De dicto

Donnerstag, 17. April 2008

"Friedliche Diplomatie statt Krieg - Papst Benedikt XVI. redete US-Präsident George W. Bush bei seinem USA-Besuch ins Gewissen!"
- BILD-Zeitung am 16. April 2008 -
Zum Gesagten sei angemerkt: Der US-Präsident sollte im Vatikan in Lehre gehen. Dort bekommt er die Vorzüge hoher Diplomatie vor Augen geführt. Diplomatisch setzt sich der oberste Hirte über die Wünsche und Forderungen seiner Glaubensgemeinschaft hinweg; diplomatisch wird die Empfängnisverhütung diabolisiert und der afrikanischen Glaubensgemeinschaft wird in diesem Zuge auch das Präservativ moralisch anrüchig gemacht. Homosexualität wird zur Krankheit, das Zölibat zum jesuanischen Lebensentwurf verklärt. Abtreibung sei in jedem Falle Mord, Frauen werden von der Ordination ausgeschlossen, Protestanten immer noch als Anhänger einer irrigen christlichen Lehre diffamiert, demokratische Grundstrukturen in den Gemeinden eingeschränkt. All das - und mehr - wird mit einer nasalen Fistelstimme, im streng diplomatischen Stile an die Christenwelt weitergegeben. Natürlich werden es manche Theologie nennen wollen, was vom sancta sedes aus vermittelt wird. Doch "was diese Wissenschaft betrifft, es ist so schwer den falschen Weg zu meiden; es liegt in ihr so viel verborgnes Gift, und von der Arzenei ists kaum zu unterscheiden." Auch hier, ob Theologie oder nicht, kommt es nur auf den Verkauf der Dogmen in der Öffentlichkeit an. Dogmen, die gar nicht unmenschlich und unrealisitisch genug sein können, solange man sie im diplomatischen Jargon an den Mann bringt.

Was der US-Präsident im Vatikan lernen könnte, wäre kein exquisit benediktinisches Honig-ums-Maul-Schmierens, sondern ist Ausdruck des Papstums an sich. Die Diplomatie des Papstes ist die Allmacht des Papstes, seine Unfehlbarkeit. Was er von der Kathedra herunterfabuliert, sei es noch so diplomatisch gehalten, ist für seine priesterlichen Laufburschen Gesetz. Friedliche Diplomatie? Freilich, zum Waffengang ruft das Papstum nicht auf, zu schwach ist die eigene Position geworden. Doch trägt es täglich den Krieg in die Betten von Priestern, Schwulen, verhütenden Frauen; es stellt den Gläubigen indirekt nach, späht unter die Decken, will reglementieren wo Hände anzufassen, Geschlechtsteile hineinzustossen, Lippen anzusetzen haben. Mit "repressiver Toleranz" (Marcuse) begegnet der Episcopus Romanus seinen Kritikern. Sie dürfen alles ansprechen, was ihnen zuwider ist, aber bitte so, dass der kirchliche Ablauf nicht gestört wird, dass nicht ganze Gemeinden zum Nachdenken animiert werden. Mancher verbohrte Kritiker wurde schon mit dem Entzug der Lehrerlaubnis "belohnt".

Die BILD wertet das Papstum zur diplomatischen Autorität auf, weil es sich um einen Papst aus "unserer Mitte" handelt. Natürlich wurden auch andere, vormalige Päpste verteidigt, weil es generell ins Konzept der BILD paßt, wenn da ein Patriarch an der Spitze steht, der seine Gläubigen im Griff hat oder wenigstens so tut, als hätte er sie im Griff. Einer solchen Autorität muß man auch journalistisch devot begegnen, muß sie - wie im obigen Artikel - hofieren und deren Auftreten zelebrieren. Schließlich braucht der BILD-Leser - ob Katholik oder nicht, ob Christ oder nicht - eine unantastbare moralische Instanz. Das ist auch der Grund, weshalb die BILD mit keinem Wort danach fragt, warum der Papst seinen Geburtstag ausgerechnet im Hause eines fanatischen Kriegstreibers medienwirksam in Szene setzt...

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