Jedermanns Liebling

Samstag, 22. November 2008

Er kommt aus bürgerlichem Hause, entstammt einer Kaufmannsfamilie. Sein Großvater schlug 1920 als Freikorpsführer den Ruhraufstand nieder; sein Vater war Journalist und als katholischer Vertreter seiner Zunft bekannt. Sein Nachname findet sich in der Geschichte Hamburgs wieder, war der Name eines Notabeln- und Großbürgergeschlechts - in dieser Tradition seiner Familie tritt er heute auf: abgehoben, überheblich und konform mit den herrschenden Lehren und Herrschaftsverhältnissen.

Er sprach für die Kampagne "Du bist Deutschland", ließ in einem weiterführenden Interview betreffend dieser Kampagne anklingen, dass das ewige Jammern derer, die meinen benachteiligt zu sein, ein Ende finden müsse - "nicht jammern, sondern anpacken" sei das Gebot der Stunde. Der Einkommensmillionär tut sich leicht mit solchen Floskeln. Selbst bedient er sich wahllos am Markt möglicher Werbeangebote, ist nicht selten pro Werbeblock mit drei von ihm beworbenen Produkten vertreten.

Er leitet Fernsehsendungen, ist Quiz- und Boulevardmoderator. Mal gibt es sich bürgerlich kokett, wenn er beispielsweise seine Kandidaten nach deren Besitzstands- und Vermögensverhältnissen fragt, um dann mit der Nase zu rümpfen, wenn sie nicht seinen Vorstellungen entsprechen, mal ist er blitzgescheit und neunmalklug, wenn er glaubt, sich in irgendeiner Weise politisch bzw. zu sozialen Mißständen äußern zu müssen. Bei "Wetten dass..." war es ihm scheinbar eine Herzensangelegenheit, auf Andrea Ypsilanti einzudreschen, wenngleich nur mit einer verächtlichen Nennung alleine ihres Namens. Und als ein Kind eine Wette bestritt, erkannte er darin, dass "dies einmal ein Kind sei, das was leistet" - so tief ist das herrschende Weltbild der Eliten, mitsamt ihrem zweifelhaften Leistungsprinzip und dem pessimistischen Menschenbild, in ihm verankert.

Er wirkt antiaufklärerisch, lädt Aufklärer aus seiner Sendung aus, um Volksverdummern ein Forum zu bieten. Die Giordano-Bruno-Stiftung verkündete dazu, dass er damit "das irrationale Denk- und Erklärungsmuster in der Bevölkerung weiter verankert". Seine Zusammenarbeit mit Uri Geller 2004 bestätigt dies, seine Produktionstätigkeit bei Sendungen wie "Unglaublich!" ebenso. Für Hasso Plattner, einem Berater des neoliberalen Schröderianers Steinbrück, hält er Vorlesungen zum Thema "Erfolg" - er fühlt sich selbst als Prototyp des erfolgreichen Machers. Seine familiären Vorteile spielen keine Rolle, seine Herkunft scheint seinen Erfolg nicht nur zu garantieren, sondern auch zu legitimieren. Ihm steht der Erfolg von Geburt aus zu, deswegen darf er den Erfolgspastor mimen, darf davon predigen.

Er ist der Liebling der Massen, erhielt 2003 eine Auszeichnung, wonach er der "meistgewünschte Fernsehstar als Politiker" wäre; 2004 zeichnete man ihn mit dem Charity-Oscar der BILD-Zeitung aus; 2005 war er der beliebteste Deutsche. Fernsehpreise aller Art wurden ihm sowieso zuteil. Schwiegermütter träumen von ihm - er ist der nette Herr aus dem Fernsehen, immer vornehm auftretend, aber auch immer mit einem Stich arroganter Großbürgerlichkeit, mit abgehobenen, dennoch biederen Elitetum um sich werfend.

Er befragt die Kandidaten und Gäste seiner Sendungen nach deren Lebenslagen, nach Ehen und Kinder, nach Beruf und Freizeitgestaltung, nach Wohnverhältnissen und Kraftfahrzeugen. Bescheidene Wünsche seiner Kandidaten belächelt er spöttisch. Er selbst gibt nichts von sich preis, selbst hält er sich bedeckt, will seine Hochzeit aus den Medien haben, will die ansonsten so geschätzte Öffentlichkeit verbannen - dies, das versteht sich qua seines Status von selbst, auch mit gerichtlichen Schritten. Ein großbürgerliches Leben will schließlich geschützt sein!

Kaum einer wird von Fernsehen und Printmedien so verklärt, wie "der ach so freundliche und gemeinnützige Günther Jauch". Überall geht er als Musterbeispiel deutscher Prominenz durch, ist everybodys darling, Charmeur, Gentleman und neckischer Spitzbub. Während er mit elitärer Arroganz gegen jene schießt, die seinem Status nicht entsprechen, verdient er sich mit seiner TV-Produktionsgesellschaft eine goldene Nase und überschwemmt die TV-Landschaft mit Sendekonzepten, die höchst zweifelhaft und qualitativ minderwertig sind. Er gilt als Mann mit Stil und ist doch Hauptverantwortlicher für das unerträglich stillose RTL-Programm. Jauch ist einer jener moralisierenden, obrigkeitstreuen und nachplappernden Gecken, die viel von Leistung schwafeln und sich dabei selbst als lebendes Exemplar des Leistungsträgers ansehen - weil sie sich leistend fühlen - das oft unbeschreibliche Glück und die Segnungen, ein Kinderbettchen im "richtigen" Haus gehabt zu haben, werden ausgeblendet -, meinen sie, sie könnten jedem, der in Not geraten ist, der ob seiner Situation "jammert", mit klugen Phrasen und dahinphantasierten Konzeptideen auf den Pelz rücken.

Jauch ist Spiegelbild dieser Gesellschaft, gleichzeitig - man betrachte die Sendekonzepte, die unter seiner Ägide entstehen - ebenso Verdummer und kommerzialisierter Medienliebling, der knallhart solche "Qualitäten" aufweist, die die Apologeten des homo oeconomicus als erstrebenswert erachten. Der Liebling der Massen ist vorallem der Liebling der Eliten, ein Aushängeschild und wortgewandter Vertreter elitären Lebensentwurfes - seinem bekannt gewordenen Sparsamkeitssinn, der zum Geiz neigen soll, zum Trotz. Oder gerade deshalb: Denn da lugt der Spießbürger hervor...

14 Kommentare:

MG 22. November 2008 um 12:29  

Es gab immer Menschen die den Weg des geringeren Wiederstandes lieber gingen, sich dem Zeitgeist bis zur verschmelzung anpassten, knieend nach unten kläfften während sie nach oben leckten.
Um anders zu sein benötigt man Rückgrat.
Es gab immer Opportunisten und wird sie immer geben. Aus dieser Perspektive betrachtet, macht auch er einen wunderbaren Job.

Persönlich bin ich immer wieder von der Überzeugung fasziniert, mit der diese Menschen behaupten, sie seien etwas besseres. Sie glauben es wirklich, die armen.

Ich wünsche niemandem Böses. Aber es gab Abfälle, bei denen ich mir ein inneres Grinsen nicht verkneifen konnte.
Dummerweise hatte hinterher wiederum ich ein schlechtes Gewissen ob meiner Schadenfreude...

klaus baum 22. November 2008 um 12:37  

gut, daß du den jauch mal unter die lupe nimmst. sein charme ist wie eine maske, durch die dann gelegentlich sein wahres denken aufblitzt, wie bei der wetten-daß-sendung.
was das von dir beschriebene verhältnis der "eliten" zu jauch betrifft, so bot einst, vor etwa 8 jahren, die studienstiftung des deutschen volkes ihren stipendiaten eine reise zu und einen besuch bei jauch an.

Anonym 22. November 2008 um 15:42  

Jauch, ja Jauch ist einfach nur eine Null. Eine Beleidigung für die eigene
Intelligenz und so nutzlos wie ein zweiter Kropf. Ein Biedermann der schlimmsten Sorte, ohne Rückgrat und eigene Meinung, eben ein Nachplapperer der herrschenden Meinung. Duckmäuserisch und Verständnis heuchelnd gegenüber seinen Kanditaten. Ein Ablenker und Blender im Dienste des Regimes.
Doch auch er und seinesgleichen werden sehr bald festellen, daß sich die am Boden kriechend verdienten Tantiemen als ungenießbar erweisen.
Die Welt braucht sowas nicht!

klaus baum 22. November 2008 um 17:15  

Zum Stichwort Opportunismus fällt mir folgendes ein: Machthaber wechseln, Opportunisten bleiben.

Anonym 22. November 2008 um 18:39  

Der Beitrag über G. Jauch ist gut, aber er läßt sich x-beliebig auf andere Mitglieder unserer "Eliten" übertragen alsda wären Gottschalk, Schumacher, Boris Becker, (ölig) und RTL-Moderator Dieter Bohlen usw. usf.

Hoffentlich ließt man öfters mal solche Entlarvungen hier - es wäre an der Zeit.

Ich merke übrigens in der eigenen Familie wie die mediale Volksverdummung so um sich greift - nur heute dazu: "Die US-Immobilienkäufer sind an der Immobilienkrise schuld." Auf meinen Einwand, dass die Sache komplizierter wäre kam nur die Antwort meiner Schwester: "Ich will darüber nicht diskutieren!"
Sollten alle so denken, dann gute nacht Deutschland! Übrigens, sie besitzt auch Internet aber nutzt dieses Medium offensichtlich für andere Zwecke als ich - daher noch einmal danke für diesen Blog, und andere aufklärerische Online-Angebote etc.....

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

PS: Selbige Schwester ist übrigens - immer noch - der Ansicht, dass "jeder der Arbeit sucht auch eine solche findet" Dies trotz Aufklärung über die Rezession, miese Arbeitsverhältnisse (Leiharbeit, Mini-Jobs etc.). Ich könnte mir ja was in einem Lager suchen - mit meiner Ausbildung als Kommunalverwaltungsfachangestellter. Toll, ich denke sogar da muß ich mich bewerben, und es ist noch lange nicht gesagt, dass ich eingestellt werde, aber egal "hauptsache jeder findet sofort Arbeit, wenn er nur danach sucht." Gegen Dummheit ist halt immer noch kein Kraut gewachsen :-(

Anonym 23. November 2008 um 17:52  

Kerner, Beckmann, Jauch, Lenz, Will, Mybrät Illner sind Volksverdummer die prächtig an ihrem Propagandamist verdienen.

Anonym 24. November 2008 um 08:06  

Wow, sehr gute Zusammenstellung. Mir war der Jauch immer schon unsypathisch, jetzt weiss ich auch warum. Danke.

Der Postillon 24. November 2008 um 10:53  

Nicht zu vergessen Jauchs Krombacher-Regenwald-Projekt. Lässt ihn im besten Licht erscheinen, dabei ist es ein Witz, was dabei effektiv herausspringt.

klaus baum 24. November 2008 um 12:41  

>>Nicht zu vergessen Jauchs Krombacher-Regenwald-Projekt. Lässt ihn im besten Licht erscheinen, dabei ist es ein Witz, was dabei effektiv herausspringt.<<

Mehr scheinen als sein. Abgleiten in die permanente Täuschung. Das Positive herausstreichen, das in Wirklichkeit nicht stattfindet, ist auch ein durchgängiges Prinzip unserer herrschenden Schicht, ein Prinzip, das mir so richtig bewußt erst wurde, als Schröder regierte.

Peter Sommer 24. November 2008 um 13:32  

Spricht mir aus der Seele ... Einfach unerträglich, diesen farblosen Antimann bei jeder Gelegenheit im Fernsehen zu sehen.

anobo 24. November 2008 um 13:44  

Jauch hat wie geschrieben den Vorteil der "richtigen" Geburt. Er ist zugegebenermassen telegen. Ihn dafuer zu moegen? Erstaunlich ist immer wieder, wie Leute aka. Fernseh-Zuschauer solchen Phaenomaenen hinterherhecheln (heisse Luft und nichts dahinter). Ich glaube ja immer noch, dass auch die Einschalt-Quoten manipuliert sind. Damit solche Personen, die uns weichwaschen sollen/koennen auch regelmaessig erscheinen. Fernsehen gehoert verboten! Zustimmen moechte ich der Meinung vom Nachdenkseiten-Leser, dass viele Leute irgendwo eine Meinung aufsammeln und diese dann wieder jeglicher Vernunft rumposaunen, aber keinesfalls korrigieren oder sich ueberhaupt andere Meinungen anhoeren. Diese Erfahrung habe ich in den letzten Tagen und Wochen sehr haeufig gemacht, wenn ich nur darauf hingewiesen hatte, dass es auch anderen Meinungen gibt. Zu weiteren Details bin ich nicht mehr gekommen, da die Diskussion an diesem Punkt in der Sackgasse gelandet war. Da frage ich mich schon, wo die ganzen Schwafeleien ueber Bildung gelandet sind...

Anonym 24. November 2008 um 14:10  

jauch bedient die massen,
das ist nicht verwerflich.
give people what they want - das ist wahre humanität ;-)

Anonym 24. November 2008 um 18:30  

Jaja, Kerner & Günther Jauch "die netten Turbokapitalisten von nebenan, familienkompatibel"
Zu dem Thema kann ich Hagen Rether nur wärmstens empfehlen, siehe hier: http://de.youtube.com/watch?v=UzO2u4pEOo8&feature=related

Anonym 9. Dezember 2008 um 13:04  

Ergänzend dazu noch ein 2 Jahre alter und dennoch nicht unaktueller Artikel aus dem Freitag über Jauch: "Der Teflon-Mann".

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