Alles wird gut

Dienstag, 30. Dezember 2008

Nachdem von mir geschätzte Kollegen es wagten, einen Blick in die Zukunft zu werfen, möchte ich in kurzen Worten kundtun, welche Entwicklungen ich im kommenden Jahr für weiterhin aktuell halte, welche ich sogar in verschärfter Form befürchte. Es dürfte sich im Wesentlichen um drei Punkte halten, die auch das Jahr 2009 dominieren werden. Die nun folgende kurze Auflistung soll im Vollbesitz aller optimistischen Kräfte präsentiert werden.
  • Die Große Koalition wird auch 2009 weiterbestehen. Schlimm genug, denkt man sich, wenn im Bund weitere vier Jahre nur eine Opposition auf Sparflamme stattfinden soll, die zudem immer dann mit der Großen Koalition kollaboriert, wenn man auf ein wenig Gegenwehr gegen die chronische Zweidrittelmehrheit hofft - zumindest betrifft das die FDP und die Grünen häufig. Es wird aber wahrscheinlich noch schlimmer kommen, denn alle vier anstehenden Landtagswahlen könnten mit erneuten und neuen Großen Koalitionen enden; könnten beispielsweise sogar im Saarland eine Große Koalition neben einer starken LINKEN zum Resultat haben, und in Sachsen als Minivariante mit knapper Absolutmehrheit wahr werden. Die Große Koalition wird dort wo sie schon ist bleiben und auch in noch unverschonten Bundesländern in Serie gehen.
  • Die sogenannte Finanz- und Wirtschaftskrise wird Massenelend erzeugen. Beileibe keine umwerfende Neuigkeit, denn Elend gibt es heute schon als Massenfabrikat - aber die Masse vergrößert sich, wird sinnbildlich zum schwarzen Loch. Es werden Massen relativ verelendet sein, aber keiner bekommt es mit, weil das Elend in den Medien schön- oder weggeredet wird. Probleme wird es machen, dass kein großes Fußball-Turnier ansteht, während dem man mit deutschen Flaggen allerlei Ungerechtigkeiten kaschieren kann - aber die Einheitsfront der vermeintlichen Berichterstattung wird Mittel und Wege finden, von den Nöten und Sorgen abzulenken. Und wenn alles nichts hilft, dann erklären uns solche, die es nicht wissen können, weil sie nie in Not lebten, dass letztendlich alles nicht so schlimm sei.
  • Und damit wären wir eigentlich schon beim dritten Punkt angelangt: Die Medien werden 2009 noch banaler, noch oberflächlicher, noch verblödender berichten. Auch wenn man es nicht für möglich hält: Manipulationspotenzial gibt es noch ausreichend, weitere Mechanismen zur gezielten Desinformation sind sicherlich nicht schwer zu finden und umzusetzen.
Wie gesagt, dies alles im Vollbesitz optimistischer Kräfte. Schließlich könnte es auch noch schlimmer kommen! Aber wer will sich die Feierlichkeiten zum neuen Jahr - dieses Hochleben menschlicher Gabe, sich einen Kalender ausgedacht zu haben - schon mit Pessimismus vermiesen lassen? Wahrlich, es könnte schlimmer kommen. Und wenn es 2009 schon nicht schlimm kommt, so bleiben noch viele, viele andere Jahre. Wenn es 2009 so positiv kommt, wie in den drei Punkten nur vage angedeutet wurde, dann gibt es immer noch ein 2010, in dem es schlimmer kommen könnte und wird - als ausgleichende Gerechtigkeit quasi. Und wenn es 2009 doch viel böser kommt, als wir Berufsoptimisten glauben, dann kann man realistischerweise hoffen, dass es 2010 wenigstens etwas besser wird. Irgendwann ist man so tief, dass es nur noch aufwärts gehen kann. Wir sollten nicht vergessen, dass wir im Zeitalter des think positive leben - man muß nur den Mut haben es auch umzusetzen...

10 Kommentare:

Anonym 30. Dezember 2008 um 10:10  

Zur großen Koalition nach 2009 sehe ich eine beänstigende Alternative:

Schwarz-Gelb mit einem Kanzler Roland Koch!
Merkel eröffnet dem enttäuschten SPD - Wähler die Flucht in die GroKoal.Die ist beliebt im Volk (angeblich) tut wenig,und damit nicht allen weh.

Koch ist ein Macher der übelsten Art.Koch an der Spitze der Union raubt dem SPD-Wähler den Fluchtpunkt GK.Der SPD - Wähler bleibt dann mit seinem Wahlhintern dem Urnengang fern,und macht so Schwarz-Gelb erst möglich.Will die Union wirklich Schwarz-Gelb,so steht Merkel diesem Vorhaben im Weg.Und wie man einen Parteichef wegputscht-von den Massenmedien begeistert begleitet-hat die SPD vorgemacht.

Und daß Koch Schwarz-Gelb auch aus aussichtsloser Position kann,wird er am 18. Januar vormachen.

Anonym 30. Dezember 2008 um 13:54  

@ Anonym (10:10 Uhr)

Merkel ist aber auch nicht ohne und vielleicht schafft sie es, Koch vorher abzusägen. Hat sie ja schonmal mit einem gewissen bayrischen Problembären gemacht [Stoiber].

Das Problem bei der Aufstellung Kochs als Kanzlerkandidaten ist nämlich, dass die Kanzlerkandidaten immer VOR den Wahlen bekannt gegeben werden. Und es dürfte genug Wähler geben, die Koch wegen des Ypsilanti-Theaters derartig verabscheuen, dass sie keine Partei wählen werden, die Koch aufstellt bzw. auch nur eventuell mit ihm koaliert.

Scheint aber in letzter Zeit ganz schön an Macht verloren zu haben, unser Merkelchen.

Anonym 30. Dezember 2008 um 19:01  

Vor zwei Wochen lief ich in Stuttgart durch die Königsstraße (die dortige Einkaufsmeile) und suchte sie. All die armen Hartz-IV-ler. Ich fand viele eifrig einkaufende Bürger und ein paar Bettler, aber Hartz-IV-ler sind mir keine begegnet. Nirgends lagen verhungernde oder erfrorene Menschen auf der Straße, nirgends mußten Menschen viele Stunden für einen Leib Brot anstehen, nirgends traf ich auf Menschen, die gegen Armut, soziale Mißstände o. ä. protestierten.

Vor rund einem halben Jahr nahm ich an einer Wiedereingliederungsmaßnahme des Arbeitsamtes teil. Wir waren rund 20 Personen. Der eine Hartz-Kandidat hatte ein Magenband und war immer noch sehr übergewichtig, der andere wog rund 200 KG. Die anderen Teilnehmer rauchten fleißig ihre Zigaretten und/oder tranken ein Bier nach dem anderen. Gewiß waren sie mit dem knappen Geld nicht einverstanden, aber keiner stellt das System kritisch in Frage! Und: Woher hatten die das Geld für das viele Essen, die Zigaretten, ...?

Auf den Straßen fahren immer noch sehr viele Autos. Keine alten Billigautos, nein moderne Nobelkarossen aller Coleur. Von einer Krise erkenne ich nichts.

Auf der einen Seite wird immerzu von der Klimaerwärmung, Umweltverschmutzung, ... und deren verherrende Folge gedroht, doch weshalb verzichten die Leute nicht auf einen Teil des überflüssigen Luxus? Ich habe in den letzten eineinhalb Jahren meine Ausgaben um rund 1/3 reduziert und fühle mich jetzt sehr viel leichter und freier.

Wo ist das Elend? Wo die Finanz- und Wirtschaftskrise? Wo ist der Protest der Leidenden und Ausgebeuteten?

persiana 30. Dezember 2008 um 22:03  

@anonym
ich will keine verhungerten und erfrorenen Leute auf den Straßen finden!!! Wenn es sie gibt, dann bestimmt nicht in den Stadtzentren, von dort aus werden sie doch schon seit Jahren vertrieben!
Den Beitrag finde ich wirklich sehr zynisch...

Raze 31. Dezember 2008 um 15:56  

Was der werte Anonym vom 30.12 redet, ist ,mit Verlaub, der typische Oberschichtenmist.
Er sollte sich mal vor einen Tafelladen stellen.
Die Krise existiert nach Lesart der Regierung nicht - also wird in den Medien nichts berichtet.
Und das Bild der angeblich besuchten Wiedereingliederungsmaßnahme ist ja wohl unterstes "BILD"-Niveau. Ich habe sowas auch schon besucht, und bei mir sah es nicht so aus.
Und außerdem, werter Anonymus: Weißt du überhaupt, wie schwer es ist, von einer Sucht (egal, ob Junkfood, Zigaretten oder Alkohol) loszukommen? Und wie teuer sowas werden kann?
Ich habe das schon gesehen. und das ist definitiv keine Kleinigkeit.

Und was 2009 angeht, so kann ich nur allen Befürchtungen recht geben, die hier geäußert wurden.
In meinem Blog habe ich das Stück "Kasperle besucht Berlin" von 1932 gepostet. Wenn man das liest und mit heute vergleicht, kann einem glatt kalt werden, ohne rauszugehen...denn was dann kam, ist ja bekannt.

Anonym 31. Dezember 2008 um 19:18  

Sei es drum, ob es so oder so oder anders kommt, - Ihr Blog wird deshalb um so wichtiger sein, verehrte Herr Roberto.

Dient er doch sicher nicht nur mir dazu, nicht gänzlich zu verzweifeln.

Ohne ihre treffenden Analysen ist die Tristesse in bundesdeutschen Medien - Presse, Funk und Fernsehen - nicht zu ertragen.

Nun könnte jemand einwenden, dass es dann sicher besser ist, die Medien allesamt zu meiden, sicher könnte man das - aber - ich reg' mich halt so gern auf - über andauernden Blödsinn - wie jetzt wieder - die Silvester-Glücksrede-der Kanzlerin - es ist hahnebüschend, was die da verzapft.

Um aber dennoch nicht dem Irrsinn zu verfallen, bin ich dankbar, dass Sie, lieber Herr de Lapuente, wenigstens einiges "gerade" richten.

In diesem Sinne - Danke und bitte noch viel mehr davon!!

Roberto J. De Lapuente 31. Dezember 2008 um 19:45  

Vielen, vielen Dank für das nette Lob. Das freut mich wirklich sehr. Am Silvesterabend 2007 habe ich mir überlegt, ob ich nicht am Folgetag ein politisches Blog ins Leben rufen soll - ein Jahr ist es also nun her.

Und so wie sich Leser immer wieder bei mir bedanken, habe ich den Lesern zu danken. Gelesen zu werden inspiriert... danke also!

Anonym 1. Januar 2009 um 19:14  

@persiana

Wikipedia: Zynismus kann Folge und Anzeichen von Resignation sein. Zynismus ist also immer ein Ausdruck von Machtlosigkeit und Ohnmacht.

Ich habe multiple Sklerose und sehr schlechte Augen. Die Ärzte sagen aber, das ich immer noch mittelschwere Jobs machen kann. Doch ich schaffe das nicht mehr. Unter dem Druck bin ich zusammengebrochen. Mein Chef verlangte Überstunden von mir, obwohl er wußte, das ich es nicht kann und er es auch nicht darf (Schwerbehindertengesetz). Der Schwerbehindertenbeauftragte konnte auch nur an die Gutmütigkeit meines Arbeitgebers appellieren und den juckte das nicht. Der Integrationsfachdienst hat mich auch sitzen lassen.

Und meine Kollegen? Zum großen Teil mobbten sie mich, und das wesentlich schlimmer wie die Vorgesetzten! Für die Kollegen war ich nur ein Krankmacher, Simulant und Ballast. Dabei wußten sie sehr wohl, wie es um meine Gesundheit steht.

Das Mobbing/Bossing verlief auf eine so subtile Art und Weise, das ich es nie hätte beweisen können.

Zwischenzeitlich müssen die noch mehr leisten und halten selbst das aus. Ich stehe nur sprachlos da und verstehe nicht, wie die das aushalten und komme mir selbst wie ein totaler Loser vor.

Ich hatte damals das Gefühl jeden Tag ins KZ zu gehen. Damals habe ich mir überlegt mich aus Protest selbst zu verbrennen (wie einst die buddhistischen Mönche es getan haben). Aber was hätte ich damit bewirkt? In den Medien hätte man es als die Verzweiflungstat einer verwirrten Seele hingestellt.

Das Unrecht, das zur Zeit geschieht, ist so schrecklich. Hierzu fällt mir nur Edvard Munchs Bild "Der Schrei" ein.

Warum stehen die Leute nicht endlich auf und wehren sich? Einen Einzelnen wie mich nimmt man doch nicht ernst. Habe mir oft genug die Finger verbrannt.

Es gäbe genug friedliche Möglichkeiten.

Und wo sind all die, die uns Beistand versprochen haben (Kirchen, Gewerkschaften, Parteien, ...)?

Anonym 2. Januar 2009 um 10:08  

An Anonym, der
Multiple Sklerose hat...

Sie fragen sich und uns, warum die Menschen nicht endlich aufstehen, sich wehren etc.

Weil die Leute noch einigermaßen gesund sind, und nicht in sich selber die Erfahrungen, die Gedanken und das Leid gemacht haben, welches Sie bereits hinter sich haben. Es muß für die meisten Leute offenbar erst soweit kommen, daß sie aus den Latschen kippen.

Es ist traurig machend, aber wahr.

Die Leute gehen nicht auf die Strasse, weil sie stillschweigend ein System stützen, an das sie irgendwie noch glauben. Auch wenn sehr viele bereits dort angekommen sind, wo man unten ist - mit zwei Jobs etwa und geringem Einkommen. Und die Leute müssen überleben, um ihrer selbst Willen und um ihrer Kinder willen.
Das System ist doch bereits so regide, daß die meisten sich vor eigenen Protesten fürchten. So es aber noch ein Auto oder genügend Essen und Heizung gibt, ist man froh, nicht bereits Richtung Obdachlosigkeit zu geraten.

Kurzum - je weniger hungrig, desto systemstützender. Es müsste also etwas passieren, daß die Leute aufrüttelt. Was wird das wohl sein?

Entweder Leid. Oder Einsicht.

Ich wünsche Ihnen jedenfalls, daß Sie an sich glauben können, ich wünsche Ihnen Ruhe und Muße für die kommenden Zeiten. Ein Freund von mir hat mit Humor und Klarheit bis zum Ende seine Energie halten können, ohne depressiv zu werden. Er hatte auch MS.

Ciao und alles wirklich Gute

Anonym 6. Januar 2009 um 03:29  

"[...]Und damit wären wir eigentlich schon beim dritten Punkt angelangt: Die Medien werden 2009 noch banaler, noch oberflächlicher, noch verblödender berichten. [...]"

Hat schon angefangen, der INSM-Botschafter Straubhaar spricht doch glatt davon, dass die weltweite Rezession nur ein Strohfeuer sei, dass schon 2009 abklingen werde - so unhinterfragt wiedergegeben im Hamburger Abendblatt.

Nichts gegen Optimismus, aber die Aussage von Straubhaar grenzt schon an Größenwahn. Man stelle sich vor, dass 1929 jemand hingestanden wäre und glatt die Weltwirtschaftskrise weggelogen haben wollte, und die Medien damals hätten es glatt abgedruckt ohne zu hinterfragen - so verarscht fühlte ich mich als ich von der völlig hirnrissigen Analyse eines INSM-Kaffeesatzlesers namens Straubhaar hörte.

Mfg
Junger

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