kuba genommen wird, aber dabei - gerade von solchen "Kuba-Freunden" totgeschwiegen wird, dass sein Amtsvorgänger, der Diktator Batista ein Faschist (auf dt. wohl ein verkappter Nazi-Diktator?) war.

Wieso wird dies immer noch totgeschwiegen? Warum?

Damit man mich nicht mißversteht, ich bin auch strikt gegen Castros Diktatur, aber sein Amtsvorgänger war ein brutaler Diktator und ein Faschist, d.h. evtl. sogar noch schlimmer als Castro.

Wieso sonst hat man eine Revolution in Kuba gewagt? Nur aus Lust und Laune heraus, wie uns ein neuer geschichts(ver-)fälschender Guevara-Film präsentieren will, doch wohl kaum? Oder?

Ähnlich seltsames Verhalten findet man bei Antikommunisten auch zu anderen Themen, und es ist gut, dass ein junges Mitglied der Linkspartei (Jan Korte, Jahrgang 1977) ein neues Buch zum Thema geschrieben hat mit der treffenden Aussage:

Man darf auch die herrschenden und vergangenen Diktaturen kommunistischer Prägung kritisieren, wenn man in der Linkspartei ist, gerade nach all den Fehlern die geschahen und geschehen.

Ein ähnliches Vorgehen von konservativer Seite, was den Kapitalismus angeht erwartet man wohl noch lange nicht.

Es wäre doch wirklich einmal interessant all die Zusammenhänge zwischen Faschismus und Kapitalismus zu lesen - seit es beide Systeme parallel zueinander gibt, und zwar aus z.B. dem Munde eines Guido Westerwelle oder einer Angela Merkel.

Oder? Ich weiß, es ist unrealistisch, die beharren - zur Bekämpfung einer angeblich "sektiererischen" Linkspartei - lieber auf der Guido-Knoppschen Geschichtslegende, dass Kapitalismus und Faschismus grundverschieden sein sollen.

Übrigens, auch Bilder aus der Geschichte sprechen eine verräterische Sprache - Hitler hat sich wohl mehr mit anderen faschistischen Diktatoren (z.B. Mussolini, Franco) getroffen als mit Sozialisten/Kommunisten (außerhalb von KZs, die die angeblichen Sozialisten Hitlers für Kommunisten/Sozialisten errichten ließen).

Mfg
Bildleser- und Neoliberalistenhasser

Anonym 26. Juni 2009 um 18:14  

"[...]Die Abkehr Kubas von Martí, um sich hernach als Sowjetsatellit zu gebärden, ist als Fehler zu sehen und tragisch für das Land. Alles für das Martí stand, wird im real existierenden Kuba mit Füßen getreten.[...]"

Sehe ich auch so, und geradezu tragisch finde ich, dass Castros Kuba eine Politik betreibt als gäbe es die Sowjetunion noch.

Castro sollte seinen Mitmenschen mehr Reise- und Pressefreiheit gewähren, insbesondere ins marktfundamentalistische Deutschland, und mal sehen ob die Anti-Kommunismusfreunde dann immer noch vom "real existierenden Kapitalismus" schwärmen, bei all dem Elend dass z.B. auch im Nachbarland USA grassiert.

Interessant fand ich übrigens auch eine Meldung, wonach nach dem Ende des "real existierenden Kommunismus" die Sterberate in Rußland bzw. den Ostblockstaaten, eben aufgrund Sozialabbau, in ungeahnte Größen aufgestiegen ist.

Dies kann man sicher auch im "Schwarzbuch Kapitalismus" von Robert Kurz nachlesen.

Oder?

Übrigens, ich halte nichts von der Verherrlichung des Kommunismus, aber man sollte auch den gescheiterten Kapitalismus als das begreifen was er - trotz Zombie-Status des mit Steuergeldern am Leben erhaltens - ist, menschenfeindlich und massentödlich.

Mfg
Bildleser- und Neoliberalistenhasser

PS: Die Geschichte muß erst noch geschrieben werden....ich weiß, und wundere mich daher nicht, dass es so ruhig ist - weltweit - und in dt. Landen. Die Frage ist eigentlich auch die: Was soll nun kommen nach dem Scheitern des "real existierenden Kommunismus staatssozialistischer Prägung" und dem "real existierenden Neoliberalismus der Reichenbereicherung"? Ein "Dritter Weg" ist seit dem Schröder/Blair-Papier auch mit Skepsis zu beachten.

Was wäre die Lösung? Weiß die jemand hier?

Roberto J. De Lapuente 26. Juni 2009 um 18:29  

Der Staatskapitalismus, den wir Kommunismus nennen, und sein Bruder, der westliche Kapitalismus mit liberalem Anstrich, sind als Brüder zu werten. Beide bauen auf gleiche Prämissen auf. Einer der Brüder ist tot, sagt man, es wird Zeit, seinen Bruder unter die Erde zu bringen. In der Hoffnung, die Zwillige waren keine Drillinge.

Anonym 26. Juni 2009 um 19:51  

"[...]In der Hoffnung, die Zwillige waren keine Drillinge.[...]"

Prinzip Hoffnung ;-)

Ich hoffe mit, lieber Roberto J. De Lapuente ;-)

Im Ernst, wenn ich so nachdenke drüber als jemand der beide Schwarzbücher, dass des Kommunismus und das des Kapitalismus, in Buchform, gelesen hat, können keine Neuauflagen von beiden Systemen wirklich die Lösung bringen.

Unsere Aufgabe ist es aber nicht, uns darüber den Kopf zu zerbrechen, sondern wir müssen - leider wohl - abwarten bis ein wirklich kluger Kopf (z.B. ein neuer Karl Marx) eine andere Lösung als beide Systeme vorschlägt.

Wieso eigentlich Marx?

Der gute alte Marx war mir mit folgendem Spruch sofort sympathischer als so mancher Staatskommunist/-kapitalist es gerne hätte:

"...Ich bin kein Marxist..."

So soll es Karl Marx einmal geäußert haben.

Ich verstand es so, dass Marx nie ein Betonkopf-Ideologie-Vertreter, wie eben Lenin & Konsorten (ich übertreibe vielleicht, aber Marx wäre vielleicht ja auch im Gulag gelandet, da er eben sogar seine eigene Meinung völlig unideologisch vertrat?) sowie Friedman/Hayek & Konsorten war.

Abwarten also hier auch meine Devise ;-)

Mfg
Bildleser und Neoliberalistenhasser

Robert Reich 26. Juni 2009 um 21:26  

Heissa, 92 mal werden wir noch wach und dann ist bestimmt kein Weihnachtstag! Und schlimm wird es, wenn wir uns noch mal rumdrehen und der böse Alptraum ist Wirklichkeit geworden. Abwarten hilft wohl am wenigsten.

Grüße von Robert

aebby 27. Juni 2009 um 08:42  

Grandioser Text - und völlig in der Realität verankert. Hier in unserem Lande bekommt das gleiche einfach einen anderen Namen ...

http://www.dradio.de/kulturnachrichten/200906261600/3

Anonym 27. Juni 2009 um 09:45  

Wie schrieb ich weiter unten, sogar von denen, die zur Nicht- bzw. Ungültigwahl sollte man skeptisch Distanz waren.

Nachdenkseiten hat herausgefunden warum - Punkt 1:

http://www.nachdenkseiten.de/?p=4021#h01

Sogar die NPD unterstützt die Parteienkritiker, weil die eben - mit dem Mittel der Nicht- bzw. Ungültigwahl das "dumme Wahlvieh" von der Demokratie in ein anderes System bringen wollen - genannt sind bei Menschen, die die
rechtsextreme NPD gerne zitiert:

Hans Herbert von Arnim und Gabor Steingart.

Einer ein bekennender Rechtskonservativer, der andere - Steingardt - ein bekennender Neoliberaler, der zur Nichtwahl aufruft, und - wie ich völlig richtig vermutete - zum Vorteil der "Eliten" in Deutschland.

Fazit:

Wir benötigen keine NSDAP mehr, die Nicht- bzw. Ungültigwähler werden von deren marktradikalen Nachfolgern, den neoliberalen "Eliten" umgarnt.

Kein Wunder also, dass die FDP die Europawahl gewonnen hat, bei der Unterstützung von Nicht- bzw. Ungültigwählern durch FDP-Anhänger wie Gabor Steingardt.

Ich bin mir fast sicher bei 100% Wahlbeteiligung, und Nicht- bzw. Ungültigwählern, welche statt dem "kleineren Übel" bzw. "dem Original des Sozialraubs FDP" andere Parteien wählen wäre die Europawahl anders ausgegangen.

Dies sollte man sich bei der Bundestagswahl als Nicht- bzw. Ungültigwähler merkeln, um nicht von den "falschen Freunden", den neoliberalen (FDPlern und Konsorten) ver.... zu werden.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Holsten 27. Juni 2009 um 13:46  

Auf der Seite von Welt Online, mit dem Thema "Union und FDP klettern in Umfrage auf 51 Prozent", wurden 56 Seiten an kritischen Kommentaren gelöscht.
Nebenbei wurde eine eigene Umfrage zur kommenden Bundestagswahl gestartet mit den Ergebnis: CDU 17%,SPD 7%,FDP 16%,Linke 26%,usw ..., ebenfalls gelöscht.
Verblieben sind nur noch fünf, der Welt Online, angenehme Kommentare.
Wenn es so auch mit der Bundestagswahl läuft, braucht sich hier wohl niemand mehr zu wundern.

http://www.welt.de/politik/article3987839/Union-und-FDP-klettern-in-Umfrage-auf-51-Prozent.html#vote_3913796

Michel 27. Juni 2009 um 14:07  

Tja, Auswandern wäre ja eine schöne Idee, doch wo ist es denn besser?
Nach und nach werden noch mehr Länder neoliberale Strukturen einführen, denn ich denke, kurzfristig sind diese durchaus effektiv im Sinne von profitorientiert. So kann man in einem Bildungssystem kräftig sparen, die Effekte wird man aber erst 10-15 Jahre später spüren, wenn die ersten inkompetenten Graduenten dieses kaputtgesparten Bildungssystems ins Arbeitsleben eintreten.

;-((((

In dieser Zeitspanne muss ein Land, das sein Bildungssystem kaputtspart, natürlich andere Länder, die diesem Kurs nicht explizit folgen bzw. aus strategischer Sicht gefährlich werden können, kaputt machen.
Siehe USA: Irak, Afghanistan, demnächst wohl auch Iran.

Ich stimme auch sehr dem ersten Posting zu (26.6. / 11:57).

Wir sind kein demokratisches Land mehr und "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" wird leider zunehmend angelsächsisch interpretiert:

Freiheit = die Freiheit, zu unterdrücken, wer immer sich unterdrücken lässt und natürlich auch Regierungen zu diesen Zwecken vor den eigenen Karren spannen

Gleichheit = hat angeblich nix mit Geld, Bildung oder soz. Status zu tun, wenn einer Kaviar und ein anderer Dreck frisst, ist das Gleichheit, denn beide fressen

Brüderlichkeit = der Bruder ist immer der nächste und der nächste ist man sich immer selber

Peinhard 27. Juni 2009 um 15:16  

Nun stürzt euch doch nicht schon wieder nur auf dieses 'Neo'... ;)

Der ganze Liberalismus, auch ohne 'Neo', war nie etwas anderes als die Freiheit der Wenigen, die ökonomisch 'unfrei' Gemachten - stets die Mehrheit - auszubeuten. Und das, was er an 'Freiheitlichkeiten' gewährt, steht und stand schon immer unter dem Vorbehalt der Nützlichkeit für diesen Prozess, zumindest aber darf es diesem keinesfalls schaden. Sobald das droht, werden und wurden schon immer die vorbehaltlich gewährten 'Rechte' eingeschränkt oder gleich ganz kassiert. Gerade wer das 'Schwarzbuch' gelesen hat, sollte doch die 'Ahnherren' und ihre Konstrukte von Hobbes über Bentham bis Malthus usw in ihren wesentlichen Ansätzen kennen...

Anonym 27. Juni 2009 um 17:37  

@Peinhard

"[...]Nun stürzt euch doch nicht schon wieder nur auf dieses 'Neo'... ;)[...]"

Willst du wieder mit Wortklaubereien von dem offenbar gescheiterten Zombie-Neoliberalismus ablenken?

"[...]Der ganze Liberalismus, auch ohne 'Neo', war nie etwas anderes als die Freiheit der Wenigen, die ökonomisch 'unfrei' Gemachten - stets die Mehrheit - auszubeuten.[...]"

Aha?

"[...]Und das, was er an 'Freiheitlichkeiten' gewährt, steht und stand schon immer unter dem Vorbehalt der Nützlichkeit für diesen Prozess, zumindest aber darf es diesem keinesfalls schaden. Sobald das droht, werden und wurden schon immer die vorbehaltlich gewährten 'Rechte' eingeschränkt oder gleich ganz kassiert. Gerade wer das 'Schwarzbuch' gelesen hat, sollte doch die 'Ahnherren' und ihre Konstrukte von Hobbes über Bentham bis Malthus usw in ihren wesentlichen Ansätzen kennen...[...]"

Danke für den nützlichen Hinweis, und die Belehrung ;-)

Ist übrigens schon einige Zeit her, dass ich beide Schwarzbücher, dass von Robert Kurz, und dass des Ex-Kommunisten bzw. Maoisten Stephane Courtois
gelesen habe - Vielleicht hole ich es mal nach deinen Hinweisen nach ;-)

Übrigens finde ich es schon lustig, wenn es nicht so traurig wäre, dass die schlimmsten KritikerInnen einer Ideologie einst zu den überzeugtesten Vertretern dieser gezählt haben sollen - ist im Religionsbereich nicht anders als bei weltlichen Ideologien, die keine sein wollen (eben dem Neoliberalismus).

Kritisiert nicht der Magnat Soros bereits den - auch nach seinen Worten - gescheiterten Neoliberalismus? Bekommt hier meine These nicht wieder eine erneute Bestätigung? Übrigens, ich meine mit dem obigen Beispiel nicht Pseudo-Kritiker wie Prof. Dr. (Un-)Sinn sondern rede hier einem echten Sinneswandel das Wort, als Beispiel sei hier mal aus dem Religionsbereich der kath. Mönch Martin Luther genannt, der zu den schlimmsten KritikerInnen des Papsttums wurde, damit klarer wird worauf ich hinauswill ;-)

Mfg
Bildleser- und Neoliberalistenhasser

Anonym 27. Juni 2009 um 19:02  

Mal 'ne dummblöde Frage:

Liegt es nicht auch an der medialen Überfütterung, dass keine Proteststimmung in Deutschland aufkommen will?

Die jagen ja jeden Tag eine neue Sau durch's Dorf, um die Mehrheitsbevölkerung ruhig zu halten und zu verdummen....

Fazit:

Wir benötigen keine Zensur (weder im Internet noch sonstwo), dass Überfressen an medialen Ereignissen reicht völlig, um auch geistig aus uns hier dicke, verfettete Nichtdenker zu machen.

Beispiel gefällig? Macht mal die TV-Kisten an - Dort läuft schon seit 2 Tagen ein überbordendes berichten über Michael Jacksons Tod - alles andere ist daneben zweitrangig, sogar in den Öffentlich-Rechtlichen.

Man glaubt es kaum, aber so sieht es aus :-( ;-)

Mfg
Bildleser- und Neoliberalistenhasser

Anonym 27. Juni 2009 um 19:04  

Bildblog meint dazu:

http://www.bildblog.de/9016/das-mediale-sterben-des-michael-jackson

Wäre ich zynisch, dann ist dies der beste Beweis für meine Thesen, dass "jeden Tag medial..."

Mfg
Bildleser- und Neoliberalistenhasser

Peinhard 28. Juni 2009 um 11:59  

"Willst du wieder mit Wortklaubereien von dem offenbar gescheiterten Zombie-Neoliberalismus ablenken?"

Klar - das wird es sein... :rolleyes:

Anonym 28. Juni 2009 um 12:56  

Moin,
beim Thema Schurkenstaaten sollte man nicht vergessen, dass diese aus dem Idealglauben einer sozialistisch-kommunistischen Ideologie heraus entstanden sind und das durch Kampf. Entsprechend hoch ist das Schutzbedürfnis des Nachbarn der USA, auch wenn die Medien den Spieß gern umdrehen. Aus persönlichen Gesprächen mit früheren Volkspolizisten und Stasi-Offizieren ist mir erstmal bewußt geworden wieviel westliche Geheimdienste durch die DDR marschiert sind, mit entsprechgenden Aktivitäten. Ich bin mir sicher das stand nicht in der s.g. "freien Presse". Der Angriff auf Kuba dürfte da ganz anschaulich sein. Das Kuba gerade nach dem Zusammenbruch der UdSSR ein hohes Verteidigungspotenzial glaubt zu benötigen leuchtet mir ein - man beachte die Propaganda der westlichen Presse vor den Irak-Kriegen. Der Silberzungenteufel sagt oft anderes als er mit den Händen tut. Ich habe vor ca. 20 Jahren mit vielen Kubanern zusammengearbeitet, nach der Kehre wollten viele hier bleiben, das hatte aber rein wirtschaftliche Gründe, keiner hat über Einengung und Unmenschlichkeit seiner Heimat geklagt. Die Nicht verheirateten (mit einer Deutschen) wurden vom freien Deutschland alle abgeschoben.
Ich will die Negativeigenschaften solcher wehrhaften, zentralisierten Volksrepubliken nicht schön reden, aber man muss vielleicht die Gründe für manches (undemokratische) Verhalten auch im Ausland suchen. Nach den letzten Attacken gegen den Iran unter Präs. Bush kann man den Wunsch nach einer Atombombe nicht entschulden aber verstehen. Seit dem Besitz dieser ist keine fremde Armee in Pakistan einmarschiert !

MfG
Hans

Roberto J. De Lapuente 28. Juni 2009 um 13:05  

Lieber Hans, dem letzten Absatz Deiner Ausführungen pflichte ich voll bei. Es ist richtig, es gibt Gründe. Gleichwohl bleiben sie undemokratisch bzw. unfrei - Demokratie ist ein überschätztes Wort, man sollte es nicht überstrapazieren.

Den Freund der Kubaner habe ich auch nicht deswegen zensiert. Aber wenn jemand der Speichel aus dem Mund tropft, weil er das Wort Kuba gelesen hat, dann meint, er müsse alles schönreden, dann ist das offensichtliche Dummheit. Ich habe vor Wochen schon ausgeführt, dass ich zensiere, wenn die Dummheit um sich greift. Dieser Kerl klassifiziert sich genauso dumm, wie es neoliberale Hetzer tun. Bekennende Kommunisten, jener ist einer, sind die Dummheit von der anderen Seite, Brüder der Kapitalismusgurus nicht im Geiste, aber Brüder in der Tat.

Vieles davon ist erklärbar, Vieles auch nicht. Verhaltenskodizes zu verabschieden, die z.B. die Homosexualität als eines Kubaners unwürdiges Verhalten geißeln, sind nur schwer erklärbar und kleinkariertes Kleinbürgertum in politische Formen gegossen.

Außerdem sei erläutert, dass ich meinen Text nicht mit der Absicht schrieb, Kuba zu analysieren... ich griff auf, was hierzulande als Schurkenstaat bezeichnet wird. Denn im Grunde unterscheidet sich der sogenannte Schurkenstaat nicht von der freiheitlich-demokratischen Grundordnung unseres Landes...

Anonym 28. Juni 2009 um 13:16  

Lieber Roberto,
ich bezog mich mit der kleinen Analyse nicht so sehr auf Deine Einschätzung zu s.g. Schurkenstaaten. Unmenschlich, ausgrenzend muß man benennen ob im Sozialismus, Kapitalismus oder Apfelmus - da hast Du hundertprozentig Recht !
Ich lese seit einiger Zeit mit vorliebe Deine Seiten, weil Du zensierst und dazu stehst. Unmenschliche Kommentare, persönlich verletzende und gewaltverherrlichende und diskriminierende Anschauungen sollte man zensieren, zumindest entsprechend kommentieren. Das ist einer der Trugschlüsse der s.g. freiheitlichen Presse. Nicht jeder Auswurf eines V.I.P.'s ist es wert den Menschen in der Morgenzeitung angetan zu werden.
Unhöflicherweise habe ich bisher den Blog nicht gelobt, was ich hiermit mal ausdrücklich und ernstgemeint machen möchte.
Ich hoffe solche Lektüre ist uns noch eine Weile gestattet (mit oder ohne ZensUrsula).

MfG
der Hans

Anonym 28. Juni 2009 um 14:31  

@Peinhard

Na denn.... auch... :rolleyes:

Mfg
Bildleser- und Neoliberalenhasser

Anonym 28. Juni 2009 um 14:42  

@Roberto J. de Lapuente

"[...]Außerdem sei erläutert, dass ich meinen Text nicht mit der Absicht schrieb, Kuba zu analysieren... ich griff auf, was hierzulande als Schurkenstaat bezeichnet wird. Denn im Grunde unterscheidet sich der sogenannte Schurkenstaat nicht von der freiheitlich-demokratischen Grundordnung unseres Landes...[...]"

Danke für den Hinweis, als Starwars-Fan kommt mir die Sache mit der "Macht, die mit dir" ist in den Sinn....

Wer die Macht hat, der bestimmt was Gut und Böse ist.

Bei uns haben die Neoliberalen die Macht - bzw. meinen die zu haben - ergo ist alles andere des Bösen.

Lustig fand ich als Maggy Merkel (Heiner Flassbeck prägte diesen süßen Begriff für Angela Merkel als bekennender Fan von Maggy Thatcher) von Putin beim G8-Gipfel in Heiligendamm zurechtgewiesen wurde, weil die eben die Demonstranten genauso unterdrückte wie Putin selbst es nicht besser machen könnte in seiner Pseudo-Demokratie namens Rußland.

Heißt es nicht:

"Gleich und gleich gesellt sich gerne?"

Was du über Kommunisten schreibst:

"[...]Bekennende Kommunisten, jener ist einer, sind die Dummheit von der anderen Seite, Brüder der Kapitalismusgurus nicht im Geiste, aber Brüder in der Tat.[...]"

...teile ich nicht komplett, aber lustig finde ich, dass deine Beschreibung 1:1 auch auf "Bekennende Kapitalisten" paßt.

Man sollte wirklich einmal erwägen etwas über Vertreter von Weltanschauungen (=Ideologien) als Vergleich zu schreiben. Die Verhaltensweisen der Fanatiker, egal ob die nun Kommunisten, Kapitalisten, Islamisten, Antisemiten etc. sind wohl - nicht auf die Inhalte der Ideologie bezogen, aber auf deren Verteidigung bzw. Umsetzung - überall 1:1 übertragbar.

Man sollte vielleicht nicht einzelnen Ideologien den Kampf ansagen, sondern deren radikalsten Verbalvertretern? Oder? Die Ähnlichkeiten sind wirklich frappierend...egal ob nun Kapitalismus oder Kommunismus oder sonstwie....

Übrigens, da der Kapitalismus eine Ideologie ist, die dem ständigen Wachstum - über alle Hürden hinweg - das Wort redet gehört der entschieden bekämpft - Oder wollen wir in 50 Jahren auf einem toten Planeten leben?

Ich habe vor kurzem den Film "Home" gesehen, und der hat mir die Augen geöffnet - Der Kommunismus ist tot, aber der "real existierende globale Kapitalismus" könnte zum Ende der Menschheit führen.

Obwohl? Vielleicht ist es sogar gut, wenn die "Naturkatastrophe Mensch" (Zitat der Philosoph Wuketits über uns Menschen) vom Planeten Erde verschwindet? Die dreht sich auch - ohne uns - weiter im All.

Mfg
Bildleser- und Neoliberalen- bzw. Fanatikerhasser

romano 29. Juni 2009 um 12:24  

Wo wachen wir auf?
Im Traum. Jede Welt ist Traum. Wenn wir uns in der Welt nicht mehr finden, ist dies ein gutes Zeichen! Wir kommen damit in die Nähe der Wirklichkeit. Nur merken wir es zunächst nicht, weil sie uns die Kehrseite der Welt vorhält. Und die erkennen wir nicht mehr, weil wir ihre Vorderseite erwarten. Also taumeln wir, suchen feste Punkte zur Orientierung, finden sie nirgends und landen in der Negation der "Welt". Wir sind mit ihr nicht mehr einverstanden. Wir leben schon auf dem Zug in eine andere Richtung, den wir noch nicht ausbuchstabieren können, der uns aber in die Buchstaben der Kritik treibt. Wir müssen es durcharbeiten.

Anonym 29. Juni 2009 um 21:51  

So eben entdeckt - Prof. Dr. Sinn und Sahra Wagenknecht bei der ZEIT im Interview über "Das System war faul".

Kleiner Hinweis:

Frau Wagenknecht ist tausendmal seriöser als der Dampfschw.... Prof. Dr. Sinn, aber lest das Interview selbst:

http://www.zeit.de/2009/27/Streitgespraech-Sinn-Wagenknecht?page=4

...und so ein Prof. Dr. nennt sich seriös??????

Wenn ich gemein wäre könnte ich sagen, der ist genau richtig für die Stammtischpolitiker, die viel schwätzen, aber keine Ahnung von Wirtschaft (Volks-) haben.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

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