Neue Menschen für die Liberalen

Mittwoch, 20. Mai 2015

Die FDP hat wirklich alles versucht. Jedenfalls ihrem Selbstverständnis nach. Jetzt hat die Parteispitze endlich eingesehen: Nicht die Partei muss sich ändern, sondern die Menschen müssen so werden, dass sie die Partei wählen können. Die damalige Abwahl war kein Schock. Sie hat den Größenwahn nur noch vergrößert.

Die vielen Tieflagen bei den Umfragen, als man noch Koalitionspartner war, hatten die Liberalen in Bewegung versetzt. Jedenfalls rhetorisch. Man wollte mehr Profil zeigen und wieder beweisen, wofür man stehe. Gut, kapiert hat keiner so genau, wofür denn nun eigentlich. Oder sagen wir so: Man dachte sich einfach, dass die Bande nichts anderes mache wie immer. Steuersenkungspolitik für Reiche, Verklärung von Ausbeutung und Heiligsprechung jeglichen Unternehmertums. Aber rhetorisch tat man wenigstens noch so, als habe die FDP nun zu liefern, sich zu bewegen und sich neu auszurichten. Man zeigte oberflächliche Demut und wollte ein klein wenig geläutert herüberkommen. Geglaubt hat denen das damals freilich keiner. Man kannte sie ja. Aber die Partei war noch feige genug, nicht völlig die Bodenhaftung zu verlieren.

Tja, die FDP war dann plötzlich nicht mehr im Bundestag. Und mancher glaubte, jetzt formierte sich ein neuer Liberalismus. Ein Werteliberalismus, den man lange vermisst hatte. Einer, wie ihn Gerhard Baum vertrat und der »liberal« als ein Lebensgefühl und nicht als Geschäftsgrundlage verstand. Aber nichts da! Der Größenwahn packt manchmal genau die, deren Größe in etwa auf den Niveau eines Fliegenschisses liegt. Und so will sich jetzt dieses letzte Aufgebot dieser Bande nicht mehr verändern, um wieder wählbar zu werden. Nun sollen sich die Menschen ändern. Die Menschen sollen ihre Mentalität reformieren, meint der Messias mit dem blonden Seitenscheitel. Nur so wäre die FDP wieder eine Option.

Nicht übel! Wo andere sich Gedanken machen, was sie falsch gemacht haben, outsourct der ausrangierte Flügel des Wirtschaftsliberalismus einfach das eigene Versagen und macht die Leute dafür verantwortlich. Weil sie von der Mentalität her so fehlerhaft programmiert sind, kam es für die FDP zum Desaster. Und nur wenn man Mentalitätsreformen einleitet, kann Lindners kleine Privatpartei wieder punkten. Der neue Mensch machts. Der neue Menschentypus war immer schon die letzte Flucht derer, die keiner verstanden hat. Eine Portion Megalomanie muss dann schon sein, um den neuen Menschen zu propagieren. Auch wenn es gar nichts mehr gibt, was irgendwie mega wäre. Gerade dann!

Diese Partei ist nicht therapierbar. Sie ist Ausdruck eines Größenwahns, der einst an den Börsen begann, über die Realwirtschaft und Sozialstandards herfiel und nun noch als außerparlamentarischer Zappelphilipp herumalbert. Das ist das Profil dieser Partei: Größenwahn. Den hat man hinübergerettet in die mandatslose Zeit. Und je schlimmer die eigene parteiliche Situation, desto lauter die Durchhalteparolen aus dem gelben Bunker. Kapitulation ist nicht. Die Menschen sollen kapitulieren und eine bessere Mentalität annehmen. Oder sie gehen halt unter, weil sie es nicht wert gewesen sind. Ach, wie lächerlich sich die Rhetorik deutscher Wichtigtuer doch manchmal gleicht.

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Auf den ersten Blick

Dienstag, 19. Mai 2015

Heute: Der ewige Gewinner, der auch mal verlor, Josep Guardiola.

Der Mann hatte alles, was man für einen deutschen Sportreporter haben musste. Er wirkte agil, wie eine Gazelle der Coaching-Zone und hatte nebenbei Erfolg. Wobei Erfolg meint: Der Kerl hat einfach alles gewonnen, was es so zu gewinnen gab. Meisterschaften, Champions Leagues und hin und wieder als Trostpflaster und zur Aufwertung der persönlichen Bilanz ein nationales Pokalchen. Und weil dem so war (und eigentlich noch so ist), hat man Guardiola stets als jemanden bildlich dargestellt, der wie der geborene Sieger aussah. Selbstbewusst und stark. So ging es über Jahre. Jetzt stiert er in den Boden, weil die Saison nicht ganz so erfolgreich abgeschlossen wurde. Es gab Niederlagen, wie es sie in jedem Sport mal gibt und der Siegertyp wird abgebildet wie einer, der noch nie eine Ahnung vom Siegen hatte.


Vorher war er die Lichtgestalt des deutschen Vereinsfußballs. Und so sah er aus neben den Artikeln, die seiner Person gewidmet waren. Nun ist sein kahler Kopf nicht mehr die Ablage für einen Heiligenschein, sondern in Schatten getunkt. Er sitzt im Halbdunkel und nur sein von Sorgen geplagtes Gesicht blinzelt hervor. Was war der Himmel blau, als er von Sieg zu Sieg eilte und jeder Titel denkbar schien. Der Himmel lachte im Hintergrund azur und er stand strotzend neben dem Spielfeld, ein Hüne von einem Erfolgsmenschen. Unantastbar. Das war natürlich übertrieben, denn wer den Fußball kennt, der weiß, dass man immer verlieren und scheitern kann. Da kann man den Trainer noch so verherrlichend an die Seite eines Textes pappen. In ihm ruht immer auch der Verlierer. Und eines Tages ist es so weit. Und dann hagelt es Niederlagen und miese Pressefotos.

Dann sitzt der arme Mann, der sonst nie alleine war, der immer Freunde um sich hatte, jetzt ganz alleine auf seinem Stuhl. Verlierer mag keiner. Auch wenn sie gar keine richtigen Verlierer, auch wenn sie eigentlich eher sowas wie Gewinner mit beschränkter Erfolgsgarantie sind. Der nicht absolute Erfolg macht einsam. Heute mehr denn je. Man ist so unzufrieden geworden. Und Lichtgestalten sind so schnell die letzten Deppen. Auch auf Fotos. Gerade dort. Klar doch, nach einer Niederlage wird man schwerlich Bilder von einem lachenden Trainer machen. Aber warum überhaupt welche? Man weiß doch wie er aussieht. Es gab doch über zwei Jahre nur diesen einen Trainer im Lande. Alle anderen waren Lehrlinge. Er der Meister. Das war er vielleicht doch nicht. Auch nicht auf den Pressefotos, auf denen er als Lichtgestalt in Szene gerückt wurde. Er kochte auch nur mit Wasser. Man hätte das erwähnen sollen früher. Dann sähe der Mann jetzt nicht ganz so traurig aus.

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Wo gearbeitet wird, fallen Streiks

Montag, 18. Mai 2015

Manchmal sind es Kleinigkeiten, auf die man hinweisen sollte. Preziosen, die untergehen im Alltagsbombast. So das wirklich sehr kurze Interview mit Torsten Bewernitz im letzten »Spiegel«. Der ist Herausgeber des Buches »Die neuen Streiks« und setzt den GDL-Arbeitskampf in Relation und noch ein wenig mehr.

Der Mann rückt mit wenigen Sätzen wieder zurecht, was Medienanstalten über Wochen und Monate mit viel »Überzeugungsarbeit«, im Volksmund auch Hetze genannt, in Schieflage gebracht haben. Streik ist eben keine Absonderlichkeit, erklärt Bewernitz. Und der GDL-Streik ist nicht mal besonders schwerwiegend, sondern »kurz und harmlos«. Er erinnert an frühere Streiks, die viel größer waren. 1956 kämpften 30.000 Arbeiter über hundert Tage für die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. 1948 sollen mehr als neun Millionen Menschen gestreikt haben. Weshalb muss man den Mann fragen oder halt jemanden, der damals schon denken konnte. Ja, selbst im alten Ägypten gab es schon Streiks. Und die waren sicherlich nicht so zaghaft wie jene der Lokführer. Bewernitz geht leider nicht sonderlich auf diesen Umstand ein. Wie gesagt, das Interview ist kurz und verloren und fiel mal wieder kaum jemanden auf.

Aber dass der Streik eben nicht die Laune von Angestellten ist, denen es offenbar zu gut geht, sondern eine dem homo laboris immanente Eigenart, das sollte man schon nochmal gesondert festhalten. Wo gearbeitet wird, da fallen nicht nur Späne, sondern da liegt der Streik als Mittel der Durchsetzung der Arbeiterwürde in der Luft. Das war nie anders. Wenn es nicht mehr passte, legte man die Arbeit nieder. Jetzt so zu tun, als sei Weselsky ein alter Betonsozialist, ist sowas von an medias res vorbei, dass es zum Heulen ist. Streik gibt es länger als Arbeitervereine und Sozialismus. Und ich wette, dass irgendein ägyptischer Chronist damals in eine Steinplatte hämmerte, dass die Streiks der Pyramidenarbeiter die Wirtschaft gefährde und der Nilregion Standortnachteile bringe. Manches ändert sich nie.

Schlechte Nachrichten hat Bewernitz aber dennoch. Je länger ein Streik dauert, desto mieser das Resultat. Irgendwann sind die Mittel alle und die Ziele verpasst. Konnte man sich denken. Aber gesagt wollte er es sicher mal haben.

Es ist mitnichten so, dass es nicht auch reflektierte Beiträge der Medien zur allgemeinen Anti-Streikwelle gäbe. Die gibt es sogar ganz sicher. Aber halt nur verborgen. Und in aller Kürze. Was in diesem speziellen Fall aber richtig erfrischend ist, denn diese Kürze beweist, dass es manchmal nur vier bis sieben Sätze braucht, um den ganzen Hype zu entlarven, den eine Presse erzeugt, die nicht mehr nachdenkt, sondern mit dem Schwanz wedelt, wenn die Wirtschaft darum bittet. Man muss nicht mal besonders profund aufklären und schon stehen die Streikrechtseinschränker vor ihrem intellektuellen Tellerrand. Sie reden nur so laut und so viel. So muss man das wohl, wenn man nur Unsinn verzapft. Die, die was zu sagen haben, fassen sich kurz und sprechen viel zu leise.

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Der Teufel im Detail

Freitag, 15. Mai 2015

Claus Weselsky drängelte auf der Autobahn und brave Bürger empören sich darüber bei »Bild«. Putin verheimlicht der Welt gerüchteweise seine Mama und die »Zeit« stürzt sich drauf. Wir tun alles, damit unsere zeitgenössischen Teufel vollumfänglich diabolisch aussehen. Lückenlos verdorben und durchtrieben. Jede kleine Episode, jedes Gerücht hilft, um dem Leser die Welt im hübschen Schwarz und Weiß zu halten.

Der Volksglauben ist so eine Sache. Er füllt sich nur schwerlich durch Dogmen, die feine Kirchenleute ersponnen haben in ihren Elfenbeintürmen. Er möchte bereichert werden durch Geschichten und Erzählungen »aus dem Leben«; Geschichten, die leicht im Kopf bleiben und eindeutig einzustufen sind - und das freilich ganz ohne exegetische Befähigung. So war es auch mit allen Teufelsgeschichten, die am Rande des offiziellen Kanons so entstanden. Den Teufel kannte man zu gut. Man wusste, was dieser Lump aus der Unterwelt so an der Waffel hatte und ahnte, dass er überall lauerte. Aber dass der ganze Spaß so richtig lebensnah wird, dazu brauchte man Kommunikation. Wenn nicht mit ihm, dann eben über ihn. Und so bastelte man drumherum Märchen und Sagen. Das machte zum einen Freude, reicherte die Boshaftigkeit des Antichristen mit handfestem Erzählstoff an und verstärkte zum anderen die Furcht der Menschen.

Exakt aus diesem Grund ließen es sich die Herren Theologen auch gefallen, dass das Volk die offizielle Kirchenlinie um Volksfrömmlerisches anreicherte. Und wenn sich Angst besser einstellte, wenn man den Teufel angeblich hier oder dort gesehen hatte, er einem armen Jungen den Arm ausriss, aus dem Mund eines Mädchen herauskrabbelte oder Steine bei einem Kirchenbau verschwinden ließ, um sie drei Straßen weiter an eine Hausecke zu donnern, dann nickte man mit theologischem Kalkül und nahm es eben hin. Solange Horrormärchen kursierten, blieb der Pöbel auf Linie. Und nur darauf kam es letztlich an.

Ja, Menschen brauchen vermutlich das Böse. Es macht die Welt zu einem selektiven Ort und erlöst sie aus der Grauzone und der Monotonie. Das wirklich Böse ist der Topseller jeder Epoche. Man liebt es, weil man es so praktisch hassen kann. Und die Menschen brauchen Geschichten vom Bösen. Nicht nur Adjektive. Sie wollen die Adjektive in einer Story aufgehen sehen, zuhören wie sie sich aktiv austoben. Geschichten von schlechten Taten und von seltsamen Bewandtnisse, die das Böse lebendiger wirken lassen, erhöhten immer schon den Nervenkitzel und polarisierten. Mit einem Feedback, das bestätigt, dass das Böse nicht nur einfach ein festgestellter Zustand ist, sondern eine Wahrheit, die sich wie ein Mosaik zusammensetzen lässt, integriert man das Böse in den Alltag.

Das ist durchaus in Ordnung, weil menschlich. Müssen diese Aufgabe aber heute die Medien übernehmen? Ist Journalismus dieser Tage nur noch das Unterfüttern mit Geschichten, um die Legende am Köcheln zu halten? Heißt journalistische Arbeit heute, das Böse nicht mehr erklären und analysieren zu wollen, sondern es mit kleinen Anekdokten zu untermauern?

Zeitungen geraten in diesen Zeiten, da an jeder Ecke ein Gesellschaftsfeind lauert, zu einer Chronik moderner Volksfrömmigkeit. Der Teufel hat heute natürlich viele Gesichter bekommen. Den Teufel gibt es nicht mehr. Wir sind modern. Arbeitsteilung ist das Stichwort. Und auch die Teufelsarbeit übernehmen viele Schultern. Jedem dieser Teufel will Leben eingehaucht werden. Also kratzen sie sich Stories über Gewerkschaftsbosse zusammen, kleine Anekdoten, die verraten, dass der Teufel im Detail steckt. Rasende Bosse von Kleingewerkschaften auf der Autobahn, das sind dieselben Geschichten wie jene, wonach der Teufel Steine entwendet hatte, um die Vollendung der Kirche zu verhindern. Weniger phantasievoll natürlich. Phantasie war ja der Eintrittspreis in die Mediokratie. Wir helfen uns mit authetischeren Geschichten ab, um das Böse zu porträtieren und fassbarer zu machen. Aber das Prinzip ist dasselbe. Es ist zur Erzählkunst aufgeblasene Unwesentlichkeit, die die gähnende Langeweile eines Teufels ein bisschen spannender machen soll.

Wir haben so viel gelesen. Über Weselsky. Über Putin. Kleinigkeiten aus deren Alltag - ob wahr oder nicht -, die diesen modernen Teufelsgestalten ein diabolisches Leben einhauchten. Wenn wir wüssten, wie normal und alltäglich all diese Teufel doch wohl letztlich sind, wir müssten eine Stufe zurückfahren und die Welt als weitaus komplexer und als reicher an Schattierungen akzeptieren. Und dann würde es verwickelter. Moralische Selektion ist ein schwieriges Geschäft, wenn man abwägen muss. Das wussten auch schon die Theologen damals. Also ließen sie Teuflisches zu. Sie wussten, der Teufel war auch nur einer, der abends seine Füße auf den Strohsack legte und hoffte, dass ihn jemand mochte. Und warum auch nicht?

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Die Alternativlosigkeit und die Wahlbeteiligung

Donnerstag, 14. Mai 2015

Jeder zweite Bremer blieb letzten Sonntag der Wahlurne fern. Nicht zu wählen ist auch ein Grundrecht, das man sich in der Demokratie nehmen können sollte. Es ist also in Ordnung. Aber es ist mitnichten alles in Ordnung mit einer Demokratie, in der das zum Standard wird.

Ich erinnere mich an heiße Debatten mit einigen aufrechten Demokraten. Sie waren der Ansicht, dass das Liegenlassen des Wahlrechts ein grober Verstoß gegen die Demokratie sei. Wer nicht wählt, so der abgedroschene Satz, den man nicht nur aus deren besorgten Mündern hört, der dürfe sich hernach nicht beschweren. Ich habe diesen Satz nie gelten lassen. Denn wenn diese Demokratie überhaupt etwas bedeutet, dann den Umstand, dass man eben wählen kann oder nicht, dass man sich beschweren kann oder eben nicht. Kurzum: Politisch zu sein steht einem frei. Und nicht zur Wahl gehen zu wollen, ist zwar keine Lösung, aber ein persönliches Recht, das man sich nehmen können sollte. Mit einem etwaigen Wahlzwang, mit dem einige Demokraten hausieren gehen, formt man dann keine Republik voller bewusster Demokraten, sondern eher ein Wahlvolk, das politische Grundsatzentscheidungen als aufoktroyierte Belästigung wahrnimmt. Damit wäre niemanden geholfen.

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Steinbach und wie sie die Welt sah

Mittwoch, 13. Mai 2015

Im »Spiegel 19/2015« gibt es ein Interview mit Erika Steinbach. Kaum jemand regt sich darüber auf. Darin vertritt sie die Ansicht, dass der 8. Mai 1945 nicht nur ein Tag der Befreiung war. Wie sie darin argumentiert, macht deutlich, welcher Ewiggestrigen man politische Verantwortung übertragen hat und wie leichtfertig man so jemanden in einer solchen Stellung akzeptierte.

Vieles des Gesagten ist haarsträubend. Steinbach verglich den Terror- und Mordapparat der Nazis mit den Strukturen, die nach der Wachablösung entstanden. Sowjets, Amerikaner und Franzosen hätten nämlich auch Verbrechen begangen und Deutsche eingesperrt. Die Sowjets haben ja auch umgebracht und Kriegsgefangene verschleppt. Zugegeben, das war auch harter Tobak. Aber kann man die Vorgehensweise der Alliierten überhaupt mit dem Treiben der Faschisten gleichsetzen? Klar, die Amerikaner haben Verdächtige interniert. Aber sie haben sie niemals durch Arbeit vernichtet oder als Forschungsmaterial verwendet. Steinbach übersieht das elegant und behauptet, dass Befreiung bedeuten würde, endlich frei zu sein. Wenn man aber von einer Diktatur direkt in Gefangenschaft lande, dann sei das keine Befreiung. Denn dem Menschen sei völlig egal, von wem er unterdrückt würde. Aber auch das ist blanke Augenwischerei. Denn es macht sehr wohl einen Unterschied, ob ich ins Gas geschickt werde oder nur in eine Zelle.

Dass es nach dem Krieg sicherlich auch im Westen Momente gegeben hat, in denen Kriegsverbrechen geschahen, darf man nicht leugnen. So geht es zu in Kriegs- und Krisengebieten. Man kriegt das nie unter Kontrolle. Deshalb ist Krieg ja so unmenschlich. Er macht alle zu Wesen, denen die Menschlichkeit abhanden kommt. Nur sind diese Eskapaden manchmal Produkt der Szenerie. Die Nazis waren aber nicht Opfer von Kriegseindrücken, sondern haben diese Szenerie selbst aufgezogen. Wenn ich als GI einen Wehrmachtssoldaten in Rage erschoss, dann war das Angst und vielleicht auch Rache - wenn Menschen dauerhaft im Blut waten, kommen solche Reaktionen zustande. Aber Menschen auf einem Fließband zur Vernichtung zu bringen, das ist schon eine ganz andere Liga und überhaupt nicht vergleichbar. Das ist nicht mal ein Vergleich zwischen Äpfel und Birnen, sondern eher so einer zwischen Odenwälder Äpfel und Mondkratern auf dem Marsmond Deimos.

Am Ende des Lehrstücks sagt Steinbach dann, dass solange es noch Überlebende des Holocausts gibt, es schwerfallen wird, eine allgemeingültige Definition der damaligen Ereignisse zu erwirken. Direkter gesagt klingt das so: Diese Holocaust-Überlebenden machen ihrer Definition von den Befreiern, die nicht befreiten, einen dicken Strich durch die Rechnung. Sie könnten nämlich widersprechen. Und tun dies im Regelfall auch. Die Überlebenden mögen nicht immer einverstanden gewesen sein mit dem, was die Befreier getan haben. Aber sie fühlten sich trotzdem befreit und in Sicherheit. Bei aller Kritik an den Alliierten und ihrer (späteren) Politik muss man das anerkennen. Sie waren sicherlich auch überfordert mit den Massen ausgemergelter Gestalten, die ihnen begegneten und wussten nicht immer, wie sie reagieren sollten. In »Band of Brothers«, eigentlich eine Verherrlichung der Kameradschaft unter Soldaten, gibt es eine treffliche Szene, in der die US-amerikanischen Befreier die Gefangenen zurück in ein Lager drängen und die Tore schließen. Die ausgehungerten Gestalten erspähten Lebensmittel und hätten sie sich auf sie gestürzt und in sich hineingestopft. Aber ihre Körper wären kollabiert so unterernährt wie sie waren. Die Aktion wirkte unglücklich und die Gefangenen mögen kurzzeitig gedacht haben, dass da die Nachfolger der Nazis wüten. Aber exakt so war es dann eben nicht.

Steinbach vermengt einfach Ereignisse und Motive. Und sie hadert, weil die Überlebenden die Objektivität vermissen lassen und ihre steilen Thesen nicht so stehen lassen. Dieses Interview wurde veröffentlicht, aber kaum jemand nahm davon Notiz. Das ist einerseits gut, denn das zeigt, wie unbedeutend diese Frau mittlerweile geworden ist. Dass man jemanden mit solchen Ansichten den Polen vor die Nase setzte, ausgerechnet jenem Volk, das so fürchterlich gelitten hat unter der Herrschaft der Nationalsozialisten, zeigt aber nur, mit welchem Taktgefühl die deutsche Politik in Europas Porzellanladen stolziert.

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Das Wahlergebnis hinter dem Wahlergebnis

Dienstag, 12. Mai 2015

Bei der Bürgerschaftswahl in Bremen wählten ...
  • ... 50,0 Prozent aller Wahlberechtigten keine Partei.
  • ... 15,9 Prozent aller Wahlberechtigten die SPD.
  • ... 11,0 Prozent aller Wahlberechtigten die CDU.
  • ... 7,4 Prozent aller Wahlberechtigten die Grünen.
  • ... 4,7 Prozent aller Wahlberechtigten die Linke.
  • ... 3,2 Prozent aller Wahlberechtigten die FDP.
  • ... 2,4 Prozent aller Wahlberechtigten die AfD.
Die geplante rot-grüne Koalition hätte einen Rückhalt bei weit weniger als einem Viertel der Wahlberechtigten. Selbst eine theoretisch in den Raum geworfene Große Koalition könnte gerade mal etwas mehr als ein Viertel der Wahlberechtigten abdecken.

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Wie ich begann zu glauben, dass Peter Lustig recht hatte

Freitag, 8. Mai 2015

Mein Flachbildschirm steht in der Ecke. Unangeschlossen. Er sieht gut aus. Keine schlechte Marke. Aber seit vielen Wochen steht er nur herum. Kann mich nur schwer überwinden, den Kasten ans Netz zu nehmen. Das ist ein Gewinn an Lebensqualität.

Ich schaue seit Wochen kein TV mehr. Was ich gucke ist Netflix oder mal was aus der Mediathek. Wenn überhaupt. Den Rest der Zeit höre ich Musik. Radio eher selten. Nur im Auto. Und was soll ich sagen - von Hypes und Überdrehungen kriege ich nichts mehr mit. Ich habe keinen blassen Schimmer, »was Deutschland bewegt«. Aber ich bewege mich trotzdem noch. Mehr als vorher sogar. Ich weiß natürlich, dass die TV-Wirklichkeit weiterläuft und neue Sendungen vereinnahmen Menschen und sie reden darüber und schwatzen sich irre an dem, was sie am Vorabend gesehen haben. Ich zucke nur noch mit den Achseln, kratze mich am Kopf und finde, dass es sich so viel besser lebt ohne Fernsehen und all die ranzigen Gesichter, die einen aus der Glotze heraus anstarren. Man wird auf gewisse Weise autarker. Muss sich keine Agenden mehr diktieren lassen. Widmet sein Interesse den Dingen, die man möchte.

Als zum Beispiel dieses Flugzeugs von Germanwings zerschellte, da habe ich das auch ohne den Kasten realisiert. Manche berichteten, dass ihnen die Berichterstattung im Fernsehen gehörig an den Zeiger ging. Es muss echt schlimm gewesen sein, wie man die Leichenbittermienen zum Gegenstand des abendlichen Berieselungsrituals rekrutierte. Aber ich war fein raus. Ich süffelte Wein und las ein Buch oder guckte mir »Better Call Saul« an. Die Serie erreicht nicht die Qualität von »Breaking Bad« - aber das ist eine andere Sache. Das ist keine Weltvergessenheit meinerseits. Ich habe doch im Radio davon gehört und im Internet zwei, drei oder auch vier Berichte gelesen. Reicht das nicht? Ich hatte keinen Anreiz, mit dem Unglück auch noch meinen Tag zu beenden und die hundertste Experteneinschätzung zu ertragen. Ohne TV ist man auch informiert. Vielleicht nicht weniger. Vielleicht nicht schlechter. Unter Umständen sogar besser.

Peter Lustig hatte recht: Abschalten. Ich habe es als Hosenscheißer nie getan. Mich nervte der Zausel mit seinem Ratschlag, den er stets am Ende seiner Sendung anbrachte. Ich wollte doch fernsehen und mir nicht von einem alten Mann vorschreiben lassen, dass es da draußen auch noch eine Welt gab. Die TV-Welt war auch schön. Man konnte überall hin und musste nicht viel dafür tun. Himmel, ich war ein Kind der Achtziger. Wir verbrachten alle ordentlich Zeit vor der Flimmerkiste. Man parkte uns. Und keiner fand, dass das das Kindeswohl gefährde. Nur die Freaks meinten das seinerzeit. Wahrscheinlich hatten sie recht. Wie Peter Lustig. Aber wenn einer in Latzhosen daherkommt, dann ist es schwer Respekt zu zollen oder Vorschläge als richtig anzuerkennen. Man zeigte solchen den Vogel und zappte rüber ins ORF. Damals hatten wir das noch und da liefen feine Sachen. Die österreichischen Kinder hockten wahrscheinlich noch länger vor dem Kasten. Sie waren Glückspilze so ganz ohne Peter Lustig.

Später wurde ich natürlich selektiver. Ich guckte nicht jede Scheiße. Aber da Fernsehen immer auch bedeutet, die 24 Stunden des Tages mit Content zu füllen, kommt es zwangsläufig zu ordentlichen Schissen. Man entkommt auch als selektiver Charakter nicht. Und dann kommt ja noch der Umstand dazu, dass Fernsehen heute mehr denn je das Wesen von Paranoia und Hype angenommen hat. Wenn man Konsument ist, glaubt man eben irgendwann wirklich, dass der Absturz eines Flugzeuges ein Meilenstein in der jüngeren Geschichte ist und nicht eben nur ein Unfall, wie es ihn geben kann und auf die eine oder andere Weise immer mal gegeben hat.

Ich möchte wirklich empfehlen, das Ding abzustöpseln und in die Ecke zu stellen. Nicht als Lebensmodell. Irgendwann gucke ich auch mal wieder. Wenn ich das nach dieser Katharsis noch kann. Aber ich genieße die Ruhe und höre Depeche Mode, mag den Sound der Ruhe und lausche Simon & Garfunkel. Und diese Empfehlung hat was von passivem Widerstand, wenn man das so sehen mag: Weggucken, weghören, sich ausgewählte Medienangebote sichern und nicht das, was man einem vorsetzt. Es tut wirklich gut. Glaubt das. Man verpasst nichts. Gar nichts. Es gibt ein Leben nach dem Tod, den wir Fernsehen nennen. Abschalten!

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Sich die Kanzlerin wegdenken

Donnerstag, 7. Mai 2015

Die BND-Geschichte könnte der Kanzlerin gefährlich werden: So liest man das jetzt in manchen Spalten. Die »gefährdete Kanzlerin« ist so eine Art Lieblingsmotiv der Kommentatoren. Jeden Skandal und jede Affäre flankieren sie mit ihr. Das soll wohl die Alternativlosigkeit verdecken.

Es ist mal wieder so weit: Für die Kanzlerin könnte es gefährlich werden. Im Führen dieses Konjunktivs sind die Kommentatoren dieses Landes großartig. Selbst die »Bild« ist mal wieder mit von der Partie und mahnt. Was haben sie nicht alles gemunkelt, als Edward Snowden Tacheles redete und die Bundesregierung so tat, als habe man es bei diesem Mann mit einem Charles Manson der Nachrichtendienste zu tun. Wenn sie nicht bald Stellung bezieht, schrieb man, dann könnte es gefährlich werden für die Kanzlerin. Sie bezog keine Stellung und schwadronierte vom Neuland und – ist immer noch ungefährdet im Amt. Wurde seither sogar wiedergewählt.

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Der Streik, Küsse und was Demokratie heißt

Mittwoch, 6. Mai 2015

Der abermalige Streik der Lokführer ist lästig. Er wird mich am Freitag nicht rechtzeitig von der Provinz in die große Stadt lassen und mir so zeitbedingt etwa drei bis acht Küsse meiner Partnerin kosten, die dort auf mich wartet. Und das ist echt ärgerlich. Wer verzichtet schon gerne auf Stunden mit seiner Liebsten? Gleichwohl ist eines klar: Das Streikrecht ist eine unantastbare Entität innerhalb einer Demokratie. Wer es aufgibt, damit Typen wie ich pünktlich zum Küssen kommen, gibt wesentliche Aspekte des demokratischen Grundverständnisses auf.

Diesen Braunen, die die Demokratie als Plauderbude bezeichneten, war es eines der größten Anliegen, die Gewerkschaftsbewegung an die Kandare zu nehmen. Die Zerschlagung der freien Gewerkschaften war für die Demokratiefeinde wichtiger als das Ende der Demokratie selbst. Oder chronologischer gesagt: Das Ende der Demokratie konnte nur über den Umweg der Zerschlagung der Gewerkschaften entstehen. Freie und selbstbewusste Gewerkschaften waren für sie ein Sinnbild intakter demokratischer Gesinnung. Wer also das demokratische Selbstbewusstsein der Angestellten und Arbeiter untergraben wollte, der musste nicht zuerst das Wahlrecht einschränken oder dergleichen - der musste Gewerkschaften, Streik und Arbeitskampf verunmöglichen. Das haben die Faschisten hierzulande gut begriffen. Der Weg zur Diktatur führte über die Gewerkschaften und deren endgültiger Einschränkung als autonome Verbände. Das war dann auch eine der ersten Maßnahmen, die man ergriff.

Kurzer Exkurs: Man legt heute so viel Wert auf das Gedenken an das, was einst geschah. Auschwitz und so. Nie wieder und der ganze Sermon. Der 1. Mai 1933 war erstmals ein Feiertag. Am 2. Mai 1933 ließ man dann die Gewerkschaftshäuser stürmen und beendete die Existenz der Gewerkschaften. Denkt man viel daran in diesen Tagen? Eher nicht. Man will das Streikrecht kappen und damit der Demokratie eine überbraten. So viel zum Gedenken in diesem Lande.

An die Leine genommene Gewerkschaften sind kein Anzeichen von Vernunft. Sie sind Demokratieabbau. Denn wer Menschen die Chance nehmen will, mit einem Akt der Verweigerung von Arbeitsleistung für ihre Interessen einzustehen, der hält sie gefangen in ihrem Arbeitsalltag. Dann gibt es aus schlechten Arbeitsverhältnissen kein Entrinnen mehr und muss sich damit abfinden. Wenn Arbeit nicht niedergelegt werden kann, weil es das träge Streikmonopol großer angepasster Gewerkschaften nur in Ausnahmefällen zulässt, dann ist das ein erheblicher demokratischer Schaden. Demokratie ist, wenn man jederzeit eine realistische Chance darauf hat, sich der Arbeit zu verweigern. Wenn das Selbstbewusstsein einer Gewerkschaft Lohnabhängige schafft, die sich ihrer machtvollen Position bewusst sind und sich kampfbereit geben, dann ist klar, warum starke Gewerkschaften unbeliebt sind. Sie schafft Staatsbürger, die nicht untertänig sind, sondern souverän. Untergräbt man diesen Umstand, schadet man diesem Selbstwertgefühl und damit auch der Demokratie. Denn letztere braucht autonome Bürger, die nicht dumm abnicken, sondern sich aktiv engagieren.

Die großen Gewerkschaften, die nun alles regeln sollen, wenn es nach der Regierung geht, scheuen den Streik. Sie sind opportunistisch geprägt und quaken das nach, was Minister und Kanzleramt vorgeben. Widerstand gegen die Agenda gibt es bestenfalls marginal. Diese Gewerkschaften haben ihren Mitgliedern schon lange das Selbstwertgefühl aus den Knochen gesaugt. Und damit den demokratischen Anspruch, den jede Gewerkschaft haben sollte.

Drei bis acht Küsse weniger. Schade. Aber die Sache ist es wert. Man muss nicht mal eine Meinung dazu haben, ob dieser Streik in dieser Weise richtig oder angemessen ist. Dass aber gestreikt werden muss, wenn ein Dialog scheitert, das steht außer Frage. Und darum geht es. Ich werde lieber in so einer Gesellschaft drei- bis achtmal weniger geküsst, als in einem Gemeinwesen, in dem Arbeitsniederlegung ausgeschlossen ist. In Diktaturen küsst man zwar auch. Aber ich nehme an, weitaus weniger entspannt.

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Aus fremder Feder

Dienstag, 5. Mai 2015

»Die größte Ersparnis, die sich im Bereich des Denkens erzielen läßt, besteht darin, die Nicht-Verstehbarkeit der Welt hinzunehmen - und sich um den Menschen zu kümmern.«

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Von wegen Affäre!

Montag, 4. Mai 2015

oder In Merkel-Deutschland gibt es nur Affären und keine Demokratiedefizite.

Die NSA-Affäre war keine NSA-Affäre. Sie war es nicht, weil es eben nicht nur die NSA war, die die Bürger infiltrierte. Und sie war es nicht, weil es nicht einfach nur eine Affäre war, sondern ein regelrechtes Credo derer, die die Bürger vergläsern wollen. »Affäre« im Sinne von »flüchtig« oder »das geht ja wieder vorbei«, trifft das Phänomen mitnichten.

Man hat diese Spionagegeschichte, diesen War Against People lange Zeit in diesem Lande amerikanisiert. Dieselben Kreise, die dem eher linken Spektrum der Politik nachsagen, es würde Anti-Amerikanismus betreiben, haben die ganze Verantwortung dem amerikanischen Geheimdienst angelastet und die deutsche Beteiligung nicht nur ausgeblendet, sondern sogar noch vertuscht. Das war der einfachere Weg, um den Machterhalt der ewigen Kanzlerin zu gewährleisten. Alles was da an Unpässlichkeiten im Weg liegt, musste weggeräumt und outgesourct werden. So sollte wieder mal der Eindruck entstehen, dass Deutschland blütenweiß regiert wird und es unter dieser Frau prosperiert in Wirtschaft und Moral. Kommt dann ein Snowden um die Ecke, der den Umstand tangiert, dass auch der BND aktiv seine Finger im Spiel hatte, dann braucht man wieder mal die Amis: Diesmal mit dem Alleinstellungsmerkmal als Sündenböcke. Dann trifft man sich mit Obama, lässt verlauten, dass man alle Zweifel beseitigt hat und nennt den ganzen Spaß »Neuland«. Hauptsache das Resultat am Wahlabend stimmt.

Ist das noch Demokratie? Sascha Lobo glaubt, dass die bei dieser »BND-Affäre« auf dem Prüfstand steht. Wenn jetzt verschleiert wird, wenn alle Verantwortlichen weiter nur lavieren und keine Ansätze für Erkenntnisse liefern, dann gehen demokratische Grundsätze über den Jordan. Alles nur, um dieses Deutschland unter Merkel als einen Staat zu karikieren, in dem die Fallstricke des Mächtespiels, die hintergründigen Abgründe der Politik und die Kontrollaffekte der Mächtigen angeblich nicht wirken. Deutschland unter Merkel soll so aussehen, als sei es das einzige Land auf Erden, in dem Eiapopeia herrscht und auf das man sich als ethisches und gütiges Gemeinwesen verlassen könne. In so einem Land muss ja alles stimmen. Auch die, die Richtlinien aus ihrem Hosenanzug heraus diktiert.

Aber auch Lobo entkräftet, wenn man es linguistisch betrachtet. BND-Affäre? So kann man das nicht stehenlassen. Der Affäre haftet begrifflich etwas Vergängliches an. Wenn man in einer Ehe nebenher eine Affäre am Laufen hat, dann schwingt da die Endlichkeit dieses Nebenschauplatzes mit. Ist ja nur eine Affäre, Schatz. Nichts von Bedeutung. Ich liebe doch nur dich. Das war Abenteuer, Spiel und nur so ein Zeitvertreib!

Aber exakt das sind die Bestrebungen der Geheimdienste nicht. Sie stürzten sich nicht in Observierungsaffären. Sie taten es aus einer Überzeugung heraus, die man ihnen diktierte und die sie genossen. Es war ein Credo und ein Bekenntnis. Sie folgten dem Gebot: Du sollst deine Mitmenschen und Mitbürger überwachen. Und das zweite Gebot lautete: Sie haben keinen Anspruch auf Privatheit. Gebot Nummer drei: Selbst ihr Wohnzimmer ist ein öffentlicher Raum. Nein, wir haben es hier nicht mit Flüchtigkeiten zu tun, sondern wenn es nach diesem Credo geht, mit einer gezielten Absicht, die man zeitlich unbegrenzt als Prinzip der Innen- und Außenpolitik etablieren wollte - und noch will.

Wenn überhaupt, dann ist es eine dieser dreisten Affäre, die man zur heimlichen Ehefrau nimmt und der offiziellen Ehefrau vorenthält, um nicht als Polygamist enttarnt zu werden. Eine Polygamie, die vornerum ganz anders tut, als sie es hintenrum treibt.

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Blair Witch für die Geschworenen

Donnerstag, 30. April 2015

US-Amerikanische Bürgerrechtler bringen die Body-Cam als Weg gegen die eskalierende Polizeigewalt ins Spiel. Das ist ein verzweifeltes Begehren. Denn Kameraüberwachung hat noch nie Gewalt vereitelt. Und die auf der Schulter sitzende Kamera verschleiert mehr als sie offenbart.

Manchmal ist man verzweifelt und dann glaubt man an Dinge, die man unter rationalen Aspekten ablehnen würde. Angesichts der Polizeigewalt gegenüber Schwarzen in den Vereinigten Staaten kann man natürlich verzweifeln. Und dann kommen Ideen auf, die kontraproduktiv sein können. So wie die Body-Cam, die Bürgerrechtler jetzt als Chance sehen, um tödliche Schüsse auf schwarze Bürger zu vereiteln. Denn wenn der Polizist einen kleinen Überwachungsapparat auf der Schulter montiert hat, dann wird er sich ja sicherlich überlegen, was er da mit seiner in Uniform ausgestatteten Macht anstellt. Wer lässt sich schon dabei filmen, wie er einen unbewaffneten Teenager in den Rücken schießt? Oder einen wehrlosen Alten drangsaliert? So jedenfalls der Ansatz und die Theorie, die die Bürgerrechtler da haben.

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Die Schlepper und die Marktmoral

Mittwoch, 29. April 2015

Die Schuldigen sind benannt. Es sind die Schlepper. Die, die für Geld Flüchtlinge durch Wüsten geleiten und über Meere schicken. Sie sind die Verursacher des Massensterbens. Auf sie kann man die Misere abwälzen.

In Wirklichkeit sind auch sie nur ein Symptom der Ausbeutung und insofern nur ein Rädchen im globalen Getriebe. Sie bieten eine Dienstleistung an und liefern. In jeder Markttheorie würde man diese Leute loben, weil sie Engagement und Einsatzwillen mit dem Umstand verbinden, eine Marktlücke erschlossen zu haben. Zynisch gesagt jedenfalls. Tatsache ist aber, dass Schlepperbanden entstehen, weil es einen Markt für diese Form der Dienstleistung gibt. Die Frage ist nun, ob nach der allgemeinen Theorie des Marktes derjenige schuldig ist, der die Lücke für sich geschäftlich ausnutzt oder derjenige, der die Lücke klaffen lässt. Anders gefragt: Kann man Schlepper moralisch verurteilen, wo man doch weiß, dass Angebot und Nachfrage keine moralischen Basics aufweisen? Oder sind sie nicht eine logische Entität, die es in einem solchen Gefüge geben muss?

Schlepper sind sicher keine Waisenknaben. Sie nehmen den Tod ihrer menschlichen Fracht in Kauf. Sie tun es ebenso wie jene, die diese Fracht nicht annehmen wollen. So gesehen sind Schlepper nur ein Wirkungsfaktor in einer Ökonomie der Verweigerung und der Ignoranz. Sie wirken, weil die gängige Politik der reichen Industrieländer auf Abschottung und Selbstgefälligkeit ausgelegt ist. Weil ihr »Angebot« verlockender ist, als die Aussicht, weiterhin nicht wirtschaften können und verhungern zu müssen.

Nein, es ist wieder mal zu einfach, Moralin mit dem Zerstäuber zu versprühen. Keiner muss diese Banden lieben. Aber sie sind nicht in der Welt, weil sie sich einfach bloß aufdrängen, sondern weil die Zustände in der Welt ihnen eine Nische geben. Eine morallose Berechtigung. Wir können viel über Moral sprechen. Aber Marktmoral gibt es nicht. Der Markt ist ein Apparat, der immer weiter mäht und mäht. Das ist nichts Unbekanntes. Er werkt ohne Rücksicht auf ethische Normen. Wenn die Europäische Union einen Markt für Schlepperkriminalität entstehen lässt, dann muss man moralisch betrachtet die, die diesen Markt erschaffen haben, mindestens genauso ächten, wie die, die die Lücke ausnutzen.

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... wenn man trotzdem lacht

Dienstag, 28. April 2015

»Wenn ich nach Deutschland gehe, gucke ich mir doch mal an, wie in Deutschland gebettelt wird. Man macht einen schönen Stand in der Fußgängerzone. Ordentlich angemeldet beim Ordnungsamt, ganz wichtig. Dann richtet man den ein bisschen nett her. Nicht so zerlumpt in der Ecke sitzen. Sie wollen doch die Leute anlocken, nicht abstossen. Ein bisschen Glitzer hier, ein paar Lampions da, eine kleine Folkloregruppe ist hilfreich, muss aber nicht sein.
Wichtig ist: Man geht in den Supermarkt, kauft billiges Bier und billigen Wein, füllt das Ganze um in Gläser oder Pappbecher und verkauft die für zehn Mark das Stück. Das ist die Art von Bettelei, an die der Deutsche gewöhnt ist.
Irgendeinem wildfremden Menschen auf der Straße eine Mark in die Finger drücken, das findet der Deutsche Scheiße. Aber für zehn Mark Scheiße kaufen, jederzeut ...!«

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Der Wahnsinn von Weimar

Montag, 27. April 2015

Immer häufiger hört man, dass linke Politiker mit dem Tode bedroht werden in diesem Land. Sie haben Glück. Wären sie Ausländer oder Asylbewerber, bliebe es nicht nur bei Drohungen. Die bekommen Gewalt nämlich ohne Ankündigung zu spüren. Entweder bei brauner Hatz oder man zündelt mal wieder an Häusern herum.

Rechte Gruppierungen mit pathetischen Namen vom »Abendland« und der dazugehörigen Rettung fischen in der gesellschaftlichen Mitte. Sie schüren Ängste. Sie und diverse Gazetten, die vom vollen Boot orakeln. Esoterische Grüppchen komplettieren dieses Bild des blanken Wahnsinns. Chem Trails und wer weiß welche Phantasien sie sich noch aus den Rippen juckeln. Sie sorgen sich um eine Regierung, die ihre Bürger vermeintlich mit Substanzen narkotisiert, während Asylbewerberheime brennen oder Wohnungen, in denen zufällig Ausländer leben und von deren Tod man sagt, es sei ein Unfall gewesen. Rassistische Motive sieht man in erster Linie - nie. Hat man auch nicht, als die organisierten Untergrundnazis reihenweise Türken ermordeten. Kein Zusammenhang, hieß es. Milieuspezifische Tötungsdelikte. Dönermorde halt. Man blinzelte zynisch. Lustig, wenn sich die Bagage selbst abschlachtet, nicht wahr?

Wer etwas vertritt, was Rechts nicht gewollt ist, bekommt Gewalt angedroht. Linke sowieso. Vor Jahren nannte man sie noch »Nestbeschmutzer« oder »Vaterlandsverräter«. Das waren noch herrlich friedliche Zeiten. Heute könnte man eine Leiche sein, wenn man nicht aufpasst. Ramelow lebt gefährlich. Sicher nicht nur er. Traurige Tradition nach Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. Irgendein irrer Bachmann findet sich immer. Einer, der abdrückt. Und Beamte, die behaupten, dass es kein politisches Motiv gibt, wird diese Republik sicher nicht zu knapp haben.

Die Asylanten sind unser Unglück, wissen viele heute. Juden sind es nicht mehr. Wir haben aus unserer Geschichte gelernt. Zwar unterlassen wir Volksverhetzung nicht ganz. Aber antisemitisch ist sie wenigstens nicht mehr. Jetzt sind es Moslems. Kopftücher. Die ganze Mischpoke aus der Wüste, die man hasst - und die die AfD und Pegida und weiß der Deibel was für kuriose Abbreviaturen sonst noch der Unterwanderung bezichtigen. Sie sind Freikorps mit bürgerlichem Anstrich, die schon mal in die Zukunft weisen. In eine, in der das Abendland seine Stacheldrahtverhaue hochgezogen hat, um Moslems und Schwarze fernzuhalten. Und das Mittelmeer, wir lieben es für den Urlaub. Und weil es so schön die Plagen fernhält. Es ist ein rundherum tolles Gewässer.

Bei Joachim Fest konnte man mal was zur Stimmung im Weimarer Deutschland lesen. In seiner Hitler-Biographie. Erstaunlich, wie ähnlich wir der Atmosphäre von damals sind. Rechte Gruppen, Spinner und Gurus, teilweise auch so ökologisch verdruckste Rassisten, prägten die Szenerie. Und hier und heute? So unähnlich ist es jedenfalls nicht. Wenn es kriselt, scheint der Koller zu galoppieren. Dann kriechen die aus ihren Löchern, die man schon lange in ihre Löcher hätte einbetonieren sollen. Weimar, du alter Wiedergänger der totalen Verrohung. Wieso kann die miese Stimmung deiner schlechten Jahre nicht enden wie jene Spartakisten, die eben diese Stimmung in den Straßengraben warf?

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Die Routine und der Streik

Freitag, 24. April 2015

Kindertagesstätten streiken. Jetzt auch mal wieder die Lokführer. Die Piloten legen sicher bald nach. Und was ist mit der Müllabfuhr? Der moderne Mensch hat es wirklich schwer. Wenn ihn einer in seine Pläne pfuscht, bröckelt das Fundament seiner Alltagsgewissheiten.
 
»Was tun, wenn die Kita streikt«, fragte der »Stern« in seiner Onlineausgabe. Womöglich sind wir jetzt also schon so weit, dass Eltern die Lebensberatung eines Magazins in Anspruch nehmen müssen, um ihre Alltagsplanung in den Griff zu kriegen, wenn die mal nicht einwandfrei funktioniert. Dabei sollten doch gerade Eltern einen gesunden Pragmatismus haben, denn das Leben mit Kindern birgt ständig Überraschungen und Unvorhersehbares. Man kann das gar nicht ausschließen. So eine Kita, die mal die Tore schließt, muss doch auch verkraftbar sein. Aber irgendwie scheint die Katastrophe auszubrechen, wenn Erzieherinnen mal nicht folgsam ihren Dienst an der Allgemeinheit verrichten und auch was vom Kuchen haben wollen.

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§ 140 SGB III, Zumutbare Beschäftigungen

Mittwoch, 22. April 2015

Da suchte ein Herr J. von einem Hausmeister-Service einen Mitarbeiter. Zur Ergänzung des Teams, wie es hieß. Ich hatte keine Ahnung von der Hausmeisterei, rief allerdings trotzdem an und bekam prompt einen Vorstellungstermin.

Mir saß ein Mann gegenüber, dem aus der Nase Härchen wie schwarze Brummerbeine lugten.
   »Schon mal einen Rasen gemäht?«, fragte er und stütze seine Ellenbogen auf den wackeligen Schreibtisch vor ihm.
   »Nein, so richtig eigentlich noch nie.«
   »Was meinen Sie mit eigentlich noch nie?«
   »Manchmal habe ich als Kind Grashalme aus der Erde gerissen.«
   »Das ist nicht dasselbe. Für einen Arbeitsantritt ist das sogar ein bisschen wenig, finden Sie nicht?«
   »Ich weiß nicht, ich bin bisher auch ohne Rasenmähen durchs Leben gekommen. Besitze ja keinen Rasen.«
   Er überlegte eine Weile und blätterte dabei in einem Taschenkalender.
   »Kommen Sie am Montag vorbei. Ich schicke Sie mal mit einem Kollegen mit. Wir haben mehrere Objekte und Sie schauen sich mal an, ob das was für Sie ist.«
   »Können wir so machen.«
   »Können wir so machen? Wollen Sie nun oder nicht? Sie sind doch zu mir gekommen, also nehme ich an, Sie wollen die Stelle haben. Ist doch so, oder?«
   Ich grinste nur dumm. Arschlöcher sollte man immer angrinsen, wenn man nicht gleich was findet, was man ihnen an die Stirn donnern kann. Das hat auch den Nebeneffekt, dass es billiger und ohne eine Zelle abgeht.
   »Da lassen wir Sie mal einen Rasen mähen. Ich sage es Ihnen gleich: Bei uns müssen sie richtig klotzen und leiden.«
   »Leiden? Haben Sie leiden gesagt?«
   »Haben Sie ein Problem damit?«
   »Mit Leiden schon. Ich wollte Arbeit, kein Leid.«
   Er lachte. Kapos von Strafkolonnen lachten in schlechten Filmen immer, wenn sie ihre Leute bluten lassen.
   »Wir hatten hier mal einen Kollegen, der war schon lange dabei. Aber irgendwann ging ihm die Kraft aus und wir können es uns hier nicht leisten, jemanden mitzuziehen, der nicht die volle Leistung bringen kann.«
   Er nickte mir verschwörerisch zu und ich schüttelte nur ratlos den Kopf, stand auf und vertagte mich auf Montag.

Am Montag war ich pünktlich. Der Kollege, mit dem ich über die Objekte tingeln sollte, war auch schon da. Er war genauer gesagt eine Kollegin. Sie sah nicht übel aus. J. war allerdings noch nicht zugegen. Also standen wir vor verschlossenen Türen.
   »Warum hast Du keinen Schlüssel? Und wo ist der Kerl überhaupt?«
   »Keine Ahnung. Kommt manchmal vor, dass er zu spät ist. Schlüssel bekomme ich erst, wenn ich fest angestellt bin.«
   »Ach, du hast nur einen Zeitkontrakt?«
   »Nein, ich mache bei ihm Probearbeit. Das Jobcenter bezahlt mich und ich bewähre mich gewissermaßen beim ihm.«
   »Das heißt, mir soll jemand die zu verrichtende Arbeit zeigen, der selbst noch gar nicht offiziell zur Firma gehört. Das ist ja interessant. Du musst aber schon lange auf Bewährung sein, dass du so gut Bescheid weißt.
   »Seit knapp vier Monaten. Heute Nachmittag will er mit mir über meine Zukunft reden. Ich bin guter Dinge.«
   Ich schüttelte nur den Kopf und zündete mir eine Zigarette an. Ich schüttelte in letzter Zeit irgendwie häufig den Kopf.
   »Sag mal, warum steht hier an der Türe zum Büro M. & G. und nicht J.?«
   »Herr J. hat den beiden den Laden abgekauft. Er war früher bei denen angestellt und dann hatten die zwei Vorbesitzer keine Lust mehr und J. war zur Stelle.«
   »Wie lange ist das jetzt her?«
   »Das war kurz bevor ich mit der Probearbeit bei ihm angefangen habe.«
   »Wie viele Hausmeister hat er denn?«
   »Harry und mich. Harry ist schon was älter, aber cool. Vorher gab es da noch einen, ich weiß nicht mehr, wie der hieß, aber den hat J. gefeuert. Der Mann hat jahrelang für M. & G. gearbeitet und war der Kollege von J. Die beiden konnten sich nicht riechen und dann hat er ihn wegen Arbeitsverweigerung rausgeworfen.«
   »Ich glaube, ich kenne die Geschichte schon. War er denn faul?«
   »Nein, J. wollte nur, dass er mit so einem alten Ding Rasen mäht, du weißt schon, so ein Mäher ohne Elektronik. Und es ging da nicht um eine kleine Wiese, sondern um eine gigantische Fläche, gleich neben einem Hochregallager. Da hat er gestreikt und gesagt, dass könne er nicht täglich leisten. Das gehe zu sehr an seine Substanz. Der Einwand war richtig, finde ich.«
   »Und bei dem willst du einen Arbeitsvertrag. Oh Mädel, du hast Nerven ...«
   Nach einer weiteren halben Stunde und einigen Zigaretten bog J. endlich um die Ecke. Er trug ein heftgroßes Schild bei sich, auf dem ›Rechtsanwalt S.‹ stand.
   »Ah, Fräulein Susanne, schön Sie zu sehen«, sagte er zu meiner Kollegin für diesen Tag und starrte ihr auf die Titten. Mich beachtete er nicht.
   »Schau mal, was ich hier habe.«
   Er zeigte ihr das Schild und sie gaffte ihn ratlos an.
   »Kannst du lackieren und pinseln?«
   Sie antwortete, sie könne es ja versuchen.
   »Dann lackiere das Ding mal hellgrün und schreibe mit dem Pinsel ›Hausmeister J. & Kollegen‹ drauf. Soll ich es Dir aufschreiben? Und schreib ordentlich, ja ...«
   Er lavierte vom Du zum Sie und Susanne tanzte nach seiner Pfeife.
   »Sie sind ja auch da«, sagte er, nachdem er mich endlich wahrgenommen hatte.
   »Die Fahrt mit Susi muss heute ausfallen. Es sei denn, Sie wollen warten, bis sie ihren künstlerischen Auftrag erledigt hat.«
   Ich schüttelte den Kopf und empfahl mich.
   »Warten Sie bitte noch einen Moment«, rief er mir nach.
   »Was ich vergessen habe Sie zu fragen: Beziehen Sie eigentlich Arbeitslosengeld?«
   »Nein«, log ich. »Wieso?«
   »Das ist schlecht. Ich hätte Sie mal für zwei oder drei Tage auf Probe arbeiten lassen. Aber ohne Bezug von Sozialleistungen werden Sie ja wohl kaum bereit dazu sein, oder?«
   »Nein, ich bin nicht bereit dazu.«
   »Verstehe … ich rufe Sie diese Woche an, dann machen wir nochmal einen Termin aus. Vielleicht geht ja trotzdem was. Und Sie freuen sich doch sicherlich auf eine Ausfahrt mit Frau Susanne.«
   Er lächelte zu ihr hinüber, als er das sagte. Und sie lächelte zurück. Sie sahen aus wie ein verliebtes Paar. Ich wollte mir nicht vorstellen, dass es dieser eigenartige Arsch mit ihr trieb.
   »Melden Sie sich einfach«, sagte ich und zog fort.
   Ich hörte noch, wie er Susanne Komplimente machte und sie kicherte und mir tat es leid um das hübsche Ding.
   Von J. und seiner Praktikantin hörte ich nie mehr was.


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Aus fremder Feder

Dienstag, 21. April 2015

»Gerade an der Geistesgeschichte Europas lässt sich der Unsinn von einem etwaigen Reinheitsgebot fast schon bildhaft nachzeichnen. Das heutige Europa wäre ohne arabische Einflussnahme und Wissensübermittlung gar nicht denkbar; unter anderem Aristoteles' Werke, die dazu führen sollten, dem abergläubischen Europa des Mittelalters philosophische Grundlagen zu erteilen, auf denen später Humanismus und Aufklärung gedeihen konnten, gelangten über arabische Kontakte zurück nach Europa, oder wie es Sigrid Hunke formulierte: »Folgendschwer und verhängnisvoll wurden die verkehrsmäßige Absperrung und die geistige Selbstisolierung gegenüber der islamischen Welt, die Europa wirtschaftlich und kulturell um Jahrhunderte zurückwarfen. In dem Augenblick erst, als trotz ... offizieller Feindschaft das Abendland sich dem arabischen Orient und Orienthandel öffnete, begann sein wirtschaftlicher Aufschwung. Indem es ... nach und nach sein großes geistiges Erbe übernahm, erwachte der abendländische Geist aus jahrhundertelanger Erstarrung und Lethargie ...«
Die allgemeine Stimmung des Kulturkampfes aber leugnet die Koexistenz, tut so, als habe stets eine strikte Trennung geherrscht. Die Koexistenz der Kulturen war natürlich nicht immer friedlich, aber nichtsdestotrotz fand sie statt. Leitkulturen sind Hirngespinste; zu lange lebte man neben- und miteinander, um noch fein säuberlich in christliche oder jüdische oder islamische Reinheiten unterteilen zu können - mit den Worten Goethes gesprochen: »Wer sich selbst und andre kennt, / Wird auch hier erkennen: / Orient und Okzident / Sind nicht mehr zu trennen.«
- Roberto J. De Lapuente, »Auf die faule Haut« -

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Das höllische Paradies

Montag, 20. April 2015

Urlaub am Mittelmeer. Man kann ihn buchen. Via Internet oder wenn man mal an den Schaufenstern von Reisebüros vorbeigeht. Das Binnenmeer lockt wie eh und je. Adria, Côte d’Azur, Playa del Sol. Schön ist es dort ja auch. Es gibt wenige Friedhöfe, die so attraktiv angelegt sind.

Es werden immer mehr, die im Mittelmeer ertrinken. Die Europäische Union, faktisch ein Friedensnobelpreisträger, sieht dabei zu, wie ihre Abschottungspolitik Menschen über Bord wirft. Sie nimmt es mehr oder weniger hin. Achselzucken. Schließlich verlangt von diesen Afrikanern und Arabern keiner, dass sie übersetzen. Sie hatten doch die freie Wahl, oder etwa nicht? Jeder ist seines Glückes Schmied - und seines Ersaufens Initiator. Die Europäer machen weitestgehend weiter wie immer. Arbeit, Familie und Urlaub planen. Gerne auch im mediterranen Raum. Bis zu den Knöcheln ins Wasser. Das Nass genießen. Ein Nass, das einige Kilometer weiter draußen Flüchtlinge verschlingt. Dieselbe Brühe, in der europäische Kinder schwimmen lernen, lässt guten afrikanischen Schwimmern keine Chance. Selten war der Begriff von der »Insel der Seligen« zutreffender. Nur dass Elysion jetzt keine Insel mehr ist, sondern ein ganzer Kontinent.

Dieses Meer taugte fast als Metapher, wenn es nicht tatsächlich ein Massengrab darstellte. Denn wir stehen alle im selben Gewässer. In der Welt gibt es keine isolierten Bereiche oder Regionen. Alles was geschieht, spielt eine globale Rolle. Das Meer, das tötet, ist ja auch dasselbe Meer, das Urlaubskarten gebiert, nahtlose Bräune und erholsame Wochen erschafft. Wir Europäer können also nicht so tun, als gehe uns das dauernde Ertrinken nichts an. Wir stehen im selben Wasser. Hin und wieder spült es Leichen an europäische Strände. Dann wird weggeschaut. Es ist doch Urlaub, wir wollen uns nicht sorgen. Und der arme Kerl da, der hat doch auch keine Sorgen mehr.

Heraklit soll mal gesagt haben, dass man niemals zweimal in denselben Fluß steige. Denn es »fließt anderes und wieder anderes Wasser zu«. Die Europäer scheinen ihren Heraklit respektive Platon gut gelesen zu haben. Wenn sie denn überhaupt noch solche Sachen lesen. Aber sie benehmen sich so. Sie tun so, als sei das Wasser ihrer Urlaubsfreude nicht in demselben interkontinentalen Bottich, in dem Frauen und Männer und Kinder jämmerlich absaufen und mit ihnen ihre Hoffnung, doch nochmal etwas zu haben, was an ein halbwegs würdevolles Leben erinnert. Ohne Hunger, Not, Verfolgung und die Aussicht, in jungen Jahren an eigentlich heilbaren Erkrankungen zu sterben.

Kritiker warfen der deutschen Öffentlichkeit neulich vor, dass der Abgang eines Bundesligatrainers mehr Interesse zeitigte, als die fast zeitgleich geschehene Katastrophe im Mittelmeer. Es ist aber mitnichten so, dass die Deutschen nicht auch auf das Mittelmeer schauen würden. Sie haben Interesse daran. Sie blättern hübsch in Katalogen und suchen sich schöne Strände und Unterkünfte aus. Oh, ist das Wasser nicht herrlich blau, Schatz! Ein Paradies. Dabei war das Paradies mal als der Ort beschrieben worden, wo es kein Leid und kein Elend mehr gibt. Kann es sein, dass die Hölle manchmal paradiesisch aussieht?

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Der Vater des lateinamerikanischen Linksrucks

Freitag, 17. April 2015

Am Montag ist ein großer Literat verstorben. Ein wortgewaltiger Mann. Seine Themen waren der Kolonialismus und sein Kontinent. Und die Einsicht, dass der Reichtum Südamerikas die Armut beflügelt. Er war nicht ganz so berühmt wie der, der am selben Tag wie er starb. Schade eigentlich.

Der am Montag verstorbene Günter Grass habe die Bundesrepublik geprägt, las man in den Nachrufen. Stimmt wohl. Der Mann war tatsächlich der Chronist von Krieg, Wiederaufbau und Wiedervereinigung. Ein Kollege von Grass dürfte seiner Heimat aber weitaus mehr seinen Stempel aufgedrückt haben. Und wie es ein trauriger Zufall wollte, starb der Mann am selben Tag wie sein deutscher Kollege. Sein Name: Eduardo Galeano – Autor von »Die offenen Adern Lateinamerikas«, einem monumentalem Werk, das die Kolonialgeschichte seines Kontinents zum Gegenstand hatte. Seine paradox klingende Theorie bringt die ganze Misere von Schwellen- und Entwicklungsländern in der modernen Welt auf den Punkt. 

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Zu Ohren gekommen

Mittwoch, 15. April 2015

Nicht erst seit gestern liest man Schlagzeilen, die in etwa so loslegen: »Griechen errechnen ...«, »Griechen wollen ...« oder »Griechen sind wütend ...«. Diese Ausformulierung der politischen Geschehnisse ist nervig. Es ist eine Sprache, die die Wirklichkeit nicht abbildet, sondern eine neue Sicht von Wirklichkeit in die Köpfe derer pflanzt, die sich dieser Sprachregelung unterwerfen.

Zuletzt las man, dass die Griechen noch höhere Reparationen errechnet haben. Die Griechen? Wer genau? Das griechische Finanzministerium oder Panagiotis, der arbeitslose Müllmann? Irgendwelche Erbsenzähler im Gefolge von Varoufakis oder Stavroula, die langbeinige Hure, die es günstig macht? Waren griechische Schulklassen, die in ihrem unterfinanzierten Schulkomplex unter der Fuchtel von fast mittellosen Lehrern pauken, an der Berechnung beteiligt? Was hat eigentlich Eleftheria mit der Sache zu tun? Sie war am Tag der Berechnung gar nicht zugegen, wechselte ihren alten Vater die vollen Windeln. Und der Typ, der drüben in Darmstadt in einem griechischen Restaurant Teller jongliert - hat der auch mitgerechnet? Das wäre schon kurios, denn der Mann schafft es nicht mal, die 18, die 27 und die 38 richtig zu addieren, weil er die Speisekarte nicht richtig im Kopf behält.

Das Nationalkollektiv ist eine alte Erfindung. Es macht die Sache so herrlich einfach. Da kommt gleich Ordnung ist weltliche Chaos. Da sind die, die so sind - und dort sind die anderen, die anders sind. Und so wird aus einigen Vertretern einer Nation gleich die ganze Nation. Ein ganzes Volk. Damit kann man praktisch generalverurteilen und gleich alle in die Pfanne hauen, ohne sich die Mühe machen zu müssen, vielleicht doch ein wenig tiefgründiger an die Sache heranzugehen. Man kann so tun, als sei das Attribut keine subjektive Charaktersache, sondern ein Umstand, der sich aus der Nationalität errechnet. So wird es übersichtlicher.

Die Deutschen, das waren doch die, die alle Hitler nachliefen und Nazis waren, nicht wahr? Alle. »Deutsche wählen Hitler«, hätte eine griechische »Bildzeitung« damals schreiben können. Sie hätte in etwa so richtig gelegen, wie die Zeitungen, die heute den Griechen alles Mögliche nachsagen.

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Ich mochte Günter Grass nicht

Dienstag, 14. April 2015

Ich mochte Günter Grass nicht. Das heißt: Sein Werk. Als Mensch kannte ich ihn zu wenig. Sein Stil sprach mich nicht an. Er war schwerfällig und hatte einen eigenartigen Rhythmus. Ein bisschen so wie ein Rasenmäher, dessen Surren mehr verspricht, als es dann leistet. Die Inhalte machten seine Schreibart nicht besser. Ständig geschah Phantastisches, verwebte sich Realität mit Luftschlössern und man fragte sich, warum Nazis flashmoben und Kinder einfach nicht erwachsen wurden.

Nun gut, man muss wenigstens diesen Aspekt gelten lassen. Schließlich war Grass Vertreter des magischen Realismus. Und vielleicht bin ich da als Europäer unfähig - ganz nach den Worten von Carpentier -, das »Erleben des wunderbar Wirklichen« zu akzeptieren, weil mir die Aufklärung dazwischenkam. Jedenfalls denke ich an das Vorwort, welches Bukowski mal für Fantes »Ich - Arturo Bandini« schrieb. Darin erzählte er, wie er als junger Mann durch die Bibliotheken lief und viele große Autoren las. Alle langweilten sie ihn. Sie erzählten Stories aus einer anderen Welt. Sie nannten die Dinge nicht beim Namen oder schrieben erst gar nicht über das, was er als armer Schlucker so auszubaden hatte. Dann fand er Fante und erstmals schrieb da einer so, wie auch Bukowski das Leben empfand. So ähnlich habe ich Grass konsumiert. Ich fand ihn auf der Suche nach Lektüre, die mir entsprach. Und so las ich ihn und wusste nicht, wo er mich treffen wollte. Und tatsächlich traf er mich nur äußerst selten. Es berührte mich nicht, was er mitteilte. Oft langweilte es mich. Und bei aller Literaturbeflissenheit. Wenn einer nicht unterhält, dann hilft alles nichts. Da bin ich ganz bei Reich-Ranicki. Aber ich habe natürlich auch keine Ahnung von Kunst.

Ja, ich glaube wirklich, es gibt nicht wenige deutschsprachige Schriftsteller, die viel bessere literarische Qualitäten aufwiesen - und die es noch immer besser drauf haben. Aber dennoch muss man einsehen, dass mit Grass eine wichtige Gestalt der deutschen Kultur abtrat. Für mich persönlich weniger wegen seiner Kunst selbst - eher, weil er einer war, der Kunst und politisches Engagement verband, wie kein anderer. Dass da einer phasenweise nicht nur weinselig an seinem Schreibtisch stand und Texte skizzierte, sondern auch klare Aussagen traf, das war aller Ehren wert.

Grass war gleichwohl ein großer Autor, nicht weil er etwa abgedrehte Geschichten schrieb oder einfach nur fesselnd war. Er war es, weil er das, was er da tat, mit einer Würde betrieb, die ihm einflüsterte, es nicht zu abstrakt zu halten. Seine Texte waren es teilweise schon. Abstrakt und ungelenk. Aber das, was er den Menschen erzählen wollte, das hat er auch als reale Person in die Waagschale geworfen und sich so Bewunderer wie Kritiker geschaffen. Er war eine Stimme, die sich auch physisch in den Ring und auf das Podium begab. Nicht immer lag er dabei jedoch richtig. Aber er engagierte sich gegen den Mief und setzte Hoffnungen auf die Sozialdemokratie. Zuletzt hat ihn die SPD allerdings ordentlich verarscht. Wie uns alle. Er sollte ein Manifest mitunterzeichnen, eine große Zeitungsanzeige, in dem einige Prominente den Reformkurs der Schröder-Regierung als notwendig deklarierten. Er tat es. Man muss annehmen, dass er von Hartz IV noch nichts wusste. Wahrscheinlich glaubte er, dass die neue »linke Regierung« mit dem Kohl aufräumen wollte. Das dachten ja viele seinerzeit.

Sein Geständnis, er sei Mitglied der Waffen-SS gewesen, habe ich ihm hingegen nie zum Vorwurf gemacht. Er war jung, sozialisierte durch den Hitlerismus. Woher hätte er es besser wissen sollen? Die Moralisten haben ihn dafür schwer attackiert. Es sind dieselben Moralisten, die jede gegebene Moral aufsaugen wie ein Schwamm und die die Moral des Nationalsozialismus mindestens so unkritisch aufgetunkt hätten, wie die des aktuellen Zeitgeistes.

Man muss nicht betroffen sein, weil er jetzt gestorben ist. Das ist das Normalste von der Welt. Mit 87 kann man sterben und sollte ein Leben gehabt haben, von dem man sagen kann: Mehr kommt eh nicht mehr. Obwohl ich seine Literatur ablehne, muss ich zugeben, dass dennoch einer ging, den man noch immer gut gebrauchen konnte als Widerstreiter gegen den postdemokratischen Wahnsinn und gegen die Jasager-Kultur. Es kommt halt eben nicht nur darauf an, ob einer gut schreiben kann oder nicht, sondern was er daraus macht oder nicht.

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An Tagen wie diesen

Montag, 13. April 2015

oder Ein großer Tag in der Geschichte des deutschen Journalismus.

Vorgestern jährte sich mal wieder was. Nicht rund. Aber das muss ja auch nicht sein. Vorgestern vor 47 Jahren. Fast fünf Jahrzehnte ist es jetzt her. Einer der größeren Tag in der Geschichte des deutschen Journalismus. Eine Sternstunde regelrecht.

Bachmann hatte nachmittags Dutschke niedergeschossen. »Man darf auch nicht die ganze Drecksarbeit der Polizei und ihren Wasserwerfern überlassen«, schrieb die »Bildzeitung« einige Wochen zuvor. Bachmann nahms wörtlich. Er war ein frommer Leser. Also übernahm er die Drecksarbeit und schoss dreimal auf den studentischen Aktivisten. Man musste schließlich was tun. Die Aufwiegelung klappte ganz gut. Es findet sich immer ein Würstchen, das den Senf der »Bildzeitung« auftunkt. Es findet sich immer ein Schwachkopf, der es für eine Offenbarung hält, was dort geschrieben steht. Schon damals. Jedenfalls war das eine der schrecklicheren Stunden, die uns diese Art des deutschen Journalismus schenkte. Einige Stunden danach geschah das Gegenteil von Schrecklich. Es wurde richtig gut.

Aufgebrachte Menschen zogen vor das Springer-Haus. Sie warfen Steine, verhinderten die Auslieferung der nächsten Ausgabe, stoppten Lastwagen und zündeten Stapel von Bildzeitungen an. Nebenbei wehrte man sich gegen die anrückende Staatsmacht. Die Zornigen stellten ihre Wagen so ab, dass es kein Vorbeikommen für die Auslieferer gab. Auch das Auto von Ulrike Meinhof stand in der Barriere. Einen Tag später philosophierte sie über die Ereignisse: »Wirft man einen Stein, so ist das eine strafbare Handlung. Werden tausend Steine geworfen, ist das eine politische Aktion. Zündet man ein Auto an, ist das eine strafbare Handlung. Werden Hunderte Autos angezündet, ist das eine politische Aktion.« Sie lag richtig. Was hier geschehen war, war nicht einfach nur ein krimineller Akt oder so. Es war eine politische Aktion. Ein Statement. Das Bekenntnis einer Generation, die es satt hatte, von diesem »privaten Staatsorgan« belogen und als Freiwild ausgegeben zu werden.

Selbst die Staatsdienste schienen die Zeitung abzulehnen. Zynisch betrachtet jedenfalls. Denn es flogen Molotowcockails. Beinahe kam es zur Explosion. Mitgebracht hatte sie ein gewisser Peter Urbach - ein Provokationsagent, der mit dem Verfassungsschutz zusammenarbeitete. Auch das gab es immer schon in dieser netten Republik. Leute, die man einschleust und die die Aufgabe haben, die ganze Sache eskalieren zu lassen.

Die »Bildzeitung« gibt es immer noch. Springer ist noch immer nicht enteignet. Aber die Zeitung ist nicht mehr so mächtig wie damals. Jedoch mindestens so dreckig. Viele Kioske fangen nun an, sie nicht mehr in ihren Regalen anzubieten. Das macht Hoffnung. Die Auflagezahlen gehen seit Jahren zurück. Aber die Sternstunde schlechthin war dieser Abend, als sich die ganze Wut über ein Blatt entlud, das nichts anderes im Sinn hatte, als Menschen, die von ihren demokratischen Rechten Gebrauch machten, schmählich zu verunglimpfen und zu kriminalisieren. Wo ist der notwendige Zorn heute?

Zugegeben - es war nicht die feine Art. Überhaupt keine Frage. Aber es war eine deutliche Ansage. Ein Meilenstein in der Geschichte des deutschen Journalismus. Und je mehr man heute die Medienlandschaft beobachtet, desto sicherer weiß man, dass dieses Urteil nicht übertrieben ist. Denn auch, wenn die »Bild« an ihrer Hegemonialstellung eingebüßt hat, sie lebt in der Seele vieler anderer Medien weiter. Die Bildzeitungisierung hat alle erfasst. Blome sitzt sogar beim »Spiegel«. Man müsste heute schon viele, sehr viele Autos vor den Verlagen aufbieten, um das unter Kontrolle zu bringen. Und wie formt man aus Autos Barrieren, um Onlineausgaben zu verhindern?

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Das Kopftuch ist auch nur so ein Hut

Freitag, 10. April 2015

Schreib doch was über dieses Kopftuch-Urteil und die Folgen, sagte mir neulich eine liebe Freundin. Aber ich lehnte ab. Denn das Kopftuch ist auch nur so ein Hut. So ein alter Hut. Sich über die Auswürfe aufzuregen, die von konservativ-ewiggestriger Seite immer und immer und immer wieder kommen, lohnt sich doch nicht mehr.

Kanakentussi aus
der Bibel
Vor einigen Jahren war das noch ein Thema. Wenn ich mich nicht täusche, habe ich mich auch mehrmals dazu geäußert und gegen die Anti-Kopftuch-Bewegten was ausformuliert. Damals hatte jeder so seine Ansichten. Als es mal wieder um die gemeingefährlichen Bestrebungen Bekopftuchter ging, krochen ganz viele Gegner aus dem Quark. Vieles was man so hörte war irgendwie wirr, falsch oder einfach nur hetzerisch. Frauenrechtlerinnen zum Beispiel wollten es vom Kopf gerissen sehen, weil sie es als Zeichen der Unterdrückung ansahen. Xenophobe hatten Angst um das Bild auf Deutschlands Straßen. Sie hatten mal wieder vergessen, dass ihre Omas noch vor einigen Jahrzehnten selbst oft mit Kopftuch über den Kartoffelacker hoppelten. Und sie haben verdrängt, dass die heilige Jungfrau auf Abbildungen so aussieht, wie eine dieser - O-Ton - »Kanakentussis«, über die sie sich aufregen. Dann gab es natürlich noch die Konservativen, die ein bisschen vernünftelten und sagten, dass man halt moderner sein oder sich anpassen müsse. Man müsse prüfen, ob man das Kopftuch noch mit in die neue Zeit hinübernimmt.

Meine Großmutter landete mal in einer Bibelstunde, die ein seltsam motivierter älterer Herr leitete. Er war kein Geistlicher, aber er sah es als seine Erfüllung an, alte Leute wöchentlich zum gemeinsamen Lobpreisen um sich zu scharen. Die Alten drückten auch was für die Kollekte ab und der Kerl tat immer so, als wollte er die Kohle gar nicht. Aber in diesem Kreis saßen viele Banater Schwäbinnen. Die trugen immer Kopftuch. Als fromme Christinnen gehöre sich das schließlich so. Sie konnten nicht ganz verstehen, wieso die Christinnen anderer Herkunft in der Runde kein Läppchen um den Scheitel trugen. Die Frauen trugen es freiwillig, als Zeichen der Demut und wer weiß wieso noch. Keiner hat es ihnen aufgesetzt. Und genau das war ein Ansatzpunkt, den viele liberale Zeitgenossen damals anbrachten.

Die Muslimas selbst hat bei der damaligen Debatte keiner gefragt. Oder eher selten. Und die liberale Ansicht, die meinte, dass man in erster Linie davon ausgehen müsse, dass die Frauen das Tüchlein ja vielleicht auch gerne tragen könnten, wurden niedergeplärrt. Dem Zeitgeist stand der Sinn nicht nach Liberalismus in solchen Dingen. Nicht auf dieser Ebene. In der Ökonomie gerne. Dass etwaige Kopftuchverbote verfassungswidrig sein könnten, eben exakt aus dem Grund, haben Kritiker damals bereits orakelt. Es hat lange gedauert, bis mal wieder Klarheit geschaffen wurde.

Und prompt kriecht das Klientel von Pegida und AfD auf denselben Holzwegen herum, wie noch vor Jahren, als man sich noch nicht unter den Lettern netter Kürzel versammelte. Wieder dieselben Scheinargumente. Wieder derselbe Unsinn, der damals schon ungefähr die Orginalität von Lanz von Liebenfels oder Alfred Rosenberg hatte. Muss es da sein, dieses Ewiggestrige erneut zu thematisieren? Wieder entkräften, wo Karlsruhe jetzt schon entkräftet hat? Lohnt sich das alles noch? Den alten Hut wieder aufsetzen? Den ollen Fummel wieder um den Kopf binden? Irgendwann hat man genug von der Scheiße.

Klar, all diese Kerle haben jetzt wieder ein Argument dafür, dass die Islamisierung voranschreitet. Dass ihre Kinder zum Kopftuchtragen erzogen werden. Dass Beeinflussung stattfindet. Dass der Islam in die Kinderköpfe einsickert. Langsam. Unkontrolliert. Und im Namen des Grundgesetzes. Und wir können wieder entgegenhalten, dass das Quatsch ist, dass es hehre Werte gibt, die man vertreten muss. Freiheit des Willens und all sowas eben. Dann ist die Sau durchs Dorf, bis wieder einer anfängt zu hetzen. Und so geht es weiter und weiter. Für nichts. Während wir über ein Stück Stoff auf dem Kopf von Frauen quatschen, geschehen wichtigere Dinge. Freihandelszone, europäische Armee und weiß der Teufel was.

Und das ist der Hauptgrund, liebe Freundin, weshalb ich zu diesem Thema nichts Ausführliches mehr sagen will. Denn über Kopftücher zu sprechen, wo sie Leichentücher bereitlegen: Auch so ein alter Hut. Um abzulenken. Um die Agenda zu manipulieren. Man sollte manchmal nichts sagen, damit man das Wichtige hören kann.

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Deutschland voll der Gnade

Donnerstag, 9. April 2015

288 Milliarden Euro: So viel Kosten verursachten Wehrmacht und SS aus griechischer Sicht in Griechenland. Die Aufrechnung ist nicht dumm, wie Sigmar Gabriel sagte. Aber es ist wohl auch kein seriöses Mittel, die aktuelle finanzpolitische Situation zu regeln. Trotzdem ist sie sinnvoll.

Man macht es sich zu einfach, die nun in die Waagschale geworfenen Reparationszahlungen als dumm zu titulieren. Wahr ist, dass der Zeitpunkt einer Debatte darüber sehr ungünstig gewählt wurde. Es wirkt ein bisschen so, als zöge sich die griechische Regierung auf den Standpunkt eines schnippischen Kleinkindes zurück, das die Arme verschränkt und sagt: »Du hast aber angefangen!« Es hat was von Ablenkung. Dass sie ausgerechnet dieser Tage zum Sujet werden, kommt sicher nicht von ungefähr. Die deutsche Verantwortung für den letzten Weltkrieg ist nicht zu leugnen. Aber aus reinem Kalkül sollte sie eigentlich nicht missbraucht werden.

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Eine Liebeserklärung an den letzten richtigen Sozi

Mittwoch, 8. April 2015

oder From Jan with Love.

Neulich im »Spiegel«. Fleischhauer mal wieder. Er schrieb eine tolle Einleitung zu seinem Text. Es ging um die Sozialdemokraten und deren Konturlosigkeit. Sie wüssten nicht, wie sie sich ein Profil verpassen könnten. Oder wollten es nicht. Beliebig seien sie geworden.

Dann schob er noch nach, dass Merkel kein Schicksal sei, das man nicht abstreifen könnte. Sieh einer an, dachte ich mir. Ein starker Satz für einen, der sonst eher schwache Phrasen drischt. Zurückgefunden auf die Spur wird er nicht haben, schoss es mir durch den Kopf. Dazu ist er zu verbohrt. Aber manchmal schreiben die falschen Leute auch richtige Sachen. Über zwei, drei Absätze wickelte er die Sozialdemokratie ab. Fatalistisch sei der Verein und selbstzufrieden. Wo sind die standhaften Sozis? Die Leute, die nicht danach strebten, eine »innere Unionsmitgliedschaft« einzugehen? Ich wollte Fleischhauer regelrecht zustimmen, denn dass es an Ecken und Kanten fehlt, das ist ja so zutreffend wie nur gerade was. Aber dann rutschte ich einen Absatz weiter und es lohnte sich nicht mehr, ein Wort des Lobes ausschütten zu wollen.

Einen Sozi gäbe es nämlich noch, behauptete Fleischhauer. Keinen geringeren als den Ober-Sozi selbst: Sigmar Gabriel. Wie der um Deutungshoheiten ringe und sich zum Beispiel für das Freihandelsabkommen aufreibe, das sei vorbildlich. Ja, so treten Sozialdemokraten auf, die es noch ernst meinen, die ihrer Partei ein Profil verleihen wollen. Gabriel ziehe sich nicht hinter Merkel zurück, sondern mache selbst Politik. Wie die guten alten Größen der Sozialdemokratie führe er den Laden und gebe ein Beispiel ab, wie man die Partei modern und zeitgemäß führen könne. Kurzum, Fleischhauer hat den guten Start mit einem Aufwisch verkackt.

Denn Gabriel ist nicht die Lösung des sozialdemokratische Problems. Er ist Teil desselbigen. Der Mann ist ein Postdemokrat, der schon mal ankündigt, dass seine Partei bei der nächsten Bundestagswahl als Juniorpartner an der Seite der Union steht. Wahlkampf lohne sich nämlich gar nicht mehr. Und nebenher unionisiert er fröhlich die letzten Reste sozialdemokratischer Atavismen weg. Regt TTIP und die damit drohende Aufhebung von Sozialstandards an und lässt sich dafür als Kämpfer für eine bessere Welt feiern. Der Mann wirbt nachhaltig dafür, irgendwann mal Ehrenmitglied der Union zu werden.

Aber Fleischhauer lobt ihn als großen Sozi. Genau deshalb. Weil einer, der die SPD völlig aufgibt und auflöst, natürlich Zuspruch braucht. Fleischhauer lobt nicht die Wehrhaftigkeit der Sozialdemokratie, sondern macht ihrem Abgesang eine Liebeserklärung und dem, der den finalen Stoss versetzt, zwinkert er kokett zu. Danke, lieber Sigi, du machst nen tollen Job - dein Jan.

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... wenn man trotzdem lacht

Dienstag, 7. April 2015

»Wissen sie, worauf ich stolz bin? Ich hab' die Atombombe nicht erfunden. Und da bin ich stolz drauf. Und außerdem hab' ich ja noch viel mehr nicht gemacht: Kein Giftgas, keine Landminen. Vielleicht gibt es später mal an meinem Haus außen ein Täfelchen, wo drauf steht: Hier lebte Erwin Pelzig und er entdeckte Nichts.«
- Frank-Markus Barwasser alias Erwin Pelzig -

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Wir brauchen nicht weniger, sondern mehr Schweigepflicht!

Donnerstag, 2. April 2015

Aktivismus ist der Lebensinhalt der Mediokratie. Kaum geschieht etwas, wovon profilierungssüchtige, aber ansonsten idealbefreite Hinterbänkler glauben Aufmerksamkeitsprofit abzwacken zu können, werden sie aktionistisch. Sie entfachen damit oft sinnlose oder sogar gefährliche Diskussionen.

Gibt es Zwischenfälle, so müssen natürlich Konsequenzen gefordert werden. So ist das in einer postdemokratischen Landschaft, in der Politik in erster Linie bedeutet, sich medial hübsch in Szene zu rücken. Deswegen Konsequenzen. Weil es ja einen Anspruch darauf gibt, dass »etwas geschieht« - und man verlangt sie überdies, weil das die großartige Chance auf »15 minutes of fame« für manch abgehalfterten Parteisoldaten aus den hinteren Bänken darstellt. Und was dieses Schielen auf Aufmerksamkeit an Absurdität und Sprengstoff birgt, kann man im aktuellen Fall wieder mal beobachten.

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Der Mythos und die Linken

Mittwoch, 1. April 2015

Die Linke spricht nun von einem »Merkel-Plan« und der Medienbetrieb greift dieses Wort aus Kippings Mund nur allzu gerne auf. Genossin, das ist eine fahrlässige Wortwahl. Denn sie arbeitet mit am gängigen Bild, das man von dieser Frau hat.

Kipping hat ja zunächst völlig recht, denn »mittelfristig braucht es für ganz Südeuropa [tatsächlich] einen Investitions- und Aufbauplan nach Vorbild des Marshall-Plans«. Mit Sparpolitik und dem Auswringen der öffentlichen Haushalte saniert man nichts, setzt keine wirtschaftlichen Impulse und treibt die Krisenländer immer tiefer in diesen Status hinein. Wer Austerität verordnet, der treibt zur Verschärfung der Situation an und nimmt Not und Elend in Kauf. Und Entdemokratisierung! Investitionen, setzen von Anreizen, Impulse anleiern - das wäre ein geeigneter Plan. Ein New Marshall- und damit ein Masterplan. So bringt man Geld zur Zirkulation, kurbelt die Rudimente der griechischen Ökonomie wieder an und erlaubt es letztlich somit auch, soziale Sicherheiten zu gewährleisten. Und nicht zuletzt stützt man so demokratische Strukturen. Die Linke und Kipping liegen also vollkommen richtig.

Aber was um Himmels Willen soll dieser Unsinn von einem etwaigen »Merkel-Plan«? Kipping führt ja sogar noch aus, dass ein solch keynsianisch anmutender Plan gerne auch den Namen dieser Bundeskanzlerin tragen dürfe. Wieso? Glaubt Kipping ernstlich, dass Merkel Europa darstellt? Sind die Europäische Zentralbank, der Internationale Währungsfond und die Europäische Kommission Merkel? Oder ist Merkel die Troika? Kann man sich Europa gar nicht mehr ohne den lindgrünen Hosenanzug denken?

Klar, Merkel steht für das Sinnbild europäischer Austeritätspolitik. Sie ist die Koryphäe oder die Gallionsfigur, tritt als Stimme einer Hegemonialmacht auf, die es überreizt und die ein aggressives Wirtschaftskalkül an den Tag legt. Merkel wird mit Hitlerbärtchen und SS-Uniform karikiert und wahrscheinlich hat dieses Empfinden in Südeuropa seine Berechtigung. Aber diese Frau ist doch nicht das Maß aller Austeritätsdinge. Sie ist ein Gesicht von vielen. Nur ein Kopf der Zeitgeist-Hydra. Sie mag arrogant auftreten wie wenige. So, als sei sie eine europäische Regentin. Bloß das alleine heißt ja nicht, dass es exakt so ist.

Aber es ist freilich ihr Auftreten und die Inszenierung ihrer Stärke, die einen Merkel-Kult oder -Mythos entstehen ließen. Der deutsche Konsument von Massenmedien, hat nun über Jahre den Eindruck vermittelt bekommen, dass Frau Bundeskanzlerin gleichzeitig auch so eine Art europäische Schutzherrin ist. Eine, die ihre nationalen Kompetenzen auf den halben Kontinent ausgeweitet hat und dafür sogar noch Anerkennung von den europäischen Nachbarn erntet. Dieses Bild, das diese Nation von ihrem »Oberhaupt« hat, gehört nicht angereichert mit etwaigen Forderungen nach Plänen, die dann einen Namen tragen sollen, die die Mär von der Schutzherrin Europas noch verdichten.

Die Linke hat dagegen anzugehen, den Mythos aufzudröseln, Genossin Kipping! Gut gemeint, schlecht gesagt. Denn Sprache schafft Realitäten. Und wenn selbst Die Linke nun eine Sprache spricht, die sonst die Massenmedien bedienen, einen Duktus modernen Marienkultes - ohne Maria, aber dafür mit Angela - anschlagen, dann kann diese verzerrte Realität von der Kanzlerin ganz Europas nie ausgetilgt werden.

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