Selektiertes Fernsehen

Samstag, 29. November 2008

Chefarzt ist er, seine Spielpartnerin Chefsekretärin. Auch Rechtsanwälte saßen schon auf den berühmten Sesseln dieser Republik. Freie Unternehmer sowieso. Sachbearbeiter, Beamte, Professoren waren auch schon dabei. Immer dann, wenn Günther Jauch oder Jörg Pilawa ihre Kandidaten danach fragen, womit diese ihren Lebensunterhalt verdienen - genauer fragen sie nach "dem Beruf", aber warum es Berufung sein soll, als Sachbearbeiter Sachen zu bearbeiten, kann nur als zynische Scherzantwort betrachtet werden -, bekommen sie allerlei Antworten zu hören. Kleine Existenzen sind dabei, öfter aber solche, die man mindestens dem Mittelstand zurechnen kann. Was man aber nicht, jedenfalls äußerst selten vernimmt, sie Antworten, die erläutern, dass man derzeit arbeitslos sei.

Arbeitslose Kandidaten finden dort nicht statt. Obwohl mehr als 6 Millionen Menschen Arbeitslosengeld II beziehen, obwohl fast eine weitere Million an Menschen Arbeitslosengeld I erhält, findet sich in den Quizshows dieses Landes nur selten eines dieser scheinbar raren Exemplare. Stattdessen tummelt sich das arbeitende Volk, geben sich die Produktiven und Werktätigen die Ehre - freilich auch Studenten, freilich auch gelegentlich Rentner. Aber die sind ja auch nicht untätig, obwohl sie tätig sein könnten. Draußen bleibt nur, man denke an das berühmte Schild am Eingangsbereich des Supermarktes, der Hund, genauer: der "faule Hund", der Arbeitslose.

Ob bei Pilawa oder Jauch: Das Bürgertum wird überdurchschnittlich repräsentiert, während die Ärmsten der Gesellschaft unterdurchschnittlich vertreten sind. Man muß annehmen, dass die Redaktionen selektieren, sich unliebsamen Bewerbern schon in der Vorauswahl entledigen, um den vermeintlichen Leistungsträgern eine Chance zu ermöglichen. Eine natürliche Selektion sei das, wird man womöglich dort argumentieren, denn man sortiere ja nicht nach sozialen Status aus, sondern "der Arbeitslose" disqualifiziere sich von selbst, weil er in der Vorabbefragung bildungstechnisch jämmerlich versage. Ob dies dann zutrifft ist einerlei, jedenfalls würde man damit den öffentlichen Konsens bestätigen und klarmachen, dass der Arbeitslose nur deshalb in dieser Situation ist, weil er intellektuell nichts zu bieten hat, quasi "selbst" schuld sei an seiner Misere. Es gibt in Deutschland weniger Ärzte als Arbeitslose, dennoch sitzen auf den Showsesseln mehr Ärzte als Arbeitslose - dies ist das künstlich erzeugtes survival of the fittest, die Rolle dieser Vulgärevolution übernehmen die Redaktionen der Quizsendungen.

Die künstliche Selektion als Prinzip der Medien: Kritiker und Alternativdenker werden ferngehalten, Nachbeter herrschender Ansichten hofiert; Lobbyisten bekommen Stühle in politischen Plauderrunden angeboten, Vertreter einer Weltsicht, die dem Lobbyismus entgegenstehen, bleiben weitgehend unterrepräsentiert - Neutralität oder Objektivität ist nicht gegeben, stattdessen wird selektiert und "das Schwache" gnadenlos im Keim erstickt, erst gar nicht in die Studios gelassen. Dass diese Selektion ungeniert öffentlich vollzogen wird, wurde an einem prominenten Beispiel deutlich: Als Peter Sodann 2005 für die PDS kandidieren, in den Bundestag einziehen wollte, da hat die ARD sofort verkündet, dass eine solche Kandidatur dazu führen werde, alle Tatort-Folgen mit Sodann, bis auf weiteres auf Eis zu legen. Ute Singer aber, besser bekannt als die Schlagersängerin Claudia Jung, kandidierte dieses Jahr (erfolgreich) für den bayerischen Landtag, dies für die Partei, die keine Partei sein will (Freie Wähler) - während des Wahlkampfes flimmerte sie über den Bildschirm, trällerte ihre Liedchen. Und das tut sie auch weiterhin, wie erst letztens, als der Nürnberger Christkindlesmarkt eröffnet wurde; ob ein MdB Sodann wohl nach dem Wahlkampf nochmal zu Tatort-Ehren gekommen wäre? Wenn man so eine willkürliche Praxis in aller Öffentlichkeit inszeniert, warum soll dann das Fehlen arbeitsloser Menschen in Quizsendungen nicht ebenso mit dieser Selektionswut beseelt sein?

In den Redaktionen, die das Land bedeuten, sitzen keine Revolutionäre. Es sind Evolutionäre, die die Rolle der "unsichtbaren Hand", des "großen Weltenlenkers", des "Alltags-Gottes" übernehmen, um die Prinzipien der Evolutionslehre umzusetzen - wenn auch in pervertierter Form, die ja, so scheint es immer öfter, die einzig öffentlich akzeptierte Form ist. Die künstliche Auslese merzt das sozial Schwache - was ja eigentlich das ökonomisch Schwache ist - aus, damit das ökonomisch Starke zur seinem Quizshow-Recht kommt. Öffentlich-rechtliche Sender ebenso wie Privatsender betreiben ein zutiefst konservativ-bürgerliches Spiel, in dem der brave Bürgersmann, der strebsame und leistungswillige Lohnbezieher zum Zuge kommen soll. Die anderen, die die nicht brav, strebsam und leistungswillig sind, weil es ihr gesellschaftlicher Status zu unterstreichen scheint, haben keinen Platz bei Pilawa oder Jauch. Man will den Zuschauer auch nicht brüskieren, will ihn nicht mit dem Bodensatz der eigenen Gesellschaft konfrontieren - der Zuschauer will Arbeitslose in anderen Sendungen sehen, wo man mit ihnen derber umgeht, wo man sie gängelt und erpresst, wo man sie als nutzlose Saufbrüder und -schwestern kategorisiert, wo man sie vorführen und an den Pranger stellen kann. Das Gesindel besitzt ja seinen Sendeplatz - einer der wenigen Besitze, die man dem Gesindel nicht stiehlt - und soll bloß nicht die besten, die bürgerlichen, die von Medienlieblingen geleiteten Sendeplätze belagern!

Die Harmlosigkeiten der deutschen Fernsehlandschaft sind Ausgeburt knallharter Selektion. Quotenarbeitslose mag es auch da geben, aber generell findet sich das betuchte und gutbetuchte Bürgertum auf den Sesseln, die das Geld bedeuten - jene die es brauchen könnten, werden dort kaum platziert. Das Fernsehen, so wie wir es in heutiger Form kennen, ist in Demokratie gehüllter - der Zuschauer hat die Wahlfreiheit zwischen Einschalten und Abschalten - Sozialdarwinismus, auf dem öffentlichen Konsens aufbauendes, selektierendes und ausmerzendes Medium. Kein Wunder also, dass Pilawa und Jauch um die Wette lächeln - irgendwie muß man diese Fratze der Selektion ja überspielen.

23 Kommentare:

klaus baum 29. November 2008 um 14:08  

>>Das Fernsehen, so wie wir es in heutiger Form kennen, ist in Demokratie gehüllter (...) Sozialdarwinismus, auf dem öffentlichen Konsens aufbauendes, selektierendes und ausmerzendes Medium. Kein Wunder also, dass Pilawa und Jauch um die Wette lächeln - irgendwie muß man diese Fratze der Selektion ja überspielen.<<

Genau so empfinde ich das auch. Mir sind diese Sendungen unerträglich geworden, abgesehen davon, daß ich keinen eigenen Fernseher habe.
Es gibt ein Urteil von Nietzsche über Wagner: >Man geht in eine Wagner-Oper, um sich auszuhängen.<
Genau die gleiche Funktion erfüllt heute das Fernsehen: Man hängt in seinem Sessel oder auf dem Sofa, erschlafft allein schon durch diese Körperhaltung - und lächelt abgestumpft vor sich hin, ein Lächeln, verursacht durch den Charme der Moderatoren. Deshalb ist die charmante Ausstrahlung die primäre Qualität, nicht der Inhalt des Charmes.

Roberto J. De Lapuente 29. November 2008 um 15:18  

">Man geht in eine Wagner-Oper, um sich auszuhängen.<
Genau die gleiche Funktion erfüllt heute das Fernsehen: Man hängt in seinem Sessel oder auf dem Sofa, erschlafft allein schon durch diese Körperhaltung - und lächelt abgestumpft vor sich hin, ein Lächeln, verursacht durch den Charme der Moderatoren."

Nicht nur das, lieber Klaus, man geht wohl auch ins Fernsehen, um sich auszuhängen, d.h. man hängt sich selbst aus wie ein Gemälde, zeigt sich, möchte beachtet werden - Können ist nicht notwendig, besondere Begabungen, ja selbst mangelndes Wissen in solchen Quizshows ist nicht mal relevant... man ist halt im Fernsehen und alle können es sehen!

Das mit dem Lächeln. Ja, ich denke dabei an jene Szene aus Truffauts "Fahrenheit 451", in der die Dame des Hauses vor dem Bildschirm klebt und meint, sie sei direkt aus dem Bildschirm heraus angesprochen. Selig lächelnd und in ihrer eigenen kleinen Welt lebend...

Anonym 29. November 2008 um 15:29  

Es klingt zwar sehr hart, aber mir ist des Öffteren aufgefalle, dass in Dokumentationen wo es um Mitleid geht meistens Menschen aus sehr betuchten Schichten gezeigt werden. Sei es in der Doku über Schreikinder oder in dem Film über das Zugunglück von Eschede. Es gäbe noch viel mehr Dokus in den mir das aufgefallen ist. Als ich wieder mal eine Doku über ein bewegendes Thema schauen wollte (über eine schwere Krankheit) wurde wieder diese betuchte Klientel gezeigt... Chefarztbehandlung, Privatklinik etcetc. Da hatte ich keine Lust mehr auf die Sendung. Ich und meine Freundin haben mittelerweile den passenden Spruch zu diesen Sendungen :" Wir dürfen mal wieder mit den Reichen Mitleid haben".

Anonym 29. November 2008 um 16:42  

Erstaunlich ist aber, dass der Mangel an Substanz im Fernsehen nicht dazu führt, dass man abschaltet, ja noch nicht mal dazu, dass man diese Sendungen öffentlich verdammt.
Ich kenne eine, die gerne diese Romantik-Serien guckt, mit künstlichen Beziehungsgeflechten und Herzschmerz und Intrigen. Sie hat kein Problem damit, das öffentlich zuzugeben, obwohl sie den entsprechenden Hochschulabschluss hat, die Substanz und Qualität solcher Schmalzgeschichten sehr genau einzuschätzen.
Aber wenn es um Oscar Lafontaine geht, hält sie diesen für einen entsetzlich verbalaggressiven, linksextremistischen Schaumschläger.

Soviel zur Manipulation durch Medien auch der gebildeteren Schichten.

Um sich mal klarzumachen, wie wenig man das Fernsehen vermisst, einfach mal 1 Monat die Glotze nicht anschalten.

Ich staune ja immernoch, wie gut die Sendungen waren, die das öffentlich-rechtliche früher produziert hat: "Ein Herz und eine Seele" : Alfred das etwas beschränkte rechts-konservative Familienekel mit Hitler-Bärtchen, der mit Frau, Tochter und sozialdemokratischem, geistig aufgeweckterem Schwiegersohn (Dieter Krebs) zusammenlebt.
Intellektuelle Hochkultur war das auch nicht, aber allem, was heute so gebracht wird, doch weit überlegen.

Anonym 29. November 2008 um 17:23  

"Das mit dem Lächeln. Ja, ich denke dabei an jene Szene aus Truffauts "Fahrenheit 451", in der die Dame des Hauses vor dem Bildschirm klebt und meint, sie sei direkt aus dem Bildschirm heraus angesprochen. Selig lächelnd und in ihrer eigenen kleinen Welt lebend..."

Wenigstens gibt - oder gab - es das auch noch in 'aufgebrochener' Form, zB die persönliche Kommunikation zwischen 'Major Kottan' und der Fernsehansagerin, oder die in ein unbeeindrucktes Wohnzimmer hinein verkündete Nachricht, ein Hürdenläufer habe sich beim Rennen verletzt und sei noch auf der Bahn eingeschläfert worden.

Anonym 29. November 2008 um 17:31  

Lieber Klaus Baum,
Lieber Roberto J. de Lapuente,
lieber anonym,

mich würde einmal eure Meinung zu folgender Sendung des SWR-Fernsehens interessieren - der Talkmaster ist eigentlich kein Jauch oder Pillawa aber die gestrige Sendung hat - zumindest bei mir - ich hab die noch mit anderen angesehen, die anderer Meinung waren, einen schalen Beigeschmack erhalten:

http://www.swr.de/nachtcafe/-/id=200198/nid=200198/did=4096210/dk6to3/index.html

...insbesondere die Person des "Marcus Prinz von Anhalt" war für mich ein Schock - so jemanden als Vorbild, Backes redete fast nur mit ihm, die anderen merkten es nicht, wäre vor Jahren nicht möglich gewesen. Es scheint so, dass man beim SWR jegliche Form der Moral über Bord geworfen hat - nur soviel der "Multimillionär" hat sein Geld mit Puffs gemacht, d.h. er ist ein Zuhälter auf hohem Niveau, der übrigens ständig von "Evolution" geredet hat....

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

PS: Ich denke ich bin keineswegs spießig, aber für mich ist es dennoch ein Zeiten der Zeit, wenn man einen Mann aus dem Rotlicht-Mileu als Vorbild darstellen will....Fazit: Ist egal, womit du dein Leben bestreitest - Moral pfeiff drauf...du lebst nur einmal...ich bin schockiert....

B. Schülke 29. November 2008 um 18:20  

Es gibt auch einen anderen Ausdruck:

Sozial-Rassismus.

Gruß
Bernhard

Anonym 29. November 2008 um 19:51  

Lieber Klaus Baum,
lieber Roberto J. De Lapuente,
lieber anonym,

ich meinte natürlich "Zeichen der Zeit", dass neuerdings - sogar in eigentlich seriösen Talkrunden - Kriminelle (z.b. hier ein Mulitmillionär der seine Millionen mit der sexuellen Ausbeutung von Frauen verdient hat und sich nun mit dem zu Unrecht verdienten Geld "zur Ruhe" gesetzt hat - ohne schlechtes Gewissen) als Vorbild präsentiert werden, die offen den Sozial-Rassismus bzw. -Darwinismus präsentieren.

Fehlt nur noch, dass Osama Bin Laden im SWR-Fernsehen mit seinem Erfolgskonzept "islamistischer Terrorismus" auftreten kann....

Wer sich vor dem Vergleich verwahren will der sollte bedenken auch Osama Bin Laden ist Multi-Millionär, wenn nicht sogar - Milliardär, der seine Geld mit der Ausbeutung Ahungsloser - eben seiner islamistischen Anhänger - verdient hat bzw. sogar vom Erbe zehrt, dass er sich auszahlen lassen hat - ein Erbe, da bin ich sicher, dass auch aus Ausbeutung von Arbeitnehmern besteht.

Egal, hauptsache keine Moral mehr.....

Immer noch schockiert.

Eine Idee:

Nächstes Jahr ist offizielles "Darwin-Jahr" - wäre hier nicht eine Kampagne gegen den Mißbrauch von Darwins Lehre durch heutige Neoliberale längst überfällig?

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

klaus baum 29. November 2008 um 22:34  

Was den SWR betrifft, so gab es bis vor einigen Jahren auf der Basis einer Art Lotterie noch einen Wohltätigkeitsfond für einkommensschwache frei Mitarbeiter. Diese wurden dann im Sommer und vor Weihnachten mit einigen hundert DM beglückt. Dieser Fond wurde ersatzlos eingestellt.

Anonym 30. November 2008 um 11:50  

@klaus Baum

Danke für den Hinweis.

Übrigens, die Sendung Nachtcafe schätzte ich einmal als seriös ein, aber nach der Sendung weiß ich nicht woran ich mit Herrn Backes bin. Es scheint so, dass dieser Mann sich auch den Vorgaben der SWR-Redaktion beugen muss, bis er in Pension geht. Er hat in der - von mir weiter oben beschriebenen Sendung - nämlich durchaus kritisch nachgehakt, und an die Adresse von anderen gestichelt. Dennoch hat es mich gestört, dass der Typ, der sich den Prinzentitel erkauft hat - siehe hierzu die Sendeinformationen noch Privatfilme und -photos von seinem Luxus zeigen durfte. Dafür hat er aber auch das Gegenmodell einer Freizeit-Sennerin, und Heilpädagogin, gezeigt, die ein halbes Jahr im Sommer auf der Alm lebt, und im Winter als Heilpraktikerin arbeitet. Der Titel der Sendung war übrigens "Weniger ist mehr - vom Luxus des Verzichts" - für selbst denkende Menschen allein schon eine Beleidigung an die Adresse derer, die in Deutschland arbeitslos sind, und von Hartz IV leben müssen, daher paßt die Sendung 1:1 von dem hier von Roberto J. De Lapuente beschriebenen Vorgang des Nichteinladens von solchen Menschen, d.h. Herr Backes hat eine Frau Pusker eingeladen, die Privatinsolvenz anmelden mußte, aber nach weiterem Gespräch hat sich rasch herauskristallisiert, dass die Frau Pusker nicht von Armenfürsorge bzw. Hartz IV lebt - Ich glaub sogar, dass die Österreicherin ist....
Auch die anderen eingeladenen Gäste wurden als "Menschen die Verzicht üben" eingeladen, aber bei weiterem Nachfragen von Backes kam heraus, dass z.B. nicht einmal der eingeladene Hindu-Konvertit in Armut lebt. Fazit: Die Sendung paßt wirklich 1:1 zu "Selektiertes Fernsehen", obwohl mir Herr Backes - noch - sympathischer ist als so manche anderer Talkrundenmoderator in Deutschland. Nur denke ich, dass Herr Backes - ist eben auch nicht mehr der Jüngste - irgendwann in Pension geht, und ich hake die Sendung, die ich gesehen haben daher unter "beugt sich den Sendervorgaben" ab....

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 30. November 2008 um 16:45  

Danke für den Text.

Ich hab mir so eben einen Tierfilm "Serengeti" reingezogen und stellte fest, d.h. eigentlich schon seit Jahren, dass sogar dort der Sozialdarwinismus in Reinform propagiert wird - es wird, obwohl Forscher wie Joachim Bauer hochaktuelle von einem Umdenken berichten, immer noch so getan als wäre die Natur ein reiner "Kampf ums dasein".

Ich weiß nicht wie alt der Tierfilm ist, aber die Denke ist wirklich eine rein sozialdarwinistische - auch bei der Berichterstattung über das Leben im Tierreich, da ist es, wie bereits erwähnt, rein egal, dass die Forschung neuerdings davon spricht, dass der Sozialdarwinismus ein Mißverständnis ist, und nicht einmal im Tierreich das "Fressen und Gefressenwerden" dominieren dürfte....

Wo der Film läuft? Na auf dem SWR natürlich....

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

PS: Ich bin eigentlich ein Tierfilm-Fan, aber seit mir oben erwähntes aufgefallen ist schau in so was nur noch wenn ich bei Muttern auf Besuch bin.....

klaus baum 30. November 2008 um 23:16  

lieber roberto,
jedesmal wenn ich zu deiner seite zurückkehre und die überschrift "selektiertes fernsehen" lese, frage ich mich, ob es nicht selektierendes fernsehen oder selektives fernsehen heißen müßte.

grüße
klaus

Goldener Reiter 1. Dezember 2008 um 05:13  

Wieder einmal ein sehr guter Artikel ueber ein wiederliches Thema.

Wenn es wenigstens etwas Neues waehre...

Aber die Mechanismen, die Roberto herausarbeitet sind leider uralt und laengst bekannt. Wenn man sich alleine nur "Das Millionenspiel" (immerhin von 1970) anschaut wird man erschreckend feststellen wie treffend unsere heutige Fernsehlandschaft damals schon beschrieben wurde:

Hetze als Unterhaltung, Selbstdarstellung der "Leistungstraeger", inhaltslose Interviews usw. usf.

Aber, wer gute Dystopien mag, der braucht heutzutage ja schon laengst kein Fernsehen mehr. Das normale Leben ist schon kafkaesk genug.

bmrcologne 1. Dezember 2008 um 07:15  

In der Umsetzung der drei von Neil Postman erwähnten Funktionen, Trivialisierung, Boulevardisierung, Infantilisierung, hat das Fernsehen heute vor allem den Zweck, den früher die Wagneroper hatte: Offenbar darf kein Abend vergehen, in dem keine nackte Gewalt präsentiert wird. Angst heißt die Peitsche, die da allabendlich auf uns niederknallt. Bei vielen verursacht dies ein wohliges Gefühl, man ist ja in seinem Fernsehsessel in Sicherheit. Die perfiden Folgen dieses "Gewaltprogramms" muss ich hier nicht weiter ausführen. Michael Moore hat das in Bowling for Columbine (Amoklauf!) hinreichend dargestellt. Daneben hat das Fernsehen die Aufgabe, die Zurichtung der Gesellschaft, hin zum warenproduzierenden System zu unterstützen. ALLES soll zur Ware gemachte werden können. Ratingshows und Bordellmillionäre sind da nur der Anfang. Das Ende ist der Mensch als Ware, der Hartz4-Empfänger, der seine Organe verkaufen muß! Dass solche medialen Hofnarren wie Backes, sich dafür noch hergeben müssen, ist einfach nur abstoßend. Bei Jauch und Pilawa wundert mich das nicht.

Anonym 1. Dezember 2008 um 08:50  

Es gibt ja übrigens bereits einen Kino-Frontalangriff auf das Fernsehen "Free Rainer - Dein Fernseher lügt", aber leider ist das wohl auch mehr Hofnarretei als seriöses Kino.

Wie ich darauf komme? Der Hauptdarsteller im Film "Free Rainer" spielt im hochaktuellen RAF-Film, nach dem Buch des ehemaligen SPRINGER-Hetzers - mehr über Aust erfährt man z.B. im nicht mehr so aktuellen Buch "Der SPIEGEL-Komplex" -, einen führenden Kopf der RAF....

Natürlich völlig unabhängig....

Da sind mir übrigens wirklich aufklärende Werke über die RAF, wie z.B. "Der Tödliche Irrtum", mehr wert als die Selbstbeweihräucherung eines Stefan Aust....

Zurück zum Thema:

Ich finde "Free Rainer" dennoch sehenswert, weil dort der Quotenwahn wirklich drastisch satirisch auf's Korn genommen wird - mit Gegenterror eines offensichtlich "ausgeflippten" Sendemoderators, der genug davon hat, wenn Sendungen wie "welches-Sperma-findet-welches-ei" als Wettshow verkauft werden...

Soweit sind wir - noch - nicht, aber Ähnlichkeiten zu hochaktuellen Talkshows bei RTL sind nicht von der Hand zu weisen....

Das Bohlen mal ausflippt, und wie in "Free Rainer" Amok läuft gegen die Unterhaltungsindustrie glaube ich dagegen weniger....

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Geheimrätin 1. Dezember 2008 um 10:37  

"Es klingt zwar sehr hart, aber mir ist des Öffteren aufgefalle, dass in Dokumentationen wo es um Mitleid geht meistens Menschen aus sehr betuchten Schichten gezeigt werden."

oh doch, auch die Unterschichten finden doch ihren Platz im eigens für sie eingerichteten Unterschichtenfernsehn! Also bitte, kennt ihr sie nicht, die armen überforderten arbeitslosen und bildungsfernen Eltern die nagelneue Wohnungen eingerichtet bekommen,(kostenlos!) oder psychologische Unterstützung in Erziehungsfragen? (kostenlos!) Auch in Talkshows werden sie eingeladen und düfen offen über ihre Nöte sprechen.(kriegen sogar was dafür!) Soll einer nochmal sagen hier herrsche Sozialrassimus! Wir leben hier in einem vorbildlichen,demokratichen Sozialsstaat, Leute! Unsere überhaus apart(heitlich) schillernde Medienlandschaft, allen voraus die sozialengagierten Bertelsmänner und frauen halten diesen Sozialstaat am Laufen!

Anonym 1. Dezember 2008 um 12:33  

Liebe Geheimrätin,

lass Dir nicht das Gehirn vernebeln.

"Unterschichtsfernsehen" gibt es nicht, dass ist eine Erfindung der von Dir gut beschriebenen Bertelsmänner.
Die Sendungen, die du beschreibst führen bei mir eigentlich nicht zu Neid - ich schau so was höchstens mal zufällig - sondern eher zur Frage: Wer verdient daran? Wo ist hier der Haken? Irgendwo gibt es nämlich immer einen.

Solange wir aber hier keinen investigativen Journalisten bzw. eine -Journalistin haben halte ich solche Sendungen für pure Stimmungsmache bzw. Lügerei unserer selbst ernannten neoliberalen "Elite"....

Wallraff is missed....

Mfg
Wallraff-Fan und Mohn-Hasser (RTL-Bertelsmann-Familiy).

Anonym 1. Dezember 2008 um 12:38  

Was die "Quotenarbeitslosen" angeht, da bin ich froh, dass zumindest im TV der Rassismus aufgrund der Hautfarbe überwunden ist - es gäbe nämlich sonst auch "Quotenniger" etc.

Obwohl? Wenn ich so darüber nachdenke - hier würde sich der Sozialdarwinismus rasch entlarven - im Unterschied zum "Quotenarbeitslosen" der ja nur Aufgrund eines "Rassismus gegen seinen sozialen Status" (Zitat: Wilhelm Heitmeyer - Menschenfeindlichkeitsforscher in Deutsche Zustände Folge 6) ausgegrenzt wird.

Was jetzt weniger schlecht ist, dass kann man sich selbst aussuchen - ich finde beides miserabel und bin traurig, dass Deutschland in wirtschaflich schwieriger Zeit immer noch wie anno 1932 auf Sozialdarwinismus, Ausländerfeindlichkeit, Antisemitismus und Demokratiefeindlichkeit abfährt....

Mfg
Wallraff-Fan und Mohn-Hasser

Anonym 1. Dezember 2008 um 13:38  

Hallo Geheimrätin, hat da jemand Deine Ironie überhört?

Was den Blog angeht: Ist jemand wirklich erstaunt, dass Casting- und Produktionsfirmen knallhart selektieren? Damit die Quoten im TV funzen, werden halt "schillernde" und
"interessante" Typen nach freier Definition der jeweiligen Produktionsfirma herausgepickt.
Die "Macher" unserer Gesellschaft dürfen sich aktiv präsentieren.
Problembeladene, gar nachdenkliche Leute haben da keinen Platz. Die werden im Fernsehen halt passiv abgefrühstückt, als reines Objekt behandelt (Raus aus den Schulden, Supernanny etc...) - in solchen "prekären" Sendeformaten gibt es auch eine Selektion, nur andersrum.

Dann gibt es noch bei Talkshows die Publikumsanheizer, die vor Beginn Zoten reissen, um das Publikum zum Lachen zu bewegen. Das dann gefilmte Lachen wird später beim Schnitt völlig zusammenhangslos eingeblendet, so dass es den Anschein macht, die Leute würden über den Moderator oder über das Thema lachen.
Ist doch aber auch nichts wirklich Neues, oder?

Also, Fernseher zum Recyclinghof, ist eh ein auslaufendes Medium...

Anonym 1. Dezember 2008 um 15:45  

@anonym, Geheimrätin,

sollte es Ironie sein, dann entschuldige ich mich für das Überhoren dieser Ironie.

Mfg
Wallraff-Fan und Mohn-Hasser

Geheimrätin 1. Dezember 2008 um 17:16  

Hallo Mohnhasser

ich wollte nur drauf hinweisen dass für die "sozial schwachen" (bei mir im viertel wohnen zahlreiche dieser Arten, viele von ihnen beherbergen sogar ihre eigenen Alten Eltern bei sich, die sich dann Tagsüber um die Kleinsten kümmern, die das Recht auf einen Krippenplatz nicht in Anspruch nehmen wollen, während die Eltern der Kleinen 2-3 jobs im Niedriglohnsektor nachrennen..) zahlreiche, barmherzigen TV-Schenk und Notlinderungsendungen produziert werden, um sie alle wissen zu lassen, dass sie nicht alleine sind und einigen von ihnen wird sogar kostenlos ein niegel nagel neuer Flachbildschirm installiert, um auch sie teilhaben zu lassen, an den Segnungen des Kapitalismus! Andere von ihnen dagegen die nicht so reich beschenkt wurden, geben dann auch schon mal das ganze Kindergeld für so einen Flachbildschirm aus, sind eben sozial flach äh schwach. Aber seien Sie gewiss, der Bertelsmann vom Mohn wird dafür sorgen dass zukünftig kein unschuldiges Kind mehr vor einem solchen Flachbildschirm geparkt wird!

Ironie???

F!ngolas 2. Dezember 2008 um 07:00  

[..] Warum sitzen bei den Quizsendungen im deutschen Fernsehen eigentlich so gut wie nie Arbeitslose auf dem Fragesessel? [..]

hartmut 4. Dezember 2008 um 01:16  

Hi ad sinistram

hier mal meine Ergänzung:

http://kritik-und-kunst.blog.de/2008/12/03/supertalent-5154769

mfg

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