Ärsche herzen - nicht Analfistel sein!

Samstag, 6. März 2010

Zufällig, mein lieber Bruder Barnabas, nur zufällig, bin ich letztens bei Ihrer, bei Deiner - schließlich bist Du mir Bruder - Predigt haften geblieben. Und hätte die Fernbedienung nicht geklemmt, ich hätte Dich übergangen. Diese Horde lachender, sich Köstlich, köstlich! zuprostender Oberbonzen, die sich auch noch ein anerkennendes Ehrenzeichen dafür anstecken lassen wollen, weil sie über sich selbst, über ihre Dummheiten und Schweinereien, kichern und gackern, bis dass die hochroten Rüben zu zerreißen drohen; dazu als Krone der Unerträglichkeit, alberne, nicht selten arschkriechende Narreteien, Kreide fressende Schabernacke, sich anbiedernde Witzeleien, die zum Fremdschämen anspornen - diese Mixtur aus Dekadenz und nicht verwendeter, nicht ausgebeuteter Narrenfreiheit, dieses Konglomerat aus kraftmeierischer Aufschneiderei und feiger Spiegelvorhalterei - all das halte ich üblicherweise keine Minute aus, ohne mir resigniert an die Migräne fassen zu müssen.

Aber Bruder, was Du dieses Jahr ausgehändigt hast, hat sich vom austauschbaren Potpourri der letzten Jahre und Jahrzehnte durchaus unterschieden. Es war eine Fastenpredigt, die nicht einfach nur mit infantilen Gekasper und läppischen Ulken aufwartete - nein, sie war randvoll lichter Momente, war ernsthaft, böse, sich auskotzend, war der Vortrag eines Empörers. Barnabas, dies hätte ich nicht für möglich gehalten, Deinem Alter Ego Lerchenberg gar nicht zugetraut. Ich hatte den Eindruck, dass seine Ansprachen aus vergangenen Jahren normierte Katalogware von der Stange waren. Auswechselbare, wenig beseelte Texte, durch und durch mit biederem Altherrenwitz marmoriert. Texte, die ihren spitzesten Abschnitt dann entfaltet hatten, wenn ganz zögerlich, ganz verschüchtert, des Seehofers Lendenfrucht im fernen Berlin, die strukturlose und gefärbte Tolle eines unbedeutenden Ministers aus dem dritten Glied oder die füllig herausgefutterte Wampe eines belanglosen Parlamentariers, das Gespött des Augenblicks war.

Aber nichts... nun gut, übertreiben wir nicht: fast nichts dergleichen dieses Jahr - knallhart, abrechnend, als habe der gesellige, dem Starkbier zugewandte Barnabas, endgültig die knollige Trinkernase voll. Sicher, Lerchenberg war nicht im Blutrausch, war nicht fanatisiert in seiner Empörung - was für ihn spricht. Aber er hat Dir, lieber Bruder, angemessen kräftige Worte in Dein Schandmaul gepackt, hat sich nicht lumpen lassen mit der dringend benötigten Entschiedenheit, hat Dich attackieren und pulvern lassen. Ich kann mich eigentlich nur an einen Prediger erinnern, der ähnlich scharf feuerte. Was heißt ähnlich - er feuerte zwar scharf, war aber deshalb noch kein Empörter, war eher das, was man einen besseren Komiker nennt. Vor drei Jahren durfte Uğur Bağışlayıcı, bekannter als Django Asül, aufs Podium steigen. Ein Barnabas war er nicht, als niederbayerischer Türke wollte er nicht in die Kutte schlüpfen. Die Veranstalter haben nicht schlecht gestaunt, als da dieser Rotzlöffel zur Schnodderigkeit auflief und ordentlich, ungehobelt austeilte, keinen Halt vor Gürtellinien, dieser geliebten Grenzmarkierung der anwesenden Nockherbergianer, kannte. Dabei sollte ein Redner auf dem Nockherberg wissen, dass dort Gürtel augenscheinlich um den Hals, nicht um die Hüften, gewunden, hoch genug als Markierung angelegt werden, damit obenrum wenig Angriffsfläche übrigbleibt. Politisch war sein Auftritt wenig, aufbäumend, entrüstend vielleicht noch weniger - scharf geschossen, Unwesentliches getroffen! Gereicht hat es den Köstlich, köstlich! zuprostenden Zechern trotzdem. Bereits Tage nach seinem Auftritt gab man offiziell bekannt, dass der kecke Türke nicht mehr zurückkehren würde. Man wolle den Barnabas wiederbeleben, wieder katholischer werden - schon damals zweifelte man an der Begründung, schon damals war klar, dass Django Asül Frevel an der Etikette geübt hatte.

Lieber Bruder, als Django ging, rief man Dich an, rief man Deinen Schöpfer, rief man Lerchenberg ans Telefon. Das waren Zeiten! Da hatte man ihn noch lieb. Und nun haben sie ihn an der Hüftkordel gekrallt. Zu ernst sei er gewesen, zu bedenkenträgerisch - und zu allem Überdruss habe er auf Konzentrationslager angespielt, die er diesem Westerwelle in seinen pogromartigen Agitationen nachweisen wollte. Das war den Zechprellern dann doch zu bissig, zu direkt, zu ehrlich eben. Sofort krochen die ansonsten schlafmützigen Starkbiertrinker aus ihrem Schläfchen, stänkerten gegen den viel zu gestrengen, viel zu humorlosen Mönch, erklärten ihn detailliert, worüber er zu predigen habe, in welcher Weise und in welche Richtung die Pointe abzuschließen sei. Als ob sie ahnten, welche Komiker sie doch sind - als ob sie ihre komische Fachkompetenz unter Beweis stellen wollten! Ja, Barnabas, aufmüpfig bist Du geworden! Du hast nämlich eines vergessen: auf den Nockherberg steigt man nicht hinauf, man steigt hinein - hinein, direkt in die Enddärme der anwesenden Gäste, um dort zu streicheln, zu liebkosen, zartfühlend zu sein - der Weg des Erfolges eben, der Weg zur Anerkennung und zum wohlwollenden Applaus.

Ein Bruder Barnabas hat also als Analmasseur vom Podium hinabzuschauen, hineinzusteigen. Er darf Ärsche herzen, nicht aber Analfistel sein. Das scheint Dein Meister, der Lerchenberg, dieses Jahr urplötzlich vergessen zu haben. Aufsässigkeit hat er Dir an den Leib geschrieben, renitent und eigenwillig hattest Du zu sein. Da kommt es doch gerade recht, dass man ihm, dass man Dir, ein Konzentrationslager anhängen kann - ja, andichten kann, denn das Unwort hast Du nicht einmal verwendet. So einen unbotmäßigen Vergleich, so eine Andeutung, will sich das zusammengetrommelte Konzil nicht gefallen lassen. Schon schwebt der Rücktritt im Raum, die Forderung, Lerchenbergs Engagement nicht zu verlängern, ihn gegen einen braveren Gefolgsmann einzutauschen, der das KZ ebenso unterlässt wie die Frechheit, eine Fastenpredigt auch als Fastenpredigt zu präsentieren. Gegen jemanden einzutauschen, der eine Fastenpredigt mit Jux und Klamauk gleichsetzt, der zuvorkommend witzelt, artige Schelmereien beiträgt, harmloser Possenreißer ist.

Ein bisschen kommst Du mir nun wie jene Käßmann vor, die gegen den Krieg giftete, die festhielt, dass eben nichts gut sei in diesem Land. Wie bei jener Käßmann, ist auch Deine Predigt nicht besonders erfreut aufgenommen worden - und wie bei ihr, hast Du einen Dich absägenden Eklat gleich mitgebracht. Lieber Bruder, fast scheint es, als hättest Du - und das verwundert nicht bei diesen wellenartigen Starkbierfluten am Nockherberg - die alkoholisierte Nachtfahrt gleich am Abend der Predigt nachgeschoben, ja, schier in die Predigt eingenäht. Das ist der Unterschied - Du hast die Säge eilfertiger zugestellt, die Deinen Hochsitz (von dem Du zu arrogant und übertrieben moralisch für den Geschmack der präsenten Haute-Volée gepredigt hast) durch zerspanenden Hub der Erde übergeben soll. Und noch was trennt Dich, Barnabas, von jener Käßmann - sie fuhr angetrunken Wagen, was kein Kavaliersdelikt sein muß. Aber im Vergleich zu Deiner Schandtat, könnte man bei einer solchen Verfehlung, sofern etwas guter Wille vorliegt, zwei Augen zudrücken. Es muß eben kein Kavaliersdelikt sein - es kann aber, wenn es mächtige und berichtende Kreise wollen. Einem Mitglied der ehrenwerten Gesellschaft ein KZ unterzuschieben, diesem Spezie und Amigo jener dekadenten Clique, geistige Nähe zur deutschen Vergangenheit zu beurkunden - das geht denen eindeutig zu weit! Denn wer säuft, frisst und treibt es schon gerne mit einem passionierten Lagerkommandanten? Mit solchen Menschenmetzgern haben doch unsere achtbaren Eliten nichts zu tun...

Deine diesjährige Predigt, sie wurde phasenweise zum Standgericht. Sie war nicht ohne Witz, aber sie hat den Witz nicht im Herzen getragen, als absolute Notwendigkeit gesehen. Was Dir wichtig war, Barnabas und Lerchenberg, das war die Anklage, war, in diesen Zeiten nicht den Schenkelklopfer in den Sattel zu helfen, sondern den Moralisten austoben zu lassen. Und genau das ist es, was diese dekadent Köstlich, köstlich! rufenden Biedermänner nicht haben wollen. Wie fein, dass Dir das Konzentrationslager in die Quere kam - jetzt haben sie eine Vollmacht, Dich gegen ein hausbackeneres Exemplar Barnabas' auszutauschen. Zwar ändern sich die Sitten nicht, wenn der Nockherberg zürnt, aber schade ist es doch, dass Du möglicherweise Geschichte bist - aber wer so auftritt, als Savonarola der Biertische, der kann nicht mit Fortsetzung rechnen. Mit Sympathie aber schon...

21 Kommentare:

Anonym 6. März 2010 um 09:26  

So ist es heute in Deutschland.

Der Bote wird erschlagen, damit die Botschaft nicht wahrgenommen wird.

Liberté, liberté chérie, que fait-on de toi?

Anhänger des 04.08.2010

Ralf-zwei.null 6. März 2010 um 10:05  

Ja, aus den Kommentaren "danach" konnte man schon entnehmen, dass er den "neoliberalen Ichlingen im Gelbhemd" eine furchtbar juckende und peinigende Analfistel gewesen sein muss.

Völlig klar, dass er damit zurückgetreten wurde. Aber immer nach dem Motto: viel Feind', viel Ehr'.

Schöner Artikel, lieber Roberto de Lapuente.

Anonym 6. März 2010 um 10:37  

Eines wird allerdings in diesem Beitrag unterschlagen, nämlich ab wann sich die Kaste der Betroffenen öffentlich entrüstete, beleidigt gab und gar die selbst ernannte Freiheitsstatue sich zickig verbat, eingeladen zu werden.
Auslöser war doch die Präsidentin des Zentralrates Charlotte Knobloch, die wieder mit einem wahren Feuerwerk ihrer guten Laune, ihres unwiderstehlichen Humors eine geschichtliche Verbindung herstellte. Wie ein Fanal, denn kaum ausgesprochen, schlüpfte auch der Chefagitator Guido Westerwelle - schwuppdiwupp - unter diesen aufgespannten „Schutzschirm“ und durfte sich vom Täter zum Opfer verwandeln und auch nach außen darstellen.
Die Folgen sind bekannt. Nachdenklich stimmen sollte allerdings die mangelnde, wenn nicht sogar ausgebliebene Solidarität mit dem geschassten Bruder Barnabas.
Darüber sollte diskutiert und vor allem intensiv nachgedacht werden.

Roberto J. De Lapuente 6. März 2010 um 10:47  

@ Anonym von 6. März 10:37 Uhr
Das stimmt nur bedingt. Was die Sache mit dem Stacheldrahtzaun angeht, der als KZ verstanden werden kann, könnte es stimmen. Aber unmittelbar nach der Rede fanden sich Stimmen, die generell den Ton, die "Witzlosigkeit" angriffen und sich mehr Lacher gewünscht hätten. Als dann das KZ zum Hauptaugenmerk wurde, fanden sich all diese Kritiker an der Witzlosigkeit ein, um den lästigen Empörer zu verurteilen.

Gestern war zu lesen, Lerchenberg habe Hartz IV-Empfänger mit KZ-Insassen gleichgestellt. Schon da sieht man, wie der Mainstream richtet. Das hat er nie. Er hat angedeutet, dass Westerwelle es am liebsten hätten, wenn man Arbeitslose in Ostdeutschland sammelt und außenrum einen Stacheldraht zieht, draußen Wachen der Julis im Gelbhemd, über den Tor dicke Lettern mit dem Text "Leistung muß sich wieder lohnen" - er hat in Aussicht gestellt, ein Szenario geliefert. Gleichgesetzt hat er mitnichten...

Anonym 6. März 2010 um 11:09  

Wenn Frau Merkel Sachleistungen für Kinder von Hartz IV Beziehern in Aussicht stellt. Dann hoffe ich dass gegen die Verletzung des Gleichheitsgrundsatzes vor dem BVG geklagt wird.
Auch die Steuerminderungen für Gutverdienende müssen diesen in Zukunft in Form von Sachleistungen abgegolten werden.
Dann kann jeder sofort sehen, dass wir in einem Apardheits und Zweiklassensystem leben.

Robert Reich 6. März 2010 um 11:18  

Neben Lerchenberg mußte ja auch Co-Autor Christian Springer alias "Fonzi" 'zurücktreten'. Springer hatte schon vor ein paar Tagen bei einem öffentlichen Auftritt erklärt, dass er über Westerwelle, so wie der sich über Hartz4-Opfer äußerte, keine Witze mehr machen kann und das Deutschland keinen Westerwelle bräuchte. Eigentlich sollten doch einige Andere zurücktreten. Und Frau Knobloch, die Frau ist längst in diesem Regime angekommen und wahrscheinlich auf dem rechten Auge blind.

Gruß Robert

Geheimrätin 6. März 2010 um 11:34  

Nene, nicht Frau Knoblauch und auch nicht der Stacheldraht allein waren das Problem, da gabs noch weitere "heikle Apekte" die komplett weg-zensiert wurden, nachzulesen auf telepolis

[...]Da ducken sich das öffentlich-rechtliche Fernsehen und der Paulanerchef wie schon bei Asül schnell weg, um es sich mit CSU und FDP nicht zu verscherzen. Das weist auf mangelnde Zivilcourage hin oder auf die schwarz-gelbe Vorstellung von Meinungsfreiheit. Weil man schon dabei war, kürzte man im BR auch gleich noch klammheimlich folgende Passage:

Ach, Herr Herrmann! In ihrem Büro müssen sich ja die Dankbarkeitsbriefe der Waffenindustrie, vom Sportschützen- und Jagdverband nur grad so stapeln. "Ausführungsbestimmungen" zum neuen Waffengesetz hat er erlassen, der königl. privilegierte Schützenbruder Herrmann. Aber was für oa!

Da wenn amal wieder einer Ihrer Schützenfreunde seine Pistolen unter'm Kopfkissen rauszieht, und im Blutrausch über andere herfallt, dann ham Sie mit Ihren "Ausführungsbestimmungen" den Straftatbestand der Beihilfe mühelos erfüllt. Inzwischen weiß man auch: Ihr Lieblingsbuch ist "Die Entdeckung der Langsamkeit". Und die bayerische Polizei hält sich daran. Wenn ein Verrückter über ein Ansbacher Innenstadt Gymnasium herfällt, da braucht die Polizei elf langsame Minuten! Ein Freiwilliger Feuerwehrler hat inzwischen vor Ort gehandelt.

Aber wenn in Regensburg zwei überforderte Polizisten zwölf Mal auf einen Geisteskranken schießen, davon vier Schuss wie einst beim Jennerwein von Hinten, dann wird gaaanz langsam ermittelt – wenn überhaupt! Dafür häufen sich die unrühmlichen Prügelauftritte des Amnesty International bekannten Münchner USK. USK heißt: das "Unidentifizierbare Schläger Korps", dessen Wirken dann von Staatsanwalt und willfährigen Richtern alimentiert wird.

Da kann man nur sagen: Bayerns Bürger, wenn ihr wollt, dass Euch schnell, zuverlässig und effizient geholfen wird, dann ruft's besser glei die Feuerwehr! Prost Gemeinde! "Humor ist, wenn man trotzdem trinkt!" [...]


http://www.heise.de/tp/r4/artikel/32/32210/1.html

Anonym 6. März 2010 um 12:18  

Hallo Roberto, wieder mal ein sehr treffender, die Dinge genau auf den Punkt bringender Beitrag!
Vor einigen Jahren las ich in einer Spiegel-Kolumne, Harald Schmidt sei der HOFNARR des aufgeklärten Bürgertums.
Man sieht daran, wie "blinde Hühner" hin und wie doch ihr Körnchen finden....
Früher habe ich immmer gern den "Scheibenwischer" mit Hildebrandt gesehen, auch den Thomas Freitag mochte ich sehr, heute natürlich Schramm, Urban und Pispers.
Was mich aber schon damals und heute noch viel mehr trotz vieler lustiger Stunden bei allen diesen Verstaltungen stört(e) waren und und sind die dort herumlungernden "Oberbonzen" aus der Politik.
Und mit ihnen zusammen ein großer Teil des "Tränen vergießenden" Publikums aus vollgefressenen, satten, im Grunde mit den bestehenden Verhältnissen voll zufriedenen SPIEẞERN, "anständigen Bürgern", welche eben im Grunde nur AMUSEMENT, einen "netten gelungen" Abend suchen und bekommen.
Irgend welche praktischen Konsequenzen sind alle diese Leute eben nicht bereit aus der Kritik bei diesen Programmen PERSÖNLICH zu ziehen, von wenigen Ausnahmen mal abgesehen.
D a s denke ich, ist doch die "Achillesferse" des ganzen politischen Kabaretts, seiner PRAKTISCHE Harm- und Machtlosigkeitlosigkeit.
Im Grunde letztlich reine Bildungsbürgerveranstaltungen von Bildungsbürgern FÜR Bildungsbürger.
Ich habe oft die Erfahrung gemacht, wie wenig sich gerade die Menschen, die am meisten in dieser Gesellschaft gedrückt und gedemütigt, ausgenutzt und ausgebeutet, in politischer Unwissenheit gehalten werden sich für diesen kabarettistischen KLAMAUK(?) wirklich interessieren.
Und sind wir ehrlich: Was sollten gerade JENE Menschen in solchen Veranstaltungen zum "Tränen lachen" und "Schenkelklopfen" haben?

mfg
Bakunin

Anonym 6. März 2010 um 12:31  

Hallo Robert Reich, über diese Interessenvertretungen, welche Frau Knoblauch und andere vorstehen, müssen wir wirklich keine überflüssigen Worte mehr verlieren.
Erinnern wir uns: Was war von den Vertretern aller dieser jüdischen Organisationen im In- und Ausland oder auch von Vetretern des Staates Israel zu hören, als der damalige Außenminister Joseph-Maria Fischer den verbrecherischen Nato- Angriffskrieg gegen Jogoslawien("Kosovokrieg" damit rechtfertige, eine "neues Auschwitz" ..."zu verhindern"?
Schamlos instrumentalisierte und verhöhnte damit dieser verkommene Polit-Lump die Erinnerung und das Andenken an Millionen von ermordeten jüdischen Menschen aus ganz Europa.
Und dennoch blieb jeder "Aufschrei" der etablierten "Vertreter" aus! Weshalb?

Nchdenkliche Grüße von

Bakunin

Anonym 6. März 2010 um 13:04  

Hatte es verpasst. Mir stinkt so etwas aus schon genannten Gründen sonst ebenfalls. Wollte es mir am Freitag im BR ansehen. Die Wiederholung war leider gekürzt. Also Youtube.

Apropo katholisch. Mir fällt auf, daß die absolut widerlichen Vergehen der Priester und Lehrer an diversen katholischen Bildungsanstalten wohl nur in westlischen Schulen und da seit Jahrzehnten stattfinden. Als Ostbürger fragt man sich im Jahr 20 des Anschlußes, wo man hier eigentlich hingeraten ist.

res_inutilis 6. März 2010 um 14:35  

@ Anonym von 13:04

... auch eine Abrechnung vor illustrem Publikum und auf hohem Niveau.
[Vorsicht - beide streams sind in esperanto ;-), deshalb notfalls des Englischen mächtige Nachbarn um Hilfe bitten].

In der stillen Hoffnung, daß noch nicht alle Ad-Sinistram-Leser diese Philippika von Stephen Fry gegen die Katholische Kirche, ihre kinder-vergewaltigenden und erwachsenen-diskriminierenden Würdenträger kennen.

http://www.dailymotion.com/video/xbvr0m_the-intelligence%B2-debate-stephen-fr_shortfilms

Und hier etwas zur Person Stephen Fry:

http://en.wikipedia.org/wiki/Stephen_Fry

Freundliche Grüße

misfit

Anonym 6. März 2010 um 15:58  

@ Geheimrätin

möchte Sie nicht verbessern, aber ohne die "Tat" von Charlotte wäre das ganze Theater nicht möglich gewesen, den Besen und Hammer schwingen zu können. Der Gegenwind wäre stark, wenn nicht stärker über die Handelnden hinweggefegt.

Nur wer jetzt Kritik an dem, was danach geschah übt, gerät in den Verdacht, ob er will oder nicht. Aber davor schrecken allzu VIELE zurück.

Geheimrätin 6. März 2010 um 16:40  

@ Anonym
Schon, nur sollte wohl auch klar sein, dass der Zentralrat hier mal wieder bewusst engeschalet und von den Zensoren instrumentalisier wurde.

Christian Klotz 6. März 2010 um 16:47  

Zur Rettung der Satire vor ihren Verächtern würde ich gerne darauf aufmerksam machen, daß ein erheblicher Unterschied zwischen einem Richling und einem Pispers besteht. Und Ottfried Fischer ist nun mal kein Schramm.
Die pathetische Philippika ist ja - wie Roberto auch richtig festhält - etwas anderes als eine humorige Büttenrede.
Die Trennlinie dazwischen haben die Herren Schenkelklopfer durch Abstrafung zur Demarkationslinie gemacht.

Anonym 6. März 2010 um 16:53  

Ich habe alle Illusionen verloren

http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/spd-hartz-iv-empfaenger-sollen-gemeinnuetzige-arbeiten-verrichten;2541479

Volksverhetzung wird belohnt.

Die Katze aus dem Sack 6. März 2010 um 18:30  

Sprach nicht Herr Michael Lerchenberg mit falscher Stimme? Mit der Stimme des Oberpfälzers „Bruder Barnabas“? Und dieser hat zudem noch, so gab einer von beiden wieder, nach Volkes Munde gesprochen.

Tatsächlich hat der Starbieranstich in diesem Jahr ein anderes Nachspiel. Das gebrachte Meisterstück, der Vergleich mit der NS-Zeit, erwirkte, dass darüber geredet wird. Es hat somit seinen ursprünglichen Zweck erreicht. Es wurde daran erinnert. Ist es nicht das, was damit erreicht werden soll? Das sich alle daran erinnern, z.B. wie es damals angefangen, wie es geendet und was sich währenddessen abgespielt hat? Was passiert in dieser heutigen Gegenwart so alles? Wie wird die Zukunft nach diesen Gesichtspunkten ausgerichtet?

"Wie konnte es nur soweit kommen?" Eine unerträgliche Fragestellung. "Es konnte soweit kommen, weil ständig Jemand mit erhobenem Zeigefinger, den Ermahnenden, das Maul verboten hat."

Nun steht dieser Vergleich also im Rampenlicht, bereit zur näheren Betrachtung. Wird dies effektiv genutzt?

"Gemeinschaftsschädling" 6. März 2010 um 19:03  

Ausgerechnet Knobloch scheint geschichtsvergessen zu sein: Bei der Aktion "Arbeitsscheu Reich" wurden 1938 Zehntausend "Asoziale" und "Arbeitscheue" ins KZ geworfen. Allein ins KZ Sachsenhausen wurden rund 6.000 Verhaftete gebracht und mit einem braunen, später schwarzen Winkel als "Asoziale" gekennzeichnet. Im NS-Regime diente der Vorwurf der Arbeitsscheu zur Charakterisierung der sogenannten Asozialen. Eine von vielen Aktionen. Vorbereitet wurde die Verhaftungswelle durch Pressekampagnen bereits 1933:
"Widerständige" und "Gemeinschaftsfremde", "Vernichtung asozialen Lebens".

Die Katze aus dem Sack 6. März 2010 um 19:53  

Stellen sie sich vor, sie haben mehrere Bundesländer in ihrer Republik, die wiederum in kommunale Regionen unterteilt sind. In jeder dieser Kommunen fällt mal mehr, mal weniger spezifische Arbeit von öffentlichem Interesse (Notwendigkeit) an. Nehmen wir nun ferner an, es gäbe in einer südlichen Region mehr Winter, als im Norden, oder andere Räumarbeiten nach Sturm oder Hochwasser von Belang. Nehmen wir weiter an, dass die Arbeitslosen (nennen wir sie ehemalige Arbeitnehmer?) in der Region nicht hoch genug ist, um diese Arbeiten verrichten zu können. Ist es dann nicht schön, wenn das Bundesland auf Reserven der anderen Bundesländer zurückgreifen kann? Nur, wo werden diese Herrscharen für die Dauer der zwangsverordneten Arbeitswochen wohnen? Pendeln sie etwa täglich hin-und-her? In einer Privatwohnung? In einem Hotel? In einer Unterkunft?! Eine Sammelunterkunft? Darf ich diese Sammelunterkunft, Lager nennen? Ein Lager, in dem Arbeitskräfte gelagert/untergebracht werden? Möglicherweise sogar konzentriert, an einem Ort. Ist das nicht dann ein Konzentrationslager, KZ? Oder darf ich es nicht so nennen?

Die eloquentia kann sehr erfinderisch sein, wenn es gilt, etwas zu umschreiben, weil Kostendruck sie treibt.

carlo 7. März 2010 um 01:00  

Solche Veranstaltungen sind mir auch zuwider. Gemäßigte Kritik nach Terminkalender. Aber Danke Roberto auf den Hinweis.
Das hat mir den Abend gerettet!
Habe mir die ganze Chose mal angesehen, und naja....demnächst wird der besagte "Redner" und sein Redenschreiber wohl an diesem Ort nicht mehr in Erscheinung treten. Ich, jedenfalls, war total überrascht das sowas in Deutschland, vor der debilen Elite vorgetragen noch vorgetragen werden kann.

Anonym 7. März 2010 um 01:42  

Selten habe ich in Foren von "Welt" bis "TAZ" eine solche positive Einmütigkeit erlebt wie zur dieser Rede von Lerchenberg.

Es gärt im Volk. Wenn ich NRW-Wählerin wäre, dann würde ich mit voller Absicht Schwarz-Geld wählen mit der Erwartung, dass es danach dermaßen schlimm wird, dass der Michel endlich aufwacht!

Wenn man sich das asoziale Geseiere von Hannelore Kraft anhört, dann muss man sich geradezu Schwarz-Geld wünschen, weil die SPD doch nur wieder so langsam Arbeitnehmerrechte abbauen will, dass es niemand richtig wahrnimmt. Ich will aber, dass es auch die Dümmsten endlich merken!! Und Schwarz-Geld überzieht, dass ist so sicher wie das Amen in der Kirche!!

Anonym 10. März 2010 um 04:14  

Zitat (Die Katze aus dem Sack)
„Tatsächlich hat der Starkbieranstich in diesem Jahr ein anderes Nachspiel. Das gebrachte Meisterstück, der Vergleich mit der NS-Zeit, bewirkte, dass darüber geredet wird. Es hat somit seinen ursprünglichen Zweck erreicht. Es wurde daran erinnert. Ist es nicht das, was damit erreicht werden soll? Das sich alle daran erinnern, z.B. wie es damals angefangen, wie es geendet und was sich währenddessen abgespielt hat? Was passiert in dieser heutigen Gegenwart so alles? Wie wird die Zukunft nach diesen Gesichtspunkten ausgerichtet?

"Wie konnte es nur soweit kommen?" Eine unerträgliche Fragestellung. "Es konnte soweit kommen, weil ständig Jemand mit erhobenem Zeigefinger den Ermahnenden das Maul verboten hat."

Danke Ihnen, danke Bruder Barnabas!

Als täglicher Moderator in einem der größten, deutschlandweiten Hartz-IV-Foren möchte ich mit Nachdruck bestätigen, dass das von Bruder B. angerissene Lager-Szenario seit mindestens 3 Jahren zu den schlimmsten Befürchtungen – um das Wort Erwartungen hier zu vermeiden - vieler unserer Forumsteilnehmer gehört!

Auch da eilen die Beschwichtiger mit ihrer „Geschichte wiederholt sich nicht“-Keule und dem „Nazivergleiche verbieten sich“-Geschrei eilends herbei. Doch ein derart tief ins kollektive Gedächtnis gebranntes Trauma lässt sich nicht beschwichtigen. Nicht, wenn man zu einer ausgegrenzten Minderheit gehört und das stete Anwachsen der Analogien zur Weimarer Zeit und den Folgejahren mit einer ganz anderen Sensibilität und Wachheit verfolgt als die (noch) arbeitende Bevölkerung. Viele von uns denken mittlerweile täglich daran, schlafen nachts mit diesem Alptraum ein oder blicken im morgendlichen Halbschlaf angstgelähmt in seine entsetzliche Fratze. Nein, keine Übertreibung! Auch mich lässt diese lähmende, bohrende Furcht nicht mehr los.

Das Schlimmste aber ist – wir haben keine Lobby, wir werden nicht wahrgenommen. Außer in der unsäglichen Hetze der Main-Stream-Medien, die für dieses Verhängnis Zustimmung und Weg bereiten.

Daher an dieser Stelle und im Namen aller Leidensgenossen - denn Hartz-IV IST Leiden - ein großes DANKE an Bruder Barnabas! Dass er diese nicht im mindesten unberechtigte Sorge ins Licht der Öffentlichkeit katapultiert hat!

Es ist allerhöchste Zeit!
Danke für´s Lesen

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