Der durchschnittliche Grünenwähler

Montag, 4. April 2011

Nach all dem, was man über den durchschnittlichen Grünenwähler so hört, scheint er ziemlich...

... asozial zu sein, weil er die ursprüngliche Vision der Grünengründer, wonach soziale Gerechtigkeit und Ökologie zwangsläufig eine Symbiose eingehen müssen, wenn sie jeweilig zum Erfolg kommen wollen, aufgegeben hat. Ökologisches Wirtschaften birgt soziale Teilhabe - überall dort, wo nicht ökologisch gewirtschaftet wird, liegt auch schnell die soziale Partizipation darnieder (beispielsweise in der Massentierhaltung, die neben nicht artgerechter Haltung auch noch Arbeitsplätze abbaut und die verbliebenen Stellen zu Niedriglohn anbietet). Der durchschnittliche Grünenwähler hat den ökologischen Gedanken von sozialen Aspekten gelöst. Er glaubt, dass seine zögerliche Bereitschaft zum Umweltschutz (nicht zum Ökologismus!) völlig ausreichend ist, um die Gesellschaft zu verbessern. Soziale Blickpunkte kümmern ihn wenig - er ist ohnehin meistens finanziell bessergestellt, weshalb ihm der Sozialstaat als Auffangbecken gescheiterter Existenzen gilt. Daher ist er in besonderem Maße...

... elitär. Der Sozialabbau wird von ihm getragen und gefordert - zur Aktivierung der Faulpelze, versteht sich. Denn das grüne Menschenbild ist ein optimistisches: entzieht man den Bedürftigen die Hilfe, so erkennt er es als Akt der Belebung eingeschlafener Lebensgeister. Der Sozialstaat ist für ihn eine soziale Hängematte, die ihm viel Geld kostet, sich für ihn allerdings wenig rechnet. Leider unterstützt der Staat die Falschen, ereifert sich der durchschnittliche Grünenwähler. Es sei ja letztlich im Namen Malthus eine Sünde, Hilfebedürftigen unter die Arme zu greifen - denn somit vermehre sich die Hilfsbedürftigkeit über Generationen. Ihm selbst müsste man helfen; Elterngeld, Kindergeld und steuerliche Vorteile sind für ihn die wirklichen Legitimitätsgründe des Sozialstaates. Dabei denkt er freilich auch ganz...

... klassistisch, denn er wähnt es als gelebten Sozialstaat, dass ihm der Staat einen Kindergarten in seinen Vorort baut, in dem er seine Kinder abgeschieden von Prekariatskindern einquartieren kann. Dort unterhält er sich auf Augenhöhe mit anderen durchschnittlichen Grünenwählern, die die Nase rümpfen, weil der Bodensatz der Gesellschaft nicht umweltbewusst frisst, sondern sich an Discounterware schadlos hält, die ja ökologisch bedenklich sei. Die Unterschicht denke einfach nicht nach und wolle es nur immer billiger, noch billiger und fresse jeden Dreck, wird nachher rund und fett und verursacht Unkosten bei den Krankenkassen, die dann wiederum ihre Beiträge erhöhen, die man dann für die Unterschicht stemmen müsse. Selbst kauft man nur biologisch Angebautes, Fair Trade sowieso - das sei zwar teuer, aber man gönne einer fleißigen Kinderhand, die schon mit neun Jahren Kaffee pflücke, doch ein wenig Auskommen. Bei all der Diskussion wird offenbar, wie...

... heuchlerisch der durchschnittliche Grünenwähler ist. Denn von der alten Losung, dass im radikalen Umdenken, der ökologischen Wende, eine Verbesserung der globalen Lebensqualität liege, weiß er heute nichts mehr. Er denkt nicht ökologistisch, er denkt in ganz kleinen Kategorien. Umweltschutz nennt er das dann. Anstatt an die kranke Wurzel zu gehen, will er ein wenig am Blattwerk schnippeln. Müll sortieren - nicht Müll vermeiden; man sei schließlich realpolitisch geworden und habe erkannt, dass der Markt selbst dazu neige, ökologistischen Ansätzen Raum zu geben, wenn sie sich nur rentieren. Man könne als Partei nicht ein Produktionssystem einfordern, das im Einklang mit der Natur und dem Menschen stehe. Das müsse der Markt schon selbst tun - und er tut es ja teilweise auch. Der durchschnittliche Grünenwähler ist im Laufe der Jahrzehnte...

... marktradikal geworden. Reformen wie Hartz IV waren unter grüner Mitwirkung nicht nur deshalb denkbar, weil der soziale Aspekt eine unwesentliche Nebenrolle im Weltbild des durchschnittlichen Grünenwählers spielt. Sie waren machbar, weil das grüne savoir vivre davon überzeugt ist, dass der heutige Markt endlich dem Menschen diene. Der Kapitalismus ist für ihn keine zu überwindende Zwischenstufe mehr, denn er glaubt, dass der Kapitalismus, wie wir ihn heute haben, bereits sozialer, gerechter und ökologischer geworden ist. Hartz IV, das den Hilfebedürftigen auf Gedeih und Verderb den perversen Mechanismen eines rein profitorientierten Arbeitsmarktes ausliefert, ist auch deshalb geschehen, weil Grüne inbrünstig glauben, dass der Mensch im Markt blendend aufgehoben ist und zwangsläufig seinen Platz finden wird. Dass der Markt funktioniere, so denkt der durchschnittliche Grünenwähler, erkenne man auch daran, dass McDonalds seinen Big Mac nicht mehr in Boxen aus Polystyrol, sondern in umweltverträgliche Kartons packt. Er hält das für die natürliche Selektion auf dem Markt. Wo die nicht greift, da tritt er dann schon gerne mal...

... kolonialistisch auf. Da ist er der dringlichen Ansicht, dass man dieser natürlichen Selektion in die Schuhe helfen muß, wenn geostrategisch wichtige Weltregionen abhanden kommen. Der durchschnittliche Grünenwähler von heute kennt den ursprünglichen Pazifismus der frühen Grünen nicht - er glaubt den Parolen, die aus Krieg Friedensmissionen machen. Ja, er prägt solche Chiffren sogar mit, streut sie in gutgläubiger Naivität unter die Menschen. Einem rückständigen Volk, so glaubt der durchschnittliche Grünenwähler, dürfe man die Aufklärung und die Menschenrechte auch mit Gewalt auferlegen. Man tue das ja für einen hehren Zweck - Krieg sei zwar ultima ratio, aber wenn es nicht anders geht, dann sollte man ihn kaltschnäuzig befürworten - "mit Bauchschmerzen", wie einer der grünen Standardsprüche lautet. Die westliche Welt habe die Aufgabe, den Rest der Welt zu missionieren. Das grüne Sendungsbewusstsein will in Kriegen nicht wahllos Gegner töten - es will Gegner umerziehen, wenn nicht anders machbar, dann auch mit harten Erziehungsmethoden. Er ist ein sonderbarer Pazifist und damit nur...

... eine Karikatur von einem Konservativen oder einem Liberalen. Er sattelte im Laufe weniger Jahrzehnte zu einer Mischung aus snobistischem Konservativen und ignoranten Marktliberalen um. Nichts von dem, was einst zur Gründung dieser Partei inspirierte, ist heute im politischen Personal oder in deren Wählerschaft vorzufinden. Angepasste, wohlgenährte und wenig progressiv denkende Pharisäer, die manchmal laut Skandal! skandieren, um als Salon-Protestler wahrgenommen zu werden. Die soziale Frage ist gänzlich aus dem Parteiprogramm verschwunden - sie ist ja auch nicht die Frage der durchschnittlichen Grünenwähler. Sicherlich tut der gerne betroffen, aber letztlich erklärt er selbstsicher: dem Starken geschieht kein Unglück, der Schwache ist es aber...



40 Kommentare:

Klaus Baum 4. April 2011 um 07:38  

Well roared, Lion!

Anonym 4. April 2011 um 08:29  

Das, liebe Leser, war ein aktueller Lagebericht aus der Grünen Hölle Baden-Würgdenberg.

Rotzgrün 4. April 2011 um 08:43  

Hab auf den Schrecken in der Morgenstunde erst mal ein antifaschistisch gezüchtetes Tofu geschlachtet.

Siebenstein 4. April 2011 um 08:44  

Als alter (52J.) ehemaliger, jetzt die Linke wählender Grüner, kann ich nur sagen: Die Grünen haben uns und sich verraten und verkauft.
Sie sind ein Sammelbecken christlich liberaler(neoliberaler) Eliten geworden, und Sie lieber Roberto de Lapuente haben es mal wieder meisterlich verstanden, es uns mitzuteilen.
Vielen Dank dafür

Anonym 4. April 2011 um 08:59  

Brilliant, lieber Roberto. Von A bis Z stimmig. Mfg Stefan

Anonym 4. April 2011 um 10:02  

Das ist das beste was ich seit langem von Ihnen gelesen habe!
Viele von denen arbeiten übrigens auch im öffentlichen Dienst bei der Arbeitsvermittlung, dass merkt man als betroffener ARGE-"Kunde"...

Daniel Limberger 4. April 2011 um 10:47  

Lieber Roberto,

das Beste, was ich seit Langem von Dir zu lesen bekam. Roberto in Höchstform. Da stimmt jedes Jota und jeder Strichpunkt! Einfach klasse!

Entschuldige, dass ich mich sonst nicht mehr melde - aber das Kommentieren hat sich als allgemein in allen Blogs ziemlich unfruchtbares Unterfangen erwiesen.

Aber Du bist gerade auf einem guten Weg - weiter so!

Liebe Grüßle

Daniel

Andreas E 4. April 2011 um 11:32  

Mal wieder ein Beweis dafür, wie sehr Lapuente in der Lage ist, Dinge wahrzunehmen, die wir anderen Blogger übersehen. Oder die wir als nicht wichtig abtun, da uns der Parteienapparat eh nicht interessiert.

Gut gemacht!

landbewohner 4. April 2011 um 12:00  

perfekt erkannt und beschrieben.

Anonym 4. April 2011 um 12:28  

"Der durchschnittliche Grünenwähler"(Roberto Lapuente)

Ein sehr erhellender, aufklärender Beitrag zu diesen so genannten "Grünen", super!
Wer die noch immer für irendwie "links" ansieht hat nicht mehr alle Tassen im Schrank!


Beste Grüße von Bakunin

Anonym 4. April 2011 um 12:30  

Mich hat es gewundert dass die Leute in BW nicht weit genug denken konnten um zu erkennen das Rot/Grün, wenn überhaupt, dann nur knapp die Mehrheit erreicht. In den Umfragen was das schon lange deutlich. Selbst als überzeugter Grünenwähler hätte man doch nun die an der 5% Hürde zu kämpfende Linke wählen müssen, um so eine Wende wirklich abzusichern. Nur 1-2 Sitze weniger und Grün/Rot hätten die jetzt unbeachteten 3,6% der Linken bitter nötig gehabt.

Anders sieht es z.B. in Sachsen-Anhalt aus. Dort ist die Situation genau umgekehrt und die Grünen schafften es bisher nie über die 5%. Wer hier also eine Rote Regierung will muss Grün wählen.

Anonym 4. April 2011 um 12:37  

Meiner Meinung nach sind die Grünen eine sozial ausgerichtete Partei, die mit Themen wie Mindestlohn und Grundsicherung weit entfernt von Konservativen Ideologien sind. Meiner Meinung nach steckt in den Grünen mehr soziales als in den sogenannten "Sozial"demokraten. Dennoch wird man nach 7 Jahren in Regierungsverantwortung auf Bundesebene natürlich von der Realität eingeholt und kann nicht mehr polarisierende unrealistische Forderungen herausposaunen, wie z.B. die Linkspartei... Man wächst eben mit der Verantwortung.

Anonym 4. April 2011 um 12:39  

Anonym Daniel Limberger hat gesagt...

"Lieber Roberto, ...Du bist gerade auf einem guten Weg - weiter so!"

In der Tat, so kann und muss man diesen widerwärtigen verlogenen Haufen von satt rülpsenden Spießern bloßstellen.

Was deine Unlust zum Kommentieren in verschiedensten Blogs angeht, so geht es mir ähnlich.
An einem weitegehenden Wissen, welches über die reine Oberflächenbeschreibung der heutigen Zustände hinausgeht, sind nur die wenigsten Kommentatoren interessiert, schon gar nicht, auch nur einen Flohsprung über den gegenwärtigen Kapitalismus/Imperialismus hinauszudenken.
Man "entlarvt", und damit lässt man es dann auch bewenden... Alternativen zum Imperialismus? Pustekuchen!

Beste Grüße von
Bakunin

Anonym 4. April 2011 um 12:42  

ewig nichts so richtiges mehr hier gelesen!

Anonym 4. April 2011 um 12:54  

In der Schweiz führte das beschriebene Phänomen zur Abspaltung der „Grünliberalen Partei“ GLP. Bei den Wahlen in Zürich an diesem Wochenende verdoppelte die GLP fast ihre Sitze(„Sieger“, „räumen einmal mehr ab“, "sind einfach im Trend" etc.) und zog mit der bisherigen GP gleich, die unverändert abschnitt.

Anonym 4. April 2011 um 13:14  

Anonym Anonym hat gesagt...

"Meiner Meinung nach sind die Grünen eine sozial ausgerichtete Partei,...."

Sollte das ein Scherz sein?
Wenn ja, dann nur ein jämmerlicher!

MfG Bakunin

Aeroflott 4. April 2011 um 13:17  

@Anonym um 12:37 Uhr:

Man wächst nicht mit der Verantwortung, man sinkt.

Lutz Hausstein 4. April 2011 um 13:45  

@ Anonymicus 12:37:

"... polarisierende unrealistische Forderungen ..."

Das finde ich auch. So etwas Polarisierendes und Unrealistisches wie "anständig von den Erlösen seiner Arbeit leben zu können" oder denjenigen, die von der Erwerbsarbeit ausgeschlossen werden, dennoch ein akzeptables Leben zu gewährleisten, das ist schon ziemlich verdächtig und gehört regelrecht verboten. Sowas unrealistisches, populistisches aber auch! Nee!

Wer Sarkasmus findet, darf ihn sich gern in einer Sammelbüchse aufheben. ;-) Aber Vorsicht! Diese könnte bald ganz schnell voll werden.

Anonym 4. April 2011 um 14:09  

Herzlichen Glückwunsch, lieber Roberto! Das ist ein Volltreffer!
Ergänzend noch: Das politische Angebot der Grünen beschränkt sich weitgehend darauf, dafür zu sorgen, dass Investoren beim Profitieren nicht durch Radioaktivität gestört werden.

Herzliche Grüße aus Aachen (VHS)

Roberto J. De Lapuente 4. April 2011 um 14:35  

Hm, als ich den Link hierher bei Facebook, bei KEIN Stuttgart 21, anbot, da war man nicht so erfreut... da wurden manche ganz sauer...

Rotzgrün 4. April 2011 um 14:40  

Grüne Spitzenpolitiker exponieren sich aktuell GEGEN Ökosprit E10. Wer sich ein wenig ärgern möchte,hier:

12. September 2005, Beschluß des Bundesvorstands Bündnis 90/Die Grünen:
"Die grüne Zapfsäule: neue Kraftstoffe vom Acker. Kurzfristig muß mit der Mineralölwirtschaft verbindlich ausgemacht werden, daß sie die Beimischung von Ethanol zum Benzin und von Biodiesel zum Diesel endlich umsetzt. Damit wird der Sprit bereits deutlich billiger. Anderenfalls werden wir eine gesetzliche Verwendungsquote durchsetzen. Wir wollen, daß schnell EU-weit die Beimischung von Ethanol (zum Benzin) und Biodiesel (zum Diesel) von 5 Prozent auf 10 Prozent verdoppelt wird. Größere Tankstellen sollten schnellstmöglich grüne Zapfsäulen für Biosprit aufstellen."

Und wer noch nicht genug hat hier noch etwas zum Kotzen:

http://www.wiwo.de/unternehmen-maerkte/dick-im-geschaeft-459199/

Ein wenig viel Text, aber es lohnt sich.

Banana Joe 4. April 2011 um 17:37  

Eine Provokation zur Unzeit...

Roberto,

wenn Du Dich fragst, warum so mancher sauer reagiert...

"...als ich den Link hierher bei Facebook, bei KEIN Stuttgart 21, anbot, da war man nicht so erfreut... da wurden manche ganz sauer..."

...so liegt das möglicherweise daran, dass gestern ein sogenannter Flashmob Spam auf grünen facebook Seiten hinterlies und mancher Deinen Artikel im Beissreflex in die Schublade "Partei XY nein danke" einordnete, ohne den Beitrag überhaupt zu lesen.

Schade - enthält Deine Polemik durchaus nachdenkenswerte Gedanken.

Ungünstiges Timing! - Warum musst Du auch ausgerechnet heute Öl in das Feuer schütten?!?

Banana Joe

Anonym 4. April 2011 um 17:44  

Gefällt mir sehr gut, da es doch ein vorzüglicher Beitrag zur gegenseitigen Zerfleischung der Linken oder eben derer, die sich dafür halten, ist.
Und wohin führt diese auf folgende Formel gebrachte Auseinandersetzung, in der sich jeder zutiefst verbittert missverstanden fühlt: "Du bist doof" - "Nein, Du bist verblendet" ?
In Krieg. In nichts als jämmerlichen, tötlichen KRIEG.
Hier haben wir einen weiteren Baustein dafür. Meinen Glückwunsch!
Wer anderes als die rechten Konservativen sollten daraus (als Unbeteiligte) als Sieger hervorgehen?

Anonym 4. April 2011 um 18:20  

Die Grünen sind genau solche neoliberalen Wendehälse, wie die Spezialdemokraten!

Roberto J. De Lapuente 4. April 2011 um 18:21  

Die Grünen also links. Soso. Lieber anonym, gefällt mir ebenfalls sehr gut, wie Sie sich und Ihr geschätztes Undenken hier tötlich selbst zerfleischen...

epikur 4. April 2011 um 20:05  

Früher ging man auf die Straße, riskierte, sich bei der Familie, der Verwandtschaft, der Polizei, den Richtern usw. unbeliebt zu machen. Man hatte Ideale, Prinzipien, eine Utopie vom besseren Miteinander. Man diskutierte erbittert und emotional für seinen Standpunkt.

Heute kauft man Bio-Produkte und Öko-Klamotten, bezieht seinen Strom bei Lichtblick, liest die TAZ und wählt die Grünen. Im Herzen aber, sitzt der konservative Biedermeier.

sw 4. April 2011 um 20:34  

Ja-Nun.
Schon richtig, aber durchaus gar nix neues.

Das die ursprünglichen Grünenwähler -bzw. -Gründer (pazifistisch, ökologisch ...) spätestens beim mitgetragenen Kosovokrieg (bzw. Natoangriffskrieg auf Serbien) aus der Partei ausgestiegen sind, ist ja durchaus bekannt.

Das sie ihre sogenannten Grünen "Grundwerte" wie Pazifismus und Umweltschutz / Ökologie für "die Machtteilhabe" über Bord werfen - ist das wirklich etwas neues?
Da muß ich euch leider enttäuschen, wer die Politik nur ein bißchen aufmerksam verfolgte konnte auf diese "Einsicht" schon vor Jahren kommen.

Jutta Ditfurth, die ich nicht wirklich sympathisch finde, hat und hatte mit ihrer Kritik an der Fischer"gang" durch und durch recht. Diese äußerste sie schon wann? Viel Spaß beim recherchieren.

Das sie neoliberal, asozial und ein Elitendenken ihr eigen nennen ist nichts neues. Ebenso der Rest.

Letztlich hat es Volker Pispers perfect verkürzt:
"Im Grunde ist ein Grüner ein Liberaler, der für Dosenpfand ist."


Also was bitte ist "brilliant" an der Darstellung von längst bekannten Tatsachen.

antiferengi 4. April 2011 um 21:32  

Top.
Mitten in die Mitte der mittigen Mittler am rechten Rand.
(Danke auch, speziell für die Erwähnung der braunen Untertöne über Malthus)

strangeai 4. April 2011 um 22:31  

Sehr schöner Artikel...und ein wenig Widerstand vom Grünenwähler ist wohl zu erwarten - schließlich tut Wahrheit weh.

Wenn man die Politik der Grünen links findet, dann gibt es dafür 3 gute Gründe:
1. Aus dem Geist der Erinnerung, dass sie mal links waren. Damals...vor '98. Da hab ich auch noch grün gewählt und gedacht Rotgrün bringt die dringend benötigte Wende...

2. Man geht einfach davon aus, dass irgendwo zwischen SPD und CDU die Mitte sein muss. Dementsprechend muss grün links sein. Das heute selbst die Realos der Linken rechts der Mitte sind, ignoriert man dabei einfach. Mit Mitte meine ich Stagnation - nix für und nix gegen den Bürger.

3. Man hat die Propaganda einfach gefressen. Man glaubt also tatsächlich, dass reale Politik eben nicht links sein kann...das ist alles verträumte Ideologie.

Ich empfehle:
Im Fall 1: Anschauen, was die Grünen auf Bundesebene durchgesetzt haben. Hartz IV, Agenda 2010, Kosovokrieg, Finanzmarkt liberalisiert, Atomausstieg nicht umgesetzt.

Im Fall 2: Anschauen, wo sie die Politik von Rotgrün, Schwarzrot und Schwarzgelb unterschieden hat in den letzten 15 Jahren. Man findet bei allen die wesentlichen Elemente: Deregulierung, Privatisierung, Sozialstaat zurückfahren, Rolle des Staates insgesamt schwächen.
Effektiv liegen die 4 Parteien so dich zusammen, dass es sich nicht lohnt über die Details zu streiten.

Im Fall 3: Matrix schauen. Rote Pille schlucken.

Norbert Schnitzler 4. April 2011 um 22:56  

Gut gegeben, aber fehlt da nicht noch etwas? Sind typische Grünenwähler nicht politisch korrekte Spaßbremsen, die 1. satirisch verpackte Kritik nicht verstehen und 2. jedes "Neger" oder "Reichskristallnacht" verbessern oder verbieten wollen, z.B. in Kinderbüchern?

Ich habe das zwar nicht an WählerInnen ausprobiert, aber an Politikerinnen, denen ich z.B. CO2-Verschmutzungsrechte für neugeborene Kinder vorgeschlagen habe, was mir als "menschenverachtend" angekreidet wurde.

Violet Luxemburg 4. April 2011 um 23:17  

Ja ganz genau, lieber Epikur, "Früher ging man auf die Straße, riskierte" auch mal Tätlichkeiten, zum Beispiel, jemandem aufs Maul zu hauen, weil er es einfach nicht besser verdient hat.
Solche Hitzigkeit wurde früher noch als erfrischende Möglichkeit im Spektrum der Meinungsäußerung gesehen.
Ich hätte große Lust, einmal stundenlang eine Diskussion mit Ihnen auf höchstem Niveau zu führen und zwischendurch einfach mal herzerfrischend mit voller Wucht in Ihre Fresse zu schlagen - und Ihnen diese Möglichkeit selbstverständlich auch einzuräumen (sofern Sie mir körperlich Paroli bieten können).
Wenn ich mir in alten Dokus Ausschreitungen auf früheren linken Demos ansehe, wo man mit Körpereinsatz noch etwas RISKIERTE, dann bin ich da im Herzen ganz dabei und damit auch bei Ihnen, werter Herr Epikur!

Anonym 5. April 2011 um 07:43  

Irgendjemand hier hat erwähnt, dass die Grünen bei ihren Schweinereien stets von "Bauchschmerzen" begleitet würden. Kopfschmerzen sollten sie haben. Aber das Schmerzensgeld in den Regierungsämtern und Pralamentssesseln ist ja auch nicht schlecht.

antiferengi 5. April 2011 um 08:04  

@sw 20:34
Du wirst es nicht glauben. Aber für die meisten Grünen, - ist das was neues ;-)
Hätten alle, die dies schon vor Jahrzehnten gewusst haben, das Maul aufgemacht, wäre dem "vielleicht" nicht so. Aber das kleinere Übel, gab es schon damals.

sw 5. April 2011 um 10:05  

@antiferengi 5. April 2011 08:04
Du irrst dich "antiferengi", und übertreibst denn ich sprach nicht von "Jahrzehnten".
Fakt ist das mit Eintritt und dem sich durchsetzen können der "Fischergang" die Partei sich massiv gewandelt hatte. Viele wirklich Grüne sind damals ausgetreten, der Rest dieser "Gründergeneration" mit dem Kosovokrieg.

Fakt ist auch das es damals heftigste Diskussionen zwischen den sogenannten "Realos" und "Fundis" gab. Ist also auch nix mit "hätten sie mal das Maul aufgemacht". Die "Fundis" waren -aus welchen Gründen auch immer - schlicht den "Realos" unterlegen.

Ähnliches ist ja auch bei der SPD festzustellen. Was hat Schröder, Schilly, Clement, Steinbrück (um nur ein paar zu nennen) mit den Grundsätzen der SPD zu tun? Nichts, aber auch gar nichts.

@strangeai 4. April 2011 22:31
Ja.
Im übrigen hätten die Atomkraftwerke nach den WTC-Anschlägen ohne irgendwelche Probleme und Regressforderungen der Betreiber abgeschaltet werden können. Evtl hat Merkel den -letztlich- ungesetzlichen Weg gewählt um den Weg für Schadenersatzklagen der Betreiber frei zu machen. Schließlich hat die heutige Politik dafür zu sorgen das die "Ansprüche" der sogenannten Investoren befriedigt werden - das ist schließlich wichtiger als alles andere.

endless.good.news 5. April 2011 um 13:27  

Vielleicht ist es ja umweltfreundlicher, wenn alles per Handarbeit anstatt mit Maschinen gefertig wird. Zumindest gab es zur Hochzeit der Sklaven keinerlei Probleme mit CO2. Somit wär die Politik der Grünen doch nur konsequent.

Punbal 5. April 2011 um 19:09  

Es muss weitergehen mit Abrechnungen. Nach der Abrechnung mit den Grünen jetzt bitte die Abrechnung mit einfacheren Opfern wie Philipp Rösler.
Hier die Steilvorlage:

"Nach den Veränderungen der letzten Jahre aber verstehen viele die Bürgergesellschaft nach dem falschen Motto: „Wenn jeder an sich selbst denkt, ist auch an alle gedacht.“ Insofern ist es zunächst einmal unsere Aufgabe, die Menschen wieder auf die Bürgergesellschaft neugierig zu machen. Das gelingt mit einem technokratischen Programm nur bedingt. Es fehlt eine positive Vision für die Zukunft unserer Gesellschaft.
Getreu dem Motto: Man kann das eine tun, ohne das andere zu lassen, wäre es jetzt also an der Zeit, das Fehlende zu unserem neuzuschreibenden Grundsatzprogramm zu ergänzen. Wenn wir den liberalen Zusammenhang neu finden, dann wird es uns gelingen, in der heutigen Zeit die Menschen vom Liberalismus nicht nur zu überzeugen, sondern sie wieder zu begeistern."

www.facebook.com/note.php?note_id=43922885285

Anonym 5. April 2011 um 20:59  

Siebenstein hat gesagt...

"Als alter (52J.) ehemaliger, jetzt die Linke wählender Grüner, kann ich nur sagen: Die Grünen haben uns und sich verraten und verkauft."

Hallo Siebenstein, jeder, der bei den einstigen ECHTEN Grünen mal aktiv mitgemacht oder sie wenigstens unterstützt, gewählt hat, hat einige gute Gründe, auf seine politische Vergangenheit stolz zu sein.
So sehr mich die heutigen NATO-
OLIV-"GRÜNEN" auch nur noch mit Ekel erfüllen, so kann ich doch wegen der einstigen Vergangenheit dieser vormaligen Anti-Atomkraft- und Bürgerrechtsbewegung keinerlei Schadensfreude empfinden.
Viel mehr jedoch Trauer darüber, dass ein einst so großartiges Projekt so den Bach runtergehen konnte.
Sie sind letztlich unendrinnbar in den Sumpf des korrupten bürgerlichen Parlamentarismus hinabgeglitten.
Über die Ursachen hiefür wurde schon genug geschrieben.


MfG Bakunin

Berggeist1963 7. April 2011 um 09:06  

Bereits in den 1980-er-Jahren gab es diesen Spruch: "Wer grün wählt und rot meint fühlt sich hinterher immer irgendwie verkohlt"...

antiferengi 7. April 2011 um 19:44  

@sw 5.Apr. 10:05


Fakt ist das mit Eintritt und dem sich durchsetzen können der "Fischergang" die Partei sich massiv gewandelt hatte. Viele wirklich Grüne sind damals ausgetreten, der Rest dieser "Gründergeneration" mit dem Kosovokrieg.

Fakt ist auch das es damals heftigste Diskussionen zwischen den sogenannten "Realos" und "Fundis" gab. Ist also auch nix mit "hätten sie mal das Maul aufgemacht". Die "Fundis" waren -aus welchen Gründen auch immer - schlicht den "Realos" unterlegen.


sw, - ich glaube nicht, dass ich mich irre. Denn, diese "Fakten" sind sowohl mir, als mit Sicherheit auch Roberto bekannt. Ich, hab sie sogar gelebt. Was ich meinte, - war, dass man nicht für alle urteilen sollte, nur weil man es selber kennt. blogger, versuchen eher die aufzuklären, denen dies nicht bekannt ist, als die, denen dies bekannt ist. Mich persönlich stört allgemein, die Meinung mancher Kommentatoren, man müsste ausschließlich ihnen etwas neues produzieren, - während neun von zehn Leuten das noch nicht mal verinnerlicht haben. (Nimm dies bitte nicht persönlich). Und was meinen privaten Umgang mit Grünen betrifft. Der spricht deinen Ausführungen, geradezu Hohn. Denen, sind diese Fakten ganz bestimmt nicht bewusst.

flavo 8. April 2011 um 00:47  

im Grunde würde ich auch hier im Falle der Grünen dasselbe meinen wie beim Feminismus. Mehrschichtige Verschiebungen und Rekonfigurationen in der Gesellschaft führten dazu, dass das Phänomen Grüne als Aktant in der Geschichte sich veränderte. Wie in einem Kreislauf kamen die Ungleichgewichte ins Spiel und Veränderungen bahnten sich an.
Die Grünen bildeten Muster, Ideen und Bilder aus, die wiederum auf Muster, Ideen und Bilder in Menschen fielen, die insgesamt ein gesellschaftliches Segment ausmachten und ausmachen, das eben solche Bilder und Ideen erwünscht und sucht mitunter konstruiert. Der Aktant Grüne wurde im Grunde entwirklicht, d.h. er wurde seiner authentischen Geburt und multisensuellen (sensus=sinn, auch der nichtwahrnehmungsbezogene) Stossrichtung enthoben und unscheinbar in eine andere Aktantenkonfiguration eingegliedert. Diese Aktantenkonfiguration nivellierte alle Parteien, Parteien verloren ihre Eigenschaft unterschiedliche kollektive Interessen zu aggregieren. Dieser Kardinaltugend von Parteien griff ins Leere. Bar dieser Funktion, wurden sie in eine andere Aktantenansammlung eingegliedert sprich instrumentalisiert.
Die Grünen ebenso. Die Eingleisigkeit aller Parteien ist nicht alles. Es gibt Differenzen, aber vielleicht anders artikulierte, erscheinende. Die Grünen haben eine Gewissensfunktion inne. Die echten Grünen sind irrelevant geworden, ihnen wurde der Aktant entzogen. Pech gehabt. Der Aktant wurde geklaut von Prätentiösen und von Gewissensgeplagten. Die Prätentiösen führen, die Gewissensgeplagten wählen. Fischer schnalzt im Tanga die Geisel und ruft:" Krieg für die Menschenrechte" und die Gewissensgeplagten jubeln vor Abfuhr des Gewissensdruckes, Gewalt und Blut und das Ganze für eine gute Sache. What else? Die Abfuhrrückhaltung über Jahre zeigte ihre Effekte bei Fischer beispielhaft. Das Amt enthemmte ihn, die Hemmung war nicht mehr nötig, für 4 Jahre war sich des Sessels gewiss. seine anhänger lernten, ihnen gefiel das, die von vorn herein entschuldete Blutrunst, das macht was her, unendliche sind es dieser Wendungen, die den höchsten Zweck ins Spielbringen, wenn die Mittel zu grausam werden.
Eigentlich war ich bei den Verschiebungen. im Grunde schätze ich es wie beim Feminismus ein. Irgendwann ab den 1980ern bis in die mitte der 90er Jahre gelang es Menschen aus der Arbeiterklasse oder Handwerkern oder kleineren Bauern und Unternehmern immer schwerer, nach oben zu dringen, währenddessen sich die Bedingungen für das Bürgertum Fragment und Fragment verbesserten und eine stille Anreicherung mit potentiell Bürgerlichen sich in allen als kritisch sich bezeichnenden Bereichen sich vollzog. Damit stieg exponentiell die Strahlkraft dieser Verschiebungen bis schließlich die alten Verhältnisse die neuen ausgehöhlt hatten. Dann trat der Verfall ein, das klauen des Aktanten. Das kritische Bewegung wurde zu einem coolen Projekt. Man tritt heute bei den Grünen ein nicht um lange Diskussionen zu führen, sondern weil man meint, die Wahrheit zu besitzen und diese gut durchzusetzen zu können.
Es bräuchte eine neue grüne Partei. Die Partei für Umwelt und Soziales. PUS.

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