Karikierter Freiheitsbegriff

Freitag, 10. September 2010

Kurt Westergaard ist eine Meisterleistung gelungen. Nicht seine Mohammed-Karikaturen, die sind ziemlich plump, nicht ergiebig witzig, verbreiten das abgestandene Flair einer Zeitung aus dem kolonialen Abschnitt der Menschheitsgeschichte. Seine Meisterleistung ist, dass er es mit gepinseltem Stumpfsinn und gekleckstem Mittelmaß zu Ehren gebracht hat. Aus der Hand Merkels, jene flankiert von Gauck - der Mann, der im Namen von Sozialdemokratie und Grünen Bundes- und Volkspräsident werden sollte! -, erhielt er einen Preis, der die Pressefreiheit hervorheben soll - und er soll einen mutigen Mann ehren, der sich traute, aus der Ferne gegen religiöse Befindlichkeiten anzugehen; oder, sollte man es im Duktus des Strafgesetzbuches (§ 166 StGB) ausdrücken wollen: der es fertigbrachte, der muslimischen Welt "öffentlichen Frieden zu stören" - und das aus einer Entfernung von mehreren tausend Kilometern.

Am eifrigsten feiern dabei jene Figuren den Helden, die sich gar schändlich in ihrem religiösen Empfinden verletzt fühlen, wenn mal wieder irgendeine weniger göttliche Gestalt als Jesus ans Kruzifix genagelt wird. Zuweilen rufen sie nach groben Geldstrafen, Zensur, Einschränkung der künstlerischen Freiheit und sogar nach Gefängnisstrafen. Man könne schließlich nicht dulden, dass der öffentliche Frieden gestört wird, nur weil ein fleißiger Fotomonteur im Namen der Presse- und Meinungsfreiheit glaubt, er müsse seine Kreativität walten lassen. Und all die braven Christenmenschen, die sich verunglimpft fühlen: die haben Satisfaktion verdient; es muß ihnen Gerechtigkeit widerfahren! Dann bemüht man Gerichte, fragt Ethiker nach dem moralischen Aspekt solcher Geschmacklosigkeiten, entrüstet sich beflissen in Leitartikeln und Feuilletons, nur um am Ende unisono darüber zu wimmern, dass das Abendland vor dem Abgrund stehe.

Es ist kleinlich kalkulierte Eindimensionalität, gewollte Selbstgerechtigkeit, die hier öffentlich zur Schau gestellt wird. Eine bigotte Haltung, die der einen Religion ein verletztes Seelchen quittiert, während dem anderen Glaubensbekenntnis nur eine berechtigte Kränkung, Beleidigung bescheinigt wird. Und diese wegweisende Zeremonie, sie findet ausgerechnet und bezeichnenderweise im Fahrwasser der letzten Wochen statt, in denen man unzählige Menschen muslimischen Glaubens herabgesetzt und erniedrigt hat - soviel zum Feingefühl Merkels und zur Sensibilität ihrer Entourage. All dies, das sei noch erwähnt, am letzten Tag des Ramadans - auf dass dem gläubigen Moslem beim Abendmahl der ersehnte Bissen im Halse stecken bleibt. Ist das Zufall oder Kalkül?

Man will Meinungs- und Pressefreiheit, die auch vor dem religiösen Empfinden nicht haltmacht - bittesehr: dann lobe man auch jene, die in Komödien vom Kruzifix herab pfeifen und witzeln, dann rühme man Fotomontagen als Ausbund freiheitlichen Schaffens, dann würdige man Menschen, die sich zur Sichtbarmachung eines Anliegens - wie Mathieu Carriere vor Jahren - ans Kreuz tapen lassen! Merkel betonte ja, man müsse den religiösen Fanatikern das Wasser abgraben: also grabe man gerechterweise auch dort, wo christliche Bigotterie kläfft, wenn das Kreuz geschändet wird! Das ist die traurige Gleichheit unseres Säkulums: jedem dieselbe Intoleranz zu garantieren!
Oder aber, was vernünftiger, was menschlicher, was friedfertiger wäre: man halte sich mit solchen Provokationen etwas zurück, respektiere die religiöse Konstitution der anderen Seite und gieße nicht noch mehr Öl ins Feuer. Einseitige Freiheit trägt einen tyrannischen Stimulus in sich - denn Freiheit sollte immer die Freiheit zu allen Richtungen hin sein. Die Wahl zwischen Respekt und Gleiches mit Gleichem steht offen - doch Merkel und ihre Clique scheint sich bereits entschieden zu haben. Die Auszeichnung der forschen Karikaturen verdeutlicht nachdrücklich, zu welcher selbstgefälligen Karikatur die westliche Definition des Freiheitsbegriffes geworden ist.


31 Kommentare:

Anonym 10. September 2010 um 09:37  

Anton Reiser
Ein dänischer Karikaturist, der sich selbst als Anarchist bezeichnet, empfängt von der Vertreterin eines kapitalistischen Staates, einen Medienpreis für Meinungsfreiheit. Ist das nicht kabarettreif?

Zitat:
In einem Leserbrief im Spiegel vom 5. Mai 1965 schrieb Paul Sethe, einer der fünf Gründungsherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung:
Pressefreiheit ist die Freiheit von 200 reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten... Da die Herstellung von Zeitungen und Zeitschriften immer größeres Kapital erfordert, wird der Kreis der Personen, die Presseorgane herausgeben, immer kleiner. Damit wird unsere Abhängigkeit immer größer und immer gefährlicher...“

Aufgrund der massiven Konzentration der Presselandschaft in den zurückliegenden Jahrzehnten (Springer, Bertelsmann, Holtzbrinck, Burda, ...) muss man wohl heute eher von 10 reichen Leuten sprechen, die ihre Weisheiten unters Volk streuen dürfen. Soviel zur Presse- bzw. Meinungsfreiheit im "freien" Westen.

epikur 10. September 2010 um 09:43  

"Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden".

- Rosa Luxemburg

Siebenstein 10. September 2010 um 09:46  

Wenn hinter dieser Geschichte nicht Kalkül steckt,fresse ich einen Besen.
In Florida wüted ein klerikaler Amokläufer. In Deutschland ist es Merkel. Provokation und Hetze für neue Glaubenskriege ?
Ein Schelm wer böses dabei denkt

Die Katze aus dem Sack 10. September 2010 um 10:26  

Was sind das eigentlich für Menschen, die sich hinter einer religiösen Weltanschauung verstecken, um anderen Menschen aus dieser Deckung heraus nach dem Leben zu trachten? Warum? Weil Bildchen gemalt wurden? Weil sie etwas nicht verstanden haben?

Es gibt nicht viele Gründe, weshalb ich auf die Barrikaden gehe, falsch verstandene Religion die ihre Anhänger zu schändlichem Tun und Handeln gegen andere Menschen aufruft, ist einer davon.

klaus Baum 10. September 2010 um 10:48  

ich weiß nicht, ob ich es richtig sehe, aber was den diskussionen (in blogs) über religion in der regel mangelt, sind grundkenntnisse darüber, was die substanz der jeweiligen religion ausmacht.

was das christentum betrifft, so muß man unterscheiden zwischen dem gehalt der bibel (AT und NT) und dem, was die leute, die sich christen nennen, daraus machen.

luther beispielsweise konnte den papst seiner zeit einen antichristen nennen, weil luther sah, dass die papstkirche dem völlig zuwiderhandelte, was im NT stand. deshalb galt für luther: nicht die machthaber bestimmen, was als christlich zu gelten hat, sondern allein die schrift ist maßstab. sola scriptura ist der fachausdruck dafür.

ich hatte in den 70er jahren mal ein gespräch mit dem philosophieprofessor namens hermann schweppenhäuser in lüneburg. er sagte, daß man den sozialismus an seinen schriften messen kann, also in erster linie an marx, aber auch an hegel und schiller beispielsweise, denn all diesen ist der gedanke gemeinsam, dass der mensch noch nicht das ist, was er werden kann. man traut dem menschen vervollkommnung zu. (bloch: ich bin, aber ich habe mich nicht, darum werden wir erst.)

das heißt, es gibt "weltanschauungen" und menschenbilder, die so beschaffen sind, dass man ihre vertreter an ihren eigenen ansprüchen messen kann.

die verkehrung des christlichen humanismus in sein gegenteil hat die geschichte des christentums oft genug gezeigt, aber man kann aufzeigen, dass die verbrechen im namen des christentums allesamt unchristlich waren.

um jetzt über die kritik am islam angemessen urteilen zu können, müßte man wissen, was den islam ausmacht. wenn also bestimmte leute, die sagen, dass sie muslime (moslems) wären, sich auf den koran berufen, muss man überprüfen, ob diese berufung berechtigt ist. und das geht nur, wenn man grundkenntnisse über den koran "besitzt". das heißt, man muss den islam, den koran studieren. erst dann kann man sagen, ob die muslime, von denen hier die rede ist, wirklich muslime sind, oder ob sie den islam nur für ihre zwecke instrumentalisieren.

der typ in den USA, der jetzt den koran verbrennen will, ist mindestens genau so fanatisch wie die, gegen die er sich richtet.

weil die "gutgemeinte" theorie, die lehre, die "offenbarung" durch gebrauch in ihr gegenteil verkehrt werden kann, konnte nietzsche auch sagen: >>den schweinen wird alles schwein.<<

Die Katze aus dem Sack 10. September 2010 um 12:31  

@ klaus Baum

Die Interpretationsmöglichkeiten der alten Schriften ist derart vielfältig, da können die wahrhaft Gläubigen und die 'Unwissenden' schon mal kurzzeitig den Überblick verlieren. Die Verantwortlichen in unserer Gesellschaft wissen ausserdem schon, dass ihr Tun und Handeln entweder Öl oder Wasser ins lodernde Feuer der Religionsgewalten giesst. Nie genug Wasser selbstverständlich damit das Feuer ausgeht, aber immer genug Öl damit es lodert.

Was ich auch ständig beobachte: Einige Menschen geben sich mir als Gläubige zu erkennen, hierzu haben sie sich entsprechend verkleidet. Keinen von ihnen, konnte ich ihre Gläubigkeit an ihren Worten und Taten ablesen. Vielleicht kann ich ja nicht richtig lesen, bzw. interpretieren.

Anonym 10. September 2010 um 13:18  

"Die Auszeichnung der forschen Karikaturen verdeutlicht nachdrücklich, zu welcher selbstgefälligen Karikatur die westliche Definition des Freiheitsbegriffes geworden ist."... sagt Roberto

Lieber Roberto, der so genannte "westliche Freiheitsbegriff" beinhaltete von Anbegin an jenseits aller "allgemein-menschlichen" Heuchelei vor allem die Freiheit des "Bourgeois", des Besitzbürgers, seine vor allem auf Eigentum gestützte Freiheit.
Bereits Paine und Jefferson wusten dies - lange vor Robbespiere!
Und die Religion, in welcher Form auch immer gehörte manchmal mehr, manchmal weniger mit zu den ideologischen Herrschaftsinstrumenten der Besitzen und ihrer politischen Vertreter.
Welche Religion dann die "richtige" und welche die "falsche" ist leitet sich folglich schon beinahe automatisch aus den jeweilgen konkreten, historisch bedingten Herrschaftsverhältnissen ab.
Lassen wir doch dieses ganze Gerede über die Religionen, aparte Gedanken darüber, welche denn "besser" sei.
Richten wir lieber unsere unbestechlichen Blicke auf den Kapitalismus, seine sehr irdischen Sachwalter!

In diesem Sinne beste Grüße von
Bakunin

klaus Baum 10. September 2010 um 17:45  

ach, bakunin!

Anonym 10. September 2010 um 17:56  

Ich habe eine Problem damit wenn man Menschen, unter dem Deckmäntelchen der Religion, egal ob Islam, Christentum etc., von jeglicher Kritik und Satire ausnimmt. Denn jemand der sich seiner Sache sicher ist, dem ist es egal wenn andere an der Richtigkeit seines Glaubens zweifeln oder darüber spotten.
lg

Iris 10. September 2010 um 18:39  

"Es ist kleinlich kalkulierte Eindimensionalität, gewollte Selbstgerechtigkeit, die hier öffentlich zur Schau gestellt wird. Eine bigotte Haltung, die der einen Religion ein verletztes Seelchen quittiert, während dem anderen Glaubensbekenntnis nur eine berechtigte Kränkung, Beleidigung bescheinigt wird."

Man könnte es auch schlicht Dummheit nennen.
Dieses ganze geltungssüchtige, minderwertigkeitskomplexbeladene Heuchlerpack, das den Begriff der Freiheit missbraucht, um die Freiheit anderer zu unterdrücken, widert mich jeden Tag mehr an. Und wenn ich könnte, würde ich sie allesamt zum Mond schießen. Da könnten sie sich dann gegenseitig zerfleischen.

Anonym 10. September 2010 um 19:07  

Wir werden alle an der Nase herumgeführt. Hass wird gesät.
Ohne mich. Wohin nur, wohin????

Lieschen Müller

abkotzblog 10. September 2010 um 21:39  

Habe diese Aktion von Merkel auch nicht verstanden?

Anonym 10. September 2010 um 23:07  

Entschuldigung Herr Lapuente, Sie haben wohl nicht mitbekommen, dass die Kanzlerin auch den Papst kritisierte?

Roberto J. De Lapuente 10. September 2010 um 23:09  

"Entschuldigung Herr Lapuente, Sie haben wohl nicht mitbekommen, dass die Kanzlerin auch den Papst kritisierte?"

War das vor oder nachdem sie ihm andächtig die Hand schüttelte und dessen Besuch in Deutschland als großes Ereignis pries?

Anonym 10. September 2010 um 23:36  

Anonym hat gesagt...
"Wir werden alle an der Nase herumgeführt. Hass wird gesät.
Ohne mich. Wohin nur, wohin????"

Lieschen Müller

10. September 2010 19:07

Tja Lieschen Müller, dazu sind Medien und Politiker ja auch da!
Wo kämen unsere "Leistungs"-"Eliten" denn hin, wenn die Masse der kleinen Leute plötzlich anfangen würden, wirklich wichtige Dinge zur Kenntnis zu nehmen, anfingen, selbst und vernünftig zu denken?
Das eben darf nicht passieren, daher immer wieder neue "Säue", die durch die Medienlandschaft getrieben werden, in immer rascherer Reihenfolge, so dass die Masse schön abgelenkt bleibt, während sich eine Minderheit in diesem Land Tag für Tag maßloser bereichert und sich ihrer totalen Herrschaft über die Massen erfreut.
Das ist die "Freiheit", so funktionieren alle "westlichen Demokratien".
Und wohin das noch führen soll?
Ganz einfach weiter so wie bisher, zu noch mehr Macht und Reichtum in immer wenigen Händen, zur allmählichen Entwicklung dieser bürgerlichen "Demokratie" zu einer immer "berlusconischer" werdenden Parodie dieser selbst.
Noch mehr Politiker und Medienbüttel als Volksverhetzer, Volksverführer... Am Ende vielleicht eine ganz technokratische "sanfte" Diktatur, ähnlich den Zukunfts-Szenarien mancher Science Fiktion Filme?
Auf keinen Fall wird dieser Kapitalismus für die Masse eine "goldene Zukunft" bedeuten!
Was daraus zu folgen hätte, mag jeder erst mal für sich durchkauen....

MfG Bakunin

Anonym 11. September 2010 um 02:52  

"Sarrazin warte nur darauf, dass Merkel ihm in fünf oder sechs Jahren, "wenn sie dann noch Bundeskanzlerin ist", einen Preis für Meinungsfreiheit überreiche, sagte Sarrazin unter tosendem Beifall der rund 800 Zuhörer. Überhaupt fand er auch bei dieser Veranstaltung wieder viel Zuspruch. Vor dem Haus, in dem die Podiumsdiskussion stattfand, hatten sich diesmal nur noch noch vereinzelt Demonstranten eingefunden."

Mittlerweile macht sich doch jeder lächerlich, der in Deutschland ausharrt. Gerade auch der Verfasser des Artikels. Was hält ihn, was fesselt ihn denn bitteschön noch an Deutschland??

Roberto J. De Lapuente 11. September 2010 um 08:12  

"Mittlerweile macht sich doch jeder lächerlich, der in Deutschland ausharrt. Gerade auch der Verfasser des Artikels. Was hält ihn, was fesselt ihn denn bitteschön noch an Deutschland??"

Sentimentalität. Und die Gewißheit, dass überall ein beschissener Ort ist, wenn man nur scharf genug hinsieht, hinhört. Aber auch der Eindruck, dass Fortlaufen die Alternative von Hasen ist - nicht die von Menschen sein sollte.

Anonym 11. September 2010 um 10:21  

Roberto J. De Lapuente hat gesagt...

"Mittlerweile macht sich doch jeder lächerlich, der in Deutschland ausharrt. Gerade auch der Verfasser des Artikels. Was hält ihn, was fesselt ihn denn bitteschön noch an Deutschland??"

"Sentimentalität. Und die Gewißheit, dass überall ein beschissener Ort ist, wenn man nur scharf genug hinsieht, hinhört. Aber auch der Eindruck, dass Fortlaufen die Alternative von Hasen ist - nicht die von Menschen sein sollte."

Volle Zustimmung, so ist es in der Tat, auch wenn uns immer wieder mal "Paradiese" ANDERSWO vorgegaukelt werden, wo angeblich alles "viel besser" sei!
Hier und jetzt gilt es auszumisten, aufzuräumen, eine bessere, menschenwürdigere Gesellschaft zu erkämpfen.

Beste Grüße von Bakunin

Daniel Limberger 11. September 2010 um 11:48  
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Daniel Limberger 11. September 2010 um 11:59  
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Daniel Limberger 11. September 2010 um 12:00  
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Anonym 11. September 2010 um 16:13  

Sentimentalität? Also Heimatgefühle? Patriotismus?

Anonym 11. September 2010 um 18:38  

ZitatEs gibt nicht viele Gründe, weshalb ich auf die Barrikaden gehe, falsch verstandene Religion die ihre Anhänger zu schändlichem Tun und Handeln gegen andere Menschen aufruft, ist einer davon.

Religion ist Weltanschauung. Für die Weltanschauung der (angeblichen) Demokratie ziehen Westarmeen in den Krieg. Für Ressourcen wird auch Krieg geführt.
Was sind das eigentlich für dreckige Schweine, die im Namen der Demokratie und Freiheit Millionen Menschen totgebombt haben?
Was maßt sich der angeblich unreligiöse mit einer plumpen Weltanschuung eigentlich an, die Religionen für alles Schlechte auf dieser Welt verantwortlich zu machen?

Es kommt nicht auf die Religion als solche an, es werden und wurden Kriege aus genug anderen Gründen geführt, die Religion war oft nur die Rechtfertigungsbasis dessen. Religion also alleine verantwortlich zu machen für Feindbildkonstruktion, Dämonisierung des Feindes, Kriegstreiberei etc ist einfach lachhaft.

Das ist Simplifizierung für Möchtegernintellektuelle. Hauptsache Religion bashen, das ist das entscheidende, dann hat man sich selbst schon bewiesen von der Truppe mit Verstand zu sein, die sich vom Barbaren ohne Hirn absetzt.

Religion als Sündenbock hatten wir übrigens schon im dritten Reich. Da war es nur auf eine bestimmte bezogen.
Wer also Religion für alles verantwortlich machen will, der begeht denselben Fehler wie es extremistische Religionsanhänger machen: Er stellt seine eigene Weltanschauung über die der Anderen.

Anonym 11. September 2010 um 20:03  

@Klaus Baum

Du schreibst:

"[...]was das christentum betrifft, so muß man unterscheiden zwischen dem gehalt der bibel (AT und NT) und dem, was die leute, die sich christen nennen, daraus machen[...]"

Aua.

Ist dir Karlheinz Deschner ein Begriff?

Schau mal in seiner "Kriminalgeschichte des Christentums" vorbei, dort wird schön aufgedröselt, dass man die Unterscheidung, die du hier machen willst einfach nicht machen kann, weil die unredlich ist.

Die Schriften (AT und NT) sind der Hauptgrund für Kriege, Verteufelungen aller menschlicher Regungen (z.B. der natürlichen Sexualität, die die Kirche immer verdammt hat, während die nach Deschner kein Problem mit Kriegen im Namen des Herrn hatte), Antisemitismus (NT nach Paulus) usw. usf.

Wer übrigens ein anderes Werk sucht, dem empfehle ich folgendes:

"[...]Denn sie wissen nicht, was sie glauben

Oder warum man redlicherweise nicht mehr Christ sein kann. Eine Streitschrift

Überarbeitete und erweiterte Neuauflage[...]"

Autor Franz Buggle - Alibri Verlag.

Übrigens für mich war genau der Judenhass der Bibel der Grund aus der Kirche auszutreten, ebenso wie die kirchliche Heuchelei in Mammondingen:

Ein evangelischer Pfarrersohn hat die Sache aktueller auf den Punkt gebracht, und man kann seine Homepage hier finden:

http://www.kirchenhasser.de

...brauchst mir nicht zu antworten....

...Ich wollte dir nur ein paar Hinweise schicken, damit du deine Ansichten evtl. überdenkst...

Gruß
Bernie
(seines Zeichens Skeptiker und Atheist - Soll heißen: Ein Atheist mit "Glauben" ist für mich z.B. kein Atheist sondern ein Gläubiger einer weltlichen Religion).

Roberto J. De Lapuente 12. September 2010 um 07:44  

"Sentimentalität? Also Heimatgefühle? Patriotismus?"

Eher Gewohnheit und Sturheit...

Anonym 12. September 2010 um 08:43  

"[...]Wer also Religion für alles verantwortlich machen will, der begeht denselben Fehler wie es extremistische Religionsanhänger machen: Er stellt seine eigene Weltanschauung über die der Anderen[...]"

Du vertrittst also keine Weltanschauung? Bist gar Evangelikaler? Ist doch interessant wie du hier Tatsachen, und Fakten einfach so hinbiegst wie es dir genehm wäre - Zum Dritten Reich nur soviel: Wo war dort der Katholizismus verfolgt? Oder gar die evangelische Kirche? Beide, so steht es bei Deschner nachzulesen, waren hitler- und kriegshörig bis zum geht nicht mehr - Nach 1945 bog man sich die Wahrheit eben, als Christ, so recht, wie man die gerne hätte, und schon war die Mär vom Totalitarismus geboren, der angeblich die Kirchen unterdrückt hat.

Übrigens, Hitler war bis zu seinem Selbstmord gläubiger Katholik, und nach dessen Selbstmord wurde er nicht exkommuniziert. Im Gegenteil, so manch braver Bischof las noch eine Totenmesse für diesen Menschenschlächter und Massenmörder.

Wie bereits erwähnt, alles bei Karlheinz Deschner - einem Ex-Theologen und Agnostiker - nachzulesen.

Genauso wie die Tatsache, dass die andere Fraktion - Stalin - während des "Großen Vaterländischen Krieges" - auch II. Weltkrieg genannt - der orthodoxen Kirche in der Sowjetunion das Predigen wieder erlaubt hat. Man benötigt die Pfaffen, als Kriegstreiber und Lügner....wie heute wieder.....

Nichts für ungut, aber so ein Ex-Theologe den bisher weder ein sonstiger Kritiker noch ein Kirchenvertreter widerlegen konnte.

Gruß
Bernie

PS: Übrigens Nazis und Kommunisten hatten ihre eigene weltliche Religion - eben Faschismus und Kommunismus. Soviel dazu, dass die ohne Weltanschauung waren. Kein einziger Atheist/Agnostiker hat im Namen irgend einer Weltanschauung Kriege geführt, Menschen verteufelt, andere Religionen herabgesetzt, die natürliche Sexualität des Mannes/der Frau unterdrückt, die geschichtliche Wahrheit weggelogen etc. usf. - Das haben bisher nur die monotheistischen Religionen geschafft. Nichts für ungut, aber meine Ansicht dazu.....als "böser" Atheist.

Anonym 12. September 2010 um 08:47  

@Roberto J. de Lapuente

Bei mir ist es wohl ähnlich, aber dazu kommen noch mangelnde Sprachkenntnisse, und, wie ich erst kürzlich nachlesen konnte andere Punkte, die dem gewöhnlichen RTL-KABEL-Konsumenten unbekannt sein dürften, ganz im Gegensatz zu uns hier, weil wir noch selber denken, statt hirnlos alles zu konsumieren was man uns via Bertelsmann und Springer vorsetzt. Auswandern in ein anderes Land ist nämlich, ganz entgegen der üblichen TV-Propaganda mit gecasteten Laiendarstellern gar nicht so einfach.....ganz im Gegenteil...so manch Auswanderer, egal aus welchen Land, ist in seinem neuen Heimatland bald enttäuscht worden, und wieder abgereist.

Man könnte es auch so formulieren "Auswandern ist immer noch ein Knochenjob, und die wenigsten schaffen es."

Gruß
Bernie

Anonym 12. September 2010 um 09:46  

@Bernie

Einen Punkt hast du aber noch vergessen: Religionen, insbesondere die monotheistischen christlicher Richtung begehen kulturelle Barbarei, und wahrhafte Völkermorde - nicht allein Kriege -gegen "Heiden".

Warum wohl wissen wir so wenig über die antiken Hochkulturen? Liegt es nicht an oben erwähnten Punkten?

Die Archäologie übrigens liefert, neben "heidnischen" Quellen, genügend Beweise für meine These.

Übrigens, die Bibel sollte einmal auf den Index für Jugendgefährdende Schriften gesetzt werden - eben weil die jede Barbarei, sogar Völkermord predigt - Da liegst du völlig richtig.

Ist übrigens wirklich ein billiger Trick christlicher Fanatiker, denn "Anonym vom 11. September 201018:38" da aufbietet, und dazu keine Worte mehr - dem seine eigenen Worte sprechen für sich, und benötigen keiner weiteren Kommentierung.

Er sollte sich lieber mal den mutigen spanischen Film "Agora" ansehen, um zu sehen wie hinterhältig Religionen jeder Richtung agieren, um sich gegenseitig zu bekämpfen, oder "Gottlose" zu Märtyrern des Atheismus zu machen - Hier eine antike Philosophin namens Hypathia.

Iris 12. September 2010 um 11:58  

Zitat: "Wer also Religion für alles verantwortlich machen will, der begeht denselben Fehler wie es extremistische Religionsanhänger machen: Er stellt seine eigene Weltanschauung über die der Anderen."

Das entspricht genau meiner Meinung - wie auch alles andere, was Anonym in dem Kommentar schrieb, aus dem dieses Fazit zitiert wurde.

Wer gegen die wirklichen Feinde der Menschheit und ihrer Freiheit antreten will, nehme die Konzernimperialisten aufs Korn. Denn sie profitieren nicht nur am meisten von den ungerechten kapitalistischen Systemen weltweit, sie erschaffen sie. Und dazu haben sie sich Marionettenregierungen gekauft, von denen uns ebenfalls korrumpierte Leitmedien weismachen, sie würden die Interessen der Wahlschafe vertreten. DAS ist die Matrix, in der wir hängen. Alle Kulturkampfinszenierungen sind m.E. nur Ablenkungsmanöver. Und wer darauf hereinfällt, ist in meinen Augen kein Verteidiger seiner Kultur (Religion/Weltanschauung) sondern ein dummer und blinder Spielball der Mächtigen (Konzernimperialisten).

Die Katze aus dem Sack 12. September 2010 um 14:56  

@ Anonym 11. September 2010 18:38

Hast Du da etwa Schuhe für mich bereitgestellt? Die ziehe ich nicht an, da sie mir nicht passen.

Ich habe leider keine eigenständige Weltanschauung anzubieten, die ich über andere stellen kann. Als lediglich eines von vielen Lebewesen, lebe ich einfach, wenn möglich in ewig andauernder friedlicher und konfliktloser Koexistenz mit anderen Lebewesen - wenn sie mich lassen.

Religion erkenne ich im übrigen nicht als Sündenbock an. Es ist eher schon ein Alibi, hinter dem sich krankhafte Psychopathen vorzüglichst verstecken können, genau wie hinter Demokratien oder anderen Gesellschaftsformen auch. Aus dieser weltanschlaulichen Deckung heraus, sind jene für alle miesen Greultaten zu haben, Gründe und Anlässe treten dann in den Hintergrund.

Religionen und andere Weltanschauungen lenken zudem einige erheblich vom Leben mit ihres Gleichen ab, ist mir aufgefallen. Es ist fraglich, ob das tatsächlich im Sinne der jeweiligen Erfinder war.

Religion ist nicht nur Weltanschuung, es ist vor alledem ein Mittel zur Kontrolle, nicht nur im Diesseits sondern auch schon im Jenseits. Das schafft Demokratie in dieser Form noch nicht.

Und was das für dreckige Schweine sind, die im Namen von Freiheit und Demokratie Millionen Menschen wegbomben? Es sind Vertreter einer anderen Weltanschauung, mehr nicht.

Jede Weltanschauung, die Menschen dazu bringt aufeinander loszugehen, taugt für rein gar nichts ausser der maßlosen Gewalt. Es ist eine inkomplette Erfindung, an der noch eine Menge gemacht werden müsste. Wird das auch getan?

Die Katze aus dem Sack 12. September 2010 um 16:43  

@ Iris

Mir selbst ist es zwar nie gelungen eine göttliche Instanz aus den religiösen Büchern herauszulesen, aber wie Menschen reagieren, wenn sie Kenntnis über den selben Wissensstand haben, das steht da schon überall drinnen. Es wurde aber auch viel daran verändert, im jeweiligen Duktus der herrschenden Zeit.

Kulturelle Ideologien bzw. Weltanschuungen mit einer Matrix gleichzusetzen ist vielfältig. Diejenigen welche dabei sind, die Matrix aufrechtzuerhalten, erkennen keine Matrix, sind ausserstande zu hinterfragen. Sie sind gar nicht befähigt, zu verstehen, was die Matrix ist, was sie für sie und alle anderen letztlich bedeutet. Dann gibt es aber noch die Anderen, denen bewusst ist, das es sich um eine Gaukelei handelt. Diesen ist es möglich, eine Matrix ganz ihren Wünschen und Träumen anzupassen. Schaffen es, das sich Gläubige um sie versammeln, um gemeinsame Rituale vorzunehmen. Die Konzernimperialisten sind da nicht anders, sie vollbringen wahre Wunder, sie erschaffen Werte aus dem Nichts.

Es ist auch nicht Gott der hier Macht demonstriert, es ist der Teufel selbst der waltet. Gutes und Böses, das kann ich gut voneinander Unterscheiden - es offenbart sich ja ständig selbst. So herum betrachtet, bin ich von Satanisten umgeben, die gar nicht Wissen, dass sie welche sind.

Menschen die sich streuben, bei allem Blödsinn weiterhin mitzumachen nennt man wie? Spielverderber? Ungläubige? Verlierer?

The Matrix has you!

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