Lorenzo der Prächtige

Montag, 22. Februar 2010

Wenn di Lorenzo sich dazu äußert, wenn er kundtut, dass die "oft geringen Qualifikationen" Ursache dafür seien, dass Migranten häufiger Sozialhilfe erhielten als Deutsche, dann wird daran schon Ehrlichkeit haften. Denn di Lorenzo, selbst Sohn eines Italieners, bestätigt aus der Warte des Ausländers (er ist erst seit 2004 mit deutscher Staatsbürgerschaft ausgestattet), dass es eben jene Ausländer, Fremde wie er, sind, die dieses Land ausbluten lassen. "Andererseits aber drängt sich der Verdacht auf", so erklärt der Grande der Zeit zudem, "dass unser in Deutschland so angefeindetes Sozialsystem immer noch attraktiv genug ist, dass es eine massenhafte Einwanderung in die sozialen Netze auslöst was das Prinzip der Einwanderung, in einem fremden Land durch eigener Hände Arbeit sein Glück zu finden, auf den Kopf stellte." Die Bundesagentur für Arbeit springt in die Bresche, zählt vielerlei Gründe für die Motivation, (was soviel heißt wie: die fehlende Motivation) des faulen Ausländers auf. Dieser sei in den meisten Fällen ohne abgeschlossene Berufsausbildung, hätte kaum höhere Schulabschlüsse oder spräche kaum oder gar kein Deutsch.

Schuld, so destilliert man aus dieser zu Buchstaben gewordenen Farce, tragen die Ausländer selbst. Jeder aufgezählte Grund ein offener oder unterschwelliger Vorwurf, abgesegnet durch di Lorenzos Prächtigkeit. Es mag schon zutreffen, dass Ausländer häufiger arbeitslos sind (immer noch weniger häufig als man annehmen mochte) - aber die Gründe sind mannigfaltiger. Wo liest man beispielsweise den Hinweis, dass es in deutschen Landen immer noch als Makel gilt, mit einem ausländischen Nachnamen durchs Leben zu eilen? Wo wird man darüber informiert, dass in Zeiten, in denen der Begriff "Moslem" als Synonym von Teufel oder Satan benutzt wird, es für moslemische Mitmenschen also immer schwieriger wird, hierzulande zu leben, geschweige denn, einen Arbeitsplatz zu ergattern? Neinnein, di Lorenzo macht es sich zu einfach in seiner Paraderolle als vorbildlicher Ausländer, wenn er nun wieder einmal so tut, als läge Schuld alleine bei denen begraben, die hier zu Gast seien (Gäste, die Steuern zahlen dürfen!), denen aber qua ihrer Herkunft als Lebensaufgabe aufgetragen ist, fortwährend die Kirche, die Moschee ums Dorf zu tragen, denen ständig Gesteinsbrocken gerade Wege verkomplizieren.

Nun ist es keine frische Erkenntnis, dass des Verfassers Herkunft eine war und ist, die ihn immer schon und immer wieder, unzugehörig erscheinen ließ. Wie es sich mit einem Namen lebt, der nicht unauffällig zwischen Schmidts und Wagners und Scholzes in Anonymität verfallen darf, hat er viel zu oft erleben müssen - und wird er für den Rest seines Lebens, so fürchtet er, aber und abermal erfahren dürfen. Wenn schon Staubsaugervertreter, das Klingelknöpfchen unterhalb des Namensschildes ausgelöst, nach Öffnen der Haustüre in radebrechendem Deutsch über ihre etwaige Kundschaft stürzen: wie muß es dann erst sein, wenn sich Bewerbungen mit exotisch klingender Unterschrift in Vorzimmern von Personalverantwortlichen stapeln? Und ob heute, wo jeder Kahraman oder Faruk oder Türkcan als möglicher Terrorist seine Integrationsunwilligkeit fristet - ob für Türken oder Araber große Aussichten auf Wohlwollen bestehen, darf zumindest bezweifelt werden.

Der Verfasser will nicht arrogant klingen. Doch fallweise scheint es von Dringlichkeit zu sein, diese Arroganz aufzubieten. Er - der Verfasser - wähnt sich der deutschen Sprache mächtig, mit bayerischem Einschlag zwar, mit der Unzweifelhaftigkeit, dass sein deutsch Gesprochenes, ein bayerisch Erbrochenes ist - aber immerhin. Ob er sprachgewandter ist als solche, die sich in ihren Agitationen über das Unglück "Ausländer" hermachen, sollen andere bewerten. Dennoch, obwohl des Deutschen mächtig, obwohl er diese Sprache schätzt, immer in diesem Lande gelebt hat, reicht alleine der nicht gerade urdeutsche Nachname aus, um in den Ruch der Fremdheit zu geraten. Di Lorenzo verstümmelt die Lebenswirklichkeit ausländischer Menschen und solcher, die auch nur ausländisch klingen oder aussehen. Er bietet eine Art dankbaren Gast dar, der sich selbst dann noch artig bedankt, wenn er bei Tisch des Gastgebers Rülpswinde schnuppern durfte - wenn er denn jemals diesem Gusto ausgesetzt war.

Natürlich unken die Schranzen entsolidarisierter Lebensart nun, dass einer wie di Lorenzo, selbst Italiener, gewesenes Ausländerkind, tiefste Einblicke besitzen muß. Wenn einer von denen, einer von der Sorte "anständiger Ausländer", schon mit seinen schmuddeligen Fingern in Wunden bohrt, dann wird schon ein Fünkchen Aufrichtigkeit in den Thesen Kochs, Westerwelles und Sarrazins stecken. Di Lorenzo hat es doch auch geschafft - er ist Redakteur und hat einen festen Platz im deutschen Fernsehen, ist rechtschaffen und gehorsam, sieht makellos aus, spricht makellos, vertritt makellose Thesen. Und als Bonbon für braves Benehmen, hat man ihn mit einem deutschen Pass belohnt - das große Ziel aller Ausländer, di Lorenzo hat es sich erfüllt, man hat ihn zum Menschen erwählt. Dass er Kind aus gehobeneren Kreisen war, seine Kindheit nicht in diesem Lande verbrachte, dass er seinen ausländischen Vater niemals verspottet und veralbert, herabgewürdigt und ehrabschneidend behandelt erleben mußte in diesem Land, weil der Vater nach der Trennung von Lorenzos Mutter in Italien zurückblieb, davon keine Rede. Di Lorenzo ist nicht der Regelfall, sein Lebensentwurf ist nicht der eines Ausländers, der aus bitterer Armut, aus Anatolien oder aus dem Kosovo etwa, hierherkam, mit der Absicht ein etwas besseres Leben zu führen, Arbeit zu finden, etwas Geld zu verdienen.

Es liegt schon mehr als ein schmaler Streifen Niemandslandes dazwischen, ob jemand vermögend an Vakuum im Geldbeutel in ein fremdes Land kommt, oder ob er als gemachter Mann, als Knabe aus gemachten Verhältnissen, einreist. Ein anatolischer Tagelöhner, ein kroatischer Hilfsarbeiter oder das baskische Faktotum für jede Spielart von Fron, ist nun mal niemand aus oder mit gefertigten Verhältnissen; und er ist schon gar niemand aus der Deutschen Land der Sehnsüchte, was Italien spätestens seit Goethe war. Denn, da mag man behaupten was man will, als charmanter Italo, der zudem nett anzusehen ist, der knuffiges Gelati-Deutsch spricht, durchwoben mit Ciao Bella! und Come stai?, als süßholziger Kerl mit italienischer Herkunft, der pfiffig alle Klischees bedient, die des deutschen Urlaubsherz erfüllen, da kann man zwischen Eis und Espresso, sowas wie Integration verspüren. Aber nur dann! Denn wenn, wie der Verfasser, der ja selbst Wucherung südländischer Triebe ist - wenn der fremdklingende Name mit beleibter Plauze aufläuft, kein geschäftstüchtiges Dauerlächeln auf den Lippen trägt, dann ist es aus und vorbei mit der Integrationsbereitschaft der autochthonen Bevölkerung, dann schieben sie einen schon gerne mal zur Seite - nicht immer, nicht alle, aber immer noch ausreichend.

Nein, man muß di Lorenzo keine böse Absicht unterstellen. Das wäre infam und würde ihm wahrscheinlich auch nicht gerecht. Aber warum er sich mit halbausgegorenen Thesen, mit süffisanter Schuldzuweisung an jenen, die wesentlich ausgeprägter Opfer als Täter sind, an dieser unseligen Debatte beteiligt, muß man ihn schon fragen dürfen. Man muß ihm die Frage stellen, weshalb er nicht zur Sprache bringt, dass es mit ausländischem Namen, gerade wenn man aus den unteren Gesellschaftsschichten entstammt, kaum sowas wie Zugehörigkeit oder Teilhabe gibt. Außen ist der angestammte Platz, man wird ausgegrenzt. Nach allen Rufschädigungen an moslemischen Menschen, darf es nicht verwundern, wenn deren Lebenssituation nochmals erschwert wurde, wenn Personalchefs mit Argwohn Bewerbungen sichten, auf denen Kahramans oder Türkcans ihr Passfoto zurückgelassen haben. Am Ende, so ängstigt sich die arbeitsplatzverteilende Zunft, erscheint er mit Turban beim Dienst, mit Krummsäbel im Hosenbund, betet zu Unzeiten und geht jedem an die Gurgel, der ihm nicht mit Allahs erbotenem Gruß begegnet.

Wie unsäglich schwer müssen es Moslems derzeit haben, als annehmbare Menschen wahrgenommen zu werden? Wie schwer, einen Arbeitsplatz zu erhalten? Dabei reicht es heute immer noch, nur einen ausländischen Namen zu tragen, damit kundzutun, anderer Herkunft zu sein, Sohn oder Tochter eines Gastarbeiters - fremd hier, fremd auch im Heimatland des Elternteils, fremd allerorten. Irdisch ist man nirgends, man ist ohne Erde, man wird zum Außerirdischen, zum Fremdling über alle Grenzen. Hier hemmt der ausländische Name, drüben, in Spanien, hemmt der deutsche Dialekt. Alleine der Name genügt; aus einer Religionszugehörigkeit auch noch die Mordslust zu filtern, das Unmenschentum herauszukristallisieren, muß als Verschärfung der Gangart betrachtet werden. Wenn dann auch noch jemand wie di Lorenzo mit halben Wahrheiten auftritt, dann ist das zweifellos die Verschärfung der Verschärfung. Dann sind beide, die von Lorenzo geohrfeigten Ausländer ebenso wie Lorenzo selbst, als Idioten zu betrachten. Die einen werden zu Idioten gemacht, weil man ihnen unterstellt, unnützlich geworden zu sein, überdies selbstverschuldet, in der sozialen Hängematte zu flacken; während der andere gerade nicht unnützlich ist, sondern ein ganz besonders prächtiger, ganz besonders nützlicher Idiot.

40 Kommentare:

Geheimrätin 22. Februar 2010 um 00:39  

vielen dank für diesen Beitrag Roberto.

hab den link schon bei Klaus Baum gesetzt, du kriegst ihn aber auch noch, geht u.a. auch um Giovanni di Lorenzo

Nicht mal in Ruhe krank sein kann man mehr in diesem Land!

Anonym 22. Februar 2010 um 02:19  

Und was macht di Lorenzo, wenn die Plutokraten und ihre hetzenden Mietmäuler mal gegen Halbemigranten mit deutschem Pass hetzen? Analog den Halbjuden im Dritten Reich?

Dann kommen vielleicht wieder 55 Mio Tote ...

Gruß
Bernd

ars sutorius 22. Februar 2010 um 07:09  

Was hier beklagt wird, sind die Umstände, die jedem entgegentreten, der sein Glück fern seines Geburtsortes sucht, also fremd in neuer Umgebung ist. Wie schwer würde man es als Deutscher aus prekären Verhältnissen wohl in Spanien haben, als Paul Schmidt etwa? Diese Umstände sind so alt wie die Menschheit selbst. Neu hingegen ist das Medium um dies kundzutun.

Roberto J. De Lapuente 22. Februar 2010 um 07:19  

Fern des Geburtsortes? Der Verfasser lebt Luftlinie etwa einen Kilometer von seinem Geburtsort entfernt....

River Tam 22. Februar 2010 um 08:33  

Gibt es ein ähnliches Problem nicht in Amerika? Stichwort "weiße Schwarze"? Und Tonnen an Literatur über das Phänomen, die es erklären wollen...
Ich denke, di Lorenzos Auslassungen zeigen, dass dieses Problem in der BRD angekommen ist.

gerdos 22. Februar 2010 um 08:38  

Medienrandale: Auch die Expertin fürs Nichtdeutsche will in der Diskussion nicht zurückstehen: Integrationsbeauftragte der Bundesregierung Maria Böhmer am 20.02.2010 in den Ruhr-Nachrichten: „ «Es ist alarmierend, dass Menschen aus Zuwandererfamilien doppelt so häufig Hartz IV beziehen wie Deutsche ohne Migrationshintergrund.»

Nachdem nun wochenlang gegen die „sozialschmarotzenden“ Hartz-IV-Bezieher gehetzt wurde, nehmen dieselben Medien und die Feinjustierung vor. Um der Unterschicht, dem sogenannten Prekariat, den durch Völlerei in den „Tafeln“ verfetteten Spätaufsteher als Ventil gegen die eigene Ohmmacht auch noch etwas zum Treten nach unten zu bieten, wird jetzt zur Verschärfung des sozialen Klimas die rassistische Karte gezogen. Dabei dachten wir alle, nach Mölln, Solingen und Hoyerswerda ist die braune Medienrandale seit Anfang der neunziger Jahre Geschichte.

Schon die Standardformulierung „Deutsche mit Migrationshintergrund“ hat eine ausgrenzende Funktion. Sie kennzeichnet Menschen, die nun mal trotz deutscher Staatsangehörigkeit nicht zur „Mehrheitsgesellschaft“ gehören. So frage ich mich, welches Anhängsel logischerweise das gemeinsame, adäquate bei den Angehörigen der Mehrheitsgesellschaft wäre. Vielleicht: „Deutsche mit Faschismushintergrund“? Rassismus endet erst, wenn die Differenz nicht mehr wahrgenommen wird.

Außerdem fällt mir auf, dass in keiner Rede von Berliner Politikern und Politikerinnen, die für weitere Repressalien gegen Arbeitslose plädieren, wie in unabgesprochener Übereinstimmung der in exzessivem Populismus und gezielter Häme formulierte Hinweis fehlt, dass die steuerzahlenden Leistungsträger dieser Gesellschaft „morgens früh aufstehen“ und...............usw. Da steckt das zarte Pflänzchen des Neids auf Müßiggänger, für die kein Wecker klingelt, sein Köpfchen aus dem Gras. Das schreit förmlich nach Sanktionen, mit denen auch der Luxus des Ausschlafens für Erwerbslose beendet werden müßte, etwa in der Form, dass alle künftig jeden Werktag um 7.00 Uhr in der ARGE eine Stechuhr betätigen müssen. Wenn Frau Merkel in diese Debatte eingreift und betont, das Westergewelle sei nicht ihr Stil, oder sich als „seriös“ dünkende Kommentatoren geifern, das Westerwelle sich zwar im Ton vergriffen habe, doch richtig sei, was er gesagt habe, und notwendig sei eine öffentliche Debatte darüber, dann heißt das ja nichts anderes, als dass sie alle inhaltlich mit der Hetze gegen Hartz-IV Empfänger konform gehen.

Es fällt immer schwerer, gegen diese mediale Schlammlawine anzuschreiben. Wir wissen: Für eine Seite BILD benötigt man 4 Seiten Hintergründe, Gegenargumente, Belege, Zitate und Statistiken, um sie zu widerlegen. Dabei ist von uns kritischen radikalen Linken, Anarchisten, Autonomen etc. doch schon alles gesagt worden. Wieder einmal schleichen die Scharfmacher mit brennender Lunte um das Pulverfass. Journalisten werfen keine Brandsätze, sie formulieren sie („Medienrandale“ Schönberger/Zaiser). Wenn dann wieder Menschen brennen, will es wie immer hinterher keiner gewesen sein. Erfahrungsgemäß wird diese Propagandaschlacht der bürgerlichen Medien ihre Wirkung leider leider nicht verfehlen.

Anonym 22. Februar 2010 um 10:00  

"[...]Die einen werden zu Idioten gemacht, weil man ihnen unterstellt, unnützlich geworden zu sein, überdies selbstverschuldet, in der sozialen Hängematte zu flacken; während der andere gerade nicht unnützlich ist, sondern ein ganz besonders prächtiger, ganz besonders nützlicher Idiot.[...]"

Vortrefflich auf den Punkt gebracht, die Linke Katja Kipping redet ja nicht umsonst von Nützlichkeitsrassismus, d.h. jemand der arbeitet ist für Westerwelle, Sarrazin & Co. Mitdeutscher. Jemand, der - aus welchen Gründen auch immer - keine Arbeit findet, oder gar in Harzt IV abrutscht ist - so sehe ich es -ein Ausländer im eigenen Land.

Ich fühle mich als hier geborener, und aufgewachsener, Deutscher schon "unzugehörig".

Diese Art von "Deutschen", die Westerwelle & Co. vertreten, wollen mit solchen wie mir nichts zu tun haben.

Soll ich es schreiben?

Gäbe es keine Linke, nicht nur eine Partei selbigen Namens, dann wäre ich schon längst aus Deutschland ausgewandert, auch ohne über perfekte Fremdsprachenkenntnisse zu verfügen.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 22. Februar 2010 um 10:08  

Übrigens, die Sorte Moslemhasser, die du beschreibst ist mir schon seit meiner Hauptschulzeit 1985 ein Dorn im Auge. Wir hatten damals noch Kochkurse, und ein strenggläubiger Moslem, ein Schulkamerad von mir, sollte Schweinefleisch essen - nach dem Gusto der Kochlehrerin. Damals, weit vor dem 11. September 2001, gab es aber noch etwas was ich heute nicht allein beim Thema Moslems vermisse: Solidarität.

Wir hielten zusammen, die Sache ging gut, er mußte nicht gegen seine Glaubensregel verstossen. Die anderen türkischstämmigen Schulkameraden von mir, und ihm, waren nicht so strenggläubig und aßen das Fleisch. Er hingegen profitierte von unserer Solidarität, und hatte keine Probleme deswegen - weder in der Schule noch bei sich zuhause.

Ich will nicht wissen, wie so ein Vorfall heute ausgehen würde, in der weitgehend entsolidarisierten dt. Gesellschaft Angela Merkels, wo sogar hier gebürtige Deutsche als Ausländer im eigenen Land behandelt werden, wenn die sich nicht an die konservative Linie anpassen.

Faschismus 2.0 eben heute unter Merkel/Westerwelle :-(

Anonym 22. Februar 2010 um 10:54  

Dieser Herr di Lorenzo ist doch nur ein weiterer gekaufter Marktschreier des neuen deutschen "Zeitgeistes" kaum noch verhüllter Menschenverachtung.
Eine persönliche Beobachtung speziell zu den "Ausländern" und deren Wahrnehmung in den Medien: Werden wir nicht immer wieder scheinbar "wissenschaftlich" mit Statistiken darüber belehrt, wie viele "Türken", "Muslime", Leute mit "Migrationshintergrund".. "prozentual" ganz in Gegensatz zu den "Deutschen" (also: den "Guten", "Echten"?!)arbeitlos, "Transferleistungen" des Staates beziehen?
Werden wir nicht auch immer wieder scheinbar ganz und gar "wissenschaftlich" mit gezielten Statistiken darüber belästigt, wie viele "Prozent".. "Ausländerkinder", "Migrantenkinder", "Türken" im Gegensatz(!) zu "deutschen"(!) Kindern "nur" Hauptschulen oder - of course - "sogar" unsere heiligen "Gymnaaaaasien" besuchen?
Wie viele dieser Sudel-"Statistiken" werden uns tagtäglich um die Ohren gehauen ohne auch nur ansatzweise auf die strukturellen gesellschaftlichen Hintergründe und URSACHEN aller dieser Statistiken einzugehen?
Zunächst also immer wieder diese gezielten "Statistiken" als Mittel zur Einstimmung subtiler, hinterhältiger Menschenverachtung, danach dann die mehr oder minder dicken verbalen Keulen des "mutigen"... "Sagens was ist" unserer Politiker, Journalisten und Professoren. S i e ejakulieren die von den herrschenden Eliten gewünschten "Deutungen" für das "einfache" einfältige "Volk".., oder: die "Anständigen"....
Um hier keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen möchte ich ausdrücklich betonen dass Statistiken selbstverständlich zu den unverzichtbaren Arbeitsmethoden der Wissenschaft im Allgemeinen gehören, sie also nicht per se "schlecht" oder gar demagogisch sind.
Was wir aber oftmals erleben müssen ist, dass Statistik ganz unverholen zu Demagogie und Volksverdummung mißbraucht wird, mißbraucht von Sozialwissenschaftlern, Jounalisten, Verbandsfunktionären und Politikern im Solde des Kapitals, der wahren herrschenden Eliten dieses Landes.(wie natürlich auch anderer Länder)
Es ist ein sehr bösartiges hinterhältiges Schauspiel, was da immer und immer wieder aufgeführt wird, letztlich einzig und allein dazu, die herrschenden Eliten dieses Landes von allen ihren Versagen(?), ihrer unendlicher Gier nacht Macht und Reichtum und nicht zuletzt von allen ihren Verbrechen an Menschen hier und anderswo reinzuwaschen, zu entschuldigen.
Hier stellt sich N I C H T einfach die Frage nach einzelnen Personen und ihren widerwärtigen Elaboraten, sondern viel umfassender die Frage nach dieser ganzen auf Ausbeutung, Verdummung und Entmündigung großer Teile der Bevölkerung(In- und Ausländer)beruhenden KLASSENGESELLSCHAFT !
Wollen wir sie weiter ertragen???

mfg Bakunin

Anonym 22. Februar 2010 um 11:47  

Deutsche mit migrationshintergrund hat eine ausgrenzende funktion - klar, denn auf das selektieren darauf versteht er sich der deutsche wie die jüngsten hartziv-tiraden zeigen. Es geht noch viel subtiler/perverser: das wort mitbürger (man kann hier jetzt jüdisch, ausländisch, muslimisch vorsetzen) grenzt aus nach dem motto: wir gewähren euch einen status, den wir euch aber auch jederzeit wieder nehmen können, den des mitbürgers aber eben nicht den eines vollwertigen bürgers. Wir sind ja so generös. Ungefähr genauso dämlich ist der weitgehend gelungene versuch den bürger durch den begriff/die bezeichnung kunden zu ersetzen, den man dann nach belieben verarschen kann, weil man ihn seiner elementaren bürgerrechte beraubt. Das wollte ich hier nur mal so gesagt haben, weil mich schon seit einiger zeit ankotzt wie so etwas völlig unreflektiert übernommen und allgemein verwendet wird.

vielen dank für deine an- und aufregenden beiträge, obwohl ich mich eigentlich nicht mehr aufregen will.

Anonym 22. Februar 2010 um 12:43  

Unsere neoliberalen, selbsternannten Eliten versuchen seid je her, die schmelzende Mittelschicht gegen das Prekariat aufzuhetzen, um von dem eigendlichen Konflikt, das Spreizen der Einkommensschere und die ungerechte Verteilung des Vermoegens in der Gesellschaft abzulenken. Da das Geschrei eines Westerwelles nicht die gewuenschte Durchschlagskraft entwickelt, muss noch eine Prise Auslaenderfeindlichkeit dazu gegeben werden. Imho eine durchschaubare Taktik.

Anonym 22. Februar 2010 um 13:07  

Kommentar ohne Worte

Danke für den Artikel und die anderen Kommentare.

OT (Sarkasmus eingeschaltet)
Für ein kleines Entgelt gibts die CDU jetzt als Miethure. Schön dabei für die CDU gilt das nicht als Parteispende, für den Käufer sind es Geschäftsausgaben.

Eine Möve pickt der anderen keine Auge aus. Die Krankenkasse und vieles andere gibt es billiger. Hartz 4 Empfänger sind sozialistische Faulpelze mit Hang zur spät...Kommunismus für Leistungsbänker...

Ganz schön was geboten zur Zeit, so langsam verlier ich den Überblick. Achja, was fehlt ist noch ein schöner Krieg mit den Nachbarn, das da irgendwo in Absurdistan is ja wohl nix. Ich mein so als Ablenkung vom Gestank der verwesenden bürgerlichen Gesellschaft in Deutschland. Löst auch das Problem der Hartz 4 Empfänger, als Zwangskriegsverpflichtete.

OT aus (Sarkasmus bleibt an, sonst kotz ich)

Anonym 22. Februar 2010 um 13:11  

Das ist der Grund, wieso ich niemals den deutschen Pass beantragen werde. Ich weiss mehr über die deutsche Geschichte und kann besser Deutsch sprechen als viele der Einheimischen.Ungebildet bin ich nicht, bin gebürtiger Berliner. Um ehrlich zu sein ich scheisse auf den deutschen Pass. Man kann 1000 Mal den deutschen Pass vorzeigen, man heisst nun mal nicht Hans, also ist man nicht deutsch.

Anonym 22. Februar 2010 um 13:12  

PS aber ich dachte mir schon, dass diese "Diskussion",die schon seit dem Sommer andauert, eine solche Wendung nehmen würde.

Anonym 22. Februar 2010 um 14:39  

Könnte man nicht - ähnlich wie bei Ex-Linken sagen, "Die schlimmsten Feinde der Ausländer waren früher selber welche"?

Eine interessante Frage, oder?

Ich denke da an erklärte Linkenfresser, die früher selbst einmal erklärte Maoisten oder Kommunisten waren - Eben ähnliches halte ich durchaus für Ausländerfeinde, z.B. "Lorenzo der Prächtige", für angebracht.

Traurig, aber wohl leider allzu wahr dieses Verhalten.....

Fazit:

Ausländer mit viel Geld und möglichst aus den "Eliten" ihrer jeweiligen Heimatländer sind durchaus in Deutschland erwünscht -Alle anderen sollen sehen wo die bleiben.

Insofern dürfen wir den Neoliberalen noch dankbar sein, denn dass diese neben Antikommunisten und Demokratiefeinden (z.B. Honduras) nun eben auch noch Rassisten und Ausländerfeinde sind beweist mir eigentlich nur eines der Neoliberalismus = Faschismus 2.0.

Tagebuch eines Überlebenden 22. Februar 2010 um 15:08  

Punkt 1:

15 Jahre nach der Kapitulation D-Lands fand eine Umfrage statt. Danach waren schon damals nur 30 % der Deutschen bereit, sich gegen eine neue Nazi-Diktatur zu wehren.
Das Ergebnis spricht für sich selbst.

Punkt 2:

Alleine auf Grund der Dinge, die die Deutschen (abgesehen von den anständigen Ausnahmen) im zweiten Weltkrieg angerichtet haben, kann ich nicht verstehen, weshalb Menschen aus anderen Ländern nach D-Land ausgewandert sind bzw. auswandern.

Das sich die Gesinnung vieler Deutscher nie geändert hat, kann jeder halbwegs wache Erwachsene an vielen alltäglichen Situationen erkennen. Er muss es nur wollen.

Anders verhält es sich mit den Kindern, die hier geboren werden. Die hatten ja keine Wahlmöglichkeit. Aber wenn sie erwachsen sind, dann stehen ihnen Alternativen und Wahlmöglichkeiten zur Verfügung.

Punkt 3:

Noch habe ich keine Fluchtmöglichkeit gefunden, aber sobald ich eine sehe, bin ich weg!

Anonym 22. Februar 2010 um 15:14  

Her di Lorenzo hat eine Illusion: Er denkt, sich von Dinge distanzieren zu können, eine Demonstration liefern zu können, dass er "angekommen" sei.
Was er nicht weiss - oder noch schlimmer: weiss - ist, dass seine Demonstration die Halbwertszeit einer Hetzkampagne hat.
Das ist in meinen Augen kein Zeichen von Idiotie sondern ein Zeugnis der Armseligkeit. Eben kein Beleg dafür "angekommen" - sondern nur ein weiterer schleimender Parvenu - zu sein.

Anonym 22. Februar 2010 um 15:25  

"[...]Man kann 1000 Mal den deutschen Pass vorzeigen, man heisst nun mal nicht Hans, also ist man nicht deutsch.
[...]"

Mag schon stimmen was Du schreibst, aber auch "Hans" ist kein "Hans" mehr wenn er die soziale Rutsche nach unten absaust.

Darüber schon einmal nachgedacht?

Wir "unten" sollten uns von denen "oben" - egal ob die Deutsche, oder Ausländer mit dt. Staatsbürgerschaft, sind nicht gegeneinander hetzen lassen, der Feind hat eine glasklare Richtung an die wir uns auch halten sollten:

Der Klassenkampf von ganz Oben nach ganz Unten.

Es wird Zeit, dass wir - Deutsche wie Ausländer - die Richtung wieder umkehren, d.h. dem Klassenkampf von Oben die gemeinsame Antwort von ganz Unten geben - via sozialen Unruhen, wenn es nötig ist.

Ich sag es mal ganz ketzerisch: Wäre Osama Bin Laden kein stinkreicher Terrorist, und dazu noch ein religiöser Fanatiker, sondern ein zweiter Che Guevara würden ihm sicher noch mehr "Taliban" nachlaufen als sonst schon und die weltweiten Vertreter der "Superklasse" müßten sich megawarm anziehen um mit diesem Sturm fertig zu werden.

Fazit:

Egal ob "Ausländer", "Deutsche" oder sonst eine kulturelle Identität von ganz Unten - Fallt nicht auf die Hetze der globalen "Elite" ganz Oben herein und kämpft gemeinsam gegen den Feind der Unterklassen.

Eben den Faschismus 2.0.

Anonym 22. Februar 2010 um 16:20  

"Alleine auf Grund der Dinge, die die Deutschen (abgesehen von den anständigen Ausnahmen) im zweiten Weltkrieg angerichtet haben, kann ich nicht verstehen, weshalb Menschen aus anderen Ländern nach D-Land ausgewandert sind bzw. auswandern."

Vielleicht liegt es an den ARGEN?
Das Boot ist nunmal voll, vielleicht sollte jeder "Gutmensch" mal Pate für einen Zugereisten werden, auch finanziell. Da würde sich manche Meinung ändern...

Anonym 22. Februar 2010 um 16:39  

Ich hoffe, ich gebe meine Erwiderungen so wieder, dass eindeutig herüberkommt, was ich ausdrücken will. Auf keinen Fall soll dies ein Bashing sein, denn mir geht es um die Tiefe der Aussagen, also um die Ermunterung, uns allen mehr dazu zu liefern, damit wir alle (klar, ich auch, sonst würde ich dies nicht schreiben) klarer sehen.

@gerdos:
"Es fällt immer schwerer, gegen diese mediale Schlammlawine anzuschreiben. Wir wissen: Für eine Seite BILD benötigt man 4 Seiten Hintergründe, Gegenargumente, Belege, Zitate und Statistiken, um sie zu widerlegen. Dabei ist von uns kritischen radikalen Linken, Anarchisten, Autonomen etc. doch schon alles gesagt worden. Wieder einmal schleichen die Scharfmacher mit brennender Lunte um das Pulverfass. Journalisten werfen keine Brandsätze, sie formulieren sie (\u201eMedienrandale\u201c Schönberger/Zaiser). Wenn dann wieder Menschen brennen, will es wie immer hinterher keiner gewesen sein. Erfahrungsgemäß wird diese Propagandaschlacht der bürgerlichen Medien ihre Wirkung leider leider nicht verfehlen."

Ach könnten diese "Präsenzen der Gegenöffentlichkeit", wie diese geschätzte Seite von Senor de Lapuente, sich auf die nächst höhere Ebene begeben und eine "Verfassung der Kontrapunkte" ausarbeiten -- vorzugsweise in reger Zusammenarbeit mit allen, die an der Gegenöffentlichkeit konstruktiv teilhaben wollen. (Anm: Ich hoffe, Verfassung ist das richtige Wort, vom "Gewicht" her ist es das schon, aber ist es auch verständlich? Vielleicht ist es eher ein "Manifest"?) In dieser Verfassung würde das elementare Regelwerk entstehen, damit man eine BILD-Seite nicht mehr mit 4 Seiten "Klartext" auseinandernehmen muss. Man könnte feste Begriffe prägen und diese durch Nennung zu den täglich begangenen Medienfehlern ins Licht rücken, sodass endlich mal knackige Sätze und Prinzipien hängenbleiben und immer öfter in den regulären Sprachgebrauch gelangen würden.

Natürlich drängt sich der berechtigte Vergleich auf mit "Neusprech", dem Vokabular des Dritten Reichs oder des DDR-Sozialismus auf, welche sich auch verbal um Abgrenzung gegenüber abzulehnender (früherer oder konkurrierender) Verhältnisse bemüht hatten. Meine Hoffnung liegt jedoch darin, dass alle Aspekte der Gegenöffentlichkeit kausal zusammenhängend deutlicher werden, transparenter, als in den o.g. Gegenbeispielen, die ja die Linguistik zur Konditionierung der Menschen benutzt haben (Verklärung) und nicht zu deren Aufklärung. Aber das liegt ja oft im Auge des Betrachters, was was ist.

Mein Fazit: Die Gegenöffentlichkeit würde es unter Nutzung derselben Medien auch nicht schaffen, sich über die bestehenden Verhältnisse überzeugend zu erheben und endlich eine Alternative *zu leben*. Stattdessen würden wir uns durch unsere Aktivitäten denselben Anschuldigungen ausgesetzt sehen, die wir den aktuell Mächtigen vorwerfen. Nie ganz genau gleich, aber ähnlich genug, um "den Gedankenfehler" erkennbar werden zu lassen (nach vermutlich mehreren Jahren "aktueller" Erfahrungen).

Es müssen neue "Medien" her, die nicht nur postulieren, sondern durch Handeln überzeugen: "Wir machen das aber einmal anders und schauen mal, wie weit wir damit kommen." Wenn in unserem schönen Land so etwas nicht oft genug durch Betonköpfe blockiert würde, könnten sich bestimmt tausende Projekte entwickeln und davon vielleicht einige wenige mit überzeugenden Lösungen präsentieren. Es wird so viel geredet und so wenig probiert, so viel zerlabert und so schwach gehandelt, dass diese Vorgehensweise eigentlich den größtmöglichen Erfolg versprechen dürfte. (Dies gesagt in dem Wissen, selber den Verdacht des Laberns auf mich ziehen zu können... *seufz*)

... es geht weiter im Folge-Post...

Anonym 22. Februar 2010 um 16:41  

...Fortsetzung aus dem Vor-post..

@Anonym (22. Februar 2010 10:08):
"Ich will nicht wissen, wie so ein Vorfall heute ausgehen würde, in der weitgehend entsolidarisierten dt. Gesellschaft Angela Merkels, wo sogar hier gebürtige Deutsche als Ausländer im eigenen Land behandelt werden, wenn die sich nicht an die konservative Linie anpassen."

Kleine Kritik: Ich finde es schwer verdaulich, wenn "hier gebürtige Deutsche sich behandelt sehen wie Ausländer im eigenen Land." Tut mir leid, liebe Leute, aber das glaube ich, können sich nur sehr wenige Deutsche vorstellen. Alleine schon deswegen, weil es mir schwer fällt, mir vorzustellen, wie das Leben einer anderen Familie abläuft. Das ist alles so individuell gewachsen und "privat geregelt", dass ich, egal, ob es eine deutsche, türkische, amerikanische etc. oder gar eine andere spanische (meine Herkunft) Familie wäre, mir nicht mit Fug und recht sagen könnte, ich wäre objektiv und "fair" mit meinem Blick.

Das liegt daran, dass ich weiß, ich würde schon per se scheitern, wenn ich die Granularität einer Familie ignorieren würde, also alle über einene Kammm scheren wollte. Das klappt nicht.
Daher meine konstruktive Bitte an den Autor/die Autorin: Ich habe nicht verstanden, wo genau diese von außen auferlegte Identifikation eines Menschen als Deutschen mit einem Ausländer stattfindet und wie diese aussieht. Man kann sich so viel darunter vorstellen und ich bin es leid, gerade in diesem Punkt nur schwammiges zu vernehmen. Bitte sagt klar und deutlich wo es Euch "fremdelt". Wie man empfindet, das sollte uns besser acht Seiten wert sein, wenn die BILD es nur auf einen Nebensatz schaffte.

Es kann sein, dass ich nach einer adäquaten Antwort nur ein "Ach so meinte er/sie das." erwidern kann, aber dann hätte ich immer noch besser verstanden. Und wir alle hoffentlich auch. Dies ist meine Absicht bei meinen Aufruf: Seid einmal genau und redet über diese Feinheiten. Das erst macht die Menschen füreinander interessant, das zerlegt das Farbspektrum eines (empfundenen "fremden") Charakters in seine Einzelteile, die ich, wie die Mischfarbe bei den meisten Menschen, interessant genug finde, sich darüber unterhalten zu können und dürfen, ohne Böses zu beabsichtigen, sondern um zu lernen, am und fürs Leben, miteinander.

Seid bunt und spielt mit Euren Farben, zeigt sie her und bildet einen "schönen" Farbenpool!

... es geht weiter im Folge-Post...

Anonym 22. Februar 2010 um 16:42  

...Fortsetzung aus dem Vor-Post...

@Bakunin (22. Februar 2010 10:54):
Dem stimme ich voll zu.
Ich finde es auch erschreckend, wie offensichtlich dieses medienwirksame Postulat Verwendung findet: Redet über die prekären Verhältnisse von Randgruppen, dann ist die Zeitung so gut versorgt mit diesem polarisierenden, doch eigenschmerzarm distanziert gehaltenen Thema, dass man nicht erhellen bzw. aufdecken muss, wie schlecht es dem ursprünglich Deutschen bereits geht; dem Menschen, der bisher voll integriert und seiner hier beheimateten Identität entsprechend alle besten Optionen dieser Gesellschaft hat nutzen können.

(Hat er das wirklich?)

Es würde nämlich sofort offensichtlich, dass die *generellen* Chancen auf eine selbstversorgende Existenz nicht nur bei den "Randgruppen" karg sind. Uns wird ständig vorenthalten, wie dieses neoliberale Politikgehabe auch die Deutschen selbst "von oben asozialisiert", indem sie keine Chancen bereitstellt, keine wertige Bildung zur echten Auswahl bietet.

Vor 20 Jahren war es doch ein wenig anders: Ich hatte nach meiner Ausbildung wenigsten die Chance, als Spanier auch eine der Chancen wahrzunehmen, die ich dank meiner Noten und der Qualität der Ausbildung finden konnte. Heute tun mir alle jungen Menschen leid, denen ich nachfühlen kann, dass sie trotz derselben Leistungen, derer ich damals in der Lage war, heute nicht dieselben Chancen haben.

Da könnte ich echt kotzen. Auch, dass viele deutsche Mitarbeiter mir immer mein Interesse geneidet haben und mich kurz gehalten haben, nur damit sie entweder selber besser glänzen können oder sich auf die Schulter klopfen können, es einem Fremden wieder einmal gezeigt zu haben, wo er denn hingehört. Ich hätte gerne zu den Mitarbeitern gehört, die aufgrund ihrer anerkannten Arbeit in der Lage sind, 5 oder mehr Arbeitsplätze zu schaffen oder wenigstens in der Firma zu halten. DAS wäre die Bestätigung gewesen, die ich von der deutschen Gesellschaft gebraucht hätte, nachdem ich so klasse in der Realschule auf meine Jugend vorbereitet wurde, eine tolle Ausbildung erleben durfte und schließlich mein Studium erfolgreich durchziehen konnte. Was kam danach? Das Elend eines Spaniers auf dem beruflichen Niveau, dass ihm die deutschen Mitarbeiter nichts gönnen wollten. Ich bin jedoch kein Charakter, der doppelt so hart kämpft und intrigiert, um dieselben Ziele auf dieselbe "linke Tour" zu erreichen, derer man sich bedienen muss, um in oberen Etagen voranzukommen. Gedenkt der "Topmanager" und ihrer Methoden, dann wisst ihr, was ich in etwa meine. Das wollte ich nie, und das hat mich "ausgemendelt" in deutschen Landen, nicht wahr? Weil es ohne Hacken und Stechen nicht mehr geht, wenn man es hier "zu etwas" bringen will.
Etwas: das heißt ein deutsches Markenauto, ein EFH etc. Zum Preis der eigenen Seele. So sehe ich das, als "vollintegrierter Spanier". Vielen Dank auch, du leitende deutsche Oberschicht. Das habt ihr euch aber auch selber eingebrockt. Wo keine Toleranz gegenüber produktiven Schafen gelebt wird, bleiben am Ende nur die dominanten Wölfe übrig... Und die haben sich zum Reißen gern.

... Es geht weiter im Folge-Post...

Anonym 22. Februar 2010 um 16:42  

...Fortsetzung aus dem Vor-Post...

Ich denke heute darüber nach, dass man in kleinen Gruppen beginnen sollte, sich zu organisieren, "Fördervereine", die ohne äußeres Zutun -- vor allem von Lobbygruppierungen -- selber der Aufgabe annehmen, sich voranzubringen. In meiner spanischen Gemeinde könnte ich z.B. den jungen Leuten und allen, die sonst interessiert sind, meine Computerkenntnisse weitergeben. Das braucht (zunächst) keinen Plan, sondern nur die Gespräche mit dem Ziel, die (aktuell real existierende, individuelle) Not/den Bedarf zu erkennen, zu messen und Wege zu besprechen, dagegen anzugehen. Und dafür eine individuelle Gegenleistung zu bekommen (z.B. an den Vereins- oder Gemeindeaktivitäten praktizierend teilnehmen) und somit Verantwortung füreinander im Kleinen zu fördern. Und zwar so, wie es die ARGE seit Jahren versäumt umzusetzen.

Nur ein Gedanke. Aber so gewaltig, weil man es selber in die Hand nehmen kann, nicht wahr? Von Menschen, die es einem danken werden, weil man sich nicht beißt, wenn man zu wenigen gehört, weil man nicht anonym sein kann in solch einer Gemeinde.

Trotz meiner (auch kritischen) Anmerkungen vielen Dank für alle Beiträge zu Senor de Lapuentes Texten, sie geben mir mindestens genau so viel oben drauf. Die Sahne zum Malagaeis, sozusagen.

Buen provecho!

Anonym 22. Februar 2010 um 17:43  

Ich glaube Ihr interpretiert zu viel in diesen Idioten hinein:

Di Lorenzo ist ein typischer arschkriechender Opportunist, der nur auf seinen eigenen Vorteil schielt und fertig. Ich bin mir inzwischen sicher, dass er Anfang der 90er Jahre die Lichterkette gegen den Rechtsradikalismus nur deshalb mitinitiiert hat, weil sich das damals in seinen Kreisen eben so gehörte und vor allem, weil er dadurch bekannt wurde. Wie widerlich ist das denn? Da es derzeit gefragt ist, auf Schwache, Wehrlose und Ausländer (am besten noch als Kombi-Packung) einzuprügeln, macht er eben das. Selbstverleugnung fällt in seinem Fall nicht schwer, ohne Rückgrat kann man sich eben leicht verbiegen.
Es gibt doch genügend Beispiele für diesen Menschenschlag. Schröder, Fischer (Ex-Straßenkämper), Ulla Schmidt (Ex-KPD-Mitglied), Cohn-Bendit und wie sie alle heißen, diese Super-Opportunisten. War es etwa als Student in den 70ern so waaahnsinnig mutig, links zu sein? Man wäre doch eher scheel angesehen worden, wenn man in die CSU eingetreten wäre. Diese unbefriedigten Möchtegern-Hedonisten sind mit sich selbst genug bestraft. Sieht einer von denen glücklich aus? Ich finde nicht. Und Di Lorenzo hat sich sogar noch eine brutale Zusatzstrafe ausgesucht: die Beziehung zu Ober-Tussi Sabrina Staubitz.

Anonym 22. Februar 2010 um 18:30  

Mon cher Roberto De Lapuente,

Menschen, die wie wir, in einem Geburtsland zur Welt kommen, aber Elternteile haben,, die aus dem Ausland stammen, entwickeln sich in der Regel nach zwei groben Mustern.

Was die Nationalität oder Kulturzugehörigkeit betrifft: Die einen wissen, dass sie weder das eine noch das andere sind, und picken sich aus den jeweiligen Kulturen das positivste heraus und versuche anständige offene Menschen zu werden (oftmals beherrschen diese die Sprache und die Feinheiten der Kultur des Geburtslandes entschieden besser als die indigene Bevölkerung).

Die anderen wollen unbedingt zu den Leuten des Geburtslands dazugehören, leugnen in der Regel die Kultur des ausländischen Elternteils und mutieren zu übereifrigen und superangepassten Geburtslandsbürgern: was meine Mutter immer mit einem breiten Grinsen die 150-prozentigen nannte.

Di Lorenzo ist so ein 150-prozentiger.

Ein 100-prozentiger Durchschnittsbürger ist kaum zu ertragen.
Die 150-prozentigen lösen nur noch Brechreiz aus.



Anhänger des 04.08.1789

Anonym 22. Februar 2010 um 19:40  

"[...]Kleine Kritik: Ich finde es schwer verdaulich, wenn "hier gebürtige Deutsche sich behandelt sehen wie Ausländer im eigenen Land." Tut mir leid, liebe Leute, aber das glaube ich, können sich nur sehr wenige Deutsche vorstellen. Alleine schon deswegen, weil es mir schwer fällt, mir vorzustellen, wie das Leben einer anderen Familie abläuft. Das ist alles so individuell gewachsen und "privat geregelt", dass ich, egal, ob es eine deutsche, türkische, amerikanische etc. oder gar eine andere spanische (meine Herkunft) Familie wäre, mir nicht mit Fug und recht sagen könnte, ich wäre objektiv und "fair" mit meinem Blick[...]"

Sorry, ich hab mich wohl mißverständlich ausgedrückt? Hab selber schon darüber überlegt. Mir geht es hier nicht um einen deutschen Nationalismus, sondern darum darauf hinzuweisen, dass man als Arbeitsloser (nicht erst als Hartz IV-Empfänger) sehr schnell merkt: Ich gehöre zu "deren Deutschland" nicht mehr dazu.

Es mag früher einmal anders gewesen sein, aber seit Hartz IV ist es eben so.

Man ist "Asylant im eigenen Lande".

Übrigens, die Politik der Ausgrenzung und Diffamierung wurde, was ich für besonders übel halte, an den Schwächsten der Gesellschaft ausprobiert - eben den staatenlosen Flüchtlingen - auch AsylantInnen genannt.

Darauf wollte ich hinaus, und nicht auf die nationalistische Karte, denn mir ist bewußt, dass auch Nichtdeutschstämmige so ihre Probleme mit der Akzeptanz in Deutschland haben - tut genauso weh, aber genauso weh tut es eben, wenn man als Spanier nicht mehr in Spanien dazugehört, als Grieche nicht mehr in Griechenland etc. und eben als Deutscher nicht mehr in Deutschland dazugehört....

...ohne gleich die nationalistische Karte zu spielen, denn die korrupte Republik Deutschland kann mir ansonsten gestohlen bleiben....

Anonym 22. Februar 2010 um 19:43  

Ich hab mal einen tollen spanischen Kinofilm "Montags in der Sonne" gesehen, wo die spanischen Entlassenen sich gut gegen eine Äußerung alá Westerwelle gewehrt haben - Von wegen Faul und so...

Solche dt. Kinofilme wünsche ich mir, aber leider sind wir nicht soweit, dass die Faulheitsdebatte -auch in Deutschland - kinomäßig auf's Korn genommen wird. Da hat Spanien ein Stein im Brett bei mir :-) ;-)

pillo 22. Februar 2010 um 21:38  

Das Schlimme an di Lorenzo ist, daß er den Hetzern und Schreihälsen á la Westerwelle, Sarrazin, Henkel und Co. gleich im doppelten Sinne zur Seite springt. Einmal in seiner 'Funktion' als Vorzeigeausländer (trotz deutschem Paß) und zum Anderen als angeblicher Intellektueller. Ergo, wenn so einer Westerwelle Recht gibt, muß es doch stimmen.

Und wieder einmal wird die mittlerweile fast allumfassende Meinungsmacht der neoliberalen Wirtschaftsfaschisten deutlich. Egal was Otto-Normal-Bürger liest, ob Bild, SZ, FAZ, Spiegel oder Zeit, egal welches Programm er anschaltet, ob ARD, ZDF, RTL oder N24, egal welchen Sender er hört - er bekommt sets nur den immergleichen neoliberalen Meinungseinheitsbrei vorgesetzt. Ab und zu darf dann auch mal ein Kritiker, einem Feigenblatt gleich, in eng bemessenen Dosen seine Sicht der Dinge zum Besten geben. Es muß ja schließlich nach Demokratie und Meinungsfreiheit aussehen.
Wirkliche Meinungsfreiheit gibt es derzeit nur noch im Internet. Der nächste Zensurangriff wird daher wohl nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Anonym 22. Februar 2010 um 21:41  

Als meine Großmutter gestorben war, mein Großvater starb Jahre vor ihr, half ich meiner Mutter bei der Hinterlassenschaft.

Ich endeckte den Ahnenpass- Es war die Zeit, als Roots erstmals im TV lief, so war ich neugierig und habe diesen Ahnenpass gelesen, der mir über mehrere Generationen hinweg ein paar Daten lieferte.

Nun beschäftigte ich mich mit der "Ahnenseite" meines Vaters.

Ergebnis: Ich bin sozusagen ein "Mischling" unterschiedlicher Staatsbürger. Wenn es sich einbürgern würde, den Namen und die Herkunft der Mutter anzunehmen, denn nur dann ist sicher GEWESEN woher eine Hälfte der Erbanlagen kommt, wäre ich und meine Ahnen seit mehreren Generationen keine Deutschen.

Aber das ganze hat einen Sinn, wir sind alle MENSCHEN. Und Menschenrechte sind für alle gleich, sie werden nur nicht für alle auch so umgesetzt.

Für mich gibt es nur eine Regel:

Wer gegen andere Menschen hetzt ist ein Rassist. Die sollte man alle auf den Mond schiessen, dann hätten die Menschen endlich Ruhe vor solchen Demagogen.

Mit etwas Glück wird das eines Tages möglich sein. Ich würde es gerne noch erleben.

Anonym 22. Februar 2010 um 21:48  

"Mag schon stimmen was Du schreibst, aber auch "Hans" ist kein "Hans" mehr wenn er die soziale Rutsche nach unten absaust.

Darüber schon einmal nachgedacht?"

Ich habe nicht nur darüber nachgedacht, ich habe auch manifaltige Erfahrungen sammeln können. zB einen waschechten Berber, der mit dem SS Mantel seines Opas angab. Oder andere, die die Rutsche nach unten gesaust sind und den Ausländern die Schuld in die Schuhe schieben und sich die SA herbeiwünschen. Naja, es gibt Ortschaften mit sehr vielen Menschen, die ganz unten sind und sie halten sich an dem fest, was man ihnen nicht nehmen kann. Ihre rassige Abstammung, ihr Blut und ihren Boden. Natürlich gibt es nicht nur solche (gottseidank), aber es gibt sie mehr als genug.

Anonym 23. Februar 2010 um 00:36  

@Anonym (22. Februar 2010 19:40):

Erst einmal vielen Dank für das Echo!

Den Begriff "Asylant" statt "Ausländer" im eigenen Land kann ich zwar besser verstehen, doch ergibt er für mich auch keinen treffsicheren Sinn. Ich weiß aber jetzt, warum das so ist, es liegt an meiner Gedankenwelt, meine Grundlage der gedachten Diskussion, die doch eine leicht andere ist als Ihre, ohne eine Wertung vornehmen zu wollen: Ihre Darstellung ist genauso gut wie meine. Dennoch versuche ich einmal zu erläutern, wie ich dabei gedacht hatte:

Sie schreiben, dass Sie das Gefühl haben, Sie würden in "deren Deutschland" nicht mehr dazugehören. Das hätte ich mir niemals denken können, dass ein Deutscher in Deutschland sich jemals entfremdet fühlen würde.

Dieses Land ist klasse! Seid stolz auf das was Ihr für einen Anteil an diesem Land habt. Wer groß ist, muss Großes tun und kann auch große Fehler begehen. Zieht dabei viele Unschuldige mit sich runter. Wir haben die bessere Situation, wir können uns unserer Leistungen erinnern und dankbar dafür sein, dass wir diese Macht nicht besitzen und "die Pferde mit uns wohl nicht durchgehen werden".

Deutschland hat eine so reiche Geschichte, da ist Spanien nicht einen Deut an Bedeutsamkeit, Größe und Gewicht besser. Scheiße wird überall gebaut, man denke da an die besonders in Spanien durchwütete Zeit der Inquisition... Oder diese ekelhaft unmenschliche, aber zeitgenössische Perspektive, an öffentlichen spanischen Gebäuden Militärpolizei vorzufinden, die mit Maschinengewehr bewaffnet ihren Dienst versieht. Da ist der dortigen ETA-Aktivität geschuldet. Oder die spanische Tradition der Militärfeste -- was ich hier gar nicht kenne (und sehr gut finde so). Die Fähigkeit eines Landes, Krieg führen zu können, sollte nicht mit Stolz gezeigt werden. So große Feinde haben wir gar nicht, oder besser: eigentlich nur in unserem Innern. Un da könne wir selber was gegen tun.

Die Identität einer Nation wird immer wieder harten Prüfungen ausgesetzt. Man stelle sich vor, wie nach viel radikaleren 68er Revolutionstagen oder einer effizienteren damaligen RAF-Aktivität unser Alltag hier aussähe...

Weiter im Folge-Post...

Anonym 23. Februar 2010 um 00:38  

Fortsetzung vom Vor-Post...

Ich will und kann nicht glauben, dass dieses Deutschland für die Menschen meines Schlages -- in meinem Fall des deutschen Teils meiner Persönlichkeit -- verloren ist. Das hätten die Bonzen und Politiker gerne. Ich identifiziere mich mit einem Deutschland, das existiert, und zwar nicht nur in meinem Herzen. Es gibt da Leute, die sind genau wie ich, und es sind eine Menge, das bilde ich mir nicht ein. Es sind stille, friedliebende Deutsche und Mitbewohner diese Landes anderer Nationalitäten, die einige deutsche Jahre auch auf ihrem Buckel haben.

Menschen, bei denen ich mich nicht anmaße wie sie zu sein, oder für sie zu sprechen, die mich aber in einer Sache sehr gut verstehen, glaube ich: Dieses Land hat uns auch eine Zeit lang viel Gutes gegeben, als es noch Chancen satt gab. Das waren Zeiten, in denen die herrschenden Schichten (öfter als heute) nicht an den Mammon dachten, sondern an echte Größe -- NACH dem Krieg. Menschliche Größe,
Demut vor dem Menschen und dem, was er zu leisten im Stande ist, wenn er die *richtige* Motivation spürt: ein freies, sozial abgesichertes Leben führen zu dürfen in einer starken Gemeinschaft, die sich vertikal wie horizontal mit Freude ins Gesicht blicken kann und frei von Groll es auch zu Recht darf.

Unsere "High Society" ist heute nicht einmal mehr der Hauch eines Furzes desjenigen, der schon damals aus diesen Oberschichten rausgekehrt worden wäre. Leute wie Gerhard Schröder wären damals gar nicht erst hochgekommen wegen seiner selektiven Bevorteilung ausgewählter Kreise. Andere singen dasselbe Lied, es nennt sich "Neoliberale neue Welt".

Was macht den Unterschied heute: Ich denke, in diesem Lande ist der Oberschicht mittlerweile klar geworden, dass sie mit einer Zukunft zu tun haben wird, in der die Ressourcen knapp werden. Und das Hauen und Stechen um die persistenten Vorteile, den Erhalt dauerhafter Vorzüge, beginnt allmählich, kommt in Gang...


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Anonym 23. Februar 2010 um 00:40  

Fortsetzung vom Vor-Post...

Wir in den unteren Volksschichten werden zwangsläufig dadurch zum Spielball, es geht aber in erster Linie nur um die Kämpfe der Große untereinander, wir werden nur mitmanipuliert, weil man uns nicht "unbehandelt" zugucken lassen kann, was geschieht. Ob wir es merken oder nicht, wir werden durch die Medien, Nachrichten und andere Einflussnahmen beeinflusst, wir sollen uns ducken, uns vor den schlechten Zeiten fürchten, die uns erwarten. Oh, es wird schlimm, hören wir.

Wir sollen auf die Oberschicht als Heiland gucken, denn nur von ihnen soll die Rettung kommen können, Das sollen wir glauben, ebenso wie vergleichsweise die Pharmaindustrie seit vielen Jahren versucht, das Alleinrecht auf Heilmittel und Heilung zu besitzen. Die Heilpraktiker z.B. beweisen (hier und da) oft genug auch andere Wege als wirksam, jedoch nie so ganz mit Garantie und immer öfter auch mit neuen Industrieprodukten für deren Marktnischen ("Kügelchen" en masse). Aber die "Garantien" der Pharmaindustrie sind genauso Augenwischerei wie die Heilsreden der Politiker. Mal wirken die Medikamente besser, oft genug aber auch gar nicht, denn der Pharmazie geht langsam die Kreativität verloren. Sie sucht danach wie blöde: In den letzten Regenwäldern, auf einsamen Inseln und bei indigenen Völkern. Nur um festzustellen, dass ihre Kosten-Nutzen-Analyse nicht so rosig aussieht. Daher müssen sie sich der Politiker bedienen, damit die ihnen ihre Verkaufsgarantien und Profite zusichern können.

Von wegen "die heilsame Wirkung des freien Marktes" beschwören. Die sind selber der absolute Gegenbeweis, dass der Markt sich selber heilt. Würden sie dem Markt erlauben, sich zu heilen, wären sie selbst schon längst Geschichte.

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Anonym 23. Februar 2010 um 00:41  

Fortsetzung vom Vor-Post...

Zurück zu Deutschland. Gebt nicht auf! Wir reden miteinander, hier in Blog bei Senor de Lapuente, durch ihn und mit ihm. Ich weiß es (noch) nicht, daher als Frage formuliert: Reden wir auch miteinander vor den ARGEn, auf deren Wartefluren? Leise, verständigend? Oder sehen wir uns nur an wie Esel, die um die kargen Möhren kämpfen, beißen und treten sollen? So wie die Oberen es gerne sehen?

Ich denke, wir müssen uns um ein Deutschland bemühen, das uns unbeeinflusst gehört. Mit Gewalt werden wir wohl auf lange Sicht nichts erreichen. Stattdessen würden Kämpfe gegen die Regulative des Staates uns nur entkräften und zersetzen, unsere (bisher nur vermutete) Nähe zueinander tansparent und angreifbar machen. Vergesst nicht: Es gibt Lauschmikrofone und Kameras überall, wo wir uns treffen wollen und müssen (nicht etwa für Terroristen, haha, die "Terroristen" sind WIR in unserer Zukunft, die sie für uns ausgesucht haben, wir aber nicht wahrhaben wollen und uns wehren), und es gibt Wärmesuchkameras auf Hubschraubern fürs freie Feld, gegen eine mögliche Guerilla gerichtet, die sich nicht tarnen kann. Das ist alles ganz gut geplant und überlegt, alles gut vorbereitet.

Oder habt ihr geglaubt, der rollstuhlende Angsthase und Angstmacher unter den Politikern hätte seinen "Sorgen" auf ehrliche Weise Gestalt gegeben? Es kann ja sogar sein, dass so ein seelisch geschwächter Politiker, der mit seinem immobilen Schicksal hadert, ja hadern muss, von seinen "Beratern" gut zu führen ist in seiner ureigenen Sorge und seinen persönlichen Angsten. Auch Politiker werden Opfer einer induzierten Psychose...

Weiter im Folge-Post...

Anonym 23. Februar 2010 um 00:43  

Fortsetzung vom Vor-Post...

Ich bin kein Leitbild, will keins sein. Ich suche Leitbilder aber nicht in den Oberschichten, denn sie werden sich nur am Überlebenkampf beteiligen können, indem sie aufs Unfairste antreten im Kampf um die letzten verbleibenden Vorzüge einer freien Welt: Selbstbestimmung wird beschränkt (freie Wahl der Arbeit), Abhängigkeiten werden aufgebaut (Meldepflicht, Bezugsscheine statt Bargeld), Freiheiten werden kontrolliert (Reisen nur nach Genehmigung).

Und der Kopf wird versklavt, die Grenzen von außen nach innen verlegt: das spart Geld und Kämpfe. Keine Mauern die gebaut werden müssen, um gesehen zu werden. Nur welche, die man spürt und fürchtet, denen man nicht entrinnen zu können glaubt.

Eine Kasten-Urschuld, die von Generation zu Generation weitergegeben wird, um den Willen nach Veränderung zu brechen, bevor er sich in Bildung und eigener Meinung entfalten darf.

Vergesst nicht, wer ihr seid, ihr echten Deutschen! So wie ich jeden Tag aufs neue herausfinden muss, ob der neue Tag für mich bedeutet, mit beiden Füßen auf spanischem und deutschem Stuhl "thronen" zu können und beide Arme zum Schaffen und Leben frei zu haben -- oder mit der ganzen Last meines Lebens dazwischengestürzt zu sein, meine Arme abstützend, aber zu keinem Schlage in der Lage.

Genau so müsst Ihr herausfinden, auf welche wertige Weise Ihr Euch im Schatten aller dunklen Vergangenheiten erhebt und einer Idee folgt, die nur Eurem eigenen, individuellen Herzen entsprungen sein darf, klein und demütig, aber frei und stolz, für sich selbst und das Gute wirkend, das Bunte im Leben umarmend, die "Grauen Herren Eurer Momo-Welt" zurückwerfend.

So will ich Euch sehen, so kommt ihr an in dieser Welt, seid Ihr mir mein Deutschland.

Weiter im Folge-Post...

Anonym 23. Februar 2010 um 00:45  

Fortsetzung vom Vor-Post...

Wenn, wie eingangs von angemerkt, das Bild eines "Asylanten im eigenen Heimatland" das Eures Leidens ist, dann macht das Bild des arbeitenden "deutschen Immigranten" im eigenen Heimatland zu Eurem Leitbild, so wie wir es für uns auch erkämpfen mussten. Was dann entsteht, ist ein neues eigenes Deutschland, eins der bunten Vielfalt, so wie ich es auch erlebt habe. So wie es ausländische Kulturvereine gibt, sollte es Vereine eines neuen besseren, herzlicheren Deutschland geben, in dem man sich vor dem allgegenwärtigen Oberschicht-Betonkopf zurückziehen kann. Und im Kleinen gedeiht dann eine kleine Blüte eigenen Glücks.

Seid willkommen in unserem Schicksal, denn Ihr seid uns keine Konkurrenz, wir lieben diese Vielfalt. An einem "guten Tag" erinnern wir uns auch daran, wie diese (kompromisslos) guten Erfahrungen aussehen, die wir mit Deutschen ab und zu haben. Und diese Freundlichkeit werdet ihr auch von uns bekommen können. Eine Investition in unser aller Zukunft.

Mehr als ein kleines Glück lässt man Euch freiwillig ja doch nicht, so wie bei uns. Eher weniger, wenn Ihr ständig Standfläche an die Bonzen abtretet. Oder wenn Ihr Gewalt anwendet und dadurch die Bonzen in ihren Ängsten und ihrer persönlichen, seelischen Armut bestätigt.

River Tam 23. Februar 2010 um 08:37  

@all:
Es gibt sie noch (oder etwa wieder?) die Artikel, die sich differenziert mit der herrschenden Polemik auseinandersetzen; hier das Beispiel zu "Migranten und Hartz IV":

http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/vererbung-der-sozialen-startnachteile/

Anonym 23. Februar 2010 um 11:59  

Falling Debt Dynamite Dominoes, The Coming Financial Catastrophe
Andrew G Marshall

„The western world has been plundered into poverty, a process long underway, but with the unfolding of the crisis, will be rapidly accelerated. As our societies collapse in on themselves, the governments will protect the banks and multinationals. When the people go out into the streets, as they invariably do and will, the government will not come to their aid, but will come with police and military forces to crush the protests and oppress the people. The social foundations will collapse with the economy, and the state will clamp down to prevent the people from constructing a new one.

In short, the financial oligarchy is in absolute control of the United States government.

America has been used by powerful western banking and corporate interests as an engine of empire, expanding their influence across the globe. Banks have no armies, so they must control nations; banks have no products, so they must control industries; banks have only money, and interest earned on it. Thus, they must ensure that industry and governments alike borrow money en masse to the point where they are so indebted, they can never emerge. As a result, governments and industries become subservient to the banking interests. Banks achieved this masterful feat through the construction of the global central banking system.“
http://www.marketoracle.co.uk/Article17404.html

Darum geht's den Laufburschen des Kapitals bei ihrer Propaganda!

River Tam 23. Februar 2010 um 17:57  

@ Senor Anonym

Danke für diese Kommentare! Sie sind wirklich berührend.

Auf die Vielfalt und das Leben!

Peinhard 24. Februar 2010 um 07:58  

Ich mach's kurz: ich konnte den noch nie ab. Frauenschwarm, elendiglicher. :D

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