Ich lese - also spinn' ich?

Donnerstag, 5. März 2009

Noch vierzig Minuten bis zum Antritt meines Termins. Ein verfrühtes Erscheinen, welches eingeplant war. Freie Zeit, die ich kostbar zu nutzen gedenke, indem ich das Büchlein, welches ich mir vorsorglich in die Jackentasche steckte, zur Hand nehme. So stehe ich nun da, angelehnt an eine Mauer, die ein privates Grundstück einrahmt, nicht lungernd, sondern mich leicht abstützend. Leonardo Boff, um den es in dem kleinen Traktat geht, fesselt meine Aufmerksamkeit; seine Befreiungstheologie kann auch mir, dem immer zweifelnden Atheisten, der Menschen ob ihrer selbstgefälligen Gottgläubigkeit schon mal beneidet, ein Quell der Inspiration sein. Da wagte es Boff, wagten es auch andere südamerikanische Theologen und Kleriker, das theologische Dahinsiechen hinter Kathedern in die Welt zu holen; in eine Welt, in der es Unterdrückung und Ausbeutung gibt; eine Welt, deren Kinder befreit werden müssen von diesem Joch – womit der Theologe zum Befreiungstheologen zu werden habe. Und die Repressionen seitens Rom, das Unterbinden dieser ach so ketzerischen Theologie – all das fesselt mich in diesem Moment. Ich bin versunken, aber durchaus nicht in Trance, verfolge mit einem halben Auge auch das Geschehen um mich herum.

Dies Geschehen ist wenig ereignisreich, weil meine Lesestunde unter freiem Himmel in einem Stadtteil gegeben wird, der hier, an dieser Stelle, zwar viel Verkehr, aber wenig Fußgänger zu bieten hat. Autos und Motorräder haben mich seit jeher nicht interessiert, ziehen meine Aufmerksamkeit also auch nicht auf sich. Bis zu jenem Moment, da ein Auto direkt neben mir anhält, seinen Parkplatz genau an meiner Seite gefunden hat. Die Aussteigenden, eine junge Frau und ein junger Mann, mustern mich rätselnd. Er nickt mir zu, wirkt aber ernst, beinahe ein wenig feindselig. Sie nimmt mich, so scheint es, unter der Last ihrer Einkäufe nicht wahr. Beide betreten das benachbarte Wohnhaus, er wirft mir einen letzten, diesmal offensichtlich bösartigen Blick zu, verschwindet dann in den Tiefen der Bruchbude. Was an einem wartenden Menschen sonderbar ist, frage ich mich und vergesse mir eine Antwort zu geben, um weiter Boffs Leben zu folgen.

Es vergehen keine zwei Minuten, zwischenzeitlich rückte ich einige Zeilen vor, las einige Sätze zu Boffs Austritt aus dem Franziskanerorden. Da fährt erneut ein Fahrzeug vor, um in meiner unmittelbaren Nähe zu parken. Diesmal entsteigt ein älteres Ehepaar – jedenfalls halte ich sie für Eheleute. Wieder dieses Anstarren, welches mir nur gewahr wird, weil ich einen erlesenen Gedanken, mittels abschweifendem Blick in die Ferne, erfassen will. Mir scheint, er möchte fragen, was ich hier tue, was mir einfällt, am hellichten Tage zu Lesen. Doch er wagt es nicht. Sie entleeren ihren Kofferraum, betrachten mich aber derart plump, dass es mir schon fast Freude bereitet. Langsam watscheln sie in das gleiche Haus, wie die jungen Menschen von vorhin. Er fixiert mich immer noch, ein freundlicher Blick sähe anders aus. Ich grüße zögernd, etwas verlegen; er erwidert – oder doch nicht? Vielleicht war es auch ein unterdrücktes Husten. Nachdem die beiden älteren Herrschaften im baufällig wirkenden Obdach verschwunden sind, nestele ich an meiner Hose. Der Reißverschluß ist jedenfalls zu, daran kann es also nicht liegen.

Boff ist noch aufgeschlagen, ich lese darin aber nicht mehr. Was ist nur los, dass jemand, der in aller Öffentlichkeit ein Buch liest, von seinen Mitmenschen angestarrt wird, als wäre er nicht von dieser Welt? In diesem Moment flankiert mich ein Fußgänger. Auch er blickt ungläubig drein, dreht sich sogar noch einmal um, scheint sich ob meiner lesenden Gegenwart – lesend ja nicht mehr, aber mit offenem Buch dastehend, was er freilich nicht weiß – zu wundern. Hält man mich für einen Terroristen? Bin ich suspekt, weil ich tue, was man öffentlich nicht mehr tut? Es ist gerade so, als wäre das öffentliche Lesen eines Buches etwas, was diese Menschen peinlich berührt, weswegen sie mit dieser offensichtlichen Sonderbarkeit reagieren. Würde ich an diese Mauer gelehnt stehen, mein Mobiltelefon benutzen, um den Fernzünder einer Bombe zu justieren, würde ich einen Taschencomputer nutzen, um eine von mir vorher installierte Bombe zur Zündung zu bringen, man würde mich sicherlich nicht in dieser Weise begutachten. Wer elektronischen Tand öffentlich bedient ist nicht suspekt, auch wenn er damit ganze Wohnviertel in Asche verwandeln könnte; aber wer Papier in Händen hält, dieses antiquierte Mittel der Informationsvermittlung, der muß wirklich gestrig sein, ein Extremist, der immer noch an Dingen festhält, die eigentlich schon längst vergangen sind.

Vielleicht hält man mich für einen Terroristen, zumindest aber für einen Kriminellen, der hier schlecht kaschiert, mit einer fadenscheinigen Buchattrappe, Schmiere steht, Selbstmordattentäter instruiert oder, immerhin bin ich unrasiert und mute ein wenig moslemisch an, selbst einer ist. Womöglich halten sie meinen zugegeben nicht sehr schlanken Bauch, der sich unter der Jacke abzeichnet, sogar für einen Sprengstoffgürtel – wäre ich nur ein wenig eitler, ich würde mich köstlich über meine explodierenden Pfunde amüsieren. Was läuft da nur fehl in einer Gesellschaft, in der man beim öffentlichen Lesen entweder als suspekte Gestalt oder als hochgradig intellektuell eingestuft wird? Erlebt habe ich das schon oft, denn immer, wenn ich erahne, im Laufe des Tages auch nur fünf Minuten Zeit zu haben, packe ich mir ein Buch ein. Als der Supermarkt in unserer Straße noch spätere Öffnungszeiten hatte, las ich oft noch ein Weilchen vor der Öffnung – auch immer begutachtet von allerlei seltsamen Gestalten, die mich aber offensichtlich für noch viel seltsamer hielten.

Wenn Menschen öffentlich über ihre oft kruden Vorstellungen von Sexualität sprechen, wenn jemand öffentlich telefoniert, dabei sein ganzes Umfeld am Gespräch teilhaben läßt, wenn junge Teenagermädchen halbnackt auf die Straße gehen, dann ist das Normalität. Aber lies in der Öffentlichkeit und du bist potenziell sonderbar, vielleicht deutet man es gar als Extremismus. Wenn man besonders gnädig ist, gewährt man dir den Status des Intellektuellen, bevor man dich mit Blicken tötet, so wie man es immer und überall mit solchen tat, die nicht willig der Stumpfheit der Masse folgten. Was sich hier sichtbar abzeichnet ist ein Paradigmenwechsel, der ja schon vor längerer Zeit einsetzte. Lesen als Synonym für Bildung ist etwas, was die Menschen dieser ökonomisierten Gesellschaft, als unnützen Zeitvertreib abtun. Ein Lesender kann daher vieles sein, vorallem aber ist er jemand, der seine Zeit nutzlos vergeudet – und wenn er viel liest, dann vergeudet er nicht nur ein wenig Zeit, sondern sein ganzes Leben, ist damit selbst zum unnützen Zeitgenossen geworden, weil er immer und überall Zeit verplempert. Im Gegensatz dazu ist ein Mobiltelefon, welches man heute ja ersatzweise öffentlich benutzt, darauf herumtippt, spielt, Fotos macht, eine innovative Einrichtung im alltäglichen Leben des nutzvollen Menschen. Damit ist er, jedenfalls theoretisch, immer erreichbar, kann nutzvolle Informationen in Sekundenschnelle erhalten. Während das Buch totes Wissen ist, weil es gedruckte, für die Ewigkeit fixierte Buchstaben enthält, ist das Handy lebendiges Wissen – kein Wissen in dem Sinne, aber doch Information, die schnell verwertbar ist, weswegen man flexibel und mobil darauf reagieren kann.

Der Lesende ist Ausdruck eines antiquierten Denkens, er folgt nicht kritiklos den dumpfen Mechanismen des Alltages, weil er innerhalb seiner Lesewelten andere Sichtweisen erhält. Freilich nicht alle Lesenden, den genug Schund- und Trivialliteratur ermöglichen kaum Ausblicke über den eigenen Tellerrand, aber auch solche Lesenden werden in einen Topf mit dem „gefährlichen Leser“ geschmissen. Was hervorschimmert aus dieser offensichtlichen Aversion gegen den Lesenden, ist die seit jeher in Massenbewegungen manifestierte Ablehnung des Intellektualismus, das Ablehnen solcher Menschen, die sich freiwillig bilden. Denn Bildung wird in dieser Gesellschaft vorallem als eines begriffen: als notwendiges Übel, welchem man sich schulisch unterwerfen muß. Kein Mensch, so ist man sich einig, würde sich freiwillig der Bildungslangeweile aussetzen. Wer es doch tut, der kann nicht ganz normal sein; wer es doch tut, der wird pathologisiert. Und je mehr man die Menschen der westlichen Gesellschaft diesem Gebräu aus Rentabilitäts- und Profitdenken, Reduzierung des Lebens auf ökonomische Faktoren und verblödender und konditionierender Unterhaltung aussetzt, desto feindseliger wird die Stimmung gegen solche, die dieses Denken nicht haben, die wider dem öffentlichen Anspruch, nicht Mobiltelefone bedienen, sondern Bücher lesen. Das erklärt auch die paradoxe Haltung, wonach ein öffentlich Lesender terroristischer anmutet, als jemand, der per Mobiltelefon Fernzündungen starten kann - und da sage noch einer, Papier sei nicht gefährlich...

29 Kommentare:

Anonym 5. März 2009 um 10:52  

lieber roberto.
ich mußte doch sehr schmunzeln, während ich dies gelesen habe.
weil ich diese situation immer und immer wieder erlebe.
erst gestern wieder. "draussen" hat man halt nur zu sein, um einen zweck zu erfüllen, einen zweck, der ein ziel hat, der einen "sinn" hat (zur arbeit gehen, konsumieren), selbst das "spazieren gehen" am sonntag hat einen zweck;man schaut sich die schaufenster der geschlossenen geschäfte an und überlegt sich, was am nächsten tag gekauft werden kann.
wer, wie du, irgendwo liest, macht sich strafbar in den köpfen dieser , ja wie soll man sie nennen?, mitbürger, die in allem,. was ihrem kleinen beschränktem weltbild keinen platz hat, einen feind sehen, der sie bedroht. bücher sind waffen:-)
mich erinnert das an düstere zeiten. nur mit dem unterschied, das diese düsteren zeiten schon eingetreten sind.
wenn du hier in hamburg in einem "besseren" viertel an einer wand lehnst, kommt nach 2 minuten die polizei.
ich lese deinen blog sehr gerne. mach weiter so.

Margita 5. März 2009 um 11:32  

Lieber Roberto,

gute Analyse, ein ähnliches Erlebnis hatte ich vor einigen Tagen. Ich brauchte einen Arzttermin und die Sprechstundenhilfe sagte mir, dass es eventuell zu einer Wartezeit kommen könnte. Auf meine Reaktion, dass ich darauf vorbereitet wäre und deshalb ein Buch dabei hätte, entgegnete sie mir, das wäre nicht nötig, Lesestoff stehe mir im Wartezimmer zur Verfügung.

Nun ja, sie meinte es sicher gut und wollte mir die Mühe ersparen ein Buch mitschleppen zu müssen. Dass dies aber für mich keine Mühe sondern ein Bedürfnis ist und ich bei der Auswahl meiner Handtaschen darauf achte, dass auch ein umfangreicheres Buch darin Platz findet, konnte sie ja nicht wissen.

Ich für meinen Teil glaube ja, dass die Ursache für derartiges Benehmen in der Gedankenlosigkeit liegt.

Im Blog von Persiana 451, habe ich folgende Definition gefunden:

"Kann ich zwischen dem was ich gelernt habe, einen Bezug herstellen? Und er meint vor allem: einen Bezug zu mir selbst, zu meinen Gefühlen, zu meiner Person, zu meinem Rechtsempfinden, und vor allem meinem Verantwortungsbewusstsein. Und was dieses Verständnis von Bildung betrifft, hat der Autor des Buches meiner Meinung nach den Nagel voll auf den Kopf getroffen. Diesen Aspekt hatte ich bisher nirgends so klar ausformuliert vorgefunden."

Nachzulesen unter "Wissen, Bildung und Krieg" auf genanntem Blog.

Für Heute liebe Grüße
Margitta Lamers

Anonym 5. März 2009 um 11:34  

"[...]Noch vierzig Minuten bis zum Antritt meines Termins. Ein verfrühtes Erscheinen, welches eingeplant war. Freie Zeit, die ich kostbar zu nutzen gedenke, indem ich das Büchlein, welches ich mir vorsorglich in die Jackentasche steckte, zur Hand nehme. So stehe ich nun da, angelehnt an eine Mauer, die ein privates Grundstück einrahmt, nicht lungernd, sondern mich leicht abstützend.[...]"

Hier irrst du vielleicht. Ich lungerte auch schon einmal vor einem Termin bei einem Arzt - noch in der Vor-HartzIV-Ära herum, und schon damals gab es Menschen, die jemanden auf der Parkbank in der Hauptstraße schief angesehen haben. Einer davon war ein ehemaliger Schulkamerad von mir, der, wie ich am nächsten Tag von ihm selbst erfuhr, dort mit dem Auto vorbeifur, während ich ihn nicht bemerkte. Er meinte nur: "Hast du keine Arbeit, dass du am hellichten Tag herumhängst!"

Ich sagte nur, dass ich die Zeit bis zu einem Termin beim Arzt überbrückt habe, da war die Sache gegessen.

Mein Fazit damals:

Lungere nicht öffentlich auf einer Parkbank herum, da dich sonst jeder, auch ein ehemaliger Schulkamerad, für einen hoffnungslosen Fall von Arbeitslosen hält.

Wie gesagt, dies war noch in der Vor-HartzIV-Ära.

Mittlerweile dürfte es schlimmer geworden sein.

An deiner Stelle hätte ich die Menschen höflich danach gefragt, warum die schief gucken.

Ich denke es liegt am oben von mir erwähnten Punkt.

Nicht dein Lesen hat die gestört sondern dein rumhängen am hellichten Tag in Zeiten des Arbeitslosen-Bashings von HartzIV ;-)

Die Menschen wissen ja nicht, dass du evtl. kein Arbeitsloser bist, aber die halten dich dafür - dein Stichwort "unrasiert"....

Wer denkt da nicht an den Beckschen Enrico Frank: "Wasch dich, und rasier dich, dann hast du einen Job!"

Ich halte diese Tendenz für ebenso schlimm, wie die von dir beschriebene uralte, typisch deutsche Intellektuellenfeindlichkeit gegenüber Bücher lesenden, und überhaupt blitzgescheiten, Menschen.

Buchtipp von mir dazu:

"Die verblödete Republik" von Thomas Wieczorek

...nett fand ich dort vor allem die Erklärung des Autors, dass das Wort "Idiot" aus dem latein. stammt und dort Menschen bezeichnet, die sich nur für ihr Privatleben interessieren, und ansonsten weder für politische, wirtschaftliche und mediale Ereignisse: "Idioten" eben.

Eine Spezies, die sich in Deutschland immer mehr verbreitet, wenn es nach dem Autor von "Die verblödete Republik" geht.

Also mach dir nichts draus, ist halt so....leider :-(

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Markus Kolbeck 5. März 2009 um 11:45  

Ich habe deinen Beitrag in meinen Notizen bekannt gemacht.

klaus baum 5. März 2009 um 11:52  

In der Pariser Metro würdest Du mit einem Buch nicht auffallen und - wer liest schon im Stehen?

epikur 5. März 2009 um 13:51  

Wie wahr. Ich erlebe das auch immer wieder in Berlin.

Am besten Freitag oder Samstag Abend, wenn alle vom sinnlosen saufen und Party machen nachhause fahren - ich lese mein Buch und werde schief angeguckt. Frei nach dem Motto: wie kann man -freiwillig - am Wochenende wo sich alle dem sinnfreien Vergnügen hingeben, sich bilden? Ein Buch lesen? Unglaublich, der muss ja nen Schaden haben.

Unglaublich ist eher, dass Bücher lesen schon sowas "Exotisches" ind er Öffentlichkeit geworden ist. Die immer größer werdende Abneigung gegen alles (vermeintlich) Intellektuelle hinterlässt bei mir ein schlechtes Magengefühl.

Anonym 5. März 2009 um 14:28  

@epikur

Ich schließe mich dir, und Roberto, gerne an, aber die "Intellektuellenfeindlichkeit" ist in Deutschland keine neue Tradition.

Die ist uralt und hat nichts mit unserer "modernen Industriegesellschaft" zu tun.

Schon zu Kaiser Willhelms Zeiten wurde den Intellektuellen nichts gutes nachgesagt, dann kam die Weimarer Republik und hinterher die totalitäre, und überaus intellekuellenfeindliche Hitler-Dikatur. In Westdeutschland weiß ich es nicht, aber in der Ex-DDR wurde man ja auch schief angesehen, wenn man Bücher - westdeutscher und freier - Autoren las.

Eben - so traurig es ist - Bildung wird nicht bei allen Deutschen erwünscht, die Unterschichten sollen arbeiten, die Mittelschicht ebenso nur die Oberschicht und die selbsternannte "Elite" in Deutschland, die darf Muße und Bildung frönen.

Eine moderne Feudalgesellschaft in HartzIV-Zeiten eben.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 5. März 2009 um 14:42  

Das lesen übrigens brandgefährlich, ebenso wie intellektuell, sein dürfte, dass zeigt ja der Bush-Clan mit seinem "Patriot Act" - In den USA wurden dort sogar Buchhändler dazu verdonnert, die Leser anzuzeigen, wenn die Bush-kritische, und ergo staatsfeindliche, Literatur bestellt und gelesen haben.

Soweit sind wir (noch) nicht, und werden es wohl - dank Obama - nie kommen.

Obamas Regierungsmannschaft wurde übrigens von US-RepublikanerInnen als "Regierung von Intellektuellen" verunglimpft - im Wahlkampf. Wieder so eine Parallele zu Deutschland, die bei George W. Bush mehr als auffällig durchstach....

Dank Obama dürfte damit wohl Schluß sein? Hoffentlich nicht nur in den USA, sondern auch hier bei uns....

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 5. März 2009 um 16:13  

Leben wir in getrennten Welten? Ich wurde noch nie komisch angeguckt, weil ich gelesen habe. Auch in bayrischen Kleinstaädten nicht (vielleicht war ich aber immer als Tourist erkennbar).

Der Eindruck, komisch angeschaut zu werden, ist nie objektiv und meistens Projektion. Ich spekuliere daher, dass das Lesen meine Vorredner vor allem in ihren Augen zu etwas Besonderem macht.
Sonst würdet ihr ja auch nicht drüber schreiben (naja, Rabulistik)

Anonym 5. März 2009 um 16:30  

Nochmal der Anonym vom Projektionsbeitrag:

Das Buch ist natürlich Bedeutungsträger, das muss für den Buchbesitzer nicht unbedingt Nachteile haben, wie folgende Anektode beweißt.

In der Neuköllner Hasenheide werden Drogen von überwiegend schwarzen Händlern verkauft. Alle paar Monate durchkämmt ein großes Polizeiaufgebot den Park und die Händler rennen weg. Keine Ahnung wie die Sache ausgeht...
Letzten Herbst saß ich während einer solchen Razzia auf einer Bank (lesend) und sah einen Schwarzen, der ungewöhnlich schnell über eine Wiese ging. In seinem Rücken hielt ein Mannschaftswagen und fünf Polizisten in voller Montur stürmten auf ihn los. Der Schwarze hörte das und drehte sich um. Er hatte zwei Bücher unter dem Arm - die Polizisten wurden langsamer, sahen sich an und kehrten in ihr Auto zurück.

Anonym 5. März 2009 um 16:36  

Leg Dir einen Hund zu... Hunde und Bücher, das geht prima, wenn man einige kleine Regeln beachtet. Bei uns geht es.
Man wird dann vorsichtiger sein, Dich komisch anzugucken. Ganz egal was Du machst, und wenn Du auf der Parkbank sitzend liest...

otti 5. März 2009 um 16:40  

Lesend Lösungen denken.
Die Wahrheit liegt nicht auf der Straße; die Wahrheit liegt im (geschriebenen) Wort.
Man muss sie nur suchen - und beim Lesen denken.
Wahrheit ist für die Machthaber immer gefährlich, die bevorzugen wg. ihrer eigenen Verderbtheit bei anderen lieber Dummheit.

Mel 5. März 2009 um 16:58  

Also ich kann diesen Eindruch, den Du da hast, irgenwie gar nicht nachvollziehen. Mir ergeht es eigentlich immer umgekehrt. Letztens beim Arzt meinte eine junge Frau mit blick auf meine lesende Wenigkeit "Hätt ich mal auch dran denken können, mir was zu lesen mitzunehmen."

Auch an meiner Lieblingslesestelle in einem öffentlichen Park bin ich noch nie irgenwie angefeindet worden.

Margitta 5. März 2009 um 17:06  

@ Anonym 5. März 2009 16:13

Also, ich habe mal nachgesehen, was Rabulistik bedeutet. (Man kann ja nicht alle Fremdworte kennen.)

Mit Wortverdreherei und Haarspalterei, wie mich mein Lexikon aufklärt, haben dieser Beitrag und die Kommentare nun wirklich nichts zu tun.

Dass Eindrücke immer subjektiv sind ist zwar richtig, aber dies dann auch noch Rabulistik zu nennen ist schlichtweg falsch und unfair.

Es sei denn die Bedeutung des Wortes war Ihnen nicht klar. Ein subjektiver Eindruck von mir.

Liebe Grüße
Margitta Lamers

Anonym 5. März 2009 um 17:12  

Geht mir auch so. Hier in meiner 100000 Seelen Stadt in BW lese ich regelmäßig im Sommer im Park, auf der Wiese liegend, und bin nicht der einzige. Mir ist noch nie was aufgefallen.
Und anhand von gefühlten Blicken von maximal 4 Personen solche Schlußfolgerungen zu ziehen, ist schon etwas gewagt.

Gruß, Kana

Anonym 5. März 2009 um 17:12  

"[...]Leben wir in getrennten Welten? Ich wurde noch nie komisch angeguckt, weil ich gelesen habe. Auch in bayrischen Kleinstaädten nicht (vielleicht war ich aber immer als Tourist erkennbar).[...]"

Da wurde vielleicht hinter deinem Rücken getuschelt, insofern du als solcher erkannbar warst: "Scheiß Tourist!"?

"[...]Der Eindruck, komisch angeschaut zu werden, ist nie objektiv und meistens Projektion.[...]"

Yep, es liegt nicht am Anschauer, sondern der Angeschaute projeziert was hinein - ein Feindbild wie oben ist daher nur Einbildung, der von Feindbildernverbreitung durch Wirtschaft, Medien und Politik betroffenen, egal welcher Richtung (z.B. Touristen, Arbeitslose, Städter etc.)

"[...]Ich spekuliere daher, dass das Lesen meine Vorredner vor allem in ihren Augen zu etwas Besonderem macht.
Sonst würdet ihr ja auch nicht drüber schreiben (naja, Rabulistik)[...]"

Vorsicht, spekulieren in heutigen Zeiten (=Neue Weltwirschaftskrise) ist brandgefährlich! *grins*

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

carlo 5. März 2009 um 17:18  

Ja, so gehts mal Roberto!
Aber mach Dir doch mal ein kleines Experiment!
Nimm Dir ein evangelisches Gesangsbuch, und beklebe es mit einem neuen Einband, auf dem gut lesbar folgendes ist: How to construct an atomic bomb......
Vielleicht die Sache noch mit einem schönen Hintergrundbild auflockern.

Das unsichtbare Theater von Auguste Boal läßt grüßen!
carlo

Anonym 5. März 2009 um 17:18  

Für die Lesefeindlichen hier, dass Lesen bildet hat man ja bei der Abstimmung über die EU-Verfassung gesehen, die Länder, wie z.B. Frankreich und die Niederlande sowie Irland, die via Volksabstimmung darüber entscheiden durften haben diese "EU-Verfassung" ja gerade deswegen abgelehnt, weil die via breiter Aufklärung über kostenlose Lektüre darüber aufgeklärt wurden was drin steht....

Nachdem wurde abgestimmt mit dem entsprechenden Ergebnis für die neoliberale EU - Abgelehnt!

Kein Wunder, dass so mancher Lesefeindliche lieber ein Volk von Bier konsumierenden und Zigaretten rauchenden Arbeitslosen (z.B. ein gewisser Herr Mißfelder) hätten. Die würden alles fressen, die Nichtleser, aber wie bereits erwähnt, dank Obama kommt es nicht so weit....

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

PS: Ich glaub sogar in Venezuela wurde, dank Rückdrängung des weit verbreitenden Analphabetismus, und kostenfreie Verteilung einer Verfassung über diese abgestimmt - mit dem Ergebnis, dass Lesefeindlichen wirklich nicht passen dürfte, die "bolivarische Verfassung" wurde mit hohen Zustimmungswerten angenommen.

Anonym 5. März 2009 um 23:30  

Sorry, dass ich mich noch einmal melde, aber mir ist so eben beim Gucken von Maybrit Illner, und der heutigen Nachdenkseiten-Hinweise, ein fataler Irrtum eingefallen.

Man hat in Deutschland nicht generell was gegen Bücher - die können sogar staatstragend (1933 - 1945 = Adolf Hitlers "Mein Kampf" und sein ominöses "2tes Buch"), und staatstragend-beratend (z.B. die heutigen neoliberalen Sachverständigen und Jünger von Hayek und Friedman) sein.

Hier ist Buchwissen sogar - von den jeweiligen Herrschenden - ausdrücklich erwünscht.

Ich weiß nicht, wie es in der Ex-DDR war, aber auch in Westdeutschland wurden wir von Buchwissenschaftlern - mit keinem Bezug zum realen Leben - regiert und "beraten".

Bei den Regierungen Brandt und Ludwig Erhardt war dies kein Problem, aber spätestens mit Otto Graf Lambsdorff (FDP) finden die Probleme an, die sich nun zur Neuen Weltwirtschaftskrise ausgewachsen haben.

Nichts gegen Bücher lesen, oder Leser, aber hier hört für mich spätestens seit "Mein Kampf" die Toleranz zum büchergläubigen "Volk" auf.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

PS: Ich hab nichts gegen Leser, mir fiel nur fatal auf, dass wir von "Büchergläubigen" "regiert" werden, die ihre BWL-Theorie aus Büchern auf die hiesige Bevölkerung übertragen wollen. Sollte man dies nicht einmal hinterfragen?

Anonym 6. März 2009 um 08:18  

Apropo "Bücherglauben" - hät ich fast auch noch unterschlangen, sogar die monotheistischen Religionen basieren auf Büchern, und leider allzu oft auf blindem Glauben an den Inhalt der Buchdeckel der Bibel, des Koran und seiner Suren, und anderer bücherähnlicher Gebilde bei anderen Religionen.

Noch so eine Parallele, die mir mein Lieblingshobby Bücher lesen madig macht.

Man sollte wirklich mal fragen, ob generell, und speziell in Deutschland nicht hier die Probleme mit dem "Bücherglauben" und den "Experten", egal welcher Richtung, ihren Anfang nahm?

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 6. März 2009 um 16:08  

Rein zufällig bei Telepolis auf den Artikel "Imponieren mit gelesenen Büchern":

http://www.heise.de/tp/blogs/6/134121

...paßt wirklich auf deinen Text Roberto - mit dem kulturellen Unterschied zwischen Deutschland und GB.

Es scheint, dass es (noch)(wieder?) Länder gibt, wo man nicht schief angesehen wird, ja man sogar mit Literaturkenntnissen imponieren kann - das barbarische Deutschland zählt leider nicht dazu.

Die alte Kulturnation GB ist hier positiv aufgefallen....

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

romano 6. März 2009 um 19:24  

Schon eigenartig. Aber wo ich herkomme, da hat man in der Öffentlichkeit noch nie gelesen. Würde das jemand machen, würde man aus Neugier betrachtet, aber nicht wegen der mentalen Nötigung, einen Sozialschmarotzer vermuten zu müssen. Wenn das in Deutschland tatsächlich so ist, na dann weiß ich wo ich demnächst nicht mehr hinfahren werde. Ich denke, lesen signalisiert Überlegung und Konzentration, Fantasie und Gedankenfreiheit, Bildung, alles Momente einer Tendenz, die am alltäglich-betrieblichen passiven Nichtdenken kratzen, die somit den opaken Panzer der Alltagsrationalität anknacksen und das grelle Licht des freien geistigen Atmens durchscheinen lassen. Ein solches hält einem freilich auch einen Spiegel vor: es besteht die Gefahr, dass man mit einem Schlag sieht, dass vieles bisher geglaubte und dumpf inhalierte beschämenswert war, dass der Rest bestenfalls ironisch zu nehmen ist, dass ihm der ernste Ernst gänzlich fehlte, dass man vor seiner eigenen freien Offenheit Angst hatte und sich in Borniertheit und Ressentiments verlogen hat. Mit der Rigidität einer Ordnung steigt das Gefahrenpotenzial eines menschlichen Vermögens: der Fantasie.

persiana-451 6. März 2009 um 20:05  

ist es wirklich so schlimm draußen zu lesen? Ich lese auch andauernd - ich bin aber so mit dem beschäftigt, mit dem, was in dem Moment lese, oder in Gedanken darüber was ich gerad gerade gelesen habe oder als nächstes lesen werde, und nicht zu vergessen mit den Büchern, die ich leider nicht geschafft habe zu lesen bevor ich sie in die Bibliothek wieder zurückbringen muss - also das ist mir noch nie aufgefallen, dass die Leute das für etwas unanständiges halte...

Anonym 7. März 2009 um 05:29  

Noch was:

Ich sehe es, was das Lesen, und die Bücher, angeht durchaus zwiespältig:

1. Einerseits verabscheue ich blinden Bücherglauben ebenso wie den Untertanengeist in Deutschland, der alles unhinterfragt glaubt was "von oben" kommt.

2. Andererseits wäre es mir lieb, und teuer, wenn so mancher hier lebende Mensch manche Bücher inhaltlich in- und auswendig kennen würde, die wichtigsten unserer Buchkultur auf jeden Fall, und seine Schlüsse draus ziehen würde, statt im völlig widerstandslosen Analphabetismus zu verharren.

Ich nenne hier nur z.B. das Grundgesetz unserer demokratischen Republik namens Deutschland.

Ich bin sicher, der mangelnde Widerstand, in Zeiten einer "Neuen Weltwirtschaftskrise" (Zitat: Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman) liegt genau darin begründet, dass z.B. den wenigsten der Inhalt der wichtigsten Grundgesetzpharagraphen bekannt sein dürfte (z.B. den m.E. wichtigsten, dass Deutschland ein Sozialstaat ist, und es sogar ein Widerstandsrecht gegen die gibt, die ihn, wie die FDP, abschaffen wollen. D.h. hier ist Aufklärungsbedarf dringendst vorhanden).

Ich bin sicher, dass genau im oben erwähnten Analphabetismus die Lethargie des dt. Widerstands gegen die Privatisierung der Gewinne und die Sozialisierung der Verluste liegt.

Dazu kommt noch der wirtschaftl. Analphabetismus, der wohl auch mit der Lesefeindlichkeit vieler Mitbürger zu tun hat.

Wären wir ökonomisch gebildeter in Deutschland, dann bräuchten wir keine Nachdenkseiten, und hätten keinen Wirtschaftsminister der nur 3 Qualifikationen für seinen Posten mitbringt:

1. Er war schon immer in der CSU

2. Er stammt aus Franken

und

3. er hat blaues Blut in den Adern.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 8. März 2009 um 11:55  

@persiana - 451

Wohnst du in einer größeren Kleinstadt? Oder gar in einer Stadt?

Ich denke, dass manche Menschen schon schräg schauen, wenn man öffentlich liest, aber es hat wohl mehr damit zu tun, wie ich weiter oben erwähne, dass jemand - wo andere Streß haben - die Muße hat rumzusitzen.

Da ist es völlig egal ob mit oder ohne Buch.

So mir schon passiert.

Siehe oben.

In kleineren ländlichen Gemeinden kann es schon sein, dass du schräg angeschaut wirst, wenn du liest, und oft fällt es dir selbst nicht auf - hat aber mit oben geschriebenen und nicht mit einem Buch, egal zu welchem Thema, zu tun.

Ist halt so....

Roberto sollte sich wirklich mal ohne Buch irgendwo hin setzen, ohne beschäftigt zu tun oder zu sein, die Reaktionen der Mitmenschen sind die selben negativen die Roberto beschreibt.

Früher schaute man einmal hin, wenn jemand als Punk mit Hunden oder gleich ganz verwahrlost herumsitzt.

Heute - in Zeiten des Arbeitswahns und der "Neuen Weltwirtschaftskrise" - wird jeder schief angesehen, der einfach nur rumsitzt.

Es könnte ja ein angeblich fauler Arbeitsloser sein....

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 8. März 2009 um 11:59  

@romano

Treffender Text.

Übrigens, was das "freie Denken" angeht.

Mir ging die Falschheit der schröderschen "Reformen", und der Hetze gegen "sozial Schwache", wohl auch nur deswegen auf, weil ich vom überzeugten Katholiken zum Atheisten - via "freies Denken" - wurde, dass eben nicht vor der Politik und Wirtschaft heute halt macht.

Das "freie Denken" - so las ich mal in einem Buch über die Große Französische Revolution - im Religionsbereich war auch der Augenöffner, schon damals?, für die Ungerechtigkeiten in Politik und Merkantilismus.

Die Parallelen zur Vergangenheit, die sich so nicht 1:1 wiederholt, dass weiß ich auch, sind nicht zu übersehen.

Ich bin sicher, hätten wir heute mehr sogenannte "Freidenker" in Deutschland, denen kein Denkverbot inne ist - siehe oben, dann hätten die Herrschenden einen noch schwerern Stand als eh schon.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

PS: Es braucht ja nicht gleich jeder Atheist zu werden, aber das "freie Denken", auch im Religionsbereich, empfehle ich jedem in Deutschland - keine Denkblockaden auch, und gerade, hier....

Frank F. 8. März 2009 um 14:18  

Apropo Arbeitswahn ... eine kleine Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral von Heinrich Böll.

Tolle Texte findet man in diesem Blog hier. Texte die einem hilfreich ganze Tage zum Nachdenken über den Irrsinn dieser Zeit anregen.

Mein großer Dank geht an Roberto!

Anonym 8. März 2009 um 19:11  

@Frank F.

Danke für den Text - ist auch sehr aufschlußreich was "Arbeitswahn" angeht.

Ich las mal vor Jahren ein Buch mit dem Titel "Freiheit und Wahn deutscher Arbeit" - die Autoren weiß ich leider nicht mehr.

Im Inhalt ging es darum, dass unsere heutige Arbeitserziehung - bei manchen, z.B. Unternehmersöhnen wie mir, von Kindesbeinen an einen Ursprung in der Hitler-Diktatur hat.

D.h. hier leben Elemente des Dritten Reiches weiter, die ganz klar für furchtbare Verbrechen (z.B. Vernichtung durch Arbeit - auf dt.: totarbeiten unter SS-Aufsicht) angewandt wurden, die keiner in Deutschland - DEM Land des Arbeitsmenschen - mehr hinterfrägt, und die dank schröderschen "Reformen" wieder ganz klar ins Licht der Öffentlichkeit rücken.

Die maßlose Arbeitslosenhetze heute hat ihren Ursprung z.B. in der Ausgrenzung von "asozialen Elementen" (damals wurden so Obdachlose, Trinker und Langzeitarbeitslose genannt), und was die wenigsten wissen, die ersten KZs waren reine Arbeitslager, d.h. hier wurde unter verbrecherischen Bedingungen Menschen ihre Arbeitskraft abgepreßt.

Manch älterer Mensch, der diese Zeit noch erlebt hat, schwärmt von den "sauberen Straßen", wo keiner herumlungerte.....

Die Denke ist immer noch vorhanden, trotz Bundesrepublik, die dem Namen nach "demokratisch" sein soll....

Das faschistische Denken läßt sich einfach nur via "Kulturrevolution" (gemeint ist flächendeckende Aufklärung darüber) aus den Köpfen pressen....

M.E. ein Fehler der 68er Bewegung, die sich - leider - nur aus Studenten, und nicht aus Normalarbeitnehmern, rekrutiert hat....

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 8. März 2009 um 19:20  

@Frank F.

Mir so eben noch eingefallen:

Ist es mit der "Freiheit und dem Wahn deutscher Arbeit" etwa nicht wie mit "LTI" von Victor Klemperer? Klemperer schreibt davon, dass die Nazis eine eigene Sprache schufen, die nach und nach in die Volkssprache einsickerte, und nicht mehr hinterfragt wurde.

Das gleiche könnte mit dem Begriff "Arbeit" in Deutschland, nicht nur beim Wort sondern der Durchsetzung der Arbeitsideologie im realen leben, und der Denke des Otto-Normalbürgers - nicht erst seit 1933 - geschehen sein.

Es wäre wirklich einmal interessant zu wissen, ob es hier hochaktuelle Literatur zum Thema gibt.

Würde mich echt einmal interessieren, da "Freiheit und Wahn deutscher Arbeit" m.E. vergriffen ist.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

PS: Ich schreibe "vor 1933", da ich irgendwie den Verdacht habe, dass die Arbeitsideologie in Deutschland schon früher - zur Praxis des teile und herrsche - mißbraucht wurde. Ich rede hier wirklich nur von Deutschland, obwohl mir bewußt ist, dass im "Schwarzbuch Kapitalismus" von Robert Kurz für andere (angelsächsische) Länder der Zeitpunkt mit der Schaffung des politischen Systems des "modernen Kapitalismus" seinen anfang nahm, aber mich interessiert nun wirklich nur Deutschland ;-)

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