Versuch und Irrtum? Die gnadenlosen Folgen der Nutzung der Atomkraft

Mittwoch, 13. April 2011

Ein Artikel von Reinhard Gottorf.

Ich habe mir lange überlegt, ob ich Ihnen diese, zugegeben sehr vielen, Zeilen senden soll oder nicht. Letzter Anstoß, es doch zu tun, war nun der kürzlich erschienene Text "Sie haben versagt" im ad sinistram-Blog. Ja, vor fast genau 25 Jahren, im Angesicht der Katastrophe von Tschernobyl war und ist dieser Text eine Offenbarung für all die Leicht- und Gutgläubigen gewesen. Er war und ist eine schallende Ohrfeige für all die Vergesslichen und Beschöniger. Er war und ist eine einzige Anklage gegen all die Atombefürworter und deren politischen und „wissenschaftlichen“ Hofschranzen. Ja, es ist gut, dass Sie diesen Text wieder in Erinnerung gerufen haben. An ihm wird nämlich auch deutlich, was folgt, wenn die Menschen diesen Text nicht verinnerlichen.

Gerade einmal fünf Monate, nachdem dieser Text in der "Zeit" veröffentlicht worden war, hatte die Schleswig-Holsteinische CDU-Landesregierung unter Führung des damaligen Ministerpräsidenten Uwe Barschel die Betriebsgenehmigung für das Atomkraftwerk Brokdorf erteilt. Das geschah nach einem von Herrn Barschel angesichts der Katastrophe von Tschernobyl erklärten drei monatigen Moratoriums. Während dieser Zeit sollte das eigentlich unübertreffbar sicherste Atomkraftwerk der Welt noch einmal auf seine Sicherheit überprüft werden. Im Ergebnis wurde dann das unübertreffbar sicherste Atomkraftwerk noch sicherer. Also das allerschwärzeste Schwarz wurde noch schwärzer. Die "Experten" kamen zu dem Schluss – und das ist jetzt kein Witz oder von mir erfunden – und stellten das auch groß heraus, ein zusätzliche Sicherheitssystem, bestehend aus einem weiteren Überdruckventil mit Filter, solle in Bereitschaft gehalten und dann, im selbstredend unwahrscheinlichen Falle einer Kernschmelze, "innerhalb von 24 Stunden" nachträglich eingebaut werden. Nun, das Ende von Herrn Barschel ist bekannt. Das Atomkraftwerk Brokdorf strahlt noch heute und es steht auch aktuell nicht zur Disposition.

Was aber meines Erachtens auch nicht in Vergessenheit geraten darf, ist die Tatsache, dass die nachfolgende SPD-Landesregierung, mit ihrem für die Atomaufsicht zuständigen Minister Günther Jansen, umgehend das Atomkraftwerk Brokdorf stilllegte. Diese Maßnahme wurde dann von einem Herren, der sich heute als für die Beantwortung der Ethikfragen im Zusammenhang mit der Nutzung der Atomkraft Befähigten präsentiert, per Ministerweisung untersagt. Trotz vorhandenem Sicherheitsgutachten, das gebrochene Brennstäbehalterungen und verschwundenen Blechteilen in der Brennkammer feststellte, kam der damalige Bundesumweltminister Klaus Töpfer zu der Auffassung, das AKW Brokdorf muss wieder an das Netz, da es, so das Ergebnis eines von ihm in Auftrag gegebenen erneuten Gutachtens, sicher ist. Wenige Wochen später, nach Töpfers Weisung, wurden dann Mängel festgestellt, die einem heute, angesichts der Ereignisse in Japan, immer noch die Haare zu Berge steigen lassen.

Aufgrund von Montagefehlern fehlten seit Inbetriebnahme des Atomreaktors im Jahre 1986 bei allen vier Notstromdieseln wichtige Teile, die unter ungünstigen Bedingungen zum Versagen der Notaggregate hätten führen können. Entdeckt wurde auch, dass bei sämtlichen Notstromdieseln an den Kupplungen Verschlusskappen fehlten, die unter anderem dafür zu sorgen hatten, dass beim Betrieb der Dieselmotoren das Öl nicht herausgeschleudert wird. Zwar könnten die Kupplungen normalerweise ein paar Stunden auch ohne Öl auskommen, doch die fehlenden Verschlusskappen gewährleisten außerdem noch die richtige Funktion der Pumpen, die bei einem Zusammenbruch des öffentlichen Stromnetzes und einer Abschaltung des AKWs für die Ableitung der Abwärme zuständig sind. Bei einem der Aggregate war es außerdem versäumt worden, einen Zentrierring für das Kupplungsgehäuse einzubauen. Dieser "systematische Fehler" war bei allen regelmäßigen und besonderen Überprüfungen nicht bemerkt worden. Aber der Ethikbeauftragte Töpfer hatte keine Skrupel, dass Atomkraftwerk in Betrieb zu belassen. Greenpeace hat Töpfer damals in einem offenen Brief zum Rücktritt aufgefordert. In diesem Brief hieß es u. a.: "Mit Ihrer Entscheidung, das Atomkraftwerk Brokdorf solle wieder ans Netz gehen, zeigen Sie erneut, dass Ihnen die Bedürfnisse der Atomindustrie, Kosten zu sparen, wichtiger sind als die Sicherheit der Bürger, die Belange der Natur und Umwelt". Aber dafür prädestiniert es ihn heute, zu den Ethikfragen der Atomkraftnutzung sachverständig und objektiv Stellung zu beziehen.

Vor 30 Jahren, am 28. Februar 1981 habe ich – entschuldigen Sie die drastische Ausdrucksweise - mir den Arsch abgefroren, die Füße wund gelaufen und die Fresse vollgekriegt. Dieser Tag in der Wilster Marsch hat mein Verhältnis zu diesem Staat, den Herrschaftscliquen und Claqueuren, deren Büttel und den braven Bürgern ein für alle Mal geklärt. Damals ist mir ein Aufsatz in die Finger geraten. Dieser Aufsatz prägte von da an meine Haltung zu der sog. "friedlichen Nutzung" der Atomkraft. Ein Dr. Alvin Weinberg, Direktor des Oak Ridge National Laboratoy in den USA, der Schmiede der US-Atomwaffen, schrieb in einem Beitrag für ein US-amerikanisches Wissenschaftsmagazin "Science" u. a. folgendes: "Wenn der Mensch sich erst einmal für die Kernenergie entschieden hat, so hat er sich zu einer grundsätzlichen Unterhaltung des nuklearen Apparates, wie Kernkraftwerke, Wiederaufbereitungsanlagen etc. auf alle Ewigkeit verpflichtet. Wir Atomleute haben mit der Gesellschaft einen 'Faustpakt' geschlossen." Und dieser Alvin Weinberg ist nicht irgendwer. Weinberg ist einer der Vordenker und Entwickler der Mittel und Methoden der nicht-militärischen Nukleartechnologien.

Auf alle Ewigkeit!!! Der Faustische Pakt. Es gibt keinen Weg zurück. Wir könnten auf einen Schlag alle AKW abschalten, es ändert nichts an der unumstößlichen Wahrheit: Die atomare Bedrohung der Menschheit bleibt bestehen. Philippsburg oder Isar 1 sind ja nicht auf einmal Erlebnisparks für jedermann, nur weil sie keinen Strom mehr produzieren. Die Brennelement, der atomare Abfall, die Reaktoren selbst, usw., sie sind und bleiben eine immerwährende Gefahrenquelle. Ob Strom erzeugt wird oder nicht. Das zeigt ja eindrücklich das Beispiel Japan. Einige der havarierten Meiler waren abgeschaltet, im Reaktor 4 befinden sich "nur" abgebrannte Brennstäbe in Kühlbecken. Trotzdem gehen von ihnen aktuell die gleichen Gefahren aus, wie von den erst durch Erdbeben und Tsunami durch Not-Abschaltung gestoppten Reaktoren.

Eine weiter Nutzung der Atomenergie vergrößert mit jedem Tag das Problem. Daher ist es, um nicht falsch verstanden zu werden, richtig, bei uns sofort alle AKW stillzulegen. Was aber dadurch nicht gelöst wird, sind die Fragen der Sicherheit, der Entsorgung, der weiteren Wartung, des Ab- bzw. Rückbaus und vor allem der Endlagerung der radioaktiven Materialien. Niemand kann die Probleme wegzaubern oder auf nimmer wiedersehen verschwinden lassen. Diese Materialien, egal ob in fester, flüssiger oder gasförmiger Gestalt müssen geschützt und sicher verwahrt werde, sie müssen vor unerlaubten Zugriffen gesichert werden. Es muss Institutionen und Organisationen geben, die, über Generationen, so etwas realisieren können.

Es ist schlicht und einfach Scharlatanerie, wenn heute immer noch behauptet wird, wir könnten mit der Nutzung der Atomenergie so weiter machen wie bisher, weil wir ja irgendwann die Technik beherrschen werden. Wir hinterlassen den nachfolgenden Generationen schon einen gigantischen Berg an ungelösten Problemen. Wer "weiter so" sagt und handelt, handelt verantwortungslos und nach dem Motto: "Nach mir die Sintflut". Aber auch diejenigen, die meinen, mit der Parole "Atomkraft – Nein, Danke!" wären alle Problem gelöst, betreiben Scharlatanerie. Wir müssen im gleichen Atemzug, in dem wir "abschalten" sagen, auch sagen, was mit dem Müll, dem Schrott, den Hinterlassenschaften, geschehen soll. Und eine solche, über Generationen gültige Entscheidung kann nicht per ordre de mufti getroffen und mit Wasserwerfer und Schlagstock durchgesetzt werden. Das Sankt Florians Prinzip führt aber auch in eine Sackgasse.

Professor Robert Jungk schrieb 1977 in seinem Buch "Der Atomstaat": "Atomindustrie, das bedeutet permanenten Notstand unter Berufung auf permanente Bedrohung. Sie 'erlaubt' scharfe Gesetze zum 'Schutz der Bürger'. Sie verlangt sogar die Bespitzelung von Atomgegnern und Naturschützern als 'Präventivmaßnahme'. Sie kann die Mobilisierung Zehntausender Polizisten gegen friedliche Demonstranten ebenso 'rechtfertigen' wie deren im Umgang mit Verbrechern erlernte Leibesvisitationen". Ja, es ist alles Wirklichkeit und noch viel schlimmer. Es muss auch klar sein, wenn sich die politischen Verhältnisse nicht grundlegend ändern, wird es auch immer so bleiben. Ausstieg hin – Ausstieg her. In einem wunderbaren Film eines Schweizer Filmemacherehepaars aus den Sechzigerjahren, mit dem Titel "Isidor Huber" gibt es einen schönen Satz: "Wir hinterlassen unseren Kindern einen möglichst großen Besitz, damit sie geschützt sind vor der Gesellschaftsordnung, die wir ihnen ebenfalls hinterlassen". Die Macher dieses Film hatten damals die Atomproblematik noch nicht in ihrem Visier. Wir vermachen unseren Kindern nämlich auch etwas, wovor sie kein Reichtum dieser Welt schützt. Den atomaren Müll.

Es gibt meines Erachtens drei Wege diesen "Faustischen Pakt" aufzulösen. Entweder wir begehen kollektiven Selbstmord, dann hat die Natur das Problem, aber die Menschheit nicht mehr; oder wir denken uns das Problem einfach weg und akzeptieren es als allgemeines Daseinsproblem, wie den Verkehrstod oder Hunger und Durst. Nach dem Motto: "Sorge dich nicht, lebe", und schreiben darüber ein Buch. Der dritte Weg erfordert das Überwinden unserer bisherigen Lebens- und Verhaltensweisen. Es setzt voraus, dass die Dinge so gesehen werden, wie sie sind. Eine "friedliche Nutzung" gibt es nicht. Die atomare Energiegewinnung und deren Folgen hat ein ähnliches Vernichtungspotenzial wie ein atomarer Weltkrieg. Es setzt außerdem voraus, dass die bisherigen gesellschaftlichen Mechanismen nicht nur Infrage gestellt werden, sondern auch durch dem Wohle der ganzen Menschheit verpflichtete ersetzt werden. Das Motto "der Mensch mache sich die Erde untertan" war immer falsch und hat ausgedient. Es ist Vergangenheit. Zukunft hat nur ein Leben in Einklang mit der Natur, nicht mehr gegen sie. Wir sollten damit endlich anfangen.

Ich bin fest davon überzeugt, dass alle heute in der Gesellschaft handelnden Personen, Gruppen und Institutionen sich dessen auch vom Grundsatz her bewusst sind. Sie vermeiden es nur unter allen Umständen diese "Wahrheiten" den Menschen in unserem Lande zu eröffnen. Im Gegenteil. Sie nutzen diese Situation, um ihre Macht und ihren Wohlstand abzusichern, ihren persönlichen Profit zu mehren. Sie konstruieren Bedrohungspotenziale, schüren Existenzängste, um gleichzeitig scheinbare, einfache Lösungen parat zu haben, um diese Gefahren, Bedrohungen, Ängste zu beseitigen. Der erforderliche Repressionssapparat, die gesetzlichen und rechtlichen Instrumentarien werden von der Bevölkerung dankend akzeptiert. Die tatsächliche, existenzielle Bedrohung wird vertuscht, geleugnet oder als nicht existent abgetan. Solange die Menschen z. B. glauben, eines der existenziellen Problem der Zukunft wäre das immer Älterwerden der Gesellschaft und nicht das Problem der Nutzung der Atomenergie, solange ist der Menschheit nicht mehr zu helfen. Ich für meinen Teil halte es übrigens, seit den Erfahrungen auf der Wilster Marsch 1981, wie in einem Text von Carl Amery:

"Was rufst du um Hilfe, Törichter? Ich helfe dir nicht. Du hast dir selbst geholfen.

Erwählt, geprüft, verbündet mit der Allmacht, wie du sie verstehst, hast du aus deiner winzigen Weltecke die Erde erobert. Du hast die Zeichen deines Sieges und die Zeichen der Vernichtung in die Flanken der Berge, in den Schoss der Erde, auf die Linien des Wassers geschrieben.

Und nun, da du mit deiner Siegerfahne auf den Leichen stehst, da du dich einsam fühlst und von der Zukunft verlassen, willst du von Mir die alten Verheißungen einfordern. Du fragst: Ist nicht alles auf meine Freiheit, mein Glück, meine Befriedigung allein angelegt?

Und Ich sage dir: Glück für einen allein gibt es nicht."
Carl Amery, "Das Ende der Vorsehung. Die gnadenlosen Folgen des Christentums"



15 Kommentare:

Anonym 13. April 2011 um 09:23  

Ich denke, viel zu oft erreichen Texte wie dieser, die die unschöne "Wahrheit" unverblümt aussprechen, vor allem Leser bei denen man mit selbigen weit offene Türen einrennt.

...

Diana

Daniel Limberger 13. April 2011 um 12:17  

Sehr guter und wichtiger Text! Danke, Roberto, dass Du ihn hier eingestellt hast.
Ich möchte einzig herausstreichen, was dieser Text eher ein wenig am Rande behandelt: in einer Abwandlung des berühmten Horkheimer-Zitats möchte ich hinzufügen: Wer vom Kapitalismus nicht reden will, soll vom Atomkomplex schweigen! [Horkheimer: "Wer vom Kapitalismus nicht reden will, soll vom Faschismus schweigen"]
Ohne Systembruch entkommen wir den Konkurrenzkalkulationen imperialistischer Staaten, denen das zugehörige ‚Menschenmaterial‘ (also wir) unterliegt, nie!

Jonas Köpers Vortrag vom November 2010 mit dem Titel Atomenergie: Waffe in der imperialistischen Staatenkonkurrenz erklärt, was es mit dem Atomprogramm der BRD auf sich hat. > http://doku.argudiss.de/data/10_11/energiepolitik_hh_1110_ges.mp3

Demnächst (Ende der Woche) wird es zwei aktuelle Vorträge zum Atomthema geben, die sich auch mit Fukushima auseinandersetzen – hier werden sie dann zum Download bereitstehen:

http://doku.argudiss.de/?Kategorie=aktuell

Klaus Baum 13. April 2011 um 12:25  

Lässt sich beim Titel des Buches von Amery (ganz unten) noch eine Korrektur vornehmen? Es muss heißen: Die gnadenlosen Folgen .... Es fehlt ein n.

Lutz Hausstein 13. April 2011 um 12:27  

Dieser Beitrag zeigt sehr schön, worauf man gar nicht häufig genug hinweisen kann.

Die plötzlich-dagegen-Parteien von CDU/CSU und FDP sowie die irgendwie-schon-immer-ein-bisschen-dagegen-Parteien Grüne und SPD sind genau dieselben, die über Jahrzehnte hinweg die aufrechten Bürger, welche schon immer auf den Irrsinn der Atompolitik hingewiesen und ihr Grundrecht auf Demonstrationsfreiheit wahrgenommen haben, öffentlich diffamiert, kriminalisiert und oftmals auch sanktioniert/strafrechtlich belangt haben. Darüber wird einfach mal mit einem "Wir haben jetzt unseren Standpunkt geändert" hinweggegangen. Das begangene Unrecht an den vielen Demonstranten fällt völlig unter den Tisch.

Dies sollten wir nie vergessen.

Klaus Baum 13. April 2011 um 12:29  

Ich glaube, dies könnte passen zum Text und zu dem Zitat von Amery. Ein Zitat von Wolfgang Hildesheimer:

Dieser Trieb der rücksichtslosen Durchsetzung, und zwar auf Teufel komm raus, folgt in der Politik heute den globalen Machtverhältnissen und Drohgebärden des Kapitals, er folgt den Kräften, die Wolfgang Hildesheimer am Totensonntag 1986 in der Klosterkirche zu Osterfelden – eine Aufführung des Requiems von Mozart textlich begleitend – in unüberbietbarer Deutlichkeit und klarer Entschiedenheit so benannte: >>Requiem eternam dona eis domine! Gib ihnen die ewige Ruhe Herr! Wem soll hier die ewige Ruhe gegeben werden? All den Verächtern menschlichen Maßes und menschlicher Würde, den Mördern unserer Erde, den Schreibtischtätern und ihren Handlangern, den Ausbeutern und Plünderern unseres Planeten? Laß dies kein Requiem für sie sein, Herr! Nicht für die skrupelosen Schänder, die Verseucher der Ebenen, Verplaner der Gebirge, Verunreiniger der Gewässer, Verpester der Sphären. Nicht für jene, die uns ewigen Verlierer manipulieren und berauben, nicht für diese Zyniker, die Nutzbarmacher und Rationalisierer, die – unter dem Deckmantel der Erschließung – unsere Welt mit Umsicht und System zunichte machen. Herr, kein Requiem für sie. Ihnen soll das ewige Licht nicht leuchten. Domine ne dona eis pacem! Herr, gib ihnen die ewige Ruhe nicht!<<
Jene Herrenmenschen, die den kurzfristigen Vorteil, sprich ihre Geldgeilheit und Machtbesessenheit , über alles andere setzen und so Mensch und Natur weiterhin ausbeuten und die Welt für unsere Nachkommen immer unbewohnbarer machen, jene Herrenmenschen sind die Verneiner aller Phantasie, die man mit dem Satz charakterisieren könnte, den sich die globalisierungskritische Bewegung attac auf ihre Fahnen geschrieben hat: >>Eine andere Welt ist möglich.<< Es könnte eine Welt sein, in der man nicht mehr darauf aus ist, den anderen zu übervorteilen und auf dessen Kosten Gewinne zu machen; eine Welt, in der man sich selbst im anderen erblickt und ihn als „fellow creature“ (Ross Macdonald) begreift. In jener Welt gäbe es Einfühlungsvermögen, Behutsamkeit, Mitgefühl, Verständnis, Solidarität. Wo wir das Zarte, Verletzliche am anderen und an uns selbst nicht wahrnehmen, verhärten wir, und verkümmert wie wir (dann) sind, suchen wir immer mehr Befriedigung in der Anhäufung von Besitz.

Scribine 13. April 2011 um 13:00  

Ich bin froh, lieber Roberto, hier heute diesen Aufsatz von Reinhard Gottorf zu finden. Besonders sein "Schwenk" auf den Gesamtzusammenhang, unserer Art zu leben und Leben zu verbrauchen, beeindruckt.

Denn,dieses "Thema" treibt auch mich um. Gehört doch die Transformation unseres gesamten way of life zu den Kernaufgaben, die wir Menschen angehen müssen, um noch ein wenig diesen, uns umgebenden Kosmos er-leben zu dürfen.

Ich erlaube mir deshalb diesen Text auf http://www.blickaufsland.twoday.net und auf http://www.mecklenburgerstimme.de zu verlinken.

Anonym 13. April 2011 um 13:06  

Ein besonders informativer Text, der wieder einmal beweist, wie ernst die Situation einzuschätzen ist, wenn Insider auspacken und ins technische Detail gehen. Da läuft es einem doch kalt den Rücken hinunter.

Mit dem Berg an Problemen nach einer evtl. Sofortabschaltung hätten sich die SPD und Grünen bereits 2001 beschäftigen können anstatt der Atomstromindustrie eine Laufzeitgarantie von 25 Jahren zu geben. Damals war eine überwältigende Mehrheit der Grünen für den Sofortausstieg, der aber dann der Koalition geopfert wurde.

Stattdessen wurden ausgerechnet im sicherheitstechnischen Bereich Nachbesserungen ausgeschlossen.

Zitat aus der Vereinbarung:
"... Bei Einhaltung der atomrechtlichen Anforderungen gewährleistet die Bundesregierung den ungestörten Betrieb der Anlagen." (S. 3.)

"Die Bundesregierung wird keine Initiative ergreifen, mit der die Nutzung der Kernenergie durch einseitige Maßnahmen diskriminiert wird. Dies gilt auch für das Steuerrecht." (4) ( S. 3) 

Lottin 13. April 2011 um 13:31  

"Wir hinterlassen den nachfolgenden Generationen schon einen gigantischen Berg an ungelösten Problemen."

Oh ja, der ausufernde Sozialstaat fällt mir dazu sofort ein... Gekoppelt mit der umgedrehten Alterspyramide bedeutet das, dass wenige Jüngere für viele Alte werden aufkommen müssen.
Ich fürchte, dieses Problem wird so drückend, dass selbst angenommen, es würde zu ein paar verstrahlten Gegenden in Europa kommen, dies ganz weit hinter den täglichen Problemen der Jüngeren zurückstehen wird.

Roberto J. De Lapuente 13. April 2011 um 13:37  

Vorherigen Kommentar habe ich des Proporzes wegen freigeschaltet. Auch Idioten sollten hier repräsentativ vertreten sein... hiermit getan!

Anonym 13. April 2011 um 15:35  

Danke für diesen Text! Wie so oft wird er wohl leider nur die erreichen, die schon offen dafür sind. Wir Menschen sind Meister im Verdrängen. Und wir handeln aus Egoismus. Es gibt viel zu viele Abers in unserem Leben. Atomausstieg? Ja, aber ... was ist mit den Kosten? Was ist, wenn die anderen nicht wollen? Was ist, wenn Arbeitsplätze verloren gehen etc. Tenor - was ist, wenn es mir danach schlechter geht. Man kann für sich sehr schnell heraussfinden, wo die Grenze der Bereitschaft zu Veränderung ist. Welchen Verlust bin ich bereit in Kauf zu nehmen? Was ist mir wirklich wichtig? Eine bessere, friedlichere Welt? Oder doch, dass ich billig tanken kann? Dass ich immer mehr verdiene? Haus, Ansehen, Absicherung, Status? Was treibt die Mehrheit der Menschen um? Wann wird es konkret? Warum funktioniert Verzicht nicht?

Wann kann ich leicht verzichten? Dann, wenn mir bewusst wird, dass ich das alles nicht brauchen, und dass es mir das nicht geben kann, was ich darin suche. Ich brauche ein Auto, ein Haus, einen Flachbildfernsehen etc? Was auch immer. Wirklich? Bin ich bereit, mir das anzusehen, das in Frage zu stellen (was ja noch nicht heißt, dass ich deswegen morgen auf der Strasse stehe)? Aber die Angst und der Glauben, dass ich das alles brauche, verhindern, dass ich es loslassen kann. Und dann werde ich, wenn etwas davon bedroht ist, sehr schnell vom Idealisten zum Krieger, zum Kämpfer für "meins"! "Das ist meins, meins, meins! Alles meins! Wage nicht, mir etwas davon wegzunehmen!" Ich brauch immer mehr, mehr und noch mehr! Weil es nie genug ist. Es kann nicht genug sein. Es setzt Sehen voraus, Erkenntnis, einen ehrlichen Blick nach innen. Was suche ich in dem Mehr? Und kann ich das, was ich suche, dort jemals finden? Was ist mir wichtig im Leben (wenn ich ehrlich bin)? Geld? Ansehen? Macht? Status? Guter Ruf? Besitz (das beinhalter Familie - MEINE Frau, MEINE Kinder)? Oder ist das alles nur eine Fassade, an die ich mich klammere, aus Angst? Was hindert mich daran, all die Werte, die ich intellektuell so richtig und wirchtig finde, wirklich zu leben? Sehen wir die Diskrepanz zwischen dem, was wir für richtig halten, und dem was wir wirklich tun? Und wie können wir das ändern? Wie können wir die Angst überwinden? Wie können wir unserr Ego überwinden? Wie können wir das leben, was wir wirklich lieben, nicht was wir durch die gesellschaftliche Prägung gelernt haben? Sind uns die Werte der Gesellschaft noch wichtig (Erfolg, Fleiß, Funktionieren, Anpassung, Arbeiten, Erwartungen erfüllen, unsere Rollen spielen, unser Herz verschließen, uns selber abwerten, an uns Arbeiten - was meist mit Gewalt gegen sich selber zu tun hat -, sich anstrengen, es schaffen, kämpfen, sich durchsetzen)? Was brauchen wir, um glücklich zu sein? Und was hätten wir nur gern? Was raffen wir wie in einem Rausch der Sucht an uns? Ist unsere Sucht Arbeit, ist es Konsum, ist es Vergnügen? Führt der Weg zu eine besseren Welt darüber, dass sich die anderen ändern müssen, oder kann ich bei mir anfangen? Aber die anderen warten darauf, dass ich mich ändere ... so bleibt alles beim Alten. Welcher Weg ist der meines Herzen? Dass der Zweck die Mittel heiligt? Dass Gewalt gegen mich andere die Welt besser macht? Dass ich die Lösungen habe, auf die die Welt gewartet hat? Oder will ich es mit dem Blick nach inner versuchen? Aber dazu gehört viel Mut ...

Anonym 13. April 2011 um 15:57  

wir sind Gefangene unserer Selbst, da wir nicht sehen dass wir nicht sehen, was wir nicht sehen, so bleiben wir gute Menschen mit moralischen Wert- vorstellungen und der eigenen Angst vor dem verbotenen Möglichen, Auge um Auge statt Halt ihm auch die andere Wange hin, das macht uns selber soviel Angst, dass wir lieber sterben statt uns zu wehren.

Anonym 13. April 2011 um 17:44  

Anonym 15.35 und 15.57 Uhr:
AMEN!

So einen phrasenhaften Bullshit kann man nur ignorieren. Er beleidigt das Niveau, auf dem der Verfaser des Textes argumentiert.

Anonym 13. April 2011 um 17:49  

Anonym 15:35 und 15:57: Mit den vielen "Wir" in Deinem Text fühle ich mich absolut nicht angesprochen. Spreche doch erst mal von Dir.

Ein Fisch an Anonym 14. April 2011 um 14:59  

"...So einen phrasenhaften Bullshit kann man nur ignorieren. Er beleidigt das Niveau, auf dem der Verfaser des Textes argumentiert..."

@Anonym 13. April 2011 17:44 - War der Text zu lang?

Möglicherweise hätte es gereicht, wenn der Autor geschrieben hätte: "Die Menschen sind schlecht, Sie denken an sich. - Nur ICH denk an MICH"

"phrasenhaften Bullshit"? - "beleidigt das Niveau, auf dem der Verfaser des Textes argumentiert..."

War Ihr Kommentar denn besser? Beginnt nicht jede gewünschte Veränderung auch bei jedem Einzelnen selbst? Auch bei Dir Anonym - der beim Thema "Toleranz" sicherlich noch Potential für Verbesserung hat!

PS: anbei noch ein
><((((o>

(Fisch)

Anonym 14. April 2011 um 21:53  

Amen.
Und den Müll werden wir wohl mindestens auf den Mond, idealerweise in die Sonne schiessen müssen. Das Restrisiko einer Explosion des damit befüllten Spaceshuttle (oder Was-auch-immer) in Erdnähe, sowas soll ja vorkommen, müsste dafür allerdings auf praktisch Null abgesenkt werden. Prost Mahlzeit.

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