Unsere Neger im Osten

Montag, 31. August 2015

Sachsen mal wieder. Und Brandenburg. Thüringen legt auch nach. Sachsen-Anhalt ebenso. Mecklenburg-Vorpommern hat sich auch schon was geleistet. Warum ausgerechnet immer in den neuen Bundesländern dieser Hass auf Fremde? Liegt das in der sozialistischen Erziehung begründet? War etwa der real existierende Sozialismus auch nur so eine faschistische Gesellschaft mit Hammer und Sichel, ein den Rassismus förderlicher Staat? Haben die Heidenauer damals besonders eifrig Rassenkunde studiert in feschen Blauhemden? Heidenau? Darf man das eigentlich noch sagen? Heidenau? Das wird man doch noch mal sagen dürfen! Und dann diese vier Homunkuli mit ihren traurigen Fackeln von der Trierer NPD. Aus dem schönen Trier. Das in Mecklenburg-Anhalt - woher sonst? Tiefstes Nazi-Ostdeutschland eben. Das weiß man doch, Mensch!

Immer die Ossis. Nach der Wende hatten wir hier im Westen gesalzenen Abscheu vor ihnen. Die Arbeit würden sie uns wegnehmen. Sich im Sozialstaat ausruhen. Zum Arbeiten waren sie ja ohnehin nicht zu gebrauchen. Was haben die denn schon geschafft? Alles Nonsens gewesen drüben.
Dann klangen diese Vorurteile und Befürchtungen langsam ab und es gab rassistische Übergriffe in Rostock-Lichtenhagen, Greifswald, Wismar. Da war es uns wieder ganz klar, dass drüben nur Neonazis leben, fiese Ausländerhasser, durch und durch Rassisten. Die im Osten halt - weiß man doch! Solingen und Mölln lagen damals noch in Osten.
Dann klangen diese Bedenken behutsam auch wieder ab und die Arbeitslosigkeit stieg, Hartz IV stand in den Startlöchern und wir sahen es wieder ganz deutlich vor unserem westlichen Auge: Die Ossis sind faule Schweine, kriegen ihren Arsch nicht hoch, jammern nur und sind negativ eingestellt. Daher die hohe Arbeitslosenquote bei denen. Weil sie verwöhnt sind von Erich - sowas weiß man doch!
Dann klangen selbst diese Gedanken sukzessive wieder ab, denn auch im Westen wurde es wirtschaftlich schlechter und es summierten sich wieder Übergriffe auf Asylbewerber. Die Ossis waren doch immer schon rechts - auch als sie links waren. Och Mensch, das weiß man doch!

Und während all das geschah, erzählte man sich hierzulande, wie schlecht gebildet diese Leute im Osten doch waren. Dumm und mit Scheuklappen. Stauben jetzt bloß noch Soli ab, obgleich es ihren Kommunen großartig geht. Armer Westen! Ossis laufen bei RTL II über den Bildschirm. Dort sind sie Verlierer, Klageweiber und -kerle. Fremdkörper in der Gesellschaft. Teuer und subventionsgeil. Wie gut ginge es der Bundesrepublik doch heute, hätte sie diese Menschen nicht an der Backe. Der Genosse Honecker hätte sie uns doch noch eine Weile vom Hals halten sollen.

Egal was auch in diesem Land geschieht: Geschiehts auch im Osten, macht man daraus eine Mentalitätsfrage. Weil die Ossis als Teil dieser Berliner Republik mit denselben Affekten gesegnet sind, wie der ganze bittere Rest des Landes, taugen sie gar vortrefflich als Prell- und Sündenböcke, als Alibidebatte und Ablenkungsdiskussion. Wo man über Strukturen sprechen sollte, über blühende Landschaften, die es nie gab, über Treuhand und Zerschlagung, über Aberkennung der Lebensleistung, über abziehende Unternehmen und verwaiste Landstriche, über die Rückkehr von Wölfen vor den Toren Berlins und fehlende Anreize zur Schaffung von Arbeitsplätzen, da macht man eine Frage des ostdeutschen Charakters daraus. Die Ossis sind so gesehen unsere Neger. Denn die Schwarzen, drüben über dem Teich, die wollen ja auch nicht, lernen es nie. Soziale Ausgrenzung, rassistische Ressentiments und dergleichen, die können nichts dafür. Gibt es auch gar nicht. Das weiß man doch!

Die Schwarzen laufen hinterher, weil sie es so wollen. Das ist die Moral der Weißen. Alles keine Frage der Ethnie, sondern der Arbeitsmoral. Schwarze sind Schwarze, weil sie es wollen. Und Ossis sind Ossis, weil sie nur jammern. Einer ostdeutschen Kanzlerin und einem ostdeutschen Bundespräsidenten zum Trotz. In Washington sitzt ja auch ein Schwarzer im ovalen Büro. Erschießen sie deshalb weniger Schwarze auf den Straßen? Durchlässigkeit im Gefüge der Repräsentation für bestimmte gesellschaftliche Gruppen und zeitgleiche Ausgrenzung schließen sich gar nicht aus. Sie können synchron existieren. So kann eine Ostdeutsche kanzeln und der bittere Rest dennoch als tumbe Masse behandelt werden, die verantwortlich ist für jeden Missstand, den es so landesweit gibt.

Irgendwann flaut auch der Mob wieder ab, dann kommen neue Sorgen und dann werden sie wieder den Osten damit in Verbindung setzen. Die Finanzkrise hat man doch auch drüben verschuldet. Die Ossis konsumierten ja nicht ausreichend. Verballerten ihr Hartz IV für Kippen und Gewürzfleisch. Gut, jene Krise und fehlender Konsumanreiz hatten gar nichts, aber auch rein gar nichts miteinander zu tun. Aber im Westen ist man nicht kleinlich. Man nimmt es nicht so genau mit Argumentationsketten. So fällt die eigene Aufwertung leichter. Das weiß man doch!

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Bild, du meine Meinung

Freitag, 28. August 2015

Seht euch das Bild mal ganz genau an. Ist das der Dank der Asylanten? Da stellt man ihnen Unterkünfte hin, beschenkt sie mit Utensilien und dann lassen sie alles verwahrlosen. Müsste man solche Dreckschleudern nicht eigentlich gleich an den Flughafen fahren und wieder ausfliegen? Zurück dorthin, wo Dreck zwar nicht Speck macht, aber offenbar ganz normal ist? So weit ist es letztlich gekommen. Undankbarkeit dafür, dass man hilft. Es ist traurig. Nur traurig. Da sieht man eben mal, was wir uns alles ins Land holen. Und mit diesen Leuten sollen wir Staat machen?

Problem an dem Bild ist nur, dass es keine Zeltstadt für Flüchtlinge darstellt. Es ist ein Auszug von einem Foto des St. Galler Openair von vor drei Jahren. Die Gestalten sind Festivalsbesucher, keine Asylbewerber. Der Dreck ist die Normalität bei jedem dieser Events. Man braucht keine Fremden, um mal zuzusehen, wie es eigentlich ist, im Unrat von vielen Tagen zu leben. In der netten kleinen Provinz, in der ich lebe, da steht seit einigen Tagen eine Zeltstadt. Flüchtlinge leben dort. Und langsam summieren sich Horrorgeschichten. Eine handelt von Fotos, die die Verwahrlosung im Camp dokumentieren sollen. Die dortigen Bewohner hätten die Spenden an sie zerpflückt und über die Wiese geworfen. Ob es stimmt oder nicht, sagt das Bild nicht. Es ist einfach nur ein Bild. Vielleicht Abbild der Wirklichkeit - vielleicht aber auch nicht. Doch man ist hier natürlich gewillt, die Bilder als zutreffend anzuerkennen.

Susan Sontag hat die (Kriegs-)Fotographie in ihrem Buch  »Das Leiden anderer betrachten« behandelt und kommt zu dem Resultat, dass Bilder nie einfach nur das Abbild der Wirklichkeit sind, sondern ein Stück aus einer Gesamtkomposition, das nicht zwangsläufig das dokumentiert, was die Wirklichkeit vorgab. Man muss also gar nicht manipulieren, um etwas zu entstellen. Unlängst befasste sich auch ein »Zeit«-Artikel mit dieser Materie. Die technischen Möglichkeiten zur Verfälschung seien so groß wie nie. Aber man braucht eben gar keine Überarbeitung, folgt man Sontag. Es kommt auf dem Blickwinkel an, den man wählt, auf das, was in der Komposition der Wirklichkeit stattfindet, aber auf dem Bild unterschlagen wird. Indem man das nicht zeigt, was war, gerät das was man zeigt, in ein ganz anderes Licht. Bilder sind also letzten Endes Schnipsel einer Momentaufnahme, die stark von den Motiven, Vorlieben oder Sendungsbewusstsein ihrer Macher gefärbt sind.

Also auch wenn die Bilder von der Verwüstung im Flüchtlingslager hier um die Ecke tatsächlich dort aufgenommen wurden, muss das noch lange nicht das sein, was unter dem Bild als Text angeboten wird. Es sieht wild aus, keine Frage. Aber es ist nur ein Auszug, ein Stück Momentaufnahme, das vom Fotografen bewusst gewählt wurde. Das so und nicht anders abgelichtet wurde und das damit keinen Anspruch auf Dokumentation dessen hat, was der Text als unterstützende Erklärung der Realität vorgibt zu sein. Das Lager ist groß - wenn es in einer Ecke so aussieht, ist das nicht der Zustand überall dort. Außerdem unterschlagen Bild und Text, dass Zelten immer eine unsaubere Sache ist. Wie gesagt, man gehe auf Festivals. Wenn von dreißig Leuten nur drei zum Herumwerfen von Müll neigen, dann sieht es so aus und man könnte meinen, eine ganze Legion habe sich hier ausgetobt.

Das Bild aber zeigt Dreck und sagt, das sei der Zustand im Lager. Es interpretiert das, was der Fotograf (vielleicht ein anwesender Ordner oder jemand vom Rettungsdienst, der dort ständig präsent ist) als fotografierenswert erachtet. Vielleicht fühlte er seinen Ordnungssinn angesprochen, merkte wie der rebellierte und wollte der Welt da draußen mal zeigen, wie es ausartet. Damit war das Bild aber vorgeprägt, denn die sauberen Ecken des Lagers hat er nicht festgehalten und Bilder von gepflegten Bereichen gehen nun nicht von Bürger zu Bürger.

Ich nehme nicht an, dass die Bilder, die herumgereicht werden und empören sollen, so wie ich es oben angestellt habe, einfach von einer anderen Veranstaltung genommen wurden, um es dann mit dem örtlichen Camp in Verbindung zu bringen. Das haben bestimmte Kreise auch schon gemacht. Letztlich glauben Betrachter mehr dem Text unter dem Bild, als dem, was man auf Bildern sieht. Oder sagen wir, sie glauben dem Bild, lassen sich aber erst in eine bestimmte Richtung auf das Gesehene ein, wenn man ihnen einen textlichen Wink gibt. Man muss wie gesagt Bilder nicht manipulieren, um etwas Bestimmtes mit ihnen ausdrücken zu wollen. Manipulation auf softer Ebene ist der Begleittext. Wenn man also schreibt, dass dieses Chaos entstand, nachdem die Flüchtlinge Geschenke und Spenden auspackten und zerpflückten, dann will man den Betrachter in ein bestimmtes Gefühl bringen. Er soll empört sein, weil da Undankbarkeit am Werk war. Aber woher weiß man guten Gewissens, dass es genau so war. Das Bild zeigte Verwüstung und undefinierbaren Unrat. Papier und Pappe. Andere Dinge, die man nicht richtig erkannte. Klar könnte es, dass es so war. Oder eben nicht. Eindeutig ist das Bild nicht. Es wird erst eindeutig, wenn man es mit Worten flankiert. Und so glaubt man mehr dem Wort als dem Bild.

Bilder sind letztlich immer manipulativ. Sie treffen ja nicht auf Betrachter, die völlig unabhängig von ihren Gefühlen und Erfahrungen sind. Und sie klammern das zeitliche Geschehen aus, weil sie ein festgefrorenes Zeitdokument sind. Sie zeigen ein Ist-Zustand, aber nicht, wie es dazu kommen konnte. Bilder sagen tatsächlich mehr als tausend Worte, weil sie in uns etwas ansprechen, Konnotationen schaffen. Das Wort erlaubt einen solchen Umgang nur im begrenzten Maßstab, ist präziser und daher nur bedingt interpretierbar. Aber ein Bilddokument ist nach allen Seiten offen. Und daher besonders anfällig für manipulative Begleittexte, das das Vage kanalisieren.

Man darf nicht davon ausgehen, dass die Bilder aus dem Camp hier im Städtchen von einem besonderen Neonazi gemacht worden wären. Ziemlich sicher, dass es sich um jemanden ohne diesen Hintergrund handelte, der voreingenommen fotografierte und damit eine bestimmte Wirkung erzielen wollte bei denen, die es sich anschauen. Neonazis greifen solche Fotos dann auf und fühlen sich bestätigt. Wenn man kritischere Bildanalyse von normalen Bürgern nicht erwarten kann, wie dann von diesen Gesellen? Vor dem Camp spielt übrigens täglich eine Gruppe dunkelhäutiger Männer Cricket. Vielleicht Pakistanis, dort ist Cricket ja Volkssport. Sie bauen sich aus Müll Markierungen und legen los. Der Vorplatz ist danach immer sauber. Sie lassen nichts liegen. Das wäre auch mal ein schönes Foto. Ich sollte eines machen und drunterschreiben, dass es so überall im Camp aussieht. Und das dürfte so manipulativ sein wie das Gegenteil, das hier Thema war.

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Der Zeitgeist, die Sozis und Egon Bahr

Donnerstag, 27. August 2015

Alle trugen sie Trauerworte auf der Zunge. Die sozialdemokratische Gemeinde stand zusammen, als Egon Bahr, einer der Väter der neuen Ostpolitik und Macher des Wandels durch diese Annäherung, hochbetagt starb. Er sei ein ganz großer ihrer Partei gewesen, behaupteten sie alle zu Recht. Thomas Oppermann schrieb zum Beispiel, dass Bahr ein »fester Teil der bundesrepublikanischen Geschichtsschreibung« sei. Und Außenminister Steinmeier erklärte, dass »seine Vorstellungen […] buchstäblich den Lauf der Geschichte« verändert hätten. Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel indes behauptete ganz ähnlich, dass Bahrs »politische Lebensleistung […] herausragend [sei] und vor der Geschichte Bestand haben« würde. Das klingt alles gut. Nur was können diese Herren eigentlich von Bahr lernen?

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Als die Deutschen noch Flüchtlinge waren

Mittwoch, 26. August 2015

200.000 Ausländer standen in jenem Sommer im Lande. Nicht alle waren Flüchtlinge. Aber die Ungarn mochten sich dennoch fragen, ob die, die nur vorgaben, Urlauber zu sein, nicht eigentlich auch auf der Flucht waren. Man konnte diesen Ausländern nicht trauen. Sie waren verschlagen und hatten die seltsamsten Aussichten. Ihre Einstellung zum Leben war sonderbar und nicht immer nachvollziehbar. Außerdem waren sie ein kriegerisches Völkchen. Erst vor zwanzig Jahren waren sie im damaligen Bruderland Tschechoslowakei einmarschiert. Wer mochte diesem Menschenschlag schon trauen? Manche sollen gar ihre Eltern zurückgelassen haben in der Heimat. Machten das anständige Leute? Jetzt zelteten sie auf ungarischen Wiesen und wollten Wohlstand und Freiheit erfahren. Mancher Ungar meinte, die sollten zurück nach Hause trabieren und selbst an besseren Lebensumständen basteln und nicht einfach die Hand aufhalten.

Wirtschaftsflüchtlinge. Ja, das waren sie seinerzeit tatsächlich. Weil es im eigenen Staat nicht mehr lief, weil man endlich mehr wollte als das, was man zugeteilt bekam, machten sie sich auf den Weg. Ein Exodus fand statt. Politisch verfolgt waren die Leute ja durchaus nicht. Sie wären nicht gefoltert oder eingesperrt worden. Nein, sie wollten nur vom Wohlstand profitieren, den andere westlich der Grenze geschaffen haben. So glaubten das damals nicht nur die Ungarn, die es jetzt ausbaden durften. Ausgerechnet sie mussten nun diese Flüchtlingsherden ertragen. Dreckige Menschen aus Zeltstädten, die komisch redeten, eine kuriose Esskultur pflegten, sich von den Einheimischen nicht nur abgrenzten, sondern durch und durch kriminell waren. So mochte das mancher Ungar gedacht haben. Man kennt das Pack doch, das gemeinhin Heimat verlässt. Es sind ja nicht die Anständigen, die das machen. Immer treibt es dunkle Gestalten weg. Und ist in ungarischen Städten und Dörfern nicht auch mehr gestohlen worden in letzter Zeit? Die offiziellen Zahlen sagten etwas anderes. Aber das kannte man doch. Immer wird runtergespielt. Lügenpresse, Lügenpresse!

Im September und Oktober haben dann an die 40.000 Flüchtlinge Ungarn Richtung Westen verlassen. Endlich war man viele dieser Leute los. Mussten ihren Gestank und ihr Gejammer nicht mehr dulden. Endlich konnte man wieder die Paprikawurst vor die Läden legen, ohne dass man Angst haben musste, dass diese ostdeutschen Sozialstaatstouristen lange Finger machten. Denn das wusste man doch: Leute, die nur in die soziale Hängematte wollten, sind von Grund auf dazu bereit, sich anzueignen, was ihnen gar nicht gehört. Sie haben dunkle Gesichter, Bärte, treulosen Blick, waschen sich nicht. Es sind immer dieselben Attribute. Man kannte doch die Geschichten von Ostdeutschen, die stehlen. Es findet sich immer jemand, der Horrormärchen als Insidergeschichten verkauft. Und mancher von diesen Flüchtlingen machte auch noch den Ungarinnen schöne Augen. Weiber und Arbeitsplätze - das ewige Begehr alle Flüchtlinge, oder nicht? Nein, man musste sie schnell abschieben, damit sie nicht auch noch den Ungarn die Arbeit wegnehmen. Und das war nun geschehen. 40.000 war man los. Man konnte einen Großteil abschieben. Aber es kamen ja immer neue nach. Dabei war das Boot voll.

Ungarn den Ungarn! Refugees go home! Asylhochburg. Vier-vier-vier, nicht mit mir! Eigentlich wollten manche Ungarn mit Fackeln vor den Zeltstädten auflaufen und protestieren. Aber sie hatten noch kein Internet, um sich verabzureden. Veranstaltung bei Facebook anmelden und dergleichen war halt noch nicht. Videos für YouTube waren Zukunftsmusik. Man malte es sich deswegen nur aus, wie Patrioten sich wehrten. »Asylmissbrauch nicht mit uns!« skandierten. »Klar«, sagte mancher Besonnene unter den Protestlern, »irgendwie verstehen wir schon, was die Leute aus ihrer Heimat treibt - aber wir sind doch nicht das Sozialamt des Ostens!« Ungarische Wiesen gehörten ja ungarischen Jugendlichen, Pfadfindern und Campern - nicht diesen Deutschen, denen ihre eigenen Wiesen nicht mehr gut genug waren. Mancher erinnerte sich womöglich noch an Prag, an den Einmarsch, an ostdeutsche Soldaten und ostdeutsche Rhetorik und hätte die Stimmung angeheizt: »Wir holen uns Terroristen ins Land!« Applaus von allen Seiten und die Fackeln züngelten und Parolen hallten und überhaupt, es wäre so schön kuschelig geworden in der patriotischen Front. Wenn man als Ungar schon nichts hatte, so doch die Ablehnung der Flüchtlinge. Das ließ das Volk zusammenrücken.

Tja, und dann kamen diese Deutschen als Flüchtlinge an. Sie waren im Westen auch ungeliebt. Man unterstellte ihnen, sie wollten nur Begrüßungsgeld abstauben. Wir hatten doch im Westen nicht genug für uns selbst und nun sollten auch noch diese Russen an unseren Tischen sitzen. Der »Spiegel« berichtete: »In Westdeutschland kocht Haß auf die DDR-Übersiedler hoch. Die Staatenwechsler werden zunehmend als Konkurrenten auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt betrachtet. Vor allem in den Fluren der westdeutschen Sozialämter entlädt sich der Zorn auf die Zuzügler. Ein Beamter: Wir sind froh, wenn das Mobiliar heil bleibt.« Aber alles vergessen, heute sind West und Ost vereint in ihrer Wut auf die, die heute auf der Flucht sind. Identität. Sie ist das Produkt gemeinsamer Wut.

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... wenn man trotzdem lacht

Dienstag, 25. August 2015

»In der internationalen Politik geht es nie um Demokratie oder Menschenrechte. Es geht um die Interessen von Staaten. Merken Sie sich das, egal, was man Ihnen im Geschichtsunterricht erzählt.«

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Tina Merkel oder Wie sie den Kontinent formte

Montag, 24. August 2015

Letzte Woche gab es exakt zwei Möglichkeiten: Entweder der Bundestag würde erneuten Milliarden für Griechenland zustimmen und das Land in weitere Schuldknechtschaft entlassen und somit langfristig ruinieren. (So kam es dann auch.) Oder die andere Option wäre gewesen, dass man einen weiteren Kredit abgelehnt und damit Griechenland sofort ruiniert hätte. So oder so, beides scheint falsche Folgen zu haben. Oder anders gesagt: Herzlichen Glückwunsch, Frau Bundeskanzlerin, Sie haben die Alternativlosigkeit zu einem europäischen Misserfolgsmodell gemacht. Selten sah man das besser als letzte Woche.

Es war eine komplizierte Angelegenheit. Selbst für Menschen, die sich politisch interessierten. Würde man Griechenland erneut mit Geld aushelfen, so würde das Land zunächst nicht zusammenbrechen - und das ist ja an sich eine gute Sache. Man vertiefte damit aber auch die Abwärtsspirale, verewigt das Darben in Schulden für eine unabsehbare Zeit und schränkt damit den Handlungsspielraum sämtlicher griechischer Regierungen ein. Das hätte man vermeiden können, hätte man gegen neue Kredite gestimmt. Der Kreislauf aus Zinsen und Tilgung wäre unterbrochen gewesen. Aber gleichzeitig wäre die griechische Volkswirtschaft endgültig pleite gewesen. Auch dann wäre diese griechische Regierung handlungsunfähig gewesen. Beide Möglichkeiten hatten gute Gründe dafür und dagegen. Beide Möglichkeiten tragen im Keim eine fast identische Entwicklung: Die Untergrabung des Primates der Politik.

»Pest oder Cholera?« könnte man jetzt fragen. Aber beide Krankheiten sind mittlerweile heilbar. Eine Überdosis Arsen oder doch nur stetige Dosen derselben Substanz? Das ist die eigentliche Frage. Tödlich sind beide Varianten. Sie sind alternativlos. Denn das Weiterleben steht nicht zur Debatte.

Diese Entscheidung letzte Woche hat das Dilemma Europas ganz ausgezeichnet skizziert. Wir leben in der Alternativlosigkeit einer Ära, in der die marktkonforme Demokratie und ihre Befürworter das Ruder übernommen, in der Berlin Brüssel instruiert, Merkel den Kontinent hegemonial überrumpelt hat. Die Geisteshaltung dieser Epoche ist nicht an Alternativen interessiert, sondern an der Beibehaltung profitabler Ressourcen. Und wenn Geschäfte wegbrechen, sollen sie eben politisch gestützt und geschützt werden. Andere Ansatzpunkte sind in diesem Spiel nicht vorgesehen.

Es gab bei den Verhandlungen der Finanzminister Vergleiche, die sagten, dass man den Griechen die Pistole an den Kopf hielt, während sie aus freien Gewissen ihren Weg bestimmen durften. Dasselbe Prinzip wendet man auf Parlamentarier an, die über Gelder bestimmen sollen, ohne die es nicht geht und mit denen es letztlich auch nicht geht. Man schwindelt Optionen vor, die es faktisch in letzter Konsequenz nicht gibt. Entscheidungsfreiheit ist hier nur eine Phrase. Alternativen gibt es nur auf den ersten Blick. Nochmal Gratulation, Angela Merkel. Mehr und mehr reift Ihre Vorstellung einer »modernen Demokratie« zur Wirklichkeit heran. In der gibt es keine Alternativen mehr und demgemäß, wie es die »Gesellschaft für deutsche Sprache« schon 2010 festhielt, »keine Notwendigkeit der Diskussion und Argumentation mehr.«

Zwar kann man noch diskutieren, aber die Entscheidungsprozesse lotsen nicht automatisch in verschiedene Szenarien. Jeder gangbare Weg kulminiert in einer Entwicklung, die so gut wie identisch ist, egal ob man so oder so votiert. Wenn es aber keine verschiedenen Zukunftsszenarien mehr gibt, dann muss sich die gegenwärtige Demokratie fragen lassen, wozu sie noch gut ist. Und wenn man das fragt, stützt man gefährliche Entwicklungen. Merkel-Europa darf nicht alternativlos bleiben. Tut es das doch, ist auch die Demokratie keine Alternative mehr.

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Wahnsinn, echt Wahnsinn

Freitag, 21. August 2015

Letztens saß da einer an einer Mülltonne. Drüben in der großen Stadt. Er kauerte viel mehr in der Hocke. Lagerte ein offenes Notizbuch auf seinen Knien und malte große Kringel darein. Große, miteinander verbundene Kringel. Er gab sich viel Mühe. Wie ein Erstklässler, der sein erstes Schwungheft füllte. Er sah ziemlich abgerissen aus. Seine Jeans war abgewetzt. Sein Hemd dreckig. Er hatte Handschuhe ohne Finger an und kringelte so das linierte Papier voll und ich dachte mir nur, keine Ahnung, aber irgendwann erwischt es mich auch und ich knalle durch und dann sitze ich eben auch in der Szenerie herum und mache Dinge, die keiner macht, wenn noch alles intakt ist. Ich spüre es genau, diesen Fatalismus.

Ein anderer, der mir begegnete, auch in der großen Stadt, wippte hin und her. Hospitalismus halt. Oder Hunger. Vielleicht auch beides. Oder wer weiß was, er sprach ja nicht. Er wisperte nur leise vor sich her. Gesund sah er auch nicht aus. Sicherlich hatte er mal ein Leben gehabt. Das was wir als Leben kategorisieren: Einen Job. Eine Frau. Zwei Frauen. Drei oder vier. Falls er anständig war hintereinander. Falls nicht - wer fragt heute danach? Mit ihm redet ja keiner. Und er vermutlich mit keinem. Heute ist er bloß noch das arme Würstchen, das am Parkrand wackelt. Vielleicht hatte er ja eine Eigentumswohnung oder aber er hat immer pünktlich seine Miete überwiesen. Gewisser Wohlstand, gesicherte finanzielle Verhältnisse. »Wenn alle Mieter so wären«, schwelgte sein Vermieter noch vor zehn Jahren. Aber was ist schon ein Jahrzehnt! Es passiert so viel so schnell. Vor zehn Jahren lebte ich noch in meiner ersten Ehe mit zwei Kindern. Und heute? Alles ist anders. Sicherlich war der wippende Mann früher mal in Italien oder an der Costa Brava oder noch weiter weg. Phuket? Lernte er da seine vierte Frau kennen? Was ich sagen will: Er hat wahrscheinlich nicht nur immer die Gosse gesehen. Tja, und dann war es irgendwann vorbei mit der Süße des Daseins. Keiner weiß warum. Er unter Umständen auch nicht mehr.

Und ich frage mich indessen, was muss mir noch widerfahren, dass es mir auch so ergeht? Das Leben ist zuweilen so schwer und die Erwartungen und die Hoffnungen und die Beziehungen und die Trennungen und die Neuanfänge und die Resignation und, ach, ich weiß nicht was noch. Alles geht so schnell. Alle wollen so viel. Veränderungen und Neuigkeiten erdrücken uns. Manchmal sind sie gar keine Neuigkeiten. Nur die Fortschreibung des globalen Wahnsinns. Und wir leben in einem wahnsinnigen System. Warum also nicht gleich selbst wahnsinnig werden? Privatleben sind heute auch morbide Angelegenheiten. Schnelllebigkeit auch hier. Vor zehn Jahren Ehe, dann wieder eine - wieder gescheitert, nicht besser gescheitert, wie Beckett sagte. Das ist überhaupt so ein tolles Zitat von ihm. Ich mag es. Aber in Wahrheit ist es so, dass jedes Scheitern schmerzt und man darüber wahnsinnig werden könnte. Gut, aber das vergeht, ich lebe ja noch und weine nichts hinterher. Aber wann man auf sein Leben zurückschaut, wenn man beobachtet, wohin es einen in zwanzig Jahren Erwachsenendasein trieb, wer darin eine Rolle spielte, wer verging, sich verflüchtigte, all die Fehler und Sternstunden, die Kinder werden groß und was einem alles so über den Kopf wächst. Gestern bayerische Provinz, dann die hessische und jetzt bald mal die Großstadt. Frauen, Freunde, Kinder. Und dann Geldsorgen mal hier, mal da. Immer ist irgendwas. Teenager machen einem auch Sorgen. Die allgemeine Lage auch, aber davon habe ich Abstand genommen. Ich kann den Untergang nicht aufhalten. Also niste ich mich in ihm ein. Das nenne ich Pragmatismus.

Wenn ich dann diese Leute sehe, die offenbar etwas durchgeknallt sind, dann wundere ich mich nicht. So ein normales Leben kann einen schon zu so einem Zeitgenossen machen. Ohne Probleme. Da ist echt nichts dabei. Man fällt so oft und rappelt sich wieder auf. Ich kenne das. Und dann frage ich mich: Meinst du, du kannst dich immer wieder aufrappeln? Oder ist irgendwann die Kraft alle? Die Lust? Oder brennt gar was durch? Wieso denn nicht? Keiner von uns sollte glauben, dass er nicht die Anlage dazu hätte. Vielleicht wird alles gut. Derzeit sieht es so aus. Aber es sieht öfter mal so aus. Aber das sind Scheißgedanken, die man nicht haben sollte, wenn es besser werden soll. Haben darf man sie, aber nicht aufschreiben. Es sieht also so aus. Punkt. Ich zweifle schon nicht mehr. Entschuldigung. Trotzdem kann ich mir natürlich vorstellen, dass ich auch mal so ende wie die Leute, die ihre Existenz mitten unter den Normalen fristen; den Normalen, ihr wisst schon, die die dauernd eilen, rennen, boulevardlesen, schnäppchenjagen und telefonieren, ganz viel telefonieren. Knallen die nicht auch durch? Auf ihre Art? Nach Art des Hauses gewissermaßen? System des Wahnsinns halt.

Neulich sah ich einen, der mit einem Haushaltsschurz, so wie ihn Omas früher getragen haben, über die Einkaufsmeile spazierte. Hinter sich zog er eine Einkaufstasche auf Rädern. Er hatte Dreitagebart und rot gefärbte Haare. Meine Güte, dachte ich mir, wenn es mich schon ereilt, dann bitte nicht so. Der Kringelmann hatte ja noch Würde. Der Schurz war hingegen nur lächerlich. Ich lachte nicht, denn wer weiß, was ihm widerfuhr. Und wer weiß, ob in zehn Jahren nicht Leute über mich spotten, wenn ich so dasitze und mit den Fliegen rede, die sich gerade über einen Brocken Hundescheiße hermachten. Zehn Jahre! Was sind schon zehn Jahre? Vor zehn Jahren war ich verheiratet und zwei Kinder spielten drüben im Kinderzimmer. So viel änderte sich und änderte sich erneut und ändert sich stetig. Da kann man echt durchdrehen. Konstanz täte auch mal gut. Stillstand wäre Fortschritt.

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Eitel Sonnenschein

Donnerstag, 20. August 2015

Es gibt so viele Lieder und Gedichte über die Schönheit des Sonnenscheins und wie toll sich die Wärme auf der Haut anfühlt. Singt und rezitiert man die auch dort, wo Menschen in Zelten hausen müssen?

Neulich waren wir auf einem Festival. Zelten. Wie es sich gehört. Fünf Tage und vier Nächte. Der Campingplatz war ein Acker. Tausende Zelte standen dort auf diesem Feld in Nordhessen. Bäume standen hingegen gar keine da. Also überhaupt nicht. Nur in weiter Ferne. Die Sonne verbrannte unsere Köpfe. Durchgehend und ohne Pause. Es gab leider zu viele Sonnenstunden. Wir beide, Partnerin und ich, schwitzten und unsere Stirne glänzten, über den Lippen sammelte sich das Wasser. Das war nicht angenehm. Ich glaubte, auch mein Gehirn würde braten und zählte stumpf die Stunden bis zum Sonnenuntergang. Das Zelt war faktisch nicht benutzbar. Nur nachts. Und da auch nur, wenn man es geöffnet hielt und Insektenbesuch in Kauf nahm.

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Das bisschen Haushalt

Mittwoch, 19. August 2015

Die Sozialdemokratie benimmt sich wie eine Hausfrau aus den Fünfzigern. Wie eine, die ihrem Gatten den Vortritt gewährt, eigene Ambitionen zurückstellt und diesen Zustand dann Zufriedenheit nennt. Gabriel ist das Hausmütterchen, das sich seine Kanzlerin leistet. Er will nicht mehr, als das, was sie ihm gibt.

Sie waren so bescheiden, die Frauen seinerzeit. In Werbeclips von damals sieht man, was Frau sein damals bedeutete: Dem Mann heimische Geborgenheit sichern. Kochen, putzen, Palmolive benutzen und falls sie doch mal aus der Fassung geriet, sollte sie sich einen hinter die Binde genießen. »Frauengold« fürs Wohlbehagen. Oder sagen wir lieber: Dafür, dass Ruhe war im Karton und der werte Gatte sich nicht mit ihr ärgern musste. Alles für ihn. Damit er Karriere machen kann, seine Ziele erreichen. Dafür schluckte seine bessere Hälfte alles hinunter, stellte die eigenen Pläne hintan.

Es ist die Ironie dieser Tage, dass die aktuelle Sozialdemokratie sich einerseits als Verfechterin der Emanzipation hinstellt und Frauenpolitik gestalten will, die eben gerade kein »Frauengold« verabreicht, sondern mündig macht, Selbstbestimmung zulässt. Und andererseits benimmt sie und ihr Vorsitzender sich, als sei sie eben eine dieser weiblichen Harmoniebündel von dazumal. Sigmar Gabriel scheint einigen Vorrat an »Frauengold« gehortet zu haben. Ärgert er sich über seine bessere Hälfte aus dem Kanzleramt, gewährt er sich eben einen Messbecher voll und tollt glücklich über die Wiese, bestellt den Einkauf und kocht ein hübsches Mittagessen zur Hebung der Stimmung.

Harmoniesucht. Das ist das große Problem dieser Sozialdemokratie. Sie gibt sich auf im Schatten der Herrin, die unauslöschlich im Kanzlerinnenamt sitzt. Manche ihrer Protagonisten raten dazu, den Wahlkampf aufzugeben. Sich als kleiner Koalitionspartner einzutragen und damit zufrieden zu sein. Nur keine eigenen Positionen darbringen, nicht anecken oder gar Profile herausarbeiten. Das könnte Disharmonie erzeugen und dann ist die bessere Hälfte ungehalten und das traute Glück kommt in Schieflage, muss gekittet werden. Dann lieber ein Schlückchen »Frauengold« und man erträgt das Ausgebootetsein wieder leichter.

In dieser Verfassung lavieren die Sozialdemokraten heute. Der Vorsitzende ist die oberste dieser Hausfrauengilde. Sie ordnen sich unter, katzbuckeln und üben auf den Betrachter Loyalität und geben eigene Stellungen ab. Wie es gute Gattinnen zuweilen taten. Soll ja keiner was Schlechtes über die Verbindung zwischen Schwarz und Rot denken. Alle sollen sehen, wie glücklich das Paar ist. Hinter den Kulissen wird man der Herrin des Hauses sicherlich auch mal sagen, dass das und das nicht geht. Dass man nicht ganz glücklich ist. Dann gibt es einen konzilianten Kuss auf die Stirn und man nimmt wieder die Rolle ein, die vorgesehen ist und putzt die Glasränder und den Staub weg, die der Haustyrann fabrizierte.

Schlimm genug, dass man sich so aufgeben muss in mancher Beziehung. Dass man es aber nicht mal ändern will, sich damit abgefunden hat, so sehr, dass man auf ewig die Frau an der Seite des Patriarchen sein möchte, das ist wirklich traurig. Man hat sich im Nest eingerichtet, ist nicht ganz froh darüber, findet sich damit ab und sorgt für gute Stimmung. Auf dieser Basis soll dann Politik im Lande gestaltet werden. Harmoniebesessen. So kann es nichts werden. Wer sich nicht reibt, nicht streitet, nicht abgrenzt, der gibt nicht nur sich auf, der scheidet als politisches Element aus. Mit Harmonie beglückt man Patriarchen, nicht aber gesellschaftliche Entwicklungsdynamiken.

Es gibt nur eine Möglichkeit, um diesen Zustand für alle erträglich zu machen. »Frauengold« für uns alle. Oder was Härteres. Oder einen Joint. Irgendwas, was uns Lächeln macht, obgleich wir weinen wollten.

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Aus fremder Feder

Dienstag, 18. August 2015

»Arbeitet, arbeitet, Proletarier, vermehrt den gesellschaftlichen Reichtum und damit euer persönliches Elend. Arbeitet, arbeitet, um, immer ärmer geworden, noch mehr Ursache zu haben, zu arbeiten und elend zu sein. Das ist das unerbittliche Gesetz der kapitalistischen Produktion.«
- Paul Lafargue, »Das Recht auf Faulheit« -

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Klebstoff unter Tränen

Montag, 17. August 2015

Herrschaftzeiten, jetzt weint er, der Claus Kleber. Und weit und breit keine Kanzlerin, die streichelt und sagt, er habe es ganz toll gemacht. Dabei hat er es ganz toll gemacht. Alleweil schon. Besonders als die Frau im Osten zündelte. Damals weinte er noch nicht.

So Flüchlingsrealitäten sind ja tatsächlich mehr als traurig. Ich bin da ganz bei ihm. Wenn man nachfühlt, wie es bei diesen Temperaturen ist, in einer Zeltstadt zu hausen, dann begreift man, was Flucht bedeutet. Man kommt an und leidet weiter. Von den Fluchtmotiven will ich gar nicht erst sprechen. Und wenn dann jemand etwas Symbolisches tut, damit diese Tristesse ein wenig Licht erhält, wie eben jener Busfahrer, der einige Flüchtlinge per Lautsprecherdurchsage auf seiner Linie begrüßte, dann ist das wirklich ein Moment, in dem man Tränen in die Augen bekommen könnte. Das kann jedem passieren. Auch harten Typen. Warum es dem Kleber ausgerechnet jetzt widerfährt, weiß man allerdings nicht ganz so genau. Andere Flüchtlingswellen beeindruckten ihn ja auch nicht.

Für jenes Drama war er nicht direkt verantwortlich. Aber er und sein »heute journal« hatten kein Problem damit, Öl ins ukrainische Feuer zu gießen, gegen Putin zu Felde zu ziehen und damit Europa an den Rande eines militärischen Konfliktes zu führen. Er gab den Journalismus auf und rechtfertigte das gewissermaßen später in der Tübinger Uni. Dass die Verschärfung der Situation Menschen aus ihren Städten und Dörfern vertrieb, Flüchtlingswellen vergrößerte und all das für diese Menschen brachte, was so ein Umstand eben mit sich bringt, kümmerte ihn und seine Leute herzlich wenig. Sie waren ganz auf Kanzlerinnen-NATO-EU-Kurs, geiferten nach starker Generalität, wollten sich nach Osten hin erweitern und zum russischen Osten abgrenzen und alle anderen als gefährliche Putinversteher abwatschen. Flüchtlinge? Ach was! Kollateralschäden im Propagandafeldzug. Teilweise verleugnete man sie als Propaganda Russlands. Aber selbst wenn, so einige Menschen mit verlorener Heimat muss man doch aushalten können.

Aber ich behaupte nicht, dass dieser Mann, der der Kitt zwischen Eisernkanzlerschaft und Meinungsmache ist, dass also Klebstoff-Clausi, ein kaltes Herz habe. Auch er kann mal weinen. So angedeutet jedenfalls. Die Frage ist halt nur, warum es manchmal ans Herz geht und wieso in anderen Fällen nicht. Ist das Zeitgeschmack oder Mode? Oder liegt es an der privaten Konstitution? Geht es ihm nicht so gut, weswegen er so nah am Wasser gebaut hat? Objektiv ist das jedenfalls nicht. Und wem bringt dieses Geheule was, wenn man auf der anderen Seite indirekt an ähnlichen Vorgängen mitgestrickt hat?

Tränen lügen nicht, heißt es. Achja? Vielleicht tun sie es tatsächlich nicht. Aber sie können rinnen, ohne das zu meinen, was man annimmt meinen zu müssen. Sich trennende Lebenspartner weinen ja auch viel. Aber nicht unbedingt, weil der Verlust so wehtut, sondern hin und wieder auch, weil man sich selbst schrecklich leidtut, weil man enttäuscht ist vom eigenen Lebensweg und sich fragt, wie man sich hat dermaßen täuschen können. Die Tränen lügen deswegen ja nicht, sie sind ja echt und aufrichtig. Sie werden aber falsch interpretiert. Vielleicht hat der Mann ja vorher »Love Story« geguckt, sich mit seiner Liebsten oder seiner Frau gestritten oder einfach nur Zwiebeln geschnitten und sich die Hände nicht gewaschen. Es wären auch dann aufrichtige Tränen gewesen. So aufrichtig, wie er aufrichtig den Konfrontationskurs mit Russland stützte.

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Reicher Mann und armer Mann

Freitag, 14. August 2015

Wenn Hochhäuser mittels Flugzeugen zum Einsturz gebracht werden, dann ist es für uns ganz selbstverständlich, dass diese Sache globale Folgen haben muss. Waffenlieferungen, Marionettenregimes und Klimawandel allerdings, also von den Industriestaaten gemachte Realitäten für Entwicklungsregionen, sollen bittesehr ohne Folgen für die Restwelt bleiben. Das ist die Doppelmoral, die uns heute begegnet, wenn wir uns in Europa vor Flüchtlingen verschanzen. Unsere Angelegenheiten der ganzen Welt; die ganze Welt ist jedoch nicht unsere Angelegenheit.

Endlich ist es so weit. Der Teil der Welt, der für den Wohlstand einer globalen Minderheit leiden muss, bricht auf in die Zonen, in denen es nach Lebensqualität duftet. Sie kommen nicht absichtlich, nicht mit Kalkül. Sie wurden getrieben. Europa bezahlt jetzt für eine Wachstumspolitik, die keine Nachhaltigkeit kannte. Für Ressourcenabbau, Verkarstung, politische Beeinflussung, Bestechung, Korruption und nicht zuletzt für einen exzessiven Waffenhandel. Wie lange hätte das noch gutgehen sollen? Einmal musste der Laden ja um die Ohren fliegen.

Nichts existiert in dieser Welt isolationistisch. Autismus ist eine Entwicklungsstörung, kein geiles Lebensgefühl, das einzuhalten völlig erstrebenswert ist. Wer das annimmt, wer heute so tut, als seien die Flüchtlingsströme eine quasi zufällige Laune von Völkern, die es vermasselt haben oder die einfach nur gierig sind, der hat nicht verstanden, dass wir alle denselben Planeten bevölkern. Eine Kugel, auf der man nichts tun kann, ohne im gleichen Zuge etwas anderes zu unterlassen. Oder andersherum. Alles was geschieht, das geschieht für alle. Reicher Mann und armer Mann / Standen da und sah'n sich an. / Und der Arme sagte bleich: / Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich.

Abschottung ist in diesem Kontext nicht legitim. Es ist autistisch und die Verlängerung eines künstlichen Zustandes, in dem die westlichen Länder seit Jahrzehnten leben und florieren. Wer Flüchtlinge vermeiden will, der kann es nicht mit Auffanglager machen. Das rächt sich. Der muss Partizipation erlauben, darf nicht in die innenpolitischen Entwicklungen armer Staaten funken und muss die Entwicklungshilfe drastisch erhöhen. Solange zum Beispiel die Menschen, die auf Erdölreserven leben, genau aus diesem Grund ihrer Existenz in so einer Region besonders arm sind, darf man sich nicht wundern. Wenn man Quellen auch noch von Warlords bewachen lässt, die mit Waffen aus deutschen Schmieden ausgestattet sind, kann man in Sonntagsreden noch so viel von internationaler Solidarität sprechen. Dort fängt Asylpolitik an: Ursachen abstellen.

Nein, wir können nicht mehr alles haben: Profite durch Lieferung von Todeswerkzeug, Ausbeutung, Kulturimperialismus und zeitgleich diese in Unruhe geratenen Weltregionen zum Stillschweigen verdammen. Keine Chance. Irgendwann musste all das Folgen haben. Jetzt sind sie da.

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Der Kauderwelsch und die Normalität

Donnerstag, 13. August 2015

Die Aufregung um Kauders Äußerungen ist verlogen. Denn sie tut so, als habe der Mann einen phänomenalen Bruch mit Sitte und Anstand begangen. Dabei ist die Praxis der Erpressung gegenüber Abweichlern längst »Verfassungsrealität« in diesem Land.

Die Abgeordneten des Bundestages sind einzig ihrem Gewissen unterworfen. So will es das Grundgesetz. Und da Parteivorsitzende und/oder Bundeskanzler ja kein Grundgesetz sind, sondern einfach bloß Leute, die ihren Willen durchpauken möchten, wollen sie von derlei Gewissensfragen recht wenig wissen. Das subjektive Gewissen ist ihnen einfach zu vage, lässt sich nicht richtig fassen und kalkulieren. Also muss man den Abgeordneten da packen, wo es nicht ganz so schwammig ist: Am Prestige, vielleicht auch am Geldbeutel – und an seiner Karriere auf alle Fälle. Wenn er nämlich Angst um seine Zukunftsplanung hat, dann ist das Gewissen zunächst deaktiviert. Die einzige Gewissensfrage in diesem Prozess ist letztlich nur, wie stark man den Druck dosiert und wie gut man ihn vor den Medien als Rhetorik verkleiden kann, damit diese nicht aufschreien. Tja, und exakt da hat der Bundeskanzlerin Knecht versagt.

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Individualisten, alle gleich

Mittwoch, 12. August 2015

Wir sind eine individualistische Gesellschaft. Darauf sind wir Westler so stolz. Im Gegensatz zu den anderen modi vivendi auf dieser Welt, gibt es hier keine Gleichmacherei, keinen Einheitsbrei. Nicht so wie in China oder Kuba. Nicht so wie in der muslimischen Welt. Das Problem ist nur, dass wir unseren eigenen Kollektivismus nicht erkennen. Unsere Individualität ist ein Narrativ.

Ich erinnere mich an eine Szene aus einem Film. »Zeiten des Aufruhrs« lautete sein deutscher Titel. Er spielte in den Fünfzigerjahren und handelte vom Trott jener Zeit, von der Langeweile des Alltagslebens und allem was dazugehört. In einer Szene kommt ein Zug am Bahnhof an. Die Türen der Waggons öffnen sich und es drängen Männer hinein, die sich auf den Weg zu ihren Jobs machen. Alle tragen sie schwarze oder graue Anzüge, schwarze oder graue Hüte, schwarze oder braune Aktentaschen. Zu jener Zeit zeigte man auf die Sowjetunion und erklärte, dass man die sozialistische Gleichmacherei mit allen Mitteln bekämpfen wolle und werde. McCarthy leistete ganze Arbeit. Den eigenen Kollektivismus, den man als American Way of Life verkaufte, sah man jedoch nicht. Manchmal sieht man die eigenen Entwicklungen nicht mehr, wenn man vor der Haustüre der anderen fegt. Nun hat ein niederländischer Fotograf dokumentiert, wie gleich wir uns alle sind.

20 Jahre lang fotografierte er Menschen in Einkaufsstraßen. Heraus kamen Bilder und die Erkenntnis, dass sich niemand von uns einzigartig kleidet. Individualismus ist modisch betrachtet nichts weiter als eine Legende. Die Bilder, die er liefert, sind tatsächlich beeindruckend. Wie die grau-schwarzen Männer einst, so sehen wir heute gleich aus. Nur bunter. Wir sind schließlich die Kinder der Spaßgesellschaft und damit farbenfroh.

Jetzt wird natürlich mancher einwenden, dass dieser Kollektivismus ja nur oberflächlich ist. Die Anzugträger aus den Fünfzigern und die Bunten von heute sind ja nur visuelle Erscheinungen, die nicht in die Tiefe gehen. Ansonsten sind wir doch alle individuelle Personen. Klar, jeder Mensch ist einzigartig. Aber sind wir so wenig kollektiv? Die Männer, die in den Zug stiegen, hatten sicher im wesentlichen dieselben Gedanken: Hypothek, Karriere, Frau, Geliebte und den Anspruch, als anständige Menschen gesehen werden zu wollen. Kleider machen Leute und so. Ticken wir heute nicht auch alle auf dieselbe Art? Karriere, alles unter einen Hut zu bringen, Erreichbarkeit, Eile und diverse politische Ansichten des Mainstreams, die geschluckt und nicht hinterfragt werden. Auch das ist Kollektivismus.

Man kann andere Ansichten haben. Sollte sie aber gut verstecken. Man kann zum Beispiel gegen die Masse behaupten, dass Griechenland an die Wand gedrückt wurde - aber man sage das nicht zu laut, wenn man in einem Unternehmen arbeitet, das von dieser Repression profitiert, drüben in Hellas. Wir haben unsere Legenden und Ansichten und sie sind verbindlich im alltäglichen Gebrauch. Es geht uns doch gut und jeder findet Arbeit, wenn er es bloß möchte: Das sind so Botschaften, die wir kollektiv als wahr erachten. Die Fotos sind da nur der optische Weggeber. Sie machen für das Auge sichtbar, dass wir alle im Einheitsbrei waten. Einzigartigkeit ist auch im Westen eine Ausnahme. Wir sehen es bloß nicht. Haben unsere eigene Gleichmacherei. Ganz ohne Islam, ganz ohne Sozialismus. Und genau für diese Erkenntnis helfen Projekte wie jenes des niederländischen Fotografen weiter.

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... wenn man trotzdem lacht

Dienstag, 4. August 2015

»Oben,
Ich bin oben.
Ich hab's geschafft.
Ich les' grad' ein Buch: Die klassenlose Gesellschaft
Ich hab sehr gelacht.

Es gab eine Zeit, da war eine Putzfrau das Allerletzte.
"Es ist dein Dreck, den machst du gefälligst selber weg!" (stimmt ja auch)
Jetzt kniet irgendeine Olga über meinem Klo, kratzt meine Kacke weg,
Es hat ein bisschen gedauert aber mittlerweile, mittlerweile,
Schaue ich ihr gern' dabei zu.

Unten.
Die ist unten,
Zurecht.
Und das hat mit Zufall nix zu tun,
Oder Pech.
Oben das wissen auch die Vögel,
Fliegt sich's einfach viel entspannter.
Oben, das wissen alle, die mal da waren,
Laufen die Dinge von selbst.«
- Rainald Grebe, »Oben« -

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Flucht- und Rettungswege zu sicher

Montag, 3. August 2015

Letzte Woche meldeten die Rundfunkanstalten, dass Europas Tunnel sicherer geworden seien. Ein Tunneltest habe dies ergeben. Nur beim Eurotunnel hapert es noch. Er ist noch nicht flüchtlingssicher.

Alles intakt bei europäischen Tunnel meldet der ADAC. Vielleicht stimmt das Ranking ja diesmal sogar. Natürlich kann auch die Tunnellobby bei dem Resultat Vorgaben gemacht haben. Aber egal jetzt. Alles ist gut. Beleuchtung und Energieversorgung stimmt. Verkehr und Verkehrsüberwachung waren auch nicht übel. Bei Brandschutz und Lüftung war man auf der sicheren Seite. Dummerweise auch bei Flucht- und Rettungswegen. Die sind in europäischen Unterhöhlungen vom Feinsten. Und genau hier fängt das Problem an. Gute Fluchtwege locken Flüchtlinge an. Wie kürzlich geschehen im Eurotunnel. Da sollen sich Tausende auf den Weg gemacht haben. Deswegen nimmt man jetzt einige Millionen in die Hand, damit man Fluchtwege verstopfen kann.

Da sieht man mal was wir von unserem gut organisierten Kontinent haben. Bauen alles nach Standards und dann müssen wir es revidieren, damit sich nicht Leute in Tunneln tummeln, die man schon überirdisch nirgends haben will. Fluchtwege bei Gefahr im Tunnel im Verzug - ja klar, die schätzen wir Europäer sehr. Wir wollen nicht verrecken in einem engen Schlauch aus Beton. Aber Fluchtwege für Menschen, die sich aus dem Verrecken erlösen  wollen: Da hören Sicherheitsstandards aber auf! Da wären zwei Minus in der Tunnelbewertung erwünschter als ein Doppelplus.

Prioritäten haben wir jedenfalls. Fluchtwege haben welche, wenn die Flüchtenden von einer unmittelbaren Gefahr davonrennen. Feuer oder dergleichen. Wenn aber das Feuer nicht zu sehen ist, dann sagen wir »Wirtschaftsflüchtling« zu dem Rennenden und verstopfen die Zuwege.

Es gab Zeiten, da konnten Bauwerke gar nicht sicher genug sein. Man wollte Katastrophen verhindern. Tunnelkatastrophen gehören sicher zu den schlimmsten Szenarien, die sich moderne Menschen vorstellen können. Gefangen im Bauch einer Röhre, die umgeben ist von Stein oder Meer, dazu Hitze, mangelnder Sauerstoff - das ist nicht nur nichts für Leute, die klaustrophobische Ängste haben. Aber europäische Werte wandeln sich derzeit. Man verabschiedet ganze Völker ins Elend und verordnet kürzere Lebenszeiten - und man jammert über Fluchtwege, die so gut sind, dass einfach mal Tausende durch das Tunnelsystem flüchten können. Und da die Flüchtlinge nicht aus dem Bauch einer Röhre fliehen, sondern durch sie hindurch aus dem Gefühl eines leeren Bauches oder anderer Nöte heraus, verstopfen wir die Ausgänge.

Manchmal schreibt das Leben Zufälle. Und da Nachrichten und Schlagzeilen immer auch ein Stück aus dem Leben greifen, sind auch sie vor Zufällen nicht gefeit. Dass diese beiden Nachrichten, die von den guten Tunnel in Europa und die vom Eurotunnel, der Fluchthelfer war, ausgerechnet in einer Woche mit einem zeitlichen Abstand von nur einigen Stunden auftauchen, mag man Zufall nennen. Ich sehe darin ein treffliches Beispiel für die Doppelmoral, in der wir leben. Alles für uns, nichts für die anderen. Uns das Beste, den anderen der Rest - und der ist zu viel. Beide Meldungen nebeneinander offenbaren wie es bestellt ist auf diesem Kontinent, wie es bestellt ist mit der kontinentalen Asylpolitik.

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Ein richtiger Deutscher halt

Freitag, 31. Juli 2015

Ich will euch von jemanden erzählen, der auf Facebook sein Leben teilt. Normalerweise bin ich nicht kleinlich, aber bei dem Charakter muss man es sein.

Am 19. Juli schrieb er: »Akten bearbeiten und ein Café was trinkt ihr?« Keinen Kaffee, er trinkt die Lokalität selbst. So kennt man ihn. Größenwahnsinnig. Er trinkt auch nicht »einen«, er trinkt »ein Café«. Das klingt so wie aus dem Mund von jemanden, den man in dieser Republik gerne mal als bildungsfern beschimpft. Punkt und Komma schenkt er sich sowieso. Er ist ein vielbeschäftigter Mann. Am 18. Juli postete er ein Jugendfoto aus seinem Jugendzimmer: »Das war das Poster übr meinem Bett in der Jugendzeit was hing bei euch?« Wie gesagt, er hat viel zu tun, deshalb verbucht er wohl zwei Sätze in einem. Satzzeichen sind das Metier von Leuten, die zu viel Zeit haben. Von Faulpelzen. Das »übr« verzeih ich ihm jedoch. Vielleicht klemmt ja seine Tastatur. Das kommt vor. Dumm nur, wenns Hirn klemmt. Tastaturen kann man ersetzen.

Wie gesagt, ich will nicht kleinlich sein. Aber so geht es dauernd. Groß- und Kleinschreibung variieren lustig. Verben beginnt er mit Großbuchstaben. Nomen klein. Griechenland heißt bei ihm immer »griechenland« - ob das Absicht und Zeichen seiner Geringschätzung ist, weiß ich nicht. Auszuschließen ist es nicht. Er hat sich in den letzten Jahren als großer Griechenhasser geoutet. Und als standhafter Asylgegner. Als einer überdies, der immer wieder die Integration von ausländischen Mitmenschen als Unmöglichkeit abtat - und der zum Beispiel forderte, dass Leute, die des Deutschen nicht mächtig werden, auch rausfliegen sollten aus diesem Land.

Neulich hatte die Kanzlerin ja mit einem jungen Flüchtlingsmädchen zu tun. Sie sprach sehr gut Deutsch. Ich nehme an, dass sie es besser drauf hat als der Mann, um den es hier geht. Sie wird aber Deutschland verlassen müssen. Das Sprachgenie, das in diesem Land einen Ministerposten kleidet, bleibt uns erhalten. Er und seine Künste. Er und seine Ego-Show auf Facebook.

Um wen es geht? Um Markus Söder. Um einen, der immer eine Witzfigur in meinen Augen war, aber seitdem ich seinen Facebook-Auftritt entdeckt habe, finde ich meine Vermutung tatsächtlich bestätigt. Neben allerlei sprachlichen Leistungen, bietet er tiefe Einsichten in die Seele einer Politikerhülse. Irgendwo schreibt er, dass er froh sei, an Gott und Jesus Christus zu glauben. Ob sie es auch sind, dass so einer es tut? Und die Eindrücke aus seinem Jugendzimmer, von denen ich oben sprach, handeln vom Poster, das damals über seinem Bett hing. Eines von Franz-Josef Strauß. Irgendwann im Mai erläuterte er passend dazu auf Facebook, dass man diesen großen Deutschen in die Galerie der Walhalla aufnehmen müsste.

Das reicht. Die Lächerlichkeit ist nicht erst nach diesen Absätzen bewiesen. Aber mal wieder dokumentiert. Und wer ist er schon, dass man ihm hier mehr als sechs kurze Absätze widmen sollte? Ich hingegen werden jetzt »ein Café« trinken gehen. Und hadern, weil meine sprachlichen Kompetenzen zu hoch traben, als dass aus mir nochmal was werden könnte.

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Eine kurze Anleitung, wie man die Faschisten heute küsst

Donnerstag, 30. Juli 2015

Wo ist der Spaß am provokanten Protest? Manche Demo wird heute mit trockener Steifheit absolviert. Was fehlt ist Freude und gebotener Zynismus. Angesichts der wachsenden polizeilichen Soldateska auf den Straßen wären vielleicht neue alte Protestformen gar nicht übel.

Ich war neulich auf einer Blockade-Demo gegen eine Gruppierung dieser selbsternannten Patrioten. Die Rechtsextreme Ester Seitz hatte in Frankfurt zur Kundgebung und zum Marsch durch die Stadt aufgerufen. Einige verirrte Gestalten kamen dann auch aus aller Herren Bundesländer. Hooligans und Hetzer fanden sich ein. Unterschiedlichen Angaben zufolge waren zwischen 120 und 180 Leute anwesend. Familientreffen also. Die Gegner müssen Tausende gewesen sein. Verschiedenste Menschen waren da. Antifa natürlich. Engagierte Bürger aus allen Altersklassen und Schichten. Linke und solche, die keine Richtungsangabe hatten. Ziel war es, wenigstens den Marsch zu verhindern. Was bei diesem Zahlenspiel natürlich gelang.

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Der große Schweiger

Mittwoch, 29. Juli 2015

Es ist ja schön, dass sich Til Schweiger so lautstark gegen den rechten Pöbel zur Wehr setzt. Aber sich gegen solche Leute in Stellung zu bringen ist die Grundrechenart des Antifaschismus. Es gehört aber noch mehr dazu. Die Gleichung heißt generelle Menschenwürde. Und exakt da hat der Mann auch schon mal öffentlich versagt.

Faschisten waren ja nicht nur ausschließlich Rassisten. Sie verachteten das menschliche Leben. Nichts war ihnen etwas wert, wenn es nicht angepasst war. Zum Weltbild gehörte eben nicht nur, dass man gegen »mindere Rassen« hetzte, sondern auch gegen Arbeitslose, Kriminelle oder Schwule. Alles, was halt nicht ganz ins Schema passte, musste sich fürchten. Sexualstraftätern konnte demgemäß ja auch kein gewisses Maß an Würde attestiert werden. Und exakt das hat der Mann vor Jahren auch getan. Verbal. Er vertrat bei »Lanz« sehr aggressiv die Ansicht, dass solche Menschen keinen Anspruch auf Menschenrechte hätten. Das war starker Tobak. Natürlich erhielt er seinerzeit Applaus. Dergleichen kommt heute gut an. Wir sind ja so stolz auf unsere Errungenschaften. Nur für jeden sollten sie nicht gelten. Kurz und gut, damals war der Antifaschist der Stunde eher auf anderen Pfaden unterwegs. Wenn man die Leute (oder ihn) heute fragte, würden sie wahrscheinlich behaupten, dass das eine mit dem anderen nichts zu tun habe.

So wie es heute zum guten Ton gehört, seinen rassistischen Untertönen freien Lauf zu lassen, gehört es auf der anderen Seite selbstverständlich auch zum guten Ton, gegen Nazis und neonazistische Parolen zu sein. Komischerweise gehört es zum guten Ton auf Arbeitslose zu schimpfen. Sie zu verteidigen ist eher so ein leiser Unterton. Und Schweiger ist auch da nur ein Schweiger. Und von Sexualstraftätern gar nicht erst zu sprechen. Da sprach er wiederum zu viel.

Es ist ganz ausgezeichnet, wenn jemand wie Schweiger Stellung bezieht. Keine Frage. Aber es ist wohlfeil. Irgendwie sind ja alle gegen Nazis. Gegen das Weltbild der Braunen und so weiter. Es geht mir auch gar nicht um Schweiger. Nur um diesen Typus, der diesen halbgaren Antifaschismus spielt und an anderer Ecke im Pulk der Menschenrechtsverächter steht. Wo ist der Aufschrei für Menschlichkeit und Menschenrechte sonst? Ist nicht auch der Einsatz gegen die Stigmatisierung von Arbeitslosen Antifaschismus? Ist es nicht auch wider der Barbarei, wenn man denen Rechte zuspricht, die gegen Gesetze verstoßen haben? Aber aus der Ecke kommt nichts. Eher das Gegenteil.

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Zu Ohren gekommen

Dienstag, 28. Juli 2015

»Bundeskanzlerin Angela Merkel hat einen Shitstorm auszuhalten«, erklärte die Radiomoderatorin letzte Woche mal. Wegen dem Flüchtlingsmädchen, das weinte, weil sie so grob zu ihr war. Dem war nichts hinzuzufügen. »Wie es Angie hätte besser machen können, sagt uns kurz nach Zwölf unser PR-Experte.« Wie bitte? Angie? Ich lauschte einem Radiosender, der zu einer Anstalt des öffentlichen Rechts gehörte. Musste man da nicht mehr Seriosität erwarten? Oder ist das »Auf-Du-und-Du« im Merkel-Deutschland schon das Maximale an Seriosität, was man erwarten darf?

Früher klang es für meine Ohren immer mordsspießig, wenn jemand sagte: »Herr Doktor Kohl« - auch wenn er dasselbe ohne Titel sagte. Das schuf Distanz und irgendwie hatte ich den Eindruck, dass da falscher Respekt mitspielte. Heute wäre ich froh um diese Nüchternheit. Lieber »Frau Merkel« als Angie. Das hat doch eigentlich weniger mit dem Respekt vor dem Amt zu tun, als mit der Grundbasis einer Berichterstattung, die auf Abstand bleibt. Wenn ich in meinem Umfeld Leute über Angie reden höre, dann widert mich diese Fraternisierung wohl an. Aber es ist immer noch was anderes, wenn öffentliche Sendeanstalten in diesen Stil verfallen. Und dass es keinen wirklich aufregt, zeigt viel von der Konstitution dieser Gesellschaft. Merkelismus mag vieles sein. Auch der Umstand, dass man eine kalte Person mit ihrem Vornamen kost, um ein Gefühl der Zusammengehörigkeit unter der Kuratel eben dieser Person zu erzeugen.

Die Union dudelt den Song der Rolling Stones. Medien nennen sie so. Und in der Wählerschaft ist dieser Angielizismus schon lange angekommen. Warum tut man das? Wirkt es cool oder abgeklärt, wenn man die politische Machthaberin kost und duzt, während man in der Wirklichkeit buckelt, respektiert und wählt? Schafft das die Distanz, die man in einem alternativlosen System benötigt, um sich noch als autarke Figur selbst wahrzunehmen? Rückt man heran, um den immer größer werdenden Abstand zwischen Wunsch und Wirklichkeit in den Lebensrealitäten aufzufangen? Viele Menschen in meinem Umfeld nennen sie Angie, wenn sie irgendwas von ihr erzählen. Selbst wenn sie Belustigendes oder gar Negatives anmerken. Sie sind in vielen Fällen Opfer einer Politik, für die Merkel und ihre Wirtschaftslinie steht - und trotzdem ist sie für sie die Angie. Ist das ein Weg, die eigene Rolle herunterzuspielen? Fast wirkt es so.

Man muss ja nicht den gesamten Text von »Angie« singen. Eine Passage reicht schon und dann wäre alles gesagt: »With no loving in our souls / And no money in our coats / You can't say we're satisfied.« Und wo es dann heißt »you're beautiful«, da hören wir auf. Die Union singt dort weiter. Vielleicht auch nur ein Versuch der armen Männer dieser Partei, sich ob ihrer Alternativlosigkeit einzureden, dass sie ganz dicke sind mit der Dicken.

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Politik ist der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt

Donnerstag, 23. Juli 2015

Nach der Bankenkrise hat sich nichts verändert. Der Finanzkapitalismus diktiert unser Leben. Man schreckt vor jeder noch so kleinen Korrektur zurück, wie die neuen Dispo-Regeln zeigen. Sie sind das kleinmütige Projekt einer politischen Klasse, die nicht anecken will.

Das Kasino war lediglich vorübergehend geschlossen. Wahrscheinlich stimmt nicht mal diese Aussage. Richtiger gesagt wäre wohl, dass es vorübergehend außer Betrieb war, weil es einen Fehler in der Software gab. Als man den mit öffentlichen Geldern und Bürgschaften überbrückt hatte, machten die Banken alles wie eh und je. Sie spekulieren weiterhin mit Lebensmitteln, bündeln faule Kredite zu neuen Wertanlagen und hoffen nach wie vor auf den Tag, an dem man endlich einen Lösungsansatz entwickelt, um auch aus Hundescheiße ein Aktienpaket zu schnüren.

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Wie ein Baum auf kleine Pilze

oder In eigener Sache.

Richtig urlauben werde ich nicht. Woher nehmen, wenn nicht stehlen? Aber einige Tage werde ich in meinem neuen Leben verbringen, weswegen ich in den nächsten zwei, drei Wochen nicht mehr ganz so regelmäßig meinen Senf auf die Würstchen schmieren werde. Ganz weg bin ich aber auch nicht.

Abhängen.
Als junger Mensch sah ich es nicht als bewiesen an, dass in Abwesenheit eines menschlichen Ohres der Umsturz eines Baumes im Wald Lärm verursache. Ja, vielleicht würde der Baum nicht mal im klassischen Sinne fallen, sondern erst dann so daliegen, wenn ein menschliches Auge es erfasst. Warum denn nicht? Konnte man es wissen? Gab es einen Beweis? Keiner war gültig, denn jeder Beweis setzte ja die Anwesenheit eines menschlichen Sinnesorganes voraus. Aber mittlerweile glaube ich, dass das Unsinn war, denn man kann es schon beweisen. Wenn ich mich jetzt phasenweise zurückziehe und nichts von dem Irrsinn konsumiere, der in der Welt geschieht, dann ist es ja auch nicht so, dass nichts passiert. Auch ohne meine Wahrnehmung geht es weiter, fällt allerlei um: Anstand, Moral, Solidarität, kontinentale Einheit und linke Regierungen. Ja, auch wenn ich der Merkel nicht zusehe, wie sie alles ruiniert, so ruiniert sie es trotzdem. Sie fällt laut und sichtbar wie ein Baum auf kleine Pilze und es ist so was von egal, ob ich zusehe oder zuhöre.

Und obgleich meiner temporären Ignoranz alles so geschieht, wie wenn ich aufmerksam wäre, glaube ich nun auch, dass Bäume geräuschvoll fallen, wenn keiner zugegen ist. Diese Frau ist der Beweis dafür.

Also, wenn ich nicht meinen Trott einhalte, dann nicht wundern. Ich mache Pause, Urlaub häppchenweise. Bin aber nie ganz weg, sondern melde mich zwischendurch zu Wort. Nutzlos wie immer. Aber was soll ich machen? Ich komme nicht aus meiner Haut. Aber hin und wieder braucht jeder das Biedermeier, also den Rückzug in die heimischen und befreundeten Kissen, die Abkehr vom Politischen, etwas Dumpfheit für das Gemüt, Unterhaltungsromane statt Bildungslektüre, seichte Runden bei Bier statt politischen Diskurs. Und all das genehmige ich mir. Vielleicht noch ein wenig mehr. Bis dahin, lauscht dem Rauschen fallender Bäume und trauert um die Pilze. Und wenn ihr ad sinistram doch noch unterstützen wollt - oder weiterhin, oder wieder mal, oder ausnahmsweise -, macht einfach.

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Knapp 1.000 Kilometer daneben

Mittwoch, 22. Juli 2015

Heiß, Frank-Walter. Ganz heiß. Die Richtung stimmte schon. Du hättest dich mehr nach Osten orientieren müssen. Havanna lag zu weit im Westen. Es wäre nur noch ein Katzensprung gewesen. Nach Guantánamo. Und noch näher lag Florida. Dort hättest du sogar einen Adressaten gehabt.

Letzte Woche gurkte ich mal wieder mit dem Wagen durch die Gegend. Ich hörte wie so oft Autoradio. Das meldete, dass der Steinmeier auf Kuba sei und dort die Einhaltung der Menschenrechte einforderte. Oh, du geographischer Simpel, dachte ich mir. Guantánamo liegt auf Kuba. Das stimmt zwar. Aber verantwortlich dafür ist nicht Fidel oder Raúl. Dazu hätte er rübermachen müssen. In die Staaten. Und wenigstens in den Osten der Insel. Irgendwas brachte er da durcheinander. Denn die schlimmsten Verbrechen gegen die Menschlichkeit und damit Menschenrechtsverletzungen auf der kubanischen Insel, werden nicht von Kubanern begangen, sondern von Amerikanern. Und dann dachte ich an Murat Kurnaz und daran, wie diese militärische US-Enklave schon mal eine Rolle im Leben dieses deutschen Außenministers spielte. Und wie er es herunterspielte.

Ginge es ihm um generelle Menschenrechte, hätte er sich einen Mietwagen nehmen und der Autopista Nacional etwa 350 Kilometer in östliche Richtung bis Taguasco folgen müssen. Von dort ab wäre er der Carretera Central bis Palma Soriano gefolgt. Weitere 500 Kilometer wären das gewesen. Dort wäre er wieder auf die Autopista Nacional/A1 gelangt. Bei La Maya wäre er erneut auf ein Teilstück der Carretera Central gekommen und so nach einer Weile direkt auf Guantánamo gestoßen. Und auf Menschenrechte, die verletzt werden. Und auf Verantwortliche, die Menschenrechte verletzen. Florida wäre näher gewesen. Aber einen Fährbetrieb von Havanna aus soll es erst ab September oder Oktober geben. Und so wäre des Außenministers schnellste Verbindung zu Menschenrechtsverletzungen auf kubanischen Grund eben die Landroute gewesen. Nicht, dass in Fidels Kuba alles gut wäre. Oh, so naiv darf man nicht sein. Aber wenn schon, denn schon!

Er hat sich nur um einige Kilometer verhauen. Um ungefähr 1.000 Kilometer. Das ist für einen, der recht vergesslich sein soll, gar nicht mal so übel. Seit Kurnaz und dessen Geschichte glaubt man das ja gemeinhin von ihm. Oder will er Glauben machen. Und da sind 1.000 Kilometer daneben echt nicht viel. Wie der Kleine neulich, der beim Topfschlagen ganz warm war, aber das Ziel nicht fand. Am Ende hat er seine Gummibärchen trotzdem bekommen. So wie Steinmeier seine Aufmerksamkeit. Und den netten Nebeneffekt, mal wieder als anständiger Mahner wahrgenommen zu werden. Und Kurnaz? Der schlägt noch immer Topf und findet und findet keine Gerechtigkeit. Er kam übrigens nicht über die Autopista Nacional und die Carretera Central - und damit durch eine herrliche Vegetation - auf die kubanische Insel ...

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Aus fremder Feder

Dienstag, 21. Juli 2015

»Was ist also Wahrheit? Ein bewegliches Heer von Metaphern, Metonymien, Anthropomorphismen, kurz eine Summe von menschlichen Relationen, die poetisch und rhetorisch gesteigert, übertragen, geschmückt wurden, und die nach langem Gebrauch einem Volke fest, kanonisch und verbindlich dünken: die Wahrheiten sind Illusionen, von denen man vergessen hat, daß sie welche sind, Metaphern die ihr Bild verloren haben und nun als Metall, nicht mehr als Münzen in Betracht kommen.«

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Lass dich nochmal drücken, Kanzlerin!

Montag, 20. Juli 2015

Und dann hat das Mädchen geweint. Und die Kanzlerin hat gestreichelt. Als Belohnung gewissermaßen. Dafür, dass das Flüchtlingsmädchen ihre Geschichte erzählt hat.

Es waren kindliche Ausführungen von Perspektivlosigkeit und fehlender Zuversicht, vom Verlust der neuen Heimat und der Furcht, ihre Träume nicht verwirklichen zu können. Dafür gab es letztlich Streicheleinheiten. Und von vielen Seiten böse Worte gegen den Hosenanzug. Volker Königkrämer zollt Angela Merkel im »Stern« hingegen Respekt. Sie habe sich nicht weggeduckt. Die Beleidigungen bei Twitter und Konsorten (»verlogenes Mistweib« etc.) seien falsch. Und da stimme ich ihm zu. Sie sind es tatsächlich. Denn es geht nicht um den Charakter dieser Frau. Ihre kalte Hundeschnauze wäre ihre Privatsache. Es handelt sich auch nicht um schlechte Erziehung oder fehlende Empathie. Es geht darum, dass sie die Galionsfigur einer Politik ist, die Menschen wie Frachtgut exekutiert. Und nebenbei gibt sie das Spiegelbild dieser Gesellschaft ab, in der hochglanzgelächelt, gefühlvoll gestreichelt wird, in der es aber eigentlich eiskalt zugeht.

Muss man also Respekt vor einer Frau haben, die das Opfer ihrer strikten Asylpolitik streichelt? Oder ist eine solche Aktion nicht eher Hohn? Und überhaupt, was ist mit der Rhetorik der Kanzlerin? Schieben wir mal beiseite, dass die Frau mit dem Teenager ein sehr kühles, ja geschäftsmäßiges Gespräch führte. »Deshalb muss das jetzt einer Entscheidung zugeführt werden«, sagte sie und meinte den Umstand, Asylbewerber schneller ausweisen zu können. »Entscheidung zugeführt« - spricht man so mit einem Mädchen, das von ihrem Leben spricht und davon, dass es Angst hat, dieses Leben abermals zu verlieren? Klar, das ist Kälte. Das ist nicht empathisch und zeigt, die hat keine Ahnung, wie man mit jungen Leuten spricht. Sie hat ja nicht mal begriffen, dass es nicht wegen Nervosität weinte, sondern wegen der Kälte, die sie spürte. Nur lassen wir das alles mal beiseite. Erwähnt wollte ich es allerdings haben. Die eigentliche Frage ist doch: Ist diese Frau nicht auch eine dieser Entwicklungen, die wir aus dieser neoliberalen Wirklichkeit kennen?

Was ich schlimmer empfand war ein anderer Aspekt dieser schrecklichen Rhetorik. Und zwar, als sie sagte: Hör mal, Kleines, es gibt noch viele Menschen, die in Flüchtlingslagern hocken und die können wir halt nicht alle aufnehmen. Was so ein Gedankengang mit einem Menschen in dem Alter macht, ist die eine Sache. Man hat es ja gesehen. Aber wieder mal so zu tun, als wollten alle in dieses Deutschland einbrechen und für ewig hier bleiben, die Heimat einfach für immer vergessen, das ist der Köder, den man als unumstößliche Wahrheit hinwirft und mit dem man Ressentiments schürt. Boot ist voll und so. Dass das Mädchen aber nun mal schon da ist und nicht in einem Lager steckt, zählte wohl gar nichts.

Sie spricht übrigens überdies hervorragend Deutsch. Sagte man nicht immer, dass Integration mit dem Erlernen der Sprache beginnt? Bittesehr, sie kann es! Was bringt es ihr? Sie bekommt gesagt, ihr aufgebautes Leben hierzulande wird enden und wird dann als Ersatz für diese Hiobsbotschaft geherzt. Ach, wie einfühlsam das Klima in diesem Land doch ist. Lauter nette Leute ...

Das ist der eigentliche Knackpunkt dieser Affäre. Wir haben uns zu einer Gesellschaft gewandelt, die ihre Ressentiments und Exklusivitäten, ihren sturen Kurs und ihre Hardlinerei, nicht mehr mit bitterer Miene durchboxt, sondern mit fröhlichem Gesicht. Bei Strauß wusste man noch, dass er ein Arsch war. Er hat sich nie verstellt. Heute sind sie alle glatt und tun so, als täte ihnen die Konsequenzen ihrer Politik herzlich leid. Warum machen sie sie es dann so und nicht anders? So ist es überall, in sämtlichen Bereichen: Arbeitslose nennt man nun Kunden, denen man gewisse Umgangsformen selbstverständlich zuspricht, die aber in der Sache wie Unrat behandelt werden. Moslems bekommen Anteilnahme, wenn man sie von Untergrundorganisationen aus tötet. Man streichelt sie. Aber in der Sache wissen wir doch: Der Islam ist das Problem, weil er so schrecklich gewaltbereit ist. Lächeln, herzen, verständig sein und trotzdem weitermachen mit dem Plan.

Nein, es geht bei alldem nicht um Merkel und ihre Hundeschnauze. Sie ist auch bloß so ein Symptom einer Politik, die lächelt, während sie Not verordnet, die Anteilnahme predigt, wenn sie tötet. Das hat System, weil es das System ist. Man lebt wie in einem Hochglanzsystem, in dem die Fassade schimmert. Und Sauereien lächelt man weg. Streichelt man weg. Wir sind so weich, wenn wir hart sind.

Wenn sich die deutsche Regierung mal wieder aufregt, weil griechische Karikaturisten die Kanzlerin als SS-Rottenführerin zeichneten, dann werde ich sie streicheln und dann in der Sache hart bleiben und sagen: »Tja, trotzdem, rechts geschiehts dir ja, die Zeichner mussten halt eine Entscheidung zuführen und haben dich gut getroffen. Aber - Och! - lass dich nochmal drücken ...«

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ad sinistram ist tot

Freitag, 17. Juli 2015

Jetzt ist es wohl passiert: ad sinistram ist tot. Jedenfalls habe ich das Gefühl. Wenn ich sage ad sinistram, dann meine ich nicht unbedingt diese bescheidenen Seiten hier. Ich spreche vom linken politischen Spektrum. Vom »Links um!«. Einen political turn wird es in so naher Zukunft nicht geben. Wir sind festgefahren. Linke Politik ist in Europa nicht durchsetzbar. Nicht unter diesen Vorzeichen. Wir sind als Linke, Humanisten, Egalitaristen oder wie man Alternatives auch immer nennen möchte, in die Defensive gedrängt. Das »Imperium der Schande« setzt seinen Siegeszug fort. Nicht unbedingt als strahlender Sieger - aber egal, es gewinnt letztlich trotzdem. Aber die Linke verliert an Boden - und das in Zeiten, in denen der Boden für linke Perspektiven fruchtbar wäre. Die Linke schabt hierzulande an den zehn Prozent. In anderen Ländern macht sie New Labour. Und kommen doch mal Linke an die Macht, brechen sie beim Druck, den Europa erzeugt, jämmerlich ein.

Der Zeitgeist ist nicht links, wie man das zuweilen liest. Das ist eine Lüge. Der Zeitgeist ist ein Rechter. Kein Faschist mehr. Er hat seine Stiefel abgelegt. Ein Nadelstreifen-Rechter. Die Yuppies haben unsere Epoche nachhaltig geprägt. Mitmenschlichkeit und sozialen Ausgleich haben sie nie gepredigt. Tja, man merkts. Nach deren Paradigma leben wir heute. Arrogant, egoistisch und rücksichtslos. Gemeinschaftsgefühl hat keinen Stellenwert mehr. Nur in Sonntagsreden. Wie kann eigentlich einer, der im Rollstuhl sitzt und auf Hilfe seines Umfeldes angewiesen ist, so wenig Empathie für Menschen haben, die jetzt Hilfe und Perspektiven brauchen?

Die Linke hat es auf dem gesamten Kontinent schwer. Erst eine so schwere Krise des Gemeinwesens hat mal wieder eine linke Regierung, die diesen Namen verdient, an die Spitze eines Staates gespült. Nach dem Sozialismus, den man einst geschaffen hatte, musste man links immer wieder mit diesem Gespenst ringen. Keiner wollte Sowjetmodelle. Verständlich. Und plötzlich war jeder Linke ein Wiedergänger von drüben. Als habe es linke Konzepte hüben nie gegeben. In so einem Klima verliert man Rückhalt. Dennoch muss sich die europäische Linke die Frage gefallen lassen, wieso es nicht klappt mit einer Reaktivierung einer starken Linken in Europa. Woran mangelt es? Sind die Konzepte, die sie vertritt, nicht praktikabel? Oder vermittelt man nicht richtig? Und dann diese ewige Zersplitterung linker Gruppen und Sektierer. Auch so ein Riesenfehler.

Alles was momentan links geschieht, geschieht aus Gründen der Moral. Damit man was tut in Zeiten, da die alternativlose Trostlosigkeit über uns gestülpt wird wie ein luftundurchlässiges Präservativ. Linke Abgeordnete sprechen im Bundestag, obwohl ihnen keiner zuhört. Und sie halten Referenden ab, die einige Tage später kassiert werden. Alles Makulatur. Andere betreiben ein Weblog und schreiben und schreiben und schreiben. Fast täglich. Sie verändern so viel wie alle anderen Linken derzeit: Nichts. Aber man tut es. Weil man muss. Weil es Leidenschaft ist. Man es für richtig erachtet und sich nicht nachsagen lassen will, man sei eingeknickt. Hasta la victoria siempre? Nun gut, wenigstens siempre. Nach victoria sieht es ja nicht gerade aus ...

Wer mag, der darf diese Sinnlosigkeit namens »ad sinistram« natürlich unterstützen. Denn es ist ja nicht so, dass ich jetzt einfach aufhöre. Gerade jetzt nicht! Und ich muss in dieser rechten Welt ja auch Rechnungen begleichen. Das geht entweder per Paypal (siehe rechte Seitenleiste) oder über den gewöhnlichen Bankweg. Meine Kontodaten teile ich auf Nachfrage gerne mit. Herzlichen Dank möchte ich an dieser Stelle mal wieder an alle richten, die mich seit langem unterstützen. Danke auch an alle, die dies künftig tun wollen.

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Oxi und der Pessimismus

Donnerstag, 16. Juli 2015

Europa ist nicht etwa tot, wie viele unken. Es ist jetzt nur das, was es immer werden sollte: Eine graue Bürokratie weitab von Alternativen, Demokratie und sozialer Ausrichtung. Vielleicht war Oxi das letzte Zucken alter Wertvorstellungen. Jetzt sind die Wege frei für Hochfinanz und TTIP.

61 Prozent der Griechen, die zur Urne stürmten, riefen laut Nein. Was für ein Einschlag das war am Sonntag vor zwei Wochen. Ich schlug mir auf die Schenkel. Damit hatte ich nie und nimmer gerechnet. Tsipras war damit ein Coup gelungen. Griechenland stand auf. Das hatte was von einer plebiszitären Revolution gegen ein Europa, das sich als Wirtschaftszone versteht, nicht aber als der Lebensraum von Europäern verschiedenster kultureller Herkünfte. Oxi bot zwar keine Alternative im eigentlichen Sinne. Aber es war zunächst mal das notwendige Nein zu einer Politik, die die Menschen in den Abgrund spart und die Perspektiven, Hoffnungen und Wünsche von Jung und Alt unter sich begräbt. Man kann viel über Geld sprechen, aber was ist ein Gemeinwesen wert, in dem Menschen keine Zukunftspläne mehr schmieden, weil alles trostlos ist? Das hat die Troika, das haben die Rädelsführer aus Berlin in all den Jahren nicht begriffen: Eine Kontinentalunion, die die Perspektivlosigkeit nicht nur duldet, sondern zur Agenda macht, schafft Tristesse und nicht etwa ökonomische Zuversicht, wie man das dieser Tage zuweilen liest.

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Nur kein Wortspiel mit einem H zuviel mehr

Mittwoch, 15. Juli 2015

Jetzt regt man sich über Dieter Nuhr auf. Wieso eigentlich? Der Mann ist nur konsequent. Nicht konsequent für Meinungsfreiheit. Das sollte man nicht verwechseln. Er ist konsequent für Herrschaftsmoral. So flutscht doch die Satire, die er meint.

Vor Jahren gab er sich verbittert. Kabarett in diesem Land sei so eine trockene Veranstaltung, weil man nur immer das Negative heranziehe, um die Leute zum Schmunzeln zu bringen. Aber so müsse Kabarett nicht sein. Es müsse viel mehr auch mal die positiven Seiten des Lebens präsentieren und damit Lacher ernten. Ich stellte mir vor, wie ein Georg Schramm die Rentenpolitik lobt. Oder Hildebrandt (damals lebte er noch) plötzlich Wortspiele macht, bei denen sich »Merkel« auf affirmative Begriffe reimt. Was unmöglich ist, weil es da nichts gibt. Aber mit der Kraft des positiven Denkens, müsste wohl auch das möglich sein. Kurz und gut, die Vorstellung war bizarr. Denn wenn Kabarett buchstäblich etwas bedeutet, dann den Mächtigen eben gerade nicht nach dem Mund zu reden. Ihnen Dinge an den Kopf zu schmeißen, die man im realen Leben nicht schmeißt. Weil man es nicht kann oder es nicht geht, es sich nicht geziemt.

Denn das Kabarett kommt aus der Bierstube - cabaret, französisch: Schänke. Dort nahm der Pöbel kein Blatt vor dem Mund. Allzugroßer Respekt vor der Macht verlor hier seine hemmende Wirkung. Alkohol und so. Der Mut wächst mit den Promille. Die kleine Kneipe war ein Ort, der nicht von Devotion vereinnahmt wurde, sondern von versteckter Offenheit gegen die, die Macht in ihren Händen hielten. Dieses Klima der Schänke, in der der jeweilige Machthaber ausgeschlossen war, es ist das Fluidum des Kabaretts. Dem Kabarett seine Zähne ziehen zu wollen, um ihm versöhnende Wirkungsweisen zu überschreiben, das widerspricht dem Wesen dieser Kleinkunst. Was Nuhr da damals forderte, das war nicht weniger als der Umstand, dass Flüsse nicht immer nass sein müssen. Oder Schnee in der Sonne nicht zwangsläufig Schmelzwasser wird.

Als dann sein »Satire-Gipfel« startete, konnte man sehen, was er meinte. Irgendwie fand er kein kritisches Wort zur Regierung. Alles wirkte leicht (und seicht) auf INSM getrimmt. Neoliberalismus in flapsiger Form. Wie ein Professor Sinn auf Hallimasch. Oder ein Hans Tietmeyer, der zu viel am Distickstoffmonoxid gesaugt hat. Seine derzeit kursierenden Statements zu Moslems oder Griechen sind da wie gesagt nur konsequent. Er wiederkäut Herrschaftsmoral. Stellt sich nicht auf die Seite der Randgruppen und von Verbalpogromen bedrohten Menschen, indem er witzig und profund auf deren Situation hinweist. Nein, das wäre ja negativ im Sinne der Agenda. Er macht was Positivies daraus und basht. Das stärkt den Zusammenhalt. Deutschland ist halt eine exklusive Gesellschaft. Der Kitt besteht daraus, andere aus der Gemeinschaft herauszuhalten. Sein Job ist es nun, die Grundlagen dafür zu schaffen.

Insofern verstehe ich die Aufregung mal wieder nicht. Nuhr hat seine Pfade ja gar nicht verlassen. Er macht, was er ankündigte und gewisserweise schon immer machte. Und die Medien wiederum machen, was sie immer machen, wenn sie von ihm schreiben: Sich eine Überschrift mit einem Nur ausdenken und dann ein H reinbasteln. So macht es der Mann ja mit seinen Programmen auch. Ich wünsche mir indes nu(h)r kein Wortspiel mit einem H zuviel mehr. Dass der Mann irgendwann kabarettistischer tickt, wünsche ich mir hingegen nicht. Man muss realisitisch bleiben. Aus dem wird nichts mehr. Und aus einem H zuviel wird nie ein guter Kalauer.

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... wenn man trotzdem lacht

Dienstag, 14. Juli 2015

»Demokratie ist ein Verfahren, das garantiert, dass wir nicht besser regiert werden, als wir es verdienen.«

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