Liberale Frömmler, frömmelnde Liberale

Dienstag, 23. Dezember 2008

Das ständestaatliche Denken soll nun auch in die Kirchen einziehen. Dies läge in der Natur der Dinge, im Wesen des Kirchentums, könnte man einwenden; war doch die Kirche immer die Institution derer, die Materielles zu verteidigen und die diese Verteidigung als Aufgabe direkt von Gott verstanden hatten; die dafür natürlich Experten benötigten, die das Wort Gottes zertheologisierten, die aus der jesuanischen Lehre von Liebe und Gleichheit, eine Lehre der Diskrepanz und Selektion herausdeuten sollten. Was aber neu ist am aktuellen Gedanken, den Ständestaat unter das Kruzifix zurückzuholen, so offensichtlich zurückzuholen - ganz vertrieben war er ja nie aus den geheiligten Hallen -, ist die Tatsache, dass es sich um einen Mann aus der FDP handelt, einen selbsterklärten Liberalen, der hier verkappt nach dem Staat ruft, der eine staatlich gelenkte Selektion einfordert. Ein Liberaler, der immerhin so liberal ist, gar nicht liberal sein zu wollen!

Da fordert also eine Berliner FDP-Größe, die auch in ihrer Größe nur nichtig klein ist, aber doch ein solch großes Mundwerk besitzt, seine Schnapsidee in die Republik zu werfen, dass Christmessen nur für Kirchensteuerzahler stattfinden sollten. Denn es könne nicht sein, dass Menschen, die das ganze Jahr keine Kirchensteuer bezahlen, an Heiligabend die besten Plätze besetzen. Man kann es auch unverblümter sagen, aber so liberal und freiheitlich ist der Herr Liberale wiederum nicht: Man möchte eben nicht irgendwelches Pack, armes Pack, nicht bezahlen wollendes Pack, schmarotzendes Pack in der Kirche haben, solche Typen eben, die sich ihren Segen von den Kirchensteuern anderer Zeitgenossen parasitär erschleichen. Des Lindners - so heißt der fromme FDP-Geistesriese - ständestaatliche Kirche, ist eine Kirche derer, die besitzen, die haben, die bezahlen, es ist eine Kirche der Habgier, die ihm da vorschwebt. Die Kirche des Marktes eben, in der jener Leistungen erhält, der bezahlt, und solche, die nicht bezahlen können, keine kirchliche Leistung erhalten sollten.

Das paßt freilich zur FDP wie die Liebeslehre zum Papst, kann nicht überraschen. Es ist die übliche Marktgläubigkeit, die jener Liberale nur mit seiner religiösen Gläubigkeit verquickt wissen will, um damit die Kirche vielleicht wettbewerbsfähig und marktkompatibel zu machen - als ob sie das nicht schon lange wäre. Eine Kirche der Reichen soll es sein, der Leistungsträger, eine Kirche, in der alles sitzt, was teuer ist - eine Kirche, die aber genau deshalb billig ist, weil sie solchen Armen, die ihr Heil noch in Gott suchen wollen - auch wenn uns dies höhere Wesen nicht erlösen wird -, auch noch diese Ausflucht entziehen will. Wenn das nicht schäbig und billig ist!

Aber billig ist in diesen Tagen vieles rundherum um die Gemäuer des Kirchlichen. So äußert sich Erzbischof Reinhard Marx, seines Zeichens ausgewiesener Konservativer und fundamentaler Gegner der Ökumene, dass dem Kapitalismus unserer Zeit womöglich schon ein wenig die Lenkung seitens des Staats fehle, dass man aber nicht von Egoismus der Beteiligten sprechen dürfe, denn Eigeninteresse - so benennt er das - sei sittlich nicht zu beanstanden. Immerhin heiße es ja, man solle den Nächsten lieben wie sich selbst: Und damit sei Eigeninteresse, welches Marx übrigens nicht als Habgier deutet, durchaus moralisch vertretbar. Mit einigen schwammigen Deutungen und Begrifflichkeiten glaubt Bischof Marx, er könne den status quo schönen, ihn positiv interpretieren und seine Kapitalismustreue, die er übrigens nicht leugnet, fein rausputzen. Das FAZ-Interview mit dem weisen Kirchenmann ist derzeit nur gegen Geld zu haben, gestern war es noch kostenlos - wir wissen ja, Kirchliches soll nur noch gegen Bares erhältlich sein.

Man sieht, der FDP-Mann braucht gar nicht den Markt in die Kirche holen, denn in den Kirchen sitzen schon ausgewiesene Vertreter desselbigen. Und noch mehr, denn qua ihrer theologischen und rhetorischen Ausbildung, sind die Marktjünger im Kirchenrock geradezu dazu prädestiniert, edle Worte zum entfesselten Markt zu finden, ihn zu liebkosen und zur Göttlichkeit zu verklären. Marx ist ein solcher Sophist, der seine Fähigkeiten dahingehend mißbraucht, dem Teufel eine Bischofssoutane anzuziehen. Und während die Herrschaften aus dem bürgerlichen Lager, Liberale vereint mit katholischen Machtstützen, dazu aufrufen, Sitte und Anstand in die Kirchen zurückzuholen, diese "sittlich und anständig" am Geldbeutel herausanalysieren, während sie mittels jesuanischen Aussprüchen den status quo beschönigen wollen, da sind sie doch nur kleine Nager im Auftrage des Zahns der Zeit. Sie beißen sich ins Kirchengemäuer und tun, was schon so viele Siebengescheite vor ihnen taten: Sie machen die Kirche immer unmöglicher, bereiten mit ihrem kleinen Beitrag den Einsturz vor, ruinieren sie mit - es braucht keine Gottlosen, die die Kirche auf den Misthaufen der Geschichte werfen; das tun die Erleuchteten schon ganz alleine...

15 Kommentare:

BlueLion 23. Dezember 2008 um 12:31  

Wobei anzumerken ist, daß es oftmals eben nicht Arme und Bedürftige sind, die sich der Kirchensteuer durch Austritt entziehen (was in gewisser Hinsicht sogar verständlich wäre).
Vielmehr sind es gerade die gut Verdienenden (kenne selbst etliche Kollegen, die ausgetreten sind), die sich gern ein paar Euro sparen.
Christmette, Trauung und Beerdigung aber dann doch bitteschön mit Pfarrer. Aus dieser Warte betrachtet ist das vorgebrachte Anliegen vielleicht doch nicht ganz von der Hand zu weisen - wiewohl ich nicht glaube, daß man ernsthaft über eine Umsetzung nachdenkt ....

Anonym 23. Dezember 2008 um 13:02  

"[...]Sie beißen sich ins Kirchengemäuer und tun, was schon so viele Siebengescheite vor ihnen taten: Sie machen die Kirche immer unmöglicher, bereiten mit ihrem kleinen Beitrag den Einsturz vor, ruinieren sie mit - es braucht keine Gottlosen, die die Kirche auf den Misthaufen der Geschichte werfen; das tun die Erleuchteten schon ganz alleine...[...]"

Völlig richtig, aber Karlheinz Deschner als "neuer Voltaire", und Kirchenkritiker schreibt in seiner fulminanten "Kriminalgeschichte des Christentums" und anderen Büchern schon immer, dass die Kirche nur für die "Oberen" dar war, denen die sich angedient hat.
Auch "Gottlose" - Deschner ist m.E. Agnostiker und ehemaliger Theologe - können richtig liegen. Die Sache fing schon bei Paulus an, und geriet zeitweilig in Vergessenheit - nämlich die "...dem Kaiser zu geben was des Kaisers ist...". Dieser unselige Satz wurde Christus von Paulus in den Mund gelegt, um die gemeinsame Sache der Kirchen schon damals mit den Mächtigen zu zementieren. Die heutigen Mächtigen sind eben die neoliberalen PolitikerInnen, und Wirtschafts"mächtigen" von Hund(t)& Co. In diesem Sinne fixiert die Kirche sich, wohl auch aus traditionsgründen, wieder den vermeintlich "Mächtigen" unter - ein Chamäleon eben, dass nun sein wahres Gesicht in Deutschland zeigt. Ich bin froh schon seit Jahren keinen Fuß mehr in eine Kirche gesetzt zu haben....nicht nur wegen Aufklärern wie Deschner. Jeder, der die Bibel ließt weiß warum man eine Kirche lieber von draußen betrachten sollte, die sind eben schon immer auf der Seite "der Macht" gewesen. Die Kirchenbosse - was natürlich, schon damals von 1933 - 1945, nicht hieß, dass man als "Bauernopfer" kleine Pfarrer, die ihren seelsorgerischen Auftrag wirklich ernst nahmen eben den Nazis als Opfer darbrachte. Gilt für beide Kirchen in Deutschland.

Um nicht immer die Vergangenheit zu strapazieren, wir haben ja einen dt. Papst, Benedikt XVI, von dem ich auch noch nicht viel Worte gegen die neuen Ungerechtigkeiten im eigenen Land, und weltweit, gehört habe. Im Gegenteil, der Mann hat als strammer Antikommunist sogar die lateinamerik. Befreiungstheologie der eigenen kath. Kirche mit einem Bann belegt, d.h. denen Lehrverbot erteilt - in seiner Zeit als Vorsitzender der Behörde, die - viele wollen es nicht wissen - noch heute die Inquisitionsbehörde in Rom darstellt, und Kardinal Ratzinger.

Dennoch ist es schon bezeichnent für eine Partei mit einem "C" - hier hat sogar ein "C"DU-Politiker ähnliches verlangt nur noch "geladene Gäste" in den Kirchen sehen will.

Vielleicht sollten die Armen, und Ausgegrenzten, gerade jetzt ein Signal setzen gegen diese "christlichen Parteien", die nur im Sinne der Verfolgung & Ausgrenzung Andersdenkender noch in christl. Tradition stehen....

Gruß
Nachdenkseiten-Lser

Anonym 23. Dezember 2008 um 13:21  

"[...]Und damit sei Eigeninteresse, welches Marx übrigens nicht als Habgier deutet, durchaus moralisch vertretbar. Mit einigen schwammigen Deutungen und Begrifflichkeiten glaubt Bischof Marx, er könne den status quo schönen, ihn positiv interpretieren und seine Kapitalismustreue, die er übrigens nicht leugnet, fein rausputzen. [...]"


Das ist genau der Punkt.
Was vor sich geht, ist mit keiner Defintion von Eigeninteresse mehr zu decken.
Warum?
Weil es nicht im Eigeninteresse einiger weniger Individuen liegen kann, ganze Gesellschafts- und Wirtschaftssysteme vor die Wand zu fahren, denn auch diese einigen wenigen Individuen brauchen die ganze Gesellschaft und ihr ganzes Wirtschaftssystem.
Der Glaube an die angebliche Gegnerschaft von Individuum und Gesellschaft,
(kurz: was der einen Partei genommen wird, erhält die andere Partei),
wurde schon von Norbert Elias
("Wandlungen der Gesellschaft. Entwurf zu einer Theorie der Zivilisation" (IN: Über den Prozess der Zivilisation) und
"Die Gesellschaft der Individuen")
als falsch entlarvt.
Kurz: da jedes Individuum die Gesellschaft braucht, in der es lebt, kann keine Gegnerschaft zwischen Individuum und Gesellschaft bestehen, denn alles, was der Gesellschaft schadet, schadet auch dem Individuum, welches ja ein "Gesellschafts-TEILnehmer" ist.
Es geht also nicht um Eigeninteressen einzelner Individuen, sondern schlicht um deren Eigennutzen.


Leider besteht im Zuge der Globalisierung die Möglichkeit, die eigene Person und ihr Vermögen innerhalb von Stunden (Tagen) in andere Länder zu transferieren, daher scheint vielen Menschen die Loyalität zu ihrem eigenen Land verloren zu gehen: wenn es zu Hause schief geht, wandert man eben aus.

Zudem geht eine Gesellschaft nicht von heute auf morgen zu Grunde, sondern lebt noch eine Weile von ihrer Substanz, eben bis diese aufgezehrt ist.

Was das mit der Kirche zu tun hat?
Der Kirche kann es egal sein, ob es aufwärts oder abwärts geht, das Einkommen fließt aus vielfältigen Quellen und in schlechten Zeiten gehen mehr Menschen schneller in die Kirche.

Wie üblich entlarvt sich Marx durch seine Wortwahl: er spricht vom Eigeninteresse. Aber darum geht es hier nicht. Wie schon oben dargelegt, ist es nicht im Eigeninteresse irgendeines Individuums, in das Bett zu pissen, in dem man selber schläft.
Es geht verdammt noch mal nicht um Eigeninteressen einiger Individuuen, sondern schlicht um deren Eigennutzen ohne Ansehen des Schadens, den einige Individuen anrichten, und das nennt man Gier, Egoismus und Ausbeutung.
Dass ein studierter Kirchenmann wie Marx nicht durchschaut oder nicht durchschauen will, was da vor sich geht, ist erbärmlich. Dass gerade ein Kirchenmann den Eigennutzen unter dem Deckmantel angeblichen Eigeninteresses moralisch verteidigt, widerspricht im Grunde genommen jeder christlichen Moralvorstellung, die ja das Teilen und das Gemeinschaftswohl hochhält. Jesus hat sein Mahl mit allen geteilt, die zur Mahlzeit da waren, er hat ihnen aber nicht das Brot weggenommen.
Nach Bischof Marx wäre dies vermutlich lediglich eine Maximierung des individuellen Eigeninteresses, - wobei Marx hier eindeutig nur den Eigennutzen meint - den Menschen neben mir das Brot vom Teller zu nehmen.
Wie kann man Diebstahl und Plünderung unter dem Deckmantel von Börsengeschäften und Investments nur rechtfertigen? Wie kann man sagen, dass Eigennutzen (ich weigere mich, dies als "Eigeninteresse" zu bezeichnen) sittlich nicht zu beanstanden sei?
Entspricht Diebstahl und Betrug und Ausbeutung seit neuestem den guten Sitten oder was?

Soweit ich mich erinnere, hatte die Kirche nie ein Problem mit Diebstahl, Ausbeutung und Unterdrückung, sondern helfen dabei sogar mit, solange sie nur ihren Anteil zugeteilt bekam. Und in diese historisch erwiesene Beweislage passt dann auch Bischof Marx: "Eigen'nutzen' [-interesse] ist sittlich nicht zu beanstanden".
Seinen Nutzen [Interesse] aus diversen Angelegenheiten möchte Bischof Marx nämlich auch nicht angezweifelt noch hinterfragt wissen.

Wie konnte Marx nur zum Bischof geweiht werden?
Verstehen, was vor sich geht, sollten sie schon, die Schwarzröcke.

Anonym 23. Dezember 2008 um 13:35  

Hinzufügen möchte ich noch, dass das Interview von Marx wesentlich "netter" ist als "Eigeninteresse ist sittlich nicht zu beanstanden":

http://www.faz.net/s/RubB8DFB31915A443D98590B0D538FC0BEC/Doc~E1DA3B1BE5F3245F8966B47BC777C97D2~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_aktuell

Marx Aussage, dass Wirtschaftsakteure ihr Handeln an ethischen Grundsätzen ausrichten, ist wohl als eine andere schwammige Wortverwendung zu interpretieren: der Bischof meint vermutlich nicht Ethik, sondern Religion, und zwar die Katholische. Denn mit Ethik hatte es die Kirche noch nie so genau.


Auch der Titel ist mal genauer anzuschauen:
„Eigeninteresse ist nicht gleichzusetzen mit Gier“
An sich ist diese Aussage zwar richtig, aber sie erweckt doch den Eindruck, dass Eigeninteresse in jedem Fall legitim sei. Dem ist nicht so.
Eigeninteresse ist nur dann legitim, wenn es das Individuum und die Gesellschaft, in der es lebt, umfasst. Ein Eigeninteresse, das zum Nutzen eines bzw. einiger weniger Individuen eine ganze Gesellschaft ruiniert, ist keine Form von legitimem Eigeninteresse mehr, sondern wahlweise Betrug, Diebstahl, Plünderung, Ausbeutung usw.

Eigeninteressen, die das Individuum von der Gesellschaft abkoppeln, sind keine legitimen Eigeninteressen mehr.

Und das verstehe ich, obwohl ich weder Philosophie noch Soziologie noch Ethik noch Theologie noch Jura studiere.

Anonym 23. Dezember 2008 um 14:14  

@BlueLion

Als Mitglied des "Internationalen Bundes der Konfessionslosen und Atheisten e.V." - auch im Internet zu finden - kann ich Dir nur bedingt zustimmen.

Ich selbst bin keiner derer die du meinst, und zähle mich eher zu den "Armen und Bedürftigen", und in der Zweigstelle wo ich im realen Leben Mitglied bin wimmelt es auch nicht gerade von Reichen und Superreichen.

Ist wie überall im Leben, die Menschen sind hier durchaus durcheinandergewürfelt - ist ja auch bei den Kirchen so, die eben nicht dümmlichen PolitikerInnen mit einem "F" oder "C" folgen sondern auch für alle da sein wollen - alles eine Ansichtssache.

Das was du meinst war früher vielleicht einmal so, aber heutzutage gibt es diesen Typ Mensch, den du meinst, nämlich wegen der "Kirchensteuer" aus der Kirche austreten m.E. nur noch sehr selten. Die Kirchen sorgen auch so dafür, dass immer mehr Menschen - nicht allein des Geldes wegen - aus ihr austreten.

Die Diskrepanz zwischen Wort und Tat ist auch bei den Kirchen viel zu groß, dass haben die mittlerweile selbst bemerkt und wollen mit Selbstkritik einen anderen Kurs fahren, die Kirchen. Die Frage ist nur: Ist es nicht zu spät dazu?

Im Sinne derer, die noch an Gott glauben und gerne in eine Kirche gehen, die auch für die "Armen und Bedürftigen" da ist hoffe ich - auch als Atheist - dass sich die positiven Kräfte innerhalb der Kirchen durchsetzen.

Zu dem Vorgang gibt es sogar ein Buch:

"Frieden mit dem Kapital - Wider die Anpassung der evangelischen Kirche an die Macht der Wirtschaft" - Herausgeber: Ulrich Duchrow und Franz Segbers, Edition PublikForum mit diversen Beiträgen aus dieser Tagung, die auch für die katholische Kirche interessant sein dürfte....

Wie schon gesagt, ich bin Atheist, aber der Auffassung, dass jeder Glauben soll was er will, insofern er nicht damit andere ausgrenzt - oder belästigt.

Eben für die strikte Trennung von "Kirche und Staat" wie in Frankreich....der Grundsatz der IBKA....

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

PS: Die Einzelmeinung eines Politikers zählt übrigens nicht, da die Kirche in Deutschland seit Jahrhunderten Einfluss auf die Politik nimmt, nicht umgekehrt - D.h. der Mensch wird schon auf die passende Größe zurechtgestutzt.....von den Kirchen....

Anonym 23. Dezember 2008 um 14:22  

@blueLion

Wobei noch anzumerken ist, dass die Version wegen Geld auszutreten aus der Kirche sowieso die dümmlichste Variante eines Kirchenaustrittes darstellt - die Kirche holt das Geld sogar von "Heiden", AtheistInnen und AgnostikerInnen in Deutschland - ganz unfreiwillig. Z.b. war es früher Brauch, die Steuern für Kurzzeitarbeitslose pauschal als Kirchensteuer an die Kirche abzuführen was zu der Ungerechtigkeit führte, die ich oben beschrieb....

Die Praxis wurde eingestellt, auch auf Druck kirchenferner Organisationen, aber Kirchensteuer wird dennoch - auch in anderen Bereichen - ohne Wissen der Betroffenen einkassiert:

http://hpd.de/node/4161

Punkt 13 ist hier so ein Beispiel.

Übrigens, mein Grund war ein rein vernünftiger - ich las die Bibel und die Erklärung "Dominus Jesus" des damaligen Kardinals Ratzinger, heute bekannt als Papst Benedikt XVI, und entschloss mich einer solchen Organisation nicht länger anzugehören.....die monarchistisch und mittelalterlich sowie wertemäßig auf einem Buch besteht dessen Gesetze vor 2009 Jahren in waren aber heute hoffnungslos veraltet sind, und für manche immer noch wortwörtlich als die Worte eines "Gottes" gelten, der - hätte es ihn je gegeben - vor dem Den Haager Kriegsverbrechertribunal als Hauptangeklagter hätte sitzen müssen - als Massenmörder und wegen Verbrechen gegen die Menschheit....

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 23. Dezember 2008 um 17:06  

Noch nie von den U-Boot Christen gehört, die nur zu besonderen Anlässen auftauchen? :-)

Auch bekannt als 4-Rad Christen, sie fahren zur Taufe im Kinderwagen, zur Hochzeit in der Kutsche und auf den Friedhof und das war's.

Eine schöne Antwort haben die Karlsruher Pfarrer im Radio gegeben: Jesus selbst hat sich umgeben mit Armen und hat die Bettler nicht von sich gestoßen. Sollte seine Kirche nicht genauso handeln? Schlimm finde ich nur, dass die Leute, die aus der Kirche austreten um GELD ZU SPAREN das wegen eines lächerlich geringen Betrages tun, im Vergleich zu dem, was sie sonst für nutzlose Aktivitäten ausgeben. Also meine Kirchensteuer reicht für keine 2 Longdrinks in einer beliebigen Bar.

Roberto J. De Lapuente 23. Dezember 2008 um 17:51  

"Schlimm finde ich nur, dass die Leute, die aus der Kirche austreten um GELD ZU SPAREN das wegen eines lächerlich geringen Betrages tun..."

Nur kurz: Ich verurteile dies ebenso. Nicht, dass ich der Kirche das Geld gönne, aber ich denke, ein Kirchensteueraustritt (der Kirchenaustritt ist ja eine falsche Wortwahl, existiert in dieser Form gar nicht) will wohl überlegt sein. Das kurzfristige ökonomische Denken, sich 3,50 Euro einzusparen, kann ich nicht als Motiv des Austritts gelten lassen.

Ich verurteile ebenso Menschen, die atheistisch veranlagt sind, zumindest aber nicht den Kirchen folgen, nur weil ihnen der Antrieb, die Zeit, die Lust fehlt, dort teilhaben zu wollen. Atheismus kann keine Kosten-Nutzen-Frage sein, sondern eine Frage nach Wahrheit, eine Frage nach Wissen, nicht nach Glauben. Wer also vorgibt, dass ihm der sonntägliche Gottesdienst so nervte, dass er austrat oder der Kirche den Rücken zudrehte, der macht seine eigen Faulheit zum Motiv und fragt nicht nach Wahrheit, sondern nach "Wie-kann-ich-Ruhe-haben"... Atheist zu sein bedeutet nach den Wurzeln zu fragen und nicht, alles von sich zu weisen...

Anonym 23. Dezember 2008 um 18:27  

@Roberto de Lapuente

Seh ich ganz genauso....in beiden Punkten....AtheistInnen und Kirchenaustreter betreffend....

Besonders der Punkt gefällt mir:

"[...]Atheismus kann keine Kosten-Nutzen-Frage sein, sondern eine Frage nach Wahrheit, eine Frage nach Wissen, nicht nach Glauben.[...]"

Eben - fulminant formuliert....

Danke
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 23. Dezember 2008 um 20:41  

Lieber Roberto J. De Lapuente,

der EKD ist auch nicht besser.

Hier etwas, dass ich so eben in einem anderen Forum fand, und dem ich gefolgt bin:

http://www.jungewelt.de/2008/12-24/017.php

Am besten Offline Lesen - ist etwas lang der Text, der besagt, dass die evangelische Kirche mit den Mächtigen aus Politik, Militär und Wirtschaft kungelt, und auch Widerstand aus evangelischen Kreisen - von unten - nicht verheimlicht....

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 23. Dezember 2008 um 20:56  

Austritt wegen Kirchensteuer?

So unrational ist das gar nicht.

Die Kirchensteuer finanziert nämlich mitnichten deutsche Kirchen und deren Altenheime, Kindergärten und sonstige Institutionen, sondern geht, wenn man die Leistungen gegenrechnet, die der Staat für die Kirchen erbringt (Religionsunterricht, Finanzierung von sozialen Einrichtungen wie Caritas und Diakonie), samt und sonders nach Rom.

Da ALLE Deutschen die christlichen Kirchen über ihre Steuergelder finanzieren, finde ich, dass auch alle Deutschen das Recht haben, an Gottesdiensten u.ä. teilzunehmen.

Wer zahlt, sagt an.

http://de.wikipedia.org/wiki/Kirchensteuer_(Deutschland)#Die_Kirchensteuer_in_der_Kritik

Anonym 26. Dezember 2008 um 17:50  

passend dazu:
"Nicht die Botschaft zählt, sondern wer sie verkündet"
http://alles-schallundrauch.blogspot.com/

Anonym 27. Dezember 2008 um 01:52  

Das die Kirche seit jeher hinter dem Geld her ist, ist nicht wirklich eine Neuig- keit. Die Kirche ist der größte Immobilienbesitzer in ganz Deutschland.

Jedoch hat sich der Anteil an Gläubigen in Deutschland, welche sich zu einem Glauben und einer Kirche bekennen, die kirchensteuer - begünstigt ist,
wohl auf ca. 50.2 % der Gesamt- bevölkerung verringert.

Dem Treiben könnte man ganz einfach Abhilfe verschaffen:

Die Kirchen müssten nur verpflichtet werden, ihre Gelder aus eigenem Aufkommen einzuziehen, und nicht wie jetzt durch den Staat, welcher sich zum Laffen der Kirche macht.
Ein unhaltbarer Zustand für mich, der damals noch durch Hitler begründet wurde!

Aber dazu müssten bei den nächsten Wahlen ein paar Änderungen im Bundestag vorgenommen werden, vielleicht wird's ja...

Anonym 27. Dezember 2008 um 15:24  

"[...]Die Kirchen müssten nur verpflichtet werden, ihre Gelder aus eigenem Aufkommen einzuziehen, und nicht wie jetzt durch den Staat, welcher sich zum Laffen der Kirche macht.
Ein unhaltbarer Zustand für mich, der damals noch durch Hitler begründet wurde![...]"

Das ist ja das perverse, aber ich reg mich eigentlich noch über was anderes auf - denken wir mal es gäbe keine "Kirchensteuer" mehr - ich bin mir sicher, dann wird noch offensichtlicher, dass unser Staat die Kirche auch so kräftig subventioniert, und zwar ganz ohne Kirchensteuer - eben keine faktische Trennung von Kirche und Staat :-(

stefanolix 29. Dezember 2008 um 10:43  

Ich habe mich zu Weihnachten mit dem selben Thema beschäftigt und bei uns ging die Diskussion in eine etwas andere Richtung.

Im Abstand gesehen scheint es so zu sein: Herr Volk (Union) hat gegenüber BILD eine unbedachte und gedankenlose Äußerung getan und Herr Lindner (FDP) ist durch -- wahrscheinlich noch größere -- Gedankenlosigkeit mit in die Sache hineingeraten. Man sollte nicht alles als Teil der neoliberalen Weltverschwörung werten, was sich viel einfacher durch menschliche Dummheit erklären lässt ;-)

In besten Sinne: einen schönen Jahreswechsel und ein erfolgreiches Jahr 2009.

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