Kein Affe profitiert von sieben Zwergen

Dienstag, 15. Januar 2008

Mich nochmals auf meinen gestrigen Beitrag stützend, möchte ich an das Interview des deutsch-österreichischen Regisseurs Hans Weingartner mit dem "St. Galler Tagblatt" erinnern. Weingartner spricht darin eine deutliche Sprache: "Das ist absurd und pervers, dass mit den TV-Gebühren Telenovelas, die nichts als verfilmte Schundhefte sind, und Shows produziert werden, die so unterirdisch schlecht sind, dass nicht mal Affen etwas davon profitieren könnten. Es ist ein Skandal, es ist ein Betrug an den Menschen, so etwas auszustrahlen. Und Günter Struve, der ARD-Programmdirektor, ist ein Verbrecher, er sollte sich schämen."

Dieses Interview wurde Ende November letzten Jahres geführt. Kurz danach stach mir ins Auge - beim zufälligen Durchforsten des abendlichen Programmes -, wie schamlos man Rundfunkgebühren für Niveaulosigkeiten aus dem Fenster wirft. Damals schrieb ich die NachDenkSeiten an, die mir zwar antworteten, aber meine Zeilen nicht erwähnten. Folgend werde ich diesen Brief zitieren:
"Liebes NDS-Team,

am Samstag verwiesen die NachDenkSeiten auf ein Interview mit dem deutsch-österreichischen Regisseur Weingartner, der auf unglaublich direkte und drastische Weise die Fernsehlandschaft angriff. Ich las dies mit Genugtuung, weil er aussprach, was sich viele Menschen in diesem Lande wohl auch denken.

Als ich heute Abend durch die "wunderbaren Fernsehwelten" zappte, da geschah es, daß ich bei RTL den Vorspann eines Filmes sah: "Sieben Zwerge"... schlimm genug, dachte ich mir, daß sowas im Abendprogramm läuft, doch als ich dann wahrnahm, daß dieser Film auch noch von der Filmstiftung NRW gefördert wurde, ärgerte ich mich doppelt. Filmstiftung NRW: Das heißt also, daß mit dem Land Nordrhein-Westfalen, dem WDR und dem ZDF (die Gesellschafter der Filmstiftung NRW sind - nebenbei noch "Private" wie RTL und die LfM) Institutionen involviert sind, die durch Steuergelder oder Gebühren finanziert werden.

Viel des Filmes sah ich nicht, eigentlich streifte ich ihn nur immer wieder, als ich quer durch die komplette Programmauswahl "wanderte". Was ich aber sah war ausreichend, um Weingartners Aussagen zu bestätigen, ja besser noch: zu unterstreichen. Holzhammer-Witzchen, Schaulaufen ausrangierter Komödianten, von den Möchtegern-Komödianten will ich gar nicht reden - wahrlich, als Herr Weingartner von Müll sprach, da muß er dergleichen gemeint haben. Und wenn er behauptet, daß diese Herrschaften genau wissen, was sie tun (nämlich die Menschen in den Gehirntod treiben), darf man das als Wahrheit anerkennen, gerade dann, wenn man bedenkt, daß solche Machwerke auch noch offiziell gefördert werden.

Weingartner war eigentlich noch viel zu freundlich.

Viele Grüße,
..."
Anzumerken sei noch, daß die Filmstiftung NRW solch zeitlose Klassiker wie "Der Schuh des Manitu" oder "Mein Führer - die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler" mitfinanzierte. Eine Gesellschaft, die mit 85 Prozent in öffentlicher Hand ist (die restlichen 15 Prozent gehören den beiden oben erwähnten - RTL und LfM), fördert Projekte, die sich durch Niveau- und Geschmacklosigkeit auszeichnen. Es läßt sich also mitnichten in "schlechtes Privatfernsehen" und "gute öffentlich-rechtliche Sendeanstalten" unterteilen. Letztere vollziehen dieselbe Verdummung - nur unter dem Anschein staatlicher Vernunft.

3 Kommentare:

mr.t 18. Januar 2008 um 11:46  

Lieber Roberto,
über die Qualität eines Filmes wie "Sieben Zwerge" läßt sich streiten, die Geschmäcker sind eben verschieden. Wobei ich eine offizielle Förderung solcher Filme doch sehr befremdlich finde. "Schuh des Manitu" als einer der erfolgreichsten deutschen Filme überhaupt, spricht leider für sich. Nicht die Medienschaffenden sind hier das Problem. Sie sind lediglich Gehilfen des öffentlichen Wunsches. Teil des Problems ist die bewußte Bereitschaft der Bevölkerung zur Verblödung. Eine Förderung solcherlei Medien und eine Vernachläßigung der Förderung bei Qualitätserzeugnissen, ist hier die Schande. Dies zeigt deutlich die zwei Hauptantriebe jener Förderer allzudeutlich auf: Die Gier nach Jubel von den tumben Massen und die Sehnsucht nach einer dummen, weil leichter zu lenkenden Bevölkerung. Es gibt zahlreiche Medienschaffende in unserem Lande welche Qualität produzieren, diese werden aber auch durch einen Mangel an Fördergeldern weiterhin unterdrückt. Die Tumben waren schon immer in der Mehrzahl, dies ist nichts neues, aber eine Unterdrückung des Höheren, bringt nur unsere plebejische "Kultur" zustande.

Roberto J. De Lapuente 18. Januar 2008 um 13:04  

Ich teile diese Ansicht nicht, daß Menschen gezielt zur Dumpfheit schreiten, um ihr Dasein innerhalb dieser zu bestreiten. Freilich mag es Ausnahmen geben und einige Zeitgenossen leben friedlich in geistiger Umnachtung, doch ist dies nicht der Regelfall. Menschen kommen nicht mit einer genetischen Veranlagung zum Dummseinwollen auf die Welt. Sie werden zu dem, was man aus ihnen macht. Und selbstverständlich prägt auch ein Elternhaus, welches sich in Dummheit ergießt. (Die Frage, weshalb wiederum die Eltern so sind - dumm - klammere ich aus.) Aber gleichermaßen - ich möchte sogar behaupten: viel mehr - prägen die Medien das Weltbild jedes einzelnen und drücken das "Gottesgnadentum" der grenzenlosen Konsumtion in die Köpfe der Menschen; erziehen ihnen Bedürfnisse an, die sie ohne Propagandamaschinerie nie gehabt hätten.

Gottfried Benn definiert, wie der homo oeconomicus, der im Totalitarismus des absoluten Marktes lebt, folgendermaßen: "Dumm sein und Arbeit haben, das ist das Glück." - Dies darf als grundlegendes Bestreben der industrialisierten Gesellschaft gelten. An den Schalthebeln, die dieses System am Laufen halten, mag es heißen: "Laßt sie dumm sein und gebt ihnen Arbeit! Und in ihrer Dummheit, die WIR erzeugt und gefördert haben, durchdringt deren Leben mit dem Markt!"

Anders gesagt: "Konzentration der Volkswirtschaft auf die Bedürfnisse der großen Konzerne, wobei die Regierung sich als anregende, unterstützende und manchmal sogar kontrollierende Kraft betätigt; Verflechtung dieser Wirtschaft mit einem weltweiten System von militärischen Bündnissen, monetären Übereinkünften, technischer Hilfe und Entwicklungsplänen; allmähliche Angleichung der Arbeiter- an die Angestelltenbevölkerung, der Führungstypen bei den Unternehmer- und Arbeitnehmerorganisationen, der Freizeitbeschäftigungen und Wünsche der verschiedenen sozialen Klassen; Förderung einer prästabilisierten Harmonie zwischen Wissenschaft und nationalem Anliegen; Angriff auf die Privatsphäre durch die Allgegenwart der öffentlichen Meinung, Auslieferung des Schlafzimmers an die Kommunikation der Massenmedien." - Herbert Marcuse

mr.t 18. Januar 2008 um 14:29  

Dies wirkt fast wie die Frage ob das Ei oder die Henne den Vortritt hatte. Freilich kommen die meisten Menschen nicht mit einer "genetischen Veranlagung zum Dummseinwollen auf die Welt", wie man an jedem Paar neugieriger Kinderaugen sehen kann. Hier prägt die Gesellschaft (allen vorran und heute mehr denn je die Medien)den Menschen. Aber dies ist die Gefahr einer (vermeintlich) freien Gesellschaft. Entwicklung bedeutet Anstrengung und wer strengt sich heute noch gerne für etwas an? Wir leben in einer Kultur der Bequemlichkeit und diese wird uns früher oder später das Genick brechen. Frage einmal den besinnungslos besoffenen Jugendlichen ob er aus freien Stücken jene Flat-Rate-Party besuchte, frage die Besucher von "Schuh des Manitu" ob sie gar zum Kinobesuch gezwungen wurden, frage die Leser der Bild-Zeitung ob sie jemand gedrängt hätte. Mit der Antwort wirst Du das Bedürfnis des Volkes nach Bildung erfahren. Natürlich wird diese Geisteshaltung auch von jenen gefördert welche davon profitieren, aber auch jene leben in jenem Wahn den diese Gesellschaft auf sie übertragen hat. Nur meinen jene sie würde dies Spiel durchschauen und lenken, womit sie sich selbst täuschen. Die Menschen kranken an einer Gesellschaft die an dem Menschen krankt.

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