Soziale Unruhen ausgeschlossen!

Donnerstag, 11. Februar 2010

Familienpolitische Leistungen komplett auf den Prüfstand!, sonorte es Stunden nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts aus Radios und Fernsehapparaten. Schon vor einigen Tagen verlautbarte das Familienministerium, dass vom Ehegattensplitting bis zum Kindergeld überprüft werden soll, "was sich bewährt [habe] und was nicht". Nun hätte auch die Arbeitsministerin verkündet, so Radio und TV, dass familienpolitische Leistungen, von Ehegattensplitting bis hin zum Kindergeld, inspiziert werden sollen, um etwaige höhere Kosten bei Sozialgeld und Arbeitslosengeld II auszugleichen.

Es war kaum wenige Stunden her, dass das Urteil zur Welt kam, da setzte sich bereits eine untergründige, verschmitzte Stimmungsmache in Bewegung. Bevor die Sturmgeschütze des bürgerlichen Anstandsmenschen, der durch Arbeitsplatz, Fleiß, Unterwürfigkeit und naiven Untertanengeist für sexy erklärt wird, bevor die üblichen Verdächtigen mit ihrer plumpen, klobigen Eigenart zur Attacke auf die schmarotzende, unersättliche, immer dürstende Unterschicht bläst, machte sich eine feinsinnige, eine sensitive Wühlarbeit im Fundus der Ressentiments ans Werk. Noch ehe die aufzuwiegelnde Menge intravenös an den Tropf genommen wird, greift man auf subkutane, ja fast schon fintenreich intrakutane Mittelchen.

Kindergeld auf dem Prüfstand! Wieviele wurden hier hellhörig? Am Ende raubt der Faulpelz, allezeit Ansprüche stellend, raffend und mit versoffen-verschlagenen Blick äugend, auch noch das Kindergeld derer, die nicht stinkfaul auf der Couch strolchen, die arbeiten und schaffen, Werte herstellen und Leistung erbringen. Es ist ein Kalkül mit lächelnder Ministerinnen-Fassade, das hier zartbesaitet und feinfühlig aufstachelt, eine Neiddebatte inszeniert, die zwischen Fleiß und Faulheit, Arbeitsplatz und Arbeitslosigkeit ausgetragen werden soll. Vermeintlich seriös breitet man eventuelles Sparpotenzial aus, läßt durchscheinen, dass womöglich das Kindergeld (teilweise) eingespart werden könnte und weckt damit Antipathie und Abscheu, macht Erwerbslose zum Hassobjekt, zum Unglück aller Arbeitenden.

Waren die gelegentlichen Kampagnen gegen das träge Gesindel schon in jüngster Vergangenheit oft schmerzhaft, haben zum Erbrechen stimuliert, zweifeln lassen an der ethischen Fundamentierung dieser Gesellschaft, so ist in der nahen Zukunft mit einer Verschärfung der Pogrombereitschaft zu rechnen. Mit Sturm ist jedoch nicht zu rechnen, soziale Unruhen sind beinahe auszuschließen. Die betroffenen, diffamierten und verspotteten Zeitgenossen werden sich nicht dagegen auflehnen, sich stattdessen immer mehr in die Isolation begeben, sich einigeln und sich stufenweise selbst einreden, ein Stück fleischgewordenes Unglück für die gesamte Gesellschaft zu sein. Eine einzige große Kampagne gegen den anspruchsvollen und teuren Faulpelz, die Bekämpfung des Arbeitslosen nicht der Arbeitslosigkeit, hier mal leise und bedächtig auf Sparflamme, dort polternd und zerschlagend im Trommelfeuer - diese einzige enorme Kampagne wird dieses Land in den nächsten Monaten, vielleicht auch Jahren, in ein einziges verwüstetes Schlachtfeld verwandeln.

Ein Schlachtfeld, auf dem die Feinde nicht kampfesfroh sein werden, weil man alles dafür tut, den Widerstandwillen zu zersetzen. Man wird ihnen das Selbstvertrauen genauso rauben, wie vormals die gesellschaftliche Teilhabe und die Menschenwürde. Und es wird kein Krieg sein, der von oben verordnet und geführt wird; er wird den aufgewiegelten Massen in Fleisch und Blut übergehen, er wird im Namen der Profite und der Profiteure, von einer wildgewordenen Volksarmee geführt. Sich ausgebeutet wähnende, sich zu kurz gekommen fühlende Milizen, stürmen immer noch am leidenschaftlichsten, sind immer noch die effektivsten Leidschaffenden - gerade dann, wenn der Feind unbewaffnet und ohne Verteidigungswillen zittert.

36 Kommentare:

Anonym 11. Februar 2010 um 01:12  

Der Artikel trifft den Nagel auf den Kopf.

Die Wirtschaftsdoktrin ist gescheitert und es gibt auch nicht im Ansatz einen neuen wirtschaftspolitischen Ansatz zur Bewältigung der neoliberalen Verwüstung.

Folge: Beim besten Willen kann dem Volk keine positive Vision geboten werden; bleibt also nur das Draufhauen auf Minderheiten, was über kurz oder lang zu Pogromstimmung führen wird.

Ob es dann die Ausländer, die Arbeitslosen oder wen auch immer treffen wird ...

Gruß
Bernd

lebowski 11. Februar 2010 um 07:32  

So einfach wirds wohl für das Geldgesindel und seine Vollstrecker nicht werden, wenn man schon in Springers "Welt" immer öfter den Kommentarbereich wegen wüster Attacken schließen muss.

Roberto J. De Lapuente 11. Februar 2010 um 08:03  

Nach Springers Welt sollte man Springers BILD lesen, den Kommentarbereich derselbigen. Man erkennt schnell: Es sind genug Milizionäre und Kapos vorhanden. Man muß sie nur füttern, für moralisch integer erklären, ihnen kontinuierlich ein Feindbild einpflanzen - dann klappt es auch mit dem Pogrom.

Und in ein Paar Jahren schreien sie wieder "nie wieder!", sowas soll "nie wieder!" passieren. Endlich habe der Mensch aus seinen Fehlern gelernt... bis demnächst...

Berggeist1963 11. Februar 2010 um 08:18  

macht Euch mal den "Spass" und lest die Kommentare im "Forum" der "BLÖD". Ihr werdet sehen - die Saat des Hasses geht immer mehr und schneller auf. Da wird ganz unverblümt zu Mord und Totschlag aufgerufen ("Wann wacht endlich der erste aufrechte Arbeitnehmer auf, läuft Amok und knallt die ersten HartzIV-Schmarotzer und die sie unterstützenden Richter über den Haufen?"). Da wird verlangt, dass "die frischen Arbeitslosen" bei ihrer Arbeitslosmeldung sich schriftlich verpflichten sollen, keine Kinder "in die Welt zu setzen". Falls doch sofortige Streichung sämtlicher Zahlungen. Da wird die Errichtung von Wohncontainersiedlungen für HartzIV-Empfänger am Stadtrand gefordert, natürlich ohne Heizung und fliessend Warmwasser. Falls es es jemals wieder zu einem politischen "Ganz-weit-rechtsaussen-Rutsch" kommen sollte: Freiwilliges Personal für neue Einsatzgruppen und KZ-Schergen wäre wohl in Massen zu finden...Entlarvend auch die heutige Schlagzeile bei "blöd-online": "Tausende BILD-Leser empört über HartzIV-Urteil"...Das Hirnzukleistern über Jahre hinweg dank Springer, Popelsmann und Konsorten trägt also die gewollten Früchte...

Tagebuch eines Überlebenden 11. Februar 2010 um 08:32  

Je länger ich über dieses Land nachdenke, um so größer wird der Schrecken und das Entsetzen.

Vor kurzem fand ich eine Karteikarte des Landesfürsorgeheim Glückstadt. Die (wer?) haben noch 1970 Karteikarten aus der Zeit des Dritten Reiches verwendet und die Kinder wie ... behandelt! Das wird alles unter den Teppich gekehrt. Genauso wie die Verbrechen der Kirche an Kindern kleingeredet werden - war ja die letzten Tage mal wieder Thema in der Presse.

Schaut euch mal die Karteikarte an:

http://www.landesfuersorgeheim-glueckstadt.de/

Ich will damit zum Ausdruck bringen, das die Ungerechtigkeiten in diesem Land schon immer da waren. Nur hat die große Mehrheit sie nicht zur Kenntnis nehmen wollen.

Einen Mißstand zur Kenntnis zu nehmen ist nur der erste Schritte. Ihn zu ändern ein ganz anderer. Doch was will man tun, wenn sich die große Mehrheit schon dem Wahrnehmen von Mißständen verweigert?!

Offiziell leben wir in einem Land in dem Kirche und Staat getrennt sind. Doch die Praxis sieht ganz anders aus. Der Staat unterstützt zwei große Kirchengemeinden. Die anderen Gemeinschaft und ungefähr 30 % Nichtgläubigen werden einfach ignoriert. Auch diese Ungerechtigkeit wird im
Großen und Ganzen als gegeben hingenommen.

Das gleiche Phänomen erleben wir bei den Wahlen. Bei der letzten Bundestagswahl haben rund 30 % der Menschen nicht gewählt. Diese aber erscheinen im öffentlichen Ergebnis (Tortendiagramm, Belegung der Sitze im Bundestag, ...) gar nicht. Sie werden einfach unter den Teppich gekehrt und das nennt man "Demokratie"!

Schon bei solch einfachen Fragen scheitern wir auf der ganzen Linie! Weshalb sollte es dann bei so schweren Fragen wie Hartz IV plötzlich anders sein?

Grüßle G. G.

Ralf-zwei.null 11. Februar 2010 um 09:01  

Es ist nicht nötig, sich in die Jauchegrube zu begeben, um rassistische und/oder menschenverachtende Kommentare zu lesen. Auf www.tagesschau.de findet man genug von diesem Dreck...

Ralf-zwei.null 11. Februar 2010 um 09:13  

Zum Thema "Soziale Unruhen" hat EWK in der letzten Woche eine Abhandlung verüffentlicht:

http://www.egon-w-kreutzer.de/0PaD2010/5.html

Lesenswert nach meiner unmaßgeblichen Meinung...

flavo 11. Februar 2010 um 09:48  

Der deutschen Mentalität ist in Idealverfassung, wenn sie sich in Herren und Knechte spalten kann und diese Differenz grell entfalten kann. Dann funktioniert sie am besten. Die Ordnung schillert dann am klarsten und schmiegt sich dem Seelenbedürfnis weich an. Der Ärmste hofft dann um so überzeugter, einmal den Sprung über den Zaun zu schaffen und das Verhältnis von der anderen Seite her zu vollziehen. Ja, ne. So ist das. Wenn etwas ist, wie es ist, dann hungert die deutsche Seele nicht mehr. Dann krümmt sie sich lieber am eigenen Leid in sich hinein und äugt verdriest in die Welt hinaus. Die Ruhe der Ordnung ist noch immer besser als die Unruhe der Unordnung. Das Amt und die Dienststelle, den Charakter, einen Ort in der Ordnung, auf deren Erreichung hin die kindliche Seele bald in Spannung gebracht wird. Die Strebung nach der Einrastung seiner selbst in die vorgeformte Nische, den ordnungsergonomischen Platz, die Verschmelzung des Ich mit dem Es. Ehrgeiz für die zur Verfügung gestellte Platzanweisung. Dann fühlt man sich sicher, die irdische Endlichkeit wird dann überstrahlt vom besänftigenden Erfolg im run auf Plätze. Tief durchatmen und Glück fühlen ob der noch auf der anderen Seite des Zaunes umher Hetzenden, sich zurücklehnen in das weiche Bett der eigenen Kraft und Mut sammeln für das Bestehen, den guten Willen zur Arbeit zeigen, sich mit den erarbeiteten Moneten stolz und mit nicht verbotener Arroganz den konsumatorischen Zweitlohn zuführen und Befriedigung erleben. Sich Erwachsen fühlen, wie ein richtiger Mensch, es hat alles geklappt, man ist eingeordnet worden, wie toll, die Herren haben die Anerkennungsschleussen ein wenig geöffnet, an ihrem Tropf ist man glücklich. Die Welt bietet keine andere Welt an. Sie hat die Phantasie invers gegen sich selbst gewendet. Das Spiel am Zaun ist die beste aller Welten. Dieseits krümmt man sich in sich hinein, im Kreisgang hackt man auf sich hinein, jeder Mutstrahl wird alsbald zerschmettert ob der nicht steigenden faktischen Geltung in Form von Moneten. Jeder Anspruch erstickt am Energieaufwand für die moralische Selbstkasteiung. Nieder mit dem Anspruch, hoch die Pflicht zum Dank für die gegönnte Existenzweise. Zugang versperrt, vor den unsichtbaren Kriterien hatzt der Erfolglose umher und hofft sie eines Tages zu erheischen, das richtigte Räsoniment zu finden, den richten Habitus, das richtige Wort, an dem es angeblich nur liegen soll, dass es so ist, wie es ist. Im Kreigang der Suche nach dem Schlüssel für den Erfolg, zugemüllt mit Tipps und Tricks. Die sozialideologisch eingeflößte Denkschablone, deren erste Sinndrehung im strebenden Vollzug zunächst die Wahhrheit negiert, um dann in der Unwahrheit zu Attacken gegen sich selbst auszuholen und darin zur Endlosschleife zu werden. Oder, auf der anderen Seite, zu Attacken gegen andere. Der Weg ist versperrt.

Bernd Kudanek 11. Februar 2010 um 10:02  

Lieber Roberto, Du schreibst: "Soziale Unruhen ausgeschlossen!" und "Die betroffenen, diffamierten und verspotteten Zeitgenossen werden sich nicht dagegen auflehnen, sich stattdessen immer mehr in die Isolation begeben, sich einigeln und sich stufenweise selbst einreden, ein Stück fleischgewordenes Unglück für die gesamte Gesellschaft zu sein."

Nun, zumindest die Herrschenden und ihre willfährigen Politverbrecher sehen das offensichtlich anders. Sie fürchten mögliche Unruhen, auch soziale! Und beugen vor, indem Grundgesetze geändert werden sollen, um nun doch Militäreinsätze im Innern, z. B. von Terroristen gekaperte Flugzeuge abschießen, "legitim" durchführen zu können. Längst schon sind auf Demos sogenannte Distanzwaffen wie Taser und Pfefferspray im Einsatz. Sie gehören geächtet! Denn diese Distanzwaffen, auch das gefährliche Taser und das vermeintlich harmlosere Pfefferspray, sind mordfähige Bürgerkriegswaffen, die vor allem für die Niederschlagung von demokratisch legitimierten Bürgerprotesten gedacht sind, um den Machtanspruch der Herrschenden um jeden Preis - auch des Mordes!!! - durchzusetzen.

Das ND meldet heute, daß Sachsen ggfs. schon auf der Anti-Nazi-Demo am kommenden Samstag in Dresden Pfefferkugel-Pistolen einsetzen will. ND-Zitat:"Die Pistole der Marke Pepperball gehört zu den nichttödlichen Waffen, die Menschen in einer Entfernung von bis zu 20 Meter vorübergehend außer Gefecht setzen sollen. Die enthaltenen Plastikgeschosse zerplatzen nach ihrem Aufprall auf dem Körper und zerstreuen ein Pfefferpulver, das Erstickungsgefühle oder Brechreiz auslösen und zur vorübergehenden Erblindung führen kann."

Bei den Schweinereien, die uns die "christlich"-liberalen Politverbrecher spätestens nach der NRW-Wahl noch zumuten werden, fürchten sie durchaus ein Anwachsen möglichen Unruhe-Potentials bis hin zur Eskalation, ähnlich denen in Griechenland und Frankreich. Natürlich ist der deutsche Michel viel zu ängstlich und taugt bestenfalls als Revoluzzer Lampenputzer à la Erich Mühsam aber eine aufgeschaukelte Gruppendynamik könnte den Herrschenden doch gefährlich werden.

Was ich damit sagen will, ganz so abwegig sind künftig massive soziale Unruhen auch in deutschen (Michel-)Landen nicht. Da halte ich's mit Ciceros "dum spiro, spero!" :-)))

Anonym 11. Februar 2010 um 10:45  

Ich lese diesen Blog seit einigen Monaten und bin rundum einverstanden - jedenfalls im Prinzip.

Ich will auch nicht mit dem dümmlich/hintertückischen Argument kommen: "bringt doch mal was Positives".
Aber Fakt ist, dass man neben der Aufklärung der Menschen auch Alternativen anbieten muss, sonst läuft die ganze Aufklärung ins Leere, bleibt ohne Folgen.

Ich will hier nur zwei Beispiele für Alternativen nennen, die m.E. nicht nur erstrebenswert sondern auch relativ einfach umzusetzen sind: "Ökodorf Sieben Linden" und "Alternativ für Zukunft".

Roberto J. De Lapuente 11. Februar 2010 um 11:04  

Lösungswege!

Mescalero 11. Februar 2010 um 11:12  

Wer sagt denn das wir unbewaffnet bleiben müssen? Wer sagt denn das wir das Spiel dieses Ultrakapitalistischen Systems für immer mitspielen müssen?
Wir können nichts dagegen tun wenn die uns aushungern wollen, aber wir können uns schon dagegen wehren wenn die uns unserer Würde berauben.
Und wir haben immer noch die freie Wahl der Mittel wie wir uns wehren.

Anonym 11. Februar 2010 um 11:23  

tja anonym, Du bist vermutlich kein hartz4 gedemütigter...

Dein ökodorf ist mit 359Euro die man als hartzer hat natürlich umsetzbar... hahaha oder man wird sofort freudig in die gemeinschaft des netten bürgertums aufgenommen nochmal herzhaft gelacht.

die weissEsoTünche von alternative zukunft braucht man nicht extra zu kommentieren... ich hab andere sorgen.

es ist an der zeit für effektive verfluchungsZirkel, so ist das...

Anonym 11. Februar 2010 um 11:24  

Unbequemer:

Schade, es traut sich keiner, die Rolle zu übernehmen, die in Indien Gandhi ausgefüllt hat. Und ich, tja, Charisma hab ich nicht, nur einen Gerechtigkeitssinn. Aber was nützt es wenn ich mich, wie schon getan, alleine irgendwo (nun, es war vor dem Arbeitsamt) hinstelle um zu demomstrieren. Mitleidiges lächeln und kopfschütteln war der "Dank" der Vorbeigehenden. Nach ein paar Metern noch einmal auf den komischen Typen zurückschauen und wieder dem Alltagstrott hinterher.

Mein Vorschlag, da am Aschermittwoch alles vorbei sein soll, macht den nTag zum Tag des Fastens und Beten. Keine Hand sollte sich an dem Tag rühren.

Und dann, so lange es keine Gerechtigkeit gibt, Bankster immer noch mit dem Geld "spielen", wird so ein Fastentag jede Woche wiederholt. Nicht Montags, nein, nehmen wir doch die Mitte, den Mittwoch. Spalten wir die Woche mit dem Ziel, die Gesellschaft zu vereinen, in Gerechtigkeit!

Wie oft schon habe ich mir gewünscht, als Wähler einen Politiker, ob Abgeordneter oder Minister, ob Kanzler(in) oder Präsident, mit einem Scherbengericht in die Verbannung schicken zu können. Nicht nach einer Vergessensfrist von 4 oder 5 Jahren, nein sofort dann, wenn sie ihrer gelobten Verpflichtung für das GANZE DEUTSCHE VOLK zu wirken nicht nachkommen, sondern wieder den realen Ausbeutern an Börsen und in Banken, Versicherungen oder sonstwelchen Heuschrecken in den Allerwertesten Zucker blasen.

Nein, das ist kein Aufruf zum Generalstreik, das ist ein Appell für die Solidarität mit den Opfern eines Ausbeutersystems, dem sich leider zu viele unterwerfen.

Men Name ist nicht Hase, ich weiß leider zu viel von der Realität. Vieles davon hätte ich nicht wissen wollen. Denn es kommt doch immer noch schlimmer, als man sich in seinen Alpträumen vorstellen kann.

Schade, "Format Brain" wäre eine nützliche Methode.

Geheimrätin 11. Februar 2010 um 11:42  

Der Lösunsgweg beginnt vor deiner Haustür und darin, die täglichen Schikanen selbt nicht hinzunehmen, er besteht darin, den Leuten immer wieder ins Gesicht zu sagen dass du das organisierte Erbrechen nicht länger hinehmen wirst. Gerade denenen, die ihr Schäfchen noch im Trockenen meinen. Ich habs grad in meinem eigenen Blog kommentiert, unsere Regierung ist die "Sancta Trinitas" zusammengesetzt aus Stasi, Mafia und Scientology.

Aus dieser Sekte gilt es endlich auszusteigen

Systemfrager 11. Februar 2010 um 12:51  

Als ob das jemand gerade die heute aktuellen Verhältnisse beschreiben hat:

"Die [Über-]Lebensbedingungen der alten Gesellschaft sind schon vernichtet in den Lebensbedingungen des Proletariats. Der Proletarier ist eigentumslos; sein Verhältnis zu Weib und Kindern hat nichts mehr gemein mit dem bürgerlichen Familienverhältnis ...

Um aber eine Klasse unterdrücken zu können, müssen ihr Bedingungen gesichert sein, innerhalb derer sie wenigstens ihre knechtische Existenz fristen kann. Der Leibeigene hat sich zum Mitglied der Kommune in der Leibeigenschaft herangearbeitet ... Der moderne Arbeiter dagegen, statt sich mit dem Fortschritt der Industrie zu heben, sinkt immer tiefer unter die Bedingungen seiner eigenen Klasse herab. ... Es tritt hiermit offen hervor, daß die Bourgeoisie unfähig ist, noch länger die herrschende Klasse der Gesellschaft zu bleiben und die Lebensbedingungen ihrer Klasse der Gesellschaft als regelndes Gesetz aufzuzwingen. Sie ist unfähig zu herrschen, weil sie unfähig ist, ihrem Sklaven die Existenz selbst innerhalb seiner Sklaverei zu sichern, weil sie gezwungen ist, ihn in eine Lage herabsinken zu lassen, wo sie ihn ernähren muß, statt von ihm ernährt zu werden. ...

Mit der Entwicklung der großen Industrie wird also unter den Füßen der Bourgeoisie die Grundlage selbst hinweggezogen, worauf sie produziert und die Produkte sich aneignet."

Nein, dass ist aber nicht Anno Domini 2010, sondern 1848
Manifest, Karl Marx & Freidrich Engels

gerhard 11. Februar 2010 um 13:15  

Dieser ewige Zwang zum Positiven, zu konstruktiver Kritik -wie von Anonym postuliert- geht mir mächtig auf den Zünder und ich bestätige, was Roberto im Text seines Links "Lösungen" schreibt.
Adorno sagt in seiner "Kritik, Kleine Schriften zur Gesellschaft" von 1969:
"Wesentlich Deutsch ist ein antikritisches Schema, das aus der Philosophie ins Gewäsch herabsank: die Anrufung des Positiven. Stets finden man dem Wort Kritik, wenn es denn durchaus toleriert werden soll, das Wort konstruktiv beigesellt, das ja ein Lebkuchenwort darstellt. Dem entgegenzusetzen wäre..., dass das Falsche einmal bestimmt erkannt und präzisiert, bereits Index des Besseren, Richtigen ist."

Anonym 11. Februar 2010 um 15:12  

Diejenigen, die ständig konstruktive Kritik einfordern mögen etwas bedenken:

Ein Staat muß allen Bürgern Sicherheit garantieren. Zum Sicherheitsbedürfnis zählen auch GUTE wirtschaftliche Verhältnisse für ALLE Bürger, und nicht nur Sicherheit für Erwerbstätige.

Ein Staat, der breite Schichten von der wirtschaftlichen Entwicklung abkoppelt und in die Armut stürzt, unterminiert sich zwangsläufig selbst.

Ansonsten schließe ich mich Roberto und Gerhard an.

Gruß
Bernd

Manul 11. Februar 2010 um 15:33  

Sehr zutreffender Kommentar, der aber letztlich nur verdeutlicht, wie sehr damit beschäftigt ist die tatsächlichen Übeltäter zu decken. Keiner darf nämlich merken, dass die wirklichen Schmarotzer in Wirklichkeit Nadelstreife tragen und jeden Topf zu zweckentfremden wissen, der von der öffentlichen Hand kommt. Die sind es, die jeden Euro Steuerschuld versuchen zu hinterziehen, ständig was von einem 'schlanken Staat' palavern, aber insgesamt erwarten, dass der Staat funktioniert (getragen von einer Masse, die sich gegen Steuern nicht wehren kann). Die sind es, die Subventionen einstreichen, zweckentfremden und Betrug damit begehen, der einen Ausmass hat, der über Sozialbetrug nicht in den nächsten 1000 Jahren erreichbar ist. Die sind es auch, die Firmenmodelle aufbauen, die nur funktionieren können, weil der Staat die Arbeitsplätze über versteckte Subventionen finanziert. Die sind es, die dann was von 'Lohnabstandsgebot' fasseln, wohl wissend, dass sich die Löhne im freien Fall befinden und ohne einen Mindestlohn es für Grundsicherung bei Arbeitslosigkeit heisst, dass irgendwann auch gekürzt werden muss.

@Berggeist1963:
Die Welt hat auch solche Kommentatoren zuhauf, wo einen schon sehr kalter Schauer über den Rücken laufen kann, wenn man das liest. Diese Leute repräsentieren trotzdem für mich eine Minderheit, denn wenn man Umfragen verfolgt, dann stellt man fest, dass in der Mehrheit das Gerechtigkeitsempfinden doch ziemlich verletzt ist und man versteht auch Vieles nicht mehr. Die Gehirnwäsche mag in Bezug auf manche Themen dann auch funktionieren (z.B. beim Thema Streiks), aber kaum einer versteht es z.B. warum es in Deutschland Arbeitsplätze gibt von denen man nicht leben kann. Das zeigt für mich, dass die Akzeptanz für die Arbeitsmarktreformen insgesamt sehr bescheiden ist und das ist auch die Schnittstelle zu Hartz4.

Auch Hetze gegen Arbeitslose hat Grenzen, gerade in Zeiten, wie diesen. Die Krise wird auch irgendwann beim deutschen Michel ankommen, dem dann auch einleuchtet, dass Arbeitslosigkeit nichts mit Eigenverschulden zu tun hat, sondern ein Massenphänomen ist und die Grundsicherung wirklich nur die Existenz sichert.

Anonym 11. Februar 2010 um 15:50  

Lösung habe ich keine, aber einen schönen konstruktiv-destruktiven (je nach Anschauung) Vorschlag:

Wieso heben wir nicht einfach mal alle am 01. April unser gesamtes Geld von den Bankkonten und Sparbüchern ab? Würde sicher lustig werden.....und wäre bestimmt effektiver als irgendeine Demo, über die dann sowieso nicht berichtet wird in unseren marktradikal-arschkriecherischen Medien.

Ein Generalstreik ist in unserer Show-Demokratie schließlich nicht erlaubt (huiuiui) und da sich die Gewerkschaften in die Hose machen beim Gedanken daran, zu etwas Unerlaubten aufzurufen, müssen wir halt selbst zur Tat schreiten.

Ich sehe das so: Wenn ich mich schon nicht vollumfänglich gegen die Arschkapitalisten und Menschenverächter wehren kann, dann trete ich ihnen wenigstens hin und wieder kräftig gegen das Schienbein oder pinkele an selbiges.

Und Roberto, nenne mich naiv, aber ich glaube immer noch daran, dass die meisten Menschen zwar doof aber im Grunde des Herzens gut sind. Arschlöcher gibt es natürlich auch (wie sollte die FDP denn sonst zu ihren Wahlergebnissen kommen). Der BLÖD glaube ich kein Wort, wer sagt mir, dass nicht ein Großteil der Kommentare gefaked ist? Ich kenne keinen, der diese Art Menschenverachtung gut heißt!

res_inutilis 11. Februar 2010 um 17:00  

Lieber Herr Kudanek (11/02/2010 | 10:02)

Leider sind die Pläne unserer Machthaber schon viel weiter gediehen.

Von den Bürgern der Mitgliedstaaten weitgehend unbemerkt wurde aus begreiflicher Angst vor dem bisher kaum artikulierten Unwillen der Citoyens der Völkergemeinschaft EU von den Regierungen eine Polizeitruppe mit weitreichenden Befugnissen installiert, die sich EUROGENDFOR nennt und zu den allerschlimmsten Befürchtungen Anlaß gibt.

Aber lesen Sie bitte selber:

http://www.zeit-fragen.ch/ausgaben/2010/nr5-vom-122010/was-versteckt-sich-hinter-eurogendfor-mit-eu-besetzungsrecht

Hoffentlich habe ich Ihnen mit diesem Link nicht Ihre Faschingsfreude verdorben.

In ehrlicher Zerknirschung

Ihr
misfit

Anonym 11. Februar 2010 um 18:50  

Man muss es doch so sagen:

Die Ober- und Mittelschicht brauchen die Dienstleistungen der Unterschicht mittelfristig nicht mehr.
Zum einen lassen sich immer mehr einfache Dienstleistungen automatisieren und die europäische Dienstleistungsrichtlinie ermöglicht es die notwendigen Dienstleistungen zu einem Bruchteil der Lohnkosten im europäischen Nachbarland einzukaufen.
Viele Firmen gründen jetzt Niederlassungen dort über die Steueroasen, und entlassen dann hier im grossen Stil.
So läuft der Hase.

Anonym 11. Februar 2010 um 20:11  

@ res_inutilis

Miltärische Einheiten, die mit Waffengewalt die herrschende Ordnung verteidigen wollen (die Ordnung also, die zu diesem Konflikt führte)? Was wird von mir erwartet zu tun? Tatenlos weg-/zu-zusehen?

Wer von Krieg umgeben ist, muss sich irgendwann für eine Seite entscheiden, oder?

Anonym 12. Februar 2010 um 05:00  

@ Anonym 11. Februar 2010 18:50

das Problem ist ein Verteilungsproblem.

Der Volkwirtschaft stehen ausreichend Güter für alle zur Verfügung. Der Zugang zu den Gütern wird bei uns über das Geld gesteuert, das hauptsächlich vom Staat und den Unternehmern bei den Banken als Kredit geschöpft.

Bei Erwerbsarbeit -egal oder abhängig oder selbständig- hängt der Mensch am Geldtropf des Unternehmens, welches bei der Bank Kredit aufgenommen hat. Bei Bezug von Transfereistungen hängt er am Tropf des staatlich finanzierten Kredits.

Der Steuerzahler bezahlt also die Kreditaufnahme des Staates. Das Problem sind daher nicht so sehr die Mittelverwendung des Staates, sondern die Zinsen auf die Kredite.

Was bei uns in den letzten 30 Jahren stattgefunden hat ist eine massives Zudrehen des Zugangs der gesamten Bevölkerung zum Geld durch Einkommens- und Transferleistungseinbußen.

Die von dir beklagte Arbeitslosigkeit aufgrund von technologischen Fortschritts und der Konkurrenzsituation mit niedrigeren Löhnen im Ausland könnte man teilweise durch Anhebung des Bildungsniveaus bekämpfen - die Bundesregierung senkt aber derzeit auf breiter Front das Bildungsniveau. Außerdem werden die Löhne im Ausland auch nicht immer so niedrig bleiben.

Das Urteil des BVerfG sagt uns nun, dass der Staat jedem Erwerbslosen das Existenzminimum zu zahlen.

Die Regierung hat daher vier Optionen:

1) Aktive Beschäftigungspolitik, um mehr Transferleistungsempfänger wieder an den Geldschöpfungstropf der Unternehmen zu hängen
2) Bessere Förderung der Selbständigkeit, womit man gründungswillige Erwerbslose an den Geldschöpfungstrog der Bank hängt
3) Verhandlungen mit den Banken über die Zinsen und Schulden (Zinssenkung, Schuldenerlass)
4) Eindampfen der Transferleistungen

Die letztere Option ist die schlechteste, denn sie gefährdet die Sicherheit und den inneren Frieden.

Gruß
Bernd

Gruß
Bernd

Berggeist1963 12. Februar 2010 um 07:58  

Zum Thema "Aufstand" ein paar "futuristische" Gedankenspiele: Wenn es denn überhaupt so weit kommen sollte, dann gehen wahrscheinlich lediglich "Prekariat" und "noch-nicht-ganz-Prekariat" aufeinander los. Interessiert betrachtet vom vorm Bildschirm hockenden "treudeutsch(-doof)en" Michel und der sog. "Ober- und Leistungsträgerschicht" nebst ihren Wasserträgern. Das "noch-nicht-ganz-Prekariat" dürfte evtl. tatkräftige Unterstützung von noch rüstigen Rentnern erhalten. Diese haben sich ja in den einschlägigen Hetzforen ebenfalls schon bemerkbar gemacht mit Sätzen wie "HartzIV komplett streichen, dafür das Geld uns Rentnern zukommen lassen". "Leistungsträger", "Noch-auskömmlich-Verdiener" und Politkriminelle sitzen dann händereibend vor dem Fernseher. Falls sich jedoch unerwarteterweise eine Art "Volkssolidarität" unter Erwerbslosen, Niedriglöhnern, Aufstockern und sonstigen sozial Benachteiligten bilden und deren Zorn sich gegen die "herrschende Klasse" wenden sollte, dann dürften unsere Politmarionetten sich nicht scheuen, eine gewalttätige Unterdrückung anzuordnen (Stichwort EurGendFor, Einsatz BW im Inneren usw.). Das Ganze dann natürlich schön durch die einschlägig bekannten Medien vor- und aufbereitet. Da wird es dann heissen "tobender Mob von Asozialen, Alkoholikern und sonstigen Sozialschmarotzern". Und dann wird dem ollen Michel verklickert, dass es, wenn dieser "Pöbel" sich behaupten sollte, seinem heissgeliebten Auto, seinem Klein-Häuschen und seinem Malle-Ulaub an den Kragen gehen würde. Bei diesen Punkten ist uns Michelchen ja bekanntlich besonders empfindlich. Die bei dieser "Niederschlagung" auf dem "Blutacker" zurückbleibenden Opfer und "Kollateralschäden" werden dann von oben her als "Staatsnotwehr", "Abwehr von radikalen Feinden unserer freiheitlichen demokratischen Grundordnung" sowie unter dem Begriff "Wehrhafte Demokratie" abgehakt und begründet. Michelchen sitzt dann bei den Bildern exzessiver staatlicher Gewaltanwendung begeistert vom TV-Gerät und brüllt frenetisch "Jawoll, immer feste drauf und mal ordentlich dazwischenhalten!". Danach sind die ganzen Michels zutiefst beeindruckt davon, wie sie der "Staat" vor diesem "Abschaum" geschützt hat und werden ihm nebst dessen wahren Hintermännern selbstverständlich als noch grössere Duckmäuser, Ja-Sager und Arbeitssklaven bereitwillig zur Verfügung stehen. Man hat ja gesehen, was dabei rauskommt wenn nicht...

Anonym 12. Februar 2010 um 09:53  

Berggeist1963 hat gesagt...

Zum Thema "Aufstand" ein paar "futuristische" Gedankenspiele:

Hi Berggeist, dieses unterwürfige, träge, oft gemein und arrogant gegen alles unter ihr Stehende eingestellte und agierende kleinbürgerlich-opportunistische Pack( es können heutzutage auch mal "Stammarbeiter", "Gewerkschaftler" sein!)hat es zu allen Zeiten in allen Ländern gegeben, vor, nach und natürlich auch während Revolutionen, großen gesellschaftlichen Umwälzungen.
Diese Pack gehört neben vielen(nicht allen!!) Staatsdienern ganz selbstverständlich zu den scheinbar festesten Stützen einer jeden Ordnung, einer jeder gerade herrschenden Schicht oder Elite.
Aber du übersiehst einen entscheidenden Punkt: Seinem ganzen Selbstverständnis und Charakter nach orientiert sich dieses Pack an der gerade herrschenden Ordnung und Elite, an ihr rangt es sich geradezu wie Efeu inbrünstig nach oben, voller Bewunderung ob deren Macht und Herrlichkeit über die Gesellschaft.
Und gerade hier liegt aber auch die "Achillesferse" dieser "reaktionären Masse": Sobald es während einer schweren gesellschaftlichen Krise einer relativ kleinen, aber gut organisierten, fest entschlossenen Organisation von Menschen gelingt, die gerade herrschende Elite zu entmachten, deren Ordnung außer Kraft zu setzen, mit der errungenen Macht die dringensten Bedürfnisse eines Großteils der Bevölkerung durch schnelle und entschlossene Maßnahmen zu befriedigen, eine neue Ordnung zu schaffen, in dem Maße beginnt sich ein erheblicher Teil dieses Packs sich sehr schnell von den bisher herrschenden Eliten und deren Ordnung abzuwenden.
Der gleiche schäbige Opportunismus, die gleiche Bereitschaft zu jeglicher Kriecherei dieser Schicht kehrt sich in so einer "außergewöhnlichen" Situation in beachtlichen Umfang gegen die bisherige Elite und schleimt sich schnell den neuen "Herren" an: Die sprichwörtlichen -neudeutsch - "Wendhälse"!
Dies ist keine Theorie, welche ich mir aus den Fingern gesogen habe sondern eine Erfahrung, welche man in allen großen Revolutionen und Umwälzungen studieren und nachweisen kann, und nicht nur in Europa!
Allerdings: Gelingt es einer gerade entmachteten Elite, eine Konterevolution anzuzetteln, rekrutiert sich ein Teil dieser "Konterrevolutionäre" eben auch aus diesen vormaligen Mitläufern der alten Ordnung.
Und je nach persönlicher Einschätzung bezüglich des Ausganges eines solchen Versuchs der Resauration der "geliebten alten Ordnung" wendet sich dieses Pack in derartigen komplizierten Situationen mehr der einen oder mehr der anderen Seite zu.
Je entschlossener also die neue Ordnung verteidigt und gefestigt wird, desto geringer wird auch die Möglichkeit, dass dieses opportunistische Pack massenhaft als Helfershelfer einer Konterrevolution in Erscheinung treten kann.
Sagt man nicht, man muss einer Schlange den Kopf abschlagen?

Alles klar?

mfg Bakunin

Bernd Kudanek alias bjk 12. Februar 2010 um 11:03  

@Anonym (Bernd)

Du schreibst: "Die von dir beklagte Arbeitslosigkeit aufgrund von technologischen Fortschritts und der Konkurrenzsituation mit niedrigeren Löhnen im Ausland könnte man teilweise durch Anhebung des Bildungsniveaus bekämpfen - die Bundesregierung senkt aber derzeit auf breiter Front das Bildungsniveau."

Deinen Erklärungen der Arbeitslosigkeit kann ich so nicht zustimmen und auch Deinen Lösungsrezepten nicht. Wenn es denn z. B. so simpel wäre, durch "Anhebung des Bildungsniveaus" der Arbeitslosigkeit zu entgehen, warum sind trotzdem so viele gut ausgebildete AkademikerInnen arbeitslos oder jobben bestenfalls als mies bis gar nicht bezahlte PraktikantInnen? Die "Konkurrenz niedriger Löhne im Ausland" kann doch nur heißen, Solidarität mit diesen KollegInnen zu üben und ihnen zur (möglichst weltweiten) Lohnangleichung beizustehen statt sie mittels (vermeintlich) hohen Bildungsniveaus übertrumpfen zu wollen, was letztlich auf rücksichtslosen Verdrängungswettbewerb hinausliefe! Weniger die jeweiligen BRD-Regierungen, auch nicht alleine die jetzige, sind hauptverantwortlich für das derzeitige PISA-Bildungsniveau sondern vielmehr der ungehemmte, durch eine gewissenlose Journaillenindustrie beförderte, an den tatsächlichen Lebensbedürfnissen vorbeigehende Konsumierungszwang. Die primitiven Sprechblasen fast aller PolitikerInnen und WerbetexterInnen sowieso verludern schon seit Jahrzehnten nachhaltig die vielfältige Ausdrucksmöglichkeit unserer Sprache, wobei m. E. die oft dämlichen Anglizismen gar nicht mal die entscheidende Rolle spielen. Schon wiß- und lernbegierige Kleinkinder werden von überforderten Eltern vor allem durch Einschalten der Glotze ruhiggestellt. Wen wundert da, wenn (deutsche!!!) Fünf- und Sechsjährige oft noch immer nur stammelndes Babysprech können und in ihrer Entwicklung weitgehend verkümmert sind?! Um nicht noch weiter vom Hundertsten ins Tausendste zu kommen, lieber Bernd, nur noch soviel: ein möglichst hohes Bildungsniveau ist natürlich erstrebenswert, vorausgesetzt, alle verstehen das Gleiche darunter. Das wäre übrigens eine Diskussion in einem neuen Thread wert. ;-)))

Gruß
bjk


@misfit

Du schreibst: "... von den Regierungen eine Polizeitruppe mit weitreichenden Befugnissen installiert, die sich EUROGENDFOR nennt und zu den allerschlimmsten Befürchtungen Anlaß gibt."

Lieber misfit, danke für den Link. Diese als Bürgerkriegs-Milizen installierte EU-Spezial-Polizeitruppe habe ich auch in meinem Forum immer wieder zum Thema gemacht. Du hast recht, wenn Du schreibst, sie ist von den Bürgern der Mitgliedstaaten weitgehend unbemerkt installiert worden. Allerdings nur von den BürgerInnen, deren politische Frühstückslektüre Erzeugnisse der Springer-Bertelsmann-Holtzbrinckschen-DuMontschen Journaillenindustrie sind. Denn nicht zwangsläufig stecken z. B. hinter jeder FAZ kluge Köpfe, vielmehr sind diese vor allem bei denen zu finden, deren politische Meinungsbildung sich aus anderen Quellen speist, insbesondere dem Internet - wie z. B. wir NutzerInnen hier in Robertos Blog. :-)))

Gruß
bjk

Berggeist1963 12. Februar 2010 um 11:57  

@Bakunin, kann mich Deinen Ausführungn uneingeschränkt anschliessen! Somit also alles klar!
MfG
Berggeist1963

d1602167 12. Februar 2010 um 15:18  

Danke für diesen Artikel! Ich habe hier darauf Bezug genommen: http://gemeinsinn.wordpress.com/2010/02/12/white-trash-essbares-aus-mlltonnen/

... Ungeachtet solch brachial-ethischer Bedenken schert sich die bauchfühlende Volksseele schon lang nicht mehr um verklausulierte Grundgesetzartikel. Ihr Sprachorgan verlautbart im Leitartikel:

“Natürlich gönnt jedermann Kindern und Familien irgendwie mehr Geld. Klar. Aber was ist mit denen, die mit kleinen und mittleren Gehältern dafür aufkommen müssen? Dazu sagten die Richter kein einziges Wort! Zur ganzen Gerechtigkeit gehört aber auch: Hartz-IV-Empfänger leben nicht von einem anonymen „Staat“, der das Geld aus dem Himmel holt. Sondern von Leistung und Gemeinsinn derer, die Steuern und Abgaben aufbringen. Für sie wollte die neue –auch deshalb gewählte –Regierung endlich mehr tun. Pustekuchen. Hartz IV rauf, Steuersenkung ade: So kippt der Sozialstaat weiter in die Schieflage. Die Hartz-IV-Empfänger haben gestern gewonnen. Aber sie haben dabei diejenigen besiegt, die für sie zahlen. Das spaltet. Das kann nicht gut gehen.”

Ja, dieses spaltende Geschwätz von der Menschenwürde. Dass sich der aufgehetzte Pöbel schon immer am wirkungsvollsten selbst zerfleischt hat, wird von adsinistram mit traurigem Realitätssinn auf den Punkt gebracht: “…es wird kein Krieg sein, der von oben verordnet und geführt wird; er wird den aufgewiegelten Massen in Fleisch und Blut übergehen, er wird im Namen der Profite und der Profiteure, von einer wildgewordenen Volksarmee geführt. Sich ausgebeutet wähnende, sich zu kurz gekommen fühlende Milizen, stürmen immer noch am leidenschaftlichsten, sind immer noch die effektivsten Leidschaffenden – gerade dann, wenn der Feind unbewaffnet und ohne Verteidigungswillen zittert.” ...

Die Katze aus dem Sack 12. Februar 2010 um 16:49  

Soziale Unruhen in einem demokratischen Sozialstaat? Das ist doch eher unwahrscheinlich, oder etwa nicht?

Auszug aus der Präambel des deutschen Grundgesetzes: "Die in den Artikeln 1 und 20 des Grundgesetzes niedergelegten Grundsätze sind unabänderlich. Artikel 1 garantiert die Menschenwürde und unterstreicht die Rechtsverbindlichkeit der Grundrechte. Artikel 20 beschreibt Staatsprinzipien wie Demokratie, Rechtsstaat und Sozialstaat."

Ist die Würde des Menschen nun unantastbar oder lediglich eine nach beliebigem Ermessen manipulierbare Floskel? Sind wir nun ein Sozialstaat oder sind wir es nicht (demokratisch, rechtsstaatlich)? Ich nahm an, diese Dinge seien tatsächlich unabänderlich. Was haben die mir damals blos alles für einen Quatsch beigebracht.

Einige Vertreter aus der liberalen Mitte (wo auch immer das ist) poltern ziemlich wüst herum - gegen diesen unverschämten Sozialstaat, und hätten ihn sehr gern demontiert. Ätsch, geht aber nicht. Und somit: Soziale Unruhen ausgeschlossen - der Sozialstaat bleibt erhalten und die Würde der Menschen unantastbar. Hurra!!

Anonym 12. Februar 2010 um 23:24  

@Lösungssucher
Das Grundproblem ist doch, dass man für eine in einem positiven Sinne funktionierende Martkwirtschaft einen Raum mit eigener Währung, eigenen Zöllen und einer nicht korrupten, über diese Dinge bestimmenden Regierung braucht.

Hatt man das alles nicht, steht man unter "Sachzwängen", welche ja auch ständig beschworen werden, um alles Mögliche zu begründen.

Hatt man es, kann man über Zölle Arbeit in diesem Raum schaffen, die sonst nach dem alten "Ich bin da, wo es gerade am billigsten ist" Spiel um die Welt wandert und die Löhne Weltweit unten hält.
Man kann auch über Steuern und Mindestlöhne die Verteilung organisieren, da Unternehmen, die deswegen auswandern würden, ihren Absatzmarkt verlieren würden etc.
(China praktiziert ähnliches recht erfolgreich, wenn auch auf niedrigerem Ausgansniveau).
Die höheren Löhne blieben durch die daran angepassten Zölle im Land und würden nicht den Nierdriglohnsektor in anderen Ländern befeuern.
Es ist ja eine Binsenweisheit, dass in der MW nicht hauptsächlich nach Leistung bezahlt wird, sondern nach der Knappheit (entstehend aus dem Angebot und der Nachfrage eines Gutes).
Dies gilt auch für Arbeitskraft.

Das Problem daran, so etwas zu bekommen ist die dafür benötige nicht korrupte Regierung.
Man muss sagen, dass korruption und Begünstigung einflußreicher Gruppen sich nuneinmal finanziell und Wahlvieh mäßg gesehen auszahlt, dafür sorgen die korrupten Medien.

Der Ansatzpunkt zur Lösung ist also die Schaffung und die Verbreitung nicht korrupter Medien.
Da - das nötige Kleingeld vorrausgesetzt, jeder in diesem Lande ein Medium besitzen kann, ist das erste, was man also tun muss, sich Geld beschaffen.

Sich Geld zu beschaffen ist nicht leicht, aber man muss dafür auch kein Genie sein.
Es gibt in diesem Lande viele Möglichkeiten, unternehmerisch tätig zu sein, einen Anfang kann man schon mit unter 200€ machen - als Selbständiger.
Wonach man suchen muss (bzw. was am einfachsten ist ohne großes Startkapital), um damit anzufangen ist, ganz Banal auf den ersten Blick, Folgendes:
Etwas, das Leute haben wollen, das du ihnen geben könntest, wovon beide Seiten profitieren - das muss nicht zingend Materiell auf Seiten des Kunden sein, es kann z.B. auch Zeit ersparend sein, oder auch einfach nur angenehm.

Auch muss man soetwas nicht allein tun, es gibt ja noch mehr Menschen mit Fähigkeiten und/oder Geld, die auf dem Weg behilflich sein können und wollen.

Nun ist das nicht unbedingt cooler Revoluzzer Style und Niemand würde deswegen später deinen Kopf auf seinem Shirt mit sich herumtragen, aber ein Lösungsweg ist es schon.

MfG Askari

Anonym 12. Februar 2010 um 23:54  

@werter Namensvetter Bernd aka bjk,

die Arbeitslosigkeit bei uns ist imho politisch gewollt. Bis zu einem gewissen Grad kann man ein Volk nach dem Grundsatz 'divide et impera' wohl besser regieren.

Das Volk kann sich glaube ich glücklich schätzen, dass es dank Hartz4 und sinkender Löhne bald völlig vom Konsumzwang erlöst und auf Tafelniveau eingedampft wird.

Aber im Internet Gegenöffentlichkeit schaffen und hier und da eine große Ladung Sand ins stotternde staatlich-plutokratische Getriebe und die Machteliten werden gar nicht wissen, wer sie sabotiert hat.

Gruß
Bernd

Peinhard 13. Februar 2010 um 09:57  

"[D]as Problem ist ein Verteilungsproblem."

Leider nicht. Denn es ist im Kapitalismus keine andere Verteilung denkbar als die, dass zuallererst die Profit- und Renditeerwartungen des Kapitals, und zwar im 'Weltmaßstab', befriedigt werden. Mit fortschreitender Akkumulation werden die verbleibenden Spielräume grundsätzlich immer geringer.

"Der Volkwirtschaft stehen ausreichend Güter für alle zur Verfügung."

'Stofflich' betrachtet absolut richtig - aber genau darum geht es eben nicht. Es geht um die selbstzweckhafte Vermehrung von Geld, und nicht um die Befriedigung der Bedürfnisse. Und genau so sehen dann - leider - auch deine vier 'Optionen' aus. :(

Anonym 13. Februar 2010 um 20:37  

@Peinhard,

der Kapitalismus ein ewiger Kampf um den Zugang zur Geldquelle. Die Plutokraten verbauen den Zugang natürlich, weil sie das Geld aus Raffgier alleine horten wollen.

Um die selbstzweckhafte Vermehrung (Akkumulation) des Geldes geht es aber nur den Plutokraten.

Dem Rest der Bevölkerung geht es um den Zugang zu den Waren und die Deckung der Grundbedürfnisse. Und die kann man auch ohne Geld decken.

Gruß
Bernd

Peinhard 14. Februar 2010 um 10:57  

"Dem Rest der Bevölkerung geht es um den Zugang zu den Waren und die Deckung der Grundbedürfnisse. Und die kann man auch ohne Geld decken."

Und wie zum Deibel machst du das...? ;)

Anonym 14. Februar 2010 um 11:31  

---
Die Wirtschaftsdoktrin ist gescheitert und es gibt auch nicht im Ansatz einen neuen wirtschaftspolitischen Ansatz zur Bewältigung der neoliberalen Verwüstung.
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Aber sicher gibts grundlegend andere ökonomische Ansätze, die und deren bisherige Umsetzung natürlich von den Herrschenden und ihren Vertretern tagein tagaus und bei jeder Gelegenheit diskreditiert werden. Ist doch klar; aus ihrer Perspektive müssen die Unrecht und fürchterliche Diktaturen sein.

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