Die Bürokratie als Täter und Opfer

Mittwoch, 4. März 2009

Immer wieder begegnen einem Zeitgenossen, die sich entrüstend zu den Zuständen im nationalsozialistischen Deutschland äußern, die sich kopfschüttelnd darüber aufregen, wie beinahe ein ganzes Volk so vollkommen unkritisch den Verlockungen eines elitären Zirkels hat erliegen können. Die Verwunderung darüber ist freilich verständlich, auch dann noch, wenn man weiß, mit welchen Lockmitteln das damalige Regime arbeitete. Fehlende ethische Kategorien, ein Beiseiteschieben moralischer Grundsätze muß kritische Geister immer beschäftigen - genauso wie es sie verwundern läßt. Vorallem muß es einem solchen Geist rätselhaft erscheinen, wie Angestellte des Staatsdienstes, angeblich eine Art Elite aus dem Bürgertum, so blind die Machenschaften jener Staatslenker hat umsetzen können, ohne moralische Skrupel an den Tag zu legen.

Aber gleichzeitig sind es jene Kritiker an der Vergangenheit, die sich gänzlich unkritisch zeigen, wenn es um die Erfüllungsgehilfen des herrschenden Regimes geht. Da sind die Büttel, die den Apparat bedienen, nichts weiter als schuldlos in Schuld geratene Menschen, die tun müssen, was man von ihnen verlangt, sofern sie ihren Arbeitsplatz behalten wollen. Der ökonomische Zwang als Entschuldigung! Unter dieser apriorischen Entschuldbarkeit kann dann bürokratisch sanktioniert, gegängelt und belästigt werden, kann man sich gegenüber Mitmenschen verhalten, wie es jedes rudimentäre Wissen über Umgangsformen und Benehmen, niemals zu Träumen wagte.

Der historische Bürokrat, der seinerzeit die Maßnahmen gegen Reichsfeinde in die Wege leitete, der per behördlichen Bescheid Menschen in Reichsarbeitsdienste, Gesundungsanstalten und Konzentrationslager schickte, ist demnach für viele Menschen ein Haßobjekt, ein zu verspottender Hohlkopf, der seinen Verstand und seine Menschlichkeit ausschaltete, um seinen Herrn brav dienen zu können. Doch der heutige Büttel, der per Bescheid existenzielle Grundlagen kürzt, Verwertbarkeiten menschlicher Arbeitskraft errechnen läßt und Repressions- und Gängelungsmaßnahmen steuert, wird als Opfer begriffen, der vielleicht anders wollte, wenn er nur anders könnte - als ob für den Bürokraten des Tausendjährigen Reiches nicht ebenso ökonomische Zwänge herrschten. Entschuldigen läßt sich diese Diskrepanz nur spärlich mit dem Argument, wonach die heutigen Pflichterfüller keinen mehr in den Tod schicken - aber das taten die bürokratisierten Unmenschen zu Anfangszeiten des Hitler-Regimes auch nicht. Der Holocaust stand nicht am Anfang der nationalsozialistischen Herrschaft. Nach und nach manövrierte sich der pflichtbewußte Büttel in die Rolle des Henkers, oft ganz unbewußt, weil über Tötung nicht gesprochen oder geschrieben wurde. Dass es aber nicht menschlich, nicht gerecht, indirekt mörderisch zuging, das mußte jedem bewußt sein.

Es ist ein Zeichen von fehlender Verarbeitung deutscher Geschichte, wenn zwar die Beamten der damaligen Zeit moralisch verurteilt werden, heutige Repressionsexperten hinter polierten Schreibtischen aber Opfer sein dürfen. Wenn man geschichtliches Vorwissen nicht heranzieht, um die Zustände der Gegenwart zu bewerten, als gefährlichen Irrweg zu postulieren, dann hat die Geschichtswissenschaft versagt, dann ist sie nichts weiter, als eine populär gestaltete Betroffenheitswissenschaft, die nicht vermitteln will, sondern nur vergangenheitlich betroffen machen will, damit die heutigen Betroffenen kein moralisches Fundament finden, auf dem sie die zum Himmel schreienden Zustände der Kritik aussetzen könnten. Es macht Staunen, wenn frühere Erfüllungsgehilfen zu Schuldigen erklärt werden, die freilich oft schuldlos in ihre Rolle kamen, aber doch weiterhin wissentlich ihr begangenes Unrecht weiterbetrieben, während ihre Enkel und Urenkel aus heutigen Tagen reine Opfer sein dürfen. Was man Hitler und seinem elitären Zirkel nie alleine zugestand, also die Schuld alleine auf ihren Schultern zu tragen, weil wesentlich das ganze deutsche Volk, vorallem aber auch die verpreußte Bürokratie mitschuldig gewesen sei, wenn nicht sogar schuldiger als die Verführer selbst, das gewährt man heute den Machthabenden um Schröder, Merkel und Konsorten. Sie sind, so der derzeitige Stand der gegenwärtigen Bewertung der Zustände, alleinschuldig und haben die Bürokratie in eine Rolle hineinversetzt, in der sie Opfer mit der Erlaubnis zur Unterdrückung noch Schwächerer zu sein habe.

Über die hohen Herrschaften ist zu reden - keine Frage. Aber solange wir die kleinen Pflichterfüller moralisch freisprechen, oder dieses Thema immer wieder gekonnt übergehen, weil der eitle Apparatschik in seinem Büro ja angeblich im gleichen Boot sitzt, wie jener, der ab und an eine Einladung mit Repressionsandrohung erhält, um diesen Snob zu besuchen, solange ist kein Umdenken zu erzielen. Diejenigen, die das menschenverachtende Weltbild ihrer Herrn an der Basis vertreten, sind zum Umdenken, zum uniformierten Ungehorsam zu ermutigen.

46 Kommentare:

Anonym 4. März 2009 um 09:00  

"[...]Über die hohen Herrschaften ist zu reden - keine Frage. Aber solange wir die kleinen Pflichterfüller moralisch freisprechen, oder dieses Thema immer wieder gekonnt übergehen, weil der eitle Apparatschik in seinem Büro ja angeblich im gleichen Boot sitzt, wie jener, der ab und an eine Einladung mit Repressionsandrohung erhält, um diesen Snob zu besuchen, solange ist kein Umdenken zu erzielen. Diejenigen, die das menschenverachtende Weltbild ihrer Herrn an der Basis vertreten, sind zum Umdenken, zum uniformierten Ungehorsam zu ermutigen.[...]"

Hallo Roberto,

es mag schon stimmen, was Du hier schreibst, aber ich merke an, dass die Beamten damals, wie auch heute wieder, rein beamtenrechtlich gesehen, keine andere Wahl haben als die bestehenden Gesetze ohne Kritik zu erfüllen.

Ich hab das mal so auf der Berufsschule gelernt - für Angestellte im Ö.D. - Es ging damals um den Unterschied zwischen privatrechtlich angestellten Mitarbeitern des Öffentlichen Dienstes und dem staatlich geregelten besonderen "Dienst- und Treueverhältnis" des Beamten/der Beamtin zum (Unrechts-)Staat.

Die Sache dürfte sich in 10 Jahren nicht geändert haben - rein dienstrechtlich gesehen:

"[...]Angehörige des öffentlichen Dienstes sind zunächst sowohl Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer – bei ihnen ist der Staat der Arbeitgeber – als auch Beamtinnen und Beamte, bei denen der Staat nicht Arbeitgeber sondern Dienstherr ist. Dieses besondere Beschäftigungsverhältnis der Beamtinnen und Beamten nennt man öffentlich-rechtliches Dienst- und Treuverhältnis (vgl. etwa § 2 Abs. 1 Bundesbeamtengesetz). Artikel 33 Absatz 4 GG will also sicherstellen, dass in der Regel
Beamtinnen und Beamte eingesetzt werden, um hoheitsrechtliche Befugnisse (grundrechtsrelevantes Verwaltungshandeln) auszuüben.

Der Grund für diesen Beamtenvorbehalt liegt darin, dass Beamtinnen und Beamte durch das öffentliche Dienst- und Treueverhältnis eine noch engere Bindung zum Staat – ihrem Dienstherrn – haben als Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu ihrem staatlichen Arbeitgeber.

Diese Bindung wird am deutlichsten dadurch, dass Beamtinnen und Beamte nicht streiken dürfen und daher dem Staat auch in Zeiten von Arbeitskämpfen zur Verfügung stehen. Der Staat bleibt dadurch auch im Arbeitskampf handlungsfähig. Die Bindung durch das besondere Dienst- und Treueverhältnis stellt aber zusätzlich auch noch ein besonderes Maß an Verlässlichkeit sicher. Denn die für die Ausübung der besonders sensiblen „hoheitsrechtlichen Befugnisse“ eingesetzten Beamtinnen und Beamten sind etwa durch das Disziplinarrecht in besonderer Weise an Recht und Gesetz gebunden.[...]"

Quelle, und beachte insbesondere den letzten Absatz davon:

http://www.dbb.de/dbb-beamtenbund-2006/3150_2930.php

Ein Dozent meinte, nach kritischem Nachfragen eines Mitschülers bzw. -azubis im Staatsrechtsunterricht, schon damals 1989, dass der Beamte/die Beamtin eben gerade wegen dieses besonderen "Dienst- und Treueverhältnisses" auch einer Diktatur, wie der Adolf Hitlers, widerstandslos dienen hätte müssen. Einzige Alternative: Beruf an den Nagel hängen oder auswandern.

So der Dozent damals, der seine Aussage eben damit begründete, dass der Beamte/die Beamtin in keinem privatrechtlichen Arbeitsverhältnis, sondern einem besonderen "Dienst- und Treueverhältnis" zum Staat stehen würde.

Für mich übrigens seither eines der stärsten Argumente das Beamtentum, und die lebenslängliche Verbeamtung von privatrechlichen Angestellten nach einer gewissen Anzahl von Dienstjahren, schrankenlos abzuschaffen.

Versteht mich nicht falsch:

Ich stimme mit Robertos Aussage völlig überein, und sehe die oben beschriebenen Fälle nicht als "Opfer" sondern eben wegen diesem Unding für stark Schreibtisch-Täterverdächtig....

Der Ö.D. ist nämlich ein Feld wo viel reformiert gehört, aber nicht im merkelschen/schröderschen Sinne, sondern verbessert nicht verschlechtert.....weg mit den Beamten, und jeglichem beamtenähnlichen Privileg im Öffentlichen Dienst.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 4. März 2009 um 10:01  

nun anonym, die lösung hast doch selst gefunden: dienst kündigen, so einfach geht das. und, roberto hat in vollem umfang recht. ohne die schranzen, die zum teil für 1/2 jahresvertäge und scheißbezahlung ihre mitmenschen in die kriminalität, psychatrie, obdachlosigkeit oder den tod treiben, familien zerstören und kindern die zukunft rauben, nur um sich den 2. urlaub oder ihr kleinbürgerliches ambiente zu erhalten, würde der repressionsapparat nicht laufen. eine entschuldigung gibt es für diese typen nicht! verschärfend sei noch angemerkt, daß es für sie ja auch gewisse ermessensspielräume gibt, die aber in der regel stets einseitig zum nachteil der mitbürger genutzt werden.

Anonym 4. März 2009 um 10:13  

@ Anonym


Ich denke, du machst es dir zu einfach. Zwar dürfen Beamte nicht streiken, aber auch Beamte dürfen keine Anweisung oder Anordnungen ausführen, die gegen die Menschenrechte u.ä. verstoßen.
Das heißt, die Organisation der Deportation der Juden im 3. Reich war eindeutig keine Anweisung, die ein Beamter hätte erfüllen müssen.
Leider hätte ein Beamter damals mit dieser Haltung vor Gericht nicht Recht bekommen.
Dasselbe gilt übrigens für Soldaten: Soldaten dürfen Befehle verweigern, wenn diese eindeutig und massiv gegen bestimmte elementare Rechte verstoßen.

Beamte abzuschaffen ist nicht sinnvoll, aber langfristig teurer.
Beamte akzeptieren ein niedrigeres Gehalt für Quasi-Unkündbarkeit. Würden Beamte abgeschafft werden und durch Angestellte aus der Privatwirtschaft ersetzt, würden die unteren Dienstränge noch weniger als jetzt verdienen, die oberen Dienstränger jedoch massiv mehr.
Gleichzeitig würde sich die Qualität der öffentlichen Dienstleistungen eher verringern, denn privatwirtschaftliche Firmen versuchen, überall Kosten und Personal einzusparen und erfüllen gerademal die geforderte Qualität, während staatliche "Unternehmen" die bestmögliche Leistung für das zur Verfügung gestellte Geld erbringen können. Das Klischee vom faulen Beamten ist wirklich nur ein Klischee, die meisten Beamten sind zuverlässig und fleißig, nur bestimmte Verbesserungen im Organisationsablauf werden nicht ganz so schnell umgesetzt wie in der Privatwirtschaft.

Einem Staat seine Beamten zu nehmen, heißt, ihm auf lange Sicht Arme und Beine abzuschneiden und seinen Einfluss auf Recht und öffentliches Leben zu Beschneiden.

Hätten Beamte Streikrechte, würden auch mal Strom und Wasser ausfallen, würde öffentlicher Nahverkehr komplett ausfallen, würde keine Polizei (auch Beamte!!!) mehr zu Hilfe kommen usw.

Was passiert, wenn öffentliche Dienstleistungen wie z.B. die Polizei an Privatunternehmen / einfache Arbeitnehmer ausgelagert wird, lässt sich ganz gut in den USA beobachten: schießwütige (weil nicht langfristig mit Beamtenstatus abgesicherte), schlecht ausgebildete (weil von Privatfirmen ausgebildet), oft der herrschenden Rechtslage unbewandert, überaus brutale Prügelknechte, deren Motivation zum Beitritt zur Polizei meist darin besteht, in anderen Bereichen keine Chance zu haben, gerne mal zu schießen und gerne das eigene Ego mit Gewalt gegen andere aufzupushen.

Anonym 4. März 2009 um 10:57  

Beamte gibt es nicht deshalb, weil Sie weniger Lohn erhalten.
Bismark hat genau gewusst, warum er bestimmte Einkommen nicht sozialversicherungspflichtig machte.
Diese antidemokratischen Strukturen müssen beseitigt werden.
Ist dies auch die Position der Linken?
Zum Verwaltungsverfahren:

Vielleicht erinnert ihr euch, das Politiker der SPD und der CDU hier besonders Koch und Wulff, als das Geschrei in den Medien über angeblich explodierende ALG2 - Kosten, die Verwaltungsverfahren so änderten , dass diese mehr computerisiert wurden.
Computer entscheiden seitdem in den Argen wann sanktioniert werden soll.
Es gab nicht den Hauch eines Protestes von unseren Intellektuellen.
Vollkommenes kollektives Versagen.
Bis die Deutschen demokratisch werden, was sich nur in den Handlungen der Bürger zeigt , ist noch ein langer Weg zu gehen.

Anonym 4. März 2009 um 12:59  

Ein sehr schöner Artikel, welcher die Probleme auf den Punkt benennt. Es wird so lange ignoriert bis man nicht mehr die Wahl hat. Im Moment haben wir sie noch. Im Moment kann man noch etwas ändern.

Anonym 4. März 2009 um 13:18  

"[...]Einem Staat seine Beamten zu nehmen, heißt, ihm auf lange Sicht Arme und Beine abzuschneiden und seinen Einfluss auf Recht und öffentliches Leben zu Beschneiden.[...]"

Ich denke du verdrehst hier die Tatsachen - nach dem von dir geschriebenen mache nicht ich - als Ex-Verwaltungsfachangestellter - es mir zu einfach, sondern du, wenn du das Beamtentum völlig einseitig verherrlichst (Es gibt mehr als ein Land, dass ohne Beamtenstatus im dt. Sinne völlig perfekt funktioniert!)

Ich könnte hier ausholen, aber dazu habe ich keine Lust - ich empfehle dir mal Bücher wie das "Schwarzbuch Beamte: Wie der Behördenapparat unser Land ruiniert" des Autors Thomas Wieczorek - nur am Rande er hat auch ein Buch über die neue Verblödung (=Idiotisierung) Deutschlands durch Medien, Politik und Wirtschaft geschrieben.

Was ich hier schreibe ist nicht von mir sondern wurde damals uns Verwaltungsfach- und Beamtenschülern so beigebracht - von einem Dozenten, der deiner Ansicht nach halt "verereinfacht"....

Was die angeblich "böse" USA angeht, die funktioniert aber perfekt ohne Beamte - für eine staatliche Verwaltung benötigt man keine Beamten - Alternativen in dem von mir beschriebenen Buch, nicht nur USA.

Es scheint, dass nur Deutschland so obrigkeitshörig funktioniert, wie der oben erwähnte Autor auch in seinem Buch - mit Alternativen zum Beamtentum - erwähnt.

Ich versteh aber völlig, wenn du Beamter/Beamtin bist - die verteidigen gerne ihre Position.

Würde ich als Beamter auch tun - ehrlich, denn....

Grüße
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 4. März 2009 um 14:06  

Übrigens, als Zusatz noch für die die hier das "preußische Berufsbeamtentum" verteidigen wollen. Wer sagt den, dass es ohne Beamte nicht geht? Es gibt ja sogar in Deutschland die Möglichkeit des Doppelstatus von Mitarbeitern bzw. Mitarbeiterinnen des Ö.D. die Angestellten/Arbeiter, die nach einer gewissen Anzahl von Dienstjahren im Öffentlichen Dienst "befördert" werden, d.h. die bekommen den Beamtenstatus aufgrund oben beschriebener Tatsachen, und werden unkündbar. Erklär das mal 'nem normalen Arbeitnehmer in HartzIV-Zeiten, der bekommt regelmäßig Zornesfalten im Gesicht wenn er an diese offensichtliche Ungerechtigkeit denkt. Merke: Bei denen die den Staat organisieren wird nicht "reformiert" - aber bei allen anderen schon.

Wer beißt schon - als verbeamteter Abgeordneter auf Zeit - gerne in die Hand, die einem füttert.

Der Beamtenstatus wird eben allein aus dem Grund nicht abgeschafft, weil wir in einer Lehrer- und Beamtenrepublik leben.

Das es auch anders geht zeigen, wie bereits erwähnt, mehrere andere Länder....

Alternativen, wie bereits erwähnt, im "Schwarzbuch Beamte"....

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Margitta 4. März 2009 um 14:54  

Lieber Roberto,

danke, dass Sie Ihre Gedanken zu diesem heiklen Thema zur Diskusion stellen. Dieser Beitrag ist mir aus der Seele geschrieben und dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

In einem der bisherigen Kommentaren lese ich, dass der Beamte das tun muss, was ihm sein Vorgesetzter aufträgt. Der Vorgesetzte, so zu sagen mit der Pistole hinter dem Beamten steht.
Nun, mir sträuben sich da die Nackenhaare. Ich habe schon kein Verständnis dafür, dass Soldaten ihr Tun damit erklären, das sie Befehlen gehorchen müssen, doch seit ich den Film "Full Metal Jacket" wirklich verstanden habe, haben diese mein Mitgefühl. Auch habe ich schon von Soldaten gehört, die bereit waren für ihren Mut dagegen zu handeln die Konsequenzen zu tragen.

Und darum geht es letztendlich, welche Konsequenz möchte ich tragen. Jedes Ding hat zwei Seiten. Immer muss ich mich entscheiden, ob nun bewusst oder unbewusst spielt dabei absolut keine Rolle. In welchen Kontext ich dies meine wird in einem Aufsatz mit der Überschrift "Denken ist erlernbar", nachzulesen auf der Seite www.flegel-g.de, sehr gut beschrieben.

Ich stelle mir bei allem was ich tue, mal mehr oder mal weniger bewusst die Frage: Was nutzt es mir oder dem Anderen, wo ist der Schaden für mich oder den Anderen.

Ich freue mich jedesmal die WAHL zu haben.

Liebe Grüße
Margitta Lamers

Anonym 4. März 2009 um 15:03  

@Nachdenkseiten

Brauchen wir mehr Beschäftigte im öffentlichen Dienst oder weniger.
Und wie sollen die Arbeitsplätze finanziert werden?

Anonym 4. März 2009 um 15:49  

Hier ein Beispiel dazu aus einem Bundesland:

http://www.steuerzahler-schleswig-holstein.de/webcom/show_article.php/_c-241/_cat-/_nr-135/_p-1/printmode-1/i.html

Fazit: Jeglicher beamtenähnliche Status ist abzuschaffen!

Es muss ja nicht gleich "Hire and Fire für alle" sein, aber es ist höchst ungerecht, dass in Zeiten der Wirtschaftskrise tausende um ihren Job bangen müssen während andere einfach via "verbeamtung" unkündbar werden, und nach Dienstende noch gar fette Pensionen erhalten.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Manfred 4. März 2009 um 16:40  

DAS, Roberto, ist der Grund, warum ich heute von einem faschistischen Staat spreche!

Als ich gestern eine Fahrscheinkontrolle über mich ergehen lassen musste - bekanntlich fahre ich derzeit permanent schwarz -, wies ich den Schaffner darauf hin, dass er sich die Prozedur eigentlich sparen könne, weil ich ohnehin niemals zahlen werde. Mit einem Verweis auf seinen Job bat er um Verständnis, dass er mir dennoch ein erhöhtes Beförderungsentgelt aufbrummen werde, ich könne mich ja dann mit der Bahn auseinandersetzen. Ich verweigerte ihm dieses Verständnis aber und sagte, ich könne sein Verhalten allerhöchstens nachvollziehen.

Leider werde ich viel zu selten kontrolliert. Es reicht einfach nicht, um bei den Kontrolleuren einen Bekanntheitsgrad zu erreichen, der möglicherweise Einzelne zum Umdenken bringen könnte. Wie Ihr aus meinem Blog wisst, springen die Lokalzeitungen leider überhaupt nicht auf den für die Gerechtigkeit schwarzfahrenden Bundestagskandidaten an...

Anonym 4. März 2009 um 16:59  

Nur mal so als Ergänzung:
Neben allem, was hier schon ganz richtig angemerkt wurde, darf man nicht vergessen, dass der Beamtenstatus auch den Sinn hat Ämterpatronage zu verhindern; also auch dafür sorgt, dass nicht bei jedem Regierungswechsel der gesamte Staatsapparat gleich erstmal mit Getreuen durchsetzt wird.
Der Beamtenapparat hat schön öfter Reformen durch bloßes Aussitzen blockiert; jetzt wünscht man sich, er hätte das bei so manchem Hartz-IV-Detail auch getan.

Anonym 4. März 2009 um 17:02  

Beamte:

- kriegen weniger Gehalt als in der Privatwirtschaft. Wer das nicht glaubt, möge sich mal die Beamtenbesoldungstabellen ansehen.

- sind quasi unkündbar, kriegen daher aber dafür weniger Gehalt und sind karrieretechnisch stärker festgelegt als in der Privatwirtschaft

- sind dem Staat verpflichtet und loyal

- unterliegen strengeren Regelungen und Strafen, was Korruption und Straftaten angeht (jaja, die ganz ganz oben nicht..., aber das ist auch in der Privatwirtschaft so, siehe Zumwinkel)

- unterliegen strengeren Qualifizierungskontrollen: d.h. "Ausbildung" (jaja, ich weiß, "ganz oben" nicht)

- dank der fast Unkündbarkeit von Beamten sind diese übrigens gerne auch unbequem: Klagen, Probleme und passiver Widerstand: fragen sie mal Lehrer, Polizisten oder auch Finanzämter, die handeln im Zweifelsfall eher im Interesse des Volkes statt im Interesse irgendwelcher Vorschriften ... Dank der Unkündbarkeit gibt es massig Wege, wie ein Beamter seinem Vorgesetzten das Leben schwermachen kann.
DAS kriegen viele Leute nur leider nicht mit, aber fragen sie mal einen "unter vier Augen".



Wie gut es ohne Beamte in den USA funktioniert, sieht man z.B. an der
- US-Polizei (schießwütige Brutalos, nicht besonders kompetent),
- den US-Lehrern (inkompetent, v.a. die an öffentlichen Schulen, USA: 27% funktionale Analphabeten nach High School, d.h. die können keinen längeren Text lesen)
- den US-Verwaltungsangestellten: korrupt und inkompetent, meist schlecht ausgebildet
- den Rechten von US-Angestellten im öffentlichen Dienst: kann der Staat z.Zt. nicht mehr bezahlen, z.B. in Kalifornien und Rebellion und Streik nützt den Angestellten bei der gegenwärtigen Arbeitslosenquote in den USA nix.
- dem US-Justizsystem, in dem Staatsanwälte GEWÄHLT werden und zwar nicht nach Kompetenz, sondern je härter und öffentlichkeitswirksamer sie Kleinkriminelle verurteilen, desto größere Chancen haben sie
- der US-Steuerbehörde: denen ist ja jahrelang nicht aufgefallen, wieviel Geld in Steueroasen geflossen ist und erst jetzt werden sie aktiv und das auch nur in der Schweiz, weil die in Europa liegt und deren Investitionsinteressen denen der USA zuwiederlaufen, die eigenen Steueroasen (Bermudas und Co.) lässt man schön unangetastet.
- US-Richtern: da haben ein paar Jugendrichter extra Teenager für Jugendsünden in Jugendknäste geschickt und sich dafür bezahlen lassen.


Meckert ruhig über deutsche Beamte, (bin übrigens keiner), viele davon sehen sich in Volkes Diensten und wissen, wie sie mit Vorschriften um gehen können. Öffentlich zugeben dürfen sie das allerdings nicht.

Es ist schlicht nicht im Interesse von Bürgern, das Beamtentum abzuschaffen.

Ja glaubt ihr denn, man könnte die HartzIV-Sachbearbeiter so derartig unter Kostenspar-Druck setzen, wenn diese unkündbare Beamte wären? Kleine Arbeitnehmer erpressen geht nur, wenn man die wegen der kleinsten Nichtigkeit rausschmeißen kann.
Also: WEIL die HartzIV-Sachbearbeiter oft nicht verbeamtet sind, kürzen die so gerne, um ihre "Karriere" anzukurbeln bzw. ihren Job zu behalten.
Unkündbare Beamte in HartzIV-Ämtern würden ihrem Chef notfalls schlicht sagen: "Chef, da können wir nicht kürzen, das steht so in den Vorschriften."

Das Beamten-Bashing auch hier hat eher etwas mit dem HartzIV-Bashing (alles arbeitsscheue Proleten) und dem Ärzte-Bashing (alles Abkassierer mit Gott-Komplex) und dem Lehrer-Bashing (überbezahlte faule Säcke) und dem Studenten-Bashing (faule, dumme Verschwender) und dem Wissenschaftler-Bashing (korrupte, verlogene Papierbeschmutzer) und dem Bashing sämtlicher öffentlichen Einrichtungen und Dienste zu tun.

Momentan geht in Deutschland jeder auf jeden los, divide et impera.

Die preußische Obrigkeitshörigkeit, die auch an die Religion gekoppelt war, existiert nicht mehr in dem Maße, in dem es sie mal gab und ob heute Beamte bei einem Holocaust mitmachen würden, ist fraglich.

Momentan geht in Deutschland jeder auf jeden los, divide et impera.

Und auch ihr merkt das nicht.

Da neidet ihr den kleinen Beamten ihr Gehalt und merkt nicht mal, dass das mindestens genauso niedrig ist wie euer eigenes.

Bezüglich der Ineffektivität des öffentlichen Dienstes sei mal folgendes zitiert:

http://www.nachdenkseiten.de/?p=3797#more-3797

Zitat Anfang //

23. # Hessen: Schul-Kosten explodieren
Hessen gibt viel zu viel Geld für die Verwaltung der Schulen und zu wenig für den Unterricht und die Entwicklung der Schulqualität aus. Das ist das Ergebnis einer Studie der Deutschen Bank zu den Kosten der Schulverwaltung in den Bundesländern.
Quelle: Frankfurter Rundschau

Anmerkung J.W.: So etwas melden hessische Zeitungen. Die “Deutsche Bank” stellt fest: staatliche Verwaltung sei zu teuer. Dieses Geld fehle an den Schulen. Natürlich sind die „hohen Personalkosten“ der Buhmann für die Banker-Studie.
Interessant ist, dass trotz der allseits propagierten „selbständigen Schule“ die Schulverwaltungskosten steigen. Das ist leicht zu erklären: Dezentralisierung ging einher mit einer Zunahme von Tests, Lernstandards und deren Überprüfung. Statt sich um die Verbesserung der Lehre und der Ausstattung mit Lehrern zu kümmern, hat man einen gigantischen Testapparat aufgebaut.

25. # Zu guter Letzt die Glosse eines Lehrers

Als beamteter Lehrer muss ich folgendes loswerden:
Es mutet geradezu unheimlich an, wenn man merkt, wie generalstabsmäßig auch im Bildungssektor die Sabotage des öffentlichen Schulwesens zugunsten der Privatwirtschaft vollzogen wird - ganz analog zur Demontage des staatlichen Rentensystems zugunsten der privaten Versicherungswirtschaft.
So dient sich eine Inphorms GmbH als “Schulengel” an, um privaten Konsum gewissermaßen mit der Rettung des Regenwaldes - äh sorry, der Schulen natürlich zu verquicken, nebenbei eine sog. Community zu installieren, bei der sich - in bester Absicht natürlich - trefflich das öffentliche Schulwesen mitsamt aller unfähigen Lehrer usw. untergraben lässt. Quasi als Abfallprodukt fallen Unmengen persönlicher Daten von Konsumvorlieben bis zu (bildungs)politischen Meinungen für zielgruppengenaues “Marketing and More” an. Datenschutz ist natürlich garantiert…
Erschreckend ist auch, mit welcher Naivität viele Lehrer/innen den Köder schlucken, als ginge es wirklich nur um die Schüler/innen bzw. Verbesserung der materiellen Unterrichtsbedingungen durch “Fundraising”. Wer glaubt denn den Quatsch, dass z.B. die Rabatte der beteiligten Firmen nicht von vornherein in die Preise einkalkuliert, also vorher draufgeschlagen werden? Dann doch lieber direkte Spenden an die Fördervereine der einzelnen Schulen! Da gibt’s immerhin eine Spendenquittung für das Finanzamt.
“Diese Deutschstunde wird euch präsentiert von Menschenfreund & Co!” - “Chemielehrer Salzmann wurde ausgestattet von SURVIVA, Ihrem Spezialisten für säurefeste Berufskleidung!” - “Reicht die Pension nicht? Werden Sie Nachhilfelehrer bei Privatschule Schlauberg!” Sieht so die Zukunft der deutschen Bildungslandschaft aus? Ich fürchte: Ja! Oder sollte ich besser sagen: Ich hoffe: Ja! Schließlich muss die seit Jahren stagnierende bzw. rückläufige Einkommensentwicklung bei gleichzeitiger Arbeitsverdichtung und Arbeitszeitverlängerung irgendwie kompensiert werden.

// Zitat Ende


(die Nachdenkseiten.de seien hier mal einigen generell empfohlen, die grundsätzlich unreflektiert unhinterfragt und ohne Hintergrundwissen von der Überlegenheit privatwirtschaftlicher deregulierter Zonen ausgehen.)

Anonym 4. März 2009 um 17:23  

Position der Linken sollte sein, dass alle Einkommensarten sozialversicherungspflichtig werden.
Und die Beitragsbemessungsgrenze muss auch weg.
d.h. Menschen müssen aufgrund der grossen Leistungskraft der Sozialversicherungen auch in die Lage versetzt werden NEIN zu sagen.
Demokratie kann hergestellt werden.
Das Schwarzbuch 'Beamte' ist nur Ablenkung genau wie die Diskussion über Boni.
Die Beamten haben nicht die Repressionsgesetze erlassen, sondern wir haben zugelassen , dass diese verabschiedet wurden.

Anonym 4. März 2009 um 18:16  

" Erklär das mal 'nem normalen Arbeitnehmer in HartzIV-Zeiten, der bekommt regelmäßig Zornesfalten im Gesicht wenn er an diese offensichtliche Ungerechtigkeit denkt. Merke: Bei denen die den Staat organisieren wird nicht "reformiert" - aber bei allen anderen schon. "


Logik???
Staatsdienst und Privatwirtschaft unterliegen nicht denselben Regeln, WEIL sie nicht denselben Zwecken dienen. Privatwirtschaft soll Profit machen. Staat muss keinen Profit machen. Privatwirtschaft muss nicht alle gleich behandeln, noch muss sie alle Bürger (mit Handys, Kleidung etc) versorgen, der Staat muss alle Hartzis, alle Bedürftigen, schlicht alle Bürger gleich behandeln (ok, der Staat "sollte").

Des weiteren:

Die Lockerung des Arbeitnehmerschutzes und die Zumutbarkeitsregeln bei HartzIV sind eine Sache, nur lässt sich aus deren schierer Existenz weder ableiten, sie seien richtig oder sinnvoll, noch lässt sich daraus ableiten, dass der Staatsdienst nach denselben Regelungen reformiert werden soll.

Selbstverständlich läuft im Staatsdienst nicht alles perfekt.
Angesichts der VW-Nuttengeschichte, den gigantischen Aufsichtsratsbezügen (wisst ihr eigentlich, dass solche Aufsichtsräte gerade mal 4-8mal pro Jahr zusammentreffen?), angesichts der Siemens-Bestechungsgeschichten und so weiter vermute ich doch, dass gerade die Privatwirtschaft auch nicht viel sauberer läuft.

Und was ist mit den ganzen Steueroasen in Liechtenstein, der Schweiz und ähnlichen Gefilden?
Gibt es diese Steuerhinterziehung jetzt, weil dem Staat nicht die Mittel zur Verfügung stehen, diese auszutrocknen und die Steuerhinterzieher zu verurteilen? Oder gibt es diese Steuerhinterziehungen, weil die Privatwirtschaft bzw. Wohlhabende in unzulässiger Weise Einfluss auf den Staatsdienst nehmen.
Ich erinnere da mal an Staatsanwältin Lichtinghagen, die am Zum winkel-Fall dran war und die fertiggemacht wurde, weil sie ihren Job ernst genommen hat.
Da habt ihr mal ein Beispiel für eine Beamtin, die im Interesse des Volkes und nicht im Interesse ihrer Vor- und VorVorgesetzten (Zum winkels Kumpels) handelt.
Und wieviel Unterstützung hat die Dame dann von den ganzen Beamten-Bashern gekriegt? Sie hat sich ja eine ganze Weile nicht von ihrem Job abbringen lassen und erst als der Druck zu groß wurde, hat sie aufgegeben. Wäre diese Staatsanwältin nicht verbeamtet gewesen, dann wäre es wesentlich leichter gewesen, sie loszuwerden.

Anonym 4. März 2009 um 18:46  

"Es ist ein Zeichen von fehlender Verarbeitung deutscher Geschichte, wenn zwar die Beamten der damaligen Zeit moralisch verurteilt werden,.."

Warum nur der deutschen Geschichte?
Wie sehen wir in diesem Zusammenhang den amerikanischen Soldaten der die irakische Familie massakriert, wie sehen wir in diesem Zusammenhang den chinesischen Soldaten der auf dem Platz des himmlischen Friedens die Demonstranten massakriert?
Wie sehen wir in diesem Zusammenhang den israelischen Soldaten der die palästinensischen Kinder erschießt?

Was haben sie alle mit dem deutschen Bürokraten gemeinsam?

Anonym 4. März 2009 um 20:36  

Dieses Thema, Roberto, wirbelt in den letzten Wochen und Monaten meinen Geist vollends durcheinander (wenngleich nicht nur auf die Beamten bezogen). Kaum etwas erregt zur Zeit mehr meine Aufmerksamkeit - ich kann gar nicht umhin, meinen Alltag und meine Mitmenschen ständig vor dem Hintergrund des Mitläufertums und des obrigkeitsstaatlichen Denkens im Dritten Reich zu betrachten.

Und mittlerweile bin ich an dem Punkt angekommen, dass ich nachvollziehen kann, warum sich die Dinge damals so entwickeln konnten, wie sie sich entwickelt haben. Ich musste nur meine Phantasie anregen, um mich in die Lage der damaligen Gesellschaft hineinzuversetzen, und ich musste ebenso, nur lange genug meine Mitbürger beobachten, ihnen zuhören und ihre Denk- und Verhaltensweisen analysieren. Das, was ich erkannt habe, wird noch nicht der Weisheit letzter Schluss sein - bei weitem nicht. Aber es wird wohl auf ewig eine feste Größe in meinem Weltbild sein. Ich wäre froh, es müsste es nicht.

Und wenn man sich vor Augen führt, dass die Querdenker im Dritten Reich mit Verfolgung und Mord rechnen mussten, während man heute in diesem Land noch nicht einmal eingesperrt wird, sondern nur den leicht zu ertragenen Spott der Mitläufer über sich ergehen lassen muss, so lernt man erst, die damaligen Widerständler wahrhaft zu bewundern und die toten Fische, die uns heute stinkend entgegengeschwommen kommen, noch mehr zu verachten.

Und das Argument, es gebe heute ja keine Millionen Tote, verpufft sofort im Nichts, wenn man sich nur einmal die Berichte über Hunger und Elend in den weiten Teilen der Welt anschaut. Im übrigen sehe ich da sogar eine Parallele: Man weiß zwar vom Elend der Leidenden, aber es herrscht eine informelle und emotionale Distanz - das Leid hat kaum ein Gesicht und man muss es suchen, um es zu finden, weil wir davon abgeschirmt werden. Im Dritten Reich starben die Verfolgten vor allem hinter den Zäunen und Mauern der Konzentrationslager. Heute sterben die Unterernährten irgendwo auf dem kalten Boden in einer afrikanischen Dorfhütte.

Unabhängig von alldem finde ich es gut, Roberto, dass Du deine Texte kürzer und knackiger formulierst als zwischenzeitlich. Du verstehst es hervorragend, derart zu schreiben , also weiter so. :)

Anonym 4. März 2009 um 21:44  

hallo roberto,
hallo alle anderen kommentatoren ...

1.
ich kann mir kaum vorstellen, das man das problem der "obrichkeitshörigkeit" abschaffen kann indem man auf auf lange hinsicht den beamtenstatus aufhebt.
zwar sind beamte wie oben schon erwähnt verpflichtet die politischen bzw gesetzlichen regeln und richtlinien umzusetzen die sie vorgesetzt bekommen, doch sollte man davon ausgehen, das jeder mensch zumindest ansatzweise eingenständig denken und danach handeln soll/kann.

wie ebenfalls oben erwähnt, kann sich sogar ein soldat im einsatz weigern einen befehl auszuführen, insofern wichtigste humane und juristische grundsätze verletzt werden oder werden könnten.
ich wäre zwar naiv das sich das "recht" dann auch zu 100% auf seine seite schlägt, aber er hat die möglichkeit, und sollte davon auch gebrauch machen, das ist er uns und sich selber schuldig.
genau das gleiche gilt für polizei, die feuerwehr, für leute in der arge usw.
letztendlich hat jeder mensch die möglichkeit zu kündigen, wenn alle stricke reissen.
Das dies erhebliche folgen haben kann, ist mir durchaus bewusst, und ich fürchte das die repressalien im dritten reich jedem abweichling teuer zu stehen kamen.

wie aber die situation vor und während dem dritten reich genau war, kann ich bisher kaum beurteilen, denn ich weiss darüber einfach zu wenig, doch ich versuch mich inzwischen etwas weiterzubilden, und ich hoffe das auch die ausgaben der „zeitungszeugen“ da etwas weiterhelfen werden.
Aus dem grund des doch eher dürftigen wissens meinerseits möchte ich mich hierauf also nicht weiter eingehen, ausser das ich nochmal auf die verantwortung eines jeden einzelnen verweisen muss, und ich habe das gefühl das sehr viele menschen „schuld“ auf sich geladen haben, sei es das sie sich nicht „wiedersetzt“ haben, sei es das sie sich gerne „elitär“, „mächtig“ oder „inhuman“ verhalten haben.



2.
wenn man sich ansieht, wie viele menschen sich damals wie heute an der menschlichkeit vergehen ( im kleinen wie im grösseren ), so verwundert es mich nicht wenn eben diese, sollten sie jemals auf ihre eigene verantwortung angesprochen werden, mit dem finger auf ihre vorgesetzten oder regelwerke denen sie unterworfen zeigen.
Und warum ?
Warscheinlich um ihr gewissen etwas zu beruhigen, um nach einer kleinen strafe als vollwärtiges mitglied in unserer gesellschaft anerkannt zu werden ?
Ich weiss es nicht.
Doch denke ich das es eine weit verbreitete herangehensweise der menschen ist, sich ein opfer zu suchen welches „die verantwortung trägt“, auf die man all die schlechten ( eigenen ) eigenschaften projezieren kann um nachts besser zu schlafen.

Wer also nur die oberen anklagt ( was selten genug passiert ) aber der breite masse verzeiht, betrügt das was ich unter gerechtigkeit und verantwortung verstehe.

Dennoch auch hier nochmal die frage, warum machen menschen zum teil bereitwillig bei „inhumanem“ mit?
Die angst entlassen zu werden und auf einem arbeitsmarkt zu landen der immer weniger menschen „versorgen“ kann ?
Die angst sozial abzusteigen, insofern man noch was zu verlieren hat ?
Die angst diffamiert und gemieden zu werden da man ja jetzt mit den „sozialschmarotzern“ auf eine stufe gestelt werden könnte, als ein verlierer dargestellt werden könnte ?



3.
wer personen in amt und würden wählt, der zb. gegen arbeitslose, oder gegen randgruppen egal welcher art wettert, der macht sich mitschuldig an dem was eben jetzt oder später diesen menschen wiederfährt, heute wie auch vor 70 jahren.
Wenn sich heute jemand hinstellt, der behauptet das man von 2.51 am tag gut und gesund leben kann, so macht eben dieser mensch sich mitschuldig wenn dies irgentwann in ein gesetz gegossen wird, und an den konsequenzen für die betroffenen.
Wer behauptet wer nichts hat sei selber schuld, verkennt die soziale selektion die schon in der schule beginnt ( oder duldet bzw. befürwortet sie sogar ), wer sich propagandistisch einlullen lässt muss sich nicht wundern wenn er irgentwann mit heftigen kopfschmerzen oder schlimmer aufwacht.
Manchmal denke ich, das sich viele menschen sich dieser verantwortung gar nicht so ganz bewusst sind, wenn sie zum wahllokal unterwegs sind, oder studien anfertigen die dahingehend missbraucht werden können, oder illegale finanztransaktionen durchführen.
War das mit der atombombe nicht ähnlich, auch wenn der vergleich etwas hinkt ?



Nun ja, ich denke jeder der nicht aktiv gegen ungerechtigkeiten vorgeht ( im rahmen seiner/ihrer möglichkeiten ), fördert repressionen, fördert diskriminierung, fördert ungerechtigkeit, und das man eben diese leute zur verantwortung ziehen muss sollte selbstverständlich sein.

Nur stellt sich auch hier wieder die frage; sind diejenigen die gerecht sind, diejenigen die geehrt und ein humanes leben führen, bzw. denen ein humanes leben gestattet wird ?
Vielleicht erklärt diese frage, weshalb so viele leute willfährige huren sind.



Lg,
e

Anonym 5. März 2009 um 00:11  

"[...]Nachdenkseiten

Brauchen wir mehr Beschäftigte im öffentlichen Dienst oder weniger.
Und wie sollen die Arbeitsplätze finanziert werden?[...]"

Ich denke, dass im öffentlichen Bereich soviel vorhanden ist, dass genug Arbeit für alle da ist - ergo mehr Beschäftigte, aber rein privatrechtlich. Den Beamtenstatus abzuschaffen ist gar nicht so schwer, man sollte eben nur die Angestellten und Arbeiter, die bereits im Staatsdienst privatrechtlich angestellt sind haben, und den Beamtenstatus für rein hoheitliche Bereiche (z.B. Polizei im Außendienst) belassen.

Was das "Beamtenbashing" angeht, da sieht der Diskutant der hier fleißig Beamte verteidigt, ohne einer sein zu wollen - die Mitläufer waren schon 1933 die "Besten" - etwas wieder völlig falsch.

Dem "Schwarzbuch Beamte" geht es keineswegs um Bashing, sondern darum Alternativen zum Berufsbeamtentum aufzuzeigen, und da reicht es eben nicht allein die Alternativen aufzuzählen ohne vorher reale Mißstände des Berufsbeamtentums aufzuzählen.

Ich geh rein nach dem Prinzip "TMA" - "There are many alternatives", dass der Globalisierungskritikerin Susan Sontag zugeschrieben wird, als Gegensatz zum Leitspruch der gescheiterten Neoliberalen "There is no alternative", die nur noch Denkblockaden haben....siehe Finanzkrise bzw. Neue Weltwirtschaftskrise (Zitat: Nobelpreisträger Paul Krugman).

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 5. März 2009 um 00:14  

Noch was, ich hab auch mal gehört, was ich zu bedenken geben will, dass der Ostblock bzw. die Ex-Sowjetunion und die Ex-DDR wegen der pauschalen Verbeamtung der ganzen Bevölkerung gescheitert sind....

Es wurden da Mißstände aufgezählt, die jeder Deutsche aus der realen Berufsbeamtentum kennt.....

Fazit:

Der "Fall der Mauer" hätte auch das Ende des Berufsbeamtentums sein sollen, da die eben die ausführenden Apparatschicks jedes Systems sind - nicht nur des Dritten Reiches sondern auch der Ex-DDR.

Leider ist es völlig anders gekommen, zu unser aller Schaden....

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 5. März 2009 um 00:17  

Klar ausgedrückt:

Die gescheiterte staatskommunistische Doktrin ist eben an der Überbürokratisierung gescheitert, wie nun auch der Neoliberalismus, wenn es nach dem Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz geht, der die "Neue Weltwirtschaftskrise" direkt mit dem "Fall der Berliner Mauer" vergleicht.

Fazit:

Neoliberalismus und Sowjetkommunismus sind grundverschiedene Systeme scheiterten aber beide an der totalitären Überbürokratisierung aller Lebensbereiche, und einem - völlig unterschiedlichen - Irrglauben.

Ich lass mich gerne korrigieren, aber ich seh es so....Ironie der Geschichte nenne ich oben erwähntes übrigens auch.....

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Potemkin 5. März 2009 um 09:13  

Auf dem falschen Dampfer...
Kann sich noch jemand an den Film "In 80 Tagen um die Welt" erinnern? Da wird zum Schluß das halbe Schiff verheizt, um eine Wette zu gewinnen. Übrig bleiben die Sieger auf einem quasi abgewrackten Schiff.
Das Staatsschiff ist schon in einem erbärmlichen Zustand, und längst hat die Mannschaft auch schon an die tragenden Teile Hand angelegt. Große Teile der Beamten werden in diesem Sinne verheizt, gefangen in der Zwickmühle von Unkündbarkeit und Streikverbot. Das gilt natürlich nicht für den gehobenen Dienst, der schon Teil der 'ehrenwerten Gesellschaft' ist. Aber Lehrer, Polizisten und Vollzugsbeamte werden selbstverständlich zu unbezahlten Überstunden gedrängt und viele haben seit drei Jahren keine Gehaltserhöhung gesehen. Das beliebte, von den einschlägigen Medien geförderte Beamtenbashing ist nichts anderes als Klassenkampf von oben. Es scheint leider tief in der deutschen Mentalität verankert zu sein, lieber auf die zu schimpfen, die es angeblich noch besser haben, anstatt sich zu wehren. So wie es uns schon unsere Eltern gesagt haben: Das bekommst Du nicht, wir haben das schließlich auch nicht gehabt. Am Ende werden aber alle verheizt. Dann werden wir in einer (dem Klimawandel sei Dank!) Bananenrepublik aufwachen, in der schlecht bezahlte Staatsdiener wie selbstverständlich die Hand aufhalten. Die 'ehrenwerte Gesellschaft' wird sich in komfortable Hochsicherheitstracks zurückziehen und über soviel Sozialneid den Kopf schütteln.

Anonym 5. März 2009 um 10:04  

"[...]Es scheint leider tief in der deutschen Mentalität verankert zu sein, lieber auf die zu schimpfen, die es angeblich noch besser haben, anstatt sich zu wehren.[...]"

Was verstehst Du unter deutsche Mentalität? Und schimpfen? Warum haben es Berufsbeamte nur angeblich besser deiner Ansicht nach? Wieso lieber "Potemkin" verteidigst du einen Berufsstand der nie "reformiert" wurde? Was nützt dies dir, wenn du von angeblichem "Beamtenbasing" redest? Thomas Wieczorek dies vorzuwerfen - ohne das Buch "Schwarzbuch Beamte" je gelesen zu haben - grenzt übrigens an potemkinsche Dörfer, da haste wirklich recht *lol* ;-)

Tipp:

Lies erstmal bevor du hier etwas kritisierst, dass du nicht kennst.

Übrigens mir kommt es vor als wäre "Beamtenbashing" zwar verboten, aber "HartzIVler-Bashing" durchaus erlaubt.

Wem nützt dies?

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 5. März 2009 um 11:20  

Ich versteh den Streit hier auch nicht: Was ist daran schlimm, dass Berufsbeamtentum, wie Nachdenkseiten-Leser befürwortet einfach durch normale privatwirtschaftlich angestellte Bürokräfte und Arbeiter zu ersetzen? Soviel ich weiß wird dies - aus Kostengründen? - bereits z.B. bei vielen Kommunalverwaltungen praktiziert? Wer kennt nicht jemand, der ursprünglich mal z.B. einen privatrechtlichen Büroberuf gelernt hat und nun auf einem Rathaus arbeitet?

Ich denke man sollte wirklich einmal das "Schwarzbuch Beamte" gelesen haben bzw. im realen Leben mit solchen Fällen konfrontiert worden sein statt hier hirnlos die Mär vom angeblichen "Beamtenbashing" zu verbreiten!

Anonym 5. März 2009 um 12:14  

Ich bin kein Beamter, aber er hat schon recht: Hier ist es leichter als in anderen Ländern, die Leute nach dem Prinzip teile und herrsche gegeneinander auszuspielen. Hat wohl was mit Geschichte zu tun...

Anonym 5. März 2009 um 14:37  

"[...]Ich bin kein Beamter, aber er hat schon recht: Hier ist es leichter als in anderen Ländern, die Leute nach dem Prinzip teile und herrsche gegeneinander auszuspielen. Hat wohl was mit Geschichte zu tun...[...]"

Mag schon sein, aber was hat es mit "teile und herrsche" zu tun, wenn ich das "herrsche" z.B. ganz auf privatrechtlich-normal-arbeitende und denkende-Beschäftigte Angestellte/Arbeiter statt auf staatlich-blind-Befehle-ausführende-treue-Eid-schwörende-GG-Beamte ausdehnen will?

Unsere Politiker halten sich übrigens ganz genausowenig an das GG wie die Mehrheit der Beamten, und dies obwohl die einen feierlichen Eid, oder gerade deswegen?, auf unsere Verfassung ablegen müssen.

Die Verfassungsgerichtsurteile der letzten Jahre haben doch hier nichts mit "teile-und-herrsche" zu tun sondern sind real existent.

Oder ist hier jemand anderer Ansicht?

Ich bleib dabei, der hat Recht, der Beamte auf rein hoheitliche Bereiche beschränkt sehen will.

Alles andere, z.B. Bleistift spitzen und Geschäftsbriefe schreiben, kann auch ein normaler Angestellter OHNE Beamtenstatus.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 5. März 2009 um 14:44  

Nachdenkseiten:

Die Nachdenkseiten befürworten nicht die Abschaffung der Beamten, sonder sie befürworten Mindestlöhne, Arbeitnehmerschutz und Co.

Die von mir zitierten Passagen sind KRITISCHE Passagen.
Die hessischen Beamten sind nicht wirklich zu teuer,

GENAU LESEN:

//
23. # Hessen: Schul-Kosten explodieren
Hessen gibt viel zu viel Geld für die Verwaltung der Schulen und zu wenig für den Unterricht und die Entwicklung der Schulqualität aus. Das ist das Ergebnis einer Studie der Deutschen Bank zu den Kosten der Schulverwaltung in den Bundesländern.
Quelle: Frankfurter Rundschau

Anmerkung J.W.: So etwas melden hessische Zeitungen. Die “Deutsche Bank” stellt fest: staatliche Verwaltung sei zu teuer. Dieses Geld fehle an den Schulen. Natürlich sind die „hohen Personalkosten“ der Buhmann für die Banker-Studie.
Interessant ist, dass trotz der allseits propagierten „selbständigen Schule“ die Schulverwaltungskosten steigen. Das ist leicht zu erklären: Dezentralisierung ging einher mit einer Zunahme von Tests, Lernstandards und deren Überprüfung. Statt sich um die Verbesserung der Lehre und der Ausstattung mit Lehrern zu kümmern, hat man einen gigantischen Testapparat aufgebaut.
//


Im ersten Abschnitt wird also ein Artikel beschrieben, der in der Frankfurter Rundschau erschienen ist und in dem behauptet wird, die Kosten für die Schulverwaltung seien zu teuer.
Im zweiten Abschnitt kommentiert dann "J.W.", dass Zweifel an einer Studie angebracht seien, die von der Privatwirtschaft, nämlich der deutschen Bank bezahlt wurde und nachweist, der Staatssektor sei ineffizient.
Des weiteren kommentiert "J.W.", dass die Schulevaluationen so derartig viel Zeit und Geld verschlingen, was aber nicht unbedingt "zuviel Verwaltung" ist, sondern eine falsche Strategie der Schulentwicklung.

Guckt euch die PISA-Ergebnisse der Gymnasien doch an, die Gyms sind nicht ineffektiv, aber die Hauptschulen sind es (im Durchschnitt).

Anonym 5. März 2009 um 14:45  

Das "teile und herrsche" wird hier aber ganz schon verdreht. Nach der Logik wären also die herrschende Kaste die Opfer, die Unterschichten, die unter diesen leiden, die Hetzer und ausführenden von ungerechten Gesetzen.

Seltsame Tatsacheverdrehung hier, und typisch neoliberal deutsch für heutige Tage.

Anonym 5. März 2009 um 14:53  

Ich empfehle mal:

colin crouch
Postdemokratie

http://www.amazon.de/Postdemokratie-Colin-Crouch/dp/3518125400/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books&qid=1236260776&sr=8-1

Man kann auf amazon in das Buch hineinlesen (Buchabbildung anklicken), ich empfehle ausdrücklich Seite 10.

Noch etwas zu Beamten:
Beamte sind dem Staat rechenschaftspflichtig.
Werden bestimmte Dienstleistungen an privatwirtschaftliche Unternehmen ausgelagert, sind diese Angestellten, die auf denselben Stühlen sitzen wie die Beamten, nur ihrem Arbeitgeber, aber nicht dem Staat rechenschaftspflichtig.
Wozu das führt, kann man auch auf den Nachdenkseiten nachlesen.
Oder auch, wenn man mal über die Deutsche Bahn nachdenkt.
Solange die Deutsche Bahn in Staatshand war, wurde das Schienennetz erhalten. Jetzt im Zuge der Teilprivatisierung weiß die Bahn nicht, ob sie das Schienennetz kriegt oder nicht, mit der Folge, dass in das Schienennetz nicht investiert wird, d.h. die Bahn zerstört momentan ihre eigene Substanz und schüttet die für den Erhalt des Schienennetzes notwendigen Beträge als Aufsichtsratsvergütungen und als Dividenden aus.

HIER ist also die Privatisierung sehr schädlich und es ist fraglich, ob die das in den Griff kriegen, denn dasselbe gilt für Bahnhöfe und andere Infrastruktur, wie z.B. die Radachsen der Züge. (Letztere werden nicht mehr häufig genug gewartet, daher die Unfälle).

Anonym 5. März 2009 um 16:07  

Seltsam, ich habe das selbe Buch "Postdemokratie" wie du gelesen und die Passage ist mir völlig unbekannt, aber ein anderer "anonym" hat es völlig richtig erkannt - ich bin NICHT pauschal für die Abschaffung von Berufsbeamten sondern dafür, dass diese nur noch auf hoheitliche Aufgaben (z.B. Polizei im Außendienst, Finanzamtskontrolleur etc.) beschränkt werden.

Es gibt mehr als ein Beispiel dafür, dass in Deutschland die Welt nicht zusammenbrechen würde, wenn man z.B. im Büro der Öffentlichen Verwaltungen Angestellte statt Beamte hätte.

Darauf wollte ich eigentlich hinaus.

Übrigens, als Ex-Verwaltungsfachangestellter regt mich noch eine Ungerechtigkeit auf - dies nur am Rande, die Angestellten/Arbeiter im Ö.D. sind kündbar, und müssen nach Kündigung sehr oft den Beruf wechseln, oder sind zur jahrelanger Bewerberei verdammt mit Phasen der Arbeitslosigkeit dazwischen - mir ist mehr als ein Fall bekannt, durch mich, und Berufsschulkollegen von mir.

Dies weil der Staat seit Jahren im Öffentlichen Dienst beim Personal spart!

D.h. er entlässt massenhaft normal-privatwirtschaftlich Angestellte/Arbeiter während die Beamten/-innen genau dieses Schicksal nicht teilen!

Im Gegenteil, die werden sogar für "normale" Büroarbeiten eingesetzt, d.h. ich rede hier wirklich mal aus Erfahrung und nicht vom, mir vorgeworfenen, "teile und herrsche"!

Warum übrigens Angestellte, wie ich z.B., die gerne im Ö.D. waren nach Rauswurf oft nie wieder einen Fuß in eine Staatsstelle bekommen, während es anderen Bürokräften (z.B. Bürokaufleuten, Steuerberatern etc.) immer wieder gelingt kann mir auch keiner erklären.

Es liegt wohl am viel bewährten "Vitamin B" in Deutschland!

Und dies sage ich auch aus persönlicher Erfahrung, nicht vom Buchlesen - obwohl im "Schwarzbuch Beamte" noch mehr so haarsträubende Beispiele sind!

Deshalb bleibe ich dabei, wenn schon, dass bitte für alle, die Verwaltungsangestellten/-arbeiter komplett abschaffen und durch kompatible Berufe ersetzen, denn da wäre ein Wechsel z.B. als Bürokraft im Ö.D. in die Privatwirtschaft kein Problem mehr.

Hier wird aber nicht "reformiert"!

Tja, warum wohl?

Hat es was mit "teile und herrsche" zu tun, wenn ich diese offensichtliche Ungerechtigkeiten in Deutschland, die ich selbst erlebt habe, anprangere und Verbesserungen verlange?!

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 5. März 2009 um 16:15  

Noch was, die Stelle auf Nachdenkseiten angeht:

Wieso verlinkst Du die nicht? Und wieso kommt mir die angebliche Stelle einer neoliberalismuskritischen Seite namens Nachdenkseiten so seltsam vor?

Übrigens, ich kann nur aus meiner Lebenserfahrung schreiben, und daher bin ich wirklich krass für die Abschaffung des Berufsbeamtentums für nicht-hoheitliche Bereiche.

Wie die Bewerberei zurück auf Staatsposten aussieht braucht mir auch keiner zu erklären, da hätte ich - auch was Arbeitsämter angeht - mehr als ein haarsträubendes Beispiel zu erwähnen wie man abblitz, wie linkes Spiel mit Bewerbern, die öffentlicher Dienst gelernt haben, getrieben wird etc. etc.

Solltest Du mal einem HartzIV-Empfänger/-in gegenüber sitzen immer dran denken, dass könnte auch sogenannte "Ausschußware" sein, die mal auf der anderen Seite des Arbeitsamtsbüros saß.

Nur ein Beispiel von vielen....

Ein Staat übrigens, der so mit seinen Dienern umspringt, wie Deutschland, der hat für mich seine Existenzberechtigung verloren.

Und dies schreibe ich auch, obwohl mir bewußt ist, dass Wolfgang Schäuble mitliest.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 6. März 2009 um 15:08  

Leute, Privatwirtschaftsverwaltung und Staatsverwaltung sind verschieden.

Colin Crouch beschreibt sehr schön, wie immer mehr öffentliche Dienstleistungen, die früher der Staat erbracht hat, an private Unternehmen vergeben werden, so z.B. der Bau von Schulen oder auch Verwaltungsangestellte.
Dabei stellt Crouch sehr deutlich dar, dass ein von einem Subunternehmer an den Staat ausgeliehender Verwaltungsangestellter, also quasi ein Leiharbeiter, nicht dem Staat gegenüber rechenschaftspflichtig ist, sondern gegenüber seinem Boss aus dem Subunternehmen.
Und das ist schlicht ein Problem. Man denke an kommunale Stadtverwaltung, an Finanzämter, an Arbeitsämter, Bauämter oder Sozialämter.

Gerade z.B. in der Bauwirtschaft findet unglaublich viel Korruption statt, insbesondere in Form von der Beschäftigung Schwarzarbeitern und der Manipulation von Ausschreibungen. Ein privatwirtschaftlicher Leiharbeiter in Staatsdiensten tut, was sein privatwirtschaftlicher Chef ihm sagt und wenn der fordert, die Ausschreibung für ein Schulbauprojekt ein wenig zu manipulieren, damit sein Schwager den Auftrag kriegt, dann wird dieser Angestellte das tun, WEIL er sonst gekündigt wird. Wäre dieser Angestellte aber unkündbarer Beamter, dann könnte sich dieser sogar gegen seinen verbeamteten Chef auflehnen.

Im Prinzip geht es bei diesem ganzen Privatisierungs-Gejubel öffentlicher Dienstleistungen darum, Geld, das für öffentliche Dienstleistungen ausgegeben wird, über die Privatwirtschaft zu leiten, deren Chefs und Bosse sich gerne einen gehörigen Batzen davon abschneiden wollen.

Des weiteren ist der Staat bei der Bereitstellung öffentlicher Dienstleistungen verpflichtet, ALLE Bürger gleich zu behandeln. Privatwirtschaftliche Firmen sind dazu nicht verpflichtet, diese müssen nicht ALLE Bürger mit Waren/Dienstleistungen versorgen, sondern sie dürfen bestimmte, z.B. arme Kunden ablehnen. Und genau das tun privatwirtschaftliche Unternehmen auch: Kunden, die den Preis für ein Handy nicht bezahlen können, können dieses Handy eben nicht kaufen. Ein Staat darf sich nicht weigern, arme, ungebildete oder alte Bürger nicht mit öffentlichen Dienstleistungen zu versorgen, auf die ein Bürger Anspruch hat, wie z.B. Sozialhilfe oder Arbeitslosengeld.
Ein staatliches Arbeitsamt muss ALLE Arbeitslosen vermitteln, unangesehen ihres Geschlechts, Alters, Bildungrades usw.
Ein privatwirtschaftliches Arbeitsamt muss nicht alle Arbeitslosen vermitteln, die als Kunden zur Tür hereinkommen.

Privatwirtschaftliche Unternehmen picken sich als Kunden nur die "Rosinen" heraus. Ein Staat darf sich aber nicht nur um seine "Rosinen-Bürger" kümmern, sondern ein Staat MUSS SICH UM ALLE BÜRGER KÜMMERN, ohne Ansehen ihres Einkommens, Alters, Geschlechts, Bildungsgrades, ... .


Genau das erwähnt auch Colin Crouch, Stichwort "Privatisierung öffentlicher Dienstleistungen".


Und wer obige Argumentation nicht versteht, tut mir nur noch leid.

Und wer behauptet, Crouchs "Postdemokratie" gelesen zu haben aber obige Argumentation nicht vorgefunden zu haben, möge sich nochmal für ein Jährchen in den Deutschunterricht Klasse 7 begeben, denn Crouch schreibt seitenlang darüber.

Wer Menschen gleichwelchen Bildungs- und Ausbildungsgrades als "Ausschussware" tituliert, disqualifiziert sich selbst in einer Diskussion.

Anonym 6. März 2009 um 16:30  

"[...]Wer Menschen gleichwelchen Bildungs- und Ausbildungsgrades als "Ausschussware" tituliert, disqualifiziert sich selbst in einer Diskussion.[...]"

Lieber Anonym,

scheinst es nicht verstehen zu wollen? Erstens beleidigst du mich hier, und zweitens unterstellst du mir Dinge, die ich so nie geschrieben habe:

1. Den Hinweis mit der "Ausschußware" würde ich an deiner Stelle noch einmal genau lesen, denn ansonsten disqualifiziere ich nicht mich, sondern du dich. Ich rede hier auch von mir, und gebe eigentlich nur wieder was Kapitalisten, und dazu gehören auch nun einmal die öffentlichen Arbeitgeber, auch wenn es dir nicht paßt, über ihre Mitarbeiter denken, d.h. ich halte hier den Denkern des "Homo Oeconomicus", und deren offensichtlich gescheiterter neoliberalen Ideologie einen Spiegel vor. Kannst die Tatsachen ja gerne wieder verdrehen, was du ja anscheinend gerne tust.

2. Ich rede nicht von der Privatisierung des Öffentlichen Dienstes sondern davon, das Berufsbeamtentum, dass du so vehement verteidigst, nur auf hoheitliche Bereiche zu beschränken. Diese Tatsache kannste gerne auch verdrehen....ich bleib dabei, nur für einen Geschäftsbrief zu schreiben, Bleistift zu spitzen, oder Däumchen zu drehen benötigt man keine Berufsbeamten. Angestellte arbeiten, Beamte nicht, dass weiß ich auch nicht vom Bücher lesen, sondern auch meiner realen Lebenserfahrung als Verwaltungsfachangestellter im Ö.D. Ja, ich setze sogar noch einen drauf, Beamte halten sich schon in der Ausbildung für eine "Elite" während die Angestellten in der selben Klasse eben die "Unterschicht" sind - diese Erfahrung machte ich schon 1989 - 1992. Nicht erst jetzt, und daran hat sich nichts geändert, auch im Berufsalltag nicht. Unterhalt dich doch mal statt ständig mit Beamten/-innen mit Angestellen/Arbeitern im Ö.D.

Ich bin mir aber sicher, du verdrehst hier die Tatsache auch wieder, ebenso wie du die Stelle in Nachdenkseiten nicht offenbarst von der du angeblich deine Kenntnisse haben willst.

3. Zu Colin Crouch, ist schon länger her, dass ich "Postdemokratie" gelesen habe, aber du hast meine Erinnerung ja aufgefrischt. Ich sehe es ähnlich, aber bin kein Gläubiger des Marktes, wie du hier wieder einmal schön verdrehst. Siehe oben.

Ich bleibe dabei, und beende hiermit die Diskussion:

Berufsbeamte nur noch für hoheitliche Bereiche, die wirklich staatstragend sind, alle anderen Tätigkeiten sollen im Öffentlichen Dienst bleiben, aber von privatwirtschaftlich beschäftigten Angestellten und Arbeitern - nein nicht Leiharbeiter! - erledigt werden.

Anscheinend willst du nämlich nicht kapieren, dass es schon seit Jahren eine Zweiteilung im Ö.D. gibt, und zwar nicht erst seit der - auch mir nicht passenden totalen Privatisierung aller Lebensbereiche.

Eine einfache Internetrecherche, z.B. bei Verdi, reicht dafür, um zu sehen von was für Angestellten/Arbeitern IM Ö.D. ich rede, wenn ich Berufsbeamte nur noch für hoheitliche Bereiche eingestellt sehen will.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 6. März 2009 um 16:32  

"[...]Und wer obige Argumentation nicht versteht, tut mir nur noch leid.[...]"

Ich bin halt zu blöde dafür, und du verstehst ja sowieso alles besser als jemand, der dies alles erlebt hat....

Ich geb dein Kompliment gerne zurück, an deine Adresse.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Alexander Tetzlaf 6. März 2009 um 18:53  

Und was von alledem rechtfertigt jetzt Sanktion, Repression, Nötigung, Zwang, Hetze, Sippenhaftung und Entzug der Nahrung

Was von alledem rechtfertigt jetzt faschistisches Verhalten?

Was hat ein Beamtengesetz damit zu tun, dass sich der deutsche Untertan schon wieder in blindem Kadavergehorsam menschenverachtender Politik andient, anstatt couragiert dagegen aufzustehen und die wahren Schmarotzer und ihre Speichellecker in der Politik davonzujagen?

Jeder Argemitarbeiter, ob nun verbeamtet in Stuttgart oder auf dem Schleudersitz in Rostock ist ein Faschist. Mit Ausnahme derer, die schissernde Untertanen sind. Faschist oder Untertan. Je nach Motivation. Das eine oder andere.

Verachtenswert sind beide.

Anonym 6. März 2009 um 19:06  

@Alexander Tetzlaf

Ich sehe es, rein was ARGE-Mitarbeiter angeht, ähnlich.

Siehe meine Lebenserfahrung mit solchen Typen.

Vielleicht war ich auch nicht der Menschenschlag, den diese Arbeitsagenturen gerne einstellen?

Kann ja nicht jeder ein Faschist, und Sozialrassist, sein.

Eigentlich sollte ich sogar froh darüber sein, dass die mich nicht eingestellt haben.

Ich denke nämlich, dass schon ein ganz bestimmter Menschentyp, denn du Klasse beschrieben hast, auf diese Ämter geht, um Menschen zu gängeln....

Grüße
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 6. März 2009 um 19:14  

Übrigens, ich seh's auch dunkelschwarz - manchmal - was "Die Bürokratie als Täter und Opfer" angeht.

Seit ich Raul Hilberg "Der Vernichtung der europ. Juden" gelesen habe ist mir ein gewisser Typ eines dt. Beamten äußerst suspekt, denn du Klasse beschrieben hast, und der heute wieder, diesmal keine jüdischen Mitbürger, sondern "sozial Schwache" mit Sozialrassismus gängeln darf.....

Raul Hilbergs Bücher sind echte Augenöffner, den die Judenvernichtung kam nicht von Anfang an, die fing erst auch mit den kleinen Gemeinheiten, dem Ausnützen von uralten Vorurteilen, die verdächtige Parallelen zu heutigen Vorurteilen gegenüber Arbeitslosen aller Nationen in .de haben, und Ausgrenzung durch Behörden und Berufsbeamte an - den Rest kennen wir.....aus dem Geschichtsunterricht....

Ich seh da mehr als eine Parallele zu heute, leider muss ich sagen.....

Soweit wie hier:

http://www.heise.de/tp/r4/artikel/29/29808/1.html

...sind wir (noch) nicht, aber mangels Rückrat kann es auch wieder dazu kommen, dass so mancher dt. Beamte bei der dt. Berlusconisierung mitmischt....

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 7. März 2009 um 04:22  

Bitte nicht immer andere der Tatsachenverdrehung bezichtigen, während man sich selber wohl aus gewissen Gründen gerade dieses Mittels bedient.

Die Trennung zwischen hoheitlichen und nicht-hoheitlichen Aufgaben ist weder präzise möglich noch irgendwie relevant.
Privatisierung öffentlicher Aufgaben führt schlicht dazu, dass die Wirtschaft zuviel Einfluss gewinnt, infolge dessen die Qualität dieser Leistungen i.d.R. schlechter wird, die Korruption wächst und der Lobbyismus blüht.
Daher sollten Staatsaufgaben - auch Geschäftsbriefe und Ausschreibungen tippen - grundsätzlich von Beamten erledigt werden.

DAS hat Crouch gesagt und offensichtlich hat das der 1.2.3.-Poster immer noch nicht kapiert.

Der Link zu dem Hinweis auf den Nachdenkseiten findet sich in einem meiner früheren Postings.
Strg+F drücken und nach "www" oder nach "https" suchen.

"Ausschussware" ist ein Stichwort, das in Bezug auf Menschen nicht verwendet werden sollte - Ende.

Anonym 7. März 2009 um 15:22  

"[...]"Ausschussware" ist ein Stichwort, das in Bezug auf Menschen nicht verwendet werden sollte - Ende.[...]"

Stimmt, nicht einmal, wenn man selbst solche ist - du willst es nicht kapieren, und drehst es halt wieder so, wie es dir paßt

-Ende Teil 2

Amüsierte Grüße
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 7. März 2009 um 20:03  

"[...]DAS hat Crouch gesagt und offensichtlich hat das der 1.2.3.-Poster immer noch nicht kapiert.[...]"

Der hat schon kapiert worauf die Beamtenstaatsverteidiger hinauswillst, aber du kennst ja nur Colin Crouch.

Ich empfehle dir dringendst das Buch "Der gekaufte Staat" der Autoren des Politmagazins "Monitor".

Dort ist die Rede von Leihbeamten, die vom Staat von Unternehmen ausgeliehen werden, damit die im Namen der Lobby Gesetze schreiben dürften:

http://archiv.mopo.de/archiv/2008/20080404/deutschland-welt/politik/richtlinien_fuer_leihbeamte_in_ministerien_werden_verschaerft.html

...soll heißen, die haben - in Deutschland zumindest - den Status von "Beamten auf Zeit", die du hier meinst. Colin Crouch redet vom angelsächsischen Bereich, da ist es anders geregelt, aber in Deutschland ist es eben so wie oben beschrieben.

Kannste gerne wieder umdrehen, aber Sascha Adamek und Kim Otto haben das schon richtig beschrieben, daher bleibe ich dabei:

Berufsbeamte nur noch für hoheitliche Bereiche (sowie "Leihbeamte" abschaffen!).

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

@ Nachdenkseitenleser 7. März 2009 um 21:46  

"[...]"Ausschussware" ist ein Stichwort, das in Bezug auf Menschen nicht verwendet werden sollte - Ende.[...]"

Stimmt, nicht einmal, wenn man selbst solche ist - du willst es nicht kapieren, und drehst es halt wieder so, wie es dir paßt

-Ende Teil 2

Amüsierte Grüße
Nachdenkseiten-Leser

7. März 2009 15:22
__________________


Genau darum geht es.
"Ausschussware" sollte nicht für Menschen verwendet werden, auch du solltest den Begriff für keinen Menschen verwenden, auch nicht für die, die du nicht magst oder für die, die dir mal dumm/intelligent/unbequem/unangenehm/... oder als hartzIV-Sachbearbeiter aufgefallen sind.

Menschen sind Menschen, keine Ausschussware. Niemals.

@ Nachdenkseitenleser 8. März 2009 um 13:10  

"Berufsbeamte nur noch für hoheitliche Bereiche (sowie "Leihbeamte" abschaffen!). "


1. Hoheitliche und nicht-hoheitliche Bereiche lassen sich nicht klar trennen.

2. Die Trennung zwischen hoheitlichen und nicht-hoheitlichen Bereichen ist nicht relevant, wenn es um das Verhindern von Korruption und Lobbyismus geht.
Beamte sind durch Beamtengesetzgebung und Kündigungsschutz quasi vor Einflussnahme durch die Privatwirtschaft (Erpressung) geschützt, gerade um zu verhindern, dass die Wirtschaft Druck ausübt.
Als Angestellte wären staatliche Mitarbeiter nicht mehr geschützt, der Staat wäre angreifbar, weil seine Mitarbeiter angreifbar wären.

Was würde denn ein kleiner, nicht verbeamteter Mitarbeiter im Bauamt machen, wenn eine lokale Wirtschaftsgröße nicht legitime Forderungen stellt und droht, diesem kleinen Mitarbeiter das Leben schwer zu machen, durch Verleumdungskampagnen, durch Anschwärzen beim Vorgesetzten usw.
So ein kleiner Mitarbeiter hätte doch Angst, den Job zu verlieren und gäbe nach.
Als Beamter hingegen wäre derselbe Mitarbeiter in gewissem Ausmaß vor solcher Einflussnahme geschützt.

Ein Beispiel:
Eine lokale Wirtschaftsgröße (Bauunternehmer) hat sich über einen verbeamteten Mitarbeiter des Bauamtes (Bauzeichner+Statiker) beschwert, der gewisse Bauvorhaben nicht so genehmigen wollte, wie es denn gewünscht war. Da wurden vollkommen unbeweisbare, aber auch unwiederlegbare Vorwürfe gegen diesen Beamten an dessen Chef herangetragen. Der Beamte konnte die Vorwürfe nicht wiederlegen, hat aber auch nicht nachgegeben und die Genehmigungen nicht unterschrieben. Der Chef (Politiker) konnte nix machen, Fehlverhalten war dem Beamten nicht nachweisbar, der Bauunternehmer musste seine Pläne ändern und die Anwohner sind sehr dankbar, dass die Lärmschutzvorschriften eingehalten wurden.

Solche Beispiele gibt es auch zuhauf.

Eine Armee ist nunmal nur so stark wie ihre schwächsten Glieder.

3. Der Bedarf an Staatsdienern ist wesentlich konstanter als der Bedarf an Arbeitskräften in der Wirtschaft. In einer Rezession braucht der Staat etwa genausoviel Angestellte wie in Boomzeiten. In der Wirtschaft ist das anders. Daher ist die Unkündbarkeit von Beamten garnicht derartig dramatisch. Bedenkt man noch, dass Beamte auf Anweisung des Arbeitgebers jederzeit versetzt werden können, ist es eigentlich vollkommen absurd, anzunehmen, die Unkündbarkeit sei ein ausschließlicher Vorteil des Beamtentums. Unkündbarkeit wirkt in beide Richtungen: der Beamte kann auch nicht wirklich leicht aus dem Beamtentum ausscheiden, wenn ihm der Chef nicht passt oder die Kollegen nicht gefallen, gelle!

Beamte: Karriere stark festgelegt, geringeres Gehalt als in der Wirtschaft, starre Vorschriften, geringe Aufstiegschancen selbst bei guten Leistungen usw.



4. "Leihbeamte", d.h. Leute, die aus der Wirtschaft an den Staat ausgeliehen werden, um unter dem Deckmantel des Staatsdieners ausschließlich privatwirtschaftliche Wirtschaftsinteressen zu vertreten, sind das beste Argument für eine stärkere Abschottung des Staates gegen die Wirtschaft und das funktioniert nicht, indem man das Beamtentum abschafft oder Beamte durch Angestellet ersetzt, sondern indem man das Beamtentum beibehält.

5. Die Fälle maßloser Verschwendung und Korruption in Beamtenreihen sind eigentlich eher ein Beweis dafür, dass unser Justizsystem nicht funktioniert, wie es sollte. Vermutlich auch, weil Richter und deren Mitarbeiter überlastet werden, indem man das Justizsystem kaputtspart und somit ineffizient macht. Da machts dann auch keinen Unterschied mehr, ob die Sachbearbeiterin verbeamtet ist oder nicht.
Hat man ja im Fall Zumwinkel und in den anderen Fällen der lichtensteiner Steuerhinterzieher gesehen.

Dass man sich gelegentlich externen Sachverstand einkaufen muss, mag stimmen, aber diesen dann bitte wirklich für geleistete Arbeit bezahlen und nicht von der Industrie zuweisen und bezahlen lassen.

Anonym 8. März 2009 um 13:53  

"[...]Menschen sind Menschen, keine Ausschussware. Niemals.[...]"

Du warst anscheinend noch nie in den Fängen der Arbeitsverwaltung? Ich bezeichne nicht die SachbearbeiterInnen des Arbeitsamtes als "Ausschußware" sondern um es ganz klar zu sagen Arbeitslose wie mich.

Ich rede also auch von mir selber!

Jetzt kapiert, wo ich raus will?

Ich geb dir Recht, aber merke an, dass ich eben nicht zu den Tätern sondern zu den Opfern (="Ausschußware" für ARGE-Mitarbeiter), die in Deutschland ja nicht einmal mehr bei den jüdischen Mitbürgern so sein sollen, wenn es nach den Neoliberalen Faschisten geht.

Opfer sind in Deutschland nur noch Bänker & andere Zocker, die sehen sich selbst auch nicht mehr als Verursacher der Finanzkrise sondern drehen einfach die Tatsache um und machen aus TÄTERN Opfer.

Darauf wollte ich hinaus.

ICH benutze den Begriff "Ausschußware" nicht in dem Sinn den Du - the same precidere... - wieder verdrehen willst.

Die Menschen, die du hier so vehement verteidigst benutzen den Begriff für Menschen wie MICH - darauf wollte ich hinaus....

Die Faschisten in Deutschland erkennt man nämlich nicht mehr an der Bomberjacke und den Springerstiefeln, die sitzen von in Wirtschaft, Medien und Politik als Täter, die sich als Opfer verkaufen, während die gleichzeitig den echten Opfern des neoliberalen Wirtschaftssystems jeglichen Opfer-Status verbieten wollen.

Darauf wollte ich hinaus - ich wollte den neoliberalen A.... mal ihren zynischen Begriff "Ausschußware" vorhalten....

Ende, der Diskussion!

Einverstanden?

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 8. März 2009 um 16:26  

"[...]Als Beamter hingegen wäre derselbe Mitarbeiter in gewissem Ausmaß vor solcher Einflussnahme geschützt.[...]"

Die anderen Dinge mögen glaubhaft sein, aber diesen Satz glaube ich - nach all den Skandalen um bestechliche Beamte eben nicht....

Es sei dir wirklich das "Schwarzbuch Beamte" empfohlen, denn der Autor schreibt nicht schwarz-weiß über Beamte sondern bunt.

Ehr sieht auch manches ähnlich wie du, aber dennoch ist er für die Abschaffung des Berufsbeamtentums für hoheitliche Bereiche.

Gerade weil Beamte bestechlich sind - Oder verdient ein Beamter soviel wie in der Privatwirtschaft?

Ich beende die Diskussion nun aber, wird mir wirklich zu blöde, denn weder sind Beamte/-innen Heilige noch sind es Angestellte im Ö.D.

Wir könnten die Diskussion über Bestechlichkeit nämlich unendlich weiterführen, da nicht nur Beamte/-innen und Angestellte/-innen unterbezahlt sind sondern auch Arbeiter/innen und andere Berufe im Ö.D.

Daran ist ja gerade die Ex-DDR zugrunde gegangen an der Bestechlichkeit des öffentlichen Sektors, der in der Ex-DDR über alle Bereiche ging.

Unterhalt dich mal mich Ostdeutschen, wenn du die Diskussion weiterführen willst....

Übrigens, auch so mancher Skandal in Westdeutschland bzw. Deutschland nach der Wende hat etwas mit der Unterbezahlung im Ö.D. und der daraus resultierenden Bananenrepublik Deutschland zu tun, z.B. die die im Auftrag des Staates via Treuhand reich geworden sein dürften, und wenn dich das Thema interessiert dann lies mal bei Lobbycontrol im Netz nach - die sehen es eben auch nicht so schwarz-weiß sondern bunt.

Gestern bei einer Versammlung wurde mir eben etwas mitgeteilt, was ich auch noch loswerden will, dass Deutschland nicht mehr regiert wird, und wenn dann von Banken- und Versicherungslobbyisten pfeiffen mittlerweile schon die Spatzen von den Dächern, und du glaubst immer noch an die angebliche Unbestechlichkeit des Ö.D.

Das war vielleicht mal unter Brandt so, aber leider ist alles anders gekommen.

Was mich dran nervt ist, dass wir hier uns dies alles widerstandslos gefallen lassen, und wenn einer den Mund aufmacht, dann wird er gleich als Beamtenhasser abgestempelt.

Noch einmal:

Ich hab nichts gegen den öffentlichen Dienst - im Gegenteil ich wünsche dem weite Verbreitung und anständige Bezahlung, dass die welche dort arbeiten müssen, auch wirklich unbestechlich sind.

Es fängt doch schon auf der kleinsten Gemeinde an...

...und übrigens, da rede ich auch mal aus Lebenserfahrung:

"Wo fängt eigentlich Bestechung an?"

Ich hatte mal eine befristete Tätigkeit bei einer KFZ-Zulassungsstelle wo man immer von großen Autofirmen Sachleistungen erhielt damit man die Zulassungen schneller als sonst erhielt.

Keine Bestechung?

Das glauben ja nicht einmal die Hühner....

Aber wie schon gesagt, ich hab eigentlich keine Lust die Endlosdiskussion hier weiterzuführen, da ich nicht glaube, dass ohne die Einschränkung von Berufsbeamtendiensten die Republik gleich zusammenstürzen würde.

Ich glaub sogar nicht einmal in der - mir nahen Schweiz - gibt es Beamte auf den Rathäusern.

Und ist die Schweiz deswegen untergegangen? Oder gar ebenso korrupt wie die Bananenrepublik Deutschland im Ö.D.?

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 9. März 2009 um 11:01  

Ich sage nicht, dass der Ö.D. unbestechlich ist.

Ich sage, dass es noch viel einfacher ist, eine unterbezahlte Angestellte im Ö.D. unter Druck zu setzen, als einen unterbezahlten aber unkündbaren Beamten unter Druck zu setzen.

Überdies wäre es mal interessant, das AUSMAß der Bestechung und Korruption im Ö.D. und in der Privatwirtschaft zu vergleichen, meint ihr nicht?

Tatsache ist, dass es bis vor wenigen Jahren noch möglich war, Bestechungsgelder, die von deutschen Firmen im Ausland bezahlt wurden, in Deutschland von der Steuer abzusetzen.
Daher vermute ich durchaus, dass die Korruption in der Privatwirtschaft wesentlich größer ist als die im Staatsdienst. Treuhand sind ja genau solche Geschichten, wo die Privatwirtschaft ihre Interessen mit Lobbyisten durchgesetzt hat und sich dann an öffentlichem Eigentum bereichert hat. Kann man natürlich ewig drüber streiten, ob da die Beamten oder die Wirtschaftsbosse die eigentlichen Urheber waren.
Aber hätten die Wirtschaftsbosse nicht so verdammt viel Einfluss auf den Staat und seine Beamten gehabt, wären die Treuhand-Schweinereien wohl kaum passiert.

Die Privatisierung bzw. De-Beamtisierung öffentlicher Jobs ist schlicht keine Lösung.

Was Korruption in den ehemaligen sozialistischen Ländern angeht: das verbuche ich schlicht unter überlebensnotwendiger Notwehr und hat nicht mit dem Nicht-Funktionieren vom Beamtentums an sich zu tun.

Loyalität ist halt käuflich und wenn der Staat die Loyalität seiner Beamten nicht honoriert, dann sind diese eben nicht mehr loyal.

Wer Peanuts bezahlt, muss sich nicht wundern, wenn die Arbeit von Affen gemacht wird.

Roland 12. März 2010 um 18:43  

Es scheint an der zeit einen Sysemwechsel bald zu Erschaffen.
Der Anfang ist ein Bedingungsloses Grundauskommen, das die Erpressbarkeit des Einzelnen stark einschränkt. Dann sollte ein Prozess der Ermächtigung des Einzelnen zu einer Gemeinschaftlichen Verantwortung ohne Erpressbar zu sein sozusagen gleichsam eine Emanzipation zur Freiheit in Verantwortung erfolgen. Dazu braucht man nur ein Umsetzung und Schaffung von Fakten.
Weg von Macht und Gewalt hin zur Eigenbemächtigung und Souveränität der einzelnen Individuen. Und machtapparate Kapitalapparate nich mehr Funktionieren zu Lassen.
Freiheit für die Menschen schluss mit Erpressung und schluss mit dem Menschen als Kostenfaktoren. Verwaltungen sind Erfüllungsgehilfen von Macht.Die Eckpfeiler unserer Zivilisation sind menschliche Opfer.

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