Eine Haltung die NS-Vergleiche verbietet?

Dienstag, 28. Oktober 2008

Sind Vergleiche, zu denen man die Mißstände im Dritten Reich heranzieht, moralisch und statthaft? Oder muß man, wie eine Kommentatorin - Margarete Limberg - des Deutschlandfunk einfordert, eine Art selbstauferlegte Verbotshaltung einnehmen, die jeglichen Vergleich mit dieser Epoche deutscher Geschichte verbietet?

Die menschliche Historie ist keine stumpfe Ansammlung menschlicher Erlebnisse und Ereignisse, sondern ein Repertoire an solchen Erfahrungen, an denen man sich bedienen kann und geradezu soll. Die darin enthaltenen Inhalte sind zuweilen viel komplexer als ersonnene Geschichten, daher finden sich in der menschlichen Geschichte immer konkrete Beispiele, die man als Vergleichsmaterial rekrutieren kann, um den aktuellen Zustand der Geschichte - die Gegenwart - zu durchleuchten. Ein solches Heranziehen mag manchmal nicht ganz passend sein, kann in vielen Nuancen auch als vollkommend unpassend erachtet werden - Geschichte wiederholt sich eben nicht, schon gar nicht in identischen Bahnen. Was sich aber manchmal wiederholt sind Prozesse, die sich in ihrer Grundausrichtung ähneln. Sich an dem Repertoire menschlicher Geschichte zu bedienen, um die Gegenwart zu begreifen, sie faßbar zu machen, sie mit der Vergangenheit zu ermahnen, stellt eine Kulturleistung dar - sie ist kein hilfloser Versuch des Mahners, sondern ein möglicher Akt des Begreifens, ein möglicher Akt der Bildung, ein möglicher Akt des Lernens.

Würde man nun einen Kodex implantieren, der besagen würde, dass eine bestimmte Epoche menschlicher Geschichte niemals mehr als Vergleichspotenzial herangezogen werden dürfte - ganz gleich, ob dies nun der Nationalsozialismus ist oder nicht -, so würde man sich selbst verbieten, aus einer festumrissenen Zeitspanne menschlicher Geschichte, die Lehren ziehen zu dürfen. Diese Verbannung einer geschichtlichen Epoche würde auf einem geheiligten Altar stehen, dürfte nicht mehr kritisch begutachtet, nicht mehr in den öffentlichen Diskurs geworfen werden. Man könnte beinahe annehmen, dass jene, die solche selbstverpflichtenden Haltungen verlangen, zu der Erkenntnis gekommen seien, dass aus der "verbotenen Epoche" alle Lehren gezogen wurden. Deshalb: Klappe zu! Ausgelernt! Dem Neuen entgegen, ohne Rückgriffe auf mögliche Parallelen!

Nun ist es mir im konkreten Fall kein Anliegen, die Aussagen des Professor Sinn reinzuwaschen. Denn geschichtliche Reflexion kann zuweilen mißbraucht oder einfach nur falsch verstanden werden. Man kann also diese Kulturleistung umsetzen wollen und trotzdem ganz unkulturell daran scheitern. Dies muß nicht nur einem ideologisch verfangenen Professor zustossen, sondern kann jeden treffen - dann spricht man freilich von Geschmacklosigkeiten und Verfehlungen, moralisiert also. Aber dennoch, trotz dieser vermeintlichen Verfehlungen, kann der Lösungsansatz solcher Debatten nicht darin bestehen, die Geschichte des Dritten Reiches und auch - ganz speziell - die der Shoa als sakrosanktes totes Stück Historienfetzen einzustufen. Und gerade die Shoa ist die Geschichte eines zum Himmel schreienden Unrechts, die Geschichte von der Niedertracht und Bösartigkeit des Menschen am Menschen, sie ist zudem der mörderische Schlußakt einer langen abendländischen Irrung, die aus dem Juden einen rassischen - nicht mehr religiösen - Untermenschen gemacht hat. In der Schrecklichkeit der Shoa findet sich alles, was das Unrecht so grausam erscheinen läßt - warum soll dieses Mahnmal der Geschichte nicht vergleichbar sein dürfen, gerade auch wenn heute Unrecht begangen wurde?

Es ist schwer zu konkretisieren, wann Unrecht größer, wann es kleiner ist - Unrecht ist zunächst immer Unrecht. Für denjenigen, den Unrecht ereilt, steht sein erfahrenes Unrecht als bittere Erfahrung in der persönlichen Geschichte. Wir sprechen zuweilen von Ungerechtigkeiten, die sich auf dieser Erde abspielen, aber genau genommen ist es eine große, einzige Ungerechtigkeit - die Einzigartigkeit des erlittenen Unrechts ist widersinnig, ist Ausdruck einer Primatshaltung des einen Leidenden über den anderen. Um also das unbeschreibliche Unrecht an Europas Juden als Vergleich heranzuziehen - ein Unrecht das ja vielschichtig ist, weil es zwar in Mord endete, aber mit vielen kleineren und größeren Repressionen seinen Anfang nahm -, muß die Vergleichssituation Unrecht in sich tragen. Darf man historisches Unrecht denn nicht mit gegenwärtigen Unrecht vergleichen? Sie heranziehen um zu mahnen, Aufmerksamkeit zu erzeugen, zu warnen? Es muß doch kein Akt der Verhöhnung der damaligen Opfer sein, ganz im Gegenteil, zeigt es doch auf, dass man das einstige Unrecht vollauf erkannt hat - der Mißbrauch dieser Einsicht, wie vielleicht im Falle des Professor Sinn, kann natürlich nicht ausgeschlossen werden.

Es stellt sich gegenteilig dar: Wer fordert, man dürfe aus dieser Ära keine Vergleiche rekrutieren, der fordert somit, aus der Geschichte nicht mehr lernen zu wollen, läßt in einer unsäglich Arroganz erkennen, schon alles aus diesem Geschichtsabschnitt gelernt zu haben. Doch ausgelehrt hat uns keine Epoche, auch keine der früheren Epochen - immer wieder finden sich darin Lehren und Einsichten, die man für die Gegenwart als wertvoll erachten kann. Wer also fordert, das Vergleichspotenzial dieser braunen Ära zu verwerfen, der drängt in einen Geschichtsfaschismus hinein, der totalitär alles unter sich begraben will, was sich mit dieser Zeit auseinandersetzt, der aus lebendiger Geschichtsbetrachtung eine tote Wissenschaftlichkeit machen will; ein Faschismus, der den Kritiker verächtlich machen will, der ihn zum Unmenschen erklären will, weil er angeblich keinerlei Respekt vor den Opfern der damaligen Zeit habe.

Die Explosivität von Sinns Äußerungen lag darin, dass er aus Tätern Opfer machen wollte, und dass man herauslesen mußte, dass auch die einstigen Juden Opfer ihrer Täterschaft waren. Dies ist der (absichtliche?) Irrtum seines Vergleichs. Er hat nicht Opfer mit Opfern verglichen, sondern Täterschaften - nicht alle sind Täter - hinter Opferstatus verbergen wollen und damit wirklich das Andenken an jene beschmutzt, die einst Opfer waren...

11 Kommentare:

Anonym 28. Oktober 2008 um 11:33  

Sehr zutreffend - es wichtig, dass man auf alle vorhandene historische Erfahrung auch weiterhin vergleichend Bezug nimmt. Anders kann Lernen aus der Geschichte auch gar nicht funktionieren. Es ist ebenso wichtig, dass man schlechte und unzutreffende Vergleiche als solche identifiziert.

Auf den Nationalsozialismus Bezug zu nehmen birgt allerdings leider immer auch eine weitere, nicht in der Sache begruendete Gefahr fuer den Sprecher: Das - absichtliche oder unabsichtliche - Missverstaendnis.

Es gibt wenige Bereiche, in denen es so ueblich ist, anderen mit unklaren und emotional besetzten Begriffen zu attackieren. Ein Vergleich wird schnell zur unverantwortlichen Verharmlosung. Die Darlegung der persoenlichen Motive der Taeter schnell zur Entschuldigung oder mangelnden Distanzierung. Die Erwaehnung von tatsaechlichen Erfolgen, die oft erst die Begeisterung der Massen erklaerlich werden laesst, ebensoschnell Lob fuer das System. Die Unklarheit der Begriffe wie Verharmlosung, Entschuldigung oder hinreichender Distanzierung fuehrt dann dazu, dass sich ein Betroffener rational nicht einmal mehr dagegen zur Wehr setzen kann und seinen Ruf vernichtet sieht. Das bekannteste Beispiel fuer einen solchen Fall ist sicherlich Philipp Jenninger.

persiana 28. Oktober 2008 um 13:50  

Desto größer die Nähe, umso größer ist das Bedürfnis, sich abzugrenzen, so scheint mir...

Vergleiche mit der NS-Zeit drängen sich angesichts der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung der letzten Jahre immer mehr auf.

Die Medien befinden sich zum größten Teil in der Hand von interessengesteuerten Lobbygruppen, mit deren Hilfe das Bild des Hartz IV "Untermenschen" kreiert wird, und das jetzt schon im öffentlich rechtlichen Fernsehen. Da durfte ich zu meinem Entsetzen Zeuge eines Tages im Leben einer Hartz IV -Familie werden (Sohn schlug Mutter vor laufender Kamera zusammen). Das ganze lief im Vormitttagsprogramm der ARD!!!, und von den Programmgestaltern wurde offenbar nicht bedacht, dass um diese Uhrzeit aufgrund des mangelnden Angebots an Kindergartenplätzen und der durch Hartz IV zunehmenden Notwendigkeit, auch für Mütter, einer Berufstätigkeit nachzugehen, auch viele Kinder unbeaufsichtigt vor dem Fernseher sitzen. Und wer weiß schon, ob es sich bei den Agierenden nicht um 1-Euro-Jobber oder ähnliches handelte, die nach einem vorgefertigten Drehbuch handeln (man darf ja keinen Job ablehnen, sonst: Hungerpeitsche).

Zweite Parallele: Zwangsarbeit durch 1-Euro-Job.
Jeder, der sich arbeitslos meldet, soll sofort in einen (Grundrechts- und menschenrechtsverletzenden 1-Euro-Job) gezwungen werden, bzw. Leiharbeit, unter Bedingungen, die noch nicht einmal das eigenen Überleben in unserer Gesellschaft sichert, von der Finanzierung einer Familie ganz zu schweigen.

Dritte Parallele: Wer profitiert?
Große Industrien, vor allen Dingen die Autoindustrie, die Zulauf von den vor der Verfolgungsbetreuung Flüchtligen zu verezeichnen haben.

Anonym 28. Oktober 2008 um 14:31  

Lieber Roberto de Lapuente,

völlige Zustimmung.

Auch was du davon geschrieben hast, dass der Nationalsozialismus noch nicht in gänze der Menschheitsverbrechen erforscht ist stimmt - ich denke der Aspekt der Judenvernichtung sollte z.B. nicht allein aus Sicht des Antisemitismus gesehen werden sondern eben auch des sozialen Rassismus, den Sozialdarwinismus den du so treffend beschrieben hast. Erst dieser machte es doch möglich "Untermenschen" (Juden, Cinti und Roma, "asoziale", "Slawen" etc. etc.) zu konstruieren, um diese zuerst auszugrenzen, zu diffamieren und dann als "Parasiten am Volkskörper" (Zitat: Adolf Hitler) durch Gas, Erschiessen, und andere Verbrechen an der Menschheit umzubringen.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

PS: Es gibt übrigens, nur am Rande, auch eine Verbrechensgeschichte an Schwarzen in Deutschland, die kaum erforscht ist - erst heute wird dieses grausame Kapitel - ausgehend vom Massaker an den Herero im heutigen Namibia - erforscht.... Sinn wäre es lieb, dass Geschichtsbuch zuzuklappen, aber ich denke, dass gerade dies ein fataler Fehler wäre, da der so genannte "moderne Antisemitismus" erst mit dem Mißbrauch der Lehre von Charles Darwin durch Hackel und Co. seinen vollen mörderischen Umfang erreicht hat....

Klaus Baum 28. Oktober 2008 um 15:48  

Ich bekam schon als Kind in den fünfziger Jahren Bilder von Konzentrationslagern zu Gesicht. Es war eine Anschauung des Grauens, was dort geschehen war, eine Anschauung, die man als Kind noch gar nicht verarbeiten konnte. Diese Berge von Leichen, Gebissen, Kämmen, Schuhen. Ich wuchs auf mit dem Bewußtsein, daß derartiges sich nicht wiederholen dürfe. Die Barbarei des 3. Reiches war ein allgemeines Thema, das uns damals immer wieder beschäftigte. Der zentrale Gedanke im Unterricht, ich glaube, es war in Deutsch und in Geschichte, daß man uns nahebrachte: "Wehret den Anfängen."
Es war nahezu selbstverständlich, darüber zu sprechen und nachzudenken, welche Eigenschaften Menschen befähigen, solche Greueltaten zu begehen. Und wenn man den Anfängen wehren sollte, mußte man lernen und wissen, wie solche Anfänge aussehen. Im größeren politischen Rahmen waren es etwa die Notstandgesetze, gegen die eine große Mehrheit der Menschen sich aussprach. Die Unterschriften-Aktionen und Demos verpufften ins Leere, die Notstandsgesetze kamen.

Der Gedanke der Versöhnung bestimmte damals ebenfalls das allgemeine Bewußtsein: So entstanden Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit.
Das Gebot, wach zu sein gegenüber eventuellen Wiederholungen, war selbstverständlich, ebenso Vergleiche mit dem 3. Reich, zumal es noch die alten Kader gab, die wieder in ihren Berufen arbeiteten.
Ich erinnere mich an folgende Begebenheit: als ich der Redaktion einer Firmenzeitung einen Besuch abstattete, fuhr unten ein großer offener Lastwagen vorbei, der eine Skulptur von Henry Moore transportierte. Es war 1964 in Kassel kurz vor Beginn der documenta 3.
Den Chefredakteur dieser Zeitung
nannte man damals noch Schriftleiter. Und als er die Skulptur von Moore sah, sagte er, da kommt sie wieder, die entartete Kunst.

Aber solche Überreste der Nazizeit im Denken, die leicht zu identifizieren waren, waren es nicht allein, sondern es ging auch darum zu lernen, Strukturen des 3. Reiches begrifflich zu bestimmen, um Analogien in der Gegenwart zu erkennen, Analogien im Sinne des Brecht'schen Verses "der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch".

Es war in den fünfziger und sechziger Jahren gerade zu Programm, darum sich zu bemühen, daß sich nicht wiederhole, was die Nazis an Unmenschlichem angerichtet haben.

Roberto J. De Lapuente 28. Oktober 2008 um 17:19  

Lieber NDS-Leser,

ich bin durchaus der Überzeugung, dass es weniger Judenfeindlichkeit, denn Evolutionsrassismus war, der im Ursprung die Shoa ermöglichte. Später griff man freilich die uralten Ressentiments gegen die Juden auf, um damit den abstrakten Evolutionsrassismus zu mehr "Bürgernähe" zu verhelfen. Der Ursprung war Sozial- und Rassendarwinismus - daraus wurde der rassische Antisemitismus der Nazis.

Der Völkermord an den Herero wird heute nicht mal als solcher bezeichnet. Die Einzigartigkeit eines Leides bedeutet eben zwangsläufig, das Leiden der anderen zu verleugnen. Dabei bedeutet Opfer zu sein in meinen Augen auch: Die Augen öffnen, barmherzig werden, die Leidenden gleichgültig der Leidursache, als Brüder zu behandeln - es spielt keine Rolle ob das Leid Holocaust oder staatliche Repression durch Unrechtsgesetze bedeutet.


Lieber Klaus,

vielen Dank für Deinen sehr wertvollen Beitrag. Als Teil meiner "männlichen Gefolgschaft" lieferst Du immer wieder spannende Anekdoten, die den Irrsinn, an dem unsere Zeit durchzudrehen scheint, bildlich machen.

Anonym 28. Oktober 2008 um 22:06  

Lieber Roberto De Lapuente,

meine erste Begegnung mit dem Thema hatte ich als junger Mann 1990 - mit 20 Jahren.

Die Buchlektüre zum Thema damals hieß: "Die Vernichtung der europäischen Juden", 3 Bde.
von Raul Hilberg.

Wenn ich mich noch richtig erinnere hatte Raul Hilberg in seinem Buch eine gute Tabelle, die sich meilenweit von heutigen "Historikern" abhob.

Die Zeit für neoliberale Geschichtsfälschungen, über die du ja auch schon berichet hast war noch nicht reif.

Zum Thema:

Der christliche Antijudaismus war älter als die sozialdarwnistische Theorie, viele Ausgrenzungsmerkmale ja sogar Vorplanungen gingen auf Christen zurück - so z.B. das Grundlagenwerk von Martin Luther "Von den Juden", worauf sich ein Nazi-Verbrecher in Nürnberg berief.

Ich meine den "modernen Antisemitismus", d.h. es war genau umkehrt - das Christentum lutherischer sowie katholischer Prägung ebnete den Boden für die Shoa.

Charles Darwin lieferte dazu noch die Ergänzungen, unfreiwillig - seine Lehre wurde von Haeckel & Co. als Sozialdarwinismus uminterpretiert.

Übrigens, nach heutigen Maßstäben soll auch Charles Darwin ein Rassist gewesen sein, wie viele damals in seiner Zeit - es war halt einfach so hab ich einmal irgendwo gelesen.

Das sollte denen die Wasser von den Mühlen nehmen, die meinen Darwin wäre auch heute noch ein Rassist - das stimmt nicht, er war ein "Kind seiner Zeit" und so mancher, der auf deinen Beitrag antwortet würde sich noch wunder, wer heutzutage noch als "Rassist" gelten würde, von den damals lebenden prominenten Geistesgrößen in Deutschland bzw. Großbritannien.

Was die Herero angeht, da wurde ja nichts verleugnet, es war ja eine Entschädigung für diesen Völkermord im Gespräch - als Rot/Grün noch dran war. Die Entschädigung hat die aber ebensowenig erreicht wie die Einwohner eines griechischen Dorfes mit dem Namen Distomo - um noch ein in Deutschland verschwiegenes Wehrmachtsverbrechen zu erwähnen. Da gibt es noch einiges zu tun - aufklärungsmäßig.

[...]Dabei bedeutet Opfer zu sein in meinen Augen auch: Die Augen öffnen, barmherzig werden, die Leidenden gleichgültig der Leidursache, als Brüder zu behandeln - es spielt keine Rolle ob das Leid Holocaust oder staatliche Repression durch Unrechtsgesetze bedeutet.[...]"

Sehe ich ganz genauso.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

PS: Mal vom Thema Holocaust ganz weg, ich hatte heute so eine Idee, weiß aber nicht ob die gut ist: "Wie wäre es einfach mal international nachzufragen ob es ähnliche Ausgrenzungsstrategien gegen "sozial Schwache" gibt, und wenn ja, wie die Menschen dort sich gegen diese Diffamierungen wehren. Wenn nein, sollte es dies auch geben, wie weckt man Verständnis für "sozial Schwache" und wie sieht positives Umgehen, ohne Arbeitszwang und Diffamierung dort aus? Na ja, vielleicht eine Schnapsidee, aber überlegenswert. Oder?

klaus baum 28. Oktober 2008 um 23:22  

"männliche gefolgschaft"?
vielleicht gar männerbünde?
derartiges feministisches vokabular empfinde ich als diskriminierend, bringt es doch meine weiblichen anteile für die wahrnehmung zum verschwinden und radiert mich doppelt aus. :--))

Anonym 28. Oktober 2008 um 23:50  

"Die Explosivität von Sinns Äußerungen lag darin, dass er aus Tätern Opfer machen wollte, und dass man herauslesen mußte, dass auch die einstigen Juden Opfer ihrer Täterschaft waren. Dies ist der (absichtliche?) Irrtum seines Vergleichs."

Deine Art zu schreiben, machte mir auch das Lesen des heutigen Beitrags zum Genuss. Es ist nicht das erste- und sicher nicht das letzte mal. Auch wenn ich Ähnliches nicht jedesmal wiederholen werde, sage ich hier: Danke!

Viele waren beteiligt an der Zensur, die auf das Zusammenbringen von Akteuren und Ereignissen von heute mit deren Homologen von einst, verhängt wurde: Es waren ehemalige Nazis die als über Nacht erbravten Beamten, in Verwaltungen weiter arbeiteten, beispielsweise an der Weiterführung von im dritten Reich erstellten Listen, wo die Zugehörigkeit zu bestimmten Minderheiten vermerkt ist; Es waren Richter, Politiker, Kirchenvertreter, allesamt in einem Netzwerk das eine wunderbare Basis zum Zusammenhalt lieferte: Eine Interessengemeinschaft.
Sie alle haben bewirkt, dass bis heute die Vergangenheit nicht bewältigt ist, dass bis heute Menschen wie Hexen verfolgt werden können, das Opfer-Täter Verhältnis aus Dummheit oder gewollt umgekehrt werden kann.

Wenn Prof. Sinn meint, die Manager würden heute verfolgt wie in der Nazizeit die Juden, dann weckt er in mir die Frage: 'Wer waren die, welche damals die Juden verfolgt haben'?
So bekommt die Sinn'sche Behauptung ein Gesicht, das ich als lächerlich bezeichnen würde, wenn mir die fundamentale Bedeutung seiner Entgleisung entgehen würde: Er vertritt die Meinung, das Volk würde heute eine verfolgende Rolle spielen, wie damals die Nazis, weil Vertreter seiner wunsch-Gilde kritisiert werden, nachdem sie Jahrzehntelang auf einem Sockel von arroganter Abgehobenheit gezockt, verhöhnt und verarmt haben.
Es waren nicht alle Manager und nicht alle Politiker. Aber die, die es waren, die welche gemeint sind, die welche in einer beispiellos unverschämten Gelassenheit immer noch glauben, keine Antworten geben zu müssen, glauben, das Recht zu haben das Spiel weiterzuspielen, die gehören zur Gilde derer die heute Prof. Sinn gemäß verfolgt werden.
Dass Prof. Sinn der Gruppe nichtmal angehört ist nicht schlimm. Sein Anspruch als Wissenschaftler, der ist Schlimm.

MG

Klaus Baum 29. Oktober 2008 um 22:26  

Soeben bei Fragmente eines Ungenannten gefunden:
>>Ich fürchte mich nicht vor der Rückkehr des Faschisten in der Maske des Faschisten, sondern vor dessen Rückkehr in der Maske des Demokraten.<<

Theodor W. Adorno (1903-1969)

Wie dieses Adorno-Zitat traurige Berühmtheit erreicht hat, kann hier nachgelesen werden. Fazit: Das Zitat eines Antifaschisten und Antisemitusmusforschers reicht heute schon wieder zum Vorwurf der Volksverhetzung.

hier:
http://www.erwerbslosenforum.de/nachrichten/26_262008260326_264_3.htm

Anonym 31. Oktober 2008 um 13:22  

Apropop NS-Vergleiche - in meinem privaten Umfeld wird man nur schell angesehen, wenn man auf die Leistungen der Arbeiter hinweis, und sich verbittet das Wort "proleten" als Schimpfwort anzusehen, oder gar Arbeiter-Lieder gerne zu hören.

Meine dämliche Schwester hält nämlich Arbeiter für Nazis - sie selbst ist Erzieherin -.

Ich kann ihre Dummheit nicht entschuldigen.

Sie meint es NSDAP hieße ja auch "Nationalsozialistische deutsche Arbeiterpartei" - Fazit: Arbeiter sind Nazis.

Was blöderes habe ich selten gehört, aber ich hege die starke Befürchtung, dass noch mehr, die früher als Arbeiter oder Arbeiterinnen bezeichnet worden wären, genauso denken.

Dank Sinn, Aly & Geschichtsfälscher Co.

Man sollte denen echt mal erklären, dass die zweite Opfergruppe der Nazis, die von Anfang an am brutalsten verfolgt worden sind eben Arbeiter, Gewerkschafter, Sozialdemokraten und Sozialisten/Kommunisten waren.

Ich weiß es hat keinen Zweck, denn die neoliberal, angeblich nicht-faschistische, Bewegung hat mit ihrer Tatsachenverdrehung doch bald alle gesellschaftlichen Bereiche erreicht.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

PS: Ich halte es übrigens für einen zentralen Fehler der autoritären Staatskommunisten/-sozialisten alter Prägung, dass die zwischen Arbeiter und Arbeitnehmer unterschieden haben - das nur am Rande...

Anonym 4. November 2008 um 20:37  

Hier stellt sich die Frage, ob Herr Sinn in seiner persönlichen Sichtweise und sogar in der historisch faktischen Betrachtung der Rolle des Juden als Sündenbock Recht hat und sein gnadenlos überzogener Verweis, dennoch einen wahren Kern hat.

Die Juden waren tatsächlich auch die Sündenböcke für die Folgen der ruinösen Wirtschaftspolitik im dritten Reich. Das führte letzlich zum Angriffsbefehl durch Hitler . In Generalskreisen galt dies als etwas verfrüht, aber die wirtschaftlichen Zwangslagen nötigten die Reichsführung dazu . Die Kriegsbeute, aber auch der Besitz der jüdischen Bevölkerung wurde abkassiert und gleichzeitig dem Volk vorgegaukelt, daß nicht die tatsächlich Schuldigen schuld wären, also die Regierung und das Finanzkapital seiner Zeit. Diese hatten ja die desaströse Politik zu verantworten bzw. massiv daran verident. Der Jude wurde für deren Verfehlungen der Öffentlichkeit geopfert. Mögliche ethnische Elemente der Judenverfolgung einmal aussen vor lassend.

Heute soll der Manager mit seiner Gier schuld sein. Ist das aber wirklich so? Der Manager ist doch in aller Regel nur der direkte Handlanger des Firmeneigners. Der Firmeneigner, sind das nicht oft die grauen Eminenzen des Großkapitals, bekannte Superreiche, große Fonds und Banken aber auch oft Kleinaleger, die zwar nicht viel zu sagen haben, aber auch verdienen wollen und für deren Rendite ebenso Massenentlassungen dienlich sind?

Der Manager ist hier ausführendes Organ mit der Aufgabe Rendite zu schaffen für die Firmeneigentümer. Solange er deren Politik und Ziele erfolgreich vertritt, darf er sich auch schamlos bedienen.
Im volkswirtschaftlichen Sinne sind Manager die Diener des vielgerühmten Wachstums, des Kapitalwachstums.
Betrachtet man jetzt einen neoliberalen Marktschreier wie Herren Sinn, so muß man sagen daß seine Vergleiche eine schweinerei sind, nicht nur in diesem Falle, v aber möglicherweise liegt er weniger falsch als man ihm heute unterstellt.
Grundsätzlich:
Wer den Kapitalismus annimmt, der muss auch die Manager akzeptieren, ungerechte Verteilung und Armut, Arbeitslosigkeit und Verlierertum soziale Ungerechtigkeit eben. Es sind systemimmanente Komponenten eines unmenschlichen asozialen Wirtschaftssystems, das seinen Zenit bereits überschritten hat.

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