Esoterisch aus der Krise

Donnerstag, 24. Juni 2010

Weil das eine Sommermärchen torkelt, ist ein anderes dringend notwendig - und siehe da, die Krise scheint plötzlich entfleucht, ein Sommermärchen der etwas anderen Art eingezogen zu sein. Ein Märchen, ein Job-Wunder sei es, weil Kurzarbeit nun vermehrt abgemeldet würde und bis Ende des Jahres etwa 100.000 Stellen entstehen könnten - nochmals: entstehen könnten! Das alleine reicht heute schon aus, um rhetorisch ein Wunder zu bemühen! Und weil sich die Konjunktur erhole - wobei das schon sehr hoffnungsfroh formuliert ist! -, obgleich ein Sparpaket anberaumt sei, bastelt man sich daraus eine griffige Losung für die nächsten Wochen: Keine Angst vorm Sparen! Wie man darauf kommt, dass die Menschen keine Furcht vor der sparsamen Zukunft haben, es wird stets schleierhaft bleiben - wie man überhaupt so dreist sein kann, aus belanglosen Notizen ein Sommermärchen zu fingieren, scheint noch viel rätselhafter. Die einzige Wahrheit zum Sommermärchen ist wohl: es ist ein Märchen - ist also wortwörtlich begutachtet, nicht mal erlogen.

Krise plötzlich weg! Damit daran bloß keiner zweifelt, meldet sich auch Ernst Elitz, einst Gründungsintendant des Deutschlandradios, mittlerweile schäumender Missionar aus dem Hause Springer, zu Wort. Eine schlechte Nachricht gäbe es im Sommermärchen aber doch noch, vermeldet er: es gibt noch zu viele Miesepeter, die niemanden gute Stimmung gönnen würden. Gestrige Gespenster, nennt er sie; Gespenster, die er in die Mottenkiste packen will - Defätisten gehören eingesperrt, sie schaden dem Volkskörper!, polterten andere schon mal. Das ist zwar lange her, aber für Elitz vielleicht noch nicht zu lange! Wir haben keine Wirtschaftskrise mehr - wir haben nur noch eine Krise, weil es uns leider nicht an Miesmachern mangelt; weil wir noch immer genügend Nörgler unter uns haben, die einfach nicht ausreichend Courage besitzen, fadenscheinige Zustände durch Übermittlung positiver Energien zu beschwören, zu beschönigen.

Schluckt Soma, werdet zuversichtlich! Denn begreift: es gibt keine Krisen, es gibt nur Pessimisten - wären diese Schwarzmaler nur dazu fähig, beispielsweise auch der Bettelei etwas Positives abzuverlangen: depressive Stimmungslagen wären wie weggeblasen - niemand bräuchte mehr Antidepressiva! Hier setzen die Verklärer der Armut an, jene Romantiker, die im Elend eine edle Tugend wittern. Armut sei nämlich keine Strafe - sie sei eine glänzende Chance! Und wer das nicht sieht, der soll "weg in die Mottenkiste"! Freut euch des Lebens: auch wenn die Lebensfreude nach und nach wegrationalisiert und -reformiert wird - wer sich trotzdem freut, dem werden Märchen zuteil. Froh zu sein, bedarf es wenig; und wer froh ist, ist ein König! Elitz und Konsorten, diese ganze Clique von Beschwörern und Missmut-Exorzisten, sie wirken fast wie esoterische Lebensberater, wie Kabbalisten und Spiritisten. Für sie liegt der Schlüssel der Verbesserung der Lebensumstände nicht in Fakten, nicht im materiellen Diesseits oder in der strukturellen Organisation einer Gesellschaft - er liegt in einem selbst begraben, in seiner Einstellung, in seiner geistigen Verfassung.

Es gibt gar keine schlechten Zustände, keine Missstände - es gibt nur schlechte Sichtweisen. Verändere das, was du verändern kannst - dich selbst also! Denn die Welt ist wie sie ist, die Welt ist unveränderbar - there is no alternative! Nimm hin, was unabwendbar ist - und reichere dieses Unumgängliche, gleich wie tragisch es auch ist, mit Freude und positiver Energie an! Elitz offenbart sich damit letztlich als Glaubender - er ist ein vortreffliches Beispiel dafür, wie der Glaubenseifer, der früher das Geschäft der Religion war, in den Materialismus - in diesem Falle: in den Kapitalismus - hinüberwechselte. Hoffen und glauben an das Jenseits war gestern; hoffen und glauben an ein Diesseits, das besser scheinen soll als es aber ist, ist heute. Elitz ist kein unabhängiger Kolumnist - er ist religiöser Erbauungstexter und ein Inquisitor für all jene, die seinem strikten Glauben, seiner optimistischen Religion, nicht folgen wollen.

70 Kommentare:

altautonomer 24. Juni 2010 um 08:28  

Wie Ereignisse manipuliert und in ihr Gegenteil verkehrt werden, zeigt sich an den Berichterstattungen über die Autoindustrie. Wurde noch vor kurzem Berichtet, dass der Umsatz im ersten Quartal nach Auslauf der Abwrackprämie um 1/3 eingebrochen ist, müssen angeblich aktuell wegen der großen Nachfrage Überstunden bei Daimler, Audi und BMW gefahren werden. Ein PR-Gag?

Leukämiekranke Kinder in der Umgebund von Atomkraftwerken, Lungenkrebs durch Rauchen, Holocaust, ALG II - dies alles ist nach den seit eh und je verkündeten Thesen der Esoterik-Gurus (keine Namen, da immer wieder Klagen folgen) das individuelle Karma, vor dem es kein Entrinnen gibt. Wer es trotzdem versuchen würde, müsste zwangsläufig psychisch krank werden. Das System, das dahinter steckt, ist die Verlagerung aller Prbleme von der Gesellschaft in das Individuum und die Philosofie vom "positiven Denken".

Im Rotbuch-Verlag ist eines der besten, sprachlich brillantesten und argumentativ bissigsten Taschenbücher zum Thema erschienen: "Die Psychofalle" von Karl-Heinz Joepen. http://www.antikbuch24.de/buchdetails_1478352.html - - -Kennt das evtl. jemand?

Rainer 24. Juni 2010 um 08:56  

An den Widersprüchlichkeiten ( Jubelrufe von Merkel's Hofpresse und zeitgleich Meldungen vom Rückgang des DAX ) lässt sich noch erkennen, dass wir belogen werden. Schlimmer wär eine Orwell'sche Gleichschaltung der Meldungen.

Geheimrätin 24. Juni 2010 um 09:44  

Moin Roberto

ich bewundere Dich wirklich sehr, wie du es schaffst, dich immer wieder durch dieses extremistische Verblödungsblatt zu lesen und es dann noch fertig bringst, das alles so kunstvoll, intelligent zu kommentieren. Nicht immer klicke ich den link zum ursprungsartikel, kommt auf meine geistige und psychsiche Verfassung drauf an. Weil, meistens wenn ich das lese, kocht mir derart die Galle hoch, dass ich kruz davor bin, den Springer-Verlag....nein, wir wollen ja nicht schon wieder den Blogger-Kriseninterventionsdienst ins Haus rufen.

Dir an dieser Stelle mal wieder ein herzliches Dankeschön

ps. die kabbalah finde ich persönlich im übrigen sehr spannend - allerdings nur da, wo sie nicht von durchgenkallten "Weltenlenkern" und Wirtschaftsesoterikern verwurstet wird.

Anonym 24. Juni 2010 um 10:02  

Ich fürchte, den idiotisierten und mediengläubig-aufgeputschten Schwarz-Rot-Gold-Massen wird spätestens nach dem Ausscheiden Deutschlands("Jogis") im Viertelfinale der WM (höchstwahrscheinlich gegen Argentinien!) noch ganz viel "Soma" in Form von Hundertausenden von "möglichen Arbeitsplätzen" und ganz ganz viel angedichteter "Kauflaune" verabreicht werden müssen.
"Sommermärchen" ohne Ende.....
Freuen wir uns also weiter auf diese Verblödungs-Spektakel, insbesondere auf die nächste Plastikflasche, welche "Jogi" bald in der RSA am Boden wuchtig zerschmettern wird!

Allseits begeisterte Grüße von
Bakunin

Daniel Limberger 24. Juni 2010 um 10:38  

Lieber Roberto,
ja, das Problem fing schon bei Freud an, die ganze bürgerliche Psychologie findet dauernd Pathologien *IM* Menschen, im Einzelnen - die Umstände werden als unveränderliche Gegebenheiten vorausgesetzt, an die sich der Mensch gefälligst zu adaptieren habe. Wie schon Erich Fromm sagte, die "Gesunden" bzw. "Normalen" sind die krankhaft Angepassten - und die "Verrückten" und "Kranken" sind die eigentlich NORMALEN Menschen: sie zeigen noch eine natürliche Reaktion auf menschenfeindliche Umstände...
Wie von mir sicher schon erwartet wird, kann ich natürlich auch mit Links zu hervorragenden Veranstaltungen der Marxistischen Gruppe (heute: GegenStandpunkt) zum Thema aufwarten, als da wären:

- "Die Psychologie des bürgerlichen Individuums", Juli 1980, München, Dr. Karl Held > http://doku.argudiss.de/?Kategorie=all#333

- "Kritik der Psychoanalyse", 1978, München, Dr. Karl Held > http://doku.argudiss.de/?Kategorie=all [Hier ist die Tonqualität leider furchtbar schlecht - inhaltlich aber sehr hörenswert!]

Liebe Grüßle

Daniel

Maxim 24. Juni 2010 um 12:17  

Einfach brilliant. Armut wird zur philosophischen Herausforderung. In einem Handstreich könnte man das Elend der Welt mindern, wenn sich doch nur die richtige Einstellung vermitteln ließe. Aber die Menschen wollen ja nicht hören, sondern immer nur essen und trinken; so wird das dann natürlich nichts mit der Erleuchtung.
Übrigens, da Geld ja ohnehin nicht glücklich macht, sollten wir all den Millionären und Milliardären danken, die sich mutig für uns aufopfern indem sie dieses schädliche Zeug auf sich binden.

Anonym 24. Juni 2010 um 13:36  

„Es gibt gar keine schlechten Zustände, keine Missstände - es gibt nur schlechte Sichtweisen“ – das erinnerte mich spontan an die „7 Wunder der DDR“, vor allem „Wunder 4: Obwohl das Plan-Soll immer erfüllt wurde, gab es nichts zu kaufen.“ und „Wunder 5: Obwohl es nichts zu kaufen gab, waren alle glücklich und zufrieden.“

Das soll uns doch zuversichtlich stimmen, ganz im Sinne von Nietzsches Zarathustra:

O meine Brüder, bin ich denn grausam? Aber ich sage: was fällt, das soll man auch noch stoßen!
Das Alles von heute – das fällt, das verfällt: wer wollte es halten! Aber ich – ich will es noch stoßen!
Kennt ihr die Wollust, die Steine in steile Tiefen rollt? – Diese Menschen von heute: seht sie doch, wie sie in meine Tiefe rollen!
Ein Vorspiel bin ich besserer Spieler, o meine Brüder! Ein Beispiel! Tut nach meinem Beispiele!
Und wen ihr nicht fliegen lehrt, den lehrt mir – schneller fallen! –

klaus baum 24. Juni 2010 um 14:25  

Roberto, du sagst es selbst: dass die Welt so schlecht ist, liegt an Deiner pessimistischen Sicht. Werde doch froh, dann spüre ich das auch hier, wenn ich aus dem Fenster schaue.

PS.: Diese Elitze (was ist das überhaupt für eine Vogelart) verblüffen einen immer wieder. Sie tun so, als hätte es die Kafkas und Becketts nie gegeben, von denen man doch etwas hätte lernen können.

klaus baum 24. Juni 2010 um 14:28  

Über und von Beckett eine kleine Geschichte: >>An einem wunderschönen sonnigen Morgen, Mitte der 60er Jahre, war Beckett auf dem Weg durch Regent’s Park zum Lord’s Cricket Ground. Er war eigens von Paris nach London gereist, um das Testspiel zwischen England und Australien zu sehen. Beckett wohnte im Haus seines Freundes und Herausgebers John Calder hinter der Wigmore Street. John Gibson, einer der irischen Direktoren von BBC Radio, erinnerte sich, wie enthusiastisch der Dramatiker angesichts der grünen Bäume und des Gesangs der Vögel war, wie sehr er das Zusammensein mit wirklich guten Freunden bei strahlend blauem Himmel genoß. Einer der Anwesenden bemerkte: „Ja, an einem solchem Tag ist es doch gut am Leben zu sein, to be alive.“<< Beckett antwortete darauf: >>So weit würde ich allerdings nicht gehen.<<

>>Well, I wouldn’t go as far as that<<

Anonym 24. Juni 2010 um 14:38  

@Anonym

"Und wen ihr nicht fliegen lehrt, den lehrt mir – schneller fallen!"

Ja, lernt endlich fliegen oder ihr geht im Sumpf eurer Ängste unter...

Anonym 24. Juni 2010 um 15:24  

So plump ist Esoterik nicht, wie das hier dargestellt wird! Tatsächlich gibt es die Krise, weil sehr viele Menschen "Angst vor dem Abstieg" hatten und haben und so die jetzigen Zustände gewissermaßen herbeigefürchtet haben. Die Welt ist eben nicht, wie sie ist, sondern wie sie generiert wird - und da ist jeder beteiligt.

Wer also irgendeiner Gruppe - z.B. Politiker - glaubt, was diese Gruppe ihm erzählt, ist einfach ein Glaubender, der nicht sich selbst vertraut, sondern Anderen. Das ganze System ist so aufgebaut. Wir haben "Stellvertreter". Wer bis jetzt noch nicht verstanden hat, dass diese "Stellvertreter" ihr eigenen Süppchen kochen, dem kann man nicht mehr helfen. Der ist und bleibt ein naiver "Realist", ohne jeden Funken von Souveränität.

Also schaut doch mal an, was ihr denkt, hofft und vor allem was ihr befürchtet. Das ist der Stoff, aus dem die Welt gemacht wird. Das ist das für die meisten Menschen Geheimnisvolle, das Esoterische. Und wer unablässig die Missstände anprangert, ohne umzufokussieren, verstärkt diese Missstände. Es ist ein universales Gesetz: Was man bekämpft, verstärkt man.

Niemand kann einem die Freude "wegrationalisieren", es sei denn, man lässt es zu. Und es gibt nur die "Fakten", die man selber macht. Man kann sich in jedem Augenblick umdrehen und die Ereignisse wwerden folgen. Aber dazu braucht es ein gewisses Basisverständnis, dass die Materie eben nicht so felsenfest ist, wie es scheint. Den "Realisten" hilft vielleicht ein wenig Wissen über die Quantenphysik...

Märchen übrigens sind wirklicher als die sogenannten Sachzwänge. Sie sind Gleichnisse über die Wirklichkeit und zeigen deutlich die sich selbst erfüllenden Prophezeiungen auf. Wer wirklich - wirklich - das glauben kann, was er will, der wird es auch bekommen. Niemand kann das verhindern! Also glaubt doch endlich einmal an euch selbst und benehmt euch dementsprechend. Verschwendet nicht eure ganze Energie an Sorgen und Ängste, sondern seht einfach nur das, was ihr sehen wollt. Kocht EUER eigenes Süppchen. Eines, das euch schmeckt.

Geheimrätin 24. Juni 2010 um 16:15  

Herrlich Klaus Baum!

Ja, an einem solchem Tag ist es doch gut am Leben zu sein, to be alive.“<< Beckett antwortete darauf: >>So weit würde ich allerdings nicht gehen.

Ich muss undbedingt mal so richtig Beckett lesen! Zumal ich auch so lange nicht mehr in England war, hab da in den 80gern mal meine Zeit verbracht, bei Freunden, die das ähnlich sahen. Ihr Pessimismus war Balsam auf meine vom Optimismus geplagte Seele!

altautonomer 24. Juni 2010 um 18:17  

Anonym 15.24: Wie kommt denn diese gequirlte Moppelkotze auf die Kommentarleiste? Diesen Mist kann man auch im Gemeindecafe bei Jürgen Fliege lesen. Da wimmelt es von abgehobenen Ego-Eso-Spinnern. Schon dieser Zwang zum positiven Denken, wie auch in dem oben genannten Beitrag ist eine Zumutung. Kenne viele, die sind HIV bzw. HCV positiv.

Im übrigen hat Adorno in "Kritik, Kleine Schriften zu Gesellschaft" von 1969 zur Kraft der Negation gesagt:(Zit.) "Dem entgegenzusetzen wäre...., dass das Falsche einmal bestimmt erkannt und präzisiert, bereits Index des Besseren, Richtigen ist."

Die Katze aus dem Sack 24. Juni 2010 um 18:57  

@ Anonym 24. Juni 2010 15:24

... "Verschwendet nicht eure ganze Energie an Sorgen und Ängste, sondern seht einfach nur das, was ihr sehen wollt. Kocht EUER eigenes Süppchen. Eines, das euch schmeckt."

Das mag ja zutreffen oder auch nicht. Was aber, wenn Aktivitäten an anderer Stelle, die Aufmerksamkeit vom Kochen ablenken und in der zwischenzeit, unbeteiligte Dritte, das mühsam und liebevoll gekochte Süppchen versalzen. Wie? Recht gut funktioniert dies mit Gesetzen!

Ich sehe nicht was ich will, sondern nur das, was sich mir aufbietet, wenn ich es beachte und nicht aus dem Wege gehe. Daher fällt auch das Vergessen schwer, da sich das Elend täglich selbst daran erinnert, das es noch da ist und wächst. Übungssache eben!

Wie gehst Du diesen "Süppchenkochern" aus dem Wege? Bilden die sich nicht systembedingt?

Iris 24. Juni 2010 um 19:22  

Dazu könnte man Eliphas Lévi im zweiten Teil seines Buches "Transzendentale Magie, Kapitel XVI" zitieren:

"Die Höllenanhänger haben also den Himmel in Verruf gebracht. Sagt einem vernünftigen Menschen, dass das Gleichgewicht das Gesetz der Bewegung und des Lebens ist, und dass das moralische Gleichgewicht, die Freiheit, auf einer ewigen und unwandelbaren Unterscheidung zwischen wahr und falsch, gut und böse, beruht, sagt ihm, dass er mit freiem Willen sich durch seine Werke im Reich der Guten und der Wahrheit einen Platz erobern oder wie der Felsen des Sysiphos ewig in den Abgrund der Lüge und des Bösen zurückfallen muss: er wird dieses Dogma verstehen. Nennt ihr ihm die Wahrheit und das Gute Himmel, die Lüge und das Schlechte Hölle, er wird an euren Himmel und an eure Hölle glauben. Darüber aber bleibt ihm das göttliche Ideal ruhig, vollkommen und unzugänglich für Zorn wie Beleidigung, weil er versteht, dass, wenn die Hölle wie die Freiheit ein ewiges Prinzip ist, sie als Sühnung nur eine vorübergehende Qual für die Seelen sein wird, und dass die Idee der Sühne notwendigerweise jene der Wiederherstellung und der Zerstörung des Übels voraussetzt."

Folgen wir also nicht dem Höllenanhänger, jenem also, dessen Äußerungen auf der Lüge und dem Schlechten gründen, dessen Gesetzgebung auf der Willkür basiert und der die herrschenden Missstände schönredet, die er selbst mit herbeigeführt und damit anderen die Hölle auf Erden bereitet und ganze Volkswirtschaften in den Ruin getrieben hat.

Lasst uns nicht dem Schönwetterpropheten glauben, der dem Hungernden (wonach auch immer) sagt: Sei optimistisch, denke positiv, dann hast Du morgen schon einen reich gedeckten Tisch. Nein, es war und ist immer schon ein Kampf gewesen: gegen die Willkür, die Ausbeutung, die Habsucht, betrieben von einigen wenigen Profiteuren, deren Gier scheinbar keine Grenzen kennt. Dieses den Menschen zu vermitteln, damit sie aufstehen gegen dieses Übel und nicht nachlassen in ihrem Kampf, ist oberstes Gebot. Alles andere ist nur dazu angetan, den Menschen Sand in die Augen zu streuen und sie in falscher Sicherheit zu wiegen.

Gruß
Iris

altautonomer 24. Juni 2010 um 19:47  

Anonym 15.24: "Es ist ein universales Gesetz: Was man bekämpft, verstärkt man." Also Leute, Klimawandel, Herrschaftsstrukturen, Faschismus, Rassismus, Sexismus, AKWs, nicht mehr bekämpfen. Lasst doch all diese Übel sich ausbeiten, solange Ihr als Individuel in Eurer kleinen überschaubaren Schubladen- und Schmuckkästchenwelt Euer spießige kleines Glück zelebriert.

Diese Eso-Fuzzis machen mich richtig wütend. Denn gegen derartige "Heilslehren" braucht man in der Regel mehrere Seiten, um den Quatsch ad absurdum zu führen.

Anonym 24. Juni 2010 um 20:32  

"Ich sehe nicht was ich will, sondern nur das, was sich mir aufbietet..." Die Katze aus dem Sack

Ja, das schon Manifeste kann jeder sehen. Aber man muss sich nicht von diesen angeblichen Sachzwängen bestimmen lassen. Die Ereignisse und auch die materiellen Dinge sind nur momentane Manifestationen. Aber weil sie wieder und wieder gedacht werden, scheinen sie von Dauer zu sein. In Wirklichkeit werden sie von Augenblick zu Augenblick nach dem alten Muster generiert.

Man muss nichts verdrängen oder negieren. Aber wenn man "gesehen" hat und es nicht gefällt ist die effektive Methode, die Energie von dem Unerwünschten abzuziehen und auf das Gewünschte zu lenken.

Eigentlich einfach, aber es erfordert natürlich schon große geistige Disziplin, nur das zu Denken, was man will und nicht in gelernten und ererbten Bahnen zu verharren...

"Wie kommt denn diese gequirlte Moppelkotze auf die Kommentarleiste?" altautonomer

Ich kann gut verstehen, dass Dir Deine Suppe nicht schmeckt...
(Und - selbst Adorno muss man verstehen)

Daniel Limberger 24. Juni 2010 um 23:11  

@anonym24. Juni 2010 20:32:
Ja also wirklich - gerade Adorno hat doch gesagt: "Es gibt keine richtiges Leben im Falschen"

Und Du möchtest aber genau das propagieren, ich fasse sinngemäß Deine Vorstellung so zusammen: lebe Dein Leben, denke nur an die schönen Sachen, kümmere DIch nicht um die Übel, die Dir und Deinesgleichen wiederfahren.

Das ist doch idiotisch! Außerdem: genau das machen die Massen doch. Sie freuen sich am Fußball, die Ölpest geht ihnen am A**** vorbei. Sie freuen sich über billige Produkte, interessieren sich aber nicht für die Swaetshops in Bangadesch oder die Arbeitslosen um die Ecke. Sie fröhnen dem Fußball-Natioanlismus, wollen aber angeblich nichts von den Nazis wissen. Sie küren Kriegsminister zu Guttenberg zum beliebtesten Politiker Deutschlands (sic!), sind aber angeblich total gegen den Krieg in Afghanistan. Genau diese Esoteriksch***** praktizieren die ja.

Gute Nacht!

Daniel

zorniger altautonomer 25. Juni 2010 um 07:52  

Anonym 20:32: "Man muss nichts verdrängen oder negieren. Aber wenn man "gesehen" hat und es nicht gefällt ist die effektive Methode, die Energie von dem Unerwünschten abzuziehen und auf das Gewünschte zu lenken."

Hätte jemand wie Du dieses "universale Gesetz" rechtzeitig den
für den Gastod bestimmten Opfer von Auschwitz verkündet und ihnen gesagt: "Aber wenn man "gesehen" hat und es nicht gefällt ist die effektive Methode, die Energie von dem Unerwünschten (Gaskammertod)abzuziehen und auf das Gewünschte (Freiheit) zu lenken.", sie wären in wahre Jubel- und Begeisterungsstürme ausgebrochen. Soviel Zynismus ist dem Esoteriker anscheinend angeboren. Kann man dem nicht mal das Maul stopfen?

Derartige Aussagen sind bestens geeignet, dass gute, originelle, kritische, marxistisch materielle, intellektuelle, aufklärerische und wissenschaftsorientierte Niveau dieses Forums auf den Grund zu ziehen. Die Inhalte bekommen hier und heute einen merkwürdigen faschistischen Drive.

persiana 25. Juni 2010 um 08:15  

Zum Schlagwort "Verändere zunächst einmal dich selbst" und seiner Bedeutung: Typisch, wie in Orwell'scher Manier die Bedeutung der Sprache in ihr Gegenteil verkehrt wird. Natürlich beginnt die Veränderung der Welt bei einem selbst, und damit, dass man auch bereit ist, etwas für die allgemeine Veränderung zu tun - das ist eigentlich eine Binsenweisheit.

Allerdings dürfen sich genau diejenigen, die sie auch im positiven Sinne anwenden, also die hinterfragen, sich informieren, nachdenken und versuchen ihre Zeitgenossen zu selbigen Tätigkeiten anzuregen, sich solche Belehrungen am aller öftesten anhören - und dann heißt es auch noch, man jammere herum... Da das Hinterfragen häufig dort anfängt, wo sich die augenscheinlichsten Widersprüche zeigen, also beispielsweise an sogenannten "sozialen Brennpunkten", steht ein Heer von Sozialpädagogen bereit, um die von dem Wahnsinn der "herrschenden" Umstände als erstes Betroffenen wieder durch ihre blödsinnigen Ermahnungen zur Räson und zur gewünschten Denkweise zu führen. Für die schwierigeren Einzelfälle gibt es Psychologen - es ist alles derselbe Tenor...Und für die "Massen" gibt es das Fernsehen, das mit seiner narkotisierenden Informationsvermüllung anscheinend jegliche Form des gesunden Menschenverstandes lahmlegt.

Immerhin scheint jedoch offenbar zu werden, dass die Probleme mit "...Ärmel hochkrempeln und notfalls Klo putzen gehen..." einfach nicht mehr zu lösen sind. Es gibt nicht genug Arbeitsplätze - ich glaube, das wird doch jetzt so langsam selbst bei den Denkfaulsten schon angekommen sein. Deswegen soll jetzt wohl der "Glaube" helfen.

Eigentlich wäre es ja wirklich zum Totlachen - wenn nicht die Allgemeinheit immer wieder auf derlei Meinungsmache reinfallen würden. Ewig wird es aber so auch nicht weitergehen können, wenn immer mehr Leute aus der Mittelschicht abstürzen, sich verwundert die Augen reiben, und feststellen werden, dass wohl doch nicht alles so einfach ist, wie in den Medien dargestellt.

Das ist wohl der Grund dafür, dass die Überwachung stetig zunimmt und von Seiten von Polizei und vor allen Dingen vom Militär zunehmend für den Fall von inneren Unruhen aufgerüstet und geprobt wird...

persiana 25. Juni 2010 um 08:30  

ach, und was ich noch vergessen habe:

Lieber Roberto, dass Sie sich täglich durch die Käseblättchen quälen und ihre Leser fast genauso oft mit Ihren scharfsinnigen Artikeln erfreuen, ist doch ganz bestimmt "eine Art Therapie" für Sie, nicht wahr :0/

Gruß von einer Hobby-Psychologin...

Anonym 25. Juni 2010 um 10:30  

@ Daniel Limberger

"Es gibt keine richtiges Leben im Falschen" Adorno

Es gibt weder ein richtiges Leben" noch ein "falsches Leben". Das Leben IST und wie es gestaltet wird ist eine individuelle Wahl unter zahllosen Wahrscheinlichkeiten, die alle gleichwertig sind...

Und nein, ich propagiere nicht die Fortsetzung unerwünschter Zustände. Ganz im Gegenteil. Aber die Mittel der Veränderung müssen in einem anderen, umfassenderen geistigen Bereich erfolgen. Darüber habe ich geschrieben...

@ zorniger altautonomer

"Hätte jemand wie Du dieses "universale Gesetz" rechtzeitig den für den Gastod bestimmten Opfer von Auschwitz verkündet..."

Das ist das Totschlagarument par excellence und da man nicht darüber sprechen darf, erspare ich mir die Antwort, die es zweifelsohne gibt.

Übrigens: Deine Betroffenheit vernebelt die klare Sicht...

@ persiana

Mir geht es nicht um Positivierung oder Rationalisierung - ein Verschönern hässlicher Zustände, sondern um die geeigneten und effektiven Mittel, diese Zustände zu ändern. Und die heutigen Mittel versagen alle, weil sie die Grundsätze der universellen Gesetze nicht berücksichtigen, wie z.B. "Kampf verstärkt das Bekämpfte" oder "Gleiches zieht Gleiches an". Unweigerlich.

Aber so lange man natürlich glaubt, dass man in "die Welt geworfen ist", dass es eine objektive Welt, unabhängig von der individuellen Wahrnehmung gibt, so lange ist man ein Sklave seiner Konditionierung.

"Ich lehre euch Rebellion. Kommt heraus aus der Masse. Steht allein wie ein Löwe und lebt euer Leben entsprechend eurem eigenen Licht." Osho

Roberto J. De Lapuente 25. Juni 2010 um 10:41  

"Hätte jemand wie Du dieses "universale Gesetz" rechtzeitig den
für den Gastod bestimmten Opfer von Auschwitz verkündet und ihnen gesagt: "Aber wenn man "gesehen" hat und es nicht gefällt ist die effektive Methode, die Energie von dem Unerwünschten (Gaskammertod)abzuziehen und auf das Gewünschte (Freiheit) zu lenken.", sie wären in wahre Jubel- und Begeisterungsstürme ausgebrochen. Soviel Zynismus ist dem Esoteriker anscheinend angeboren."

Es ist indes gar nicht verwunderlich, dass Esoterik und Nationalsozialismus immer verbandelt waren - Himmler ist da nur ein extremes Beispiel... und wie man sich auf Hörbigers (Großvater der Schauspielerin Christiane) Eistheorie stürzte, die arg esoterisch eingebadet war, ist ebenso mehr als eine Randnotiz.

Anonym 25. Juni 2010 um 10:52  

@ Robert J. De Lapuente

"Es ist indes gar nicht verwunderlich, dass Esoterik und Nationalsozialismus immer verbandelt waren..."

Es ist indes gar nicht verwunderlich, dass sich nichts verändert, weil immer wieder die alten Kamellen hevorgezogen werden. Die ultimative Referenz für eure Meinung scheint immer noch die Nazizeit zu sein. Und die war vor 70 Jahren! Kommt mal in die Gegenwart, schon deshalb, weil es außer Gegenwart nichts gibt...

Anonym 25. Juni 2010 um 10:56  

"Ich fürchte, den idiotisierten und mediengläubig-aufgeputschten Schwarz-Rot-Gold-Massen wird spätestens nach dem Ausscheiden Deutschlands("Jogis") im Viertelfinale der WM "

Können Sie sich nicht ein wenig mehr auf die Menschen einlassen?

Wer nur herblassend auf Menschenmassen blickt, die Nöte des Einzelnen ignoriert, das Verdrängungsverhalten und die panikartigen Ängste und das krampfhafte Festhalten an Illusionen mit reiner Dummheitsbekundung gegenüber Betroffenen fehlinterpretiert, ist kaum besser als jene, die in einer besser gestelten Rolle in der Gesellschaft auf das Fußvolk herabblickt und meint besser zu wissen was für jeden gut ist.

Ich bin überzeugt davon, ums mit Orwell zu sagen, manche sind Gleicher als andere. Die Schweine von Morgen sind die Rebellen von heute.


Ekelhaft mit welcher Arroganz ein paar selbsternannte Durchblicker über viele Millionen Bürger hinweggehen.

Roberto J. De Lapuente 25. Juni 2010 um 11:00  

@ anonym:

Man könnte es auch so sagen: "Eine Generation, die die Geschichte ignoriert, hat keine Vergangenheit - und keine Zukunft."

Anonym 25. Juni 2010 um 11:03  

Roberto J. De Lapuente/altautonomer hat gesagt...

"Hätte jemand wie Du dieses "universale Gesetz" rechtzeitig den
für den Gastod bestimmten Opfer von Auschwitz...."

Wie sollten auch nicht vergessen, dass in NS-Deutschland neben der obligatorischen Referenz gegenüber den Staatskirchen(Konkordat, etc..) auch jede Menge mystischer Kulte, welche dem "guten alten edlen Germantum", aber auch altrömischen und altpersischen Kulten abgestaubt waren, bei vielen Gelegenheiten öffentlich praktiziert wurden.
Was übrigens deratig lächerlich war, dass sich selbst Adolf Hitler intern in diversen "Tischgesprächen" gelegentlich darüber lustig gemacht hat, einschließlich über diesen mystischen SS-Oberzeremonienmeisters Himmler.
Allerdings haben die Nazis diesen ganzen Quark keinesfalls erfunden, sondern diese "Lehren", zusammen mit vielen anderen, darunter der "Rassenkunde", ganz einfach dem damaligen bürgerlichen Wisenschaftsberieb entnommen und zu einer ART neuer NS-"Staatreligion" erhoben.
Ansonsten möchte ich an dieser Stelle Daniel unbedingt zustimmen mit seiner Aussage, dass dieser ganze esotärische Unfung der Wirklichkeitsverleugnung, auch der WirklichkeitsVERKLÄRUNG von einem Großteil der Medien und auch vielen Menschen tagtäglich praktiziert wird.
Man(n)/Frau möchte nicht dauernd mit unangenehmen Dingen konfrontiert werden, besser viel "keep smiling"..., "Mister nice man"....
Diesen Massen praktizierender Esoteriker begegnen wir auf Schritt und Tritt, so bald wir auch nur vor die Haustür treten, zuweilen sich auch nur eine Wohnungstür gegenüber öffnet.

Unesotärische Grüße von
Bakunin

Anonym 25. Juni 2010 um 11:40  

Anonym hat gesagt...

"Ich fürchte, den idiotisierten und mediengläubig-aufgeputschten Schwarz-Rot-Gold-Massen wird spätestens nach dem Ausscheiden Deutschlands("Jogis") im Viertelfinale der WM "

"Können Sie sich nicht ein wenig mehr auf die Menschen einlassen?"

Hi Anonym, das tue ich fast tagtäglich, da ich mitten unter ganz "normalen" Leuten lebe mit allen was dazu gehört.
Diesen Leuten - Nachbarn, Kollegen, Familienmitgliedern - versuche ich auch immer wieder ganz und gar umgangsprachlich zu vermitteln, dass sie sich lieber selbst und vor allem aus erster Hand informieren sollten.
Ich versuche ihnen z.B in puncto Fußball nahe zu bringen, dass für ein Vorankommen einer WM-Manschaft keines falls allein die aktuelle Leistung einer Mannschaft zählt, sondern auch deren Gruppengegener, also starke oder auch nur schwache Mannschaften, usw.
Und hatte da die deutsche WM-Elf nicht so oft so viel Glück allein schon bei der Gruppenauswahl?
Allerdings mache ich dann aber auch gelegentlich(Nicht immer!) die Erfahrung, dass derartige Hintergründe und Zusammenhänge auf wenig Interesse stoßen, allein das "event" zählt, nur zählt, dass "Poldi", Schweini" und Co. Tore schiessen, egal, gegen was für eine schwache Mannschaft...., während sich gleichzeitig viel bessere und stärkere Mannschaften in anderen Gruppen gegenseitig hinaus kick(t)en....
Bei meiner Kritik an der Art und Weise der Fußball-Berichterstattung durch einen Großteil der Medien, besonders aber des TV(!)verweise ich diese Zeitgenossen und Nachbarn auch gern auf die Einschätzungen von Günter Netzer, welche sich in der Regel wohltuend vom üblichen Hurra-Geschrei der Sport-"Journalisten" - besser: STimmungsmacher, abhebt.
Und diese persönlichen Erfahrungen, welche man da nur so beim Fußball macht, setzen sich eben fort bei vielen anderen Dingen, man/frau möchten einfach medial in "Stimmung" gebracht, aufgeheizt werden, einfach nur dazugehören, dazugehören zu einer Gesellschaft, welche schon seit gut 3 Jahrzehnten Millionen von Menschen, Mitbürgern in die sozialen bzw. gesellschaftlichen Katakomben verweist.
Alles gut und richtig mit dem "Zugehen auf die Menschen", nur, was ist, wenn sie gar nicht "Zugegangen" werden wollen, man/frau es- siehe obige Beiträge - mit praktizierenden Esoterikern zu tun hat, Esoterikern, welche einfach nur roh und wild GLAUBEN und ABFEIERN wollen?
Soll man ihnen etwa "Honig ums Maul schmieren"?
Beim Fußball mag das alles ja noch harmlos sein, muss man sich nicht unbedingt ärgern, aber bei der "Konjunktur", dem "Boom", den verlogenen Arbeitslosenzahlen, Hartz 4 etc.., da wird es eben bitter-ernst.
Zahllose Beispiele für dieses medial-stimmungsmäßig aufgeputschte Verhalten so vieler Menschen aus der deutschen und internationalen Geschichte allein seit August 1914 samt dem so oft darauf folgenden Katzenjammer erspare ich mir an dieser Stelle...

MfG
Bakunin

persiana 25. Juni 2010 um 12:17  

@anonym 10.56

Es nervt aber schon wirklich, wie die meisten Menschen sich für blöd verkaufen lassen. Ich persönlich habe zum Beispiel nichts gegen Fußball, oder dagegen dass man mal vor dem Fernseher abhängt. Aber da, wo Fernsehen, Fussball oder ähnlicher sinnloser Zeitvertreib wie ein Droge benutzt wird, nämlich um sich auf Dauer von Sorgen und Nöten abzulenken, wird solch ein Verhalten zu einer Gefahr für die Allgemeinheit.

Wenn ich die sehe, die vom Taumel an einem Sieg, zu dem sie selbst gar nichts beigetragen, ergriffen werden, dann weiß ich, wem wir die Zustände in diesem Land zu verdanken haben - genau jenen nämlich, die sich wider eigentlich besseren Wissens von Medien und anderen "Autoritäten" verdummen lassen und dann ihren Frust in dem lächerlichen Siegestaumel über den Sieg ihnen völlig fremder Menschen sozusagen ertränken.

Politikern und anderen Interessengruppen nehme ich kaum noch was übel - in der Gesamtheit der Bevölkerung gesehen haben wir eigentlich genau das, was wir verdienen....

Anonym 25. Juni 2010 um 12:28  

"Es ist ein universales Gesetz: Was man bekämpft, verstärkt man."

Oh ... dann hätten die Russen ja während der russischen Revolution den Zaren gestärkt, anstatt ihn durch seine Bekämpfung gestürzt. Ebenso hätten die Deutschen 1918 Kaiser Wilhelm durch ihre Revolte gestärkt anstatt ihn zum Abdanken gezwungen. Auch die Häftlinge im KZ Sobibor hätten durch ihren Kampf gegen die SS diese gestärkt, anstatt die SS 1943 zur Aufgabe des Lagers gezwungen.

Simon Funkelgar 25. Juni 2010 um 12:32  

mit esoterikern diskutiert man nicht. man lacht sie aus. denn was man bekämpft, verstärkt man. und was man auslacht, schwächt man.

Anonym 25. Juni 2010 um 12:53  

Anonym persiana hat gesagt...

"Politikern und anderen Interessengruppen nehme ich kaum noch was übel - in der Gesamtheit der Bevölkerung gesehen haben wir eigentlich genau das, was wir verdienen...."

So ähnlich sehe ich das auch schon lange.
Es ist im Grunde nur lächerlich, ständig auf die "schlechten und korrupten" Politiker zu schimpfen und allen denen, die sie immer und immer wieder WÄHLEN, einen Persilschein auszustellen.
Nach dem Motto, sie sind ja "nur verführt", "nur manipuliert"....
Auf diese Art wuschen sich NACH 1945 Millionen von kleinen Mitläufern, Mitmachern ihre Hände in Unschuld, wobei sie von den NEUEN neuen Obrigkeiten in West und Ost auch noch kräftig bestärkt wurden.
Denn es ging ja wieder um Mitmachen, Mitlaufen, Bergeisterung, Aufbruch.....
Ja, ich möchte fast sagen: JEDES SYSTEM ERZIEHT SICH AUCH SEIN VOLK 1! (zumindest en masse....)

Zum System hoffentlich nicht-erziehende Grüße von
Bakunin

Anonym 25. Juni 2010 um 13:40  

@ Anonym 12.28

"Oh ... dann hätten die Russen ja während der russischen Revolution den Zaren gestärkt"

Sooo dermaßen naiv muss man nicht unbedingt an dieses universelle Gesetz herangehen...

Sämtliche Revolutionen haben das bekämpfte System übernommen und verstärkt. Gewöhnlich zum noch Schlechteren. Nichts hat sich geändert, weil es in den Köpfen und Herzen der Menschen nicht verändert wurde.

Kennst Du Godwin's Law? (Wer immer in einer Diskussion die Nazis bringt, hat schon "verloren"...)

Anonym 25. Juni 2010 um 13:47  

@11.40
Deshalb mag ich Blogs, wie diesen. Abgesehen vom absolut begnadeten Autor des selbigen, tut es auch gut zu sehen, dass man nicht alleine ist, dass es noch andere gibt, die in ihrem eigenen kleinen Kosmos immer wieder gegen „Windmühlen“ anreden.
Und Katzenjammer wird es geben, da bin ich mir ziemlich sicher.

@12.17
„in der Gesamtheit der Bevölkerung gesehen haben wir eigentlich genau das, was wir verdienen....“

Nein, ich finde, das haben wir nicht verdient. Wirklich nicht. ;-)

philgeland 25. Juni 2010 um 13:59  

Roberto, was die Lebensfreude angeht, die wird nicht wegrationalisiert, sondern schlichtweg umdefiniert.

Instrumentalisiert.

Anonym 25. Juni 2010 um 14:24  

Gestern, oder Vorgestern haben irgendwelche Knalköppe , igendeines "Forschungsinstituts" , den Endsieg gegen die Arbeitslosigkeit in 15 Jahren vorausgesagt. Und Brüderle und andere Tagträumer faseln irgendetwas von einem "Jobwunder", das grade abläuft.Diese peinlich-irealen neoliberalen Schrottköpfe müsste man allesamt zum Arbeiten in einen Steinbruch schicken.

Inglorius Basterd 25. Juni 2010 um 15:03  

Simon Funkelgar: Na endlich mal noch einer, der ausgeschlafen ist. Wer von Adorno nichts wissen will und mir stattdessen mit Osho kommt, sollte schnellsten wieder auf seinen Planeten zurückflien.

An Anonym 25.06.2010, 10.30 Uhr: "Aber die Mittel der Veränderung müssen in einem anderen, umfassenderen geistigen Bereich erfolgen. Darüber habe ich geschrieben..." Und meine bisher erfolgreiche Devise war: Bomben basteln, Mollis baun, den Bullen auf die Fresse haun."

Ich kenne die "Argumentation" Deinesgleichen zur genüge. Das sind die Leute, die einem Bert Hellinger zujubeln, der in der sog. Familienaufstellung junge Frauen psych. zwingt, sich mit ihrem Vater, der sie jahrelang sexuell vergewaltigt hat, zu versöhnen. Da wird die Täter/Opfer-Dichotomie auf den Kopf gestelt.Das meint Anonym mit „Es gibt gar keine schlechten Zustände, keine Missstände - es gibt nur schlechte Sichtweisen“ –.

AUFHÖREN!!!!!!!!Mir wird schlecht.

landbewohner 25. Juni 2010 um 16:55  

esoterik bewegt die geister, wenn ich mir die vielzahl der kommentare hier ansehe. auch wenn ich persönlichdiese phänomen eher in die mumpitzkiste packen würde, für unsere "eliten" ists die rettung frei nach dem motto "der glaube versetzt berge". mir fällt dazu die gefühlte teuerung (beim euro), gefühlte ungleichheit(bei den diversen sozialen raubzügen)und sonstige gefühle von den dummen bürgern ein, die von der politik als abstruse wahrnehmungen identifiziert und durch die wissenschaftler als solche bewiesen wurden und werden damit sie die diversen gefühlten aufschwünge in diesem land, die das dumme volk leider nicht wahrnehmen will. ergo esoterik ist für beide gut, wenn es der politik nur gelingt den richtigen "glauben" in die hirne zu treiben. dann kann die realität getrost aussen vor gelassen werden.

Anonym 25. Juni 2010 um 17:30  

"Sämtliche Revolutionen haben das bekämpfte System übernommen und verstärkt. Gewöhnlich zum noch Schlechteren."

Zunächst hatten die Revolutionen Gründe, nämlich schlechte Lebensbedingungen der Bevölkerung. Das machte die Überwindung der bisherigen Systeme zwingend notwendig.

Die französische Revoltution hat nichts zum Schlechteren verändert, ebensowenig die bürgerliche Revolte von 1848. Auch die russische Revolution scheiterte erst Jahrzehnte später, durch Fehlentwicklungen. Es bildete sich eine neue Elite, die die Bevölkerung erneut unterdrückte.

"Nichts hat sich geändert, weil es in den Köpfen und Herzen der Menschen nicht verändert wurde."

Das Scheitern der russischen Revolution lag der Herausbildung neuer Eliten -nicht an der Bevölkerung. Eliten, die sich erneut der Kontrolle der Bevölkerung zunehmend entzogen und für die die Bevölkerung nur Mittel zum Zweck war.

Es fehlte also erneut an Volksmacht.

Nazis kann man durchaus ins Spiel bringen, denn Faschismus bedeutet, dass reaktionäre chauvinistische Kader das Geschäft der Banken mit terroristischen Mitteln gegen die Zivilbevölkerung durchdrücken wollen, ohne überhaupt eine substantielle Änderung zum Positiven der Bevölkerung zu wollen.

Anonym 25. Juni 2010 um 17:50  

"Und meine bisher erfolgreiche Devise war: Bomben basteln, Mollis baun, den Bullen auf die Fresse haun." Inglorious Bastard

Ach - wie vorgestrigst...
Und wo bleibt der Erfolg?
Und was für ein Wust an Vorurteilen!

Anonym 25. Juni 2010 um 19:40  

Was dem Volk nicht alles untergejubelt wird:
Krise weg, Aufschwung da!
Ein Sommermärchen?

Nein, ein schlechter Witz. An den Finanzmärkten sieht ma das ganz anders. Den "Miesepetern" wird heute - und auch in Zukunft - genommen. Miesepeter sind all jene, die den Buckel krummmmachen, damit einige Wenige ernten können. Aufrechten Gang und kritisches Denken kann man lernen. Daran fehlt es leider in unserem obrigkeitshörigen Land.
Die Propaganda der Machthaber: lachhaft.

Wer sich wirklich mit dem gegenwärtigen Herrschaftssystem beschäftigen will, der sollte sich die Ansichten des Futurologen Gerald Celente oder des Wirtschaftswissenschaftlers Ravi Batra zu Gemüte führen.

Anonym 25. Juni 2010 um 19:53  

"Das Scheitern der russischen Revolution lag der Herausbildung neuer Eliten -nicht an der Bevölkerung. Eliten, die sich erneut der Kontrolle der Bevölkerung zunehmend entzogen und für die die Bevölkerung nur Mittel zum Zweck war. Anonym 17.30

Ja, und so sind alle Revolutionen. Nach einer gewissen Zeit gibt es wieder eine "Elite" welche die Macht an sich reißt, sei es nun militärisch oder wirtschaftlich. Genau das Gleiche passiert jetzt auch sichtbar in der sogenannten Demokratie.

Das kann nur geschehen, weil das Individuum nicht souverän ist, sondern in Kategorien wie "Wir" oder "Volksempfinden" denkt, bzw. lieber nicht denkt sondern denken lässt. Da muss man sich nicht wundern, wenn man die eigene Macht abgibt und sogar noch glaubt, was diese "Vertreter" erzählen. Mit sogenannten Mehrheiten wurde schon immer Schindluder getrieben.

Ich sehe nur einen Weg aus dieser Bedingtheit: Sich selbst zu entfalten - einen riesigen evolutionären Schritt zu unternehmen und durch Wissen und Wertschätzung souverän zu werden. Wenn das genügend Menschen tun würden, sähe die Gesellschaft ganz anders aus. Es wäre eine Gesellschaft, in der jeder einzelne Mensch in seinem Wert anerkannt wäre, nicht zuletzt auch deshalb, weil er sich endlich selber anerkennt und schätzt...

Glaubt an Euch selbst, verdammt noch mal!

Anonym 25. Juni 2010 um 22:40  

"Das kann nur geschehen, weil das Individuum nicht souverän ist, sondern in Kategorien wie "Wir" oder "Volksempfinden" denkt, bzw. lieber nicht denkt sondern denken lässt."

Und genau deshalb muß das Volk sehr wachsam sein. Es muß sich emanzipieren, aktiv an der Demokratie teilnehmen und aktiv für seine Interessen streiten. Nur so läßt sich eine Gesellschaft demokratisieren und weiterentwickeln.

Die Katze aus dem Sack 26. Juni 2010 um 01:28  

@ Anonym 25. Juni 2010 19:53

Nach jeder Revolution verfällt die Struktur erneut in ursprüngliche Muster. Klar, weil wieder eine Gesellschaft etabliert wird, in denen es Verteiler und Verteilte gibt. Und wo verteilt wird, da bildet sich auch eine Verwaltungs-Warteschlange: Die Ersten sind ganz vorne mit dabei, die Letzten (das Letzte) befinden sich ganz hinten, zurückgeschoben und verdrängt - schon garnicht mehr zu erkennen. Hierarchien!

Dann kommt hinzu, dass alle gesellschaftlichen Neustarts mit dem selben Schemata vollzogen wurde: Ein auf Leistungs-Anreizen basierendes ökonomisches Wirtschafts- und Wertemodell mit monetärem Zahlungsmittel. Voila: Ein System, an dem unbeteiligte Dritte nun partizipieren können, ohne unmittelbar involviert zu sein, schraubt sich immer tiefer in das gesellschaftliche Leben der Menschen.

Und immerwährend auf dem Weg zum Niedergang, haben die Eliten ihr Tun und Handeln verteidigt und schöngefärbt, gerechtfertigt (sie haben Recht fertigen lassen).

Allerdings leben wir nicht mehr im Mittelalter. Heutzutage gibt es zuviele Gefahrenpotenziale, welche schnell in falsche Hände geraten können. Unkontrollierter Umgang mit diesen Potenzialen, hat im schlimmsten Fall die vollständige Vernichtung allen Lebens auf diesem Planeten zur Folge (Viren und Bakterien, letztere neuerdings mit künstlichen Eiweißkomplexen, sind dazu durchaus in der Lage).

Es ist daher belanglos, ob ich mich selbst Wert schätze, an mich glaube oder durch Wissen an Souveränität gewinne. Solange Menschen die Kontrolle und Gewalt über andere Menschen besitzen, solange werden wir mit Krieg, Terror und Elend vorlieb nehmen müssen. Irgendwann, wird irgendwo, irgendwer das Spiel wieder auf die Spitze treiben, so wie es bisher auch immer passiert ist.

Bis dahin sollten wir also das Beste aus uns machen, auch wenn es schwer fällt, weil die Übung fehlt?

Anonym 26. Juni 2010 um 02:55  

Anonym(1) hat gesagt...

"Das Scheitern der russischen Revolution lag an der Herausbildung neuer Eliten -nicht an.."... Bakunin: UND nicht am Verrat der deutschen und anderen Sozialdemokraten und Sozialisten Europas an deren eigenen Programmen in der revolutionäten Situation von 1918/19....

Und ein anderer "Jebildeter"(Anonym 2) pflichtet begeistert bei:

"Ja, und so sind alle Revolutionen. Nach einer gewissen Zeit gibt es wieder eine "Elite" welche die Macht an sich reißt,..."

D A S sind unsere typischen Deutschen "Jebildeten"..... mit all ihrem medialen, "gymnasialen" oder "universitären" (WEST)DEUTSCHEN SCHUL(UN)WISSEN!

Das selbst ein Lenin schon FRÜHZEITIG vor den Folgen eines AUSBLEIBENS weiterer Revolutionen in den anderen industriell fortgeschritteneren europäischen Ländern für das Schicksal der russischen Oktoberrevolution WARNTE ist bei vielen "Jebildeten" heutzutage natürlich völlig unbekannt.
Ebenso, dass die Losung vom "Aufbau des Sozialismus in einem Land" ZUNÄCHST N U R eine reine "Verlegenheitslösung" war. Welche heutiger "Kritiker" (Wisssen sie überhaupt, WAS sie wirklich kritisieren?) des "Stalinismus" interessieren sich überhaupt noch für diese historischen FAKTEN?
Man bejubelt beinahe das "Scheitern des Kommunismus", den "Mauerfall", um so, als "Duchblicker" und "Gebildeter" um so reineren "Gewissens" den heutigen Eliten und Herrschenden und ihren Polit-Marionetten keinen ernsthaften Widerstand mehr entgegensetzen zu müssen, ihnen dafür praktisch aber um so mehr zu Diensten zu sein, ihnen letztlich, bei entsprechender Anstellung gegen gutes Geld(!), "Mandaten" etc.., sogar die Arschbacken abzuschmatzen...., alles natürlich wegen "Scheitern des Kommunismus", "Mauerfall", "Bautzen" und "Gulag"...., "Stalin"...
Nichts WISSEN, nicht verstehen, oder oft auch: nichts wissen, nichts verstehen WOLLEN..., aber dafür um so "überzeugter" medienkonform, "mainstreamhaft" MEINEN...., Meinen, wovor es schon dem alten Griechen namens PLATO so grauste....
Müssen wir uns wundern, das bei so einer deutschen "geistigen ELITE" die "Heloten" unserer Gesellschaft niemals den Höhlen ihrer geistigen Finsternis entkommen können?
Müssen wir uns wundern, warum sich in diesem Land absolut nichts bewegt, so lange typische Deutsche "Jebildete" in ALLEN Parteien, Verbänden, Gewerkschaften, selbst in den Sozialverbänden permanent das "große Wort" führen, alle anderen aber, welche sie zu vetreten VORGEBEN, einfach MUNDTOT machen?
Das typische Deutsche "Bildungsbürgertum" und ALLE, die sich gern dazu zählen möchten, liegt hier nicht ein Schlüssel zum Verständnis des "Sonderwegs" der ach so kultivierten "Deutschen" seit der Reichsgründung von 1871?

Auf alle Fälle mal bis auf weiteres ganz und gar unjebildete Grüße á tous von
Bakunin

Anonym 26. Juni 2010 um 08:39  

Und genau deshalb muß das Volk sehr wachsam sein. Anonym 22.40

Nein, nicht "das Volk". DU SELBER musst wachsam sein...

Dieses Verschieben auf ein Kollektiv ist die Wurzel des Übels sozusagen, der Tiefschlaf...

Anonym 26. Juni 2010 um 09:20  

"Nein, nicht "das Volk". DU SELBER musst wachsam sein..."

Die gesamte Bevölkerung muß wachsam sein. Jeder einzelne also.

@Bakunin:

da übersiehst du aber die Analyse Mao Tsetungs über das Scheitern der russischen Revolution. Insweit hat das nichts mit westdeutschem Gymnasium zu tun, sondern ehr damit, dass auch im Sozialismus zunächst Klassenwidersprüche überwunden werden müssen und die Bevölkerung insoweit wachsam sein muß.

Und somit hat meine Anmerkung auch nichts mit westdeutscher Indoktrination zu tun, sonder mit Mao Tsetung.

Der Sozialimus in Russland überlebte übrigens auch die Invasion der faschistischen Deutschen Wehrmacht. Erst als nach dem Krieg der Revisionismus Einzug hielt, verfaulte der Sozialismus von innen. Und das erkannte Mao.

Anonym 26. Juni 2010 um 09:37  

@Bakunin

oder es noch mal kurz zu machen:

Bedauerlicher Weise kam es in Deutschland zum Verrat der Sozialdemokraten; aber der Sozialismus hätte sich in der SU trotzdem halten können, wenn man die Klassenwidersprüche nur konsequent bekämpft hätte.

Und schließlich hat auch Lenin immer wieder den Kampf der Bevölkerung gegen die Bürokratie gefordert.

Daher ist der Sozialismus mit dem Fall der Mauer auch nicht gescheitert und man kann ein neues Experiment durchaus wagen.

Anonym 26. Juni 2010 um 10:21  

Anonym hat gesagt...

"Nein, nicht "das Volk". DU SELBER musst wachsam sein..."

Die gesamte Bevölkerung muß wachsam sein. Jeder einzelne also.

@Bakunin:

da übersiehst du aber die Analyse Mao Tsetungs über das Scheitern der russischen Revolution. Insweit hat das nichts mit westdeutschem Gymnasium zu tun,

Hi Anonym,

meine Kritik richtete sich ganz generell gegen alle, die vielen, welche sich überhaupt keine Mühe machen, nach den Ursachen des jämmerlichen Scheiterns des Realen Sozialismus von 1989/90 zu suchen.

An der Analyse Mao,s könnte schon was dran sein, auf alle Fälle führten eben innere Widersprüche, welche in allen diesen Staaten oft verleugnet wurden(aber warum???), auch fehlende echte mitbestimmende Demokratie der arbeitenden Bevölkerung mit zum Scheitern, aber auch der Kalte Krieg des "Westens" auf allen Ebenen, einschließlich des aufgezwungen Wettrüstens", versuchten Totrüstens, ebenso Technologie-Embargos u.v.m.
Da gäbe es sowohl für echte Historiker und wirkliche Linke, Marxisten, Kommunisten noch viel aufzuarbeiten.
Aber leider biedern sich noch immer zu viele von diesen Leuten entweder direkt oder nur indirekt diesem System an.
Man schaue sich nur ganz aktuell den Zustand und das Treiben der heutigen Linkspartei an!
So langsam lehrt sie einem das Grausen...
Ich persönlich konstatiere daher ein weitgehendes Versagen so vieler Linker, Sozialisten, Arbeitnehmervertreter, ob in den Parteien oder Gewerkschaften.
Und vom herrschenden heutigen Bildungssystem(bis weit in die 70er Jahre hinein war es in Gyymnasien und Realschulen in Geschichte, GK oft noch ein wenig anders!), seinen Inhalten, und vor allem den Main Stream Medien ist hier auf keine "Hilfe" zu hoffen.
Doch EINES können wir heute schon mit Bestimmtheit sagen: Der Aufbau des Sozialismus in nur EINEM Land oder nur einer kleine Gruppen von Ländern dürfte sich seit 1989/90 wohl erledigt haben.
Was die Wachsamkeit, ob nun des Volkes oder er Einzelnen angeht, meine volle Zustimmung!
Würde ich sonst als "Bakunin" mein Unwesen treiben? :-)
(Schaue dir mal seinen persönlichen Streit mit Marx bezüglich von "Arbeitervertretern an, MEW, Bd.18)

MfG Bakunin

Anonym 26. Juni 2010 um 10:47  

Der zweilen gehässige Ton in dieser ausufernden Diskusssion erstaunt in Kritischer Theorie Erfahrene nicht. Das Schisma in der Analyse um den Zusammenhang von Nationalsizialismus und Esoterik kann beschrieben werden als

a) Der Nationalsozialismus war essentiell ein esoterisches Regime.
(VS)
b) Der Nationalsozialismus war essentiell ein *Amalgam* aus Esoterik und zutiefst bürgerlicher Zeckrationalität.

Bei Studierenden äussert sich dieses Schisma symptomatisch in der Bevorzugung (a) des späten Horkheimer versus (b) Marcuses mit "Triebstruktur und Gesellschaft" und kann sich erfahrungsgemäss über die Jahre zu erbitterten Feindschaften auswachsen. Ich persönlich benutze manchmal die Terminologie (a) "Deutsche kritische Theorie" versus (b) "Kritische Theorie", um meine Präferenzen auszudrücken.

Zur Analyse des Nationalsozialismus: Mit Esoterik *alleine* können im allerschlimmsten Falle Massaker wie in Ruanda bewirkt werden, aber niemals ein zweiter Weltkrieg: Die bürgerliche Zweckrationalität ist Bedingung der Möglichkeit der Organisatin eines KZ oder eines Hi-Tech-U-Boot-Krieges. Umgekehrt kann mit bürgerlicher Zweckrationalität *alleine* niemals ein Holocaust organisiert werden, dafür ist das Amalgamieren mit antisemitischer Welterklärungs-Esoterik Bedingung der Möglichkeit.

Mir scheint, auch Robertos Artikel "Esoterisch aus der Krise" zielte auf ein solches Amalgam aus bürgerlich-wissenschaftlicher BWL-Rationalität und Eso-Bücherregal-Lebensweisheiten.

Anonym 26. Juni 2010 um 11:57  

@Bakunin

"Nichts WISSEN, nicht verstehen, oder oft auch: nichts wissen, nichts verstehen WOLLEN..., aber dafür um so "überzeugter" medienkonform, "mainstreamhaft" MEINEN...., Meinen, wovor es schon dem alten Griechen namens PLATO so grauste...."

Diesen Worten kann man doch entnehmen, dass du die Bevölkerung bzw Teile davon ablehnst, anstatt sie zu mögen.

Und das Mögen der Bevölkerung ist eine Grundvoraussetzung, um das Klassenbewußtsein zu erwecken.

Deine Worte sind nichts weiter als eine massenfeindliche ätzende Schelte. Echte Marxisten versuchen sich stattdessen in Gegenpropaganda.

Lese bitte mal Lenin Werke Bd. 15, S. 462 und Bd. 31, S. 84 zum Thema Propaganda in einer nicht-revolutionären Situation.

Anonym 26. Juni 2010 um 13:04  

Grandios geschrieben und vorallem sehr schön die groteske, religiös ausartende Denkweise der heutigen Wirtschaftsideologie herausgearbeitet bzw. verdeutlicht.

Ich empfehle die sehr erhellende oder auch erleuchtende Dokumentation zum Thema Religion des Geldes: "Der Schein Trügt"
Und zwar im wörtlichen Sinne.

Noch ein Zitat:
„Vertrauen ist die Währung, in der gezahlt wird!“
Na wer hats gesagt?
Unsere Frau Merkel wars natürlich. :]

Anonym 26. Juni 2010 um 13:43  

"MfG
Bakunin

25. Juni 2010 11:40"

Sie haben teils wirklich einen guten Blick für viele Dinge, sind sensibilisiert und nehmen sich die Muße all diese Dinge zu ergründen.

Was ich aber sehe, ist, daß Sie sich weigern letzte (gdankliche)Schritte zu tun.

Wenn der Mensch sich einer Sache hingibt, sich ihr unterwirft, sie dadurch nicht mehr hinterfragt und in diese Sache oder (alternativ) auf dieses Objekt Eigenschaften oder Fähigkeiten projiziert, dann haben wir es hier mit dem Götzendienst bzw. Religion zu tun.

Das heißt, ein Mensch, der sich einer Nation unterwirft, impliziert in diese Nation und identifiziert mit dieser Nation bestimmte Eigenschaften und Werte. Diese Werte haben mit der Realität nichts zu tun und werden stets durch Wunschdenken geprägt und sind auf einer psychologischen Ebene aus Kulturbewußtsein und Wunschvorstellungen über die eigene Auserwähltheit genährt. Es sind also Projektionen in ein Ding oder eine Idee.

Es spielt keine Rolle ob man sich einem Gegenstand einer Nation oder einer Person dem Geld untwerwirft.

Diese Unterwerfung ist Ursache für die Unstimmigkeiten, die Ihnen auffallen. Diese unkritische Haltung ist Folge einer Zuschreibung von Göttlichkeit in das Objekt, das Rettung mit sich bringt oder sonst wie ein individual-psychologisches Problem löst.

Das zieht sich durch alle Ebenen. Wer also seinen Blick auf Bilder lenkt, die er in seinem Sinn konstruiert hat, sich von diesen beherrschen läßt, ist es kein Wunder das er nicht mehr kritisch denken muss und kann.

(2. Mose 20:4-5) . . . Du sollst dir kein geschnitztes Bild machen noch eine Gestalt wie irgend etwas, was oben in den Himmeln oder was unten auf der Erde oder was in den Wassern unter der Erde ist. 5 Du sollst dich nicht vor ihnen niederbeugen noch dich verleiten lassen, ihnen zu dienen, denn ich, Jehova, dein Gott, bin ein Gott, der ausschließliche Ergebenheit fordert, . . .


Vergleiche einmal Erich Fromms Haben oder Sein und versuche die Zusammenhänge zu begreifen zwischen dem Verhalten von Menschen und ihrer inneren Einstellung. Fromm selbst nennt in diesem Buch die innerseelische Hingabe an ein Bild als innere, geheime Religion. DAS ist das was den Menschen prägt und viele erst unbegreifliche Effekte im Verhalten auslöst.



Um es wirklich begreiflich zu machen, wäre wohl ein Buch zu schreiben ... :-/

Schönes Wochenende

Daniel Limberger 26. Juni 2010 um 14:16  

@Bakunin & Die Katze aus dem Sack & alle anderen:

Da hier so viel vom Scheitern des Sozialismus die Rede war, möchte ich auf die überzeugendste und klügste Erklärung dafür hinweisen, die für mich der GegenStandpunkt geleistet hat (die Vorträge sind zwar schon zwanzig Jahre alt, aber meines Erachtens steckt da alles Wissenwerte drin):

-”70 Jahre Oktoberrevolution: Der Weg der KPdSU – Von der Verwirklichung einer Kritik an Staat und Kapital zum Bekenntnis, keine Revolution mehr zu wollen“ (München 1987-11, Dr. Konrad Hecker) DIREKT: http://doku.argudiss.de/?Kategorie=all#154 / alternativ als CD, als *.iso herunterzuladen: http://doku.argudiss.de/data/isos/v2006_vol2.iso
- “Sozialismus in der DDR” (Berlin 1989/1990, Dr. Peter Decker & Heinz Scholler) > nur hier: zu finden auf der CD, die sich hier als *.iso herunterladen lässt: http://doku.argudiss.de/data/isos/sskp1.iso
Um Marx zu verstehen und nebenbei noch mitzubekommen, warum die alten Kommunisten bzw. “Realsozialisten” viel falsch und weniger richtig gemacht haben empfiehlt sich auch der dreiteilige Veranstaltungsmarathon “DDR-Ökonomie” (1989-11), der ausnahmsweise woanders zu finden ist: http://www.archive.org/details/MG_Peter_Decker_Die_DDR_Oekonomie_Teil_1_5 und http://www.archive.org/details/MG_Peter_Decker_Die_DDR_Oekonomie_Teil_6_10 und http://www.archive.org/details/MG_Peter_Decker_Die_DDR_Oekonomie_Teil_11_14

Der Revisionismus begann schon mit der NEP, setzte sich mit Stalin und im Ostblock fort...
Die DDR war zwar nicht “am Ende” 1989 – auch ihr Wirtschaftswachstum lag während des gesamten Bestehens der DDR regelmäßig und im Durchschnitt über dem der BRD.
Aber zurück zur DDR wollen wir doch eigentlich nicht – deren Umsetzung der marxistischen Kritik hatte einige schwerwiegende Mängel, die bereits auf Lenin, aber v. a. auf Stalin zurückgingen:
Konkret war es in erster Linie die Idiotie, Planwirtschaft und Geldwertrechnung gleichzeitig zu betreiben. Geld hat bei gesellschaftlicher Wirtschaftsplanung eigentlich nichts verloren! Das läuft dem Plan zuwider, weil es eine (im Kapitalismus übliche) Rentabilitätsrechnung in den Betrieben aufmachte, die dann zu “billiger Produktion” für möglichst “hohen Preis” führte. Auch die Stückzahlen gingen immer fehl.
Die Planwirtschaft des Realsozialismus funktionierte nie wirklich zufriedenstellend, auch wenn ich sie als durchaus der westlichen kapitalistischen Wirtschaft in Versorgungsfragen teilweise überlegen sehe. Dieses schlechte Funktionieren der Planwirtschaft lag nicht daran, dass sie eine geplante war, sondern dass sie weiterhin die Geldrechnung beibehielt, was sich überhaupt nicht gut verträgt. Geld bedeutet nämlich den Ausschluss jeglicher Planbarkeit. Zur Planung braucht es einen Plan, wie wovon wie viel wann und womit hergestellt werden soll – das will organisiert sein, ebenso wie die Verteilung entsprechend den Bedürfnissen. Geld braucht es dafür keines – dieses sabotiert geradezu die Planbarkeit, da Preise zu einem Eigeninteresse der Produzenten führen, immer die besonders lohnenden Dinge herzustellen. Und wenn der Staat dann Preise festsetzen muss, kommt immer heraus, dass die Preise die Produktion wieder in eine andere Richtung lenken als der Plan. Darauf folgt dann wieder eine Neujustierung der Preise, um im Plan die gewünschten Güter zu produzieren usw. usf. D. h. die Produktion verfehlt dauernd den Plan, weil daneben Anreize durch die Preise bestehen. Das haben die Realsozialisten nie begriffen. Also, die Planwirtschaft scheiterte nicht an einer angeblichen Unmöglichkeit von Planung, sondern weil gleichzeitig die damit konfligierende Geldwirtschaft beibehalten wurde.

Daniel Limberger 26. Juni 2010 um 14:17  

[Fortsetzung]
Richtig ist, dass Lenin den Kriegskommunismus abbrechen und NEP einführen musste, da die Bauenr die Arbeiter in den Städten sonst hätten verhungern lassen. Aber diesen taktischen Rückzug zu Markt- und Geldwirtschaft kennzeichnete Lenin nicht als solchen. Nie wieder wurde die Abschaffung des Geldes danach in Angriff genommen…
Na, wenigstens blieb das Privateigentum an Produktionsmitteln abgeschafft. Aber Lohnarbeit als solche wurde beispielsweise nicht abgeschafft. Tja, was die Kommunisten eigentlich machten, war, die *Ideale* der bürgerlichen Gesellschaft zu verwirklichen: VolksDEMOKRATIE, gerechte LÖHNE, Ideale von Solidarität und Opferbereitschaft für den Staat. Das stammte alles aus der bürgerlichen Revolution von 1789 bzw. aus dem idealistischen Überbau des Kapitalismus.
Das Ziel der “gerechten Löhnen” ist zu kritisieren. Das setzten die Kommunisten ja um: “gerechte Löhne”. Ich aber plädiere für die Abschaffung von Lohnarbeit.
Produktion zur Bedürfnisbefriedigung ist heute absolut möglich, damals war es zugegebenermaßen sehr viel schwieriger. Aber heute - also bitte, liebe Leute! Die Bedürfnisse müssen festgestellt werden, dann muss die Produktion zweckmäßig eingerichtet werden und die Produkte verteilt werden.
Der reale Sozialismus war, was er war. Und er ist nicht mehr da. Und dass die Selbstversorgung erst mal wichtiger war im jungen Sowjetrussland, ist ein richtiger Einwand. Aber nach 70 Jahren immer noch eine Tauschwirtschaft betrieben zu haben, statt reiner Planwirtschaft, das ist doch wohl als Versäumnis anzusehen, oder nicht? Abschaffung des Geldes meint ja nicht bloß, dass es kein Geld mehr gibt, sondern dass der Tausch als ökonomische Prinzip ausgeschaltet wird: produziert wird nach den gesellschaftlichen Bedürfnissen. Punkt. Da braucht es nur eine anschließende Verteilung, die zu organisieren ist. Aber es braucht keinen Tausch, der nämlich ein Erpressungsverhältnis darstellt. Keine Löhne und keine Preise und kein Geld!

Daniel Limberger 26. Juni 2010 um 14:17  

[Fortsetzung]
Die bekannte realsozialistische Planwirtschaft scheiterte nicht daran, dass geplant wurde, sondern daran, dass eben nicht einfach geplant wurde, wie viel die Leute wovon brauchen, was dazu zur Produktion in welcher Menge nötig war – sondern es wurde einerseits geplant, aber andererseits mit Geld gerechnet, wie bei den stinknormalsten westlichen Handelsunternehmen – so KONNTE das ja nichts Gescheites werden (leidlich funktioniert hat es ja trotzdem!). Die Realsozis im Osten betrieben eben Kapitalakkumulation – und das absurderweise NEBEN dem Plan her. Beispiele sind dann zuhauf zu finden – z.B. wenn eine Kühlschrankfabrik im Plan fürs nächste Jahr festgelegt wurde darauf, die gleiche Produktion mit 10 % geringeren Kosten fertigzubringen – da die Leitung ja keine Arbeiter entlassen konnte (einer der Vorzüge des Realsozialismus), blieb dann das Sparen am Material: statt rostfreier Stahl wurde dann eben rostender eingesetzt – die Kühlschränke waren bald schrottreif. Aber eben nicht weil geplant wurde, sondern weil mit Geld und Rentabilität gerechnet wurde! Unter Stalin ging der Irrsinn dann soweit, dass solche Produktionsleiter, die solch irrsinnige Vorgaben strikt befolgten, dann für Sabotage (schrottige Kühlschränke!) an die Wand gestellt wurden. Und dann haben sie, statt vernünftig zu planen, dauernd an den Preisschrauben herumgedreht, dass die Preisanreize die Betriebe dazu anstacheln sollten, das zu produzieren, was der Plan vorsah – dauernd machten dann die Betriebe das, was sie auch im Westen tun: das, was durch das staatliche Preissystem am rentabelsten zu produzieren geht, also möglichst billig herzustellen und möglichst teuer zu verkaufen. Das ging natürlich immer schief, ging immer am Plan vorbei – also wurde wieder an den Preisen herumgeschraubt – nach unten und nach oben. NIE kam das gewünschte Ergebnis heraus! Tja, in Jahrzehnten ist den Ost-Sozialisten dabei nie aufgefallen, wie falsch es war, nach Bedürfnissen planen zu wollen, und dann überall nur die kapitalistische Rechnungsweise einzuhalten. Es war ein großer Irrtum des Realsozialismus!
Das mit dem Kühlschrank ist nur ein Beispiel. Aber wer glaubt, dass Einsparungen nicht das einzige Mittel gewesen wären, um die Einsparungsvorgaben zu erfüllen, der irrt. Ja, im Kapitalismus kann Maschinerie eingesetzt und damit Arbeitslohn eingespart werden (Entlassungen) – Leute entlassen konnten und wollten die Realsozialisten aber nicht tun. Also “lohnte” sich Maschinerie gar nicht wie bei uns – übrig blieb das Sparen am Material! Produktivitätssteigerungen waren da nicht so einfach zu haben. Weil: es herrschte der falsche Zweck, nämlich (wie im Kapitalismus) eine *rentable Produktion*. Meine Vorstellung des richtigen Zwecks wäre aber, NICHT rentabel zu produzieren, sondern nach Maßgabe des Bedürfnisses und der Erträglichkeit der Arbeit. Rentabel zu sein ist ein menschenfeindlicher Produktionszweck!
Außerdem: ich weiß durchaus, dass die historischen Bedingungen dazu geführt haben, dass das heraus kam, was eben herausgekommen ist. Ich sehe sogar die Geschichte 1917-1991 als ziemlich zwangsläufige Entwicklung an. Die Umstände ließen nicht viel anderes zu. ABER: ich denke, da wurden nicht einfach “nur” praktische Fehler begangen, sondern es bestanden schon *theoretische” Fehlurteile von Anbeginn an.

Daniel Limberger 26. Juni 2010 um 14:19  

[Fortsetzung]
Die Kritik dreht sich darum, dass Rentabilität ein kapitalistischer Maßstab ist, der im Kommunismus keinen Sinn macht. Rentabilität misst sich nun einmal in Geld! Ein Vorschuss G = W = G’ (Geldkapital wird zur Produktion eingesetzt, um am Ende mehr Geld zu erhalten). Und wer Kommunismus will soll diesen Schwachsinn weiterführen? Also weiter ausbeuten, um dann das Ergebnis aber “gerecht” zu verteilen? Nein und nochmals nein – im Kommunismus sollte die Arbeit nicht “rentabel” organisiert werden, was nicht heißt, dass Verschwendung herrschen soll. Aber das Organisationsprinzip soll nicht sein “so billig wie möglich produzieren und so teuer wie möglich verscherbeln”, sondern: die Arbeit soll organisiert werden nach dem Prinzip der *ZWECKMÄSSIGKEIT*. Zweckmäßig bedeutet: die Produktion orientiert sich am *GEBRAUCHSWERT* des Produkts, nicht an einem abstrakten Tauschwert.
Das impliziert jetzt aber, dass es KEINE Tauschwirtschaft mehr geben soll, sprich: Geld weg!
Da liegt nämlich ein massives Missverständnis vor, dass schon die Sozialdemokraten im 19. Jahrhundert bei Marx missverstanden, aber auch die Kommunisten in der SU und im späteren RGW: die ARBEITSWERTLEHRE!
Die Definition des kapitalistischen Reichtums (den die Kommunisten in ihrer Wirtschaft beibehielten) ist doch schon das Problem:
Die alten Kommunisten, die hatten das nicht richtig begriffen! Die hatten Marx missverstanden. Die Arbeitswertlehre, wonach der Wert der Ware durch die durchschnittlich dafür notwendige gesellschaftliche Arbeit bestimmt ist, fassten die alten Kommunisten fälschlicherweise so auf, als ob das schwer in Ordnung wäre: und so schafften sie die Lohnarbeit nicht ab, sondern wollten eben, dass der auf quasi-*kapitalistische* Weise produzierte Reichtum dann aber vermittels „gerechter Löhne“ den Arbeitern auf faire Weise zukommen sollte – dabei hatte Marx schon diesen Entstehungsprozess des kapitalistischen Reichtums kritisiert, nicht eine bloße Verteilungsungerechtigkeit. Aber dummerweise setzten die Kommunisten auf nichts anderes als eben diese leidige revisionistische, reformistische, ja letztlich bürgerliche Verteilungsgerechtigkeit.
Dabei hatte Marx eben gerade kritisieren wollen, dass Gebrauchsgüter als abstrakte Tauschobjekte Wertcharakter bekommen – eben als Waren! Marx wollte Reichtum nicht als diesen abstrakten Wert haben – sondern als GEBRAUCHSWERT.
Wenn man nämlich den kapitalistischen Arbeitswert weitergelten lässt, bemisst sich der Reichtum an der Quantität der geleisteten gesellschaftlichen Arbeit – was für ein Irrsinn: nur MEHR Arbeit kann dann MEHR Reichtum schaffen! Wenn man dagegen Reichtum als Reichtum an Gebrauchsgütern definieren würde, wäre durch die Produktivitätsfortschritte IMMER WENIGER Arbeit notwendig, um den gleichen Reichtum zu produzieren bzw. es würde eben immer mehr Reichtum mit immer weniger Arbeit hergestellt. Der Reichtumsgewinn bestünde in mehr “disposible time” für alle – frei verfügbarer Zeit zur Muße, zu sozialen Kontakten, zu Bildung usw.
Im Kapitalismus ist das NICHT MÖGLICH. Die einzige „disposible time“ gibt es hier für die wenigen Reichen – die brauchen nicht arbeiten. Und andererseits haben die Arbeitslosen diese freie Zeit, da sie ja nicht mehr rentabel angewendet werden können, sie nicht mehr gebraucht werden: aber diese Leute haben dafür keine Lebensmittel, sind aufs Existenzminimum gedrückt.
Vernünftige Arbeitsteilung, bei der sich die Arbeitszeit für DEUTLICH reduzieren ließe (vieles fällt auch weg: Polizei, Justiz, Banken, Versicherungen, Werbung, Anwälte, Armee usw.) ist nur in einer vernünftigen Gesellschaft zu haben: Planung der Wirtschaft nach den Bedürfnissen der Gesellschaft – ohne Geld und ohne Privateigentum an Produktionsmitteln. Im Kapitalismus ist das nicht möglich.

Daniel Limberger 26. Juni 2010 um 14:20  

[Fortsetzung]
Noch etwas zum automatischen Burnout des Kapitalismus: Natürlich gibt es so etwas wie den tendenziellen Fall der Profitrate tatsächlich, so wie Norbert Nelte darüber schreibt und wie es ja auch schon Róa Luksemburg dargestellt hatte – Veritas und Du sehen das genauso.
Das Problem liegt meines Erachtens darin, dass selbst die SCHLIMMSTE Krise, der GRÖSSTE Crash nicht von sich aus das Potential haben, den Kapitalismus ein für allemal zu erledigen. Denn nach jedem Crash beginnt der ganze Irrsinn einfach wieder von vorn, und dann auch stets wieder mit berauschendem Wachstum, so wie z. B. nach dem 2. WK bei uns. D. h. auch die jetzige Krise, die durchaus das Zeug dazu hat, einen totalen Crash zu landen und die Währung zu zerstören, wird zu nichts anderem führen, als den ganzen Schwachsinn auf Null zu setzen (nachdem die Verarmung und Verelendung weit genug gegangen sind) und mit der Geschäftemacherei wieder von vorn anzufangen, dann aber wieder mit richtig schönen Renditen. Bis dann nach einiger Zeit die fallenden Profite wieder zu Krisen führen usw. usf.
Deshalb braucht der Kapitalismus mit zunehmendem Fortschreiten auch immer wieder mehr Verelendung – wird die Gesellschaft zu reich, funktioniert der Kapitalismus nicht mehr, lassen sich die Menschen nicht mehr so leicht ausbeuten, also kommt, was hier kommen muss: DIE KRISE. Wenn dann die Verelendung wieder ein für die Wirtschaft annehmbares Maß erreicht hat, geht es wieder weiter. Und dann geht auch exponentielles Wachstum ad infinitum – eben wenn die Wirtschaft zwischendurch immer wieder TOTAL abstürzt. Das ist doch der Witz am Kapitalismus, dass er ein vollkommen krisenlastiges System ist, das Krisen, Krieg, Armut und Elend BRAUCHT, um zu funktionieren. Die schlimmste Krise noch ist FUTTER für das MONSTER! Daher wird dieser Krampf von selbst NIE abtreten – das „können wir nur selber tun“, wie es schon in der Internationale heißt.
Der einzige Weg besteht doch darin, für Aufklärung über diesen Wahnsinn zu sorgen, damit dann nach einer Krise nicht wieder kapitalistisch von vorne begonnen wird, sondern wirklich mal etwas Neues gemacht wird (durchgesetzt durch unbefristeten Streik, um die Geschäfte zum Erliegen zu bringen): z. B. die gesellschaftliche Planung der Produktion nach den Bedürfnissen aller, in fairer Arbeitsteilung, ohne Geld und ohne Privateigentum – und letztlich auch mit immer weniger bis gar keinem Staat mehr.
Es geht also nur über die Köpfe, über das Bewusstsein, um endlich aus dem Hamsterrad auszubrechen.

Liebe Grüßle

Daniel

Daniel Limberger 26. Juni 2010 um 14:20  

[Fortsetzung]
Also, mehr Reichtum sollte mehr freie Zeit heißen – Muße, Persönlichkeitsentwicklung, Liebe, Freundschaft, Haushalt, Kinder, Kino, Bücher, Musik usw. >>> DAS IST WAHRER REICHTUM (natürlich insofern die materiellen Grund- und auch manche Luxusbedürfnisse für alle bereits gedeckt sind).
Das ist das Reich der Freiheit – und nicht ein Nachbau der kapitalistischen Wirtschaft. Das heißt nicht, dass wir auf den Bäumen leben, sondern: dass wir nicht mehr Sklaven der ARBEIT sind. Das nämlich hatte Stalin doch aus den Proletariern gemacht: 100-prozentige Arbeiter zur Erfüllung der staatlichen Zwecke. Die Bedürfnisse der Einzelnen waren dem großen Aufbau untergeordnet.
Ich dagegen möchte, dass sich die Arbeit dem eigenen Bedürfnis unterordnet: Arbeit so viel und im Maße der notwendigen Reproduktion und der darüber hinausgehenden Extrawünsche. Und dann ist aber auch mal gut – wenn genug da ist, kann man’s auch mal mit der Arbeit eine Weile sein lassen. Das wäre doch viel menschenfreundlicher als Maloche bis der Arzt kommt, d. h. auf Verschleiß.
Selbst unter Stalin sah man doch, wie das mit der Planwirtschaft ist: erst als im Krieg die in den Osten verlegte Kriegs- und Panzerproduktion *OHNE RÜCKSICHT AUF DIE RENTABILITÄT* vonstatten ging, da wurden innerhalb von Monaten doppelt so große Panzerstückzahlen pro Monat produziert wie im Deutschen Reich. Eben weil man nicht mehr mit Geld rechnete, sondern einfach nach Zweckmäßigkeit produzierte: wie viel braucht es wovon und wo, um was wofür herzustellen? Das muss festgestellt werden, dann wird das produziert und verteilt. Fertig! Wozu das Geld und die Rentabilitätsrechnung, die nur im Kapitalismus Sinn machen – nicht aber in einer vernünftig arbeitsteilig eingerichteten Planwirtschaft.
Übrigens, macht man sich vielleicht mal klar, um wie viel WENIGER Arbeit nötig wäre, um reichlichen Wohlstand FÜR ALLE zu schaffen, wenn Banken, Polizei, Versicherungen, Justiz, Anwälte, Soldaten, Werbefuzzis usw. nicht mehr gebraucht würden (die es nur braucht in einer Gesellschaft der Absicherung des Privateigentums = Kapitalismus)? In so einem Kommunismus gäbe es materiellen Wohlstand UND en masse “disposible time” für alle Menschen. Stell Dir doch einmal vor, wie gut wir es haben könnten? Sagen wir eine 3- oder 4-Tagewoche mit je 7 Stunden würden ausreichen – oder 3-Stunde-Tage mit 5-Tagewoche. Man denke nur an die technologischen Möglichkeiten heutiger vollautomatischer Fabrikation.

Anonym 26. Juni 2010 um 15:08  

Mir scheint, dass der Begriff Esoterik in dieser Diskussion ...zweifelhaft gebraucht wird. Deshalb schreibe ich meine (sehr) kurze Definition von Esoterik:

Esoterik ist gewissermaßen das Innere, der Geist, das, "was die Welt im Innersten zusammenhält" und Exoterik ist das Äußere - alle Manifestationen.

Innen und Außen ist eigentlich nicht getrennt. Ich schreibe das nur zur besseren Anschauung. Alles ist Innen. Die Welt - alle Manifestationen - entspringen diesem "Inneren", dem Bewusstsein und werden als scheinbar solide Dinge (für) wahr-genommen.

Die Sprache ist oft sehr explizit. Diese (für) wahrnehmen offenbart schon das ganze Programm. Das, was ich glaube, nehme ich (für) wahr. Deshalb ist es von so großer Bedeutung zu wissen, was man glaubt, wovon man wirklich überzeugt ist. Und wenn diese Überzeugungen im Inneren nicht geändert werden, kann man tausende von Revolutionen machen. Man rennt immer nur gegen die eigenen Überzeugungen an und nichts ändert sich wesentlich. Die materielle Welt ist eben nur der Spiegel...

Ich wundere mich immer wieder, dass intelligente Menschen diesen esoterischen Bereich - das Bewusstsein - lächerlich machen oder negieren. Ich kann mir nichts Beschränkenderes vorstellen, als sich von der Quelle aller Erkenntnis abzuschotten!

Die Katze aus dem Sack 26. Juni 2010 um 17:23  

@ Daniel Limberger ab 26. Juni 2010 14:16

Ja, genau so erscheint es mir auch. Wobei ich noch anmerken mag, dass dieses gesamte Dilemma sich schon zieht, seit die erste Münze geprägt wurde, und davor auch schon durch andere Mittel des direkten und indirekten Tauschs. Aber diese Münze hat sich im Laufe der Jahrhunderte weiterentwickelt. Sie wurde förmlich angetrieben, von gebildeten gesellschaftlichen Elementen, die wohl erkannten, dass sie im Verdeckten von der Arbeitsleistung anderer profitierten, wenn es ihnen nur gelinge, deren Schicksal durch eine Gesetzesform (fremd) zu bestimmen. (Virtuelle) Geldwirtschaft eben!


@ Anonym 26. Juni 2010 15:08

Aber: Die strunzdumme humanoide Kreatur vergisst nur allzu oft, dass sie eine sehr lange Aufzuchtszeit voller Zuwendung erfahren hat, um überhaupt mitdenken, miterleben und mitmeinen zu können. Ohne die liebevolle Zuwendung anderer, die uns während der Aufzucht mit Essen und Trinken, Wärme und Obhut, Medizin und Kleidung sowie Wissen versorgt haben, sind Mitglieder der Gemeinschaft. Sich um die Gemeinschaft anschliessend nicht zu kümmern, sondern möglichst um sich selbst, kommt mir etwas paradox vor - das ist aber auch nicht esoterisch. Oder?

Insgesamt sehe ich es so: Wenn sich ein System durch äussere Einflüsse nicht mehr signifikant verändern lässt, funktioniert es sicher aus dem Inneren dieses Systems heraus viel viel besser. Das Ganze lässt sich auch esoterischer betrachten: Wenn Du andere nicht verändern kannst, verändere dich selbst.

Im Film Matrix, liess das Drehbuch jemanden folgendes sagen: "... versuche nicht den 'Löffel' zu verbiegen. Das geht nähmlich nicht. Versuche dir stattdessen lieber vorzustellen, das es den 'Löffel' gar nicht gibt."

molosovsky 26. Juni 2010 um 17:57  

Mein erster Kommentar in ihrem äußerst lesenswertem Blog. Leider ein Korrekturhinweis: der Link zum Kommetar von Hernn Elitz führt ebenfalls zum Sommermärchen. Hier die richtige URL:
http://www.bild.de/BILD/news/standards/kommentar/2010/06/22/kommentar-von-ernst-elitz.html

Roberto J. De Lapuente 26. Juni 2010 um 18:12  

@ molosovsky

Recht vielen Dank!

Anonym 26. Juni 2010 um 18:57  

@ Die Katze aus dem Sack

Ohne die liebevolle Zuwendung anderer, die uns während der Aufzucht mit Essen und Trinken, Wärme und Obhut, Medizin und Kleidung sowie Wissen versorgt haben, sind Mitglieder der Gemeinschaft.

Warum immer schwarz-weiß malen? Beides geht: Die eigene Entfaltung und die Zuwendung zu Anderen. Aber zuerst kommt die eigene Entfaltung. Es ist so ähnlich wie in einem Flugzeug bei Luftdruckabfall. Man muss sich unbedingt zuerst selber die Sauertoffmaske anlegen, bevor man Anderen helfen kann...

Oder so...

Morpheus: Die Matrix ist allgegenwärtig. Sie umgibt uns. Selbst hier ist sie, in diesem Zimmer. Du siehst sie, wenn du aus dem Fenster guckst oder den Fernseher anmachst. Du kannst sie spüren, wenn du zur Arbeit gehst, oder in die Kirche, und wenn du deine Steuern zahlst. Es ist eine Scheinwelt, die man dir vorgaukelt, um dich von der Wahrheit abzulenken.“

Neo: „Welche Wahrheit?“

Morpheus: „Dass du ein Sklave bist, Neo. Du wurdest wie alle in die Sklaverei geboren und lebst in einem Gefängnis, das du weder anfassen noch riechen kannst. Ein Gefängnis für deinen Verstand. Dummerweise ist es schwer, jemandem zu erklären, was die Matrix ist. Jeder muss sie selbst erleben.“

Morpheus nimmt aus einer Schachtel eine rote und eine blaue Kapsel und bietet sie Neo zur Auswahl an.

„Dies ist deine letzte Chance. Danach gibt es kein Zurück. Schluckst du die blaue Kapsel, ist alles aus. Du wachst in deiner Welt auf und glaubst, was du glauben willst. Schluckst du die rote Kapsel, bleibst du im Wunderland, und ich führe dich in die tiefsten Tiefen des Kaninchenbaus.“

Neo zögert einen Moment und greift dann nach der roten Kapsel.


Bleibt nur noch, die rote Kapsel zu schlucken!

Anonym 26. Juni 2010 um 21:06  

Zum Thema Scheitern des Sozialismus und Maos Meinung:

"Polemik über die Generallinie der internationalen Kommunistischen Bewegung, Seite 503/504"

Mao sah die SU ab den späten 50er Jahren als Diktatur einer revisionistischen Clique an

und hierzu auch Lenin, Werke, Bd. 27 S. 263 ("Die nächsten Aufgaben der Sovjetmacht")

* Man muß aktiv gegen die Verwandlung der Mitglieder der Sowjets in Parlamentarier oder in Bürokraten kämpfen, indem man die Mitglieder zur praktischen Verwaltung heranzieht.

Und damit die Bevölkerung ein Klassenbewußtsein entwickelt, müssen die Individuen ihre vom bürgerlichen Mainstream beherrschte Denke überwinden und sich für ihre Belange emanzipieren.

Richtig ist aber auch, dass die äußeren imperialistischen Einflüsse einen destabilisierenden Einfluß auf die SU hatten. Andererseits war die SU aber stark genug, um die Industrialisierung zur forcieren und den Hitler-Faschismus nahezu im Alleingang zu besiegen.

Die Linkspartei und die DGB Gewerkschaften sind klar reformistisch.

Mit deiner Einschätzung, dass eine sozialistische oder kommunistische Revolution in nur einem Land kaum erfolgversprechend ist, gebe ich dir recht. Das legen die internationalen Produktionsstrukturen und die internationale Koordination der Imperialisten nahe.

Ansonsten werde ich mir mal alle Literaturhinweise durchlesen.

Die Katze aus dem Sack 27. Juni 2010 um 10:15  

@ Anonym 26. Juni 2010 18:57

Ja, ich verstehe. Eine Pille ist blau, die andere rot - klingt beinahe ebenso wie eine Wahl-Entscheidung, zwischen schwarz und weiss ohne nennenswerte Berücksichtigung der vielen Grautöne.

Nur: Die rote Pille wurde mir bereits angeboten und ich versuche nun, diese wieder herauszuwürgen. Das Ding scheint recht unverträglich, zumindest aber unverdaulich zu sein.

Anonym 27. Juni 2010 um 11:01  

Hallo Daniel und einige andere Kommentatoren, eure Beiträge und auch die interessanten Literaturhinweise habe ich mit großen Gewinn zur Kenntnis genommen, ebenso die vorgetragene Kritik an einigen meiner Beiträge.
Bei nächster Gelegenheit werde ich mich mal wieder in einige "Klassiker" vertiefen(müssen).
Ich habe mich jedenfalls sehr gefreut, hier auf Leute zu stoßen, die sich noch wirklich ernsthaft um Verständnis und um Auswege aus diesem schrecklichen System bemühen.
Seit 1989/90 ist das ja nicht mehr so selbstverständlich, es gab seit der "Wende" so viel Verrat und Verleugnung, weshalb ich auf einen Teil der ehemaligen "Linken" dieser Sorte gefühlsmäßig sehr allergisch reagiere und mich zuweilen zu einen scharfen Ton gegenüber diesen Leuten veranlaßt sehe.
Aber wie kann man gegenüber Leuten "cool" bleiben, die das "Scheitern des Kommunismus", den "Mauerfall" als einstige "Linke" und "Marxisten" bejubeln, den einstigen Realen Sozialismus nur verteufeln anstatt ihn versuchen zu erklären und gleichzeitig alle Ungerechtigkeiten und Verbrechen des "Siegersystems" irgendwie reinwaschen oder einfach ignorieren, nur noch "ihren Frieden" mit den Herrschenden und Ausbeutenden suchen?

Nun aber erst mal einen schönen Sonntag!

MfG Bakunin

Anonym 27. Juni 2010 um 11:16  

Ich schrieb weiter oben u.a.: "Müssen wir uns wundern, warum sich in diesem Land absolut nichts bewegt, so lange typische Deutsche "Jebildete" in ALLEN Parteien, Verbänden, Gewerkschaften, selbst in den Sozialverbänden permanent das "große Wort" führen, alle anderen aber, welche sie zu vetreten VORGEBEN, einfach MUNDTOT machen?"

Und heute dazu eine interessante "plastische" Bestätigung meiner Erfahrungen von einer Dame von Duckhome...
Schaut mal selbst dort rein:

http://duckhome.de/tb/archives/8180-Aber-die-Deutschen-gehen-puenktlich-zur-Arbeit-....html

Bakunin

Anonym 27. Juni 2010 um 15:11  

@Bakunin,

"Aber wie kann man gegenüber Leuten "cool" bleiben, die das "Scheitern des Kommunismus", den "Mauerfall" als einstige "Linke" und "Marxisten" bejubeln"

Viele BRD-Linke wollten damals die demokratischen Ziele (Reisefreiheit, freie Wahlen, Ende der bürokratischen Gängelung) der DDR Volksbewegung unterstützen, lehnten aber eine Wiedervereinigung ohne vorherigen Sturz der Monopolmacht ab.

Damit hat die BRD-Linke in gewisser Weise das Geschäft der Monopole betrieben.

Eine Lehre aus der DDR Volksbewegung ist aber, dass sich Wut über Willkür, Arroganz und offensichtliche Unfähigkeit der Herrschenden (ohne verschärfte Notlage wie Hunger) zu einer Volksbewegung entwickeln kann.

Wir erleben sowas nämlich gerade wieder. Leider lähmt uns aber das Gift des SPDGRÜNEDGBLINKSPARTEI Reformismus. Noch.

landbewohner 27. Juni 2010 um 22:45  

bakunin
im ersten teil hast du recht, aber , was das wiedererleben anbetrifft, da bin ich skeptisch.
hoffe natürlich- du mögest richtig liegen.

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