Der Zigeuner geht um!

Samstag, 18. Juli 2009

Im Osten Europas fristen sie größtenteils ihr zwangssesshaft gewordenes Leben in Ghettos, in Italien müssen sie ihre Fingerabdrücke registrieren lassen, dem wilden Mob werden sie beinahe allerorten willkürlich ausgeliefert. Als Volksgruppe werden sie nicht geachtet, weil ihr Lebensstil sich nur schwer mit den Vorstellungen moderner Gesellschaft vereinbaren läßt, weil das nomadisierende Dasein der kapitalistischen Produktionsweise keinerlei Sicherheiten bietet. Wo kämen moderne Gesellschaften denn da hin, wenn sie es dulden müßten dass Menschen keinen festen Wohnsitz haben? Es ist der ewige, jahrtausendealte Kampf der Sesshaften gegen jene, die als Nomaden ihr Leben fristen. So war es, als die ersten Felder bestellt wurden und die ersten sesshaften Bauern das plündernde Wandervolk vertrieben; so ist es noch heute, wenn Tuareg von afrikanischen Regierungen unterdrückt werden.

Den Sinti und Roma geht es in weiten Teilen Europas ähnlich. Sie gelten als das umherziehende und bettelnde Volk, als verschlagene Charaktere, als niederträchtige Gewalttäter, denen man nur mit staatlicher Repression Herr zu werden glaubt. Und weil man zur Repression auch immer eine demokratische Basis braucht, sofern man Wert darauf legt, auch als Demokratie anerkannt zu sein, muß auch das Volk daran teilhaben. So hetzen Medien und Regierungen auf, lassen Verfolgungsjagden und Lynchmentalitäten in den Gemütern sprießen, machen die fröhliche Zigeunerjagd, wenn schon nicht legitim, so doch wenigstens salonfähig und rauben ihnen den faschistoiden Ruch des Verbrechens.

Dies alles geschieht bevorzugt in jenen Teilen Europas, die von jeher wenig Ambitionen in Richtung Demokratie und Liberalismus hegten, die immer irgendwo Vorlieben für eine regierende starke Hand hatten. Das trifft für das politisch zerklüftete Italien ebenso zu, wie für den Großteil der osteuropäischen Länder. Und das trifft, man liest es hierzulande nicht gerne, auch für die Bundesrepublik zu. Sicher, es war eine Weile Ruhe, man hat Sinti und Roma, den gemeinen Zigeuner eben, nie besonders geliebt, aber man mußte vorsichtig sein, durfte nicht zu schroff gegen diese Opfer des Nationalsozialismus angehen. Kinder aus Familien, die den zigeunerischen Lebensstil pflegten, wurden demgemäß in den Hauptschulen dieses Landes nie besonders freundlich empfangen, stattdessen sahen sich Lehrer immer wieder dazu angehalten, diesen missratenen Bengeln die staatliche Ordnung, den sesshaften Geist inzuimpfen. Aber das geschah im Stillen, selbst im Klassenzimmer war das nicht immer für jedermann vernehmbar. Man mußte die historische Verantwortung schauspielern.

Doch nun, viele Jahre sind vergangen, seitdem Sinti und Roma in den Konzentrationslagern dieses Landes jämmerlich krepierten, darf die Maske der Zurückhaltung abgelegt werden. Es darf gehetzt, es darf der Stürmer herangezogen, es darf bis ins Blut aufgestachelt werden. Wenn auch der Inhalt des Schmierenstücks mehr als lächerlich ist, seine Wirkung verfehlt es nicht. Zigeuner, so steht da dick und fett zwischen den Worten, sind allesamt Bettler. Sie sind, das steht dort ebenso deutlich, reiche Bettler, die ja eigentlich über große Reichtümer verfügten, aber dennoch dem Bürger den Groschen aus der Tasche flehen. Da kommt das alte Ressentiment wieder durch, das Ressentiment, dass jeder Sinti, jeder Roma ein verschlagener und hinterlistiger Betrüger ist, dem man bloß nicht trauen soll - Misstrauen gegen Zigeunerpack als oberste Bürgerpflicht! Wie gesagt, die Wirkung wird nicht verfehlt, denn trotz des lächerlichen Inhalts, trotz der hanebüchenen Auffassung, eine Bettlerin könne in einer Stunde 3.000 Passanten um Geld abklopfen, womit sie, gäbe nur jeder Zwanzigste einen Euro, einen Stundensatz von 150 Euro hätte (sic!), trotz dieses zum Himmel schreienden Unsinns, finden sich genug Leser dieser journalistischen Notstandserklärung bestätigt und reichern die Inhaltslosigkeit um allerlei Dreistigkeiten an.

Was da an Kommentaren zu lesen ist, ist die zur Schrift gewordene Niedertracht des Straßenmobs. Solche, die in Italien Sinti und Roma verfolgen und deren Unterkünfte abfackeln, schreiben sich hierzulande bei Springer die Gehirnzellen wund - und die sind schnell wundgedacht! -, zündeln schon mal an Geistesgebäuden, bevor der Mut aufgebläht genug ist, um auch auf der Straße, wie von der Tarantel gestochen, auf den Bettler loszugehen. Was zu lesen ist, ist die übliche Tirade an Dummheit. Man sei ja kein Rassist, aber - aaaaber mit langgezogenem A - diese Zigeuner wollen sich einfach nicht integrieren. Wer nicht mitmarschiert, wer sich seinen eigenen Lebensstil bewahrt, der ist sofort suspekt! Brot würde man denen zuteilen, kein Geld, denn wer das gnädige Brot dankbar annimmt, der wird wohl wirklich arm sein. Unser tägliches Brot gib uns heute, beten Christen zu ihrem Gott. Da will sich wohl jemand gottgleich anhimmeln lassen! Und natürlich, man kenne einen, der werweißwieviel Reichtum besitzt, der aber freilich dennoch bettelt. Auch Hartz IV-Empfänger tummeln sich dort, werden wütend ob der bettelnden Zigeuner und verbrüdern sich damit mit den eigenen Unterdrückern, um Dritte zu unterdrücken - der gemeinsame Sündenbock, für den Armen wie für den Reichen gleichermaßen, ist damit installiert.

Gerade in solchen Zeiten benötigt man, nicht nur in Italien, nicht nur in Osteuropa, in dem es seit Jahrzehnten an Armut nicht zu knapp ist, sondern eben auch hierzulande, einen Sündenbock. Dazu taugt der BILD auch der Zigeuner, dieses Opfer des Nationalsozialismus. Man stelle sich vor, heute würde eine Tageszeitung von jüdischen Bettlern berichten, die schamlos Passanten anpöbelten - der Aufschrei wäre richtigerweise riesig. Sinti und Roma, obwohl auch über einen Zentralrat verfügend, haben keine Lobby. Nebenher wird der geschürte Hass auf Bettler eben solche treffen, die weder Roma noch Sinti sind, einfache Obdachlose, die an dieser Gesellschaft gescheitert sind. Man fragt sich also, wann wohl ungeniert die ersten Ohrfeigen knallen dürfen, die man einem Bettler direkt ins Gesicht donnert, nur weil er seinen leeren Magen sattbetteln wollte. Man fragt sich, wann es wieder zum feinen Ton gehört, den Zigeuner zum Übeltäter dieser Misere zu erklären, ihn zu jagen, zu verfolgen, ihn mit deutscher Kulturbeflissenheit zu kultivieren und ihn öffentlich an den Pranger zu stellen.

Es ist ein Treppenwitz unserer Zeit, dass ausgerechnet dieses Blatt immer wieder zum Kampf gegen die NPD aufruft, sich darüber besorgt zeigt, dass diese Partei der Zurückgebliebenen doch noch ein Machtfaktor werden könnte. Sie wird es nicht werden, das weiß man auch bei Springer. Aber um sich dahinter selbst zu verstecken, dazu ist die NPD nützlich. Wer nicht nur ein Machtfaktor werden kann, sondern schon ist, wer zudem rechtsradikale Tendenzen aufweist, das weiß Springer auch - man weiß doch, wer man ist. Bis dahin wird der Ton beinahe täglich ruppiger, ganz langsam und zielgerichtet, damit nicht zu viele Menschen merken, wohin die neue Tonlage uns trägt.

50 Kommentare:

Anonym 18. Juli 2009 um 10:27  

"[...]Den Sinti und Roma geht es in weiten Teilen Europas ähnlich.[...]"

Du brauchst gar nicht so weit zu reisen, geh einfach mal zum nächsten Campingplatz und frag die ob die gerne Sinti und Roma nehmen.

In meiner Verwandtschaft befinden sich Campingplatzbesitzer, und die verraten manchmal so manchen Trick, wie die die "Zigeuner" wieder loswerden - mit der Begründung: Rücksicht auf andere Gäste zu nehmen.

Übrigens früher dachte ich immer zumindest Tourismusunternehmer sind gegen Rassisten, oder Rassismus bei sich, gefeit, aber die jahrelange Erfahrung mit meiner Verwandtschaft hat mich leider eines Besseren belehrt.

Die sind manchmal eben keine Rassisten, müssen aber "aus Rücksicht auf andere internationale Gäste", und deren von dir geschilderten Vorurteile, keine Cinti und Roma aufnehmen....

Irgendwie zwiespältig, aber so ist es sicher überall bei Campingplätzen in Deutschland....was die bei direktem Nachhaken natürlich sofort leugnen....

Ebenso wie die Tatsache, dass früher von hiesigen Campingverbänden Schilder an Campingplatzunternehmer verteilt wurden wo ausdrücklich draufstand, dass keine "Zigeuner, oder sonstige Landfahrer auf dem Platz erwünscht sind" - Nein, nicht zu Nazi-Zeiten, sondern ab 1945, und erst mit den Antidiskriminierungsgesetzen einer Bundesregierung verbotenen Schilder. Das Denken konnte man aber den Platzwärten nicht verbieten, so dass sich eben manche auch 2009 noch - mit vielen Tricks und Ausflüchten - der Cinti und Roma entledigen....

Traurig, aber leider allzu wahr....

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

PS: Immer wieder toll geschrieben, deine Texte, die die Tatsache auf den Punkt bringen. Übrigens, unsere Nachbarschaft wollte meine Familie auch schon beleidigen als die meinte unsere Vorfahren wären Cinti und Roma. Ich wäre sogar stolz drauf, wenn es stimmen würde, denn die Geburt ist nur ein Zufall, und außerdem erfuhr ist, dass früher - schon vor Nazi-Zeiten- in Deutschland Kinder den Eltern weggenommen, und zwangsadoptiert wurde, wenn die wandernde Cinti und Roma waren. Ergo kann keiner von uns ausschließen selbst einer zu sein, wenn dieser Bericht wahr ist. Interessant übrigens daran auch ein Gedanke von mir, vorurteilsmäßig hies es früher das Gegenteil "Zigeuner klauen Kinder" - seit dem Buch, dass aus vielen Quellen das Gegenteil beweist, handelt es sich hierbei nicht nur um ein Vorurteil gegenüber Cinti und Roma sondern um eine Geschichtsfälschung erster Sahne, um die Kinderklauerei, die die Behörden in Europa betrieben, den Cinti und Roma unterzuschieben.

Anonym 18. Juli 2009 um 11:30  

Ergänzung zur behördlichen Kinderklauerei bei Cinti und Roma, durch deutsche und europäische Behörden: Die erlebt man heute noch, wo Nomaden seßhaft gemacht werden sollen, und man erlebte die früher auch bei anderen nomadisierenden Völkern, die zwangsangesiedelt werden sollten, z.B. in Australien bei den Aboriginies oder den Native Americans, früher Indianer genannt, um nur zwei Beispiele von vielen zu nennen, die aufgrund den Vorurteilen der Seßhaften real zu leiden hatten, und (noch) haben weltweit....

In dem von mir geschilderten Buch wird übrigens auch geschildert, dass ein anderes wanderndes "Volk" die Vorurteile gegenüber Cinti und Roma, was die Seßhaften angeht, teile: Die Juden Europas.

Kein Wunder, dass der Antiziganismus und der Antisemitismus Brüder im Geiste sind, und sich so manches Haupt, dass gegen "Zigeuner" hetzt, auch gegen Juden wendet.

In Deutschland noch - offiziell medial - verpönnt, aber ich durfte selbst erleben, dass so mancher Stammtischbruder wieder mit den "Weisen von Zion" (Erklärung: Eine der schlimmsten antijüdischen Vorurteile, die direkt zum Holocaust geführt haben), der uralten, eigentlich längst widerlegten Verschwörungstheorie, hausieren ging.

Die selben Menschen sind es übrigens, die weitgehend auch den Sozialdarwinismus gegenüber "sozial Schwachen" in Deutschland teilen, und diesen als Mitläufer, oder Angehörige der "neuen Eliten" in Deutschland teilen.

Wie weiter unten von jemandem bei Obama erwähnt, die deutsche Entnazifizierung ist gescheitert....Obama sollte hinsichtlich der Bush-Clique davon lernen....sonst kommten die alten Vorurteile wieder aus dem Sumpf heraus....auch in den USA....

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

pillo 18. Juli 2009 um 11:32  

[...]Nebenher wird der geschürte Hass auf Bettler eben solche treffen, die weder Roma noch Sinti sind, einfache Obdachlose, die an dieser Gesellschaft gescheitert sind.[...]

Die Aufstachelung der "anständigen Bürger" gegen die Sinti und Roma stellt natürlich nur den Anfang einer langen Hetz- und Säuberungskampagne dar, an derem Ende auch so manch heutiger "Haßprediger" zu den Betroffenen zählen wird.

Wie Sie schon richtig angedeutet haben, wird es dabei nicht bleiben. Ist man mit dem "Zigeunerpack" erst einmal fertig, werden sich ganz schnell neue Störenfriede und Sündenböcke 'aufdrängen'. Deutsche Bettler und Obdachlose, die das Straßenbild verschandeln. Homosexuelle, die Schuld am Aussterben der Deutschen sind. Arbeitslose als faule Nichtsnutze auf Kosten der 'Leistungsträger'. Dicke und Raucher als Last für die Krankenkassen. Alte als Last für die Rentenkassen, usw. usf.

Die Sinti und Roma sind eben nur der Anfang, da sie nach wie vor die perfekten Sündenböcke abgeben. Sie stehen ganz unten auf der gesellschaftlichen Skala und sind in diese auch kaum eingebunden. Selbst der letzte HartzIV-Empfänger fühlt sich ihnen noch überlegen. Endlich dürfen auch Jaqueline aus Neuruppin und Kevin aus Emden mal mit nach unten treten, zumindest solange, bis sie selbst (wieder) zu den Getretenen gehören.

Anonym 18. Juli 2009 um 11:37  

Sorry, noch was:

Könnte aus sein, dass die elende Wichte, die ich hier schildere, auch sonst menschenfeindliche Einstellungen haben, die weder mit dem Antiziganismus, Antisemitismus und Sozialdarwinismus (-korrekter Sozialrassismus) zu tun haben? Gibt es nicht - lt. der schwarzen Deutschen Noah Sow - auch einen latenten "Negerhass" in der dt. Mehrheitsbevölkerung, wie gegen alle die irgendwie anders aussehen, und ticken?

Wundern würde es mich nicht....

Ich bin übrigens auch der Ansicht, dass solange es das Christentum gibt auch der Hass gegen Juden und Andersdenkende nicht nachläßt - Das Christentum ist, was viele nicht wahr haben wollen, eine Religion, die auch Haßpredigern, und Ewiggestrigen, wie dem dt. Papst, eine wunderbare Plattform für ihre uralten Vorurteile bietet.

Die Religion hat auch andere Seiten, aber derzeit überwiegt wohl leider die negative Seite, die ich oben schildere.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

beobachter 18. Juli 2009 um 13:00  

nicht nur "bild" auch massenhaft "anständige" (demokraten), die immer mal wieder gegen die rechten wettern und demonstrieren sind von ihren gedanken und handlungen her besehen üble "rassisten", die mit ihrer empörung über den braunen spuk von ihrem allezeit ausgeübten kampf gegenfremde, arme, andere ablenken. innenstadtverbote, bürgerstreifen und ordnungsdienste in immer mehr deutschen städten zeigen die wahre gesinnung der aufrechten demokraten in den stadträten. und der beifall der schweigenden mehrheit ist ihnen sicher. ansonsten: volle zustimmung.

Anonym 18. Juli 2009 um 13:21  

@beobacher, all

Das traurige ist, dass unsere selbsternannten "Eliten" uralte Vorurteile aufmischen, um das "teile und herrsche" zu praktizieren, und dabei sogar noch Tatsachenverdrehungen betreiben, und sich selbst als "Verfolgte" im sozialen Deutschland darstellen wollen.

Denk mal an den guten Prof. Dr. (Un-)Sinn, der vehement gegen "sozial Schwache" wettert, aber dann sofort selbst ein Verfolgter sein will, wenn jemand die Managergier angreift.

Der Zentralrat der Juden hat damals völlig richtig reagiert und protestiert, da der Vergleich Manager = Juden eine unglaubliche Verharmlosung des Holocaust darstellt.

Es wurden eben nicht nur reiche Juden, sondern auch arme Juden - ergo ein ganzes Volk von Deutschen verfolgt, vergast und sonstwie aus der Welt geschafft - Dieselben Deutschen übrigens, die via "Bombenholocaust" die NS-Judenmorde im Dritten Reich verharmlosen, weil NS-Deutschland allein Opfer, und nicht militaristischer Kriegstreiber und Massenmörder war.

Es gibt eine bestimmte Sorte Deutsche, siehe obiges Beispiel, die ich einfach hasse, die predigen ihren Kinder immer wieder Verantwortung für Fehler zu übernehmen, aber selbst wollen die dafür keine Verantwortung tragen, dass von 1933 - 1945 eine massenmörderische, menschenverachtende Diktatur in Deutschland regiert hat - die findet man eben nicht allein bei der NPD, sondern der Alltagsrassismus ist auch leider bei anderen wieder latent vorhanden, die meinen es sei kein reiner Zufall in Deutschland, und sonst nirgends, geboren zu sein.

Ich bleibe übrigens dabei, meine Geburt hier war ein reiner Zufall, ich könnte auch irgendwo sonst geboren sein, und deswegen schei.... ich auf deutsche Patrioten, vorwiegend bei oben erwähnter dt. "Elite" vorhanden.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Manul 18. Juli 2009 um 13:42  

Ich finde das Problem betrifft insgesamt Minderheiten, also auch Ausländer, die sich 'unangepasst' zeigen und ja, inzwischen nimmt es faschistoide Züge an. Wir leben aber in einer Welt voller Hass, wo Hass praktisch überall geschürt wird und man kaum ein altes Ressentiment auslässt, um die Menschen gegen einander aufzuhetzen. Die Juden geniessen da so etwas wie 'Artenschutz' durch ihren Opfersonderstatus, aber ansonsten trifft es beinahe jeden, der sich in irgendeiner Form dazu eignet. Man hat auch Vieles wovon man den Pöbel ablenken muss - Misswirtschaft, Vetternwirtschaft, Korruption, usw. usw. usw.

P.S. Bei uns leben sehr viele Zigos, kenne auch persönlich ein paar. Es ist tatsächlich auch manchmal schwer hinter die Mentalität dieser Leute zu kommen, aber Kultur öffnet immer die Herzen und wer offen bleibt, der kommt auch gut mit ihnen zurecht. Man merkt auch schnell, dass ein paar Vorurteile zwar bis zu einem gewissen Grad stimmen, aber die Zigos sind sehr pragmatische Menschen, die ihre eigenen Gesetze haben und manchmal kollidieren diese mit den offiziellen und das schafft schon mal den Eindruck des wilden Gesetzlosen. Sehr viel anders sind sie aber als Menschen nicht wirklich, sie sind oft sehr christlich geprägt und haben daher eine entsprechende Moral.

Peinhard 18. Juli 2009 um 15:07  

"Dies alles geschieht bevorzugt in jenen Teilen Europas, die von jeher wenig Ambitionen in Richtung Demokratie und Liberalismus hegten, die immer irgendwo Vorlieben für eine regierende starke Hand hatten."

Da muss ich widersprechen - ob nun 'demokratisch' eingefärbt oder nicht, es entspricht vielmehr exakt dem Wesen des Liberalismus, Menschen, die irgendwie 'anders' sind und vor allem die sich der Sachzwang- und Arbeitsmaschine 'Marktwirtschaft' nicht vollumfänglich eingliedern (möchten oder können), als erste zu verfolgen und auch als erste zu 'Sündenböcken' zu machen.

Dabei ist es wie gesagt egal, ob es sich um rechte oder linke Diktaturen oder um sogenannte 'Demokratien' handelt - maßgeblich ist in erster Linie ihre Unterwerfung (bzw Nicht-Unterwerfung) unter das Diktat der 'abstrakten Arbeit'. Entziehen sie sich dieser Gleichschaltung, sind sie automatisch verdächtig, wenn nicht gleich 'schuldig'. Es ist im Grunde der gleiche Mechanismus, der auch bei Arbeitslosen und anderen 'Sozialschmarotzern' greift - insofern kann es auch nicht verwundern, das gleiche auch hierzulande vorzufinden.

Anonym 18. Juli 2009 um 18:29  

"[...]Die Juden geniessen da so etwas wie 'Artenschutz' durch ihren Opfersonderstatus, aber ansonsten trifft es beinahe jeden, der sich in irgendeiner Form dazu eignet.[...]"

Stimmt nur bedingt, siehe mein Hinweis auf die römisch-katholische Kirche, deren Legitimation ja gerade darauf aufbaut, dass angeblich vor 2000 Jahren ein Jude auf Betreiben seiner jüdischen Landsleute von Römern gekreuzigt wurde, ein Vorurteil mit furchtbaren Folgen, die sich - auch nach der Shoa - bis heute durch die Jahrtausende zieht.

Man frägt sich nur:

Wieso eigentlich die Juden? Die Römer haben Christus gekreuzigt, der Legende nach.

Man stelle sich vor, die Römer wären so verfolgt wurden wie die Juden?

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 18. Juli 2009 um 18:36  

@Peinhard

Als eifriger Leser des Schwarzbuch Kapitalismus von Robert Kurz muß ich dir Unrecht geben, die rechten Ideologien benötigen Rassismus, Antisemitismus, Sozialdarwinismus und Antiziganismus, um das "teile und herrsche" ungestört praktizieren zu können.

Die linken Ideologien eher weniger, und wenn, dann sind dies keine echten linken Ideologien....

Dazu sollte man aber schon ein wenig in Ideologiegeschichte bewandert sein.

Der Verrat an der linken Ideologie fing übrigens schon 1914 an, als die Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands - auch SPD genannt - den Grundsätzen der internationalen Solidarität widersprechend Kriegskredite mit recht(sextremen) Ideologien bewilligte, um gegen franz., englische und amerikan. Arbeiter in den 1. Weltkrieg zu ziehen.

Der Nationalsozialismus, war keine linke Ideologie, denn ansonsten hätten weder Mussolini noch Franco sich mit diesen Hitler-Kommunisten eingelassen.

So etwas glauben nur heutige Neoliberale Ideologen, die angeblich keine sein wollen, dass links und rechts bei Vorurteilen gleich wären.

Stimmt nicht, peinhard, da biste auf die falschen Meinungen reingefallen ;-)

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

PS: Ich hüte mich übrigens immer wieder vor Menschen, die mir erklären wollen was mein Hirn unter "links" oder "rechts" verstehen soll - Reines Ablenkungsmanöver, dass ich hier nicht weiter erörtern will. Nur soviel: Neoliberale benötigen dies um vom eigenen Faschismus abzulenken, und leider fallen solche Menschen wie du, und andere, auf diese angebliche Nichtideologie herein. Hier heißt es frei nach Kant: "Habe den Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen."

Roberto J. De Lapuente 18. Juli 2009 um 18:43  

Ganz kurz, das Thema wurde hier schon hundertfach erläutert. Der Faschismus Mussolinis, ebenso wie der hitleristische Nationalsozialismus waren als sozialistische Entwürfe gedacht, angereichert um allerlei Zusätzlichkeiten, die dem italienischen bzw. dem deutschen Volk entgegenkommen sollten. Beides waren, im Grunde nicht anders als im Osten, Perversionen sozialistischer Ideen. Im Osten erkannte man qua Lenin-Bildchen und Marx-Konterfei die Herkunft, im Westen war davon nicht mehr zu sehen. Haffner beschreibt in seinen "Anmerkungen zu Hitler", dass die DDR viel mehr Ähnlichkeit mit NS-Deutschland habe, als die spätere BRD - und es scheint wirklich nicht an den Haaren herbeigezogen.

Hier nachzulesen. Für den Faschismus und den alten sozialistischen Haudegen Mussolini, trifft das besonders zu. Er hat seine sozialistische Vergangenheit kaschiert, weil jedem italienischen Bauernburschen schnell klargeworden wäre, dass es zwei Formen des Sozialismus geben müsse - denn was Mussolini einst predigte, der pazifistische Ton beispielsweise, war hernach nicht mehr zu vernehmen. Der Faschismus wurde zum Sozialismus Italiens, mit Umverteilungsprogrammen und Recht auf Arbeit, ein Recht, das man natürlich verpfiichtend in Anspruch zu nehmen hatte.

So, ich wollte nur kurz etwas zum Thema sagen, daher beende ich es hier...

Anonym 18. Juli 2009 um 18:54  

@Roberto J. de Lapuente

Es scheint mir, dass du die "Anmerkungen zu Hitler" anders in Erinnerung hast als ich? Wie erklärst du mir dann, dass im Spanischen Bürgerkrieg die Thälmann-Brigade z.B. einen blutigen Kampf gegen Hitler-Faschisten lieferte? Wie kommt es, dass der "Kommissarbefehl" existierte, wonach russische Kriegsgefangene im II. Weltkrieg sofort exekutiert werden sollten, nach der Gefangennahme? Wie, dass gleich nach den jüdischen Mitbürgern Kommunisten und Sozialisten zu der größten Opfergruppe unter den Nazis gehörten? Fragen über Fragen, aber es würde mich echt interessieren.

Noch was:

Wie erklärst du mir, dass bis zum Ende des Sowjetkommunismus/-sozialismus in westdeutschen Schulen gelehrt wurde, dass der nationale Sozialismus nur ein Feigenblatt war, um die Arbeiter führt den NS-Staat einzufangen. So lernte ich es wirklich einmal im Geschichtsunterricht, und da war keine Rede davon, dass die Ideologien, die sich auf's Blut bekämpft haben, identisch waren.

Im Gegenteil, die sind Todfeinde gewesen - so in einer westdeutschen Schule im Gemeinschaftskunde-Unterricht 1986 noch gehört.

Wieso soll nun beides gleich sein? Wer profitiert von dieser Geschichtsklitterung?

Um es noch einmal zu schreiben, auch Haffner hat mir etwas interessantes hinterlassen: "Historiker sind Teile der Gesellschaft in der sie leben", d.h. auch Historiker sind z.B. ideologisch nicht frei, und manchmal auch parteipolitisch gebunden. So verstand ich Haffner, und dies war noch vor Jörg Friedrich, Götz Aly & Co.

Ich denke leider auch beim Thema Geschichte sitzen wir in Deutschland immer mehr Imitaten auf - nicht nur bei Lebensmitteln, und ich vermute einmal stark keiner ist dagegen gefeit, nicht einmal wir beide.

Was den Sozialismus/Kommunismus angeht, den halte ich schon seit 1991 für mausetot, und es ist eigentlich müssig über einer Leiche zu streiten, was ich aber nicht finde ist, dass man todfeindliche Ideologien gleichsetzen sollte, egal ob man die verteidigt oder nicht.....Tote soll man in Frieden ruhen lassen...

Tragisch daran ist, dass eben der Kommunismus/Sozialismus mausetot ist, der Faschismus aber nur in der Variante des Nationalsozialismus (mal von etwaigen Spinnern bei der NPD, DVU und Konsorten abgesehen) tot sein dürfte.

Was derzeit in Honduras passiert ist Konservativen-Faschismus pur.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 18. Juli 2009 um 18:59  

@Roberto J. de Lapuente

Der italienische Film "1900" lieferte eine andere Erklärung für das Entstehen des Faschismus in Italien, der sich 1:1 mit dem von mir geschriebenen decken dürfte: Die italienischen Arbeiter waren auf dem besten Weg in Richtung Sozialismus/Kommunismus, aber eine Verschwörung von Großindustriellen, Großgrundbesitzern, Kirchen und Arbeitern, die meinten ihre Herren verteidigen zu müssen, auch mit der Waffe in der Hand begründeten die Urform des Faschismus, die sich dank Mussolini zur weltweiten Ideologie entwickelt hat.

Der Film ist wirklich sehenswert, weil er aus seiner Sicht mit der Lüge vom angeblichen Sozialismus/Kommunismus der Faschisten aufräumt - mit Starbesetzung - Ich glaub sogar Burt Lancaster macht dort mit? Der Regisseur war Bernardo Bertolucci -von "1900".

Ich denke ein solcher, ehrlicher Film, als Abrechnung mit dem italienischen Faschismus, wäre heute undenkbar.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Roberto J. De Lapuente 18. Juli 2009 um 18:59  

Nochmal ganz kurz, weil Du es bist. Aber dann reicht es für heute von meiner Seite:

Du gehst davon aus, dass die sozialistischen Ideen dieser Welt als einige Familie anzusehen wären. Aber das waren sie nie, nicht mal in der Sowjetunion. Natürlich wurden politische Kommissare sofort erschossen, weil man aus faschistischer Sicht einen Vertreter einer Irrlehre darin sah. Der deutsche Sozialismus, der sich Nationalsozialismus nannte, glaubte ja, dass der deutsche Mensch ein harter Mensch sei, der keine gefühlsdusseligen Umsetzungen von Sozialismus wolle, der stattdessen Härte und Wille als Maßstab sozialistischer Gesellschaft fordere. Dies läßt sich unter dem obigen Link herauslesen.

Dass Härte und Wille auch Positionen waren, die im Osten gelehrt wurden, hat man im Westen vergessen bzw. war nicht unbedingt leicht erkennbar.

Ach, ich wollte noch so viel dazu schreiben, aber jetzt mag ich nicht mehr... heute nicht mehr.

Peinhard 18. Juli 2009 um 19:06  

@NDS-Leser

Und mir scheint, du hast das 'Schwarzbuch' wohl auch etwas anders in Erinnerung als ich. Was bitte sind denn 'rechts' oder 'links' anderes als Kategorien innerhalb der Grundströmung des Liberalismus - und um den ging es doch hier.

@Roberto

Wen sprach dein letzter Beitrag an...? Sicher wäre oder ist ein 'Sozialismus' denkbar (und wünschenswert!), der sich nicht auf die liberalen Grundideen bezieht - aber wo ist er? Und wäre es überhaupt sinnvoll, ihn Sozialismus zu nennen - nach der Geschichte, die dieser Begriff hinter sich hat?

Roberto J. De Lapuente 18. Juli 2009 um 19:10  

@ Peinhard: Ich meinte den NDS-Leser. Was genau Du mir jetzt sagen wolltest, weiß ich aber nicht. Ich weiß nicht, was sinnvoll ist, welche Bezeichnung sinnvoll wäre. Ich bezog mich ja auch auf die historischen Erklärungen zu Faschismus und NS.

Anonym 18. Juli 2009 um 19:21  

"[...]Der deutsche Sozialismus, der sich Nationalsozialismus nannte, glaubte ja, dass der deutsche Mensch ein harter Mensch sei, der keine gefühlsdusseligen Umsetzungen von Sozialismus wolle, der stattdessen Härte und Wille als Maßstab sozialistischer Gesellschaft fordere. Dies läßt sich unter dem obigen Link herauslesen.[...]"

Würde dir ja zustimmen, aber ich halte den "deutschen Sozialismus" namens Nationalsozialismus für eine götzaly Chimäre, und bleib dabei.

Interessant ist übrigens auch, dass es immer Kameradenschweine gab, unter den Arbeitern, die einfach die Fronten vom Sozialismus in den NS-Faschismus gewechselt haben, aber das ist kein ideologisches, sondern ein menschliches, dass wohl damit zu tun hat, dass man in diesem - unserem Deutschland - wie ein Onkel von mir es formuliert hat "Schon immer mit den Wölfen" geheult hat - Im Dritten Reich eben den NS-Faschisten, und in der Ex-DDR mit den Sozialisten der SED.

Darunter war sicher der ein oder andere Mensch, auch in der Ex-DDR, der früher mit den Nazis geheult hat, aber deswegen sind die Ideologien, so habe ich es, wie bereits erwähnt, noch vor der Wende in Westdeutschland, gelernt: Keineswegs identisch sind.

Was den Rassismus angeht, den findet man auch bei angeblich unideologischen Menschen, auch bei solchen die sich gar nicht für Rassisten halten, unsere Aufgabe ist wohl diese typisch menschliche Natur zu überwinden.

Man hat sogar, und dies schreibe ich als jemand der mal in die Soziobiologie reingeschnuppert hat, ein solches Verhalten bei den nächsten Verwandten des Menschen, den Schimpansen, beobachtet.

Eine traurige Tatsache, gegen die aber jeder selbst ankämpfen kann, denn eine genetische Veranlagung zum Vorurteileschmieden heißt noch lange nicht, dass man selbst nicht dagegen bei sich, und anderen, ankämpfen kann.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 18. Juli 2009 um 19:23  

@Peinhard

"[...]Und mir scheint, du hast das 'Schwarzbuch' wohl auch etwas anders in Erinnerung als ich. Was bitte sind denn 'rechts' oder 'links' anderes als Kategorien innerhalb der Grundströmung des Liberalismus - und um den ging es doch hier.[...]"

Steht dort auch etwas über den Mißbrauch des Freiheitsbegriffes durch Neoliberale? Ich hab nämlich nur die erste Version des "Schwarzbuches des Kapitalismus" gelesen, und weiß nicht ob es auch in der neuen Version von Robert Kurz erwähnt wird?

Was "links" oder "rechts" angeht, da bleib ich dabei, ich hüte mich vor Menschen, die mir erklären wollen was ich darunter verstehen soll....nix für ungut....ich seh's halt so....

Anonym 18. Juli 2009 um 19:27  

@Roberto J. de Lapuente

Eine Anregung vielleicht für einen neuen Text:

Ich denke manchmal - in Zeiten einer neuen großen Weltwirtschaftskrise, nach der letzten 1929 - da weder Sozialismus/Kommunismus noch Neoliberalismus/Kapitalismus die Lösung bringen: Gibt es noch einen anderen Weg?

Ich denk da nicht an den "Dritten Weg" von Tony Blair, Gerhard Schröder sondern an etwas völlig Neues, dass sogar mir - als Opfer des neoliberalen Kapitalismus - in weiter Ferne schwebt.

Wäre dies nicht mal eine Überlegung deinerseits wert?

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

PS: Faschismus und Kapitalismus sind beide Seiten einer Münze, wie man auch heute wieder sieht, ergo müßte man doch eine Gegenideologie entwickeln, die ganz neu ist, und nix mit den beiden oben erwähnten gescheiterten zu tun haben sollte.....Oder sind meine Gedanken noch zu utopisch?

Anonym 18. Juli 2009 um 19:58  

@Roberto J. de Lapuente

Nur noch eine Frage:

Wie erklärst du mir dann, dass Spanien erst jetzt die Verbrechen der faschistischen Franco-Diktatur aufarbeitet?

Wie die Tatsache, dass sich Franco-Gegner, zumeist ja Anarchisten, Sozialisten/Kommunisten, wenn die nicht gerade "ihre Sache" verrieten, und zu Franco überliefen, oder geflohen sind, in hunderten von Massengräbern verschwanden?

Wie das, wenn es doch keine Unterschiede zwischen Kommunismus/Sozialismus und NS-Faschismus/Franco-Faschismus geben soll? Wieso mußte jeder, der seine anarchistische, sozialistische und prokommunistische Gesinnung verriet bei Franco um sein Leben bangen statt in Hohe Ränge der Franco-Diktatur aufzusteigen?

Würde mich wirklich einmal interessieren - jetzt rein den "Spanischen Krieg" gegen Francos Putsch betreffend.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

PS: Die spanischen Anarchisten, Sozialisten/Kommunisten wurden ja auch von Stalin verraten, aber mich interessiert dieses Thema jetzt nicht sondern nur die oben erwähnten Fragen ;-)

Anonym 18. Juli 2009 um 20:06  

Richtiger Weise müßte man wirklich von einem Mißbrauch des Sozialismusbegriffs durch die Nazis reden.

Mehr dazu unter Wikipedia:

http://de.wikipedia.org/wiki/Nationalsozialismus

Übrigens, wie bereits erwähnt, der Mißbrauch wird im Film "1900" sehr gut filmisch dargestellt.

Ich bin mal gespannt, wie lange es geht bis man diesen Mißbrauch des Sozialismusbegriffs durch die Nazis wieder als solchen benennt.

Eigentlich habe ich hierzu auch schon zuviel geschrieben, der Wikipedia-Artikel bringt es sehr gut auf den Punkt.

Götz Aly hat hier wohl von Neoliberalen gelernt? Er leugnet einfach den Mißbrauch des Sozialismusbegriffes, den ich so noch gelernt habe, wie Neoliberale ihren Mißbrauch des Freiheitsbegriffes leugnen, wenn die darauf angesprochen werden.

Insofern sind Historiker wie Götz Aly & Co. die Erfüllungsgehilfen der Neoliberalen, die ihre Ideologie auch mit Geschichtsklitterung betreiben - Ähnlich wie die neokonservativen Neoliberalen in den USA, die von US-Historikern Flankenschutz erhalten - nicht nur in dieser Hinsicht.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Peinhard 19. Juli 2009 um 08:59  

@NDS-Leser

"Steht dort auch etwas über den Mißbrauch des Freiheitsbegriffes durch Neoliberale?"

Es geht um den Freiheitsbegriff des Liberalismus selbst - und der bezieht sich nun mal in erster Linie eindeutig auf die sog. 'wirtschaftliche Freiheit'. Alle anderen 'Freiheiten' werden immer nur so weit gewährt, wie sie diese 'erste Freiheit' nicht stören. Sobald sie das tun, können sie nicht nur, sondern müssen sogar zurückgenommen werden bis zur völligen Negation. Lies einfach die 'Klassiker' des Liberalismus - oder meinetwegen auch das Schwarzbuch nochmal. Aber projeziere nicht einfach deinen Freiheitsbegriff da rein - wie immer der aussehen mag.

Marlies 19. Juli 2009 um 10:20  

Mag ja sein, dass ich naiv bin. Aber für mich gibt es schon einen wesentlichen Unterschied zwischen Links und Rechts - 'wesentlich' wirklich wörtlich gemeint, im Wesen. Die linken Ideen gehen grundsätzlich von der Brüderlichkeit aus. Alle Menschen sind "gleich" (womit gleichwertig gemeint ist, nicht 'ohne Unterschiede').

Die Rechten dagegen müssen immer irgend jemanden verachten. Ihre Welt ist hierarchisch aufgebaut. Sie selbst natürlich an der Spitze! (Ha ha.)

Und ja, es gibt auch Rassismus unter den Linken. Weiß ich. Mir geht es jetzt einfach um die Quintessenz.

Anonym 19. Juli 2009 um 10:28  

"[...]Aber projeziere nicht einfach deinen Freiheitsbegriff da rein - wie immer der aussehen mag.[...]"

@Peinhard

Danke für den Hinweis.

Wie wäre es mit radikaldemokratisch? Irgendwie halte ich es nicht für Freiheit irgend ein A.... für 4 Jahre zu wählen, und ihm über diese Frist eine Handlungsfreiheit über die dt. Bevölkerung in Deutschland zu geben.

Jetzt klar was ich unter "Freiheit" verstehe?

Auf jeden Fall nicht die liberale "Freiheit", die nur aus der "Freiheit des Geldes" und der Geldeliten besteht, tun und lassen zu können was die wollen, insofern es Profit bringt.

Man sieht ja, dank schlimmster Weltwirtschaftskrise seit 1929, wohin dies führt. Oder?

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

PS: Die Schweiz hat da ein wunderschönes radikaldemokratisches System, dass ich - wenn auch nicht 1:1 - gerne für Deutschland hätte. Merkel, Putsch-Westerwelle (!!!: Honduras-Putschisten-Unterstützer) hätten da nix mehr zu lachen.

Anonym 19. Juli 2009 um 10:31  

@Marlies

Auch wenn du es nicht glaubst, seh ich genauso.

Nur in diesem Punkt sehe ich es etwas anders - als jemand, der mal in die Evolutionsbiologie reingeschnuppert hat:

"[...]Und ja, es gibt auch Rassismus unter den Linken. Weiß ich. [...]"

Der Rassismus ist kein linkes oder rechtes Problem, sondern ein menschliches.

Der Mensch ist nur ein Tier, unter Tieren, und die hochaktuelle Evolutionsbiologie hat herausgefunden, dass Fremdenhass auch beim nächsten Verwandten des Menschen, den Schimpansen, existiert.

Ist aber kein unabwendbares Schicksal, sondern jeder hat es selbst in der Hand gegen den "natürlichen Fremdenhass" vorzugehen, der in den Genen liegt.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 19. Juli 2009 um 10:33  

@Marlies

Was links und rechts angeht, da sehe ich es, wenn ich noch einmal darüber nachdenke sogar gleich wie du, aber die Versuche reißen eben nicht ab uns diese Meinung als falsch darzustellen, von gewissen "Berufsschreiberlingen" in Internetforen, die auch Roberto J. de Lapuente kennen dürfte.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

PS: Wer sich angesprochen fühlt, der soll sich melden, ansonsten soll er schweigen.

Anonym 19. Juli 2009 um 11:10  

@peinhard:

"[...]und ihm über diese Frist eine Handlungsfreiheit über die dt. Bevölkerung in Deutschland zu geben.
[...]"

Ich meine damit natürlich auch die hier aufgewachsene, nicht-deutschstämmige, und eingebürgerte Bevölkerung, insofern wahlberechtigt ist.

Es ist einfach keine Demokratie, sondern nach Colin Crouch eine neoliberale Postdemokratie, die in Deutschland herrscht, die ich eben nicht als "Freiheit" verstehe.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

PS: Ich wäre sogar dafür, dass jeder "Ausländer" in Deutschland - auch ohne dt. Staatsbürgerschaft - wählen gehen darf. Ich bin sicher, die Neokonservativen aus CDU/CSU/FDP/GRÜNEN/SPD hätten einen schweren Stand. Übrigens, der Wahlparteitag der Linkspartei hat mich eines besseren belehrt, was die angeblich rechtsextreme Lafontaine-Partei angeht, die immer wieder von Neoliberalen gepredigt wird. Allein der optische Eindruck spricht Bände, denn es waren auch viele "Ausländer" als Mitglied der Linkspartei da, die keiner als Neonazis bezeichnet, wenn der noch bei Trost ist.

Anonym 19. Juli 2009 um 11:37  

"[...]Der Mensch ist nur ein Tier, unter Tieren, und die hochaktuelle Evolutionsbiologie hat herausgefunden, dass Fremdenhass auch beim nächsten Verwandten des Menschen, den Schimpansen, existiert.[...]"

Tragisch finde ich es übrigens, dass es den Fremdenhass auch bei Opfern des Fremdenhasses selbst gibt, und evtl. den besten Beweis für die evolutionär bedingte Form des Fremdenhasses, der manchmal auch kulturell, wie eben der Antisemitismus, der Antiziganismus, das Feindbild Moslem oder sonstige Feindbilder extra ausgezüchtet, statt bekämpft wird.

Aktuelle internationale Konflikte sind hier seit dem 11. September die weit im Westen grassierende Islamophobie, und in den moslemischen Ländern der herangezüchtete Hass auf den angeblich "dekadenten Westen" sowie der Konflikt Israel - Palästina, wo auf beiden Seiten Fremdenhass und Rassismus geschürt wird, wie der hochaktuelle Gaza-Krieg wieder einmal gezeigt hat.

Tragisch, aber leider wahr, auch gegen diese kulturelle Hetze, die die genetische Veranlagung ausnutzt, muss jeder einzelne vorgehen - mit seinen Möglichkeiten.

Übrigens, nicht einmal ein Obama ist dagegen gefeit, er redet immer wieder in den USA vom den "Unterschieden zwischen den Rassen" - Die es, rein wissenschaftlich gesehen, nicht gibt, die letzte Menschenrasse war der Neandertaler, der vor zehntausenden vor Jahren ausgestorben ist.

Anonym 19. Juli 2009 um 11:50  

Mehr zum evolutionsbiologischen Hintergrund von Fremdenhass und Rassismus z.B. hier:

http://www.darwin-jahr.de/evo-magazin/darwin-code-0

Übrigens, nur Leugner der Evolutionstheorie (z.B. Kreationisten) sehen die Sache evtl. anders.

Anonym 20. Juli 2009 um 10:46  

Vielleicht sollte man einmal bei der Sir Peter Ustinov Stiftung vorbeischauen, die dürfte, dank Marktradikalen in Deutschland, wieder eine Menge Arbeit vor sich haben:

"[...]Gleichzeitig gab Sir Peter der Stiftung sein Vermächtnis mit auf den Weg: Der überzeugte Humanist sah das Vorurteil als eines der Hauptübel unserer Zeit, mitverantwortlich für große und kleine Konflikte, für soziale Ausgrenzung und menschliche Not. Der Kampf gegen Vorurteile war für ihn ein Kampf für mehr Menschlichkeit in der Welt.

Sir Peter sagte einmal, „wir müssen Brücken zueinander bauen, wenn wir in dieser wahnsinnigen Welt Aussicht auf Rettung haben wollen.“ Helfen Sie mit, diese Brücken zu erbauen, unterstützen Sie unsere Projekte und tragen Sie dazu bei, Vorurteile abzubauen und eine humane Gesellschaft zu schaffen.[...]"

Quelle und mehr:

http://www.peter-ustinov-stiftung.de

Anonym 20. Juli 2009 um 14:20  

Roberto, so sehr ich es begrüße, dass du das Thema Zigeuner ansprichst; so sehr sieht man deinem Artikel an, dass du persönlich keine Erfahrungen und auch kein Wissen über sog. Sinti und Roma hast.
Erstens sind sie keine homogene Gruppe; im Gegenteil, unterschiedlicher könnten sie kaum sein. Gruppenbezogene Zuschreibungen sind immer fatal!
Zweitens "entspricht die Vorstellung, Sinti und Roma seien heimatlose Nomaden, eher den Fantasien der Mehrheitsgesellschaft als der Wirklichkeit." (http://www.bpb.de/publikationen/QKCP5E,1,0,Sinti_und_Roma_als_Feindbilder.html )
Besonders die Linken vor 30 Jahren fanden das, was sie als Zigeunerleben erfanden, romantisch - und natürlich antikapitalistisch. Nichts daran ist wahr. Zigeuner sind so kapitalistisch oder antikapitalistisch wie andere Leute auch.
Ich habe etliche Bekannte und Freunde aus Roma-Familien hier. Von denen wohnen alle in Häusern, gehen einer Arbeit nach oder nicht, und sie sind wirklich nicht einer Gruppe zuzuordnen, fühlen sich auch nicht so.
Das einzige, was sie zu einer Gruppe macht - sind die Schimpfworte, die sie nachgeschrien bekommen...
Gertrud

Anonym 20. Juli 2009 um 15:46  

Die Braunheit des Denkens ist nun seit wenigen Jahren wieder völlig normal und salonfähig geworden. Der Bruch kam 2003/2005 mit den Anwürfen des damaligen Kanzlers gegen die "Nichtarbeitenden" und seiner unsäglichen Faulenzerdebatte. Arbeitsverherrlichung und absolute Verdammung derer, denen man die "Nichtarbeit" - korrigierbar mittels Eindreschen durch "Sanktionen", wie bei den "normalen" Hartz-4-Empfängern - oder per se, wie bei Juden und Sinti und Roma, zuschreibt, ist die Ursuppe des Nationalsozialismus. Die gefährlichen Braunen sind in der Tat nicht die, die sich zu dieser Ideologie bekennen, sondern die, die sie, in Amt und Würden, praktizieren.
@BraunesHartz

Roberto J. De Lapuente 20. Juli 2009 um 16:05  

Es geht nicht darum, ob ich das Leben von Sinti und Roma antikapitalistisch finde, nicht darum, ob das zutrifft oder nicht - es geht darum, was die Masse von einem Nomadenleben hält. Und da hört man nicht selten, dass herumziehende Menschen keinerlei Wert haben können, weil sie schlicht und ergreifend kein bodenständiges Leben leben können.

Anonym 20. Juli 2009 um 17:16  

@Roberto J. de Lapuente

Reg dich nicht auf, der Kommentator hat schon recht, nicht was dein angebliches Nichtwissen angeht, sondern das Nichtwissen der Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland.

Ich weiß wovon ich schreibe, da ich eben in der Verwandtschaft Campingplatzunternehmer habe, die sich bis heute - aus völlig unbegründeter Furcht, nicht allein aus Vorurteilen. Obwohl? Vielleicht gehört beides ja zusammen? - weigern Cinti und Roma aufzunehmen.

Ich sag, beim Beisammensein, wenn das Thema mal aufkommt, dasselbe wie Gertrud hier.

Vielleicht hilft dir auch ein Büchlein weiter, dass ich mal gelesen habe, und das in Lexikon-Form die einzelnen Vorurteile, leider gibt es nicht nur negative, sondern auch positive Vorurteile über Zigeuner, aufdröselt:

"Von Antiziganismus bis Zigeunermärchen - Handbuch Sinti und Roma von A-Z" - Autoren Michaeil Krausnick/Daniel Strauß, Herausgegeben vom Verband Deutscher Sinti und Roma Landesverband Baden-Württemberg.

Nach dem eben erwähnten Büchlein habt ihr übrigens beide völlig Recht, deine Sache mit dem Hass der Sesshaften gegen die Nomaden wird ebenso erwähnt wie die anderen Vorurteile über Sinti und Roma, die Gertrud geschildert hat.

Ich bin übrigens, wenn es nach meinem verfeindeten Nachbarn geht, selbst ein Sinti und Roma, da mein Urgroßvater noch als "Scherenschleifer" herumgewandert ist, und ich einen Onkel habe, der heute noch wandert - Nur dämlich, dass besagter Onkel bei den rechtsextremen REPs ist, und schon allein deswegen als Sinti und Roma völlig fehl am Platz wäre. Ich brauch wohl nicht extra zu erwähnen, dass ich auf besagten Onkel nicht besonders stolz bin, schaffig ist er, ein richtiger Fachidiot im Betten- und Möbelhandel (Außendienstler), aber seine Gesinnung ist wohl 1933 stehen geblieben. Jedoch, wie heißt es so schön-schaurig: "Für seine Verwandtschaft kann man ja nix"

Wollte ich nur mal loswerden.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

PS: Im von mir empfohlenen Büchlein steht übrigens auch die hier erwähnte Sache mit der Zwangsadoption drin, die von den Behörden bei Cinti und Roma betrieben wurde - Ergo: Vielleicht bin ich doch einer? Und wenn? Auch egal.....Sollte ich noch erwähnen, dass mein Nachbar ein "Heimatvertriebener" aus Ostpreußen war? Man könnte da auch was reininterpretieren, wenn man da an gewisse Verbände von Heimatvertriebenen (Steinbach) denkt.....

Anonym 20. Juli 2009 um 17:29  

"[...]es geht darum, was die Masse von einem Nomadenleben hält. Und da hört man nicht selten, dass herumziehende Menschen keinerlei Wert haben können, weil sie schlicht und ergreifend kein bodenständiges Leben leben können.[...]"

Kleine Ergänzung: Ein Uraltes Vorurteil, siehe der Buchhinweis.

Eigentlich sogar ein neidisch-perverses, denn die Menschheit lebt noch nicht lange - seit der Homo Sapiens entstand - ein Seßhaftenleben, die längere Zeit war er als wandernder Nomade unterwegs, d.h. die Seßhaften hassen ihre "älteren Brüder" (Zitat von Bendedikt XVI, aus einem anderem Zusammenhang, wo er die Juden damit meint) die Nomaden, weil die eben so leben wie auch die Seßhaften vor ihrer Seßhaftwerdung lebten.

Hier gibt es übrigens auch ein positives Vorurteil, dass vom angeblich "glücklichen Nomandenleben", dass so gar nichts mit dem real-harten Leben der Nomaden von früher und heute zu tun hat - jetzt mal rein auf Nomaden, und weg von den Cinti und Roma bezogen.

Lieber Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 21. Juli 2009 um 00:08  

Eigentlich sollte sich der geber von almosen beim empfänger bedanken. Immerhin befindet sich der auf almosen angewiesene mensch, gesellschaftlich in einer weniger würdevollen position. Er ist darauf angewiesen ein stück seiner würde gegen geld einzutauschen.
Aber in unserer gesellschaft ist es wohl so, dass geld grundsätzlich einen höheren wert hat, als die würde eines menschen.

Lucius 21. Juli 2009 um 02:03  

Hi, Folks,
komme gerade von NDS und sehe, dass sich die Kommentare inzwischen wieder dem eigentl Diskussionsggstd angenähert haben. Deshalb möchte ich mich den letzten mit einer kurzen Bemerkung anschließen...
Abgesehen von der 2Mio-Jahre-Geschichte des Homo erectus, der nach neuerer Forschung offensichtl auch schon siedlungsähnl "Langzeitlagerplätze" einrichtete und der 80-90TsdJahre-Geschichte des Homo sapiens "out of Africa" stellten genetische Untersuchungen der Bevölkerung Europas fest, das nur 20% der Europäer von anatolischen Bauern abstammen, der Schwarzmeerkultur, die manche für das historische Atlantis halten und deren 10Tsd Jahre alte Tempel vor nicht allzu langer Zeit (zugeschüttet) in der Türkei entdeckt wurden. Diese Leute gelten gemeinhin als die ursprgl Träger der indoeuropäischen "Ursprach(dialekt)e", zu denen letztl fast alle europäischen und iranischen bis nordindischen Sprachen gehören - auch die Sprachen der Sinti und Roma! Sie pflegen eine Lebensweise, die schon vor Jhdd zur alten Form zurückgekehrt ist - Grund: Krieg, Vertreibung und Flucht. Sie sind wohl keine ursprgl Nomaden wie unser aller berühmteste Verwandte, die Skythen, die ein Riesenreich vom Schwarzen Meer bis NO-China schufen. Ihr Erbe traten (als sie zunehmend seßhaft wurden und assimilierten) überwiegend turktatarische und mongolische Stämme an. Man denke hier nur an die gigantischen Reiche eines Dschingis Khan, Kublai Khan, Timur Lenk oder das Reich der Großmoguln. Trotz immenser Menschenverluste und der völligen Änderung der Bevölkerungsethnie (in Mittelasien) im Zuge der Eroberung blühten doch bald wieder Wissenschaft und Kultur. Die Nomaden haben die vielen Bauernvölker ihres Machtbereichs zu etwas Größerem vereint. Insofern gebührt ihnen auch ein Anteil an der Zivilisationsentstehung. Sie haben das "Fernweh", das großräumige Denken, quasi den "Globalisierungsaspekt" hinzugefügt... ;-)
Das sollte man nie vergessen, denn alle Pioniere waren und sind im Grunde genommen Nomaden! Ohne dieses Element unserer Zivilisation wären wir nie auf den Mond gelangt - für einen Bauern bestünde dazu ja auch keine Notwendigkeit!
Übrigens sind die Sinti und Roma wie die Skythen dank ihrer Herkunft und Sprache echte Arier... Das sei den faschistoiden Möchtegern-Arier vom rechten Rand mal hinter die Rotzlöffel geschrieben (Iran heißt auf dt Land der Arier - das Wort ist mit Ern und Asche verwandt - und da kamen sie wohl ursprgl her)!
Gruß Lucius :-?

PS: Zu den in den Kommentaren außerdem noch gestreiften Themen habe ich meine Meinung schon des Öfteren kund getan, wenn auch nicht hier... Nachzulesen im Forum von Ureda...

Peinhard 21. Juli 2009 um 08:47  

"Aber in unserer gesellschaft ist es wohl so, dass geld grundsätzlich einen höheren wert hat, als die würde eines menschen."

Der einzelne Mensch ist eben nicht 'systemrelevant', Geld hingegen die Systemrelevanz schlechthin. Die Bürde des Menschen ist unantastbar...

Anonym 21. Juli 2009 um 09:47  

Moin,
also die Behauptung das die DDR dem NS-Reich ähnlicher war ist eine sehr gewagte !
Vor solchen Vergleichen warne ich und glaube wer sie benutzt, ist der Spaltungspropaganda ordentlich aufgesessen.
Wer seine Großeltern noch mal zu dem Thema interviewen kann, sollte das tun. Der Aufbau (die Struktur) einiger Organisationen z. B. der NVA waren tatsächlich ähnlich wie die Wehrmacht, ebenso gab es Verwaltungsstrukturen die dem des Nazi-Regimes ähnelten. Allerdings sollte man nicht vergessen es war das gleiche Land, die gleichen Menschen die dort lebten. Die meisten von Euch haben in zwanzig Jahren Angliederung Ostdeutschlands kein einziges Vorurteil abgelegt, der Osten darf als Sportlerlieferant und Arbeitskräfteausbilder schön zum BIP beitragen, die Landschaft und die Gemeinden werden ausgeblutet. Lernen aus den Erfahrungen will aber keiner. Mein Großvater war sehr jung als er in den Krieg geschickt wurde, Begeisterung und Stolz auf die Uniform war sicher dabei - als er die Realität sah und in Gefangenschaft geriet - fiel es ihm wie Schuppen von den Augen. Er hat sich bewußt für die sowjetische Besatzungszone entschieden, weil hier eine wirkliche Entnazifizierung stattfand und hat bewußt am Aufbau des Sozialismus mitgearbeitet, damit so etwas nie wieder passiert. Durch bayrische Verwandtschaft hätte er jederzeit in den westlichen Besatzungszonen Fuß fassen können. Dieser Teil der Biographie ist nix besonderes bei dem '24er Jahrgang, nur die Entscheidung variierte. Übergriffe auf Menschen anderer Völker, Hautfarbe o. menschenfeindliche Parolen wurden in der DDR dragonisch bestraft. Die NVA sah in Uniformteilen und von der Befehlstruktur der Nazi-Armee ähnlich aber war eine reine Verteidigungsarmee. Uns wurde in der Kindheit in der Schule Solidarität und Brüderlichkeit mit anderen Nationen gelehrt. Aber seit ca. 20 Jahren glaubt man auch hier der Springerpresse. Ich finde ehemalige Funktionäre und Historiker sollten endlich wieder Mumm in den Knochen haben und ihre Erfahrungen veröffentlichen. Nur so könnte dieser Propaganda begegnet werden. Eigentlich ist die jetzige Zeit günstig mal zu überlegen was an den Ammenmärchen über die DDR so wahr ist und was nicht. Literatur gibt es auch da inzwischen genug. Ist die Marktwirtschaft wirklich so überlegen ? War nur die DDR wirtschaftlich in Schwierigkeiten ? Kleiner Tipp: Edgar Most (Fünfzig Jahre im Auftrag des Kapitals) lesen, oder Abbau Ost von Olaf Baale
Ich finde wir sollten uns nicht weiter spalten lassen, sondern das Beste beider Seiten endlich miteinander vereinigen. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass unsere Eliten Angst vor einem wirklich wiedervereinten Volk haben, aber mit solchen, in meinen Augen sinnlosen, Meinungen arbeiten wir daran das die Angst unbegründet ist - da werden wir nämlich nie ein Volk.
MfG
der Hans

Roberto J. De Lapuente 21. Juli 2009 um 09:52  

Haffner spricht von der Sozialisierung der Menschen in NS-Deutschland und in der DDR. Er fundamentiert damit auch seine Aussage, dass dem NS ein sozialistisches Moment innewohnte, dass es eine besondere deutsche Form, eine pervertierte Form des Sozialismus war und dass der NS damit dem realen Sozialismus der DDR natürlicherweise nähersteht, als dem Kapitalismus des Westens, der wenig von sozialisierten Entwürfen hält - naja, er nennt sie anders und nennt sie "freiheitliche Entscheidung"...

Aber ein Spalter war Haffner fürwahr nicht...

Anonym 21. Juli 2009 um 10:04  

Ich nochmal.
Roberto, enttäusch mich nicht du bist doch klug und aufmerksam.
Du kannst jetzt nicht so tun, als hättest du den Artikel über Nichtsesshafte im Allgemeinen geschrieben.
Dein Artikel handelt explizit von Sinti und Roma.
Wie schnell diese diffamiert werden, von fast allen Bevölkerungsteilen; das ist unglaublich und jeder, der auch nur am Rande damit jemals zu tun hatte, weiß es.
Und dass dieses Thema in den Medien fast überhaupt nicht vorkommt, ist ebenso ein Skandal.
Umso erfreulicher, dass du darüber schreibst.
Zigeuner sind ein Gradmesser für gesellschaftliche Verhältnisse. Wo sie fliehen, geht es einem Land richtig schlecht. Wie sie behandelt werden, zeigt etwas über die politische Kultur des betreffenden Landes. Hierzulande zeigt der Umgang, wie wenig wir von der NAZI Zeit in Wirklichkeit entfernt sind. Du machst schnipp! und alles ist wieder da!
Zum Antiziganismus gehören eben Vorurteile; und es gibt eben auch positive Vorurteile, die genauso diskriminierend sind (dazu das erwähnte Vorurteil vom fahrenden Volk, das ja nicht nur negativ besetzt ist, und das beliebte von der Musikalität).

Ein aufgeklärter Mensch sollte Menschen nicht in Gruppen einteilen.
Mensch ist Mensch . . .
Gertrud

Anonym 21. Juli 2009 um 10:25  

Moin,
ein Spalter war Haffner wahrlich nicht, das macht die Aussage in meinen Augen aber nicht richtiger. Jede Form des Faschismus ist die militarisierte Form des Imperialismus, also des Kapitalismus. Über diesen Punkt bin ich nicht tolerant genug zu streiten. Da muß man sich nur die Wirtschaftspolitik nach der Weltwirtschaftskrise vor 80 Jahren anschauen und findet vielleicht die Parallelen zu Heute. Das bezieht sich auch auf Ihren vorherigen exzellenten Artikel.
Ich weiss nicht was aus mir geworden wäre, wenn ich für die Nazis in den Krieg gezogen wäre, dann war auf einmal alles falsch, man versucht sich anzupassen, baut eine neue Aera und Gesellschaft mit auf, dann wird wieder alles für falsch erklärt. Es gab eine Menge Menschenverachtende Dinge auch im s. g. Sozialismus (z. B. der Mauerbau und die Grenzüberwachung nach innen) aber darauf alles zu reduzieren, das ist die eigentliche Spaltung. Aufgrund der Reparationszahlungen an die UdSSR und andere Staaten, ohne USA als Investor im Hintergrund und der ständige Kampf gegen westliche Geheimdienstangriffe führten zu solchen Fehlentscheidungen. Das soz. Experiment auf deutschem Boden wäre durch Fachkräfteabwanderung und Feindpropaganda frühzeitig gescheitert. Die Betonköpfe in der Parteiführung waren aber später nicht in der Lage sich zu erneuern, was zum Ende der DDR erheblich beigetragen hat.
Ähnliche Symptomatik ist heute in der SPD zu verorten. Die Basis will diese neoliberalen Winkelemente schon lange nicht mehr.
MfG
der Hans

Peinhard 21. Juli 2009 um 11:42  

Ich kann Roberto hier nur mal wieder zustimmen, vor allem was die sog. 'freie' Entscheidung angeht. In diversen Krimi-Serien zB fällt immer mal wieder Satz gegenüber den Ermittlern, dass sie als Beamte wohl wenig Ahnung von der 'freien Marktwirtschaft' hätten. Beziehen tut sich das natürlich nicht auf die angebliche 'Freiheit' dieses Gebildes, sondern ganz im Gegenteil auf deren Zwänge dem wiederum angeblich 'freien Wirtschaftssubjekt' gegenüber. Nur kommen diese Zwänge verglichen mit denen in mehr oder minder offenen 'Diktaturen' eben als unpersönliche, 'stumme' Zwänge daher. Deswegen sind sie aber keinesfalls weniger 'wirkmächtig'. Es ist zusagen eine 'Freiheit nach Orwell'.

Festzuhalten bleibt ausserdem, dass alle drei - NS-Diktatur, 'real existierender' und 'freie Marktwirtschaft' nur verschiedene Abkömmlinge ein und desselben 'Liberalismus' und seiner 'schönen Maschine' der abstrakten Arbeit und ihrer Zwänge sind bzw waren.

Anonym 21. Juli 2009 um 14:11  

@Roberto J. de Lapuente

Ich seh's ähnlich, der NS-Faschismus und die DDR sind nicht zu vergleichen, das eine ist - so habe ich es in Westdeutschland noch gelernt - ein Scheinsozialismus (=NS), das andere ist autoritärer Staatssozialismus (=DDR).

Übrigens, ich lese gerade zufällig ein Buch einer Holocaust-Überlebenden in Litauen, und was die über die Verfolgung von Kommunisten und Juden durch dt. Besatzer im Namen des NS-Faschismus zeigt kann man nicht einfach wegleugnen - auch Sie schreibt vom Scheinsozialismus der NS.

Fazit:

Ich bleib dabei die Vergleiche zwischen NS-Staat und DDR, da hat "der Hans" völlig Recht, dienen der Verharmlosung der Schlimmsten Auswüchse der Menschheit - der Nazi-Barbarei in Deutschland, und den Faschismen weltweit, die auch heute - siehe Honduras - noch existieren.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

PS: Was Haffner angeht, man sollte vielleicht auch bedenken Haffner hat sich zeitlebends als "Erzkonservativer" geoutet. Konservative wollen ja heute wieder aus NS-Verbrechern Nazi-Verfolgte machen, so z.B. in BW Öttinger und der NS-Blutrichter Filbinger....beispiele gibt es zuhauf im FDP/CDU/CSU-Milleu, und ich hoffe, dass du nicht auf solche reinfällst ;-)

Ich finde übrigens Haffner auch interessant, da er ein anderes Buch mit dem Titel "Der Verrat" geschrieben hat, das sehr gut beschreibt wie die dt. Sozialdemokraten im Jahre 1918/19 die dt. Arbeiterschaft bzw. Revolution zuerst zur Revolte aufgerufen haben, und diese dann im eigenen Blut der Arbeiter im Verein mit Faschisten, und konservativen "Eliten", ersäuft haben.

Damals kam in Deutschland der Spruch auf:

"Wer hat uns verraten? Die Sozialdemokraten".

Noske machte sich übrigens mit dem Spruch traurig berühmt: "Einer muß ja der Bluthund sein!"

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 21. Juli 2009 um 14:24  

Man 'ne Frage:

Wo kann man eigentlich, außer bei Haffner, hochaktuell erfahren, dass Historiker eben Teil der Gesellschaft sind, die diese umgibt? Gibt es neuere Sachbücher zum Thema?

Würde mich mal interessieren ;-)

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

PS: Haffner sah sich zeitlebens als "erzkonservativ" an, wie ich in einem seiner Bücher erfuhr, d.h. dementsprechend sind seine Geschichtsinterpretationen auch gefärbt, was Haffner - im Gegensatz zu heutigen Historikern - auch immer wieder zugab bzw. in Büchern durchblicken ließ.

Der Historikerstreit hat ja, vor Jahren, eindrucksvoll bewiesen, dass man nichtlinientreue Historiker in Deutschland bald auch mit der Lupe suchen muss, dies sollte man z.B. bei Guido Knopp, Götz Aly & anderen angeblichen NS-Aufklärern immer wieder bedenken.

Wer wirklich erfahren will, wie furchtbar die NS-Verbrechen waren, dem empfehle ich Historiker aus dem "linken" Spektrum, wie z.B. Hannes Heer, oder gleich ausländische, wie z.B. Raul Hilberg.

Bei deutschen Historikern heißt es, was den Mainstream angeht, wieder aufgepasst, die sind auf Linie gebracht, damit ja nix über die schlimmste Diktatur der Menschheitsgeschichte (=NS-Deutschland) kommt. Die Ex-DDR war ja schlimmer als die Hitler-Barbarei, wenn es nach konservativen Historikern geht.

Ich bleib dabei, NS-Deutschland war die schlimmste Diktatur, und DER Zivilisationsbruch der Menschheitsgeschichte, da können mich weder konservative Historiker, noch sonstige Geschichtsverharmloser von weg bringen.

Anonym 21. Juli 2009 um 14:44  

Noch was:

Das Buch auf das ich mich hier beziehe, und das, zumindest bei mir, endgültig mit dem Mythos NS gleich DDR aufgeräumt hat ist folgendes:

"Das Kind soll leben - Die Aufzeichnungen der Helene Holzman 1941 1944", List Taschenbuch.

Der Bericht zeigt mir, dass die Vergleiche Kommunisten = NS-Faschisten nicht länger haltbar sind, d.h. es nie waren. Ein Beispiel von vielen, die litauischen Partisanen, die mit den dt. Besatzern gegen die Sowjetarmee kämpften waren durch und durch antisemitisch und antikommunistisch eingestellt, d.h. Frau Holzman beschreibt einen Vorgang wo Kommunisten UND Juden sofort erschossen wurden bzw. die Zugabe der Tatsache Sozialist und Jude zu sein kam damals in Litauen einem doppelten Todesurteil gleich.

Sie kam mehrmals mit Leugnen ihrer einstigen kommunistischen Vergangenheit nur knapp mit dem Leben davon, der Mann von Frau Holzmann wurde als Jude umgebracht - von den angeblich sozialistischen Nazis.

Sie schreibt im Buch vom "Scheinsozialismus" der Nazis, aber mit den autoritären Kommunisten/Sozialisten hatte die, aus einem bolschewistisch-ideologischen Grund auch ihre Probleme - Frau Holzman gehörte "der Bourgeoisie" an, d.h. Sie beschreibt beide Verbrechen: Die der autoritären Staatskommunisten und die der NS-Faschisten, die Frau Holzman im Bericht ganz klar als "Scheinsozialisten" brandmarkt.

Eben so lernte ich dies noch - vor Jahren - auf der Schule, der NS-Faschismus war ein "Scheinsozialismus", um die Arbeiter über die wahren Absichten der Nazis hinwegzutäuschen.

Heute ist die Unterrichtssprache vielleicht eine andere, aber Holocaust-Überlebende sehen im NS-Faschismus eben immer noch den "Scheinsozialismus", trotz Götz Aly & Konsorten.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

PS: Ich will die Verbrechen der Kommunisten/Sozialisten keineswegs in Schutz nehmen, aber die ständigen Vergleiche NS-Faschismus ist gleich Kommunismus/Sozialismus dienen m.E. doch nur davon als Ablenkungsmanöver, dass konservative Parteien in Deutschland den Nazis immer ähnlicher waren als die nicht-konservativen Parteien. Der Fall Hohmann hat mir bewiesen, dass es auch heute noch Berührungspunkte zwischen NPD, DVU & Konsorten sowie CDU/CSU, als Beispiel gibt.
Man sollte hier mal mehr drüber schreiben statt Grabenkämpfe längst vergangener Zeiten aufzurollen. Oder?

Anonym 21. Juli 2009 um 15:28  

"[...]Ich will die Verbrechen der Kommunisten/Sozialisten keineswegs in Schutz nehmen, aber die ständigen Vergleiche NS-Faschismus ist gleich Kommunismus/Sozialismus dienen m.E. doch nur davon als Ablenkungsmanöver, dass konservative Parteien in Deutschland den Nazis immer ähnlicher waren als die nicht-konservativen Parteien.[...]"

Könnte es sein, dass der Zombie-Neoliberalismus, der dank 500 MRD-Konjunkturpaket in Deutschland überleben darf, eine Gründungsideologie benötigt hat? War dies nicht der McCarthy-Antikommunismus, der solche Vergleiche förderte? War Westdeutschland nicht eine der Speerspitzen des Antikommunismus im Kalten Krieg? Gab es nicht auch im restlichen Europa starke antikommunistische Strömungen (z.B. Franco-Spanien), denen derartige Vergleiche durch Neoliberale gerade Recht kamen?

Es wäre vielleicht wirklich einmal an der Zeit solche Dinge wieder einmal zu hinterfragen. Oder?

Übrigens, die Gründungspropheten des Neoliberalismud Hayek und Friedman waren offen für solche Vergleiche, da bin ich sicher, denn beides waren stramme Antikommunisten/-sozialisten, die in allem Sozialen die UdSSR witterten.

Wie wo anders erwähnt, der autoritäre Staatssozialismus/-kommunismus ist mausetot, aber die Ideologie des Antikommunismus feiert dank Zombie-Neoliberalismus seine fröhliche Wiederauferstehung gegen einen toten Feind (den Kommunismus/Sozialismus).

Ernsthaft:

Welches Land, mal abgesehen von den üblichen Verdächtigen Nordkorea und Kuba gibt heute noch zu staatssozialistisch zu sein?

US-Neokonservative sehen sogar in US-Präsident Obama einen "afroamerikanischen Marxisten", so im US-Wahlkampf von dortigen Republikanern geäußert.

Wir wissen ja alle, was die Neokonservativen US-Amis (=Neoliberale) unter Sozialismus/Kommunismus verstehen:

Den Wohlfahrtsstaat, den Obama will.

Nach der Neoliberalen-Logik ist Obama ein Sozialist, das ist wahr.

Wäre Obama nicht schwarz, sondern weiß, dann käme vielleicht aus der neoliberalen Ecke auch der Vorwurf Obama ist gleich Hitler? Wundern würde es mich - in Zeiten der Sozialstaatsverteufelung - nicht.

Apropo schwarz:

Gab es nicht auch nichtweiße Kommunisten/Sozialisten? Sind die etwa auch mit den Nazis vergleichbar? Das will doch wohl keiner ernsthaft behaupten, oder doch? War HoChiMinh ein Nazi? Oder PolPot?

Mal im Ernst, es waren beides Massenschlächter, aber Nazis waren beide eben nicht, da der antisemitische und rassistische Standpunkt bei beiden nicht vorkam - eine typische Nazi-Eigenschaft.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 21. Juli 2009 um 15:52  

Benötigt nicht jede Herrschaftsideologie (=Merkel-Neoliberalismus) eine historische Legitimierung? Kommen daher die ständigen Versuche alles Linke, nicht allein eine Partei selbigen Namens, in die rechtsextreme Ecke abzudrängen? Wer übrigens beim Parteitag der Linkspartei in Phoenix vorgeschaut hat - Direktübertragung - der hat dort so manches "nichtweiße" Gesicht gesehen, dass er bei anderen Parteien lange vergeblich sucht - Oder gibt es neuerdings schwarzhäutige Nazis in Deutschland, die sich allesamt in der Linkspartei an wichtigen Parteiterminen rumtummeln?

Anonym 22. Juli 2009 um 00:24  

interessant ist es das viele homosexuelle, obwohl sie nachwievor opfer von diffamierung und herabwürdigung sogar von politischer seite sind, sich nicht mit anderen randgruppen wie zb. transsexuellen zusammenschliessen, sondern sich denen besonders feindlich gegenüber benehmen.
grund dafür ist laut aussage mehrere schwuler, weil sie sich damit die anerkennung von den hetero's endgültig verspielen würden.

traurig.

Anonym 22. Juli 2009 um 07:41  

Noch ein Literaturhinweis:

"Im Mai ist beim Unrast-Verlag (Münster) der Sammelband "Antiziganistische Zustände. Zur Kritik eines allgegenwärtigen Ressentiments" (Hrsg.: Markus End, Kathrin Herold, Yvonne Robel) erschienen, der einen Beitrag von Roswitha Scholz auf der überarbeiteten Basis ihres EXIT!-Artikels enthält: "Antiziganismus und Ausnahmezustand. Der >Zigeuner< in der Arbeitsgesellschaft".

Der Band enthält zahlreiche weitere Beiträge zu den Themen Theorie und Kritik des Antiziganismus, bundesdeutscher Erinnerungsdiskurs, mediale Repräsentationen und Antiziganismus in Europa."

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