Lautsprecher schweigender Mehrheiten

Samstag, 20. Februar 2010

Wenn es sie nicht gäbe, schwiege die Mehrheit bis in alle Ewigkeit. Der erste im Bunde der mutigen Lautsprecher, der Herr mit brauner Lippenbürste, zog mit seinem Organ in den Wahlkampf, wollte für seine lärmige Stimme schweigende Stimmen einheimsen. Sein Nachfolger auf dem Pfad der Mutigen, wähnte sich akzeptiert, als er in den Gewässern fischte, in denen vormals der Wahlkämpfer seinen dürren Stecken reinhielt. Und nun, da der dritte Erlöser schweigender Mehrheiten zur Bergpredigt ansetzt, scheinen jene Gewässer immer noch reichhaltig, noch lange nicht überfischt. Alle drei Fischer verabscheuen sich gegenseitig, beargwöhnen sich gehässig, gönnen sich gegenseitig keinen beachtenswerten Fang. Alle drei Fischer sagen der eigenen Konkurrenz nach, sie würde ihr Geschäft schlecht betreiben, den gesamten Berufsstand in Verruf bringen, die guten Sitten der Zunft ruinieren. Alle drei Fischer wollen miteinander nichts zu tun haben, wissen voneinander nichts außer Nachteiliges zu berichten. Alle drei Fischer sind sich fremd und doch in derselben Branche zuhause; sich fremd, aber doch verwandt; sich fremd, dennoch vom selben Fach.

Drei Fischer, gleich an Würdigkeit, durch alten Groll zu neuem Kampf bereit - drei erlesene Fachleute hoher Güte, vereint durch das ewige Gestern, sollten sich zusammenschließen, damit verwächst, was nie so recht getrennt war. Sich zusammentun, um ihren Mehrheiten, die sich aufgrund Verschwiegenheit nicht zur Wehr setzen können, eine neue Führerschaft zu erteilen. Neue Streitkultur, so reibt man sich freudig die Klauen, sei im Entstehen, "Politik in Bestform" sei derzeit geboten, weil der Einheitsbrei politisch korrekter Sprache überwunden wurde, weil Pluralismus herrscht innerhalb der politischen Kultur. Wahrlich, wie pluralistisch, wie vielfältig das Menschenbild der selbstgekrönten Lautsprecher doch ist, kann man wieder einmal erkennen - die Vielfalt ist wahrhaft erschlagend: die Vielfalt der Einfältigkeit.

28 Kommentare:

klaus baum 20. Februar 2010 um 18:23  

Gerade deshalb, weil Leute dasselbe tun, mögen sie sich nicht.
Ich habe es erlebt unter Adorno-Anhängern.

pillo 20. Februar 2010 um 18:54  

Sehr treffend hast Du da wieder einmal die geistige Nähe, wenn nicht gar Übereinstimmung, unserer politischen und medialen Schreihälse herausgearbeitet. Egal ob rechts, konservativ, "liberal" oder angeblich "linksliberal" - als astreine Faschisten geben sich immer mehr von ihnen zu erkennen.

Denn, nicht nur die Schmierfinken der Bild verbreiten ihre faschistoiden Ergüsse, auch ein Möchtegernintellektueller namens di Lorenzo darf in der ach so seriösen "Zeit" seinen geistigen Dünnschiß verbreiten. Sicher, er weiß seine "Vorbehalte" gegen Immigranten 'niveauvoller' zu verpacken, Hetze ist es letztendlich dennoch.

Die Causa di Lorenzo beweist einmal mehr, wie weit die Hirne und Herzen vieler Menschen schon vergiftet sind. Vor allem zeigt sie uns sehr eindrücklich, daß Ignoranz, Dummheit, Sozialdarwinismus und Xenophobie nicht allein ein Problem der so genannten Unterschicht ist.

Die Katze aus dem Sack 20. Februar 2010 um 19:06  

Bleibt nichts weiter zu tun, als den lauten Sprechern für ihren Sprung in die Bresche der Mehrheitsschweiger zu danken. Macht weiter so! Die Schweigenden müssen endlich wieder mit einer Stimme sprechen. Ich drück' euch ganz doll die Däumchen, auf das ihr erreicht, was ihr damit angedacht habt. 2/3 Mehrheiten im Bundestag sind nicht einfach so zu bekommen, wenn nicht vorher Themen etwas angewärmt werden, oder?

maguscarolus 20. Februar 2010 um 19:16  

Und wenn dieser neoliberale Rattenfänger auf die richtige Karte setzt mit seinen Ausfällen gegen all diejenigen, denen niemand in den mainstream-Medien eine Stimme leiht – gerade im Hinblick auf die bevorstehende Wahl in NRW?

Es kann einem Angst und Bange werden um dieses Land!

Anonym 20. Februar 2010 um 19:17  

Dieser Beitrag wetzt die Scharte "Schützt Westerwelle!" ein wenig aus (den fand ich ziemlich daneben). Aber dann auf die massenhafte Verbreitung der Einfältigkeit mit dem Finger zu zeigen, ist mir zu einfältig. Die läßt sich doch leicht behaupten, wieviel % sind einfältig?. Kann man eine schweigende Mehrheit messen?
Nochmal: Tagesschau & Co, also Fernseh- und Radio"nachrichten", die großen Zeitungen und Zeitschriften, haben doch großen Einfluß auf Einfalt oder Vielfalt; welche Kräfte da im Spiel sind, ist doch kaum transparent.
Ein großflächiger Konsumverzicht bei den "Leit"medien würde vielleicht helfen, aber ich habe da wenig Hoffnung...

maguscarolus 20. Februar 2010 um 19:24  

@pillo

"Die Causa di Lorenzo beweist einmal mehr, wie weit die Hirne und Herzen vieler Menschen schon vergiftet sind. Vor allem zeigt sie uns sehr eindrücklich, daß Ignoranz, Dummheit, Sozialdarwinismus und Xenophobie nicht allein ein Problem der so genannten Unterschicht ist."

Er ist die Stimme der eigentlichen "Besitzstandswahrer", die mit jeder Faser ihrer Existenz an ihrem (meist unverdienten) gesellschaftlichen Status hängen und daher besonders darauf bedacht sind, dass "die da unten" auch unten bleiben!

Roberto J. De Lapuente 20. Februar 2010 um 19:24  

Im Grunde wetzt dieses Ding keine Scharten aus, es verdeutlicht nur nochmals, dass da zusammenkommt, was zusammengehört - und es bleibt innerhalb der ganzen Scheiße doch lobenswert, dass Westerwelle Farbe bekennt... braun steht ihm gut.

Und was als Vielfalt der Einfältigen gedacht war, zielt auf jene Herren, angereichert um einige nette Damen und Herren, solche wie Sarrazin und Sloterdijk beispielsweise...

Anonym 20. Februar 2010 um 21:31  

@d. Lapuente
stimmt, da habe ich nicht gut gelesen.
Das argumentieren mit der "dummen Masse" ist weit verbreitet und glaubte es hier erkannt zu haben (sry).

Die Masse kann in der Tat objektiv dumm erscheinen. Darin können sich aber die Individuen subjektiv gesehen trotzdem klug verhalten. Ich glaube, das führt leicht zu Denkfehlern, wenn man hier Ursache und Wirkung falsch einschätzt. Es ist eben nicht logisch, dass Intelligenz Dummheit hervorbringen könnte.

Wir sehen etwas, das uns nicht gefällt (braune Rattenfänger und Mitläufer), nennen es Wirkung und postulieren eine Ursache (Schlechtigkeit, Gestrigkeit). Kausalprinzip.

Wenn man jedoch bei Ursache und Wirkung irrt, kommt man nicht weiter. Man kann eine geistige Abkürzung nehmen. Hier vielleicht die Einfalt, ob in ihrer Quantität oder Vielfalt.

Ich würde hier trennen zwischen Einfalt, Vielfalt einerseits und dem Potential von politischer, medialer Macht andererseits. Zumindest was eine simplen Kausal-Zusammenhang betrifft.
jim k.

Killroy 20. Februar 2010 um 21:40  

Wieder mal ein sehr guter Artikel, habe noch einen schönen Link zum Thema Westerwelle.

http://www.yoice.net/category/hintergrundpolitik/bundespolitik/

Anonym 20. Februar 2010 um 23:29  

maguscarolus hat gesagt...

"Er ist die Stimme der eigentlichen "Besitzstandswahrer", die mit jeder Faser ihrer Existenz an ihrem (meist unverdienten) gesellschaftlichen Status hängen und daher besonders darauf bedacht sind, dass "die da unten" auch unten bleiben!"....

Wunderbar auf den Punkt gebracht, diese im Grunde immer und überall gleiche Ideologie aller tatsächlichen Besitzstandsbewahrer!

Dieses subalterne Pack und meist bekömmliche versorgten Helfershelefer aller Eliten sind auch heute noch der wahre Nährboden aller faschistischen Ideen, und zu gegebenen Zeitpunkten die begeistersten Vollstrecker derartiger Vorstellungen "in reality".

Es ist immer die bürgerliche Gesellschaft, welche permanent mit Faschismus - natürlich in den unterschiedlichsten "nationalen Farben" - schwanger geht.
Und natürlich: Große Teile der BÜRGERLICHEN "INTELLIGENZ"("Überbau" aller Klassengesellsschaften, K: Marx) immer voran...

D A S kennen wir aber doch alles schon aus der Weimarer Republik von V O R 1933, oder nicht?

mfg Bakunin

Anonym 21. Februar 2010 um 01:04  

Hallo Roberto,

lese Dir doch mal die Kommentare in der "Welt" zum Thema 5-Milliaren-Kredit für Griechenland durch. Selbst unterbelichtete Welt-Leser begreifen inzwischen, dass wir zwar Hartz-IV-Empfängern jeden Euro-Cent einzeln vorrechnen, Schulen und Universitäten verlottern lassen etc. jedoch Geld für Banken (denn nichts anderes ist die "Rettung" Griechenlands als ein zweiter "Rettungsschirm" für insbesondere die Deutsche Bank), Hoteliers, Ärzte, reiche Erben, Steuersenkungen für notleidendes Großkapital etc. dann doch reichlich vorhanden ist. Ich glaube, die FDP hat sich verrechnet. Das Timing in Hinblick auf Griechenland ist denkbar beschissen. Der gemeine, egomane und braun gefärbte FDP-Wähler schätzt es nämlich gar nicht, wenn sein Steuergeld ins Ausland transferiert wird (außer natürlich sein hinterzogenes). Noch dazu zu den faulen Südländern, die sich auf unsere Kosten einen faulen Lenz machen, den ganzen Tag Sirtaki tanzen, in der Sonne liegen (wenn sie nicht gerade streiken) und Retsina trinken bis der Wald brennt! Tsss, das geht ja nun gar nicht. WW wird im Mai abgewatscht, davon bin ich überzeugt (wenn auch aus den falschen Gründen, aber man muss inzwischen ja schon über falsche Gründe froh sein in diesem verblödeten Irrenhaus).

Anonym 21. Februar 2010 um 01:15  

Sie sind Demagogen mit faschistoidem Gewäsch. Einen Unterschied gibt es zur Weimarer Republik: In den 1920er Jahren herrschte eine Grundstimmung dergestalt, daß das Volk die Juden schon vor der Wirtschaftskrise 1929 für alle wirtschaftlichen Schwierigkeiten verantwortlich machte.

Meine Erfahrung ist, dass die Bevölkerung heute noch sehr gut weiß, daß es ein Bankenskandal ist, der uns erschüttert. Und dieses Wissen, dass es die Plutokraten sind, die das Unheil bringen, das müssen wir immer wieder den Lügen der demagogischen Hetzer entgegen halten.

Gruß
Bernd

Tagebuch eines Überlebenden 21. Februar 2010 um 07:17  


„Die Welt wird nicht bedroht von den Menschen, die böse sind, sondern von denen, die das Böse zulassen.“

Albert Einstein


Stell dir vor, keiner wählt Guido und seine Partei, keiner liest Bild, ...

Roberto J. De Lapuente 21. Februar 2010 um 10:05  

Kurzer Zwischenruf: An alle Kommentatoren, die ihre Beiträge damit einleiten, Westerwelle angeblich zu verabscheuen, nur um dann mit dem Aber fortzufahren. ABER eigentlich hat er ja recht! oder ABER mit einem hat er doch recht! oder ABER so falsch liegt er ja nicht! - Ich werde solche Kommentare nicht freischalten, sie sind das übliche verständnisvolle Getue mit dem Faschistoiden. Hier, bei ad sinistram, wird Westerwelles Offenheit sicherlich gelobt, aber Verständnis existiert hier nicht für ihn...

AntiJoffe 21. Februar 2010 um 10:41  

Aber sind denn wenigstens die reichsten Bürger unseres Landes “wirtschaftlich unabhängig”? Und: haben diese Leute ihren privilegierten Status mittels harter Arbeit erworben? Quatsch. Hauptsächlich hängt ihr Reichtum einerseits mit einem Netzwerk an ausbeuterischen Beziehungen zusammen (bzw. entsteht dadurch), zum andern mit Arrangements, die sie mit öffentlichen Stellen getroffen haben. Auf diese Weise ist es den Reichen möglich, einerseits ausgebeutete Arbeitkräfte u. andererseits die Steuergroschen des braven Bürgers für sich arbeiten zu lassen. So finanziert sich deren parasitärer Lebensstil. Reiche müssten wie die große Masse von uns leben, würde man es ihnen nicht strukturell ermöglichen, den Surplus aus den Arbeitenden rauszuholen. Daneben profitieren sie aber auch noch von der ‘Konzern-Wohlfahrtshilfe’ bzw. von jenen andern ganz selbstverständlichen staatskapitalistischen Subventionen (Exportkredite, Einfuhrzölle, “abgesicherte” Verträge (Cost-plus), Steuererleichterungen, militärischer Schutz, Patente, usw.), wie sie der “öffentliche Sektor” für seine Freunde bereithält. “Nur Arbeit darf sich auszahlen”? Sagen Sie das mal unsern ökonomischen “Eliten”! Je höher man hinaufkommt, desto weniger resultiert deren Einkommen ja von (eigener) Hände Arbeit desto mehr aus Investitionen bzw. aus Beziehungen, die sich buchstäblich auszahlen.

Quelle:

http://zmag.de/artikel/Sozialhilfe-Reform-und-die-Grenzen-der-erlaubten-Debatte-in-den-USA

Anonym 21. Februar 2010 um 13:01  

unbequemer:

nicht nur Westerwelle ist ein Demagoge. Wenn ich da an Koch denke ... Rüttgers ist doch auch nicht besser.

Wie sang einst -

http://www.franz-josef-degenhardt.de/disco/titel/lieder/2juni1967.html

Anonym 21. Februar 2010 um 15:01  

"Kurzer Zwischenruf: An alle Kommentatoren, die ihre Beiträge damit einleiten, Westerwelle angeblich zu verabscheuen, nur um dann mit dem Aber fortzufahren." (R.Lapuente)

Dieses ewige "ja aber..."!

Wie oft hörte ich als Kind Erwachsene sagen: Aber..., der Hitler auch "gute Seiten", er beseitigte die Arbeitslosigkeit, baute Autobahnen, ließ eine Menge Einfamilienhaus-Siedlungen errichten, es wurde sich um die Jugend "gekümmert"...., es war "eigentlich" nur sein großer Fehler, "den Russen" anzugreifen...., letzlich aber immer dieses ABER, er, diese "guten Seiten"....
So redeten und reden Opportunisten, Mitläufer zu allen Zeiten, so reihten und reihen sie sich auch heute verbal ein in die "Volksgemeinschaft".....
Dem ist eigentlich noch immer das gute alte "Wehret den Anfängen" entgegenzuschleudern.
Westerwelle und viele Politiker sind ganz bewusste "Biedermanns", geistige Brandstifter.
Gesteht man diesen Schurken auch nur das kleinste "ABER" zu, hat man vor ihnen bereits kapituliert, landet früher oder später als "Gefolgschaft" bei ihnen.
Daher auch mein Standpunkt: Keinerlei Abers!

mfg Bakunin

Anonym 21. Februar 2010 um 15:34  

"In den 1920er Jahren herrschte eine Grundstimmung dergestalt, daß das Volk die Juden schon vor der Wirtschaftskrise 1929 für alle wirtschaftlichen Schwierigkeiten verantwortlich machte."... schreibt Bernd

Hallo Bernd, von einer allgemeinen "Grundstimmung" gegen die "Juden" konnte man auch in der Weimarer Republik nicht sprechen, wohl aber von einem weiter gepflegten und kolportierten Antisemitismus noch aus den Tagen des Kaiserreiches.
Träger dieser antisemitischen Hetze waren vor allem fast alle politischen KONSERVATIVEN, große Teile der alten wilhelminischen Offizierskaste,teilweise sogar die großen Kirchen, und in deren Gefolge "natürlich" auch die ursprünglich kleine Splitterpartei NSDAP.
Dagegen kann man bei großen Teilen der gewerkschaftlich und politisch organisierten Arbeiterschaft der damaligen Zeit kaum einen Hang zum Antisemitismus feststellen.
Auch der größte Teil der damaligen liberalen und weiter links stehenden Intelligenz hatte mit dem Antisemitismus nichts am Hut.
Der Antisemitismus hatte immer seinen Ursprung und Basis in den konservativ-christlichen Kreisen Deutschlands, aber auch in Teilen des um seine ökonomische Basis bangenden Mittelstandes.und selbstverständlich auch in Teilen der politisch besonders rückständigen Proletarier, Landarbeiter, etc...
Das Groß- u.Finanzkapital hielt sich dagegen allein schon aus außenpolitisch-außenwirtschaftlichen Erwägungen heraus in dieser Frage sehr bedeckt, gab sich damals wie heute recht offen, kosmopolitisch.
Kurzum: Der Antisemitismus in Deutschland war eine ekelhafte ideologische Pest des konservativ bis höchst reaktionären Deutschlands, aber keinesfalls eine "Grundstimmung" des damaligen GESAMTEN Deutschlands!

mfg Bakunin

River Tam 21. Februar 2010 um 15:48  

Ts ts, Roberto! Du schaltest keine "ja,aber" - Kommentare zu Westerwelle frei?
Ab in die Ecke und schämen!

"Das Volk will die Wahrheit hören!" -

Das ist wahr! Weil, das hat nämlich der Guido gesagt.
Und der hat recht! Weil, rechte Leute haben nämlich immer Recht!
Und deshalb hat der Guido recht, weil er rechts ist!
Wusstest Du das nicht?

Anonym 21. Februar 2010 um 16:23  

@Roberto J. de Lapuente:

Seh ich ganz genauso.

Übrigens, die von dir erwähnten "Lautsprecher schweigender Mehrheiten" (=gerade die FDP) heucheln eine neue Religiösität vor, um von ihrem Sozialrassismus abzulenken.

Mehr dazu hier:

"[...]Der Staat und seine Kirchen
Die Protektion christlicher Religiosität ist der deutschen Politik lieb – und teuer

Von Ingolf Bossenz
[...]"

Quelle und kompletter Text:

http://www.neues-deutschland.de/artikel/165321.der-staat-und-seine-kirchen.html

Wäre ich noch Christ, dann würde ich Westerwelle einmal fragen was für ihn "Nächstenliebe" ist - Der zentrale Grundsatz des Neuen Testaments.

Ich könnte wetten, Westerwelle liebt nur seinesgleichen, d.h. die Clientel die sich die FDP als Partei im Bundestag hält - Bonzen, Zocker und sonstige Besserverdienende.

Hätte Jesus so gehandelt? Ich zweifle daran und bezeichne die FDP als "Heuchler vor dem Herrn".

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Jutta Rydzewski 21. Februar 2010 um 17:43  

Was dieses in der Tat unsägliche ABER anbelangt, lieber Herr De Lapuente, habe ich, weil es gerade gut dazu passt, nachfolgend eine Email einkopiert, die ich in den letzten Tagen an den Sender Phoenix gerichtet hatte. Dabei ging es (Zuschauerbeteiligung war ausdrücklich erwünscht) um eine Sondersendung mit der Übertitelung:

Hartz IV - Dekadent oder Gerecht?

Die entsprechende Email muss ich wohl gesondert senden, in einer Rutsche klappt das nicht, aus welchen Gründen auch immer.

Jutta Rydzewski 21. Februar 2010 um 17:56  

Nachfolgend die Email an Phoenix:

Guten Morgen,

um ganz offen zu sein, sehr geehrte Damen und Herren, die Überschrift Ihrer Sendung erstaunt mich nicht nur, ich bin von meinem (früheren) Lieblingssender Phoenix einmal mehr sehr enttäuscht. Phoenix "passt" sich leider immer mehr dem medialen Einheitsbrei an. So auch in dieser überaus schrägen Debatte, die zudem täglich schräger zu werden droht.

Die von Ihnen gestellte Frage ist doch unlängst durch das höchste deutsche Gericht klar und unmissverständlich beantwortet worden. Demnach IST Hartz IV verfassungswidrig. Punkt. Reicht Ihnen das nicht? Anstatt dass sich Politik nun ernsthaft und parteiübergreifend bemüht, dieses, für die Demokratie und den Rechtsstaat, verheerende Urteil des BVerfG zu "heilen", in dem eine verfassungsfeste, menschenwürdige Regelung gefunden wird, "toben" mal wieder die üblichen parteitaktischen Spielchen. Und genau DAS ist der eigentliche Skandal. Das Land befindet sich seit Jahren in einem Zustand des permanenten Verfassungsbruchs, und die Medien berichten rauf und runter über diesen eitlen und kleinkarierten Selbstdarsteller. Es geht hier um die Fundamentalartikel des Grundgesetzes, und nicht um einen offenbar wild gewordenen Politiker, der völlig den Boden unter den Füßen verloren hat. In diesem Lande kann offenbar von höchsten politischen und sonstigen Stellen, auf Teufel komm raus, verfassungsfeindlich herumgeschwatzt werden, ohne dass es die Medien überhaupt interessiert. Übrigens, DAS sind auch die Gründe für dramatisch zurückgehende Wahlbeteiligungen, für Politikverdrossenheit und Politikerverachtung. DEN (Verfassungs)Hintergrund einmal gründlich auszuleuchten, hätte z.B. auch Phoenix besser zu Gesicht gestanden, als sich mit dem widerlichen Müll eines Herrn Westerwelle tagelang zu befassen. Über jeden neuen Akt dieser unsäglichen Westerwelle-Festspiele wird ausführlich berichtet, so dass sich dieser Herr auch noch bestätigt fühlen kann, und mittlerweile auch immer mehr Zustimmer aus den Büschen hervorkriechen, um sich ganz offen, teilweise sogar mit Stolz geschwellter Brust, zum Sozialrassismus bekennen, weil sie der Auffassung sind, damit gut im BILD-Spiegel-Welt-Zeit- usw. Trend zu liegen. Es darf doch gar nicht wahr sein, dass es in diesem Lande fast schon wieder normal zu sein scheint, in unerträglicher Weise über die pauschal herzuziehen, die es ohnehin am Schwersten haben. Ganz schlimm wird es in den Kommentaren und "Wortmeldungen" immer dann, wenn es heißt: Naja, über die Wortwahl und die Begrifflichkeiten von Westerwelle lässt sich sicherlich streiten, ABER in der Sache hat er doch recht. NEIN und noch einmal NEIN, er hat eben nicht recht, ganz im Gegenteil, Auch das muss man/frau in Deutschland noch sagen dürfen: Die Westerwelles und Konsorten treiben mit ihren Hetzereien und Ausgrenzungen ein ganz gefährliches und unverantwortliches Spielchen. Unglaublich, dass sich ein amtierender Außenminister überhaupt in dieser erbärmlichen Form einlässt. Dieser Herr sollte seiner politischen Verantwortung in seinem Amt gerecht werden, anstatt die Sarrazins, Henkels, Kochs, Clements usw. an sozialer Schwäche noch übertrumpfen zu wollen. Wenn das BVerfG, zumal es nicht das erste Mal ist, immer wieder an den Artikel 1 (GG) nachhaltig erinnern muss, so ist das mehr als nur eine schallende Ohrfeige für die Politik. Der Artikel 1 steht sicher nicht ohne Grund an der Spitze des Grundgesetzes und ist wie der Artikel 20 (1), Gott sei Dank, unveränderbar. DAS sollten sich Politiker und auch die Medien (einschließlich Phoenix) hinter sämtliche Ohren schreiben. Gerne hätte ich dazu Ihre Meinung gehört.

Viele Grüße
Jutta Rydzewski


Natürlich ist meine Email von der "Expertenrunde" nicht behandelt worden, was mich allerdings auch nicht sonderlich überrascht hat.;-)

Robert Reich 21. Februar 2010 um 18:10  

Volksverhetzer Westerwelle zieht nicht nur die Millionen Opfer einer bewusst menschenverachtenden Gesetzgebung in den Dreck. Nein, diese Person zieht ganz Deutschland vor den Augen der Weltöffentlichkeit in den Dreck. Fast ALLE Politiker haben für die Schandgesetze ("moderne Sklaverei am Arbeitsmarkt") gestimmt, für die auch dieser "W." früher oder später hoffentlich zur Verantwortung gezogen wird. Und die Aber-Diskussionen: es ist unglaublich, wie schnell sich wieder ein ganzes Volk verars...en lässt. Als ich gestern in der Lokalzeitung meiner thüringer Gemeinde "Umfrage"-Kommentare las, wurde mit ganz schlecht, ob der Dummheit einiger Mitbürger aus Billiglohn-Thüringen. Die Propaganda der Rattenfänger zeigt Wirkung...

Anonym 21. Februar 2010 um 18:32  

@Robert Reich

Kein Wunder, dass unsere PolitikerInnen immer wieder von Bildung schwafeln, aber nicht die Allgemeinbildung damit meinen, denn frei nach "Adam Riese" dürfte niemand Westerwelles Entgleisungen für bare Münze nehmen.

Irgendwo im Netz hat mal jemand nachgerechnet was die Rettung unserer Volkswirtschaft in Zeiten einer Neuen Weltwirtschaftskrise bisher gekostet hat, und noch kosten wird - Bei der unglaublichen, nichtrückzahlungspflichtigen Summe von 700 Milliarden Euro - nur für DAS JAHR 2009 - ist der stehen geblieben, was sind da schon die Peanuts von 38 Milliarden jährlich für für Hartz IV, die ohne Rücksicht auf die Betroffenen wieder eingetrieben werden?

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Kassandra 21. Februar 2010 um 18:45  

@ anonym 20.02.10, 19:17 Uhr

zu: "Ein großflächiger Konsumverzicht bei den "Leit"medien würde vielleicht helfen, aber ich habe da wenig Hoffnung...".

Das wird sich von ganz alleine erledigen:

Immer mehr Erwerbsarbeitslose werden die GEZ-GEbühr nicht mehr zahlen können und/ oder wollen; ebenso mit der Zeit auch die wachsende Zahl der AufstockerInnen.

Lohndumping, Leiharbeit & Co. werden wie die Mini- und Ein-Euro-Jobs die Binnennachfrage weiter minimieren.

Ergo müssen Unternehmen noch mehr Kosten sparen, meinen sie. Wo? Nach dem Personal bei ihren Werbeetats (u.a. für die Leidmedien). Das führt zu Personalabbau bei den Leidmedien.
Das abgebaute Personal der Leitdmedien und der ihnen angeschlossenen Zulieferer, Verlage, Druckereien und Verkäufer/AusträgerInnen wird (s.o.) dann auch kein Geld mehr für die Leidmedien ausgeben können/ wollen.

Ergo nimmt der Staat weniger ein und kann weniger Subventionen zahlen ... sowohl an das Öffentlich-Rechtliche Fernsehen als auch an die Wirtschaft.

...

Wir schrumpfen uns krank und werden vielleicht, aber auch nur vielleicht, dadurch gesunden.

Anonym 21. Februar 2010 um 20:54  

@Robert Reich
genau so ist es, die Propaganda zeigt Wirkung. Darum heiße ich es nicht gut, daß Wwelle offen Farbe bekennt. Warum erst jetzt? Der ist genauso wenig einfältig wie Sarrazin. Als ihn die Umstände daran hinderten, war die Welt noch halbwegs in Ordnung.
Wie schnell ein ganzes Volk manipuliert werden kann, ist nicht verwunderlich, denn (fast) jeder ist sich selbst der Nächste, das hat nur wenig mit der Gesinnung zu tun.
Es hängt nur noch davon ab, wie weit es Wwelle in den oberen Kreisen bringt und wie er mit den Chefredakteuren auskommt.
Ich wünsche Frau Merkel viel Gesundheit (nicht weil ich sie mag) und uns eine neutrale, unabhängige Presse...
jim k.

Geheimrätin 21. Februar 2010 um 21:02  

ich vermute mal die offene kriegshetze der herren westerwelle, sarrazin und co sind nur das schockstrategische Vorspiel für die Debatte die darauf folgen wird, und die dann sprachlich ganz nachhaltig, ganzheitlich und modern so ge-führt werden wird, bis sich die Volksgehirne endgültig gewaschen haben mögen.

Anonym 22. Februar 2010 um 00:26  

@bakunin

in der Tat war es der Mittelstand, der in der Weimarer Republik die Juden für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten verantwortlich machte. Beachte aber, dass die NSDAP nach 1925 (also schon vor der Weltwirtschaftskrise) deutlich an Mitgliedern zulegte und letztlich von der Verunsicherung der Bevölkerung durch die Krise 1929 profitierte.

Gruß
Bernd

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