Ein Kundenleben

Freitag, 25. Mai 2012

Habe ich mir billig genug den Arsch gewischt? Eins-Neunundsechzig acht Rollen. Einundzwanzig Cent die einzelne Rolle. Ein Zehntel von einem Cent ein Blatt. Ich brauche zehn, zwölf, vierzehn Blätter. Ganz nach Schiss. Ginge es nicht noch günstiger? Könnte ich mir die im Darm verwandelte Fleischwurst, Eins-Neunundsechzig und am Ring, und das Baguette, neunundsechzig Cent und knusprig gebacken, nicht mit weniger monetären Aufwand abwischen?

Das Wischen, es kostet den Durchschnitt von Blättern, verdauter Wurst und durch Magensäure zersetztes Brot und könnte sicher günstiger zu haben sein. Oder wische ich mir den Hintern mit dem Stapel Prospekte, den ich mit zum Scheißen genommen habe? Die waren kostenlos im Briefkasten. Aber was, wenn ich eine günstige Offerte durch meine Arschritze ziehe? Kaffee Drei-neunundsechzig beispielsweise oder Lachsfilet, vierhundert Gramm zu nur Zwei-Neunundsiebzig. Kommt es mir dann nicht teurer, wenn ich mich mit einen Gratis-Prospekt abwische? Lieber vier Cent in einen sauberen Arsch investieren, um dann beim Kaffee oder beim Lachs abzusahnen?

Und sollte das Klopapier im Angebot sein, dann wird die übliche Wischpauschale ja auch günstiger. Überhaupt frage ich mich, ob teurere Produkte auch die Reinigung meines Enddarms verteuern. Kann ich Klopapier sparen, wenn ich bei Lebensmitteln spare? Verursacht das Steak zu unschlagbaren neunundneunzig Cent je hundert Gramm weniger Reststoffe, weniger abzuwischende Rückstände, als eines für wucherische Zwei-Fünfunddreißig? Könnte ein sagenhaftes Angebot, das man mir Steak für neunundsiebzig Cent je hundert Gramm unterbreitete, die Folgekosten senken? Warum gibt es eigentlich kein Komplettpaket, kein Rundum-sorglos-Päckchen? Wer Essen liefert, sollte sich auch um die Folgen kümmern und Klopapier vertreiben müssen. Jedem Stück Frischfleisch sollten zwölf Blätter Toilettenpapier beiliegen - jedem TK-Fleischersatz zwölf TK-Papierstreifen.

Was aber, wenn es genau umgekehrt ist? Wenn das Cordon bleu vom Metzger, Zwei-Neunundzwanzig je hundert Gramm, weniger Folgen zeitigt, als das TK-Cordon bleu, Zwei-Neunundzwanzig für vier ganze Fleischbrocken zu insgesamt sechshundert Gramm? Vielleicht sparte ich mir dann auch den Verdauungsschnaps, der pro halben Liter zu Acht-Neunundachtzig zu haben ist - und die Tablette gegen Sodbrennen, sechsunddreißig Stück knapp Acht-Nullnull. Wenn ich dann aber effektiver scheiße und wische und vielleicht sogar schneller vom Topf runterkomme, könnte ich wiederum Angebote verpassen. Denn Angebote lese ich immer am Klo. Zeit sinnvoll nutzen, ausfüllen, gewinnbringend investieren. Zeit ist Geld - mehr Zeit: mehr gespartes Geld. Drei Fischkonserven zum Preis für zwei oder zwanzig Prozent mehr Apfelsaft für denselben Preis wie ohne zwanzig Prozent mehr. Das könnte ich dann verpassen. Könnte blöd für mich ausgehen, könnte teuer werden. Eine lange, schwere Verdauung könnte förderlich für meinen Geldbeutel sein - wenn ich leidend kacke, spare ich mehr, weil ich mehr Angebote studieren und durchrechnen kann.

Das sind Überlegungen, die man anstellen muß. Schinkengulasch ist morgen für Eins-Neunundneunzig fünfhundert Gramm zu haben. Klopapier ist aber nicht im Angebot. Das nennt man Geschäft. Dort Angebot, Folgekosten nicht vergünstigt. Auf der einen Seite sparen, auf der anderen die Hand aufhalten. Wie soll man da jemals bewusst einkaufen? Irgendwo zahle ich immer drauf, habe ich das Gefühl...



16 Kommentare:

Anonym 25. Mai 2012 um 06:50  

Zwei Tipps:
1. Substitution der ALDI-Rollen durch containern alter BLÖD-Zeitungen (Vorsicht Druckerschwärze).

2. Umstellung auf vegane Ernährung (riecht nicht so übel wie bei Carnivoren und hinterläßt kaum Gekröse an der Rosette). ☺☺
Also Roberto, Kartoffeln ab sofort nur noch aus Bodenhaltung.☺☺

Anonym 25. Mai 2012 um 07:24  

geil! habe mich schief gelacht. danke.

totschka 25. Mai 2012 um 07:34  

Wenn ich momentan etwas verkniffen dreinschaue, dann liegt das nicht etwa an Verdauungsproblemen oder daran, dass mir der Artikel auf den Magen geschlagen sein könnte - nein, es liegt daran, dass mir das Lachen im Halse stecken blieb.

Homo oeconomicus par excellence! Vielen Dank für diese ernsthaft erheiternden Zeilen!

Paul Herzog 25. Mai 2012 um 07:44  

Nur etwas weniger Trinken und morgens, zum Frühstück, gleich einen Riegel Schokolade. Je höher der Kakaogehalt desto besser. Sorgt für gut durchgehärteten Schiss, dessen Reste sich mit viel weniger Blättern (<5) abwischen lassen ;-)

Feiner Artikel :-)

Anonym 25. Mai 2012 um 09:47  

A.

Alles vom Arsch. Wirtschaftlich / Ökonomisch aber einwandfrei.^^

Marion 25. Mai 2012 um 11:09  

Ökonomisch alles andere als einwandfrei, lieber Anonym von 9:47.
Ökonomisch denken würde zu folgendem Schluß kommen: Meine Zeit, in der ich arbeiten kann, ist (z.B.) 20 Euro pro Stunde wert. Dann sind 5 Minuten meiner (Denk-)Zeit nur dann ökonomisch verwendet, wenn sie mir 1,66 Euro einbringen. Das tut die Cent-Fuchserei aber nicht.
Das steht übrigens auch in jedem Effizienz-Ratgeber drin. Da würde dieser Artikel als Paradebeispiel für ineffizientes und unökonomisches Handeln reinpassen.

Frieda 25. Mai 2012 um 11:36  

Ich lach mich wech! Ich kenne noch die Zeiten, wo Streifen der Tagezeitung als einzige Alternative zur Reinigung am Donnerbalken bereit lagen. Einziger Luxus dabei war das Gefühl, daß die Zeitung das bekommt, was sie verdient.
lg Frieda

Anonym 25. Mai 2012 um 11:43  

Roberto,
wer heutzutage statt mit dem "Smartphone" via WLAN nicht die Onlineangebote durchgeht ist definitiv nicht von unserer "Konsumwelt".
Außerdem wissen wir doch wie man die drei Muscheln benutzt :-P

Siebenstein 25. Mai 2012 um 12:22  

Mal wieder eine wunderbare Groteske.
Ist dir wohl bei einem ausgiebigen Schiss eingefallen. Einfach herrlich!
Kleiner Tipp: Gehe künftig einfach unbewußt Einkaufen und bewußt Scheißen, dann kommst du nicht auf dumme Gedanken ;-)

Anonym 25. Mai 2012 um 13:08  

In lat(r)iner Form: NON OLET
oder
die Mutation vom Händler zum Geschäftemacher anhand einer fäkal-plastischen Schilderung !



Hartmut

Anonym 25. Mai 2012 um 13:15  

Versucht mal das Abwischen ohne Hilfsmittel.

Der Erfolg liegt auf der Hand.

Lazarus09 25. Mai 2012 um 16:33  

Wenn da nicht ,ein Probearbeitsverhältniss hier ,ein Low wage Job da, ein paar unbezahlte Überstunden wegen Firmeninteresse plus ein wenig Lohndumping bei explodierenden Grundversorgungskosten Miete ,Nebenkosten,Energie wären, würde es auch mit den fairen umwelt und recourcenschonenden Preis bei den täglichen Gebrauchsgütern klappen .. ;-)

Harald 25. Mai 2012 um 18:40  

Schön, dass nicht nur ich mir Gedanken zum Thema Sparen beim Klopapier gemacht habe:
http://dippolds.info/2010/06/25/ach-kanzlerin-was-hast-du-mir-blos-eingebrockt/
Gut das hier das Thema noch umfassender beleuchtet wird. Ob die sparsamste Variante aber rechnerisch zu ermitteln sein wird? Ich habe da so meine Bedenken.

Spartaner 26. Mai 2012 um 14:39  

Tja lieber Roberto, das nennt sich Konsumgesellschaft. Alle werden verarscht und wenn die Ausbeutung der Kaffeebauern oder die Neuetikettierung von Gammelfleisch bekannt wird. Dann bist du als Konsument selbst schuld weil es dir nicht billig genug geht.

totschka 27. Mai 2012 um 21:34  

Wenn Zeit = Geld, dann plädiere ich für 'ne Sauerkrautsaft-Schorle. Zumindest bei mir knallt das unheimlich rein und verkürzt die aufm Lokus vergeudete Zeit auf ein Minimum... :-D

Der Duderich 28. Mai 2012 um 01:37  

Lieber Roberto!

Hast mich mit Deinem Text zu folgendem eigenen Post inspiriert:
http://aufzeichnungen-eines-gutmenschen.blogspot.de/2012/05/alles-ist-eingepreist.html#more

Danke Dir mit offenem Herzen für vergangene und zukünftige Inspirationen.

Weiter so!

Und, zum Lachen gebracht hast Du mich auch! :-)

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