Gelungen integriert

Dienstag, 12. April 2011

Er ist ein Aushängeschild der Integration, kann als Beispiel gelten, wie es funktionieren könnte, wenn man sich als Einzelperson nur bemüht, Anschluss zu finden. Philipp Rösler hat es geschafft - er ist ziemlich weit oben angekommen: trotz Handicap. Wenn man sich am Riemen reißt, wenn man tut, was von einem gefordert wird, wenn man nicht knurrt nicht murrt, dann kann die Integration gedeihen und Formen annehmen, die schnurstracks in die Zimmer wirtschaftlich geführter Marionettenregierungen führen. Oft wird behauptet, wirkliche Integration gäbe es nicht, weil persönliche Hindernisse und Erschwernisse nie wahrhaftig aus dem Blickfeld rückten. Rösler hat bewiesen: Integration ist auf wundersam erfolgreiche Art und Weise machbar.

Wegen seiner ethnischen Herkunft? Achwas! Die kümmert doch niemanden - es würde ja schon rassistische Züge annehmen, wenn man seine vietnamesischen Wurzeln für die Grundlage seiner heutigen Existenz heranziehen würde. Das würde ja bedeuten, dass nicht die Sozialisierung den Menschen macht, sondern die genetische Programmierung. Er wuchs in Deutschland auf, nicht ärmlich wohlgemerkt. In diese Richtung musste er nie integriert werden - er war es stets; war wohlig in eine deutsche Familie gebettet. Würde man nun festhalten wollen, dass er gelungen integriert ist, weil er als Säugling kurzzeitig noch nicht deutsch war, so würde man "den Asiaten" in ihm ansprechen. Man würde in schönfärberischer Sprache verkappen, dass man den Aufstieg "des Asiaten" auch deshalb bewundert, weil er mit diesem Handicap fremder Gene doch Karriere machte. Es wäre, wenn auch für viele unbewusst, ein zutiefst rassistischer Ansatz.

Nein, Röslers eigentliche Herkunft ist nicht damit gemeint, um von gelungener Integration zu sprechen. Bei ihm hat die Integration aus einem anderen Grund geklappt: selten zuvor gelang es einem so schmalbrüstigen und unscheinbaren Irgendwen, der gleichwohl nichts, aber auch gar nichts Wesentliches zu berichten weiß, der farbloser als grau und einschläfernder als eine dreistündige Dokumentation über Häkeldeckchen ist, der wenn er spricht, den Eindruck eines etwas zurückgebliebenen Neuntklässlers vermittelt... selten zuvor geschah es, dass jemand mit so wenig Ausstrahlung und so wenig verdienten Meriten, gescheiterten Reformen mitsamt asozialen Aspekten darin, und dazu dieser Charme eines Blödians, immer wieder dieser Blödianscharme... selten vorher erhielt ein so offenbar zurückgebliebener Charakter die Chance, in höhere politische Weihen zu stolpern. Seltsame Macken: ja, die hatten andere auch! Aber so dumpf? So trivial? So umnachtet? Einen solche Forrest Gump hat die Politik noch nicht gesehen.

Und dass man so einen Bengel, der eigentlich keine Chance kriegte, wenn er nicht penetrant genug in den Enddärmen seiner Parteigranden gewühlt hätte, unter Umständen sogar zum Vizekanzler macht: das nennt sich fürwahr gelungene Integration!



21 Kommentare:

Siebenstein 12. April 2011 um 07:59  

sehr schön, sehr schön böse.
schwingt da vielleicht ein wenig Neid
mit, oder ist es ihre abgrundtiefe
Abneigung zu einer so kümmerlichen Figur, wie Rösler sie ist ?
Diese Abneigung teile ich auf jeden Fall uneingeschränkt mit ihnen.

Anonym 12. April 2011 um 08:10  

Schon lange werden die "Schattenregierungen" der Welt mit eher unentwickelten Charakteren besetzt, die sich vor allem durch eine Mischung von Machtgier und Gehorsam auszeichnen. Rösler ist nur eine weitere Generation dieses Typus, der sozusagen verbessert wurde.

Übrigens, Forrest Gump hat "Herz" und passt nicht in diese Kategorie...

Anonym 12. April 2011 um 08:57  

"Hach, der ist SO sympathisch! Sympathischer als Westerwelle zumindest... (und nicht schwul!)"


"Der hat sich bis nach ganz oben gearbeitet! Alle Achtung, vom vietnamesischen Waisenkind zum Fraktionsvorsitzenden und Gesundheitsminister! Ausserdem ist er ja auch noch Arzt! Sehr sympathisch!"


"Der bringt frischen Wind in die Politik! Die FDP tut wenigstens was! Jetzt sind mal die Jüngeren dran!"


... da wird mir richtig übel.


Diana

ninjaturkey 12. April 2011 um 09:00  

Hö, jetzt mal nichts gegen Häkeldeckchen!

potemkin 12. April 2011 um 10:04  

Der neue Schülersprecher der FDP hatte Glück: Wäre er kein vietnamesisches, sondern sagen wir ein somalisches oder angolanisches Findelkind, hätte er trotz gutsituierter Adoptiveltern kaum eine solche 'Karriere' hingelegt. Die Asiaten (fleißig, geschäftstüchtig) sind uns eben immer noch die liebsten Fremden. Außerdem zeigt ein solch kometenhafter Aufstieg, wie dünn inzwischen die Personaldecke der Parteien geworden ist. Guttenberg läßt grüßen...

luky 12. April 2011 um 10:11  

Hö, jetzt mal nichts gegen Forrest Gump!

maguscarolus 12. April 2011 um 10:21  

Zu sehen, was für Vollpfosten sich auf wohldotierten Amtssesseln herum fläzen und darüber zornig zu werden – auch weil die Mechanismen solcher "Beförderungen" derart primitiv sind – das hat nichts mit Neid zu tun, sondern eher mit Trauer und Wut, weil unzählige Chancen zu einer positiven und nachhaltigen Entwicklung dieser Gesellschaft und dieses Landes nicht erkannt oder als unerwünschte Entwicklungen ignoriert oder im Interesse der herrschenden Randgruppen so lange gesiebt werden, bis sie nicht mehr existieren.

Anonym 12. April 2011 um 10:23  

Manno, Forrest Gump war wirklich gut im Ausdauerlauf.
Und Tischtennis konnt der spielen ...
Kann Rösler bestimmt beides nicht, allemal nicht in dieser Qualität.
Mir scheint auch, der Rösler paßt zum Häuptling der FDP.
Er hat viel Zeit in den Enddärmen seiner Vorderen verbracht, die FDP bewohnt die Enddärme der Großindustrie ... heimelige Atmosphäre ist das Verbindende.
Außerdem hatte Forrest Gump in Obst investiert. Rösler investiert wahrscheinlich in eine Karriere in der Pharmaindustrie.

Anonym 12. April 2011 um 12:32  

Mittelmaß ermöglicht es anderen, das Mittelmaß zu lenken.

Mittelmaß ängstigt nicht: weder (selbsternannte) Eliten noch anderes Mittelmaß, das sich für sog. Elite hält oder gar weiß, das es Mittelmaß ist.

Mittelmaß ängstigt ebenfalls Jene nicht, die sonst durch das Wirken von echter Größe und deren Früchte einen Spiegel ihres Mittelmaßes vorgehalten bekämen. Und in diesen Spiegel will homo proletus nicht schauen, egal aus welcher gesellschaftlichen Schicht er stammt oder eine solche erklimmt oder in eine solche hineingejubelt wird.

Anonym 12. April 2011 um 12:51  

@ Anonym 08:10
Zitat: Schon lange werden die "Schattenregierungen" der Welt mit eher unentwickelten Charakteren besetzt

Aber vom wem? Meinen Sie, Mark Zuckerberg und Steve Jobs würden sich dafür an einen Tisch setzen um zu besprechen, welche Regierungsmitglieder zu benennen sind?

Anonym 12. April 2011 um 13:57  

Der Charaktermaskentyp Rösler ist die Lösung eines systemimmanenten Widerspruchs in der korrupten repräsentativen Demokratie:

Einerseits benötigen die tatsächlichen Wähler – die bestechenden Einzelkapitalisten – servile, eigenschaftslose Charaktermasken, die zuerst während ihrer Amtszeit deren Partikularinteressen wider die Allgemeinheit durchsetzen, doch viel wichtiger ist diese eigenschaftslose Servilität beim nachholenden Akt der Bestechung selbst, bei der Verleihung funktionsloser, aber hochdotierter Aufsichtsratsmandate: keinesfalls darf eine solche Charaktermaske bei ihren Wählern den Eindruck erwecken, dass sie in ihrer formalen Funktion im Aufsichtsrat tatsächlich Einfluss auf das Unternehmen nehmen könnte: Das Mandat muss ein reiner Akt der Bestechung sein und bleiben.

Andererseits sind die Kandidaten selbst an Bestechungsgeldern interessierte Einzelkapitalisten, die während ihrer Parteikarriere in erbitterter Konkurrenz gegeneinander stehen. Die von den tatsächlichen Wählern nachgefragte eigenschaftslose Servilität ist in diesen Ausscheidungskämpfen kein Vorteil, die zur Anwendung kommenden Selektionskriterien müssen daher gleichzeitig eine für Konkurrenzkämpfe funktionalisierbare Besonderheit repräsentieren wie auch im Hinblick auf die tatsächliche Funktion der Charaktermasken vollkommen bedeutungslos sein.

Heutzutage boten sich hier offenbar an: Geschlecht, Mehrfachmutterschaft, Adel (von der Leyen), sexuelle Orientierung (Westerwelle), biologische (nicht soziale!) Ethnizität (Rösler). Einzig relevant bei diesem distinktiven Eigenschaftskatalog ist die subjektive Wahrnehmung von dessen Bedeutungslosigkeit seitens der tatsächlichen Wähler, die sich in ihrem Interpretationsrahmen ganz und gar rational verhalten. Die Nennung und kritische Würdigung der konkret angewandten distinktiven Eigenschaften ist somit eine objektive Aussage über den geistesgeschichtlichen Zustand der bürgerlichen Herrschaft selbst.

Sulukol 12. April 2011 um 14:36  

Sehr treffende Worte zu Herrn Rösler(überhaupt ein tolles Blog und super Bücher (mehr davon bitte!)). Aber ich denke er ist für eine Partei in Deutschland heutzutage fast schon die Idealbesetzung. Er stellt ungefähr das gleiche dar, wie unsere Bundeskanzlerin. Weil inhaltlich voll und ganz in unterscheidbaren Einheitsbrei der neoliberalen, entsolidarisierten Gesellschaft verhaftet, werden die wenigen pesönlichen Merkmale, jung, adoptiertes Waisenkind, Arzt zum Hauptaugenmerk der öffentlichen Wahrnehmung. Armselig, vor allem für unsere Presse.

Anonym 12. April 2011 um 15:38  

Forrest Gump als Gesundheitsonkel, ich hab mich fast tot gelacht!

Mittelsmann 12. April 2011 um 17:34  

Darf ich mal fragen, welche hochgebildeten Leute hier schreiben? Wenn es "mittelmäßig" ist, Dr. med. der Gefäßchirurgie zu sein? Ein Titel zu dem zumindest eine Menge Praxis gehört - kann man nicht so wie Jura-, Politik- oder Geschichts-Doktorarbeiten rein aus anderen Quellen abschreiben.

Anton Chigurh 12. April 2011 um 20:08  

@ Mittelsmann
ich kann mir kaum vorstellen, dass der Autor die "Mittelmäßigkeit" am Beruf des hier zur Debatte stehenden Pimpfes festmachen will.
Vielmehr sind es die offen zur Schau gestellten Charaktereigenschaften, die Herrn Rösler zu einer langweiligen und überflüssigen Politikerkarikatur werden lassen.

Was mir aber zunehmend auf die Nerven geht ist das Festmachen von Eigenschaften an Politikern, die prinzipiell jenseits jeglicher Diskussion stehen müßten.
Ob der Herkunft von Menschen, ihrer religiösen Gesinnung oder sexueller Orientierung - all das dürfte KEINERLEI Ansatz für jedwede Charakterisierung eines Politikers geben. Das müßte eigentlich ein völliges Tabu sein.

Ich finde es peinlich, wenn sich Kritiker dazu hinreißen lassen, unseren Außenministerversuch wegen seiner sexuellen Orientierung anzugreifen oder sich auch nur darüber lustig zu machen.
Das ist schlichtweg dumm und entlarvt den Kritiker zudem auch noch als oberflächlich.
Ob Rösler grün ist oder schwarze Füße hat, müßte vollkommen egal sein - als Politiker ist er eine Flachpfeife.

Vergnüger 13. April 2011 um 00:31  

Hmm, kam wohl nicht an?

Amüsiere mich immer sehr mit den Texten... Kaum ein Tag ohne den grantelnden Robert.
Weiter so!

udo haupert 13. April 2011 um 00:36  

@mittelsmann: Was bitte ist ein "Dr. med. der Gefäßchirurgie"? Ein Dr.med ist ein Dr.med

ist ein Dr.med.
An meiner alma mater gab es bereits in den 70er Jahren des vorige Jahrhunderts eine "Dr.

med-Maschine" - sehr zum Ärger der Kommilitonen anderer Fakultäten, die richtig ackern

mussten. Die Maschine sah so aus: Der (mathematisch-)wissenschaftliche Angestellte hat die

zm Thema passende statistische Auswertung erstellt, dem Doktoranden zur Verfügung gestellt

und ihm auch noch erklärt, was die Zahlen bedeuten. Der Doktorand hat dann noch einige

passende Worte drumrum geschrieben und das wars. Diskussionen über diese Praktik endeten

mit der Aussage, dass es eben besonders für Mediziner wichtig sein kann, den "Dr." zu

haben.Letzteres hat sich inzwischen wohl geändert.

Im Übrigen gilt für mich immer noch: Man schaue nicht auf das, was er hat, sondern auf das,

was er ist. DAS ist allerdings im Politischen unmöglich geworden, denn keiner zeigt mehr,

was er ist, alle zeigen nur, was sie glauben, dass wir schätzen.

Es gab ihm 19. jahrhundert einen kandidaten für den senat der USA, der keine wahlkampf

machte. Gwfrgt, warum nicht, antwortete er: Wer mich kennt, um den muss ich nicht werben.

Und wer mich nicht kennt - warum sollte mir dessen stimme wichtig sein?

DEN könnte man vielleicht wählen. Doch warum "müssen" wir überhaupt unsere Stimme abgeben,

warum können wir sie nicht erheben?

Brandubh 13. April 2011 um 00:48  

Ein böser Kommentar, aber wahr.
Rösler macht asoziale Politik: Politik gegen die Schwachen und für die Starken.

Anonym 14. April 2011 um 07:32  

"Aber vom wem?"

Die "Besetzung" der Regierungen wird wahrscheinlich von solchen Institutionen wie Council of Foreign Relations, Bilderberg u.a. und noch geheimeren (zionistischen) Organisationen gesteuert...

Lebowski 15. April 2011 um 12:46  

In der jetzigen Zeit zum FDP-Vorsitzenden zu werden, ist ungefähr so als ob man Sommer 1989 in die DDR-Staatsführung gelangt wäre.

Usus 16. April 2011 um 18:51  

Mir ist Rösler als Parteivorsitzender der FDP sehr recht. Wie der Herr, so's Gescherr.
Etwas anderes wäre es, wenn die FDP eine andere FDP wäre, die sich mit diesem Fatzke nur ein bisschen verwählt hätte. Aber da die FDP nun mal so ist, wie sie ist, passt Rösler zur FDP wie die Faust aufs Auge.

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