Alle Schwarzen im Verdacht

Donnerstag, 13. Dezember 2012

oder Rasterfahndung selbst als Light-Version grandios gescheitert.

Es kann doch nicht so schwer sein, diesen "Bombenleger" zu finden! Man ergreift einfach alle Schwarzen, deren man habhaft werden kann, überprüft deren Alibi - einem aus dieser Brut wird man schon was anhängen können. Das jedenfalls scheint die Vorgehensweise der Kölner Polizei zu sein. Nachdem man mit Hilfe eines Zeugen ein Phantombild erstellte und dieses einen dunkelhäutigen Tatverdächtigen ergab, ergriff man auch just zwei Schwarze und glaubte den Fall aufgeklärt zu haben. Nach einigen Stunden waren die beiden Männer allerdings wieder auf freien Fuß. Ihnen konnte nichts nachgewiesen werden.

Rasterfahndung nannte man das in der Hochphase des Krieges gegen den Terror. Die wurde aber grundsätzlich verboten. Wenn aber Verdächtige markante Eckdaten aufweisen, dann rastert man dennoch leidenschaftlich. Ist der Unbekannte dunkelhäutig, so sind eben alle Dunkelhäutigen zunächst mal verdächtig. Man filtert sie aus und spezialisiert sich sodann auf die Verdächtigen, die nach der Aussiebung übrigblieben. Andere Ermittlungsansätze werden vernachlässigt. Das ist trotz grundsätzlicher richterlicher Ablehnung doch gängige Praxis. Unlängst las man davon, dass es nicht unbedingt rassistisch sein müsse, wenn auf Flughäfen bevorzugt Menschen kontrolliert würden, die dunkelhäutig sind und arabesk dünken. Ermessenssache nennt man das dann. Rasterfahndung ist nur verboten, wenn nach Schnurrbartträgern oder Katholiken oder roten Ford Fiestas gefahndet werden soll; wenn also Eckdaten in eine Suchmaske eingetippt werden müssten, die jeden Bürger betreffen könnten. Schwarzer Hautfarbe sind hier ab die wenigsten, da kann man schon mal in Raster suchen und vorverurteilen.

Der Anwalt der beiden meldete nach der Freilassung der Presse, dass er bis jetzt nicht wisse, weshalb seine Mandanten festgenommen wurden. Konkrete Vorwürfe oder Anhaltspunkte gab es keine. Ob da wohl die Hautfarbe Grund genug war, den Tatverdacht zu begründen? Klar, zumindest einer der beiden Männer soll der Polizei bekannt sein. Vor Jahren hatte man ihn festgenommen, weil man annahm, er würde in ein Terrorcamp reisen wollen. Auch dieser Verdacht hatte sich nie bestätigt. Dem Mann wurde keine Schuld nachgewiesen, dennoch berichten die Medien darüber, als habe die abermalige Festnahme nun bewiesen, dass es sich um einen schlimmen Finger handelt.

Jetzt, da diese Zeilen getippt werden, scheint es eine Wendung zu geben. Die Zeugenaussage sei demnach fraglich. Das Phantombild eines Schwarzen soll nicht weiter verbreitet werden, denn Videoaufnahmen, die in einem Fastfood-Restaurant gemacht wurden, zeigen eine hellhäutige Person. Was auf den ersten Blick wie die Außerkraftsetzung des Vorwurfes "rassistischer Unregelmäßigkeiten" aussieht, zeigt auf dem zweiten Blick das genaue Gegenteil. Es konnten bei den beiden Schwarzen, die verhaftet wurden, nicht mal ansatzweise Spuren oder Indizien gefunden werden, weil es kein Schwarzer war, der die Tasche mit der Bombe platziert hatte. Es dürfte hingegen der Beweis dafür sein, dass tatsächlich nur rein nach Hautfarbe gefahndet zu haben.

Nebenbei darf der Fall als Präzedenzfall gegen die Rasterfahndung angegeben werden. Wenn man bedenkt, wie sehr noch vor Jahren die Jünger dieser Methode, die so genannten Rasterfari, vom Erfolg überzeugt waren! Damals wollten sie den globalen Terrorismus im Keim zerrastern. Und nun scheitert die Methode schon im Ansatz bei wesentlich kleinerer Aufgabenstellung. Denn man sieht: Sie behindert die Fahndung eher, als dass sie Erträge zeitigt. Und sie speist rassistische Affekte und verunmöglicht eine vorurteilsfreie Ermittlung.



12 Kommentare:

Anonym 13. Dezember 2012 um 08:02  

Noah Sow "Deutschland Schwarz Weiss: Der alltägliche Rassismus" läßt grüßen.

Die dt. Schriftstellerin und Sängerin kreidet schon seit Jahren an, dass man sich nur weil sie schwarz ist als Ausländerin behandelt.

Tja, die Polizei, und die dt. Terrorkämpfer, toppen es hier noch, die unterstellen eben nun, dass alle Schwarzen eben potentielle Terroristen sind.

Hatten wir das nicht schon einmal?

Noah Sow regt sich z.B. über dt. Kinderlieder auf - am Beispiel "Zehn kleine Negerlin....", dass auch heute noch in Kindergärten gesunden wird, und ein Überbleibsel aus dt. Kolonialzeiten ist, wie Frau Sow meint - oder über "Wer hat Angst vor dem Schwarzen Mann", auch so ein Überbleibsel aus einer Zeit als Deutschland noch Kolonialmacht war.....

...wir bemerken das oft nicht, aber Noah Sow hat mir die Augen geöffnet, dass sogar harmlose Kinderreime in Deutschland Rassismus enthalten können....

Anonym 13. Dezember 2012 um 08:14  

Es ist noch früh am Morgen, so dass mein Gehirn zunächst registrierte: "Alice Schwarzer unter Verdacht-."

Anonym 13. Dezember 2012 um 09:30  

Mein congolesischer Mann mit deutscher Staatsbürgerschaft, der über 30 Jahre hier lebte, wollte sich eine Hose kaufen. Im Geschäft fragte man mich, welche Grösse er habe? Er wurde total ignoriert. Das Gleiche bei der BfA in Frankfurt (in einem anderen Zusammenhang natürlich). Besondere Erfahrungen machen männliche Heranwachsende aus "schwarz/weiß =cafe au lait" Familien.

Bruder Al-bertus Teutonicus 13. Dezember 2012 um 09:33  

"Alice Schwarzer unter Verdacht"

So ein Zufall. Ich habe das selbe gelesen. Ich bekomme wohl Legastheni!


Das man die anders aussehen anders behandelt wird man so schnell nicht aus den Köpfen der Menschen herauskriegen. So ist nun einmal das Gehirn. Es steckt alles unbekannte in Schubladen und behaftet es mit Vorurteilen die es irgendwann einmal gehört hat.

Banana Joe 13. Dezember 2012 um 10:08  

Es sei an dieser Stelle auch an die sogenannten "Dönermorde" hingewiesen. Die Ermittlungen liefen dabei auch in eine völlig falsche Richtung...

Jutta Rydzewski 13. Dezember 2012 um 10:50  

"Das ist trotz grundsätzlicher richterlicher Ablehnung doch gängige Praxis. Unlängst las man davon, dass es nicht unbedingt rassistisch sein müsse, wenn auf Flughäfen bevorzugt Menschen kontrolliert würden, die dunkelhäutig sind und arabesk dünken. Ermessenssache nennt man das dann."

Diese Passage möchte ich doch etwas näher "beleuchten". Unmittelbar nachdem das rheinpfälzische Oberverwaltungsgericht, Polizeikontrollen, die allein aufgrund der Hautfarbe durchgeführt werden, für verfassungswidrig, ich betone, für verfassungswidrig erklärt hat, lehnt ein gewisser, Rainer Wendt, Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, dieses Urteil als "schöngeistige Rechtspflege" ab. Das ist schlicht unglaublich. Ein Gewerkschaftsführer, dessen Gehirngrütze offenkundig rassistisch verseucht ist, macht sich in aller Öffentlichkeit, mit unverkennbarer Häme, mit Hohn und Spott, über ein Oberverwaltungsgericht lustig, welches die Verfassungswidrigkeit von Polizeikontrollen festgestellt hat, die allein aufgrund der Hautfarbe durchgeführt werden. Und was passiert mit diesem Wendt? Nix, absolut nix. Vermutlich wird er, insbesondere, aber nicht nur, in seinen Kreisen, mit Beifall überschüttet worden sein. Einer derartig ekelhaften Type wird wohl eher das Verdienstkreuz verliehen, als dass er aus seinem Amt gejagt wird. So sieht die "polizeiliche Lebenswirklichkeit" in Deutschland aus. Und so lässt sich das, was hinsichtlich des Kölner "Bombenkoffers" z.Z. stattfindet, "erklären". Gott sei Dank, endlich weg von der braunen Brühe, und wieder hin zu den "richtigen" Terroristen, den Islamisten bzw. Salafisten bzw. islamistischen Salafisten. Nun fühlen sie sich wieder wohl, die so genannten Terrorexperten, insbesondere die, deren Name passend mit T, wie Terror, beginnen: Thevesen, Tamm, Tophoven. Das Feindbild stimmt wieder. Die versammelten Sarrazinaten, Broders, Buschkowskys warnen doch nicht ohne Grund unsere arme Bevölkerung, die immer mehr von diesen dunkelhäutigen Bart- und Rockträgern überschwemmt wird. Die gestrige Pressekonferenz der Kölner Polizei war an Peinlichkeiten gar nicht mehr zu überbieten. Immer wieder der Spruch: Wir ermitteln in alle Richtungen. Wer so penetrant betont, was doch eigentlich selbstverständlich sein sollte, gibt deutlich zu erkennen, wie das wohl früher so gewesen ist, mit den Ermittlungen in ALLE Richtungen. Die braune Seuche, der Rassismus, die Fremdenfeindlichkeit, das "weiße" Herrenmenschentum ist offenbar in diesem Lande unausrottbar. Dafür "sorgt" nicht in erster Linie die NPD, sondern Polizei-Gewerkschaftsführer wie dieser Wendt, "gesunde Volksempfinder" mit ihrem rassistischen und hetzerischen Geschreibsel, und natürlich die "bürgerliche" Presse von BILD, Spiegel, Focus usw.. Nicht zu vergessen, die öffentlich-rechtlichen Zwangsgebührenempfänger, insbesondere das Z D F.

Anonym 13. Dezember 2012 um 10:57  

@Bruder Al-bertus Teutonicus

Zunächst einmal nettes Pseudonym "Teutone" (=kommt oft in "arischen" Kreisen vor. Oder?)

Die Einschätzung von Dir teile ich nicht, denn Rassismus ist kein "genetisches Naturgesetz" (=Sarrazin läßt grüßen) sondern läßt sich sehr wohl überwinden.

Soll sogar bei Rechtsextremen den ein oder anderen geben der von der Schiene "Neue Nazis", und Rassismus weggekommen sein soll....

...so was aber auch, lieber "Deutscher" (=Teutone)....

Peter Petereit 13. Dezember 2012 um 12:36  

Peter Petereit Ich denke eher, die Schlapphutszene hat das zu verantworten... Deshalb ist das Video so undeutlich, da könnte ich ja sogar 'nen besseren Snapshot rausholen, die "Bombe", so wie beschrieben, müßte mindestens einen Durchmesser von 30 cm haben und wenigstens die merkwürdigerweise mit einem Wassergewehr beschossene und dennoch unversehrte Tasche irgendwo prall erscheinen lassen, der Zünder, der bedauerlicherweise durch den "Schuß" restlos zerstört worden sein soll, müßte im mit weißem Pulver gefüllten Metallrohr, welches jedoch unversehrt geblieben scheint, gesteckt haben, da er im mit kontakt mit mit den Gaskartuschen bestenfalls einen Kurzschluß verursachen würde, Ammoniumnitrat ist kein weißes Pulver, sondern ein mehr oder minder grobkörniges Granulat, welches sich ebenfalls durch Batteriestrom nie entzünden könnte und welches sogar aus einem Rohr rausrieseln, würde, aus einem an beiden Enden verschlossenen Metallzylinder jedoch nicht, und dort drin bräuchte es einen professionellen, mit Initialsprengstoff versehenen Zünder, um den für eine4 Explosion nötigen Druck aufzubauen, und, das Granulat müßte zudem mit Diesel versetzt werden...kurzum, für mich ist das eine gründlich schief gelaufene "Falseflag"-Operation unserer Unsicherheitsbehörden, um Angst zu verbreiten, ihre Unverzichtbarkeit zu belegen und das "dumme" Wahlvolk noch mehr zum gegenseitigen Bespitzeln aufzustacheln. Die hauen uns die Taschen voll, ähnlich, wie damals mit den angezündeten Autos in Berlin, den durch ein "falsches Gasgemisch" nicht explodierten Zugbomben, und und und... Ooops, das waren aber verschachtelte Sätze... So habe ich einer FB-Freundin geantwortet, die meinete, letztendlich könnte es NSU gewesen sein...

Jutta Rydzewski 13. Dezember 2012 um 13:48  

Korrektur: Es handelt sich natürlich um den Bonner und nicht Kölner "Bombenkoffer". Aber was nicht ist, in diesen wieder neu aufgeheizten islamistisch-salafistischen Terrorzeiten, kann ja noch werden.;-) In jedem Fall werde ich heute Abend vorsichtshalber die Schlafzimmertür hinter mir abschließen, zumal frau ja nie wissen kann, ob nicht z.B. der Bin Laden wieder auferstanden worden ist.;-)

Peter Petereit 13. Dezember 2012 um 14:29  

Naja, bei web.de habe ich grade gelesen, dass unsere Weihnachsmärkte das eigentliche Bombenziel egal wo sein könnten... Schau mal genau hin, insbesondere im Mainstream, Kriegs-und Rassismuspropaganda läuft aus dem Ruder: Russenbashing, Chinabashing, xyz-Bashing, und langsam läuft SPON BLÖD den Rang ab.
Also bin ich vorweihnachlich besorgt.
Grins...

Roberto De Lapuente 13. Dezember 2012 um 17:32  

"Die Einschätzung von Dir teile ich nicht, denn Rassismus ist kein "genetisches Naturgesetz" (=Sarrazin läßt grüßen) sondern läßt sich sehr wohl überwinden."

Dem pflichte ich bei. Ich schrieb doch unlängst darüber, dass die Bändigung solcher Affekte eine Kulturleistung sei. Seine niederen Instinkte im Griff zu haben, unterscheidet uns von Affen oder Höhlenbewohnern.

Madner Kami 14. Dezember 2012 um 01:22  

"Es konnten bei den beiden Schwarzen, die verhaftet wurden, nicht mal ansatzweise Spuren oder Indizien gefunden werden, weil es kein Schwarzer war, der die Tasche mit der Bombe platziert hatte."

Nanu? Gestern hieß es doch noch, dass es da einen "Taschendiebstahl" gegeben hätte und, dass es dazu Videoaufnahmen gäbe? Na was denn nun? Zerbröselt der Fall doch schneller als erwartet? Ich warte wirklich nur noch auf die Enthüllung, dass BND/BKA/Verfassungsschutz bescheid wussten und einen untauglichen Zünder/untaugliches Zündmaterial geliefert haben...

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