Es muß sowieso raus!

Samstag, 15. November 2008

Ebenezer Scrooge, jener geläuterte Charakter aus Charles Dickens "Weihnachtsgeschichte", öffnete am Christtag das Fenster seiner Schlafstätte. Eben hatte er seine Läuterung erfahren, eben erkannte er voller Demut, dass sein vorheriges, sein gieriges und geschäftiges Leben, ein Irrtum war. Nun also öffnete er das Fenster und rief zu einem Knaben hinab, er möge sich schnellstens ins Kontor begeben, um aus der dortigen Speisekammer den alten, nie aufgetischten Schinken hervorholen, den er noch von seinen früheren, seit Jahren verstorbenen Geschäftspartner Marley erhalten hatte. Der Schinken, so rechtfertigte sich Scrooge vor sich selbst, sei zwar bereits streng im Geschmack, zudem trocken und hart, aber mit einer Beilage, die im Geschmack dominiert, würde diese Strenge sicherlich kaschiert werden können. Überhaupt sei das nicht so wichtig, wichtiger sei, dass sich Bob Crachit, sein langjähriger Angestellter, und dessen Familie darüber freuen. Der Gedanke zählt mehr als die Umsetzung. Jedem sei damit geholfen: Crachit, weil er damit den Seinen einen schönen Weihnachtschmaus bereiten könne und ihm selbst auch, weil er diesen störenden Schweinehaxen nun endlich los wäre - selbst verspeisen wolle er ihn sowieso nicht mehr und wer kaufe ihm ein solches Stück vertrockneten Leders noch ab?

So war es natürlich nicht, aber die Geschichte hätte so ein Ende nehmen können, hätte Charles Dickens in heutiger Zeit gelebt und geschrieben. In Wahrheit ließ Dickens den Knaben, auf Scrooges Anweisung hin, zu einem Geflügelhändler laufen, um den großen Preistruthahn zu bringen, der in der Auslage ausgestellt war. Diesen wollte er Crachit und seiner Familie zum Geschenk machen. Er ließ es sich sein Geld kosten, ließ ein hochwertiges Lebensmittel einkaufen, welches ihm selbst schmackhaft gewesen wäre - und später auch war, denn Scrooge blieb zum Essen, erhöhte dort Crachits Gehalt und übernahm alle Kosten für die Behandlung von Crachits kranken Sohn Tiny Tim -, ließ also Qualität zum Geschenk werden. Es ging nicht nur um die gute Absicht des Schenkens, um das "der-Gedanke-allein-zählt", sondern darum, den Beschenkten etwas Gutes zu tun, das Richtige zu tun, nicht weil es als Befriedigung einer Eitelkeit anzusehen wäre, die einen dazu nötigt, die Absicht des Schenkens erfüllt zu haben, sondern weil es ihm eine Herzensangelegenheit war, dass die Beschenkten sich am Geschenk auch laben können.

Wie schon bemerkt: Wäre Dickens heute dazu verdammt, eine solche Geschichte zu schreiben, er würde womöglich eine andere Auffassung von Teilhabe und Mitmenschlichkeit haben, würde den finalen Akt der Geschichte in andere, zeitgemäßere, unserer Zeit gemäßeren Formen gießen, würde das Teilen zweckdienlicher begreifen, weniger selbstlos als in der Geschichte von 1843. Es wäre eine Form des Teilens und der Teilhabe, die sich in den heutigen Auffassungen wiederfinden würde, die sich beispielsweise im Wirken der Tafeln niederschlagen. Würdenträger aus Wirtschaft und Politik loben das Projekt der Tafeln und vorallem auch jene Discounter, die ihre an Haltbarkeitsdatum verfallenen Lebensmittel und Restposten, dort zweckdienlich unterbringen können. Man führe solche minderwertigen Produkte den Armen zu, bevor sie auf der Müllhalde landen - der Konsument mit Geld wäre sich zu schade, solche Lebensmittel zu kaufen, aber derjenige, der auf solche Geschenke angewiesen ist, der giert danach, der wird sich daran erfreuen. Ähnlich verhält es sich mit Läden, die benutzte Schultaschen und Schultüten gegen geringes Aufgeld verschenken. Oder wie war es einst, als uns der Rinderwahn überfiel und wir in dieser Gesellschaft meinten, wir könnten die befallenen Rinder zu den Hungerleidern nach Nordkorea schicken? Diese würden sich, trotz BSE-Verdacht, doch sicherlich über einen vollen Magen freuen...

Es ist ein funktionalisiertes, rationalisiertes Abgeben. Wir geben nicht ab, weil es uns ein Bedürfnis ist und weil wir wollen, dass der Beschenkte sich an der Qualität des Geschenkes erfreut, sondern weil es zweckdienlich sein soll. Bevor es im Müll landet, soll es doch den Notleidenden erfreuen - immerhin steht der Arme noch kurz vor der Müllverbrennungsanlage. Selbstlosigkeit findet sich im Teilen kaum noch, es ist immer ein Kosten-Nutzen-Denken, ein Abgeben mit Hintergedanken. Ginge es den Discountern, die sich an dem Tafel-Projekt beteiligen, wirklich um die Tat, um das Schenken und Teilhabenlassen, dann müßte man denen, die nichts haben, das schenken, was sich solche, die etwas haben, durch Bezahlung leisten können. So aber verschenken sie nur den Abfall, das Minderwertige, das Nutzlosgewordene, das Aussortierte. Es ist ein Teilen auf untersten Niveau, ein Teilen des "Es-muß-sowieso-raus". In diesem Sinne fördern wir ein suppenküchenstaatliches Teilen und glauben, damit sei jedem geholfen. Während die Armen den Dreck fressen sollen, denn die Reichen niemals speisen würden, feiert sich diese Gesellschaft im Glauben, etwas zweckdienliches gegen Armut getan zu haben. Ob man beim Teilen aber das Minderwertige weiterreicht, oder "auf einer Augenhöhe teilt", wird gar nicht mehr formuliert: Die Hungerleider sollen froh sein, wenn sie unsere Abfälle abbekommen!

Eine Gesellschaft des "Iß-oder-ich-muß-es-wegschmeißen" braucht keine Suppeküchen, damit die Notleidenden das aufbrauchen, was die Bessergestellten von ihren Tellern fallen lassen - eine solche Gesellschaft braucht staatliche Garantien, muß den Bedürftigen Gewissheit geben, dass sie an Qualität nicht zurückzustecken haben, nicht zweifelhaft gewordene Produkte verdrücken müssen, um nicht Hunger zu leiden. Die Tafeln können ein Umdenken der Teilhabe nicht bewirken, sie mehren nur den Irrglauben einer falschen, weil vollkommen durchrationalisierten Form des Teilens; eine Form, die besagt: Du kommst noch kurz vor dem Mülleimer; Du bist nützlich, weil Du die Müllhalden fressend verkleinerst; Du bekommst, was uns nicht mehr gut genug ist! Die Tafeln helfen zweifelsohne vielen Menschen, dennoch sind sie das Angesicht des "schlecht Gegebenen", sind sie Träger eines irrigen Denkens und Handelns - sie postulieren nicht Mildtätigkeit die vom Herzen kommt, sondern vernünfteln sich eine Mitmenschlichkeit zusammen, indem sie erzählen, dass es ethisch wäre, schlecht gewordene Lebensmittel an Arme weiterzuverteilen. Die Reste wurde auch schon im Mittelalter an die Bevölkerung weitergeleitet. Man möchte doch hoffen, dass diese Mittelalterlichkeit in einer Zeit, da jeder Mensch mit frischen Lebensmitteln satt zu bekommen wäre, kein Modell für die Zukunft ist.

28 Kommentare:

BlueLion 15. November 2008 um 19:29  

Ich bin erst kürzlich auf deinen Blog gestoßen, finde mich aber oft in deinen Texten wieder.
Auch dieser Beitrag trifft den Nagel auf den Kopf. Die Bürgerlich-konservativen sprechen immer von "Werten" - du stellst die richtigen Fragen, wie Werte tatsächlich gelebt werden, sehr schön, weiter so!
Schade, daß dein Blog nicht über RSS-Feeder verfügbar ist.
Schönen Gruß auf die Schanz!
BlueLion

Anonym 15. November 2008 um 22:53  

ad sinistram gehört (für mich) zum Besten, was das deutschsprachige Internet so zu bieten hat.
Vielen Dank dafür!

Zu den Tafeln:
Ich kann Dir (wie so oft) an den meisten Stellen nur zustimmen.
Es ist ein trauriges Bild, welches unsere Gesellschaft abgibt.

Ich habe allerdings ein Problem mit dem Begriff/Konzept der Mildtätigkeit.

Die Tafeln sind sicher nicht mildtätig (das ist marketing bullshit).
Den verarmten Menschen fehlt aber auch keine Mildtätigkeit. Ihnen fehlt der gerechte Anteil an der Gesellschaft.

Lebensqualität aller Menschen muss das erklärte (und garantierte) Ziel einer Gesellschaft sein, sonst ist sie es nicht wert, erhalten zu werden.
Mit Mildtätigkeit hat das nur bedingt etwas zu tun.

Mildtätigkeit halte ich nicht für eine staatstragende Eigenschaft, sie erinnert mich schmerzhaft an das theoretische Christentum und seine praktische Umsetzung (da habe ich wohl einen Beißreflex).

Ich befürchte, dass weitere tausend finst're Jahre so weit nicht mehr in der Zukunft liegen.

zweifelnd
Thomas

Anonym 15. November 2008 um 23:07  

Ich habe ihn über http://ad-sinistram.blogspot.com/feeds/posts/default?alt=rss abonniert... :)

Markus 15. November 2008 um 23:26  

Statt von rationalisiertem Teilen könnte man auch von kalkulierter PR sprechen. Denn die Discounter, die etwas für die Tafeln spenden, werden dafür öffentlich belobigt.

Und die freiwilligen Mitarbeiter bei den Tafeln sind doch prima Beispiele für ehrenamtliches Engagement in der Bürgergesellschaft, oder etwa nicht?

Da braucht man dann nicht mehr danach zu fragen, warum es die Bedürftigen inmitten der Überflußgesellschaft überhaupt gibt.

Franktireur 16. November 2008 um 05:12  

Es ist ja noch viel schlimmer. Der Staat stiehlt sich aus seiner Verwantwortung. Aus einem Rechtsanspruch wir eine "Kann"-Sache ohne das einklagen zu können. Mittlerweile haben aber bereits viele Tafeln Nachschubprobleme. Warum? Weil die Discounter knapper kalkulieren. Und Konkurenz gibts auch bereits - von seiten der Öko-Industrie, die mit organischen Abfällen herumexperimentiert zur Energiegewinnung, die zahlen nämlich für genau diese Sachen, die die Tafeln bisher für lau gekriegt haben.
Weg mit den Tafeln, meine Meinung. Die haben nix weiter als eine "Beruhigungs"- und Alibifunktion für den satten Wohlstandsbürger.

tian 16. November 2008 um 11:09  

"weg mit den Tafeln" ??
dann vergisst du aber die Menschen die auf diese Form der Lebensmittelverteilung angewiesen sind weil ihnen schlicht und einfach die finanziellen Mittel fehlen um sich die Sachen regulär im Laden zu kaufen.

persiana 16. November 2008 um 11:15  

Das wäre doch gelacht, wenn man Hartz IV- Empfänger nicht doch noch einer einer "nützlichen" Tätigigkeit zugeführen könnte. Da den Tafeln immer weniger gespendet wird, und es in Zunkunt wahrscheinlich sogar noch mehr Arbeitslosigkeit geben wird, versucht derzeit Professor Oberender , die Tür für neue Einnahmequellen aufzustoßen.

MG 16. November 2008 um 12:45  

Es gab - und gibt - die Care Pakete. Es ist ein Weg, Menschen zu helfen, die aus welchen Gründen auch immer Bekleidung oder Grundnahrung entbehren müssen.
Es sind Hilfen, die an die Bedürftigen verteilt werden, von Menschen deren einziger Lohn meistens die Freude, geholfen zu haben, ist.

In unserem Städtchen gibt es ein etwas verstecktes Gäßchen, das als Verbindung zwischen einem Parkhaus und der Fußgängerzone dienen könnte - aber als solche nicht sehr oft benutzt wird, denn im Grunde stellt sie einen kleinen Umweg dar.
In der sonst fast immer menschenleeren Straße gibt es einige, nie benutzte und dementsprechend etwas vernachläßigt aussehnden Seiteneingänge und ein Raum, wo einmal ein kleines Lädchen zu finden war, der aber seit vielen Jahren leer stand.
Als ich neulich Früh durch das Gäßchen ging, wunderte mich zunächst, dass vor der Tür des ehemaligen Lädchens etwa ein Dutzend Menschen in einer Schlange standen. Viele von ihnen hielten Papiere in der Hand, die wie Unterlagen aussahen, die man vorzeigebereit hält, wie beispielsweise bei der Zulassungsstelle.
Neugierig blickte ich durch das ziehmlich verschmutzte Schaufenster und sah viele Plastiktüten, in Kisten die auf dem Regal hinter dem Tresen verteilt waren. Eine Dame mittleren Alters händigte jemandem gerade eine Tüte aus, dieser legte etwas auf dem Tresen und kam zur Ladentür heraus, gerade als ich auf gleicher höhe war. Er hielt besagte Tüte in der Hand und verstaute darin den Personalausweis und das DIN A4 große, zusammengerollte Papier. Ich sah noch, dass auf der weißen Plastiktüte jemand mit schwarzem Filzstift "1,75" geschrieben hatte, dann war ich an der Ladentür vorbei, während der Mann in die entgegengesetzte Richtung losging.

Später erfuhr ich, was ich gesehen hatte: Es waren Restposten, die von Lebensmittelläden aus der Fußgängerzone eingesammelt waren und für Cent-Beträge verkauft worden sind, nachdem sie von der Verkäuferin in Tüten verpackt wurden. Der Preis den ich gesehen hatte, war für den gesamten Inhalt der Tüte, wobei die Zusammensetzung der darin befindlichen Sachen nicht zur Wahl stand.
Man konnte also, die Tüte welche die Dame hinter dem Tresen zufällig aus der Kiste neben sich herausgriff, kaufen, zu dem Preis der auf der Tüte gekritzelt war, vorausgesetzt man konnte sich als sozialer Hilfebedürftiger ausweisen, was natürlich nur zusammen mit dem Ausweis möglich war.
Ich weiss nichts über den Inhalt der Tüten und ich weiss ebenso wenig über das Konzept hinter dem Geschäft, ich kann also nicht sagen, ob die Verkäuferin ehrenamtlich arbeitete oder die Wohltat eines EinEuroJobs genießen durfte und wohin die Einnahmen abzuführen waren. An die Möglichkeit, dass die Lebensmittelläden Geld wollten für den Ramsch den sie letztlich nicht mehr entsorgen müssen und dabei sowieso sparen, habe ich gedacht, hoffe aber dass ich mich dabei täusche.

Als ich die Hintergründe des Gesehenen erfur, erinnerte ich mich nicht an die zu Beginn erwähnten Care Pakete sondern an die Worte von Fr. Künast (B90/Die Grünen), die uns allen vor geraumer Zeit im Fernsehen ein schlechtes Gewissen einjagen wollte, weil wir Fleisch nicht vom Metzger- und Früchte und Gemüse immer noch von woanders als aus dem Bioladen kauften.
Dabei war ihre Realitätsferne Arroganz nicht einmal originell: Vor ihr hatte bereits Marie Antoinette vergleichbaren Schwachsinn zum besten gegeben.

Franktireur 16. November 2008 um 15:45  

@ tian: Du machst auch diesen Gedankenfehler, das Pferd von hinten aufzuzäumen. Würde es eine vernünftige Grundsicherung geebn, die den Namen auch verdient, brauchte man die Tafeln nicht. Darum bleib ich bei meiner Meinung. Weg mit den Tafeln - Erhöhung der Regelsätze.

Peinhard 16. November 2008 um 15:55  

Der Staat stiehlt sich nicht aus seiner Verantwortung. Denn die ist es in erster Linie, die Verwertung der Arbeitskraft zu organisieren und zu garantieren. Es hilft uns kein Stück weiter, dem Staat Aufgaben anzudichten, die er nun einmal nicht hat. So kommen wir aus der Falle nicht heraus.

Anonym 16. November 2008 um 16:35  

"Grundsatz 1
Die Tafeln sammeln überschüssige Lebensmittel, die nach den gesetzlichen Bestimmungen noch verwertbar sind, und geben diese an Bedürftige ab.
Durchführungsbestimmung
Die Tafeln können auch Artikel des täglichen Bedarfs ausgeben.
Der Schwerpunkt muss auf dem Einsammeln und Ausgeben von Lebensmitteln liegen.
Die Abgabe erfolgt unentgeltlich oder gegen einen geringen Kostenbeitrag - grundsätzlich eine Münze pro Haushalt und Ausgabe.
Die Ermittlung der Bedürftigkeit orientiert sich an der Abgabenordnung § 53 unter Berücksichtigung der örtlichen Gegebenheiten und wird von jeder Tafel individuell festgelegt.
Die Abgabe der Lebensmittel erfolgt unter Beachtung der Lebensmittelhygieneverordnung (LMHV) und des Infektionsschutzgesetzes."

http://www.tafel.de/

Also die Tafeln verteilen nur Lebensmittel, die noch verwertbar sind.
Ich hab auch mal gehört, dass Supermärkte z.B. nur Milch verkaufen dürfen, die noch eine bestimmte Mindest-Anzahl von Tagen haltbar ist.

Dennoch gebe ich Herrn Lapuente recht, dass es der Mentalität entspricht, "die Abfälle" an die Armen zu verteilen, es sich also nicht um reine Mildtätigkeit und Menschenliebe handelt.

Ein weiteres Beispiel für die reine Kosten-Nutzen-Kalkulation heutzutage sind Medikamente: Apotheken kriegen oft ein paar mehr Schachteln geliefert als sie bestellen und bezahlen müssen und dürfen diese zusätzlichen Schachteln dann komplett auf eigene Rechnung verkaufen. Also 100x XY wird bestellt, 115x XY wird geliefert, aber nur 100 müssen bezahlt werden.
Hier werden die zusätzlichen Schachteln ja auch nicht an die Armen abgegeben, sondern die müssen über den Preis für die regulär bestellte Schachtel vermutlich noch die zusätzlichen mitbezahlen.

Auch bei HartzIV und bei dem Vorschlag des 127-€-HartzIV ist ja der Grundgedanke, dass das Billigste und das rein Notwendigste gut genug ist. Für kleine zusätzliche Dinge, für Bücher, für Lernmaterial ist HartzIV ja in keiner Weise mehr gedacht. Aber gerade durch diese kleinen zusätzlichen Dinge entsteht doch Weiterentwicklung.
Wo wäre Microsoft heute, hätte sich Bill Gates als Teenager keinen Computer leisten können. Man stelle sich mal vor, Bill Gates Taschengeld oder sein 400-€-Job als Jugendlicher wäre mit dem HartzIV seiner Eltern verrechnet worden. Dann gäbe es heute kein Microsoft.

Es gibt so eine wirtschaftswissenschaftliche Rechnung, dass von 10.000 oder 100.000 Abiturienten oder Hochschulabgängern mindestens einer eine Erfindung machen wird, die das Leben aller Menschen grundlegend verbessern wird. Angesichts dessen ist wirklich zu fragen, ob Bildung und Bildungsausgaben nicht wirklich einen höheren Stellenwert in unserer Gesellschaft erhaltten sollte.

Eine c't kostet 3,30€ alle 14 Tage, glaube ich. Andere Fachmagazine werden mindestens ähnlich teuer sein, vor allem die für Naturwissenschaften.

Es ist so schmerzhaft zu sehen, wie Merkel und ihre Clique, die Bertelsmanns und Springers usw. dieses Land ruinieren.
Das CHE (Centrum für Hochschulentwicklung) ist von Bertelsmann gesponsert, wie auch andere Bildungs"vereine" und die ruinieren gerade unser auf wirkliches Verstehen und fachwissenschaftliche Bildung ausgerichtetes Schul- und Universitätssystem. Und die Industrie mischt auch noch mit, und zwar um die Ausbildungskosten für ihre Mitarbeiter auf die Allgemeinheit abzuwälzen, nämlich damit sie in Zukunft den Schulabgängern weniger der teuren berufsbezogenen Fortbildungen bezahlen müssen. Die beiden Probleme in Deutschlands Schulsystem sind einerseits die Hauptschulen, die in ihrer Form abgeschafft gehören und andererseits Sprachdefizite, die durch Kindergärten ganz gut behoben werden könnten.

Es tut weh, zu sehen, was läuft.

Roberto J. De Lapuente 16. November 2008 um 18:23  

Der erste Grundsatz der Tafeln klingt fein, aber aus sicherer Quelle weiß ich, dass teilweise sogar schon verdorbene TK-Fischgerichte gereicht wurden. Abgelaufene Joghurts, teilweise zwei Wochen abgelaufen, sind Standard - die mögen freilich nicht verdorben sein, aber sie sind zerfallen, sind nurmehr Suppe. Sowas würde niemand freilich essen.

Der Artikel der Jungen Welt, den ich im Text verlinkt habe, lobt auch die Basis, die freiwilligen Helfer. Viele mögen das Lob verdienen, die Mehrzahl - erfahrungsgemäß - aber nicht. Es wird gebissen und es werden bestimmte Lieblinge, die bedürftig sind, bevorzugt. Zudem nimmt man ja auch selbst Kleinigkeiten, die Leckereien, mit nach Hause...

Die Tafeln, grade auch, weil man von deren Verbandelung mit McKinsey weiß, gehören auf den Müllhaufen der Geschichte. Frische für alle! Und nicht: Der Dreck für die Habenichtse!

aebby 17. November 2008 um 06:12  

@all

Die Tafeln als Institution zu sehen um flächendeckend staatliche Versäumnisse zu kaschieren ist ein Unding - das sehe ich auch so.

Dennoch stört mich der "Schlag" gegen die freiweillig arbeitenden. Tafeln gibt es schon lange - es hat die schon lange vor Hartz IV gegeben, es hat nur keinen interessiert. Bei den tafelartigen Veranstaltungen, bei denen ich geholfen habe, wurden sehr wohl hochwertige Lebensmittel gekauft und zwar vom Geld der ehrenamtlicheten Helfer.

Mit der Argumentation, die teilweise zwischen den Zeilen anklingt, wird ehrenamtlichen Helfern, die etwas tun wollen auch noch ein schwarzer Peter zugeschoben oder ihre Motivation in Zweifel gezogen - ich finde das schade.

Anonym 17. November 2008 um 07:02  

Was mich an den Tafeln vor allem stört, ist, dass die Würde der Menschen mit Füßen getreten wird. Denn es bedeutet ja schon einen Schritt über den eigenen Schatten, zum Hilfeempfänger zu werden, noch dazu so ungeschminkt, wie das bei den Tafeln abläuft. Und dann die Kirchen: Mit dem Teller Erbsen wird gleichzeitig das Vaterunser geschluckt.
Statt dass die Kirchen beim Staat intervenieren gegen Hartz IV. Und ich vermute mal, bei der Festsetzung von Hartz IV waren die Tafeln gleich mitgedacht. Gäbe es sie nicht, müsste man tatsächlich Hartz IV erhöhen, denn was würde geschehen, wenn Menschen wirklich hungern müssten in diesem reichen Lande? Alles in allem: Ich als ehemalige DDR-Bürgerin bin hier in der Bundesrepublik im Mittelalter angekommen.

Anonym 17. November 2008 um 09:21  

Der Kampf um Gerechtigkeit ist schon uralt,und leider noch immer aktuell. Die Aussage von Augustinus,:"Was anders sind Reiche, wenn ihnen Gerechtigkeit fehlt,als große Räuberbanden?" hat in Zeiten von Warenakkumulation und unvorstellbarer Luxus und Privilegien der happy few nichts an ihrer Aktualität verloren.

Anonym 18. November 2008 um 03:47  

Unglaublich. Statt sich darüber zu freuen das in einer immer egoistischer werdenden Welt noch einige helfen, wird jetzt auf noch über die Tafeln gejammert. Schaffen wir sie doch gleich ab, besser die Leute hungern als das die Tafeln falsches Marketing machen. Ich habe die Tafeln jahrelang gesehen, seit der Gründung, von Seite der Gebenden Firmen und auch selbst mitgeholfen, bei mehreren. Nie hat auch einer sich die besten Stücke eingesteckt, nie wurde verdorbendes Verteilt. Das es schwarze Schafe gibt, ist klar, die werden wohl leider nie aussterben. Trotzdem sollte man sich doch über jeden positiven Schritt freuen. Schritt für Schritt die Welt besser machen. Natürlich sollte erst gar keiner zu den Tafel müssen. Aber da es einige nunmal müssen, ist es doch gut das es sie gibt.

Roberto J. De Lapuente 18. November 2008 um 08:17  

"Trotzdem sollte man sich doch über jeden positiven Schritt freuen. Schritt für Schritt die Welt besser machen."

Wenn Sie es als positiven Schritt empfinden, dass Menschen das essen sollen, was andere nicht mehr essen wollen, dann muß man sich danach fragen, was Sie für gerecht halten, was für Sie Menschenwürde bedeutet.

Wo indes die Welt Schritt für Schritt besser wird, bleibt Ihr Geheimnis.

"Natürlich sollte erst gar keiner zu den Tafel müssen. Aber da es einige nunmal müssen, ist es doch gut das es sie gibt."

Kommt mir bekannt vor. Wie oft höre ich: Ist nun mal so, kann man nicht ändern! Man muß damit leben! - Das ist zu einfach. Sich damit zu arrangieren, bedeutet das Bessere nicht zu wollen. Utopie? Freilich, wie alles in der menschlichen Historie, alles war mal Utopie. Und um es mit Marcuse zu sagen: Utopie muß wieder gelebt werden, weil der Nicht-Platz (Utopie also) machbar ist - man kann verwirklichen, was wir verwirklicht wissen wollen.

Und was wäre daran nicht zu verwirklichen, frische Lebensmittel, Lebensmittel im Maßstab 1:1 im Bezug zu den Edekas, Aldis, Lidls zur Verfügung zu stellen? Einen Supermarkt, bei dem man nicht in Reihe stehen muß, der billige, aber gleichwertige Lebensmittel anbietet? Einen subventionierten Supermarkt - oder eben die Anpassung der Regelsätze.

Es gibt kein richtes Leben im falschen - so ist die Kritik an den Tafeln zu verstehen.

Anonym 18. November 2008 um 11:10  

Mittlerweile wirbt die Tafel in meiner Stadt stolz auf ihrer Website damit, dass nun auch Altenheime, Kinderhäuser etc. beliefert werden. Wo soll das ganze noch hinführen, wenn nun sogar reguläre Betriebe darauf bauen, ihre Schützlinge mit zusammengekratzten Resten zu versorgen?

Mit Bedürftigkeit hat das nichts mehr zu tun, wenn sich Betriebe auf diese Art Kostensenkung verlassen. Stattdessen wird eine Abwärtsspirale kreiert, die reguläre Lebensmittellieferanten verdrängt und die zusätzlich den Sozialstaat aushöhlt.

Darina 18. November 2008 um 19:28  

Als jemand, der in in der ehemaligen UDSSR noch die Zeit der Essensmarken miterlebt hat, frage ich mich, was hier als verdorbenes, schlechtes, minderwertiges Essen empfunden wird. Da möchte ich doch gerne genauer nachfragen. Denn für mich ist es zunächst einmal ein Fakt, dass das Essen, das nach Ladenschluss weggeschmissen (oder an die Tafeln gegeben, aus Sicht der Geschäfte ist es ja so oder so ein Wegschmeißen) wird, oftmals überhaupt nicht verdorben ist. Es wird heutzutage nur einfach kein Apfel mehr gekauft, der eine Delle hat! Keine Packung Cornflakes, die ein anderer aufgemacht hat, auch wenn die Plastiktüte drin noch unversehrt ist. Einmal wurde mir ein Brötchen von der Verkäuferin buchstäblich wieder weggerissen, weil ein Kunde vor mir es mit der Hand angefasst hatte und sie es nicht mehr verkaufen durfte...

Das ändert nichts an der Gültigkeit des Posts (Gerade das letze Beispiel nicht - denn für die Tafeln wird es sehr wohl gut genug sein!) Aber genauso sollte man sich überlegen, was da eigentlich weggeschmissen wird und warum. Ein (türkischer!) Gemüsehändler hier in der Nähe verkauft jeden Tag Obstsalate aus den noch guten Hälften schlecht gewordener Ware von gestern. Ich habe mir daran noch nie den Magen verdorben, aber bei einem "deutsch-deutschem" Laden wäre das nicht möglich. Wie in Nordeuropa mit Lebensmitteln umgegangen wird finde ich allgemein unterträglich, da wird weggeschmissen was noch lange essbar wäre. Wenn es wirklich zwei Wochen alter Joghurt ist, der an die Tafeln kommt, dann finde ich das untolerierbar. Aber es drängt sich mir viel mehr das Gefühl auf, dass ich das, was hier als Abfall bezeichnet wird, durchaus auch bei mir auf dem Tisch sehen würde - als inzwischen doch recht gut verdienende Frau.

Zum Teil geht dies am Thema des Blogs vorbei. Aber auch wenn ich sofort zustimme, dass dass so viele Leute überhaupt auf die Tafeln angewiesen sind, ein Missstand sind, weiß ich auch noch genau, wie ich kurz nach Ladenschluss noch ein Brötchen gekauft habe, mit dem Kommentar "Da haben sie aber Glück gehabt, in fünf Minuten wäre alles hier an die Tafeln gegangen". Ich erinnere mich nicht daran, dass es besonders trocken oder sonstwie schlecht war. Man hätte es auch am nächsten Tag als Vortagsware zum halben Preis verkaufen können.

Mechthild Mühlstein 19. November 2008 um 17:54  

Der vergleich Scrooge – tafel gefällt mir gut. Als ich vor fast einem jahr den ersten eintrag für mein blog schrieb, befaßte ich mich ebenfalls mit dem thema tafel.

Die tafel - und vor allem das geschäft mit der armut, das in vielen städten im kielwasser der tafel bestens gedeiht, kann man im grunde kaum kritisch genug betrachten.

Als ich ca. 1995 zum ersten mal etwas von der tafel hörte, glaubte ich, daß das so eine art obdachlosenhilfe sei und fand das prinzip, von dem ich annahm, es sei so etwas wie »hilfe zur selbsthilfe«, gar nicht schlecht. Heute muß ich zugeben, daß ich mich geirrt habe, vor allem, weil ich die angelegenheit viel zu unpolitisch betrachtet habe. Man bekommt das armutsproblem nicht durch ein wie auch immer geartetes (mehr oder weniger) spendenfinanziertes wohltätigkeitssystem in den griff. Durch einen sozialstaat, der die rechte der armen stärkt, hingegen schon.

In Berlin gibt es inzwischen eine geschwulst aus firmen, die ihr geld im namen der »wohltätigkeit« verdienen. So wird beispielsweise ein weihnachtsmarkt speziell für bedürftige organisiert: 1€jobber sammeln sachspenden von gutgläubigen mitbürgern, reparieren und restaurieren, was nicht funktioniert oder unansehnlich ist. Zu Weihnachten wird die ware von 1€jobbern an bedürftige verkauft. Die miete für die genutzten räumlichkeiten zahlt der staat und der gewinn kommt den »bedürtigen«, die sich dies geschäftskonzept ausgedacht haben, zugute. Auf diese art und weise kann man nicht genutzte gewerbefläche zu gutem preis vermieten, staatlich bezahlte arbeitskräfte ausbeuten, gelder für deren verwaltung kassieren, gemeinnützige spenden in privates geld ummünzen. Also auf ganzer linie abzocken und immer noch als »sozial« gelten, obgleich man nichts anderes tut, als bedürftige zu demütigen. Durch derartige entwicklungen werden die rechte der armen ausgehöhlt, recht auf nahrung oder auf gesellschaftliche teilhabe wird zur kann-bestimmung: »sofern Du Dich gut führst, bekommst Du etwas. Vielleicht.«

Derartige verhältnisse hat Hans Fallada bereits in den 20er jahren beschrieben, nur hätte der sich wahrscheinlich nicht vorstellen können, daß der staat es sich was kosten läßt, nicht straffällige zu »blechnapf-fressen« zu verurteilen.

Mechthild Mühlstein 19. November 2008 um 18:11  

Noch was: Von einem koch, der als 1€jobber für eine von der tafel organisierte suppenküche für kinder arbeiten mußte, habe ich gehört, daß dort häufig gammelfleisch landete und er ärger bekam, weil er sich weigerte, das zu verarbeiten.

Einerseits bezahlt die regierung teure werbekampagnen für gesunde ernährung und andererseits wird eine politik betrieben, die langfristig weite teile der bevölkerung von ernährung überhaupt ausschließt.

Anonym 30. November 2008 um 09:14  

Finde es traurig und schade, wie manche über die Tafel denken und reden!Ich arbeite für die Tafel und kann nur sagen, alles was wir selbst nicht mahr essen würden wandert in den Mülleimer und nicht über die Theke.Vielleicht möchte ich mit meiner Arbeit auch mein Gewissen beruhigen,auch ich lebe nicht im Überfluss und wir müssen rechnen. Aber ich rede nicht nur ich handle. Es kann doch nicht ernst gemeint sein das der Regelsatz erhöht werden würde gäbe es die Tafeln nicht?!Wo leben denn einige von euch?Fragt doch mal Besucher der Tafeln nach ihrer Meinung. Vielen ist es unangenehm zur Tafel zu gehen, was ich verstehen kann und ich finde es auch traurig das vielen das Geld fehlt um sich Grundnahrungsmittel zu kaufen, das alles ungerecht verteilt ist und Werte meist nur aus Materie bestehen.Das die meisten nur ums Überleben kämpfen und nicht mehr wissen was einfach Leben ist. Aber durch reden ändere ich nichts. Also Hände reichen, mit Anfassen, Handeln nicht nur reden. Und wenn ihr meint mit meinem Wirken in der Tafel beruhige ich mein Gewissen, dann ist das auch recht. Ich habe ein Gewissen und drehe mich nicht weg von der Armut die in unserem Land besteht.

Anonym 30. November 2008 um 13:30  

"[...] Ich habe ein Gewissen und drehe mich nicht weg von der Armut die in unserem Land besteht.[...]"

Schön für Dich, wenn Du an der Ausbeutung von Arbeitslosen noch verdienst - dank der neoliberalen Berater-Agentur, und Stichwortgeber für die Einrichtung der neuen Armenküchen "Die Tafeln" McKinsey.

Ich halte es da eher mit dem Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz, und Oskar Lafontaine: Der Neoliberalismus ist gescheitert, die Binnenkonjunktur gehört gestärkt damit das Verdienen mit "Die Tafeln" sinnlos wird.

Deine Logik übrigens kann nur derjenige teilen, der z.B. völlig damit einverstanden ist, wenn weltweit die Menschen verarmen und auf Lebensmittel-Spenden - sogar dank Zockern der Finanzkrise in den USA, dort gibt es Lebensmittelgutscheine für Arme - dank dieser asozialen Wirtschaftsdikatur namens Neoliberalismus angewiesen sind.

Ich werde nie dazugehören, wenn man an der Not der Arbeitslosen noch verdient und dies - mangels Gewissen - auch noch als "Gerechtigkeit" und "Wohltat" verkaufen will....

Ärgerlicher 30. November 2008 um 14:11  

Manche haben es echt nötig. Die haben es gerne, wenn Menschen Reste bekommen, damit sie bei der Verteilung der Reste spüren, daß ihr Gewissen befriedigt ist.

Anonym 30. November 2008 um 16:49  

Einen kurzen Text den man sich nicht entgehen lassen sollte:

[...]15.11.2008
Aufbauhilfe

McKinsey oder nicht McKinsey?

Von Jan Eisner

Für den Tafel-Bundesverband ist mittlerweile ein Ärgernis, was durch zahlreiche Internetforen geistert: Die Unternehmensberatung McKinsey, bekannt durch radikale Rationalisierungs- und Entlassungskonzepte, soll entscheidende Hilfestellung beim Aufbau der deutschen Tafeln geleistet haben. Als gesicherter Stand galt lange, was heute auch noch auf der Home­page der Celler Tafel steht: »Die Unternehmensberatung McKinsey erstellte uns Handbücher«, nämlich solche zur Gründung von Tafeln.

Ähnliches berichtete die Neue Zürcher Zeitung (26.10.2002) über die Geschichte der Schweizer Tafeln: »Dank guter Kontakte konnte Kurzmeyer (die dortige Tafelgründerin – J.E.) die Unternehmensberatung ­McKinsey motivieren, ein für die Schweiz zugeschnittenes ›Handbuch zum Betrieb einer Tafel‹ zu entwickeln, das auf einem ebenfalls von diesem Unternehmen erarbeiteten Leitfaden für die deutschen Tafeln basiert.« Die Erfurter Tafel führt ­McKinsey heute noch auf ihrer Webseite als Förderer auf: »­McKinsey unterstützt die Tafeln seit Jahren durch Beratung«, heißt es dort.

Beim Tafel-Bundesverband versucht man inzwischen, die Hilfe dagegen als das private Engagement einer einzelnen Mitarbeiterin der Unternehmensberatung zu kommunizieren, nämlich Vera Schäfer, seit 1994 für die Tafeln aktiv und bis vor kurzem noch Mitglied im Beirat des Verbandes. Schäfer sei dabei lediglich von McKinsey unterstützt worden, zunächst mit einer Freistellung. In ihrer Beiratszeit schließlich habe »ihr Arbeitgeber auch mal ein Auge zugedrückt«, so Pressesprecherin Anke Assig, wenn sie die McKinsey-Ressourcen für die Tafelarbeit genutzt habe.

Sicher ist jedenfalls: Bei ihrer Arbeit kommen die Tafeln nicht darum herum, auch solche Sponsoren in ein positives Licht zu rücken, die ansonsten ihren Anteil zum Abbau des Sozialstaats leisten: Bei der 15-Jahr-Feier der Tafeln zeichnete Schirmherrin Ursula von der Leyen unter anderem den Lebensmittelkonzern Lidl und die Bild-Stiftung für ihr »außergewöhnliches Tafel-Engagement« aus.[...]"

Quelle: http://www.jungewelt.de/2008/11-15/012.php

Kein Wunder, dass Tafel-Befürworter neoliberale Phrasen von sich geben...

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

epikur 30. November 2008 um 23:23  

"ich finde es auch traurig das vielen das Geld fehlt um sich Grundnahrungsmittel zu kaufen, das alles ungerecht verteilt ist"

Ich glaube, darin stimmt Dir ein Großteil der Kommentatoren hier zu! Deine Schlussfolgerung aus dieser Erkenntnis lautet jedoch:

"Aber durch reden ändere ich nichts. Also Hände reichen, mit Anfassen, Handeln nicht nur reden."

Ich will Dir ja nicht zu Nahe treten, aber mit dieser Deiner Schlussfolgerung bekämpfst Du eben NICHT diese von Menschen geschaffene Ungleichheit, sondern akzeptierst sie stillschweigend.

Denn Roberto und die Kommentatoren haben ausführlich dargelegt, dass die Bedürftigen 1. Reste bekommen und dass 2. daran verdient wird. Es geht hier eben nicht um ein ethisch/moralisches Empfinden oder Gewissen der Discounter! Wer das denkt ist wirklich ein wenig naiv. Es geht um Image und Profit.

Angebrachter ist eben die Struktur/das System der Tafeln zu kritisieren/zu ändern. Und den Bedürftigen "echte" Lebensmittel zu kommen zu lassen.

Sky 10. September 2009 um 22:10  

Ich war drei Monate als Fahrer hier bei der Tafel vor Ort. Als ABM Stelle von der Arge vermittelt.
Nachdem ich 2 Wochen unterwegs war, kannte ich alles was Ekle und Gammel anging!
Gurken mit Schwarzschimmel, matschige Tomaten im Bananenmus, 3 Monate übern Verfallsdatum liegen gebliebenes Fleisch(lecker...kotz) und noch so einiges mehr. Mit den Fahrzeugen wurde nicht nur der Abfall der Discounter abgeholt, nein das angeblich verwertbare wurde damit auch noch ausgeliefert. Fahrzeugreinigung nach den Transporten? Fehlanzeige, hauptsache die karren waren von aussen sauber und man konnte das Wort "Tafel" lesen!
Nach drei Monaten wurde ich dann mit der Begründung entfernt: Die Chemie stimmte nicht!
Von wegen, denen passte nicht das ich den Mund aufgemacht hab!
Später erfuhr ich noch das man den Leuten dort erzählt hat, ich hätte dort gestohlen und deswegen hätte ich gehen müssen!
Mal sehen was mein RA jetzt daraus macht!

Nicht alle tafeln mögen so sein, aber die hier ist ein Schweinestall hoch drei!


Ach ja , wir brauchen noch viel mehr Blogs wie diesen hier!
Weiter so!

Sky

Anonym 19. Oktober 2009 um 13:09  

Darina 18. November 2008 19:28

Als jemand, der in in der ehemaligen UDSSR noch die Zeit der Essensmarken miterlebt hat, frage ich mich, was hier als verdorbenes, schlechtes, minderwertiges Essen empfunden wird. ...Wie in Nordeuropa mit Lebensmitteln umgegangen wird finde ich allgemein unterträglich, da wird weggeschmissen was noch lange essbar wäre. Wenn es wirklich zwei Wochen alter Joghurt ist, der an die Tafeln kommt, dann finde ich das untolerierbar.

... Man hätte es auch am nächsten Tag als Vortagsware zum halben Preis verkaufen können.


Das Problem ist in ihrer Sichtweise, daß möglicherweise die wirtschaftliche Sichtweise verloren geht. Denn es wird nicht weggeworfen aus Arroganz, sondern wegen einiger gesetzlicher Regelungen, die eben vorsehen das nicht Scheiße verkauft werden darf. Aber es wird auch oft lieber weggeworfen, damit das Geschäft erhalten bleibt.
Wenn man Menschen billige Alternativen bietet, dann werden sie diese nutzen und man macht sich den Kunden von morgen kaputt.
Brot für den halben Preis ist Brot, das ohne Gewinn verkauft wird. Wenn es weggeschmissen wird, kann man die Materialien einfach abschreiben, oder es wird noch an Bauern verkauft als erstklassiges Schweinefutter.
Es geht ums Geschäft, um die Rendite, ums Geld. Was ich heute verschenke, fehlt morgen in der Nachfrage. Der künstlich erzeugte Mangel an Nahrungsmittel wird zu einer Quelle des Reichtums, ja sogar zur Spekulationsblase auf Kosten jener, die kaum etwas haben. Lebensmittelspekulationen kamen vor einiger Zeit ins Gerede, es wurde geschätzt, daß 20% der Lebensmittelpreise aus reinen Spekulationsblasen entstanden. Das ist für Europäer zu verdauen, für den Menschen der in einer ärmlicheren Region leben muss? Der verbraucht schon oft mehr als 50% seines Einkommens für Ernährung. Eine Schande das so eine Spekulation nicht verboten ist. Aber es geht ja noch weiter. Den Menschen wird seit vielen Jahren eingeredet wie kostbar rar Wasser sei, das der Verbrauch eine Katastrophe sei. Warum wohl? Wir haben in D mehr als genug Wasser. Es kostet eigentlich nur sehr sehr wenig. Aber wenn sich die privaten in die Stadtwerke einkaufen, was passiert? Schauen sie nach Berlin. Das Wasser dort ist ein drittel teurer als anderswo in Deutschland.
Es geht darum Nahrungsangebote knapp zu halten, es geht darum mit der Knappheit Rendite zu machen und nicht um moralisch einwandfreien Umgang mit kostbaren Nahrungsmitteln. Das Ziel ist es eben nicht für die Bedürfnisse der Menschen zu produzieren und zu handeln, sondern das Ziel ist Rendite, Gewinne zu erwirtschaften.
Das ist für Sie sicher nichts neues, aber daran sollte man auch denken, wenn die Wegwerfmentalität beklagt wird. Die Menschen sind so erzogen, daß sie lieber neu kaufen, was nicht mehr mindestens noch haltbar ist.

Und selbst diese Sicht ist auch nur eine Seite der Medaille.

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