Facie prima

Donnerstag, 23. Juli 2009

Heute: Der Wutverzerrte, der NPD-Mann


Wird von denen berichtet, die sich am rechten Rand eingenistet haben, dort wo dumpfe Parolen mit Heil verabschiedet werden, dann begleitet nicht selten eine wütende Fratze, ein schmerzverzerrter, haßerfüllter Kopf den Text. Dieser - der Text - wird zur Nebensächlichkeit, so wie die politischen Botschaften dieser Herrschaften es sowieso schon sind, denn man wirft nur ein Auge auf das Bild, um ahnen zu können, wes Geistes Kind der behandelte Charakter zu sein scheint. Die Fratze, so entstellend sie auch abgelichtet wurde, mag nicht täuschen, die dämliche Geisteskindheit trifft höchstwahrscheinlich zu. Aber weshalb nur jene Herrschaften gebräunter Gehirnlappen in dieser Weise der Öffentlichkeit zugeführt werden, warum die schweißnasse, bierselige Wut, hineingegrunzt in ein Mikrofon, nur den Männern der NPD, diesen ganzen Kerlen aus Stahl und Granit, zum medialen Markenzeichen wurde, ist symptomatisch für diese zeitgenössische Gesellschaft.

Der rechte Rand, die Wutfratzen brauner Mattigkeit, nehmen eine Rolle ein, die sie freilich nur zu gerne geben. Während in dieser Republik die Jünger der Merkel auf den Reichsarbeitsdienst zurückgreifen wollen, während aalglatte harte Hunde wie Guttenberg einer ist, deutsche Geschichte klittern, während Feldmarschälle wie Jung großmannssüchtig Öl ins Feuer kippen dürfen, hat das wutverzerrte Scheusal Feuerschutz zu erteilen. In der entstellten Fratze spiegelt sich des Bürgertums Ablehnung wider, sie läßt den bürgerlichen Politiker erst zur Respektsperson werden. Wer so schielt, so sein Maul aufreißt, fanatisch schwitzt, sein Antlitz zur abscheulichen Grimasse verformt, der muß ein verschlagenes, brutales, niederträchtiges Subjekt sein. Und dann sehen wir die anderen, die ihr rechtes, faschistoides, menschenverachtendes Weltbild in die Kameras lächeln. Wir sehen einen penibel gekämmten Guttenberg, einen staatsmännisch glubschenden Sarrazin, einen gartenzwergisch wirkenden Einfaltspinsel namens Jung: wer so banal, wer so fein zurechtgemacht aus den Tageszeitungen herauswinkt, der kann doch im Geiste keine Bruderschaft mit dem wütenden Zerrbild gesoffen haben.

Obwohl im sogenannten bürgerlichen Lager Vorstellungen gären, die sich nur wenig von denen der NPD unterscheiden, obwohl auch dort der Hass auf Menschen nicht mehr nur latent vorhanden, sondern mit besorgniserregender Regelmäßigkeit hervorbricht, begegnet uns kein wütender Sarrazin, kein sperrangelweites Mundwerk eines geschniegelten Adligen, kein Stechblick a la Rasputin in den Augen des kriegerischen Friedensministers, keine fanatische Schweißflut auf der Stirn des Sicherheitsfanatikers Schäuble. Sie werden als charaktervolle Gestalten fotografiert, als hohe Vertreter dieses Staates, immer besonnen, immer vernünftig, immer staatsmännisch. Die Fratze des Hasses, obwohl auch sie Hass predigen und kultivieren, wenn sie wieder einmal Arbeitslose, Rentner, Ausländer oder andere der vielen Randgruppen an die Wand drücken - diese Fratze ist nur für den rechten Alibi-Rand reserviert. Sicherlich berechtigt, weil der fanatische Hass der NPD, DVU, Republikaner kein Hirngespinst ist, sondern in den Schwammwindungen jener Herrschaften wirklich eine Heimstatt hat. Aber warum haben nicht die aalglatten Vertreter der bürgerlichen Lager dasselbe Recht auf Entstellung ihres Gesichtes, auf das fotografierte und damit zeitlos gemachte Entgleiten ihrer Gesichtszüge? Denn eines dürfte klar sein, so blöde und voller Wut, dürften auch sie zuweilen aussehen. Nur dann landen die Abzüge des Fotografen, wenn er überhaupt auf den Auslöser drückt, im Abfalleimer, nicht auf den Titelseiten, von denen gegen die faschistische Gefahr herabgepredigt wird. Eine Gefahr, die nicht bei den entstellten Spottgesichtern zu suchen ist, sondern bei denen, die "in der Maske der Demokraten" daherkommen.

15 Kommentare:

pillo 23. Juli 2009 um 02:19  

Nun, die NPD-Heinis sind die Bluthunde für die wirklich gefährlichen Faschisten. Sie sind sozusagen die Bulldoggen, Rottweiler und Terrier - so häßlich und furchterregend, daß kaum jemand etwas mit ihnen zu tun haben will. Dabei übersehen die Zurückweichenden zwei wichtige Aspekte.

1.) Diese Bluthunde ebnen den Weg für ihre Herrchen!

2.) Die Herrchen selber bleiben unbeobachtet, da sich die gesamte Aufmerksamkeit ja auf die gefährlichen Bestien richtet.

Dabei sind die adrett gekleideten Herrchen das eigentliche Problem. Sie bleiben stets ein paar Meter hinter ihrem Tier, so das man, wenn man nicht genau hinschaut, die Verbindungsleine zwischen beiden leicht übersehen kann.

Die NPD- und DVU-Nazis sind die nützlichen Idioten für die wirklichen Brandstifter und Hetzer. Sie preschen vor, besetzen Themen, Hetzen gegen Minderheiten und schüchtern ihre (linken) Gegner ein. Dabei machen sie sich gesellschaftlich unmöglich, so daß sich wirklich nur die Dümmsten und Verzweifeltsten mit ihnen abgeben. Ihr großer Verdienst (aus Sicht der neoliberalen Wirtschaftsfaschisten) ist jedoch der stete Tabubruch. Damit bereiten sie den Weg für die "anständigen", konservativen und liberalen Politiker. Diese durchschreiten (mit entsprechendem zeitlichen Abstand versteht sich) nur zu gern die von den NPD-Nazis geschlagenen Preschen. Was heute ganz offen und selbstverständlich von CDU/CSU/SPD/FDP-Politikern gefordert wird, hätten sich zu Beginn der 90er Jahre noch nicht einmal die Nazis getraut laut auszusprechen.

Deswegen kann man auch die alle Jahre wiederkehrende "Debatte" über ein NPD-Verbot unter Ulk verbuchen. Etwas besseres als diese zurückgebliebenen Spießgesellen von NPD, DVU und Rep, kann den "demokratisch gesinnten" Politikern der etablierten Parteien gar nicht passieren. Letztere geben schließlich nur Volkes Meinung wieder und besetzen Themen, um die Rechten nicht stark werden zu lassen.

beobachter 23. Juli 2009 um 06:41  
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Anonym 23. Juli 2009 um 10:26  

Wunderbar beschrieben.

Was mir, auch ohne Fratzenschneiderei der NPDler, auffällt ist das totschweigen der Mainstream-Medien wenn es um den normalen Alltagsrassismus der Deutschen geht. Die NPD/DVU & Konsorten werden immer wieder, richtig, als rassistisch beschrieben, aber wenn die Thematik aufkommt, dass es eben auch Deutsche ohne Parteibuch gibt, die rassistisch und sozialdarwinistisch (sorry Darwin) eingestellt sind, ebenso wie demokratiefeindlich, dann wird sofort wieder abgelenkt.

Ist euch dies auch schon aufgefallen?

Ich bemerke dies immer öfter, auch in Diskussionen im privaten Bereich, z.B. wissen manche oder wollen es manche gar nicht wissen, dass Faschismus sich nicht allein am Nationalsozialismus festmacht, der eben nur eine besonders brutale Unterströmung des internationalen Faschismus war, von dem heute noch Ableger in Südeuropa und Lateinamerika existieren (vom Faschismus).

Sorry, ich schweife ab, und mache den selben Fehler, den ich oben beschreibe, denn Alltagsrassismus/Sozialrassismus (müßte es eigtl. statt Sozialdarwnismus heißen) und demokratiefeindlichkeit gibt es auch ohne politische Einstellung.

Vorurteile eben, die jeder Mensch hat, und die von der Politik geschürt statt bekämpft werden.

Wäre es nicht toll, wenn mal ein Regierungspolitiker bzw. eine -politikerin hinstehen würde und sagen würde:

"Sorry, wir haben unseren Vorurteilen freien Lauf gelassen, wollen uns bei den davon betroffenen Bevölkerungsteilen in Deutschland entschuldigen und einiges zur Verbesserung tun, damit es NIE wieder soweit kommt."

Ich weiß, leider nur ein Traum, wenn auch ein schöner....

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 23. Juli 2009 um 10:45  

Was den Begriff "Faschismus" angeht, da mache ich im realen Leben auch oft die Erfahrung, dass viele gar nicht wissen, oder wissen wollen, was dieser Begriff bedeutet - Nein, man ist sogar noch stolz drauf zu den geschichtlichen Analphabeten in Deutschland zu gehören.

Mein Neffe meinte mal, als ich nur beiläufig erwähnte, dass Geschichte in der Schule schon immer mein Lieblingsfach war: "Ach, du bist auch so ein Geschichtsfuzzy?!"

Ich fasste es als unabsichtliche Beleidigung auf, da er ansonsten ja ein netter Kerl ist, mein Neffe, aber eben Geschichte hasst wie die Pest.

Bei solchen Jugendlichen, die die Zusammenhänge einfach nicht sehen wollen, und nur noch widerwillig in die Schule gehen, wundert es mich wirklich nicht, dass die neoliberale Bewegung in Deutschland so weit gekommen ist, wie die kommt.

!!!Allgemeinwissen zählt nicht mehr, sondern nur noch, dass die Jugendlichen, dass angeblich Notwendigste wissen, um verwurstet zu werden....!!!

Wo hörte ich dies eigentlich schon einmal über eine Machtideologie in Deutschland?

Kleiner Hinweis, die DDR war es nicht...

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 23. Juli 2009 um 10:53  

hallo,

fratzen sind aus der Harmonie (nach Heraklit) gefallene gesichter... und so ist auch das schiefe gesicht eines sarazzin eine fratzte (dieser hier nur als beispiel genommen) ich beobachte es schon lange, dass diese schiefen gesichter und auch verdrucksten körperhaltungen immer mehr in der öffentlichkeit zunehmen.

wahrscheinlich waren sie schon immer da, nur ich hab nicht richtig hingesehen.

Roberto, Du hast mit Deinen beobachtungen und benenungen zb gartenzwerggesicht etc absolut ins schwarze getroffen. diese leute haben keine innere harmonie. sie scheinen verzerrte vertreter von prinzipien zu sein. es fehlt in diesen gesichtern empathie - sie strahlen nur macht und den willen zur bedingungslosen gewalt aus.

Anonym 23. Juli 2009 um 14:23  

Machen Sie sich doch einfach mal die Mühe und lesen das Wahlprogramm der NPD. Erstaunlich wie viel Gemeinsamkeiten die Nationalsozialisten mit den sog. Antifaschisten haben...
Ach ja, dass was ich auf Bildern und Videos von Demonstrationen der radikalen linken sehe läßt für mich nur die Bezeichnung "Linksfaschisten" zu. Die finde ich mindestens so beänstigend wie die Nazi-Glatzen. Aber ach, ich vergaß,die propagieren ja die "Richtige" Meinung. Das ist DDR 2.0! Meinungsdiktatur!

romano 23. Juli 2009 um 14:57  

divide et impera. Diese Fratzen machen nur die Drecksarbeit, ihre Funktion liegt im Teilen. Sie schlagen Keile zwischen die Menschen, wenn auch noch relativ kleine, aber immerhin. Sie lassen ihre Anhänger sich von ihren eigenen Interessen abwenden und der Illusion folgen. Sie sind Teiler. Sie zwacken Wähler ab, sie hermetisieren sie am rechten Rand. Sie erzeugen die Linksextremisten der Bürger, die wangenzuckend und Standbein wechselnd ihr Kreuzchen in die unbescholtene Mitte diesseits der Peripherien zentrieren können. Es spannt sich eine Horizontale auf, die ablenkt vom vertikalen Faschismus.

Knut Richter 23. Juli 2009 um 15:19  

Ein englischer Literat hat mal geschrieben"er ist sehr mutig, er wird früh sterben."

Michel 23. Juli 2009 um 15:56  

Scheint so, als würde es sich hier in D ähnlich wie in Großbritannien entwicklen.

In Zeiten der Krise scheinen die stockkonservativen, elitären Maulhelden die bessere Wahl zu sein, denn "die tun was" und reden nicht nur.

In GB kommen momentan die konservativen Tories hoch, obwohl die absolut GARNICHTS zu bieten haben: keine Konzepte, keine Ideen, keine Ahnung. Aber Reden schwingen können die und die britische Regierungspartei, die Labour-Party, ist momentan so schwach und durch Ex-Premier Tony Blairs Schmieren- und Bestechungspolitik derartig verhasst, dass vermutlich jeder im Vergleich zu Labour gut aussehen würde. Die Tories sind ein Haufen aristokratischer Oberschicht-Bübchen, die meisten haben Trustfunds, waren auf Elite-Schulen und haben sich noch nie im Leben Sorgen um Geld gemacht. Im wesentlichen versprechen die Tories - ähnlich wie die CDU - niedrigere Steuern (neulich haben sie die Erbschaftssteuern v.a. für Großgrundbesitz mit-gesenkt), bessere staatliche Leistungen (wie die mit weniger Geld bezahlt werden sollen, ist niemandem klar) und eine stärkere Wirtschaft (ohne natürlich Regulierungen für Banken oder Finanzmärkte einzuführen), bessere Schulen (deshalb werden mehr Schulen privatisiert und damit nicht mehr kostenlos)und bessere Gesundheitsvorsorge (eben mit weniger finanziellem Aufwand).


Und die Briten jubeln diesen zu.

Das erklärt vermutlich auch, warum die Union weiterhin stark ist, trotz Einführung der 1-Euro-Jobs und Merkels scheinbarer Intention, die Gemeinnützigkeit bei 1-Euro-Jobs fallen zu lassen und durch eine Art Arbeitszwang zu ersetzen.

In Notzeiten kriegen anscheinend immer die rechtslastigen Konservativen Aufwind, WEIL die große Angriffs- und Tapferkeitsreden schwingen.

Michel 23. Juli 2009 um 16:02  

@ Nachdenkseiten-leser

"!!!Allgemeinwissen zählt nicht mehr, sondern nur noch, dass die Jugendlichen, dass angeblich Notwendigste wissen, um verwurstet zu werden....!!!"

DAS ist die angelsächsische Bildungstradition: nur das Notwendigste, das zur Ausübung des Berufes befähigt.

In Deutschland sind wir da seit dem frühen 19. Jh. weiter: Humboldt.
Der hat nämlich gefordert, nicht eine Schule, die zur Berufsfähigkeit befähigt, einzuführen, sondern Schulen so zu gestalten, wie sie dem Menschen würdig sind, ihm eine gute Allgemeinbildung UND die Fähigkeit zum Verstehen und kritischen Denken zu geben und an Gymnasien wurde das auch entsprechend umgesetzt und die Restwurzeln davon kann man noch heute in den gymnasialen Lehrplänen etc. finden.

Leider fangen wir an, die angelsächsische Bildungstradition zu übernehmen, in der der Mensch wenig mehr ist als eine Maschine, die auf Tauglichkeit geeicht werden muss.

(Davon abzugrenzen ist die Bildungstradition der angelsächs. Oberschicht, die der deutschen Bildungstradition tatsächlich näher ist: gemeinsame Wurzeln: Antike und Humanismus, Humboldt haben sie dann aber verpasst)

Anonym 23. Juli 2009 um 18:59  

"[...]Machen Sie sich doch einfach mal die Mühe und lesen das Wahlprogramm der NPD. Erstaunlich wie viel Gemeinsamkeiten die Nationalsozialisten mit den sog. Antifaschisten haben...[...]"

Yep, die alte Mär von Rot = Braun.

Da vergleiche ich doch lieber ihr FDP-Wahlprogramm mit dem der NPD, die Liberalen sind der NPD nämlich näher als Ihre "rotlackierten Faschisten"

Wahlprogramme übrigens sind äußerst flexibel einsetzbar - die REPs haben vor Jahren einmal für Arbeitszwang für "faule" Arbeitslose propagiert, aber nach Ihrem Unsinn sind die REPs natürlich auch keine Nazis sondern Antifaschisten.

Anonym 23. Juli 2009 um 19:02  

"[...]Machen Sie sich doch einfach mal die Mühe und lesen das Wahlprogramm der NPD. Erstaunlich wie viel Gemeinsamkeiten die Nationalsozialisten mit den sog. Antifaschisten haben..[...]"

Woher wissen Sie eigentlich was die NDP im Wahlprogramm so stehen hat? Heißt es nicht so schön: Ruft man den Narren so kommt er angerannt?

Sind Sie etwa aus der rechtsextremen Ecke? Ihr Antikommunismus kommt mir nämlich verdächtig bekannt vor - wird meist in neoliberalen oder rechtsextremistischen Kreisen vertreten, ebenso wie ihre Geschichtsklitterung.

Fehlt bloß noch die Drohung mit einer Anzeige, dann wissen wir vollständig wes Geist sie Antifaschisten-Hasser wirklich sind *grins*

Tim 24. Juli 2009 um 02:45  

@Nachdenkseiten-Leser:

"Was den Begriff "Faschismus" angeht, da mache ich im realen Leben auch oft die Erfahrung, dass viele gar nicht wissen, oder wissen wollen, was dieser Begriff bedeutet.

Mein Neffe meinte mal,..."

Ach! Sag bloß, du kennst da einen... *grins*

Anonym 24. Juli 2009 um 11:25  

@Tim

Sehr witzig.... *doppelgrins*

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

baldrian 24. Juli 2009 um 13:04  

Ein englischer Literat hat mal geschrieben"er ist sehr mutig, er wird früh sterben."

welcher literat? ich halte das für eine versteckte drohung von rechts. wer wird bedrioht?

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