Die moderne Variante des Eichmann

Freitag, 24. Oktober 2008

Kürzlich wurde ein zwölfjähriges Mädchen von der Deutschen Bahn, das heißt: von einer Mitarbeiterin derselbigen, an die frische Luft gesetzt. Das Mädchen hatte seine Fahrkarte vergessen, versprach aber sie nachzureichen - die Schaffnerin kannte allerdings kein Erbarmen und schmiss den blinden Passagier an der nächsten Bahnstation über Bord. Die Bemühungen anderer Fahrgäste wurden freilich auch ignoriert, denn einen "Fahrschmarotzer" auch noch zu schützen, kam für die Bahnangestellte nicht in Frage. Problematisch an der Aktion der pflichtversessenen Person war: Das Mädchen wurde in abendlicher Dunkelheit, fünf Kilometer von ihrem Zuhause, ohne Geld - die vergessene Fahrkarte war ja im vergessenen Geldbeutel - ausgesetzt.

Ein moralischer Aufschrei ging durch den Blätterwald. Sogar zurecht - was bei vielen Aufschreien ja nicht der Fall ist. Und als es dann hieß, dass der dienstpflichtige Eichmann suspendiert wurde, da zeigte man so etwas wie Erleichterung: Die Bahn sei doch nicht so schlecht, kenne also Moral und Anstand!

Ein moralisches Unternehmen? Sowas gibt es? Die Frage scheint berechtigt, wenn man einen der Mitgründe der Suspendierung beachtet: Man sah sich zu dieser Handlung gezwungen, weil die Bestimmungen der Bahn vorsehen, dass Minderjährige nicht des Zuges verwiesen werden dürfen. So sieht es also aus: Die Schaffnerin war nicht unmoralisch, kannte nur den Maßnahmenkatalog des Arbeitgebers nicht exakt. Sie wurde suspendiert, weil sie gegen eine Dienstanweisung verstieß, nicht weil sie ein unerträgliches Maß an fehlender Mitmenschlichkeit aufgezeigt hatte. Stellen wir uns vor, die Bahnbestimmungen würden einen solchen Passus nicht kennen: Die "Fanatikerin für Recht und Ordnung" wäre vielleicht noch im Dienst.

Die Schaffnerin ist ein Eichmann-Typus mit Mängel. Denn der "beliebige Hanswurst" (Hannah Arendt) hatte sein Regelwerk exakt im Kopf, wäre nie auf den Gedanken gekommen, dass er seine eigenen Spießbürgerlichkeiten zum Maßstab seines Handelns küren könnte. Nein, dazu gab es Vorschriften, die er strikt und ohne Hinterfragen anwandte. Er war nur der Hammer, der den Nägeln zum Eindringen verhelfen sollte - derjenige, der das Ziel des Einhämmerns markierte, war er nicht. Einmal soll er ein Konzentrationslager besucht und sich dabei übergeben haben - fortan war der moralische Aspekt, d.h. das eigentliche Motiv seines Tuns, aus dem Denken verbannt; fortan war sein Schreibtisch das Schlachtfeld seines bürokratischen Treibens. Bei aller Kritik an Eichmann, muß man Arendts Betrachtungsweise zu seiner Person doch zustimmen: Er war nicht unmoralisch, er war nicht getrieben von Judenhass, er war einfach nur "schier gedankenlos" und "realitätsfern" - er war nur alltäglich, nur banal, war nur Ausdruck der "Banalität des Bösen".

Unsere Schaffnerin ist auch nur alltäglich, sicherlich kein Aushängeschild mitmenschlicher Lebensphilosophie - aber ein Eichmann im klassischen Sinne ist sie nicht. Sie hatte das Regelwerk nicht im Kopf und hat ihre eigene verkrüppelte Unmenschlichkeit zum Maßstab gemacht, der es ihr erlaubte, so herzlos gegen dieses "schmarotzende Kind" vorzugehen. Zudem kann in einer Gesellschaft, die medial aufbereitet an jeder Ecke Schmarotzer und Parasiten vermutet, eine solch degenerierte Humanität nicht verwundern. Die Unmenschlichkeit ist solchen bornierten, zur eigenständigen Denkweise unfähigen Zeitgenossen auch nur ins Handeln eingepflanzt, quasi zur gesellschaftlichen Konvention erhoben, die sie dann in jedem alltäglichen Bereich aufbereiten, immer versteckt hinter Regelwerken und Gesetzen. Nur diesmal irrte sich einer dieser Eichmann-Typen, konnte sich nicht hinter Bestimmungen verstecken, weil diese nämlich das glatte Gegenteil dessen ausdrückten, was der Eichmann schlußendlich tat.

Was also bei der Schaffnerin zum Tragen kommt, ist womöglich die Verschärfung des eichmännischen Prinzips, denn zum Handeln gesellt sich nicht "geistiger Stillstand" und damit kritikloses Vorgehen, sondern die kleinkarierte Bösartigkeit des Alltags, mit der es erlaubt ist, seine eigenen Vorurteile, seine Aversionen, seine Unmenschlichkeit und Härte zum Imperativ innerhalb eines Büros, eines Zugabteils oder eines Klassenzimmers zu machen. Dieser Typus des bürokratisierten Technokraten, der uns in Amtszimmern genauso begegnet wie im Zug oder schlicht an der Tankstelle, ist die Zuspitzung des Adolf Eichmann, die Verschlimmerung des vormals schon Schlimmen. Er ist der Alltagsfaschist, der aus jeder Lappalie einen Verwaltungsakt, aus allen Nichtigkeiten bürokratische Kraken formt. Und im Gegensatz zum historischen Eichmann hat dieser moderne Typus, frustriert durch ein oftmals erbärmliches Leben im (zwar satten) Materialismus, verdummt durch Medien und verblödet durch Gleichschaltung, oft depressiv ob eines unterdrückten Individualismus, eine wahre Freude an der praktizierten Misanthropie, an der Niedertracht und Hinterlistigkeit, an der Boshaftigkeit am Nächsten.

Eichmann kümmerte sich nicht um seine Opfer - ihm war egal ob sie brennen oder frei herumlaufen durften. Nur die Vorschrift verband ihn mit seinen Opfern. Der neue Typus des alten Trottels allerdings, sieht sich mit seinem Opfer durch mehr verbunden. Freilich auch durch die Vorschrift, aber diese dient vorallem dazu, die eigene ethische Verkrüppelung zu verschleiern. Er fühlt sich seinen Opfern verbunden, weil er an ihnen seine Sadismen ausleben darf, dafür auch noch bezahlt wird - darin liegt die Würze seines erbärmlichen Daseins. Ohne seine Opfer, wäre er ein großes Nichts, könnte er nicht einmal die dunklen Seiten seiner Persönlichkeit ausleben, wäre auf ewig nur derjenige, der "ganz unten" steht.

12 Kommentare:

Anonym 24. Oktober 2008 um 16:37  

"[...]Ohne seine Opfer, wäre er ein großes Nichts, könnte er nicht einmal die dunklen Seiten seiner Persönlichkeit ausleben, wäre auf ewig nur derjenige, der "ganz unten" steht.[...]"

Wie immer, treffend getroffen ;-)

Fatal finde ich übrigens auch, dass gerade die die selbst "ganz unten" stehen die Politik der "Sozialräuber" (Zitat habe ich mal vor Jahren in einem Arbeitslosenforum in Netz gefunden) mit tragen, da braucht es keinen Typus "Eichmann" mehr.

Es gab immmer schon "Noskes" und "Eichmanns" sowie "Brünings" in Deutschland, wobei ich noch anmerken will, dass gerade die die schlimmsten Stützen des jeweiligen Gesellschaftssystems waren.

Heute wird wieder frei mit uralten Feindbildern (z.B. der "böse" Kommunist, Schmarotzer etc.) hantiert, und der Otto-Normalbürger/-bürgerin bedient sich nicht einmal mehr Immanuel Kants berühmtes Motto sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, um diese Strategie des teile und herrsche zu durchschauen.

Ansonsten müßten die "ganz unten" und in der Mittelschicht sowie idealistische aus den selbst ernannten "Eliten" wie ein Mann gegen die Große Koalition der Sozialabbauer unter Merkel/Schröder stehen bzw. gestanden haben.

Leider scheint in Deutschland, wie eben erwähnt, die obige Tatsache ein vererbtes Ding zu sein:

"Nach oben katzbuckeln, nach unten treten".

Wobei "nach unten" frei definierbar ist.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

PS: Ich verweise, als alte Leseratte, einmal, auf folgendes Buch, dass mit dem Schaffen von Feindildern in Deutschland - durch die Politik, die selbst ernannten "Eliten" und die Medienschaffenden - teilweise recht gut und lustig abrechnet:

"Feinde - Alle die wir brauchen"

von Reinhard Kreissl, Diederichs Verlag.

Anonym 24. Oktober 2008 um 18:24  

Dazu paßt:

http://linkszeitung.de/content/view/169975/1

Unfassbar, aber die Bürger vertrauen den Böcken aus der CDU, die sich nun zu Gärtner machen.

Da findet wohl eine massive Form von Meinungsmache pro Merkel statt?

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 24. Oktober 2008 um 18:50  

Apropo Feindbilder - uralte - so eben bekam ich Besuch von einem etwas älteren Herren, der uns Eier verkauft.

Er sprach mich an, weil er heute, von jemand mir Unbekanntem, mitbekam, dass ich bei der hiesigen Volksbank die Frage gestellt habe:

"Bei Ihnen ist das Geld ja noch sicher" und auf Antwort der freundlichen Bankangestellten, ihr geantwortet habe, dass ich die Finanzmarktkrise eben auch verfolgen würde. Mir schleierhaft woher er dies weiß, aber in einem kleinen Ort wird viel geredet.

Nun zum eigentlichen Thema:

Er meinte, dass die USA und "die Juden" an der Finanzmarktkrise schuld wäre. Ich war in friedlicher Stimmung, und er eh bei uns zwischen Tür und Angel, so dass ich nur meinte - "...das mit den Juden glaube ich nicht...."

Er hatte es auch eilig, so dass ich nicht weiß, ob meine Worte bei ihm angekommen sind bzw. was bewirkt haben...

Meine Mutter, die dabei war, meinte nur so sehen es halt die älteren Menschen, die können nicht anders....

Toll...und dies alles nach der Shoa....der Antisemitismus feiert dank Finanzmarktkrise wieder fröhliche Auferstehung, und was tut die Union - die die Große Koalition immerhin mitregiert - dagegen:

http://www.linksfraktion.de/pressemitteilung.php?artikel=1284175550

Denen ist der Hass gegen die neue Linkspartei anscheinend wichtiger als der Kampf gegen den - im Rahmen der Finanzmarktkrise - wieder auflebenden Antisemitismus (=Judenhass) des kleinen Mannes.

Ich bin ehrlich gesagt schockiert über das kleinliche Verhalten der deutschen Konservativen - 63 Jahre nach dem Ende des II. Weltkrieges.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Klaus Baum 24. Oktober 2008 um 19:06  

treffender essay. herausheben möchte ich die folgende formulierung:
>>oft depressiv ob eines unterdrückten Individualismus, eine wahre Freude an der praktizierten Misanthropie<<

Anonym 24. Oktober 2008 um 21:42  

Die Borniertheit ermöglicht es Auswüchsen, sich zu verbreiten und auf die Zustimmung – oder Nichtteilnahme - derer zu zählen, die entweder nicht betroffen sind oder in gebückter Gangart allen Schwierigkeiten aus dem Wege gehen. Besagte Borniertheit erscheint wie eine verkommene Form der als Deutsche Tugend bekannten Gründlichkeit, ohne der weder der Holocaust möglich gewesen wäre, noch die Stasi so erfolgreich hätte operieren können, noch es das Wirtschaftswunder gegeben hätte.
Es scheint eine Frage der zufälligen Durchsetzung von Interessen zu sein, wie diese Gründlichkeit in der Gesellschaft eingesetzt wird, gleichwohl funktioniert sie aber ohne Gefühl, Emotionen oder Überraschungen, was aus ihr ein zuverlässiges Mittel macht in den Händen einiger Potentaten oder deren Marionetten.

Das Eichmann-Verhalten – mit den wohltuend trefflich im Beitrag formulierten Unterschieden zu dessen Nachfolgern – wird allerdings durch Kontroll- Überwachungs- und gegebenenfalls Disziplinarische Aktionen gefordert und gefördert, die aus einen Mitarbeiter einen Bespitzelten machen oder einen potenziell engagierten Vertreter eines Unternehmens / einer Behörde zu einem willenlosen Instrument der Durchsetzung von Schwachsinn mit Überschriften wie „Das Wohl des Unternehmens“ bzw. „Unser aller Wohl“ oder „Geschäftspolitik“, usw... verkommen lassen.
Wenn auf Eichmann der Tod gewartet hätte bei Nichteinhaltung der Vorschriften, ist es heute womöglich der Abstieg in die Armut wegen Jobverlust, ein – an heutigen Verhältnissen übertragen - nicht minder wirksames Mittel zur Bekämpfung der Menschlichkeit und dem gesellschaftlichen Miteinander, als es in Kriegszeiten die Todesstrafe war.

Ein solches soziales Gehorsam ist im Grunde eine herausragende Leistung derer, die sich „Eliten“ nennen und die hier und heute buchstäblich alles durchzusetzen vermögen was ihren Interessen dienlich ist. Sie brauchen keine Sorge von Protest, nennenswerten Widerstand oder gar einen Sesselverlust zu haben, zumal sie einerseits die Mediengleichschaltung erfolgreich realisiert- und andererseits eine deprimierende Alternativlosigkeit hinsichtlich der Wahlmöglichkeiten in den Reihen der Politik zustande gebracht haben.

Die „Eichmännin“ von der Bahn wurde suspendiert. Wieso? Weil dieselbe Presse die sie vorher über die „wahren“ sozialen Verhältnissen „aufgeklärt“ hat, nun ihren Kopf wollte? Weil die, welche ihr betriebsintern die rigorose - und vor allem ausnahmslose - Einhaltung der Vorschriften eingetrichtert haben, eine Wissenslücke ahnden wollten, mit der die Qualitätsliebende Bahn nicht einverstanden sein konnte?
Oder war es vielleicht nach dem Motto „Selber Schuld wer sich erwischen lässt!“? Täter oder Anstifter?
Ich bin mir nicht sicher, was wichtiger ist: Versuchen die Antwort auf diese Frage zu suchen, oder die beängstigende Tatsache festzustellen, dass die Schaffnerin nur zum Teil Täterin ist. Zum anderen Teil ist sie ein Produkt, wie auch viele andere „Eichmänner“, die der Illusion erlagen, jenen etwas zu bedeuten, die sie auch weiterhin nach Gutdünken ein- oder aussetzen werden, nachdem sie ihnen jeglicher Begründung zur Selbstachtung beraubt haben.
Dass fast die ganze Nation mit dem Finger nun auf die Schaffnerin zeigt, passt allerdings zu dem Opportunismus der Zeit. Wer weiß, auf wen alles wir im Wahl-Anno Domini 2009 noch mit Finger zeigen werden oder mit der moralischen Keulen losgehen werden. Jedenfalls nicht auf die richtigen.
M.G.

P.S. Ob sie immer noch suspendiert ist?

Anonym 24. Oktober 2008 um 22:09  

"[...]Wer weiß, auf wen alles wir im Wahl-Anno Domini 2009 noch mit Finger zeigen werden oder mit der moralischen Keulen losgehen werden. Jedenfalls nicht auf die richtigen.
M.G.[...]"

So eben in den SWR-Nachrichten, der DAX ist wieder abgestürzt. Nun sollte die Folge eigentlich eine Wut auf die Zocker sein. Ganz falsch gedacht: Der Nachrichtensprecher meinte allen Ernstens man sollte - über die meiner Ansicht nach unbelehrbaren Börsenzocker - Mitleid mit den jungen Menschen haben, die schon wieder einen "Schwarzen Freitag" bzw. schwere Stunden erleben.

Frage:

Wie oft läßt sich die hiesige Bevölkerung eigentlich noch für dämlich verkaufen? Zuerst macht man aus den Böcken Gärtner, und nun, nachdem diese sich unbelehrbar zeigen, auch noch zu bemitleidende Menschen.

Toll, mit dem zwölfjährigen Mädchen hatte wohl keiner Mitleid, aber mit Zockern, die wieder Milliarden verzocken - trotz, oder gerade, wegen Staatsknete - mit lachhaften Bedingungen - von 500 Milliarden Euro, sollen wir allesamt als Nation Mitleid zeigen.

Können die Medienvertreter gerne - ich schließe mich denen an, die keinerlei Mitleid mit Spielern zeigen, die wie im Spielcasino mal so eben wieder Milliarden verzockt haben....

Anonym 25. Oktober 2008 um 09:35  

Für den Fall, daß außer dem Rentner -- dem ich einmal unterstellen möchte, mit seinem Angebot zur Übernahme der Kosten sein persönliches Maximum an Opposition gegen die Schaffnerin ausgeschöpft zu haben -- weitere Fahrgäste Zeugen des Vorgangs waren:
Zu deren Verhalten, vermutlich irgendwo angesiedelt zwischen nicht zu lautem Murren und insgeheimer Schadenfreude darüber, daß einem "Verbrecher" hier nur seine angemessene Strafe widerfährt, lassen sich gewiß ähnlich gute Parallelen zur mangelnden Zivil"courage" des wohlkonditionierten Volksgenossen ziehen.

persiana 25. Oktober 2008 um 19:41  

"Nicht die Obrigkeit ist es, gegen die wir kämpfen, sondern der Spießbürger und sein Egoismus." bemerkte der Journalist Johnannes Köppl anlässlich eines Gesprächs mit Passanten in der Nähe der 2005 stattfindenden Bilderberg-Konferenz in Rottach-Egern.
Wie wahr. Der egoistische, denkfaule Spießer ist das Wasser, mit der die Mächtigen der Welt ihre faschistoide Suppe kochen können, auch heute wieder. Das Bildungssystem der letzten Jahrzehnte hat mitnichten dazu geführt, dass Aufklärung und kritisches Bewusstsein in der gebildeten Mittelschicht angekommen sind, wie ich erst in den letzten Tagen wieder einmal feststellen musste...

Anonym 26. Oktober 2008 um 00:21  

"[...]Das Bildungssystem der letzten Jahrzehnte hat mitnichten dazu geführt, dass Aufklärung und kritisches Bewusstsein in der gebildeten Mittelschicht angekommen sind, wie ich erst in den letzten Tagen wieder einmal feststellen musste...[...]"

Welches Bildungssystem meinst Du? Doch nicht etwa unser deutsches, dass nach zig PISA-Studien immer noch verheerend schlechte Ergebnisse einfährt? Die Bildungskonferenz übrigens, einer gewissen Angie, ist nicht nur nach meiner einer gewissen Linkspartei in Deutschland eine reine Show-Veranstaltung, um von der von mir geschilderten Misere abzulenken....

Was die "Spießer" sowie den "Egoismus" angeht, die findet man doch meist nicht in der neu geschaffenen "Unterschicht", sonder zum überwiegendsten Teil in den Oberschichten, und teileweise auch in den verführten Mittelschichten, wie du völlig richtig beschreibst, d.h. einige wenige Egositen und Spießer - mit vermeintlicher Deutungsmacht überwiegend in den hoheitlichen Mainstream-Medien - meinen ein Land von über 80 Millionen Menschen zu "regieren".

In jedem anderen Land dieser Welt hätten wir bei so einer Konstellation längst bürgerkriegsähnliche Verhältnisse, aber in Deutschland sorgt die Staatskirche schon dafür, dass es ruhig bleibt - die uralte "Allianz zwischen Thron und Altar" funktioniert eben besonders in meinem Land hervorragend....leider...

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

persiana 26. Oktober 2008 um 12:06  

@anonym:
Welche Schichten ich meine? Wahrscheinlich würde man sie als gebildete Mittelschicht bezeichnen, mein Jahrgang, von dem ich annehme, dass die Schulbildung doch nicht ganz schlecht war, und einen zu kritischem Denken durchaus befähigt hat (wahrscheinlich aber auch nur, wenn man es selbst wollte, und nicht nur weil der Lehrer es sagte...). Ich weiß doch noch, was man so in der Schule gelernt hat, Rechtsstaat, Rechtssicherheit usw.
Auch die Textarbeit in Deutsch mag vielleicht nicht besonders kreativ gewesen sein, aber man lernte doch, beispielsweise einen Zeitungstext zu analysieren und auf Schwachstellen hin zu untersuchen. Wie kann sich denn dann heutzutage jemand, der dieselbe Schulbildung wie ich genossen und auch noch ein Hochschulstudium abgeschlossen hat, derartig dämlich anstellen und mir erzählen wollen, jemand mit einem Einkommen von 820,-€ im Monat Vollzeit sei "noch ganz gut bedient" und wir bräuchten schon Kontrollen für Hartz IV Bezieher, weil manche das "doppelt und dreifach beziehen"? Wo waren die eigentlich beim Geschichtsunterricht?

Ich finde das einfach unfassbar, und leider kein Einzelfall. Sie mockieren sich über "Bildzeitungsleser" , lesen die SZ und faseln dann sowas! Sehenden Auges befürworten sie eine Entwicklung hin zur Diktatur. Am liebsten würde ich auswandern. Ich habe mit ihnen nichts gemeinsam. Früher hätte ich niemals gedacht, dass "gebildete" Leute so ignorant sein können...Da haben ja selbst die verächtlich genannten "Bildzeitungsleser" manchmal noch ein besseres Gespür für die politische Entwicklung...

Anonym 26. Oktober 2008 um 13:55  

@persiana

"[...]Ich finde das einfach unfassbar, und leider kein Einzelfall. Sie mockieren sich über "Bildzeitungsleser" , lesen die SZ und faseln dann sowas! Sehenden Auges befürworten sie eine Entwicklung hin zur Diktatur. Am liebsten würde ich auswandern. Ich habe mit ihnen nichts gemeinsam. Früher hätte ich niemals gedacht, dass "gebildete" Leute so ignorant sein können...Da haben ja selbst die verächtlich genannten "Bildzeitungsleser" manchmal noch ein besseres Gespür für die politische Entwicklung...[...]"

Man könnte die Sache auch anders sehen, die anderen Mainstream-Medien passen sich immer mehr dem Bild-Niveau an, kein Wunder, dass die "Bildzeitungsleser" dann als gebildet durchgehen. Der SPIEGEL, um nur ein Beispiel von vielen in Deutschland zu nennen, gilt dank Nachdenkseiten nun als "Bild für Intellektuelle". Was die Ignoranz der angeblich Gebildeten angeht, da gibt es in Deutschland auch schon früher genug Beispiele für, z.B. den Freiburger Philosophen Martin Heidegger, der voll auf die Nazis abfuhr, was derselbe natürlich nach dem Krieg geleugnet hat. Ich bin übrigens Alt-Bundesrepublikaner, aber ich bin sicher das du solche Beispiele auch im Gebiet der ehemaligen sowjetischen Besatzungszone, auch DDR genannt, findest.

Mein Fazit:

"Bildung hier bei uns in Deutschland schützt vor Dummheit nicht!" - nicht einmal bei eigentlich hochintellekuellen Menschen wie eben erwähnt.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

PS: Gilt auch international - die Verführbarkeit der Intellektuellen, aber hier geht es um rein deutsche Themen daher beziehe ich mich bei obigen Beispielen auf unser Land....

Roman 27. Oktober 2008 um 11:45  

@Nachdenkseiten-Leser:
Der SPIEGEL als BILD für Intellektuelle - da fehlt ein "möchtegern" vor Intellektuelle.

Der SPIEGEL mag einmal das "Sturmgeschütz der Demokratie" gewesen sein. Mittlerweile ist er die Wasserpistole der INSM. Viele der Artikel sind so haarsträubend einseitig, dämlich oder beides, daß es mir regelmäßig die Schuhe auszieht.

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