Europa geht schwanger

Montag, 30. November 2009

Berlusconi in Italien, der Kärcherisierer der vom Thron Frankreichs in die Banlieues herabwinkt, wachsende Abscheu gegen Homosexuelle im Baltikum, Schießbefehle an der spanischen Grenze in Afrika, Internierungslager im Namen der EU, zudem eine Riege posierender Intelligenzler in Deutschland, die gegen Arm und Fremd stürmt. Und dann auch noch die Schweiz, kein eidgenössischer Radikaler, nein: das eidgenössische Volk selbst, das sich emporschwingt, gegen Minarette marschiert - als würden Minarette die autochthone Lebensqualität beeinträchtigen.

Es läßt sich immer weniger leugnen, Europas Schoß ist feucht noch - oder wieder. Dieser Kontinent geht schwanger mit Engstirnigkeit, Spießbürgertum, Kleinkariertheit, mit der Diktatur des Kleinbürgers. Dabei sind es nicht nur intellektuelle Jammergestalten, die ihren sozialrassistischen Senf in jede Furche schmieren, nicht nur Machtmenschen, die als demokratisch legitimierte Tyrannen ihr Bluthandwerk betreiben, es sind die europäischen Völker selbst, die per Volksentscheide oder Umfragen dem braunen Abendland ihre Hochachtung aussprechen. Man darf annehmen, auch in Frankreich oder gerade hier in Deutschland, nachdem Hetzer in den letzten Monaten immer öfter ein öffentliches Forum erhalten haben, wäre die Frage nach den Minaretten nicht wesentlich anders ausgefallen. Religions- und Glaubensfreiheit hin oder her: für Europa gelten solche Grundrechte mittlerweile als gutmenschlerische Auswüchse, als Entwicklungen, die man schnellstens wieder zurückschrauben sollte. Gutmenschentum nennt man solche Grundrechte inzwischen, die mehr kosten als einbringen, die solchen zugute kommen, die lediglich Rechte einfordern, ansonsten aber nichts als Gegenleistung aufbringen können.

Das alles spielt sich im Rahmen eines Vertragswerkes ab, das Europa in den Militarismus zwingt, Handel nur mit solchen erlaubt, die keine Schutzzollpolitik betreiben. Dass man damit viele Staaten der Dritten Welt mit der Nase noch tiefer in den Kothaufen des Elends drückt, interessiert die Verfechter des Vertragswerkes dabei wenig. Ein strafferes Europa steht auf der Agenda, Notstandsgesetzgebung nebst Todesstrafe inklusive. Ein Europa der strammen Zügel, freihändlerisch bis zur Militärintervention, zentralistisch und bürokratisch, ausgestattet mit einem Parlament, das plaudern darf, ohne Kompetenz und Einflussnahme auf sich zu vereinigen. Demokratische Strukturen hemmen, hindern, machen den Wirtschaftsgranden das Leben sauer. Das Lissaboner Europa gaukelt auch weiterhin Demokratie vor - es gilt den Schein zu wahren, so zu tun als ob. Parlamentarische Plauderbuden eignen sich dazu hervorragend.

Und das Aufbegehren der Europäer? Der Widerstand Europas standhafter Demokraten? Fehlanzeige! Es mag einzelne Europäer ärgern, wie das Vertragswerk über die Köpfe hinweg aufgepflanzt wurde, aber rege Gegenwehr war nicht feststellbar. Selbst dort, wo man per Referendum mitgestalten durfte, flaute das laue Lüftchen des Widerstands unspektakulär ab. Kein Wunder, denn all das geschieht in einer Zeit, in der Europa mit Vorstellungen schwanger geht, die eigentlich schon längst mehr oder minder abgetrieben schienen. Man suggerierte den Massen, dass die Trächtigkeit lediglich noch eine Fehlentwicklung am Rande sei, eine Erscheinung in Reihen einiger Radikaler und Ewiggestriger. Das war nicht nur ein Irrtum, das war ein famoses Ablenkungsmanöver. Während auf die faschistischen Splitterparteien gedeutet wurde - und weiterhin gedeutet wird -, treibt das Faschistische, mindestens aber die Hitler-Formel (Amery), wie ein Splitter ins europäische Fleisch.

Lissaboner Europa und die sich heranpirschende Engstirnigkeit, kruder Nationalismus, überheblicher Okzidentismus gehen verliebt Hand in Hand, passen vortrefflich zueinander. Da werden unnütze Esser verhetzt, Senioren zum Unkostenfaktor, Andersdenkende drangsaliert und ausgeschlossen, Homosexuelle zu Krankhaften, Sinti und Roma zu Sündenböcken, Moslems zu Gewaltverbrechern - alles schleichend, in schöner europäischer Gemütlichkeit, mit langsam verschärfender Dosierung. Wie soll in einem Europa, das keinen klassischen Liberalismus mehr kennt, Toleranz mehr und mehr verliert, das immer tiefer in den (sozial-)rassistischen Sumpf gerät, wie soll in einem solchen spießigen und kurzsichtigen Europa, in dem die Einfältigkeit täglich heimischer wird, Auflehnung gegen Sozialabbau, Demokratiedefizit und Lissaboner Vertrag stattfinden? Es entspricht zuletzt dem Zeitgeist, all das hinzunehmen, auch wenn es wehtut, wenn es einem selbst Schaden zufügt; es dient doch letztlich nur der guten Sache, dient dazu, unnütze Esser und sonstiges Gesocks in die Schranken zu weisen.

Dieses Europa nimmt alles hin, nimmt selbst die Unmenschlichkeit hin, um sich selbst im Wohlstand zu halten. Aufwiegler aller europäischen Nationalitäten predigen, dass die Abgrenzung gegen alles, was nicht "mit uns" ist, notwendig geworden ist in einer Welt, die sich zunehmend inhuman gestaltet. Dass sie mit ihrem Predigten mitwirken an der Inhumanität wollen sie nicht begreifen. In diesem Europa ist ein neues Szenario in gewichsten Stiefeln nicht mehr nur denkbar, es ist beinahe gewiss. Uns droht kein Auschwitz, man wiederholt unpopuläre Schweinereien nicht - man produziert neue. Was droht ist ein Europa, in dem sozial Minderwertige in Ghettos gepfercht werden, sosehr, dass die heutigen Banlieues wie kleine Idylle wirken. Was am Horizont schimmert ist ein Europa der Moslemfeindlichkeit, wo Moslems vielleicht noch wohnen dürfen, jedoch nicht frei und gleich, sondern unter den Argusaugen der abendländischen Hüter, mit Einreisevertrag und dem Damoklesschwert der stets möglichen Ausweisung über den Köpfen. Es schimmert uns ein Europa entgegen, in dem junge Menschen ohne Aufgabe zwangsrekrutiert, interniert, zur Disziplin verpflichtet werden - auch das stand schon auf dem Plan eines europäischen Landes. Es erwartet uns ein Europa der straffen Zügel, in dem die Völker auf Linie getrimmt werden, kleiner Spielraum links und rechts der Linie anerkennend, in dem gedacht wird, was gedacht werden soll. Kurz und schlecht: Ein Europa der Unmenschlichkeit, wo Menschenrechte zwar existieren, nicht aber allzu ernst genommen werden. Es droht ein kleinkariertes Europa, inklusive Hatz auf Kopftücher und bärtige Männer, übler Nachrede an Arbeitslosen als gesellschaftlicher Standard und massenkonformer Sport, ebenso wie es zunehmend sportlicher wird, häufig Kranken und anderen unkalkulierbaren Humanrisiken mit Schmähung zu begegnen. Es winkt uns eine Art verbales Blutbad entgegen, ein Schlachtfest an allem, was dem kleinbürgerlichen und krämerischen Europa im Wege steht, an jenen, die mehr Geld kosten, als sie monatlich erwirtschaften können und freilich an denen, die selbst in dritter oder vierter Generation als unliebsame Gäste begutachtet werden.

34 Kommentare:

Anonym 30. November 2009 um 17:34  

Obwohl ich Ihren und andere Blogs aus dem eher linken Spektrum (z.B. Feynsinn) sehr gerne lese und meistens mit Ihrer Meinung d'accord bin will mir bei ihrer und der allgemeinen Haltung zum Plebiszit in der Schweiz nicht wirklich einleuchten.

In der Menschensrechtscharta wird festgelegt das niemand durch die Ausübung einer bestimmten Religion benachteiligt werden darf. Ich sehe nicht wo der schweizer Volksentscheid dies verletzen würde. Moslems werden durch diese Entscheidung nicht aus dem öffentlichen Leben etc. ausgeklammert oder an der Ausübung ihrer Religion gehindert. Von der Verletzung der Menschenrechte kann man hier demnach mMn überhaupt nicht sprechen.

Zwar wird die sehr allgemeine gehaltene Religionsfreiheit in der Menschenscharta wie ich inzwischen erfahren habe von den meisten Staaten noch ausgeweitet bzw. spezifiert, so dass es in Deutschlsnd als auch in der Schweiz noch den Begriff der äusseren Religionsfreiheit gibt, der das zur Schau stellen von religiösen Symbolen ausdrücklich erlaubt. Hier würden natürlich auch Minarette drunter fallen. Allerdings ist die äussere Religionsfreiheit keine absolute Freiheit, sondern muss sich anderen Grundsätzen unterordnen. Z.B. überwiegt die religiöse Neutralität des Staates die äussere Religionsfreiheit des Einzelnen, so dass Beamten das öffentliche Tragen religiöser Symbole nicht gestattet ist. Auch das Rufen des Iman wurde in Deutschland un in der Schweiz schon untersagt. Hier hat man also die äussere Religionsfreiheit zu Gunsten der "profanen Begründung" der Lärmvermeidung untersagt.

Ob und wann die äussere Religionsfreiheit quasi "ausser Kraft" gesetzt werden kann ist demnach Auslegungssache. In Deutschland ist für diese Auslegungen das BVerG zuständig, die Schweiz hat hier das für mich erheblich basisdemokratischere Instrument des Plebiszit.

Vielleicht ist der Ausgang selbigen wirklich ein Sieg des Spießbürgerstums, zu allererst ist es aber ein Sieg der Basisdemokratie in meinen Augen.

Mit freundlichem Gruss
ein Leser

Anonym 30. November 2009 um 18:29  

wie wahr, wie wahr ...

Bernd Kudanek 30. November 2009 um 18:34  

... dazu muß mensch wissen, in der gesamten Schweiz gibt es gerade mal 5 (fünf) Minarette - soviel zum "Argument" der Verbreitung eines militanten Islams

... die Klerikalfaschisten der BRD scharren bereits ebenfalls mit den Teufelshufen

... der Scharfmacher und "Innenexperte", der entsprechend anrüchige Vorsitzende des CDU-Innenausschusses Bosbach, sieht sich bestätigt, redet er doch seit langem eine angeblich zunehmende Angst der BRD-Bevölkerung vor Islamisierung herbei, siehe http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,664161,00.html

Bernd Kudanek

SB 30. November 2009 um 18:47  

Das sind die Texte die mir Angst machen - schon weil mir kein einziges Gegenargument einfällt...

Roberto J. De Lapuente 30. November 2009 um 19:26  

Ich habe, und das sollte eigentlich deutlich herauszulesen sein, das Erbauen von Minaretten mitnichten als Menschenrecht bezeichnet. Warum aber der autochthonen Bevölkerung das Minarett stört, bleibt fraglich. Was als Sieg der Basisdemokratie gefeiert wird, ist lediglich die traurige Erkenntnis, dass auch in der Basisdemokratie die Bereitschaft zur mutwilligen Unterdrückung herrscht. Das Braune ist keine spezifische Gesinnung elitärer Zirkel, es kam aus der Masse.

kowalsky 30. November 2009 um 20:01  

Bisher nur stiller Leser Deines Blogs, muß ich zu diesem Text einfach mal meinen Senf zugeben, lieber Roberto!

"Es winkt uns eine Art verbales Blutbad entgegen, ein Schlachtfest an allem..."

Erst das verbale Blutbad und dann, so fürchte ich immer mehr, wird das reale nicht sehr viel später folgen. Die Anzeichen sind doch seit langem nicht mehr zu verleugnen. Alleine hierzulande, die Mordbrennereien und Totschlägereien des brauenen Gesindels seit Anfang der 90er, mit statistischen Tricksereien absichtlich kleingerechnet um dem dümmlichen Schlachtruf "wehret dem Terror von Links UND Rechts" gerecht zu werden. Die überall sichtliche Verblödung, Verrohung und Abstumpfung, medial seit bald dreissig Jahren flächendeckend in Arbeit, die ist schnell in Stellung gebracht zum realen Schlachtfest, wenn es soweit ist. Und in den anderen europäischen Ländern sieht es ja nicht viel besser aus. Und kein halbwegs verläßliches Bollwerk mehr, nirgends, denn wo laufen die skandinavischen Länder inzwischen hin? Einigermaßen solidarisch und liberal und sozial, das war bald einmal! Sie mögen kleinere Schritte auf die "grausame Königin aller Weisheit" zugehen, aber sie gehen sie.

Manchmal übrigens, wenn ich mit anderen über diese Themen diskutiere, frage ich mich hinterher, wer mich mehr anwidert: die verblödeten Schafe, die nicht durchsteigen, weil sie nicht raffen, was um sie herum passiert... oder die sofort agressiv werdenden aus dem Holz, aus dem man Stammtische schnitzt... oder zu guter letzt die herablassend und gleichzeitig verständnisvoll grinsenden "Positiv Denker", die sich nur mit mehr angeblichem Durchblick verkaufen als die Schafe.

Ist so: unter all dem Pop-Geschrei und -Gedudel, der bunten und schnittigen Modernitätsduselei und dem Nichts-Ist-Spannender-Als-Wirtschaft Verblende lauert eine Barbarei, die auf ihre Art dem "unerklärlichen Rückfall" in nichts nachstehen wird. Oder sogar übertreffen...

Gruß

u. a. Nachdenkseiten-Leser

potemkin 30. November 2009 um 20:20  

Und während sich Europa langsam zu einem neofaschistischen System mit kleinen und großen Volksempfindern wandelt, kümmert sich der sieche große Bruder um die Kontrolle unserer Geldbewegungen, um uns irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft das Bewegen schlechthin vorzuschreiben. Der Nachfolger des dunklen Präsidenten wird eine Nation anführen, die sich des einzigen 'Wertes' besinnen wird, den sie noch hat: Die Armee. Die Quislinge stehen schon bereit.

Geheimrätin 30. November 2009 um 20:25  


Die Diktatur der Kleinbürger


Ja, Europa geht schwanger, Schweizerische Eidgenossen, die nicht wissen, wohin mit ihren diffusen Ängsten und diese kurzerhand an 4 (!) raketenartig aus dem Erdboden schießenden Minaretten festmachen, Nationalisten von den USA über Eurasien bis nach Recklinghausen – Deutschland wartet auf mit 3 kristlich konsvervativen Kaltmamselles an vorderster Front, (...)

Anonym 30. November 2009 um 22:11  

"Ich habe, und das sollte eigentlich deutlich herauszulesen sein, das Erbauen von Minaretten mitnichten als Menschenrecht bezeichnet."

Stimmt natürlich. Ich war da zu sehr von der Diskussion im SpOn Forum geprägt worden, da das "Menschensrechtsargument" dort sehr häufig genannt wurde.

Ein Leser

Anonym 30. November 2009 um 22:48  

"[...]Das Braune ist keine spezifische Gesinnung elitärer Zirkel, es kam aus der Masse[...]"

Schon wahr, aber die Masse wurde verführt zum Braunen - von einem ganz gewissen "elitären Zirkel".

Der Wissenschaft der damaligen Zeit, und dem Militär - Das sollte man nicht auch noch unterschlagen.

Übrigens, ich wäre für ein generelles Verbot religiöser Symbole (z.B. Burka, Minarett Glockengebimmel, Kreuz, Nonnenkopftuch etc.) - Das würde wirklich Gerechtigkeit darstellen.

Hier einmal eine atheistische Position dazu:

"Lehren aus dem Minarettverbot" von Michael Schmidt-Salomon:

http://hpd.de/node/8349

Was man auch wissen sollte, der europäische Gerichtshof für Menschenrechte, was in Deutschland weitgehend nur in religionskritischen Kreisen bekannt wurde, hat beschlossen Kreuze in öffentlichen Räumen zu verbieten.

Das hat zu folgenden Reaktionen geführt:

http://feuerbringer.com/2009/11/05/kreuz-ab

Mfg
ein Atheist

maguscarolus 30. November 2009 um 23:04  

Im Angesicht der europäischen Entwicklungen dieser Jahre fällt mir am ehesten Brecht ein:

Das da hätt' einmal fast die Welt regiert,
Die Völker wurden seiner Herr.
Jedoch ich wollte,
daß ihr nicht schon triumphiert:
Der Schoß ist fruchtbar noch,
aus dem das kroch.
Bertolt Brecht, Kriegsfibel, 1955

Anonym 1. Dezember 2009 um 00:10  

Warum denn immer dieses Abschweifen hier in den Kommentaren? Wehret den Anfängen! Das ist es doch worum es geht. Wollen wir diese Welt, diese Politik, diese Gesellschaft? Oder Denken wir mal ob es Antworten gibt ohne TINA.

Anonym 1. Dezember 2009 um 00:24  

Vielleicht sollte man noch erwähnen, dass das Feindbild gegen Moslems und gegen Juden Brüder im Geiste sind - bis weit in die Vorurteile hinein.

Wer mehr darüber erfahren will Kay Sokolowsky "Feindbild Moslem" - insb. dort der Antisemitismusforscher W. Benz - nachlesen.

Ralf-zwei.null 1. Dezember 2009 um 03:12  

@Anonym, erster Kommentar:

Und Sie meinen, das sind die Gedanken, die dem unbedarften BILD-Konsumenten in Deutschland als erstes durch den Kopf gehen?
Habe anderswo gelesen, dass sich jemand aufgeregt hat, weil in Ägypten (!) die Muezzine so laut geplärrt hätten, dass man als anständiger Deutscher nicht mal im Urlaub seine Ruhe vor den Brüdern hätte. So was dann in Deutschland? Gott bewahre...

Bei solchen Meinungen wünsche ich mir manchmal, dass es solch eine Volksabstimmung auch in Deutschland geben müsste. Ich glaube, ich würde ziemlich erschrecken...
Ob allerdings das bereits sturmreif geschossene Kleingeistbürgertum überhaupt noch schnallt, was hier so abgeht, bezweifle ich stark.

Anonym 1. Dezember 2009 um 07:23  

Hallo Roberto,

ist die Meinung des Mainstreams nicht eine Art Kontraindikator - also das Gegenteil dessen, was der Mainstream behauptet, ist oft wahr? Der empört sich jedenfalls derart gleichgerichtet gegen die Entscheidung der Schweizer, dass ich skeptisch werde. Einen Kommentar, die das Votum der Schweizer begrüßt, habe ich bisher nur in der WELT Online von Henryk M. Broder gelesen (der ohnezweifel sonst nur Mist schreibt).

Ansonsten wird selbst in den konservativen Zeitungen mit kräftigen Schlagwörtern gegen die Intoleranz, gar gegen einen Rückfall in die Zeit vor der Aufklärung gewettert. Es scheint, als solle von wichtigeren Problemen abgelenkt werden...

Ein Argument der Minarettgegner hat mich überzeugt: die Befürchtung vor einer Islamisierung des Landes und dem Verlust der christlichen Prägung sowie die vollkommen asymmetrische Behandlung der christlichen Religion in den islamischen Ländern. Es ist nicht zu verhindern, dass man auch bei der Religionsfreiheit auf dem Gegenseitigkeitsprinzip beharrt.

Die Ausgeglichenheit in der Behandlung der christlichen/islamischen Minderheiten muss gegeben sein, allein schon weil sich Christen sonst benachteiligt fühlen - auch eine Form der Diskriminierung.

Roberto J. De Lapuente 1. Dezember 2009 um 08:24  

"Ein Argument der Minarettgegner hat mich überzeugt: die Befürchtung vor einer Islamisierung des Landes und dem Verlust der christlichen..."

Bei fünf Minarette in der gesamten Schweiz, wahrlich ein furchvolles Zukunftsbild. Wenn in diesem Tempo weitergebaut wird, ist die Schweiz im Jahren 2658 sicherlich ein Kalifat. Und ernsthafter: Verlust der christlichen Prägung. Welche? Die Nächstenliebe wird von den herrschenden Klassen mehr und mehr als Schwäche umgedeutet. Jeder ist sich selbst der Nächste, wird gelehrt. Man sollte gegen die Wirtschaftsgranden votieren, Minarette sind nur Geplänkel und lenken vor den wirklichen Atomisierern des Ach-so-Christlichen nur ab.

Oeffinger Freidenker 1. Dezember 2009 um 08:35  

Religionsfreiheit ist ein Menschenrecht und Menschenrechte werden nicht gegeneinander abgewogen, das ist doch totaler Unsinn. Sie sind entweder oder sie sind nicht, egal ob andere sich dran halten oder nicht.

Willy 1. Dezember 2009 um 09:44  

Mich befremdet diese Relionsfreundlichkeit, besonders gegenüber dem Islam, der am wenigsten säkularisierten Religion.

Ich lehne als Linker Religion ab und halte jede Moschee weniger für einen Fortschritt, genauso wie jede Kirche weniger und jedes mangels Bewerbern geschlossene Priesterseminar.

Religion ist das Opium des Volkes (Marx), dass nur der Verschleierung der realen Unterdrückungsverhältnisse dient, und die Muslime haben ein Anrecht darauf, von ihrer repressiven religion befreit zu werden.

Roberto J. De Lapuente 1. Dezember 2009 um 10:01  

Ich bin Atheist, ich weiß, was die institutionalisierte Religion angerichtet hat, aber ich sehe das Religiöse als etwas an, was im Menschen steckt, nicht einfach mit Rationalität wegzüchtbar ist. Vorallem übernimmt die ratio dann eine religiöse Ersatzmutterschaft. Solange man mich nicht zwangskonvertieren will, gönne ich dem Menschen die Religion. Was die Religion inhaltlich bietet, muß mir nicht immer gefallen, wenngleich auch im Religiösen Aspekte zu finden sind, die man nicht ausklammern darf.

Anonym 1. Dezember 2009 um 10:35  

In der Tat: der kommende und breits existierende "Faschismus" wird nur die "Unglücklichen" treffen. Er ist und wird besonders effektiv sein, weil er sich innerhalb "demokratischer" Strukturen quasi evolutionär entwickelt.

Er wird daher kaum noch zu überwinden sein. Das aber auch nur, weil er für die Mehrzahl der Besitzenden und nicht Reflektierenden erträglich bleiben wird.

Die derzeitige Situation in Deutschland ist ja bereits gekennzeichnet durch die faktische Gleichschaltung der öffentlichen Meinung (Internet-Blogs und Kabarett ausgenommen) und einer Einheitspartei aus den bürgerlichen Parteien, in der in den wesentlichen Punkten(etwa der Drangsalierung des Unglücklichen) nicht einmal die einzelnen Parteien noch Flügel repräsentieren.

Eine Frage stelle ich mir aber immer wieder:

Machen diejenigen, die "mit ihrem Predigten mitwirken an der Inhumanität" das bewußt?

Oder ist das nicht vielmehr ein gruppendynamischer Prozess der quasi naturwüchsig seinen Lauf nimmt, da nun einmal die normale durchschnittliche menschliche Natur den Ideologien des Neoliberalimus und dem sich aus Vorurteilen speisenden Stammtischdenken gemäß ist?

Anonym 1. Dezember 2009 um 11:36  

Das Europa schwanger geht kann ich insbesondere für Deutschland nur bestätigen.

Nicht identifizieren kann ich mich aber damit, das der Islam nicht etwa eine Gefahr darstellt. Die Realität spricht doch eine andere extrem blutige Sprache.

Die Terroranschläge und der Heilige Krieg kommen doch nicht von ungefähr. Den Nährboden für die lebenden Bomben bildet selbstverständlich der Islam, der in Teilen des Korans selbst die Gewalt predigt. Weil der Islam eine Religion des Hasses ist, (nie vergesse ich den Ausdruck ´
Giaur, der mich bereits als Kind entsetzte wenn ich Karl May las) kann er einen Teil seiner Anhänger derart fanatisieren. Man bedenke, wer aus dem Islam austritt (oder austreten will) ist mit dem Tod bedroht.

Man sollte sich den Zahn ziehen lassen, daß die Erscheinungsformen einer Ideologie, nur Abweichungen von einem eigentlich guten oder richtigen Kern sind.

Genausowenig, wie der Archipel Gulag ein Zufall war (er entspringt letztlich aus der marxistischen Ideologietheorie die den Andersdenkenden als Klassenfeind sieht), genausowenig wie die Erscheinungsformen von HARTZIV nur ein Nebenprodukt der Hetze sind, das zu hohe Sozialleistungen bzw. der faule Arbeitslose selbst an seiner Arbeitslosigkeit Schuld sind, genausowenig ist der durch den Islam bedingte Terror nur ein Nebenprodukt dieser Religion.

Und deshalb sollte man sehr wachsam und wehrhaft sein gegenüber dieser nicht reformierbaren Religion.

maguscarolus 1. Dezember 2009 um 11:47  

Der heutige Islam ist nicht zuletzt ein Produkt der USA und ihrer Vorliebe für religiös-totalitäre Systeme, Rechtsdiktaturen und Monarchien – früher als Gegengewicht zur Militärmacht des Warschauer Paktes und später, bis heute, vornehmlich zur Kontrolle von Bodenschätzen in den betreffenden Ländern. Unter dieser "Schutzglocke" konnte sich ein extrem totalitärer Islam wahabitischer Prägung (Saudi Arabien, al Quaida, Taliban) ebenso wie ein radikalisiertes Schiitentum in Iran und seinen Nachbarstaaten entwickeln. Diese Entwicklung wiederum bekräftigt evangelikale Fundamentalisten USA-christlicher Provenienz zur Ausrufung ihres heiligen Krieges, und keine US-Administration kann über diese Fanatiker einfach hinweg gehen.

Diese überaus beklagenswerte Renaissance des religiösen Fanatismus wurde somit wesentlich durch das imperiale "Wirken" der großen westlichen Schutzmacht gefördert wenn nicht gar installiert.

So lebt Europa in weiten Teilen heute in Angst vor der Infiltration eines islamischen Fundamentalismus mit seiner explizit intoleranten, kompromissverhindernden Auslegung der Scharia und Minarette gelten den Menschen nicht als "Orte des Lichts" sondern als bedrohliche Symbole einer "religiösen Besatzung".

Die Nutznießer der Angst sind immer latent oder offen faschistoide Gruppen, die mit ihrem Versprechen "einfacher Lösungen" den "einfachen Leuten" ins Hirn scheißen.

Vernunft, Aufklärung und die Freiheit aller Vernünftigen, Aufgeklärten sind die ersten Opfer derart dumpfer Ressentiments.

Es ist ein Jammer, dass die Eidgenossen in ihrer Mehrheit diesen Mechanismus nicht durchschaut haben und es ist die Schuld der Regierung(en), durch nichts, außer durch heuchlerische Sonntagsreden kulturelle Toleranz zu fördern – schon gar nicht durch entsprechende Bildung!

Gesellschaftliche Verwahrlosung hat ihre wichtigste Ursache in einem Mangel an Wissen und Aufklärung.

lupo cattivo 1. Dezember 2009 um 11:59  

Lieber Roberto,
ich denke , mit diesem Artikel verkennst Du, dass sich in diesem Fall das "gesunde Volksempfinden" der Schweizer Bevölkerung GEGEN die Pläne der NWO durchgesetzt hat.
Der Plan der NWO ist es - und das geschieht rückblickend seit mehr als 40 Jahren- sämtliche gesellschaftlichen Strukturen wie Familie, Gemeinde (ob regional , religiös oder sonstwie), kulturelle Identitäten zu zerschlagen um letztlich eine mehr oder minder "einheitliche" Weltbevölkerung zu schaffen, die keinerlei Identifikationspunkte mehr hat.
Man beachte, wie auch die vermittelte "political correctness" die "interkulturelle" Partnerschaft als erstrebenswert herausstellt, wobei sie in praxi in den wenigsten Fällen haltbar ist.
Wenn wir mal zurückblicken, dann war (und ist es tw.) eben anregend, interessant z.B. in die Schweiz oder nach Italien zu fahren und dort eine "andere" spezifische Atmosphäre zu erleben als z.B. in D - eine Atmosphäre,, die sich "die Schweizer" oder "die Italiener" so geschaffen haben. Genauso war es mal schön, in andere Städte -sei es im In- oder Ausland zu fahren und dort eine andere "Kultur" bis hin zum Shopping zu erleben.
Übertrieben gesagt, heute sind alle Städte, ob Frankfurt, München oder Mailand in ähnlicher Weise kommerzialisiert von "Global Playern" und die Identifikation der Menschen mit "ihrer" Stadt ist weniger möglich.
Diese Atmosphäre ist nicht mehr von der nationalen, regionalen Eigenheit geprägt, sondern von den Interessen der Profiteure.
So gesehen ist es absolut richtig, dass die Schweizer verhindern wollen, ein Land der Minarette zu werden, denn ein Minarett passt zur Schweiz so wenig wie ein Schweizer Holzhaus in den mittleren Osten.
Es ist hier ähnlich wie bei der CO2-Lüge: Die wahren "Gutmenschen" sind diejenigen, die auf die Multikulti-Argumente der NWO hereingefallen sind, dass alles immer und überall seine Berechtigung haben muss, dass der Wunsch nach Identifikation bereits ein Zeichen von "rechts" sei, dass jeder Widerstand gegen -in Wahrheit unangemessene- Berücksichtigung von Wünschen einer eingewanderten Minderheit (auch diese Zuwanderung wurde von NWO-Planern organisiert) bereits zu verteufeln ist.
Für mich gibt es eine Parallele, die mit dem Plan ganz bewusst geflegt wird: Israel, ein Staat, der sich als völliger Fremdkörper in eine orientalisch geprägte Region -par ordre de mufti-
hat einbetten lassen und diese Region vergewaltigt und im Gegenzug wird uns vermittelt, dass es absolut i.O. ist, wenn "Gastgeber" ihre Gewohnheiten ändern, damit sich deren "Gäste" zuhause fühlen.
Wenn wir in einer Welt von vielen Farben und Variationen und Facetten leben wollen, dann können wir eben nicht gleichzeitig alles in einen Topf werfen, denn dabei kommt dann wirklich am Ende genau die "braugraune" Melange heraus, die die faschistoide NWO anstrebt.

maguscarolus 1. Dezember 2009 um 12:05  

Nachtrag zur religiösen Radikalisierung in USA:

Evangelikales "bootcamp" für Kinder

Kann man sich an einer Jugend mehr versündigen, als es die "Religiösen" in aller Welt tun?

Roberto J. De Lapuente 1. Dezember 2009 um 12:19  

Der Islam: den gibt es nicht. So wie es das Christentum nicht gibt. Was also einige Irre in ihren Bootcamps tun, hat mit der Lebenswirklichkeit ihrer "Glaubensbrüder und -schwestern" gar nichts zu tun. Für die meisten Menschen auf Erden bedeutet Religion Anleitung zum guten Leben. Ob das immer aufgeklärt und autonom abläuft, spielt dabei keine Rolle. Wenn Menschen das Bedürfnis nach Religion haben, und das haben sie, weil es dem menschlichen Wesen immanent ist, dann müssen sie es ausleben dürfen.

Der Islam ist genauso Gefahr, wie es eben das Christentum ist. Im Namen des Christentums hat Bush den Mittleren Osten überfallen, Palin hat das deutlich ausgesprochen, was Bush im Namen der political correctnes nicht aussprechen konnte. Der Koran empfiehlt soviel Gewalt wie die Bibel. Wie aber nicht jeder Christ Blut predigt, predigt auch nicht jeder Moslem Blut. Wir können auch nicht allen Basken Bombenfieber unterstellen, nur weil die ETA das so praktiziert. Da differenzieren wir plötzlich, da ist uns der Baske nicht gleich Baske.

Die westliche Welt macht es sich "mit dem Islam" viel zu einfach. Einige Irre, die es sicherlich gibt, wie in jeder Ideologie, machen noch keine Gesamtheit von schlechtem Menschenschlag aus.

Anonym 1. Dezember 2009 um 12:41  

Roberto de Lapuente zu 30.11.09, 19:26 Uhr:

"Warum aber der autochthonen Bevölkerung das Minarett stört, bleibt fraglich."

Es ist wohl die (un)berechtigte Angst mancher hier (meist Christen), dass Gläubige anderer Kirchen mit "uns" im eigenen Land so umgehen würden, wie "wir" es früher und auch noch heute mit anderen taten oder tun - missionarisch, wirtschaftlich, politisch, Zerstörung von Lebensart und landeseigener Heilmittel, von Kultur, usw..
Sie haben schlicht und einfach Angst vor Rache.
In der Psychologie ist ja bekannt, dass Traumata generationsübergreifend wirken können.
Hinzu kommt die eigene Existenzangst angesichts echter oder virtuell erzeugter Wirtschaftskrisen. Diese Angst wird nicht erkannt, sondern (un)bewusst abgewehrt, auf andere projiziert und dort bekämpft, anstatt sie in sich (aus)haltend zuzulassen und in etwas Konstruktives zu verwandeln. Dies haben die Menschen in "unserem" einseitig geistig ausgerichteten Schulsystem, in sozialisierenden und erziehenden kirchens und im Beruf einfach nicht gelernt und erfahren. Es "muss" dann einfach jemanden geben, der dafür büßt. Der Sündenbock.

Sie begreifen nicht, dass Andere mittel- bis langfristig meist in ihren Ländern blieben, wenn wir diese einfach nur in Ruhe ließen und nicht immer nur ausbeuten oder mindestens übervorteilen würden - von politischen Flüchtlingen und solchen, die auf der Flucht vor sich selbst sind, mal abgesehen. Letztere gibt/ gab es auch bei "uns".

Und sie begreifen nicht, dass "wir" als Einzelne wie auch kollektiv das ernten, was wir z. B. im sozialen Miteinander seit vielen Jahrzehnten unterlassen haben. "Unsere" individuellen und kollektiven Versäumisse könnten "uns" ja alsbald einholen. Anstatt konstruktiv miteinander zu handeln/ zu kooperieren, gibt es künstliche und subventionserhaltende Programme zur sog. Integration ... und der Rest wird ausgesessen … bis es befürchteterweise einmal knallt.

Und "wir Deutschen" (wie wohl auch manch andere Nationen), die sich nun vom wirtschaftlichen Abstieg bedroht sehen oder bereits kräftig absteigen, sind unsagbar gekränkt und wütend ... auf die "da oben" (und eigentlich ja auch auf uns selbst), die in ihrer/ unserer Wiederholungsdenke einfach nicht mehr weiterwissen und den Karren meist nur noch tiefer in den Dreck schieben. Da man an diese „da oben“ nicht herankommt, sie argumentativ nicht erreicht, "muss" es eben Sündenböcke geben, Die dann eben dafür büßen müssen, dass man leidet, so wütend ist und diese im Land der Meinungsfreiheit nicht verbalisieren kann/ darf/ will … und diese große Angst (aus)halten muss.

Fortsetzung folgt.

Anonym 1. Dezember 2009 um 12:43  

Fortsetzung.

Desweiteren sind Kirchen ebenfalls schlicht und einfach Unternehmen (eine weitere Erklärung, keine Entschuldigung!). Sie stehen als Unternehmen im Wettbewerb mit anderen Unternehmen dieser Art. Wer kennt nicht z. B. einen Ford-Autoverkäufer, der über z. B. ein neues Renault-Modell lästert oder z. B. einen Lehrer, der die Nachbarschule kritisiert, um die eigene aufzuwerten?! Dies soll keine Verniedlichung sein, sondern anschaulich beschreiben, dass der Mechanismus ein viel grundlegenderer und verbreiteter ist - denn so ziemlich jedes Unternehmen oder Organisation sind oft auch eine Kirche, in der sich die Beschäftigten mit allem und jedem über Gebühr hinaus idenfizieren (sollen).

Ferner leben Kirchen nicht unwesentlich von staatlichen Subventionen, Ehrenamt, teilweise Ein-Euro-Jobbern und privaten Spendengeldern. Diese Töpfe gilt es wohl zu bewahren, besonders bei der z. B. demoskopischen Meinungsmache, nach der "die Deutschen" in ein paar Jahrzehnten? ausstürben.

zum Artikel:
"Da werden unnütze Esser verhetzt, Senioren zum Unkostenfaktor, Andersdenkende drangsaliert und ausgeschlossen, Homosexuelle zu Krankhaften, Sinti und Roma zu Sündenböcken, Moslems zu Gewaltverbrechern - alles schleichend, in schöner europäischer Gemütlichkeit, mit langsam verschärfender Dosierung."

Nun, das IST wahres Christentum, wie es wohl auch zum Wesen manch anderer Kirchen und von Unternehmen und den darin tätigen Beschäftigten gehört.
Wir haben uns im schulischen Kirchenunterricht und durch medienwirksame/ filmische Besäuselung nur der Illusion hingegeben, Christentum sei etwas Edles. Nicht mal in einer Gemeinde oder einem überwiegend christlichen Kollegium ist es das und wenn, dann eher nur als Ritual, dass man pflegt, ansonsten aber nicht lebt bzw. nur als Mittel zum irgendwie kalkulierten Zweck. (Vermutlich wird es in anderen kirchens ähnlich praktiziert.)

Viele Christen und Menschen verstehen nicht oder wollen es nicht wahrhaben, dass sie in den Spiegel schauen, wenn Ihnen ein Andersgläubiger, z. B. ein Moslem, begegnet. Denn dann müssten sie sich und ihr Verhalten ändern und etwas über sich und andere lernen. Dafür sind „wir“ schlicht und einfach zu faul und zu bequem … und schalten den Fernseher oder das Internet an, mit welchen man sich prima ablenken und bestätigen kann oder projizieren „unsere“ eigene (Denk- und Handlungs)Faulheit auf Minderheiten als Sündenböcke.

Übrigens:
Mit Religion an sich hat das alles nichts zu tun! - egal von welcher kirchlichen oder atheistischen Seite aus.

Peinhard 1. Dezember 2009 um 12:59  

Bentham, Malthus, Spencer - kann man die aus dem 'klassischen Liberalismus' wirklich herausrechnen? Oder erfüllt sich hier nicht vielmehr etwas, was in eben diesem auch schon immer angelegt war...?

Michel 1. Dezember 2009 um 14:24  

Das Schweizer Plebiszit gegen Minarette ist eigentlich nur der schriftlich niedergelegte Beweis, wie gut mediale Islamhetze funktioniert.

Vor dem Irakkrieg gab es ein paar verrückte Islamisten, die aber nicht wirklich irgendjemanden gestört haben.

Die Zwangsverheiratungen auf deutschem Boden wurden angeprangert, viele Organisationen gingen dagegen an.

Viele Richter gaben muslimischen oder Straftätern mit Migrationshintergrund einen Multi-Kulti-Bonus.

Um den Irak und dessen nuklearwissenschaftliche Projekte kümmerten sich die entsprechenden Organisationen...(Atomaufsicht, Diplomaten etc).

Seit dem Irakkrieg sind plötzlich alle Moslems Terroristen oder wenigstens frauenunterdrückende Fundamentalisten, die jederzeit den 3. Weltkrieg anfangen könnten und der Iran ist Teil der Achse des Bösen und die Amis warten nur eine Gelegenheit ab, dort einzumarschieren.

Unseren Medien sei Dank.


Die Unterschicht liest Bild und Boulevardzeitungen.

Die Mittelschicht liest überregionale Zeitungen.

Unter- und Mittelschicht werden verarscht.

Oberschicht liest Bücher und kontrolliert anhand der Meldungen in beiden Zeitungstypen, wie weit die eigenen Pläne der Verwirklichung von Oligarchien oder Timokratien oder versteckten Aristokratien schon vorangeschritten sind.




@ ALL:

Bitte nicht als "Anonym" posten, das macht das Zitieren schwierig. Als "Name/URL" kann man sich einen beliebigen Namen ausdenken, URL muss nicht angegeben werden.

Anonym 1. Dezember 2009 um 15:06  

Ich hatte leider meinen vorigen Kommentar etwas einfallslos beendet mit der Aussage, das die Langzeitarbeitlosen ihre neue Mutter noch ganz besonders werden
lieben lernen. Das war ja bereits die korrekte Kernaussage des Themengebers.

Dabei hatte ich bereits Folgendes im Hinterkopf:

Merkel meinte ja vor Kurzem, das das Kindergeld erhöht werden müsse, damit der Abstand zwischen HARTZIV-Regelsatz für Kinder und dem Kindergeld nicht größer
werde, denn die Zahl der Kinder dürfe nicht darüber entscheiden, ob jemand wieder eine Arbeit aufnehme oder nicht.

Das ist die Narrenfreiheit unserer Kanzlerin. Sie spielt 2 völlig verschiedene Dinge gegeneinander aus. Der Kinder Regelsatz ist etwas völlig anderes als
das Kindergeld. Ich habe verfolgt, ob die bürgerliche Presse das entdecken würde. Fehlanzeige! Merkel zu prüfen ist überflüssig. Alles was Merkel macht,
macht sie ja gut.

Nun ist die Frage, warum unsere Kanzlerin meint, das der Abstand nicht gößer werden darf. Hat Sie etwa Angst, daß das Verfassungsgericht den Kinder-
Regelsatz anmahnen wird? Der Abstand könnte ja nur dann größer werden, wenn der HARTZ-Kinder Regelsatz steigen würde (mal rein logisch überlegt).
(Also die Aussage Merkels enthält also 2 Klöpse. Die Frau ist Kanzlerin! Andererseits Stoiber war ja auch bayrischer Ministerpräsident. Also was soll uns wundern?)

Und jetzt meine Prognose: Denn in derselben Meldung sprach sich von der Leyen dafür aus, den Kinder-Regelsatz grundsätzlich auf den Prüfstand zu stellen.

Sie hat Erfahrung mit dem Kindergeld. Was soll Prüfstand bedeuten? Sie will doch wohl nicht den Regelsatz erhöhen? Ich denke sie wird dessen Abschaffung
erwägen (schließlich muß sie in dem eigentlich überflüssigen Amt ja was tun) und stattdessen das niedrigere Kindergeld zahlen, vielleicht über Gutschein.

Das Merkel sich gegen Gutscheine ausgesprochen hat bedeutet nichts, das ändert sie nach Lage der Dinge.

Sollte meine Prognose falsch sein, so freut mich das für die HARTZIV-Familien.

Übrigens die übliche Unterstellung, das die Langzeitarbeitslosen lieber HARTZIV beziehen, statt zu arbeiten, wäre mir hier jetzt fast ganz entgangen.

Das ist der dritte Hammer in Merkels Aussage.

Aber ich meine Merkel hat diese Unterstellung zum ersten Mal explizit so von sich gegeben.

ghost 1. Dezember 2009 um 21:22  

An die Befürworter des Minarettverbots:

Welche Wirkung erhofft ihr euch eigentlich von diesem Gesetz? Glaubt ihr, dass deswegen auch nur ein gewaltbereiter/radikaler Islamist seine Ansichten ändert, oder dass dieses Gesetz in Zukunft die Verbreitung von radikalen Einstellungen verhindert? Ich jedenfalls erwarte eher das Gegenteil, dass sich durch dieses Verbot ein Teil der Muslime, die ursprünglich nur friedlich ihrer Religion nachgehen wollten, diskriminiert fühlt und sich radikalisiert.

Der Bau von Minaretten stellt zwar mit Sicherheit kein Menschenrecht dar, wenn aber die Gesetzgebung eines Landes die architektonischen Symbole der einen Religion verbietet und die anderer Religionen/Weltanschauungen erlaubt, kann man dies meiner Meinung nach durchaus als Diskriminierung empfinden, insbesondere wenn dieses Verbot mit dem Verhalten eines kleinen Teils der Anhänger dieser Religion begründet wird.

Damit will ich keineswegs Gewalttätigkeit rechtfertigen, sondern nur meine Ansicht darlegen, dass ein Verbot von Minaretten nicht dazu führt, dass radikale Kräfte, die sich auf den Islam berufen, eingedämmt werden.

Anonym 3. Dezember 2009 um 23:14  

"Viele Richter gaben muslimischen oder Straftätern mit Migrationshintergrund einen Multi-Kulti-Bonus."

Jo, so wie es das Gesetz auch vorsieht, daß ein Mensch der keine Wahlfreiheit hatte und in einem Zwangsprozess eine Straftat ausserhalb seiner eigenen Entscheidungsfindung als Marionette eines Dritten verübt hat, eben unter Umständen nicht der wirkliche Drahtzieher ist, sondern nur Täter wider Willen.

Aber das ist in den Augen der Rechtskonservativen sowieso menschlicher Dreck, der eliminiert gehört.
Verstehen, Verständniss und Mitgefühl sind dem Rechtskonservativen Fremdworte.

Lernfähigkeit wohl auch, ist heute Weltweit doch bei allen Soziologen und Psychologen sowie bei allen Statistikern heute klar: Härtere Strafen schrecken Verbrecher nicht ab.

Aber das nur am Rande. Es gibt in unmenschlich werdenden Zeiten schon so viel zu beklagen, warten wir die Zukunft ab. Vielleicht war Nazi Deutschland tatsächlich nur ein Ausblick auf das, was uns die Zukunft noch weltweit bescheren könnte.

Dominik Hennig 5. Dezember 2009 um 20:14  

Oh Roberto, ich wünschte, sie WÄREN allesamt Freihändler* - dann würde sich, getreu der manchesterliberalen Doktrin im Geiste von Cobden, Bright und Bastiat, nämlich der Militärinterventionismus verbieten! Und die klerikalfaschistische Diktatur der wildgewordenen Kleinbürger (hier stimme ich Deiner Analyse vom sich wieder einfeuchtenden Schoß vollauf zu!) hätte es auch nicht so leicht wie im autarken Europa-nationalistischen Mief, sich durchzusetzen.

Und zum plebiszitären Klogriff der (mir ansonsten - in Relation zu allen anderen Europäern - sympathischen Eidgenossen) noch ein Wort: Demokratie ist eine törichte, bisweilen gefährliche Angelegenheit. Sog. "repräsentative" Demokratie ist aber nicht deren Milderung, sondern die toxische Anreicherung der Ur-Übels von Kollektiventscheidungen mit oligarchischen Giftdämpfen. Wer eine dumme Idee pervertiert, "heilt" nicht die Dummheit, er fügt ihr lediglich die Perversion hinzu!

Ich weiß schon, warum ich Individual-Anarchist bin und bleibe!

*)Freihandel war früher mal genuin "links" - habt Ihr das alle vergessen?

Anonym 11. Januar 2010 um 14:37  

... "posierende Intelligenzler in Deutschland" ? - Nee, mein Gutester, "in Deutschland" 2010 besezten geistige Müllmänner philosophischen Lehrstühle, nachlesbar heute in der FR 11.01.2010, da ist "Mehrwert" nicht mehr "sich selbst verwertender Wert" (Marx), sondern wird vom Frankfurter Lehrstuhlprofessor für Philosophie Dr. Axel Honneth definiert als das, was "über die Anerkennung als ein anderes autonomes Subjekt hinaus" geht - sowas kann nicht mal mehr "bullshitterly small-minded" genannt werden, das ist schlicht intellektuelle Gosse "in Deutschland" Anfang 2010 und gehört auf Peter-Hartz-Viert-halbe gesetzt und damit zur Kenntlichkeit gebracht ...

Alzheimer

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