Nur der Irre übt Kritik

Dienstag, 14. Oktober 2008

Wer nicht mit dem Massenstrom schwimmt, wer sogar noch versucht ist, gegen die Strömung anzuschwimmen, quasi einen Wasserfall von unten nach oben bezwingen möchte, dem macht man es gemeinhin schwer. Schlimmer noch, man erklärt solche Zeitgenossen dann und wann für geistig verwirrt, verschroben, vielleicht psychisch schwer angeschlagen, weswegen er die Segnungen des Massenspektakels nicht beherzigen will. Wenn einer nicht tut was alle tun, dann kann er nicht sein wie alle - und wenn sich diese Allgemeinheit als höchst vernünftig und weltzugewandt bezeichnet, vereinfachend gesagt als "normal" wahrnimmt, dann muß derjenige, der nicht gerne in der Wanne der Allgemeinheit badet, höchst unvernünftig, weltfremd und damit "unnormal" sein. Und da man heute vornehm ist, da man niemanden der Idiotie bezichtigen will, strickt man sich daraus das Szenario, wonach der Entgegenschwimmer ein neurotischer Notfall sei, der eigentlich anders wäre, wenn es ihm seine gesundheitlichen Zustände nur erlaubten.

Marcel Reich-Ranicki ist ein solcher Neurotiker - einer der zu einem solchen stilisiert wird. Seine Kollegen aus den Weiten der Fernsehlandschaft - obwohl jemand wie Jenny Elvers oder Verona Feldbusch sicher keine Kollegen von Reich-Ranicki sind - fühlten sich teilweise angegriffen, gar beleidigt. Anmaßend sei es von ihm gewesen, so klare Worte zu finden, die Veranstaltung derart zu entweihen. Tageszeitungen nennen die offene Kritik sogar einen Eklat, einen regelrechten Skandal. Wenn einer also das ausspricht, was sich für ihn als Wahrheit aufdrängt, wenn er freimütig ist, dann ist er bereits eine Skandalnudel. Immerhin hat er sich nicht ungehemmt in den Sog des Veranstaltungsabends fallen lassen. Dass Reich-Ranickis Kritik zwar unverblümt und geradeaus ins Gesicht der TV-Macher war, er aber ganz Mann von Welt blieb, mit zuvorkommender Wortwahl, ohne beleidigende Worte, die Schuld sowieso eher bei sich selbst suchend, als bei den Anwesenden - denn schließlich habe er an einem solchen Ort auch nichts verloren, gehöre nicht dorthin -, er den Anwesenden zudem ihr Recht auf oberflächliches Preisverleihen und gehirnfreies Klatschen nicht abgesprochen hat, wurde aber kaum öffentlich thematisiert. Außerdem war deutlich zu spüren, dass es ihm sehr unangenehm war - von Dreistigkeit, anmaßender Arroganz oder intellektueller Chuzpe keine Spur.

Dennoch, trotz seiner wortgewandten, aber doch sehr braven Kritik, war er außenstehend, erlaubte sich eine Freiheit, die sich keiner der anwesenden Herrschaften in ihrer angezüchteten Kritiklosigkeit erlaubt hätte. Und eingebettet in dieser Sichtweise, indem der Kritiker oder Oppositionelle nicht ganz gesund sein kann, weil er ja dem "gesunden Menschenverstand der Masse" nicht folgt, erlaubte sich die Intendantin des WDR - Monika Piel - ein Urteil: "Man darf es ihm nicht verübeln. Er ist 88 Jahre alt, er ist krank und ich denke, dass der Abend für ihn einfach zu lang gewesen ist."

Da hat sie also frei von der Leber weg ausgesprochen, was diese ganze Gesellschaft ausmacht: Der Andere ist der Kranke! Wer nicht spurt, wer sich nicht einreiht, wer nicht abnickt, was man eigentlich gar nicht abnicken möchte, der muß krank sein. Wenn der Kritiker noch dazu einige Lebensjahre auf dem Buckel hat, dann ist sein Kranksein ja offensichtlich und als feststehende These quasi abgesegnet. Wer aus der Masse rückt, wer seine Stellung innerhalb der Masse verrückt, der ist ebendies - verrückt. Kurzum: Man spricht jedem, der nicht so ist wie der "gezüchtete Mensch der Massengesellschaft", den Verstand ab. Man macht aus ihm einen Zeitgenossen, der nicht mehr richtig wahrnimmt; in Krankheit schwelgend nur noch vernebelte Bilder sieht, weswegen sein Urteil ebenso vernebelt ausfallen muß. Der Kritiker ist krank, meist sogar psychisch angeschlagen, leidet unter Verfolgungsängste oder ist ein neurotischer Verschwörungstheoretiker. Der andere Blickwinkel auf eine Sache ist der Allgemeinheit - denen, die Allgemeinheit formen - höchst fragwürdig. Der Blick von oben oder unten, von der anderen Seite, von Innen heraus, ist Verrat an der Allgemeinheit - sie gibt vor, von welchem Blickwinkel aus zu betrachten ist; aufgrunddessen: wie zu bewerten und zu reagieren ist.

Und wenn die Schwimmenden im Massenstrom eben klatschen und dürftige Fernsehsendungen prämiert sehen wollen, dann tut man, was in aller Zwanglosigkeit verlangt wird - aber wehe dem, der es nicht tut! Wir sperren keinen solchen Kritiker ein - zumindest keinen, der nur das Fernsehprogramm kritisiert -, diese Zeiten sind passé, zumindest meistens! Aber krank und nicht recht bei Sinnen ist er allemal, und dies will man auch in aller Öffentlichkeit formuliert haben. Sein Gefängnis ist die Verächtlichmachung seiner Person, dort sperrt man ihn in aller Öffentlichkeit ein bzw. aus. Nur der Verblödete übt Kritik, heißt es dann. Oder der Kranke und psychisch Ungesunde. Ein Vernunftsmensch hätte sich artig bedankt und viel gelobt. Schade nur, dass man laut Grundgesetz das Recht auf ein eigene Weltanschauung hat, sonst könnte man diese kritisierenden Irren in eine Anstalt stecken...

Ob allerdings Menschen wie Monika Piel, die so schamlos aus einem Kritiker ein orientierungslos gewordenes Menschlein stilisieren, nicht in einer solchen Anstalt gut aufgehoben wären, wird die Geschichte noch zu klären haben. Womöglich wird man die Jünger des Verächtlichmachens niemals internieren, weil sie dann - in ferner Zukunft - nicht mehr unter den Lebenden weilen. Aber verlachen wird man die Dummheit derer, die so zielgerichtet Kritiker abgekanzelt haben, mit aller Arroganz der jeweiligen Gegenwart gegenüber der Vergangenheit, mit der Ruppigkeit des dann aktuellen Zeitgeistes gegenüber den vergangenen Geistern. Und man wird klarmachen, was eine solche Behandlung eines Freidenkers ist: ein Verbrechen an seiner Persönlichkeit - aber auch an der Gesellschaft, die man mittels solcher Tricks von einer gegensätzlichen Sichtweise entfremden will.

Wahrscheinlich sind diese Zeilen als Ausgeburt eines Irren zu betrachten. Man schnüre mir schnell die Zwangsjacke fester, damit ich meine (mitlesende) Umwelt nicht in die Irre führe...

30 Kommentare:

Level X 14. Oktober 2008 um 12:35  

Ich empfand es als sehr entwürdigend, wie die Massenmedien in ihrer altbekannten, hirnwaschenden Art die, für einen Marcel Reich-Ranicki noch zurück haltende Kritik, als Eklat bezeichnete. Das Massenphänomen der Ausgrenzung Andersdenkender,macht nun auch nicht mehr vor verdienten Menschen halt. Meinungsfreiheit in Deutschland ? Natürlich ! Aber nur, wenn diese Meinung der Meinung der Massen entspricht. Ich selbst wurde und werde in den letzten Jahren selbst aus meinem Bekanntenkreis als Neurotiker, Verschwörungstheoretiker ect. betituliert, bedauert oder einfach nur ignoriert. Leider wird sich die Masse erst einer Einsicht besinnen (hoffentlich), wenn es zu spät sein wird. Ich hoffe nur, das Seiten wie diese sich ausbreiten um noch mehr Menschen zu erreichen, damit es vieleicht doch noch nicht zu spät sein wird.

Anonym 14. Oktober 2008 um 13:22  

Ich denke die meisten Medien haben einfach Angst mal wieder über das nachzudenken was sie da so machen. Es ist viel einfacher einfach alles hinzunehmen, denn dann kann man schön die Verantwortung auf andere schieben. Ich fand es sonderbar das niemand im Puplikum zustimmend genickt hat. Denn mit Qualität haben die meisten Sendungen im Fernsehen tatsächlich nichts am Hut.

Anonym 14. Oktober 2008 um 14:13  

Lieber Roberto J. De Lapuente,

deinen Beitrag finde ich diesmal mehr als zutreffend, zumal ich auch Erfahrungen zu diesem Thema beitragen könnte. Die die andere übrigens als "irre" brandmarken kommen manchmal mir Argumenten daher die genauso bekloppt sind, wenn man davon absieht, dass die - wie weiter oben jemand anderes schrieb - einem, und sein Lebensumfeld, ignorieren. Ich will nur ein Beispiel schreiben, dass sich mittlerweile als wahr entpuppt hat, die Bundeswehr in Afghanistan geht gegen Drogen-Warlords nicht vor - letztes Jahr an Weihnachten machte ich zu dem Thema einen Witz und ein Schwager von mir, der unsere Jungs verteidigte - damals noch - warf mir vor ich hole meine Infos ja auch aus der Bild-Zeitung. Tja, der gute Mann weiß nicht, dass ich wie Günter Wallraff ein Bild-Kritiker bin, aber was soll's - ich habe keinen Kontakt mehr zu diesem Versicherungsheini, und bekam vor kurzem bestätigt, dass erst jetzt unsere "Jungs" in Afghanistan gegen Drogenwarlords vorgehen wollen. Nein, nicht aus der Bild, sondern aus den Tagesthemen des ARD. Die Masche übrigens Andersdenkende mundtot zu machen, mit dem Argument geisteskrank zu sein ist uralt, und eine Ironie der Geschichte wurde bisher nur in totalitären Diktaturen praktiziert. Ein Beispiel ist z.B. Sacharow, der sowjetische Regime-Kritiker, der in einer psychiatrischen Anstalt wegen Kritik am Sowjetstaat eingesessen haben soll.

Es gibt auch in der deutschen Geschichte Beispiele, aber ich wollte nicht schon wieder auf die NS-Dikatur hinweise, wo dies gängige Praxis war, wenn man die Regimekritiker, wie z.B. Sophie Scholz nicht gleich hingerichtet hat.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

PS: Ob es in der Ex-DDR so Fälle gab weiß ich nicht, aber wundern würde es micht nicht....

Anonym 14. Oktober 2008 um 14:34  

Noch was kein geringerer als der Schriftsteller und Filmschauspieler Peter Ustinov schrieb in seinem Buch "Achtung! Vorurteile." folgendes:

"[...]Was ist ein schlagender Beweis für den Wahnsinn, als die Unfähigkeit zu zweifeln[...]"

Zitat: Peter Ustinov.

Was der große alte Mann wohl denken würde, wenn er noch da wäre? Ich denke er würde Marcel Reich-Ranicki verteidigen, und den anderen Geisteskrankheit attestieren, wobei die Sicht Ustinovs im Gegensatz zu den Vorurteilen der Fernsehmenschen, sogar von einem schweizerischen Psychologen geteilt wird, der sogar soweit geht - mit Beweisen - zu belegen, dass eben Kritiklosigkeit die wahre Form der Geisteskrankheit ist, wie sämtliche Ideologien beweisen - früherer und heutiger Tage.

Fazit:

Die Terroristen, und Mächtigen von heute, sind die wahren Geisteskranken, da die Kritik an ihren Ideologien nicht zu lassen - wie einst die Betonköpfe der totalitären Systeme des NS-Faschismus und des autoritären Staatssozialismus/-kommunismus der Sowjetunion bzw. des gesamten Ostblocks.

Anonym 14. Oktober 2008 um 14:48  

Apropo:

Der gute Gottschalk, der sich natürlich in seiner letzten "Wetten-Das-Sendung" wie eine Wiener Würstchen von oben bis unten mit Senf vollschmieren ließ will sich Marcel Reich-Ranicki vorknöpfen - in einer Sondersendung.

Wollen wir wetten, dass Gottschalk Marcel Reich-Ranicki nicht das Wasser reichen kann?

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 14. Oktober 2008 um 16:08  

Lieber Nachdenkseiten-Leser,


ich bin gewiss nicht in der Position, dass ich dir verbieten könnte, Texte auf diesem Blog zu kommentieren. Das will ich auch gar nicht.

Doch um eines muss ich dich inständig bitten: Versuche dich zur Abwechslung einmal vor dem endgültigen Abschicken deiner Kommentare zu sammeln. Anschließend solltest du dir genau überlegen, ob du deinem bisherigen Entwurf nicht noch den ein oder anderen Absatz hinzufügen möchtest. Und ERST DANN ist es an der Zeit, deine eigenen Zeilen zu veröffentlichen.

Warum diese fremdartig anmutende Anleitung? Nun, teilweise bestehen ganze Diskussionen unter Robertos Artikeln allein aus deinen Monologen. Zumindest stellen deine Doppel - und Dreifachbeiträge meist die Mehrheit. Und darunter haben Lesespaß und vor allem der Erkenntnisgewinn, den man sich von einer solchen "Diskussion" erhofft, massiv zu leiden.


Mit freundlichem Gruß,

Ein mittlerweile recht verärgerter Stammleser.

otti 14. Oktober 2008 um 16:35  

Der Selbstbeweihräucherung einer machtverliebten und -versessenen Medienelite mal den Spiegel vorhalten, das hat Reich-Ranicki gemacht. Gut so!

Piels Einlassung kann nur als abwegig und geschmacklios bezeichnet werden.

Erinnert sei auch nochmals an den Umgang der ARD (Tagesschaublog) mit dem Fall Roth (Putin-Interview). Einfach erbärmlich.

Die vierte Gewalt (Medien) ist zur Erfüllungsgehilfin der ersten Gewalt (Politik, Großes Geld) verkommen.

Anonym 14. Oktober 2008 um 18:07  

Lieber Anonym,

tja, was hast du den gegen meine Beiträge? Liegt es wirklich nur daran, dass angeblich alle Beiträge hier bald von mir stammen? Oder an was ganz anderem?

Paßt dir meine Wahrheit etwa nicht?
Paßt dir nicht, dass jemand diesen neoliberalen A... die Fratze vom Gesicht reißt.

Ist doch lustig, dass dein persönlicher Angriff, der übrigens völlig an mir abprallt, genau hier unter dem Beitrag geschieht.

Hat das etwa System? Wollen wir wetten deine Antwort kommt gleich, die mir eben die Ranicki-Krankheit unterstellt.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

PS: Ich versuche mich zu sammeln, aber mein obiger Verdacht bleibt natürlich bestehen - bis du ihn entkräftest. Oder auch nicht - eh egal - Ich kenne meine Papenheimer in den Internetforen, und die haben mich eher amüsiert mit ihren plumpen Versuchen mich mundtot machen zu wollen als verärgert.. :-) ;-)

Anonym 14. Oktober 2008 um 18:26  

ich stimme der Beschreibung u. Bewertung zu, möchte jedoch hinzufügen, daß diese offizellen Fernsehnarren eher glauben machen möchten, sie repräsentierten eine Mehrheit. Ist euch aufgefallen, wie Gottschalk, als er wärterhaft plötzlich neben Ranicki stand, ihn leicht nachgeäfft hat in der Aussprache? Frecher Promipöbel. Noch widerwärtiger ist mir allerdings Jäi Bieh Kerner.

Gruß aus der Anstalt

ungenannter 14. Oktober 2008 um 18:50  

Moin!
Wieder einmal kann ich nur sagen: Respekt. Der Artikel bringt es auf den Punkt. Wenn ich nicht Atheist wäre, möchte ich am liebsten sagen: hoc dixit dominus! ;-)
Habe darum vorhin in meinem Blog http://ungenannter.wordpress.com auf deinen Artikel verlinkt.
Eine kleine Ergänzung habe ich noch zum Thema: "Zensur nicht der, sondern durch die Medien":
"Ein Land das Medien hat, braucht keine Zensur." (Peter Hacks, der ja dieses zur Genüge erleben "durfte".)

Habe jetzt endlich deinen Blog in meine Blogroll aufgenommen und deine Seite als RSS-Feed abonniert. Wurde aber auch Zeit ...

Strichcode 14. Oktober 2008 um 18:51  

Ein toller Text, der wunderbar ausdrückt wie man sich heutzutage oftmals fühlt, wenn man die selben (und auch brisantere) Themen wie Marcel Reich-Ranicki ausspricht.

Missverstanden, als "realitätsfern" diffamiert und abgespeist mit Falschinformationen durch die Medien und Desinteresse der breiteren Masse, steht man da. Die Faust erhoben. Bereit für etwas zu kämpfen. Für so viele Dinge, die diese Welt besser machen würden aber leider nicht zu finanzieren. Schade.

Deshalb ein Hoch auf deinen Blog und diesen Text. Ab heute sage ich Du. Auch zu Marcel Reich-Ranicki. Liebe und Frieden. Warum nicht?

Anonym 14. Oktober 2008 um 18:57  

Lieber Roberto J. De Lapuente,

nach Rücksprache mit Mitlesern habe ich mich entschlossen diesem Blog einige Zeit fern zu bleiben.

Mir ist nicht bewußt, dass ich soviel schreibe, aber wenn es evtl. CDUlern und Gottschalk-Fans (ja, du bist gemeint "anonym") halt in den Kram paßt, dann adieu.

Ich bleib dennoch bei meiner Kritik, die ganze konservative Mischpoke hat kein Problem mit der NPD, aber mit KritikerInnen wie mir schon.

Ich denke nicht, dass ich soviel Beiträge geschrieben habe wie ein gewisser "anonym" behauptet, aber was soll's ich wünsche dir und deinem Blog viel Erfolg und mache mich mal ein bißchen rar.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 14. Oktober 2008 um 19:02  

Die Hoffnung auf eine später mal kommende höhere Gerechtigkeit, die den Mitläufern die Rechnung präsentiert, diese Hoffnung halte ich für wenig realistisch. Wenn tatsächlich unter dem Deckmantel einer "Demokratie" (Was ist das?) derzeit ein globales totalitäres Regime installiert wird, dann gibt es wenig Hoffnung auf irgendwelche Gerechtigkeit. Aber auch in der jüngeren Geschichte haben sich die Mitschwimmer, Mitläufer und Speichellecker wiederholt als die Gewinner erwiesen. Die Mechanismen der Transformation des Rechtsstaates in einen Unrechtsstaat sind derart komplex und erscheinen deshalb so perfide, weil die Verantwortung für Unrecht auf den Rücken von unglaublich Vielen verteilt wird. Schon heute sind Praktiken totalitärer Regimes installiert, von denen aber meist Bürger betroffen sind, die sich kaum artikulieren können. Und selbst derjenige, der es kann, ist nicht in der Lage, die Kritik so kurz und prägnant zu formulieren, wie es für lesbare Veröffentlichungen erforderlich wäre. So leidet schliesslich ein immer grösser werdender Kreis von resignierenden und tatenlosen Kritikern an der Ausgrenzung, in der Hoffnung, dass irgendwann die Geschichte ihnen Recht geben wird. Widerstand ist funktionalisert und seine Mittel sind begrenzt. Wer nicht über ausreichend finanzielle Mittel (oder Waffen und Sprengstoff) verfügt, der interessiert die Stützen des Regimes überhaupt nicht. Die Herrscher des DDR-Regimes haben ihre Gegner immerhin gewürdigt, indem man diese als politische Gefangene eingesperrt oder hingerichtet hat. In den westlichen Gesellschaften nach US-Vorbild wird der politische Gegner mehr und mehr als gewöhnlicher Krimineller behandelt oder als abartiger oder kranker Psychopath interniert. Ich bin mir nicht mehr so sicher, was hier die humanere Vorgehensweise ist.

ben 14. Oktober 2008 um 19:09  

Marcel Reich-Ranicki befindet sich in der glücklichen Lage, unabhängig von irgendwem oder irgendwas eine solche Situation herausfordern zu können. Inhaltlich gebe ich ihm dabei völlig Recht.

In dieser komfortablen Lage sind die meisten Menschen leider nicht, denn auf der anderen Seite gibt es unter Nicht-Prominenten jeden Tag permanent die Unterdrückung der eigenen Meinung, insbesondere im Arbeitsleben. Dort sind viele Dinge einfach aufgrund der hierarchischen Position einer sogenannten Führungskraft richtig, egal wie dämlich die Sache oder Situation auch ist.
Hatte selbst vor kurzer Zeit in Bezug auf eine kritische Frage in einer Runde, in der ein Bereichsleiter anwesend war, gleich am nächsten Tag ein Anruf und einen Termin bei ihm, in dem er mir deutlich machen wollte, dass er mir ja beruflich nicht kritisieren könne, mir aber ein persönliches Feedback geben möchte. Es kann sich ja jeder ausmalen, was gesagt wurde; ich habe mich jedenfalls auch wie auf einer Showbühne gefühlt, in dem es nur darum ging, der Macht ein gutes Gefühl zu verschaffen. Dies ist ihm in diesem Fall weniger gelungen, was mir wiederum ein gutes Gefühl verschafft hat.

Ich bin da garantiert nur ein Fall von Hunderttausenden, aber die Einschüchterung ist aus meiner Sicht allgegenwärtig und führt eben dazu, dass fast niemand mehr seine Klappe aufmacht. Im Bekanntenkreis ist so etwas immer ganz gut zu beobachten.
Der Mensch soll jederzeit immer so funktionieren, wie es die Allgemeinheit, die Mächtigen usw. erwarten. Sobald man auch nur einmal aus dem Rahmen fällt, spürt man die dunkle Macht...

Anonym 14. Oktober 2008 um 20:06  

Das Brandmarken andersdenkender durch die Mehrheit der "Normalen" ist nicht neu. Allerdings ist es zum zweiten mal innerhalb kurzer Zeit, dass ich mitbekomme, wie Menschen weit unter der Gürtellinie getreten werden, durch Representanten des mittlerweile fatal als "Normal" geltenden Mainstreams: Das erste mal meinte Olaf Henkel - ergänzend zu dem was die Gebrüder Vogel vorher in einer Maischberger-Senung von sich gegeben hatten - Oskar Lafontaine sei ein anderer geworden nach dem Attentat das auf ihn verübt worden ist und wollte damit die Frage der Zurechnugsfähigkeit des Parteichefs Die Linke in den Raum werfen.
Die Frage, ob ein Marcel Reich-Ranicki von einer Frau Piel oder Frau Poth überhaupt beurteilt werden kann, wird von anderen mit Sicherheit besser beantwortet werden können als von mir.
Ich sehe aber bedenkliche und unheilvoll auf mich wirkende Zeichen einer Entwicklungsrichtung, bei welcher solch ungeheueres Verhalten ungeahndet von der Herde der "Normalen" salonfähig gemacht wird und das in einem zivilisierten Land wo man meinen sollte, ein gewisses Niveau in der Diskussionskultur erreicht zu haben.

Ich habe die Meinungen des ehemaligen BDI-Presidenten im Laufe der Zeit meistens nicht - oder nur teilweise - geteilt. Dennoch stellt sich mir die Frage, was ihn zu einem solchen niveaulosen Auftritt wie in der Sendung von Frau Maischberger wohl bewogen hat: Der Mainstream oder das Alter?

Klaus Baum 14. Oktober 2008 um 20:15  

Lieber Roberto,

die Art und Weise wie seitens der etablierten Fernsehleute mit der Kritik von Reich-Ranicki umgegangen wird, ist beschämend. (Emma) Piel disqualifiziert sich selbst, wenn sie die Ablehnung des Preises durch Reich-Ranicki auf sein Alter und auf eine etwaige Alterssenilität schiebt. Die Fernsehfiguren, die am Abend der Preisverleihung da herumtanzten (z. B. Ingolf Lück in einem Kondom), entspringen der untersten Schublade. Daß Reich-Ranicki sich nicht mit dem "Unterhaltungs"-Niveau von Dieter Bohlen und Barbara Salesch gleichgesetzt wissen wollte, ist sein gutes Recht. Anmerken möchte ich hier nur, daß er aus meiner Sicht - ich bin Literaturwissenschaftler - höchst zwiespältig zu bewerten ist. Ich halte ihn für einen Egomanen, der die Sensibilität, die Du in Deinen Essays für Randfiguren einforderst, für diese kaum haben dürfte. Du hast völlig Recht mit Deiner Kritik an der Art und Weise, wie man die Kritik Reich-Ranickis am Schwachsinnsfernsehen abzubügeln versucht, aber für mich als Liebhaber von Literatur ist Reich-Ranicki mein Anwalt nicht. Ich habe das kurz in meinem Blog begründet. Dort habe ich auf seine Äußerung hingewiesen, die er nach dem Erscheinen von Urs Widmers Buch DER GELIEBTE DER MUTTER kundtat: Er lese lieber ein Buch über einen Dirigenten als über über einen Fischer. Der Geliebte der Mutter ist Dirigent.
Ähnlich vernichtend war einst ein Urteil von ihm über Karin Struck: Schwangerschafts- und Mutterschaftsprobleme gehörten nicht in die Literatur.....
Man könnte sich auch fragen, warum Reich-Ranicki es zugelassen hat, daß die Medien ihn so aufbauen konnten, daß der Eindruck entstand, der einzige Literaturkritiker von Rang in Deutschland ist er. Möglicherweise hat die Art seines Auftretens im literarischen Quartett dazu beigetragen, daß man im ZDF meinte, er sei ein Entertainer.
Viele Grüße
Klaus

Siegfried 14. Oktober 2008 um 20:31  

Es ist noch gar nicht so lange her, da hat man im Osten Menschen für krank erklärt, weil sie gewisse Zweifel am Marxismus-Leninismus hatten. Der Mechanismus ist der Gleiche: Wer nicht der allgemein verordneten "Staatsreligion" anhängt, wird zwar heute nicht mehr auf dem Scheiterhaufen entsorgt, aber in der Klappsmühle. Oder, wenn das nicht geht, dann wird zumindest nahe gelegt, dass man da eigentlich hingehöre.

Und selbstverständlich ist das Alles auch noch streng logisch, wissenschaftlich, und, ganz wichtig, auch noch fürsorglich und sozial und sooo menschenfreundlich. Man sollte das Fernsehstudio in "Lambarene" umbenennen.

Anonym 14. Oktober 2008 um 21:10  

ich habe die sendung selbst nicht gesehen, hätte mir damit auch nicht den abend verderben wollen.

nachdem ich in der presse nachgelesen gelesen habe, wer und was da noch ausgezeichnet wurde, wurde mir bei mindestens 2 ausgezeichneten Sendungen klar, daß Marcel Reich-Ranicki recht hat.

die eine sendung wegen dem kulturverfall, die andere, welche selbst bürgerrechtler der ehemaligen ddr -vorsichtig gesagt- als unzutreffend bezeichnen.

ich bin auch nicht unbedingt ein freund seiner art, aber hier ziehe ich den hut.

hp. auch ein nachdenkseiten-leser

Ein Katzenfreund 14. Oktober 2008 um 21:38  

Hallo Roberto,

könntest Du noch dazuschreiben, wann Monika Piel das "...88 Jahre alt, er ist krank und ich denke..." gesagt hat?

Hat sie das während der Aufzeichnung der Sendung vor laufender Kamera gesagt oder später zu einer anderen Gelegenheit?

Das wäre schon wichtig, um Zeit und Ort später stets korrekt angeben zu können, wenn man Monika Piel damit zitiert.

Besten Gruß
Ein Katzenfreund

Roberto J. De Lapuente 14. Oktober 2008 um 22:23  

Zunächst möchte ich den vielen Kommentatoren danken, um dann einige Punkte kurz abzuhandeln.

1. Hier findet sich die Quelle zu Piels Ausspruch.

2. Dem Unbekannten möchte ich danken, ihm gleichzeitig versichern, auch bald Bestandteil meiner Blogliste zu werden.

3. An Klaus Baum: Die Kritik an Reich-Ranickis Fachlichkeit kann ich nachvollziehen. Öffentliche Bewertung ist immer ein Akt der Vorprägung - siehe den Weinkritiker Robert Parker, der mit seiner Bewertung eine ganze Industrie dazu verleitet, Produkte zu verfälschen (Parkerisierung genannt). Andererseits sah ich ihn gerne, fühlte mich unterhalten - man mußte Reich-Ranickis Auftreten als das sehen was es war: seine persönliche Meinung, kein Gottesurteil. Und nebenbei: Reich-Ranicki hat mich seinerzeit zum Lesen inspiriert - wenn das mal kein Erfolg ist.

4. Wichtig: Der NDS-Leser soll mich bitte per Mail kontaktieren!

Klaus Baum 14. Oktober 2008 um 23:06  

Die Wirkung von einzelnen Menschen auf andere ist ganz unterschiedlich. Wenn er Dich zum Lesen angeregt, so wirst Du eine andere, ganz persönliche Einschätzung von ihm haben als ich. Für mich war Lesen von Kindheit an meine Lieblingsbeschäftigung, und in der dürftigen Nachkriegszeit gleichzeitig Möglichkeit, mich einer tristen Realität zu entziehen, ins Reich der Phantasie zu flüchten. Meinen ersten Fernseher konnte ich mir nach meinem ersten Staatsexamen kaufen, da hatte ich schon so viel gelesen, das mich das literarische Quartett nicht mehr beeinflussen konnte.

Anonym 15. Oktober 2008 um 02:04  

sorry, lieber ad sinistram

http://kritik-und-kunst.blog.de/2008/10/14/reich-ranicki-nachdenkseiten-ad-sinistram-medienkritik-4872851

dennoch liebe Grüße

hartmut

Anonym 15. Oktober 2008 um 02:46  

Wie will man denn einem Literaturkritiker einen Fernsehpreis verleihen?

Das ist alleine schon die größte Dummheit. Jetzt wird aber noch öffentlich darüber diskutiert. Alles zu Lasten Reich-Ranickis – der arme! Meine Güte…

Anonym 15. Oktober 2008 um 08:11  

Vielen Dank für diese befreiende Lektüre. Ich nehme an, folgendes Zitat wird Ihnen gut gefallen:

“There are times when the enunciation of the most elementary common sense has an aspect of eccentricity, irrationality, even mild insanity.” (J. K. Galbraith)

tuxpower 15. Oktober 2008 um 10:35  

Herzlichen Glückwunsch zu einer gelungen Einschätzung der momentanen Medienwelt der BRD (Europas ?).
Man muss ja M.R.R. nicht mögen, aber ihn zu diffamieren ist verlogen, angesichts der Qualität der Unterhaltungsmedien.
Ich hoffe nur die Leute, welche über die ehemalige DDR schreiben können belegen das es solche Fälle gegeben hat. Nach 20 Lebensjahren in der DDR ist mir kein Fall bekannt geworden, dass man für die politische Anschauung in die Psychiatrie geschlossen wurde, es sei denn man hat ein Panzermahnmahl der Roten Armee in die Luft sprengen wollen ! Wer mal was über die Systeme der deutschen Staaten von einst lernen möchte, sollte sich das Buch "BRD-Grundgesetz vs. DDR-Verfassung" von Erich Buchholz (Spotless Reihe Nr. 207) anschauen. Auch in der Meinung über die DDR sind die meisten der medialen Propaganda der sog. Siegermacht schon voll auf den Leim gegangen.
Um es klar zu stellen so wie es war möchte es wohl keiner zurück, aber wer ein demokratisches und soziales (humanitäres) Leben in der Gesellschaft will, kommt um die Systemfrage nicht herum. Mir ist als solches Gesellschaftssystem nur der Sozialismus bekannt, welches solche Dinge vereint. Der Kapitalismus ist mit sozialer Marktwirtschaft ist eine Utopie, schlimmer als Kommunismus.
Interessant wäre auch mal, wieviele RAF-Symp. in psychiatr. Behandlung waren.

Klaus Baum 15. Oktober 2008 um 11:49  

Noch eine kleine Bemerkung zum Thema Meinungs-Un-Freiheit in der DDR. Was ich erlebt habe, ist zwar nur ein einzelnes Beispiel und sicherlich nicht generalisierbar:
Ich hatte in der sechsten Klasse (erste Hälfte der 50er Jahre) in Biologie eine Drei im zeugnis, was mich erstaunte. Ich habe dann dem Klassenlehrer erzählt, wie, wo und wann und in welchen Sachzusammenhängen ich mich im Unterricht beteiligt hatte. Er änderte darauf hin die Note in eine Zwei.
1957 dann, ich war im achten Schuljahr in der BRD, sagte ich bei Gelegenheit, den Anlaß weiß ich nicht mehr, zu einem Lehrer: "Ich protestiere!" - worauf er mir einen Faustschlag ins Gesicht versetzte, daß ich blutete.

Anonym 15. Oktober 2008 um 14:10  

Es gab einmal eine Zeit, da war Anderssein en vogue, da haben die Studierenden "Einer flog über das Kuckucksnest" gelesen, vielleicht sogar Werke von Basaglia und Laing über die demokratische Psychiatrie/
Antipsychiatrie... Wie dem auch sei, ich habe in letzter Zeit ein altes zerfleddertes Raubdruckexemplar aus den 1970er Jahren wiedr hervorgeholt, Titel Autorität und Famile von Horkheimer und Fromm und finde , dass viele Thesen der beiden Philosophen der kritischen Theorie trotz zeitlicher Distanz, z.B., dass nämlich Konformismus, Mitläufertum zur bürgerlichen Familie gehören wie die Wolke zum Regen, immer noch höchst aktuell sind.

Anonym 15. Oktober 2008 um 17:20  

Hallo,

ich fand den Text sehr gut. Leider weiß ich nicht von welcher Sendung die Rede ist. Wo hat Reich-Ranicki das denn gesagt? Gibt es ein Video im Netz?

Danke für die Aufklärung.

strichcode 15. Oktober 2008 um 19:15  

Das Problem an der Sache ist ja, dass dieses etablierte Mitläufertum und der Konformismus der Aufgabe von anderen, neuen und kritischen Ideen zur Verbesserung der Gesellschaft, den Nährboden rauben.

Es gab Zeiten in denen die Studierenden sich eine poststudentische Welt gewünscht haben, in der ihre Ansichten und Forderungen zu einer Veränderung der Verhältnisse in allen Bereichen der Gesellschaft geführt haben. Sie wollten etwas verändern, wirklich grundlegend. Sie haben Werte hinterfragt, die unseren ganzen Alltag regeln. Was fehlt unserer Generation heute? Sind es die Alternativvorschläge? Wohl kaum, es gibt so viele neue Ideen. Die Fähigkeit eine Gruppe oder Bewegung zu gründen? Davon gibt es unzählig viele, die gut organisiert und weltweit präsent sind. (Sind unsere Raubdrucke heute die Blogs und Internetseiten?)

Vielleicht fehlen uns die Idole? Die "Märtyrer" und Rebellen wie Che Guevara oder Ho Chi Minh, mit denen sich die oppositionellen Gruppen in der westlichen Welt sympathisierten und eine "zweite Front" im NATO-Block eröffneten.

Wer sind die Menschen, die uns heute beeindrucken und deren Taten und Ziele wir hochhalten, die so anders sind als die unserer Mächtigen? Al Gore? Helga Zepp-LaRouche? Gregor Gysi? Marcel Reich-Ranicki?

Wo sind die jungen Mächtigen geblieben? Die lauten und wütenden Kinder eines überalterten und kranken Systems?

Anonym 19. Oktober 2008 um 00:08  

Lieber Roberto De Lapuente,

da hast du ja was losgetreten.

Sind doch einige Antworten dazugekommen seit dem letzten Mal.

Übrigens, noch so ein Bonmont von Peter Ustinov, dass die wirklich Irren in Deutschland (z.B. Ackermann, Anne Will, Maybrit Illner, Angela Merkel, Guido Westerwelle & Co.) nicht gerne hören.

Der große alte Mann meinte sinngemäß einmal, dass es ein untrügliches Zeichen von Alterung im Geiste gebe - nichts zu hinterfragen, alles stur zu glauben und keinerlei kritische Gedanken zu hegen. Er bezog sich aber nicht nur auf's physische alt bzw. greise werden sondern darauf, dass eben auch beispielsweise Zwanzigjährige wie Neunzigjährige wirken können bzw. Frühgreise sind, die eben nichts mehr hinterfragen, keine Neugier mehr zeigen und an verknöcherten Ansichten festhängen. Dachte er damals kurz vor seinem Tod wohl an heutige Neoliberale - in seinem Buch "Achtung. Vorurteile!" bezieht er sich ja auf George W. Bush. Abwegig ist der Zusammenhang da nicht, die Neoliberalen mit ihrer Ideologie als frühvergreiste Jungmanager zu bezeichnen.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

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